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I. Die wirtschaftliche Situation der Berliner Theater

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

10 Großstadt-Dokumente 93b. 29. Berliner Theater.

— mag der Wind mancher verpfuschten Spielzeit rütteln, ohne daß vorhanden gewesenes und hinzuerwor-benes Kapital absorbiert wird. Aber das sieht nicht immer so rosig aus. Liebenswürdige Träumer verstehen mit ultraliterarischen Plänen den Finanzmann zu beschwatzen, der — in der Hoffnung, den Mäcen spielen zu können, zur vielbegehrten „Rolle" im Berliner Oberflächenleben kommen zu können — selbst einer einigermaßen wackeligen Sache gern nachhilft, und dann, um die Anzahlung zu retten, den leeren Säckel wenigstens eine Zeitlang auffüllt. Und das ist noch der bessere Fall. Wie oft aber — der Krach des Lawerrenz'schen Volkstheaters erfolgte nach gleichlautenden Antezedenzien — steht das grundlegende Vermögen nur auf dem Papier, und das Luftschloß wird von ehrsüchtigen, leichtfertig mit der eigenen und manch' fremder Zukunft spielenden Kunstspekulanten aufgerichtet, sobald diese nur den Notpfennig für die erste Zeit des Bestehens in der Tasche haben. Die Behörde, die beim Prüfen „staatsfeindlicher" Bühnendichtungen keinen I-Punkt übersieht, versteht sich hier wenig auf die verschmitzten Verklausulierungen, mit denen oft die theatergründenden Abenteurer eine innerhalb ihres Künstlerberufs geradezu verblüffende kasuistische Fertigkeit zeigen. Ein so auf Sand gebautes Theaterhaus wird bereits von einer ungünstigen Spielzeit aus den Angeln gehoben werden können, und ich kenne ein vornehmes Berliner Theater, das sich erst vor wenigen Jahren nach ganz ähnlicher Vorgeschichte nur durch mehr schleunigen, als reellen Direktorenwechsel aus dem Sumpfe eines gänzlichen Niederbruches zog.

Mit der leichtfertigen Behandlung der kapitalistischen Notwendigkeiten aber geht bei neuen Berliner Theatergründungen noch immer eine völlige Verkennung der Zahlungsmöglichkeiten des großen Publikums Hand in Hand. Die großen und guten materiellen Erfolge der „Schillertheater", die sich jetzt eben sogar im zahlungsfähigen Westen eine Filiale
        
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