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XIII. Schauspielerkneipen

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

116 Großstadt-Dokumente Vd. 29. Berliner Theater.

gisch Konkurrenz. Man „fimpelt Fach", als sei auch die leiseste Berührung eines anderen Gesprächsthemas bei Todesstrafe untersagt. Dabei drängt hier, wo die tägliche Berührung im engen Kreise die Reibungsfläche empfindlicher macht, das persönliche Moment jedes sachliche weit in den Hintergrund. Die darstellerische Leistung, die man gern selbst vollbracht hätte, und die nun dem andern zugefallen ist, wird schärfer zergliedert, herber kritisiert,wie es morgen von der Berufskritik geschehen wird. Bei solidem bürgerlichem Abendtisch fliegen die Reminiszenzen, die sich an die Person dieses oder jenes Gastspielers, dieses oder jenes Kollegen knüpfen, mit dem i. anno 1896 in Marburg engagiert war, und den s2). anno 1898 in Kaufbeuren fand, hin und wieder. Die geistigen und sittlichen Kompetenzen der Abwesenden, des Direktors, der Regisseure, der Bürgerfamilien, in deren sonst so festverschlossene Salons der Enthusiasmus für die Kunst den Schauspielern Eingang schaffte, werden spöttisch oder anerkennend seziert. Und die Dominante in all diesem Hin und Her der Diskussionen ist die Sehnsucht nach der Großstadt, die man verachtet, verhöhnt, solange sie dem minderwertigen Kollegen das Quartier gewährt, das sie dem Sprecher verweigert; deren künstlerische Leistungsfähigkeiten man natürlich nach eigenen Erfahrungen aufs Minimum einschätzt; und die man doch gar so gern durch persönliches Eintreten „heben" möchte. Dabei fließt so mancher Schluck schweren Vieres in die Kehle . . . und dann geht man ruhig schlafen.

In der Großstadt ist naturgemäß schon die äußere Aufmachung dieser Kneipen pompöser, glanzvoller. Dort huldigt ein großer Teil der bürgerlichen Gesellschaft gleichfalls dem Theater wie einem Fetisch. Zudem fügt es sich in umfangreichen Kunstzentren, daß andere künstlerische Berufe, die in der Kleinstadt meist dem Schauspieler gegenüber auch vom spießerischen Absonderungsdünkel befangen sind, den verwandten, nur noch intensiver der Lebensfreude zu-
        
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