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II. Die Berliner Theater und die Kunst

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

II. Die Berliner Theater und die Kunst. 27 
Aber das „Lustspielhaus" des durch seine Ver¬ 
gangenheit als Begründer der „Sezessionsbühne", als 
ehemaliger Pfadfinder für starke literarische Könner 
einigermaßen verpflichteten Dr. Martin Zickel 
kennt nur eine Sehnsucht: das Manuskript 
des neuen Kadelburg, dessen „Familientag" das 
kokette Häuschen der Friedrichstraße durch Nacht 
zum Licht geführt hat, und mit dessen weiterer 
emsiger Produktivität hier vor allem gerechnet wird. 
Und das „T r i a n o n t h e a t e r" wendet sich immer 
energischer der Pflege jener französischen Ehebruchs¬ 
possen zu, auf welche das „R e si d e n z t h e at e r" 
mit seinem unverwüstlichen Direktor - Darsteller 
Richard Alexander an der Spitze seit Jahren 
ein verbrieftes Anrecht hat. Dabei wären dem 
Dr. Zickel und dem Theateragenten Sliwinski, 
dem eigentlichen spiritus rector der Trianon-Bühne, 
ganz aparte Sonderausgaben sicher. Dem ersten 
das langsame Aufsuchen des deutschen Lustspiels: 
ein Sport, den er sich auf Kosten seines selten 
versagenden Kadelburg schon leisten könnte. Dem 
zweiten die Einfuhr des feineren französischen 
Genres der Lavedan, Donnay, de Curel, de Croisset, 
Hervieu usw., denen das zierliche Gehäuse dieses in¬ 
timen Theaters sehr dienlich sein würde . . . Das 
„Metropoltheater", geführt von dem auf 
seinem Gebiet durchaus versierten Leiter Richard 
Schnitz, einem Manne, der in großen Bildern die 
Reize der Farben und hübscher Mädchenkörper zu 
glänzenden Schaustellungen zu gruppieren weiß, hat 
sich jetzt nach Pariser Muster ganz den „Revuen" er¬ 
geben, für deren politifch-literarisch-lokale Rundschau 
der Hauspoet Julius Freund nicht genug von 
stacheligem Witz, aber reichlich anmutige Formen¬ 
glätte aufbringt. Weit unterhalb der die „oberen 
Zehntausend" begeisternden, aber auch an den Ge¬ 
schmacksnerven der Anspruchsvolleren freundlich vor¬ 
beiziehenden, schmuckvollen Leichtlebigkeit dieser 
Bühne steht das „T h a l i a t h e a t e r". Denn hier
        
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