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Wie sieht nun die Arbeit in vielen Erziehungsanstalten aus?

Full text: Gefährdete und verwahrloste Jugend / Lasson, Alfred

Wie sieht nun die Arbeit in vielen Erziehungsanstalten aus? 97

klopfen, Erbsen, Bohnen und Linsen verlesen für fremde Geschäfte, Mallen flechten, Blechbüchsen herstellen, fabrikmäßige Herstellung von Bürsten, Tüten kleben, Zündhölzer fabrizieren und dergleichen mehr — mögen die Arbeiten auch nur vereinzelt vorkommen — setzen die Erzieher den Eltern der Kinder gegenüber, denen z. B. wegen wirtschaftlicher Ausbeutung die Kinder genommen wurden, dem Verdachte aus, daß sie sich desselben Fehlers schuldig machen. Erziehlich gewinnbringend sind diese Arbeiten jedenfalls nicht!

Denn welcher erziehliche Gewinn steckt z. B. in der Fabrikation von Blechdosen, wenn der eine Zögling das Blech zuschneidet, der andere es rollt, der dritte lötet, der vierte zählt, der fünfte verpackt, ganz abgesehen davon, daß diese Arbeit viel leichter, schneller und billiger mit einer Maschine hergestellt wird? Der materielle Gewinn ist aber doch nicht unbedeutend für die Anstalt, so wendet man ein. Dieser materielle Gewinn beruht auf Selbsttäuschung, denn die fabrikmäßig hergestellte Arbeit wird mit Spottpreisen bezahlt. Arbeiten, die zum Besten der Anstaltszöglinge hergestellt werden, rentieren sich jedenfalls weit mehr, zumal, wenn durch systemathisch-methodische Arbeitsanleitung die Freude und Geschicklichkeit zur Arbeit gefördert wird, was die Arbeitsleistung nach Güte und Menge steigert. Dazu kommt, daß manche dieser Arbeiten mit den Grundsätzen, auf welchen das Kinderschutzgesetz aufgebaut ist, nicht im Einklang stehen. Wenn auch nach § 6 der Gewerbeordnung die Erziehungsanstalten nicht unter das Kinderschutzgesetz fallen, da Erziehung gegen Entgelt nicht unter den Begriff „Gewerbe" gehört, so ist es doch nicht billig und gerecht, in den Anstalten solche Arbeiten zu machen, die mit den Grundsätzen des Kinderschutzgesetzes nicht harmonieren. Auch empfiehlt es sich aus gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Gründen, für die Arbeit Bestimmungen betreffend Beginn, Dauer und Ende der Arbeitszeit, die Erholungspausen und Auswahl der Arbeiten zur Durchführung zu bringen.

Gegen diese Grundsätze, die von einsichtigen Anstaltsleitern eifrig gefordert werden, wird aber häufig genug in der aller-
        
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