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II. Berufsbewusstsein - nicht Standesbewußtsein. Bureaukratie, Spezialistentum, Unbefriedrigung, Persönlichkeit

Full text: Berliner Beamte / Clerk, ...

II. Verufsberoußtsein — nicht Standesbewußtsein. 17 
amtentums soll aus den nachstehenden Blättern noch ein¬ 
gehender behandelt werden. 
Zuvor aber ist zu untersuchen, welche Impondera¬ 
bilien das Leben des Beamten in der Großstadt bestim¬ 
men, welche davon zu begünstigen sind und welchen zu 
begegnen ist. 
Denn es unterliegt gar keinem Zweifel: die große 
Stadt ist für die meisten Beamten das Ziel ihrer Sehn¬ 
sucht. Sie muß es sein wegen ihrer wirtschaftlichen und 
kulturellen Vorzüge, die sie dem Beamten und seiner 
Familie bietet und weil die Versetzung in eine große 
Stadt zunächst gleichbedeutend ist mit Beförderung und 
Aufbesserung. Die geistige und wirtschaftliche Struktur 
des Großstadtbeamtentums wird daher ^um Maßstab für 
das Beamtentum überhaupt. 
Es wird gerade von Beamten so oft geklagt, daß 
ihr Beruf sie, abgesehen von der wirtschaftlichen Sicher¬ 
heit, nicht befriedige. 
Es wird geklagt, daß das höchste Glück der Erden¬ 
kinder, die Persönlichkeit, im Beamtentum gefährdet sei. 
Diese Klage ist gewiß besser, als der Dünkel des 
Bureaukraten, der sich an seiner Stelle für unersetzlich 
hält, der es für eine Lebensaufgabe hält, dem Buchstaben 
zu genügen. 
Es erhebt sich die Frage: Ist das Beamtentum. 
wirklich davon ausgeschlossen, neue Werte hervorzubringen? 
Beruht die Berufsverdrossenheit nicht auf anderen Ursachen? 
Auch im Beamtentum behält zuletzt die Persönlich¬ 
keit recht. 
Grotzstadt-Dokumente Bd. 43. 2
        
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