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Periodical volume

Full text: Der Rabe Ralf Issue 191.2016 = 27.2016, April/Mai

Die Berliner Umweltzeitung

April / Mai 2016

Herausgegeben seit 1990 von der GRÜNEN LIGA Berlin e.V. - Netzwerk ökologischer Bewegungen

Fünf Jahre
Atomkatastrophe
in Fukushima

Die Zukunft des
Reisen - Besuch
auf der ITB

Deutscher Lokaler
Nachhaltigkeitspreis
ZeitzeicheN
Seite 12

Seite 6

Seiten 19

Ein Grund zum Feiern

Foto: Dora Ivan

D

er Geruch peruanischen Duftholzes liegt in der Luft, Menschen mit einem Stück frischer
Steinofenpizza laufen an einem vorbei,
im Hintergrund das angenehme Geräusch tobender Kinder und eine Straße

Die

voller Ideen, die man so eher selten sieht.
Es ist Donnerstag in Prenzlauer Berg.
Und damit auch Zeit für den Ökomarkt
am Kollwitzplatz.
Seit am 9. Mai 1996 die ersten
Händler ihre fair hergestellten Waren

weltzeitung
Berliner Um

auf dem Bürgersteig der Wörther
Straße anboten, hat sich vieles verändert: Mittlerweile sind aus circa 20
Ständen über 40 geworden, der Markt
wurde auf die Straße verschoben, was
den positiven Nebeneffekt der Autofrei-

Foto: Volker Voss

Der Ökomarkt am Kollwitzplatz wird 20

heit mit sich bringt.
Was aber beibehalten wurde, ist das
zentrale Konzept des Ökomarkts. Hier
kann man sich über alle möglichen

Fortsetzung auf Seite 4

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PVSt - DPAG - A 14194 - II (2016) - Entgelt bezahlt • GRÜNE LIGA Berlin e.V., Prenzlauer Allee 8, 10405 Berlin, Tel. (030) 44 33 91-47/-0, Fax -33 • ISSN 1438-8065 • 27. Jahrgang, Nr. 191

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April / Mai 2016

Liebe Leserinnen und Leser,
ein Schwerpunktthema dieser Ausgabe ist das 20-jährige Jubiläum des
von der GRÜNEN LIGA Berlin
betriebenen Ökomarktes am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg. Lesen

EditoriaL
Sie, wie seinerzeit die Idee dazu entstand und wie er sich über die Jahre
zu einer regelrechten Institution im
Bezirk und darüber hinaus entwickelte. In weiteren Beiträgen geben
wir beispielsweise einen Ausblick
auf den Berliner Klima-Tag oder
stellen ein Kunstprojekt Pankower
Schüler vor. Auch berichten wir über
gesunde Lebensmittel aus Ungarn
oder Aufforstungsprogramme in
Brasilien.
Wir konnten in den letzten
Wochen viele neue Abonnenten
gewinnen. Vielen Dank für das
Vertrauen. Wenn auch Sie sich
für ein Abo entschließen könnten,
wäre das für uns eine große Hilfe
und das Weitererscheinen des
RABEN RALF könnte abgesichert werden.
Damit unsere Zeitung auch
weiterhin über umweltrelevante
Themen berichten kann, brauchen wir Ihre Spenden. Deshalb
läuft unser Spendenaufruf weiter.
Die Redaktion wünscht viel Spaß
bei der Lektüre der neuen Ausgabe.
Für Anregungen, Kritik und Lob
sind wir immer dankbar - schreiben
Sie uns!
raberalf@grueneliga.de
Volker Voss

Aus dem Inhalt
Interview mit der Ökomarktgründerin . . 3
Ökomarkt am Kollwitzplatz wird 20. . . . 4
Fahrrad-Volksentscheid . . . . . . . . . . . . 5
Eindrücke von der Reisemesse ITB . . . 6
Bio-Tonne oder selbst kompostieren? . 7
Grüne Paradiese in der Stadt . . . . . . . . 8
Kunstprojekt Pankower Schüler . . . . . . 9
VW Abgasskandal – und kein Ende . . 10
Infodienst Gentechnik. . . . . . . . . . . . . 11
Fünf Jahre GAU in Fukushima . . . . . . 12
Zweiter Berliner Klima-Tag . . . . . . . . . 13
Gesunde Lebensmittel aus Ungarn . . 14
Gewalt gegen Staudammgegner . . . . 15
UBA-Studie: Murks? Nein Danke! .16/17
Umweltfilme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
Lokaler Nachhaltigkeitspreis 2016 . . . 19
Der gespaltene Konsument . . . . . . . . 20
Anbau alter Weizenarten . . . . . . . . . . 21
Die Winterlinde, Blume 2016 . . . . .22/23
Ralf Kocht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
Aufforsten in Brasilien . . . . . . . . . . . 25
Schülerzeitschrift Peppercorn . . . . 26
Umweltbibliothek . . . . . . . . . . . . . . . 27
Termine/ Kleinanzeigen . . . . . . . .28/29
Impressum/ Leserbriefe . . . . . . . . . . 30
Umwelt-Adressen . . . . . . . . . . . . . . . 31

Klimaschutz – können wir alle!
Das 21. Umweltfestival der GRÜNEN LIGA Berlin

Z

u viel Schnee und zu wenig statt mit dem Auto fahren, das Telefon linarische Köstlichkeiten, frische und
Schnee, Dürren und Über- mit tragbaren Solarzellen aufladen, für regionale Produkte von Bauern aus der
schwemmungen, zu warme Win- mehr Grün in der Stadt sorgen oder Region, Mitmachspiele für Jung und
ter und zu heiße Sommer
Alt, die Outdoorlounge
– dass der Klimawandel
der GRÜNEN LIGA zum
in vollem Gange ist, kann
Chillen, Straßentheater,
inzwischen jeder von uns
Toben im Heu – für jeden
erkennen. Dass jeder von
ist etwas dabei.
uns einen Beitrag zum
Das Umweltfestival,
Schutz des Klimas leisten
als Europas größte ökomuss, sollte inzwischen
logische Erlebnismeile
auch jedem klar sein.
mit Musik, Theater und
Und wie leicht das gehen
Familienangeboten und
kann, zeigt die GRÜNE
die Fahrradsternfahrt des
LIGA mit ihren rund
ADFC – das bedeutet einen
230 Aussteller_innen
Überblick über umweltbeim Umweltfestival am
freundliche Mobilität und
Brandenburger Tor.
Projekte des Umwelt- und
„Wichtig ist uns beim
Naturschutzes. Zusammen
Umweltfestival immer,
haben sie sich als ein fester
praktikable Lösungen Die Gewinner des Vorjahres
Termin im vielfältigen
für den Alltag zu bieten.
Eventkalender Berlins
Foto: GRÜNE LIGA etabliert und zu einem umDenn nur so können wir
etwas für unser Klima,
weltpolitischen und kultuunsere Umwelt tun und damit die beim Einkauf häufiger zu Produkten rellen Höhepunkt in der Region Berlin
Möglichkeit eines guten Lebens auf der aus dem ökologischen Landbau greifen. entwickelt.
Erde erhalten“, sagt Karen Thormeyer, Möglichkeiten gibt es viele: Auf dem
Am 5. Juni, 11:00-19:00 Uhr am
Geschäftsführerin der GRÜNEN Umweltfestival werden diese vorge- Brandenburger Tor
LIGA Berlin. „Wir wollen mit allen stellt und können vor Ort ausprobiert
Alle Informationen zum UMWELTAngeboten am 5. Juni zeigen, dass der werden.
FESTIVAL: www.umweltfestival.de
Das ist seit jeher das Besondere an
Verzicht auf klimaschädliche Produkte
und die Änderung von umweltbela- der Umweltmeile am Brandenburger
stenden Verhaltensweisen eben etwas Tor: Hier kann sich jeder direkt mit
Das UMWELTFESTIVAL 2016
Positives bedeutet: Wir gewinnen sehr den Aussteller_innen, Verbänden, Fir- wird durch das Umweltbundesamt mit
men und Initiativen austauschen; sich Mitteln des Bundesministeriums für
viel Lebensqualität hinzu.“
Insbesondere in Städten – in denen informieren und Kontakte knüpfen, Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorweltweit inzwischen mehr Menschen anfassen und mitmachen. Außerdem sicherheit gefördert. Hauptsponsoren
leben als auf dem Land – werden die gibt es Tipps an die Hand, wie sich sind die GASAG, der Fachverband
Folgen des Klimawandels künftig dieses Wissen ganz praktisch im eige- Kartonverpackungen für flüssige
noch viel stärker spürbar werden. Und nen Alltag anwenden lässt und welche Nahrungsmittel e. V. und die Alnatura
dabei ist es relativ einfach, tagtäglich Handlungen sinnvoll und machbar sind. Produktions- und Handels GmbH. WeiNeben all den Bildungs- und In- tere Unterstützer sind der NABU, die
mit einfachen Handlungen das Klima
und die Umwelt zu schützen und formationsangeboten kommen auch UmweltBank und die LEBENSBAUM
gleichzeitig etwas für sich selbst tun, der Spaß und das leibliche Wohl nicht GmbH.
zum Beispiel: Öfter mit dem Fahrrad zu kurz. Musik auf zwei Bühnen, kuAnke Ortmann

Der Große Preis des Umweltfestivals
Von Biodünger bis Öko-App: Wir suchen Ihre Idee

A

m 5. Juni 2016, beim Umweltfestival der GRÜNEN LIGA Berlin, wird zum vierten Mal der Große
Preis des Umweltfestivals verliehen!
Ausgezeichnet werden originelle, umweltfreundliche und alltagstaugliche
Produkte und Ideen unterschiedlichster
Art. Der Preis soll herausragendes
Engagement und bewundernswerte
Leistungen im Umweltschutz belohnen, ausdrücklich hervorheben und
ihnen eine besondere Anerkennung
zukommen lassen. Alle Produkte, die
von den Aussteller_innen direkt auf
dem Umweltfestival präsentiert werden, sei es ein mobiles Solarladegerät,
eine Bio-Wurst, ein Elektrofahrrad
oder ein erlesener Öko-Wein, können

prämiert werden.
Somit können sehr unterschiedliche Produkte um den großen Preis
konkurrieren. Wichtig ist, dass sie
ökologisch, sinnvoll und alltagstauglich sind. Zusätzlich sollen sie eine
Vorbildfunktion erfüllen, um andere
Menschen zur Nachahmung anzuregen.
Die preisgekrönten Produkte sollen
also auch als Inspiration dienen. Dadurch unterstützen sie die Entstehung
neuer ökologischer Projekte und
können einen wichtigen Beitrag zur
nachhaltigen Entwicklung leisten.
In diesem Zusammenhang kann die
Bedeutung des Umweltfestivals in der
Förderung von Natur- und Umweltschutz gefestigt sowie die nationale

und internationale Bekanntheit des
Festivals gesteigert werden.
Nehmen Sie teil am Großen Preis
des Umweltfestivals 2016! Die Preisverleihung findet auf der Großen Bühne
statt: vor tausenden Besucher_innen
werden die Gewinner-Produkte geehrt.
So können Sie Ihr Gewinner-Produkt
auch in der breiten Öffentlichkeit
bewerben.
Zu gewinnen gibt es attraktive
Geld- und Sachpreise. Es ist möglich,
sich auch mit mehreren Produkten
anzumelden. Bewerbungsschluss ist
der 1. Mai 2016.
Weitere Informationen: www.umweltfestival.de
Teresa Tonndorf

IM RABENBLICK

April / Mai 2016

3

Eine Erfolgsstory für Biobauern und Verbraucher
20 Jahre Ökomarkt am Kollwitzplatz
Ein Interview mit der Marktgründerin
Gisela Mwaun-Gulu: Gemeinsam
schauen wir auf die bewegenden Jahre
mit all ihren Höhen und Tiefen zurück.
Gisela, wie bist Du damals im Sommer 1996 auf die Idee gekommen, am
Kollwitzplatz einen Ökomarkt auf die
Beine zu stellen?
Gisela Mwaun-Gulu (GMG): Ich
hatte Anfang der neunziger Jahre
den damals florierenden Ökomarkt
auf dem Leopoldplatz im Wedding
kennengelernt und war total begeistert
und wild entschlossen, das auch im
Ostteil der Stadt zu versuchen. Ich
habe alle Bezirksämter abgeklappert,
aber nur beim damaligen Pankower
Bürgermeister fand ich dafür offene
Ohren und einen aktiven Unterstützer.
Er übernahm sofort die Schirmherrschaft. Aber so richtig wollte es mit
unserem kleinen Markt auf dem riesigen Platz vor der Pankower Kirche
nicht klappen. Zumal in den Jahren
nach der Wende rechts und links
immer mehr Autos ihre Auspuffgase
über den Marktplatz bliesen. Aber wir
– das Häuflein Enthusiasten – wollten
auf keinen Fall aufgeben. Und als ich
dann bei der GRÜNEN LIGA Berlin
in der Prenzlauer Allee anfing, stand
für uns fest: Dieser Markt gehört an
den Kollwitzplatz.

Projekt genau an den Platz passte, der
den Namen von Käthe Kollwitz trägt.
Und der Kunden-Ansturm gab uns
Recht! Für unsere Besucher_innen
war es außerdem einfach Klasse, dass
es den tollen Spielplatz rund um das
Kollwitz-Denkmal gibt, auf dem sich die
Kinder tummeln können, während sich
die Eltern in Ruhe bei den Marktleuten
umsehen und einkaufen. Und für den
kleinen Öko-Imbiss zwischendurch
war auch gesorgt, zum Beispiel bei
Thomas Adamiec mit seinen leckeren
Waffeln und dem köstlichen Yogi-Tee

Strahl, der mit seinem kleinen Bio-Hof
aus Werben im Spreewald schon seit
1991 zu den ersten Brandenburger
Bio-Bauern überhaupt gehört. Man
muss sich ja daran erinnern, dass der
Ökolandbau für viele Bauern und auch
für die Verbraucher absolutes Neuland
war. In der DDR gab es keinen Ökolandbau oder nur in Nischen. Aber gerade
dieses gesunde, frische, von Chemie
unbelastete Angebot fand schnell
großen Anklang – besonders bei den
„Alternativen“ vom Prenzlauer Berg.
Und bald war der Markt ein Renner

Berlin-Karow vergessen. Sie gehörte
schon damals zu der Handvoll Berliner
Imker, die ihre Bienenvölker nach den
strengen Bioland-Kriterien halten, und
ihr leckerer Rapshonig gehört nach wie
vor zu meinen Favoriten. Ich kann gar
nicht alle aufzählen, die zu unseren
Ökomarkt-Pionieren gehören. Israel
Kaunatjike aus Namibia zum Beispiel,
der mit wunderschönen naturbelassenen
Stoffen oder Schnitzereien von kleinen
Kunsthandwerkstätten und -Projekten
aus afrikanischen Ländern vertreten war
oder Inge Felkel mit ihren Natursteinen.
Auf dem Foto der ÖkomarktPioniere vom Kollwitzplatz sehe ich
zum Beispiel auch Conny Pawlik.
Wie ist das mit den Bio-Richtlinien
für Fisch?
GMG: Das war gar nicht so einfach
– es gab sie nämlich nicht. Deshalb
sind wir selber rausgefahren zur
„Löcknitz-Forelle“ und haben uns vor
Ort überzeugt , dass die Fischzucht,
-haltung und-räucherei den umweltgerechten Kriterien entspricht, die
wir als Ökomarkt-Betreiber vertreten
konnten. Conny hat uns auch in all
den Jahren die Treue gehalten. Sie
liebt alles, was auf und im Wasser
lebt, so sehr, dass sie mit Ihrem
„Männe“ sogar ihren Urlaub jedes
Jahr im Boot auf nahen und fernen
Gewässern verbringt.

Warum gehört er gerade an den
Hat es damals neben dem „MarktKollwitzplatz?
Alltag“ auch schon Feste gegeben,
GMG: Die Gegend rund um den Kollwitzplatz - das war damals einer der Die Ökomarkt-Pioniere (v.l.n.r. Regina Schröter, Brigitta Schön, Ronny Elksnat, Thomas wie jetzt im Sommer oder im
wichtigsten Orte alternativen Lebens Adamiec, Ingel Felkel, Nikolaus Fink, Conny Pawlik, Edelgard Schüler, Sophie Bonhoff und Advent?
GMG: Na, das ist doch klar. Die
im östlichen Berlin, wo eben auch Gisela Mwaun-Gulu)
Adventsmärkte haben seit damals
ein solch unkonventioneller UmweltFoto: Corinna Seide Tradition, wie auch, dass dabei
verband wie die GRÜNE LIGA mit
Bio-Gänse verkauft wurden vom
seinen praktischen und lebensnahen
Projekten genau richtig angesiedelt war. oder Holunder-Saft. Sein Imbisswagen auch für Kunden von weiter her. Viel Naturhof Gassmann und von Andreas
Geld hatten unsere Marktkunden von Rebotzke, der ebenfalls von Anfang an
GRÜNE LIGA und Ökomarkt – das war war ständig umlagert.
damals nicht, aber sie haben es eben zu den festen Größen des Ökomarkts
eine super Kombination, und die Idee
fand sofort begeisterte Zustimmung bei Du hast vorhin von dem „Häuflein lieber sinnvoll ausgegeben für Produkte, gehört. Mit einem Gläschen heißem
den Machern. Es war aber gar nicht so Enthusiasten“ gesprochen. Kannst für deren Qualität unsere Biobauern die Holunder-Saft von Thomas ließ sich
auch die Kälte aushalten.
Hand ins Feuer legen können.
du dieses genauer erklären?
einfach, sie umzusetzen.
GMG: Ja, einige unserer damaligen
Was waren die Schwierigkeiten bei Ökomarkt-Pioniere sind bis heute Gab es damals schon ein so reichhal- Wenn du zurückdenkst an deine
dabei oder waren es zumindest lange tiges Angebot auf deinem Ökomarkt, Jahre als Marktleiterin – was ist
der Gründung?
geblieben?
GMG: Es war durchaus nicht so, dass Jahre. Sie haben manche Durststrecke wie heute?
wir bei den damaligen Stadträten mit überstanden und sich nicht entmutigen GMG: Wir haben uns von Anfang an GMG: Ich habe den Markt geliebt –
unserem Ökomarkt-Projekt offene lassen. Das finde ich einfach großartig: um ein breites Angebot bemüht. Na- sommers wie winters. Auch wenn mal
Türen einrannten. Wir hatten ziemliche Zum Beispiel Gunther Gassmann mit türlich gab es auch leckeren Kuchen der Strom ausfiel, oder wenn bei Sturm
Widerstände zu überwinden, und erst, seinem Naturhof von Altmädewitz in und Vollkornbrot, zum Beispiel von Marktbuden zusammenkrachten. Es
als Dorothee Dubrau vom Bündnis der Oderaue. Er hatte 1997 und auch der UFA-Bäckerei. Oder Ronny Elksnat war eine wunderbare Zeit. Der direkte
Prenzlauer Berg für Stadtentwicklung in späteren Jahren schwer mit dem mit seinem Urwaren-Stand. Auf seinen Kontakt mit den Marktleuten und mit
verantwortlich wurde, bekamen wir Oderhochwasser zu kämpfen und hat naturgegerbten Schaffellen haben sich den Kunden war einfach toll. Und ich
„grünes Licht“ für den Standort Koll- durchgehalten mit seinem Bioland- schon Generationen von Babies geku- ziehe vor Allen den Hut, die all die
schelt, ohne dass die Eltern vor Allergien Jahre durchgehalten haben und mit
witzplatz. Auf die alternativen Projekte, Betrieb.
die dort angesiedelt waren, konnten Oder der Florahof aus Potsdam-Bornim. Angst haben mussten. Das gilt auch ihren Produkten gezeigt haben, dass
wir sowieso zählen: Zum Beispiel den Edelgard und Hartmut Schüler haben ihr für Regine Schröder mit ihren Öko- „BIO“ Zukunft hat! Ich wünsche dem
Treffpunkt für die Aktiven „Kolle 66“, Obst und Gemüse, das sie nach den be- Textilien, bei der besonders die jungen Ökomarkt der GRÜNEN LIGA am
auf die Studentenkneipe „Westphal“, die sonders aufwändigen demeter-Regeln Mütter gerne einkauften. Oder Sophie Kollwitzplatz jedenfalls viele weitere
uns großzügig ihre Stromanschlüsse zur anbauen, jeden Donnerstag frisch vom Bonhoff, die zur Freude der Kinder mit erfolgreiche Jahre.
Verfügung stellten, auf das Netzwerk Feld angeboten, bis sie aus gesund- ihrem Spinnrad vor dem Marktstand
Spielkultur und auch auf viele Anwoh- heitlichen Gründen aufhören mussten. saß und naturgefärbte Schafwolle Das Interview führte
ner_innen, die uns auch praktisch unter- Zu den Ersten gehörten auch der Gärt- spann. Auf gar keinen Fall darf ich DER RABE RALF
stützten. Sie alle fanden, dass ein solches nerinnenhof Blumberg oder Hans-Peter unsere Imkerin Brigitta Schön aus

4

April / Mai 2016

TITELTHEMA

Fortsetzung von Seite 1: Ein Grund zum Feiern

Menschen aus aller Welt kommen dem eigenen Namen für den Wert des
Ernährungsfragen sowie über die
Herstellung der Produkte informie- hier zusammen, an diesen schönen Ort, Produkts einstehen kann.
ren, sich kompetent beraten lassen an dem man sich austauschen und einen
und natürlich soll man gut einkaufen Beitrag zu einer ökologisch faireren
Köstliche Speisen
können. Das spürt man vom ersten bis Welt leisten kann.
Ein griechischer Händler verkauft
zum letzten Stand, denn ganz anders
Hunger muss man beim Einkaufen
als im Supermarkt hat man es hier die Oliven vom Bauernhof seines auch nicht leiden, indisches Dal (eine
mit Verkäufer_innen zu tun, die das Sohnes, ein junger erfinderischer Mann köstliche würzige Linsensuppe), eine
Entstehen ihres Produktes detailreich bietet die erste Bio-Pizza Berlins aus Dinkelwaffel (ganz nach dem Motto
kennen, in vielen Fällen sogar miterlebt einem Steinofen an, den er selbst auf Dinkel macht glücklich) oder eine
haben. Ungewöhnlich ist auch, dass die Ladefläche seines Autos gebaut Tannenwälder Bratwurst mit einer
der Markt erst um 12 Uhr beginnt. So hat, eine Dame bietet indische Schals der 17 verschiedenen Senfsorten und
haben die Bauern die Möglichkeit, die an, die sie in Kooperation mit einer vieles mehr können die Kunden auf
am Morgen geerntete Ware auf dem Frauenkooperation vor Ort herstellt. dem Markt erfreuen. Sehr beliebt sind
Markt anzubieten. So wird die Frische Zudem bietet ein Ruderbegeisterter, der die vielfältigen, nach eigenem Rezept
das Bootshaus Elektra in Schöneweide kreierten Crêpes-Spezialitäten von
der regionalen Produkte garantiert.
Die drei Biolandwirte der Bauer- wieder aufbauen möchte, Bio-Wein an. Lacramioara Suciu. Dort stehen die
höfe Naturhof Gaßmann, der kleine Zudem bietet ein älterer Herr Felle aus Marktbesucher meist Schlange, um ihre
Hof im Spreewald und Bioleckeren Crêpes-Angebote zu
landhof Rebotzke, sind seit
genießen. Mittlerweile sind
vielen Jahren fester Bestandihre Spezialitäten stadtweit
teil des Marktes, so dass sie
gefragt.
große Erfahrung mit der
All das wird nicht wie
Kundschaft haben und gut
sonst üblich auf einem Einauf diese eingehen können.
weg-Plastikteller serviert.
Zusätzlich gibt es saisonNein, die Händler lassen
abhängig noch eine weitere
ihrer Kreativität freien Lauf,
Bäuerin. Anfangs haben
Holzbrettchen für die Pizza,
die Bio-Bauern Günther
dünne Holzschälchen für die
Gaßmann und Hans-Peter
italienischen hausgemachten
Strahl nur hofeigene ProdukRavioli und Pasta-Sorten,
te verkauft. Um die Vielfalt
sowie Tassen zum Selbstzu erhöhen, bieten sie nun
mitbringen für den Kaffee.
auch Produkte von NachbarDer Markt ist nämlich eine
Biobauern an. Der Stand des Marktleiterin von Anbeginn: Elisabeth Westphal
abfallfreie Institution.
Biolandhofs Rebotzke bietet
Nächstes Ziel: Völlig
Foto: GRÜNE LIGA Berlin
nun beispielsweise bis zu 28
plastikfrei werden. Ein ProApfelsorten an.
dukt, was zur Plastikfreiheit
Zusätzlich kann man sich beim einem Joint Venture mit Portugal an. hinwirkt, kann man am Stand der GRÜEinkaufen Bilder der Bauernhöfe Das sind nur einige Beispiele für die NEN LIGA Berlin erwerben: Es handelt
ansehen und wenn man möchte, diese Menschen und die Geschichten, die sich um den fette(n) Beute(l). Er soll als
sicherlich auch besuchen, es entsteht hinter den Ständen stehen.
Gegenmodell für die vielen Plastiktüten
hier quasi eine Bindung zum Verkäufer
Das Marktangebot ändert sich dienen. Doch trotz der vielen Fortschritund zum Produkt, das man kauft. And- natürlich im Laufe der Jahre, aber vor te konnte man in manchen Situationen
reas Rebotzke verkauft nicht nur Eier allem auch mit der Saison: Es werden noch keine gute Alternative finden,:
aus eigener Produktion, sondern auch andere Produkte angeboten, je nach dem Beispielseweise für das Abpacken des
Hühnerfleisch. Die Hühner werden was regional auf den Feldern gerade frischen Fleischs oder Fischs.
dienstags von ihm selbst geschlachtet. wächst, aber auch was die Kundschaft
Somit ist das Fleisch beim Einkauf in gewissen Jahreszeiten lieber kaufen.
Umfassendes Konzept
noch nie gefroren gewesen - frischer Walter Kozuch verkauft zu allen Jahresgeht’s eigentlich nicht. Aus den nicht zeiten handgearbeitete Filzwerkschuhe
Am Stand der GRÜNEN LIGA,
verkauften Hühnern stellt der Bioland- und –sohlen aus reiner Schurwolle Organisator des Ökomarkts, kann man
hof frischen Geflügelsalat selbst her. aus dem Erzgebirge. Als seit über 30 sich tiefgehender über den Markt inforDer Biolandhof Rebotzke hält seine Jahren ökologisch orientierter Mensch mieren, sowie über aktuelle Projekte der
400 Hühner artgerecht.
engagiert er sich in verschiedenen Ver- NGO und über Kräuterwanderungen.
bänden der Ökobranche und wird auch Hier ist Elisabeth Westphal, seit 2001
immer wieder zu Vorträgen eingeladen. Leiterin des Ökomarkts, die beste
Reichhaltiges Angebot
Die Stoffe und Farben seiner Schuhe Ansprechpartnerin. Aber nicht nur in
Sachen Wildkräuter ist sie eine Expertin,
Doch beschränkt sich das Angebot entwirft er selbst mit.
Der Fischhändler ist von Beginn an sie kennt sich auch bestens mit Pilzen aus
des Ökomarkts nicht nur auf Obst und
Gemüse. Hier wird vielen kreativen dabei. Er bietet selbstgefischten Fisch und berät auch bei Ernährungsfragen.
Menschen die Chance geboten, ihre aus den Binnenseen um die Löcknitz Als Leiterin des Marktes ist sie für alles
originelle Idee unters Volk zu bringen. herum an. Dabei wird darauf geachtet, auf und rund um ihn verantwortlich,
Eine der wenigen Regeln ist, dass dass es sich weder um gefährdete Arten sorgt dafür, dass er ständig lebendig
sie ökologisch vertretbar sein sollte. noch um Massentierhaltung handelt. und anziehend bleibt. Mit großem
Von der ersten Rohkostmarmelade Auch Knippenbergs Käse und Fein- Geschick und Hingabe sorgt sie auch
Deutschlands (deutlich gesünder weil koststand ist seit 1996 Bestandteil für die Atmosphäre des Markts. Sie
ungekocht) über selbst gestrickte des Markts. Das Besondere ist hier, schafft es, die Stände richtig aufeinander
Kragen und eine Tofumanufaktur, die dass Ivo Knippenberg, selbst viel reist abzustimmen, so dass ein sinnvolles
Tofu aus deutschem Soja herstellt, bis und bei manchen seiner Produkte aus Ganzes entsteht und hat ein Gespür für
zu eleganter mongolischer Kashmir den unterschiedlichsten Ländern nicht originelle Ideen. Wie Monika Meischt,
mit dem Biosiegel, sondern sogar mit die an ihrem Stand „Erna“ Heilerde und
Kleidung fehlt es an nichts.

-öle anbietet, es schön ausgedrückt hat:
„Ohne Elisabeth herrscht eine ganz
andere Energie auf dem Markt. Wir
Händler spüren das, wenn sie mal nicht
da ist. Sie hat ein gutes Gefühl dafür,
was zusammenpasst.“ Auch ist ihr das
Konzept des Ökomarkts sehr wichtig, so
dass sie viele Dinge selbst ausprobiert
und die Produkte beinahe so gut kennt,
wie es die Händler selbst tun. Aber sie
vermittelt auch mit Geschick, wenn
die Anerkennung des Biosiegels noch
nicht vorliegt.
Zum zwanzigsten Geburtstag des
Marktes hat die GRÜNE LIGA Berlin
viel Erfahrung, auf die sie zurückschauen
kann, aber natürlich denkt man in solchen Momenten auch verstärkt an die
Zukunft. Was wünschen sich die Händler
für die Zukunft des Marktes? Wie kann
man mehr Leute davon überzeugen, die
von dem Markt vertretenen Prinzipien
wertzuschätzen? Welche Folgen wird der
Strukturwandel in der Landwirtschaft
auf den Markt haben?
Auch wenn Bio-Bauer Andreas Rebotzke vom Biolandhof Karola Rebotzke
angibt, „wunschlos glücklich“ mit der
Situation des Marktes zu sein, gibt es
andere Händler, die etwas besorgt in
die Zukunft schauen. Bio-Bauer Günther Gaßmann wünscht sich, dass der
Gesetzgeber Werbung für Lebensmittel
verbietet oder zumindest einschränkt.
Außerdem macht er sich Gedanken darüber, ob seine Kinder noch von seinem
Biohof leben werden können. Denn als
fair handelnder Bauer ist es schwer, sich
zu behaupten, obwohl sich immer mehr
Menschen eine nachhaltigere Herstellung wünschen. Die Marktleiterin ist
der Meinung, dass ein Schritt weg von
der „Geiz ist geil“- Mentalität viel dazu
beitragen würde, eine faire und ökologischere Landwirtschaft zu schaffen.
Der Ökomarkt soll den Menschen als
Alternative dienen und auch die nächsten
20 Jahre so beliebt bleiben.
Freuen Sie sich auf französischen
Käse, georgischen Wein, mongolischen
Mittagstisch, griechische Oliven, toskanische Ravioli, erzgebirgische Filzpantoffeln, ostbrandenburgische Kartoffeln,
Berliner Dinkelwaffeln, holsteinisches
Tofu, havelländische Äpfel und vieles
mehr!
Die große Feier zum 20. Geburtstag
findet am 22. September statt, wenn die
Ernte eingefahren ist.
Teresa Tonndorf, Dora Ivan
Weitere Informationen: www.grueneliga-berlin.de/themen-projekte2/
oekomarkt/
Öffnungszeiten: Jeden Donnerstag
von 12 bis 19 Uhr
Standort: Berlin-Prenzlauer Berg,
am Kollwitzplatz
Anfahrt: Tram M2 Marienburger
Straße U2 Senefelder Platz

MOBILITÄT

April / Mai 2016

5

Volksentscheid Fahrrad
Für ein lebenswertes Berlin

B

erlin wächst. Und Berlin muss
auch an seinen Aufgaben wachsen. Diese hat sich die Stadt
zum Teil selbst gesetzt, zum Beispiel
mit dem ehrgeizigen Ziel, Berlin bis
2050 klimaneutral zu gestalten. Die
Förderung des Radverkehrs ist in den
Maßnahmen fest verankert. So sieht
die Berliner Radverkehrsstrategie vor,
den Radverkehrsanteil in Berlin bis
2025 auf 18 bis 20 Prozent zu steigern
und auch die zurückgelegte Weglänge
zu erhöhen. Diese Ziele sind gut, aber
wenig ambitioniert: Setzte sich die
derzeitige Entwicklung des Radverkehrs fort, würden diese Zahlen fast
„automatisch“ erreicht. Entsprechend
verhält sich die Politik in Berlin und in
einigen Bezirken: Es wird abgewartet
und es geschieht wenig.
Aber halt! Ohne bessere Infrastruktur ist sehr bald Schluss mit

dem Wachstum des
Radverkehrs. Schon
die heutigen Verhältnisse auf vielen Straßen Berlins verlangen
Radfahrenden einiges
an Wagemut ab –
manchmal möchte
man sogar von Tollkühnheit sprechen.
Wie viele Kinder sieht
man in der Stadt Fahrrad fahren? Wie
viele ältere Menschen? Unsere Vorstellung einer lebenswerten Stadt und
lebendiger Urbanität ist, dass der öffentliche Raum für alle erFAHRbar ist.
Räumlich und sozial gerechte Mobilität, Schutz vor gesundheitsschädlichem Lärm und Feinstaub können nur
durch verkehrspolitische Förderung
des Fahrrads umgesetzt werden. Denn
für Wegstrecken in der Stadt ist es das
effizienteste und platzsparendste Individualverkehrsmittel. Die Initiative
Volksentscheid Fahrrad will dieser Idee
zum Durchbruch verhelfen.

