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Periodical volume

Full text: Fachbrief Interkulturelle Bildung und Erziehung Issue 21.2016

April 2016

Fachbrief
Interkulturelle Bildung und E rziehung
Nr. 21

Inhalt


Einblicke in „Bilder von mir, von dir, von uns“ - eine deutsch-französische
Jugendbegegnung

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

Interventionen - refugies in arts and education

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

Interkulturelle Kompetenzvermittlung durch IKUS (Interkulturelles Lernfeld
Schule)

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Mete-Ekşi-Preis 2015 verliehen

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

Mete-Ekşi-Preis 2014: Preisträgerklasse aus der Sternberg-Grundschule
stellt ihre Projekte vor

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Weltliteratur für junges Publikum

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Initiative „Kultur öffnet Welten“

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

Information und Materialien für Lehrkräfte

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Ihre Ansprechpartnerin in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft:
Diemut Severin, Tel. 030 90227-6185, E-Mail: diemut.severin@senbjw.berlin.de
Ihr Ansprechpartner im Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM):
Michael Rump-Räuber, Tel. 03378 209-413, E-Mail: michael.rump-raeuber@lisum.berlin-brandenburg.de
Redaktion: Maja von Geyr, Tel: 90227-5494; E-Mail: maja.geyr@senbjw.berlin.de
Diesen Fachbrief finden Sie auch auf unserer Homepage unter:
http://www.berlin.de/sen/bildung/schule/foerderung/sprachfoerderung/fachinfo/ (Sprachförderung- Fachinformationen für Schulen) oder direkt unter:
http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/unterricht/fachbriefe-bln/fachbriefe-uebergreifend/fachbriefeinterkulturelle-bildung-und-erziehung/

Fachbrief Interkulturelle Bildung und Erziehung Nr. 20

April 2016

Beispiel für eine schulisch-außerschulische Kooperation mit internationalem Partner

Einblicke in „Bilder von m ir, von dir, von uns“ - eine deutschfranzösische Jugendbegegnung
Simon Klippert (Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli), Lilo Martens und Maja von Geyr (SenBJW)

„Wir wollen unbedingt nach Paris!“ - so forderte der Französischkurs der 11. Klasse bereits zu
Beginn des Schuljahres. Mit einem Haufen energetischer Sprachanfängern nach Frankreich?
Als ihr Französischlehrer wollte ich die Begeisterung meiner Schülerinnen und Schüler gerne
aufnehmen, allerdings zu meinen Bedingungen: Nicht nur Croissant, Baguette und Selfies vor
dem Eiffelturm - so die Vorstellungen meiner Truppe. Ich bestand auf einem inhaltlichen
Austausch und Begegnung mit gleichaltrigen Jugendlichen in ähnlichen Lebenssituationen,
nur halt in Frankreich. Es entstand das Projekt „Bilder von mir, von dir, von uns“...

Basisinform ationen
Zum Projekt: Beim Projekt „Bilder von mir, von dir, von uns“ handelt es sich um ein
schulisch-außerschulisches Kooperationsprojekt zwischen der Gemeinschaftsschule auf dem
Campus Rütli, dem Berliner Arbeitskreis für politische Bildung „bapob e.V“ und der
französischen Partnerorganisation „A Coup de Zik“ aus der Pariser Banlieue. Die erste
Jugendbegegnung fand vom 15.-21. Juni 2015 in Berlin statt. Im Fokus stand der
interkulturelle Austausch zwischen Schülerinnen und Schülern der Gemeinschaftsschule und
Jugendlichen aus der Pariser Banlieue, die sich anhand der Methode der Fotografie mit ihrer
eigenen Identität und den Identitäten der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer
auseinandersetzten. Nach einer Einführung in die Fotografie führten Erkundungstouren in die
Lebenswelten der Berliner Schülerinnen und Schüler, durch ihre Schule, ihren Kiez NordNeukölln und darüber hinaus. Die Bilder wurden im Laufe der Begegnung besprochen und
reflektiert, vorhandene Stereotypen über Frankreich, Deutschland und auf interpersonaler Ebene
diskutiert und schließlich in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert.
Zu den Rahmenbedingungen: Das Projekt wurde durch das Programm FOKUS für schulischaußerschulische Kooperation des Deutsch-Französischen Jugendwerkes (DFJW) gefördert. Die
Schülerinnen und Schüler mussten einen geringen Teilnahmebeitrag selbst aufbringen.
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Fachbrief Interkulturelle Bildung und Erziehung Nr. 20

