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XII. Bühnenbälle

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

XII. Bühnenbälle.	113

auch ihre Kollegen „hands off“ zurufen, wünschen selber keine besseren Geleiter durch den Festtrubel, als jene wohlsoignierten Herren mit dem kronen-reichen Wappen oder Portemonnaie; und sie nehmen keinen Anstand, in dieser Beziehung die größte Ossen-heit zu dokumentieren. Man beobachte nur einmal, mit welcher Kühle auf den Berliner Bühnenbällen der Verusskamerad als Tanzpartner oder Tlschgenosse verscheucht wird, wenn in der Grandezza seines Drei-Hundert-Mark-Fracks der Attache, der oalontjelb, der Prinz auf der Bildfläche erscheint. Kaum das flüchtige Grußwort — ich rede Hier selbstverständlich nur von einer bestimmten Klasse der Theaterdamen, die aber gerade bei den BüHnensesten regelmäßig in der Mehrzahl vertreten sind — kaum das flüchtige Gruß-wort wird dem Kollegen gegönnt: dagegen weit mehr als das Erußwort den andern. Und die Herrchen verstehen diese Situation auszunützen und haben zuweilen sogar die Kühnheit, auf dem Vallparkett den Schauspieler einfach als Vermittler einer von ihnen ersehnten Bekanntschaft in Anspruch zu nehmen . . . Die Bühnenkünstler wissen von dieser häßlichen Kehrseite der Medaille und haben sich zu wiederholten Malen durch eine Aussperrung ihrer berüchtigtesten Ballsirenen zu schützen gesucht. Aber auch das Schiffe lein der Einnahmen muß, solange in Berlin nicht nur das Amüsement, sondern zunächst der „gute Zweck" die Festesstunde regiert, ins Trockene kommen. Und wer bringt das Eros der Barsumme, wenn nicht gerade jene männlichen Attraktionen des „Demi-Theätre“, die sofort fernbleiben würden, wenn sie ihre weiblichen „Idole" einmal vergebens suchen müßten?

Also: Originalität im Programm; Herabsetzung des Geschäftlichen zum Nebenzweck; Aussonderung des Mäcenatentums. Wenn man diese Tendenzen unsern BüHnensesten aufs Panier schreiben wollte, gründete man vielleicht doch noch einmal auch einen Berliner Karneval der Künstler. Oder ist es so, wie mir ein-
        
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