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Full text: Landschaftspark ehemaliges Flugfeld Johannisthal/Adlershof

Liebe Berlinerinnen und Berliner,
in unseren Berliner Naturschutzgebieten lässt sich die Vielfalt und Schönheit der Natur auf besondere Weise erleben. Zusammen ergibt sich das Bild der für unsere Region charakteristischen Lebensräume und Artenvielfalt. Mit unserer Faltblattserie zu den Schutzgebieten laden wir Sie zu einem erlebnisreichen Besuch der Natur-Vielfalt Berlins ein.

Das Flug- und Bodenpersonal
Michael Müller Senator für Stadtentwicklung und Umwelt
Von oben nach unten: Seidenbiene Mauerbiene Natternkopf

Für die Entwicklung und Erhaltung des Landschaftsparks engagiert sich auch ein Förderverein. Informationen über seine Arbeit finden Sie unter: www.foerderverein-landschaftspark.de Redaktion: Katrin Heinze, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt – Abteilung I / Referat Naturschutz, Landschaftsplanung Bearbeitung und Text: Freilandlabor Britz e.V. Karte: piekart e.K., Berlin Gestaltung: Konrad Zwingmann, alias.medienproduktion Titelfoto: Feldlerche

Mehr über Naturschutz in Berlin und die Schutzgebiete erfahren Sie im Internet unter: www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/ oder in der im Buchhandel erhältlichen Publikation natürlich Berlin! Naturschutz- und Natura 2000-Gebiete in Berlin Bezirksamt Treptow-Köpenick Umwelt- und Naturschutzamt Rinkartstr. 13, 12437 Berlin Tel.: 030 / 9 02 97-0 Fotos: Adlershof Projekt GmbH, Bellmann, bgmr, Brandt, Freilandlabor, GSBL, FotoNatur/Morsch, Machatzi, Michalek, linnea-images (Nill, Vorholt), Tadesse, Wachmann, Wagner, Westrich

Kommunikation Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin broschuerenstelle@senstadtum.berlin.de

Im Sommer herrscht hier immer noch ein reger Flugbetrieb durch eine große Vielfalt an Schmetterlingen, Bienen und Wespen. Etwa 170 Bienen- und 190 Stechwespenarten sind im Naturschutzgebiet nachgewiesen, davon sind 40 Arten nach der Roten Liste der gefährdeten Tierarten Berlins als stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht eingestuft. Grabwespen, Sand- und Wollbienen sind nur einige Vertreter der großen Gruppe der Hautflügler. Die offenen Sandflächen werden von ihnen gerne als Brutraum genutzt. Das vielfältige Blütenspektrum bietet einen reich gedeckten Tisch an Nektar und Pollen. Es gibt sogar einige Arten, die sich auf bestimmte Pflanzen beim Pollenerwerb spezialisiert haben. So besucht die Mauerbiene Osmia adunca nur die Blüten des Natternkopfes und die Maskenbiene Hylaeus signatus nur die der Resede. Für die Wespen stellt das Insekten- und Spinnenvorkommen in diesem Gebiet ein reichhaltiges Nahrungsangebot dar.

Von oben nach unten: Blutströpfchen und Grünwidderchen Bläuling Zebraspringspinne Grünes Heupferd

Die Vielfalt der Nektarquellen und Futterpflanzen nutzen auch ca. 160 Großschmetterlingsarten, darunter Bläulinge, Schachbrettfalter und Schwalbenschwanz. Ebenso leben viele Spinnen-, Käferund Heuschreckenarten in diesem Areal, trotz oder gerade wegen der oft extremen Lebensbedingungen. Nahezu 100 Laufkäferund 170 Spinnenarten wurden im Naturschutzgebiet gefunden, darunter zahlreiche gefährdete Arten. Spinnen bauen Fangnetze, lauern in Verstecken auf Nahrung oder jagen direkt ihrer Beute nach. Gut zu beobachten ist die Zebraspringspinne, die zwischen den Steinen der Gabionen auf Insektenjagd geht. Im Hoch- und Spätsommer ist überall das Zirpen von Heuschrecken zu hören. Das Grüne Heupferd und der Warzenbeißer ernähren sich vorwiegend von Insekten, während der Nachtigall-Grashüpfer ein Pflanzenfresser ist.

