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VII. Theateragenten

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

72 Großstadt-Dokumente Vd. 29. Berliner Theater.

vom Stück haben sie allein Gewinn oder Verlust. Die Wahl des Schauspielers aber, dessen Versagen dieser ja zuvörderst selbst zu tragen hat, überläßt man dem Agenten. Man schreibt: Das und das brauche ich, und ersieht sich auf diese Weise einen den intimen Bedürfnissen des beteiligten Theaters wildfremd oder durchaus passiv gegenüberstehenden Menschen zum Markthelfer. Da aber auch der Agent meist nur Vakanzen — nicht Talente — anbietet, was muß da entstehen? Es ist seltsam, daß diese durch Leichtfertigkeit und Gewissenlosigkeit gleichmäßig beschworene Misere auch nicht verschwunden ist, seitdem die „Deutsche Bühnengenossenschaft" dafür Sorge getragen hat, daß der „Probemonat" nur selten noch zu den kontraktlichen Bedingungen anständig geleiteter deutscher Theater gehört. So muß der Direktor jetzt jede Fehlspekulation oder besser jeden Irrtum des Agenten mit einer Saisongage erkaufen. Aber das Vertrauen in die so selten vorhandene künstlerische Zurechnungsfähigfeit des Vermittlers oder besser die Trägheit des Theaterleiters besteht trotzdem ruhig weiter. Und dem Schauspieler, der einen andern Posten vielleicht gut und tüchtig ausgefüllt hätte, bleibt die Zeit der falschen Verwendung mit ihren bösen Konsequenzen (Kritik) sehr häufig an seiner ganzen beruflichen Entwicklung hängen.

xSch gebe noch ein paar Vildaufnahmen aus der Sphäre der Theateragenten. Diese lassen sich dem Kodak des Beobachters am besten einverleiben, wenn Anfang April nach Schluß der mittleren und kleineren Provinzbühnen die „P a 1 m a r u m b r ü d e r“ auf Berliner Boden erscheinen. Diese seltsam klingende Begriffsbezeichnung soll nun erklärt werden.

Ein heiteres Verslein kommt mir zu Sinn. Es wird niemals denen entschwinden, die es einst — in der gleichen Jahreszeit — gemeinsam „dichteten". Und es führt, wenn ich es hier zitiere, blitzesschnell die
        
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