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XIII. Schauspielerkneipen

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

XIII. Schauspielerkneipen. 
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eilenden Seelenzug der Mimen entdeckt haben und 
schon darum die persönliche Annäherung suchen. So 
kommt es, daß die Schauspielerkneipen der Großstadt 
nicht bescheidene, still-gemütliche Plaudereckchen sein 
können, in denen altmodische Form und anspruchslose, 
heitere Stimmung sich die Hand reichen. Wo die Gesell¬ 
schaft den Mimen einsängt, hat sie ihn bald assiziert. 
Dann sehnt auch er sich nach leuchtendem Leben, fun¬ 
kelnden Lichtern, dem mondainen Zusammenklang der 
gewissen Geräusche, Farben, Düfte. Dann bezahlt er 
diese Konzession — die ihm ja schließlich auch noch 
dadurch vergolten wird, daß man inmitten des glän¬ 
zenden Getümmels doch immer nur in ihm den „Zen- 
tralpunkt" sieht — gern durch höheren Preisaufwand 
für weniger substanzielle als graziös benannte Ge¬ 
richte. Nur die Gesprächsthemen läßt er sich nicht 
rauben. Und die drehen sich in ewiger Wiederkehr 
an den Künstlertischen um die teueren Schlagworte: 
Rolle, Konkurrenzneid, miserable Beschäftigung, 
großer Erfolg; an den Tischen der Mäcene um den 
Ruhm ihrer unterschiedlichen Götter und Götzen. Nur 
daß hier, hüben wie drüben, ein Geschmack an der 
literarischen Pose, ein königliches Herabschauen auf 
das „Provinzniveau" hinzukommt: Nuancen, die auf 
den ernsteren Betrachter unwiderstehlich komisch 
wirken. 
In München, in Wien gravitiert auch der Ton 
derartiger Künstlerheimstätten mehr ins losgebunden 
Zigeunerische. Man weiß von dem Wiener Löwen¬ 
bräustammtisch, den Paul Schlenther und die Mannen 
von der Burg sehr oft als Eröffnungsstation höchst 
umfangreicher und ausgelassener Vierfeldzüge be- 
nützen; man kennt die diversen Keller der baierischen 
Hauptstadt, in denen die „Verehrer" der Lieblinge 
schließlich mit deren Laune mithalten müssen, wenn 
man ihnen nicht den Rückzug sehr nahelegen soll. In 
Berlin war (wofern man nicht gerade in Adalbert 
Matkowsky's alte Lutter- und Wegnerecke, zu Keller¬ 
duft, kleinen Lichtflämmchen und dickem Weinodem 
I llll|llll lllljllll llll III! Illl llll llll llll llll llll llll IIIIE* 
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