Über die Bedeutung
des Radverkehrs
Dass die Radverkehrsförderung
schon lange kein „weiches“ Thema
mehr ist, zeigt auch der Blick in andere

Städte. Wir schweigen hier von Kopenhagen und Amsterdam, wo schon
seit fast 40 Jahren fortschrittliche
Politik für das Fahrrad betrieben wird
und blicken nach Paris und Madrid,
die derzeit an einem massiven Ausbau
der Fahrradinfrastruktur arbeiten.
Wir schauen nach London, wo Bürgermeister Boris Johnson – selbst
begeisterter Radfahrer – die Politik
zukunftstauglich entsprechend ausrichtet. Der regierende Bürgermeister
von Berlin, Michael Müller, hingegen
betrachtet Berlin offenbar bevorzugt
aus dem Fonds seines Dienstwagens.
Darum muss die Forderung nach einer
neuen Verkehrspolitik eben aus der
Bevölkerung an die Landespolitik
getragen werden.
Die Ankündigung des Volksentscheids Fahrrad mit seinen zehn klaren
Zielen hat bereits eine stadtpolitische
Debatte ins Rollen gebracht. Namhafte
Verbände unterstützen das Anliegen.
Der Volksentscheid Fahrrad verhilft
dem Radverkehr endlich zu dem
Stellenwert, den er verdient. Der Radverkehr soll einen gerechten Anteil an
der Verkehrsfläche erhalten und so in
den Umweltverbund integriert werden,
dass sich dessen Verkehrsarten ergänzen, statt sich gegenseitig zu behindern.

Wie ist der Stand und
wie geht es weiter?
Das Berliner Radverkehrsgesetz
(BerRG) liegt dem Senat im April zur
Kostenschätzung vor. Unmittelbar
nach deren Abschluss Anfang Mai
2016 beginnt die Sammlung der 20.000
Unterschriften, die für den Antrag
auf Einleitung eines Volksbegehrens
notwendig sind.
Für ein klimafreundliches Berlin!
Für den Volksentscheid Fahrrad!
Denis Petri, Volksentscheid Fahrrad
Weitere Informationen:
volksentscheid-fahrrad.de

Rechtsgutachten zeigt auf:
Berliner Senat kann weitere Braunkohletagebaue stoppen

E

in Rechtsgutachten im Auftrag des
Bündnisses Kohleausstieg Berlin
und des Umweltverbandes GRÜNE
LIGA zeigt auf, dass der Senat von
Berlin weitere Braunkohletagebaue in
Brandenburg über die Landesentwicklungsplanung verhindern kann. Das
hatte der Senat noch im Januar bei der
Beantwortung einer kleinen Anfrage
versucht zu bestreiten. Schon im Mai
wollen die Potsdamer Landesregierung
und der Berliner Senat einen ersten
Entwurf des gemeinsamen Planes
beschließen.
„Die Verabschiedung weiterer
Braunkohlenpläne für den Aufschluss
bisher nicht festgesetzter Abbaugebiete
in Brandenburg kann durch eine Zielfestlegung im gemeinsamen Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg
(LEP) verhindert werden“, schreibt
der in Bergbaufragen bundesweit
renommierte Rechtsanwalt Dirk Tessmer in seiner rechtsgutachterlichen
Überprüfung und widerlegt damit
eine Aussage des Senates von Januar (Abgeordnetenhaus-Drucksache
17/17681).
„Derzeit ist die Trinkwasserversorgung Berlins akut von bergbaubedingter Sulfatbelastung bedroht. Der

Senat muss ein verbindliches Ziel im
Landesentwicklungsplan durchsetzen,
das für die Zukunft solche Probleme
verhindert. Wann soll das passieren,
wenn nicht bei den im Mai anstehenden
Verhandlungen mit Brandenburg?“
sagt Karen Thormeyer, Landesgeschäftsführerin der GRÜNEN LIGA
Berlin.
„Es ist höchst bedenklich, dass
der Senat das Abgeordnetenhaus
über die bestehenden Möglichkeiten
offenbar falsch informiert hat. Berlin
hat es nicht nötig, vor der Brandenburgischen Kohlelobby einzuknicken. Die
Klimaschutzziele der Bundesregierung
zeigen klar, dass Braunkohleverstromung ein Auslaufmodell ist. Es ist
deshalb höchste Zeit, auch in der
Landesplanung klarzustellen, dass es
keine weiteren Tagebaue mehr geben
darf“, sagt Eva Rönspieß von BürgerBegehren Klimaschutz für das Bündnis
„Kohleausstieg Berlin“.
„Mehrere Brandenburgische Kommunen fordern von der Landesplanung
den verbindlichen Ausschluss neuer Tagebaue. Sie wollen Planungssicherheit
für ihre Entwicklung statt dem ewigen
Damoklesschwert des Kohleabbaus“,
berichtet René Schuster, Mitglied des

Brandenburgischen Braunkohlenausschusses.
In seiner Antwort auf eine kleine
Anfrage im Abgeordnetenhaus hatte
der Senat im Januar behauptet, die
gemeinsame Landesentwicklungsplanung beider Länder könne keinen
Einfluss auf die Braunkohlenplanung
in Brandenburg nehmen. Das hat sich
eindeutig als falsch erwiesen.
Der durch den Braunkohleabbau
verursachte Anstieg von Sulfat in der
Spree stellt immer mehr die Einhaltung
des Trinkwasser-Grenzwertes von 250
Milligramm pro Liter in Berlin in Frage.
Mit Friedrichshagen gewinnt das größte
Berliner Wasserwerk sein Wasser aus
dem Uferfiltrat des Flusses. Am 11. März
wurde im Wasserwerk Briesen in Brandenburg mit 237 Milligramm pro Liter
der bisher höchste Sulfatwert gemessen,
berichtete die Märkische Oderzeitung
Ende März. Das nächste Wasserwerk
im Spreeverlauf ist Friedrichshagen.
Für die zahlreichen auf Braunkohlevorkommen stehenden Dörfer
der Brandenburgischen Lausitz existiert
derzeit keinerlei rechtliche Festlegung,
dass sie nicht durch Tagebaue in Anspruch genommen werden. Mehr als
das Versprechen des früheren Minister-

präsidenten Matthias Platzeck in einer
Pressekonferenz im Jahr 2007 haben die
Bewohner dieser Orte nicht in der Hand.
Diese Lücke könnte ein entsprechendes
Ziel im Landesentwicklungsplan füllen.
René Schuster
Werbeplakat

6

VERBRAUCHER

April / Mai 2016

Eindrücke von der ITB
Zwischen Reiseboom, Nachhaltigkeitsanspruch und Science Fiction

C

hihira hatte ihren ersten öffentlichen Auftritt vor einem
Fachpublikum auf der diesjährigen Internationalen Tourismus Messe
Berlin (ITB). Dafür wurde sie schick
zurechtgemacht. Mit einem hellblauen,
kniebedeckenden Kostüm bekleidet,
frisch gestylt mit schulterlanger, moderner Frisur trat sie auf die Bühne und
beantwortete Fragen in verschiedenen
Sprachen. Ein bisschen unbeholfen
wirkten ihre Bewegungen, auch die
Stimme wirkte irgendwie monoton.
„Sie brauchen keine Angst vor mir zu
haben“, versicherte sie dem versammelten Fachpublikum. Dieser Hinweis hatte
durchaus seine Berechtigung. Chihira
ist nämlich keine „normale“ Person,
sondern ein Android, ein „intelligenter“
Roboter in Menschengestalt. Sie wurde
vom japanischen Elektronik-Konzern
Toshiba hergestellt und hat noch zwei
Schwestern.

Gemischte Gefühle
Hitoshi Tokunde, der dieses in
Menschengestalt geschaffene Science
Fiction-Model präsentierte, strahlte bei
der Vorstellung über das ganze Gesicht.
Doch nicht alle Anwesenden waren so

werbe sowie an Informationsständen
zum Einsatz kommen können. Diese
Androiden seien so geschaffen, „dass
sie wie menschliche Wesen aussehen,
attraktiv auf Menschen wirken, Ausdrucksvermögen haben, sich an Kunden
erinnern und auch immer die gleichen
Aufgaben wiederholen können“.

„Schöne“ neue Urlaubswelt
Doch sind die Urlauber überhaupt
bereit, sich auf die Reise in eine Science
Fiction-Welt mit Robotern zu begeben?
Richard Singer, Präsident von Travelzoo Europe, der zunächst bestätigt, ein
wirklich menschliches Wesen zu sein,
präsentiert eine länderübergreifende
Befragung zum Thema Akzeptanz
von Androiden bei Urlaubern. Über
80 Prozent der Befragten bevorzugen
jedoch Menschen an der Hotelrezeption
und ebenso „echte“ Kellner im Restaurant. Doch wenn schon Roboter zum
Einsatz kommen, sollten sie gefälligst
auch wie Roboter aussehen und nicht
wie Menschen, wünschen sich über 50
Prozent. Auch fänden es rund 40 Prozent
furchterregend, nach dem Check-In
auf dem Flughafen von einem Android
zum Einstieg in den Flieger begleitet zu

Arbeitsplatzverlust?
Der Einsatz von Robotern in der Arbeitswelt bleibt ganz sicher nicht ohne
Folgen. Studien einiger Forscher wie
beispielsweise von Dr. Carl Benedikt
Frey und Michael A. Osborne, beide
von der Universität Oxford, Fachbereich
Technology and Employment, verweisen darauf, dass innerhalb der nächsten
Jahre bis zu 50 Prozent der Arbeitsplätze
in der Tourismusbranche und anderen
Bereichen des Dienstleistungssektors
aufgrund der Technologieentwicklungen
und des Einsatzes von künstlicher Intelligenz wegfallen werden. Eine Krise der
Arbeit käme in den nächsten Jahren auf
uns zu, sagen sie. Dem hingegen wird
in der Reisebranche teilweise immer
noch von einem Fachkräftemangel
in den nächsten Jahren ausgegangen,
ohne die Veränderungen aufgrund der
technischen Entwicklungen in Betracht
zu ziehen.

Klimawandel
durch Tourismus?

Wie in den Vorjahren stand auch
dieses Jahr wieder der Klimawandel
auf der ITB-Agenda. In diesem Zusammenhang wurde dann zum x-ten Mal
mehr Nachhaltigkeit im Tourismus
angemahnt, ebenso wird ein „anderer
Tourismus“ oder eine „Transformation des Tourismus“ gefordert. Schließlich seien die Herausforderungen, die
der globale Klimawandel mit sich
bringt, auch ein Diskussionsthema
in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. In Bezug auf die weltweiten
Urlaubsströme wurde festgestellt:
„Der globale Tourismus ist sowohl
Verursacher als auch Betroffener des
Klimawandels“, so Prof. Dr. Stefan
Gössling, School of Business and
Economics, Kalmar (Schweden).
„Nachhaltigkeit ist ein zeitloses
Thema. Es gewinnt immer mehr an
Bedeutung“, sagt Antje Monshausen,
Brot für die Welt, Bereich Tourism
Watch. „Viele Gesellschaften setzen
auf den Tourismus als Motor für
wirtschaftliche Entwicklung und Armutsbekämpfung“, so Monshausen
weiter. „Doch haben breite Teile der
Hitoshi Tokunde stellt Dienstleistungs-Android Chihira vor
Bevölkerung in den armen ZiellänFoto: Volker Voss dern nichts davon.“ Einige Länder
setzen neuerdings auf „Kulturreisen“
als anspruchsvolle Alternative zum
begeistert wie er. Eher gemischt waren werden. Es gibt jedoch in den verschie- herkömmlichen Massentourismus.
die Reaktionen des Publikums. Sie denen Ländern Unterschiede in Sachen Doch hat diese Art des Tourismus bisreichten von Neugier über Begeisterung Akzeptanz von Robotern als Service- lang wenig Erfolg gebracht. Viele Reibis Ablehnung und Kopfschütteln. kräfte. So hätten sich die Deutschen severanstalter leiten ihre Ferienflieger
Schließlich verkündete Chihira, was besonders skeptisch gegenüber dem in dieser Saison aufgrund mangelnder
wohl jeden rationalisierungsgeneigten Einsatz von „künstlichen Menschen“ Nachfrage von „Kulturreisen“ doch
Unternehmer aufhorchen lässt: „Ich bin geäußert, während Japaner und Chine- lieber in Richtung Bettenburgen nach
nie müde und arbeite rund um die Uhr.“ sen eine hohe Begeisterung an den Tag Spanien und Bulgarien um, bedauert
Hitoshi Tokude geht davon aus, dass legten. Grundsätzlich befürchten rund Monshausen.
Wie jedoch mehr Nachhaltigkeit im
derartige Androiden beispielsweise im Dreiviertel der Befragten, dass Roboter
Hotelwesen an der Rezeption, im Zim- unser Leben erleichtern und gleichwohl Tourismus umsetzbar ist, konnte nicht
beantwortet werden. Der Tourismus
merdienst, aber auch im Gaststättenge- Jobs vernichten werden.

boomt, prognostiziert die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen. 2016
steuert der Urlaubstourismus auf ein
weiteres Rekordjahr zu. So werden
sich die Reiseströme im Vergleich zum
Vorjahr nochmal steigern. Nach Angaben
des World Travel Monitor wird es ein
Wachstum der globalen Auslandsreisen
von drei Prozent geben. Insbesondere
aus den Niederlanden, Großbritannien,
der Schweiz und Deutschland, aber auch
aus Asien wird mit einer wachsenden
Nachfrage nach Urlaubsreisen gerechnet.
Was die Reisefreude jedoch etwas trüben
könnte, ist die Tatsache, dass fast 50
Prozent der Deutschen laut Umfragen
davon ausgehen, dass die wirtschaftliche
Entwicklung in der Zukunft eher negativ
ausfallen wird und somit auch Einfluss
auf die Reisebudgets haben könnte.

Bewusst handeln
Rein theoretisch ist der Wille zum
Umdenken vorhanden. Umfragen haben
ergeben, „dass die Menschen nachhaltig
reisen wollen. In der Praxis ist dies jedoch nicht erkennbar. Urlaub ist etwas
Emotionales, das man nicht einfach
vorschreiben kann“, ergänzt Dr. Stefanie
Pfahl vom Bundesumweltministerium.
Vorgeschlagen wurde erneut, die
Langstreckenflüge zu reduzieren,
Regionalflüge durch Bahnfahrten zu
ersetzen, den Energieverbrauch in den
Hotels zu reduzieren und so weiter. Wie
jedoch die Anzahl der Flüge in Zeiten
des Booms der Billigflieger umzusetzen
ist, konnte ebenfalls niemand sagen.
„Wir müssen nicht zu Hause bleiben,
aber uns unserer Handlungen bewusst
sein“, sagte Eke Eijgelaar, Zentrum für
Nachhaltigen Tourismus und Transport.

Beispiele
bewussten Handelns
Der ADFC verweist darauf, dass
2015 immerhin 4,5 Millionen Bundesbürger Radreisen mit insgesamt
31,5 Millionen Übernachtungen unternommen haben. Das war bereits
eine Steigerungsrate von 11 Prozent
gegenüber dem Vorjahr. Nicht zuletzt,
weil in vielen Ländern die Radfahrwege
in großem Maße ausgebaut wurden
und werden, haben sich Viele für diese
sinnvolle Alternative entschieden - ohne
langatmige, theoretische Debatten über
Nachhaltigkeit & Co.
Fazit: Die Auswahl ist groß. Sie
können sich nun für die kommende Saison entscheiden: Vom „sympathischen“
Roboter verwöhnt zu werden, mit dem
Großraumflieger Richtung Bettenburg
zu jetten, per Rad die Landschaft zu
genießen oder Urlaub auf Balkonien zu
machen.
Volker Voss
Weitere Informationen:
www.tourism-watch.de
www.adfc.de/

BERLIN

April / Mai 2016

7

Biotonne oder selbst kompostieren?
Haushalte sollten selbst über die Entsorgung entscheiden

S

eit letztem Jahr sind alle Haushalte
in Deutschland dazu verpflichtet,
ihre Bioabfälle über die Biotonne
zu entsorgen, außer sie können eine
Eigenkompostierung nachweisen.
Grundsätzlich ist es zu begrüßen,
dass wertvolle Bioressourcen getrennt
gesammelt und nicht mehr mit dem
übrigen Müll verbrannt oder deponiert
werden. Doch leider werden unsere
fleißig gesammelten Küchen- und Gartenreste von den öffentlich-rechtlichen
Entsorgern zunehmend nicht mehr - wie
bisher - kompostiert, sondern zu Biogas
verarbeitet. In Berlin wandert mittlerweile der gesamte Inhalt der Biotonne
in die neue Biogasanlage der BSR – für
den Betrieb ihrer Müllfahrzeuge. Das ist
einfach und billig. Gleichzeitig nimmt
der Humusgehalt auf den Äckern und
Böden in der Region weiter ab. Die
sozialen und ökologischen Folgen der
industriellen Biogaserzeugung für eine
nachhaltige Lebensmittelversorgung in
der Region können noch nicht abgeschätzt werden.

Irrweg grüne Bioenergie?
In einer Biogasanlage wird das Biogut durch spezielle Mikroorganismen zu
Biogas vergärt. Biogas besteht in erster
Linie aus dem brennbaren Methan und
giftigen Gasen wie Schwefelwasserstoff
oder Ammoniak. Die Gase werden
weiter verbrannt, um Energie daraus
zu gewinnen. Endprodukte sind – wie
bei jeder anderen Verbrennung auch –
Kohlendioxid, Wasser und eine Reihe
von Schadstoffen wie Schwefeldioxid,
Stickoxide und der nach der Vergasung
verbleibende Gärrest. Dabei handelt
es sich um eine nährstoffreiche, übelriechende Pampe – auch Biogasgülle
genannt – die eher dafür geeignet ist,
das Grundwasser zu verschmutzen,
als den Boden damit zu verbessern. In
getrockneter Form wird sie irreführenderweise auch als Kompost bezeichnet.

Enkel kümmern. Jeder, der ein Stück
Boden zur Verfügung hat, kann das
tun und es wieder in fruchtbares Land
verwandeln. Das ist schön, macht aber
auch viel Arbeit. Weniger Arbeit macht
es, wenn man es gemeinsam tut. In
urbanen Gärten und landwirtschaftlichen Gemeinschaftsprojekten kann
gelernt und ausprobiert werden, worauf
es bei der Kompostierung ankommt
und welche Verfahren sich wofür am
besten eignen. Wer eine Eigenkompostierung nachweisen kann, darf seine
wertvollen Bioressourcen auch selbst
kompostieren.

Kompostworkshops

Gemeinsam kompostieren im Garten und auf dem Acker
Foto: Martina Kolarek

Warum ist Kompost
so wertvoll?
Kompost entsteht nur unter ausreichender Luftzufuhr und niemals
unter gärenden Bedingungen. Gute
Komposterde zeichnet sich dadurch aus,
dass sie eine Struktur wie ein Schwamm
besitzt. Sie ist krümelig und kann
Nährstoffe und Wasser gut speichern.
Außerdem ist sie Lebensraum für eine
große Vielfalt an Tieren und Pflanzen,
die dafür sorgen, dass unser Boden
fruchtbar bleibt und nicht durch Wind
oder Wasser erodiert. Fruchtbar ist ein
Boden dann, wenn er viel Humus und
Bodenleben enthält. Und Humus kann
nur entstehen, wenn unsere organischen
Reststoffe aus den Gärten, Küchen und
der Landwirtschaft weiter kompostiert
werden und wieder zurück in den Boden gelangen können. Nur so können
Stoffkreisläufe geschlossen und die
Fruchtbarkeit unserer Böden erhalten
werden. Wenn Humus aufgebaut wird,
kann klimaschädliches CO2 aus der Luft
sogar im Boden gebunden werden und
der Klimaerwärmung entgegenwirken.
Dies nennt man dann regenerative
Landwirtschaft.

Vorstadium Wüstenbildung
Durch eine fehlende Bodenbewirtschaftung in der Geschichte, wie
in der Gegenwart, befindet sich in
weiten Teilen Europas und mittlerweile
auch in Deutschland ein Großteil der
Ackerböden bereits im „Vorstadium der
Wüstenbildung“ – das sind Böden mit
einem Humusgehalt von weniger als
3,6 Prozent. In Brandenburg weisen die
Böden im Schnitt nur mehr 1-2 Prozent
auf. Wir wären also gut beraten, unsere
humusarmen und ausgelaugten Böden
in der Region mit unseren Bioabfällen
wieder aufzupäppeln, anstatt die einzige
Ressource zu verbrennen, die wir dafür
haben. Im Gegensatz zu Sonne und
Wind ist Biomasse keine unerschöpfliche Energiequelle und der stofflichen
Verwertung ist jederzeit Vorzug vor der
energetischen Verwertung zu geben.

Selbst aktiv werden!
Wir mussten uns schon immer
selbst um eine gute und ausreichende
Ernährung für unserer Kinder und

DIE BODEN SCHAFFT führt an
verschiedenen Standorten in Berlin
und Brandenburg Kompostworkshops
durch. An nur einem Tag kann mit
netten Leuten in schöner Umgebung
gelernt und erlebt werden, wie jeder
aus Küchen- oder Gartenabfällen in
ein paar Monaten besten Kompost mit
vielen Regenwürmern, Nährstoffen
und stabilen Krümeln selbst herstellen
kann. DIE BODEN SCHAFFT hat dafür
ein biologisches Schnellverfahren zur
Heißkompostierung entwickelt.
21. Mai 2016 im Garten der Grünen Liga
Berlin, Prenzlauer Allee 8, 10405 Berlin
Martina Kolarek
Anmeldung unter:
office@martinakolarek.com oder
01714982673
Weitere Termine und Standorte unter:
www.die-boden-schafft.de/
workshop.aspx
Dipl.-Ing. Angewandte Ökologie
Ing. Biochemie und Biotechnologie
Freiligrathstraße 11, 10967 Berlin
+49 (0)30 61655752
+49 (0)1714982673
office@martinakolarek.com
die-boden-schafft.de

Repair-Café im Wedding
Vorbeikommen und Mitmachen!

S

eit knapp einem Jahr wird im
Weddinger Brunnenviertel gelötet,
gehämmert und geleimt, was das Zeug
hält. Die neue Selbsthilfewerkstatt, die
eine Kooperation mit Studierenden
der Technischen Universität Berlin
eingegangen ist, wurde bereits in der
letzten RABE RALF-Ausgabe vorgestellt. Besonders hervorzuheben ist,
dass man in diesem Reparaturcafé nicht
nur fühlen kann, dass man der Umwelt
und dem eigenen Geldbeutel etwas
Gutes tut, wenn man defekte Gegenstände repariert - die Einsparungen an

Treibhausgasen wurden sogar bereits
bewiesen.
Da sich das Team noch im Aufbau
befindet und sich über jede(n) Technikoder Bastelbegeisterte(n) freut, sind
Helferinnen und Helfer sehr willkommen! Besonderer Bedarf besteht in den
Bereichen Computer und Elektronik,
Nähmaschinen sowie Fahrradreparatur.
Das ehrenamtliche Engagement wird
mit viel entgegengebrachter Freude
der Teilnehmenden, einer Menge Leckereien, neuen Bekanntschaften und
einem enormen Wissenszuwachs durch

die gegenseitige Hilfe belohnt. Der Arbeitsaufwand ist dabei überschaubar und
beschränkt sich auf etwa drei Stunden
im Monat.
Außerhalb der Reparaturabende
sind die Ehrenamtlichen unter repaircafé@brunnenviertel.de oder der Rufnummer 0157/ 52562402 zu erreichen.
Auch über Facebook kann man unter
facebook.com/repaircafebrunnenviertel Kontakt aufnehmen. Dort gibt es
zudem aktuelle Neuigkeiten, Termine
und Wissenswertes zum Thema ReUse
und Repair.
Elsa Röhr

Neugierig geworden?
Wann?
Jeden 4. Mittwoch im Monat
jeweils von 17-20 Uhr
Wo?
„Freizeiteck“, Graunstraße 28
13355 Berlin-Wedding
Die nächsten Termine:
27. April und 25. Mai 2016

8

April / Mai 2016

Urbane Paradiese - unsere grünen Stadträume
Die Broschüre zum Wettbewerb ist da

B

unte Gärten zum Mit- und
Nachmachen sind in unserer
frisch gedruckten Broschüre zu finden. 22 prämierte Projekte aus dem
Gartenwettbewerb „Urbane Paradiese
- unsere grünen Stadträume“, den
die GRÜNE LIGA Berlin im letzten
Jahr 2015 ausgerichtet hat, werden
vorgestellt.
Sie zeigen in beeindruckender
Weise, wie die Berlinerinnen und
Berliner mit viel Engagement und
Hingabe Erholungs-, Erlebnis- und
Nutzgärten in einer so dicht besiedelten Stadt geschaffen haben. Dabei zeigt
sich eine unglaubliche Kreativität: Von
dschungelartigen Hinterhöfen, gemüt-

dabei. Vielleicht wecken die in eindrucksvollen Bildern vorgestellten
Projekte nicht nur die Lust auf das
gemeinsame Gärtnern, sondern ermutigen auch, eigene kleine Projekte ins
Leben zu rufen?
Zusätzlich beinhaltet die inzwischen dritte Wettbewerbsbroschüre
der GRÜNEN LIGA wie gewohnt
Tipps und Anregungen für den eigenen Garten. Im Kapitel Gärtnern
mit Kindern wird gezeigt, welche
Broschüre: GRÜNE LIGA
Pflanzen die Kleinen faszinieren,
wie mit Kindern das Gärtnern zum
lichen Sitzecken auf dem Bürgersteig, Erfolg wird, und welche vielfältigen
über multikulturelle Gärten auf Dächern Möglichkeiten es dafür in Berlin gibt.
bis hin zu blühenden Brachen ist alles Darüber hinaus werden eindrucksvolle

Urban Gardening-Projekte aus aller Welt
vorgestellt. Die sich selbst versorgende
Stadt, sowie die womöglich bald grünste
Stadt der Welt und weitere erfolgreiche
internationale Projekte sind eine spannende Ergänzung zu den bereits vorgestellten
berlinweiten Projekten.
Lassen Sie sich überraschen und inspirieren für die Gestaltung Ihres eigenen
Garten-Paradieses!
Die Broschüre liegt ab sofort in der
Geschäftsstelle der GRÜNEN LIGA
Berlin und auf dem Ökomarkt am Kollwitzplatz aus, kann bei uns bestellt und
von unserer Website heruntergeladen
werden unter: www.grueneliga-berlin.de
Anke Ortmann

Unter Kirschblüten feiern
Beim diesjährigen Bio-Baumblütenfest ab Ende April

D

as Baumblütenfest in brandenburgischen Werder (Havel) gehört zu den größten Volksfesten
in Deutschland und ist vor allem für den
massenhaften Ausschank des lokalen
Obstweins und seiner mit Fahrgeräten
bestückten Vergnügungsmeile auf der
Altstadtinsel bekannt. Es gibt aber auch
die Möglichkeit, das Baumblütenfest
ganz anders zu begehen. Fernab des
Party-Rummels wird in den Obstplantagen außerhalb der Stadt unter
blühenden Bäumen gefeiert. Entlang
des Panoramawegs Werderobst zwischen den Teilorten Glindow und
Plessow gibt es in den verschiedenen
Obstgärten kleine Feste, die von den
Obstbau-Betrieben ausgerichtet werden. Eine interessante Besonderheit ist
in diesem Jahr das Bio-Baumblütenfest
auf der Kirschplantage des Biohofs
Werder, und zwar am 30. April und 1.
Mai sowie vom 5. Mai bis 8. Mai in
Werder/Havel.

Der Biohof Werder ist der einzige
biologisch arbeitende Landwirtschaftsbetrieb in Werder. Der Hof erzeugt Eier
von 200 Weidehühnern in Mobilställen
und auf Obstwiesen. Auf der Kirschplantage stehen 1.000 Kirschbäume,
im Naturschutzgebiet „Wolfsbruch“
weiden acht Wasserbüffel, die ganz
nebenbei das dortige Naturschutzgebiet
„pflegen“. Ein erstes Kalb wurde hier
schon geboren.

Erweitertes Programm
Bereits im letzten Jahr hat der
Biohof Werder zum Baumblütenfest auf
die Kirschbaumplantage eingeladen.
Dieses Jahr wird auf der Plantage im
Teilort Werder-Plessow ein Zirkuszelt
aufgebaut und ein buntes kulturelles
sowie politisches Programm geboten.
Mehrere lokale Erzeuger_innen sorgen
für das leibliche Wohl. Kinder können
mit Ziegen und Hühnern Freundschaft

Spiel und Spaß auf dem Bio-Hof Werder
Foto: Simone Holzwarth

schließen. Außerdem gibt es verschiedene Veranstaltungen wie Diskussionen, Filmveranstaltungen, Musik- und
Theatervorstellungen.
Zum Beispiel diskutieren wir beim
„Agrarpolitischen Frühschoppen“ am
1. Mai von 12 Uhr bis 14 Uhr mit verschiedenen Akteuren über die Zukunft
des Obst- und Gemüseanbaus in Werder.
Unsere Themen: Regional ist erste Wahl
heißt es immer – aber was bedeutet das
eigentlich genau? Was sind die Chancen
und Probleme der regionalen Lebensmittelversorgung?
An der Podiumsdiskussion werden
unter anderem Vertreter_innen aus der
kommunalen Politik, lokale Obst- und
Gemüseproduzenten sowie Verbände
des ökologischen Landbaus teilnehmen.

Leckere Speisen
An Himmelfahrt lassen wir uns
beim Brandenburger Abend regionale
Köstlichkeiten schmecken. Dazu laden
wir Sie ein, mit uns Spanferkel, Eierspeisen, leckere Säfte und vieles mehr
zu genießen. Lernen Sie die lokalen
Erzeuger_innen persönlich kennen, die
ihre Produkte vorstellen und über ihre
Ideen und Erfahrungen zum Thema
nachhaltige Lebensmittelversorgung
sprechen werden.
Der Eintritt zu dieser Abendveranstaltung beträgt 35 Euro, inklusive Essen
und Trinken. Eine Anmeldung ist unter
info@biohof-werder.de erforderlich.
Am Samstag, den 6. Mai spielt um 16
Uhr die Theatergruppe Ton und Kirschen
ihr Stück „Hans im Glück“. Eintritt: 12,
ermäßigt 8 Euro.
Unterstützt wird der Biohof Werder
bei der Durchführung des Festprogramms vom neu gegründeten Verein
Stadt-Land.move, der sich mit neuen
Modellen solidarischen Wirtschaftens
für vitale und stabile Kommunen in
Brandenburg einsetzt.

Die Details zum Programm und zur
Anfahrt entnehmen Sie bitte zeitnah vor
dem Baumblütenfest der Website www.
biohof-werder.de.
Das Bio-Baumblütenfest ist an allen
Veranstaltungstagen immer durchgehend von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Es
warten Kaffee und Kuchen, Obstweine
und herzhafte Leckereien von regionalen Bauernhöfen und Imkern zum
Genießen unter Kirschbäumen auf Sie.

