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Schlußbetrachtungen

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

108 Erotzstadt-Dokumente Bd. 49. Gefährdete und verwahrloste Jugend. 
wieder dem Menschentum zurückgibt. Die Fürsorgezöglinge 
werden aus ihrem alten Kreise gewissermaßen herausgerissen 
und in eine neue Sphäre versetzt, die dem bisherigen niederen 
Triebleben, in dem sie gehaust haben, so fern wie möglich steht, 
und der neue Gedankenkreis muß sie so vollständig bannen, 
aber auch befriedigen, daß sie ihrer ursprünglichen Sumpf¬ 
sphäre vollkommen entfremdet werden. 
Man versteht im „Urban" unter Arbeit etwas anderes 
als jahrelang Blechdosen löten oder Schreibheftdeckel zuschnei¬ 
den oder Bleisoldaten antuschen. Die Mädchen sollen nicht 
bloß waschen und plätten lernen, wie es der mit Motor und 
Dampfkessel versehene Betrieb erfordert, sondern auch, wie sie 
es später in einem kleinen Haushalt anwenden werden. In 
der Kochschule lernen sie Hausmannskost kochen, die verschie¬ 
denen Kochsysteme praktisch erproben, auch die notwendigen 
Kenntnisse über Lebensmittel sich aneignen. Auch in landwirt¬ 
schaftlichen Verrichtungen, wie Melken, in der Butter- und 
Käsebereitung usw. erhalten sie Unterweisung. Ferner üben 
die Kinder ihre Fähigkeiten außer in den verschiedenen Werk¬ 
stätten auch bei Ausführung von Arbeiten in Feld und Garten 
durch Landwirtschaft, Viehzucht, Bienen- und Hühnerzucht und 
durch Anlage von Topfpflanzenkulturen. 
Immer aber ist das erziehliche Prinzip dem materiellen 
Vorteil der Anstalt übergeordnet, und trotzdem arbeitet der 
„Urban" bedeutend billiger und besser, als diejenigen Anstalten, 
bei denen die Tätigkeit auf Erwerb gerichtet ist. Alle Arbeits¬ 
kraft der Zöglinge wird nur im Interesse der Anstalt ver¬ 
wendet und was bei anderen Anstalten der Zwischenhandel 
einheimst, das erspart sie dadurch, das alles, aber auch alles 
was man in der Anstalt gebraucht: Hemden, Kleider, Uni¬ 
formen, Stiefel, Pantoffeln dort unter Leitung tüchtiger Hand¬ 
werksmeister herstellt, wie auch alle Glaser-, Maler-, Schlosser¬ 
und Tischlerarbeit dort geleistet wird. Dazu gehört allerdings 
auch ein so vorzüglich geleiteter und organisierter Werkstätten- 
betrleb, wie er am „Urban" vorhanden ist. Und als besonders 
wertvoller erziehlicher Faktor ist es anzusehen, daß die Kinder
        
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