Path:
XI. Der deutsche Bühnenklub

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

XI. Der deutsche Bühnenklub.	101

den auf Cafe und Restaurant angewiesen. Nicht zum Vorteil ihrer finanziellen Lage; zum ausgesprochenen Nachteil ihres Rufs, weil gerade in Berlin gewisse Lokale als „Schauspielerkneipen" gezeichnet sind, in denen sehr fragwürdiges Cesindel mit dem aufstrebenden Künstler Seite an Seite sitzt. Die beiden Männer, deren eifriger Tätigkeit der Bühnenklub vornehmlich zu danken ist, Emanuel Reicher und Gustav Rickelt, rechneten ganz richtig, wenn sie diesem System entgegenwirkten. Wenn sie dem unverheirateten Schauspieler ein behaglich ausgestattetes Nest zu schaffen suchten, wo er bisher der Kälte öffentlicher Lokale ausgeliefert war. Wenn sie ihm statt der unzähligen gleichgültigen oder ablehnungswürdigen Bekanntschaften nur die Kollegen an die Seite rückten. Wenn sie ihn mit der ruhig-vornehmen Abgeschlossenheit der englischen Klubsitte umgaben, statt ihn weiter dec fadenscheinigen Öffentlichkeit zu lassen. Im Klub, unter den Linden, konnte man von Anbeginn essen, trinken (zu bequemeren Preisen als in jedem Restaurant); man konnte lesen, ruhen, plaudern. Das Milieu war von achtenswertem Geschmack zusammengestellt. Man hauste hier besser als im „möblierten Zimmer", wie es sich die Kasse des kleineren oder mittleren Schauspielers leisten kann. Das Eintrittsgeld: fünfundzwanzig Mark, der Monatsbeitrag: fünf Mark waren nicht gerade klein, aber — mit den Leistungen des Klubs verglichen — immer noch mäßig. Und diese Leistungen sollten wachsen, blühen und gedeihen. Hier sollte von der Durchreise fremder Künstler festliche Notiz genommen werden. Hier wollte man die lächerliche Einseitigkeit schauspielerischer Interessen durch Vortrüge und Diskussionen zur Vielseitigkeit erweitern. Hier wollte man endlich auch das lästige Mäcenatentum dauernd ausgeschlossen halten. „Ordentliche Mitglieder können werden: erstens die in Berlin ansässigen Bühnenan-gehörigen, zweitens die in Berlin ansässigen ehemaligen Bühnenangehörigen, drittens die für die
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.