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Full text: Jahresbericht ... (Rights reserved) Ausgabe 2021 (Rights reserved)

JAHRESBERICHT 2021 «Jetzt sehen wir vorerst, wie eine ganze alte Welt versinkt – jeden Tag ein Stück, ein neuer Abrutsch, ein neuer Riesensturz ... Und das Komischste ist, dass die meisten es gar nicht merken und glauben, noch auf festem Boden zu wandeln ...» JAHRESBERICHT 2021 ROSA-LUXEMBURG-STIFTUNG ROSA LUXEMBURG ROSA LUXEMBURG STIFTUNG JAHRESBERICHT 2021 DER ROSA-LUXEMBURG-STIFTUNG 1 INHALTSVERZEICHNIS EDITORIAL 4 SCHWERPUNKT: ROSA150 6 «… eine Ermutigung in Zeiten der Pandemie und anderer Katastrophen» Leben als Entscheidung – neue Webseite zu Rosa Luxemburg Rosa150 – ein digitaler Blumenstrauß zum Geburtstag «Radical Life and Legacy» – internationales Symposium Rosa Kollektiv und Rosa Kanal Filme, Filme, Filme Publikationen zum Schwerpunktthema Begegnungen mit einer Revolutionärin 6 9 10 11 12 13 14 15 INSTITUT FÜR GESELLSCHAFTSANALYSE 16 Zeitschrift LuXemburg Spurwechsel – Publikationen zur sozial-ökologischen Mobilitätswende Ausstellung «Krieg und Frieden» Aus Sorge kämpfen – für gute Pflege und Gesundheit Fellows Eine Stadt für alle 17 18 19 19 20 21 AKADEMIE FÜR POLITISCHE BILDUNG 22 #lassreden – politisches Bildungsmaterial als Online-Spiel LUX.local – der Kommunal-Podcast Asphaltprotestkarte Bildungsinitiative Ferhat Unvar Migrantisch – solidarisch – digital 23 23 24 24 25 HISTORISCHES ZENTRUM DEMOKRATISCHER SOZIALISMUS 26 Bibliothek: Sichtbar – auch in Zeiten der Pandemie Referat Geschichte: Jahrestage und mehr Archiv: Digitale Unterlagen, Cloud und automatisierte Workflows Paul Levi edited – Gesamtausgabe liegt vor 27 27 28 29 BUNDESWEITE ARBEIT 30 Baden-Württemberg: Mobil und gerecht im Alltag – eine Bildungsreise Bayern: Nicht nur interpretieren, auch verändern! Berlin: Georg Lukács im 21. Jahrhundert Brandenburg: Zukunftswerkstatt «Cottbus von Unten» Bremen: «Zeit, Träume wahr zu machen» Hamburg: City Nord: Abriss vor Sanierung Hessen: Veranstaltungsreihe «Göpferts Gäste» Mecklenburg-Vorpommern: Ein Tag für Mehmet Turgut Niedersachsen: Tagung für neue Kommunalpolitiker*innen Nordrhein-Westfalen: Rote Ruhrarmee contra Kapp-Putsch 1920 Rheinland-Pfalz: Léon Poliakovs «Memoiren eines Davongekommenen» Saarland: Inklusiver Kanutourismus auf der Blies Sachsen: Leipzig – Stadt der Arbeiterbewegung Sachsen-Anhalt: «Frauen in Transformationsgesellschaften» Schleswig-Holstein: Möllner Rede im Exil Thüringen: «Amazons letzte Meile» 32 32 33 33 34 34 35 35 36 36 37 37 38 38 39 39 ZENTRUM FÜR INTERNATIONALEN DIALOG UND ZUSAMMENARBEIT 40 «Womxn unite 2.0» Büroeröffnung in Tuzla Foulspiel mit System – die Fußball-WM in Katar 2022 Organizing for Power Internationaler Parteiendialog zwischen Vietnam und Deutschland Doppelstandards im Pestizidsektor Aktivitäten des UN-Dialogbüros in Genf Die Auslandsbüros 41 41 42 43 43 43 45 46 GEFÖRDERTE PROJEKTE 50 IMPRESSIONEN VOM GRAFFITI-WORKSHOP 54 STUDIENWERK 62 «Was würde Rosa tun?» Promovieren in Zeiten der Pandemie Vertrauensdozent*innen 64 65 66 POLITISCHE KOMMUNIKATION 68 Podcast mit Gebrauchswert Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in den sozialen Medien @rosaluxstiftung – neuer Instagram-Account Ausgewählte Publikationen der Rosa-Luxemburg-Stiftung  69 69 70 71 BERICHTE AUS DER STIFTUNG 72 Die Klinke in die Hand nehmen – Tag der offenen Tür «Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen» – Interview mit Daniela Trochowski Drei Fragen zu zwei Standorten – Interview mit Katrin Schäfgen Die unselbstständigen Stiftungen Ausgezeichnete Werke – die diesjährigen Preisträger*innen Nachruf auf Detlef Nakath Nachruf auf Reinhard Mocek 72 74 75 76 77 79 79 PERSONALENTWICKLUNG 80 Programm «Fit für Veränderung» 80 GREMIEN 82 Die Mitgliederversammlung Mitglieder des Vorstands Vorstandsarbeit Der Wissenschaftliche Beirat Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats Die Gesprächskreise 82 84 84 86 86 87 ORGANIGRAMM 88 STIFTUNGSHAUSHALT 90 BILDNACHWEISE/IMPRESSUM 96 3 EDITORIAL Liebe Leserin, lieber Leser, das Jahr 2021 hat uns Höhen und Tiefen, Erfolge und Enttäuschungen gebracht. Hoffnungsvoll und mit viel Elan sind wir gestartet – den 150. Geburtstag unserer Namensgeberin Rosa Luxemburg vor Augen. Zahlreiche Aktivitäten waren langfristig übers Jahr geplant. Höhepunkt sollte das Festival «Rosa150» am 4. und 5. März an der Berliner Volksbühne sein. Bis zuletzt hatten wir gehofft und organisiert, mussten aber letztendlich alles in den digitalen Raum verlagern. Auf unserem Youtubeund Facebook-Kanal haben wir im Livestream zwei Tage lang unter dem Titel «Eine Ermutigung in Zeiten der Pandemie und anderer Katastrophen» das Werk Luxemburgs diskutiert, Spuren ihres Lebens verfolgt, aus neu entdeckten Briefen zitiert, Reportagen, Stadtspaziergänge und künstlerische Beiträge ausgestrahlt. Es war ein abwechslungs- und facettenreiches Programm, das nur durch das große Engagement vieler Kolleg*innen umgesetzt werden konnte und im Nachhinein für die politische Bildungsarbeit nutzbar ist. Rosa Luxemburg hat uns auch heute noch viel zu sagen – über das Verhältnis von Demokratie und Sozialismus, die Beziehung handelnder Massen zu politischen Organisationen, die Rolle von Gewalt in politischen Auseinandersetzungen, über Mut und Zivilcourage. Anlässlich des Jubiläums haben wir uns ihr auf vielfältige Weise neu genähert. In der Webstory «RS LXMBRG – Die Andersdenkende» warfen wir einen frischen Blick auf ihr Leben und Werk. Die Internetseite ist mehrsprachig abrufbar. Über Wochen streamte die Volksbühne Berlin in Anlehnung an Armand Gatti und in Bearbeitung von Luise Meier die von uns geförderte Theaterwebserie «Rosa Kollektiv oder: Aktiviere dein inneres Proletariat». Auch unsere Landesstiftungen haben bundesweit unterschiedlichste Angebote unterbreitet: In München fand beispielsweise ein szenischer Dialog mit Livemusik unter dem Titel «Mensch sein ist vor allem die Hauptsache» statt, im Stuttgarter Gewerkschaftshaus wurde die Ausstellung «Rosa Luxemburg: Ein Leben für die sozialistische Idee» gezeigt und im Theater Titania in Frankfurt am Main gab es eine musikalische Lesung aus ihren Briefen. In der ersten Folge unseres Theorie-Podcasts «Too long, didn’t read» diskutierte Alex Demirović mit der Luxemburg-Forscherin Miriam Pieschke darüber, was wir heute noch von Luxemburg lernen können. Und auch unser Graffiti-Workshop im September stand im Zeichen der Auseinandersetzung mit Luxemburgs Werk, das bis heute eine Inspiration für all diejenigen ist, die versuchen, eine neue, bessere und gerechtere Welt zu schaffen. Ja, die Pandemie hatte uns erneut über weite Strecken fest im Griff. Zum zweiten Mal mussten wir unsere Mitgliederversammlung und zahlreiche andere Veranstaltungen digital durchführen. Immer neue Hygieneverordnungen und -vorschriften hatten wir für die Aufrechterhaltung der Stiftungsar4 zungsprogramm «Organizing for Power» konnten wir erfolgreich fortführen. Mehr als 5.000 Organizer*innen aus rund 60 Ländern gehören mittlerweile zu den Aktiven. Aber es gibt immer noch Länder wie Katar, in denen gewerkschaftliche Organisierung verboten ist. Anlässlich der dort stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft 2022 haben wir begonnen, uns mit den menschenverachtenden Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitsmigrant*innen und der systematischen Ausbeutung und Repression im Umfeld von Sportgroßveranstaltungen zu beschäftigen. Zahlreiche Materialien wie eine Faltkarte, ein Videoclip und Diskussionsveranstaltungen thematisieren das «Foulspiel mit System». Dagmar Enkelmann und Daniela Trochowski beit und bei Veranstaltungen zu beachten. Bildungsseminare wurden langfristig geplant, analog vorbereitet und mussten dann doch digital abgehalten werden. Zu den wenigen Präsenzveranstaltungen gehörte die öffentliche Präsentation unserer Stiftungsarbeit am 5. September unter dem Motto «Heute ist die Antwort». An diesem ersten Tag der offenen Tür am Standort Straße der Pariser Kommune 8A gab es Podiumsdiskussionen zu Themen wie Wohnen und Mieten, Klimawandel und postmigrantische Realitäten in Ost und West. Die Führungen durch unser neues Stiftungsgebäude mit Erläuterungen zum architektonischen Baukonzept und zum Projekt «262 Klinken» waren sehr schnell ausgebucht. Im Außenbereich des Hauses war eine kleine Bühne mit Musik und Talk Anlaufpunkt zum Verweilen und Diskutieren. Darüber hinaus konnten drei Ausstellungen besichtigt werden – zum Thema «Krieg und Frieden», zur Architektur im Wandel der Zeit und zu den Auswirkungen der Treuhandpolitik. Vorgestellt wurde ebenfalls die begehbare Ton- und Videoinstallation «TreuhandTechno». Etwas wehmütig erinnerten wir uns an die Zeit vor Corona, in der wir an jedem zweiten Tag eine öffentliche Präsenzveranstaltung durchführen konnten. Mittlerweile sind wir geübt in «3G, 2G, 2G-Plus», Kontaktnachverfolgung und der Erstellung von Hygienekonzepten, aber wir würden gern darauf verzichten und wieder mehr Normalität leben. In der Auslandsarbeit stand 2021 der Kampf um globale sozia­ le Gerechtigkeit weiterhin im Mittelpunkt. Unsere Auslandsbüros sahen sich pandemiebedingt mit großen Herausforderungen konfrontiert. Viele Kolleg*innen mussten über Monate im Homeoffice arbeiten, konnten aus den jeweiligen Ländern nicht aus- oder nach Deutschland einreisen. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund hat das Thema Gesundheit einen neuen Stellenwert bekommen. Im Projekt «Global Health» des Büros Genf wurde beispielsweise aus internationaler Perspektive die soziale Dimension von Gesundheit untersucht, dessen Ergebnisse in unserem Auslandsjournal maldekstra nachzulesen sind. Unser gemeinsam mit der US-amerikanischen Aktivistin Jane McAlevey angebotenes Online-Schulungs- und Vernet- Liebe Leserin, lieber Leser, der Vorstand hat sich 2021 intensiv mit der strategischen Ausrichtung der Stiftung befasst und Eckpfeiler der künftigen Arbeit beraten. Mit dem Beschluss «Strategische Grundsätze der Rosa-Luxemburg-Stiftung in den kommenden Jahren» wurden inhaltliche Schwerpunkte festgelegt, Hauptfunktio­nen der Stiftung und Zielgruppen beschrieben sowie neue Anforderungen an die öffentliche Wirksamkeit formuliert. Dabei werden im Mittelpunkt die Themen stehen: «Zeitdiagnose, Strategien linker Kräfte und die sozialistische Perspektive», «Klimagerechtigkeit und sozial-ökologischer Systemwechsel», «Entwicklung der gesellschaftlichen Arbeit, gewerkschaftliche und soziale Kämpfe sowie soziale Rechte/neuer Sozialstaat», «Kampf gegen rechts und für eine Gesellschaft der Vielen» und «Friedenspolitik und geopolitische Herausforderungen». Seit Jahren versuchen wir, die bereichsübergreifende Arbeit auf verschiedenen Wegen zu organisieren und die Stiftung stärker als Ganzes zu betrachten. Mit einem Organisationsentwicklungsprozess wollen wir die Stiftung zukunftsfähig machen. Dabei geht es um Inhalte und Verantwortlichkeiten, aber auch um Strukturen. Darüber hinaus sollen die vielfältigen analytischen Arbeiten zu den gesellschaftlichen Umbrüchen und Kräfteverhältnissen, zu linken Strategien, Organisations- und Aktionsformen und deren Wirksamkeit sowie schließlich zur sozialistischen Perspektive systematisiert und stärker gebündelt werden. Die Brisanz und die Dringlichkeit, uns neu aufzustellen, wurde uns von dem desaströsen Bundestagswahlergebnis der Partei DIE LINKE vor Augen geführt. Die Stiftung übernimmt Verantwortung in der Ursachenforschung. Mit Gesellschaftsanalyse, politischer Bildung und Netzwerkarbeit, mit der Förderung von Projekten und Dialogen wollen wir zur Stärkung linker und sozialistischer Kräfte in Deutschland, Europa und international beitragen und so einen sozial-ökologischen, friedensorien­ tierten Richtungswechsel der Politik hin zu einem demokratischen Sozialismus bewirken. DR. DAGMAR ENKELMANN DANIELA TROCHOWSKI Vorsitzende des Vorstands Geschäftsführerin 5 SCHWERPUNKT: ROSA150 «… EINE ERMUTIGUNG IN ZEITEN DER PANDEMIE UND ANDERER KATASTROPHEN» Am 5. März 2021 galt es, einem besonderen Ereignis gerecht zu werden: dem 150. Geburtstag von Rosa Luxemburg. Mit ihr hat sich die Stiftung 1999 für eine Namenspatronin entschieden, die in mehrfacher Hinsicht nicht in die Landschaft parteinaher Stiftungen passt: Unter lauter christlich geprägten deutschen Männern ist Rosa Luxemburg die einzige Frau, die einzige Ausländerin, die einzige Jüdin. Sie ist auch die Einzige, die, aus politischen Gründen, ermordet wurde – zudem ist sie bis heute die weltweit wichtigste sozialistische Theoretikerin. REPRÄSENTANTIN EINER VERNICHTETEN KULTUR Ihre Gegner*innen, aber auch viele ihrer vermeintlichen Freund*innen haben das ganze 20. Jahrhundert hindurch ihr theoretisches Werk und ihr politisches Wirken durch ein Geflecht aus Lügen, Verdrehungen und Verleumdungen bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Rosa Luxemburg meinte es ernst mit der Demokratie. Terror und Sozialismus waren für sie unvereinbar. Sozialismus verstand sie als einen gesellschaftlichen Zustand, in dem ständig um die Erweiterung der politischen Freiheit gerungen wird, die um die soziale Freiheit von Ausbeutung, Unterdrückung und Diskriminierung jeder Art zu ergänzen ist. Ihre Vorstellung von Sozialismus war also so ziemlich genau das Gegenteil dessen, was sich später «real existierender Sozialismus» nannte. Auch Rosa Luxemburgs Ikonisierung ist eine Verfälschung gewesen, kein Ruhmesblatt, geschweige denn Ausdruck von Souveränität. Sie hätte böse gespottet. Als Polin jüdischer Herkunft mit Vorfahr*innen aus Belgien entstammte Rosa Luxemburg einem osteuropäischen, weitgehend vorkapitalistischen Bürgertum, dem neben dem Bildungsanspruch der jüdischen Religion der Humanismus der Renaissance ebenso wie der Emanzipationsgedanke der Aufklärung tief eingeschrieben war. Durch den Holocaust wurde diese Kultur, die insbesondere in einem breiten Streifen zwischen Tartu (Dorpat) an der Ostsee und Odessa am Schwarzen Meer anzutreffen war, unwiederbringlich vernichtet. Erschien Rosa Luxemburg schon vielen ihrer – deutschen – Zeitgenoss*innen als Überforderung wie als Zumutung, so gilt das für die heutigen nicht minder. EINE NATÜRLICHE VERBÜNDETE Weil wir als Stiftung für den März 2021 nicht nur einer vom Kalender erzwungenen Pflichtübung entsprechen wollten, hatten wir die Frage zu beantworten: Was ist 150 Jahre nach Rosa Luxemburgs Geburt der Erinnerung und der aktiven Auseinandersetzung wert? 6 «Ich habe eine große Bewunderung für sie», so Janine Wissler (l.) über ihre persönliche Beziehung zu Rosa Luxemburg. Eine Woche nach ihrer Wahl zur Vorsitzenden der Partei DIE LINKE sprach sie mit Johanna Bussemer (Rosa-Luxemburg-Stiftung) auf dem Festival «Rosa150 – eine Ermutigung in Zeiten der Pandemie und anderer Katastrophen». Wir wussten, wir würden Luxemburg nicht zu einem inte­ gralen Bestandteil der heutigen Gesellschaft machen können, und wollten es auch nicht. Was wir wollten, war, ihre – auf Marx zurückgehende und oft verlachte – Maxime «Sozialismus oder Barbarei» wieder freizulegen. Denn zunehmend sind wir einem Kapitalismus ausgeliefert, der verschärft Akkumulation durch Enteignung betreibt, sich wirtschaftlich wie ökologisch immer stärker festfährt und längst mehr Probleme produziert als löst. Auf die Tagesordnung rückt die Frage nach einer Alternative nicht mehr nur für Linke, «die es immer schon gewusst haben». In diesem Kampf bietet sich Rosa Luxemburg als natürliche Verbündete an. Doch nicht nur die Kapitalismuskritik war uns ein zentraler Aspekt. Mit der Ermordung von Rosa Luxemburg, Kurt Eisner, Gustav Landauer, Hugo Haase und Walther Rathenau hatte eine «Arisierung» der deutschen Gesellschaft begonnen, die auch noch nach dem Holocaust Überlebende als Displaced Persons behandelte. Nach dem Ersten Weltkrieg stand man in Deutschland lange Jahre einer sich «nationalisierenden» Gesellschaft gegenüber, in der «Ausscheiden» und Abwehr des Fremden nicht als Defizite verhandelt wurden. Die deutschen Gesellschaften nach dem Zweiten Weltkrieg genügten sich selbst und bedurften einer Rosa Luxemburg nicht. Sie war auch eine Displaced Person. Eine «offene Wunde», die – wie ein Jesus oder ein Marx – ständig «zu behandeln» sei, war sie nie. Besonders umkämpft ist heute Rosa Luxemburgs Freiheitsverständnis. Noch immer wird beispielsweise behauptet, sie habe Freiheit nur für ihresgleichen gefordert. Ein Blick in ihre Schriften zeigt, dass das Gegenteil der Fall ist: «Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der ‹Gerechtigkeit›, sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die ‹Freiheit› zum Privilegium wird.» Nicht zuletzt die weltweit sich ausbreitende Krise der parlamentarischen Demokratie – samt grassierender Intoleranz und Abbau von Minderheitenschutz – setzt Luxemburg wieder auf die Tagesordnung. Die Freiheit der Andersdenkenden – der Kern ihres politischen Denkens – wird im Kampf für die Erhaltung der Demokratie zu einer nicht aufgebbaren Forderung. Auch in diesem Kampf sehen wir Rosa Luxemburg als eine natürliche Verbündete. Bei der Gewinnung einer den heutigen Erfordernissen gerecht werdenden sozialistischen Idee wäre es ebenfalls kurzsichtig, auf Rosa Luxemburg zu verzichten. 70 Jahre Sozialismus mit seiner Avantgarde-Anmaßung haben die sozialistische Idee mehr beschädigt als alle Angriffe durch prokapitalistische Kräfte zusammengenommen. Die Auflösung des inneren Zusammenhangs von Sozialismus und Demokratie hat Rosa Luxemburg vom ersten Tage an vehement bekämpft. Eine künftige Befreiung aus den kapitaldominierten Zuständen geht nur über eine Re-Formulierung der sozialistischen Idee, die ohne ihre Re-Demokratisierung nicht zu haben sein wird. Auch hier wäre Rosa Luxemburg eine natürliche Verbündete. Wahrscheinlich würden heute nur noch wenige Spezialist*in­ nen Rosa Luxemburgs Namen kennen, wenn sie nicht ermordet worden wäre. Gleichwohl sind wir an die Vorbereitung der Jubiläen mit dem Vorsatz gegangen, künftig auf das Leben dieser Frau zu schauen, statt weiterhin den Mord an ihr in den Mittelpunkt zu stellen. Seit Jahren schon diskutieren wir darüber, Luxemburg vom «Totenkult» zu befreien und ins «Diesseits» zurückzuholen, also hinter der schweigenden Ikone eine die Emanzipation ebenso lebende wie einfordernde Verbündete sichtbar zu machen. Das immer wieder besprochene Vorhaben, die Erinnerung an Rosa Luxemburg von der Ermordung auf ihre Geburt, auf ihr Leben und ihr Werk «umzuzentrieren», haben wir an ihrem 150. Geburtstag verwirklicht. Wenn es dabei künftig bliebe, wäre endlich auch hier der Bruch mit dem Stalinismus vollzogen, der nur die stumme Ikone ertrug, unkenntlich auf ein Podest verbannt. 7 SCHWERPUNKT: ROSA150 Rosa Luxemburg auf dem Jenaer Parteitag der Sozialdemokratie 1905. WIEDERENTDECKUNG Dank Rosa Luxemburg fiel auf die Stiftung von Anfang an Glanz, allerdings nie ein billiger. Denn wer sich mit ihr einlässt, wird gefordert. Bereits der 100. Jahrestag ihrer Ermordung 2019 bot die Chance innezuhalten, um dann etwas aufgeräumter weiterzumachen. Wir fingen dabei keineswegs bei null an. In den 1970er- und 1980er-Jahren hatten die Kolleg*innen um Annelies Laschitza und Günter Radczun mit der Herausgabe der Werke und Briefe von Rosa Luxemburg wichtige Grundlagen geschaffen. Dank der Stiftung wurden nun Überarbeitungen dieser Bände möglich; auch das deutschsprachige Werk konnte durch zwei Ergänzungsbände (in drei Büchern) vervollständigt werden und liegt heute komplett vor. Zudem erschienen die ersten Übersetzungen aus dem Polnischen, besorgt von Holger Politt. Und es ist eine neue Generation herangewachsen, die sich – nicht selten in Verbindung mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung – um eine ernsthafte Rezeption des Werks von Luxemburg bemüht. In den unterschiedlichsten Ländern wird der «stummen Ikone» die Stimme zurückgegeben und Luxemburg als Partnerin für heutige Debatten entdeckt. Zum Beispiel in der Frage, wie «Akkumulation durch Enteignung» auf öffentliche Güter übergreift: in Form der Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen, des Gesundheits- und Bildungswesens, des Kulturbetriebs. Luxemburgs Akkumulationstheorie wird heute auch unter den Gesichtspunkten der «inneren Kolonien», der «Landnahme», des Haushalts als kostenloser Produktionsort der Ware Arbeitskraft und der unterbezahlten Care-Arbeit diskutiert. Zum 150. Geburtstag von Rosa Luxemburg las Gregor Gysi ihre Texte ein. Die Pandemie aber verhinderte eine Reihe bereits angedachter Vorhaben, diesen Geburtstag zu begehen. Insbesondere ein ursprünglich zusammen mit der Berliner Volksbühne geplantes Spektakel mit Diskussionsveranstaltungen, Filmaufführungen, Lesungen, Ausstellungen, Inszenierungen und Installationen musste abgesagt werden. Zugleich beschleunigte die Corona-Pandemie eine für unsere Bildungsarbeit ohnehin schon seit Längerem angelegte Entwicklung hinein ins Digitale. Geblieben war unser Anspruch, die Auseinandersetzung mit Luxemburgs Leben und Werk auf künstlerischer, politischer und historischer Ebene stattfinden zu lassen. Auszuprobieren waren dabei ganz neue und bislang seltener genutzte Formate, von digitalen Stadtrundgängen, Audiowalks und Podcasts bis hin zu Episodenfilmen und Videoclips mit Animatio­nen. Dabei haben wir auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse zutage gefördert, neue, auf unterschiedliche Öffentlichkeiten hin konzipierte Publikationen angestoßen und – soweit es ging – Präsenzveranstaltungen durchgeführt. Das Jubiläum hat die gesamte Stiftung getragen – in Berlin, in den Landesstiftungen und in den Auslandsbüros, die viele eigene Akzente setzten. Und es war ein Schwerpunkt, der uns das ganze Jahr über begleitet hat, nicht nur am Geburtstag selbst, sondern auch noch am 5. September, als die Rosa-Luxemburg-Stiftung mit dem Motto «Heute ist die Antwort» die Türen ihres neuen Stiftungsgebäudes in Berlin öffnete. EINE BLEIBENDE HERAUSFORDERUNG War der 100. Jahrestag der Ermordung Rosa Luxemburgs am 15. Januar 2019 noch in eine lange Kette von Veranstaltungen anlässlich der Jubiläen der russischen Revolution 1917 und der deutschen Niederlagenrevolution vom November 1918 samt dem Revolutionswinter 1918/19 eingebettet, ragte der 150. Geburtstag Rosa Luxemburgs am 5. März 2021 einsam aus dem Jubiläumskalender. 8 Die Arbeit geht weiter. Für die Rosa-Luxemburg-Stiftung bleibt ihre Namenspatronin eine Herausforderung: für Wissenschaftlichkeit, Streitbarkeit, politische Leidenschaft und menschliche Integrität. SCHWERPUNKT: ROSA150 LEBEN ALS ENTSCHEIDUNG DIE NEUE WEBSEITE Die geplanten Vortragsreisen ins In- und Ausland wurden schon im September 2020 storniert. Um unter diesen Umständen überhaupt etwas zum Luxemburg-Jubiläum anbieten zu können, machte sich ab Ende Oktober eine kleine Gruppe von Stiftungsmitarbeiter*innen zusammen mit der Agentur Zoff Kollektiv daran, eine Webseite über das Leben und das Werk Rosa Luxemburgs aufzusetzen: www.rosaluxemburg.org. Für den Einstieg in ihre Biografie orientiert sich die Webseite an Luxemburgs Maxime, ihr Leben möglichst selbst in die Hand zu nehmen und durch bewusste Entscheidungen zu gestalten. Anhand von zehn biografischen Stationen, gleichbedeutend mit zehn Entscheidungen, führen die Texte auf der Webseite in ihr Leben ein. «Umgeben von einer Welt aus Klerikalismus, Patriarchat, Militarismus, Nationalismus und Bigotterie traf Rosa Luxemburg», so ist dort zusammenfassend zu lesen, «für ihre Zeit zahlreiche außergewöhnliche Entscheidungen: Mit 17 ging sie in die Schweiz; mit 22 gründete sie eine eigene Partei; mit 27 promovierte sie und zog als ständigen Wohnsitz Berlin der Hauptstadt des aufgeklärten Europas, Paris, vor; mit 28 wurde sie erstmalig Chefredakteurin; mit 33 bezog sie eine Gefängniszelle, nicht zum letzten Mal; im selben Jahr kritisierte sie öffentlich Lenin und die Bolschewiki; als sie 47 war, warf man ihre Leiche in Berlin in den Landwehrkanal.» Es war ein vor allem aktiv geführtes, engagiertes Leben. Verfälscht wurden später insbesondere ihre politischen Grundpositionen, weswegen – basierend auf Luxemburgs eigenen Schriften – auf der Webseite in knapper Form Antworten gegeben werden auf die Fragen: Ist eine Reform des Kapitalismus ohne Revolution möglich? Warum ist die Freiheit immer Freiheit der Andersdenkenden? Worin besteht das Geheimnis von Kolonialismus und Imperialismus? Wie sah für Rosa Luxemburg eine Alternative zum Kapitalismus aus? Emanzipa­ tion – als Befreiung des Menschen durch lebenslanges Lernen? Die Webseite wurde am 14. Januar 2021 hochgefahren und ist mittlerweile in deutscher, englischer, französischer, polnischer und spanischer Sprache aufrufbar. Sie wird beständig mit multimedialen, weiterführenden Materialien (Schriften, Briefen, Audios, Filmen) befüllt. Besonders gern spielen Besucher*innen auf der Seite abschließend das Quiz, bei dem auch zu erfahren ist, wie Rosa Luxemburg über das Fahrradfahren dachte und nach wem ihre Katze «Mimi» benannt war. Screenshot der neuen Webseite www.rosaluxemburg.org 9 SCHWERPUNKT: ROSA150 «ROSA150» – EIN DIGITALER BLUMENSTRAUSS ZUM GEBURTSTAG Lange noch hielten wir an dem Vorhaben fest, rund um Rosa Luxemburgs Geburtstag zwei Tage lang die Berliner Volksbühne bespielen zu können. Dort liefen auch bereits die Vorbereitungen für die Neuinszenierung des Stücks «Rosa collective» (1971) vom französischen antifaschistischen Dramatiker Armand Gatti. Allerdings begannen – zur Sicherheit – parallel dazu im Herbst 2020 Planungen für digital produzierte Veranstaltungsteile, die in das Programm in der Volksbühne integriert werden sollten. Kurz vor Weihnachten kam dann das endgültige Aus: Alle als Präsenzveranstaltungen geplanten Aktivitäten wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Wir hatten unseren bunten Blumenstrauß nun vollständig digital zu binden, wollten aber daran festhalten, dem Publikum am 4. und 5. März so viel «Live» wie möglich zu bieten. Daher richteten wir im Neubau der Rosa-Luxemburg-Stiftung an der Straße der Pariser Kommune einen eigenen Sendesaal ein, bauten eine Bühne für Moderation und konzipierten eine Reihe LiveInterviews. Es beteiligten sich alle Bereiche der Stiftung am Festivalprogramm: Es wurden neue «Spuren» zum Leben von Rosa Luxemburg erschlossen und «Geheimnisse» aus ihrer Akkumulationstheorie, also der Zusammenhang von Kapitalismus, Imperialismus und Krieg, tiefer ergründet; es wurden lebensweltliche Spannungsverhältnisse zwischen «Frau – Rosa» ausführlicher thematisiert und durch die Auseinandersetzung mit feministischen Kämpfen um Sorgearbeit sowie mit Einblicken in die Frauenbewegungen Osteuropas und Südamerikas aktualisiert; auch die politisch-strategischen Spannungsverhältnisse «Demokratie – Diktatur» sowie «Widerstand – Rebel­ lion – Revolution» kamen zur Sprache; und wir betrachteten schließlich verschiedene «Bilder» genauer, die man sich von Rosa Luxemburg in der Vergangenheit gemacht hat. Beeindruckend, wie die Regisseurin Margarethe von Trotta diesbezüglich in einem einstündigen Video über Hintergründe und Motive ihres preisgekrönten Films «Rosa Luxemburg» (1986) sprach. Während des Festivals wurden neu entdeckte Briefe Rosa Luxemburgs (an Robert Michels) präsentiert und darüber nachgedacht, was sie heute womöglich über die Initiative «Deutsche Wohnen & Co enteignen» denken würde und wie sehr – andersherum – die Initiative in von Luxemburg repräsentierten Traditionen steht. Über ihre Bezüge zu Rosa Luxemburg sprachen Vertreter*innen der Gruppen Ende Gelände, International Women* Space und des Sozialistisch-demokratischen Studierendenverbands. Das August-Bebel-Institut, das Literaturhaus Berlin und die Mannheimer Initiative Frauenwege beteiligten sich ebenfalls mit eigenen Beiträgen am Festivalprogramm. Eine Woche nach ihrer Wahl zur Vorsitzenden der Partei DIE LINKE fand auch Janine Wissler Zeit, mit Johanna Bussemer über ihre persönlichen Beziehungen zu Rosa Luxemburg zu sprechen. Das digitale Festival wurde auf der Webseite der Rosa-Luxemburg-Stiftung via Youtube und Facebook ausgestrahlt. Die Autorin Luise Meier im Gespräch mit den Historikern Jörn Schütrumpf (l.) und Uwe Sonnenberg über die Entfremdung zwischen der politischen und der kulturellen Linken. 10 SCHWERPUNKT: ROSA150 dem Herausgeber der englischsprachigen Ausgabe der «Gesammelten Werke» Rosa Luxemburgs. Mit Blick auf die beispiellosen Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA 2020 zeigte er anhand von Luxemburgs Schriften und Theorien, wie sehr sie geeignet sind, das aktuelle Zusammenspiel von rassistischer Unterdrückung und kapitalistischer Wirtschaftsweise zu begreifen. Zudem kamen bei der Buchvorstellung von «Creolizing Rosa Luxemburg», herausgegeben von Drucilla Cornell und Jane Gordon, neue, bisher unbekannte Sichtweisen auf Luxemburg und ihr Werk zur Sprache. Unterdessen veröffentlichte die Internationale Rosa-Luxemburg-Gesellschaft einen neuen Call for Papers für eine – dieses Mal hoffentlich als Präsenzveranstaltung – im März 2023 stattfindende Tagung im norwegischen Bodø über «Rosa Luxemburg, Socialist Democracy, and the Periphery». Ankündigung des internationalen Symposiums, das online stattfinden musste. Mit nur wenig Ressourcen erreichte das Symposium bereits mehrere Tausend Menschen. Die gehaltenen Vorträge und intensiven Debatten können unter www.rosalux.de/rosa-at-150 abgerufen werden. «RADICAL LIFE AND LEGACY» INTERNATIONALES SYMPOSIUM Was zunächst gemeinsam gedacht war, musste unter den Bedingungen der Pandemie auf verschiedene digitale Strecken hin neu aufgesetzt werden. So ließ sich rund um den 150. Geburtstag Rosa Luxemburgs nicht vermeiden, dass das wissenschaftliche Symposium am 4. und 5. März zeitgleich zum digitalen Festival stattfand – vorbereitet und durchgeführt in Kooperation mit der Internationalen Rosa-Luxemburg-Gesellschaft, einem seit den 1980er-Jahren aufgebauten internationalen Netzwerk von Wissenschaftler*innen. Die mehr als 30 Referent*innen und Diskutant*innen schalteten sich von verschiedenen Kontinenten aus per Zoom zusammen, um Luxemburgs «Radical Life and Legacy» Revue passieren zu lassen. In insgesamt neun inhaltlichen Blöcken verhandelten sie – prominent besetzt – die Rezeption Rosa Luxemburgs in Asien, in Südamerika und in der Literatur. Ihr Verhältnis zum Feminismus wurde ebenso diskutiert wie Luxemburgs Beitrag zur heutigen «Challenge of Political Strategy» bzw. die Bedeutung ihrer Akkumulationstheorie und ihres Massenstreikansatzes inmitten neoliberaler Krisen. Nicht zuletzt wurde zur Debatte gestellt, was Rosa Luxemburgs Werk dazu beitragen kann, um einen «rassifizierten Kapitalismus» zu verstehen. Und immer wieder ging es um die Frage, was von Rosa Luxemburg heute noch gelernt werden kann, welche ihrer Ideen und Ansätze weiterhin Relevanz besitzen oder in welcher Beziehung sie bereits als überholt anzusehen sind und Überarbeitung verdienen. Dass das Symposium zu keinem Zeitpunkt eine trocken akademische Veranstaltung war, war besonders deutlich den abschließenden Bemerkungen von Peter Hudis zu entnehmen, Robin D.G. Kelly (o.) und Lea Ypi referierten und diskutierten auf dem Symposium zu Ehren Rosa Luxemburgs. 11 SCHWERPUNKT: ROSA150 ROSA KOLLEKTIV UND ROSA KANAL EINE GELUNGENE WEBSERIE AUS VERLEGENHEIT Eigentlich hätte die Kooperation mit der Berliner Volksbühne eine Neuinszenierung von Armand Gattis «Rosa collective» über eine gescheiterte Fernsehserie über Rosa Luxemburg auf die Bühne bringen sollen. Als die Pandemie das unmöglich machte, entschieden sich Regisseur Christian Filips und alle weiteren an der Produktion Beteiligten kurzerhand dazu, selbst ein «Rosa Kollektiv» zu werden. Aus dem Probenprozess heraus entwickelten sie eine elfteilige Webserie, die ab Dezember 2020 wöchentlich im digitalen Ersatzprogramm der Volksbühne wie auch auf den Webseiten der Rosa-Luxemburg-Stiftung ausgestrahlt wurde. Das spektakuläre Staffelfinale fand dann am 5. März 2021, dem 150. Geburtstag Rosa Luxemburgs, tatsächlich auf der großen Bühne in der Volksbühne statt. Das Rosa Kollektiv bestand aus Schauspieler*innen, Laien­ darsteller*innen, Expert*innen und Geflüchteten. Ihr gemeinsames Motto: «Das Kollektiv ist, was es daraus macht.» Auf einer umgewidmeten Kegelbahn bei der Berliner Initiative Neue Nachbarschaft Moabit drehte es mit Handkameras jenseits des fiktiven Bühnenrahmens, ging mit den Darsteller*innen mehrfach in den öffentlichen Raum und nahm in der Produk­ tion aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen auf. So inszenierte das Rosa Kollektiv zum Beispiel eine Folge spontan am Rande einer winterlichen Protestdemonstration von Landwirt*innen in Berlin. In einer anderen wurden nahe dem jüngst eröffneten Berliner Humboldt Forum Leerstellen in der deutschen Erinnerung an koloniale Vergangenheiten verhandelt. Gesellschaftliche Erosionsprozesse im autokratisch regierten Brasilien waren genauso Thema wie Berichte aus erster Hand über die massive staatliche Repression gegenüber Demonstrant*innen in Belarus. Die Auseinandersetzung rund um #gamestop, die Anfang 2021 für kurze Zeit in aller Munde war, griff eine weitere Folge auf, eine spätere auch die Gefahren eines Dritten Weltkriegs. Die Webserie «Rosa Kollektiv oder: Aktiviere dein inneres Proletariat» wollte Rosa Luxemburg weder politisch noch künstlerisch vereinnahmen, darin waren sich die Autorin Luise Meier, die Dramaturgin Sabine Zielke und der Regisseur Christian Filips in einem die Produktion begleitenden Manifest einig. Mit ihrer Produktion, die auf dem dann so benannten «Rosa Kanal» zu sehen war, zeigten sie aber, was künstlerisch mit viel Improvisation, Klamauk und selbst nicht wenig Agitprop möglich ist beim Ergründen, inwiefern Rosa Luxemburgs Denken auch heutiges reales Leben beschreibt. So ist in dem Manifest «R.L.: Real Life» zu lesen: «Wieder und wieder ist Rosa immer die Andere, die Schwarmintelligenz, der Kollektivkörper, die radikale Dialektik, die zentrale Perspektive aus der scheinbaren Peripherie, auch der Blick auf das europäische Denken von außen, die wiederzugewinnende Internationale.» Alles in allem: ein aus Verlegenheit geborenes Experiment, das zu einem einzigartigen Ergebnis führte. «Rosa Kollektiv» – hier mit der Schauspielerin Susanne Bredehöft. Das Staffelfinale der Webserie fand dann auf der großen Bühne der Berliner Volksbühne statt. 