Tipps zur Anfahrt
Laut Fahrplan ist Werder (Havel)
jede halbe Stunde mit dem RE1 von
Berlin aus erreichbar. Von dort aus ist
die Kirschplantage mit dem Blütenbus
zu erreichen. Der Biohof Werder hat eine
eigene Haltestelle. Leider sind die Züge
während des Baumblütenfests oft stark
überfüllt, so dass sich für Menschen mit
Fahrrad alternativ die folgende Anreise
anbietet:
Mit dem RE7 (jede Stunde von den
Berliner Bahnhöfen auf der Stadtbahn:
Ostbahnhof, Alexanderplatz, Friedrichstraße, Berlin Hauptbahnhof, Bahnhof
Zoo, Charlottenburg) bis nach Seddin
oder Beelitz-Heilstätten und von dort
aus auf der Westseite des Schwielowsees entlang nach Norden in Richtung
Glindow/Plötzin fahren, und zwar bis
Sie den „Panoramaweg Werderobst“
erreichen.
Kommen Sie einfach vorbei – wir
freuen uns auf Sie!
Simone Holzwarth
Eine Karte ist zu finden unter:
www.potsdamer-brandenburgerhavelseen.de/de/werder-havel.
html?file=tl_files/content/karten_
Folder_downloads/PanoramawegWerderobst-ganzjaehrig.pdf

STADTNATUR

9

April / Mai 2016

Kunstprojekt Pankower Schüler
Natur lebt und Natur stirbt. Aber vor allem schafft sie Kunst.
Kunstrichtung „Land Art“

die Fähigkeit zu beobachten zugedacht
worden. Die kontextuelle Verbindung
zur Grabsteininschrift sollte einen
Zusammenhang von Leben und Tod,
Mensch und Natur, schaffen. Jenen Gedanken haben mir seine Künstlerinnen
genauer erläutert:
„Es ging um das besondere Verhältnis
zwischen Mensch und Natur auf dem
Friedhof.
Mensch und Natur befinden sich in
einer Art Kreislauf. (…) aus biologischer Sicht, da die Nährstoffe eines
begrabenen Menschen vom Baum
aufgenommen werden.
So lebt ein Teil des Menschen in
der Pflanze weiter. Deswegen auch
das Gesicht für den Baum, als Darstellung dessen. Wir wählten den
Namen auf dem sich dort befindenden
Grabstein, so dass die Existenz seines
Trägers nun im Baum symbolisiert ist.
Im Gegensatz zur restlichen Welt, wo
der Mensch die Natur zu dominieren
versucht,

Im Rahmen einer fünftägigen
Semesterarbeit des Kunst-Leistungskurses lernten sie gemeinsam
die Gegebenheiten unserer Ursprungswelt kennen. Schwerpunkt
dieses Projektes war „Land Art“, eine
Kunstrichtung, in der in Umgebung
von Natur und mit Natur neue Werke
geschaffen werden, die nur für kurze
Zeit bestehen und zur Auseinandersetzung anregen sollen.
„Es gibt so viel mehr Vielfalt in
der Natur, als man denkt. Ich wurde
für diese Vielfalt sensibilisiert […].“,
sagt Johanna Matthies (4.Semester)
über ihre Eindrücke und Erfahrungen.
Ihr Verhältnis zur Natur habe sich „in
positiver Weise verstärkt“.
Den meisten Schülern ging es
damit ähnlich. Ganz besonders die
Unberechenbarkeit der Natur prägte
ihre Arbeit und somit ihr künstleLaubcollage
risches Denken. „Die vielen Formen
Collage: Mappe_Charlene Naujoks, Lilly Puls und Unterschiede […] Alles ist
ein Unikat und man entdeckt stets
Neues“, beschreibt eine Schülerin.
enn wir uns die Frage stellen,
welche Assoziationen wir mit Nach diesem Kunstprojekt würde sie
dem Begriff „Natur“ verbin- die Natur mit anderen Augen sehen,
den, so drehen sich diese meist um ihre mehr darauf achten. Und das sollten
Schönheit und Besonderheit, um ihre wir alle tun. Denn Natur offenbart
Vielfalt und den traurigen Aspekt, dass uns das Wesentliche.
Eine Tatsache, die die Schüler
wir diese immer mehr zerstören. Nur wenigen würde die Idee kommen, die Natur und Schülerinnen mit ihren Projekten
mit unserer Kunstwelt zu vergleichen. gelernt haben. Es wurden insgesamt
Dabei gibt es andere Aspekte, als nur die acht Projekte gestaltet, alle sehr unreine Existenzannahme von Natur. So terschiedlich in ihrer künstlerischen
viel mehr Gedanken und Empfindungen Darstellung. Doch alle zeigen das,
stecken dahinter. Die Frage ist aber, wie was wir doch eigentlich zu wissen
scheinen:
wir daran teilhaben können.
Ohne die Natur würde das WichAuf einem abgegrenzten Friedhofsbereich der Heinrich-Roller-Straße, tigste auf unserer Welt fehlen.
kümmert sich die GRÜNE LIGA um
die dort wachsenden Bäume, von
„August und Emilie
denen einige über hundert Jahre alt
Kraatz“
sind. Im letzten Jahr wurde dort die
Möglichkeit geschaffen, an der Natur
Eines der entstandenen Werke
vertieft teilzuhaben. Hinter den denk- trägt den Namen „August und Emimalgeschützten Mauern des Friedhofes lie Kraatz“, einem Grabstein des
haben Schülerinnen und Schüler des Friedhofs gewidmet. Im Zentrum
Käthe-Kollwitz-Gymnasiums ihren des Projektes steht ein Baum, dem
Ideen freien Lauf gelassen und in mitten aus Modelliermasse ein Gesicht genatürlicher Friedfertigkeit umgesetzt.
formt und, auf seiner Rinde versteckt, Baum aus Müll
angefügt wurde. Somit ist dem Baum

W

gehen Natur und Mensch hier Hand
in Hand […]“

Eine faszinierende Intention
Die Vorstellung, dass wir Menschen
uns früher oder später in den Pflanzen
wiederfinden, zeigt die Bedeutung einer unglaublichen Welt,……. unserer
Ursprungswelt, frei von lärmenden
Straßen und hochgezogenen Industriegebäuden. Diese Ursprungswelt schafft
jeden Tag, grenzenlose Eindrücke. Wir
aber, sind zu müde, zu gesättigt und zu
gestresst, um Wesentliches wahrnehmen
zu können.
Verständlich, wenn man sich unseren Alltag so anschaut. Doch was
würde passieren, wenn alles so Hand
in Hand ginge, wie August und Emilie Kraatz mit ihrem Baum auf dem
Friedhof? Die Antwort hat uns der
Kunst-Leistungskurs des Käthe – Kollwitz – Gymnasiums vielleicht geliefert.
Möglicherweise würden dadurch neue
Lebensideen und somit
neue Kunst geschaffen.
Eventuell müsste sich
ein jeder selbst auf die
Suche nach einer Teilhabe
begeben.
Und gewiss gibt es
dafür verschiedene Wege.
Ein Weg könnte zum Friedhofsbereich der GRÜNEN
LIGA geführt haben, wo
die Sensibilität der Natur
von menschlicher Hand
berührt und verstanden
wird. Wo der Ursprung
von menschlichen und
pflanzlichen Leben wieder zusammen findet. Wo
künstlerische Intention
und natürliche Inspiration
zu tieferen Sichtweisen
anregen. Und so eine völlig neue Kunstform alles
miteinander verbindet…
L. M. J.

Foto: Ulrich Nowikow

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10

VERKEHR

April / Mai 2016

Von Dopingkontrollen und Abgasschummeleien
Der VW-Abgasskandal entwickelt sich immer mehr zu einem nationalen Problem

S

eit Bekanntwerden des VW-Abgasskandals ist viel Zeit vergangen
– genauer gesagt schon mehr als
vier Monate. In dieser beträchtlichen
Zeitspanne sollte viel passiert sein – die
Bundesregierung hat es bisher nicht
geschafft, wie Ende September 2015
versprochen, „eine lückenlose und rasche Aufklärung
des VW-Skandals“ zu gewährleisten. Sie versteckt
sich nahezu hinter leeren
Worten, die dem Verbraucher den Schein „einer
funktionierenden Automobilindustrie in Deutschland“
suggerieren sollen – und das
zu Zeiten der massiven Verbrauchertäuschung durch
VW.

habe und nun der Automobillobby die
Kontrolle überlasse. Verstärkt werde
dieser Eindruck dadurch, dass ihm die
zuständigen Ministerien keine Antworten auf seine Anfragen geben. Demnach
werde uns, laut Krischer, irgendetwas
verheimlicht. Somit hat dieser Fall nichts

diese Kontrollen aussehen?
Daran anschließend stellt sich die
Frage, wie viele unabhängige Prüfstände des Kraftfahrtbundesamtes (KBA),
das mit der Prüfung der Abgaswerte
vom Verkehrsministerium beauftragt
wurde, in Deutschland eigentlich hat.

der tatsächlichen Abgaswerte. Dazu
gehören das Miteinbeziehen von NGOs
und anderen wirklich unabhängigen
Instituten. So hat zum Beispiel die
Deutsche Umwelthilfe (DUH) seit
Monaten keine Rückmeldung auf ihre
Anfragen bezüglich des Abgasskandals
von der Bundesregierung
erhalten und fühlt sich
dementsprechend übergangen. Währenddessen
hat sich die Bundesregierung mit Vertretern der
deutschen Automobilindustrie getroffen und die
kritischen Stimmen des
Umwelt-, Verbraucherund Gesundheitsschutzes
übergangen und nicht in
den Aufklärungsprozess
miteinbezogen.

Nicht nur VW
Und damit nicht genug: Das ZDF-Team der
Sendung Frontal21 hat
die Abgaswerte von unterschiedlichen Kraftfahrzeugen, die in Deutschland hergestellt wurden,
sowohl auf dem Rollen- Das Kraftfahrtbundesamt
Prüfstand als auch auf
der Straße genauer unter
die Lupe genommen und
Erschreckendes festgestellt. Sie ver- mehr mit lückenloser und transparenter
glichen die Emissionsverhalten des Aufklärung zu tun, sondern mit intransBMW 320d, des Mercedes C200CDI parenter, realitätsferner und lückenhafter
und des Renault Laguna dCi mit Aufklärung.
Diese Konzerne reihen sich, wie
dem eines VW Passat 2.0 TDI, der
nachweislich die besagte verbotene es wohl aussieht, mit in die Liste der
Abschalteinrichtung besitzt. Auf Verbrauchertäuschung und des Betrugs
einem Rollen-Prüfstand in der Schweiz ein, obwohl sie selbstredend das genaue
erfüllten alle vier Kraftfahrzeuge Gegenteil verlauten lassen. So versuchen
den gesetzlichen Grenzwert für die BMW und Daimler die Schuld der zu
Stickoxid-Emissionen – zurzeit liegt hohen Stickoxidwerte auf „Luftdruckdieser bei 180 Milligramm pro Kilome- veränderungen, Wetterverhältnisse oder
ter. Doch dann kam die Überraschung, unterschiedliche Fahrbahnbeschaffennämlich dass beim Befahren der genau heit“ zu schieben und dementieren auf
gleichen Strecke auf der Straße stark das Heftigste, Abschalteinrichtungen,
abweichende Stickoxid-Emissionen in ihre nicht mehr so tollen „Made-inbei jedem der geprüften Fahrzeuge Germany“-Fahrzeugen, eingebaut zu
festgestellt wurden. Der Mercedes haben.
überschritt den Grenzwert um das
2,7-fache, der BMW um das 2,8-fache
Autolobby
und der Renault sogar um das 6,6-fache
Bundesregierung?
des gemessenen Laborwertes.
Es liegt also auf der Hand, dass
Das Bundesministerium für Verkehr
nicht nur VW, sondern auch viele und digitale Infrastruktur gibt sich
andere Automobilkonzerne bei ihren weiterhin alles andere als transparent.
Modellen umstrittene Abschaltein- So gab es nicht mal eine Stellungnahme
richtungen eingebaut haben und damit zu den aufgedeckten überschreitenden
so nicht nur die Umwelt gefährden, Stickoxidwerten der Konzerne. Auch
sondern auch uns Menschen. Oliver die gerade vollmundig versprochenen
Krischer, stellvertretender Fraktions- „unangekündigten Kontrollen für Kraftvorsitzender der Bundestagsfraktion fahrzeuge im Stile von Dopingtests“
Bündnis 90/Die Grünen, findet dafür von Verkehrsminister Dobrindt klingen
harsche Worte und wirft der Bundes- zwar auf jeden Fall förderlich – die
regierung in diesem Abgasskandal Durchführung bleibt allerdings ein sehr
unverhohlen „Staatsversagen“ vor. großes Problem: Denn wer führt diese
Er ist der Meinung, dass sich der Kontrollen überhaupt durch? Handelt
deutsche Staat als Kontrollinstanz aus es sich um „unabhängige“ Kontrollinder Automobilindustrie rausgezogen stitutionen? Und vor allem, wie sollen

Verbraucher hat
den Nachteil
Durch den Ausstoß
der gesundheitsschädlichen Stickoxide sind
10.000 Menschen allein
in Deutschland gestorben,
die die Bundesregierung
bisher kaum beachtet hat.
Foto: https://www.flickr.com/photos/fleno/19815736768/sizes/o/
Deshalb fordern viele
NGOs Real-DrivingMichael Odenwald, Staatssekretär im Emissions (RDE), die Abgas-Kontrolle
Bundesministerium für Verkehr und der Stickstoffoxide und des Kohlendigitale Infrastruktur und Vorsitzender stoffdioxids. Davon wurde die RDE
der Untersuchungskommission des ab 2017 eingeführt – endlich! Doch
Abgasskandals, antwortete auf diese auch hier reißen die Negativ-Beispiele
Frage, dass das KBA keine eigenen nicht ab, denn der Automobilindustrie
Prüfstände besitze und unter anderem wird eine großzügige Übergangszeit
selbst beim Autohersteller prüfen lasse. von drei Jahren gewährt, während weiMan arbeite allerdings mit Hochdruck terhin große Abweichungen zwischen
daran, eigene Prüfstände aufzubauen dem Rollenprüfstand und den RDE
und mit Personal zu besetzten. Auch erlaubt sind.
gab er keine Antworten, zumindest
Abschließend muss leider festgenoch nicht, wie viele Autos nun geprüft stellt werden, dass die Bundesregiewürden und wie viele bereits schon rung ihre eigenen Forderungen, den
geprüft wurden. So würden die Ergeb- Abgasskandal „lückenlos“ aufzuklären,
nisse aus dieser besagten Prüfung erst nicht erfüllt hat und dabei die eklatante
veröffentlicht, wenn die Untersuchung Verbrauchertäuschung und Umweltbeabgeschlossen ist: Ausgang unbekannt! lastung wohl eher unter den Tisch kehrt.
Die Tatsache, dass das KBA keine
Konstantin Petrick
eigenen Prüfstände besitzt und dennoch
mit der Prüfung beauftragt wurde,
Weitere Informationen:
spricht Bände und lässt eher Zweifel
www.zdf.de/frontal-21/
an einer „lückenlosen Aufklärung“
archiv-frontal-21-7277138.html
aufkommen. Mögliche unabhängigere
Kontrollinstanzen wären zum Beispiel
das Umweltbundesamt (UBA) oder das
Bundesamt für Straßenwesen.
Dobrindts Strategie, durch „diese
zusätzlichen Prüfungen verspieltes
Vertrauen in die Autoindustrie wiederherzustellen“, ist kein überzeugender
Weg, der zu mehr Transparenz führt
und erst recht nicht das richtige Instrument, um das Vertrauen der Autofahrer zurückzugewinnen. Um dies
zu erreichen, bedarf es aber einer ganz
anderen Vorgangsweise – nämlich die
der Transparenz und der Offenlegung

GENTECHNIK

April / Mai 2016

11

Infodienst Gentechnik
Nachrichten zu gentechnisch veränderten Organismen
Ur-Opa des Mais
sorgt für Ärger
Als Vorfahre des Mais gilt vielen
Experten ein Wildgras namens Teosinte. Es stammt aus Amerika, wird seit
einigen Jahren jedoch auch in Spanien
beobachtet. Ein Problem für Maisbauern
ist jedoch, dass sich ihre Pflanzen mit
dem Urahn kreuzen können. Brisant:
Spanien ist der mit Abstand größte
Produzent von Gentechnik-Mais der
EU. Dessen Gen-Konstrukte, die ihn ein
Insektengift absondern lassen, könnten
theoretisch auf die invasive Spezies
übertragen werden.

Weniger GentechnikForschung bei BASF
Der Chemiekonzern BASF
schrumpft seine Gentechnik-Forschungsabteilung: 350 von circa 700
Arbeitsplätzen in den USA, Europa,
Indien und Puerto Rico sollen bis Ende
des Jahres wegfallen. „Wir werden
Projekte stoppen, die mit extrem hohen
technischen Hürden verbunden sind und
signifikante zeitliche und finanzielle Investitionen erfordern“, erklärte BASFVorstandsmitglied Harald Schwager.

Konzerne dominieren auch
bei Neuer Gentechnik
Neue Gentechnik-Verfahren wie
CRISPR-Cas9 oder die Oligonukleotid-gesteuerte Mutagenese sollen
das Basteln am Erbgut von Pflanzen
und Tieren einfacher, schneller und
billiger machen. Damit könnte auch
die Dominanz mächtiger Saatgut- und
Chemiekonzerne gebrochen werden.

Sorge wegen
resistenter Schädlinge
Weil Insekten wie der Maiswurzelbohrer gegen Gifte, die von GentechnikMaispflanzen selbst produziert werden,
resistent werden, spritzen Farmer in
den USA zusätzliche Insektizide, um
Ernteverluste zu verringern. Die Umweltbehörde (EPA) verlangt von Herstellerfirmen wie Monsanto, Syngenta,
Dow oder Dupont nun Vorbeugung.
Allerdings falle der Maßnahmenkatalog
weit weniger streng aus als ursprünglich
vorgesehen.

Intransparenz bei
Gentechnik-Kampagne
Wähler im US-Bundesstaat
Washington konnten vor drei Jahren abstimmen, ob Lebensmittel gekennzeichnet werden müssen, wenn sie Zutaten
aus gentechnisch veränderten Pflanzen
enthalten. Sie entschieden sich dagegen
– nach einer monatelangen Kampagne
von Industrie und Gentech-Konzernen.
Gleichzeitig begann ein Rechtsstreit

zwischen Staatsanwaltschaft und Lebensmittelbranche. Washington State
fordert 14 Millionen Dollar, weil die
genaue Finanzierung der Gegenkampagne verschleiert worden sei.

RABEN - ABO

Missbraucht Monsanto
Marktmacht?
Indische Behörden haben eine
Untersuchung gegen Mahyco Monsanto
Biotech, ein Joint Venture des USSaatgutkonzerns Monsanto und einer
indischen Firma, eingeleitet. Es geht
um „unverhältnismäßig“ hohe Preise
und Lizenzgebühren für gentechnisch
verändertes Baumwollsaatgut.

Ich bestelle den RABEN RALF
ab der nächsten Ausgabe
ab Monat ...............................
Abo 25 €
Förderabo 40 €
für ein Jahr.

Zürich gegen
Gentechnik-Anbauverbot

'LHVH9HUHLQEDUXQJYHUOlQJHUWVLFKDXWRPDWLVFKXPHLQ-DKUZHQQVLH
QLFKWYRU$EODXIGHV$ER-DKUHVVFKULIWOLFKJHNQGLJWZLUG

In der Schweiz gilt bis Ende 2017
ein Moratorium auf den Anbau von
gentechnisch veränderten Pflanzen. Die
Regierung hat vor, es zu verlängern.
Einige Kantone wollen aber mit eigenen Anbauverboten vorsorgen. Nicht
jedoch Zürich: mit 85 zu 79 Stimmen
lehnte der Kantonsrat nun eine solche
Maßnahme ab.

........................................................................................................................
Vorname, Name

US-Senat könnte
Kennzeichnung blockieren
Eigentlich sollen Verbraucher im
US-Bundesstaat Vermont - der Heimat
des Präsidentschaftsbewerbers Bernie
Sanders - ab Juli auf der Verpackung
erkennen können, ob Lebensmittel
Zutaten aus Gentechnik-Pflanzen enthalten. Doch Washington schießt quer:
gestern stimmte der Agrarausschuss des
Senats für eine freiwillige Kennzeichnung im ganzen Land - Unternehmen
könnten damit nicht mehr zur Transparenz verpflichtet werden.

........................................................................................................................
Straße, Nr.
........................................................................................................................
PLZ, Ort
........................................................................................................................
E-Mail
.........................................................................................................................
Datum
..............................................................................................
Unterschrift

Zahlungsmöglichkeiten:
per Rechnung
Ich erhalte jährlich eine Rechnung und überweise den
Betrag auf das dort angegebene Konto
per Lastschrift
Sie erleichtern uns die Arbeit mit einer
Lastschrifteinzugsermächtigung/ SEPA-Mandat
+LHUPLWELWWHLFK6LHZLGHUUXÀLFKYRQPHLQHP.RQWR

Glyphosat im Bier

IBAN: ......................................................................................................

Die Meldung, dass auch Bier mit
Glyphosat belastet ist, heizt die Debatte
um die Wiederzulassung des von der
WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuften Unkrautvernichters
erneut an. Umwelt- und Verbraucherschützer sowie Grüne fordern, die von
der EU-Kommission anvisierte Genehmigung bis 2031 zu stoppen. CDU und
CSU halten das für „reine Panikmache“.
Die SPD will zumindest ein Verbot für
Privatgärten und öffentliche Flächen für
die Landwirtschaft. Die Baumarktkette
Hornbach hat angekündigt, ab sofort
keine glyphosat-haltigen Spritzmittel
mehr zu verkaufen.

Bank:.......................................................................................................
BIC:..........................................................................................................
DEGHPQlFKVWP|JOLFKHQ=HLWSXQNWMlKUOLFKGHQ%HWUDJYRQMH¼
EHL)|UGHUDERYRQMH¼DOVÄ$ERQQHQPHQW5$%(5$/)³IUGLH
Versendung der Zeitschrift einzuziehen.
...............................................................

........................................................

Datum

Unterschrift

Verschenken!
Der RABE geht nicht an mich, sondern an:
................................................................................

Daniel Hertwig
Karin Ehrle-Horst
Informationsdienst Gentechnik
Ausführliche und aktuelle Texte:
www.keine-gentechnik.de

Name, Vorname
................................................................................
Straße, Nr.
................................................................................
PLZ, Ort

GRÜNE LIGA Berlin e.V.
Redaktion DER RABE RALF
Prenzlauer Allee 8
%HUOLQ
raberalf@grueneliga.de
)D[
7HO

12

ATOMKRAFT

April / Mai 2016

Fünf Jahre GAU in Fukushima
Résumé zum traurigen Jahrestag

A

m 11. März diesen Jahres beging man weltweit den fünften
Jahrestag der Natur- und Atomkraftwerkkatastrophe von Fukushima
– in Gedenken an die tausenden Toten.
Vor fünf Jahren erschütterte ein Seebeben der Stärke 9,0 die Küste vor den
Atomkraftwerken (AKW) Fukushima
Daiichi und Fukushima Daini. Zehntausende Menschen verloren ihr Leben,
hunderttausende wurden obdachlos
und wurden daraufhin umgesiedelt.
Der durch das Seebeben ausgelöste 14
Meter hohe Tsunami überrollte förmlich die AKWs an der Ostküste Japans.
Beide wurden zerstört – im AKW
Fukushima Daiichi im Reaktorgebäude
3 kam es zur dreifachen Kernschmelze
– dem schlimmsten Atomkraftwerkunfall seit Tschernobyl 1986. Durch die
radioaktive Wolke, die sich daraufhin
ausbreitete, musste die dort ansässige
Bevölkerung fluchtartig ihre Heimat
verlassen. Zudem trat ungehindert
radioaktiv verseuchtes Wasser in den
Pazifik – die Auswirkungen waren noch
an der Westküste der USA zu spüren.
Bis heute ist unklar, wie viel radioaktiv verseuchtes Wasser in den Pazifik und ins Grundwasser gelangt ist.
Japans Regierung verharmloste zudem
die Auswirkungen der Radioaktivität
und gefährdete so die Gesundheit der
Bevölkerung. Sowohl die Bevölkerung
als auch Wissenschaftler bemängelten
den unzureichenden Tsunamischutz.
Erst 2007 wurde der 5,7 Meter „hohe“
Damm fertig gestellt. In Japan sind
über 10 Meter hohe Tsunamis nichts
Ungewöhnliches – in den letzten 500
Jahren gab es 16 Tsunamis, die höher
als 10 Meter waren. Warum also, war
der Damm nur 5,7 Meter hoch?

Fukushima Daiichi
Foto: https://www.flickr.com/photos/rx78gp3s/10668974974/sizes/o/

brauchen, bis ein halbwegs sicherer
Ort gefunden wird. Die Menschen
in der Region leiden vier Jahre nach
dem GAU unter Gesundheitsschäden.
Man geht von mindestens 20.000
Kindern aus, die an Schilddrüsenkrebs
erkrankt sind oder erkranken werden.
Der weitaus größere Teil, der durch
die Radioaktivität hervorgerufenen
Krebserkrankungen wird sich laut Dr.

japanische Regierung alle AKWs
vorläufig vom Netz nahm. Nun werden
alle AKWs wieder hochgefahren und
durch den Klimavertrag von Paris auch
noch gerechtfertigt, ja befürwortet, da
Japan im Klimavertrag aufgefordert
werde, aus den fossilen Energieträgern
auszusteigen. So bleibt die Atomkraft
in Japan, trotz aller historischen und
jüngsten Atom-Katastrophen sowie

Japans
Dekontaminierungsprogramm
Seit dem GAU in Fukushima setzt
die japanische Regierung verstärkt auf
ihr Dekontaminierungsprogramm. Dieses sieht vor, dass die Oberflächenerde
in der Sperrzone um die AKWs abgetragen und in schwarzen Müllsäcken
gesammelt wird. Inzwischen gibt es
Berichte, über gerissene Müllsäcke.
Die verseuchte Erde kann so auf jeden Fall nicht dekontaminiert werden
und stellt somit auch die Effektivität
des Dekontaminierungsprogramms in
Frage. Außerdem gestalten sich die
Dekontaminierungsarbeiten in der
Sperrzone schwierig, da 70 Prozent
der Zone aus bergigem Wald besteht.
Das bedeutet, dass bei jedem Sturm
oder Regen neue Radioaktivität in die
Wohngebiete kommt.
Die alles entscheidende Frage
bleibt aber weiterhin: Wohin mit dem
ganzen verseuchten Material? Bisher
ist noch keine Lösung in Sicht und es
wird vermutlich auch noch Jahrzehnte

Das AKW Tihange nahe der deutschen Grenze
Foto: https://www.flickr.com/photos/rx78gp3s/10668974974/sizes/o/

med. Alex Rosen, Vorstandsmitglied
der atomkritischen Ärzte-Organisation
IPPNW, erst in den nächsten Jahren
zeigen. Es wird, wie in Tschernobyl,
auch zu einem Anstieg der am DownSyndrom Erkrankten kommen. Eine
ganze Generation wird unter den
Folgen der Reaktorkatastrophe leiden
müssen.
In Japan gingen nach dem Reaktorunfall in Fukushima hunderttausende
auf die Straße und forderten einen
Atomausstieg. Zuerst schien ihnen
ein Erfolg gelungen zu sein, da die

aller gesundheitsschädlichen und
langfristigen Schäden, die erstbeste
Wahl zur Energieerzeugung.
Im März dieses Jahres betonte
Kaoru Kobayashi, Bürgermeister von
Fukushima, die Stadt selbst habe sich
zum langfristigen Ziel gesetzt „nicht
auf die Atomkraft angewiesen“ zu sein.

katastrophen mit schrecklichen Folgen
für die Bevölkerung und für die Natur
haben kann. Auch nahe der deutschen
Grenze stehen zwei AKWs in Belgien,
Reaktor Doel3 und Reaktor Tihange 2,
die laut einer großen Berliner Tageszeitung „schwerwiegende Störfälle“
aufweisen. Ebenfalls wurden in diesen
beiden Reaktoren bereits 2013 tausende feiner Haarrisse entdeckt, die nicht
reparabel sind. Dennoch hielten diese
Risse die belgische Atomaufsichtsbehörde Fanc nicht davon ab, die beiden
AKWs wieder hochzufahren und bis
2025 weiter zu betreiben. So nehmen
sie das wachsende Risiko eines Zwischenfalls in Kauf, ja sie beschwören
es nahezu herauf.
Nicht nur in Japan, sondern weltweit gingen Millionen Menschen auf
die Straße, um den Ausstieg aus der
Risiko-Technologie der Atomkraft zu
fordern. In Deutschland beschloss die
Regierung unter Angela Merkel den
viel beachteten Atomausstieg sowie
die Energiewende bis 2022. Zurzeit
sind wir aber von beidem noch weit
entfernt – denn es sind immer noch acht
AKWs in Deutschland am Netz. Somit
bleiben wir weiterhin zweitgrößter
Atomstromproduzent der EU.
Das Besorgniserregende ist, dass
das jüngste dieser AKWs 28 Jahre
„jung“ ist und auf einem dementsprechend geringen technischen Stand ist.
Das Risiko von technischen Pannen
beziehungsweise unregelmäßigen
Vorfällen steigt mit dem Alter der
AKWs, sodass die Gefahr von unvorhergesehenen Zwischenfällen in
AKWs über unseren Köpfen, wie
das Damoklesschwert schwebt. Hinzu kommt, dass CDU und CSU die
Brennelemente-Steuer Ende 2016 abschaffen wollen – den AKW-Betreibern
würde man so ein Fünf-MilliardenEuro-Steuergeschenk machen und für
die restlichen Jahre ein profitables
Geschäft garantieren. Die Stromkonzerne gingen gegen die Steuer vor dem
Europäischen Gerichtshof vor und
scheiterten mit ihrer Klage. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bewertet dieses Signal als eine „mögliche
Verlängerung der Atomsteuer bis zum
Betriebsende des letzten deutschen
Atomkraftwerks“. Diese Steuer darf
nicht abgeschafft werden - ansonsten
wird die Atomkraft in ihren letzten
Zügen auch noch bezuschusst.
Daher muss die Bundesregierung
endlich zählbare Fortschritte im
Atomausstieg und der Energiewende
präsentieren – hin zu dezentralen erneuerbaren Energien, zu intelligenten
Stromnetzen und neuen Konsummustern.
Konstantin Petrick

Das Risiko strahlt weiter
30 Jahre nach Tschernobyl wissen
wir, dass es natürlich auch in jedem
anderen Technologie-Land zu Reaktor-

Weitere Informationen:
www.zeit.de/wissen/2016-03/fukushima-atomkatastrophe-jahrestag/kompl

KLIMASCHUTZ

April / Mai 2016

13

Kieken lohnt sich!
Zweiter Berliner Klimatag

D

er Klimawandel schreitet
munter voran. Auch hier
in Berlin. Das macht sich
etwa durch die Zunahme von
Starkregenereignissen oder einer
steigenden Zahl besonders heißer
Tage und Nächte bemerkbar.
Man freut sich über die tropisch
warmen Tage im Jahr. In anderen
Orten der Welt führt der Klimawandel zu Überschwemmungen,
Dürren oder Stürmen, die gerade
für sozial schwache Bevölkerungsgruppen zur existenziellen
Bedrohung werden!
Die Berliner Klimatage zeigen, dass Klimaschutz zu Hause
Spaß macht und zum Teil auch
ganz einfach ist. Um die Berliner_innen weiterhin für Themen
rund um den Klimaschutz zu
sensibilisieren, findet der zweite
Berliner Klimatag am Sonntag, den 24.
April 2016, von 11 bis 18 Uhr in der
FORUM Factory, im Herzen Berlins
statt. Neben den klassischen Energieund Mobilitätsthemen wird sich der
Klimatag in diesem Jahr verstärkt
mit „Klimawandel und Flucht“ und
„Nachhaltiger Konsum – geht das überhaupt?“ beschäftigen. Natürlich wird
es auch wieder ein auf Kinderwünsche

sein: „Klimaflüchtlinge und
Fluchtursachen“, „Fahrradstadt
Berlin“, „Fairer Konsum“, „Was
steckt alles in meinem Handy?“
und „Wie kann Berlin Klimaschutzhauptstadt werden?“.

Klimafreundlich
konsumieren

abgestimmtes Programm geben. Von
Repair Café, Improvisationstheater über
Lastenrad-Packstation, Siebdruck, Modenschau bis hin zu solarem Basteln und
einem vegan-vegetarischen Klimafrühstück hat der zweite Berliner Klimatag
viel zu bieten. Neu in diesem Jahr ist,
dass in separaten Räumen Workshops
und Diskussionen angeboten werden.
Spannende Highlights werden dabei

Durch den eigenen Konsum
verursacht jedeR Berliner_in mal
mehr und mal weniger Treibhausgase. Der Berliner Klimatag zeigt,
wie wir klimafreundlicher konsumieren können und natürlich
auch dürfen. Der kaputte Toaster
oder Mixer wird im Repair Café
wieder zum Laufen gebracht.
Dabei gilt: Alles, was ihr mit
zwei Händen tragen könnt, kann
am Sonntag, den 24. April 2016,
von 14 bis 17 Uhr repariert werden!
Für einen gemütlichen Start in den
Tag laden wir ab 11 Uhr zum veganvegetarischen Klimafrühstück. Das
Klimafrühstück „Wie unser Essen das
Klima beeinflusst“ ist ein Bildungsangebot für Kinder, Jugendliche und
Erwachsene. Dabei schlemmen sich die
Gäste durch die komplexe Thematik des
Klimawandels. So entdecken die Besu-

cher_innen Zusammenhänge zwischen
individuellem Lebensmittelkonsum und
dem globalen Klimawandel. Mithilfe
alltäglicher Lebensmittel – zum Beispiel
Bio-Brot und konventionelles Brot –
werden Zusammenhänge hinsichtlich
der Anbauweise, Saison, tierische/
pflanzliche Produkte und Verpackung
hergestellt.
Natürlich sind die Aussteller ab
11 Uhr ebenfalls vor Ort. Ihr buntes
Informations- und Mitmachangebot
lädt alle interessierten Berliner_innen
und ihre Familien ein. Ein Besuch lohnt
sich! Der Eintritt ist frei!
Eva Rönspieß
Details zu Programm und Ausstellern
unter: www.berliner-klimatag.de

2. Berliner Klimatag
Sonntag, 24. April 2016
11-18 Uhr
Buntes Mitmach- und
Informationsprogramm rund um
Berliner Klima-Aktive
FORUM Factory
Besselstraße 13-14
10969 Berlin
Nähe U-Kochstraße

Kein Land mehr für Kohle!
6. Lausitzer Klima- und Energiecamp - Klimaschutz braucht Kohleausstieg!

A

us ganz Deutschland und Europa werden Klimaaktivist_innen vom 9. bis 16. Mai ihre
Zelte für das 6. Lausitzer Klima- und
Energiecamp in Proschim (Welzow)
aufschlagen. Einer der Höhepunkte
des Camps wird eine gemeinsame Demonstration gegen neue Tagebaue
von einem breiten Bündnis verschiedener Organisationen und Initiativen
am 14. Mai sein. Das Dorf Proschim
ist derzeit vom neuen Tagebau Welzow
Süd II bedroht und steht damit sinnbildlich für die zerstörerischen Folgen
des Braunkohleabbaus in der Lausitz.
Bei der Pariser Klimakonferenz
im Dezember 2015 wurde vereinbart,
dass die globale Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts
um maximal 2 Grad, möglichst aber
nur um 1,5 Grad steigen darf. Um
dieses Ziel zu erreichen, muss ein
Großteil der fossilen Brennstoffe,
also Öl, Kohle und Gas, im Boden
bleiben. Allen voran die besonders
klimaschädliche Braunkohle. „Vor
diesem Hintergrund dürfen keine
neuen Tagebaue mehr eröffnet werden, denn sie zementieren die fossile
Energieerzeugung noch über viele
Jahrzehnte – und bremsen zugleich
den Ausbau der erneuerbaren Ener-

gien. Trotzdem sind in der Lausitz
drei neue Tagebaue geplant. Und auch
auf der polnischen Seite schreiten die
Planungen für einen neuen Tagebau
voran. Dies ist eine unverantwortliche
Politik sowohl gegenüber der lokalen
Bevölkerung als auch gegenüber der
Weltgemeinschaft“, sagt Marvin Kracheel aus dem Organisationsteam des
Lausitzcamps.

