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V. Die Berliner Theaterkritik

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

V. Die Berliner Theaterkritik.	55

Dr. Ernst Heilborn, der die „Frankfurter Bettung“, der geschmeidig-witzige Novellist und Dramatiker Rudolf Presber, der graziöse Stil-voltigeur Felix Poppenberg, die andere Pro-vinzstädte orientieren, schließen den Ring. Denn Julius Hart und Leopold Schönhoff, die dem Dr. Alfred Kerr am „Tag" sekundieren, stelle ich absichtlich ein wenig außerhalb desselben. Gewiß sind diese beiden feine Könner, ernsthaft durchgebildete, wissenschaftlich reich versehene Gelehrte. Aber sie betrachten das Theater sichtlich mit so tiefem Groll, regalieren diese Kunstübung so eifrig mit Achselzucken und spöttischem, überlegenem Lächeln, benutzen den ihnen für theaterkritische Künste übergebenen Zeitungsraum so freigebig für philo-theosophische Darlegungen oder geschliffene Antitheatralia, daß eine segensreiche Förderung des Berliner Bühnenwesens von diesen beiden Herren nicht zu erwarten ist.

Aber es gibt unter allen diesen kaum einen, der in der Lage wäre, die Beziehungen der großen Masse zum Berliner Theatergeschäft einschneidend zu beeinflussen. Sie schreiben für literarisch Interessierte, für Künstler und Kunstkiebitze, die „ihren" Kerr oder „ihren" Harden in den jedesmaligen kritischen Leistungen kontrolliert haben müssen. Auch die „Vielen" machen sich gewiß den kritischen Teil des Leib- und Magenblättchens zu eigen. Aber sie wären nicht skeptische Berliner, wenn sie nicht das Bedürfnis fühlten, überall auf Ja und Nein persönlich nachzuprüfen. So plädiert die Presse für Brahm und Reinhardt . . . und der vielgelästerte Ferdinand Bonn, das „Metropoltheater" machen die Hauptkasse.
        
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