12 SCHWERPUNKT: ROSA150 (Florian Wilde), die «Wahr-Sprecherin» (Michael Brie), «Lernen und Lehren mit Luxemburg» (Miriam Pieschke), «Geliebt und gehasst – die Rezeption Rosa Luxemburgs in Ost und West» (Julia Killet), «Warschaus berühmteste Revolutionärin» (Holger Politt), «Die Diskussion mit den Burschis fürchte ich auch nicht» (Claudia von Gélieu) und nicht zuletzt «Von Melancholie, Lokomotiven und harten Kontroversen» (Bini Adamczak). Alle diese Filme finden sich unter: www.rosaluxemburg.org. Screenshot aus Episode 3 von Paul Masons Filmreihe «R steht für Rosa». Julenka Werkmeister las Briefe von Rosa Luxemburg. FILME, FILME, FILME Unsere Beschäftigung mit Rosa Luxemburg erschöpfte sich in ihrem Jubiläumsjahr nicht in Wort und Schrift. Auch das Medium Film kam zu seinem Recht. Nach «K wie Karl» zur Feier des 200. Geburtstags von Karl Marx im Jahr 2018 produzierte der britische Journalist und Filmemacher Paul Mason nun auch eine Reihe von Episodenfilmen anlässlich des 150. Geburtstags von Rosa Luxemburg. In vier Folgen von «R steht für Rosa» beschäftigte er sich mit der Frage «Reform oder Revolution?», ging Luxemburgs Revolutionsverständnis nach, behandelte mit ihr den Zusammenhang von «Imperialismus und Krieg» und mit Katja Kipping schließlich «Luxemburg heute». Parallel dazu förderten wir gezielt die künstlerische Beschäftigung mit Luxemburgs Werk durch vier Filme, in Szene gesetzt von Hanna Petkoff vom Grips Theater. Für Selena Bakalios schrieb sie den Poetry-Slam «Rosa, wie konnte das gehen?» und inszenierte den berühmten Gefängnishof-Brief, vorgetragen von einem Chor unter Leitung von Ursula Renneke. Julenka Werkmeister las in einer surrealen Atmosphäre weitere Briefe von Rosa Luxemburg. Tief beeindruckend war auch die Luxemburg-Interpretation der Tänzerin Katerina Vlasova zu Musik von Ludwig van Beethoven. Die weltweite pandemische Notlage brachte auch einige Auslandsbüros dazu, stärker auf die Produktion eigener Kurzfilmbeiträge überzugehen. So stellte das Stiftungsbüro in Genf ein animiertes Video «Rosa Luxemburg’s years in Switzerland» her. Das Büro Hanoi produzierte mit Partner*innen vor Ort ihren Clip «Eternal Rose» und das Auslandsbüro Cono Sur versammelte Stimmen zu «Rosa Luxemburg und das Parlament». Für das digitale Festival «Rosa150» zeichneten wir vorab eine Serie von Vorträgen und Erklärfilmen auf, die künftig auch Teil des politisch-historischen Bildungsprogramms sein werden. Thematisch ging es um Rosa Luxemburg und das Eigentum (Sabine Nuss), Luxemburgs Sozialismusstrategien (Ingar Solty), aber auch um «Streik – die Muckibude des Proletariats» Die Tänzerin Katerina Vlasova bei ihrer Luxemburg-Interpretation. 13 SCHWERPUNKT: ROSA150 PUBLIKATIONEN ZUM SCHWERPUNKTTHEMA IM KARL DIETZ VERLAG BERLIN VSA: VERLAG Lutz Brangsch, Miriam Pieschke (Hrsg.) Michael Brie, Jörn Schütrumpf SICH NICHT REGIEREN LASSEN ROSA LUXEMBURG ROSA LUXEMBURG ZU DEMOKRATIE EINE REVOLUTIONÄRE MARXISTIN UND LINKER ORGANISIERUNG. EIN LESEBUCH AN DEN GRENZEN DES MARXISMUS Broschur, 208 Seiten Hardcover, 248 Seiten Claudia von Gélieu BÜCHNER-VERLAG VERLAGS­ KOOPERATIONEN ROSA LUXEMBURG IN BERLIN EIN BIOGRAFISCHER STADTFÜHRER Broschur, 136 Seiten Frank Jacob, Albert Scharenberg, Jörn Schütrumpf (Hrsg.) LEBEN, WERK UND NACHWIRKEN Klaus Gietinger (Hrsg.) ROSA LUXEMBURGS KARL LIEBKNECHT NEUERSCHEINUNG ZUM STAND DER ODER: NIEDER MIT DEM KRIEG, INTERNATIONALEN LUXEMBURG-FORSCHUNG NIEDER MIT DER REGIERUNG! Broschur, 2 Bde., 812 Seiten Broschur, 200 Seiten BAND 1: LEBEN UND WIRKEN ISBN (Print) 978-3-96317-244-1 ISBN (ePDF) 978-3-96317-782-8 BAND 2: NACHWIRKEN ISBN (Print) 978-3-96317-245-8 ISBN (ePDF) 978-3-96317-783-5 Ein 24-seitiges Extrablatt mit kritischen, solidarischen und emphatischen Beiträgen zu Rosa Luxemburg und Illustra­ tionen von Kate Evans lag am Vorabend ihres 150. Geburtstags dem neuen deutsch­land und der Wochenzeitung Der Freitag bei. Herunterzuladen ist es unter: www.rosalux.de/publika­ tion/id/43829/150-jahre-rosa-luxemburg-1. Alle Publikationen stehen als kostenlose Downloads zur Verfügung unter: www.rosalux.de/publikationen. 14 SCHWERPUNKT: ROSA150 Sämtliche genannten Beiträge sind auf den Youtube-Kanälen der Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen bzw. Bayern abrufbar. «Mensch sein ist vor allem die Hauptsache» – eine Talkshow mit Rosa Luxemburg. BEGEGNUNGEN MIT EINER REVOLUTIONÄRIN Auch die Landesstiftungen boten anlässlich von Rosa Luxemburgs 150. Geburtstag ganzjährig ein facettenreiches Veranstaltungsprogramm bundesweit an. Beispielsweise organisierten die Landesstiftungen von Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bayern am 3. Februar gemeinsam eine Online-Lesung, in der Holger Politt sein neues Buch «Rosa Luxemburg: Spurensuche» vorstellte, das 2020 im VSAVerlag erschienen ist. Zusammen mit Krzysztof Pilawski hat er darin viele bislang nicht gezeigte Dokumente publiziert und ist den Lebenswegen der Mitglieder der jüdischen Familie Rosa Luxemburgs in Polen nachgegangen. Ganz unterschiedliche «Begegnung(en) mit einer Revolutionärin», so der Titel der Veranstaltung, ermöglichte die RosaLuxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit der Volkshochschule Köln, dem Kölner Frauengeschichtsverein und dem Friedensbildungswerk Köln am 2. März. Die zweiteilige digitale Veranstaltung eröffnete Ina Hoerner-Theodor, die in ihrem Vortrag einen biografischen und werkgeschichtlichen Blick auf Luxemburg richtete. Im Anschluss präsentierte die fränkische Kabarettistin Birgit Süß Ausschnitte aus ihrem «Projekt Rosa», eine von Klaus Ratzek am Bass begleitete literarisch-musikalische Bühnenperformance. In der zum Abschluss vom Vorsitzenden der Landesstiftung Karl-Heinz Heinemann moderierten Podiumsrunde diskutierten die Literaturwissenschaftlerin Julia Killet und die Historikerin Gisela Notz mit der Geschäftsführerin der Rosa-Luxemburg-Stiftung Daniela Trochowski über die historische Rezeption Rosa Luxemburgs und ihre Bedeutung für gegenwärtige politische Kämpfe. Auf Einladung der Landesstiftung Hessen und des Kurt-Eisner-Vereins (Rosa-Luxemburg-Stiftung Bayern) diskutierten Nilüfer Koç, Sprecherin der Internationalen Angelegenheiten des Kurdistan Nationalkongresses (KNK), Anja Flach, Autorin mehrerer Bücher zur kurdischen Frauenbewegung und zu Rojava, sowie Jörn Schütrumpf von der Fokusstelle Rosa Luxem- Birgit Süß mit Bassist Klaus Ratzek unterwegs mit dem «Projekt Rosa». burg am 4. Mai 2021 digital über «Die kurdische Freiheits- und Frauenbewegung und Rosa Luxemburg». Am Ende des Monats lud der Kurt-Eisner-Verein dann zusammen mit philosophy meets jazz in München zu einer «Talkshow mit Rosa Luxemburg» ein – ein szenischer Dialog aus Originalzitaten mit Livemusik, verfasst und aufgeführt von Hannah Zitzmann und Andreas Belwe, musikalisch umrahmt von Lena Rein (Jazzgitarre) und Thomas Eilingsfeld (Jazzgitarre und Kontrabass). Rosa Luxemburg war eine leidenschaftliche Briefeschreiberin. Ihre im Ersten Weltkrieg im Gefängnis geführte Korrespondenz mit Sophie Liebknecht ist ein poetisches Zeitdokument. Einen Ausschnitt daraus hat der Musikwissenschaftler und Komponist Reinhard Fehling vertont. Entstanden ist ein musikalischer Kurzfilm, für den Kate Evans ihre Cartoons aus der Graphic Novel «Rosa» zur Verfügung gestellt hat. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen war Gastgeberin der Filmpremiere am 8. Dezember. Im anschließenden Gespräch mit der LINKEN-Politikerin Anna Conrads und Julia Killet gewährte Fehring Einblicke in die Produktion des Films. 15 INSTITUT FÜR GESELLSCHAFTSANALYSE Das Jahr 2021 stand für uns im Zeichen der Wahlen zum Bundestag und zum Abgeordnetenhaus von Berlin – zwei Schlüsselmomente für die Zukunft der Partei DIE LINKE. Im Vorfeld ging es darum, Öffentlichkeit für die wichtigsten Themen herzustellen, etwa durch Studien zu einem bundesweiten Mietendeckel oder zur Vermögenssteuer bzw. -abgabe. Zentral waren für uns zudem strategische Beratungen und Debatten über Fallstricke und Perspektiven linken Regierens. Diesbezügliche Höhepunkte waren der spektakuläre Sieg der Krankenhausbewegung in Berlin, deren Kampf um Entlastung und gegen Ökonomisierung von uns eng begleitet wurde, und das fulminante Votum der Berliner*innen im Rahmen des Volksentscheids für die Enteignung großer Immobilienkonzerne. Der Eintritt der LINKEN in eine schwierige Koalition unter einer SPD-Bürgermeisterin Franziska Giffey, die die Umsetzung des Volksentscheids verhindern möchte, bedeutet(e), weiterhin gute Argumente für linke Politik liefern zu müssen und gemeinsam mit Mieten- oder Krankenhausbewegung den nötigen Druck aufzubauen. Nach der Bundestagswahl und dem Einzug der LINKEN mit Glück und «auf Bewährung» (Susanne Hennig-Wellsow) in den Bundestag stand die Analyse der Ursachen für das desaströse Wahlergebnis im Vordergrund: Zu den vielfältigen Gründen gehören einerseits innere Faktoren (Machtkonflikte, widerstreitende politische Strategien, programmatische Differenzen, inkohärente und uneffektive Organisationsstrukturen, schrumpfende Verankerung im Osten, mangelnde im Westen etc.) und andererseits externe gesellschaftliche Verschiebungen. Bei der Analyse müssen konjunkturelle und taktische Gründe (z. B. im Wählerverhalten) von tieferliegenden inneren und gesellschaftlichen Ursachen unterschieden und Stärken und Schwächen der LINKEN in den Blick genommen werden: Welche Möglichkeiten bieten sich mit der Ampelkoalition für eine Erneuerung der LINKEN als einzige linke Oppositionspartei im Parlament? Wie hat sich die gesellschaftliche Basis für DIE LINKE verändert, welche Gruppen können in Zukunft eine tragende Wählerbasis bilden? Die thematischen Schwerpunkte der politischen und gesellschaftlichen Linken unterfütterten wir mit Studien und Gutachten. Wir brachten Akteure zusammen, entwickelten gemeinsame Strategien und versuchten, eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Zentral waren dabei neben übergreifenden Analysen etwa zur Klassentheorie, veränderten Klassenstrukturen und verbindender Klassenpolitik die konkreten Kampagnen zu Mieten und Wohnen, Gesundheit und Pflege, Mobilität und zum sozial-ökologischen Umbau sowie nicht zuletzt die Außen- und Friedenspolitik. Hinzugekommen sind neue Kolleg*innen, andere haben sich in die verdiente Rente verabschiedet, bleiben der Stiftung mit ihrem Wissen aber als Fellows erhalten. 16 Titelbild der Ausgabe 1/2021 der Zeitschrift LuXemburg: Jubel nach dem erfolgreichen Referendum für die Legalisierung von Abtreibungen in Irland 2018. DIE ZEITSCHRIFT LUXEMBURG «GEWINNEN LERNEN» Ins Wahljahr startete die LuXemburg mit dem Heft «Gewinnen lernen». Mit neu gewählten Vorsitzenden und nach einem inspirierenden Parteitag standen die Zeichen für die Partei DIE LINKE Anfang 2021 nicht schlecht. Gleichzeitig war klar, dass politische Erfolge nicht vom Himmel fallen und sozialistische Politik Handarbeit ist. Wir haben uns deshalb auf die gezielte Suche nach Möglichkeitsfenstern linker Politik gemacht und einen Blick in den Maschinenraum kraftvoller Organisierungen geworfen: Wie hat es die Mietenbewegung geschafft, dass in Berliner Küchen mittlerweile ganz selbstverständlich von Enteignung gesprochen wird? Wie kann die LINKE mit Haustür- und Gartengesprächen den Wahlkampf bestreiten? Wie geht verbindende Klassenpolitik praktisch? Das Heft sollte helfen, uns ins «Gewinnen zu verlieben», wie Ernst Bloch uns auffordert. «SCHULE MACHEN» Für das zweite Heft des Jahres nahmen wir uns ein linkes Kernthema vor, über das in der Linken allerdings erstaunlich wenig gesprochen wird: Bildung. In kaum einem Land entscheidet die soziale Herkunft so sehr über den Bildungsweg wie in Deutschland. Die Ungerechtigkeit ist riesig. Schule ist für die Kinder außerdem anstrengend und einschüchternd, eher Lernfabrik als Lebensraum. In maroden Schulgebäuden werden viel zu große Klassen von Lehrer*innen unterrichtet, von denen ein Drittel bald in Rente geht und deren Arbeitsverdichtung enorm ist. In der Pandemie wurden veraltete Lernkonzepte, fehlende digitale Infrastrukturen und die Abhängigkeit des «Schulerfolgs» von der familiären Situation so sichtbar wie selten zuvor. Vor diesem Hintergrund fragten wir in Zusammenarbeit mit dem Gesprächskreis «Bildung» der Rosa-Luxemburg-Stiftung, wie Bildungsgerechtigkeit aus linker Perspektive aussehen müsste. Denn wer gleiche Bildung will, muss nicht nur «SCHULE MACHEN» LUXEMBURG. GESELL­ SCHAFTS­ANALYSE UND LINKE PRAXIS 2/2021 136 Seiten, Broschur ISSN 1869-0424 d und Downloa nter gu n Bestellu lux.de/ a s o .r www tion/ a publik 2 id/4 511 17 INSTITUT FÜR GESELLSCHAFTSANALYSE Zugang für alle schaffen, sondern muss auch die gesellschaftlichen Arbeiten neu und demokratisch verteilen. Zu Ende gedacht ist Bildungsgerechtigkeit ein echter Systemsprenger. EIN NEUES GEWAND Im Laufe des Jahres konzipierte und entwarf die Redaktion zusammen mit einem Webdesigner außerdem das Konzept für eine neue Webseite. War die alte Seite darauf ausgerichtet, die Printausgabe auch digital verfügbar zu machen, so hat sich die Publikationsstrategie der LuXemburg über die Jahre radikal verändert. Und sie musste es auch, um mit den gewandelten Lesegewohnheiten unserer Abonnent*innen mithalten zu können. Über die Hälfte der publizierten Artikel erscheint mittlerweile nur noch online. Ende des Jahres ging die neue Seite mit zwei hochaktuellen Artikelreihen online: «Nach der Ampel links» unterzog die Pläne der Regierungskoalition einer gründlichen Analyse. In zentralen Politikfeldern analysierten die Autor*innen den Koalitionsvertrag und fragten gleichzeitig nach den strategischen Herausforderungen und Chancen, die sich aus den uneingelösten Versprechen der selbsternannten «Fortschrittskoalition» für die gesellschaftliche Linke und die Partei ergeben. Noch nie war die Krise der LINKEN so groß. Also fragten wir zehn Autor*innen aus dem Umfeld der Partei nach deren Gebrauchswert. In kurzen Essays der Reihe «Linke, was nun?» gaben sie Auskunft und waren sich einig: Die Partei steckt tief in der Krise und muss sich dringend neu aufstellen. Aber: Sie wird mehr denn je gebraucht! SPURWECHSEL PUBLIKATIONEN ZUR SOZIAL-ÖKOLOGISCH GERECHTEN MOBILITÄTSWENDE Die Skepsis der Beschäftigten in der Automobilindustrie gegenüber den «Transformationsstrategien» der Konzerne ist groß. Entsprechend besteht eine gewisse Offenheit gegenüber linken Positionen zu Fragen des notwendigen ökologischen Umbaus und der Zukunft der Beschäftigung im Sinne von Konversion und gerechten Übergängen. Zu diesem Ergebnis kommt die Beschäftigtenbefragung «E-Mobilität – ist das die Lösung?», die wir im Juni 2021 veröffentlichten. Mit mindestens zehn Artikeln war die Resonanz in der Presse gut, noch besser war sie in vielen Betrieben: So fand etwa bei Volkswagen ein von uns organisiertes Seminar für Betriebsräte und Vertrauenskörper statt, an dem neben Bernd Riexinger auch der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh teilnahm. Es ist kaum zu überschätzen, wenn die Rosa-Luxemburg-Stiftung nicht nur als Gesprächspartner, sondern auch für Schulungen von Gewerkschafter*innen in den Betrieben angefragt wird. Diese Entwicklung bestätigt uns in unserem Ansatz, den wir bereits mit den Studien «Nach der Kohle I & II» verfolgt haben: nicht über Beschäftigte zu sprechen, 18 Still aus dem Videoclip «Arbeitsplätze oder Verkehrswende?». sondern mit ihnen – und ihnen dadurch Gehör zu verschaffen. In diesem Sinne erschien im Juli 2021 ein Bericht über die Zusammenarbeit zwischen Fridays for Future und den Beschäftigten im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Im Rahmen der ver.di-Kampagne zur ersten bundesweit angelegten Tarifrunde im Nahverkehr (TVN) kämpften die neuen Bündnispartner in gemeinsamen (Streik-)Aktionen für bessere Bezahlung, mehr Personal und den Ausbau des ÖPNV, denn diese Ziele sind auch für das Klima entscheidend – ein Paradebeispiel für ökologische Klassenpolitik. Zum Jahreswechsel erschien «Spurwechsel. Studien zu Mobilitätsindustrien, Beschäftigungspotenzialen und alternativer Produktion», die unter anderem zu dem Ergebnis kommen, dass einer echten, das heißt sozial- und klimagerechten Mobilitätswende ein riesiges Beschäftigungspotenzial innewohnt. Die Größe dieses Potenzials haben wir in verschiedenen Szenarien errechnet, in denen die Jobverluste in der Automobilindustrie durch neue industrielle Produktion im Mobilitätssektor kompensiert wurden. Das Gesamtpotenzial wäre bei einer «kurzen Vollzeit für alle», also einer Arbeitszeitreduktion, die um die 30-Stunden-Woche kreist, noch deutlich höher: Es läge bei bis zu 436.500 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Zwischenergebnisse der Studien wurden bereits bei dem von uns mitorganisierten Kongress «KonTra IAA» im Umfeld der Internationalen Automobilausstellung im September 2021 in München vorgestellt. Die Süddeutsche Zeitung hat ausführlich darüber berichtet. Zudem wurde ein Videoclip produziert und eine leicht verständliche Handreichung veröffentlicht. Alle Publikationen zum Thema Mobilitätswende eint, dass sie den sozial-ökologischen Umbau als nach vorn weisende Perspektive für eine linke Transformation konkret ausbuchstabieren, die mehr Beschäftigung, bessere Mobilität und die Umsetzung der Klimaziele in greifbare Nähe rückt. INSTITUT FÜR GESELLSCHAFTSANALYSE AUS SORGE KÄMPFEN FÜR GUTE PFLEGE UND GESUNDHEIT Dagmar Enkelmann und Gert Gampe bei der Ausstellungseröffnung. AUSSTELLUNG «KRIEG UND FRIEDEN» Anlässlich des 80. Jahrestags des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion eröffneten wir am 26. Juni 2021 in den Räumlichkeiten der Stiftung die Ausstellung «Krieg und Frieden. War is over, if you want it …». Im Zweiten Weltkrieg starben 27 Millionen Sowjetbürger*innen. Der Deutsche Bundestag mochte dessen nicht einmal gedenken. Die Ausstellung ergreift klar Partei für Frieden und Antimilitarismus und rief einmal mehr in Erinnerung: Frieden ist eine der tiefen Sehnsüchte der Menschen, ja der Menschheit. Das haben Kunstschaffende in ihrer Arbeit immer wieder aufgegriffen. Sie wissen, dass Frieden sich nicht von selbst einstellt, sondern als normativer Anspruch stets neu gesellschaftlich verankert werden muss. Die Kunst versucht, uns dies ins Bewusstsein zu rücken. Die rund 80 Schautafeln der von Gert Gampe kuratierten Ausstellung führen solch nüchterne Hintergründe und Kunst, Propaganda und Lyrik zusammen. Denn wenn die Fülle an Fakten und Zusammenhängen uns manchmal erschlägt und lähmt, so kann Kunst uns berühren, vielleicht aufrütteln, dem Wunsch nach Frieden Ausdruck verleihen. Wie wichtig dies ist, macht der im Februar 2022 begonnene Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine deutlich. Unter dem Eindruck des Schocks über diesen völkerrechtswidrigen Überfall sind viele Grundsätze der Friedensbewegung und linker Außenpolitik in die Kritik geraten. Die Ampelregierung hat angekündigt, in den kommenden Jahren 100 Milliarden Euro in die Bundeswehr zu investieren. Was wäre, wenn wir zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht für die Aufrüstung, sondern für die zivile Konfliktprävention aufwenden und Tausende internationaler Friedenskräfte ausbilden würden? Wie kann es gelingen, zu einer friedlichen Austragung von Konflikten zurückzukehren und gemeinsame Grundlagen für Sicherheit sowie für eine postfossile und soziale Entwicklung in Europa und darüber hinaus zu schaffen? Dies sind die Fragen, die aktuell neben der Solidarität mit Kriegsopfern weltweit eine linke Debatte um «Krieg und Frieden» bestimmen sollten. Die Corona-Krise ist nicht nur in Deutschland auf ein Gesundheitssystem getroffen, das über Jahre ausgetrocknet, privatisiert und marktwirtschaftlich reorganisiert worden ist und in dem eine Zwei-Klassen-Medizin systematisch vertieft wird. Immer wieder stand in jüngster Zeit die Gesundheitsversorgung in der Kritik – weil Personal in der Pflege fehlt, weil Zeitdruck und Arbeitsverdichtung zu einer Gefährdung der Patient*innen führen oder weil Kliniken trotz Pandemie geschlossen werden. Auch auf der Ebene der Politik scheint inzwischen angekommen zu sein, dass sich die Situation in den Krankenhäusern ändern muss. Einige Stellschrauben, an denen in jüngster Zeit gedreht wurde, machen dies deutlich, zum Beispiel die Ausgliederung der Pflegekosten aus dem Fallpauschalensystem. Sie stellt eine Rückkehr zur selbstkostendeckenden Finanzierung der Pflege am Bett dar und ist als Reaktion auf den kostengetriebenen Abbau von Pflegestellen infolge der Fallpauschalenfinanzierung zu verstehen. Und auch im Koalitionsvertrag der Ampelregierung spiegelt sich zum Teil der deutlich gestiegene gesellschaftliche Druck wider, in den Krankenhäusern endlich Verbesserungen zu erreichen. So wird dort etwa die Einführung einer gesetzlichen Personalregelung in der Pflege in Aussicht gestellt. Die Broschüre «Applaus ist nicht genug» liefert Argumente, die uns für die Debatten und Kämpfe rund um die Neugestaltung des Krankenhaus- und Gesundheitswesens wappnen. Marie Geißler illustrierte die Argumente-Broschüre «Applaus ist nicht genug». 19 INSTITUT FÜR GESELLSCHAFTSANALYSE Angesichts dieser Situation konzentrierten wir unsere Arbeit im Themenfeld Gesundheit und Pflege auf drei strategische Ziele: (1) Im Hinblick auf das Finanzierungssystem in den Krankenhäusern ist die Forderung nach der Abschaffung des Fallpauschalensystems und der Einführung einer kostendeckenden Finanzierung samt einer gesetzlichen und tariflichen Personalbemessung zentral. (2) Die Beantwortung der Frage, wo wie viele Krankenhäuser (und ambulante Versorgungsstrukturen), Betten und Versorgungsbereiche gebraucht werden, muss sich an einer gesellschaftlichen Bedarfsplanung orientieren. (3) Im Kampf gegen (weitere) Privatisierungen geht es um die Vergesellschaftung von Gesundheit, das heißt um die Rekommunalisierung privater Kliniken, ein Gewinnverbot und ein Verbot, Krankenhausstandorte aufgrund wirtschaftlicher Notlagen zu schließen. In allen drei Themenbereichen unterstützten wir die Akteure bei ihrer Organisierung im Kampf für bessere Pflege durch Foren, Ratschläge, Methodenschulungen oder Trainings und veröffentlichten Studien und Bildungsmaterialien. Ebenfalls zentral, aber bisher noch nicht ausreichend entwickelt sind zwei weitere Themenstränge, die sich zum Teil mit den drei Schwerpunkten überschneiden, aber dennoch eine eigenständige Erwähnung verdienen: (4) Die Gewinnung von ausländischen Fachkräften und die Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse sollen laut Koalitionsvertrag vereinfacht und beschleunigt werden – fragt sich, zu welchen Konditionen. (5) Die Digitalisierung im Gesundheitswesen, das heißt der Versorgungsstrukturen, aber auch der Aufbau digitaler Plattformen, die Daten der Gesundheitsversorgung bereitstellen, sollten vorangetrieben werden, ohne die Datenschutzrechte von Patient*innen zu gefährden. FELLOWS Fellowships gibt es am Institut für Gesellschaftsanalyse seit dem Jahr 2012. Sie bieten politisch Aktiven aus dem In- und Ausland die Möglichkeit, ihre Praxen wissenschaftlich und strategisch zu reflektieren. Fellows waren in den Jahren zuvor Nicola Bullard, Beppe Caccia, Elena Chatzimichali, Daniela Dahn, Nancy Fraser, Christos Giovanopoulos, Bob Jessop, Tasos Koronakis, Isabell Lorey, Mimmo Porcaro, Claire Sandberg, Tove Soiland, Bhaskar Sunkara, Gabriele Winker, Winnie Wong, Raul Zelik und viele andere mehr. Oksana Mironova arbeitet in der Community Service Socie­ ty in New York. Im Rahmen ihres Fellowships konzipierte sie im April 2021 die Veranstaltungsreihe «Housing und Organisierung, Austausch zwischen Regierungs- und Bewegungspolitiken in Berlin und New York». David Noack, ehemaliger Mitarbeiter in der Bundestagsfraktion der Partei DIE LINKE, übernahm die Koordination des Gesprächskreises «Frieden» 20 der Rosa-Luxemburg-Stiftung und arbeitete 2021 an einer Studie zum Thema «Die Politik der Großmächte im ‹Zwischenraum› Osteuropa und Zentralasien». Der ehemalige Stiftungsmitarbeiter Malte Daniljuk war bereits 2016 Fellow und forscht zu geopolitischen Diskursen in den USA unter besonderer Berücksichtigung der Energie- und Technologiepolitik und ihrer Bedeutung für Konflikte. Axel Troost koordiniert den Gesprächskreis «Wirtschaftspolitik» der Stiftung und betreut seit einigen Jahren die Arbeitsgruppe zum Thema «Strukturwandel in Kohleregionen». Markus Wissen begann sein Fellowship mit Arbeiten zur sozial-ökologischen Transformation und zu gerechter Mobilität. Zusammen mit Ulrich Brand und anderen betreut er das Promotionskolleg der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu «Sozial-ökologischer Transformation und Krise». Gemeinsam haben sie auch den «Jour Fixe» eingerichtet, der dem Austausch zwischen Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen zum Thema sozialistische Strategien sozial-ökologischer Transformation dient. Dieter Klein veröffentlichte sein Buch «Regulation in einer solidarischen Gesellschaft. Wie eine sozial-ökologische Transformation funktionieren könnte» zum Jahreswechsel 2021/22 im Hamburger VSA-Verlag. Michael Brie verfasste seine Flugschrift «Transformation heißt, das Ganze wagen. Ökonomische Mobilisierung im Kampf gegen den Faschismus. USA 1940–1945», die ebenfalls bei VSA publiziert wurde. Rainer Rilling organisierte die alljährliche Konferenz in der Villa Rossa in Italien zum Thema «Wie weiter nach Corona?» und arbeitete in der Redaktion der Zeitschrift LuXemburg mit. Auch Alex Demirović beteiligte sich intensiv an der Redaktionsarbeit der LuXemburg, unter anderem mit eigenen Beiträgen zur Pandemie und zur Bildung. Er ist Mitherausgeber und Autor des Bands «Auf den Schultern von Karl Marx. Ein breiter Überblick zum Stand der gegenwärtigen Marx-Debatte», der im Anschluss an den internationalen Kongress «Marx200» der Rosa-Luxemburg-Stiftung 2018 entstand. Mitherausgeberin und Autorin dieses Bands ist auch Judith Dellheim, die darüber hinaus ebenfalls in der Redaktion der LuXemburg mitwirkte. Judith Dellheim INSTITUT FÜR GESELLSCHAFTSANALYSE Das Online-Fachgespräch «Enteignung – das geht?!», unter anderen mit Andrej Holm (l.), wurde live in Gebärdensprache gedolmetscht. EINE STADT FÜR ALLE Für einen Großteil der Bevölkerung in Deutschland ist die Wohnungsfrage zu einer der wichtigsten sozialen Fragen, wenn nicht zu der sozialen Frage geworden. Die Rosa-LuxemburgStiftung ist im Themenfeld «Wohnen.Miete.Stadt.» seit Jahren bereichsübergreifend aktiv. Mit dem Projekt «Wem gehört die Stadt?» sorgen wir seit Herbst 2018 dafür, die Transparenz auf dem Immobilienmarkt zu erhöhen. Neben der Kernaufgabe, Eigentumsstrukturen zu recherchieren und die Ergebnisse zu veröffentlichen, gehören auch praktische Angebote für Betroffene zum Projekt: Wir unterstützten Mieter*innen bei der Suche nach den Eigentümer*innen, vernetzen Aktivist*innen und Expert*innen, veranstalten Vorträge und organisieren Workshops, bei denen Interessierte befähigt werden, eigene Recherchen zu den oftmals extrem verschachtelten Eigentumsstrukturen anzustellen. Im Jahr 2021 erschienen Veröffentlichungen zur Transparenz auf dem Wohnungsmarkt sowie weitere Studien auch in englischer Sprache. Der Mietendeckel ist seit 2019 ein linkes Schlüsselprojekt. Nachdem das Bundesverfassungsgericht das Berliner Gesetz nach nur 14 Monaten Rechtsgültigkeit im April 2021 kassiert hatte, trug die Stiftung wesentlich dazu bei, die Diskussion auf die Bundesebene zu heben: nicht nur durch die Unterstützung der mietenpolitischen Bündnisse, sondern insbesondere durch die Ausarbeitung eines juristisch und mietenpolitisch fundierten Konzepts für einen bundesweiten Mietendeckel, das in Zusammenarbeit mit der Bundestagsfraktion entstanden ist und im August 2021 veröffentlicht wurde. Seit Beginn der Diskussionen um die Enteignung und Vergesellschaftung von Wohnungen privater Wohnungskonzerne ist die Stiftung auch in dieser Debatte sehr präsent, unter anderem mit Publikationen und Veranstaltungen zur Finanzmarktorientierung der Wohnungswirtschaft im Allgemeinen sowie zur Forderung der Sozialisierung im Besonderen. So wurde etwa das Online-Fachgespräch zur Frage der Entschädigung, das wir im Vorfeld des Volksentscheids «Deutsche Wohnen & Co. enteignen» im Herbst 2021 führten, breit wahrgenommen und das klare Votum der Berliner*innen für die Enteignung ist ein deutlicher Erfolg. Die Verankerung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in zahlreichen Bündnissen und Netzwerken der Mieten- und Recht-aufStadt-Bewegung in ihrer gesamten Breite, einschließlich der mit den Bewegungsakteur*innen kooperierenden Mietervereine, Sozialverbände und Gewerkschaften, ist eine langjährig aufgebaute große Stärke unserer Arbeit, die dazu geführt hat, dass wir im Feld «Wohnen.Miete.Stadt.» zu einer der ersten Anlaufstellen für Wissensvermittlung und politische Bildungsangebote geworden sind. Damit das so bleibt, haben wir 2021 den Stiftungsschwerpunkt «RLS-Cities: Rebellisch.Links.Solidarisch» personell deutlich gestärkt sowohl am Institut für Gesellschaftsanalyse als auch – durch die Schaffung einer Stelle zur Bildungskoordination im Themenfeld «Wohnen.Miete. Stadt.» – an der Akademie für politische Bildung. 21 AKADEMIE FÜR POLITISCHE BILDUNG Die Aufgabe der Rosa-Luxemburg-Stiftung ist es, ein breites Angebot politischer Bildung für all die Menschen zur Verfügung zu stellen, die sich im Denken und Handeln einem demokratischen Sozialismus verpflichtet fühlen. Ziel ist es, diese Menschen in die Lage zu versetzen, in gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen handlungsfähig zu werden. Die Bundestagswahl und die andauernde Pandemie machten 2021 zu einem weiteren Ausnahmejahr. Während uns die Pandemie 2020 ins kalte Wasser geworfen hatte und wir von heute auf morgen auf digitale Formate umstellen mussten, konnten wir 2021 auf der Basis unserer Erfahrungen weitaus zielgerichteter und planvoller vorgehen. Wir wissen nun besser, welche Formate ohne die Unmittelbarkeit des Analogen auskommen und zu welchen Lernanlässen digitale Angebote auch über die Pandemie hinaus sinnvoll sind und analoge politische Bildungsveranstaltungen wirkungsvoll ergänzen können. Dabei sind 2021 didaktisch anspruchsvollere Formate wie das Barcamp «Bildet Links!», die Lernwebseite «Mode.Macht. Menschen» oder das Online-Spiel «#lassreden» entstanden. Wir haben unser Podcast-Angebot um den neuen kommunalpolitischen Podcast «LUXLocal» erweitert und einen zweiten Erklärfilm, diesmal zum Thema Arbeitszeitverkürzung, produziert. Zudem stand das Jahr 2021 ganz im Zeichen der Konzeption unserer neuen Lernplattform «L!NX», deren Launch 2022 bevorsteht. In zahlreichen Tagesworkshops haben wir außerdem unser neues Bildungsmaterial zur ökonomiekritischen Grundlagenbildung erprobt. Dem Ziel, unsere Arbeit jenseits der großen Städte stärker in die Fläche zu tragen, sind wir vor allem durch unsere Seminare und Veranstaltungen zu kommunalpolitischen Themen sowie zum Thema Klima und sozial-ökologische Krise näher gekommen. Alle diese Angebote eint, dass sie zielgruppenorientiert ausgerichtet sind und sich an den Fragestellungen und Bedürfnissen orientieren, die sich aus der täglichen politischen Praxis ergeben. Leitmotive sind dabei die kritische Wertschätzung der Teilnehmenden, das Bewusstsein um hierarchische Strukturen und der Wunsch, emanzipatorische Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen. In der Partei DIE LINKE und in den Gewerkschaften engagierte Menschen gehören daher ebenso zu unserer Zielgruppe wie Menschen aus sozialen Bewegungen, Initiativen und Nichtregierungsorganisationen. Mehr denn je ist 2021 offensichtlich geworden, dass dazu nicht nur Angebote zur Wissenserweiterung gebraucht werden, sondern auch Seminare und Trainings, die Strategien, Taktiken, Haltung und praktische Erfahrung einer erfolgreichen linken Politik in den Mittelpunkt stellen, um noch gezielter als in den vergangenen Jahren zur Weiterentwicklung einer starken Linken beizutragen. 22 Mehr Informationen unter: www.rosalux.de/lassreden/. BU Szene aus dem Online-Spiel «#lassreden». nachdem, welche Antworten die spielende Person auf die Herausforderungen des Gesprächs oder der Konfrontation wählt. Damit ist zunächst einmal erfahrbar, dass es nicht immer nur eine «richtige» Antwort geben kann. Darüber hinaus lassen sich «Tipps» anklicken, die Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Gleichzeitig wird auch erlebbar, wie die jeweiligen persönlichen Situationen die Diskussion beeinflussen können. Und schließlich werden dabei unterschiedliche mögliche «Ausgänge» einer Auseinandersetzung deutlich, die man strategisch wählen und die Verläufe daraufhin noch einmal «durchspielen» kann. Was jede*r Spieler*in daraus mitnimmt, ist ihr bzw. ihm überlassen. Das Spiel «#lassreden» bietet zudem viele vertiefende Quellen- und Informationsmöglichkeiten sowie Literatur zum Thema. Stichworte sind: Verschwörungserzählungen, Impfen, Hate Speech, Antifeminismus, Antisemitismus und Rassismus. Außerdem finden sich Hinweise zu Beratungsstellen, die nach Konfrontationen im Alltag weiterhelfen, und Links zu Argumentationshilfen und Faktencheck-Seiten. Ein Spiel nicht nur für junge Leute, sondern für alle, die ihre Handlungsmöglichkeiten erweitern wollen, um im Alltag besser gewappnet zu sein. #LASSREDEN LUX.LOCAL POLITISCHES BILDUNGSMATERIAL ALS ONLINE-SPIEL NEUER PODCAST ZU KOMMUNALPOLITISCHEN THEMEN Alltägliche Hetzrede von rechts gegen Personen und Gruppen hat mit der Corona-Pandemie seit 2020 nochmals stark zugenommen. In vielen Alltagssituationen, in der Schule, im öffentlichen Nahverkehr, aber auch im privaten Raum, in Familien, Wohngemeinschaften und anderen Formen kollektiven Lebens spielen Spaltungen entlang dieses Themas zwischen Menschen eine aktuell immer größere Rolle – und führen zu teils unversöhnlichen Gegnerschaften bis hin zu Hetzereien sowie verletzenden Zuschreibungen und Anwürfen. Im Kontext sich verändernder Kommunikationsorte hin zu vermehrt digitalen Formaten und unterschiedlichen Adres­ sat*innen ist das Online-Spiel «#lassreden» ein Angebot, auch ernste oder schwierige Themen «spielerisch» anzugehen. Die Spielszenen beginnen an unterschiedlichen Orten, die mögliche Ausgangssituationen für Konfrontationen und Auseinandersetzungen sein können: an der Bushaltestelle bzw. im öffentlichen Nahverkehr, in der Wohngemeinschaft oder der Schule, bei einem Spieleabend – oder eben auch verstärkt in den sozialen Medien. Für all diese Szenarien gibt es einen Einstieg ins Thema, das dann mit kontroversen Positionen von den Figuren «durchgespielt» werden kann. Das heißt, dass es bei den Szenen unterschiedliche Verläufe geben kann, je Im September 2021 startete «LUX.local. Der Kommunal-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung» als Teil unserer Bildungsarbeit. Der Podcast soll vor allem neue und leichtere Zugänge zum komplexen Feld der Kommunalpolitik schaffen, denn deren Themen sind zahlreich, es gibt unterschiedlichste Akteur*innen und mitunter sind die rechtlichen Grundlagen kompliziert. Durch Interviews mit Menschen, die kommunal und lokal auf verschie- Der Podcast bietet einen einfachen Zugang zum komplexen Thema Kommunalpolitik. 