Vattenfall muss
Verantwortung
übernehmen!
Auf Druck der schwedischen
Regierung plant Vattenfall derzeit
den Verkauf der Lausitzer Braunkohlesparte. „Wir fürchten, dass
sich Vattenfall mit diesem Schritt
aus der Verantwortung stehlen will,
statt die Umwelt- und Folgekosten
des Braunkohleabbaus, so zum
Beispiel für die Verunreinigung der
Spree mit Eisenhydroxid und Sulfat,
zu übernehmen“, kommentiert die
Aktivistin Josephine Lauterbach
die aktuelle Entwicklung. Es ist zu
befürchten, dass ein neuer Investor
die klimaschädliche Wirtschaftsweise von Vattenfall fortführt.
Stattdessen muss in der Lausitz

schnellstmöglich ein Strukturwandel
eingeleitet werden.
Wir fordern, dass in der Lausitz
und weltweit kein Tagebau erweitert oder neu aufgeschlossen wird.
Sowohl das Unternehmen Vattenfall
als auch die brandenburgische und
sächsische Landesregierung müssen
ihre Verantwortung für das 1,5 Grad
Ziel wahrnehmen! Dafür müssen sie
jetzt den Kohleausstieg einleiten und
den dafür notwendigen Strukturwandel
sozialverträglich gestalten.
Wir fordern eine dezentrale, soziale
und demokratische Energiewende als

Teil einer grundsätzlich anderen Lebensweise, die den Raubbau an Natur
und Mensch überwindet.
Presse AG
6. Lausitzcamp - Klima- und
Energiecamp
Weitere Informationen:
presse@lausitzcamp.info
www.lausitzcamp.info

Quelle: xxxxxx

14

April / Mai 2016

INTERNATIONAL

Mit dem Segen der Natur
Gesunde Lebensmittel aus Ungarn

V

iele denken, dass die ungarische Ernährung nicht
gesund ist, man kann sie allerdings gesünder machen“, sagt Ágnes
Menykö, Projekt-Managerin bei dem
neu gegründeten ungarischen Unternehmen Áldomás (deutsch: Segen).
Genau das soll verstärkt in Angriff
genommen werden. Ágnes Menykö
verweist in diesem Zusammenhang
auf die Aktivitäten des jungen Unternehmens, die darauf abzielen, den Anteil gesunder Lebensmittel in ihrem
Land weiter zu erhöhen. So entstand
2015 Áldomás als Dachverband mit
Sitz in Budapest für den Vertrieb von
Produkten, speziell der Premiumkategorie. Ein eigens von der Regierung
zugelassenes Zertifizierungssystem
mit dem Namen „Verbraucherfreundliches Gütesiegel“ wurde ins Leben
gerufen. Damit wird offiziell die hohe Eine Auswahl an ungarischen Naturprodukten
Qualität der Produkte bestätigt und
Foto: Áldomás
den Verbrauchern garantiert, dass es
sich um ungarische Lebensmittel aus
kontrollierter Quelle handelt. Ziel ist es
einer gesunden Ernährungsweise
Zeichen setzen
auch, durch gesunde Nahrungsmittel
entspricht, ist insbesondere seit der
den allgemeinen Gesundheitszustand
Mit der Gründung von Áldomás politischen und wirtschaftlichen Wender Menschen zu verbessern.
soll ein klares Zeichen für einen Wan- de 1989/90 längst ein Thema in der
Damit Produzenten das Gütesiegel del im Lebensmittelbereich gesetzt öffentlichen Diskussion. Zwar gab es
bekommen, müssen folgende Grund- werden und den Produzenten gesunder bereits vor der Wende erste Bio-Läden
voraussetzungen erfüllt werden: In der Nahrungsmittel der Marktzugang er- und Bio-Restaurants, die seinerzeit
gesamten Produktionskette dürfen keine leichtert werden. Das ist jedoch unter aber meist nur eine kurze Lebensdauer
genetisch veränderten Organismen, den gegeben Bedingungen nicht gerade hatten. Es mangelte damals noch an
weder künstliche oder synthetische einfach. Denn die Marketingstrategen Informationen und Aufklärung zum
Materialien noch geschmacksverstärThema gesunde
kende Zusatzstoffe oder Farbstoffe
Lebensmittel und
verwendet werden.
Lebensweise.
In den letzten Jahren hat
Positive Reaktionen
sich jedoch ein
neues GesundMit insgesamt 17 Produkten
heitsbewusstsein
ging die neue Dachmarke im Herbst
in Ungarn he2015 ins Rennen. „Kleine Händler
rausgebildet. Die
brauchen unbedingt Hilfe, damit ihre
Nachfrage nach
Produkte immer weitere Verbreitung
ökologischen Profinden. Wir wollen aber auch, dass
dukten ist größer
unsere anspruchsvollen Produkte im
geworden. In alAusland bekannter werden, haben belen Landesteilen
reits gute Kontakte zu dortigen Händfinden regelmälern“, sagt Ágnes Menykö. „Zunächst
ßig Märkte mit
haben wir den Markt geprüft“. Das
einem reichhalProjekt hatte einen längeren Vorlauf,
tigen Angebot
bevor der Schritt auf den nationalen
und internationalen Markt erfolgte. Der ungarische Landwirtschaftsminister Dr. Sándor Fazekas und naturbelassener,
Zudem wurde es auf vielen interna- Projekt-Managerin Ágnes Menykö auf der Grünen Woche 2016 ökologischer und
regionaler Protionalen Messen vorgestellt. Es habe
Foto: Áldomás
dukte statt. Seit
überwiegend positive Reaktionen der
Jahren gibt es viele
Messebesucher bei der Vorstellung
und Verköstigung einzelner Produkte des Unternehmens kamen zu dem neue Bio-Läden, die auf eine solide
aus dem Sortiment gegeben. Stolz Schluss: „Das Volumen des Handels und wirtschaftliche Grundlage verweisen
verweist die Projekt-Managerin darauf, der Produktion von Lebensmitteln habe können. Trotzdem sind Bio-Produkte
dass rund 90 Prozent der Besucher sich global enorm verstärkt. Dumping- für viele Ungarn alles andere als erGefallen an den Produkten gefunden preise bei billigen, in Massenproduktion schwinglich.
hätten. „Die restlichen zehn Prozent hergestellten Lebensmitteln von schwamüssen sich noch daran gewöhnen“, cher Qualität haben den Marktzugang
Gesunde Traditionen
fügt sie zuversichtlich hinzu. Es handele für traditionelle Produkten erschwert.“
sich ausschließlich um Produkte und Zudem würden die Interessen der VerEs gilt jedoch als Tatsache, dass
Zutaten aus ungarischer Produktion. braucher gefährdet.
die Grundelemente der traditionellen
Über 70 Prozent der von Áldomás
Dass die ungarische Ernährungs- ungarischen Küche gesundheitszertifizierten Lebensmittel sind Bio- weise meist sehr kalorienreich ist und förderlich und vitaminreich sind,
Erzeugnisse.
nicht in jeder Hinsicht den Vorstellungen verweist die ungarische Diätberaterin

Kissné Deé Kitti während eines internationalen Kneipp-Projektes, das die
GRÜNE LIGA Berlin unter anderem
mit ungarischen Partnern zum Thema
„Wandermeilen zur Gesundheit” von
2013 bis 2015 durchführte. Demnach
essen die Ungarn traditionell viel Obst
und Gemüse, das zum Großteil aus
regionalem Anbau stammt. Ein Blick
auf die traditionelle Speisekarte ungarischer Haushalte zeigt, dass neben
Fleisch, frischem Gemüse und Obst
auch frisches Brot, Milchprodukte und
Honig auf dem Speiseplan stehen. Hinzu
kommen als häufig servierte Speisen
grüne Suppen, die mit viel Gemüse
angereichert sind. Kartoffeln, Spinat,
Kürbis, Bohnen, Kraut und Brokkoli
gehören ebenso zum Repertoire der
traditionellen Ernährung wie Obstsuppen. Doch leider gibt es neben diesen
vitaminreichen Ernährungstraditionen
auch viele negative Einflüsse in Sachen
Nahrungsaufnahme.
So nennt sie unter anderem den
übermäßigen Verzehr von Schweinefleisch und Schweinefett, was einer
gesunden Ernährungsweise alles andere
als dienlich ist. Den Gesundheitszustand
der ungarischen Bevölkerung bezeichnet sie allgemein als schlecht. Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen
seien übergewichtig oder dickleibig. 40
Prozent der Männer und Frauen leiden
an Hypertonie (Bluthochdruck).
Die Gründe dafür sind jedoch vielfältig und durchaus länderübergreifend:
„Unser Ernährungsverhalten wird auch
durch äußere Reize wie zum Beispiel
der Werbung beeinflusst“, kritisiert
sie. Die angeborenen Reize der Nahrungsaufnahme würden durch derartige
Einflüsse untergedrückt.

Ernährung international
Áldomás Managerin Ágnes Menykö
merkt an, dass der Gesundheitszustand
der Ungarn nicht schlechter sei als in
Deutschland. Diese Erkenntnis ist auch
kaum von der Hand zu weisen. Wirft
man einen Blick in die Veröffentlichungen deutscher Krankenkassen,
fällt einem unter anderem der überproportional hohe Anteil fettleibiger
und an Herz- und Kreislaufkrankheiten
leidender Menschen auf.
Die Voraussetzungen für eine Ausweitung des Öko-Landbaus sind in Ungarn günstig. So läuft für den Zeitraum
2013 bis 2020 ein Förderprogramm, das
darauf abzielt, eine landwirtschaftliche
Fläche von 350.000 Hektar zu schaffen,
die nach den Regeln des ökologischen
Anbaus bewirtschaftet wird (insgesamt
verfügt Ungarn über 5.300.000 Hektar
Landwirtschaftsfläche). Ausbildungsund Mentor Programme sollen dazu
beitragen, den Ökolandbau insbesondere für junge Landwirte attraktiv zu
machen.
Volker Voss

INTERNATIONAL

April / Mai 2016

15

Tote für Turbinen
Das Staudammprojekt Agua Zarca muss gestoppt werden

N

ach dem Mord an der Menschenrechts- und Umweltaktivistin Berta Cáceres fordern
Nichtregierungsorganisationen von
europäischen Unternehmen, sich aus
dem Staudammprojekt Agua Zarca in
Honduras zurückzuziehen. Die Entwicklungsbanken FMO aus den Niederlanden und FinnFund aus Finnland
haben bereits ihre Aktivitäten in dem
zentralamerikanischen Land vorläufig
gestoppt. Doch die deutschen Firmen
Voith und Siemens halten noch an dem
Geschäft fest.

Eiskalter Mord
Sie drangen in Ihr Haus ein und
erschossen sie. In der Nacht vom
zweiten auf den dritten März ermordeten Unbekannte die international
renommierte Menschenrechts- und
Umweltaktivistin Berta Cáceres in La
Esperanze, Honduras. Sie war die Koordinatorin des Indigenen und Volksrats
von Honduras (COPINH). Damit war
sie eine der exponiertesten Personen
in der Protestbewegung gegen das
geplante Wasserkraftwerk Agua Zarca
in Honduras. Sie und andere Mitglieder
der COPINH erhielten regelmäßige
Morddrohungen und wurden dabei
aufgefordert, ihre Proteste gegen Agua
Zarca einzustellen. Die Gewalttat hatte
sich also angekündigt, dennoch hatten
die honduranischen Behörden nichts unternommen, um ihr Leben zu schützen.
Berta Cáceres war international
hoch angesehen wegen ihres Engagements für die Indigenen in Honduras und
den Schutz der Umwelt. Im Jahr 2015
erhielt sie den bedeutenden Goldman
Environmental Prize, im Jahr 2012
wurde sie mit dem Shalompreis der
Universität Eichstätt ausgezeichnet. Der
Mord an ihr sorgte für internationales
Aufsehen.

Protest vor der FMO
Foto: Anouk van Baalen

Zustimmung zu dem Projekt gefragt,
wie es die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, die
1995 von Honduras ratifiziert wurde,
verlangt. Im Gegenteil: Seit das Projekt
2011 bekannt wurde, gab es friedliche
Proteste der Lenca gegen das Staudammprojekt, die immer wieder das Ziel
von gewalttätigen Repressionen durch
staatliche Institutionen und private
Sicherheitsfirmen waren.
Die honduranische Firma Desarrollo Energético S.A. de C.V. (DESA)

Sicherheitsunternehmen immer wieder
zu Einschüchterungs- und Kriminalisierungsversuchen gegen Menschen,
die gegen das Projekt protestierten. Im
Jahr 2013 erschoss ein honduranischer
Unteroffizier vom Werksgelände der
DESA aus den COPINH-Aktivisten
Tomás Garcia.
Nach Protesten von Umweltorganisationen und als Reaktion auf die
Morde an Cáceres und García haben die
europäischen Finanziers des Projektes,
die Entwicklungsbanken FMO aus

Gewalt geht weiter
Seit dem Mord an Berta Cáceres
riss die Gewalt nicht ab. Wenige Tage
nach ihrem Tod wurde am 15. März ein
anderer Aktivist der COPINH, Nelson
García, vor seinem Haus von zwei
Unbekannten erschossen. Die Morde
an Berta Cáceres und Nelson García
bilden den Höhepunkt einer sich immer
weiter zuspitzenden Eskalation von Gewalt zur Durchsetzung des Kraftwerks
Agua Zarca.
Das Staudammprojekt Agua Zarca
am Gualcarque Fluss in Honduras soll
auf dem historischen Territorium der
indigenen Lenca in der Region Rio
Blanco (Departements Intibucá und
Santa Barbara) gebaut werden. Durch
das Wasserkraftwerk würden die Lenca
ihrer Lebensgrundlage beraubt werden
und massive Umweltschäden entstehen.
Die dort lebende Bevölkerung wurde
niemals in korrekter Weise nach ihrer

Berta Cáceres vor dem Rio Gualcarque
Foto: P. Reyes/Ocote-Films

will das Staudammprojekt realisieren.
Das Agua-Zarca-Projekt ist ein Modell
für mindestens 40 weitere, ähnliche
Projekte. Wird Agua Zarca realisiert,
könnten noch zahlreiche andere Flussläufe in Honduras verbaut werden.

Europäische Finanziers
Die Firma DESA ist notorisch dafür
bekannt, Sicherheitskräfte einzusetzen,
die brutal gegen Staudammgegner_innen vorgehen. Seit 2011 kam es von
Seiten der Polizei, Militärs und privaten

den Niederlanden und FinnFund aus
Finnland, am 16. März angekündigt,
sämtliche Geschäfte in Honduras zu
stoppen und alle laufenden Zahlungen
zu suspendieren. Die Verantwortlichen
der Entwicklungsbanken kündigten
an, sich vor Ort ein Bild von der Lage
zu machen, bevor sie über die weitere
Finanzierung entscheiden. Wichtig
ist nun, dass sie sich nicht nur auf
Informationen von honduranischen
Behörden oder der DESA stützen, die ja
bisher immer den Bau von Agua Zarca
verteidigten und sich an der Repression

gegen die COPINH beteiligten. Hier ist
auch die internationale Öffentlichkeit
gefragt, die weiteren Geschehnisse zu
begleiten und weiter Druck auszuüben.
Seit im Jahr 2009 die demokratisch geführte Regierung Honduras
von José Manuel Zelaya gewaltsam
abgesetzt wurde, verstärkte sich die
Repression gegen Menschenrechts- und
Umweltaktivist_innen. Unternehmen,
die Großprojekte realisieren wollen,
agieren offen im Verbund mit staatlichen Institutionen: Journalist_innen
und Aktivist_innen werden regelmäßig
bedroht oder sogar ermordet.
Auch das deutsche Konsortium
Voith Hydro profitiert von dieser Situation, wenn auch indirekt. Die brasilianische Niederlassung der Firma will drei
Turbinen mit jeweils 7,52 MW Leistung
an das Wasserkraftwerk liefern. Die
Firma Voith Hydro gehört zu 65 Prozent
der Voith GmbH und zu 35 Prozent der
Siemens AG. In Pressemitteilungen
erklärten Vertreter_innen von Voith und
Siemens, dass sie sich von der Gewalt
in Honduras distanzieren würden und
keine Mitverantwortung hätten.

Der Profit zählt
Nichtregierungsorganisationen
weisen diese Argumentation zurück. Da
die Unternehmen von dem Projekt profitieren, tragen sie auch eine Verantwortung für Menschenrechtsverstöße und
Umweltverbrechen, die im Kontext des
Projekts begangen werden. Ein Bündnis
internationaler NGOs forderte deshalb
in einem offenen Brief an die Vorstände
der Voith GmbH und der Siemens AG,
dass Voith Hydro keine Turbinen an das
geplante Wasserkraftwerk liefern soll.
Seit 2013 machen NGOs die Verantwortlichen von Voith Hydro auf
die Menschenrechtslage im Kontext
von Agua Zarca aufmerksam. Auf den
Hauptversammlungen der Siemens
AG wurde der Vorstand immer wieder
über die Menschenrechtsverletzungen
und Umweltzerstörung im Zuge des
Agua-Zarca-Projektes informiert. Den
Verantwortlichen beider Firmen wurde
2015 auch ein entsprechendes Dossier
vorgelegt. Doch Siemens und Voith
ignorierten bislang diese Hinweise.
Offenbar waren ihnen die Gewinne aus
dem Turbinenverkauf wichtiger. Nun
sollten sie endlich handeln und Agua
Zarca stoppen.
Thilo F. Papacek / GegenStrömung
Link zum offenen Brief von
Nichtregierungsorganisationen an die
Vorstände von Voith und Siemens:
http://www.gegenstroemung.
org/web/wp-content/uploads/2016/03/20160318_Offener_
Brief_an_Voith_und_Siemens

16

WISSENSCHAFT / NATUR

April / Mai 2016

UBA-Studie Obsoleszenz:
Arbeit unvollständig, Fakten ignoriert, Neutralität fehlt

D

as Öko-Institut und die Universität Bonn, Institut für
Landtechnik legten am 15.
Februar nach mehr als zwei Jahren
ihre Studie vor. Auftraggeber ist das
Umweltbundesamt. Das Umweltbundesamt fasst das Ergebnis der Studie
wie folgt zusammen

MURKS? NEIN DANKE!
UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: „Viele Geräte haben eine zu
kurze Lebensdauer. Aus ökologischer
Sicht ist das nicht akzeptabel. Die
Herstellung der Produkte verbraucht
wertvolle Ressourcen; Schadstoffe und
Treibhausgase belasten Umwelt und
Klima. Wir müssen über Mindestanforderungen an Produktlebensdauer
und Qualität nachdenken – eine Art
Mindesthaltbarkeit für Elektro- und
Elektronikgeräte. Gleichzeitig werden
viele Geräte ersetzt, obwohl sie noch
gut funktionieren. Es ist daher genauso
wichtig, dass Verbraucherinnen und
Verbraucher Produkte länger nutzen.“
Für die Erstellung brauchten die
Auftragnehmer mit fast drei Jahren fast
die doppelte Zeit. Die Erwartungen an
das Ergebnis sind damit groß. Insbesondere erwartet die Öffentlichkeit klare
und rasch umsetzbare Lösungsansätze
zu der bereits in der gesamten EU diskutierten geplanten Obsoleszenz.
Das Problem der großen Schadfolgen durch geplante Obsoleszenz und der
Handlungsdruck sind auf europäischer
Ebene präsent und durch eine Vielzahl
Aktivitäten dokumentiert. Vor und
während des Untersuchungszeitraums
der Studie kam es bereits zu einer breiten
Diskussion auf allen Ebenen der Gesellschaft und zu zahlreichen Fachveröffentlichungen. Die EU-Kommission
fordert Maßnahmen gegen geplante
Obsoleszenz, Frankreich führt Gesetze
gegen geplante Obsoleszenz ein, die
Verbraucherministerkonferenz der Bundesländer fordert Maßnahmen gegen
geplante Obsoleszenz auf der Bundesebene. Eine überzeugende Gemeinschaft
von Verbraucherschutzorganisationen,
Hochschulen, Forschungsorganisationen, Gewerkschaften, Natur- und
Umweltschutzverbänden und weiterer
NGOs auf deutscher und europäischer
Ebene macht sich stark für eine rasche
Umsetzung von zielführenden Programmen und Maßnahmenpaketen für
mehr Haltbarkeit und gegen geplante
Obsoleszenz.

Umsetzbare
Lösungsvorschläge
Man darf also davon ausgehen, dass
die nun vorgelegte Studie darauf Bezug
nimmt und zu neuen oder weiterführenden Erkenntnissen und rasch umsetzbaren Lösungsvorschlägen kommt.
Die Studie verschweigt jedoch mehr

als sie schreibt. Sie liefert keine neuen
Erkenntnisse. Die Studie ignoriert stattdessen Bestätigungen und Belege der
geplanten Obsoleszenz. Aus dem bereits
vorliegenden faktenreichen Material der
öffentlichen und wissenschaftlichen
Debatte in ganz Europa werden nur die
der eigenen Argumentation dienenden
Inhalte entnommen. Mit rhetorischen
Tricks, eigenwilligen Reduzierungen
und geneigten Interpretationen versucht
man die klare Sicht der Öffentlichkeit
zu vernebeln.
Besonders auffällig: Die Studie
benennt Formen der geplanten Obsoleszenz (werkstoffliche, funktionelle,
psychologische und ökonomische
Obsoleszenz), belegt diese mit konkreten Fakten und bestätigt so geplante
Obsoleszenz in ihren unterschiedlichen
Ausprägungen. Abweichend von den
selbst zitierten Quellen reduziert man
jedoch den Oberbegriff der „geplanten
Obsoleszenz“ durch eigene Neudefinition auf die arglistige Variante, wobei
man selbst eine solche Reduzierung
der öffentlichen Debatte und medialen
Darstellung vorwirft. Die Studie versucht die Hersteller als „unschuldige“
Lieferanten zu entlasten, die lediglich Konsummustern folgen
würden. Damit vertauscht
sie wissentlich Ursache und
Wirkung. Das sich Arglist
selbst nur vor einem strafrechtlichen Gericht seriös
beweisen lässt, ignorieren die
Studienbetreiber dabei völlig.
Die Studie bezweifelt
mit ihren Aussagen indirekt
die Berechtigung und Sinnhaftigkeit bereits erfolgten
Regierungshandelns in Europa (z.B. EU-Kommission,
EWSA, Frankreich, Verbraucherministerkonferenz)
und ignoriert die diesen
Entscheidungen zugrunde
liegenden Prüfungen. Der
Auftrag selbst wurde unvollständig bearbeitet und
die Auftragszeit erheblich
überzogen. Wesentliche Teile
wurden daher im Studienverlauf vom Auftraggeber auf
andere Studien ausgelagert.
Der komplexen Aufgabe ist
man nicht Herr geworden.
Die für eine wissenschaftliche Forschungsarbeit gebotene Neutralität
und Ausgewogenheit ist nicht gegeben.

Hersteller als Opfer
der Öffentlichkeit?
Das Papier liest sich insgesamt eher
wie eine Verteidigung für die Position
der Hersteller in Reaktion auf die seitens
der Studie kritisierte öffentliche und
mediale Debatte. Den Kernaussagen
der Studie wird dabei eine umfassende
Studie der Gesellschaft für Konsumfor-

schung (GfK) zugrunde gelegt, die sich
nicht mit notwendigen Fragen zur Produktentwicklung und den betrieblichen
Gründen für reduzierte Haltbarkeit
befasst hat, sondern im Auftrag eines
führenden Herstellerverbandes das
Verhalten von Verbrauchern untersucht
hat. Zur Herkunft des umfangreichen
Datenmaterials führen die Studienbetreiber aus:
„Die Verbraucherbefragung der
GfK im Jahr 2013 erfolgte im Auftrag
des Zentralverbandes der Elektround Elektronikindustrie (ZVEI). Die
GfK-Daten durften freundlicherweise
im Rahmen der vorliegenden Studie
verwendet und publiziert werden.“ (auf
Seite 88 in Fußnote 21)
Da diese GfK-Daten oder die
Erhebung eigener Daten damit nicht
vom Forschungsbudget bezahlt werden
mussten, entspricht dies der Entgegennahme eines geldwerten Vorteils
in Höhe von ca. 25.000 EURO der
Auftragnehmer von einem führenden
Herstellerverband, dessen Mitgliedsunternehmen zum zentralen Untersuchungsfeld der Studie gehören. Im
Rahmen von mit öffentlichen Geldern
finanzierten Forschungsaufträgen dürfte

mit der Entwicklung von Strategien
und Handlungsvorschlägen beauftragt
hatte. Der Vorschlag der „Einführung
einer Mindesthaltbarkeitsdauer“ ist einer der kompliziertesten Lösungswege
mit dem höchsten Zeitbedarf zu dessen
Umsetzung. Dies käme dem Verschieben einer Lösung auf die „lange Bank“
gleich. Die dafür geforderte langwierige
Entwicklung von Messnormen und
Standards für Bauteile und Geräte ist
eine typische Auftragsarbeit von Forschungsinstituten wie dem Öko-Institut,
das bereits im Bereich der Öko-DesignRichtlinie und dem Blauen Engel tätig
geworden ist.

Interaktive
Mängelliste online
Eine Studie, die zu ihrer Erstellung
mehr als zwei Jahre benötigte, kann
nicht in einer Woche umfänglich geprüft
und bewertet werden. Das erste Studium
zeigt bereits erhebliche Kritikpunkte.
So führen die Studienbetreiber
bspw. aus, Elektrolytkondensatoren
(ELKOs) müssten als Kompromiss an
technische Anforderungen in der Nähe
von Hitze positioniert werden, da dies

Foto: Stefan Schridde

dies ein sehr ungewöhnliches Vorgehen
sein. Das man dann noch mit dem ZVEI
und der GfK im selben Gebäude seinen
Sitz hat, gibt dem Gesamteindruck eine
eigene Note.
Komplizierte Lösungen schützen
Hersteller

Mindesthaltbarkeitsdauer
Warum Frau Krautzberger über
Mindestanforderungen an Produktlebensdauer und Qualität nur nachdenken
will, ist unklar, da man ja eine Studie

die Platinenarchitektur mit Prozessorbestückung erforderlich mache. Dies
alleine ist technisch nicht korrekt.
Außerdem finden sich ELKOs auch in
zahllosen Produkten ohne Prozessornähe (zum Beispiel Kaffeemaschinen,
Netzteile, Computerbildschirme) fehlplatziert in der Nähe von Hitzequellen
(zum Beispiel Spannungsreglerplatine
in Computerbildschirm).
Doch die Mängel der UBA-Studie
sind umfangreich. Bereits jetzt findet
eine kritische Debatte zu dieser Studie
in der breiten (Fach) Öffentlichkeit

WISSENSCHAFT / NATUR

statt. Die aktuelle bereits umfangreiche
Mängelliste wird online publiziert und
laufend erweitert (Link unten). Wir
geben damit der (Fach)Öffentlichkeit
eine Möglichkeit, sich an der kritischen
Bearbeitung der Studie über die Kommentarfunktion mit zu beteiligen.
Es geht auch anders

Produktverantwortung
Bei der Frage der geplanten
Obsoleszenz geht es um Produktverantwortung und Entscheidungen auf
der betrieblichen Ebene. Bereits in
der Ideenphase muss der Haltbarkeit
eine zentrale Bedeutung beigemessen

werden. Hier geht es um differenzierte
Haltbarkeit, Modularität, Kreislaufführung und Möglichkeiten der freien
Wartbarkeit und unkomplizierten Reparierbarkeit, die in ihrer Umsetzung
durch den Kunden selbst verantwortet
und entschieden werden können.
Kennzeichnungspflichten sind ebenso
wichtig, um den Kunden vor Kauf
auf Produkteigenschaften und Nutzungseinschränkungen hinzuweisen,
die ihn vom Kauf abhalten würden.
Zielführender und rascher umsetzbar
ist beispielsweise die Einführung einer
transparenten Kennzeichnungspflicht
für die der Produktentwicklung bereits
zugrunde liegende geplante Gebrauchs-

April / Mai 2016

dauer. Solche und weitere bereits in der
Fachliteratur vorgeschlagene leichter
umsetzbarere Handlungsansätze lässt
die Studie jedoch außer Betracht.
Damit die kaufende Gesellschaft
Produkte länger nutzen kann, müssen
unverzüglich auf Seiten der Politik,
der Hersteller, des Handels und der
Reparaturwirtschaft die erforderlichen
Maßnahmen nach deren Dringlichkeit umgesetzt werden. Der Respekt
vor der Natur, die dringend gebotene
Ressourcenwende, der Klimawandel,
die volkswirtschaftlichen Interessen
der werdenden Kreislaufgesellschaft
und der nachfolgenden Generationen
sind eindrückliche Herausforderungen,

17

die entschlossenes und zielführendes
Handeln für mehr Haltbarkeit fordern.
Stefan Schridde
Weitere Informationen:
MURKS? NEIN DANKE! e.V. www.
murks-nein-danke.de/verein
www.schridde.org

Von der Wildtierberatung bis zur FFH-Richtlinie
Bericht vom 17. Berliner Naturschutztag des NABU

A

m 27. Februar trafen sich Aktive
und Interessierte zum Berliner
Naturschutztag im Tagungswerk
Jerusalemkirche, um den aktuellen
Stand der Dinge zu beleuchten,
zu hinterfragen und Diskussionen
fortzuführen. Organisiert wurde der
Naturschutztag vom NABU Berlin,
der wie jedes Jahr für ein abwechslungsreiches Programm sorgte.
Zu Beginn sprach Christian
Gaebler, Staatssekretär für Verkehr
und Umwelt, über die Bedeutung
des Naturschutzes für Berlin. Hierbei
legte er, tagesaktuell, seinen Schwerpunkt auf die Herausforderung, wie
die „wachsende Stadt Berlin“ – auch
im Zuge der neu ankommenden
Geflüchteten – mit dem „Grün und
mit der Vielfalt“ bestehen kann.
Dafür müssten geeignete Flächen
gefunden werden, wobei man den
Der Steglitz - Vogel des Jahres
Umweltschutz berücksichtigen
muss. Deshalb ist es wichtig, dass
sich die Naturschutzverbände mit in
die konstruktive Diskussion einbringen in Deutschland, insbesondere deren
und sie somit bereichern. So hob er die Stand, deren Herausforderungen und
großartige Funktion der Naturschutz- deren Aussichten. In Deutschland gibt
verbände hervor, welchen wichtigen es sehr viele, sehr kleine FFH-Gebiete.
Beitrag sie zur Stadtbegrünung, Klima Auch Berlin besitzt 15 FFH-Gebiete, die
und Naturschutz leisten. Gleichzeitig circa 5.500 Hektar Fläche einschließen.
forderte er die Verbände auf, „Natur- Die meisten dieser Flächen sind dem
schutzarbeit erlebbar“ zu machen und Lebensraum Wald zuzuordnen und
durch Öffentlichkeitsarbeit die Berline- tragen zur grünen Stadt bei.
Allerdings leitete die EU-Komrinnen und Berliner noch mehr für den
mission am 27. Februar 2015 ein
Naturschutz zu begeistern.
Vertragsverletzungsverfahren gegen
Deutschland wegen der FFH-Gebiete
FFH – In Gefahr!
ein, da diese Schutzgebiete noch nicht
Dr. Axel Buschmann, Referent vom oder nur teilweise national rechtsverBundesamt für Naturschutz (BfN), ging bindlich anerkannt wurden. Das betrifft
in seinem Vortrag auf die Probleme der auch Berlin: In diesem Jahr müssen
Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH), noch vier Gebiete rechtsverbindlich
sowie auf das Programm Natura2000 gesichert werden, bei weiteren sechs
ein. Zudem beschäftigt sich der Forst- müssen Maßnahmen für den Erhalt der
wissenschaftler mit den FFH-Gebieten bedrohten Flora und Fauna an die EU-

Naturschutzbereich. Bleiben Sie
weiterhin aktiv und tragen Sie so zu
einer weiterhin artgerechten und konstanten städtischen Artenvielfalt bei!
Konstantin Petrick
Weitere Informationen zu den Arbeiten des NABU Berlin:
berlin.nabu.de

Foto: Frank Derer, NABU

Kommission geschickt werden. Ansonsten kommen auf Berlin Strafzahlungen
in Höhe von sechs bis acht Millionen
Euro zu. Wenn diese Projekte auch
weiterhin bestehen sollen, müsste ein
grundlegender Wandel erfolgen: Man
müsste die Gebiete besser ausweisen
und kontrollieren, sowie finanzielle
und personelle Hilfen für die Behörden beschaffen, damit ein Bestehen
gesichert werden kann. Im weiteren
Verlauf des Naturschutztages standen
die NABU-Projekte „Biesenhorster
Sand“, die „Wildtierberatung für Berlin“
und aktuelle Wildtierforschungen vom
Institut für Zoo- und Wildtierforschung
auf dem Programm. Zum Abschluss
wurde der Vogel des Jahres 2016 vorgestellt – der Stieglitz.
Der NABU Berlin freut sich über
ihr reges Engagement im Arten- und

18

April / Mai 2016

UMWELTFILM

Chasing Ice
Auf der Jagd nach den Gletschern unserer Zeit

D

er amerikanische Naturfotograf
James Balog begibt sich auf
eine unglaublich faszinierende
Reise zu den Gletschern der nördlichen
Hemisphäre. Um den Klimawandel
sichtbar zu machen und auch die letzten
Kritiker von der globalen Erwärmung
zu überzeugen, stellt er auf Island und
Grönland sowie in Alaska Kameras
auf, die das Schmelzen der Gletscher
festhalten.
Aber zurück zu den Anfängen des
Vorhabens: 2006 flog er nach Island, um
dort Gletscher zu fotografieren – ein Jahr
später begibt er sich an genau dieselbe
Stelle, wo er bereits ein Jahr zuvor war.
Er kann seinen Augen nicht trauen. Der
Gletscher hat sich innerhalb eines Jahres grundlegend verändert. Geschockt
von diesem Erlebnis, beschließt er die
weltweit größte und längste GletscherBeobachtung ins Leben zu rufen – Die

Extreme Ice Survey (EIS). Er und sein
Team beginnen nun auf Island und
Grönland, sowie in Alaska Kameras
aufzustellen, die stündlich über drei bis
fünf Jahre Fotos von den Gletschern
machen und dabei heftigen Stürmen
und Temperaturen von minus 40 Grad
Celsius Widerstand leisten müssen. Er
betritt mit dem Forschungsprogramm
absolutes Neuland, weshalb die eigens
entwickelte Zeitraffertechnik noch
einiger „Updates“ bedarf, ehe sie voll
funktionstüchtig ist. In der Zeit der
technischen Rückschläge sinkt das
Vertrauen in die Durchführung dieses
Extremvorhabens.

