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II. Die Berliner Theater und die Kunst

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

16 Großstadt-Dokumente Bd. 29. Berliner Theater.

— im engen Zusammenhange mit diesem Ausgleich frei künstlerischen Schaffens durch das geschickte Ausbeuten persönlicher Merkmale — steht das Zurückdrängen des Theaterspielplans in die beschränkte Ebene einer leicht anzudressierenden „Richtung". Es ist typisch für die gegenwärtige künstlerische Gepflogenheit der Berliner Bühnen, daß dieses Spezialitütentum hier den Ton angibt. Nur ein einziges literarisches Bekenntnis — oder eben ein un-literarisches — das sich vielleicht hier und da, schüchtern wie erfolglos, auf unmittelbar benachbarte Ne-bengebiete wagt, steht an der Spitze des Programms. Läßt man sich durch die Stimmen der Presse oder die Mahnung in der eigenen Brust aus ein fremdes Terrain ablenken, so findet man, daß der unbekannte Stil in der Eile nicht anzuschaffen war oder inzwischen völlig verloren gegangen ist, und daß es ratsam ist, diesen ersten Versuch bis auf weiteres den letzten sein zu lassen. Natürlich hat solche Einseitigkeit wiederum auch das Ergebnis, ein kleines Feld, dessen nur leicht wechselnde Photographie stets wiederkehrt, schließlich lückenlos wiedergeben zu können. Die Kunst aber darf nicht an der Scholle haften. Und es ist schmerzlich, wenn man bei einem unverhofften Blick hinter die begrenzte Möglichkeit nur Unmöglichkeiten sieht.

Aus der kaiserlichen Schatulle gespeist, oberhalb aller finanziellen Nöte und Sorgen, steht das „Königliche Schauspielhaus" hier als die Führerin dieser Spezialitätenbühnen nach außen hin da. Nach außen hin: denn es ist heute nur eigentlich mehr ein alter Brauch, dieses Haus an der Spitze der Berliner Theater zu nennen, weil es in der Liste des Bühnen-Almanachs Nummer I. bekleidet. Das absolute Ausschalten dieses Theaters aus der künstlerischen Gesamtleistung der Hauptstadt wird dadurch bedingt, daß das Wollen und Vollbringen der Hofbühne von einem persönlichen Geschmack, von dem des deutschen Kaisers, diktiert wird. Dieser Geschmack ist nicht zu schelten, weil schließlich ein jeder das Recht hat, seine
        
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