Flugkünstler der Natur
Von oben nach unten: Haubenlerche Feldlerche Grauammer Braunkehlchen

Zu den heutigen Flugkünstlern im Landschaftspark zählen vor allem die Lerchen, deren Vorkommen ein wesentlicher Grund für die Festsetzung als Naturschutzgebiet war. Der Landschaftspark zählt zu den drei wichtigsten innerstädtischen Brutarealen Berlins. Von März bis Oktober kann man Feldlerchen, aber auch Hauben- und Heidelerchen hier beobachten und ihrem Gesang in der Luft lauschen. Die Lerche findet in dem weiträumigen Areal hervorragende Brutbedingungen. Bedeckt mit Halmen und Grasbüscheln liegen die Gelege der bodenbrütenden Vögel , gut versteckt am Boden. Auch die braun gefleckten Eier und das graubraune Gefieder des Altvogels stellt eine hervorragende Tarnung dar. Als typische Bodenbrüter nutzen die in Berlin relativ seltenen Rote Liste Arten Grauammer, Brachpieper und Braunkehlchen das Naturschutzgebiet.

Von oben nach unten: Dohle Turmfalke Steinschmätzer Stieglitz

In den Hohlräumen der Steinhaufen und Gabionen richten Steinschmätzer und Bachstelze ihre Nistplätze ein und in den mit Gehölzen durchsetzten Bereichen leben Girlitz, Bluthänfling, Dorn- und Klappergrasmücke. Zwischen 1991 und 2006 konnten 44 Brutvogelarten nachgewiesen werden, davon zählen ca. 30 zu den regelmäßigen Brutvögeln und 11 Arten stehen auf der Liste der gefährdeten Tierarten in Berlin. Neben den Brutvögeln nutzen auch andere Vogelarten das reichhaltige Nahrungsangebot. Finkenvögel wie der Stieglitz suchen hier nach Samen, Ansammlungen von Staren, Dohlen und Saatkrähen nach Würmern und Insekten. Mehl- und Rauchschwalben jagen durch den Luftraum. Der Turmfalke ist häufig auf der Jagd nach kleinen Vögeln und Mäusen anzutreffen. Sein typischer, ausspähender Rüttelflug lässt ihn am Himmel gut erkennen. Das Gebiet dient auch durchziehenden Arten als Rastplatz.

Natur

Landschaftspark ehemaliges Flugfeld Johannisthal/Adlershof

Stand: 2014

Der Landschaftspark
Wo heute im Sommer der Gesang der Lerchen zu hören ist, herrschte vor fast hundert Jahren ein reger Flugbetrieb. Der Flugplatz Johannisthal, 1909 eröffnet, war der erste Motorflugplatz Deutschlands. Seit über 50 Jahren hat jedoch die Natur einen Teil dieses Gebietes erobert, wenn auch die frühere Nutzung die Landschaftsstruktur stark beeinflusst hat. Hier entstand ein steppenartiger Lebensraum mit einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt. Heide-Nelke und Sand-Strohblume wachsen hier, Lerchen, Steinschmätzer und Braunkehlchen nutzen das Gelände als Brutgebiet. Viele Insektenarten, vor allem Bienen und Wespen finden ein reichhaltiges Blütenspektrum. Im Rahmen der Entwicklung des Stadtteils Adlershof als Standort für Wissen-

Der Landschaftspark in der Wirtschafts- und Wissenschaftsstadt Adlershof

schaft, Technologie und Medien wird seit 1996 der Landschaftspark realisiert, der die verschiedenen Ansprüche Naturschutz, Spiel und Erholung in Einklang bringen soll. Die Gestaltkonzeption für den 65 ha großen Landschaftspark sieht dafür eine dreiteilige Zonierung vor: Im Zentrum liegt das Naturschutzgebiet, ein Teil des ehemaligen Flugplatzes, mit einer Größe von ca. 26 ha. Begrenzt wird es von Steinmauern, den Gabionen. Um das Naturschutzgebiet führt ein Rundweg, der teilweise erhöht ist und den Ausblick über das weite Gelände ermöglicht. Informationstafeln entlang des Weges geben eine Einführung in die Geschichte, Flora und Fauna des Gebietes. Ein Ring von ca. 30 „Stadtkammern“ stellt den Aktivpark dar. Für Spiel und Sport stehen Skaterbahn, Beach-Volleyballfeld und Spielwiesen zur Verfügung. Liegewiesen und „Kammern“ mit naturnahem Charakter sind der Entspannung und Naturentdeckung vorbehalten. Die „grünen Fugen“ im Nordosten, Nordwesten und Süden bilden die Zugangsbereiche zum Landschaftspark und zusammen mit dem Aktivpark das Landschaftsschutzgebiet.

