Path:
Preface

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

iin Brief statt eines Vorwortes.

Geehrter Herr Lasson!

Wie tarnen wir doch zusammen?

Ein gemeinsamer Bekannter von uns bat mich, Ihnen Gelegenheit zu einer eingehenden Besichtigung der Anstalten des Brandenvurgischen Provinzial-Vereins zur Bekämpfung des Vagabundentums zu geben. Dieser Verein, dem ich seit vier Jahren vorstehe, hat sich zum höheren Ziele die Fürsorge der schulentlassenen männlichen Jugend gesetzt. Berechtigterweise, denn er meint, man müsse das Uebel der Vagabundage an der Wurzel fassen. Die „alten Brüder von der Landstraße", wie sie der Senior der Fürsorgebestrebungen, unser lieber Pastor von Bodelschwingh, nennt, sind kaum der menschlichen Gesellschaft als nützliche Glieder em-zufügen. Gewiß wirkt der Aufenthalt in den Arbeiterkolonien günstig auf viele dieser älteren Elemente ein. Manch einer hat den Weg zu einem geordneten Leben, zu einer gesicherten bürgerlichen Existenz durch geregelte Tätigkeit und Alkoholentwöhnung mit Hilfe dieser segensreichen Anstalten zurückgefunden. Aber wertvoller noch als diese Arbeit hielt mein verehrter Vorgänger im Vorsitz, Herr Geheimer Ober-Regierungsrat von Massow-Potsdam, die Fürsorge an den gefährdeten schulentlassenen Jungen.

Unser Brandenburgischer Provinzialverein hatte die Arbeit an den der Fürsorge bedürftigen Burschen schon aufgenommen, ehe das Gesetz vom 2. 7. 1900 in Kraft trat.

Em höchst erfreulicher Beweis für das rege Interesse der Anstalten freier Liebestätigkeit der inneren Mission.

E i l a n g h o f wurde gegründet und mit 80 Jünglingen belegt.

Ein junger tüchtiger Geistlicher stand dieser Anstalt vor. Man glaubte das Erziehungswerk nach dem Grundsätze betreiben zu sollen: „Nach außen geschlossen, innen frei". Daß dies Prinzip freilich dahin führte, die Anstalt mit hohen Mauern zu umgeben und die Fenster mit eisernen Traillen zu vergittern, gab dem Gebäude ein, wenn auch ungewollt, düsteres Gepräge.

Wer das der Fürsorgeerziehung übergebene junge Menschenmaterial iennt, der weiß aus Erfahrung, daß es vergebliche Mühe ist, zu versuchen, die Jungens von der Außenwelt abzuschneiden.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.