Path:
II. Die Berliner Theater und die Kunst

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

II. Die Berliner Theater und die Kunst. 29

Volksstück- und Lustspielabende bringt. Aber selbst die zehn Worte eines Satzes sind für das „Berliner Theater" zu schade, dessen gegenwärtiger Direktor, Hauptdarsteller, Hausdichter, Dekorationsmaler usw., der als solcher sehr vielseitige Schauspieler Ferdinand Bonn, aus dem unter Bar-nay, Prasch, Lindau, Halm in allen wechselnden Wertphasen immerhin ernst zu nehmenden Institut eine lächerliche Tummelbühne persönlicher Eitelkeit gemacht hat, als deren Herrscher er seine eigene, unbegabte Gattin und eine Schar schmierenhafter Gegenspieler zu den Folien „Seines" Ruhmes wählt. Wenn das deutsche Kaiserhaus durch wiederholten Besuch eines Hintertreppenstückes diesen Unfug stützt, ist das seine Sache. Wir aber müssen dauernd an der Arbeit bleiben, diese faule Stelle auszumerzen. Denn sie ist der dunkelste Punkt in der, wie wir gesehen haben, meist von ästhetischen Marotten und leeren Verdienstprinzipien geleiteten Berliner Theaterkunst .. .

Die Reihe dieser ständigen Bühnen ist durch zwei ge-legentlicheTheaterunternehmungen zu ergänzen, die in regelmäßigem Turnus zusammentreten und die Kunst dem Volke spenden. Sie sind zugleich mit dem Naturalismus, ebenso aus sozialen, wie aus rein künstlerischen Gesichtspunkten, bald hinter der „Freien Bühne" geboren worden. Aber während dieses ihr Vorbild heute nur noch von der Gnade Otto Brahms lebt und nur dann tätig wird, wenn dieser Theaterdirektor einen neuen jungen Poeten der literarischen Weihen für würdig hält, freuen sich die jüngeren Sprößlinge des Lichts. Die „Freie Volks-b ü h n e", von dem Theaterkritiker des „Vorwärts", Dr. Conrad Schmidt, ideell, von dem Schauspieler Carl Waldow praktisch geleitet, vermittelt ihren 11 000 Mitgliedern am Sonntag nachmittag im Me-tropol- oder im Carl Weißtheater klassische oder moderne Kunst als Gegenwert für einen Monatsbeitrag von achtzig Pfennigen. Freilich ist es notwendig,
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.