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II. Die Berliner Theater und die Kunst

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

22 Großstadt-Dokumente 93b. 29. Berliner Theater.

geschah bei den klassischen Spottvorstellungen des „Deutschen Theaters" unter Brahm, die aus der Bühne eine Rumpelkammer machten und den Wert des Abends von einigen (wenigen) überragenden Einzelleistungen bestreiten ließen. Wenn Max Reinhardt, unterstützt von seinem besten bisherigen Helfer, dem Regiekünstler Richard Vallentin, den in der kommenden Spielzeit das neue „Hebbeltheater" an der Spitze sehen wird, seinen langsamen Vormarsch von der grotesken „Schall- und Rauch-Posse" zum „Kleinen Theater" damit begann, vorwiegend die Körper eng an unsere Zeit gebundener Dramen (Ackermann, Nachtasyl, Erdgeist und Schöpfungen der Dramatiker Strindberg, Vecque, Bahr, Adolf Paul) mit einem bis dahin nie gespürten Stimmungsgehalt auszufüllen, so mußte hier eine Hoffnung rege werden. In dieser Nuancenjägerei, welche dem Ensemble in gedämpfter Lethargie und wild aufschreiender Ekstase etwas Krampfhaftes, Hysterisches einfügte, lag gewiß ein Zuviel. Aber dieses ausgeprägte Uebermaß an Dressur gab zugleich einen Wegweiser. Man spürte, wie diese Sehnsucht, jede Szene zu einem Ausklang ihres intimsten Seeleninhalts zu gestalten, wie das Bestreben, diesen Ausdruck durch die Stellung und Farbe des dekorativen Bildes stützen zu lassen, eine Vervollkommnung dessen war, was Brahm nicht mehr als gerade nur „wirklichkeitstreu" eingeleitet hatte. Zumal, da Reinhardts Erundierarbeit auf dem Bühnenboden zunächst Ernstes und Heiteres, Alltägliches und Phantastisches als Werkzeug benützte. Wäre dieses Programm das gleiche geblieben: hätte es sich — wie es in dem Augenblicke geschah, als Reinhardt zum „Kleinen Theater" das „Neue" übernahm, um dann das erstgenannte gegen das „Deutsche Theater" einzutauschen — darauf beschränkt, diese für das Schaffen Reinhardts schnell symptomatisch gewordene Form auch der klassischen Tragödie und Komödie dienstbar zu machen i man hätte das lange mit der Seele gesuchte universelle Theater gegenwärtig ge-
        
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