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XII. Bühnenbälle

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

XII. MhneMlle

Wir Norddeutschen suchen unser Manko an fröhlicher Empfänglichkeit, unser Minus an genießerischem Kultur, das unserer Kunst mit den Jahren ja sogar die Fähigkeit, Heiteres zu produzieren, überhaupt geraubt hat, durch Hilfsmittel auszugleichen. Wir wissen, daß in gesegneteren südlichen Ländern die ausübende Künstlerschaft immer an der Spitze der leicht zu graziösem Vacchantismus hinüberzuführenden Jünger der Freude den Thyrsosstab schwingt. Das möchten wir gerne nachtun. Aber der Konnex mit jenen Menschen, die mit ihrem schöpferischen Talent zugleich auch das große Glück des Humors empfangen haben sollten, wird bei uns schwer. Die bildende Kunst haust lies in den Klüften der 93ohetnc, in denen man die Gesellschaft viel zu sehr verachtet, um sie bei Festen am Genusse teilnehmen zu lassen, oder — ihre Fachleute sind selber Kapitalisten geworden die auch in ihren Kreisen gern den Abstand wahren, aus Ee-schaftsgründen eng mit dem Berliner Westen versippt sind und nur mit diesem festliche Gemeinschaft haben wollen. Man denke an den „Ball der Sezession", zu dem nur ein Doppelkronenstück die Pforte erschloß, und man wird mir zugeben, daß schon diese Tatsache eine bewußte Nachahmung protziger Vörsi-anersitte ist und die ganze Veranstaltung auf ein ge-sellschastlich-luxuriöses Postament stellt,'das sie nicht haben sollte; das k e i n K ü n st l e r f e st haben sollte! Und die Berliner Schriftsteller wiederum freuen sich, daß sie dem „Presseball", dessen neckische Drängelei sich nur an Backfische, Leutnants, Beamte wendet, fernbleiben dürfen, und daß ein ähnlicher Versuch, das
        
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