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V. Die Berliner Theaterkritik

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

V. Die Berliner Theaterkritik

Auch wenn nicht jegliche Wissenschaft — und die Kritik ist längst zur gesonderten Wissenschaft geworden — ohne ständige Reformationsprozesse Nost ansetzen würde, möchte ich im speziellen der Berliner Theaterkritik einige Aenderungen wünschen. Man sollte meinen, daß die beiden Bestandteile, aus denen sich das Leitwort „Theaterkritik" zusammensetzt, schon an sich die beste und deutlichste Anleitung hergeben müßten, wer einzig sich mit diesem Ressort zu befassen hat. Eben nur der Kritiker, welcher seine sachliche Fähigkeit durch theoretische und zugleich praktische Kenntnisse des Theaterwesens, durch Erforschung der Theatertradition und der Theatertechnik und der Theaterspielerei (möglichst vieler Zeiten, Städte und Länder) und alles dessen, was mit Theater zusammenhängt, ergänzt hat. Wer aber ist bei uns heute Theaterkritiker? Der Germanist und der Philosoph, der Plauderer und der Sozialpolitiker. Fähige Köpfe, deren Interesse sie indessen meist auf ein dem Theater weit entlegenes Gebiet hinweist. Daher unsere oft so kühle, rein dem beruflichen Zwange entsprechende Kritik, die ihre Dogmen oft sogar einfach auf einer Herabsetzung des Theaters im allgemeinen aufbaut. Daher auch jene Art der lako--nischen und summarischen Abfertigung der schauspielerischen Leistung, von der ich bereits im vorigen Kapitel sprechen mußte. Es ist wahrhaftig weniger eine kritische Besserungsarbeit als ein Kampf gegen den Wert der Bühne, der auf diese Weise betrieben wird. Man nehme also nur Kritiker, deren Lebensarbeit und vitalste ästhetische Neigung nicht „auch", sondern
        
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