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IX. Theaterschulen

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

92 Großstadt-Dokumente Bd. 29. Berliner Theater.

Sommersonne. Echauffiert verlassen Schüler und Schülerinnen die Schauspielakademie und eilen noch auf ein Stündchen in den Tiergarten, um 311 plaudern und zu lästern. Die Augen leuchten von starken Eindrücken: die Wangen brennen von Hoffnung und vager Sehnsucht. Drüben an der Straßenecke nimmt ein langer, hagerer Mensch das junge Defilee ab. Schäbig gekleidet zeigt er das graue, von der Schminke zerstörte Antlitz des alten Komödianten. Und inmitten des lebendigen, frohen Treibens der Jugend bekommen alte Bilder seines Lebens neue Farbe vor den Augen seiner Seele. So hat auch er sein „Künstlerdasein" begonnen: gedankenlos und mit sicherem Glauben an die Erfüllung seiner Träume. Als dann aber das Talent nicht reichte, als Krankheiten, Familiensorgen, Mißerfolge ihn von Stufe zu Stufe degradierten, da drängten ihn die Jahre langsam dahin, wo er jetzt steht. Dahin, wo man aus der Hand in den Mund lebt und froh sein muß, wenn der Agent den „Durchreisenden" pünktlich von Nest zu Nest weiterverheuert. Stumpf sieht er den halben Kindern nach, die nun warten, wie er einst wartete. „Es kommt alles anders beim Theater," flüstert er kopfschüttelnd vor sich hin und geht ins Cafe, wo man ihm noch pumpt ....
        
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