23 AKADEMIE FÜR POLITISCHE BILDUNG denen politischen Ebenen engagiert und organisiert sind, sowie mit Multiplikator*innen wollen wir nicht nur die zahlreichen Handlungsmöglichkeiten, sondern auch die je unterschiedlichen Herangehensweisen an Kommunalpolitik aufzeigen. Neben konkretem Wissenstransfer, etwa zu Fachbegriffen, geht es uns insbesondere darum, durch Best-Practice-Beispiele die konkrete Arbeit zu veranschaulichen und komplexe Fragestellungen der Kommunalpolitik zu «übersetzen». Thematisch sind dem Podcast eigentlich keine Grenzen gesetzt, solange es kommunal- und lokalpolitische Bezüge gibt. In der ersten Folge beschäftigten wir uns anlässlich der Bundestagswahl mit der Verbindung zwischen Kommunal- und Bundespolitik. In der zweiten Folge lag der Fokus auf dem Themenfeld Rekommunalisierung. Aber auch internationale Entwicklungen können und sollen punktuell zum Tragen kommen: So erörterten wir zum Beispiel mit einem österreichischen Kommunalpolitiker den Wahlerfolg der Kommunistischen Partei Österreichs im Herbst 2021 in Graz und stellten Bezüge zu linker Kommunalpolitik in der Bundesrepublik her. Damit richtet sich der Podcast nicht nur an progressive und linke kommunale Mandatsträger*innen, Amtsträger*innen oder Vertreter*innen von Vereinen oder Initiativen, sondern auch an all jene Menschen, die an den angesprochenen Fragestellungen interessiert sind. Durch die Vertiefung einzelner Themen wollen wir die lokal- und kommunalpolitischen Bezüge und politischen Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und dadurch auch das Interesse an Kommunalpolitik wecken. Deshalb gibt der Podcast Hinweise auf weitere Informationsmöglichkeiten wie Publikationen, Dokumentationen, aktuelle Ereignisse oder kommunale Wahlen. In Zukunft wollen wir vermehrt Interviews vor Ort führen, etwa im Kontext von Veranstaltungen oder einzelnen kommunalpolitischen Ereignissen, um noch näher dran zu sein. ASPHALTPROTESTKARTE Straßen, Parkplätze, Autobahnen – das Verkehrssystem in Deutschland ist wie im Rest der Welt beinahe vollständig auf das Auto ausgerichtet, sodass die Mobilität allerorts in hohem Maße vom Individualverkehr abhängig ist. Die Verbrennung fossiler Treibstoffe heizt dabei die Klimakrise stetig an und wird dies auch weiter tun, denn trotz fortwährender Innovatio­ nen ist eine Trendwende bei den verkehrsbedingten Emissionen nicht in Sicht. Neben der Erderwärmung, den verstopften Städten und der hohen Luftbelastung durch Feinstaub oder Stickoxide war die Bedeutung der Automobilindustrie als mächtigster Indus­ triezweig in der Bundesrepublik ein weiterer Ausgangspunkt für die Entwicklung eines Bildungsmaterials, das im Sommer 2021 als Faltkarte erschienen ist. In Zusammenarbeit mit Robin Wood und dem Bewegungsbündnis Wald statt Asphalt haben wir ein Wendeplakat entwickelt, das auf der einen Seite Zahlen und Fakten nennt, aber auch Rahmenbedingungen und gängige Narrative rund um das Automobil und die Automobilität in Deutschland thematisiert. Die zweite Seite zeigt eine Landkarte, auf der die Ausund Neubauprojekte von Autobahnen eingezeichnet sind und die den nach wie vor expansiven Charakter der deutschen Verkehrswegeplanung visualisiert. Kontrastiert wird dieses Bild durch die Vielzahl der markierten Orte des Protests: existierende Bürgerinitiativen, Demonstrationen, Waldbesetzungen oder Aktionen des zivilen Ungehorsams. Diese Zusammenstellung veranschaulicht sowohl die Vielfalt und wachsende Breite der gesellschaftlichen Auseinandersetzung als auch ihre Dynamik und Zuspitzung, die häufig übersehen werden. Bei all ihrer Unterschiedlichkeit teilen die Bewegungen gegen den ungebremsten Straßenbau die Forderungen nach einer Verkehrswende hin zu einer sozial- und klimagerechten Mobilität – vom ausgebauten Nahverkehr über sichere Radwege bis hin zu lebenswerteren Städten. Die Asphaltprotestkarte bemüht sich, die Bewegungen und Initiativen nicht nur symbolisch zu verbinden, sondern auch ganz konkrete Anknüpfungspunkte für den Städte- und Mobilitätsumbau vor Ort aufzuzeigen. Die Karte ist online zugänglich und wurde bundesweit – zunächst kostenlos – an Bürgerinitiativen und verkehrspolitische Gruppen abgegeben. Sie eignet sich nicht nur als eine Art «Nachschlagewerk» an der Pinnwand, sondern auch als Grundlage für die politische Bildung in Gruppen in einem Themenfeld, das in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird. BILDUNGSINITIATIVE FERHAT UNVAR «Unsere Kinder dürfen nicht umsonst gestorben sein. Ihr Tod muss das Ende sein, das Ende rassistischer Angriffe. Ihr Tod soll ein Anfang sein von etwas Neuem. Das ist die große Aufgabe, die mir bleibt. Mein Wunsch ist es, einen Raum zu eröffnen, um Projekte zu entwickeln gegen Rassismus an Schu- Vielfalt und wachsende Breite: Ausschnitt aus der Asphaltprotestkarte, in die Orte des Widerstands gegen die expansive Verkehrsplanung eingezeichnet sind. 24 AKADEMIE FÜR POLITISCHE BILDUNG Die Rosa-Luxemburg-Stiftung steht seit dem Anschlag in Hanau fest an der Seite der Angehörigen und Familien der Opfer und unterstützte unter anderem die Einrichtung des Begegnungsorts «140 qm gegen das Vergessen» am Heumarkt in Hanau. MIGRANTISCH – SOLIDARISCH – DIGITAL Migrantisch situiertes Wissen stärken: Workshop mit den Teamer*innen der Initiative. len.» Auf diese Worte von Serpil Temiz Unvar, Mutter des am 19. Februar 2020 in Hanau ermordeten Ferhat Unvar, geht die Bildungsinitiative Ferhat Unvar zurück. Gleichzeitig kommen in diesem Zitat auch das Selbstverständnis und das Ziel der im November 2020 gegründeten Initiative zum Ausdruck, Rassismus bildungspolitisch zu bekämpfen und insbesondere mit Jugendlichen an Schulen zu arbeiten. Um die jungen Mitglieder der Initiative, die von Serpil Temiz Unvar, Jugendlichen, engagierten Erwachsenen sowie Freund*in­ nen von Ferhat getragen wird, bei ihrer Arbeit zu unterstützen, vereinbarten wir im Sommer 2021 eine Kooperation. Zentrales Anliegen der Zusammenarbeit ist es, Betroffene von Rassismus zu ermächtigen, selbst bildungspolitisch wirksam zu werden. Dahinter steht die problematische Erfahrung, dass Betroffene allzu oft zwar zur Zeugenschaft aufgerufen werden, es aber jeweils andere sind, die mit ihren Geschichten arbeiten – etwa Filme drehen, Theaterstücke schreiben oder auch bildungspolitisch tätig sind. In diesem Sinne möchten wir als Akademie für politische Bildung das migrantisch situierte Wissen stärken und der erinnerungspolitischen Maxime von Ibrahim Arslan gerecht werden, der zufolge «Opfer nicht die Statist*innen ihrer eigenen Geschichte sind», sondern vielmehr diejenigen, die diese Geschichte zu erzählen haben. Den Auftakt unserer Kooperation bildeten Workshops, die im Herbst 2021 stattfanden, um die Eigenermächtigung der jungen Teamer*innen der Bildungsinitiative zu stärken, ihre bisherige Arbeit zu reflektieren und sie methodisch und strukturell weiterzuentwickeln sowie konkrete Anliegen und Fragen aus der bisherigen Praxis zu bearbeiten. Weitere Workshops und die Erstellung von Bildungsmaterialien sind in Planung. Im November 2021 organisierte der Young Migrants Blog gemeinsam mit der Linken Medienakademie die dreiteilige Veranstaltung «Bildet Links! Migrantisch. Solidarisch. Digital». Analog, hybrid und digital beschäftigten sich die eingeladenen Vertreter*innen von migrantischen Projekten wie Asmaras World, Theater X, Diaspor.Asia und Leftist Afghan Community mit der Theorie und Praxis antirassistischer Solidarität im digitalen Raum. Workshops zu Storytelling, digitalen Kollaborations-Tools sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit vermittelten aktivistische Erfahrungen und Kompetenzen. Die Chancen für eine gemeinsame, oft von Konflikten geprägte Praxis standen im Fokus der beiden Workshop-Tage. Im dritten Teil der Veranstaltungsreihe diskutierten eine Woche später im live übertragenen analogen Panel, das von der Journalistin Amina Aziz und Rebecca Gotthilf von der RosaLuxemburg-Stiftung moderiert wurde, Max Czollek von der Redaktion der Zeitschrift Jalta. Positionen zur jüdischen Gegenwart, Zeynep Karlıdağ vom Gorillaz Workers’ Collective, Newroz Duman von der «Initiative 19. Februar Hanau» und die Aktivistin Naima die Bedeutung digitaler Strategien für solidarisches Handeln: Wie können kommerzielle Messenger-Dienste mit haarsträubenden Datenschutzregelungen für linke politische Selbstorganisierungen genutzt werden? Wo liegen die Möglichkeiten und Grenzen von Social Media für linke Kämpfe? Welche digitalen Räume erlauben eine nichtrepressive Vernetzung für die eigene diasporische Community und wo sind ihre Fallstricke angesichts der unterschiedlichen globalen Arbeits- und Lebensverhältnisse? Die Widersprüche, die den digitalen Raum kennzeichnen – der Widerspruch zwischen den Möglichkeiten zur Vernetzung einerseits und des Zusammenfindens und -bleibens andererseits, aber auch jener zwischen dem Sichtbarwerden marginalisierter Gruppen und der anonymen Vereinzelung –, wurden auf dem Panel kritisch reflektiert. Das Verwischen von Arbeit, Politik, Freizeit und Konsum, die entgrenzte digitale Überwachung, die immer weiter zunehmenden Fälle von Hate Speech oder der kapitalistische Datenextraktivismus stehen so den unbegrenzten Möglichkeiten der Vernetzung, Organisierung und Community-Bildung gegenüber. Ein Fazit von «Bildet Links!» lautete, dass Online-Solidarität und digitales Zusammenrücken kein Ersatz für analoge Kämpfe sind, sondern eine wesentliche Ergänzung für das gemeinsame Aufdie-Straße-Gehen sein können und müssen. 25 HISTORISCHES ZENTRUM DEMOKRATISCHER SOZIALISMUS Das Historische Zentrum vereint Bibliothek, Archiv, die Fokusstelle Rosa Luxemburg und das Referat Geschichte. Es bündelt die Arbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung auf dem Gebiet der Zeitgeschichte und koordiniert die geschichtspolitische Bildungsarbeit. Schwerpunkte dabei sind – neben der Beschäftigung mit Leben und Werk unserer Namenspatronin – die historische Sozialismus- und Kommunismusforschung, Antifaschismus und Erinnerungspolitik, die Geschichte der PDS bzw. der Linkspartei sowie die Themen Kolonialismus und Migration. Das Referat Geschichte, verantwortlich für die bildungspolitischen Projekte zu Zeitgeschichte und Geschichtspolitik, veröffentlichte auch 2021 verschiedene Forschungsergebnisse, darunter ein Materialien-Heft zur rechten Geschichtspolitik, eine Broschüre zum Thema Jüdinnen und Juden in der internationalen Linken sowie ein Dossier zum 80. Jahrestag des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion. Trotz der unter den Bedingungen der Pandemie eingeschränkten Möglichkeiten fanden viel beachtete Veranstaltungen statt, so die Reihe «Seismographen des Wandels» zu Migration und Flucht und Buchpräsentationen zur FDJ-Jugendhochschule am Bogensee sowie zum Parteiausschluss der SED-Politbüromitglieder 1989/90. Das Referat arbeitet weiterhin mit den Gesprächskreisen «Geschichte» und «Geschichte für die Zukunft» sowie mit mehreren unselbstständigen Stiftungen der RosaLuxemburg-Stiftung zusammen (etwa der Clara-Zetkin-Stiftung und der Modrow-Stiftung). Es gab dabei Kooperationen mit zahlreichen Partnern auf dem erinnerungspolitischen Feld. Die Fokusstelle Rosa Luxemburg setzte die Arbeit an der englischen und chinesischen Ausgabe der Werke Rosa Luxemburgs fort. Jörn Schütrumpf konnte zudem den abschließenden Band der «Gesammelten Schriften» von Paul Levi fertigstellen und herausgeben. Das Archiv hat 2021 weitere 30 laufende Meter Aktenmaterial gesichert, vor allem aus der Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag, und die Übernahme verschiedener persönlicher Vor- und Nachlässe vorbereitet. Die Bibliothek profiliert sich indes weiter über Literatur zur linken Geschichte und Theoriebildung, insbesondere durch ihr Sammlungsgebiet zur Partei DIE LINKE und ihrem Umfeld, zur Stiftung und zu Rosa Luxemburg. In einem speziellen Projekt wurden die gesamten Schriften des Rechtsphilosophen Hermann Klenner aufgearbeitet und für die wissenschaftliche Nutzung zugänglich gemacht. Seit April 2021 fungieren Gerd-Rüdiger Stephan, stellvertretender Geschäftsführer der Rosa-Luxemburg-Stiftung, als Leiter, und Bärbel Förster, verantwortlich auch für das Archiv Demokratischer Sozialismus, als stellvertretende Leiterin des Historischen Zentrums. 26 vor (erschienen ebenfalls im Karl Dietz Verlag). Diese Veranstaltung symbolisierte die synergetischen Möglichkeiten des Historischen Zentrums: die Arbeit mit Archivdokumenten, die Kompetenz auf zeithistorisch-wissenschaftlichem und bildungspolitischem Gebiet, die Publikationsmöglichkeiten sowie einen Veranstaltungsort – alles unter einem Dach. Wir hoffen, in Zukunft öfter solche Beispiele in der Öffentlichkeit präsentieren zu können. JAHRESTAGE UND MEHR AUS DEM REFERAT GESCHICHTE Die Stiftungsmitarbeiter*innen Ulrike Hempel und Uwe Michel mit Florence Hervé (Mitte). SICHTBAR – AUCH IN ZEITEN DER PANDEMIE DIE BIBLIOTHEK DER ROSA-LUXEMBURG-STIFTUNG Seit über 20 Jahren ist die Bibliothek der Rosa-LuxemburgStiftung (Bibliothekssigel: B 1599) eine renommierte wissenschaftliche Spezialbibliothek. Als Präsenzbibliothek mit derzeit über 30.000 Medieneinheiten und mehr als 1.500 verschiedenen Zeitschriftentiteln steht sie der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. Zudem versorgt sie die Mitarbeiter*innen der Stiftung an allen Standorten mit Recherchen, Informationen und Literatur. Im Jahr 2021 bestand ein Schwerpunkt der Bibliotheksarbeit in der «Sichtbarmachung» unserer einzigartigen Bestände. Dazu gehörte die Anzeige des Zeitschriftenbestands in der Zeitschriftendatenbank (ZDB) der Deutschen Nationalbibliothek. Der Gesamtbestand ist inzwischen nicht nur im Online-Katalog der Bibliothek, sondern erstmals auch im Verbundkatalog GBV recherchierbar. Neben diesen Nachweisen sind die Bestandsdaten der Bibliothek seit 2021 auch komplett in WorldCat vertreten, der weltgrößten bibliografischen Datenbank. 2021 standen einige Jahrestage im Kalender, die für die Rosa-Luxemburg-Stiftung von besonderer Bedeutung waren. Selbstverständlich der 150. Geburtstag der Namensgeberin, der seinen Widerhall in allen Bereichen der Stiftung fand, vor allem aber in den Aktivitäten des Historischen Zentrums. Am 22. Juni jährte sich zum 80. Mal der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion. Zusammen mit einigen Auslandsbüros erstellten wir eine Sammlung von OnlineTexten, die sich mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg und den deutschen Faschismus auf geschichtspolitische Fragen in den verschiedenen Ländern Osteuropas konzentriert. Über rechte Geschichtspolitik heute informierten mehrere Autor*innen, vor allem aus dem Gesprächskreis «Geschichte» der Rosa-Luxemburg-Stiftung, im neuen Materialien-Heft über «Gegenwartsgestrige». Das Festjahr «1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland» nahmen wir zum Anlass, um eine neue Publikationsreihe zu eröffnen. Herausgegeben von Riccardo Altieri, Bernd Hüttner und Florian Weis ist der erste Band von «Jüdinnen und Juden in der internationalen Linken» erschienen; weitere Bände sind in Planung. Am 18. März 2021 jährte sich auch die Ausrufung der Pariser Kommune zum 150. Mal. Zusammen mit der Fondation Gabriel Péri (Paris) luden wir deutsche wie französische Historiker*innen und Politiker*innen online zu einer HalbtagsBarrikaden während der Pariser Kommune am 18. März 1871. Trotz Pandemie konnten wir im vergangenen Jahr den neuen Lesesaal zusammen mit dem Archiv eröffnen und – selbstverständlich mit den gebotenen Hygienemaßnahmen – auch Veranstaltungen durchführen. So setzten wir die Reihe «Linke Literatur im Gespräch» fort: Passend zur neuen Adresse der Rosa-Luxemburg-Stiftung präsentierten wir zum 150. Jahrestag der Pariser Kommune das von Florence Hervé herausgegebene und im Karl Dietz Verlag publizierte Buch über die Kommunardin Louise Michel. Im Oktober stellten die Vorstandsvorsitzende der Stiftung und Zeitzeugin Dagmar Enkelmann sowie der Mitherausgeber Gerd-Rüdiger Stephan im Lesesaal von Archiv und Bibliothek die Edition «Ausschluss. Das Politbüro vor dem Parteigericht» 27 HISTORISCHES ZENTRUM DEMOKRATISCHER SOZIALISMUS konferenz ein, um auf mehreren Podien ihre Perspektiven auf das tief in die Geschichte der Arbeiterbewegung eingeschriebene Ereignis zu diskutieren. Über eine Drehscheibe des internationalen Kommunismus und eine Schnittstelle alternativer Globalisierung sprachen wir mit Detlef Siegfried (Universität Kopenhagen) und Jürgen Danyel (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) bei der Vorstellung des Buchs «Weltrevolution in der DDR 1961–1989» zur Geschichte der FDJ-Jugendhochschule «Wilhelm Pieck» am Bogensee. In diesem Zusammenhang machten wir uns gleichfalls Gedanken über die Möglichkeiten einer zeithistorischen Erschließung des Areals, das seit Jahren in eine Art Dornröschenschlaf verfallen ist. Mit «Seismographen des Wandels» begannen wir im Herbst 2021 eine Veranstaltungsreihe, die absehbar noch größere Bedeutung haben wird. Es geht um Flucht, Migration und die Erinnerung daran. An den ersten Abenden sprachen – organisiert vom Publizisten Achim Engelberg – unter anderem die Filmemacherin und Präsidentin der Akademie der Künste Jeanine Meerapfel, die Historikerin Marion Detjen und der Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel. Aufzeichnungen der Veranstaltungen sind auf der Webseite der Rosa-LuxemburgStiftung weiterhin abrufbar. Schließlich begleiteten wir im November die Ausstellung «Im Schatten von Auschwitz» mit Svenja Goltermann (Zürich) und Anna Hájková (London) im Gespräch über das «Leben im Ghetto Theresienstadt», das die Nationalsozialisten 80 Jahre zuvor als Durchgangsstation in die Konzentrations- und Vernichtungslager eingerichtet hatten. Sehr erfolgreich liefen durchgehend die einzelnen Folgen des Podcasts «Rosalux History» mit Anika Taschke und Albert Scharenberg. Neben den hier schon aufgeführten Themen ging es um Black Lives Matter, Clara Zetkin, die Hausbeset­ zerbewegung, die Geschichte der Sklaverei oder auch die des Spanischen Bürgerkriegs. Über unsere Geschichtsarbeit informiert monatlich der Newsletter «Making History» – ihr kann auch auf Twitter @rls_history gefolgt werden. Ankündigungsplakat für eine Veranstaltungsreihe im Herbst 2021. 28 Das Magazin – ein Wissensspeicher der Rosa-Luxemburg-Stiftung in der Bibliothek. DIGITALE UNTERLAGEN, CLOUD UND AUTOMATISIERTE WORKFLOWS DAS ARCHIV DEMOKRATISCHER SOZIALISMUS Das Archiv der Rosa-Luxemburg-Stiftung hat die Aufgabe, analoge und digitale Überlieferungen linker politischer und sozialer Parteien und Bewegungen, ihrer historischen Wurzeln und ihrer führenden Vertreter*innen zu sichern und zu bewahren, zu erschließen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 2021 wurden im Vor- und Umfeld der Bundestagswahl zahlreiche Unterlagen von teilweise langjährig tätigen Bundestagsabgeordneten, wie zum Beispiel Kirsten Tackmann und Ulla Jelpke, akquiriert. Insgesamt wurden mehr als 31 laufende Meter Akten und über 300 Gigabyte Datenmate­ rial übernommen. Erstmals überwog bei den Übernahmen der Anteil digitaler Unterlagen. Darüber hinaus wurden Archivbestände neu gebildet respektive ergänzt, darunter solche des Parteivorstands, der Landesverbände der LINKEN sowie Personenbestände. Die im Rahmen des Umzugs in das neue Stiftungsgebäude auf 90 Paletten ausgelagerten Unterlagen mussten in die neuen Magazinräume eingelagert werden. Für die Erfassung und Bestellung des aufbewahrungspflichtigen Registraturguts der Stiftung haben wir eine Online-Plattform in Betrieb genommen. Im Zuge der Retrodigitalisierung der Unterlagen wurden sämtliche Plakate (2.421 an der Zahl) digitalisiert und sind nun recherchierbar. Die Bereitstellung von Archivunterlagen in der Cloud wurde sehr gut und zunehmend angenommen. Für die systematische Bearbeitung von Benutzungsanfragen haben wir ein Ticketsystem eingeführt. Teilweise automatisierte Workflows ermöglichen jetzt, Benutzungsanfragen effizient und transparent zu bearbeiten. Die inhaltlichen Schwerpunkte bei den Anfragen HISTORISCHES ZENTRUM DEMOKRATISCHER SOZIALISMUS bildeten die PDS-Bundestagsprotokolle der 12. bis 14. Wahlperiode, PDS-Wahlplakate der 1990er-Jahre, die Fotos der Bürgerinitiative Lenindenkmal sowie die Unterlagen der WASG. Die Nutzer*innen kamen vorwiegend aus der Wissenschaft, der Partei DIE LINKE und der Rosa-Luxemburg-Stiftung selbst. Ein besonderes Projekt im zurückliegenden Jahr war die von der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien (KGParl) vorgenommene Erweiterung des Editionsprogramms «Fraktionen im Deutschen Bundestag 1949–2005» um die Unterlagen der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und PDS. Diese Kommission – 1952 als unabhängige Forschungseinrichtung in Bonn gegründet und seit 2006 mit Sitz in Berlin – hat es sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die Sitzungsprotokolle bzw. die verschriftlichten Tondokumente der wichtigsten Fraktionen im Deutschen Bundestag sukzessive editorisch zu erschließen und zu veröffentlichen. Die Kommission stellt damit eine verlässliche Quellengrundlage zur Verfügung. Auf der Sitzung der Kommission im Januar 2021 wurde der bereits 2020 einstimmig von allen anwesenden Fraktions­ geschäftsführer*innen und Archivleiter*innen der politischen Stiftungen gefasste Beschluss bekräftigt, die KGParl mit einer Erweiterung des Editionsprojekts zu beauftragen. Durch die Ausdehnung des Untersuchungszeitraums von 1990 bis zum Ende der 15. Wahlperiode 2005 werden nun auch die Archivbestände von Bündnis 90/Die Grünen und der PDS/Linke aus den 1990er- und 2000er-Jahren ediert. Diese Erweiterung hat die Vorstandsvorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung Dagmar Enkelmann ebenso wie der Fraktionsgeschäftsführer der LINKEN ausdrücklich begrüßt, denn sie eröffnet die Möglichkeit, auch bedeutende Bestände zur Geschichte des Parlamentarismus nach dem «Ende der Bonner Republik» zu erschließen und für Wissenschaft wie interessierte Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Verlauf des Projekts wurde auf Basis der Angaben der Archive zunächst der Umfang der für den Zeitraum von 1990 bis 2005 infrage kommenden Bestände ermittelt. In einem neuen TEI-XML-basierten Editionssystem werden nunmehr die Protokolle der Fraktionen von CDU/CSU, SPD und FDP sowie der Landesgruppe der CSU (jeweils 1949–2005) und der Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen (1983–2005) und PDS (1990–2005) herausgegeben. Alle Protokolle der PDS für den zu edierenden Zeitraum konnte das Archiv der Rosa-Luxemburg-Stiftung digital zur Verfügung stellen. Spartakusgruppe zu den Gründer*innen der KPD. Von März 1919 bis Februar 1921 war er deren Vorsitzender, wollte eine revolutionäre Realpolitik durchsetzen, verweigerte die Unterordnung der KPD unter die Moskauer Politik – und wurde ausgeschlossen. Später war er dann der intellektuelle Kopf des linken Flügels der SPD. Die von Jörn Schütrumpf unter dem Titel «Ohne einen Tropfen von Lakaienblut» edierte Ausgabe der «Gesammelten Schriften, Reden und Briefe» von Paul Levi wird nach rund zehn Jahren Arbeit jetzt mit dem vorliegenden Band II/3 komplettiert. Er ergänzt die Bände II/1 und II/2, in denen Levis Texte aus seinem Hauptwerk, der Zeitschrift Sozialistische Politik und Wirtschaft (SPW, 1923–1928), und aus der ab Oktober 1928 herausgegebenen Zeitschrift Der Klassenkampf. Sozialistische Politik und Wirtschaft veröffentlicht sind. In diesem Band nun sind alle Texte versammelt, die zwischen 1923 und Levis Tod am 9. Februar 1930 nicht im Zusammenhang mit diesen Zeitschriften entstanden. Der Band enthält insgesamt 308 Dokumente – Broschüren, Reden, Artikel, Briefe, Postkarten und umfangreiches Material über Levi selbst. Aus den Arbeiten dieser Jahre ragen die von Levi besorgte Erstausgabe von Rosa Luxemburgs «Einführung in die Nationalökonomie» (1925) sowie die Herausgabe von Trotzkis Verteidigungsschrift «1917. Die Lehren der Revolution» (ebenfalls 1925) heraus. Aufgenommen sind ebenso die Weiterführung seiner 1924 vorgelegten Überlegungen «Über realistischen Pazifismus» (veröffentlicht in Band II/1) anlässlich des Magdeburger SPD-Parteitags 1929 («Wehrhaftigkeit und Sozialdemokratie») und seine Auseinandersetzungen mit dem aufkommenden Faschismus. In diesem Zusammenhang diskutierte Levi die Demokratiefeindlichkeit intellektueller «Eliten» und analysierte in einem umfangreichen Text über die «Verschwörung des Catilina» die Zerschlagung einer Demokratiebewegung. Harrte Levi bisher der Entdeckung – so ist sie mit diesem Band abgeschlossen. Nun harrt er seiner Entdecker*innen. ng Bestellu unter rlin.de diet zbe Jörn Schütrumpf (Hrsg.) LEVI – GESAMMELTE SCHRIFTEN, REDEN UND PAUL LEVI EDITED BRIEFE. BAND II/3 DIE GESAMTAUSGABE SEINER SCHRIFTEN LIEGT OHNE EINEN TROPFEN NUN KOMPLETT VOR LAKAIENBLUT SOZIALDEMOKRATIE Paul Levi (1883–1930) zählt zu den vergessenen großen Intellektuellen aus dem deutsch-jüdischen Bürgertum. Einst Anwalt und Partner Rosa Luxemburgs gehörte er neben ihr, Leo Jogiches, Karl Liebknecht und anderen Mitgliedern der 992 Seiten, Hardcover Dietz Berlin, 49,90 Euro ISBN 978-3-320-02392-8 29 BUNDESWEITE ARBEIT Politische Bildung vor Ort – dafür stehen die Landesstiftungen der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Sie organisieren in allen 16 Bundesländern einen großen Teil der politischen Bildungsarbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung selbstständig oder in Kooperation mit Partnerorganisationen. Mit ihrem Angebot wenden sich die Landesstiftungen sowohl an das Umfeld der Partei DIE LINKE als auch an die breite Öffentlichkeit. Der Bereich Bundesweite Arbeit koordiniert die Zusammenarbeit der Stiftungsbereiche mit den Regionalbüros und Landesstiftungen. Finanziert werden die Aktivitäten der Landesstiftungen durch Zuwendungen der Stiftung, Spenden und Mitgliedsbeiträge. In vielen Bundesländern können darüber hinaus Landesmittel eingesetzt werden. Im Jahr 2021 konnten 760 Präsenz- und 677 Online-Veranstaltungen angeboten werden, an denen sich rund 94.000 Menschen beteiligten. Damit gab es im zweiten Corona-Jahr gegenüber 2020 einen leichten Anstieg bei den Veranstaltungen und Teilnehmer*innen. Digitale Veranstaltungen, auch in Form von Video- und Audioproduktionen, gehören mittlerweile zum festen Repertoire der Landesstiftungen. Auch 2021 kam es zu gemeinsamen Projekten von Bundesweiter Arbeit und einzelnen Landesstiftungen: Nach einer Corona-Pause im Jahr 2020 boten wir wieder zwei Kurse der Politikakademie für junge Aktive an. Mit neuem Titel («Nicht nur interpretieren, auch verändern!») und neuem Format – eine Woche statt sechs Wochenenden – hatten Teilnehmer*innen aus Bayern und Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg die Gelegenheit, sich inhaltlich auszutauschen, gemeinsam zu lernen und sich zu vernetzen. Efsun Kızılay (Bundesweite Arbeit) und Ercan Ayboga (Landesstiftung Hessen) führten ein Interview mit Serpil Temiz Unvar über gesellschaftlichen Rassismus, den Anschlag von Hanau und seine Folgen. In Erinnerung an ihren ermordeten Sohn und die Opfer von Hanau hat Serpil Temiz Unvar die Bildungsinitiative Ferhat Unvar gegründet, die Menschen, die rassistische Erfahrungen machen, eine Anlaufstelle bietet. In einem Videobeitrag rückte Serpil Temiz Unvar die bildungspolitische Perspektive auf gesellschaftlichen Rassismus in den Fokus und sprach über angemessene Erinnerungsarbeit. Bildungsreisen sind mittlerweile ein etablierter Teil unseres Bildungsprogramms. 2021 wurden sieben Bildungsreisen angeboten. Diese führten nach Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Berlin, Amsterdam, Österreich und Slowenien. Für 2022 sind 14 Bildungsreisen ins In- und Ausland geplant und zum Teil bereits ausgebucht. Zur Bedeutung dieser Form zu lernen veröffentlichte Andreas Merkens (Bundesweite Arbeit) einen Beitrag, nachzulesen unter: www.rosalux.de/publikation/ id/44929/bildungsreisen-als-lernzeit. Im Folgenden stellen die Landesstiftungen einige Höhepunkte ihrer Bildungsaktivitäten aus dem Jahr 2021 vor. 30 Rosa-Luxemburg-Stiftung Schleswig-Holstein: werkstatt utopie & gedächtnis e. V. https://sh.rosalux.de KIEL Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg – Forum für Analyse, Kritik und Utopie e. V. https://hamburg.rosalux.de ROSTOCK     Rosa-Luxemburg-Initiative – Bremer Forum für Bildung, Gesellschaftsanalyse und -kritik e. V. http://rosa-luxemburg.com HAMBURG Rosa-Luxemburg-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern e. V. https://mv.rosalux.de BREMEN Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen e. V. https://nds.rosalux.de Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e. V. https://brandenburg.rosalux.de BERLIN HANNOVER POTSDAM MAGDEBURG Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt – Verein zur Förderung von Kultur, Wissenschaft und politischer Bildung in Sachsen-Anhalt e. V. https://st.rosalux.de DUISBURG Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen e. V. https://nrw.rosalux.de ERFURT Rosa-Luxemburg-Stiftung Hessen – Forum für Bildung und Analyse e. V. https://hessen.rosalux.de «Helle Panke» e. V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin http://helle-panke.de LEIPZIG Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e. V. https://sachsen.rosalux.de Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen e. V. https://th.rosalux.de FRANKFURT A.M. MAINZ SAARBRÜCKEN Peter-Imandt-Gesellschaft e. V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Saarland https://saar.rosalux.de Rosa-Luxemburg-Stiftung Rheinland-Pfalz e. V. https://rlp.rosalux.de STUTTGART Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg – Forum für politische Bildung und Kultur e. V. https://bw.rosalux.de Kurt-Eisner-Verein für politische Bildung in Bayern e. V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Bayern https://bayern.rosalux.de MÜNCHEN Stand: April 2022 31 BUNDESWEITE ARBEIT In Amsterdam, Ziel einer Bildungsreise 2021, steht das Fahrrad für eine neue Verkehrspolitik. Veranstaltung der Politikakademie für junge Aktive 2021 in Würzburg. BADEN-WÜRTTEMBERG BAYERN MOBIL UND GERECHT IM ALLTAG – EINE BILDUNGSREISE NICHT NUR INTERPRETIEREN, AUCH VERÄNDERN! Rad, Fuß, Bus und Bahn müssen für eine klimaschonende Mobilität eine größere Rolle spielen, sowohl in Deutschland als auch weltweit. Doch wie ist das zu schaffen? Und wie verträgt sich eine nachhaltige Mobilität mit dem Ziel, Gesellschaften und Städte gerechter zu gestalten? Antworten auf diese Fragen bot eine von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg organisierte viertägige Bildungsreise im Oktober 2021 nach Amsterdam. Gespräche mit Verkehrsexpert*innen, Stadtaktivist*innen und Politiker*innen sowie Stadt- und Raumerkundungen mit dem Fahrrad vermittelten den Teilnehmer*innen – darunter viele aktive Kommunalpolitiker*innen aus Baden-Württemberg – einen lebendigen Eindruck von den Erfolgen einer Verkehrspolitik, die nicht länger die Bedürfnisse des motorisierten Individualverkehrs an die erste Stelle setzt. Ein solcher «Spurwechsel» ist ein komplexes Projekt, dessen Gelingen nicht nur veränderte Leitlinien in der Stadtplanung erfordert, sondern einen tiefgreifenden Kulturwandel voraussetzt. Eine veränderte Nutzung des öffentlichen (Stadt)Raums hin zu mehr Rad- und Fußmobilität muss von einem Ausbau der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur von Bussen und Bahnen begleitet sein und Individual- und Kollektivverkehr intelligent miteinander vernetzen. Nicht zuletzt war von den positiven und negativen Erfahrungen vor Ort zu lernen, dass ein solcher Prozess der Umgestaltung sozial inklusiv und geschlechtergerecht gestaltet sein muss, wenn er den Ansprüchen linker Politik genügen will. Die gemeinsam mit dem Forum Linke Kommunalpolitik in Baden-Württemberg durchgeführte Bildungsreise konnte den Teilnehmer*innen wertvolle Anregungen und Ideen für die eigene (kommunal-)politische Praxis vermitteln und die Vernetzung linker (kommunal-)politischer Akteur*innen in BadenWürttemberg stärken. Daran wollen wir auch in Zukunft mit unseren politischen Bildungsangeboten weiterarbeiten. Die Politikakademie für junge Aktive 2021 hat der Kurt-Eisner-Verein (Rosa-Luxemburg-Stiftung Bayern) mit der RosaLuxemburgs-Stiftung Rheinland-Pfalz organisiert. Der Kurs bietet linken Aktivist*innen unter 35 Jahren die Gelegenheit, sich mit anderen politisch Engagierten theoretisches Wissen, analytische Fähigkeiten und praktisches Handwerkszeug anzueignen, um gesellschaftlichen Wandel mitzugestalten. Im Unterschied zu den vergangenen Politikakademien machten wir aus dem Format von sieben Wochenenden einen Kennenlerntag, eine Kurswoche und ein Wahlmodul. Veranstaltungsort des Wochenkurses war die Jugendbildungsstätte Unterfranken in Würzburg. Die meisten der 24 Teilnehmer*innen waren bereits politisch in der Linkspartei, in der Klimabewegung oder in der antifaschistischen, antirassistischen oder feministischen Arbeit aktiv. Sieben Teamer*innen präsentierten ein vielfältiges Programm politischer Grundlagenbildung. Die Aktivist*innen tauchten in 100 Jahre linke Geschichte ein, beschäftigten sich mit politischen Trends der Gegenwart und Potenzialen für die Zukunft. Es gab eine Einführung in die Kapitalismuskritik, in die Theorie von Marx und in linke Staatstheorien. An den folgenden Tagen konnten die Teilnehmer*innen zwischen den Themen Klimapolitik, Rassismus, Neue Rechte oder Geschlechterverhältnisse wählen. Unter dem Motto «Strategien, um die Welt zu verändern» verorteten sie sich in ihrem politischen Umfeld und konzipierten eigene politische Projekte. Bundesweite Vernetzungsmöglichkeiten bot das Wahl­modul, das an einem Wochenende einige Monate nach dem Wochenkurs in Rheinland-Pfalz stattfand. Interessierte konnten sich dem Internationalismus widmen oder Formen des Organizings im Rahmen der parallel laufenden Politikakademie Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern kennenlernen. Die Politikakademie ist in diesem Jahr wieder sehr gut in Bayern angekommen, sodass wir den Kurs 2022 erneut anbieten werden. 32 BUNDESWEITE ARBEIT Rüdiger Dannemann und Dimitra Alifieraki auf dem Panel «Wahlverwandtschaften». Im Strombad Cottbuss trafen sich im Mai 2021 linke Aktivist*innen zum Austausch. BERLIN BRANDENBURG GEORG LUKÁCS IM 21. JAHRHUNDERT ZUKUNFTSWERKSTATT «COTTBUS VON UNTEN» Georg Lukács ist einer der großen Intellektuellen, der die gesellschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts begleitet und sie in Ästhetik und Literatur, in Philosophie sowie in seinem politischen Handeln verarbeitet hat. Sein epochales Werk «Geschichte und Klassenbewußtsein» war die Initialzündung des sogenannten westlichen Marxismus und beeinflusste die Kritische Theorie, die Praxisphilosophie und den humanistischen Marxismus. Durch seine Theorie des Romans und seine Ausarbeitung einer marxistischen Ästhetik wurde er überdies ein Klassiker der Literaturtheorie des 20. Jahrhunderts. Zu seinem 50. Todestag am 4. Juni 2021 veranstaltete die «Helle Panke» e. V. Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin in Kooperation unter anderem mit der Internationalen Georg-LukácsGesellschaft und dem Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung eine Tageskonferenz im Aufbau-Haus in Berlin-Kreuzberg. Die gesamte Konferenz wurde aufgrund der Pandemie gestreamt, wobei die Panels entweder vor Ort abgefilmt wurden oder online stattfanden. Matthias Koch, Geschäftsführer des Aufbau-Hauses sowie des Aufbau-Verlags, eröffnete die Konferenz, und Christoph Links skizzierte die Bedeutung von Georg Lukács für den Verlag. Drei Panels – Politik, Ästhetik & Kunst sowie Wahlverwandtschaften – strukturierten den Tag. Zudem gab es ein internationales (Online-)Podium mit Vertreter*innen aus Lukács’ Heimatland und späterer Wirkungsstätte Ungarn sowie aus China und Brasilien, wo Lukács zurzeit ungeheuer wirkmächtig ist. Axel Honneth und Michael Löwy schlossen den inhaltlich reichen Konferenztag mit ihren Vorträgen ab. Die Konferenz war mit über 1.200 Teilnehmer*innen, die sich über den Tag verteilt einfanden, ausgesprochen gut besucht. Außerdem erschienen Konferenzberichte in der ungarischen Zeitschrift Mérce, in der jungen Welt sowie in Z. Zeitschrift für marxistische Erneuerung. Alle Vorträge wurden aufgezeichnet und sind auf dem Youtube-Kanal der «Hellen Panke» verfügbar. «Wenn eine*r allein träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, ist das der Anfang einer neuen Wirklichkeit.» Unter diesem Motto lud die Komuna-Initiative unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg zur Zukunftswerkstatt #CottbusvonUnten ein. Damit konnte endlich wieder ein Raum für Austausch und Vernetzung geboten werden, nachdem sich coronabedingt auch in Cottbus/ Chóśebuz zivilgesellschaftliche Akteur*innen kaum treffen konnten. Angesichts der Herausforderungen wie dem zunehmenden Rechtsruck und dem Strukturwandel war eine solche Vernetzung längst überfällig. Moderiert vom Kollektiv Stuhlkreisrevolte lernten sich etwa 70 Aktivist*innen aus Cottbus und dem Landkreis Spree-Neiße in einem digitalen Warm-up im Mai sowie an einem Wochenende im Oktober im Cottbuser Strombad kennen. Die emanzipatorischen Kräfte in der Region sind zwar zahlenmäßig überschaubar, durch die hohe Fluktuation der Aktivist*innen besteht jedoch fortlaufend Bedarf, sich neu zu vernetzen. Neben den Plena lag der Schwerpunkt auf Workshops und Projektgruppen. In ihnen tauschten sich die Teilnehmer*innen über die Entwicklung von Stadt und Region aus und es entstanden neue Visionen und konkrete Projekte für einen Strukturwandel von unten sowie für eine solidarische und nachhaltige Region. Parallel dazu malten die Aktivist*innen ein großes Wimmelbild, auf dem sie ihre Wünsche visualisierten. Besonders wichtig war die lockere Atmosphäre mit einem Spielbereich für Kinder, Infoständen und dem Bus der offenen Werkstätten Brandenburg. Der Erfolg der Zukunftswerkstatt zeigte sich dann vor allem im Nachhinein: Drei der dort entstandenen Projektgruppen treffen sich weiterhin und bereichern seitdem die Cottbuser Zivilgesellschaft. Viele Teilnehmer*innen äußerten den Wunsch, die Werkstatt zu wiederholen, um auch in Zukunft die Zusammenarbeit reflektieren zu können. 33 BUNDESWEITE ARBEIT Norbert Schepers im Gespräch mit Zaher Habib (r.). In der City Nord in Hamburg mussten die meisten Schrebergärten Bürokomplexen weichen. BREMEN HAMBURG «ZEIT, TRÄUME WAHR ZU MACHEN» CITY NORD: ABRISS VOR SANIERUNG Am 25. November 2021 las Zaher Habib aus seinem Buch «Zeit, Träume wahr zu machen» im Kulturzentrum Kukoon in der Bremer Neustadt. Der Roman beruht auf wahren Begebenheiten und schildert die Fluchterfahrung von einem jungen Afghanen namens Ahmad. Dieser berichtet tiefgehend und emotional von seinem Leben in Afghanistan, seinen Freund*innen und seiner Familie – und wie er all dies auf grausame Weise verloren hat. Seine Geschichte führt ihn bereits in jungem Alter und gegen seinen Willen quer durch Afghanistan bis in den Iran und in die Türkei, wo er sexuell missbraucht wird. Erst nach mehreren Jahren gelingt es ihm, mithilfe eines Freundes die Türkei zu verlassen und nach Deutschland zu kommen. Nach einer Therapie schafft er es, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Zaher Habib ist der Bitte Ahmads, den er durch seine Tätigkeit als Dolmetscher kennengelernt hat, nachgekommen und hat dessen Geschichte erzählt, um nicht nur anderen Flüchtlingen Hoffnung zu machen, sondern auch Außenstehende für die Situation von afghanischen Flüchtlingen zu sensibilisieren. Zaher Habib will mit seinem Roman verdeutlichen, warum Menschen plötzlich heimatlos werden und wie schwer es ist, Flüchtling zu sein und den Traum von einem besseren Leben, einer besseren Zukunft in Sicherheit und Frieden zu verwirklichen. Zaher Habib hat sein Buch allen Menschen gewidmet, die Fluchterfahrung sammeln mussten und müssen. Anlass für die Buch­ premiere war das 20-jährige Gedenken an die Terroranschläge vom 11. September in den USA. Die Rosa-Luxemburg-Initiative (Bremen) hat das Thema im Frühjahr auch verstärkt in den Stiftungsverbund eingebracht, wodurch einige gute Debatten und Initiativen entstanden sind. Die Veranstaltung wurde live auf Facebook und Youtube übertragen und ist weiterhin abrufbar. Das Buch «Zeit, Träume wahr zu machen – Entführung, Flucht und Verschleppung Ahmads aus Afghanistan» erschien Ende Oktober 2021 im Bremer Kellner Verlag. Die meisten Hamburger*innen haben von der City Nord zwar gehört oder sind vielleicht an ihr vorbeigefahren, die wenigsten werden sie aber bewusst erkundet haben. Die City Nord ist eine im Grünen gelegene Bürostadt, die einst beispielhaft für eine Architektur der Moderne stand. Zehn Jahre nach Kriegsende hatte man Vorbilder nicht in «tausendjähriger» deutscher Bautradition, sondern in New York, und begann ab 1961 mit der Realisierung mehrerer Bauabschnitte. Bei einem von der Landesstiftung Hamburg organisierten Rundgang konnten die Teilnehmer*innen den Wandel der Architektur von der Moderne zur Postmoderne und auch die aktuelle partielle Umgestaltung der City Nord nachvollziehen, bei der Abriss vor Sanierung geht. Das entspricht den Vorstellungen der Eigentümer, aber ist unter Klimagesichtspunkten absolut schädlich. Ursprünglich war das Gebiet mit Schrebergärten und Behelfsheimen besiedelt. Tausende mussten damals gegen ihren Willen den Bürokomplexen weichen. Die Tour begann im angrenzenden Pergolenviertel. Auch diesem Neubauquartier war ein engagierter Kampf, einschließlich Bürgerbegehren, um den Erhalt der Kleingärten vorausgegangen. Immerhin wurde das Viertel hochwertig gestaltet, 60 Prozent der dortigen Wohnungen sind öffentlich gefördert und manche Schrebergärten wurden gerettet. Der Baukulturexperte und «Recht auf Stadt»-Aktivist Marco Hosemann vermittelte Unbekanntes und ließ Bekanntes mit anderen Augen sehen. Fotos ermöglichten einen Blick hinter die Fassaden oder auf bereits abgerissene Gebäude. Die Teilnehmer*innen nutzten während der Tour die Fußgänger­ ebene, die in fünf Meter Höhe großräumig das Viertel vom Autoverkehr trennt, und diskutierten, was Leitbilder einer zukunftsfähigen Stadt sein könnten. Seit Jahren bietet die Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg Stadtrundgänge an – in Pandemiezeiten fast die einzige Möglichkeit, politische Bildungsveranstaltungen in Präsenz durchzuführen. 34 BUNDESWEITE ARBEIT Claus-Jürgen Göpfert (r.) im Gespräch mit Mike Josef, Planungsdezernent in Frankfurt a. M. Gedenkort für Mehmet Turgut in Rostock. HESSEN MECKLENBURG-VORPOMMERN VERANSTALTUNGSREIHE «GÖPFERTS GÄSTE» EIN TAG FÜR MEHMET TURGUT Die Rosa-Luxemburg-Stiftung-Hessen etablierte 2021 in Kooperation mit dem Club Voltaire und dem Autor und ehemaligen Redakteur der Frankfurter Rundschau (FR) Claus-Jürgen Göpfert die Veranstaltungsreihe «Göpferts Gäste», die regen Zuspruch in Frankfurt am Main und darüber hinaus fand. Seit April 2021 lädt Göpfert verschiedene Persönlichkeiten aus Politik und Kultur ein und diskutiert mit ihnen über aktuelle Themen. Die Veranstaltungen fanden bisher als Online- und Hy­ bridformate statt. Am 10. Juni 2021 sprach Göpfert mit dem Planungsdezernenten der Stadt Frankfurt am Main, Mike Josef (SPD), über das Thema «Frankfurt schrumpft: Wie geht es weiter?». Viele Jahre ist die Stadt stark gewachsen, doch das hat sich seit dem Ausbruch der Pandemie geändert. In dem Gespräch ging es etwa um die Zukunft großer Projekte wie des Stadtteils an der A5 und der Günthersburghöfe, die Entwicklung in der Innenstadt und die Auswirkungen von Homeoffice auf den Hochhausbau. Am 1. Juli 2021 diskutierte Göpfert mit Florian Weis (Rosa-Luxemburg-Stiftung) über die «Labour Party nach einer erneuten Wahlniederlage». Wo liegen die Ursachen für ihren Misserfolg? Welche besonderen Entwicklungen, gerade in Schottland, sind bei der Analyse zu berücksichtigen? Und gibt es Faktoren, die über Großbritannien hinausreichen – womöglich sogar für die politische Lage in Deutschland Bedeutung haben? Im Oktober 2021 präsentierten der FR-Chefredakteur Thomas Kaspar und die FR-Redakteurin Helen Schindler das Buch «Haltung zählt – Anspruch und Geschichte der Frankfurter Rundschau», das langjährige Redakteur*innen über die mehr als 75-jährige Geschichte ihrer Zeitung geschrieben haben. Sie blicken zurück auf die Entwicklung der Zeitung seit 1945, schauen aber auch nach vorn: Mit welchen Werten und Zielen will sich die Zeitung in Zukunft für eine demokratische und aufgeklärte Gesellschaft einsetzen? Die Reihe «Göpferts Gäste» wird 2022 fortgeführt. Am 25. Februar 2004 ermorderten Neonazis aus dem NSUNetzwerk Mehmet Turgut. Der 25-Jährige wurde während seiner Arbeit in einem Imbisswagen in Rostock-Toitenwinkel überwältigt und erschossen. An seinem Todestag wird seit 2012 am Tatort ihm und den anderen Opfern des NSU gedacht. Die Familie Mehmet Turguts wünscht sich – ebenso wie viele Initiativen und Vereine – seit Jahren die Benennung einer Straße in Toitenwinkel nach Mehmet Turgut, was bisher immer an den Bedenken einiger weniger Politiker*innen scheiterte. Anlässlich des 17. Jahrestags des Mordes an Mehmet Turgut organisierte die Rosa-Luxemburg-Stiftung MecklenburgVorpommern in Zusammenarbeit mit der Gedenkinitiative «Mord verjährt nicht», dem Dokumentationszentrum «Lichtenhagen im Gedächtnis»/Soziale Bildung e. V. sowie dem Migrant*innenrat Rostock ein Online-Gespräch. Im Fokus stand die Frage, wie dem Wunsch der Familie und den Forderungen des bundesweiten Tribunals «NSU-Komplex auflösen» entsprochen werden kann. Moderiert von der Journalistin Heike Kleffner diskutierten Seyhmus Atay-Lichermann (Vorsitzender des Rostocker Migrant*innenrats), Caro Keller (NSU-Watch), Anna Luczak (Nebenklagevertreterin im NSU-Prozess) und Martina Renner (MdB, DIE LINKE) zehn Jahre nach der Selbstenttarnung des NSU, ob das bisherige Gedenken an Mehmet Turgut in Rostock den Wünschen und Forderungen der Angehörigen gerecht wird sowie die Fragen: Hat der Parlamentarische Untersuchungsausschuss im Schweriner Landtag bisher etwas zur Aufklärung beigetragen? Welche Erkenntnisse brachte der NSU-Prozess zum Mord in Rostock? Haben die Sicherheitsbehörden aus dem Staatsversagen im NSU-Komplex Konsequenzen gezogen und wie begegnen sie «Nordkreuz» und dem rechten Terror nach den Anschlägen in Kassel, Halle und Hanau? 35 BUNDESWEITE ARBEIT Christoph Podstawa, Landesgeschäftsführer der LINKEN, auf der Tagung in Hannover. Radtour durchs Ruhrgebiet auf der Suche nach über 100 Jahren «Märzrevolution». NIEDERSACHSEN NORDRHEIN-WESTFALEN TAGUNG FÜR NEUE KOMMUNALPOLITIKER*INNEN ROTE RUHRARMEE CONTRA KAPP-PUTSCH 1920 Kommunalpolitische Bildungsprojekte gehören zu den inhaltlichen Arbeitsschwerpunkten und regelmäßigen Angeboten der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen. So hatten wir bereits 2020 mit Blick auf die niedersächsischen Kommunalwahlen im September 2021 mit einer Seminarreihe begonnen, die Menschen ermutigen sollte, sich aktiv in kommunale Belange einzubringen und das Leben in den Städten und Gemeinden von links mitzugestalten. Als Abschluss dieser umfangreichen Reihe nach den Wahlen und zugleich zum Auftakt der neuen Ratsperiode haben wir am 17. Oktober 2021 die frisch gewählten Kommunalpolitiker*innen zu einer Tagung nach Hannover eingeladen. Die Nachfrage übertraf bei Weitem unsere Erwartungen. Aufgrund der Hygienevorschriften durften allerdings «nur» 70 Personen teilnehmen. Mit unserer Tagung wollten wir die Mandatsträger*innen auf wichtige Entscheidungen zu Beginn der neuen Ratsperiode vorbereiten, sie bei den ersten Schritten unterstützen sowie sie mit anderen Menschen vernetzen. Sich inhaltlich auf die Verfahren und Optionen in Rat und Verwaltung vorzubereiten ist eine wesentliche Voraussetzung, um gut in eine neue Ratsperiode zu starten. Welche Rechte und Möglichkeiten haben Einzelmandatierte, welche eine Fraktion? Was ist zu beachten, wenn eine Gruppe gebildet werden soll? Hauptsatzung, Geschäftsordnung und Ausschussbesetzung – was ist wichtig, was ist veränderbar? All dies kann neu Gewählte schnell überfordern. Erfreulicherweise reisten die Teilnehmer*innen aus ganz Niedersachsen an. Die meisten von ihnen wohnen und engagieren sich in eher ländlichen Räumen, wo das Fehlen fester linker Strukturen eine zusätzliche Herausforderung für das politische Engagement bedeutet. Rückblickend sind wir überzeugt, sowohl mit der Seminarreihe als auch mit unserer kommunalpolitischen Tagung einen relevanten Beitrag zur fachlichen Weiterbildung der kommunalpolitisch Aktiven geleistet zu haben. Der Kampf um Geschichte und um ihre Deutungshoheit verweist immer auf aktuelle politische Auseinandersetzungen. Das gilt vor dem Hintergrund sich nach rechts verschiebender Diskurse auch für den Kapp-Putsch und die von der Roten Ruhrarmee getragene Märzrevolution. Die Erinnerungsarbeit und Ideologieproduktion setzten in den verschiedenen politischen Lagern bereits während der Kämpfe 1920 ein, um in der Zeit danach bald zu recht geschlossenen Erzählungen zu gerinnen, denen man noch heute begegnet. Auch für die Arbeiterbewegung war die Erinnerung an diese Kämpfe und die Opfer aus den eigenen Reihen lange Jahre trotz aller parteipolitischen Spaltungen ein wichtiger gemeinsamer Bezugspunkt. In Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg sowie dem Verein Arbeit und Leben Berg-Mark radelten wir von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen mit 20 Teilnehmer*innen vom 5. bis zum 10. September bei angenehmen spätsommerlichen Bedingungen durch das Ruhrgebiet. An wichtigen Schauplätzen der historischen Klassenkämpfe in Hagen, Wetter, Witten, Bottrop und Dinslaken sprachen wir mit lokalen Historiker*innen und Geschichtsaktivist*innen über zentrale Thesen, Traditionen und Praxen sowie konkurrierende Deutungen der Ereignisse. Bei Rundfahrten, Ausstellungsbesuchen, Vorträgen und Buchpräsentationen fragten wir uns, worin die aktuellen Bezüge der damals zutage getretenen Herausforderungen bestehen. Lässt sich beispielsweise chauvinistischer Freikorpsterror mit toxischer Männlichkeit und rechtsterroristischen Strukturen von heute vergleichen? Was unterscheidet heutige Sozialisierungsideen von historischen Vorläuferbewegungen? Welche Erfahrungen aus der Vergangenheit lassen sich für notwendige gesellschaftliche Transformationsprozesse der Gegenwart produktiv auswerten? Den Abschluss unserer Tour bildete ein zeithistorischer Exkurs zu den Stahlarbeiterstreiks der 1980er-Jahre in Duisburg-Rheinhausen. 36 BUNDESWEITE ARBEIT Ankündigung der Lesereise zur Vorstellung der Autobiografie von Léon Poliakov. Kanutouren sind nun auch für Rollstuhlfahrer*innen möglich. RHEINLAND-PFALZ SAARLAND LÉON POLIAKOVS «MEMOIREN EINES DAVONGEKOMMENEN» INKLUSIVER KANUTOURISMUS AUF DER BLIES Léon Poliakov (1910–1997) bezeichnete sich in seiner Autobiografie als «ungläubiger, assimilierter und eben trotzdem Jude». Leben und Werk des jüdisch-französischen Historikers waren davon geprägt, herauszufinden, warum man ihn gemeinsam «mit Millionen anderer menschlicher Wesen» töten wollte. 1920 floh Poliakov mit seiner Familie aus St. Petersburg zunächst nach Deutschland und 1924 nach Frankreich, wo der Vater das Pariser Tagblatt gründete, das nach der Machtergreifung Hitlers zu einem wichtigen Sprachrohr deutscher Exilant*innen wurde. Léon Poliakov schloss sich später der Résistance an, begann noch während der Befreiung Frankreichs, Täterdokumente zu sammeln, und wurde Mitglied der französischen Delegation bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen. Mit «Vom Hass zum Genozid. Das Dritte Reich und die Juden» legte er 1951 den ersten systematischen Versuch vor, den Massenmord an den europäischen Jüdinnen und Juden zu dokumentieren. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Rheinland-Pfalz lud im November 2021 Jonas Empen und Alex Carstiuc, die Übersetzer von Poliakovs Autobiografie «St. Petersburg – Berlin – Paris. Memoiren eines Davongekommenen», für eine dreitägige Lesereise zu Poliakov ein. In Kooperation mit der Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung fand die Auftaktveranstaltung in der Universitätsbibliothek Trier statt. Sie richtete sich vor allem an Wissenschaftler*innen. Am Tag darauf lasen die beiden im Institut français in Mainz im Rahmen der Französischen Woche und konnten so ein breiteres Publikum erreichen. Die dritte Lesung organisierten wir bei unserem neuen Kooperationspartner im Café Heimat im Hunsrücker Morbach, ein Ort fernab von den urbanen Zentren, um politische Bildungsarbeit «in die Fläche» zu bringen. Die Lesereise stieß auf großes Interesse und wir konnten die zahlreichen Teilnehmer*innen zu einer nachhaltigen Auseinandersetzung mit dem wichtigen Thema Antisemitismus anregen. Seit über 20 Jahren werden auf der Blies, dem Grenzfluss zu Frankreich, Kanutouren angeboten. Seitdem an dem Flüsschen – bisher kein Magnet für Tourist*innen – mit beträchtlichen Mitteln Ein- und Auslassstellen für Kanut*innen gebaut wurden, steigt die Nachfrage. So tummeln sich auf der Blies in den späten Sommermonaten zahlreiche Individualreisende und Kleingruppen. Die Flussstrecke ist weitgehend vom öffentlichen Nahverkehr erschlossen, sodass die Wasserbegeisterten bequem wieder zum Tourenausgang zurückkommen. Doch bisher hat man bei den touristischen Angeboten die Gruppe von Menschen mit Behinderungen übersehen, die mental und körperlich in der Lage wären, eine Kanutour zu bewältigen. Dabei kennt Wasser keine nennenswerten Barrieren. Deshalb hat die Peter-Imandt-Gesellschaft – Rosa-Luxemburg-Stiftung Saarland gemeinsam mit der Sozialarbeiterin Dunja Fuhrmann, selbst Rollstuhlfahrerin, im August 2021 die erste inklusive Kanutour explizit für Menschen mit Behinderungen auf der Blies angeboten – mit vollem Erfolg. Alle Teilnehmer*innen beschrieben die Kanufahrt als einmaliges Freizeiterlebnis. Dabei traten aber auch eine Reihe von Schwachstellen zutage: Es fehlen vor allem geeignete Kanurutschen an den Stauwehren. Auch könnte der «Rutschkomfort» bei denen, die bereits existieren, besser sein. Aktuell müssen Kanus, Kanut*innen und Gepäck oft mühevoll getragen werden, was je nach Wasserstand für niemanden ganz ungefährlich ist. Außerdem fehlen an den Einstiegsstellen und Rastplätzen schattige Plätzchen sowie Toiletten, da es unterwegs kaum Einkehrmöglichkeiten gibt. Die Teilnehmer*innen überreichten den politisch Verantwortlichen nach der Kanutour eine Mängelliste. Nach letzten Meldungen wollen diese mit den französischen Partner*innen darüber sprechen, um die Blies vollständig «barrierefrei» zu machen. Sollte dies gelingen, wäre dies ein Alleinstellungsmerkmal, das allen Naturfreund*innen zugutekommt. 37 BUNDESWEITE ARBEIT Im Felsenkeller im Leipziger Westen war schon Rosa Luxemburg zu Gast. Die Aktivistin Kristina Igorevna Abramichev nahm an der Konferenz in Halle teil. SACHSEN SACHSEN-ANHALT LEIPZIG – STADT DER ARBEITERBEWEGUNG «FRAUEN IN TRANSFORMATIONSGESELLSCHAFTEN» Leipzig war und ist eines der bedeutendsten Zentren der deutschen Arbeiterbewegung – ein Aspekt der Stadtgeschichte, der in der allgemeinen Erinnerungskultur oft unterschlagen wird. Diese konzentriert sich eher auf die blutige Völkerschlacht oder den Antisemiten Richard Wagner als auf die Gründung der ersten Gewerkschaft. Mit dem Webseitenprojekt https://arbeiterinnenbewegungleipzig.de/ möchte die Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen als Gegengewicht zur herrschenden Erinnerungskultur die wechselvolle Geschichte der Arbeiterbewegung in Leipzig ins Gedächtnis rufen. Auf der Webseite werden mit 20 ausgewählten Stationen ihre bedeutendsten Etappen von 1863 bis in die 2000er-Jahre skizziert. Jede Station umfasst einen Text mit Fotos vom jeweiligen Ort sowie ein professionelles Audiofeature und ist auf der Stadtkarte leicht zu finden. Eine Station ist der Felsenkeller im Leipziger Westen, in dem Rosa Luxemburg am 27. Mai 1913 ihre berühmte Rede «Die weltpolitische Lage» hielt. Luxemburg besuchte die Messestadt 14-mal, ihre Auftritte fanden stets in traditionsreichen Versammlungsstätten der Leipziger Arbeiterbewegung wie dem Volkshaus, dem nicht mehr erhaltenen Pantheon in der Dresdner Straße oder eben dem Felsenkeller statt. Station 13 erinnert an den Volksaufstand am 17. Juni 1953. In fast allen Städten der DDR kam es damals zu Streiks und Demonstrationen. Auslöser war eine Arbeitsnormerhöhung, die viele Arbeiter*innen nicht hinnehmen wollten. Auf dem Karl-Marx-Platz (heute Augustusplatz) in Leipzig versammelten sich etwa 40.000 Menschen. Im Verlauf der Proteste kam es zu Unruhen mit neun Toten und mindestens 95 Verletzten. Demonstrant*innen wurden von der DDR-Justiz als «Provokateure» bezeichnet, verfolgt und hart bestraft. Weitere Stationen erinnern an den Kampf der vietnamesischen Vertragsarbeiter*innen ums Bleiberecht, die Montagsdemonstrationen oder an die Geflüchtetenstreiks im Jahr 2000. Am 10. Juli 2021 fand an der Martin-Luther-Universität (MLU) in Halle (Saale) die aufwendig geplante deutsch-russische Ar­b eitstagung «Frauen in Transformationsgesellschaften 1990–2020» statt. Die ausländischen Referentinnen und Interessent*innen, die coronabedingt nicht anreisen konnten, wurden online mit Simultanübersetzung einbezogen. Möglich wurde diese interessante und facettenreiche Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt durch die zuverlässige Zusammenarbeit mit dem Seminar für Slavistik und der Prorektorin für Personalentwicklung und Struktur der MLU Halle-Wittenberg, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Halle (Saale), dem Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau sowie der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen. Halle (Saale) sowie Ufa und Woronesch in der Russischen Föderation verbinden langjährige Städte- und Universitätspartnerschaften. Durch Systembrüche und Wendezeiten wurden die jeweiligen Perspektiven und Handlungsräume verengt und neue Akzente gesetzt. Unsere Tagung bot Akteur*innen aus Politik, Wissenschaft, Vereinen und der gesamten Zivilgesellschaft, die an der Gestaltung deutsch-russischer Kontakte interessiert sind, neue Möglichkeiten der Vernetzung und den Ausbau der alten Beziehungen. In Vorträgen und Diskussion beleuchteten die Referentinnen die jüngste Geschichte mit all ihren Umbrüchen und Veränderungen aus einer Frauenperspektive; sie thematisierten und diskutierten Rollenbilder, Auswirkungen auf Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen sowie kommunale und institutionelle Gleichstellungsarbeit. Am Vorabend wurde im Rahmen des Projekts die deutsch-russische Ausstellung «Ohne Frauen ist kein Staat zu machen» von Katja Ullmann (Dresden), Dinara Kashapova (Ufa) und Gulnas Alfredovna Sakulina (Ufa) eröffnet. Inzwischen ist sie als Wanderausstellung auf Reisen und kann bei uns angefragt werden. Unter https://t1p.de/RLS-Doku-FiT findet sich eine Dokumentation der Tagung. 38 BUNDESWEITE ARBEIT Gedenkfeier für die Opfer das Brandanschlags in Mölln im Kieler Schauspielhaus. Eine 2021 erschienene Studie dokumentiert Verstöße von Amazon gegen das Arbeitsrecht. SCHLESWIG-HOLSTEIN THÜRINGEN MÖLLNER REDE IM EXIL «AMAZONS LETZTE MEILE» Ayşe Yılmaz sowie Yeliz und Bahide Arslan wurden am 23. November 1992 in Mölln bei einem rassistischen Brandanschlag ermordet. Im Gedenken an sie wird seit 2013 jährlich an wechselndem Ort die «Möllner Rede im Exil» gehalten, «im Exil», weil sie nicht Teil des offiziellen Gedenkens der Stadt Mölln ist. 2021 hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung Schleswig-Holstein den Rahmen für die Gedenkveranstaltung organisiert, unterstützt von vielen lokalen Initiativen und dem Kieler Schauspielhaus, wo sich am 7. November etwa 150 Menschen einfanden. Darüber hinaus wurde die Veranstaltung mithilfe der Galerie ONspace auf den Bahide-Arslan-Platz in Kiel-Gaarden live übertragen. Redner*innen auf der diesjährigen Gedenkveranstaltung waren neben Angehörigen der Familien Arslan und Yilmaz Mitglieder des «Freundeskreises im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992». In sehr bewegenden und persönlichen Worten schilderten Angehörige der Familie Arslan, wie sehr die Geschehnisse jener Nacht immer noch ihr Leben prägen, wie schwer die Auseinandersetzung mit diesen Taten fällt und wie wichtig die Unterstützung durch den Freundeskreis und solidarische Menschen ist. Zudem trug Özlem Arslan das Gedicht «Die im November gehen» vor, eine literarische Verarbeitung der Geschehnisse und Folgen dieser Nacht. Gegen 15 Uhr fuhren wir mit den Familien und dem Freundeskreis gemeinsam zum Bahide-Arslan-Platz. Dort gab es eine Begrüßungsrede von Dietrich Lohse, einem der Sprecher*innen des Runden Tischs gegen Rassismus, sowie eine kurze Einführung zur geplanten Umgestaltung des Platzes durch Detlef Schlagheck von der Galerie ONspace, die das Projekt in Zusammenarbeit mit der Stadt Kiel umsetzen wird. Daran anschließend lud die Galerie zu Kaffee und Gebäck in ihre Räumlichkeiten, wo man sich aufwärmen konnte und wo sich nach dem emotional doch «schweren» Tag in gelösterer Atmosphäre wertvolle Gespräche entwickelten. 2019 expandierte Amazon nach Thüringen und eröffnete ein Verteilzentrum in Erfurt-Stotternheim. Von dort aus liefern täglich Hunderte Beschäftigte von Subunternehmen Bestellungen beim Online-Riesen aus. Im Frühjahr 2021 legte das Projekt «Faire Mobilität in Thüringen» des DGB-Bildungswerks Thüringen eine erste Bilanz zu Arbeitsbedingungen und -modellen am Standort vor, die auf mehr als 300 Beratungsgesprächen mit vor allem mi­ grantischen Arbeitskräften basiert. In der im September 2021 erschienenen Fallstudie «Amazons letzte Meile. Ein OnlineHändler als Prekarisierungstreiber in der Paketlogistik», herausgegeben vom DGB-Bildungswerk, von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und ihrer Landesstiftung Thüringen, ist diese Bilanz eingeordnet in die Gesamtstrategie des Digitalunternehmens. Amazon Logistics ist der einzige große Paketdienst, der seine Lieferlogistik komplett an Subunternehmer ausgelagert hat. Zusätzlich experimentiert das Unternehmen mit einem plattformbasierten Beschäftigungsmodell: Mit seiner App «Amazon Flex» hat der Konzern aus Seattle das durch Unternehmen wie Uber oder Lieferando bekannt gemachte Beschäftigungsmodell der Gig Economy in der Paketlogistik etabliert. Am Beispiel des Amazon-Verteilzentrums Erfurt-Stotternheim zeigen die Autor*innen der Studie, Jörn Boewe, Tina Morgenroth und Johannes Schulten, wie Amazon die Straße erobert hat, wie dieses Geschäfts- und Arbeitsmodell funktioniert und mit welchen miserablen, zum Teil rechtswidrigen Arbeitsbedingungen es verbunden ist. Die Fallstudie ist auf großes Interesse gestoßen. Ihre Ergebnisse waren in der MDR-Reportage «Bestellt und (aus-)geliefert – Amazon und seine Fahrer» im November 2021 zu sehen. Auf dem 30. Antirassistischen und Antifaschistischen Ratschlag in Erfurt gab es zum Thema einen Workshop für im Paket- und Nahrungsmittelgewerbe tätige Gewerkschafter*innen. 39 ZENTRUM FÜR INTERNATIONALEN DIALOG UND ZUSAMMENARBEIT Auch im Jahr 2021 blieb die Welt durch Corona im Ausnahmezustand. An allen internationalen Standorten der Stiftung waren die Auswirkungen der Pandemie drastisch spürbar. Das digitale Arbeiten aus dem Homeoffice ist für viele Kolleg*innen zur neuen Normalität geworden. Die Umstellung der Bildungsarbeit auf digitale Formate eröffnete zudem andere Möglichkeiten der Kooperation und Vernetzung. Orientierungspunkt der internationalen Arbeit der Stiftung ist weiterhin der Kampf für soziale Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit weltweit. Eine wichtige Diskussion, die versucht, diese beiden Aspekte zusammenführen, ist die um einen globalen Green New Deal. Damit ist ein umfassendes politisches und wirtschaftliches Maßnahmenpaket zur Bewältigung der sozialen sowie der ökologischen Krisen gemeint. Inzwischen gibt es mehrere Stiftungspublikationen und einen Podcast, in denen verschiedene Perspektiven auf einen globalen Green New Deal vorgestellt werden. Auch die Arbeit zu internationaler Klimapolitik wurde fortgesetzt. Seit mehreren Jahren vernetzen sich Kolleg*innen und Partnerorganisationen der Stiftung, um die UN-Klimagipfel und die damit verbundenen Verhandlungen kritisch zu begleiten. In der neuen Corona-Normalität bekommt die Ausrichtung der internationalen Arbeit an globaler sozialer Gerechtigkeit eine weitere Dimension: Im Projekt «Global Health» untersucht das Büro Genf vor allem die soziale Dimension von Gesundheit, das heißt nicht nur die medizinische Versorgung, sondern die gesellschaftlichen Bedingungen, die für den Erhalt von Gesundheit nötig sind. Wie relevant dies ist, zeigt nicht zuletzt die Arbeit im Themenbereich Ernährungssouveränität. 2021 veröffentlichte die Stiftung eine Studie zu Doppelstandards bei der Vermarktung hochgefährlicher Ackergifte durch Bayer und BASF, deren Gewinnstreben zu beträchtlichen Gesundheits- und Umweltschäden führt. Ein weiterer Schwerpunkt der internationalen Arbeit ist die Unterstützung von Kämpfen linker Akteure. Das 2020 begonnene Projekt «Organizing for Power» wurde im Jahr 2021 fortgesetzt. Inzwischen konnte über die Nutzung von Online-Formaten ein Netzwerk aufgebaut werden, dem mehr als 5.000 gewerkschaftliche Organizer*innen aus rund 60 Ländern angehören. Neben Arbeitnehmer*innen und sozialen Bewegungen gehören auch linke Parteien zur Zielgruppe unserer politischen Arbeit. Das Projekt «Womxn Unite 2.0» ermöglichte 2021 den Austausch von Frauen aus linken Parteien weltweit, um sich über Strategien zur Feminisierung linker Politik zu verständigen. Auch bei der offiziellen Eröffnungsfeier des neues Ortskraftbüros der Stiftung in Tuzla (Bosnien und Herzegowina) Anfang September 2021 diskutierten die Gäste über den Wiederaufbau der Linken und der Arbeiterbewegung in der Region. 40 «WOMXN UNITE 2.0» «Wenn das Ziel ist, die Gesellschaft geschlechtergerecht zu gestalten […], dann müssen wir damit in der eigenen Partei beginnen». Mit diesen Worten leitete Carolina, Mitglied der schwedischen Vänsterpartiet, ihren Eröffnungsbeitrag auf der Online-Veranstaltung «Womxn unite 2.0» ein. Diese fand vom 22. bis 24. Oktober 2021 als Teil des Dialogprogramms Globaler Feminismus der Rosa-Luxemburg-Stiftung statt. Ziel des Treffens, zu dem Frauen aus allen Teilen der Welt eingeladen waren: Erfahrungen über feministische Strukturen und deren Arbeitsweisen in linken Parteien austauschen. Über 50 Genossinnen aus 40 Ländern kamen dieser Einladung nach. Damit setzten sie einen Austausch fort, der bereits am Rande des ebenfalls von der Stiftung organisierten Feminist-Future-Festivals 2019 in Essen begonnen hatte. Standen damals eine erste Vernetzung und das Ausloten gemeinsamer Themen im Fokus, wurde 2021 über parteirelevante Herausforderungen diskutiert. Dabei ging es um folgende Fragen: Wie können Frauen gezielt für die Mitarbeit in linken Parteien gewonnen werden? Welche konkreten Erfahrungen gibt es hinsichtlich einer spezifischen Ansprache von Frauen in Wahlkämpfen? Welche internen strukturellen Maßnahmen ergreifen Parteien, um eine geschlechtergerechte Teilhabe zu ermöglichen, und wie erfolgreich sind diese? Wie sehen die jeweiligen Strategien der Parteien aus, um feministische Politik zu gestalten? Die Beiträge der Teilnehmerinnen spiegelten die jeweiligen regionalen und nationalen Kontexte, aber auch die unterschiedlichen ideologischen Herangehensweisen ihrer Parteien wider. So erzählte Utaara vom Landless People‘s Movement in Namibia, dass der Wahlkampf dort überwiegend privat finanziert wird. Da Frauen zumeist nur über geringe finanzielle Mittel verfügen, würden sie deswegen nur selten kandidieren. Roza von der Kommunistischen Partei Irans berichtete von dem Schwerpunkt ihrer Arbeit, Frauen den Zugang zu Bildung und damit auch zur politischen Teilhabe zu ermöglichen. Bei der Kommunistischen Partei Vietnams hingegen, so die Aussage einer Vertreterin auf dem Treffen, sind die Ziele hochgesteckt. Bis 2025 sollen 60 Prozent der staatlichen Stellen mit weiblichen Führungskräften besetzt werden. Trotz aller politischen und kulturellen Unterschiede bemühten sich alle, die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund zu stellen. Wiederholt bedankten sich die Teilnehmerinnen für die einzigartige Gelegenheit, sich als Angehörige linker Parteien global vernetzen und zu feministischen Fragestellungen austauschen zu können. Das von der Vänsterpartiet vorgestellte Handbuch «Internfeminism», das klare Kommunikations- und Verhaltensregeln für alle Mitglieder enthält, ist nur ein Beispiel, mit welchen praktischen Schritten das gleichberechtigte Mitwirken von Frauen in linken Parteien erreicht werden kann. Der Wunsch, den Austausch über diese Schritte und andere Strategien zu verstetigen, ist groß. Die Rosa-LuxemburgStiftung plant daher für 2023 eine Fortsetzung. Die Ortskräfte Lamija Muharemagić und Emin Eminagić im neuen Büro in Tuzla. ERÖFFNUNGSFEIER IN TUZLA Wenn wir an europäische Städte mit einer stolzen sozialistischen Tradition denken, gehört die 100.000 Einwohner*innen zählende Industriestadt Tuzla im Nordosten Bosniens sicherlich nicht zu denen, die uns als Erstes in den Sinn kommen. Tuzla erscheint im Vergleich zur Hauptstadt Sarajevo, wo sich internationale Organisationen ballen und wohin die meisten ausländischen Direktinvestitionen fließen, eher unbedeutend. Das hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung aber nicht davon abgehalten, gerade hier Anfang 2020 ihr neuestes Auslandsbüro zu eröffnen. Als Verbindungsbüro des Südosteuropabüros in Belgrad gegründet, koordinieren deren Mitarbeiter*innen seitdem die Aktivitäten der Stiftung in Bosnien und Herzegowina, im Kosovo und in Albanien. Nachdem das Büro anderthalb Jahre unter Pandemiebedingungen hatte arbeiten müssen, konnte Anfang September 2021 endlich eine offizielle Eröffnungsveranstaltung mit Gästen aus der Region und der Berliner Stiftungszentrale organisiert werden. Eine gute Gelegenheit, um über den Wiederaufbau der Linken und der Arbeiterbewegung in der Region zu debattieren, Kontakte zu knüpfen und Projektpartner des Büros kennenzulernen, wie die Tuzlaer Organisation Front slobode oder das albanische Institut für Kritik und soziale Emanzipation. Emin Eminagić, Projektleiter in Tuzla, bringt über zehn Jahre Erfahrung als Aktivist in der Region mit und ist zuversichtlich, dass die Stiftung dort progressiven Kräften helfen kann, demokratisch-sozialistische Ideen zu etablieren: «Wir können all das nur gemeinsam erkämpfen – indem wir uns an den längst vergessenen Begriff der Solidarität erinnern und unsere Gesellschaft daraufhin ausrichten. Wie einer unserer Genossen zu sagen pflegt: ‹Es kann keine gute Zukunft für Bosnien und Herzegowina geben, wenn es keine gute Zukunft für den Kosovo, Albanien, Serbien, Nordmazedonien und Kroatien gibt.