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VII. Theateragenten

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

78 Großstadt-Dokumente Vd. 29. Berliner Theater. 
[teuer: nämlich den Aufwand für ihre Büh¬ 
ne n g a r d e r o b e. Ueber diesen Punkt ist, ohne 
eine endgültig schlichtende Einigungsart zu finden, in 
den Parlamenten der Schauspieler und der Direk¬ 
toren unter Alarmierung sämtlicher Gesichtspunkte 
der Menschlichkeit schon heftig gekämpft worden. Aber 
der Logiker hat für dieses Geschrei nur ein Achsel¬ 
zucken. Es gibt da einzig die kühle, gelassene An¬ 
finge: „Wie kommt die Künstlerin, die dem Theater 
schon ihr Können verheuert, dazu, der nämlichen 
-oiihste^ noch weiter ausschmückende Requisiten herzu- 
leihen? Ohne Verbindung mit diesem Theater 
würde sie an die Anschaffung ganz bestimmter 
-toiletten nie gedacht haben. Warum also soll die 
Schauspielerin für den Ehrgeiz, die Glanzfreude des 
Direktors eintreten, der hübsche Damenkostüme kaufen 
muß, wie auch e r (nicht die Schauspielerin) die bun¬ 
ten, das Auge reizenden Dekorationen zu erstehen 
hat?" Ich wüßte nicht, was sich Triftiges gegen diese 
soliden, ehrlichen Beweisgründe anführen ließe. 
Trotzdem liegt die Sache anders: und zwar so, daß 
renommierte Vühnendarnen, deren darstellerische 
Fähigkeiten allgemein mit Begeisterung bestätigt 
werden, deren Einkünfte man mit respektvollem 
Staunen nennt, die Welt eines schönen Tages durch 
ihren materiellen Ruin überraschen. Es ist ohne wei ¬ 
teres sicher, daß der maßlose Ausstattungsluxus der 
augenblicklichen Jnfzenierungsform diese Misere im¬ 
mer noch steigert und daß sich das nicht mehr ein¬ 
schränken lassen kann, weil es schwer, ja unmöglich ist, 
verwöhnte Ansprüche ohne materielle Einbuße wieder 
zu entwöhnen. Das Publikum aber ist durch diesen 
verschwenderischen Reichtum auf die schlimmste aller 
Anschauungen hingedrängt worden. Denn es nimmt 
heute diese Verschwendung nicht etwa als ein beson¬ 
ders großes Entgegenkommen des Theaters auf, son¬ 
dern verlangt den Aufwand und krittelt nur, 
wenn ein Bühnenleiter um ein paar Linien hinter 
dem üblichen Prunk zurückbleibt. Man mache sich
        
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