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V. Die Berliner Theaterkritik

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

V. Die Berliner Theaterkritik.	53

lungen um das gleiche Thema, allmählich so lange gesteigert und zugespitzt wird, bis der führende Beweggrund des Poeten, des Regisseurs, des Schauspielers bloßgelegt ist. Wie solch eine Charakteristik oft schon in ein kurzes, drei bis fünf Worte umspannendes Sätzchen gebannt ist, das von befreiend zutreffendem Witz wie von ehrerbietiger Anbetung diktiert sein kann. Es ist natürlich, daß sich bei alle-dem Unterschiede zwischen der persönlichen Meinung des Fernstehenden und der Ansicht Kerrs ergeben: daß man seinen Hauptmannkult, wie seinen Suder-mannhaß maßlos findet. Für alle Fälle aber hat er das Gefühl für die Praxis der Sache, läßt dem Schauspieler sein Recht und hat — er, der radikal-literarisch Eingeschworene — den Humor, auch leichte Dinge von Geschmack heiter zu ertragen . . . Hier fehlt es ein wenig dem Dr. Monty Jacobs — ich nenne die Herren, wie sie mir vor die Feder kommen —, der sich mit einem wertvollen Maeterlinckbuche vor ein paar Jahren in die Literatur eingeführt hat, und nun mit literarischem Eifer, Schärfe und gutem Ausdrucksvermögen das „Berliner Tageblatt" bedient. Dort amtiert auch FritzEngel, durchaus der Theatermann, der weiß, worauf es ankommt, und in der Beherrschung eines sorgfältig ausgebauten, sarkastischen, wohltuend graziösen Stils wie in seiner jeder Ueberschwenglichkeit abholden Auffassung sicher unsern Besten beizuzählen ist. Auch dem Kritikerzweiblatt der „Täglichen R u n d s ch a u", dem norddeutsch-derben, urgesunden Paul Mahn, dem für gute künstlerische Fragen in schöner, fortreißender Stilbeweglichkeit sich ins Zeug legenden Karl Strecker, kann man gern Gefolgschaft leisten. In der „Berliner M o r g e n p o st" schreibt mit Verve, klar sehendem Verständnis und leidenschaftlicher Anteilnahme Norbert Falk, ein guter Hasser, wenn's auf literarische Koterien und Machenschaften, auf die jeder gesunden Kunstübung fremden Hypermodernen loszudreschen gilt. Die „B. Z. a.
        
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