Path:
Die Herren Einkäufer

Full text: Berliner Warenhäuser / Colze, Leo

48	Großstadt-Dokumenle	Bd.	47. Berliner Warenhäuser.

wie ich wußte, die günstigsten Konditionen genossen, sowie die Einkäufe der großen englischen und amerikanischen Importhäuser zum Muster. Wir folgten ihnen äußerlich wie auch in ihrem inneren System. Aeußerlich, indem wir nach ihren Formularen unsere Orderzettel ausarbeiteten, ihrem inneren System, indem wir nicht abwarteten, bis der Fabrikant zu uns kam, um uns seine Neuheiten vorzulegen, sondern indem wir ihn aufsuchten. Das war damals für Deutschland etwas ganz Neues, ich sollte es bald merken. Außerdem mußte ich meinen Chefs, die zuerst von meinem Projekt der Einkaufsreisen nicht sehr entzückt waren, genaue Statistik anfertigen, was und wieviel wir von dem Artikel bezogen hatten, wie lange der Vorrat gedauert hat und noch sonstige tausend Fragen. Es war ein Ereignis ersten Ranges in unserem Hause.

Ich ging also auf Einkaufsreisen. Ich fühlte mich dabei stolz und wohlig. Nicht wegen der wohlgefüllten Neisekasse, — trotzdem ich als Verkäufer so manches Telegramm „ohne Draht" hatte loslassen müssen —, sondern weil ich doch als Einkäufer kam. Mein Stolz sollte nur zu bald nachlassen.

Am ersten Platze ging es noch an. Das war einer der größten Fabriken der Branche, mit der wir bereits in Verbindung gestanden hatten. Man behandelte mich zwar nicht glänzend, aber ich bekam doch Ware, und zwar zu günstigen Preisen. Beim zweiten Fabrikanten sah es schon anders aus. Der magere alte Herr, bei dem ich mich hatte melden lassen, rückte die Brille zurecht, fixierte mich scharf und knurrte: „Wir nehmen keine Offerten an!" — „Ich will ja nichts verkaufen, ich will kaufen." Das verkniffene Gesicht wurde ganz wenig freundlicher. „So, so, kaufen; Sie kommen wohl für England?" — „O nein." — „Na, dann wohl für Amerika?" — „Auch das nicht, ich komme für Deutschland." Der Alte erschreckte sich ordentlich. Das war ihm denn doch noch nicht in seiner langen Geschäftspraris passiert, daß ein deutscher Einkäufer zu ihm kam. Er faßte sich aber bald, stellte ein eingehendes Eramen nach „Nam' und .Art" an, und das Ende vom Liede war der Ausspruch: „Nein, nein, mit einem
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.