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VI. Die Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

58 Großstadt-Dokumente Bd. 29. Berliner Theater.

rhetorischen Leistung immer mit einem Stich ins Vülowelnd-Witzige. Er wird nie energisch — was Max Pohl bei gar zu radikalen Eruptionen wohl werden kann. Er weiß, daß man mit den Lachern neben sich siegt; und er sucht stets, diese Lacher zu fangen. Schade, daß Albert Patry demnächst sein Amt niederlegen wird, weil er inzwischen Hoftheaterschauspieler ward und die sehr billigenswerte Meinung hat, daß nicht zwei Hoftheaterherren im Parlament der Mimen den Ton angeben dürfen. Zwischen den Schlachten der Fraktionen wandelt mit olympischer Gelassenheit Ludwig Varnay. Sicher eine der erfreulichsten Erscheinungen des Vühnenparlaments, weil er — ohne grade den Großen Fronde zu leisten — sobald es zum Vomlederziehen kommt, stets auf der Seite der Kleinen ist. Seine technische Parole heißt: die Spitzen abbrechen. Schon wenn er weiß, daß demnächst eine rednerische Bombe fliegen wird, kommt er, dem weichen Pfühl des „Ehrenpräfes" entsagend, langsam vor und schiebt den weißlockigen Jmpera-torenkops von hinten her gemächlich neben das Ohr des wutschnaubenden Radikalen, der dann — davon kann man überzeugt sein — in seiner Rede einige Invektiven fehlen läßt. Schließlich spricht er selber, mit gedämpftem Stimmklang, plaudernd. Auf die Form seiner Rede verwendet er nicht viel Gewicht, trotzdem er sie beherrscht. Sein Speech hat stets die Hände in den Hosentaschen und wird um so lächelnder, je schärfere Hiebe vorher fielen. Dann werden langsam Verbindungsfäden gezogen, hinüber, herüber, werden Netze weiser, mildernder Vorschläge gesponnen . . . und ein Aufatmen endet, was in schwülem Zorn begann. Denn mit Rickelt und Pategg ist nicht zu spaßen. Rickelt vom Lessingtheater zwar ist mehr ehrlicher, biderber Polterer als kratzig scharfer Debatter. Aber sein Aufhauen — wenn aus dem eckigen, vom Affekt tief geröteten, feisten Kopf mit der Doggennase die harten, oft ungefügen Sätze her-vorkrachen — gibt die Sicherheit, daß hier die Larve
        
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