Trauer und Schönheit
Die Aufnahmen der Kameras ergeben, aneinandergefügt, unglaublich
gute videoähnliche Aufnahmen, die ein

trauriges, aber fesselndes und wunderschönes Bild von der Sensibilität der
Eisriesen zeichnen. Eisberge von individueller Schönheit und Eisschollen im
Abendlicht strahlen über die Landschaft
hinweg und zeigen den Betrachter_innen die erhaltenswerte Einzigartigkeit
dieses Lebensraumes auf.
Regie führte Jeff Orlowski, der
als Mitarbeiter von EIS den ganzen
Werdegang miterlebt hat und somit eine
unglaubliche Nähe zum Film entwickeln
konnte, die man beim Sehen auf Anhieb
erkennt. So gibt es mehrere Szenen,
in denen sich James Balog über 300
Meter tiefe Eisschluchten beugt oder
auf dem Weg zu den Kameras beziehungsweise während des Fotografierens
an Berghängen klettert. Der Fotograf
verkörpert durch und durch den ausdauernden und besessenen Charakter,
der sich auch nach einer Knieoperation

nicht davon abhalten lässt auf Krücken
weiterzumachen. Und dabei immer das
Ziel seiner Aufnahmen im Blick behält –
nämlich der Öffentlichkeit „glaubhafte,
verständliche, sichtbare Beweise, die sie
an den Eingeweiden packen“, zu geben
und auf die menschliche Bedrohung
für diese eisigen, fragilen Ökosysteme
aufmerksam zu machen. Der Aufwand
hat sich gelohnt – es entstanden nicht
nur bewegende Aufnahmen von der
Schönheit des Eises, sondern auch von
kalbenden Gletschern, deren Dimensionen nur schwer zu begreifen scheinen.
Konstantin Petrick
Weitere Informationen: www.chasingice-derfilm.de

Unsere Wildnis - Die wilde Natur Europas im Fokus
Unberührte Natur im Wechsel der Jahreszeiten

N

ach „Unsere Ozeane“
und „Nomaden der Lüfte“ ist „Unsere Wildnis“
die dritte gemeinsame Naturdokumentation der zwei
Regisseure Jacques Perrin
und Jacques Cluzaud aus
Frankreich. In „Unsere Wildnis“ besinnen sie sich zurück
„auf unsere Breiten“, so die
Regisseure. Der Film folgt
der Entwicklung der Europäischen Mischwälder und
ihrer Bewohner seit der letzten
großen Eiszeit. Die Rolle
des Erzählers übernimmt
im Deutschen der bekannte
Schauspieler Sebastian Koch.
Die Filmaufnahmen
zeichnen sich auch dadurch
aus, dass wenig gesprochen
wird. Stimmliche Begleitung dient ausschließlich der
Orientierung innerhalb der
Weltgeschichte. Die menschliche Evolution erlangt im
Laufe der Zeit und des Films
eine immer größer werdende
Bedeutung und gibt dem
Film dadurch Spannung. Zu
Beginn scheint der Mensch
nicht im Geringsten aufzufallen, er spielt nur eine
Nebenrolle, doch zum Ende
des Films verändert er die gesamte
Kulisse – genauer: Unsere Natur. Dieser
Film zeigt deutlicher als viele andere
Naturdokumentation auf subtile Art
und Weise, wie der Mensch in die Natur
eingreift und sie sich untertan macht.
Beim Dreh der Dokumentation ließ

wird der Film zu einem beinahe intimen Naturereignis.
Der Zuschauer erhält eine
beeindruckende Einsicht in
das natürliche Schauspiel
und erlebt die Natur in ihrer
vollen Schönheit. Besonders das Miteinander der
unterschiedlichen Tiere im
gemeinsamen Lebensraum
bringt den Besucher immer
wieder zum Schmunzeln.
Durch die Nähe zu den Tieren scheint es so, als könne
man verschiedene Charakterzüge und Emotionen der
Tiere erkennen. Es werden
unterschiedliche Tiere in
ihrem natürlichen Lebenslauf portraitiert. Darunter
die üblichen bekannten, als
auch weniger berüchtigte
europäische Waldbewohner und einige Tiere, wie
Bären, Elche, Wölfe und
Büffel, die es nur noch in
sehr abgelegenen Gebieten
Europas gibt.
Der Film verfolgt die
Tiere von der Geburt, den
ersten Schritten und Versuchen zu jagen oder zu
Quelle: Unsere Wildnis
fliegen, über die Rivalitäten innerhalb der Rudel
sich das Filmteam viel Zeit und wurde und Gruppierungen, bis hin zum Tod.
durch professionelle Naturforscher Gleichzeitig ist es spannend, die Ausund –experten unterstützt. So wurden wirkungen und Veränderungen des
ungewöhnliche Methoden und viele Ökosystems im Wechsel der Jahresversteckte Kameras genutzt, um den Tie- zeiten zu erleben. Gerade auf die vier
ren so nah wie möglich zu kommen und Jahreszeiten wurde ein Schwerpunkt
ihren Bewegungen zu folgen. Dadurch gesetzt, da es diese in der langen Pe-

riode, in der Europa von Schnee und
Eis bedeckt war, nicht gab und sich erst
im Nachhinein entwickelten.
Obwohl die Dokumentation die
Einflüsse des Menschen teilweise brutal
darstellt, zeigt sie auch, wie die Natur
sich innerhalb der neu entstehenden
Zivilisation weiter durchsetzt und
neue Möglichkeiten erhält. Innerhalb
der „Ewigen Wälder“, wie sie im
Film bezeichnet werden, gab es keine
Lichtungen und Wiesen, in denen viele
Insekten, Gräser und Wildpflanzen
einen Lebensraum fanden. Dieses neue
Ökosystem konnte sich erst durch den
Menschen entwickeln, da er waldfreie
Zonen schuf. Auch der Mensch trug
also seinen Teil zur Biodiversität bei,
leider zerstörte er Vieles wieder, beispielsweise durch die Verwendung von
Pestiziden und Monokulturen.
Den Regisseuren war es ebenfalls
wichtig, die Töne des Waldes und der
Tiere auf die Zuschauer wirken zu
lassen. Die visuellen und auditiven
Eindrücke sind sehr imposant und
bewirken ein ums andere Mal eine
Gänsehaut. Es ist ein emotionales und
einfach schönes Filmerlebnis, dass Lust
bereitet, wieder mehr Zeit im Wald zu
verbringen.
Leonie Sommer
Unsere Wildnis (Originaltitel:
„les Saisones“) 2015
Dokumentarfilm 97 Minuten
Jacques Cluzaud und
Jacques Perrin
Universum Film GmbH
Deutsch-französische Kooperation
Starttermin: 01.03.2016

GRÜNE LIGA BERLIN

April / Mai 2016

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Auf zum ZeitzeicheN 2016!
Jetzt bewerben für den Deutschen Lokalen Nachhaltigkeitspreis

B

ereits zum zehnten Mal verleiht
der Netzwerk21Kongress den
Deutschen Lokalen Nachhaltigkeitspreis ZeitzeicheN. Dieses Jahr
findet die Verleihung in Dortmund in der
St. Petri Kirche statt. Mit diesem Preis
wird beispielhaftes Engagement für
eine lebenswerte Zukunft ins öffentliche
Bewusstsein gerückt. Vorbildliche Initiativen, die die Zeichen der Zeit erkannt
haben und zum nachhaltigen Handeln
ermuntern, erfahren so Wertschätzung
und können ihre Projekte darüber hinaus
bewerben.
Der Deutsche Lokale Nachhaltigkeitspreis zeichnet in den Kategorien:
Initiativen
Unternehmen
Kommunen
Jugend
Bildung für nachhaltige Entwicklung und Kommunikation
Internationale Partnerschaften
herausragende lokale Aktivitäten aus.
Der Preis hebt insbesondere die gelei-

stete Arbeit, die auch in Zukunft noch
fortwirkt, hervor.

Bewerbungsverfahren
Die Bewerbung kann als Eigenbewerbung oder als Vorschlag
durch Dritte erfolgen. Sie muss dem
Kongressbüro bis zum 10. Juli 2016
als Online-Antrag vorliegen. Hierfür
nutzen Sie bitte die Homepage: www.
netzwerk21kongress.de/zeitzeichen
Dem Nachhaltigkeitspreis liegen folgende Kriterien zu Grunde:
Die Preisträger leisten einen spezifischen und innovativen Beitrag
zur Förderung einer nachhaltigen ZeitzeicheN Preisträger 2015
Entwicklung auf der lokalen Ebene
Foto: Meierei Horst
in Deutschland. Die Preisträger
integrieren möglichst weitgehend
die Nachhaltigkeitsdimensionen Öko- der Kommunikation Ihrer Anliegen
nomie, Ökologie, Soziales und den aufzeigen. Die Aktivitäten der PreisEine-Welt-Gedanken. Die Preisträger träger sollten nach Möglichkeit überfördern die lokale Vernetzung von tragbar sein. Die Preisträger sollten
Akteuren. Die Aktivitäten der Preis- sich auch außerhalb der beschriebenen
träger sollten erlebbare Wirkungen Aktivitäten nachhaltig verhalten und
hervorbringen und wirksame Formen auch zukünftig für eine nachhaltige

Entwicklung engagieren.
Die Bewertung der Vorschläge
nimmt der Projektbeirat des Netzwerk21Kongresses als unabhängige
Jury vor. Er entscheidet in nicht
öffentlichen Sitzungen über die
Preiswürdigkeit der Bewerbungen.
Die Entscheidung ist nicht anfechtbar, und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Es müssen nicht in allen
Kategorien Preise vergeben werden.
Die Jury kann Bewerbungen nach
eigenem Ermessen einer anderen
Kategorie zuordnen, als eingereicht.
Alle Preisträgerinnen und Preisträger werden in den Konferenzpublikationen veröffentlicht.
Konstantin Petrick
Weitere Informationen und das
Bewerbungsformular:
www.netzwerk21kongress.de

Globale Entwicklungsziele- von der UN ins Quartier
Netzwerk21Kongress in Dortmund

I

n diesem Jahr findet der 10. Netzwerk21Kongress vom 27. bis zum 28.
Oktober in Dortmund im neuen Dortmunder Rathaus statt. Schwerpunktmäßig geht es um die Themen „Globale
Entwicklungsziele – von der UN ins
Quartier“. Die globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development
Goals, SDGs) wurden als politische
Zielsetzungen der Vereinten Nationen
(UN) verabschiedet. Doch wie werden
diese Ziele in die Strategien, Handlungsempfehlungen und in die Praxis
vor Ort umgesetzt? Nicht selten entsteht
der Eindruck, dass die Akteure vor Ort,
im eigenen Quartier, schon weiter sind,
als es manche Strategie vorgibt. Auch
scheinen sich einige strategische Ziele
gegenseitig zu blockieren.
Den daraus resultierenden Fragen
und Diskussionen soll beim Netzwerk21Kongress 2016 ein besonderer
Schwerpunkt eingeräumt werden. Dabei
werden erneut ausgewählten Fragen
um Strategien, Handlungsfelder und
Aktionen lokalen Nachhaltigkeitsengagements gestellt:
Wie sind Globale Entwicklungsziele in Strategien vor Ort einbindbar?
Wer spielt dabei welche Rolle? Wie
belastbar sind unsere Quartiere? Welche

Lösungen für Klimaschutz, Integration,
Mobilität, Biodiversität gibt es schon
im Quartier? Was muss zuerst geändert
werden, der Lebensstil oder die Wirtschaftsstrategie?
Nachhaltigkeit mit Leben füllen,
Akteure mit Ideen und Projekten für
die Zukunft zusammenführen – das ist
der Netzwerk21Kongress. Tauschen
Sie sich aus und vernetzen Sie sich mit
Engagierten aus Politik, Verbänden,
Kommunen, Wissenschaft und Unternehmen. Diskutieren Sie darüber, wie
sich die globalen Entwicklungsziele in
den Kommunen verankern lassen, warum Klimaschutz und ein gutes Leben
zusammengehören, ob der regionale
Wohlfahrtsindex das Potenzial zur
Veränderung der Politik hat.
Am 26. Oktober gibt es wieder ein
Vorabendtreffen als Gelegenheit zum
Netzwerken. Im Rahmen des Kongresses wird am Abend des 27. Oktober

in der St. Petri Kirche feierlich der
ZeitzeichenN-Preis verliehen.

Nachhaltiges Dortmund
Die Stadt Dortmund zeichnet sich in
besonderem Maße für ihre nachhaltige
Entwicklung aus und ist deshalb eine
gut geeignete Stadt für den 10. Netzwerk21Kongress. Sie ist selbst Träger
des Deutschen Nachhaltigkeitspreises
2014. Seit Jahren beschäftigt sie sich
mit den Herausforderungen des Strukturwandels, wobei die nachhaltige
Entwicklung immer im Fokus bleibt.
So möchte man auch in Zukunft fortfahren, indem man ein ökologisches,
ökonomisches und soziales Konzept
entwickelt, welches von einer aktiven
und kreativen Zivilgesellschaft mitgestaltet wird.
Der Kongress wird von der GRÜNEN LIGA Berlin, der Landesarbeitsge-

meinschaft AGENDA 21 NRW e.V., der
CivixX Werkstatt für Zivilgesellschaft,
dem LE-Regio Büro für Regionalentwicklung, der Stadt Dortmund und dem
nordrhein-westfälischen Ministerium
für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft und Natur- und Verbraucherschutz organisiert.
Gefördert wird der Kongress durch
das Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, durch das Umweltbundesamt,
durch Engagement Global gGmbH mit
ihrer Servicestelle Kommunen in der
Einen Welt, durch die Stiftung Umwelt
und Entwicklung Nordrhein-Westfalen
und Veolia Deutschland sowie weitere
Förderer und Unterstützer.
Konstantin Petrick
Weitere Informationen:
www.netzwerk21kongress.de/

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April / Mai 2016

DISKUSSION

„Heute so, morgen so“
Der gespaltene, widersprüchliche Konsument

D

ie Welt ist schizophren geworden“,
überrascht Jens
Lönneker, Geschäftsführer des Kölner Meinungsforschungsinstituts rheingold salon, auf einer Veranstaltung des Deutschen
Bauernverbandes bei der
Vorstellung der Studie
Die öffentliche Meinung
in der Krise. Denn völlig
widersprüchlich sind die
Einstellungen deutscher
Verbraucher: „Wir wollen
Strom aus regenerativen
Quellen, aber die Stromtrassen bitte nicht durch
unsere schöne Gegend
legen. Wir sind gegen
Massentierhaltung, kaufen aber das preisgünstige
Fleisch aus dem Supermarkt“, fand Lönneker
heraus.
Beim Kauf von
Milchschokolade möchten die Konsumenten auf
der Verpackung Kühe auf
der Weide sehen, sind
aber nur bereit, dafür 99
Cent auszugeben. Statt
Fleischberge und Hühner in Massentierhaltung
möchten die Verbraucher idyllische Bilder
romantischen Landlebens
sehen, das sinnbildlich dem eigenen
Arbeitsalltag mit Stress und permanenter Effizienzsteigerung entgegensteht, so weitere Beispiele aus der von
der Heinz Lohmann Stiftung bei dem
Kölner Meinungsforschungsinstitut in
Auftrag gegeben Studie. Dafür wurden tiefenpsychologische Interviews
mit Experten aus Wirtschaft, Politik,
Lobby-Verbänden, Medien und NGOs
durchgeführt. Ergänzt wurde sie durch
eine repräsentative Online-Befragung.

Passives Verhalten
„Ich bin nicht schuld daran, sondern der Produzent“, ist laut Lönneker
eine weitverbreitete Reaktion auf
derartige Widersprüche und nennt es
typisches Sündenbockverhalten. Der
Meinungsforscher liefert auf Grundlage der Auswertung der Studie eine
schonungslose Analyse deutschen
Verbraucherverhaltens: Wir sind eine
„satte Gesellschaft“, die „egoistisch
auf Besitzstandswahrung und Berücksichtigung eigener Befindlichkeiten aus
ist“ und die „Engagement und Mut zur
Veränderung“ mehrheitlich ablehnt, den
„Erhalt des Status Quo“ bevorzugt und
sich überwiegend passiv verhält.
Da wäre beispielsweise das Thema
Energiewende. Auf die Frage, ob die Energiewende eine Sache, der Wirtschaft,
der Politik oder der Bürger ist? Lediglich

unvereinbare Meinungen
parallel nebeneinander
akzeptiert und vereint“,
so Meinungsforscher Lönneker.
Außerdem erleben
die Menschen, dass die
„wirtschaftlichen Lenker
und politischen Gestalter,
die in den früheren Jahrzehnten eine traditionell
hohe Glaubwürdigkeit
genossen, heutzutage Bürgerwünsche und -anliegen
bei ihren Entscheidungen
kaum berücksichtigen“.
Politiker würden eher
eigene Interessen verfolgen und „Scheinwelten“
konstruieren. Davon profitieren allerdings NGOs,
unabhängige Experten und
Betroffene, weil sie ein
„hohes emotionales Engagement entwickeln, und
scheinbar wenig entscheiden können“. Ihnen werde
aufgrund ihrer überzeugenden, als echt empfundenen Darstellungsformen
eine hohe Glaubwürdigkeit
entgegengebracht. Politiker halten der Studie
zufolge mittlerweile nur
noch 20 Prozent der BeQuelle: rheingold salon
fragten für glaubwürdig,
die Wirtschaft kommt noch
acht Prozent sehen die Bürger, also sich auf 40 Prozent. Wohingegen Betroffene,
selbst, in der Pflicht. Die Mehrheit lehnt unabhängige Experten und NGOs auf
eigenes Engagement ab, sieht die Politik eine traumhafte Glaubwürdigkeitsquote
mit 37 Prozent und die Wirtschaft mit von 80 Prozent kommen.
Zum Thema gespaltene Persön41 Prozent in der Verantwortung.
lichkeit stellt sich dem aufmerksamen
Verbreitete Wankelmütigkeit Leser der Studie unweigerlich die Frage,
warum die als wenig glaubwürdig einAuch in den Grundeinstellungen gestuften Politiker bei Wahlen trotzdem
zum Leben mache sich Wankelmütig- – wenn auch mit abnehmender Tendenz
keit breit: Auf der einen Seite können - so hohe Stimmenanteile erhalten und
sich immer mehr Menschen für vege- hochrangige Politiker in Umfragen, was
tarische Ernährung begeistern, essen Beliebtheitswerte anbetrifft, oft sogar
aber auch Fleisch, sind also moderne Spitzenwerte erreichen?
„Flexitarier“. Früher war man Raucher
oder Nichtraucher, heutzutage können
Eigensinnige Wahrnehmung
sich viele nicht mehr klar einordnen:
Mal rauchen sie, mal eben nicht. Viele
Gerade bei stark emotional beAutofahrer geben zwar an, spritsparend setzten Themen wie Freude, Lust oder
zu fahren, möchten aber anderseits nicht Angst hilft ein Appell an die Vernunft
auf ihren Fahrspaß verzichten.
meist nicht weiter. Es würden immer
Je nach Situation und Laune ver- dann gesetzlich festgelegte Regulietreten Verbraucher oft gegensätzliche rungen „gewünscht und akzeptiert,
Auffassungen gleichzeitig und legen wenn sie helfen, emotional besetzte
sich nicht mehr eindeutig fest. So wie das Ziele zu erreichen oder befürchtete
öffentliche Leben stelle sich auch das Konsequenzen abzumildern“. Die öfgespaltene Verhalten deutscher Verbrau- fentliche Meinungsbildung werde nicht
cher dar: Immer mehr konkurrierende nur durch rationale, sondern auch durch
Interessengruppen wirken auf die Kon- emotionale Faktoren beeinflusst. Das
sumenten ein, um die Wahrnehmung lässt sich gut am Beispiel Autofahren
und Meinungen zu beeinflussen und festmachen, das emotional immer noch
nehmen dabei jeweils die Meinungsho- sehr positiv besetzt sei und sich in der
heit für sich in Anspruch. So ergebe sich öffentlichen Meinungsbildung entspredas Bild eines „gespaltenen Bürgers“, chend festgesetzt habe. Die öffentliche
der eine „Vielfalt unterschiedlicher, teils Meinung werde auch in Zukunft noch

stark vom Wunsch nach Legitimierung
des Autofahrens in all seinen Facetten
geprägt sein, so der Kölner Meinungsforscher. Regulierungen und Eingriffe
würden sich deshalb nur schwer durchsetzen lassen. Die Automobilwirtschaft
verkörpere seit Jahrzehnten die Ideale
der individuellen Autonomie sowie die
Stärke der deutschen Wirtschaft. Als
gefährlich stufen es die Wissenschaftler
ein, wenn beispielsweise „imperialistische und rassistische Positionen“ von
wissenschaftlich-rational gestalteten
„Argumenten“ untermauert und so Teil
der öffentlichen Meinung würden.
Das öffentliche Leben sei ohnehin
stark psychologisiert und finde verstärkt
über soziale Medien statt, die immer
weniger auf rationalen Argumenten
basieren, sondern meist emotional
besetzt seien.

Heftige Diskussionen
Die Ergebnisse der Untersuchung
lösten erwartungsgemäß heftige Diskussionen aus. Für viele aufmerksame
Zeitgenossen kommen sie sicherlich
nicht überraschend. Zu widersprüchlich
sind Äußerungen und Verhaltensmuster
der heutigen Konsumenten. Sie gestalten sich so, wie die widersprüchlichen
und verunsichernden Einflüsse und
Meinungen, die auf sie im täglichen
Leben einwirken.
Nach der Lektüre dieser Studie
stellt sich unweigerlich die Frage, ob
zuverlässige Meinungs- und Verbraucherumfragen denn überhaupt noch
möglich sind? Hat sich doch in den
letzten Jahren, insbesondere bei Wählerumfragen, immer wieder gezeigt,
wie sehr die Meinungsforscher mit
ihren Umfrageergebnissen oftmals voll
daneben lagen. Der Befragte antwortet
heute so, morgen so.
Haben sich die Verantwortlichen
dieser Studie, doch die Mühe gemacht,
anhand von tiefenpsychologischen
Intensiv-Interviews plus zusätzlichen
Repräsentativ-Befragungen umfangreiche, tiefgreifende, Ergebnisse zu
liefern, die zwar ein trauriges Bild
unserer modernen, oberflächlichen
Konsumgesellschaft bieten, aber auch
die Möglichkeit eröffnen, positive,
nachvollziehbare Änderungen in der
öffentlichen Meinungsbildung herbeizuführen – mit weniger Lüge und
Selbstbetrug. „Denn wir sind nicht
glücklich, leiden zunehmend am BurnOut-Syndrom und Depressionen“, gibt
Jens Lönneker zu bedenken.
Volker Voss
Weitere Informationen unter:
www.rheingold-salon.de

WISSENSCHAFT

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Alte Weizenarten fördern die Gesundheit
Die Herausforderungen liegen im Anbau

Z

urück zu den Wurzeln: Die alten
und lange vergessenen Weizenarten Einkorn, Emmer und Dinkel bieten nicht nur geschmacklich ein
besonderes Erlebnis. Auch gesundheitlich sind sie wertvoll. Sie produzieren
beispielsweise Lutein - einen Schutzstoff für die Augen. Wissenschaftler
der Universität Hohenheim forschen
an Möglichkeiten, den Ertrag der alten
Weizensorten zu erhöhen, und zwar
ohne Gentechnik. Die gesundheitlichen
Vorteile und Möglichkeiten für die
Landwirte heben die Wissenschaftler in
zwei Fachartikeln hervor (im Journal of
Functional Foods und in Crop Science).
Weiter wurde eine Webstory der Amercian Society of Agronomy und der Crop
Science Society zu den Erkenntnissen
veröffentlicht.

jedoch bei den alten Weizenarten vor
allem beim Einkorn aus, so Carle
weiter. Brotweizen verzeichnet eine bis
zu zehnmal höhere Konzentration an
cholesterinsenkenden Sterylferulaten,
Vitamin E und dem Augenschutzstoff
Lutein. „Lutein wird für den gelben
Fleck im Auge benötigt, also den Bereich des scharfen Sehens“, sagt Jochen
Ziegler vom Fachgebiet Technologie
und Analytik pflanzlicher Lebensmittel
der Universität Hohenheim.

Gesünder leben

Warum die alten Weizenarten nicht
schon längst die neuen verdrängt haben,
liege nicht an ihren Inhaltsstoffen,
sondern vor allem an den Herausforderungen im Anbau und an ihrem
geringen Ertrag.

Umweltschutz und
Biodiversität
Zwar habe vor allem Einkorn eine
hohe Resistenz gegen Pilze und Krankheiten. „Die alten Weizensorten sind
eine attraktive, einfach anzubauende
Kulturart“, so die Einschätzung von Dr.
Friedrich Longin, Experte für Einkorn,
Emmer und Dinkel an der Universität
Hohenheim.
„Man muss sie kaum spritzen und
sie wachsen quasi von selbst. Das

Ein weiteres Problem sei ein zusätzlicher Arbeitsschritt. „Alte Weizenarten
besitzen im Gegensatz zu modernen
noch ihre Hülle um das Korn, sie sind
also bespelzt. Um die Körner von ihrer
Hülle zu befreien entsteht in der Müllerei ein erheblicher Mehraufwand – auch
das macht die alten Arten teurer.“ Umgekehrt stellt diese feste Umhüllung einen
natürlichen Schutz gegen Schaderreger
und Schadstoffe dar.

Regionale Vermarktung

Trotz allem sieht der Experte der
Universität Hohenheim ein hohes
Marktpotenzial in den alten Getreidearten. „Der Trend unter den Verbrauchern
geht zurück zum „Ursprünglichen“.
Auch auf Regionalität legen Kunden immer größeren
Wert.“
Auf dem regionalen Markt sieht
Dr. Longin die alten
Weizenarten auch
in Zukunft. „Wenn
feste regionale Produktionsketten zwischen Landwirten,
Müllern und Bäckern
entstehen, fördert
das nicht nur das
regionale Handwerk.
Die kurzen Produktionsstrecken sparen
auch Geld.“
Sein Tipp um
die alten Arten attraktiver zu machen:
Die alte Weizenart Einkorn auf dem Feld
Brot aus alten Weizenarten
„Landwirte, Müller
Foto: Universität Hohenheim, Eyb
Foto: Universität Hohenheim, Elsner
und Bäcker müssen
zusammenarbeiten.
Laut einer Auswertung des Zent- Problem ist, dass Lutein vom Körper belastet natürlich auch die Umwelt Der Landwirt muss vor dem Anbau
ralverbandes des Deutschen Bäcker- nicht selbst produziert werden kann“, weniger. Außerdem fördert der Anbau abklären, wer ihm seine Ernte abnimmt.
handwerks in Berlin werden in jedem so Ziegler. „Darum müssen wir es über der alten Arten die Biodiversität, ein Diese Sicherheit kann ihm der Müller
deutschen Haushalt im Durchschnitt unsere Nahrung aufnehmen.“
wichtiges Ziel für zukunftsfähige aber nur geben, wenn die Bäcker bereit
sind, etwas Neues, dafür aber sehr Gejährlich rund 46 Kilogramm Brot verVor allem Lebensmittel wie Landwirtschaft.“
sundes auszuprobieren. Denn auch das
zehrt. An der Spitze der Mehlsorten: Grünkohl oder Spinat enthalten eine
ist ein Trend unter den Verbrauchern:
Brotweizen und Roggen. „Dabei gibt hohe Menge an Lutein. Das Problem
Geringer Ertrag
gesünder leben. Mit den alten Weizees gerade in der Weizenfamilie noch erklärt Prof. Dr. Carle: „Wir essen
alte Arten mit einigen gesundheits- nicht jeden Tag einen Topf Spinat, um
In ihrem Wachstum liege aber auch narten kann das gelingen.“
Corinna Schmid
förderlichen Inhaltstoffen, die bisher ausreichend Lutein aufzunehmen. Brot das Problem, so Dr. Longin: „Die Halme
Florian Klebs
missachtet werden“, erklärt Professor hingegen nehmen wir regelmäßig zu von Einkorn und Emmer werden sehr
Dr. Reinhold Carle, Lebensmitteltech- uns. Die alte Weizenart Einkorn bietet lang. Man muss darauf achten, dass sie
nologe der Universität Hohenheim. nun eine Möglichkeit, dass sich auch nicht umkippen und die Ernte dadurch
Gemeinsam mit den Wissenschaftlern die Menschen gesünder ernähren, die verloren geht.“
Weitere Informationen:
Jochen Ziegler und Dr. Friedrich nicht regelmäßig grünes, luteinreiches
Auch der Ertrag sei deutlich geLongin hat er Vorteile, Probleme und Gemüse zu sich nehmen.“
ringer als beim Brotweizen, sagt der
Die ganzen Artikel gibt es im
Möglichkeiten von alten Weizenarten
Experte der Universität Hohenheim:
Journal of Functional Foods unter doi:10.1016/j.jff.2015.11.022
untersucht und sie jetzt in zwei wis„Emmer erreicht lediglich 50 Prozent
Natürlich gesund
sowie in Crop Science unter doi:
senschaftlichen Artikeln im Journal of
des Ertrages von Brotweizen, Einkorn
und resistent
10.2135/cropsci2015.04.0242.
Functional Foods sowie Crop Science
sogar nur 25 Prozent. Dadurch sind sie
veröffentlicht.
Besonders attraktiv mache Einkorn natürlich auch viel teurer. Das bekommt
Die Erkenntnisse der Wissendas natürlich hohe Vorkommen von der Verbraucher zu spüren.“
schaftler wurden außerdem in
Selbst durch verbesserte ZüchLutein, sagt Ziegler. „Im Unterschied
Mehr Lutein für
einer Webstory der Amercian Sozum Golden Rice, bei dem Carotinoide tungen könne man den Ertrag nur
bessere Augen
ciety of Agronomy und der Crop
durch Gentechnik in das Grundnah- bedingt steigern. „Der Brotweizen
Science Society zusammengebracht unter:
„Natürlich enthält beispielsweise rungsmittel Reis eingebracht wurden, wurde die letzten 100 Jahre intensiv
w w w. a g r o n o m y. o r g / s c i e n c e auch der Brotweizen Inhaltsstoffe, die muss bei dieser alten Weizenart nichts züchterisch verbessert, das kann man
news/ancient-going-nouveau
für den menschlichen Körper wichtig verändert werden. Sie enthält von Natur beim Einkorn und Emmer so schnell
nicht mehr aufholen.“
sind“. Vielversprechender sähe es aus viel Lutein.“
Regelmäßig zu sich genommen,
könne es beispielsweise die altersbedingte Makuladegeneration (AMD),
also den Hauptgrund des Erblindens
älterer Menschen, verhindern. „Das

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NATUR

Königin mit vielen angenehmen Eigenschaften
Baum des Jahres 2016: die Winterlinde

K

aum ein Baum ist in deutschen
Straßen und Parks so oft anzutreffen wie die Linde. Kein
Wunder, ist sie doch nicht nur sehr
schön anzuschauen, sondern auch
relativ anspruchslos, was ihren Lebensraum betrifft. Dr. Silvius Wodarz,
Präsident der Baum des Jahres Stiftung,
begründete die Wahl der (Winter)Linde
unter anderem damit, dass für diesen
Baum vielfältigste Verwendungsmöglichkeiten, höchste Wertschätzung und
größte Bedeutung in der Mythologie
stehen. „Es gibt keinen Baum, der mehr
mit der Liebe des Menschen verbunden ist, und das alleine ist schon eine
Kostbarkeit.“
Die Winterlinde, die bis zu 25
Meter hoch werden kann, blüht etwas
später als ihre „Schwester“, die Sommerlinde, die auch schon einmal zum
Baum des Jahres (1991) gekürt wurde.
Die Blüte setzt etwa zwei Wochen
später als die ihrer nahen Verwandten
gegen Ende Juni, Anfang Juli ein,
damit blüht sie am spätesten von allen
heimischen Baumarten. Übrigens, zur
Unterscheidung lohnt sich ein Blick
auf die Blattunterseiten. Diese sind bei
der Winterlinde kahl und mit einigen
rotbraunen Härchen-Büscheln versehen. Bei der Sommerlinde sind diese
„Bärte“ dagegen weiß.

Wuchtiges Exemplar der Preisträgerin
Foto: Daniel Arnold

Verbreitung und Merkmale

Das Verbreitungsgebiet der Winterlinde erstreckt sich über ganz Europa bis
nach Russland. Es reicht deutlich weiter
nach Norden und Osten als das der Sommerlinde und ist vor allem
an Berg- und Hügelland
sowie die Auenbereiche
größerer Flüsse gebunden. Ihre Heimatgefilde
in Deutschland sind die
Regenschatten-Bereiche
von Harz, Rhön und Erzgebirge sowie Auenwälder an Elbe, Rhein, Saale
und Oder. Nur im Gebirge
bleibt sie hinter der Sommer-Linde zurück, die
in den Alpen schon mal
500 Meter höher siedelt.
Wie bereits erwähnt, ist
die Winterlinde – was
Licht, Wasser, Wärme
und Nährstoffe betrifft –
wesentlich genügsamer
als die Sommer-Linde.
Dass sie dafür auch die
kleineren Blätter hat, mag
in Verwechselungsfällen
als Eselsbrücke dienen.
Im Englischen heißen
die beiden Unterarten
daher large-leaved lime
(Sommerlinde) und smallDie blühende Winterlinde
leaved lime (Winterlinde).
Die Blätter des
Foto: Martin Hlauka (Pescan)
Baumes sind fast kreisrund und enden in einer
Außerdem existieren noch zwei deutlichen, sehr kurzen und schlanken
Hybridformen: eine Kreuzung aus Spitze. Am Grund sind sie herzförmig
Sommer- und Winterlinde, auch hollän- eingeschnitten, wobei die Kerbe nicht
dische Linde genannt, und die weit ver- unbedingt mittig liegen muss. Der
breitete Krimlinde, eine Kreuzung aus Blattrand ist regelmäßig gesägt und nach
oben gebogen. Jeweils vier bis zwölf
Winterlinde und Kaukasischer Linde.

weißliche Blüten befinden sich an einem
hängenden oder abstehenden Blütenstand und verströmen einen intensiven
honigähnlichen Duft. Die im Herbst
herangereiften, nur wenige Millimeter
großen Kapselfrüchte lassen sich im
Gegensatz zu den Früchten der Sommerlinde leicht zerdrücken. Interessant:
Die Blattform der Linde wiederholt sich
– ungefähr – im Habitus der Baumkrone
sowie der Wurzelausbildung.
Über das Wachstum der Linde wird
übrigens gesagt, dass sie „300 Jahre
kommt, 300 Jahre steht und 300 Jahre
vergeht“. Das maximale Alter der verschiedenen Lindenarten wird mit etwa
1.000 Jahren angegeben.

