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Die Herren Einkäufer

Full text: Berliner Warenhäuser / Colze, Leo

Die Herren Einkäufer.

Man sieht, das Interimsbureau, als recht junger Sproß am Baume neuzeitlicher kaufmännischer Entwicklung, hat im hohen Grade Eiistenzberechtigung. Es ist gewissermaßen sogar ebenso wichtig, wenn nicht noch notwendiger, als das zu errichtende Geschäft, dem es dient. Auf keinen Fall aber ist eines ohne das andere möglich, das glauben wir in kurzen Sätzen gezeigt zu haben. Ein gar merkwürdiges Zwitterding ist im Grunde genommen so ein Interimsbureau. Es ist Vater und Sohn zu gleicher Zeit; nämlich Vater der kommenden und Abkömmling der bereits gewesenen Offertenräume. Mit derart spitzfindigen Definitionen geben sich jedoch diejenigen nicht ab, die im Interimsbureau arbeiten, und noch weniger jene, die in der Hoffnung zu erledigender Geschäfte seine allzeit geöffneten Pforten durchschreiten. Für sie ist das Interims-bureau Ort der Arbeit, Ort erfüllter oder getäuschter Hoffnungen, Ort emsigster Tätigkeit, und bleibt es auch so lange, bis sich seine Tore für immer schließen und alles in die Räume des neuen Geschäftspalastes übersiedelt.

Mein seliger Großvater mütterlicherseits im Schlesischen hatte allerdings bei seiner Etablierung ohne Interimsbureau auskommen können. Aber — tempora mutantur.

Also die Herren Einkäufer, die Herren des Offertenraumes und des Interimsbureaus, sie scheinen wie Fürsten, wenn sie den Offerte machen wollenden Reisenden huldvollst gestatten, die Kollektion vorzulegen. Aber das Bild hat auch eine Kehrseite. Sehr oft sind sie armselige Bettler, die flehentlich die Warenhausleitung bitten, ihnen die Einkaufssumme doch etwas zu erhöhen, denn wie über alles, wird auch über jede Einkaufsquote eines Lagers genau statistisches Material gesammelt. Jedem Einkäufer steht für sein Lager eine bestimmte Summe zur Verfügung, die er nur im äußersten Notfalle überschreiten darf. Gar mancher Einkäufer würde, wenn es diese Beschränkung nicht gäbe, darauf loskaufen und so den Etat des ganzen Geschäftsorganismus gewaltig belasten.
        
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