› Ich möchte hinzufügen, dass es keine gute Zukunft für Europa und die Welt geben kann, wenn es keine gute Zukunft für Südosteuropa gibt.» 41 ZENTRUM FÜR INTERNATIONALEN DIALOG UND ZUSAMMENARBEIT FOULSPIEL MIT SYSTEM AUSBEUTUNG MIGRANTISCHER ARBEITER*INNEN IM VORFELD DER FUSSBALL-WM IN KATAR 2022 «Sportswashing» heißt die neue perfide Werbestrategie, mit der autoritäre Regime wie das in Katar ihr schlechtes Image durch die Ausrichtung glamouröser Sportgroßveranstaltungen und Investitionen in internationale Sportvereine aufpolieren. Tatsächlich aber verschleiert der schöne Schein eine bittere Realität: Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der über zwei Millionen migrantischen Arbeiter*innen, die in den letzten Jahren die Infrastruktur für Stadien, U-Bahnen und Hotelanlagen in Katar aufgebaut haben und in der Hotellerie und in Privathaushalten schuften, ähneln moderner Sklaverei. Ihre Bewegungs- und Vertragsfreiheit wird ihnen durch das sogenannte Kafala-System genommen, das ihre Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis an den Arbeitgeber bindet. Protest und Gegenwehr werden durch fehlende Pressefreiheit, das Verbot von Gewerkschaften und Organisierung, mangelhaften rechtlichen Arbeitsschutz und das Fehlen einer unabhängigen Justiz verunmöglicht. Die Regierung in Katar treibt dadurch ein System auf die Spitze, das bereits in der Vergangenheit an verschiedenen Orten der Welt verheerende Folgen für die Demokratie und die Bevölkerung hatte: von Rio bis Sotchi, von Johannesburg bis London. Sportgroßevents sind Schauplätze einer beispiellosen Umverteilung von unten nach oben, von Vertreibung, Umwelt- und Klimazerstörung und der Missachtung von Arbeits- und Menschenrechten. Die Rechnung aber geht auf: «Sportswashing» sorgt für Profite für die jeweiligen nationalen Eliten, für die FIFA, das Internatio­nale Olympische Komitee und Co., für florierende Geschäfte (im Fall Katars im Bereich Öl und Gas, Waffenhandel, Bankwesen oder Autoindustrie), eine neue Salonfähigkeit selbst der autoritärsten und repressivsten Regierungen sowie geopolitische Vorteile. Diese komplexen Zusammenhänge werden in der von der Stiftung herausgegebenen Broschüre «Foulspiel mit System. Was wir von der WM in Katar lernen können» von Expert*innen aus Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften sowie von Faninitiativen und migrantischen Arbeitern analysiert. Sie wurde am 24. November 2021 – ein Jahr vor der Fußballweltmeisterschaft – bei einer Online-Podiumsdiskussion im Berliner Club SO36 vorgestellt. Eine Faltkarte «Anpfiff zum Fairplay» (Erstauflauflage: 90.000) macht deutlich, wie vielfältig die Missstände und Ungerechtigkeiten sind, die sich auf der ganzen Welt im Zusammenhang mit großen Sportveranstaltungen beobachten lassen. Deshalb plant der Bereich «Bundesweite Arbeit» der Rosa-Luxemburg-Stiftung zusammen mit linken Faninitiativen und anderen Akteuren für 2022 weitere Aktivitäten, um diese sichtbar zu machen und aufzuzeigen, wie soziale und demokratische Mindeststandards systematisch Profit- und Imageinteressen untergeordnet werden – darunter eine Speakers Tour, bei der migrantische Arbeiter selbst zu Wort kommen werden. Weitere Informationen unter: www.rosalux.de/fairplay. Die katastrophalen Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen in Katar waren ein zentrales Thema einer Veranstaltung in Berlin. 42 ZENTRUM FÜR INTERNATIONALEN DIALOG UND ZUSAMMENARBEIT INTERNATIONALER PARTEIENDIALOG ZWISCHEN VIETNAM UND DEUTSCHLAND Das Programm O4P vermittelt den Unterschied zwischen Organizing und Mobilisierung. ORGANIZING FOR POWER Organizing for Power (O4P) ist ein internationales Schulungsund Vernetzungsprogramm, das Gewerkschafter*innen, hauptamtliche Organizer*innen und Aktivist*innen aus der ganzen Welt unter Anleitung der Gewerkschafterin Jane McAlevey zusammenbringt. Zunächst koordiniert vom Büro Tel Aviv, seit 2021 vom neuen Standort in London aus, und gemeinschaftlich 2019 vom Zentrum für internationalen Dialog und Zusammenarbeit (ZID) und dem Institut für Gesellschaftsanalyse (IfG) initiiert, hat O4P über 20.000 Personen aus 110 Ländern in elf Sprachen geschult. Damit ist es in der internationalen Stiftungsarbeit das Veranstaltungsformat mit den meisten Teilnehmer*innen. Der Erfolg dieses Programms liegt darin, dass es den Teilnehmenden viel abverlangt und auf aktivierendes Lernen setzt. Der intensive sechswöchige Hauptkurs richtet sich ausschließlich an Gruppen von mindestens zehn Personen. Diese müssen sich gemeinsam anmelden, um sicherzustellen, dass die Kurse tatsächlich als Ausgangspunkt für die kollektive Organisierung vor Ort genutzt werden. Zudem leiten über 100 freiwillige Moderator*innen kleinere digitale Arbeitsgruppen in sogenannten Breakout-Sessions an, die einen intensiven Austausch über Methoden und Praktiken ermöglichen. Dabei geht es um Schlüsselaufgaben des Organizing: Wie führe ich Eins-zu-eins-Gespräche? Wie identifizieren wir Führungspersönlichkeiten in den Betrieben oder in der Nachbarschaft? Wie entwickeln wir eine Sprache, die auf die Selbstaktivierung des Gegenübers abzielt? Hinzu kommt eine Einführung in Instrumente wie sechsstufige, strukturierte Organisierungsgespräche, systematisches Mapping, Strukturtests (eine Methode zur Überprüfung der kollektiven Handlungsfähigkeit durch sich steigernde Aktionsformen) und Streikmobilisierung. Zusammen mit Jane McAlevey und Gewerkschafter*innen aus der ganzen Welt wird die Rosa-Luxemburg-Stiftung O4P weiterentwickeln – ein Schritt hin zu einem transnationalen Netzwerk für linkes Organizing von Beschäftigten und Aktivist*innen. Aufgrund der weltweiten Corona-Lage musste der von der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützte Parteiendialog zwischen der Partei DIE LINKE und der Kommunistischen Partei Vietnams (KPV) 2021 digital stattfinden. Seit mittlerweile vier Jahren treffen sich Vertreter*innen beider Parteien zum strategischen Austausch. Das zurückliegende Treffen wurde von vietnamesischer Seite von Le Hoai Trung (Mitglied des Zentralkomitees und Vorsitzender der Kommission für Außenbeziehungen) geleitet. Der Delegation der LINKEN standen die beiden Parteivorsitzenden Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow vor. Im ersten Teil des Treffens ging es um einen Informationsaustausch zu den Auswirkungen und Entscheidungen des 13. Nationalkongresses der KPV (Januar 2021) sowie des 7. Parteitags der Partei DIE LINKE (Februar 2021). Auf dem 13. Nationalkongresses der KPV hatten die Mitglieder die sozioökonomischen Entwicklungsstrategien des Landes für 2021 bis 2030 verabschiedet. Die KPV, die in Vietnam die Regierung stellt, hat sich zum Ziel gesetzt, aus Vietnam bis Mitte des 21. Jahrhunderts ein sozialistisch orientiertes Industrieland zu machen. Der zweite Themenblock befasste sich schwerpunktmäßig mit aktuellen politischen Konfliktlagen. Die Teilnehmer*innen von der LINKEN berichteten über die Bundestagswahl, die politische Situation in der Europäischen Union sowie Deutschlands Außenpolitik in Bezug auf den asiatisch-pazifischen Raum und die Großmächte USA, Russland und China. Die Vertreter*innen der KPV erläuterten die aktuelle Außenpolitik Vietnams und die Situation im Südchinesischen Meer. Sie unterstrichen die Notwendigkeit, die gegenwärtigen Streitigkeiten zwischen China und den Anrainerstaaten auf diplomatischem und rechtlichem Wege und in Übereinstimmung mit der UN-Charta und dem UN-Seerechtsübereinkommen von 1982 beizulegen. Die vietnamesische Regierung setzt dabei auf eine selbstbestimmte, multilaterale und diversifizierte Außen­politik und eine aktive internationale wirtschaftliche und politische Integration. DOPPELSTANDARDS IM PESTIZIDSEKTOR BAYER UND BASF MACHEN GEWINNE MIT HOCHGEFÄHR­ LICHEN PESTIZIDWIRKSTOFFEN Doppelstandards im Pestizidsektor bedeuten unter anderem, dass Konzerne wie Bayer und BASF Wirkstoffe herstellen und weltweit vermarkten, obwohl sie in der Europäischen Union verboten sind. Diese Praxis ist symptomatisch für eine verantwortungslose Wirtschaftspolitik, die deutsche und europäische Exportinteressen über die Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten stellt. Den Preis dafür bezahlen Bäuerinnen und Bauern sowie Landarbeiter*innen im globalen Süden mit ihrer Gesundheit. 43 ZENTRUM FÜR INTERNATIONALEN DIALOG UND ZUSAMMENARBEIT Hochgefährliche Pestizide sind auf Weinfarmen in Südafrika eher die Regel als die Ausnahme. Um auf diesen Skandal hinzuweisen und um in politische Prozesse zu intervenieren, veröffentlichte die Rosa-Luxemburg-Stiftung gemeinsam mit INKOTA und dem Pestizid-Aktions-Netzwerk Germany im April 2021 die Studie «Doppelstandards und Ackergifte von Bayer und BASF». Darin wird aufgezeigt, dass die beiden Chemiekonzerne für die Vermarktung und teils Entwicklung von mindestens 33 Pestizidwirkstoffen verantwortlich sind, die eine akute Bedrohung für die menschliche Gesundheit darstellen. Viele dieser Wirkstoffe sind bereits bei geringer Dosierung tödlich, andere gelten als wahrscheinlich krebserregend, erbgutschädigend oder reproduktionstoxisch. In Brasilien, Mexiko und Südafrika lassen sich mindestens acht dieser Wirkstoffe in den Pestizidportfolios der beiden Unternehmen nachweisen, in Südafrika sechs Wirkstoffe in eigenen Pestizidprodukten. Auf Weingütern in der südafrikanischen Provinz Westkap etwa kommt das Insektizid Tempo SC von Bayer in großem Stil zum Einsatz. Es enthält den hochgiftigen Wirkstoff (Beta-)Cyfluthrin, der schon in einer geringen Dosierung tödlich ist. Eine Vertreterin der südafrikanischen NGO Women on Farms Project berichtet, dass einige Landarbeiter*innen selbst dann in die Weinberge geschickt werden, wenn dort gleichzeitig hochgefährliche Pestizide versprüht werden. Arbeiter*innen bezeichnen die Schutzausrüstung als reine «Dekoration». Sie werde ihnen nur einen Tag, bevor eine externe Inspektion ansteht, ausgehändigt und müsse danach wieder zurückgege44 ben werden. Vertreter*innen der südafrikanischen NGO Khanyisa und der Gewerkschaft CSAAWU berichten von etlichen weiteren Missständen: In vielen Betrieben im Zitrussektor findet das Mischen der Pestizide ohne Schutzausrüstung statt. Pestizide werden verschüttet und nicht fachgerecht entsorgt. Außerdem zwingen einige Farmer*innen die Arbeiter*innen dazu, die Etiketten von den Pestiziden zu entfernen. Damit wird es Kontrolleur*innen bei Inspektionen erschwert, etwaigen Pestizidmissbrauch nachzuweisen. Die Agrochemieunternehmen erklären gern, dass ihre hochgefährlichen Pestizide bei entsprechender Anwendung «sicher» seien. Das ist jedoch eine Illusion und den Konzernen bekannt. Trotzdem nutzen sie die schwächeren Regulierungen in den Ländern des globalen Südens aus, um dort mit hochgefährlichen Pestiziden Gewinne auf Kosten von Mensch und Umwelt zu machen. Nach neuesten wissenschaftlichen Schätzungen erleiden global jährlich 385 Millionen Menschen eine unbeabsichtigte akute Pestizidvergiftung. Die Recherchen der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützen die Kämpfe von NGOs und Gewerkschaften in Südafrika für einen besseren Arbeitsschutz der Landarbeiter*innen und für ein Verbot hochgefährlicher Pestizide durch die Regierung. Während Bayer die Studienergebnisse zurückwies, fordern Ini­tiativen in Deutschland, die Praxis der Doppelstandards im internationalen Handel mit Pestizidwirkstoffen zu beenden. Ein erster Schritt dahin ist ein Exportstopp von hochgefährlichen ZENTRUM FÜR INTERNATIONALEN DIALOG UND ZUSAMMENARBEIT Pestiziden und Wirkstoffen aus Deutschland. Flankierende parlamentarische Anfragen und Anträge, wie von der Linksfraktion, bauten zusätzlichen politischen Druck auf. Aufgrund des zivilgesellschaftlichen Engagements hat die Ampelkoalition in ihrem Koalitionsvertrag vom Dezember 2021 immerhin angekündigt, den Export von bestimmten Pestiziden zu untersagen, die in der Europäischen Union aus Gründen des Schutzes der menschlichen Gesundheit nicht zugelassen sind. um Einfluss auf die Weltgesundheitsorganisation zu nehmen bzw. um zu erreichen, dass die Patentrechte von Corona-Impfstoffen freigegeben werden. AKTIVITÄTEN DES UN-DIALOGBÜROS IN GENF «ATLAS DER VERSKLAVUNG» Seit 2019 fungiert das Büro in Genf als Verbindungsinstanz zwischen den Vereinten Nationen sowie anderen in Genf ansässigen internationalen Organisationen und Projektpartnern der Rosa-Luxemburg-Stiftung im globalen Süden. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt derzeit auf drei Themen: den sozialen Rechten, der sozial-ökologischen Transformation sowie der internationalen Organisierung von Arbeiter*innen. PROJEKT «GLOBAL HEALTH» Das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen verankerte Menschenrecht auf Zugang zu bestmöglicher Gesundheitsversorgung wird der Hälfte der Weltbevölkerung verwehrt. Millionen von Menschen auf der ganzen Welt sterben an Krankheiten, die beim heutigen Stand des medizinischen Wissens leicht zu heilen wären. In vielen Teilen der Welt herrscht ein Mangel an medizinischer Infrastruktur. Ein Drittel der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten, weil Patentregeln im Interesse der Pharmaindustrie zu hohen Preisen führen und eine gerechte Verteilung – nicht erst seit der Corona-Pandemie – verhindern. Vielerorts muss für eine medizinische Grundversorgung privat bezahlt werden, selbst in öffentlichen Krankenhäusern, was für viele Menschen unerschwinglich ist. Die Folge: Statt eines öffentlich zugänglichen Gesundheitssystems wird Gesundheit zu einer Ware für Privilegierte. Die medizinische Unterversorgung ist nur ein Teil der globalen Gesundheitskrise. Denn die Bedingungen, unter denen wir aufwachsen, leben, arbeiten und lernen, haben einen entscheidenden Einfluss auf unsere Gesundheit. Schätzungsweise sterben jedes Jahr 20 Millionen Menschen an armutsbedingten Krankheiten. Der schiere Zufall, wo man geboren wird, bestimmt über Lebenserwartung und -chancen. Es sind jedoch nicht nur geografische Spaltungen, die solchen Ungleichheiten zugrunde liegen. Arme Menschen werden überall häufiger krank und sterben früher als Menschen mit höheren Einkommen. Grundsatz des Projekts «Global Health», das die Rosa-Luxemburg-Stiftung Anfang 2021 gestartet hat, ist daher, dass die Gesundheitsversorgung zu einem öffentlichen Gut werden muss, auf das jede*r überall auf der Welt Anspruch hat. Zu diesem Zweck arbeiteten wir unter anderem mit dem «Geneva Global Health Hub» und dem Thinktank «foraus» zusammen, Weitere Informationen und Publikationen zum Thema globale Gesundheit unter: https://rosalux-geneva.org/de/dossier/globale-gesundheit/. Anlässlich des Internationalen Tags für die Abschaffung der Sklaverei hat das Genfer Büro im Dezember 2021 den «Atlas der Versklavung» veröffentlicht. Damit will die Stiftung auf das weitgehend ignorierte Phänomen der Sklaverei im 21. Jahrhundert aufmerksam machen und dazu beitragen, das Thema auf die politische Agenda zu setzen. Es wäre falsch anzunehmen, dass es heute keine Sklaverei mehr gibt. Tatsächlich sind nach den jüngsten Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation mindestens 40 Millionen Menschen weltweit von «moderner Sklaverei» betroffen. Diese umfasst sowohl Zwangsarbeit als auch Zwangsprostitution und andere Formen der Ausbeutung. Die moderne Sklaverei ist in unsere Kleidung eingewoben und insbesondere in der globalen Sexindustrie und in der Hausarbeit weitverbreitet. Die COVID-19-Pandemie hat die Situation der Opfer von Sklaverei weiter verschärft, da die meisten von ihnen keine Papiere besitzen und nun zusätzlich Gefahr laufen, abgeschoben zu werden. Darüber hinaus wird die wirtschaftliche Rezession, die mit der Pandemie einhergeht, wahrscheinlich noch mehr Menschen dem Risiko von Menschenhandel und Sklaverei aussetzen. Damit ist das Thema moderne Sklaverei, was die Arbeitswelt angeht, ein zentrales unserer Zeit. Weitere Informationen sowie unser Film zum Thema unter: https://atlasofenslavement.rosalux-geneva.org/. ATLAS DER VERSKLAVUNG DATEN UND FAKTEN ÜBER ZWANGSARBEIT UND AUSBEUTUNG 2. Auflage, November 2021 60 Seiten, Broschur ISBN 978-3-948250-40-9 d und Downloa nter ng u Bestellu / alux.de s o www.r / n o ti publika 6 id/4533 45 NEW YORK DIE AUSLANDSBÜROS MEXIKO-STADT REFERAT LATEINAMERIKA ANDENREGION QUITO BRASILIEN UND PARAGUAY Sitz: Quito/Ecuador Gründungsjahr: 2010 Projektländer: Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela Büroleitung: Ferdinand Muggen­thaler www.rosalux.org.ec SÃO PAULO BUENOS AIRES CONO SUR Sitz: Buenos Aires/Argentinien Gründungsjahr: 2015 Projektländer: Argentinien, Chile, Uruguay Büroleitung: Karin Gabbert rosalux-ba.org Sitz: São Paulo/Brasilien Gründungsjahr: 2003 Projektländer: Brasilien, Paraguay Büroleitung: Torge Löding, ab September 2022: Andreas Behn rosalux.org.br REFERAT INTER­NATIONALE POLITIK NORDAMERIKA UND VEREINTE NATIONEN INTERNATIONALE GEWERKSCHAFTSPOLITIK UND GLOBALE SOZIALE RECHTE Sitz: New York/USA Gründungsjahr: 2012 Projektländer: USA, Kanada, Standorte der Vereinten Nationen Büroleitung: Andreas Günther https://rosalux.nyc/de/ Sitz: Genf/Schweiz Gründungsjahr: 2019 Projektländer: Standorte der Vereinten Nationen Büroleitung und Programmleitung Internationale Gewerkschafts­ politik: Jan Leidecker Programmleitung Globale Soziale Rechte: Eva Wuchold https://rosalux-geneva.org/de/ MEXIKO, ZENTRALAMERIKA UND KUBA DIALOGPROGRAMM FEMINISMUS Sitz: Buenos Aires/Argentinien (im Regionalbüro) Gründungsjahr: 2019 Projektländer: weltweit (Schwerpunkt: Lateinamerika) Programmleitung: Alex Wischnewski 46 Sitz: Mexiko-Stadt/Mexiko Gründungsjahr: 2007 Projektländer: Costa Rica, Guatemala, Kuba, Mexiko, Nicaragua Büroleitung: Sandy El Berr www.rosalux.org.mx Stand: April 2022 GENF TUNIS DAKAR DARESSALAM JOHANNESBURG SÜDLICHES AFRIKA NORDAFRIKA REFERAT AFRIKA OSTAFRIKA WESTAFRIKA Sitz: Tunis/Tunesien Gründungsjahr: 2014 Projektländer: Tunesien, Ägypten, Algerien, Marokko Büroleitung: Armin Osmanovic www.rosaluxna.org/ Sitz: Daressalam/Tansania Gründungsjahr: 2012 Projektländer: Kenia, Ruanda, Tansania, Uganda Büroleitung: Dorothee Braun, ab September 2022: Katrin Voss www.rosalux.or.tz/ Sitz: Dakar/Senegal Gründungsjahr: 2010 Projektländer: Burkina Faso, Côte d’Ivoire, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kapverden, Mali, Niger, Nigeria, Senegal Büroleitung: Claus-Dieter König www.rosalux.sn WISSENSCHAFTSKOOPERATION NORDAFRIKA Sitz: Tunis/Tunesien Gründungsjahr: 2015 Programmland: Tunesien Programmleitung: Nadia El Ouerghemmi https://academiccooperation-­ rosalux.org/en/homepage/ Sitz: Johannesburg/Südafrika Gründungsjahr: 2003 Projektländer: Südafrika, Simbabwe, Sambia, Madagaskar, Mosambik, Mauritius, Namibia, Komoren, Botswana, Seychellen Büroleitung: Siegfried Schröder, ab April 2022: Janine Walter www.rosalux.co.za DIALOGPROGRAMM ERNÄHRUNGSSOUVERÄNITÄT Sitz: Johannesburg/Südafrika (im Regionalbüro) Gründungsjahr: 2017 Programmländer: weltweit (Schwerpunkt: südliches Afrika) Programmleitung: Jan Urhahn www.rosalux.de/dossiers/ernaehrungssouveraenitaet 47 BRÜSSEL REFERAT EUROPA MOSKAU PRAG SÜDOSTEUROPA WARSCHAU KIEW BELGRAD Sitz: Belgrad/Serbien Gründungsjahr: 2010 Projektländer: Serbien, Kroatien, Slowenien, Bulgarien, Mazedonien, Rumänien, Montenegro Büroleitung: Krunoslav Stojaković, ab September 2022: Maria Oshana www.rosalux.rs ORTSKRAFTBÜRO BOSNIEN UND HERZEGOWINA Sitz: Tuzla/Bosnien und Herzegowina Gründungsjahr: 2020 Projektländer: Bosnien und Herzegowina, Albanien, Kosovo Büroleitung: Krunoslav Stojaković, ab September 2022: Maria Oshana www.facebook.com/RLSTuzla/ OSTMITTELEUROPA Sitz: Warschau/Polen Gründungsjahr: 2003 Projektländer: Polen, Litauen, Lettland, Estland Büroleitung: Holger Politt, ab September 2022: Achim Kessler www.rls.pl MITTELEUROPA Sitz: Prag/Tschechien Gründungsjahr: 2018 Projektländer: Tschechien, Slowakei, Ungarn Büroleitung: Joanna Gwiazdecka (bis Juni 2022) https://rosalux.cz/ 48 WESTEUROPA ATHEN BEIRUT Sitz: Brüssel /Belgien Gründungsjahr: 2008 Projektländer: Belgien, Niederlande, Frankreich, Italien, Österreich, Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen, Island Büroleitung: Anna Schröder www.rosalux.eu TEL AVIV GRIECHENLAND RAMALLAH DIALOGPROGRAMM HANDEL UND WIRTSCHAFT Sitz: Brüssel/Belgien (im Regionalbüro) Gründungsjahr: 2018 Programmländer: weltweit (Schwerpunkt: Europa und EU-Handelsbeziehungen) Programmleitung: Arif Rüzgar www.rosalux.eu ORTSKRAFTBÜRO SPANIEN UND PORTUGAL Sitz: Madrid/Spanien Gründungsjahr: 2017 Projektländer: Spanien, Portugal Büroleitung: Anna Schröder www.rosalux.eu UKRAINE Sitz: Kiew/Ukraine Gründungsjahr: 2016 Projektländer: Ukraine, Republik Moldau Büroleitung: Ivo Georgiev http://rosalux.org.ua/de/ Sitz: Athen/Griechenland Gründungsjahr: 2012 Projektländer: Griechenland, Mittelmeerregion Büroleitung: Maria Oshana, ab März 2022: Friedrich Burschel http://rosalux.gr/de VEREINIGTES KÖNIGREICH UND IRLAND RUSSLAND, BELARUS UND SÜDKAUKASUS Sitz: London/Großbritannien Gründungsjahr: 2020 Projektländer: Vereinigtes Königreich, Irland Büroleitung: Tsafrir Cohen www.rosalux.eu/en/topic/1567. rls-office-london.html Die russischen Behörden haben dem Büro Moskau im April 2022 die Registrierung entzogen. Die Arbeit zu den Projektländern wird vorübergehend aus Berlin fortgeführt. Gründungsjahr: 2003 Projektländer: Russland, Belarus, Georgien, Armenien, Aserbaidschan Büroleitung: Kerstin Kaiser, ab September 2022: Joanna Gwiazdecka www.rosalux.ru Stand: April 2022 REFERAT WESTASIEN ISRAEL ALMATY PEKING Sitz: Tel Aviv/Israel Gründungsjahr: 2009 Projektland: Israel Büroleitung: Markus Bickel www.rosalux.co.il NEU-DELHI PALÄSTINA UND JORDANIEN HANOI MANILA CHINA SÜDOSTASIEN (BÜRO MANILA) REFERAT ASIEN SÜDASIEN Sitz: Manila/Philippinen Gründungsjahr: 2019 Projektländer: Philippinen, Indonesien, Malaysia Büroleitung: Liliane Danso-Dahmen www.rosalux.de Sitz: Peking/China Gründungsjahr: 2008 Projektland: China Büroleitung: Jan Turowski www.rosalux.de ZENTRALASIEN Sitz: Ramallah/Palästina Gründungsjahr: 2008 Projektländer: Palästinensische Gebiete, Jordanien Büroleitung: Karin Gerster www.rosalux.ps LIBANON, SYRIEN, IRAK SÜDOSTASIEN (BÜRO HANOI) Sitz: Neu-Delhi/Indien Gründungsjahr: 2010 Projektländer: Indien, Nepal, Bangladesch, Sri Lanka, Pakistan Büroleitung: zurzeit vakant, Kontakt über das Asien-Referat in Berlin www.rosalux.in Sitz: Hanoi/Vietnam Gründungsjahr: 2009 Projektländer: Vietnam, Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand Büroleitung: Philip Degenhardt www.rosaluxhanoi.org Sitz: Almaty/Kasachstan Gründungsjahr: 2018 Projektländer: Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan Büroleitung: Marlies Linke www.rosalux.de Sitz: Beirut/Libanon Gründungsjahr: 2017 Projektländer: Libanon, Syrien, Irak, Iran, Jemen, Saudi-Arabien, Katar Büroleitung: Miriam Younes, ab Februar 2022: Tanja Tabbara www.rosalux-lb.org 49 GEFÖRDERTE PROJEKTE Über die Projektförderung kooperiert die Rosa-LuxemburgStiftung mit verschiedenen Trägern politischer Bildung aus allen Bundesländern. Corona hat sich auch im zweiten Jahr der Pandemie auf verschiedene Weise bemerkbar gemacht. Uns erreichten insgesamt 332 Anträge, was einen weiteren leichten Rückgang zum vergangenen Jahr darstellt. Allerdings konnten wir beobachten, dass viele Projektpartner*innen die neu entdeckten digitalen Möglichkeiten für ihre Vorhaben nutzten. So nahmen unterschiedliche Formen von digitalen Bildungsformaten einen zentralen Stellenwert ein. Unter den geförderten Projekten sind zahlreiche Online- bzw. Hybrid-Veranstaltungen, Podcasts, Radiosendungen und einige Dokumentarfilme. Insgesamt konnten im vergangenen Jahr 128 Projekte gefördert werden. Davon wurden 39 Projekte von den Landesstiftungen der Rosa-Luxemburg-Stiftung vor Ort betreut. Es wurden 313.313 Euro eingesetzt, davon flossen 57.150 Euro als Globalmittel in die Landesstiftungen. Fünf Großprojekte wurden mit insgesamt 140.500 Euro (45 Prozent des Gesamtbudgets) unterstützt: nB  erliner Institut für Kritische Theorie e. V.: Herausgabe des Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus: Abschluss Band 9/2 «Mitleid bis Nazismus», Herausgabe Band 10 «Negation der Negation bis Phantasie» – 45.000 Euro nd  rei Projekte der Linken Medienakademie e. V.: LiMA-Hybrid-Akademie 2021 «Virale Solidarität», das Bildungsangebot «Bildet Links! Migrantisch. Solidarisch. Digital.» sowie der «Zukunftscampus 2021» für Journalist*innen – 60.000 Euro nD  igitalcourage e. V.: Ratschlag und Bündniskoordination #unteilbar – 10.000 Euro nP  anzerkreuzerrotkäppchen PKRK: «Treuhandtechno. Dancing in the Dark» – 15.500 Euro nF  rauensommerakademie* e. V.: Frauensommerakademie 2021 «Shame on you off us!» – 10.000 Euro Neun Vorhaben wurden mit Beträgen zwischen 5.000 und 9.999 Euro gefördert, 19 Projekte mit Beträgen zwischen 2.000 und 4.999 Euro, 71 mit Beträgen zwischen 1.000 und 1.999 Euro und 22 Projekte mit Beträgen zwischen 500 und 999 Euro. ZENTRALE PROJEKTE 2021 ZUM THEMEN­ SCHWERPUNKT «GESELLSCHAFT DER VIELEN» UND «FLUCHT UND MIGRATION» Ein thematischer Schwerpunkt der Rosa-Luxemburg-Stiftung lautet: «Kampf gegen rechts für eine Gesellschaft der Vielen». 50 Wir haben uns entschieden, drei besondere Projekte, die sich diesem Themenschwerpunkt zuordnen lassen, an dieser Stelle vorzustellen: «Colourful Culture». Dabei handelt es sich um eine Radiosendung mit Künstler*innen mit Fluchterfahrung. Die Redaktion nutzt den Sendeplatz im Freiburger freien Radio Dreyeckland, um den persönlichen Geschichten, aber vor allem der Kunst von Künstler*innen mit Migrations- und Fluchthintergrund Raum zu geben. Die ersten vier Episoden von «Colourful Culture» entstanden bis Februar 2021 in Zusammenarbeit mit den Künstler*innen Dara, Ahmed und Reda. Die folgenden Episoden fünf bis elf umfassten primär Interviews, Lebensund Fluchtgeschichten von Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund. In den Geschichten der Künstler*innen RADIO DREYECKLAND: RADIOSENDUNGEN VON UND MIT KÜNSTLER*INNEN MIT FLUCHTERFAHRUNG «COLOURFUL CULTURE». EIN PROJEKT IM RAHMEN DER REDAKTION «OUR VOICE – DIE STIMME DER UNSICHT­ BAREN», JANUAR BIS DEZEMBER 2021 – 1.000 EURO Gefördert wurde eine elfteilige Sendereihe aus der Redak­ tion «Our Voice – die Stimme der Unsichtbaren» mit dem Titel: IM JAHR 2021 HAT DIE ROSA-LUXEMBURG-STIFTUNG 1 128 VORHABEN GEFÖRDERT Ausstellung 31 48 Beihilfe für Print- und OnlinePublikationen 21 4 kleinere Veran­ staltungen (Abend­ veranstaltungen, Workshops etc.) Theaterproduktionen FORMATE DER GEFÖRDERTEN PROJEKTE größere Veran­ staltungen (Kon­ ferenzen, mehrtägige Seminare etc.) 18 Kampf gegen rechts/ Antirassismus 15 THEMEN DER GEFÖRDERTEN PROJEKTE «Gesellschaft der Vielen» 11 Flucht/Migration 1 Dokumentarfilme Webseite 3 7 Forschungsaktivitäten, Studien, Manuskripte Audio­dokumen­tationen (Podcasts, Radio, Audiowalks, CDs) 19 Gesellschafts­theorie/ Kapitalis­muskritik 12 6 Kunst/Kultur 10 9 Geschichte/ Zeitgeschichte politische Kommunikation/ digitale Medien 9 11 soziale Infrastruk­ turen/soziale Rechte und soziale Gerechtigkeit Antifaschismus/ Erinnerungsarbeit 3 Staat und Demokratie 7 international/ transnational 9 1 Geschlechter­ verhältnisse Frieden/ Sicherheit 51 GEFÖRDERTE PROJEKTE «Hinsehen & Handeln. Menschenrechte durchsetzen!»: OMAS GEGEN RECHTS bei der gleichnamigen Veranstaltung im Sommer 2021 in Berlin. tauchen immer wieder die Erfahrungen auf, wie es ist, als Künstler*in in einer überwiegend weißen und rassistischen Gesellschaft zu leben und zu arbeiten. Die Corona-Pandemie kam erschwerend hinzu, da Veranstaltungen und damit auch Einnahmequellen wegfielen. Hier wurde «Colourful Culture» zu einem wichtigen Sprachrohr für Initiativen, GeflüchtetenCommunities und für die Künstler*innen selbst. Die Sendereihe wird auch 2022 fortgesetzt. Mehr Informationen unter: https://rdl.de/sendung/colourful-culture. WIR PACKEN’S AN E. V.: PODIUMSDISKUSSION «HINSEHEN & HANDELN. MENSCHENRECHTE DURCH­ SETZEN!», JUNI 2021 IN BERLIN – 1.500 EURO Der Brandenburger Verein Wir Packen’s an e. V. hat im Jahr 2021 mit zahlreichen Aktionen und großem Engagement auf die Situation von Geflüchteten an den europäischen Außengrenzen aufmerksam gemacht und konkrete Nothilfe vor Ort geleistet. Die externe Projektförderung der Rosa-LuxemburgStiftung hat den Verein bei einer Veranstaltung am 19. Juni 2021 anlässlich des World Refugee Day gefördert. Im Rahmen einer Open-Air-Podiumsdiskussion kamen Aktivist*innen und Menschen mit Fluchterfahrung aus Bosnien, Griechenland und Deutschland zusammen und sprachen zu den Menschen52 rechtsverbrechen der Europäischen Union auf dem Balkan und in der Ägäis. Etwa 100 Besucher*innen kamen zu der Veranstaltung auf dem Mariannenplatz. Das Programm wurde aufgezeichnet und ist online verfügbar unter: https://wir-packens-an. info/flucht-ist-erst-vorbei-wenn-du-wirklich-in-sicherheit-bist/. DIS:ORIENT E. V.: RADIOSENDUNGEN «RESONANZ. ARABISCH-DEUTSCHE LESEREIHE IN DREI TEILEN», OKTOBER BIS DEZEMBER 2021 – 1.000 EURO Resonanz ist eine arabisch-deutsche Literatursendung, die in drei Teilen über das Leipziger Radio Sphere im Herbst 2021 gesendet wurde. Organisiert wurde die Reihe von Shabaka, einem Kollektiv aus Leipzig, das sich zum Ziel gesetzt hat, ein Netz(-werk) aus arabisch schreibenden, aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzenden sowie an Literatur interessierten Personen aufzubauen und arabische Literatur in Leipzig sichtbarer zu machen. Zu Gast waren in den drei Folgen Yosra Esseghir und Amal Khlif (Autorinnenkollektiv Chaml) sowie Nora Amin und Najat Abdul Samad. Im ersten Teil der Sendung lasen die Autor*innen aus ihren Werken, im zweiten Teil sprachen sie über intersektionale feministische und aktivistische Perspektiven ihrer Arbeit. Nachzuhören sind die Sendungen unter: https://sphere-radio.net/sendungen/shabaka/. GEFÖRDERTE PROJEKTE Mit 19 Projekten waren Vorhaben zum Themenfeld Gesellschaftstheorie/Kapitalismuskritik am stärksten vertreten. Einige Beispiele der geförderten Projekte: nK  ollektiv kritzel.klar: Erklärclips in leichter Sprache «Pic und Voice und das Geld», Videoformat, Juli 2021 – 2.000 Euro nS  amuel Pufendorf Gesellschaft für politische Ökonomie e. V.: «2. Europäische Modern-Monetary-Theory-Konferenz», September 2021 in Berlin – 1.500 Euro nG  esellschaft für subjektwissenschaftliche Forschung und Praxis e. V.: «12. Ferienuniversität Kritische Psychologie», September 2021 in Berlin – 2.100 Euro nR  ubus Projekt: Workshops «Politisches Rahmenprogramm der Frauen-Lesben-Trans-Inter-Baustelle», April 2021 in Guben – 500 Euro nB  erliner Gazette e. V.: Konferenz «BLACK BOX EAST», September 2021 in Berlin – 4.000 Euro Mit 18 Projekten gehörte zudem das Thema Kampf gegen rechts/Antirassismus zu den Schwerpunkten der Projektförderung. Unter anderem förderten wir: nB  erliner Geschichtswerkstatt e. V.: Publikation «OMAS GEGEN RECHTS. Alt, weiblich, gefährlich», Berlin 2021 – 1.500 Euro nN  etzwerk Solidarische Landwirtschaft e. V.: Online-Fachtagung «Kartoffel, Kürbis, Vaterland – Landwirtschaft aus rechter Hand», März 2021 in Jena – 1.000 Euro nP  rojekt Verein e. V./Conne Island: «6. Antifaschistischer Jugendkongress 2021», August 2021 in Chemnitz – 5.000 Euro nF  remde für Fremde: «Seminarwoche für fremde reisende Handwerker*innen», Oktober 2021 in Wehlen, Elbsandsteingebirge – 1.000 Euro Mit 15 Projekten war das Thema «Gesellschaft der Vielen» in der Projektförderung vertreten, hier eine Auswahl: nA  maro Drom e. V.: «Bundesjugendtreffen Terne Sinti und Roma 2021», November 2021 in Düsseldorf – 5.000 Euro Christa Luft zu Gast bei Anna Stiede (l.) und Susann Neuenfeldt (r.) von TreunhandTechno. L  AFI NK e. V.: Kurzfilme «In der ersten Person: Sichtbarmachung und Empowerment lateinamerikanischer und karibischer Migrantinnen in Berlin», Berlin 2021 – 750 Euro nB  ildungswerkstatt Migration & Gesellschaft e. V.: «Black Wendland. Wochenende für Black Empowerment und selbstbestimmtes Leben auf dem Land», September 2021 in Meuchefitz – 1.500 Euro n Thematisch weit gefächert sind die unterstützten Publikationen. Hier eine Auswahl: nK  onzeptwerk Neue Ökonomie e. V: «Wirtschaft demokratisch gestalten lernen. Digitalisierter Kapitalismus», Bildungsmaterial, Leipzig 2021 – 7.900 Euro nH  eike Kanter/Michael Brandmayr/Nadja Köffler (Hrsg.): «Bilder, soziale Medien und das Politische. Transdisziplinäre Perspektiven auf visuelle Diskursprozesse», Bielefeld 2021 – 900 Euro nA  ctivism e. V.: «Von Verschwörungen und Ideologien. Geschichten zu Zeiten einer Pandemie – grafisch und sachlich erzählt», Online-Publikation, München 2021 – 1.500 Euro. n iz3w e. V.: iz3w Ausgabe #383: «Stop it! Polizeigewalt», Freiburg 2021 – 500 Euro nL  agergemeinschaft Ravensbrück Freundeskreis e. V. (Hrsg.): «Polnische Frauen in Ravensbrück. Biografische Skizzen zur Vielfalt der Verfolgungshintergründe und der erlebten Erfahrungen», Fürstenberg 2021 – 1.000 Euro Einige Projekte wurden von den Landesstiftungen der Rosa-Luxemburg-Stiftung vor Ort betreut. Durch die Kontaktvermittlung und die lokale Kooperation wird die Vernetzung von Akteuren politischer Bildungsarbeit bundesweit gefördert. Hier einige Beispiele: nK  arin Kaper Film: «Walter Kaufmann – Welch ein Leben!», Filmvorführungen im Saarland, in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern 2021 – 2.400 Euro nS  tudio Naxos: Konferenz «Das postmigrantische Theater neu denken: Ursprünge – Entwicklung – Chancen – Potenziale», Mai 2021 in Frankfurt a. M. – 1.000 Euro na  linae lumr e. V.: «Biberbrunnen – ein dokumentarischer Hörspaziergang gegen das Schweigen», Audiowalk, Mai 2021 in Beverstedt – 1.000 Euro nn  ö theater e. V: «No Corona, no cry. Dokumentarisches Theaterstück über die Genese der Corona-Proteste», September 2021 in Köln – 1.000 Euro nS  ubbotnik e. V.: «Kantine ‹de Pizan›. Das Theoriefestival in Chemnitz», August 2021 in Chemnitz – 5.000 Euro Über die Projektförderung wurde auch 2021 ein breites Spek­ trum linker Themen in unterschiedlichen Formaten aufgegriffen, bearbeitet und zur politischen Weiterbildung genutzt. Die geförderten Vorhaben komplettieren das Stiftungsangebot politischer Bildung thematisch, regional und zielgruppenspezifisch. 53 Zu den vielfältigen Aktivitäten rund um den 150. Geburtstag unserer Namensgeberin gehörte die künstlerische Auseinander­ setzung mit der Rezeption und dem Einfluss Rosa Luxemburgs auf die heu­tige Gesellschaft – in diesem Fall durch Graffiti-Kunst. Die Berliner GraffitiKünstler*innen Minamania und Mark Straeck stellten das berühmte Luxemburg-Zitat «Ich war, ich bin, ich werde sein» in den Mittelpunkt ihrer künst­lerischen Arbeit. Zudem setzten sich Jugendliche aus der Region Berlin-Branden­ burg unter Anleitung des Künstlers Daniel Ihrke mit der historischen Persön­ lichkeit aus­einander. Am «Tag der offenen Tür» selbst bot der Künst­ler Danny Figueroa kostenfreie GraffitiWorkshops an. 54 RUBRIK 55 RUBRIK 56 RUBRIK 57 RUBRIK 58 RUBRIK 59 RUBRIK 60 61 STUDIENWERK Die Aufgabe des Studienwerks ist die Förderung des akademischen linken Nachwuchses. Dazu gehören die Auswahl, Begleitung, Beratung und politische Bildung der Stipendiat*innen. Der Fokus der Förderung liegt auf denjenigen, die von strukturellen Bildungsungleichheiten besonders betroffen sind. 2021 war auch für das Studienwerk ein weiteres Jahr unter Corona-Bedingungen. Unsere wichtigsten Aufgaben waren die Sicherstellung der Stipendienzahlungen, die Organisation und Abwicklung des Auswahlverfahrens, das Aufrechterhalten des Kontakts zu den Stipendiaten*innen, Ehemaligen und Vertrauensdozent*innen sowie die Weiterentwicklung digitaler Bildungsangebote. Zusätzlich zu den Jahr für Jahr wiederkehrenden Veranstaltungen lag einer unserer Schwerpunkte 2021 auf dem Thema «Rosa gegen rechts». Die digitalen Bildungsformate luden dazu ein, sich in diversen Bereichen – etwa der pädagogischen und politischen Bildungsarbeit, in Gewerkschaften oder bei der Polizei – mit dem Kampf gegen rechts und der «Gesellschaft der Vielen» auseinanderzusetzen. Als Antwort auf die spezifische Belastungssituation, denen Studierende während der Corona-Pandemie ausgesetzt waren (und sind), boten wir 2021 Online-Gruppencoachings an. Diese Kombination aus individueller Unterstützung durch eine*n Coach*in und gegenseitiger Beratung sowie Austausch sollte die Studienstipendiat*innen dabei unterstützen, an gemeinsamen Fragestellungen zu arbeiten. In unserem bildungspolitischen Podcast «Bildung in Rosa – ein Podcast auf dem Weg zu inklusiver Bildung» diskutierten wir gemeinsam mit Expert*innen die unterschiedlichen Dimensionen von Bildungsungleichheit. Wir beließen es allerdings nicht bei der Analyse, sondern gingen einen Schritt weiter in Richtung «Bildung in Rosa!»: Gemeinsam entwickelten wir Zukunftsvisionen möglicher und nötiger Veränderungen, die Teilhabe ermöglichen. Die Podcast-Reihe wird 2022 in einer Veranstaltung münden, in die viele Expert*innen einbezogen werden. Anschließend sollen die Ergebnisse publiziert werden und das Netzwerk soll Stück für Stück ausgebaut werden. In der Arbeit mit Ehemaligen hielten wir an unserem erfolgreichen digitalen Format «RLS.