Verwendung
Tilia cordata (so der botanische
Name der Winterlinde) dient dem
Menschen wahrscheinlich schon seit
Urzeiten als Apotheke: Es kann fast
alles an der Linde in der Naturheilkunde
genutzt werden. Besonders beliebt ist
Tee aus Lindenblüten – er ist schweißund wassertreibend, krampflösend,
magenstärkend und blutreinigend.
Die biochemische Wirkung des Tees
zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte wird auf die in den Blüten
enthaltene medizinisch wirksame
Substanz des Lindenblütenöls zurückgeführt. Dieses ätherische Öl wird in
den Balkanländern und Südrussland
für die heilkundliche Nutzung sogar
gesammelt. Der Sud aus Lindenblättern
hat einen ähnlichen Effekt.
Außerdem sind die Blüten eine
wichtige Nahrungsquelle für Bienen,
entsprechend beliebt ist der süße
Lindenblütenhonig. Der kulinarische
Einfluss geht noch weiter. „Zur Linde“ sei der häufigste Gasthausname in
Deutschland, meint die Baum des Jahres

Stiftung. Eher kurios: In Notzeiten
wurde der Samen auch als Kaffeeersatz
genutzt, und unter Friedrich dem Großen gab es sogar Versuche, Schokolade
daraus herzustellen. „Lindenschokolade“ gibt es auch heute noch in Leipzig
(lateinisch Lipsia, soviel wie Lindenort)
in Form eines Lindentalers.
Eine zweite traditionelle Nutzungsform des Baumes betrifft sein Holz.
Lindenholz ist meist weißlich bis gelblich und gehört zu den weichen Hölzern
(Winterlinde und Sommerlinde sind so
gut wie nicht unterscheidbar). Es wird
vor allem im Innenbereich verwendet,
da es, der Witterung ausgesetzt, wenig
dauerhaft ist. Insbesondere Bildhauer
und Holzschnitzer arbeiten gern mit
dem Holz. So wurden beispielsweise
viele berühmte Meisterwerke der Sakralkunst, zum Beispiel von Tilman
Riemenschneider und Veit Stoß, aus
dem „Heiligenholz“ gefertigt. Auch
für flächige Schnitzarbeiten, zum
Beispiel die Herstellung von Kuckucksuhren oder in der Maskenschnitzerei
wird Lindenholz oft verwendet. Der
große Vorteil des Holzes besteht vor
allem in seiner leichten und in allen
Schnittrichtungen sauber möglichen
Bearbeitbarkeit, die auch in der Spielzeugfabrikation, im Modellbau und bei
Hutmachern sehr geschätzt wird.

Kulturelle Bedeutung
Dorflinden, Gerichtslinden, Kirchlinden, Tanzlinden und Hoflinden (unter
denen mit Sicherheit auch Winterlinden
waren und sind) – sie alle zeugen von
einer jahrhundertelangen vielseitigen
kulturellen Tradition. Bereits im
Volksglauben der germanischen und
slawischen Völker nimmt die Linde
unter den Bäumen einen Ehrenplatz ein.
Jedes Dorf besaß als Mittelpunkt eine
Linde. Sie war Treffpunkt für Jung und
Alt und Ort für Trauungen. Eine Besonderheit war die Tanzlinde – ein starker
Baum, dessen Hauptäste in Jahrzehnten
zu waagerechten Astkränzen geformt
wurden. Auf diese Astkränze legte man
Bretter, brachte Geländer und Leitern
an und stützte das Ganze mit Pfosten
ab: Der Schwof konnte beginnen. Unter
den Gerichtslinden auf öffentlichen
Plätzen und in Burgen wurde durch
den Dorfschulzen oder den jeweiligen
Feudalherren Recht gesprochen. Einzeln stehende, weithin sichtbare Linden
galten als Freiheitsbäume oder waren
schlichtweg Grenzbäume.
Außerdem zeigt sich die tiefe
kulturelle Verwurzelung der Linde in
zahlreichen Sagen und Volksbräuchen
sowie in Flur-, Orts- und Personennamen. Last but not least gibt es noch die
Dichterlinde, die derzeit sogar wieder in
Mode kommt. Jedenfalls war die Linde
der Baum der deutschen Romantik.
Jörg Parsiegla

NATUR

April / Mai 2016

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Von wegen „eingehen wie ‘ne Primel“
Wiesen-Schlüsselblume ist Blume des Jahres 2016

D

ie Loki Schmidt Stiftung Hamburg hat die Echte oder auch
Wiesen-Schlüsselblume zur
Blume des Jahres 2016 ernannt. Damit
soll für den Schutz dieser selten gewordenen Pflanze geworben werden, die
in vielen Bundesländern auf der Roten
Liste der gefährdeten Arten steht. Der
Grund hierfür ist ihr bedrohter Lebensraum: sonnige, eher trockene Wiesen
und lichte Wälder auf kalkhaltigen
Böden. Da letztere in der Norddeutschen
Tiefebene eher selten sind, ist sie vor
allem hier schutzbedürftig. Dennoch
kommt sie als Charakterart magerer
und trockener sowie halboffener oder
offener Landschaften bundesweit vor
– auf Wiesen und Magerrasen, in Wacholderheiden und Gebüschen. Primula
veris, wie die Wiesen-Schlüsselblume
mit botanischen Namen heißt, wächst
auch in lichten Wäldern, die Beschattung darf hier allerdings nicht zu stark
werden. Nimmt sie überhand, siedelt
sich eher die nächste Verwandte der
Wiesen-Schlüsselblume, die Hohe oder
auch Wald-Schlüsselblume, an.
Alle Schlüsselblumen der Gattung
Primula aus der Familie der Primelgewächse (Primulaceae) kommen
in weiten Teilen Europas und Vorderasiens vor. Die attraktive, krautige
Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 10
und 30 Zentimetern erreicht, erfreut
den aufmerksamen Spaziergänger mit
ihren sattgelben Blüten vom März bis
in den Juni hinein. Als Frühlingsbotin
schmückt sie zur Osterzeit viele Ge-

Blütenstand der Echten Schlüsselblume
Foto: https://www.flickr.com/photos/blumenbiene/5456073173/sizes/o/

fehlt). Die Blüten stehen zu mehreren
eng beieinander an einem Stiel und

Steingärten in vollsonniger Lage. Auch
als Schnittblume in Blumensträußen
wird sie gern verwendet. Ein weiterer
Verwendungszweck betrifft das Rhizom, also den Wurzelstock, der Pflanze.
Aus diesem wurde früher Niespulver
hergestellt.
Als Heilpflanze kommt die Echte
Schlüsselblume aufgrund ihrer – allerdings geringen (oft nur wenige Prozent)
– Gehalte von Saponinen, Flavonoiden
und Carotinoiden in Betracht, ebenso
enthält sie Spuren von ätherischem
Öl. So werden Extrakte aus Schlüsselblumen vor allem bei Erkältungen mit
verschleimtem Husten und Schnupfen
als Begleitsymptomatik eingesetzt. Die
hierbei wirksamen Triterpensaponine

üben eine reizende Wirkung auf die
Magenschleimhaut aus und sollen über
Nervenfasern reflektorisch die Bronchialschleimhaut dazu anregen, mehr
Schleim zu produzieren. Hierdurch
verdünnt sich das Sekret und erleichtert
das Abhusten. Als Nebenwirkung der
Anwendung wurden allerdings auch
schon Magenschmerzen und Übelkeit
sowie allergische Hautreaktionen festgestellt. Frische, junge Schlüsselblumenblättchen eignen sich bedenkenlos
zum Verzehr – zum Beispiel als Beigabe
zu Salaten.
Was die kulturelle Bedeutung
der Wiesen-Schlüsselblume betrifft,
so galt sie im Volksglauben einst als
Schutz- und Fruchtbarkeitsmittel. In der
nordischen Mythologie sind es Elfen
und Nixen, die die Pflanze lieben und
schützen, möglicherweise weil sie als
eines der himmelöffnenden Frühlingskräuter gilt – der Name Himmelsschlüsselblume war geboren. Als solche wird
die Pflanze bildhaft auch im Text der
Johannes-Passion von Johann Sebastian
Bach (Bach-Werke-Verzeichnis 245,
Nr. 31) in einem Bass-Arioso genannt.
Noch so viel: In einem von der
Loki Schmidt Stiftung herausgegebenen
Kalender für das Jahr 2016 wird die
Wiesen-Schlüsselblume und ihr Lebensraum ausführlich vorgestellt. Der
Kalender und die Samen der Blume des
Jahres 2016 können unter info@lokischmidt-stiftung.de bestellt werden.
Jörg Parsiegla
Weitere Informationen:
www.loki-schmidt-stiftung.de

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Samenkapseln
Foto: https://www.flickr.com/photos/schaefer-rudolf/6672604527/sizes/o/

genden Deutschlands – vor allem Wiesen, Wegränder und Böschungen. Wird
die traditionelle Nutzung der Wiesen
(für Grünfutter und/oder als Streuobststandort) aufgegeben, erobern schnell
Büsche und Bäume das Terrain und
verdrängen das lichtliebende Gewächs.
Jedes der Blütenblätter der Primel
trägt ein orangefarbenes Saftmal (ein
Unterscheidungsmerkmal, das bei der
Wald- oder Hohen Schlüsselblume

haben einen angenehmen Duft. Der
Name der Blume leitet sich wahrscheinlich aus dieser Anordnung, die an ein
Schlüsselbund erinnert, ab. Der bereits
erwähnte lateinische Name Primula (die
erste) veris (Frühling) bedeutet in etwa
„erste Blume im Frühling“. WiesenSchlüsselblumen sind auch im Garten
ein Hingucker, viele Gärtnereien bieten
die Pflanze an. Geeignete Standorte sind
vor allem Gehölzgruppen, Rabatten und

24

RALF KOCHT

April / Mai 2016

Wildpflanzen

Kochen für Kinder

Gesundheit kostenlos

Gesunde Ernährungskost

U

rsprung ihres Namens ist eine
griechische Sage über Liebe
und Eifersucht. Denn schon im
Altertum schätzten die Menschen ihre
heilenden und würzenden Eigenschaften, ihre Fähigkeit, Lust auf Essen und
Trinken zu erzeugen, die Sinneslust zu
steigern und Schädlinge abzuwehren.
Heute ist sie die Bekannteste unter den
zahlreichen Varianten ihrer Art und in
vielen industriell hergestellten Produkten als Duftnote, als Geschmacksgrundstoff oder als arzneilich wirksamer
Bestandteil. Es ist die

Grüne Minze
(Mentha spicata),
aus der Familie der Lippenblütler,
auch Ähren-, Frauen-, Krause-, Speergrüne Rossminze oder marokkanische
Minze genannt. Sie kreuzt sich gern mit
anderen Minzen zu neuen Varietäten.
Botanische Merkmale: Die ausdauernde, nahezu unbehaarte Pflanze mit
ihrem aromatischen
Minzduft wächst im
Frühjahr aus den flachen, unterirdischen
Ausläufern, über die
sie sich auch stark
vermehrt. Sie wächst
zwischen 50 und einhundertdreißig Zentimeter hoch. Alle Blätter sind länglich, am
Rand unregelmäßig
gezähnt und sitzen
ohne, beziehungsweise mit kurzem Stiel am
vierkantigen Stängel.
Auffallend sind deren
stark hervortretende
Blattnerven an der
Unterseite. An den
Spitzen der Stängel
bilden sich die schlanken Scheinähren. Zwischen Juni und September erblühen die
vielen, kleinen Lippenblüten in den
Blütenquirlen der Ähre rosa bis violett.
Vorkommen: Sie gedeiht auf feuchten, nährstoffreichen Böden, an Ufern,
Wiesen- und Weideflächen, Feldern
sowie in Unkrautfluren.
Ernte und Erntezeit: Blätter und
Triebe von April bis kurz vor der Blüte.
Dann die fast blühenden oberirdischen
Teile zum Trocknen oder Einfrieren
schneiden, damit die Pflanze ohne zu
Blühen neu austreibt, wodurch sie bis
zum Frostbeginn geerntet werden kann.
Hauptinhaltsstoffe: ätherische
Öle, hauptsächlich Carvon und wenig
Menthol, sowie Gerbstoffe, Flavonoide,
Carotinoide, organische Säuren und
Chlorophyll.
Geschmack: herb-fruchtig, minzartig mit ganz dezenter Kümmelnote,

milder, weicher und süßer als die
Pfefferminze.
Verwendung in der Küche: Die
Minzblätter und –triebe aromatisieren
viele frische und gekochte Speisen und
Getränke. Da die grüne Minze wesentlich weniger scharfes Menthol aufweist
als die Pfefferminze, ist sie auch viel
bekömmlicher und milder. Sie würzt
Salate, Smoothies, Soßen, Suppen,
Süßspeisen, aber auch Gemüsegerichte,
Fisch und Fleisch, Liköre, Desserts,
Obstsalate, Melone, Brotaufstriche und
Kartoffelgerichte. Im Eierkuchenteig
ausgebacken, können wir sie mit süßen
Aufstrichen oder mit Quark, Schmand
und Frischkäse genießen. Minzblätter
sind besonders beliebt als Tee oder
in Teemischungen. Die Triebe und
Blätter werden im Schatten getrocknet.
Sie lassen sich auch einfrieren. Ein
erfrischendes Getränk ist eine über
Nacht in Wasser ausgezogene Minze
gemischt mit Melisse, Orangenscheiben,
Zitronenscheiben.
Gesundheitlicher
Wert: In der Volksheilkunde gilt die
Pflanze als antibakteriell, antiseptisch,
antiparasitär und antimykotisch, sowie entzündungshemmend,
verdauungsfördernd,
krampf- und schleimlösend, fiebersenkend,
blähungshemmend
und beruhigend, dazu
durchblutungsfördernd, schmerzstillend
und nervenstärkend.
Die Anwendungen
reichen von Migräne,
Erkältungen mit Halsund Rachenentzündung bis zu Asthma,
Mundgeruch, Magen-,
Leber-, Galle- und
Darmproblemen,
Schluckauf, Koliken
und Übelkeit bis zur
Regulierung von hormonellen Schwankungen vor dem Eisprung und der Menstruation. Beliebte Anwendungen sind
das Trinken von Tee und das Einreiben
oder Inhalieren mit dem ätherischen Öl.
Auch Müdigkeit kann die grüne Minze
vorübergehend beseitigen.
Elisabeth Westphal

Die Autorin ist Ernährungsberaterin
und Marktleiterin auf dem Ökomarkt
der GRÜNEN LIGA Berlin (Donnerstag 12 bis 19 Uhr, Januar bis März
12 bis 18 Uhr, Kollwitzplatz,
Berlin-Prenzlauer Berg).
Infos: Tel. 030/ 44339148
oekomarkt.kollwitzplatz@
grueneliga.de

I

n den Ausgaben des RABEN RALF
für 2016 sind an dieser Stelle Rezepte zum Nachkochen für Kinder
abgedruckt.
In dieser Ausgabe stellt die Köchin,
Christine Domröse, im Namen der
Eltern-Initiativ-Kita „Villa Kunterbunt“
eines ihrer Rezepte vor. Zuerst wollen
wir uns aber der Kita widmen. Seit 25
Jahren ist sie in Prenzlauer Berg in der
Dunckerstraße 21 tätig. Die Kita bereitet
ihr Essen selbst zu, wobei sie besonderen
Wert auf eine gesunde, ausgewogene
Ernährung legt. Die Zutaten werden
täglich frisch eingekauft und am selben
Tag verarbeitet. Die vorwiegend vegetarischen und saisonalen Gerichte sind
in Bio-Qualität. Das Fleisch stammt aus
biologischer und artgerechter Haltung.

Die Kita ist Mitglied im Pankower
Arbeitskreis (AK) „Gesundheit, Ernährung, Konsumverhalten“. Der AK
besteht seit Mitte der 1990er Jahre, er
wird derzeit von der Koordinatorin für
Gesundheitsförderung beim Bezirksamt
Pankow, Carola Goen, organisiert und
begleitet. Im Mittelpunkt steht die
Umstellung der Mittagsversorgung
in Kindertagesstätten auf kontrolliert ökologische Produkte, doch es
werden auch darüber hinausgehende
Themen der Ernährung im Kindesalter
besprochen. Die Mitglieder des AK Kita-Leitungen, Erzieher_innen und vor
allem Köchinnen und Köche – treffen
sich regelmäßig, um sich mit Experten
(zum Beispiel des FÖL e.V. oder der
Grüne Liga Berlin e.V.) auszutauschen.

Gemüsepfannkuchen
Zutaten:
4 Eier
200 ml Milch
120 g Weizenvollkornmehl
40 g grobe Haferflocken (ohne
Fett leicht angeröstet)
50 g geriebener Käse
Salz und Pfeffer
1 Möhre, 1 Kohlrabi oder anderes
Gemüse der Saison
Fett zum Braten

Zubereitung: Die Eier und Milch
mit dem Mehl verrühren. Danach die
angerösteten Haferflocken und den
geriebenen Käse dazugeben und mit
Salz und Pfeffer würzen.
Die Gemüse raspeln und zum Teig
geben. Im heißen Fett vier Gemüsepfannkuchen backen.
Das Rezept ist für vier Kinder berechnet.
Guten Appetit
wünscht die Köchin
Christine Domröse

Dazu Kräuterquark
250 g Quark
100 ml Milch
1 Bund Schnittlauch
Salz und Pfeffer
½ rote Paprika

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GLOBALCLASSROOM

April / Mai 2016

25

„Wir sahen das Land und es war totes Land“
El Instituto Terra und die Bulcão Farm

S

ebastião Salgado ist vor allem und Regenwaldexperten wurde lange Bauer. Zudem hätten sie nun ein sicheres die Rodung der Wälder bedroht, da ihr
in der Welt der Kunst und Fo- überlegt und geplant. Durch eine große und einheitliches Einkommen, das es natürlicher Lebensraum zerstört wird.
tografie eine bekannte Größe. Crowdfunding-Aktion sammelten sie ermöglicht, Schulden und Rechnungen
In seiner Fotoausstellung „Genesis“ schließlich das nötige Geld, um, mit zu bezahlen.
Zurück zur Vergangenheit?
Auf der Fazenda Bulcão werden
beschäftigt er sich, nach jahrelangem der Hilfe von anderen Bewohnern der
Arbeiten zum menschlichen Elend
Das Instituto Terra versucht in
und sozialen Missständen, erstmals
Brasilien etwas zu bewirken und
mit der unberührten Natur. Genehat bereits mehr geschafft, als auf
sis, die Schöpfungsgeschichte, als
den ersten Blick wahrnehmbar ist.
alles begann und der Mensch sich
Es beschäftigt sich mit der Zukunft
noch nicht über die Natur erhob.
seines Landes und der ganzen Welt.
Salgado möchte mit seiner Arbeit
Sebastião Salgado betont immer
darauf hinweisen, dass nach wie
wieder, dass gerade die Indigenen
vor 46 Prozent der Welt unberührt
Völker Vorbilder für die Zukunft der
sind. Der Titel Genesis spielt keine
Menschheit sein könnten. Sie leben
religiöse Rolle, sondern bedeutet für
im Einklang mit der Natur, nehmen
Salgado den Anfang allen Seins und
nur so viel, wie sie auch geben oder
Ursprünglichkeit. Seine Fotos erzähdie Natur verkraften kann. Sie sind
len Geschichten von Tieren, Wäldern,
noch Teil eines funktionierenden
Meeren, Wüsten, Gletschern und
Ökosystems. Salgado sagte in einem
Bergen. Wim Wenders drehte, nach
Interview: „Wir müssen ein wenig
einer Bitte Salgados, mit ihm und
zurückgehen, dann können wir dem
seinem Sohn Juliano Salgado eine
Planeten viel zurückgeben, was wir
Dokumentation über seine Werke. In
zerstört haben, um das Gleichge„Das Salz der Erde“ erzählte er, wie
wicht wiederherzustellen, das wir
ihn der Mut und Lebenswille nach
zum Leben brauchen, wie auch die
seinen Abenteuern und Erfahrungen
Tiere.“
verließ und er mithilfe eines Projektes Vielfalt des Lebens- der tropische Regenwald
Letzten Endes ist dies nichts anwieder ins Leben fand. Zusammen
deres, als eine Aufforderung, unsere
Foto: https://pixabay.com/de/wasserfall-regenwald-wald-natur-384663/
mit seiner Frau Lélia Deluiz Wanick
technischen und wissenschaftlichen
gründete er 1994 das RegenwaldFortschritte endlich dafür zu nutzen,
projekt Instituto Terra, welches ihn zu Region, 2.5 Millionen Bäume zu pflan- zusätzlich Baumsetzlinge gezüchtet und das Leben mit der Natur zu gestalteten,
zen. Inzwischen wachsen etwa 293 ver- Samen von regionalen Regenwaldbäu- ohne sie dabei auszubeuten. Gleich„Genesis“ inspirierte.
schiedene Pflanzen- und Baumarten auf men gewonnen. Sie werden für weitere zeitig ist es sinnvoll, sich mit den
dem Gelände. Außerdem wurden bisher Aufforstungsarbeiten verwendet. Zahl- ursprünglichen Methoden und dem
Die Farm Bulcão
etwa 172 Vogel-, 33 Säugetier-, sowie reiche freiwillige Helfer, Schüler und Wissen der indigenen Völker vertraut
Alles begann in Aimorés, Brasilien, jeweils 15 Amphibien- und Reptilien- Mitarbeiter kümmern sich liebevoll zu machen, da sie die Natur am besten
der Ort in dem Sebastião Salgado auf- arten auf dem Gelände entdeckt. Heute um die kleinen Setzlinge und ziehen kennen und somit auch nutzen können.
wuchs. Seine Eltern hatten ein großes ist die Farm ein bekanntes Beispiel und diese bis zu einer bestimmten Größe Zahlreiche Projekte weltweit, wie die
Landstück, eine Fazenda, welches zum Vorbild - vor allem aber der Beweis heran. Anschließend werden die Bäume Bulcão-Farm, sind der Beweis dafür,
Großteil von Regenwald bedeckt war. für funktionierende Aufforstungstech- eingepflanzt und solange gepflegt, bis dass es wirtschaftliche Methoden gibt,
die in der Natur funktionieren, und dass
Dort wuchs Salgado zusammen mit etwa niken. Die Salgados schenkten sie dem sie selbstständig leben können.
brasilianischen Staat als Nationalpark.
Die Familie Salgado und ihre mit der Kombination aus moderner
25 anderen Familien auf.
Organisation unterstützt außerdem Technik und ursprünglichen Methoden
Von 1964 bis 1985 war ein freies
eine Kampagne der Menschenrechts- eine nachhaltige Utopie verwirklicht
Leben in Brasilien, aufgrund der
El Instituto Terra
organisation Survival International werden kann.
Militärdiktatur, nicht länger möglich.
Leonie Sommer
Darum entschieden Salgado und Lélia,
Die NGO El Intstituto Terra be- zum Schutz indigener Völker, wie die
die aktiv gegen die Diktatur kämpften, schränkt sich jedoch nicht allein auf die Awás in Brasilien. Diese werden durch
aus Sicherheitsgründen Brasilien zu Aufforstung von Brachland. So wurde
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verlassen und nach Paris zu ziehen.
auf der Fazenda ein UmweltbildungsinSebastião Salgados fotografische stitut errichtet, um den Einheimischen
Arbeit brachte ihn wiederholt in die bewusst zu machen, welche Bedeutung
Krisengebiete der Erde. So traf er immer der Regenwald, vor allem für sie, hat.
wieder auf durch Armut, Katastrophen Durch ihn hat sich die Wasserqualität
und Kriege zerrüttete Menschen und in dem Gebiet gebessert und der Boden
Orte, was ihm seelisch zu schaffen wird vor Erosion und Degradation
machte. Um wieder Ruhe, Freude und geschützt.
Ausgeglichenheit in sein Leben zu
Das Institut hat unter anderem
bringen, beschloss das Ehepaar Salgado auch eine Initiative für nachhaltige
1998 nach Brasilien zurückzukehren, Landwirtschaft gegründet. Bauern der
dorthin wo Sebastião aufwuchs.
Region erhalten im Institut Unterricht
Auf der Bulcão-Farm mussten die und Ausbildung in verschiedenen
Zur Verstärkung unseres Berliner Teams suchen wir selbstbeiden feststellen, dass sich einiges nachhaltigen Wirtschaftstechniken. Ein
verändert hatte. Der Regenwald war Farmer erzählte in dem Vorstellungsständige Vertriebsmitarbeiter – nach kurzer Zeit auch Festgerodet worden und der Boden war video des Instituto Terras, dass durch
anstellung möglich. Einfach ein kurzes Motivationsschreiben
durch permanente landwirtschaftliche die Fütterung der Kühe mit qualitativ
mit Lebenslauf an lettmayer@naturstrom.de schicken.
Ausbeutung trocken und unfruchtbar hochwertigem Futter und viel Auslauf,
geworden. „Wir sahen das Land und es sich die Milchproduktion um 100 Prowar totes Land“, so Salgado in einem zent steigerte. Selbst Kühe von denen
Interview. Die beiden hatten eine Vision: angenommen wurde, sie könnten gar
Das Gelände wieder aufforsten und die keine Milch geben, hätten angefangen
www.naturstrom.de
Natur zurückholen. Mit einem Freund wieder Milch zu produzieren, so der

naturstrom-Offensive in Berlin

26

April / Mai 2016

EUROPA

PEPPERCORN Nr. 3 erschienen
Alles neu macht der Mai!

D

ie Schülerzeitschrift peppercorn,
ein Projekt der GRÜNEN LIGA
Berlin in Zusammenarbeit mit
STROM ZIVOTA (Baum des Lebens)
Bratislava, erscheint im Mai zum dritten
Mal. Passend zum Frühling wurden die
Fühler nach spannenden Artikeln und
Initiativen zu den Themen Mobilität
und Reisen, Natur und Naturschutz,
Lebensmittel und Essen ausgestreckt.
Die Ergebnisse können sich lesen und
sehen lassen!
Zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs sein – junge Menschen aus
Berlin erkunden witzige Alternativen
zu langweiligen Schulwegen, bilden
Fahrradbanden und loten damit die
Straßenverkehrsordnung aus. Unter
der Überschrift „Warum ich die M10
so mag“ erzählt ein Schüler der KurtSchwitters-Oberschule von seinen
Beobachtungen inmitten der 20.000
Fahrgäste, die täglich die Straßenbahn

Layout: Evelin Bulling

benutzen, die über 10 Kilometer von
Friedrichshain über Prenzlauer Berg

zum Hauptbahnhof fährt.
Slowakische Schüler_innen berichten von interessanten Naturschutzaktionen in einer Opalmine
in der Ostslowakei, in der seltene
Fledermäuse zu Hause sind. Wer
Obstliebhaber_in ist, wird bei der
Vorstellung der Plattform mundraub.
org fündig. Sie kommuniziert Geheimtipps, Aktionen und Projekte
zu Standorten von wild wachsendem
Obst und zählt bereits über 30.000
Mitglieder_innen. Für Naturerlebnisse pur sorgt naturtrip.org. Die
Artikel im peppercorn-Heft sind
natürlich mit tollen Fotos und praktischen Thementipps bestückt!
„In den Mund statt in den Müll“
heißt der Beitrag zu Mindesthaltbarkeitsdaten von Lebensmitteln.
Und „Faire Schokolade – Genuss
mit gutem Gewissen?“ entführt die
Leser_innen zu den Kakaobauern in

tropischen Ländern.
Mit etwas Geschicklichkeit leicht
zu bauen ist eine eigene Pflanzenbewässerungsanlage – für diese ist die
Bauanleitung im Heft zu finden. Der
Praxisteil enthält auch leckere Rezepte
– die beliebten Nudeln und Nachtische
sind ebenfalls dabei!
Guten Appetit auf peppercorn Nr.3
wünscht die Redaktion!
Das Heft ist ab 10.Mai zu finden
unter: www.peppercorn.grueneligaberlin.de
Dagmar Krawczik
GRÜNE LIGA Berlin
Nicht alle eingesandten Artikel
konnten in der Zeitschrift berücksichtigt werden – sie werden jedoch auf
der genannten Webseite gesondert
veröffentlicht. Bitte nachschauen!
Gefördert wird das ganze
Projekt von der DBU –
Deutsche Bundesstiftung Umwelt.

Globales Wasserziel
Erfordert Anpassungen in der UN-Struktur

D

ie internationale Wassergemeinschaft kann die Aufnahme des
Menschenrechts auf Wasser und
sanitäre Grundversorgung sowie die
Verankerung eines eigenständigen
Wasserziels in den Entwicklungszielen
2030 als klaren Erfolg verbuchen. Die
Unterziele des Sustainable Development Goals 6 (SDG6) benennen dabei
nicht nur den Zugang zu Trinkwasser
und zu sanitärer Grundversorgung als
Ziel, sondern auch den Schutz der Wasserressourcen, der Ökosysteme sowie
die effiziente Wassernutzung.
Mit dem Auslaufen der vorausgegangenen, stark auf die reine
Entwicklungszusammenarbeit ausgerichteten Millennium Development
Goals (MDG’s) im letzten Jahr endet
dann allerdings auch das Mandat einiger Institutionen, wie der UNSGAB
(United Nations Secretary General’s
Board on Water and Sanitation), die in
der Vergangenheit wichtige Impulse für
die Implementierung insbesondere der
Sanitärversorgung gab und der CSDProzess mit der darin fest verankerten
Rolle der Zivilgesellschaft (Major
Groups), zu denen auch die NGOs
gehören.
Die Umsetzung der 17 SDG’s wird
in den nächsten 15 Jahren durch das
High-Level Political Forum on Sustainable Development (HLPF) verfolgt,
dem 12 Mitgliedsstaaten angehören
und das sich einmal jährlich trifft.
Während der Fortschritt bei vielen Entwicklungszielen über die verschiedenen
einschlägigen UN-Organisationen wie
die Weltgesundheitsorganisation WHO
oder die Welternährungsorganisation
FAO überwacht und gesteuert werden

kann, fehlt eine entsprechende Institution für den Wasserbereich. UN-Water
versorgt zwar die verschiedenen UNInstitutionen mit einem beim Department of Social and Economic Affairs
angedockten Wasser-Sekretariat, hat
aber selbst kein Mandat, um mit den
Mitgliedsstaaten zu verhandeln. Nicht
nur die Stärkung dieses Sekretariats
zur laufenden Überwachung der SDGWasserindikatoren wäre angezeigt,
sondern auch die Gründung eines Wasserkomitees als feste Kommission des
Economic and Social Council. Damit
würde sichergestellt, dass der Fortschritt
im Wasserbereich, der auch Grundlage
der meisten anderen Entwicklungsziele
ist, nicht nur alle 5 Jahre kurz in einem
High-level Panel auf Ministerebene
besprochen wird.

Regionale Komponenten
Für den gesamteuropäischen Bereich, inklusive einiger Teile Zentralasiens bietet die UN-ECE (Economic
Commission on Europe) mit der auf
transnationale Zusammenarbeit ausgerichteten Wasserkonvention eine geeignete Plattform. Unter dem einschlägigen
Protokoll zu Wasser und Gesundheit
verpflichten sich die Unterzeichner
dazu, Ziele für die Trinkwasserversorgung und Sanitärsysteme aufzustellen
und den Fortschritt zu dokumentieren.
Gleichzeitig findet eine umfassende
Einbeziehung der Zivilgesellschaft statt.

Einschlägige Richtlinien
Mit der EG-Wasserrahmenrichtlinie
verfügt die Europäische Union über den

weltweit weitgehendsten integrierten
Wassermanagementansatz, der zumindest das Unterziel 6-5 (integrated water
resources management at all levels,
including through transboundary cooperation as appropriate) vollumfänglich
gesetzlich verankert und ein gesondertes
Monitoring überflüssig macht.
Weitere SDG-Unterziele werden
durch andere einschlägige Richtlinien
(Hochwasserrisikomanagement, Prioritäre Stoffe, Grundwasser, kommunale
Abwasserrichtlinie) in weiten Teilen
abdeckt. Mit der Wasserrahmenrichtlinie wurde gleichzeitig ein umfassender
Beteiligungsprozess eingeführt, bei
dem auf europäischer Ebene die
verschiedenen Interessengruppen,
darunter auch die Umweltverbände
umfassend eingebunden werden, die
sogenannte Common Implementation
Strategy (CIS-Prozess). Diese Struktur
gilt es zu nutzen, um eventuell noch
bestehende Lücken in der europäischen
Gesetzgebung zu identifizieren und zu
füllen. Ein umfassender Fitnesscheck
der EU-Wassergesetzgebung hat bereits stattgefunden und mündete in der
Erkenntnis, dass es nur wenig neuer
gesetzlicher Regelungen bedarf, die
Umsetzung bestehender Gesetze und
Richtlinien allerdings deutlich zu beschleunigen ist; dargelegt im „Blueprint
to Safeguard Europe’s Water Ressources“. Die Diskussion um die Revision
der Wasserrahmenrichtlinie selbst steht
im Jahr 2017 an.
Doch die EU ist insgesamt noch
weit davon entfernt, den in der EUStrategie (2011-2020) zu Wasser und
Biodiversität und die im 7. Umweltaktionsprogramm für die Zeit bis 2020 ver-

ankerten Ansätze systematisch in andere
Politikbereiche wie die Agrarpolitik zu
integrieren. Im Gegenteil. Unter dem
allgemeinen WirtschaftsaufschwungsMantra, der BrExit-Debatte und TTIP
steht bei der EU-Kommission unter
Juncker die ökologische und soziale
Nachhaltigkeit hinten an. Gleichzeitig
stehen wichtige EU-Politikinstrumente,
wie die EU-Wasserinitiative und die
damit verbundene Finanzierungsquelle,
die EU-ACP Water Facility, vor dem
aus. Allerdings ist der Zugang zu Trinkwasser und Sanitärversorgung selbst in
der EU noch nicht in allen Regionen
selbstverständlich. Insbesondere in
einigen osteuropäischen Ländern wie
Rumänien und Bulgarien besteht hier
noch dringender Handlungsbedarf.

