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XII. Bühnenbälle

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

110- Großstadt-Dokumente Vd. 29. Berliner Theater.

So wirkt es nur komisch, wie die Arrangeure unserer Theaterbälle, die in den Dienst irgendeines guten Zweckes gestellt werden, von vornherein das materielle Gelingen als das A und O der Sache betonen. Es wäre hier ebenso geziemend wie logisch, zunächst aus das hinzuweisen, was der Äbendleisten wird, bevor wir darüber orientiert werden, was wir zu leistenhaben werden. Ein geschickter Spekulant würde erst, nachdem die Stimmung über die prangenden Säle ihr goldenes Netz gesponnen, auch den Klingelbeutel lläppern lassen. Das geschieht bei uns mit nichten. Schon der formale Aufbau des Festes zeigt die unsicherste Hand. München und Wien schaffen Bezüge auf aktuelle künstlerische Ereignisse, ent-raffen dem Zeitalter irgendeine Idee, deren paradoxe Grimasse dann räumlich im Festsaal gegeben wird, und deren persönliche Gestalter in barocken Kostümen und Masken die Festteilnehmer werden. In Berlin versucht man's auch in diesem Stil. Man schließt an den absurden Paragraphen der Dienstbotenordnung den „Gesindeball"; man läßt die Abende der „Bösen Buben" den Kinderball gebären. Recht gut: die ersten Versuche liefern fröhliche Ball-nächte, die in ihrer aus der Idee entstandenen Ausgelassenheit Berlin geradezu verblüffen. Da aber sehen die Urheber der Abende, daß auch das finanzielle Ergebnis ein glänzendes wird. Sie denken also nicht mehr an das Ganze, sondern nur noch an sich selber und erklären — anstatt einen neuen Gedanken zu fassen oder das meinetwegen andern zu überlasten — den so überaus goldhaltigen Einsall in Perma-nenz. Das materielle Ergebnis bleibt auch vorläufig der Fahne treu: denn durch den ersten Erfolg wurden die Neugierigen rege. Aber die Tatsache, daß nun jeder und jede von dem befeuernden Festestrank zu kosten versuchen, macht diesen Trank ungenießbar. Es ist einfach nicht mehr möglich, die Eintrittsgrenze so zu beaufsichtigen, daß dem Unberufenen der Riegel vorgeschoben bleibt, und nur der Berufene Zutritt
        
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