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Im Paradies der Langfinger

Full text: Berliner Warenhäuser / Colze, Leo

Im Paradies der Langfinger. 73 
einen unechten ersetzt worden war. Ein beliebter Trick sind 
auch harmlos aussehende Pappschachteln, die solche Personen 
unauffällig bei sich tragen und durch einen leisen Druck öffnen 
sönnen, um alle möglichen Gegenstände darin verschwinden zu 
lassen. Auch Hutschachteln, die von einem eben gemachten Ein¬ 
kauf herzurühren scheinen, dienen demselben Zweck. Ja, die 
Unverfrorenheit in dieser Beziehung geht so weit, daß sich die 
Herren Diebe gleich ein Stück Einwickelpapier desjenigen Ge¬ 
schäftes mitbringen, das sie heimsuchen wollen, und niemand 
sieht später dem mit Firmenaufdruck versehenen Paket an, daß 
es gestohlene Waren enthält. 
Ein häufig benutztes Versteck sind die Haare der Frauen. 
Unter dem Vorwande, an ihrer Frisur etwas zu ordnen, hat 
schon manche Frau kleine kostbare Wertgegenstände geschickt 
in ihrem Haar verschwinden lassen. Auch werden gern Artikel 
vorn Ladentisch heruntergeworfen, nach denen jeder sucht, wäh¬ 
rend die Diebin so lange darauf steht, bis sich der Complice 
nähert, meist ein jüngeres Mädchen, das das betreffende Stück 
in einer Tasche verschwinden läßt, während die beiden die ganze 
Zeit behaupten, etwas zu suchen, Handschuh, Taschentuch, Nadel 
usw., das sie selbst hätten fallen lassen. Hundertmal befindet 
sich auch der Helfershelfer unter dem Verkaufspersonal, der 
in den meisten Fällen sehr lange sein Unwesen treibt, ehe 
man ihm das Handwerk legen kann, da ja Hausdiebe trotz größter 
Controlle bekanntlich am schwersten zu fassen sind. Mit der 
größten Frechheit spazieren die männlichen Diebe, mit nagel¬ 
neuen Ueberziehern bekleidet, die Frauen mit kostbaren Pelzen 
angetan, aus Warenhäusern heraus, deren Personal im Weih¬ 
nachtstreiben unmöglich jedem elegant gekleideten Käufer an¬ 
sehen kann, ob er bezahlt oder nicht. Auch Reisetaschen und 
kleinere Gegenstände zur Touristen-Ausrüstung werden gern 
möglichst offen vor aller Augen davongetragen, da sehr häufig 
Käufer eintreten, die derlei Sachen in der Hand tragen, ohne 
daß es jemand auffällt. Selbst Babys müssen als Mittel zum 
Zweck herhalten. Die Diebin trägt bei ihrem Eintritt das
        
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