Kommunale
Abwasserrichtlinie
In der Bundesrepublik Deutschland
kann davon ausgegangen werden, dass
sich mit der vollständigen Umsetzung
der kommunalen Abwasserrichtlinie
sowohl die Trinkwasserversorgung,
als auch die Abwasserentsorgung auf
einem im internationalen Vergleich
sehr hohen Niveau befindet. Hier sind
weitere Anstrengungen nötig, um
die Nährstoffreduktionsziele für die
Gewässer zu erreichen. Dafür müssen
allerdings nicht die SDG’s bemüht,
sondern die Umsetzung der Nitratrichtlinie durch eine stringente Umsetzung
mittels der Düngeverordnung sowie
der Prioritäre-Stoffe-Richtlinie mittels
der Oberflächengewässerverordnung
eingefordert werden.
Michael Bender

UMWELTBIBILIOTHEK

April / Mai 2016

27

Kapitalismus ohne Wachstum
Das Ende des Wachstums ist längst erreicht

D

as Ende des Wachstums in
den Industrieländern steht
nicht bevor, sondern es ist
längst da. Man müsse, so Professor
Karl Georg Zinn, Fachbereich Volkswirtschaften an der RWTH Aachen
Universität, die gegenwärtigen Krisen nur als das erkennen, was sie sind:
Eine seit drei Jahrzehnten anhaltende
Stagnation der Kapitalakkumulation.
Schon mit Beginn des Industriekapitalismus stellten sich Ökonomen
die Frage, ob die sich wiederholenden
Krisen vorübergehender Natur sind
oder systemisch. Sind Absatzkrisen,
Spekulationsblasen und Überproduktion der Freiheit des Systems
geschuldet, also den Schwankungen
von Angebot und Nachfrage, bis sich
wieder ein Gleichgewicht einstellt?
Oder sind die Krisen im ökonomischen System selbst angelegt, ist
die fortwährende Akkumulation von
Kapital selbst Ursache der Krisen,
die am Ende dazu führen, dass das
System an sich selbst zugrunde geht?
Marx hatte die Frage in letzterem
Sinne beantwortet. Es sei, so Zinn,
nicht notwendig Marxist zu sein, um zu
ähnlichen Überlegungen zu gelangen.
Keynes Analyse der „Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals“ kam, so Zinn,
ganz unabhängig von Marx zu einem
ähnlichen Ergebnis. Das Kapitalwachstum führe dazu, dass die Kapitalrendite
sich abschwächt und ganz ausbleibt. Der
reale Gleichgewichtszins (Ersparnis
im Verhältnis zur Nettoinvestition)

verschiebt sich in den Negativbereich,
das heißt es gibt mehr Anlage suchendes Kapital als gewinnversprechende
Anlagemöglichkeiten. Auch innerhalb
der klassischen Nationalökonomie gab
es die Vorstellung, dass die Profitrate
unter bestimmten Umständen sinken
müsse. Zinn bezieht sich vor allem auf
David Ricardo.
Das besondere des Kapitalismus, so
der Autor, ist nicht Marktwirtschaft. Es
gibt Marktwirtschaft auch in anderen
Ökonomien. Das Besondere ist die

Verwendung des Mehrprodukts für
neue Investitionen, also Maschinen
und Forschung statt Lustschlösser
und Geschenke. Entgegen der herrschenden Wahrnehmung ist produktives Kapital aber kein originärer
Produktionsfaktor. Ursprünglich
notwendig, so Zinn, sind Arbeit und
Natur. Nur durch diese gibt es überhaupt Produktionsmittel.
Dass die derzeit herrschende
ökonomische Theorie das Ende des
Wachstums (als Kapitalakkumulation) nicht sehen wolle und die Krisen
weiterhin als konjunkturell bedingt
beschreibt, liege, so Zinn, nicht nur
an gegenwartsgebundener Blindheit,
sondern an offener ideologischer
Abneigung. Es ist der Kapitalismus
selbst, der die Märkte zerstört,
nicht die Forderung nach sozialem
Ausgleich.
Zudem sei die Behauptung, die
kapitalistische Konkurrenzwirtschaft habe das Problem der effizienten Verteilung endgültig gelöst,
ahistorisch. Es gibt keinen von der
jeweiligen historischen Zeit und ihren
Wertsetzungen unabhängigen Begriff
von Effizienz. Was effizient ist und
was nicht unterliegt, so Zinn, immer
einem Werturteil – und das kann sich
auch ändern.
Für die Zukunft seien verschiedene
Szenarien denkbar. Sicher aber ist, so
die Analyse des Autors, dass der akkumulationsstarke Kapitalismus des 19.
Jahrhunderts irreversibel ist.

Wahrscheinlich für die Zukunft
sei deshalb eine „neofeudalistische“
Wirtschaft, worunter der Autor einen
„Kapitalismus ohne Akkumulation“
versteht. Wobei offen ist, auf welche
Weise der gesellschaftliche Reichtum
im Kapitalismus ohne Akkumulation
verwendet und verteilt werden wird.
Denkbar sei eine oligarchisch-kapitalistische Version mit scharfen Klassengegensätzen und zementierter Verteilungsungleichheit. Denkbar, und für Zinn
sogar wahrscheinlicher, sei aber auch
eine sozialstaatliche Version, eine am
Gemeinwohl orientierte Gesellschaft
mit mäßiger Verteilungsungleichheit.
Dana Jestel
Karl Georg Zinn
Vom Kapitalismus ohne
Wachstum Zur Marktwirtschaft ohne
Kapitalismus
VSA: Verlag, Hamburg, 2015
156 Seiten, 16.80 €
ISBN 978-3-89965-651-0
Anzeigen

Transitzone Dorf
Erfahrungswelten aus der Prignitz

D

er Titel scheint ein Widerspruch
in sich. Dorf und Transit sind
nicht unbedingt zueinander gehörende
Begrifflichkeiten. Es finden sich in
diesem schmalen Band die Ergebnisse
der „Projektgruppe Umsiedlerin“,
ethnologischer Feldforschung der
Humboldt-Universität, die zu erkunden versucht, wie die verschiedenen
Bevölkerungsgruppen zurechtkamen. Anhand vieler Gespräche und
Interviews, von Recherchearbeit in
Archiven, Tagebüchern und Chroniken
wurde der Lebenswirklichkeit und den
Transformationsprozessen dieser Zeit
intensiv und kleinteilig nachgespürt.
Es geht um die Erfahrungen der
Menschen in dem heute als Storchendorf
Rühstädt bekannten Ort samt den dazu
gehörenden Elbdörfern Abbendorf,
Bälow und Quitzöbel in der Prignitz. Mit
dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte
sich hier die Bevölkerung durch die vielen Flüchtlinge und Umsiedlerinnen fast
verdoppelt. Diese wurden irgendwie
untergebracht und miternährt, konnten

sich selber einbringen als willkommene
Hilfe bei der Landarbeit. Wie wurde

aus Ablehnung Akzeptanz? Wie ist es
gelungen, diese Umbrüche zu bewältigen? Die große Veränderung für alle,
Alteingesessene wie Umsiedler, war
der verlorene Krieg, die Rote Armee
als Besatzungsmacht, der Beginn des
Kalten Krieges, die Etablierung eines
neuen politischen Systems.
Die 10-15 Jahre später über die
Dörfer kommende Kollektivierung
ist die nächste Herausforderung. Sehr
differenziert wird hier dargestellt,
dass es zweifellos einen Verlust
an Eigenständigkeit gab, aber für
das Leben der Einzelnen durchaus
Vorteile durch mehr Freizeitzeit und
mehr persönlichen Möglichkeiten.
Besonders wird diese Publikation
durch die Wiedergabe vieler Originaldokumente und das ihre Intention
wunderbar unterstützende Layout.
Zudem enthält der Band zahlreiche
Abbildungen und Reproduktionen
von Originaldokumenten.
Gudrun Vinzing

Hrsg. Projektgruppe Umsiedlerin
(Leonore Scholze-Irrlitz, Elisabeth
Meyer-Renschhausen u.a.):
Transitzone Dorf – Ein Ort zwischen Bodenreform und Kollektivierung
Zank Verlag, Berlin, 2015
135 Seiten, 6.90 €
ISBN 978-3-941-77102-4
Anzeigen

Lebensmittelmotten
Kleidermotten
Pflanzenschädlinge
Milben
natürlich bekämpfen mit
BIp-Produkten
Biologische Beratung
bei Insektenproblemen
Storkower Str. 55
10409 Berlin
Tel: 030-42 800 840, Fax-841

www.biologische-beratung.de

28

TERMINE

April / Mai 2016

So 10.4.
Fahrradtour mit dem
ADFC Berlin
10-18 Uhr
Am Rand der Döberitzer Heide
und an Obstplantagen vorbei zur
Havel. Über Grube, Wildpark West
und Geltow nach Potsdam Hbf.
Bitte zweckmäßige Bekleidung
und Verpflegung mitbringen.
Ort: S-Bahnhof Grunewald, Ausgang Eichkampstraße
Kosten: Erwachsene 6 Euro,
ermäßigt und ADFC-Mitglieder
3 Euro
Infos: www.adfc-berlin.de

Brachiosaurus,
Archaeopteryx & Co
11-11:45 Uhr
In dieser Übersichtsführung stellen
wir den über 13 Meter hohen
Brachiosaurus, den Urvogel
Archaeopteryx, den Gorilla Bobby
sowie die beeindruckende Wand
der biologischen Vielfalt vor.
Ort: Museum für Naturkunde,
Invalidenstr. 43, 10115 Berlin
Kosten: 3 Euro, ermäßigt 2 Euro
(zzgl. Eintritt)
Infos:
www.naturkundemuseum-berlin.de

Unscheinbare Blüten
11-13 Uhr
Rotbuche und Stieleiche sind nur
zwei von vielen Baumarten, die
im April blühen, aber deren Blüten
kaum auffallen. Ursula Müller
macht Sie auf diese filigranen
Blüten aufmerksam.
Treffpunkt: Eingang des Britzer
Garten Sangerhauser Weg
Kosten: 3 Euro, ermäßigt 2 Euro
Infos: www.freilandlabor-britz.de/
index.php/de/aktuelles/aktuellesprogramm

Do 21.4.

Adressen: Seite 31

Baustellenführung –
Gärten der Welt
16-18 Uhr
Die IGA Berlin 2017 bietet Führungen an, die teilweise auf unbefestigten Wegen, einen Überblick
über das aktuelle Baugeschehen
und die Pflanzungen auf dem
künftigen IGA-Gelände geben.
Ort: IGA-Infopavillon am Eingang
der Gärten der Welt, Eisenacher
Straße 99, 12685 Berlin
Infos: www.iga-berlin-2017.de/
veranstaltungen/

Fr 22.4.
Mo 11.4.
Berliner Energietage 2016
9-20 Uhr
Als Leitveranstaltung für Energieeffizienz in Deutschland bieten
die Berliner Energietage einen
einmaligen Überblick über die aktuellen politischen, wirtschaftlichen
und technischen Entwicklungen.
Ort: Industrie- und Handelskammer, Ludwig Erhard Haus, Fasanenstraße 85, 10623 Berlin
Anmeldung: Tel: 030/ 20143080,
E-Mail: poeschk@berlinerimpulse.de
Infos: www.energietage.de/

Di 12.4.
Pflanzengesichter aussäen
im Botanischen Garten
15-17 Uhr
Kinderprogramm! Im April
kommen die Blumen in die Erde höchste Zeit, eure Gesichter aus
Pflanzen anzulegen.
Ort: Botanischer Garten, KöniginLuise-Straße 6–8, 14195 Berlin
Kosten: 5 Euro
Anmeldung: Telefon: 030 / 838
50 133
Infos: www.botanischer-gartenberlin.de/de/veranstaltungen-liste

Kräuterwanderung mit
Elisabeth Westphal
11 Uhr
Treffpunkt: Botanischer Volkspark
Blankenfelde, am Gewächshaus
Ort: Blankenfelder Chaussee 5,
Berlin-Pankow
Anreise: Bus 107
Kosten: 7 Euro, 5 Euro für Kinder
und GRÜNE LIGA-Mitglieder
Anmeldung: Tel: 030/ 4433910,
E-Mail: counter.berlin@grueneliga.de

Sa 23.4.
Kräuterspirale, Hochbeet
und Co
11-13:15 Uhr
Dr. Friedrich-Karl Schembecker
stellt typische Gestaltungselemente für einen Biogarten, wie
Kräuterspirale, Hochbeet, Insektenhotel und Trockenmauer vor.
Treffpunkt: Ökolaube am Eingang
„Blütenachse“ des Britzer Gartens
Kosten: 6 Euro
Anmeldung: Tel: 030/ 902773000,
E-Mail: vhs@ba-ts.berlin.de
Infos: www.vhsit.berlin.de/VHSKURSE/BusinessPages/CourseDetail.aspx?id=394857

So 24.4.
Sa 16.4.
Theaterstück „Hirundo rustica - Die Rauchschwalbe“
15-16 Uhr
Dass Rauchschwalben fliegen
können, weit fliegen können,
das ist kein Geheimnis. Fräulein
Brehm hat einige gedankliche und
echte Schwalbenreisen unternommen, die sie vorstellen wird.
Ort: Schöneberger Südgelände,
Prellerweg 47-49, 12157 Berlin
Kosten: relative Eintrittspreise
Infos: www.brehms-tierleben.com

2. Berliner Klima Tag
11-18 Uhr
Die Themen des 2. Berliner
Klimatages sind „Mobilität und Energie“, „Klimawandel und Flucht“
und „Vegan Leben“. Dafür wird
es sowohl ein Kinderprogramm
als auch Diskussionsrunden und
Workshops geben.
Ort: FORUM Factory, Besselstraße 13, 10969 Berlin
Infos: www.berliner-klimatag.
de/?page_id=307

Mo 25.4.
So 17.4.
Kräuterwanderung mit
Elisabeth Westphal
11 Uhr
Treffpunkt: Botanischer Volkspark
Blankenfelde, am Gewächshaus
Ort: Blankenfelder Chaussee 5,
Berlin-Pankow
Anreise: Bus 107
Kosten: 7 Euro, 5 Euro für Kinder
und GRÜNE LIGA-Mitglieder
Anmeldung: Tel: 030/ 4433910,
E-Mail: counter.berlin@grueneliga.de

Sa 7.5.
Auf diesen Seiten stehen Berliner
Umwelt-Termine (im weiteren
Sinne). GRÜNE LIGA-Termine
sind mit dem Logo gekennzeichnet (grau: Mitarbeit).
Wir möchten besonders auch
Termine kleinerer Umweltgruppen und BIs veröffentlichen und
bitten um rechtzeitige Information
bis zum 15. des Vormonats.
Die Redaktion

Energieberatung
12-15 Uhr
Energiesparen leicht gemacht.
Die Energieberater der Verbraucherzentrale Berlin zeigen, wie
es geht: Stromsparen, Wärmedämmung, Heizungsumstellung,
Prüfung der Heizkosten und die
Vermeidung von Schimmelpilz.
Ort: Umweltladen Mitte, Karl-MarxAllee 31, 10178 Berlin
Kosten: 5 Euro
Infos: Tel. 030/ 901822081, E-Mail
umweltamt.uwl@ba-mitte.berlin.de

Mi 27.4.
Stieglitz-Exkursion
17-19 Uhr
Auf der Suche nach dem Vogel
des Jahres – dem Stieglitz- wandert man mit Jens Scharon durch
die Falkenberger Feldflur bis zum
NSG Falkenberger Rieselfelder.
Ort: Tram - Wendeschleife in
Falkenberg
Infos: www.nabu.de/modules/termindb/detail.php?id=434672

Blühende Sträucher und
Bäume – Im Rausch der
Frühlingsgefühle
17-19 Uhr
Genießen Sie die frische Frühlingsluft im Freien und erfahren
Sie Wissenswertes über die
blühenden Sträucher und Bäume
von Beate Senska.
Ort: Botanischer Garten Berlin,
Eingang Königin-Luise-Platz,
14195 Berlin
Kosten: Führung 6 Euro plus
ermäßigter Garteneintritt 3 Euro
Infos: www.botanischer-gartenberlin.de/de/veranstaltungen-liste

Sa 30.4.
Vogelstimmenwanderung
an der Grünen Stadtkante
4:20-7:20 Uhr
Bettina und Carsten Rasmus vom
KlaRas – Verlag gehen auf die Suche nach den frühmorgendlichen
Vogelstimmen. Bitte Fernglas,
Vogelbestimmungsbuch, warme
Kleidung und einen kleinen Imbiss
mitbringen.
Ort: Wolziger Zeile Ecke Rohrbachstraße (Stadtgrenze)
Kosten: 3 Euro pro Person
(Kinder frei)
Infos: www.nabu.de/modules/
termindb/detail.php?id=435282

So 1.5.
Kleine Schnitzereien
12-16 Uhr
Was verbirgt sich in einem
Stück Holz? Egal ob jung oder
alt - Schnitzen macht Spaß und
innerhalb kurzer Zeit entstehen
schöne, nützliche oder phantasievolle Dinge.
Ort: Ökowerk Berlin, Teufelsseechaussee 22, 14193 Berlin
Kosten: Erwachsener 4 Euro, Kind
3 Euro, Familie 10 Euro plus 3
Euro Materialbeitrag (im Ökowerk
zu entrichten)
Anmeldung: Tel: 030/30 00050,
www.berlin.de/ba-neukoelln/vhs/
Infos: www.oekowerk.de/nc/programm/

Kräuterwanderung mit
Elisabeth Westphal
11 Uhr
Treffpunkt: Botanischer Volkspark
Blankenfelde, am Gewächshaus
Ort: Blankenfelder Chaussee 5,
Berlin Pankow
Anreise: Bus 107
Kosten: 7 Euro, 5 Euro für Kinder
und GRÜNE LIGA-Mitglieder
Anmeldung: Tel: 030/ 4433910,
E-Mail: counter.berlin@grueneliga.de

6. PflanzenTAUSCHmarkt
11-18 Uhr
Hier können Jungpflanzen von
Gemüse, Kräutern und Stauden,
Saatgut und Vielfaltsprodukte von
regionalen Bio-Betrieben gekauft
oder mit Social Seeds Mitgliedern
getauscht werden.
Ort: Prinzessinnengarten, Prinzessinnenstraße 15, 10969 Berlin
Infos: www.social-seeds.net/
veranstaltungen/6-pflanzentauschmarkt/

So 15.5.
Märchenstunden im
Zoo Berlin
11-13 Uhr
Ehrenamtliche Vorleser der
Fördergemeinschaft von Tierpark
und Zoo Berlin werden Kindern
vorlesen. Mitten im orientalisch
anmutenden Antilopenhaus erleben die kleinen Zoobesucher die
Tierwelt von einer ganz anderen
Seite.
Ort: Zoologischer Garten Antilopenhaus, Hardenbergplatz 8,
10787 Berlin
Kosten: regulärer Zoo Eintritt
Infos: www.zoo-berlin.de/zoo.html

Sa 21.5.
Kompostworkshop mit
DIE BODEN SCHAFFT
Uhrzeit auf der Website
www.grueneliga-berlin.de/
termine-2/
Frische Gartenerde schnell selbstgemacht! Wir kompostieren nach
einem neuen Schnellverfahren:
Unsere Garten- und ungekochten
Küchenabfälle werden - je nach
Jahreszeit - innerhalb von 3-6
Monaten zu frischer Gartenerde.
Ort: GRÜNE LIGA Berlin,
Prenzlauer Allee 8, 10405 Berlin
Anmeldung: Tel: 0171/ 4982673,
E-Mail: office@martinakolarek.
com

So 22.5.
ÖKOWERKFEST
11-18 Uhr
Mit Musik und interessanten
Veranstaltungen rund um die
Natur nicht nur für Kinder! Für
das leibliche Wohl wird ebenfalls
gesorgt! In diesem Jahr bieten wir
ein vielfältiges Programm auf dem
Gelände des Naturschutzzentrums
Ökowerk.
Ort: Ökowerk Berlin, Teufelsseechaussee 22, 14193 Berlin
Kosten: Erwachsener 3 Euro,
ermäßigt 1 Euro, Kinder und
Ökowerk-Mitglieder frei
Infos: www.oekowerk.de/nc/
programm/

So 29.5.
Wildbienen brauchen ein
zu Hause
12-17:30 Uhr
Aus Lehm, Stroh und angebohrten
Holzscheiben zimmern wir Nisthilfen für Wildbienen und andere
Wirbellose. So ein „Insektenhotel“
hat in jedem Garten und sonnigen
Balkon Platz.
Ort: Ökowerk Berlin, Teufelsseechaussee 22, 14193 Berlin

Kosten: Beitrag pro Nisthilfe:
8 bis 15 Euro
Infos: www.oekowerk.de/nc/programm/

Mo 30.5.
Energieberatung
12-15 Uhr
Energiesparen leicht gemacht.
Die Energieberater der Verbraucherzentrale Berlin zeigen, wie
es geht: Stromsparen, Wärmedämmung, Heizungsumstellung,
Prüfung der Heizkosten und die
Vermeidung von Schimmelpilz.
Ort: Umweltladen Mitte, Karl-MarxAllee 31, 10178 Berlin
Kosten: 5 Euro
Infos: Tel. 030/ 901822081, E-Mail
umweltamt.uwl@ba-mitte.berlin.de

Auswärts

So 10.4.
Info-Café
14-16 Uhr
Führung über das Gelände der
ÖkoLeA und Informationen über
die ÖkoLeA werden Ihnen ein
schönes Wochenendprogramm
bieten.
Ort: Gelände der ÖkoLeA, Hohensteiner Weg 3 15377, Oberbarnim
OT Klosterdorf
Kosten: Spende
Anmeldung: Tel: 03341/ 3593930,
E-Mail an info@oekolea.de
Infos:
www.seminarhaus.oekolea.de

Do 5.5.
Kräuterwanderung mit
Elisabeth Westphal
10:45 Uhr
Treffpunkt: Haltestelle Lobetal Dorf
(Wendeschleife)
Anreise: RE3, RB 60 oder S2 bis
Bernau Bhf., weiter Bus 903 (Richtung Marienwerder)
Kosten: 7 Euro, 5 Euro für Kinder
und GRÜNE LIGA-Mitglieder
Anmeldung: Tel: 030/ 4433910,
E-Mail: counter.berlin@grueneliga.de

So 8.5.
Kräuterwanderung mit
Elisabeth Westphal
10:45 Uhr
Treffpunkt: Haltestelle Lobetal Dorf
(Wendeschleife)
Anreise: RE3, RB 60 oder S2
bis Bernau, Bhf., weiter Bus 903
(Richtung Marienwerder)
Kosten: 7 Euro, 5 Euro für Kinder
und GRÜNE LIGA-Mitglieder
Anmeldung: Tel: 030/ 4433910,
E-Mail: counter.berlin@grueneliga.de

TERMINE/
Sa 14.5.
Kräuterwanderung mit
Elisabeth Westphal
10:45 Uhr
Treffpunkt: Haltestelle Lobetal Dorf
(Wendeschleife)
Anreise: RE3, RB 60 oder S2
bis Bernau, Bhf., weiter Bus 903
(Richtung Marienwerder)
Kosten: 7 Euro, 5 Euro für Kinder
und GRÜNE LIGA-Mitglieder
Anmeldung: Tel: 030/ 4433910,
E-Mail: counter.berlin@grueneliga.de

Alles neu macht der Mai!
10-13 Uhr
Die Naturschule Berlin Brandenburg lädt ein zur traditionellen Seniorenwanderung von Friedrichshagen nach Hirschgarten. Neben
historischen Fakten steht das
Natur-ERLEBNIS im Vordergrund.
Bitte haben Sie Essen und Trinken
für ein gemeinsames Picknick
dabei! Spenden willkommen!
Treffpunkt: S-Bahnhof Friedrichshagen, Bahnhofshalle
Anmeldung: Tel: 030/ 52549301
oder E-Mail: veranstaltung@
naturschule-berlin-brandenburg.de
Infos: www.naturschule-berlinbrandenburg.de/termine-plaene.
html

Ausstellungen

Bis 27.4.
Klick in die Vielfalt
Mo-Fr 9-18 Uhr
Die Fotoausstellung zeigt prämierte Fotos aus zwei Wettbewerben zur UN-Dekade Biologische Vielfalt. Atmosphärische
Landschaftsaufnahmen, MakroBilder von Insekten und Pflanzen
zeugen von der Schönheit der uns
umgebenden Natur. Auf anderen
Bildern wird die Rückeroberung
aufgegebener Räume durch die
Pflanzen- und Tierwelt sichtbar.
Ort: Berolina Galerie im Rathaus
Mitte, Karl-Marx-Alle 31, 10178
Berlin
Infos: www.berlin.de/land/kalender/

Bis 30.4.
Hans Huckebein und seine
Verwandten
Do + Fr 12-16 Uhr, Sa 11-16
Uhr, So 10-16 Uhr
Im Britzer Garten sind Nebelkrähen, Elstern und Eichelhäher
während des gesamten Jahres
zu beobachten. In den letzten
Jahren hat sich auch der Kolkrabe
sogar als Brutvogel eingestellt. Die
Ausstellung stellt die einzelnen
Arten und ihre Lebensweise in der
Stadt vor
Ort: Ausstellungspavillon des
Britzer Garten, Parkeingang Buckower Damm, 12349 Berlin
Infos: www.freilandlabor-britz.de/
index.php/de/aktuelles/aktuelleausstellungen

27.5.2016-26.2.2017
Grüne Schatzinseln.
Botanische Entdeckungen
in der Karibik
Täglich von 10-18 Uhr+
Es gibt in der Karibik wesentlich
mehr zu entdecken als Palmenhaine und gepflegte Hotelgärten.
Der Botanische Garten und
das Botanische Museum Berlin
präsentieren die „grüne Seite“ der
Karibik, wie man sie sonst nicht zu
sehen bekommt.
Ort: Botanisches Museum Berlin
Königin-Luise-Straße 6-8,
14195 Berlin
Kosten: 2,50 Euro,
ermäßigt 1,50 Euro
Infos: www.botanischer-gartenberlin.de

Regelmäßig
Montags
VoKü und Treffen der
Transition Town Initiative
Friedrichshain-Kreuzberg
Mo 19.30 Uhr
Ort: Nachbarschaftstreff K19
Kreutzigerstr. 19, info@soned.de
Tel. 2945401

Dienstags
Attac Berlin
Regiongruppentreffen
3. Di 19 Uhr
Haus d. Demokratie, Greifswalder
Str. 4, Prenzlauer Berg
Tel. 6946101

Verkehrsrechtsberatung
Di 19-20 Uhr
ADFC, Brunnenstr. 28
Mitte; Tel. 4484724
nur Mitglieder

Grüne Radler
Versammlung
1. Di 19 Uhr
Crellestr. 43, Baubüro, Schönebg.

Mittwochs
VCD Nordost Aktiventreffen
3. Mi 18.30 Uhr
VCD LV Nordost
www.vcd-nordost.de

BISS-Treffen
2. Mi 19 Uhr
Bürgerinitiative Stadtring Süd
(BISS), Plesserstr. 4, Treptow
www.stop-A100.de

Anti Atom Berlin
1. Mi 20 Uhr
Warschauer Str. 23
Friedrichshain, Tel. 61201791
www.antiatomberlin.de

PINiE e.V.- Pankower Initiative zur Nutzung innovativer
Energiequellen
3. Mi, 18 Uhr
Ort: NABU Berlin, Wollankstr. 4
13187 Berlin
Infos: www.pinie-solar.de

Donnerstags
Ökomarkt am
Kollwitzplatz
12-19 Uhr

KLEINANZEIGEN

Öko-Märkte
Ökomarkt Domäne Dahlem
Berlin - Dahlem
Königin-Luise-Str. 49
Sa 8-13 Uhr
U 3 Dahlem Dorf
Info-Tel. 66630024
www.domaene-dahlem.de/
landgut-museum/
hofladenundoekomarkt.html

Ökomarkt Chamissoplatz
Berlin - Kreuzberg
Sa 9 - 15 Uhr
U 6 Platz der Luftbrücke
U 6 & 7 Mehringdamm
Info-Tel. 8430043
www.oekomarkt-chamissoplatz.de

Ökomarkt am Nordbahnhof
Berlin-Mitte
Invalidenstraße/ElisabethSchwarzhaupt-Platz
Mi 11-18 Uhr
S-Nordbahnhof, S1, S2, S25
Tram-Nordbahnhof, M10, M8
Bus-Nordbahnhof, 245, 247
Info-Tel. 0170/ 4832058
oekomarkt-am-nordbahnhof@
t-online.de
Facebook:
Ökomarkt am Nordbahnhof

Ökomarkt Zickenplatz
Berlin - Kreuzberg
(am Hohenstaufenplatz)
Schönleinstr. / Ecke Dieffenbachstr.
Di 12-18
Sommer: bis 18.30 Uhr
Sa 9-15 Uhr
U 8 Schönleinstraße
Info-Tel. 0157/ 78937884

Ökomarkt am Kollwitzplatz
Berlin-Prenzlauer Berg
Kollwitzstr./
Ecke Wörther Str.
Do 12-19 Uhr
Jan-März bis 18 Uhr
U 2 Senefelder Platz
Kollwitz-/ Ecke Wörther Str.
Info-Tel. 44339148
www.grueneliga-berlin.de/
?page_id=35

April / Mai 2016

29

Kleinanzeigen
Private Kleinanzeigen kosten
nicht die Welt, sondern 0,70
Euro pro Zeile (ca. 30 Zeichen),
bitte Vorkasse (Briefmarken,
bar). Für 0,50 Euro zusätzlich
schicken wir ein Belegexemplar. Redaktionsadresse siehe
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km zur Ostsee, Pacht: 2 Euro
pro qm und Jahr, Interesse?
Kontakt: Tel. 03867/ 612181
oder oeko.lutu@gmail.com

Ökomarkt im Hansaviertel
Berlin-Tiergarten
Altonaer Str./ Ecke Klopstockstr.
Fr 12-18.30 Uhr
U 9 Hansaplatz
Info-Tel. 0170/ 4832058
www.ökomarkt-im-hansaviertel.de

Kollwitz-/Wörther Str.
12-19 Uhr Ernährungsberatung,
Pilzberatung, Tel. 443391-48

Samstags
Natur-Erlebnis-Tag
1. Sa

Die Berliner Umweltzeitung

NACH DEM LESEN

Der Verein Naturschule BerlinBrandenburg e.V. lädt ein zu einen
besonderen Mix aus Naturerleben, Erlebnis-Spielen, Naturbeobachtung und Möglichkeit zum
Picknick mit Gedankenaustausch.
Infos: www.naturschule-berlinbrandenburg.de/termine-plaene.
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Sonntags
ZDF-planet e
sonntags
Infos: planet-e.zdf.de

Naturschutzjugend-Treff
letzter So, 15 Uhr
Naturerlebnisgarten, am S-Bhf.
Bornholmer Str., Bösebrücke
Wedding, Tel. 51067134

WEITERREICHEN!
Unkonventionelles
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aus der
vielfältigen Umweltszene
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DER RABE RALF
Prenzlauer Allee 8
10405 Berlin

GRÜNE LIGA Berlin e.V.
Landesgeschäftsstelle:
Prenzlauer Allee 8
10405 Berlin-Prenzlauer Berg
Tel. 030 / 44 33 91-0, Fax -33
berlin@grueneliga.de
Projekte (Durchwahl, E-Mail):
Umweltbibliothek: -30
DER RABE RALF: -47
raberalf@grueneliga.de

Ökomarkt/Ernährungsberatung: -48,-58
oekomarkt.kollwitzplatz@...
Presse/Öffentlichkeitsarbeit: -49
Lokale Agenda 21 Berlin: -65
berliner.agenda21@...
Beratung/Hofbegrünung: -49
hofberatung.berlin@...
Artenschutz an Gebäuden: -49
International: -70,
internationales@...

30

BERLIN

April / Mai 2016

Geoparks und Geolparks

IMPRESSUM

In Deutschland und weltweit
Die Berliner Umweltzeitung
GRÜNE LIGA Berlin e.V.
Prenzlauer Allee 8, 10405 Berlin-Prenzlauer
Berg (Tram M2 Metzer Str.; U2 Senefelderpl.)
Tel.: (030 ) 44 33 91-47, -57, Fax -33
E-Mail: raberalf@grueneliga.de
www.raberalf.grueneliga-berlin.de
Herausgeber: GRÜNE LIGA Berlin e.V.
ISSN: 1438-8065
V.i.S.d.P.: Leif Miller
Redaktion: Volker Voss
Jörg Parsiegla, Konstantin Petrick,
Elisabeth Westphal
Satz/Layout: Evelin Bulling
Karikaturen: Freimut Woessner
Vertriebsleitung: Volker Voss
Post-Bezug: siehe Abo-Coupon auf Seite 11
Konto-Nr.: 3060502, BLZ: 10020500
IBAN: DE 38100205000003060502
BIC: BFSWDE33BER
Bank für Sozialwirtschaft
Adressenänderung bitte melden!
Erscheinen: zu Beginn gerader Monate
Redaktionsschluss: 5. des Vormonats,
Anzeigen und Termine bis 15. des Vormonats

I

n Deutschland etablieren sich
seit einiger Zeit in wachsender Zahl Geoparks. Ein Geopark ist ein großer Naturpark,
ähnlich dem Nationalpark, in
dem man die Entstehung der
Landschaft im Verlauf der Erdgeschichte nachvollziehen kann.
Zurzeit gibt es in Deutschland 20 Geoparks. Als nächstgelegene Ziele ab Berlin seien
genannt: Eiszeitland am Oderrand, Muskauer Faltenbogen,
Mecklenburgische Eiszeitlandschaft, Nordisches Steinreich,
Harz-Braunschweiger Land
Ausstellungsstücke in Geoparks
– Ostfalen.
Foto: B. Nitsche
Während in den Geoparks
auch nichtgeologische Objekte
dargeboten werden, ist der
Hellersdorfer Steinreich (mit dem
Geolpark als reiner Geologiepark zu GEOMUSEO Edelsteinplanet) im
verstehen. Ausgehend vom Geolpark Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf

Anzeigenvertretung:
GRÜNE LIGA Berlin e. V.
Prenzlauer Allee 8, 10405 Berlin
Tel. 030/ 443391-0, Fax: -33
raberalf@grueneliga.de
Grundpreis:0,80 Euro je Spalte und mm (netto)
Kleinanzeigen: über die Redaktion, je 30 Zeichen
0,62 Euro, nur Vorkasse (Briefmarken, bar)

LESERBRIEFE

Auflage: 10.000
Druck: Union Druckerei, Berlin

DER RABE RALF vom Dez. 15/Jan. 16, „Der Teufel steckt in VW!“, S. 1 & 4

Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht
unbedingt die Meinung der Redaktion bzw. des
Herausgebers wieder. Die Redaktion behält
sich das Bearbeiten von Beiträgen vor. Für
unverlangt eingesandte Texte und Materialien
keine Haftung. Beiträge bitte möglichst per
E-Mail senden. Nachdruck nach Rücksprache
gestattet und erwünscht, bitte Quelle angeben,
Belegexemplar schicken.

