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VII. Theateragenten

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

VII. Theateragenten.	71

der Dinge mehr kaufmännische als ästhetische Intelligenzen zu sein pflegen — im eigenen Interesse und im Interesse der Schauspieler die Oberaufsicht über die künstlerische Arbeit des Agenten zu führen. Nur der Leiter des Ensembles kann wissen, in welcher Form die Lücken des letzteren zu ergänzen sind. Nur ihm kann es geläufig sein, was dem aus dem Theater-verbande geschiedenen Schauspieler an Vorzügen und Scheiden eigen war: was der Nachfolger haben muß, um vollwertigen Ersatz zu bieten, dem Publikum und der Presse zu behagen. Solche Neuengagements geschahen früher fast ausschließlich auf das Risiko des Künstlers, der — da ein Gastspiel nur an größeren Bühnen möglich ist — sich der gefährlichen Klippe des „Probemonats" aussetzen mußte, um an ihr oft genug zu scheitern, dann irgendwo unterkriechen zu müssen oder völlig vis ä vis de rien zu sein. Schon damals hätten sich derartige Spekulationen viel eher zu gutem Ende führen lassen, wenn der Theaterdirektor die so naheliegende Idee, s e l b st zu prüfen, in seine Gewohnheiten aufgenommen hätte. Dazu ist nur eine kurze Reise, die natürlich in jeder Saison wiederzukehren hat, nötig. Man fährt durch das räumlich bequem gelegene Interessengebiet, notiert hier einen vielversprechenden Anfänger, sieht dort die Reife eines anderen, den man schon länger auf dem Kerbholz hatte, und kann nach eigenen Beobachtungen Zusammenhängekonstruieren,Verbindungsfäden knüpfen, die eben nur dem persönlich Beteiligten geläufig sein können. Ist so klug und sachlich disponiert, dann tritt die geschäftliche Hilfe des Theateragenten ein. Ihm geht die Liste der Nennen zu: er knüpft da praktisch an, wo das Auge des Theaterdirektors geprüft hat. Es spricht gegen die Intelligenz und die moralische Wohlanständigkeit der Theaterdirektoren, daß sie nur zum kleinern Teil selbst in den Konkurrenzinstituten zum Rechten sehen. Die Fahrt zu einer hauptstädtischen Premiere, zu ein paar vergnügten Tagen und Nächten wird nicht gescheut: denn
        
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