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XI. Der deutsche Bühnenklub

Full text: Berliner Theater / Turszinsky, Walter

102 Großstadt-Dokumente Bd. 29. Berliner Theater. 
Bühne wirkenden Schriftsteller und Tonsetzer, vier¬ 
tens sonstige künstlerische und technisch-künstlerische 
Persönlichkeiten, die für die Bühne wirken. Außer¬ 
ordentliche Mitglieder können werden: alle nicht in 
Berlin wohnenden Vertreter der unter drittens an¬ 
geführten Kategorien." So hieß es in den Statuten! 
Verufsangehörigen, die nicht Klubmitglieder waren, 
sollte der Zutritt dreimal wöchentlich hintereinander 
an dem offiziellen Abend jeder Woche freigestellt sein. 
Dann hieß es, sich für die Mitgliedschaft oder für das 
Gegenteil entscheiden. Die „Außenseiter" mußten 
nach dreimaligem Gastbesuch in der Saison überhaupt 
wegbleiben. In allem: eine wertvolle, ernsthafte, in 
ihren ersten Stadien durchaus bewunderte Veran¬ 
staltung. Durchreisende Mimen teilten das stolze 
Selbstbewußtsein, mit welchem ihnen die Eingesesse¬ 
nen die Honneurs des Hauses machten. Diese Lei¬ 
stung hob das Niveau des ganzen Standes. Zumal 
auch der finanzielle Grundstock durch einen von den 
vermögenderen Verufsangehörigen in Form von 
Hundert-Mark-Spenden zusammengebrachten Garan¬ 
tiefonds gesichert schien. Und die „jungen Leute" 
nahmen mit rührender Promptheit Jause, Mittag¬ 
essen, Abendessen an diesem Ort, dessen stattlich ge¬ 
schmückte Säle weiter zu schmücken, dessen fachpoli- 
tische, ästhetische, gesellschaftliche Leistungen auszu¬ 
bauen, ihnen eine heilige Pflicht schien. 
Das Plus und das Minus der gegenwärtigen 
Situation des Vühnenklubs liegt durchweg im rein 
Gesellschaftlichen. Künstlerische Bestrebungen sind 
bisher fast völlig unterblieben: haben, wo man ver¬ 
suchte, sich an sie zu wagen, schlank versagt. Ich muß 
und will hier ausdrücklich betonen, daß die Herren 
Reicher und Nickelt, in dieser Richtung noch immer 
die Führer des Klubs, diesem Manko mit ernster 
Trauer gegenüberstehen. Aber die feindlichen Gewal¬ 
ten sind stärker als diese zwei Einzelnen. Hier ver¬ 
wirkt das meiste die geistige Indolenz des Durch¬ 
schnittsschauspielers, dessen psychische Welt neben
        
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