(Um-)Wege» fest, bei dem ehemalige Stipendiat*innen in Online-Talks von ihren (un)möglichen Bildungsbiografien berichten. Eines hat sich auch 2021 nicht geändert: Unsere Arbeit – sowohl die Auswahl als auch die Begleitung der Stipendiat*in­ nen während des Studiums oder der Promotion – wäre ohne die Unterstützung der ehrenamtlich tätigen etwa 200 Ver­ trauensdozent*innen nicht möglich. Sie haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich über die Stiftung hinaus ein großes und weitverzweigtes linkes akademisches Netzwerk entwickelt hat. Wir möchten ihnen mit der Nennung ihrer Namen für ihr unverzichtbares Engagement für das Studienwerk danken. 62 ENTWICKLUNG BEI DEN GEFÖRDERTEN JAHR PROMOVIERENDE 929 2021 235 102 901 2020 241 100 906 2019 227 86 888 2018 223 87 896 2017 212 87 888 2016 210 91 889 2015 213 95 861 2014 207 84 854 2013 214 97 754 2012 197 89 650 2011 177 94 627 2010 141 48 450 2009 138 72 433 2008 131 60 360 2007 111 54 331 2006 106 33 249 2005 84 39 205 2004 78 45 STUDIERENDE/PROMOVIERENDE (gefördert mit Mitteln des BMBF) (gefördert mit Mitteln des Auswärtigen Amts) STUDIERENDE (gefördert mit Mitteln des BMBF) 63 STUDIENWERK Riccardo Altieri «WAS WÜRDE ROSA TUN?» ROSI WOLFSTEINS UND PAUL FRÖLICHS EINFLUSS AUF DIE REZEPTION VON ROSA LUXEMBURG Viele Weggefährt*innen Rosa Luxemburgs – Mathilde Jacob, Luise Kautsky, Paul Levi, Sophie Liebknecht und natürlich Clara und Kostja Zetkin – sind einer fachlich interessierten Öffentlichkeit bestens bekannt. Aber wem sagen Rosi Wolfstein und Paul Frölich heute noch etwas und was haben sie mit Rosa Luxemburg zu tun? Dass beide weitgehend in Vergessenheit geraten sind, mag daran liegen, dass sie sich nicht in die (post-) stalinistische Geschichtstradition der sozialistischen Staaten einordnen ließen, weil sie sich nach 1950 gegen die SED und damit die DDR entschieden hatten. Und in der Bundesrepublik war kaum jemand an Biografien von Linkssozialist*innen aus der Vor- und Zwischenkriegszeit interessiert. Parteischule die in Witten geborene Wolfstein zu sich nach Berlin und unterrichtete sie. Frölich kannte die namhafte Politikerin bereits seit seiner Tätigkeit bei der Leipziger Volkszeitung, wollte sie später zu Vorträgen nach Hamburg einladen und musste erkennen, dass sie und ihr Gleichgesinnte einen schweren Stand in der SPD hatten. Der Erste Weltkrieg verschärfte die Gräben zwischen den antimilitaristischen Anhänger*innen Luxemburgs und der späteren MehrheitsSPD. Auf dem Gründungsparteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) im Dezember 1918 kamen Wolfstein, Frölich und Luxemburg erstmals zu dritt zusammen. Nach dem 15. Januar 1919 hielt Wolfstein die Erinnerung an ihre ermordete Lehrerin unermüdlich aufrecht, insbesondere im Preußischen Landtag. 1928/29 wurden Wolfstein und Frölich als «Luxemburgisten» aus der KPD ausgeschlossen, weil sie sich gegen Stalin gewandt hatten. In der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP), der sie ab 1931 angehörten, galt ihnen Luxemburgs politische Überzeugung als Imperativ des eigenen Handelns. Nachdem Frölich in den 1920er-Jahren die Luxemburg-Werke herausgegeben hatte, wobei ihm Wolfstein als Lektorin zur Seite stand, verfassten sie von 1937 bis 1939 gemeinsam eine der frühesten Luxemburg-Biografien, die unter Frölichs Namen erschien. Willy Brandt, ebenfalls Mitglied der SAP, ärgerte sich später darüber, dass die beiden bei jeder Gelegenheit fragten: «Was würde Rosa tun?» Im Monat seines Todes im März 1953 erschien Paul Frölichs letzte Publikation – erneut zu Rosa Luxemburg. Rosi Wolfstein lebte noch bis 1987 und war die letzte lebende Zeitzeugin. Sie beriet Margarethe von Trotta für deren Luxemburg-Film und wurde von manchen sogar als «zweite Rosa Luxemburg» bezeichnet. ng unter Bestellu hnerue c w w w.b .de g la r e v ar 2023 Ab Febru nload zum Dow Riccardo Altieri «ANTIFASCHISTEN, DAS WAREN WIR ...» ROSI WOLFSTEIN UND Diese Lücke könnte nun die jüngst unter dem Titel «‹Antifaschisten, das waren wir …›. Rosi Wolfstein und Paul Frölich. Eine Doppelbiografie» veröffentlichte Dissertation von Riccardo Altieri schließen. Sie wurde von der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert und wird ab Februar 2023 auch kostenfrei im Netz zugänglich sein. 1912 bestritten Wolfstein und Luxemburg gemeinsam Wahlkampfveranstaltungen, zum Dank holte die Lehrerin der SPD64 PAUL FRÖLICH. EINE DOPPELBIOGRAFIE 566 Seiten, gebunden Print: 39,00 Euro ISBN 978-3-96317-282-3 ePDF: 35,00 Euro ISBN 978-3-96317-824-5 Büchner-Verlag Februar 2022 STUDIENWERK PROMOVIEREN IN ZEITEN DER PANDEMIE INTERVIEW MIT DER STIPENDIATIN JOSEPHINA SCHMIDT Josephina Schmidt ist Sozialarbeiterin und promoviert in Erziehungswissenschaften zum Thema «Frauen in sozialpsy­ chiatrischen Wohnheimen» an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Sie wurde von der Rosa-Luxemburg-Stiftung von 2018 bis 2021 mit einem Stipendium gefördert und lebt mit Kind und Partner in Stuttgart. Wie ist es für dich, während einer Pandemie zu promovieren? Schmidt: Die Pandemie hat einen großen Einfluss auf meine Arbeit an der Promotion. Ich kann meine Zeitpläne kaum einhalten, da sich die Umstände ständig verändern. Ich war bereits sieben Mal in Quarantäne. Die Motivation aufrechtzuerhalten kostet viel Kraft. Glücklicherweise sind wir zu Hause ein sehr gutes Team. Mein Partner promoviert auch, sodass wir sehr viel Verständnis füreinander haben. Mein Sohn sorgt dafür, dass wir auch mal andere, schöne und lustige Sachen machen. Insgesamt sind wir, wie die meisten Menschen, überwiegend aufs Private zurückgeworfen. Als Sozialarbeiterin beschäftigt mich sehr, dass dadurch soziale Probleme, wie zum Beispiel häusliche Gewalt, weniger sichtbar und die Wohnverhältnisse für viele Menschen prekärer geworden sind. Auch für die Promotion ist es eine Herausforderung, dass die Öffentlichkeit weitestgehend fehlt. Zwar finden viele Kolloquien und Tagungen digital statt, auch die verschiedenen Austauschmöglichkeiten mit anderen Stipendiat*innen der Rosa-Luxemburg-Stiftung sind sehr hilfreich, aber die OnlineKommunikation erschöpft sehr und Feedbacks sind nur begrenzt möglich. Außerdem musste ich aus Zeitgründen leider meine Lehrveranstaltungen abgeben, die ich nebenher gehalten habe. Du hast in deinem Dissertationsprojekt mit vulnerablen Gruppen in der Psychiatrie zu tun, auf die man während der Corona-Pandemie besonders achtgeben muss. Andererseits bist du in Stuttgart mit der Querdenkerbewegung konfrontiert. Wie empfindest du diesen Kontrast? Schmidt: Die großen Demos, bei denen Zehntausende Menschen ihre Wut über die Einschränkungen rausschreien, haben mich schon sehr erschreckt. Nationalistische, antisemitische und verschwörungsideologische Parolen, Sticker und Plakate sind überall in der Stadt zu sehen. Um die öffentliche Diskussion nicht den sogenannten Querdenker*innen zu überlassen, findet Gegenrede nicht nur auf Gegendemos, sondern auch im Alltag statt, wenn beispielsweise in ElternChat-Gruppen Verschwörungsideologien gepostet werden oder ich mitbekomme, wie in den Schulklassen Impfangst verbreitet wird. Oder wenn in der Sozialpsychiatrie, zu der ich forsche und in der ich auch gearbeitet habe, keine Abgrenzung zwischen berechtigter Kritik an Psychopharmaka und Josephina Schmidt esoterisch unterlegten Verschwörungsideologien stattfindet. Im Umgang mit Impfgegner*innen und Corona-Leugner*in­ nen unterscheide ich zwischen Menschen, für die ich einen sozialarbeiterischen Auftrag habe, und Menschen, denen ich als Bürgerin, Kollegin oder Privatperson begegne. In Bezug auf die erste Gruppe nehme ich die Ängste sehr ernst. In Bezug auf die zweite Gruppe zeige ich klare Kante und diskutiere nicht. Welche Bedeutung hat für dich das an Vernunft und Solidarität orientierte Denken und Handeln von Rosa Luxemburg, die stets mit nationalistischen, antisemitischen, antiintellektuellen und chauvinistischen Anfeindungen konfrontiert war? Schmidt: Ich ziehe Rosa Luxemburg oft zurate. Was mich beeindruckt, ist, wie sie in ihren privaten Beziehungen und Freundschaften den Raum hergestellt hat, um ihre politischen Positionen zu entwickeln, zu reflektieren und zu festigen. Soweit ich weiß, hat Rosa Luxemburg auch privat das gelebt, was sie politisch vertreten hat. Mir ist es ebenfalls sehr wichtig, wenn möglich bereits im Jetzt so zu leben, wie ich mir vorstelle, dass so eine bessere Welt aussehen könnte. Dass die politischen Gegner*innen nicht immer eindeutig zu erkennen sind und Anfeindungen von allen Seiten kommen können, hat Rosa Luxemburg ja leider zur Genüge erfahren. Und diese Unkalkulierbarkeit, die gilt heute insbesondere auch für die Querdenkerbewegung. Indem Rosa Luxemburg so unermüdlich weitergemacht hat, ist sie mir ein Vorbild. 65 VERTRAUENSDOZENT*INNEN Stand: Februar 2022 Dr. Werner Abel Politikwissenschaft Dr. Mai-Anh Boger Uni Regensburg, Sonderpädagogik Dr. Maja Figge UDK Berlin, Medienwissenschaft Prof. Dr. Wolfgang Hofkirchner TU Wien, Informatik Prof. Dr. Friedemann Affolderbach HTWK Leipzig, Soziale Arbeit Dr. Marcel Bois FZH Hamburg, Neue Geschichte Prof. Dr. Andreas Fisahn Uni Bielefeld, Rechtswissenschaft Jun. Prof. Dr. Martin Horsch Uni Stuttgart, Informatik Prof. Dr. Manuela Bojadzijev HU Berlin, Politikwissenschaft Prof. Dr. Andreas Fischer-Lescano Uni Bremen, Öffentliches Recht Dr. Anne Huffschmid FU Berlin, Kulturwissenschaft Prof. Dr. Dieter Boris Uni Marburg, Soziologie Univ.-Prof. Dr. Peter Fleissner TU Wien, Informatik Prof. Dr. Thomas Alkemeyer Uni Oldenburg, Soziologie Prof. Dr. Ulrich Brand Uni Wien, Politikwissenschaft Dr. Freia Anders JGU Mainz, Geschichte Prof. Dr. Thomas Bremer Uni Halle, Kulturwissenschaft Dr. Fabian Frenzel Uni Leicester, Gesellschaftswissenschaften Prof. Dr. Melanie Jaeger-Erben BTU Cottbus, Technik- und Umwelt­ soziologie Prof. Dr. Jörg Arnold MPI Freiburg, Strafrecht Prof. Dr. Micha Brumlik SSZ Berlin, Erziehungswissenschaft Dr. Felix Axster TU Berlin, Mittlere und neuere Geschichte Prof. Dr. Hauke Brunkhorst Uni Flensburg, Soziologie Prof. Dr. Ravi Ahuja GAU Göttingen, Moderne indische Geschichte Dr. Dr. Dario Azzellini Uni Cornell, Soziologie Prof. Dr. Kurt Bader Uni Lüneburg, Psychologie Dr.-Ing. Andre Baier TU Berlin, Allgemeine Ingenieur­ wissenschaft Dr. Nils Baratella Uni Oldenburg, Philosophie Prof. Dr. Klaus Bastian HTWK Leipzig, Studium Fundamentale Dr. Gisela Baumgratz Intercultural Education PD Dr. Johannes M. Becker Uni Marburg, Friedens- und Konfliktforschung Prof. Dr. Julia Becker Uni Osnabrück, Sozialpsychologie Prof. Dr. Lale Behzadi Uni Bamberg, Arabistik Prof. Dr. Bernd Belina Uni Frankfurt a. M., Humangeographie apl. Prof. Dr. Sebastian Berg Uni Bochum, Anglistik Prof. Dr. habil. Rita Bernhardt Uni Saarbrücken, Biologie Dr. Peter Bescherer FSU Jena, Soziologie Prof. Dr. Henning Best TU Kaiserslautern, Soziologie Dr. Margrid Bircken Literaturwissenschaft Dr. Peter Birke GAU Göttingen, Soziologie 66 PD Dr. Anne Maximiliane Jäger-Gogoll Uni Marburg, Literaturwissenschaft Dr. Jens Gaitzsch LI Dresden, Chemie Dr. Carsten Jakobi JGU Mainz, Literaturwissenschaft Dr. Udo Gerheim Uni Oldenburg, Bildungswissenschaft Dr. Lisa Janotta TU Dresden, Soziale Arbeit Prof. Dr. Christian Brütt HS Darmstadt, Soziale Arbeit Dr. Johanna Gold Uni Bielefeld, Erziehungswissen­ schaften Dr. Alke Jenss Uni Freiburg, Soziologie Prof. Dr. Michael Buckmiller Gesellschafts­wissenschaften PD Dr. Stefanie Graefe FSU Jena, Soziologie Dr. Zülfukar Çetin EV HS Berlin, Soziologie Prof. Dr. Melanie Groß FH Kiel, Gesellschaftswissenschaften Dr. Georgia Christinidis Uni Rostock, Kulturwissenschaft apl. Prof. Dr. Hermann-Josef Große Kracht TU Darmstadt, Katholische Theologie Dr. Karin Cudak Uni Flensburg, Gesellschafts­ wissenschaften Dr. Antonia Davidovic-Walther Uni Heidelberg, Kulturanthropologie apl. Prof. Dr. Alex Demirović Uni Frankfurt a. M., Soziologie Dr. habil. Christian Dietrich EUV Frankfurt (Oder), Geschichte Prof. Dr. Alexander Dietz HS Hannover, Diakoniewissenschaft Dr. Ina Dietzsch Uni Marburg, Ethnologie PD Dr. Kristin Eichhorn Uni Paderborn, Neuere deutsche Literatur Prof. Dr. Andreas Eis Uni Kassel, Gesellschaftswissen­ schaften Prof. Dr. Esra Erdem ASH Berlin, Gesellschaftswissen­ schaften Dr. Mechthild Exo HS Emden/Leer, Soziale Arbeit Prof. Dr. Karim Fereidooni Uni Bochum, Sozialwissenschaft Prof. Dr. Encarnación Gutiérrez Rodríguez JLU Gießen, Soziologie Dr. Petra Jung Uniklinik Freiburg, Humanmedizin Prof. Dr. Ingrid Jungwirth HSRW Kleve, Gesellschaftswissenschaften Prof. Dr. Olaf Kaltmeier Uni Bielefeld, Geschichte Dr. Florian Kappeler GAU Göttingen, Neuere deutsche Literatur Dr. Noa Ha DeZIM, Sozialwissenschaft Prof. Dr. Juliane Karakayali EV HS Berlin, Gesellschafts­ wissenschaften Prof. Dr. Felix Hanschmann HS Hamburg, Öffentliches Recht Dr. Serhat Karakayali HU Berlin, Gesellschaftswissenschaften Dr. Johan Hartle ABK Wien, Philosophie Dr. Ismail Karatepe Uni Kassel, Gesellschaftswissen­ schaften Dr. Tino Heim TU Dresden, Soziologie Prof. Dr. Arne Heise Uni Hamburg, Wirtschaftswissenschaft Dr. Frank Henschel CAU Kiel, Neuere und neueste Geschichte Dr. Jutta Hergenhan JLU Gießen, Politikwissenschaft Dr. Cordelia Heß Uni Greifswald, Geschichte Prof. Dr. Sabine Hess GAU Göttingen, Gender Studies Prof. Dr. Uwe Hirschfeld Politikwissenschaft Prof. Dr. Rainer-W. Hoffmann GAU Göttingen, Gesellschafts­ wissenschaften Prof. Dr. Klaus Peter Kisker FU Berlin, Volkswirtschaftslehre Prof. Dr. Raimund Krämer Uni Potsdam, Sozialwissenschaft Prof. Dr.-Ing. Jürgen Krause FH Nordhausen, Automatisierungs­ technik Prof. Dr. Franz Kasper Krönig TH Köln, Pädagogik Dr. Timmo Krüger Uni Weimar, Politikwissenschaft Prof. em. Dr. Ingrid Kurz-Scherf Uni Marburg, Gender Studies Prof. Dr. Friederike Kuster Uni Wuppertal, Philosophie Dr. Rosa Lehmann Uni Heidelberg, Politikwissenschaft Prof. Dr. Stefan Paulus FHS St. Gallen, Soziologie Prof. Dr. Jörg Schmidt HS Anhalt, Wirtschaftswissenschaft Prof. Dr. Fabian Virchow HS Düsseldorf, Soziologie Prof. Dr. Kirsten Lehmkuhl TU Berlin, Erziehungswissenschaft Prof. Dr. Martin Pinquart Uni Marburg, Psychologie Prof. Dr. Reimund Schmidt-De Caluwe Uni Halle, Rechtswissenschaft Univ.- Prof. Dr. Friedemann Vogel Uni Siegen, Germanistische Linguistik Prof. Dr. Stephan Lessenich Uni Frankfurt a. M., Soziologie Prof. Dr. Jan Pinseler FH Magdeburg, Kommunikations­ wissenschaft Dr. Imke Schmincke LMU München, Soziologie Prof. Dr. Janis Voigtländer Uni Duisburg, Informatik Prof. Dr. Lars Schmitt HS Düsseldorf, Soziologie Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß HS Merseburg, Sexualwissenschaften Prof. Dr.-Ing. Volker Schöppner Uni Paderborn, Maschinenbau Dr. Benjamin Wachtler RKI Berlin, Public Health Prof. Dr. Andreas Schröder BTU Cottbus, Physik Ass. Prof. Dr. Thomas Waitz Uni Wien, Medienwissenschaft Dr. Matthias Rätzer Sozialwissenschaft Dr. Jörg Schröder Uni Rostock, Sportwissenschaft Dr. habil. Jan Rehmann Uni New York, Philosophie Dr. Frank Schubert Uni Potsdam, Medienwissenschaft Prof. Dr. Hans Walz HS Weingarten, Gesellschafts­ wissenschaften Prof. Dr. Kai Marquardsen FH Kiel, Soziologie Prof. Dr. Katrin Reimer-Gordinskaya FH Magdeburg, Gesellschafts­ wissenschaften Dipl. Klaus-Dieter Schubert Uni Halle, Verkehrswesen Prof. Dr. Nadine Marquardt Uni Bonn, Humangeographie Prof. Dr. Ursula Reitemeyer Uni Münster, Erziehungswissenschaft Prof. Dr. Angela Martini Slawistik Prof. Dr. Tilman Reitz FSU Jena, Soziologie Priv.-Doz. Dr. Reiner Marx Literaturwissenschaft Prof. Dr. Steffi Richter Uni Leipzig, Japanologie Dr. Christian Seipel Uni Hildesheim Gesellschaftswissenschaften Prof. Dr. Michael May HS Rhein-Main, Soziale Arbeit Dr. Dominik Rigoll ZZF Potsdam, Geschichte Prof. Dr. Detlef Siegfried Uni Kopenhagen, Zeitgeschichte Prof. Dr. Nicole Mayer-Ahuja GAU Göttingen, Soziologie Prof. Dr. Eckhard Rohrmann Uni Marburg, Erziehungswissenschaft Dr. Alexander Silbersdorff GAU Göttingen, Statistik Prof. Dr. Wolfgang Menz Uni Hamburg, Soziologie Dr. Sven Rößler PHS Weingarten, Politische Bildung Prof. Dr. Hans-Dieter Sill Uni Rostock, Mathematik Dr. Jana Mikota Uni Siegen, Germanistik apl. Prof. Dr. Karla Rost TU Chemnitz, Mathematik Prof. Dr. Matthias Naumann Uni Klagenfurt, Geographie Prof. Dr. Werner Ruf Gesellschaftswissenschaften Dr. Robert Sommer HU Berlin, Geschichts- und Kultur­ wissenschaft Prof. Dr. John P. Neelsen Uni Tübingen, Gesellschafts­ wissenschaften Prof. Dr. Oliver Rump HTW Berlin, Museologie Prof. Dr. Manfred Liebel FH Potsdam, Bildungswissenschaft Prof. Dr. Daniel Loick Uni Amsterdam, Philosophie Prof. Dr. Volker Lüderitz FH Magdeburg, Agrarwissenschaft Dr. Jens Maeße JLU Gießen, Gesellschaftswissen­ schaften Dr. Stefania Maffeis EHS Dresden, Philosophie Dr. Filomain Nguemo Uni Köln, Neurowissenschaften Univ.-Prof. Dr. Roberto Nigro Uni Lüneburg, Philosophie Prof. Dr. Karoline Noack Uni Bonn, Sprach- und Kulturraum­ wissenschaften Dr. Kathrin Plank Uni Passau, Erziehungswissenschaft Prof. Dr. Andrea Plöger ASH Berlin, Kultur- und Medien­ pädagogik Prof. Dr. Ulrich Ruschig Uni Oldenburg, Philosophie Dr. David Salomon Uni Hildesheim, Politikwissenschaft Dr. Martin Sauber Uni Hamburg, Wirtschaftswissenschaft Dr. Markus Sauerwein FFH Düsseldorf, Soziale Arbeit Dr. Salvador Oberhaus Geschichte Dr. Wolfram Schaffar Uni Passau, Südostasienwissenschaft Prof. Michaela Ott HFBK Hamburg, Ästhetische Theorien Prof. Dr. Barbara Schäuble ASH Berlin, Soziale Arbeit Prof. Dr. Christof Parnreiter Uni Hamburg, Geographie Prof. Dr. Renatus Schenkel FH Magdeburg, Journalistik Prof. Dr. Marc Partetzke Uni Hildesheim, Politikwissenschaft Prof. Tilman Schiel Uni Passau, Südostasienwissenschaft Dr. Christian Paschke Uni Halle, Rechtswissenschaft Prof. Dr. Ina Schildbach OTH Regensburg, Politikwissenschaft Prof. Dr. Volker Schürmann DSHS Köln, Philosophie Dr. Francis Seeck FH Neubrandenburg, Soziale Arbeit Prof. Dr. Klaus Weber FH München, Psychologie Prof. Dr. Martina Weber HS Emden/Leer, Gender Studies Prof. Dr. Barbara Wedler FH Mittweida, Gesellschafts­ wissenschaften Prof. Dr. Klaus Weinhauer Uni Bielefeld, Geschichte PD Dr. Wolfgang Weiß Uni Greifswald, Geographie Prof. Dr. Felix Wemheuer Uni Köln, Sinologie Dr. Christa Wichterich Soziologie Dr. Maria Katharina Wiedlack Uni Wien, Gender Studies Prof. Dr. Hanns Wienold Soziologie Prof. Dr. Ruth Sonderegger ABK Wien, Philosophie Dr. Kathrin Wildner HCU Hamburg, Urban Studies Prof. Dr. Susanne Spindler HS Düsseldorf, Soziologie Prof. Dr. Werner Winzerling HS Filda, Informatik Dr. Anja Steidinger HFBK Hamburg, Kunstpädagogik Prof. Dr. Markus Wissen HWR Berlin, Politikwissenschaft Prof. Dr. Chris Tedjasukmana JGU Mainz, Filmwissenschaft Prof. Dr. Dipl.-Psych. Markus Wöhr Uni Marburg, Psychologie Dr. Angelika Timm Politikwissenschaft Prof. Dr. Patrizia Tolle FH Frankfurt a. M., Soziale Arbeit Dr. Benedikt Wolf Uni Bielefeld, Germanistische Literaturwissenschaft Dr. Ben Trott Uni Lüneburg, Philosophie Prof. Dr. Gabriel Wollner Uni Bayreuth, Philosophie Dr. Vassilis Tsianos FH Kiel, Philosophie Prof*in Dr*in. Safiye Yildiz IUBH Köln, Pädagogik Dr. Pinar Tuzcu Uni Kassel, Soziologie PD Dr. Aram Ziai Uni Kassel, Gesellschafts­ wissenschaften Univ.-Prof. Dr. Roland Verwiebe Uni Potsdam, Soziologie Dr. Birgit zur Nieden HU Berlin, Sozialwissenschaft 67 POLITISCHE KOMMUNIKATION 2021 war für die Politische Kommunikation ein Jahr des fortgesetzten Experimentierens. Neue und dauerhafte digitale Formate waren in der Pandemiesituation gefragt, um im Ringen um die öffentliche Wahrnehmung auch dann mithalten zu können, wenn keine oder nur sehr eingeschränkt Veranstaltungen in Präsenz stattfinden können. Und das im Jahr des 150. Geburtstages unserer Namensgeberin. Das Experimentieren begann am 4. und 5. März mit einem facettenreichen digitalen Festprogramm und einer englischsprachigen Online-Konferenz. Als eine «Ermutigung in Zeiten der Pandemie und anderer Katastrophen» sollte das deutschsprachige Programm wirken, das Leben und Werk Rosa Luxemburgs würdigte. Mehr als 3.500 Zuschauer*innen verfolgten die Livestreams, etwa 14-mal so viele, wie unser großer Saal fasst. Eine kurze Corona-Verschnaufpause im Sommer änderte nichts daran: 70 Prozent der 231 öffentlichen Veranstaltungen wurden ausschließlich digital oder hybrid durchgeführt. Im zweiten Corona-Jahr haben wir die Nutzung der dpa-Tochter Newsaktuell für die Versendung unserer Presseinformationen weiter intensiviert. Auf die 23 Aussendungen, die gleichrangig mit dpa-Meldungen angezeigt werden, griffen 40.666 Nutzer*innen zu, was im Schnitt 1.768 Zugriffe pro Meldung bedeutet. Trotz Corona konnten wir unsere Kontakte zu Journalist*innen weiter ausbauen. Wenn die Einschränkungen durch die Pandemie etwas Gutes hatten: Es wurde insgesamt mehr gelesen – analog und digital. Die Gesamtauflage unserer Druckerzeugnisse betrug knapp 50.000 Exemplare. Die Nachfrage nach unserem Online-Angebot ist im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent gestiegen, unsere Webseite www.rosalux.de verzeichnete damit fast 2,8 Millionen Besuche. Mit mehr als 1.000 Publikationen (darunter unser neues Format «luxemburg beiträge») und Artikeln sowie mehr als 1.100 Nachrichten und Berichten kamen wir diesem Informationsbedürfnis gern nach. Auch der Zugriff auf unsere Angebote in den sozialen Medien stieg merklich an. 769 Beiträge erschienen allein auf unserer deutschsprachigen Facebook-Seite, die Zahl der Abonnements stieg auf 84.624. Unsere Beiträge bekamen 121.648 Likes, 10.882 Kommentare und wurden 25.630-mal geteilt. Unsere dort und in unserem YouTube-Kanal eingestellten Videos wurden 52.350 Minuten lang angesehen. Die Zahl unserer Follower*innen auf Twitter stieg um fast 14 Prozent auf 35.833. Im Januar war unser neuer Instagram-Kanal an den Start gegangen und vermittelte einer jüngeren Zielgruppe Einblicke in die Stiftungsarbeit. Mit 218 veröffentlichten Beiträgen erreichten wir über 1,1 Millionen Kontakte. Der Kanal konnte innerhalb eines Jahres mehr als 7.000 Follower*innen gewinnen. Fazit: Das Experiment ist geglückt, der Bereich Politische Kommunikation ist jetzt durchdigitalisiert! 68 Die künstlerisch bearbeiteten Porträts der Theoretiker*innen stammen von Navid Thürauf. PODCAST MIT GEBRAUCHSWERT DER THEORIEPODCAST DER ROSA-LUXEMBURG-STIFTUNG STARTETE 2021 «Too long, didn’t read» – so geht es vielen von uns, wenn wir an das unvollendete Passagenwerk von Walter Benjamin oder die 2.000 Seiten «Gefängnishefte» von Antonio Gramsci denken. «Aller Anfang ist schwer, gilt in jeder Wissenschaft», schrieb Marx zur Einführung in sein Hauptwerk «Das Kapital» und bereitete damit Generationen von Studierwilligen auf endlose Stunden mit Tauschwert und Gebrauchswert, konstantem und variablem Kapital und dem Fetischcharakter der Ware vor. Die linke Theoriebildung hat sich seitdem weiterentwickelt und verästelt, kaum jemand kann dem «Kältestrom» (Ernst Bloch) der nüchternen materialistischen Gesellschaftsanalyse und -theorie in Gänze folgen. Mit dem Theoriepodcast versuchen wir, Überblicke über zentrale Werke marxistischer, feministischer, postkolonialer, poststrukturalistischer und Kritischer Theoretiker*innen zu vermitteln. Die verschiedenen Theorietraditionen wollen wir in ihren gegenseitigen Bezügen und Beeinflussungen erläutern, sodass nach und nach das geronnene Wissen von Akteur*innen und Bewegungen aufgeschlüsselt werden kann. Alex Demirović, der als Vorstandsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung und emeritierter Professor für politische Theorie, ein profundes Wissen über theoretische Ansätze besitzt, führt jeweils in das entsprechende Werk ein. Er bereitet wichtige biografische Stationen und Einflüsse der Autor*innen auf und vertieft sie in einer Diskussion mit Expert*innen. Wo sind zentrale Gedankengänge der Autor*innen auszumachen, wie wurden die Denkweise und die kritische Analyse erweitert? Welche Verbindungen zu anderen theoretischen Schulen gibt es, wo finden sich Bezüge zu anderen Theoretiker*innen? Wo sind Anknüpfungspunkte für heutige Debatten und Fragestellungen vorhanden? Worin bestehen die unabgegoltenen Potenziale der Theorien? Im ersten Jahr seit Start des Podcasts haben wir Werke von Rosa Luxemburg, Karl Marx, Antonio Gramsci, Michel Foucault, Edward Said, Étienne Balibar und Immanuel Wallerstein, Walter Benjamin, Nicos Poulantzas, Theodor W. Ador­ no und Max Horkheimer, Silvia Federici, Donna Haraway und Stuart Hall präsentiert. Namhafte Gäste wie Lia Becker, Manuela Bojadžijev, Alexander Gallas, Katharina Hoppe, Rahel Jaeggi, Serhat Karakayalı, Andrea Kretschmann, María do Mar Castro Varela, Miriam Pieschke, Nora Räthzel, Susanne Schulz und Ruth Sonderegger waren zu Gast. Mittlerweile haben mehr als 16.000 Personen die Sendung über die verschiedenen Podcatcher abonniert, zudem gibt es bis zu 2.000 Aufrufe über Soundcloud auf der Webseite der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Monatlich kommen derzeit 2.000 neue Hörer*innen dazu. Das zeigt das Potenzial im boomenden Segment der Wissenspodcasts und auch das Bedürfnis nach Wissen und Bildung im digitalen Raum. Im Jahr 2022 werden im Theoriepodcast Beiträge folgen über die Hauptwerke von Louis Althusser, W. I. Lenin, Frantz Fanon, Judith Butler, Antonio Negri/Michael Hardt, bell hooks, Dipesh Chakrabarty, Ernst Bloch und Gayatri Chakravorty Spi- DIE ROSA-LUXEMBURG-STIFTUNG IN DEN SOZIALEN MEDIEN FACEBOOK www.facebook.com/rosaluxstiftung TWITTER twitter.com/rosaluxstiftung DIASPORA diasporafoundation.org YOUTUBE www.youtube.com/user/rosaluxstiftung FLICKR www.flickr.com/photos/rosalux SOUNDCLOUD https://soundcloud.com/rosaluxstiftung 69 POLITISCHE KOMMUNIKATION vak. Die Podcasts erleichtern den Einstieg zum Selbstlesen oder geben einen Überblick über Thesen und Schlagwörter, die das Dickicht der Theorie etwas lichten. So ist ein Bildungsmaterial entstanden, das anspruchsvolle Theorie eingängig vermittelt, Denkanstöße liefert und zum Nachlesen und Mitdenken anregt. @ROSALUXSTIFTUNG DIE STIFTUNG IN DER SCHNELLLEBIGEN WELT VON INSTAGRAM Seit Januar 2021 ist die Rosa-Luxemburg-Stiftung auch auf Instagram präsent. Begleitend zum Projekt «Rosa150» startete der Account zunächst mit Einblicken in Rosa Luxemburgs Leben und Wirken. Im Laufe des Jahres wurden die Themen vielfältiger, inzwischen präsentieren wir unsere Publikationen, Artikel und Veranstaltungen, vermitteln Eindrücke aus dem Stiftungsalltag und erinnern an wichtige linke Persönlichkeiten und Ereignisse. Zweck ist nicht nur, unsere Arbeit abzubilden, sondern die politische Bildung selbst. Wir wollen die Nutzer*innen in ihrem Alltag abholen, Denkanstöße geben und ihnen häppchenweise Wissen mitgeben. Dies erreichen wir nicht zuletzt, indem wir unsere Inhalte den Funktionsweisen der Plattform anpas- sen. So nutzen wir nicht nur klassische Text- und Bildelemente, sondern auch Kurzvideos oder humoristische Elemente wie Memes. Instagram als Plattform basiert auf Schnelllebigkeit: Unendlich viele Inhalte werden sekündlich zur Verfügung gestellt. Mit unserem Account wollen wir in diesem meist pop- und jugendkulturell geprägten Chaos linke Themen und Perspektiven sichtbar machen und durch qualitative Beiträge den Nutzer*innen, insbesondere solchen, die bisher wenig politisiert sind, hilfreiche Wissensgrundlagen liefern. Und das kommt an: Mit insgesamt 218 Beiträgen konnten wir 2021 mehr als 1,1 Millionen Personen erreichen und haben derzeit (März 2022) über 8.500 Follower*innen – Tendenz steigend. Besonders erfolgreich hinsichtlich der Reichweite war für uns die Nutzung von Reels, einem Kurzvideoformat auf Instagram. Mit Videos über neue Folgen unseres Geschichtspod­ casts «rosalux history», über die Kritik an der Ampelpolitik im Hinblick auf das Gesundheitswesen und die Klimagerechtigkeit sowie Erklärungen des Kafala-Systems in Katar im Rahmen des Projekts zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 haben wir jeweils mehrere Zehntausend Nutzer*innen erreicht. Neben dem Hauptkanal gibt es noch weitere Accounts der Stiftung mit einem stärkeren thematischen Fokus, wie zum Beispiel @rosalux_klima, @rosalux_history, @rosalux_migration und @rosalux_kritischerkonsum. Mit der Vielfalt an Kanälen können wir als Stiftung sowohl einen Überblick über unsere Arbeit geben und politische Bildung betreiben als auch unseren Schwerpunkten ausreichend Raum bieten. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung ist nun auch auf Instagram mit einem eigenen Account präsent. Auch wenn wir als linke Stiftung soziale Netzwerke wie Instagram (das ebenso wie Facebook zum Konzern Meta gehört) selbstverständlich mit einer gewissen Skepsis und Kritik betrachten, so ist die Nutzung fast unabdingbar, wenn wir jüngere Zielgruppen erreichen wollen. Über 70 Prozent unserer Follower*innen auf Instagram sind zwischen 13 und 34 Jahre alt. Wenn wir mit unserer Gesellschaftskritik und unseren linken Perspektiven auf das Weltgeschehen weiterhin eine hohe Wirkung erzielen wollen, so müssen wir die Aktivitäten auf den Social-Media-Plattformen ausbauen und uns in diesem Kontext auch auf neue Wege der digitalen Kommunikation und politischen Bildung einlassen. Wer das nicht verpassen will, folgt uns gern auf @rosaluxstiftung. Wir haben 2021 nicht nur unseren eigenen Kanal aufgebaut, sondern auch das Phänomen Instagram im Rahmen unserer im Juni erschienenen Studie «Visueller Aktivismus mit Instagram» (www.rosalux.de/publikation/id/44580) analysiert. Mit Workshops geben wir zudem interessierten Nutzer*innen praktische Hilfestellungen, um Instagram erfolgreich auch in der eigenen politischen Arbeit nutzen zu können: Ausgebucht waren etwa die Seminare zu Handlungsstrategien gegen Hass im Netz und zur kritischen Sicht auf den (werblichen) Einfluss von Influencer*innen auf Social-Media-Plattformen. 70 POLITISCHE KOMMUNIKATION AUSGEWÄHLTE PUBLIKATIONEN DER ROSA-LUXEMBURG-STIFTUNG Nadja Rakowitz Applaus ist nicht genug Mythen, Probleme und Kämpfe rund um das Krankenhauswesen in Corona-Zeiten luxemburg argumente Nr. 19, 44 Seiten ISSN 2193-5831 Jörn Boewe, Stephan Krull, Johannes Schulten E-Mobilität – ist das die Lösung? Eine Befragung von Beschäftigten zum sozial-ökologischen Umbau der Autoindustrie luxemburg beiträge Nr. 1, 84 Seiten ISBN 978-3-948250-35-5 Eva Völpel Rückverteilen Verschärfte Kämpfe um die Zukunft und Finanzierung des Sozialen luxemburg beiträge Nr. 3, 52 Seiten ISSN 2749-0939 Hendrik Sander Wer bezahlt die mobilitätsgerechte Stadt? Instrumente für eine alternative Finanzierung des ÖPNV luxemburg beiträge Nr. 7, 80 Seiten ISSN 2749-093 Melanie Stitz, Paul Wellsow Wie geht politische Bildung? Schritt für Schritt zur erfolgreichen Veranstaltung Bildungsmaterialien, 44 Seiten ISBN 978-3-948250-37-9 Redaktionsgruppe Die Genossen­schaftler*innen Selbstverwaltet und solidarisch wohnen Genossenschaften und ihre Bedeutung für eine gemeinwohlorientierte Wohnungspolitik Broschur, 96 Seiten ISBN 978-3-948250-31-7 Rosa-Luxemburg-Stiftung (Hrsg.) Atlas der Versklavung Daten und Fakten über Zwangsarbeit und Ausbeutung Broschur, 60 Seiten ISBN 978-3-948250-40-9 Michael Brie Friedrich Engels und die Wohnungsfrage Interventionen in einem strategischen Suchprozess Broschur, 80 Seiten ISBN 978-3-948250-46-1 Vera Weghmann Daseinsvorsorge und Rekommunalisierung Eine Handreichung Broschur, 128 Seiten ISBN 978-3-948250-38-6 Benjamin Luig Bittere Orangen Der Export von Zitrusfrüchten von Südafrika nach Deutschland Drahtgeheftet, 48 Seiten ISBN 978-3-948250-27-0 Alle Publikationen, mit Ausnahme der im Karl Dietz Verlag Berlin erschienenen, stehen als kostenlose Downloads zur Verfügung. Wolfram Adolphi (Hrsg.) Heinrich Fink Frieden als Lebensgrundsatz Manuskripte Neue Folge 29, 144 Seiten ISSN 2194-864X Vincent Streichhahn #Ländersache Sachsen-Anhalt vor der Wahl luxemburg report, 20 Seiten ISSN 2747-9617 Anne Goldenbogen, Sarah Kleinmann Aktueller Antisemitismus in Deutschland Verflechtungen, Diskurse, Befunde Studien 1/2021, 50 Seiten ISSN 2194-2242 Tanja Maier Visueller Aktivismus mit Instagram Politische Kommunikation in sozialen Medien Studien 10/2021, 28 Seiten ISSN 2194-2242 Katrin Nicke Linke Akteure in den Städten und Gemeinden Zum Zustand der Demokratie und zur Rolle der Partei auf kommunaler Ebene Studien 13/2021, 58 Seiten ISSN 2194-2242 Søren Mau Stummer Zwang Eine marxistische Analyse der ökonomischen Macht im Kapitalismus Aus dem Englischen von Christian Frings Broschur, 360 Seiten ISBN 978-3-320-02384-3 Timo Daum, Sabine Nuss (Hrsg.) Die unsichtbare Hand des Plans Koordination und Kalkül im digitalen Kapitalismus Broschur, 270 Seiten ISBN 978-3-320-02382-9 VERLAGSKOOPERATIONEN ARGUMENT-VERLAG Mario Candeias (Hrsg.) Klassentheorie Vom Making und Remaking Broschur, 560 Seiten ISBN 978-3-86754-517-4 VSA: VERLAG IM KARL DIETZ VERLAG BERLIN Andrej Holm (Hrsg.) Wohnen zwischen Markt, Staat und Gesellschaft Ein sozialwissenschaftliches Handbuch Broschur, 248 Seiten ISBN 978-3-96488-080-2 Ishay Landa Der Lehrling und sein Meister Liberale Tradition und Faschismus. Aus dem Englischen von Raul Zelik Broschur, 408 Seiten ISBN 978-3-320-02383-6 Jane McAlevey Macht. Gemeinsame Sache Gewerkschaften, Organizing und der Kampf um die Demokratie Broschur, 216 Seiten ISBN 978-3-96488-115-1 71 BERICHTE AUS DER STIFTUNG DIE KLINKE IN DIE HAND NEHMEN Ein Tag der offenen Tür unter Pandemiebedingungen ist frei nach Bertolt Brecht «das Einfache, das schwer zu machen ist». Dennoch öffnete die Rosa-Luxemburg-Stiftung am Sonn­tag, dem 5. September 2021, ihr neues Gebäude für Kooperationspartner*innen, politische Mitstreiter*innen und weitere Gäste. Es galt, im Vorfeld einige Hindernisse zu überwinden: Durch die steigenden Infektionszahlen war schnell klar, ein «freier Zugang» zum Gebäude ist ausgeschlossen. Zutritt hatten nur Personen, die geimpft, genesen oder getestet waren. Ein Hygienekonzept und ein Wegeleitsystem mussten erarbeitet und umgesetzt werden. Das Programm war ambitioniert. Die Stimmung im bereichsübergreifenden Vorbereitungsteam und im Veranstaltungsmanagement schwankte zwischen Optimismus und Skepsis. Und dann kam noch der Lokführerstreik dazu. Trotz all dem war der Tag ein Erfolg. Im großen Saal fanden vier Podiumsdiskussionen statt. Die Redner*innen sprachen nacheinander über Mythen und Behauptungen in der aktuellen Wohnungspolitik, die Profitlogik im deutschen Gesundheitssystem und ihre Folgen, darüber, wie der Klimawandel unser Leben verändern wird, und über postmigrantische Realitäten in Ost und West. Knapp 100 Personen waren im großen Saal, der sonst 300 Menschen fasst. Deshalb übertrugen wir alle Beiträge live. Damit das Ganze funktionierte, musste der Face­ book-Livestream pünktlich starten, sonst wäre es das gewesen ... Bei den im Stundentakt stattfindenden Diskussionsrunden mit wechselndem Publikum wurde der pünktliche Beginn zu einer permanenten Herausforderung. Denn welche analoge Diskussionsrunde nimmt es mit der Zeit so genau? Zwischendurch konnten die Besucher*innen die Ausstellung «Krieg und Frieden» im Foyer besichtigen. Rund 80 Tafeln illustrierten das komplexe Thema in sehr verschiedenen Formaten aus unterschiedlichen Perspektiven. Im Untergeschoss zeigten wir Teile der Ausstellung «Schicksal Treuhand – Treuhand-Schicksale», in der ostdeutsche Zeit­ zeug*innen zu Wort kommen und über ihre Erfahrungen in der Wendezeit berichten. Im Heizungsraum lief das künstlerische Forschungsprojekt «TreuhandTechno», das die Treuhandabund die Technoentwicklung Anfang der 1990er-Jahre im Osten untersucht und performativ bearbeitet. Die eigentlich wummernden Bässe der begehbaren Ton- und Videoinstalla­tion des Kollektivs Panzerkreuzer Rotkäppchen mussten gedrosselt werden, damit diese das moderierte Bühnenprogramm mit Livemusik, Talk und Clown hinter dem Haus nicht übertönten. Die Terrassen gehörten den Graffiti-Künstler*innen und solchen, die es werden möchten. Auf der Straßenseite gestalteten Minamania und Mark Straeck ein 35 Meter langes Kunstwerk, in dessen Mittelpunkt das Luxemburg-Zitat «Ich war, ich bin, ich werde sein» stand. Auf der Hofseite setzten sich junge Er72 Spiel und Spaß mit Clown Dolchu. Der erste «Tag der offenen Tür» war gut besucht. Unter dem Titel «Heute ist die Antwort» öffnete die RosaLuxem­burg-Stiftung Anfang September erstmals ihren neuen Stiftungssitz in der Straße der Pariser Kommune 8A für Kooperationspartner*innen, Mitstreiter*innen aus der linken Familie und interessierte Besucher*innen. Gespräche über postmigrantische Realitäten in Ost und West mit Lydia Lierke und Massimo Perinelli im großen Saal. Auf der Freiluftbühne und in den Seminarräumen gab es vielfältige Diskussions­ angebote zu den Stiftungsprojekten. Das Red Swing Trio sorgte im Außenbereich für gute Stimmung. 