Das Zentrum der „Aviatik“
Von oben nach unten: Rumplertaube Rumplerwerke Fluggerät Himmelstreppe Melli Beese Otto Lilienthal

Der Flugplatz Johannisthal war Anfang des 20. Jahrhunderts das europäische Zentrum der „Aviatik“, wie früher die Luftfahrt genannt wurde. Hier wurden Flugapparate entwickelt, Fliegerschulen und Werkstätten eingerichtet. Namen von Flugpionieren wie Ernst Grade und Melli Beese verbinden sich mit diesem Standort. Auch die Flugzeugkonstrukteure Anthony Fokker, Edmund Rumpler und die Gebrüder Wright hatten hier ihre Werke. Ab 1913 diente der Flugplatz militärischen Zwecken, wie auch die Werkstätten Kriegsgerät produzierten. Nach dem 1. Weltkrieg kamen Flugplatzbetrieb und Produktion durch Auflagen der Versailler Verträge fast zum Erliegen. Der zivile Flugverkehr bestand bis 1923 und wurde dann nach Tempelhof verlegt. Die Entwicklung der Luftfahrttechnik in Johannisthal gewann erneut 1932 an Bedeutung: In den nachfolgenden Jahren stand sie jedoch mehr und mehr im Dienst der Aufrüstung. 1945 bis 1952 wurde der Flugplatz von der Russischen Armee genutzt. Der Flugplatzbetrieb endete und das Gelände diente militärischen Zwecken bis Ende der 80er Jahre.

Die seltene Pflanzenwelt der Trockenrasen
Extreme klimatische Bedingungen mit großen Unterschieden zwischen Tag- und Nachttemperaturen, hoher Lufttrockenheit und häufige Winde prägen das Gebiet. Der Boden besteht im Untergrund aus feinem, nährstoffarmen Talsand des Berliner Urstromtales. Die oberen Bodenschichten haben sich durch die Nutzung des Geländes stark verändert. Doch ist der Boden überwiegend nährstoffarm, so dass sich unter diesen Voraussetzungen ein steppenähnlicher Lebensraum mit Sandtrockenrasen entwickeln konnte. 245 Wildpflanzenarten wachsen im Naturschutzgebiet. Darunter gibt es gefährdete Arten wie Zwerg-Schneckenklee, Wiesen-Salbei, Heide-Nelke, Sand-Strohblume und Rispen-Flockenblume. Neben den heimischen Pflanzen sind hier auch botanische Einwanderer wie die Russische Hundskamille zu finden. Einige hier vorkommende Pflanzenarten haben besondere Mechanismen entwickelt, um die trockene, heiße

Von oben nach unten: Sandtrockenrasen Russische Hundskamille Heide-Nelke Gemeine Grasnelke mit nektarsaugendem Bienenwolf

Von oben nach unten: Landschaftspflege durch Beweidung Nachtkerze Mauerpfeffer Skabiosen-Flockenblume

Sommerzeit zu überstehen. So speichert beispielweise der Mauerpfeffer Wasser in seinen Blättern und die Königskerze schützt sich vor der großen Verdunstung durch dicht behaarte Blätter. An nährstoffreicheren Standorten wachsen Pflanzen der Ruderalflur. Rainfarn, Natternkopf, Schafgarbe und die Skabiosen-Flockenblume blühen hier bis in den Herbst und stellen ein reiches Nahrungsangebot für die Tierwelt dar. Für die Erhaltung dieser Pflanzengesellschaften bedarf es einer besonderen Pflege. Im Rahmen eines sog. „Biomonitorings“ wird die Entwicklung der Flora und Fauna in diesem Gebiet regelmäßig beobachtet und basierend auf dessen Ergebnis werden Pflegemaßnahmen festgelegt. Wie bei dem früheren Flugbetrieb muss auch jetzt der Aufwuchs von Bäumen, Sträuchern und wuchsfreudigen Kräutern in Grenzen gehalten werden. Auf bestimmten Flächen werden Schafe zur Beweidung eingesetzt.
        
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