Sehr geehrter Herr Petrick,
in Ihrem Artikel berichten Sie von
Reaktionen zum Beispiel des Kraftfahrtbundesamtes auf die Aufdeckung
des Betrugs durch VW. Und Sie legen
den Stand der Reaktionen auf der Ebene
der EU dar. Dabei werden Rückrufaktionen erwähnt und das Erwachen einiger
EU-Parlamentarier geschildert, die der
„zulässigen“ Abweichung der Abgase
im Straßenverkehr im Vergleich mit
denen im Abgastest unter Laborbedingungen entgegentreten wollen.
Wo ist der missbilligende Aufschrei
unserer deutschen Regierung, unserer
mit Autos und Umwelt und Verbraucherschutz beauftragten Minister?
Welcher deutsche Staatsanwalt
hat Anzeige wegen Betrugs gegen das
Management des größten deutschen

Eigentumsvorbehalt: Dieses Heft bleibt bis zur
Aushändigung an den Adressaten Eigentum
des Herausgebers. „Zur-Habe-Nahme" ist keine
Aushändigung im Sinne dieses Vorbehalts.
Nicht ausgehändigte Hefte sind unter Angabe
des Grundes der Nichtaushändigung an den
Herausgeber zurückzusenden.

VW und die Sache mit den Abgasen

Autoherstellers erhoben?
Welcher Parteipolitiker hat diesem Management die Leviten gelesen dafür, dass
der Welt gezeigt wurde, wie deutsche
Unternehmer sich durch Betrug in die
vorderste Reihe erfolgreichen Unternehmertums zu schieben trachten?
Wo sind die Vorwürfe der Politiker
der Oppositionsparteien, dass von der
Welt das Etikett „Made in Germany“ in
Zukunft belacht wird?
Welche Gewerkschaft erhebt darüber
Klage, dass Arbeitsplätze wegen betrügerischer Manipulation wegfallen? Welcher Zulieferer wendet sich empört von
einem Vertragspartner ab, der betrügt?
Beschämende Stille. Heimlich und
leise überlassen die politischen Köpfe
in unserem Lande das Feld der CARB
und der EU. Ist die Durchdringung

Die Entsorgung von Weißfischen
DER RABE RALF, Oktober/November 2015, „Wie sinnvoll ist das Vernichten
von Weißfischen?“, S.18

Wörther Straße

www.grueneliga-berlin.de

Interessierte melden sich
bitte unter: 030/56 29 80 81

LESERINNENBRIEFE

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Donnerstags ab 12 Uhr

wird die ganze Erde zu einem
Welt-Geolpark. Ebenso wie
die Geoparks sind also auch die
Geolparks weltweit hierarchisch
verbunden.
Das GEOMUSEO veranstaltet neben Ausstellungen,
Vorträgen und Seminaren speziell für Einsteiger und Laien von
8 bis 88 geologische Führungen
und Exkursionen durch Geound Geolparks in Deutschland
und Europa.
Zudem verschenken wir
wochentags von 15 – 18 Uhr im
Grünen Haus für Hellersdorf,
Boizenburger Straße 52 – 54,
12619 Berlin Steine und Sachbücher.
Herbert Schlegel

Liebe Frau Busch,
Ihre Feststellung trifft den Nagel nicht
ganz auf den Kopf. Die „Entsorgung“
von Weißfischen ist die Verwertung und
damit Nutzbarmachung des Rohstoffes
Eiweiß in großen Tierkörperverwertungsanlagen.
Sind Gewässer, wozu unter anderem
hauptsächlich unsere innerstädtischen
Teiche zählen, durch – fütternde
Tierliebhaber – mit Weißfischen
überbesetzt, kommt es besonders bei
hohen Wassertemperaturen, nach einem

Gewitter, zum Massenfischsterben, was
unter anderem mit „nicht schönen“
Geruchsbelästigungen verbunden ist.
Zu DDR Zeiten wurde in Anglerkreisen
sehr viel über Gewässer gesprochen,
die zu „verbutten“ drohten. Wer mehr
darüber wissen möchte, sollte sich durch
Mitglieder des Deutschen Anglerverbands (DAV) oder besser noch durch
DAV-Funktionäre informieren lassen.
Mit freundlichen Grüßen
Horst Loewendorf

unseres politischen Geschäfts mit den
Lobbyisten der großen Unternehmen
und Wirtschaftsvereinigungen und
Interessenverbände so tief und lückenlos, dass keiner mehr die persönliche
Freiheit hat, Betrüger als solche anzugreifen? Stattdessen wird gemauschelt
und glatt gestrichen, damit die Maschine
nicht stottert. Als ob die Maschine
nicht stotterte, weil die Menschen, die
Händler, die Organisationen bei uns
wie in anderen Ländern nicht betrogen
werden wollen.
Ohne Schamesröte weitermachen.
Ist das der gemeinsame Boden, auf
dem das Zusammenleben vor sich
gehen soll? Auf dem Boden unseres
Grundgesetzes?
Wer fragt sich angesichts dieser
durchgängigen Scheinheiligkeit, wie
der Zulauf zu Pegida und Legida und
Pogida etc etc entstanden ist? Verdrossenheit macht sich breit.
So weit, Herr Petrick, müsste der
Bogen gespannt werden, wenn wieder
an den VW Skandal erinnert wird und an
den Deutsche Bank Skandal und daran,
dass mit Steuergeldern den deutschen
Großunternehmen die Steine zu neuen
(E mobility) Jagdgründen aus dem
Weg geräumt werden. Über ein Urteil
der deutschen Kartellbehörde setzt
sich ein SPD Minister einfach hinweg.
Bürgerbetrug. Auf wen soll der Wähler
vertrauen, dass er ihm die Stimme gibt?
Pakt mit dem Teufel, der unter anderem
in VW steckt.
Nicht aufgeben. Augen offen halten
und der eigenen Urteilskraft trauen.
Gruß von Harro Lorenzen
Tel: 030 4403 2450

UMWELTADRESSEN
Aus Platzgründen kann hier nur eine
Auswahl von Umwelt-Adressen in Berlin
und Umgebung veröffentlicht werden.
Die grau unterlegten Adressen sind
Mitglieder der GRÜNEN LIGA.
ADFC - Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club, Brunnen- 28, 10119 (Mitte) T
4484724, F 44340520
www.adfc-berlin.de
AG Kleinstlandwirtschaft und Gärten
in Stadt und Land c/o FU
Inst. für Soziologie
www.urbanacker.net
Agenda-Agentur Berlin Runge- 22-24
10179 (Mitte) T 6128087-1/-2/-3, F -4
www.agenda-agentur.de
Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck c/o
Büro Rheinlaender, Crelle- 43, 10827
(Schöneberg) T 7883396, F 7811059
Matthias Bauer, T 2151135
www.gleisdreieck-blog.de
Aktion Tier - Menschen für Tiere e.V.
Kaiserdamm 97, 14057(Charlottenburg), T 30103831, F -34
A-Laden Brunnen- 7, 10119 (Mitte)
T 22805237, www.a-laden.org
Anti-Atom-Plenum Waldemar- 46
10999 (Kreuzberg)
www.squat.net/aap-berlin
Anti Atom Berlin
c/o Stadtteilladen Friedrichshain
Warschauer- 23
10243 (Friedrichshain), T 61201791
www.antiatomberlin.de
Arbeitskreis Igelschutz Berliner- 79a
13467 (Hermsdorf)
www.igelschutzberlin.de
Arbeitskreis Nordkaukasus c/o Vitali
Kovaljov, NABU, Charitéstr. 3
10117 (Mitte), T 284984-0
Arbeitskreis Verkehr und Umwelt
(UMKEHR) e.V. Exerzier- 20, 13357
(Wedding), T 4927-473, F -972
www.umkehr.de
Arbeitsstelle Frieden und
Abrüstung e.V. Kopenhagener- 71
10437 (Prenzl. Berg), T 44013028
www.asfrab.de
Arge Autofrei Wohnen in Berlin
c/o Markus Heller, T/F 2807940
www.autofrei-wohnen.de
Attac Gneisenau- 2a, 10969 (Kreuzberg) T 69517791, F 6926590
www.attacberlin.de
autofrei leben! e.V. Körtingstr. 63b
12107 (Tempelhof), T 23135674
www.autofrei.de
BANA mobil Projektbüro im Kotti e.V.
Sibylle Trage, Adalbert- 95a
10999 (Kreuzberg), T 8514783
bana-mobil@web.de
Barnimer Aktionsbündnis gegen
gentechnische Freilandversuche
c/o DOSTO, Breitscheid- 43a
16321 Bernau, T/F 03338/5590
www.dosto.de/gengruppe
B.A.U.C.H. e.V. Verein für Umweltchemie, Wilsnacker- 15, 10559 (Moabit)
T 394-4908, F -7379
bauch@alab-berlin.de
BauFachFrau e.V. Ökolaube, Komposttoilettenausstellung Lehder- 108
13086 (Weißensee), T 92092176
www.baufachfrau-berlin.de
Baumschutzgemeinschaft
c/o A. Solmsdorf, Windscheid- 40
10627 (Charlottenb.), T 0170/2147676
kontakt@bmsgb.de
Berliner Entwicklungspolitischer
Ratschlag Greifswalder- 4
10405 (Prenzl. Berg) T 4285-1587
www.ber-landesnetzwerk.de
BERLINER NETZWERK FÜR
GRÜNZÜGE
c/o Berliner Landesarbeitsgemeinschaft für Naturschutz e.V. (BLN)
Potsdamer- 68, 10785 (Tiergarten)
kontakt@gruenzuege-fuer-berlin.de
www.grünzüge-für-berlin.de
Berlin 21 Greifswalder- 4, 10405
(Prenzl. Berg), T 420823-63, Fax -80
www.berlin21.net
B.F.S.S. Büro für stadtteilnahe Sozialplanung GmbH Müller- 155
13353 (Wedding), T 4617771
www.bfss-berlin.de
BI Berliner Luft + Fahrgastbeirat
Hohenschönhausen Ahrenshooper- 5
Zi. 1, 13051, T/F 9621033
BI FREIe HEIDe c/o Benedikt Schirge
Dorf- 27, 16831 Zühlen, T/F 0339312338, www.freie-heide.de
BI „Nein zum Kohlekraftwerk“ Alte
Schmiede, Spitta- 40, 10317 (Lichtenberg), www.kraftwerksneubau.de
Biochemischer Verein Greifswalder - 4
10405 (Prenzl. Berg), T 2044599
www.biochemischerverein-berlin.de
BIP - Biomasse in Pankow Gundolf
Plischke, Duncker- 46, 10439 (Prenzl.
Berg), T 747682-36, F -37
www.biomasse-in-pankow.de
BI Rettet die Marienfelder Feldmark
M. Delor, Marienfelder- 85, 12309
bimfeldmark@aol.com
Bürgerberatung Energie und Umwelt,
Berliner Energietelefon 3016090
Gesellschaft für Lärmbekämpfung e.V.
Sauerbruch-23, 14109 (Zehlendorf)
T-3016090, F 80602497, kostenloses
Auskunftstelefon Di, Do 10-14 Uhr

Bürgerinitiative (BISS) Plesser- 3
12435 (Treptow), Bürgertel: 70121004
(AB) www.stop-A100.de
BI Westtangente (BIW) Crelle- 43
10827 (Schöneberg), T 7883396
F 7811059, www.bi-westtangente.de
B-Laden Lehrter - 27-30
10557 (Moabit), T/F 3975238
BLN - Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz Potsdamer- 68
10785 (Tiergarten), T 2655-0864
-0865, F -1263, www.bln-berlin.de
BLUE 21 - Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Umwelt und Entwicklung c/o FDCL, Gneisenau- 2a
10961 (Kreuzberg), T 6946101
F 6926590, www.blue21.de
Botanischer Verein Königin-Luise- 6
14195 (Dahlem), T 7748437, www.
botanischer-verein-brandenburg.de
Britzer Umweltforum
Fulhamer Allee 53, 12359, T 6079338
BUND Crelle- 35, 10827 (Schöneberg)
T 787900-0, F -18
www.bund-berlin.de
BUNDjugend LandesGSt ErichWeinert- 82, 10439 (Prenzl. Berg)
T 392-8280, F -7997
BundesGst Am Köllnischen Park 1
10179 (Mitte), T 275865-0, F -55
www.berlin.bundjugend.de
Bundesumweltministerium Stresemann- 128-130, 10117 (Mitte)
T 18305-0 F -4375, www.bmu.de
Bündnis 90/Die Grünen Landesverb.,
Bereich Umwelt Kommandanten- 80
10117 (Mitte), T 615005-0, F -99, Grüne Jugend -43, www.gruene-berlin.de
Abgeordnetenhaus Niederkirchner- 5
10111 (Mitte), T 232524-00, F -09
Umwelt -06/-62, Verkehr -12
Bundestag, Bereich Umwelt, Luisen32-34, 10117 (Mitte), T 2275-8939
F -6911, ak2@gruenefraktion.de
Bürgerverein Brandenburg-Berlin
(BVBB) gegen Flughafen Schönefeld
Wilhelm-Grunewald- 48-50, 15827
Blankenfelde, www.bvbb-ev.de
Cöllnische Heide e.V. c/o Dr. Erxleben
Steinbach- 11, 12489 (Adlershof)
T 67198381
Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen
(DFG-VK) c/o BamM (Buchladen
Schwarze Risse) Gneisenau- 2a
10961 (Kreuzberg), www.dfg-vk.de
Deutsche Umwelthilfe (DUH) Hackescher Markt 4, 10178 (Mitte)
T 2400867-0, F -19, www.duh.de
Deutscher Bahnkundenverband
(DBV) Kurfürstendamm 11, 10719
(Charlottenburg), 634970-76, F -99
www.bahnkunden.de
Deutscher Naturschutzring (DNR)
Marien-19/20, 10117 (Mitte)
T 6781775-70, F -80, www.dnr.de
Diözesanrat der Katholiken, Sachausschuss Eine Welt und Bewahrung der
Schöpfung, Niederwall- 8/9
10117 (Mitte), T 32684-206, F -203
www.dioezesanrat-berlin.de
ecovillage e.V. c/o H.-R. Brinkmann
Glogauer Weg 38, 49088 Osnabrück
T/F 0541/445941, www.ecovillage.de
European Network for Mobility
and Local Agenda 21, Benda-15
12051(Neukölln)
info@mobilocal21.org
Fachverband Biogas c/o Roland
Schnell, Graefe- 14, 10967 (Kreuzbg.)
T 707198-60, F -62, www.graskraft.de
roland@graskraft.de
FIAN - Food First Information and
Action Network
Ute Stephani, T 51635868
www.fian-berlin.de
Förderverein Naturpark Südgelände
c/o Hans Göhler, Sophie-Charlotten59, 14057 (Charlottenb.), T 3217731
Förderverein Landschaftspark
Nordost Dorf- 4a (Dorfkate Falkenberg)
13057, T/F 9244003
www.dorfkate-falkenberg-berlin.de
Forum Umwelt Entwicklung
Marien-19-20, 10117 (Mitte)
T 6781775- 89, -74
info@forumue.de, www.forumue.de
Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V. (FÖS), Schweden- 15a
13357 (Wedding), T 7623991-30
F -59, foes@foes.de, www.foes.de
FUSS e.V. - Fußgängerschutzverein, Exerzier- 20, 13357 (Wedding)
T 4927-473, F -972, www.fuss-ev.de
Future-on-Wings e.V. c/o Afrikahaus
Bochumer - 25, 10555 (Moabit)
T 3928567, www.future-on-wings.net
Gen-ethisches Netzwerk (GeN)
Brunnen- 4, 10119 (Mitte)
T 6857073, F 6841183
www.gen-ethisches-netzwerk.de
Germanwatch Schiffbauerdamm 15
10117 (Mitte), T 288835-60, F -61
www.germanwatch.org
Gesellschaft für Ausbildung, innovativen Landbau und Arbeit - GAIA e.V.,
Plauener- 160, 13053 (Hohenschönhausen), T 981992-0, F -37
www.gaia.de
Gesellschaft Naturforschender
Freunde c/o Inst. f. Zoologie der FU
Königin-Luise- 1-3, 14195 (Dahlem)
T 8383917, F -16

Gesundheitsladen Veteranen- 21
10119 (im ACUD), T 6932090
www.gesundheitsladen-berlin.de
BAOBAB Infoladen Eine Welt e.V.
10405 (Prenzl. Berg), Greifswalder
Str. 4, T 4426174, F 44359066
gwrbln@mailandnews.com
Greenhouse Infopool Duncker- 14
10437 (Prenzl. Berg)
www.jpberlin.de/greenhouse
Greenpeace Chaussee- 131
10115 (Mitte), T 283915-50, F -51
www.greenpeace-berlin.de
GRÜNE LIGA e.V. BundesGSt., Red.
ALLIGATOR Greifswalder- 4, 10405
(Prenzl. Berg), T 2044-745, F - 468
www.grueneliga.de
BKst Wasser, Michael Bender
T 40393530, wasser@grueneliga.de
GRÜNE LIGA Berlin e.V. LandesGSt.
Prenzlauer Allee 8, 10405 (Prenzl.
Berg), T 443391-0
www.grueneliga-berlin.de
Grüne Radler Crelle- 43, 10827 (Schöneberg), Claudia Kristine Schmidt
T 81887615, Dieter Hertwig, T
6236833, www.gruene-radler-berlin.de
Grünes Haus für Hellersdorf
Boizenburger- 52-54, 12619 (Hellersdorf), T 56298081, F 56499950
www.gruenes-haus-hellersdorf.de
Habitat-Informationsbüro Greifswalder- 33 A, 10405 (Prenzl. Berg)
T 428515-85, F -86
habitat-infobuero@berlinet.de
Haus der Natur Potsdam Linden- 34
14467 Potsdam, T 0331/20155-25
F-27, www.hausdernatur-brandenburg.de
Arbeitsgemeinschaft Natur- und
Umweltbildung (ANU) T -15, F -16
Arbeitskreis Naturschutzgeschichte T -25, F -27
ARGUS Umweltbiblioth., T -11, F -12
Förderverein für Öffentlichkeitsarbeit im Natur- und Umweltschutz
(FÖN) T -35, F -36
GRÜNE LIGA Brandenburg T -20
F -22
Landesbüro anerkannter Naturschutzverbände T -50, F -55
NaturFreunde Brandenburg T -40
F -44
Naturschutzbund NABU LV
Brandenburg T -70, F -77
Naturschutzjugend LV Brandenburg
T -75, F -78
VCD - Verkehrsclub Deutschland
LV Brandenburg T -60, F -66
HOLON e.V. Friedrich-Engels- 26
15711 (Königs Wusterhausen)
T/F 03375/294636
HU-RefRat Referat Ökologie und
Umwelt, Unter den Linden 6, 10099
(Mitte), T 2093-2603, -2614, -1749
F -2396, www.refrat.hu-berlin.de/oeko
IUGR e.V. Studienarchiv Umweltgeschichte, Brodaer - 2, 17033 (Neubrandenburg), T 0395/5693-8201,
-4500 F -74500, www.iugr.net
www.naturschutzgeschichte-ost.de
IGEB e.V. Fahrgastverband S-Bhf.
Lichtenberg, Weitling- 22
10317 (Lichtenberg), T 787055-11
F -10, www.igeb.org
IG Saubere Energie Berlin, Haupt- 72
10317 (Lichtenberg)
kontakt@ig-biomasse.de
www.ig-biomasse.de
IG Wuhletal c/o Angele Schonert,
Sewan- 181, 10319 (Friedrichsfelde)
T 5122816
Infrastrukturelles Netzwerk Umweltschutz (INU) Dorf- 36, 13057 (Falkenberg), T 934427-10, F -29
www.inu-ggmbh.de
Initiative gegen die Verletzung ökologischer Kinderrechte Wundt- 40
14057 (Charlottenburg), T 3257443
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) Potsdamer- 105
10785 (Tiergarten), T 884594-0
F 8825439, www.ioew.de
Institut für Zukunftsstudien und
Technologiebewertung (IZT) Schopenhauer- 26, 14129 (Nikolassee)
T 803088-43, F -88, www.izt.de
GIZ Landesbüro Berlin/Brandenburg
Köthener- 2, 10963 (Kreuzberg)
T 40819022-3, F -423, www.giz.de
IPPNW Ärzte gegen Atom Körte- 10
10967 (Kreuzberg), T 6980740
F -8166, www.ippnw.de
Jugendfarm Moritzhof Schwedter- 90
10437 (Prenzl. Berg) T 44024220
F -22, www.jugendfarm-moritzhof.de
Jugendnaturschutzakademie
Brückentin, 17237 Dabelow, T/F
039825/20281, www.brueckentin.de
KATE Kontaktstelle für Umwelt und
Entwicklung Greifswalder- 4
10405 (Prenzl. Berg), T 440531-10
F -09, www.kate-berlin.de
Bauwerkarchitekt Lutz Dimter
Naturbahnhof Prenzlau
Brüssower Allee 90, 17291 Prenzlau
T 03984-834679-14, lutz.dimter@
naturbahnhof-prenzlau.de
Kinderbauernhof „Pinke Panke“
Am Bürgerpark 15-18
13156 (Pankow), T 47552593
www.kinderbauernhof-pinke-panke.de
KMGNE Kolleg für Managment u. Ge-

April / Mai 2016
staltung nachhaltiger Entwicklung
Reichenberger- 150, 10999 (Kreuzberg), T 293679-40, F -49
www.kmgne.de
Kunst-Stoffe-Berlin
Berliner- 17, 13189 Berlin
T 0049(0)30-34089840
Linkspartei Kl. Alexander- 28
10178 (Mitte) Ökologische Plattform
T 24009542, F 2411046
www.oekologische-plattform.de
Abgeordnetenhaus, AG Umwelt c/o
Marion Platta MdA, Niederkirchner- 5
10111 (Mitte), T 232525-50, F -39
platta@linksfraktion-berlin.de
Lokale Agenda 21 siehe Berlin 21
und GRÜNE LIGA Berlin
www.agenda21berlin.de
LÖPA - Linksökologische pazifistische Anarchisten c/o M99
Manteuffel- 99, 10999 (Kreuzberg)
www.geocities.com/theloepa
Messzelle e.V. (Umweltanalytik) MüllerBreslau- 10, 10623 (Charlottenburg)
T 3142-5806, F -6863
www.tu-berlin.de/~messev
Moabiter Ratschlag e.V. Rostocker- 32
10553, T 390812-0, F -29
www.moabiter-ratschlag.de
NaturFreunde Deutschlands e.V. Warschauer- 58a, 10243 (Friedrichshain)
T 29773260, F-80
www.naturfreunde.de
info@naturfreunde.de
Naturfreundejugend Berlin e.V.
Weichsel- 13, 12045 (Neukölln)
T 325327-70 F-71
www.naturfreundejugend-berlin.de
info@naturfreundejugend-berlin.de
NaturFreunde Berlin e.V.
Paretzer- 7, 10713 (Wilmersdorf)
T 8332013,
info@naturfreunde-berlin.de
Naturschutz- und Grünflächenämter
siehe Gelbe Seiten: Berlin-Service
(vorn) oder Telefonbuch: „Landesregierung - Bezirksämter“ (grau) oder
www.berlin.de/verwaltungsfuehrer
NABU Wollank- 4, 13187 (Pankow)
T 986-08370, F -7051
www.berlin.nabu.de
Bezirksgr. Pankow T -083728
Freilandlabor Flughafensee 4325155
Naturschutzstation Malchow/
Förderverein Dorf- 35, 13051
T 927998-30 F -31
www.naturschutzstation-malchow.de
Naturschutzzentrum Schleipfuhl
Hermsdorfer- 11a
12627 (Hellersdorf), T 9989184
NETZ für Selbstverwaltung
PF 620553, 10795, T/F 2169105
www.netz-bb.de
Netzwerk SPIEL/KULTUR Kollwitz- 35
10405 (Prenzl. Berg), T 44356851
www.netzwerkspielkultur.de
Nichtraucherbund Greifswalder- 4
10405 (Prenzl. Berg), T 2044583
www.nichtraucher-berlin.de
Ökologisch-Demokratische
Partei ödp Erich-Weinert- 134, 10409
(Prenzl. Berg), T 49854050
www.oedp.de
oekogekko Zentrum für Oekologie Gesundheit Kunst und Kommunikation
14552 (Wilhelmshorst), T 033205309396, info@oekogekko.com
www.oekogekko.com
ÖkoLeA Hohensteiner Weg 3, 15377
Oberbarnim, OT Klosterdorf, T 033413593930, F -50, www.oekolea.de
Ökowerk Naturschutzzentrum Teufelsseechaussee 22-24, 14193
(Grunewald), T 300005-0, F -15
www.oekowerk.de
Pankgräfin e.V./Wagendorf Karow
Pankgrafen- 12d, 13125 (Buchholz)
T 475996-24, F -25
www.pankgraefin.de
Permakultur-Akademie
Kreutziger- 19, 10247 (Friedrichshain), T 89208488
www.permakultur-akademie.net
per pedes e.V., c/o Heiko Balsmeyer
Wilhelm-Kuhr- 82 (Pankow)
T 57707707
buero@perpedes-ev.de
PINiE e.V. Pankow c/o NABU
Wollank- 4, 13187 (Pankow)
F 9867051, www.pinie-solar.de
pro agora - Gesellschaft für nachhaltige Stadtkultur Mühlen- 62-65
13187 (Pankow), T/F 4257731
www.proagora.de
Robin Wood T 20687813
berlin@robinwood.de
www.robinwood.de
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
Clayallee 226a, 14195 (Dahlem)
T 8329-137, F -236
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (SenStadt) Am Köllnischen Park 3,
10179 (Mitte), T 9025-0, F -1073
Umwelt-Tel. 9025-1111
www.stadtentwicklung.berlin.de
Solarverein Berlin e.V. Paulsen- 55/56
12163 (Steglitz), T 82097-236, F -366
www.solarverein-berlin.de
Stiftung Naturschutz Berlin
Potsdamer- 68, 10785 (Tiergarten)
T 26394140, F 2615277
www.stiftung-naturschutz.de
Tauschring Friedrichshain Boxhage-

31

ner - 89, 10245, T 44359575
www.tauschringe-berlin.de
Tierschutzverein - Tierheim Berlin
Hausvaterweg 39,
13057 (Falkenberg), T 76888-0
www.tierschutz-berlin.de
Tierversuchsgegner Dahlmann- 16
10629 (Wilmersdorf), T 3418043
info@tierversuchsgegner-berlinbrandenburg.de
TU-Energieseminar March- 18, 10587
(Charlottenb.), T 314-25280, F -73379
www.tu-berlin.de/fb6/energieseminar
TU-Kooperations- und Beratungsstelle für Umweltfragen - kubus Franklin- 28-29, 7. OG, TUB Sekr. FR 7-1
10587 (Charlottenburg), T 314-24378
F -24276, www.tu-berlin.de/zek/kubus
Dr. Turgut Altug, Leiter des Umweltzentrums, Prinzen- 23, 10969(Kreuzberg), T 69535293, F 56935889 Träger des Umweltzentrums:
Türkisch-Deutsches Zentrum e.V.
Ufa-Fabrik/id22 Victoria- 10-18
12105 (Tempelhof), T 75503-0
F -110, www.ufafabrik.de
UMKEHR e.V. siehe ArbeitskreisVerkehr
Umsonstladen Brunnen- 183, 10119
(Mitte), www.umsonstladen.info
UfU - Unabhängiges Institut für
Umweltfragen Greifswalder- 4
10405 (Prenzl. Berg), T 428499332
F 42800485, www.ufu.de
Umwelt und Bildung e.V.
Storkower- 36, 15537 Gosen
T/F 03362/8432, www.umbi.de
Umweltämter der Bezirke siehe Gelbe
Seiten: Berlin-Service (vorn) oder
Telefonbuch: „Landesregierung Bezirksämter“ (grau) oder
www.berlin.de/verwaltungsfuehrer
Umweltbeauftragter der Ev. Kirche
Pfr. Reinhard Dalchow, Pufendorf- 11
10249 (Friedrichshain), T 526802128
F -29, rdalchow@t-online.de
Umweltberatungsstelle Berlin e.V.
Nikolsburger Pl. 6, 10717 (Wilmersdorf) T 8618778, F 8621885
Umweltbüro Berlin Pankow
Hansa- 182A, 13088 (Weißensee)
T 92091007 oder 92090480
F 92093007, umweltbuero@agrarboerse-ev.de
Umweltforum Berlin Auferstehungskirche Pufendorf- 11, 10249 (Friedrichshain), T 5268021-0, F -10
www.besondere-orte.de
Umweltforum Karlshorst c/o Warnheim, Heiligenberger - 12, 10318
(Karlshorst) T 5083266
UmweltKontaktstelle Lichtenberg am
Interkulturellen Garten, Liebenwalder
Str. 12-18, 13055 (Lichtenberg)
T 818590-98, F -97, umwelt@sozdia.
de, www.umwelt.sozdia.de
Umweltladen Lichtenberg Markt- 7
10317, T 55669587
Umweltladen Mitte
Karl-Marx-Allee 31, 10178 (Mitte)
T 901822081-22082
F 9019- 48822081
www.berlin.de/ba-mitte/org
umweltamt.uwl@ba-mitte.verwaltberlin.de
Urgewald e.V. Marien- 19/20
10117 (Mitte), T 28482271
www.urgewald.de
VCD - Verkehrsclub Deutschland
LandesGSt Yorck- 48 ,10965 (Schöneberg), T 4463-664 F -703
www.vcd-nordost.de
BundesGSt Wall- 58 (Mitte),
T 280351-0, www.vcd.org
VEBU (Vegetarierbund Deutschland)
BundesGSt Genthiner - 48
10785 (Schöneberg)
T 29028253-0, www.vebu.de
Regionalgruppe Ingo Seubert
T 34389159, www.berlin.vebu.de
Verbraucher Initiative Elsen- 106
12435 (Treptow), T 536073-3, F -45
www.verbraucher.org
Verbraucherzentrale Berlin Hardenbergplatz 2, 10623 (Charlottenb.)
T 214850, F 2117201
www.vz-berlin.de
Volksbund Naturschutz Königin-Luise- 6-8, 14195 (Zehlend), T 84107131
F 83229321, www.vbnev.de
WEED Weltwirtschaft, Ökologie
Entwicklung Eldenaer- 60
10247 (Friedrichshain), T 275-82163
F -96928, www.weed-online.org
Wurzelwerk e.V. Food-Coop Oder- 10
10247 (Friedrichshain), T/F 2941216
WWF Reinhardt- 14, 10117 (Mitte)
T 308742-0

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Tel. 44 33 91-47,-0
Fax -33
raberalf@grueneliga.de

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Bee `ne Biene- Sieh die Welt in blütenbunt!
Schreibwettbewerb für Kinder und Jugendliche
Ob mit Text, Comic, Sketch, Lied oder Gedicht: Mach mit und staub
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Auch für Bienen ist das Leben kein reines Honigschlecken.
Die Biene gilt weltweit als bedrohte Tierart.
Damit die Biene auch weiterhin die Blütenbestäuberin bleibt, soll sie bei
unserem Schreibwettbewerb für Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 15
Jahren im Mittelpunkt stehen.
Sendet uns eure Arbeiten bis zum 15. Mai 2016 per E-Mail an: konstantin.
petrick@grueneliga-berlin.de oder per Post an GRÜNE LIGA Berlin e.V.,
Prenzlauer Allee 8, 10405 Berlin.
Bitte beachtet, dass der Text maximal eine DIN-A4 Seite lang sein soll.
Die schönsten Ideen und Ergebnisse werden am 5. Juni 2016 auf dem Umweltfestival ausgezeichnet.
Weitere Informationen: www.umweltfestival.de/schreibwettbewerb-fuerkinder-und-jugendliche/

2016

28. Internationale Vitalkostmesse

9. + 10. April
FEZ-Berlin
...vegetarisch,
vegan &
rohköstlich

FEZ-Berlin
Straße zum FEZ 2
12459 Berlin (Wuhlheide)

Mit Vorträgen
zu Themen rund
um Rohkost
und Gesundheit

Weitere Infos unter:
www.rohvolution.de

Kräuterwandern
mit Elisabeth Westphal

in Berlin-Pankow

in Lobetal/Barnim

Sonntag, 17. April, 11.00 Uhr
Freitag, 22. April, 11.00 Uhr
Samstag, 7. Mai, 11.00 Uhr

Donnerstag, 5. Mai (Himmelfahrt), 10.45 Uhr
Sonntag, 8. Mai, 10.45 Uhr
Samstag, 14. Mai, 10.45 Uhr

Botanischer Volkspark Blankenfelde
Blankenfelder Chaussee 5, Berlin-Pankow
Treffpunkt: Gewächshaus
Anreise: Bus 107

Treffpunkt: Haltestelle Lobetal, Dorf (Wendeschleife)
Anreise: RE3, RB 60 oder S2 bis Bhf. Bernau
weiter mit Bus 903 (Richtung Marienwerder)
Abfahrt 10.20 Uhr, Bhf. Bernau, Steig A
Ankunft 10.36 Uhr, Lobetal Dorf (Wendeschleife)

Kosten: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro (Kinder und GRÜNE LIGA-Mitglieder)
Anmeldung erforderlich: Tel. 030-44 33 91 - 0
counter.berlin@grueneliga.de
        
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