73 BERICHTE AUS DER STIFTUNG wachsene mit der Rezeption und dem Einfluss Luxemburgs auf die heutige Gesellschaft auseinander. Kinder, Jugendliche und ganze Familien nutzten die Gelegenheit, kostenfrei am Workshop «Sprayen für Anfänger*innen» teilzunehmen. Im Umgang mit der Spraydose ungeübt, ging der ein oder andere Klecks daneben. Gerade dieser Programmpunkt hatte im Vorfeld so manches Kopfzerbrechen bereitet. Letztendlich hat sich bewährt, dass die markanten X-Stützen und das Geländer verhüllt und der Terrassenboden mit Malervlies geschützt wurden. Großen Andrang gab es bei den Hausführungen mit Informationen zu Architektur und nachhaltiger Bauweise sowie dem künstlerischen Projekt «262 Klinken», einer weltweiten kuratierten Türklinken-Tauschaktion mit politischen und gesellschaftlichen Akteuren, die der Rosa-Luxemburg-Stiftung auf unterschiedliche Weise verbunden sind. Man gibt sich sozusagen gegenseitig die Klinke in die Hand und bleibt gerade dadurch nachhaltig in Kontakt. Viele Gäste wollten vor allem einmal die Originalklinke aus dem Haupthaus der Farm Liliesleaf in Rivonia bei Johannesburg berühren, die schon Nelson Mandela in der Hand hatte. Die zeitliche Abfolge der Führungen und der Beginn der Veranstaltungen waren so aufeinander abgestimmt, dass sich so wenig Personen wie möglich auf den Gängen und im Treppenhaus begegneten. Also war bei den Besichtigungen Tempo angesagt. Das passte so gar nicht zu der Bibliothek mit ihrem reichen wissenschaftlichen Bestand und den modernen Arbeitsplätzen für Besucher*innen, der Ausstellung «Asmaras Moderne – Architektur im Wandel der Zeit» des Fotografen Jean Molitor oder dem tollen Blick über die Stadt und die Spree aus den Fenstern der achten Etage. Rückblickend betrachtet waren wir ganz schön mutig. Mit einer Vorbereitungszeit von nur zehn Wochen, die zum Teil auch noch in die Haupturlaubszeit vieler Mitarbeiter*innen und Akteur*innen fiel, sind wir ein hohes Risiko eingegangen, zumal wir vorab keine Chance hatten zu testen, ob ein so breites Programm mit vielfältigen Angeboten im neuen Haus funktioniert. Sind wir mit dem Ergebnis zufrieden? Ja, aber es ist noch ausbaufähig. Unser Wunsch für das nächste Mal? Die Gäste sollen sich die Klinke in die Hand geben! Daniela Trochowski, Geschäftsführerin der Rosa-Luxemburg-Stiftung. «WEGE ENTSTEHEN DADURCH, DASS WIR SIE GEHEN» INTERVIEW MIT DER GESCHÄFTSFÜHRERIN DANIELA TROCHOWSKI 2020 ist die Rosa-Luxemburg-Stiftung 30 Jahre alt geworden. Ein guter Anlass, um auf Erreichtes zurückzublicken und neue Ziele zu definieren. Der Vorstand hat 2021 die Weichen für einen Organisationsentwicklungsprozess (OEP) gestellt und die Geschäftsführung mit der Vorbereitung und Durchführung beauftragt. Welchen Veränderungsbedarf gibt es? Trochowski: Wir sind die größte sozialistische Bildungs- und Forschungsorganisation in der Bundesrepublik. Unser Ziel ist es, die Handlungsmacht linker Akteure zu stärken. Dabei sehen wir unsere Aufgabe darin, linke Aktionen und Debatten in der Gesellschaft zu ermöglichen und voranzubringen. Das ist ein hoher Anspruch. Um ihm – gerade auch in der aktuellen Situation der LINKEN – gerecht zu werden, müssen wir unsere Sichtbarkeit und Wirksamkeit in der Gesellschaft erhöhen und Alleinstellungsmerkmale entwickeln. Dafür ist es wichtig, unsere Themen und Projekte zu schärfen, Ziele und Zielgruppen präziser zu definieren und das Erreichte kritisch zu überprüfen. Diskusionsveranstaltung auf der kleinen Bühne. Welche Ziele verbinden sich mit dem OEP? Trochowski: Der Vorstand hat im vergangenen Jahr ein Grundsatzpapier verabschiedet, in dem er thematische Schwerpunkte, unsere Funktion in der Linken und für linke Akteure in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, aber auch einen Anspruch an öffentliche Wirksamkeit formuliert hat. Im OEP wollen wir die Ressourcen, Strukturen und Abläufe in der Rosa-Luxemburg-Stiftung daran ausrichten. Wir wollen in unserer Arbeit erfolgreicher werden und das heißt unter anderem, dass wir uns stärker fokussieren, strukturelle Synergien schaffen, aber auch bereit und fähig für Veränderungen sein müssen. 74 BERICHTE AUS DER STIFTUNG Wie werden die Mitarbeiter*innen beteiligt? Trochowski: Wir haben immer betont, dass dieser Prozess ein leitungsgetragener Prozess sein wird. Zudem obliegen die Entscheidungen über grundsätzliche Strukturen dem Vorstand. Trotzdem wird es für unsere Kolleg*innen Raum für Diskussionen geben. Ich denke hier zum Beispiel an die konkrete Ausgestaltung von Strukturen und Abläufen, die ja die Kolleg*innen selbst am besten kennen und mit denen sie arbeiten. Über welchen Zeitraum erstreckt sich der OEP? Trochowski: Nach unserer jetzigen Planung wollen wir den Prozess spätestens Anfang 2023 beenden. Wie wird sich die Rosa-Luxemburg-Stiftung zu ihrem 40. Geburtstag präsentieren? Trochowski: Wir haben ein klares Profil und sind von außen wahrnehmbar und erkennbar. Damit finden uns auch diejenigen, die uns bisher vergeblich suchen. Wir sind eine feste Säule in der linken Familie, in linker Wissenschaft, Bündnissen und Gewerkschaften. Für unsere Zielgruppen sind wir die erste Adresse, wenn es darum geht, Wissen zu erlangen, Unterstützung zu suchen, Räume für strategische Diskussionen zu finden, den Bedarf an politischer Bildung und Analyse sowie an den dazu benötigten Werkzeugen und Methoden zu decken. Und: Die Stiftung ist ein lebendiger Ort, in der ehrenamtlich Engagierte als Multiplikator*innen wirken. DREI FRAGEN ZU ZWEI STANDORTEN Was ist die größte Herausforderung, an zwei Standorten zu arbeiten? Schäfgen: Unsere Arbeit erfordert jetzt viel mehr Planung und Absprache. Früher sind wir in das Büro nebenan gegangen, um etwas zu klären, oder haben im Flur kurz eine Frage beantworten können. Jetzt müssen wir die Treffen organisieren. Eine bereichsübergreifende Arbeit muss zusätzliche Hürden überwinden und die Gefahr einer bereichsinternen Abschottung wird größer. Auch für unsere Verwaltung ist die Arbeit an zwei Standorten eine große Umstellung: IT und Netzwerktechnik müssen an beiden Orten zur Verfügung gestellt und gewartet, die Büros im «Altbau» müssen renoviert werden, um weitgehend ähnliche Arbeitsverhältnisse zu gewährleisten. Und die Kolleg*innen im FMP1 müssen längere Wege auf sich nehmen, um Veranstaltungen durchzuführen oder zentrale Bereiche der Stiftung zu erreichen. Welche Ideen haben die Kolleg*innen entwickelt, sich trotz der zwei Standorte miteinander auszutauschen? Schäfgen: Inhaltlich ist das ZID über zahlreiche Themen, Projekte und Netzwerke mit dem Hauptsitz verbunden. Auch ist allen klar, dass wir immer noch eine Stiftung sind. Gelegentlich halten wir unsere Leitungssitzungen im FMP1 ab. Außerdem finden regelmäßig After-Work-Events im FMP1 statt. Es gibt Begegnungen wie den «feministischen Mittagstisch» oder den offenen ver.di-Lunch. Und wir haben im letzten Jahr ein Sommerfest organisiert, an dem viele Kolleg*innen teilgenommen haben. INTERVIEW MIT KATRIN SCHÄFGEN Seit die Rosa-Luxemburg-Stiftung ihr neues Gebäude an der Straße der Pariser Kommune 8A bezogen hat, arbeiten die Berliner Kolleg*innen an zwei Standorten. Das Zentrum für internationalen Dialog und Zusammenarbeit (ZID) ist am FranzMehring-Platz 1 (FMP1) geblieben. Katrin Schäfgen, stellvertretende Geschäftsführerin, berichtet über Herausforderungen und Chancen der räumlich geteilten Stiftung. Welche Chancen und positiven Dynamiken siehst du in der aktuellen Situation? Schäfgen: Wenn wir «eine Stiftung an zwei Standorten» wirklich leben wollen, bedarf es der Anstrengung von uns allen. Und diese sehe ich auch. Zum Beispiel finden Sitzungen oder Termine nicht wie selbstverständlich im «Neubau» statt. Positiv ist auch, dass Verabredungen jetzt verbindlicher sind. Für die wichtigen informellen Treffen müssen wir uns noch – nach dem Ende der Pandemie – etwas überlegen. Katrin Schäfgen, stellvertretende Geschäftsführerin der Rosa-Luxemburg-Stiftung. O-Ton Personalreferent: «Ich finde, dass das ZID im neuen Haus fehlt. Die Präsenz aller Bereiche an einem Standort würde Chancen bieten und für das ZID wäre die Zusammenarbeit mit anderen Bereichen einfacher. Mir fällt als Vorteil des alten Standorts nur ein, dass er Charakter und Geschichte hat.» O-Ton Referentin des Instituts für Gesellschaftsanalyse: «Ich mag das neue Haus und fühle mich hier wohl. An meinem Arbeitsplatz ist es schön hell. Für mich ist einer der größten Nachteile des neuen Hauses, dass man sich kaum mehr spontan trifft, weil wir nun auf sieben Etagen verteilt sind. Im Arbeitsalltag bedeutet das, dass oft kleine und schnelle Absprachen wegfallen.» 75 BERICHTE AUS DER STIFTUNG DIE UNSELBSTSTÄNDIGEN STIFTUNGEN Die Rosa-Luxemburg-Stiftung trägt als Treuhänderin die Verantwortung für sechs unselbstständige Stiftungen (Treuhandstiftungen), die inhaltlich sehr unterschiedlich ausgerichtet sind. So widmet sich die Max-Lingner-Stiftung dem Werk des Malers und Pressegrafikers Max Lingner (1888–1959) und erinnert an die durch Emigration, Krieg und Lagerhaft geprägte Kunst des 20. Jahrhunderts sowie an den kulturellen Aufbruch in der Nachkriegszeit. Die Hermann-HenselmannStiftung fördert die Auseinandersetzung mit Fragen von Architektur, Städtebau und sozialer Stadtentwicklung. Mit der Zusammenarbeit soll die bildungspolitische Arbeit der RosaLuxemburg-Stiftung bereichert und ein breiteres Publikum angesprochen werden. Dafür stehen auch die Harald-Breuer-Stiftung, die vor allem in Afrika tätig ist, und die Erik-Neutsch-Stiftung, die sich mit Fragen von Kunst und Literatur sowie der Bewahrung des Werks von Erik Neutsch beschäftigt. Die Modrow-Stiftung fördert die Kultur des Erinnerns und Gedenkens an Alltag, Arbeit, Kunst, Medien und Kultur in der DDR, und die Clara-Zet- «Weintraubenverkäuferinnen», 1949; Gemälde von Max Lingner. kin-Stiftung – Gedächtnis demokratischer Sozialistinnen und Sozialisten befasst sich mit der deutschen und europäischen Zeitgeschichte im 20. und 21. Jahrhundert sowie mit Biografien von Repräsentant*innen der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. In den Treuhandstiftungen wird eine engagierte und überwiegend ehrenamtliche Arbeit geleistet. Über ihre gesellschaftspolitischen Aktivitäten hinaus tragen die Treuhandstiftungen auch die Mitverantwortung für ein Stiftungsvermögen von über zwei Millionen Euro. Neben den Erlösen aus dem Stiftungskapital wird die inhaltliche Arbeit der Treuhandstiftungen aus öffentlichen Zuwendungen unterstützt, die die Rosa-Luxemburg-Stiftung aus dem Bundeshaushalt erhält. Für die Verwendung dieser Fördermittel haben sich im Kalenderjahr 2021 einige Rahmenbedingungen verändert. Das nahm der Vorstand der Rosa-­Luxemburg-Stiftung zum Anlass, die Weichen für eine Neujustierung der Zusammenarbeit mit den Treuhandstiftungen zu stellen. Dabei ging es neben administrativen Regelungen auch um eine praktikablere An- und Einbindung des Engagements der Treuhandstiftungen in die gesellschaftspolitische Bildungsarbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung. So wurde die strikte Zuordnung der Treuhandstiftungen zu den Bereichsstrukturen der Rosa-Luxemburg-Stiftung aufgehoben und eine zentrale Koordinierungsstelle geschaffen. Zuständig für die Koordinierung ist seit dem 1. Januar 2022 Axel Krumrey (axel.krumrey@rosalux.org). Die unmittelbare Betreuung konkreter Projekte der Treuhandstiftungen handhaben wir künftig flexibler und individueller. Um eine bestmögliche inhaltliche Anbindung zu gewährleisten, werden Cover der Zeitschrift Henselmann. Die herausgebende Hermann-Henselmann-Stiftung unterstützt den Berliner Welterbeantrag zu Architektur und Städtebau der Nachkriegsmoderne. 76 BERICHTE AUS DER STIFTUNG projektbezogen Verantwortliche in der Stiftung benannt. Dabei können wir auf dem Erfahrungsschatz der bisherigen Ansprechpartner*innen Meinhard Tietz und Andrea Reimann aufbauen. AUSGEZEICHNETE WERKE STIFTUNG VERGIBT PREISE FÜR HERVORRAGENDE LEISTUNGEN AUF DEN GEBIETEN VISUELLE KUNST, LITERATUR UND SOZIALWISSENSCHAFTEN VISUELLE KUNST: HANS-UND-LEA-GRUNDIG-PREIS Die HARALD-BREUER-STIFTUNG ist vor allem in Afrika tätig und trägt zu Verständigung und Entwicklungszusammenarbeit bei. Vorsitzende: Evelin Wittich E-Mail: evelin.wittich@rosalux.org www.rosalux.de/stiftung/treuhandstiftungen/harald-breuerstiftung Die ERIK-NEUTSCH-STIFTUNG widmet sich Fragen von Kunst und Literatur sowie der Bewahrung des Werks von Erik Neutsch. Vorsitzende: Evelin Wittich E-Mail: evelin.wittich@rosalux.org www.rosalux.de/stiftung/treuhandstiftungen/erik-neutschstiftung Die MAX-LINGNER-STIFTUNG widmet sich der Pflege und Verbreitung des Werks des Malers und Pressegrafikers Max Lingner (1888–1959). Vorsitzender: Thomas Flierl E-Mail: info@max-lingner-stiftung.de; info@hans-und-leagrundig.de www.max-lingner-stiftung.de Kolonialismuskritik und Kollaboration: Den Hans-und-LeaGrundig-Preis 2021 hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung in der Kategorie Visuelle Kunst an Rajkamal Kahlon für ihr antirassistisches Werk «Die Völker der Erde» sowie an Rudolf Herz für sein dreiteiliges erinnerungspolitisches Projekt «Lenin Komplex» vergeben. In der Kategorie Kunstgeschichte wurde Dorothea Schöne für ihr biografisches Ausstellungsprojekt über den Bildhauer Joseph M. Abbo ausgezeichnet. Natacha Nisic konnte in der Kategorie Kunstvermittlung mit dem Online-Projekt «The Crown Letter» überzeugen, das weltweit Künstlerinnen präsentiert und vernetzt. «Mit dem Fokus der Auslobung auf die Themen Flucht, Exil und Migration ist ein zeitgemäßer Bezug zum Vermächtnis des namensgebenden Künstlerpaars gelungen», sagte Daniela Trochowski, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Rosa-­Luxemburg-Stiftung. Eingereicht worden waren mehr als 240 Arbeiten von Künstler*innen aus der ganzen Welt. Die Preisträgerin Rajkamal Kahlon in ihrem Atelier. Die HERMANN-HENSELMANN-STIFTUNG fördert die Auseinandersetzung mit Fragen von Architektur, Städtebau und sozialer Stadtentwicklung. Vorsitzender: Thomas Flierl E-Mail: info@hermann-henselmann-stiftung.de www.hermann-henselmann-stiftung.de Die MODROW-STIFTUNG fördert die Kultur des Erinnerns und Gedenkens an Alltag, Arbeit, Kunst, Medien und Kultur in der DDR. Vorsitzender: Hans Modrow E-Mail: info@modrow-stiftung.de www.modrow-stiftung.de Die weiteren Preisträger*innen (v. l. n. r.): Dorothea Schöne, Rudolf Herz, Natacha Nisic. Die CLARA-ZETKIN-STIFTUNG – GEDÄCHTNIS DEMOKRATISCHER SOZIALISTINNEN UND SOZIALISTEN beschäftigt sich mit der deutschen und europäischen Zeitgeschichte im 20. und 21. Jahrhundert sowie mit Biografien von Repräsentant*innen der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. Vorsitzende: Anny Heike und Gerd-Rüdiger Stephan E-Mail: clara-zetkin-stiftung@rosalux.org www.rosalux.de/news/id/39808 77 BERICHTE AUS DER STIFTUNG Die Preisverleihung fand am 8. August 2021 im Stiftungsneubau statt. «Mit dem Preis wollen wir junge Autor*innen ermutigen und unterstützen, ihren literarischen Weg zu finden», sagte Evelin Wittich, Vorstandsvorsitzende der Erik-NeutschStiftung, die von dem Schriftsteller im Jahr 2006 gemeinsam mit politischen und literarischen Freund*innen begründet worden war und eine Treuhandstiftung der Rosa-LuxemburgStiftung ist. SOZIALWISSENSCHAFTEN: JÖRG-HUFFSCHMID-PREIS Preisträger*innen (v.l.n.r.): Thomas Lipsky (1. Preis Prosa), Laura Antonia Leschke (2. Preis Lyrik), Tom Aschman (3. Preis Prosa), Velibor Baco (2. Preis Lyrik), Rike Lorenz (2. Preis Prosa), Philip Dingeldey (1. Preis Lyrik), Miou Sascha Hilgenböcker (3. Preis Prosa). Die Preisverleihung sollte am 12. Dezember 2021 im Jüdischen Museum in Frankfurt am Main stattfinden, musste coronabedingt aber ins neue Jahr verschoben werden. Zur Entwicklung des Preises seit der Übernahme der Schirmherrschaft durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung im Jahr 2011 erschien die Broschüre «Kunst als Widerspruch». Informationen zu den Preisträger*innen und die Würdigungen ihrer Arbeiten finden sich auf www.hans-und-lea-grundig.de. LITERATUR: ERIK-NEUTSCH-PREIS Unter dem Titel «Wendepunkte» führte die Erik-Neutsch-Stiftung 2021 ihren Literaturwettbewerb für junge Autor*innen bis 35 Jahre durch. 104 Teilnehmer*innen reichten 84 Prosatexte und 20 Lyrikbeiträge ein. Die ersten Preise gingen an Thomas Lipsky (Prosa) und Philip Dingeldey (Lyrik). Mit zweiten Preisen wurden Rike Lorenz (Prosa) sowie Laura Antonia Leschke und Velibor Baco (beide Lyrik) bedacht. In der Kategorie Prosa gab es dritte Preise für Tom Aschman und Miou Sascha Hilgenböcker. «Wendepunkte verändern das einzelne Leben, entwickeln sich in gesellschaftlichen Fragen, oder sie beschreiben gar Systemwenden, wie sie Neutsch gleich zweifach erlebt hat: mit dem Ende Nazideutschlands in seiner frühen Jugend und später mit dem Mauerfall», hatte es in der Ausschreibung geheißen. Heutige gesellschaftliche Prozesse und Umbrüche, ihre vielfältigen Wendepunkte und wie die junge Generation diese sieht, bewertet, beeinflusst, sollten der Rahmen für die eingesendeten Texte sein. 78 Marie Grasmeier, Madelaine Moore und Simon Schaupp sind für ihre hervorragenden Dissertationen in den Sozialwissenschaften mit dem Jörg-Huffschmid-Preis ausgezeichnet worden. Grasmeier untersuchte die Berufskultur in der globalen Handelsflotte. Sie rekonstruierte, wie Seeleute – trotz rassistischer, nationalistischer und geschlechtlicher Abgrenzungen in den Mannschaften – eine international verbreitete berufliche Identität entwickelt haben und mit ihrer Arbeit zur Aufrechterhaltung der transnationalen Produktionsnetzwerke im globalisierten Kapitalismus beitragen. Moore hat die Kämpfe gegen die Privatisierung der Wasserversorgung in Australien und Irland verglichen. Ansätze der Bewegungsforschung, der kritischen politischen Ökonomie, der politischen Ökologie und der feministischen Theorie der sozialen Reproduktion verbindend, konnte sie grundlegende Schlüsse bezüglich der gegenwärtigen politischen Konjunktur ziehen. Schaupp hat untersucht, wie die algorithmische Steuerung die Arbeitsprozesse verändert, wie Beschäftigte sich digitale Technologien aneignen und welche Momente der Selbstorganisation damit verbunden sind. Die Preisverleihung fand am 12. November 2021 im Haus der Wissenschaft in Bremen statt. Die Auszeichnung im Gedenken an den Ökonomen Jörg Huffschmid (1940–2009) wurde zum sechsten Mal durch die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, Attac Deutschland, die EuroMemo-Gruppe und die Rosa-Luxemburg-Stiftung vergeben. Preisträger*innen (v. l. n. r.): Marie Grasmeier, Madelaine Moore und Simon Schaupp BERICHTE AUS DER STIFTUNG DETLEF NAKATH REINHARD MOCEK 1949–2021 1936–2021 Mit Trauer und Schmerz beklagen wir den Tod unseres lieben Freundes und hochgeschätzten Kollegen Detlef Nakath. Detlef habilitierte in der DDR und lehrte und forschte anschließend als berufener Hochschuldozent. Nach der «Wende» wurde ihm mit fragwürdigen Methoden der Stuhl vor die Tür gesetzt. Für Tausende Wissenschaftler*innen endete auf diese Art abrupt ihre akademische Laufbahn. Detlef Nakath fand gemeinsam mit Freund*innen die Willenskraft und die Energie für einen Neuanfang. So erschien seit 1993 unter seiner Mitwirkung eine siebenbändige Reihe mit Dokumenteneditionen und -kommentaren zur DDR-, SEDund deutsch-deutschen Geschichte der 1980er-Jahre. Für die «Helle Panke» engagierte sich Detlef Nakath viele Jahre für geschichts- und gesellschaftspolitische Bildungsprojekte, vor allem die «hefte zur ddr-geschichte». Schon 2004 hatte die Leibniz-Sozietät die wissenschaftliche Reputation unseres Freundes gewürdigt, indem sie ihn zum Mitglied wählte. Seit 2006 leitete Detlef als Geschäftsführer ein Jahrzehnt lang mit Fortune und kühnen Ideen die Geschicke der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg. Von 2014 bis 2019 bewegte er als Vorstandsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung Geschichtsdebatten und historische Projekte. Mit seinem Zutun entstand das Historische Zentrum Demokratischer Sozialismus als neue Stiftungsstruktur. 2020 veröffentlichte der Karl Dietz Verlag den viel beachteten Band «Ausschluss. Das Politbüro vor dem Parteigericht. Die Verfahren 1989/90 in Protokollen und Dokumenten», den Detlef als Koautor zu Druck befördert hatte. Bis zuletzt arbeitete er an einer vierbändigen «Geschichte der deutschen Einheit aus linker Sicht», die in chinesischer Sprache erscheinen wird. Den zweiten Band wird sein Herausgeber und Hauptautor nicht mehr erleben. Wir trauern um einen großartigen, aber bescheidenen Menschen, einen seriösen Wissenschaftler, einen Freund, den wir weder ersetzen können noch vergessen werden. Als mich die Nachricht vom Tod Reinhard Moceks erreichte, trat unmittelbar sein Gesicht vor meine Augen – ein Gesicht großer Klugheit, Neugierde, Aufrichtigkeit und Empathie. Reinhard Mocek war ein Intellektueller und er war ein Sozialist im besten und wahrsten Sinne des Wortes. Bei ihm bildete dies eine Einheit, die völlig selbstverständlich war. Reinhard Mocek hat Philosophie und Wissenschaftsgeschichte vorangetrieben – in der DDR und im vereint-unvereinten Deutschland. Er konnte dies bruchlos trotz des Epochenbruchs, weil er sich selbst vorher wie nachher treu war. Seine Bücher zur bürgerlichen Philosophie, zur Wissenschaftsgeschichte im 18., 19. und 20. Jahrhundert werden bleiben. Ebenso wie sein Engagement in der Enquetekommission «Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozess der deutschen Einheit». Er trat für ein kritisches Urteil und gegen selbstgerechtes Verurteilen ein. Die Abwicklung der Geistes- und Sozialwissenschaften hat auch ihn getroffen. Selbst eine «Arbeitsbeschaffungsmaßnahme» blieb ihm nicht erspart, bevor verdiente Gastprofessuren und die Anstellung am Institut für Wissenschaftsgeschichte der Max-Planck-Gesellschaft ihn daraus befreiten. 2011 gab sich die Academia Europaea die Ehre, ihn zum Mitglied zu wählen. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat einen besonderen Grund, Reinhard Mocek nicht zu vergessen. Nicht nur war er ein herausragender Vertreter jener Generation von DDR-Intellektuellen, die den demokratischen Sozialismus nach 1989 am Leben hielten und neu begründeten. Er hat zugleich in den sehr schwierigen Jahren von 2004 bis 2006 den Vorsitz des Vorstands der Rosa-Luxemburg-Stiftung übernommen. Es war eine Zeit, da die Existenz der Stiftung bedroht und mit dem Beginn der Zusammenarbeit von PDS und WASG eine neue politische Linke in Deutschland im Entstehen war. Er war es, der die Rosa-Luxemburg-Stiftung auf den Weg führte, der sie zur Stiftung der Partei DIE LINKE werden ließ. Manfred Neuhaus und Gerd-Rüdiger Stephan Michael Brie 79 PERSONALENTWICKLUNG PROGRAMM «FIT FÜR VERÄNDERUNG» Vor zwei Jahren wurde die Idee geboren, ein Weiterbildungsprogramm für Mitarbeiter*innen der Stiftung zu entwickeln, das sie dabei unterstützen soll, verschiedensten Aufgaben und Stellen im In- und Ausland zu übernehmen. Wir machten uns ab Herbst 2020 daran, ein solches Programm zu konzipieren. Vor dem Hintergrund des ernüchternden Wahlergebnisses im Herbst 2021 für die uns nahestehende Partei DIE LINKE kam dem Vorhaben eine ganz neue und wohl noch wichtigere Bedeutung zu. Wir werden in Zukunft mit weniger Mitteln und Personal unseren Aufgaben gerecht werden müssen. Das erfordert eine sehr viel höhere Flexibilität und Beweglichkeit von allen Beschäftigten und die Bereitschaft, sich auf die neue Situation einzulassen. Wir stellten das Programm also unter das Motto «Fit für Veränderung». Im Rahmen eines 18-monatigen berufsbegleitenden Programms soll der Blick auf die Stiftung als Gesamtorganisa­ tion geschärft werden. Es soll die Mitarbeiter*innen auf neue verantwortungsvolle Aufgaben und mögliche Rotationen innerhalb der Stiftung vorbereiten. Die Teilnehmer*innen werden verschiedene stiftungsinterne und externe Seminare und Workshops durchlaufen und dazu ermuntert, ein eigenes Projekt zu entwickeln. Darüber hinaus wird es regelmäßige Austausch- und Vernetzungstreffen geben. Es sind folgende Curriculums-Module vorgesehen: n L ogik und Rahmen der Stiftungsarbeit (Vergaberecht, Förderrichtlinien, Rechnungswesen, Haushalt, Arbeitsrecht, Finanzplanung), n emanzipatorische Bildung, n S oft Skills (Moderation, Gesprächsführung, Rhetorik, Kommunikation etc.), n Projektmanagement und Personalführung, n internationale Arbeit, n Hospitation in einer Landesstiftung oder in einem Regionalbüro (Inland), n Hospitation im Ausland (zwei Wochen), n Arbeit an einem individuellen Projekt. Zusätzlich bieten wir den Teilnehmer*innen ein MentoringProgramm an. Alle Mentor*innen kommen aus dem Kreis der Geschäftsführung und der Bereichsleitungen. Begleitende Entwicklungs- und Zielgespräche sowie individuelle Reflexions­ formate runden das Programm ab. Im Herbst 2021 haben wir das Weiterbildungsprogramm «Fit für Veränderung» intern ausgeschrieben. Bewerbungen waren an folgende Bedingungen geknüpft: n Betriebszugehörigkeit von mindestens drei Jahren zu Beginn des Programms, n Veränderungsbereitschaft, n Bereitschaft, größere Verantwortung zu übernehmen, 80 PERSONALENTWICKLUNG 2000 BIS 2021 ANZAHL DER MITARBEITER*INNEN INSGESAMT JAHR 296 2021 296 2020 212 ... DAVON IN DEN AUSLANDSBÜROS Anteilige Zusammensetzung 41 25 20 14 4 2005 45 25 15 2010 58 46 25 2015 134 ... DAVON IN DEN REGIONALBÜROS 2 2000 2000 2005 2010 2015 2020 2021 weiblich 56 % 50 % 55 % 55 % 56 % 56 % männlich 44 % 50 % 45 % 45 % 43 % 44 % Mitarbeiter*innen mit Migrationshintergrund 0% 0% 11 % 15 % 18 % 18 % unbefristete Mitarbeiter*innen 3% 90 % 84 % 78 % 80 % 78 % Teilzeitbeschäftigte 4% 16 % 22 % 29 % 34 % 31 % Durchschnittsalter 47 47 45 46 46 47 weiblich 46 45 44 45 45 45 männlich 47 48 46 48 48 49 divers 1% divers 39  Interesse und Bereitschaft zur Rotation zwischen den Bereichen und Referaten der Stiftung und zu einem bundesbzw. weltweiten Einsatz, n Bereitschaft und Fähigkeit zu administrativer Arbeit mit verschiedenen Zuwendungsgebern, n  eamfähigkeit und soziale Kompetenz, T Fremdsprachkenntnisse, n Bereitschaft, Ansprüche auf Bildungsurlaub sowie Freizeit für Vor- und Nachbereitung in das Weiterbildungsprogramm zu investieren. n n 81 GREMIEN DIE MITGLIEDERVERSAMMLUNG Im zweiten Jahr in Folge musste die Mitgliederversammlung der Rosa-Luxemburg-Stiftung als Videokonferenz stattfinden. Von den etwa 130 stimmberechtigten Mitgliedern nahmen am 27. November 2021 knapp 60 Prozent teil. Zu Beginn berichtete Dagmar Enkelmann über die Arbeit des Vorstands im vergangenen Jahr, insbesondere über den Start eines Strategieentwicklungsprozesses im März 2021. Es seien Fragen zur Schwerpunktsetzung, zur bereichsübergreifenden Zusammenarbeit, zur Wirksamkeit der Öffentlichkeitsarbeit und zu einer verbesserten Wechselwirkung zwischen In- und Auslandsarbeit diskutiert worden. Daniela Trochowski erinnerte an verschiedene Höhepunkte im Laufe des Jahres: die digitale Großveranstaltung zum 150. Geburtstag von Rosa Luxemburg am 4. und 5. März, das «Fest der Linken» am 31. Mai und die Vorstellung des neuen Gebäudes der Stiftung im Rahmen der Veranstaltung «Heute ist die Antwort» am 5. September. Auch 2021 hat die Corona-Pandemie die Arbeit der Kolleg*innen im Haus, in den Landesstiftungen und im Ausland stark geprägt. Dies hatte zumindest den positiven Effekt, dass die Digitalisierung der Arbeit der Stiftung stark vorangeschritten ist. So berichtete Daniela Trochowski von verschiedenen neuen Podcasts und der verstärkten Nutzung diverser Social-Media-Kanäle. Auch die digitalen Bildungsangebote seien über eine Vielzahl von Online-Veranstaltungen und -Seminaren sowie Erklärfilme und interaktive Spiele deutlich ausgebaut worden. Derzeit werde an einer digitalen Plattform gearbeitet, um diese neuen Formate möglichst vielen Menschen und Zielgruppen zugänglich zu machen. Abschließend wies Daniela Trochowski darauf hin, dass die strategischen Beschlüsse, über die der Vorstand beraten hat, in den Organisationsentwicklungsprozess einfließen werden, der 2022 beginnen wird. In der Generaldebatte wurde in den meisten Stellungnahmen die Auseinandersetzung über eine strategische Neuausrichtung der Rosa-Luxemburg-Stiftung begrüßt. Viel Raum nahmen die Ergebnisse der Bundestagswahl und deren Auswirkungen auf die Partei DIE LINKE, die gesellschaftliche Linke und damit auch auf die Stiftung ein. Letztere könne einen wichtigen Beitrag für die Partei und ihr Umfeld leisten, etwa mit (Wahl)Analysen, als Moderatorin von Debatten und als Vermittlerin von fachlichen und methodischen Kompetenzen. Mehrere Mitglieder verwiesen auf die Bedeutung der Auslandsarbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Hervorgehoben wurden die neuen Büros in London und Tuzla, aber auch allgemein die vielfältigen politischen Aktivitäten und Interventionen in Europa. Dagmar Enkelmann beendete die Mitgliederversammlung mit dem Hinweis darauf, dass die strategischen Debatten im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im ersten Halbjahr 2022 in Präsenz vertieft werden sollen. 82 Digitale Mitgliederversammlung am 27. November 2021. MITGLIEDER DER ROSA-­LUXEMBURG-STIFTUNG ORDENTLICHE MITGLIEDER Wulf Gallert Dr. Klaus Lederer Horst Schmitthenner Wolfgang Gehrcke Dr. Steffen Lehndorff Christiane Schneider Marwa Al-Radwany Claudia Gohde Sabine Leidig Dr. Ursula Schröter Renate Angstmann-Koch Dr. Stefanie Graefe Katrin Lompscher Siri Schultze Dr. Dietmar Bartsch Dr. Bärbel Grygier Dr. Gesine Lötzsch Dr. Karin Schüttpelz Yasmina Bellounar Ates Gürpinar Prof. Dr. Christa Luft Prof. Dr. Heinz Bierbaum Dr. Gregor Gysi Dr. Helmuth Markov Dr. Reinhard Semmelmann Dr. Joachim Bischoff Dr. Noa K. Ha Ulrich Maurer Kathrin Senger-Schäfer Steffen Bockhahn Sofia Hamaz Prof. Dr. Margit Mayer Dr. Petra Sitte Dr. Marcel Bois Thomas Händel Sahra Mirow Prof. Dr. Susanne Spindler Dr. André Brie Karl-Heinz Heinemann Dr. Hans Modrow Sybille Stamm Prof. Dr. Michael Brie Heiko Hilker Cornelia Möhring Regina Stosch Prof. Dr. Ulrich Brinkmann Heinz Hillebrand Margret Mönig-Raane Gabriele Gün Tank Sandra Brunner Dr. Gerd-Rüdiger Hoffmann Prof. Dr. Oliver Nachtwey Jessica Tatti Helga Nowak Güldane Tokyürek Prof. Dr. Michael Buckmiller Dr. Barbara Höll Dr. Onur Ocak Daniela Trochowski Florian Höllen Dr. Harald Pätzolt Vera Vordenbäumen Dr. Carolin Butterwegge Klaus Höpcke Kate Cahoon Petra Pau Dr. Sahra Wagenknecht Dr. Steffen Hultsch Wenke Christoph Klaus Pickshaus Dr. Jochen Weichold Meike Jäger Daniela Dahn Prof. Dr. Dörte Putensen Janine Wissler Dr. Gerda Jasper Peeter Raane Dr. Evelin Wittich Prof. Dr. Alex Demirović Dr. Lukrezia Jochimsen Bodo Ramelow Dr. Ulrich Wolf Prof. Dr. Frank Deppe Kadriye Karcı Richard Detje Dr. Andreas Keller Prof. Dr. Katrin ReimerGordinskaya Ulrike Zerhau Ulrike Detjen Prof. Dr. Mario Keßler Dr. Sabine Reiner Sophie Dieckmann Katja Kipping Prof. Dr. Rolf Reißig Dr. Cornelia Domaschke-Prochnow Prof. Dr. Dieter Klein Bernd Riexinger Dr. Thomas Klein Prof. Dr. Rainer Rilling Evelyn Edler Katharine Kolmans Dr. Bernd Rump Dr. Dagmar Enkelmann Jan Korte Dr. Reyhan Şahin Klaus Ernst Prof. Dr. Ingrid Kurz Dr. David Salomon Dr. Thomas Flierl Caren Lay Dr. Birgit Schliewenz Christine Buchholz Gabi Zimmer INSTITUTIONELLE MITGLIEDER EHREN­ MITGLIEDER «Helle Panke» e. V. – RosaLuxemburg-Stiftung Berlin Prof. Dr. Günter Benser Kurt-Eisner-Verein – Rosa-Luxemburg-Stiftung Bayern Dr. Kurt Hövelmans Peter-Imandt-Gesellschaft e. V. – Rosa-LuxemburgStiftung Saarland Ilsegret Fink Prof. Dr. Kurt Krambach Prof. Dr. Manfred Neuhaus Prof. Dr. Jörg Roesler Prof. Dr. Werner Ruf Rosa-Luxemburg-Initiative e. V., Bremen Dr. Monika Runge Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg Fritz Schmalzbauer Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e. V. Rosa-Luxemburg-Stiftung Hamburg Rosa-Luxemburg-Stiftung Hessen Rosa-Luxemburg-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern e. V. Bosiljka Schedlich Dr. Wolfgang Spickermann Heinz Vietze RUHENDE MITGLIEDSCHAFT Jan van Aken Prof. Dr. Ulrich Brand Dr. Lutz Brangsch Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen e. V. Dr. Mario Candeias Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen e. V. Kerstin Kaiser Rosa-Luxemburg-Stiftung Rheinland-Pfalz e. V. Norbert Schepers Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e. V. Eva Völpel Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt e. V. Fanny Zeise Dr. Stefanie Ehmsen Stefan Nadolny Dr. Jörn Schütrumpf Dr. Florian Weis Rosa-Luxemburg-Stiftung Schleswig-Holstein Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen e. V. Stand: Mai 2022 83 GREMIEN MITGLIEDER DES VORSTANDS (2021) Dr. Dagmar Enkelmann (Vorstandsvorsitzende): geb. 1956, Historikerin, 1990–1998 und 2005–2013 Mitglied des Deutschen Bundestags, 1999–2005 Mitglied des brandenburgischen Landtags, seit 1998 Stadtverordnete der Stadt Bernau bei Berlin; Vorstandsvorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) seit 2012. Dr. Sabine Reiner (stellv. Vorstandsvorsitzende): geb. 1962, Politikwissenschaftlerin und Volkswirtin, seit 2002 Gewerkschaftssekretärin bei ver.di; Vorstandsmitglied der Stiftung seit 2004, seit 2012 stellv. Vorsitzende der RLS. Thomas Händel (stellv. Vorstandsvorsitzender): geb. 1953, Elektroniker, Studium an der Akademie der Arbeit der Universität Frankfurt a. M., 1987–2012 wiederholt Geschäftsführer der IG-Metall in Fürth, Gründungsmitglied der WASG, 2009– 2019 Mitglied des Europaparlaments; seit 2007 stellv. Vorsitzender der RLS. Daniela Trochowski (geschäftsführendes Vorstandsmitglied): geb. 1969, Diplom-Volkswirtin, 2012–2021 ehrenamtliche Vizepräsidentin und seit 2021 Präsidiumsmitglied des Humanistischen Verbands Berlin/Brandenburg, 2016–2019 Mitglied des Parteivorstands DIE LINKE, 2009–2019 Staatssekretärin im Finanzministerium Brandenburg; Vorstandsmitglied der RLS seit Januar 2020. Prof. Dr. Heinz Bierbaum: geb. 1946, Soziologe und Betriebswirt, 2009–2017 Mitglied des saarländischen Landtags, Vorsitzender der Internationalen Kommission DIE LINKE, seit 2019 Präsident der Europäischen Linken; Vorstandsmitglied der RLS seit Januar 2020. Prof. Dr. Alex Demirović: geb. 1952, Studium der Philosophie, Soziologie und Germanistik, apl. Prof. an der GoetheUniversität Frankfurt a. M.; 2015–2019 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats, 2007–2014 und seit Januar 2020 Vorstandsmitglied der RLS. Richard Detje: geb. 1954, Sozialwissenschaftler, Redakteur der Zeitschrift Sozialismus, Gründungsmitglied der WASG; Vorstandsmitglied der RLS seit Januar 2020. Ulrike Detjen: geb. 1952, Industriebuchbinderin, seit 1999 Gesellschafterin und Geschäftsführerin eines Druckvorstufenbetriebs, seit 2008 ehrenamtliche Tätigkeit im kommunalpolitischen Forum Nordrhein-Westfalen und in der dortigen Landesstiftung der RLS, Sprecherin des Rates der Landesstiftungen von Oktober 2014 bis November 2021; Vorstandsmitglied der RLS seit 2013. Sophie Dieckmann: geb. 1983, Studium der Sinologie, Philosophie und Anglistik, Gründungsmitglied DIE LINKE.SDS, seit 2019 Leiterin der Politischen Bildung beim Parteivorstand der LINKEN; Vorstandsmitglied der RLS seit Januar 2020. Heinz Hillebrand: geb. 1954, Industriekaufmann, Studium der Geschichte, Germanistik und Philosophie, Gründungsmitglied der WASG, bis 2019 Leiter der Politischen Bildung beim Parteivorstand der LINKEN; Vorstandsmitglied der RLS seit 2012. 