Path:
II. Die Berliner Theater und die Kunst

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

24 Großstadt-Dokumente Vd. 29. Berliner Theater.

schrulliger Paradoxie, ohne märchenhaften over tiefsinnigen oder archaisierenden Einschlag gebaute Gegenwartsstücke mit Fleisch und Muskeln sind hier geachtet. Die Spezialität des Hauses ist und bleibt die sehr sorgsame Neueinrichtung der Klassiker und ihrer Nachahmer, deren Erfolge — wenigstens bisher—durch Wiederholungen bis zu zweihundert Malen strapaziert wurden. Solche Abende geben gewiß vielseitige Beweise einer neuen, der Tragödie großen Stils entsprechenden Darstellungstechnik, die von der seelen-vollen, prononcierten Ausführung jedes Wortes geleitet wird, und der hohlen Schaustellung die nervöslebendige Geste gegenüberstellt. Aber sie zeigt auch die Müngel der Nur-Reinhardt-Regie, der seinen verfeinernden Vallentin nicht mehr zur Seite hat. Den krampfhaften Zwang im Ausdruck der Affekte und Temperamente. Das vergebliche Bemühen, seiner vortrefflichen Frauenarmee, der Eysoldt, Mangel, Sorma, Sandrock, Durieux, Höflich, außer demjenigen Kayßlers auch nur ein überragendes männliches Können an die Seite zu stellen. Den Trotz, der unmögliche schauspielerische Leistungen durch das Mittel permanenter Wiederholung den Zuhörern und der Presse gewaltsam genießbar machen will. Die Gleichgültigkeit, die bei der fünfundzwanzigsten Vorstellung diesen mit Mittelmäßigkeiten sehr garnierten Darstellerstab mit weniger als Mittelmäßigen ausstopft. Aber Reinhardt steht erst am Anfang. Und so wünsche ich ihm ein paar recht stark an den materiellen Fundamenten seines Baus rüttelnde Fehlsprünge seines Steckenpferdes, damit er seinen großen Geschmack, seine eminente Arbeitskraft wieder 'ebenso der realen, wie der mehr als realen Vühnenkunst zuwendet. Denn das steht fest: Die universelle Berliner Bühne hat noch immer keine größere Hoffnung als eben diesen Reinhardt.

Das „Kleine T h e a t e r", von dem früheren Schauspieler Victor Barnowsky gelenkt, be-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.