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Berliner Warenhäuser

Full text: Berliner Warenhäuser / Colze, Leo

Berliner Warenhäuser.

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tieren. Speziell der Teil, die Straßenzüge, die von der „Romanischen Ecke" ausgehen, waren ihrer Anlage und ihrer Bauart nach berufen, Großstadt und Eleganz harmonisch zu verbinden, und dem Westen Berlins ein besonderes Lachet zu geben, schort heute ist die Tauenzienstratze eine moderne Geschäftsstraße, die in nichts der Leipzigerstratze nachstehen wird, sobald erst alle Pläne, die in ihrem Zuge gemacht worden sind, verwirklicht sein werden. Mehr und mehr wird sie aus der vornehmen Wohnstraße, in der nicht wenige unserer Finanz-, Geistes- und Kunstgrößen ihre Tuskula aufgeschlagen, zur Verkehrsader dieses Westens. Kaum gebaute Häuser fallen der Spitzhacke zum Opfer, um Warenpalästen Platz zu machen. Läden werden eingebaut, und die großen Firmen des alten Westens errichten in weiser Erkenntnis der Entwicklungsfähigkeit dieses Stadtteiles Filialen; die ruhigen Wohnpaläste werden im unteren Teile Handelsstätten und Bazare; mit einem Schlage ist die Physiognomie des ganzen Straßenzuges verändert. Nicht zum wenigsten hat der gewaltige Bau des Kaufhauses des Westens am Wittenbergplatze dazu beigetragen, der ganzen Gegend ein anderes Gesicht zu geben. Kleine Geschäftsleute und Firmen, die sich zu schwach fühlen und nicht Großzügigkeit genug besitzen, um neben dem Kaufhause sich entwickeln zu können, haben die Gegend verlassen. Neue weltstädtische Firmen sind an ihre Stelle getreten, nicht zum Schaden des dortigen Publikums, das gerade in dieser Beziehung Ansprüche zu stellen gewöhnt und berechtigt ist. Hier weht Weltstadtlust. Zahlreiche Amerikaner, Engländer, Franzosen, Italiener, ja selbst Asiaten haben Hch hier niedergelassen und bevölkern die eleganten, teilweise 6^nz englisch oder amerikanisch eingerichteten Boardinghouses und Pensionen. Theater werden gebaut. Alle Plätze bekommen Merkmale, die Ecksteine des Aufblühens ihrer Umgebung sind.

Wie lange noch, und niemand denkt der Zeit, da auch diese Straße einst still und ruhig lag, träumend in ernster Vornehmheit. Habeant sua fata — viae. Auch Straßen haben ihre Schicksale.	«
        
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