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VI. Die Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

60 Großstadt-Dokumente Vd. 29. Berliner^heater.

Gesinnungsgenossen des Parsifalentführers fest; und man zeichnete endlich als drittes Porträt eines einem deutschen Theater vorgesetzten „Altruisten" das des Herrn Erdmann-Jesnitzer, Bremen, an die Wand Wie man weiß, konstituierten sich nach der vorjährigen Tagung der Genossenschaft „Schauspielerschiedsgerichte", in denen Direktoren und Schauspieler in numerischer Eleichteilung über strittige berufliche Rechtfälle befinden sollten. Da hatte sich nun folgendes ereignet. Eine Sängerin in Halle stürzt über ein Hindernis des Vühnenbodens, muß vorn Platze getragen werden, ist temporär arbeitsunfähig. Nach drei Wochen entläßt sie ihr Vühnenmonarch ohne ferneren Gagenanspruch; übersieht auch nicht, ihr die Kosten des Krankentransports (vom Theater in die Wohnung) zu berechnen — ebenso ein Glasfenster, welches die Transporteure zerbrachen. Das Schiedsgericht stellt sich dennoch auf die Seite des Direktors. Freilich sprachen die Berliner Richter das dem Recht entsprechende, zugunsten jener Sängerin entscheidende Votum. Aber — einem alten, unverständlichen juristischen Mißbrauch folgend — hatte der Obmann des Schiedsgerichts, eben der Bremer Vühnenregent Erdmann-Jesnitzer, der als erster das Aktenmaterial zu Gesicht bekam, seinen den Interessen des beteiligten Direktors geneigten Schiedsspruch gleich formuliert und ihn den Akten für ihren spätern Rundlauf durch die Reihe der andern Richter mitgegeben. Die logische Folge dieses Verfahrens ist klar. Nur diejenigen Richter, welche die Schwerarbeit einer persönlichen Auffassung nicht scheuten, protestierten jenem seltsamen Wahlspruch. Das Gros aber lief dem Mentor nach. Wenn die Berliner Funktionäre des Schiedsgerichts, Barnay und Rickelt, auf ein derartiges Urteil mit einer Abdankung entgegneten, muß man ihnen dafür die Hand drücken.

Zur einzigen wesentlichen Entscheidung des jüngsten Bühnenparlaments ward so eine politische Kuriosität. Man hat den Schauspielerinnen das
        
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