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II. Die Berliner Theater und die Kunst

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

IL Die Berliner Theater und die Kunst. 19 
ganze zwei frischere Novitäten neben je einem 
der konventionellsten, abgespieltesten Ibsen und 
Vjörnson annonciert. 
Gegenüber der Vühne für die Pflege der Un¬ 
natur steht noch immer als erste an der Spitze aller 
wahrhaften, echten Berliner Kunstübung jenes Thea¬ 
ter, dessen unausgesetzte Arbeit es ist, das Leben in 
seinen getrennten Konturen nachzuzeichnen. Sein 
Leiter ist Dr. Otto Vrahm: und er bleibt mit 
allen Fasern und Plänen dem naturalistischen Prin¬ 
zip der von ihm über die ersten Wege geleiteten 
„Freien Vühne" eng verbunden, auch seit er seine 
Walstatt vorn „Deutschen Theater" ins „Lessing- 
theater" verlegt hat. Das gute und das trübe 
Ergebnis der „individuellen Vühne" hat hier bei 
Brahm sein Schulbeispiel gefunden. Jene Dramatiker, 
deren Schaffen von der nächsten Wirklichkeit abhängig 
ist, hat Otto Vrahm vorn ersten Tage ihrer Arbeit ge¬ 
leitet und ist auch heute noch ihr getreuer Eckart. 
Ihr Können muß schon einen weiten Schritt vorn 
Wege gemacht haben, wenn, wie es z. V. bei Max 
Halbe geschehen ist, der gute Kamerad ihnen einmal 
die Hand versagt. Zu den Hausautoren Gerhart 
Hauptmann und Arthur Schnitzlet, Georg Hirschfeld, 
Max Dreyer und Hermann Silbermann treten dann 
die genialen Hausdarsteller Albert Vassermann, Ru¬ 
dolf Rittner, Oskar Sauer, Elfe Lehman», Irene 
Xriefch und ihre tüchtigen Helfer Reicher und Man, 
deren künstlerisches Wesen in einem Sonderkapitel 
eingehendere Deutung erfahren wird. Es ist klar, daß 
sich aus so ständigem Zusammenwirken hinüber und 
herüber eine schon fast mechanisch funktionierende Ee- 
fühlseinheit ergeben muß: ob es nun gilt, gelungene 
Dichterarbeit mit gleichwertigem schauspielerischen 
Nachschaffen zu kränzen oder mißlungene zu über¬ 
golden. Auch die jüngeren Kräfte, die im Schatten 
der naturalistischen Vorführer wandeln, werden im 
Lessingtheater gut bedient werden können. Aber schon, 
wenn der Beobachter des Feststehenden einen Ab-
        
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