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X. Berliner "Jüdische Theater"

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

XI. Der deutsche Mhnenklub 
Die Gründung dieser Vereinigung der Bühnen¬ 
künstler, die in Berlin ihr Heim hat, stützt sich auf 
zwei Motive. Das erste ist ein mehr ethisches und 
richtet sich gegen die banausische Form, in welcher die 
Berliner Gesellschaft den Schauspieler in ihre Um¬ 
gangssphäre miteinschließt. Das geschieht noch immer 
— und wird nie anders sein —, indem man den 
Mimen als Prunkstück bei festlichen Gelegenheiten 
auftischt oder ihm als „Vratenbarden" eine durchaus 
schäbige Außenseiterrolle zuweist. Innigere Bezie¬ 
hungen sind nur in einigen vorurteilslosen Familien 
möglich, die dann ihrerseits — innerhalb der Sippe 
der Spießer — durch eine allgemeine Acht für ihren 
Freisinn zu büßen haben. Gegen dieses splitterrichte- 
rische Pharisäertum lehnten sich die Berliner Schau¬ 
spieler, zugleich auch in der Absicht, als umfangreichste 
Körperschaft ihres Faches irrt Deutschen Reich bei den 
Provinzkollegen vorbildlich zu wirken, entschieden 
auf. Man wollte versuchen, sich im Kollegenkreise 
jene enge, aus dem Zusammengehörigkeitsgefühl ge¬ 
borene Verbindung zu schaffen, die mit fremden 
Schichten nicht herzustellen ist. Man wollte diesen 
zeigen: „Braucht ihr uns nicht, so brauchen wir euch 
auch nicht; wir schaffen uns unsere Geselligkeit im 
eigenen Stil, in eigenen Räumen und werden es 
einigermaßen zu verhindern wissen, daß euer Snob- 
gelüst uns auch dorthin nachdrängt". Neben dieses 
mehr gesellschaftliche Frondemotiv trat die wirtschaft¬ 
liche Frage. Jüngere Berufsmitglieder ohne eigenes 
Heim waren naturgemäß durch den bekannten zigeu 
nerischen Drang der Künstlernatur in den greistun-
        
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