84 Dr. Barbara Höll: geb. 1957, Studium der Philosophie, 1990– 2002 und 2005–2013 Mitglied des Deutschen Bundestags; Vorstandsmitglied der RLS seit 2016. Meike Jäger: geb. 1963, Diplom-Soziologin, seit 2009 Landesbezirksfachbereichsleiterin – Fachbereich Gesundheit und Soziales, ver.di Berlin-Brandenburg; Vorstandsmitglied der RLS seit Januar 2020. Jan Korte: geb. 1977, Studium der Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaft, seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestags, 2013–2017 stellvertretender Vorsitzender und seit 2017 Erster parlamentarischer Geschäftsführer der Linksfraktion; Vorstandsmitglied der RLS seit 2014. Gabriele Gün Tank: geb. 1975, Journalistin, Integrationsbeauftragte im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg, 2016– 2019 Geschäftsführerin der Neuen Deutschen Organisationen, Vorstandsmitglied BQN Berlin e. V.; Vorstandsmitglied der RLS seit 2014. VORSTANDSARBEIT Der Vorstand der Rosa-Luxemburg-Stiftung hat sich im vergangenen Jahr insgesamt zu sechs Sitzungen getroffen, zwei davon waren mehrtägig. Einige Vorstandsmitglieder waren zudem in Arbeitsgruppen aktiv, die den aktuell stattfindenden Organisationsentwicklungsprozess vorbereitet haben. In den verschiedenen Gruppen wurde über die Funktion der Rosa-Luxemburg-Stiftung in unserem gesellschaftlichen Umfeld diskutiert und wurden strategische Ziele formuliert. Eine zen­trale Frage war, wie die Stiftung über eine thematische Schwerpunktsetzung ihr Profil schärfen kann. Die drei existierenden thematischen Schwerpunkte – erstens Kampf gegen rechts und für eine «Gesellschaft der Vielen», zweitens sozial-ökologische Transformation und Klimagerechtigkeit und drittens soziale Infrastrukturen, soziale Rechte und soziale Gerechtigkeit – spiegeln sich bereits in vielen Aktivitäten und Projekten der Stiftung wider. Ein Ergebnis der Debatten war, dass es einer thematischen Ergänzung bedarf, und zwar zu Friedenspolitik und geopolitischen Herausforderungen. Zudem, so der Konsens, braucht es eine Struktur, um schnell auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können. Gerade die CoronaPandemie hat gezeigt, dass bestimmte (globale) Ereignisse zu starken sozioökonomischen und politischen Veränderungen führen. Hierzu muss sich eine politische Stiftung mit entsprechenden Diskussions- und Bildungsangeboten verhalten können. Eine Arbeitsgruppe «Zeitdiagnose», die hierzu Vorschläge erarbeiten soll, hat 2021 ihre Arbeit aufgenommen. Außerdem beschäftigte sich der Vorstand mit den Ergebnissen der Bundestagswahl. Im Oktober fand eine Aussprache mit Janine Wissler, Parteivorsitzende von DIE LINKE, und Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Bundestagsfraktion der LINKEN, statt. Da DIE LINKE vor der Aufgabe steht, sich grundlegend neu aufzustellen, diskutierte der Vorstand, was die Stiftung im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu beitragen kann. MITGLIEDER DES VORSTANDS DR. DAGMAR ENKELMANN JAN KORTE RICHARD DETJE DANIELA TROCHOWSKI DR. BARBARA HÖLL GABRIELE GÜN TANK MEIKE JÄGER PROF. DR. ALEX DEMIROVIĆ ULRIKE DETJEN DR. SABINE REINER HEINZ HILLEBRAND THOMAS HÄNDEL SOPHIE DIECKMANN PROF. DR. HEINZ BIERBAUM 85 GREMIEN Im vergangenen Jahr berief der Vorstand darüber hinaus etliche neue Leitungen der Auslandsbüros und ernannte Bereichsleitungen bzw. bestätigte bereits aktive Leiter*innen in ihren Funktionen. Das schlechte Abschneiden der LINKEN bei der Bundestagswahl wird der Wachstumsphase der Stiftung ein Ende bereiten. Das wurde in ersten Entscheidungen zur Haushalts- und Personalplanung berücksichtigt. Im Laufe des letzten Jahres fanden drei Online-Workshops mit dem Europareferat der Stiftung und der Leitung des Zentrums für internationalen Dialog und Zusammenarbeit (ZID) statt. In Diskussionen zu neuen Formen der Kooperation und zur Stärkung linker Akteure in Europa und zu geopolitischen Herausforderungen in Osteuropa entwickelte der Vorstand erste Eckpunkte einer europapolitischen Strategie, an der im Jahr 2022 weitergearbeitet werden soll. DER WISSENSCHAFTLICHE BEIRAT Im Mittelpunkt der Arbeit des Beirats im Jahr 2021 stand die Beratung des Vorstands und der hauptamtlichen Gremien der Stiftung bei der Ausarbeitung der strategischen Neuorientierungen, die im November 2021 auf der Mitgliederversammlung beschlossen wurden. In seinen fünf Sitzungen im Laufe des Jahres 2021 entwickelte der Beirat eine Reihe von Vorschlägen für die weitere Arbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Er unterstrich erstens, dass es eine besondere Aufgabe sei, das «Rote mit dem Grünen zu verbinden» und die sozial-ökologische Transformation mit der Verteidigung der Rechte der Beschäftigten und Strukturpolitik zu verbinden. Zweitens befand der Beirat, dass noch stärker versucht werden sollte, die Alltagserfahrungen mit einer eigenen transformatorischen Gegenerzählung zu vermitteln. Dies führte drittens hin zu Überlegungen, welche Ansätze der Gesellschaftsanalyse und politischen Bildung für die Herausbildung neuer sozialistischer Perspektiven benötigt werden. Viertens wurde angeregt, noch stärker das Zusammenwirken der verschiedenen Formate – Fachgespräche, strategische Beratungen, kooperative Entwicklung von Projekten als stiftungsübergreifende Leuchttürme etc. – zu stärken und Fragen des strategischen Lernens mehr ins Zen­ trum zu rücken. Es wurde empfohlen, von den vielfältigen Erfahrungen aus der europäischen und internationalen Arbeit für Projekte in Deutschland zu lernen. Der Beirat unterstützt zudem das Vorhaben, die Arbeit der Stiftung zu evaluieren und daraus Schlussfolgerungen für die zukünftige Ausrichtung zu ziehen. MITGLIEDER DES WISSENSCHAFTLICHEN BEIRATS Dr. Michael Brie (Beiratsvorsitzender): Schwerpunkte: Theorie und Geschichte des Sozialismus und Kommunismus, sozial-­ ökologische Transformation und revolutionäre Realpolitik. Prof. Dr. Frank Deppe: em. Professor für Politikwissenschaft an der Universität Marburg, Beirats- und Redaktionsmitglied 86 der Zeitschrift Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Mitherausgeber der Zeitschrift Sozialismus. Prof. Dr. Andreas Fisahn: Professor für Öffentliches Recht, Umwelt- und Technikrecht sowie Rechtstheorie an der Universität Bielefeld. Dr. Rainer Fischbach: Spezialist auf dem Gebiet der technischen Informatik unter dem Gesichtspunkt des Zusammenhangs von Technik, Natur und Gesellschaft. Dr. Stefanie Hürtgen: Politologin und Arbeitssoziologin, Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung in Frankfurt a. M. Prof. Dr. Mario Kessler: Historiker, Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam. Prof. Dr. María do Mar Castro Varela: Professorin für Soziale Arbeit und Allgemeine Pädagogik mit Schwerpunkt Diversity an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin, Dozentin für Pädagogik an der Universität Basel. Prof. Dr. Margit Mayer: em. Professorin für Politikwissenschaft am John-F.-Kennedy Institut der Freien Universität Berlin. Dr. Nadja Rakowitz: Geschäftsführerin des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte, aktiv im Bündnis Krankenhaus statt Fabrik. Prof. Dr. Katrin Reimer-Gordinskaya: Professorin für kindliche Entwicklung, Bildung und Sozialisation an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Prof. Dr. Steffi Richter: Professorin für Japanologie an der Universität Leipzig. Prof. Dr. Birgit Sauer: Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Wien. Dr. Wolfram Schaffar (stellv. Beiratsvorsitzender): Research Fellow am International Institute for Asian Studies (IIAS), Leiden, und Vertretungsprofessor für Japanologie am Asien-Orient-Institut, Universität Tübingen. Dr. Franziska Scheier (stellv. Beiratsvorsitzende): wissenschaftliche Mitarbeiterin, Beraterin und Gesellschafterin des IMU-Instituts Berlin. Dr. Sarah Schilliger: Soziologin, Co-Leiterin des internationalen Forschungsprojekts «Migrant mobility, ‹illegality› and racialization in European agricultural labour». Dr. Susanne Schultz: Leiterin des DFG-Projekts «Demografisierung des Politischen», früher Lateinamerika-Referentin der Stiftung. Dr. Axel Troost: Volkswirtschaftler und Politiker, Geschäftsführer der Memorandum-Gruppe und Vorstandsmitglied des Instituts Solidarische Moderne (ISM), 2005–2017 Mitglied des Deutschen Bundestags, Mitglied des Parteivorstands der Partei DIE LINKE. Dr. Alexandra Wagner: Geschäftsführerin des Forschungs­ teams Internationaler Arbeitsmarkt (FIA). Dr. Christa Wichterich: freie Publizistin, Dozentin für Geschlechterstudien, Sozial- und Politikwissenschaft, entwicklungspolitische Beratungs- und Gutachtertätigkeit. Prof. Dr. Markus Wissen: Professor für Gesellschaftswissenschaften an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. GREMIEN Die 19 Gesprächskreise (GK) der Rosa-Luxemburg-Stiftung leben von dem Engagement ihres vielfältigen ehrenamtlichen Umfelds. Die thematischen Impulse, die die GK immer wieder setzen, sind eine immense Bereicherung der Bildungsaktivitäten der Stiftung. Sehr produktiv im vergangenen Jahr war der GK «Geschichte», der zwei Publikationen herausgegeben hat. Im Juni erschien die Broschüre «Gegenwartsgestrige. Rechte Geschichtspolitik heute». In den Beiträgen setzen sich die Autor*innen mit der Notwendigkeit auseinander, rechte Versuche, Deutungshoheit in der Geschichtspolitik zu erlangen, von links anzugreifen. Im September erschien die Publikation: «Die jüdische mit der allgemeinen proletarischen Bewegung zu vereinen. Jüdinnen und Juden in der internationalen Linken». Mitglieder des GK «Zukunft Auto – Umwelt – Mobilität» (ZAUM) beteiligten sich an den vielfältigen Aktivitäten im Rahmen von KonTra IAA, des Kongresses für transformative Mobilität im September in München. Zudem war der GK an der Erarbeitung der Stiftungspublikation «Spurwechsel. Studien zu Mobilitätsindustrien, Beschäftigungspotenzialen und alternativer Produktion» beteiligt. Stephan Krull, Koordinator des GK «ZAUM», zog eine positive Bilanz: Es sei gelungen, jüngere Interessierte einzubeziehen. Im Rahmen der Studie «Spurwechsel» konnten Kontakte zu Belegschaften und Gewerkschaften in der Automobilindustrie geknüpft werden. Der GK «Frieden» will in Zukunft seine Mittlerfunktion ausbauen und ein Debattenort werden für Aktive aus der Friedensbewegung, für Friedens- und Konfliktforscher*innen sowie Menschen, die in der Politik tätig sind. Hier sind im vergangenen Jahr die ersten Weichen gestellt worden. ARBEITSRECHT/ARBEITSGESETZBUCH KULTUR Steffen Hultsch; hauptamtl. Ansprechpartnerin: Effi Böhlke (effi.boehlke@rosalux.org) Michaela Klingberg (michaela.klingberg@rosalux.org) DIE GESPRÄCHSKREISE MIGRATION BILDUNGSPOLITIK Karl-Heinz Heinemann (heinemann@rls-nrw.de) Zugehörig zum GK Bildungspolitik: AK Kritische Pädagogik Lukas Eble und Simon Kunert Massimo Perinelli (massimo.perinelli@rosalux.org) PARTEIEN UND SOZIALE BEWEGUNGEN Harald Pätzolt; hauptamtl. Ansprechpartnerin: Cornelia Hildebrandt (cornelia.hildebrandt@rosalux.org) EUROPAPOLITIK Johanna Bussemer (johanna.bussemer@rosalux.org) PERSPEKTIVEN LÄNDLICHER RÄUME Steffen Kühne (steffen.kuehne@rosalux.org) FEMINISMUS Barbara Fried (barbara.fried@rosalux.org) RECHTS Anika Taschke (anika.taschke@rosalux.org) FRIEDENS- UND SICHERHEITSPOLITIK David Noack; hauptamtl. Ansprechpartner: Ingar Solty (ingar.solty@rosalux.org) SOZIAL-ÖKOLOGISCHE TRANSFORMATION GESCHICHTE STADTPOLITIK Bernd Hüttner (bernd.huettner@rosalux.org) Stefan Thimmel (stefan.thimmel@rosalux.org) und Armin Kuhn (armin.kuhn@rosalux.org) Uwe Witt (uwe.witt@rosalux.org) GESCHICHTE FÜR DIE ZUKUNFT Cornelia Domaschke-Prochnow (cornelia.domaschke@­ rosalux.org) und Gerd-Rüdiger ­Stephan (gerd-ruediger.­ stephan@rosalux.org) WELTANSCHAULICHER DIALOG KLASSEN UND SOZIALSTRUKTUR WIRTSCHAFTSPOLITIK Horst Kahrs (Horst.Kahrs.Fellow@rosalux.org) und Florian Weis (florian.weis@rosalux.org) Axel Troost; hauptamtl. Ansprechpartner: Mario Candeias (mario.candeias@rosalux.org) KOLLEGIUM WISSENSCHAFT/PHILOSOPHIE ZUKUNFT AUTO – UMWELT – MOBILITÄT UND BILDUNG Stephan Krull; hauptamtl. Ansprechpartner: Mario Candeias (mario.candeias@rosalux.org) Wolfgang Girnus, Klaus Meier; hauptamtl. Ansprechpartner: Gerd-Rüdiger Stephan (gerd-ruediger.stephan@rosalux.org) Stand: Februar 2022 Jürgen Klute; hauptamtl. Ansprechpartnerin: Cornelia Hildebrandt (cornelia.hildebrandt@rosalux.org) GESAMTKOORDINATION GESPRÄCHSKREISE Effi Böhlke (effi.boehlke@rosalux.org) 87 MITGLIEDERVERSAMMLUNG VORSTAND GESCHÄFTSFÜHRENDES VORSTANDSMITGLIED BÜRO DER VORSITZENDEN/ DER GESCHÄFTSFÜHRUNG INNENREVISION HISTORISCHES ZENTRUM DEMOKRATISCHER SOZIALISMUS POLITISCHE KOMMUNIKATION ZENTRALE AUFGABEN BUNDESWEITE ARBEIT AKADEMIE FÜR POLITISCHE BILDUNG BIBLIOTHEK DIGITALE KOMUNIKATION U. BILDUNG HAUSHALT / CONTROLLING EXTERNE PROJEKTE SOZIAL-ÖKOLOGISCHER UMBAU PRESSEARBEIT IT UND KOMMUNIKATION VERANSTALTUNGSMANAGEMENT VERWALTUNG PUBLIKATIONEN RECHNUNGSWESEN ONLINE-REDAKTION PERSONAL GESCHICHTE FOKUSSTELLE ROSA LUXEMBURG ARCHIV DEMOKR. SOZIALISMUS BAUABSCHLUSS/ KOORDINATION UNSELBSTSTÄNDIGE STIFTUNGEN GESPRÄCHSKREISE LANDESSTIFTUNGEN IM STIFTUNGSVERBUND SPRECHER *INNENRAT DER LANDESSTIFTUNGEN ERIK-NEUTSCH-STIFTUNG HARALD-BREUER-STIFTUNG BADENWÜRTTEMBERG BAYERN BERLIN BRANDENBURG BREMEN HAMBURG HESSEN MECKLENBURGVORPOMMERN KOMMUNALPOL. BILDUNG KOMMUNALPOL. VERNETZUNG MIGRATION NEONAZISMUS UND STRUKTUREN / IDEOLOGIEN DER UNGLEICHWERTIGKEIT INTERNATIONALE MIGRATION NIEDERSACHSEN POLITISCHE ÖKONOMIE NORDRHEINWESTFALEN BIOGRAFISCHE ARBEIT RHEINLAND-PFALZ JUGENDBILDUNG UND ORGANIZING SAARLAND WOHNUNGS- UND STADTPOLITIK HERMANN-HENSELMANNSTIFTUNG SACHSEN MAX-LINGNER-STIFTUNG SACHSEN-ANHALT MODROW-STIFTUNG SCHLESWIGHOLSTEIN CLARA-ZETKIN-STIFTUNG – GEDÄCHTNIS DEMOKRATISCHER SOZIALISTINNEN UND SOZIALISTEN BILDUNG FÜR POLITISCHE PRAXIS JUGENDBILDUNGS­ NETZWERK DER ROSA-LUXEMBURGSTIFTUNG THÜRINGEN KARL DIETZ VERLAG BERLIN LEGENDE Ehrenamtliche Strukturen Leitungsstrukturen Hauptamtliche Strukturen Treuhandstiftungen Rosa-Luxemburg-Stiftung, Straße der Pariser Kommune 8A, 10243 Berlin MITGLIEDERVERSAMMLUNG WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT ANTIDISKRIMINIERUNGSSTELLE DATENSCHUTZBEAUFTRAGTER BETRIEBSRAT INSTITUT FÜR GESELLSCHAFTS­ ANALYSE STUDIENWERK ZENTRUM FÜR INTER­NATIONALEN DIALOG ZEITSCHRIFT «LUXEMBURG» FÖRDERPROGRAMM ZID-LEITUNG UND STAB PARTEIEN UND SOZIALE BEWEGUNGEN BMZ-PROJEKT GLOBALER WISSENSCHAFTSDIALOG REFERATE/AUSLANDSBÜROS WIRTSCHAFTSPOLITIK INTERNETREDAKTION DAS ÖFFENTLICHE / SOZIALSTRUKTUR­ ANALYSE KULTURFORUM FEMINISTISCHE GESELLSCHAFTS­UND KAPITALISMUS­ ANALYSE POLITISCHE ÖKONOMIE DER GLOBALISIERUNG SOZIALE INFRASTRUKTUR UND VERBINDENDE KLASSENPOLITIK FRIEDENS- UND SICHERHEITSPOLITIK WOHNUNGSUND STADTPOLITIK MIGRATION UND DEMOKRATIE GEWERKSCHAFT / ARBEIT / PRODUKTION SOZIAL-ÖKOLOGISCHE TRANSFORMATION UND KLIMA­ GERECHTIGKEIT SCHUL- UND BILDUNGSPOLITIK EHEMALIGENARBEIT VERTRAUENSDOZENT*INNEN DER ROSA-LUXEMBURGSTIFTUNG REFERAT LATEINAMERIKA REFERAT AFRIKA ANDENREGION, QUITO SÜDLICHES AFRIKA, JOHANNESBURG BRASILIEN UND PARAGUAY, DIALOGPROGRAMM ERNÄHRUNGSSOUVERÄNITÄT SÃO PAULO STIPENDIATISCHE ARBEITSKREISE ZENTRALAMERIKA/MEXIKO, AUSWAHL­ AUSSCHUSS CONO SUR, BUENOS AIRES MEXIKO-STADT DIALOGPROGRAMM GLOBALER FEMINISMUS REFERAT EUROPA OSTAFRIKA, DARESSALAM NORDAFRIKA, TUNIS DIALOGPROGRAMM WISSENSCHAFTSKOOPERATION REFERAT ASIEN WESTEUROPA, BRÜSSEL DIALOGPROGRAMM HANDEL UND WIRTSCHAFT CHINA, PEKING SÜDASIEN, NEU-DELHI GRIECHENLAND, ATHEN VEREINIGTES KÖNIGREICH UND IRLAND, LONDON SÜDOSTASIEN, HANOI SÜDOSTASIEN, MANILA MITTELEUROPA, PRAG DIALOGPROGRAMM KLIMAGERECHTIGKEIT OSTMITTELEUROPA, WARSCHAU ZENTRALASIEN, ALMATY RUSSLAND, BELARUS, MOLDAWIEN UND SÜDKAUKASUS, MOSKAU UND BERLIN REFERAT INTERNATIONALE POLITIK UND NORDAMERIKA SÜDOSTEUROPA, BELGRAD / TUZLA NORDAMERIKA UND VEREINTE NATIONEN, NEW YORK UKRAINE, KIEW UND BERLIN REFERAT WESTASIEN ISRAEL, TEL AVIV LIBANON, SYRIEN, IRAK, BEIRUT Stand: Mai 2022 WESTAFRIKA, DAKAR PALÄSTINA UND JORDANIEN, RAMALLAH DIALOGPROGRAMM INTERNATIONALE GEWERKSCHAFTSPOLITIK, GENF DIALOGPROGRAMM GLOBALE SOZIALE RECHTE, GENF REFERAT QUALITÄTSMANAGEMENT / STEUERUNG / LERNEN REFERAT FINANZEN / CONTROLLING STIFTUNGSHAUSHALT Die Rosa-Luxemburg-Stiftung ist die der Partei DIE LINKE nahestehende politische Stiftung. Sie wird, wie die anderen parteinahen Stiftungen, im Wesentlichen aus dem Bundeshaushalt finanziert. Konkret fließen ihr Mittel aus den Etats der Bundesministerien des Inneren (BMI), für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), für Bildung und Forschung (BMBF), des Auswärtigen Amtes (AA) sowie aus der Bundestagsverwaltung zu. Gefördert werden nur solche Stiftungen, die wesentliche und nachhaltige geistig-politische Strömungen in der Gesellschaft repräsentieren. Was das genau heißt, entscheidet der Deutsche Bundestag. Als Anhaltspunkt für die Dauerhaftigkeit einer ins Gewicht fallenden Grundströmung in der Bundesrepublik gilt in der Praxis, dass die der politischen Stiftung nahestehende Partei wiederholt – dabei zumindest einmal in Fraktionsstärke – im Deutschen Bundestag vertreten war. Dabei orientiert sich die Verteilung der Zuwendungen an den Ergebnissen der jeweils nahestehenden Partei bei den letzten vier Bundestagswahlen. Seit dem Jahr 2010 stieg der Anteil der Zuwendungen für die Rosa-Luxemburg-Stiftung von 30,6 Millionen auf 79,8 Millionen Euro im Jahr 2021. Mit der zahlenmäßigen Berichterstattung über die Einnahmen- und Ausgabenstruktur kommt die Rosa-Luxemburg-Stiftung der Selbstverpflichtung der politischen Stiftungen nach Öffentlichkeit und Transparenz der Mittelverwendung nach, wie sie in einer gemeinsamen Erklärung der parteinahen Stiftungen 1998 fixiert wurde und seither von allen Stiftungen praktiziert wird. Die Globalmittel des BMI bilden den Kern für die politische Bildung im Inland und für den Unterhalt der Infrastruktur sowohl in Berlin als auch in den Bundesländern. Die bereitgestellten Mittel dienen der Durchführung von Seminaren, Tagungen und Kolloquien, der Beschaffung von Lehr- und Lernmitteln sowie der Vergabe von Forschungsmitteln mit gesellschaftspolitischer Zielsetzung, vor allem auf dem Gebiet der Bildungsforschung. Mithilfe der Mittel aus dem BMZ und dem AA unterhält die Rosa-Luxemburg-Stiftung ein Netz internationaler Beziehungen. Dazu gehört die Finanzierung von Auslandsbüros, von Projekten mit Partnerorganisationen und von Veranstaltungen im Ausland. Inzwischen können über 25 Standorte und die Arbeit in mehr als 80 Ländern finanziert werden. Die Zuwendungen aus dem BMBF sind für Stipendien zur Förderung begabter und gesellschaftlich engagierter Studierender und Promovierender vorgesehen. Neben den Bundesmitteln können die parteinahen Stiftungen Gelder aus den Landeshaushalten in Anspruch nehmen – dies erfolgt bei der Rosa-LuxemburgStiftung über die eigenständigen Landesvereine. Im Rahmen des Stiftungsverbunds werden diese Mittel durch die Landesvereine genutzt. 90 ZUWENDUNGEN 2021 1,47 % Auswärtiges Amt Projekte Auswärtiges Amt Stipendien 9,83 % Baumittel 2,35 % 17,19 % 49,76 % Bundes­­ministerium für Bildung und Forschung Bundes­­minis­terium für wirtschaft­liche Zusam­men­arbeit und Entwicklung 19,40 % Bundesministerium des Inneren (einschl. Selbst­ bewirtschaf­tungsmittel) FACHAUSGABEN 2021 Auslands­projekte Studenten- und Promovenden­betreuung Politische Bildung Inland 68,54 % 25,90 % 5,56 % Die Stiftung hat ihre satzungsgemäßen Aufgaben in organisatorischer und personeller Unabhängigkeit von der ihr nahestehenden Partei zu erfüllen und darf dieser auch keine Mittel oder geldwerten Leistungen zuteilwerden lassen. Die jährlichen Zuschüsse erhält die Rosa-Luxemburg-Stiftung aufgrund von Zuwendungsbescheiden, die mit Nebenbestimmungen zur Sicherstellung der Zweckbindung der Mittel und der Kontrolle ihrer Verwendung versehen sind. Als politische Stiftung ist die Rosa-Luxemburg-Stiftung verpflichtet, die jährliche Wirtschaftsführung von einer unabhängigen Wirt- schaftsprüfungsgesellschaft kontrollieren zu lassen. Für das Geschäftsjahr 2020 wurde vom Wirtschaftsprüfer bestätigt, dass die Globalmittel des BMI sowie die Verwaltungskostenzuschüsse der anderen Bundesministerien entsprechend den gesetzlichen Vorschriften wirtschaftlich und sparsam verwendet und die Auflagen eingehalten wurden. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung verfügt über ein Controlling- und Prüfungsverfahren, das sachlich und personell in ausreichendem Umfang eingerichtet ist, die zeitnahe und ordnungsgemäße Einhaltung der Zuwendungsbestimmungen zu prüfen. 91 STIFTUNGSHAUSHALT VERMÖGENSRECHNUNG ZUM 31.12.2020 Aktiva 31.12.2020 in Euro 31.12.2019 in Euro A Anlagevermögen I Immaterielle Vermögensgegenstände II Markenrechte 5.000,00 5.000,00 EDV-Software 225.680,85 309.669,70 Sachanlagen Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten, einschl. Bauten auf fremden Grundstücken 162.537,68 165.426,32 Betriebs- und Geschäftsausstattung 1.338.595,71 391.813,22 Geleistete Anzahlungen auf Anlagen im Bau 0,00 0,00 Finanzanlagen 0,00 0,00 III B I Beteiligungen 24.830.452,48 19.087.141,20 Summe Anlagevermögen 26.562.266,72 19.959.050,44 Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände Sonstige Forderung 0,00  0,00 a) Stand Selbstbewirtschaftungsmittel beim BMI 2.145.025,00 4.062.739,00 -2.145.025,00 -4.062.739,00 0,00 1.753,21 b) nicht abgerufene Selbstbewirtschaft.-mittel beim BMI II Forderung aus Zuwendungen II Forderung gg. verbundene Unternehmen III Sonstige Vermögensgegenstände 1.275.567,64 358.937,61 Summe Forderungen 1.279.518,09 361.844,74 C D 3.950,45 Liquide Mittel Summe liquide Mittel 5.266.059,63 1.153,92 4.334.699,41 Aktive Rechnungsabgrenzung 56.305,76 28.343,62 Summe 33.164.150,20 24.683.938,21 Passiva 31.12.2020 in Euro 31.12.2019 in Euro A Reinvermögen I Stand Vorjahr 272.394,62 132.308,14 II Überschuss/Fehlbetrag -5.730,60 199.061,06 III Rücklagen 88.450,02 88.450,02 IV Rücklagen 205.706,02 146.731,44 Summe Reinvermögen 560.820,06 566.550,66 B Sonderposten Zuwendungen 26.399.729,04 19.793.624,12 C Rückstellungen Sonstige Rückstellungen 432.912,69 340.205,19 D Verbindlichkeiten I Verbindlichkeiten Kreditinstitute 10.114,02 4.950,41 II Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 3.697.306,38 2.927.181,11 III Sonstige Verbindlichkeiten 26.553,59 28.539,44 Summe Verbindlichkeiten 3.733.973,99 2.960.670,96 E Passive Rechnungsabgrenzung 2.036.714,42 1.022.887,28 Summe 33.164.150,20 24.683.938,21 92 STIFTUNGSHAUSHALT AUFWANDS- UND ERTRAGSRECHNUNG ZUM 31.12.2020 2020 in Euro 2019 in Euro I Erträge 80.940.908,13 79.587.574,70 1 Zuwendungen des Bundes 80.297.579,62 78.972.402,24 2 Spenden 7.998,99 17.430,52 3 Mitgliedsbeiträge 17.437,00 16.994,50 4 Einnahmen aus Vermögensverwaltung 13.174,01 10.597,88 5 Sonstige Einnahmen 11.400,52 76.363,89 6 Erträge aus der Auflösung des Sonderpostens 593.317,99 493.785,67 II Aufwendungen -80.946.638,73 -79.388.513,64 1 Aufwendungen aus der satzungsmäßigen Tätigkeit -48.264.336,89 -46.813.293,43 -2.294.825,97 -2.506.533,26 Fachausgaben Globalmittel Weiterleitung von Globalmitteln -1.143.774,41 -1.329.972,86 Förderung von Studierenden und Promovierenden -12.768.299,32 -11.785.996,45 Internationale Zusammenarbeit -31.904.516,49 -30.869.143,87 Sonstige Fachausgaben -152.920,70 -321.646,99 Personalausgaben 2 -22.022.912,83 -20.430.337,76 Löhne und Gehälter -18.221.736,82 -16.946.272,22 Soziale Abgaben -3.801.176,01 -3.484.065,54 Ausgaben Vermögensverwaltung -6.848,17 -7.774,34 3 4 Abschreibungen -596.206,63 -328.359,35 5 Sächliche Verwaltungsausgaben -2.856.911,30 -2.997.519,68 Geschäftsbedarf -602.902,20 -616.671,45 Bewirtschaftung und Unterhaltung -4.941,12 der Grundstücke und baulichen Anlagen -4.448,98 Sonstige sächliche Verwaltungsausgaben -2.249.067,98 -2.339.297,00 Sonstige Ausgaben 0,00 -37.102,25 6 Investitionen -7.199.422,91 -8.811.229,08 III Jahresüberschuss/-fehlbetrag -5.730,60 199.061,06 EINNAHMEN IM JAHR 2021 (VORLÄUFIG) I Einnahmen in Euro 1 Zuwendungen 79.821.512,75 79.879.130,78 Bundesministerium des Inneren (einschl. SB-Mittel) 15.504.523,92 Bundesministerium für Bildung und Forschung 13.729.792,20 Verwaltung des Deutschen Bundestags für internationale Parlamentspraktika 1.850,00 Auswärtiges Amt Stipendien 1.172.100,00 Auswärtiges Amt Projekte 7.849.717,00 Zuwendung Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Baumittel 39.744.297,92 1.876.849,74 2 Steuerneutrale Einnahmen/Spenden 17.660,48 3 Mitgliedsbeiträge 18.131,50 4 Vermögensverwaltung Einnahmen 5 Sonstige Einnahmen 6 Erlösschmälerungen 6.949,37 48.446,85 -148.806,23 93 STIFTUNGSHAUSHALT AUSGABEN IM JAHR 2021 (VORLÄUFIG) II Ausgaben in Euro -79.123.779,32 1 Personalausgaben -22.842.669,71 davon Personalkosten Inland -15.937.672,09 a) Löhne und Gehälter -18.793.949,48 b) Soziale Abgaben und Sonstiges -4.048.720,23 2 Sächliche Verwaltungsausgaben -5.202.576,63 2.1 Geschäftsbedarf, Geräte, Ausstattungs- und Ausrüstungsgegenstände, Verbrauchsmittel Netzwerk-, Software- und Systembetreuung 2.3 -74.338,93 Werkzeuge und Kleingeräte -26.646,79 Büro- und Verbrauchsmaterial -16.261,73 Gerätemieten -61.295,06 -4.617,72 Straßenreinigung/Winterdienst -2.079,04 Grundsteuer -2.538,68 Sonstige sächliche Verwaltungsausgaben -241.564,67 Raummiete und Raumkosten -944.764,24 Versicherungen -18.098,32 Beiträge und sonstige Abgaben -44.804,13 Kosten Repräsentation Bewirtungskosten -571.312,04 -25.239,37 -7.688,48 -196,10 Reisekosten (sächl. VerwKost) -46.845,45 Porto, Telefon, Internetkosten -147.229,83 Zeitschriften, Bücher, Medien -61.676,21 Rechtsberatung, Wirtschaftsprüfung, Buchführung -58.433,35 Nebenkosten des Geldverkehrs -42.948,14 Übrige Aufwendungen, Beiträge, Spenden -21.657,00 Fahrzeugkosten Sonstige Verwaltungsausgaben Sonstige Ausgaben Fachausgaben Fachausgaben BMI gesamt BMI Globalmittel an Dritte -7.729,36 -77.241,86 0,00 -51.071.153,03 -2.619.842,11 -1.437.205,42 Auslandsprojekte -34.015.869,37 Studenten- und Promovendenbetreuung  -12.856.220,62 Studienförderung Inland Studienförderung Ausland Internationale Parlamentspraktika Ideelle Förderung Stipendiat*innen -11.881.995,52 -973.975,10 -250,00 -121.662,43 Sonstige Fachausgaben -20.353,08 Vermögensverwaltung Ausgaben -7.379,95 94 -2.317.428,55 Sonstige Aufwendungen für Personal Fremdarbeiten Werkverträge Verwaltung 4 -2.294.585,76 Bewirtschaftung und Unterhaltung der Grundstücke und baulichen Anlagen Werbung/Annoncen 3 -407.402,09 Wartungsgebühren und Reparaturen Einstellung in den Sonderposten für Investitionen 2.2 -2.880.530,36 STIFTUNGSHAUSHALT ERLÄUTERUNGEN: Im Jahr 2021 wurden an folgende Vereine und Stiftungen Globalmittel für die politische und demokratische Bildungsarbeit weitergeleitet: n Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg – Forum für politische Bildung und Kultur e. V. n Kurt-Eisner-Verein für politische Bildung in Bayern e. V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Bayern n «Helle Panke» e. V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin n Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e. V. n Rosa-Luxemburg-Initiative – Bremer Forum für Bildung, Gesellschaftsanalyse und -kritik e. V. n Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg – Forum für Analyse, Kritik und Utopie e. V. n Rosa-Luxemburg-Stiftung Hessen – Forum für Bildung und Analyse e. V. n Rosa-Luxemburg-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern e. V. n Rosa-Luxemburg- Stiftung Niedersachsen e. V. n Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen e. V. n Rosa-Luxemburg-Stiftung Rheinland-Pfalz e. V. n Peter-Imandt-Gesellschaft – Verein für politische Bildung und Kultur e. V. n Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e. V. n Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt – Verein zur Förderung von Kultur, Wissenschaft und politischer Bildung in Sachsen-Anhalt e. V. n Rosa-Luxemburg-Stiftung Schleswig-Holstein: werkstatt utopie & gedächtnis e. V. n Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen e. V. n Max-Lingner-Stiftung n Clara-Zetkin-Stiftung n Erik-Neutsch-Stiftung n Hermann-Henselmann-Stiftung n Modrow-Stiftung Über die für das Jahr 2022 zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben können noch keine Angaben gemacht werden. Der Haushalt 2022 ist durch den Bundestag noch nicht beschlossen worden. Bisher erfolgte nur eine Abschlagsbewilligung für das 1. Halbjahr durch die Ministerien. AUSGABEN 2021 GESAMTHAUSHALT 28,87 % AUSGABENSTRUKTUR HAUSHALT INLAND 2021 BMI und Verwaltungskosten­zuschüsse vom BMZ, AA und BMBF 62,92 % Personalausgaben 3,68 % 2,90 % 62,73% Sächliche Verwaltungsausgaben Ausgaben für Investitionen Fachausgaben 1,82 % BMI Globalmittel an Landesstiftungen 11,45% 9,05 % 10,91% 5,67 % 95 BILDNACHWEISE Umschlag: Heike Schmelter unter Verwendung eines Fotos von Krishan Rajapakshe Thewage Wenn nicht anders angegeben, stammen alle Bilder von der Rosa-Luxemburg-Stiftung. IMPRESSUM V.i.S.d.P.: Alrun Kaune-Nüßlein Endredaktion: Henning Heine Projektleitung und Lektorat: TEXT-ARBEIT, Berlin Gestaltung: Heike Schmelter Gesamtproduktion: MediaService GmbH Druck und Kommunikation, Berlin KONTAKT Rosa-Luxemburg-Stiftung Straße der Pariser Kommune 8A, 10243 Berlin Tel. 030 44310-0 www.rosalux.de, info@rosalux.de Alle Daten und Zahlenangaben beziehen sich, sofern nicht anders angegeben, auf den Stand vom Februar 2022. Diese Publikation ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Sie wird kostenlos abgegeben und darf nicht zu Wahlkampfzwecken verwendet werden. 96 S. 8 rechts: Still aus «Luxemburg lesen! Mit Gregor Gysi», Kamera: Sophie Liebchen/ Olaf Krostitz S. 9: www.rosaluxemburg.org, Gestaltung und Konzeption: Zoff Kollektiv S. 11 oben: Grafik: Zoff Kollektiv S. 12: Still aus «Rosa Kollektiv Oder: Aktiviere dein inneres Proletariat», Rosa Kollektiv S. 13 oben: Still aus «R steht für Rosa», Animation: Theopi Scarlatos/Alamy S. 13 Mitte: Still aus Kurzfilm «Gefängnisbrief», Regie: Hanna Petkoff S. 13 unten: Still aus Tanzperformance «Am fröhlichsten lebe ich im Sturm …» von Katerina Vlasova S. 15 rechts: Still aus «Projekt Rosa» von Birgit Süß/Klaus Ratzek, Bild: Silvia Gralla S. 17: Jeff J. Mitchell/Getty Images S. 18: Still aus dem Video «Arbeitsplätze oder Verkehrswende?», Animation: Atelier Hurra S. 19 rechts: Illustration: Marie Geißler S. 23 links: Illustration: monströös/Olga Maus S. 23 rechts: Grafik: Felix S. Schulz S. 24: Illustration: Lars Wunderlich S. 27 rechts: Wikimedia S. 28 unten links: Wikipedia S. 32 links: Alexander Schlager S. 32 rechts: Rosa-Luxemburg-Stiftung Bayern S. 33 links: Still aus der Veranstaltung, «Helle Panke» e. V. – Rosa-Luxemburg-­ Stiftung Berlin S. 33 rechts: Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg S. 34 links: Still aus der Veranstaltung, Rosa-Luxemburg-Initiative – Bremer Forum für Bildung S. 34 rechts: Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg S. 35 links: Rosa-Luxemburg-Stiftung Hessen S. 35 rechts: Rosa-Luxemburg-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern S. 36 links: Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen S. 36 rechts: Salvador Oberhaus S. 37 links: Buchcover, edition TIAMAT S. 37 rechts: Patric Bies S. 38 links: Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen S. 38 rechts: Gulnas Alfredovna Sakulina S. 39 links: Ulf Stephan S. 39 rechts: Illustration und Gestaltung: Adobe Stock (Coprid), Dirk Braunheim, Uwe Adler S. 42: Still aus dem Kurzfilm «Foulspiel mit System», Sinnema Animation Studio S. 43: Illustration: Emily Robinson S. 44: Jan Urhahn S. 52: Sebastian Schmidt S. 53: Simon Strick S. 54–61: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Krishan Rajapakshe Thewage S. 64 oben links: privat S. 65: privat S. 69: Grafik: Navid Thürauf/www.zersetzer.com S. 73: Krishan Rajapakshe Thewage S. 74 unten links: Krishan Rajapakshe Thewage S. 76 oben rechts: Max-Lingner-Stiftung S. 76 unten links: Arlett Matteschek/Thomas Hedrich S. 77: privat S. 78 unten rechts: privat S. 79 rechts: Micha Brie JAHRESBERICHT 2021 «Jetzt sehen wir vorerst, wie eine ganze alte Welt versinkt – jeden Tag ein Stück, ein neuer Abrutsch, ein neuer Riesensturz ... Und das Komischste ist, dass die meisten es gar nicht merken und glauben, noch auf festem Boden zu wandeln ...» JAHRESBERICHT 2021 ROSA-LUXEMBURG-STIFTUNG ROSA LUXEMBURG ROSA LUXEMBURG STIFTUNG
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