Path:
II. Die Berliner Theater und die Kunst

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

30 Großstadt-Dokumente Vd. 29. Berliner Theater.

daß die Theaterleiter, die ihre Räume für dieses edle Beginnen herleihen, auch die notwendigen Dekorationen, Ausstattungsgegenstände usw., und nicht nur verstaubtes Gerümpel zur Verfügung stellen. Ebenso, daß dem bescheidenen Publikum, das erzogen, nicht nur gerade befriedigt werden soll, mehr geboten wird, als eine Schar untergeordneter Schauspieler in der Umgebung des einen Stars, den die Rolle reizte. Weit besser als diese Elftausend haben es denn auch die 12 000 Leute von der „Neuen freien Volks -b ü h n e", deren Präsidium, der Schriftsteller Dr. Josef Ettlinger, der Lyriker Karl Henckell, der Aesthe-tiker Bruno Wille, ihren Leuten in der letzten Saison das „Neue Theater" erschlossen hatten, wo eine eifrige Regie, die Leistungen der besten Reinhardtmimen und ein behagliches Milieu zusammenkamen, um diesen Zuschauern aus den Berufen der kleinen Handwerker und der spärlich besoldeten Angestellten den vollen Genuß zu schaffen, den ihr begeistertes Mitgehen, ihre durch die leiseste Störung einfach empörte Leidenschaft für die künstlerische Sache unbedingt verdienen. Vor diesen Auditorien aber ist der Platz, wo das sensationell verpfuschte „gebildete" Berliner Publikum die ernste Hingabe an die edle Feierstunde eines Kunstereignisses lernen könnte. Wo es ihm klar werden konnte, daß die Werke eines ernsthaft Schaffenden zu anderen Zwecken da sind, als um der Blasiertheit oder leicht entfesseltem Spott als Zielscheibe zu dienen.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.