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Partnerorganisationen: Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli, Berliner Arbeitskreis für
politische Bildung (bapob e.V.), „A Coup de Zik“ (französischer Verein im Bereich der
kulturellen Bildung), das Quartiersmanagement Reuterplatz und die Galerie ORI für die
Ausstellung der Projektergebnisse
Leitungsteam: Simon Klippert (Campus Rütli), zwei Gruppendolmetscherinnen bzw.
Sprachanimateurinnen des „bapob e.V.“ und eine professionelle Fotografin, sowie die
Betreuerinnen und Betreuer der französischen Jugendlichen
Teilnehmende: 30 Jugendliche aus Berlin und Champs-sur-Marne zwischen 16 und 18 Jahren:
Sie
stammen überwiegend aus Familien mit Migrationshintergrund in urban-prekären
Situationen. Jungen und Mädchen werden zu gleichen Teilen berücksichtigt.
Unterbringung: Während des Projektes wurden alle Teilnehmenden gemeinsam in der
Jugendbegegnungsstätte „Spreeinsel“ (Halbinsel Stralau) untergebracht.

Interv iew m it Sim on Klippert (SK)
Das Interview führten Maja von Geyr (MG) und Lilo Martens (LM)

LM: Herr Klippert, das Austauschprojekt „Bilder v on mir, v on dir, v on un s“ basiert
auf der Kooperation v on Schule mit einem außerschulischen Partner (bapob e. V.).
Das könnte das Vorhaben kompliziert gemacht haben. Worin sehen Sie den
Gew inn?
SK: Ich will das ganz unumwunden sagen: So ein Austauschprojekt braucht eine Menge
Energie für Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung. Und gerade weil viele Akteure
mit im Boot sitzen - wir hatten noch den französischen Partner -, war es für mich als
begleitende Lehrkraft eine enorme Entlastung, mit dem „bapob e.V.“ einen außerschulischen
Partner dabei zu haben, der mich unheimlich entlastet hat.
Wovon wir in der Schule auch profitiert haben, war, dass die Kolleginnen und Kollegen vor
dem Projektstart zu uns in die Schule gekommen sind, um unsere Schülerinnen und Schüler
kennenzulernen und Erwartungen abzufragen. Und ich konnte den bevorstehenden Austausch
gut in meinen Unterricht einbauen: Wir haben ein kleines Portfolio erstellt, eine Rallye durch
die Schule vorbereitet, vorher eine Facebook-Gruppe mit den Jugendlichen aus Frankreich
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Fachbrief Interkulturelle Bildung und Erziehung Nr. 20

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eröffnet... und ich konnte mir einige Methoden der Kolleginnen und Kollegen aus dem
außerschulischen Bereich abgucken.
Auch aus der Sicht der Schulleitung, die ja nur einen einzigen Kollegen freistellen musste, war
diese Kooperation von Vorteil - „minimal-invasiv“ für die Abläufe an der Schule und dennoch
mit großem Effekt. Wir haben übrigens vor dem Projekt einen Kooperationsvertrag mit dem
außerschulischen Partner unterzeichnet, der die Zuständigkeiten klar regelt. Das hat allen Seiten
auch eine gewisse Sicherheit gegeben, gerade weil es sich um ein ungewöhnliches Modell
handelt.
MG: Ihre eigene Französischklasse brachte nur Anfängerkenntnisse in der Sprache
der Gäste mit, die Gäste w iederum v erfügten über keinerlei Deutschkenntnisse. Wie
w ar die sprachliche Kommunikation m öglich?
SK: Gute Frage. Das Projekt hatte ja vor allem einen Zuwachs der interkulturellen Kompetenz
im Visier. Aber natürlich haben meine Schülerinnen und Schüler auch auf der sprachlichen
Ebene einiges dazugelernt - das bleibt ja nicht aus, wenn man eine ganze Woche lang
zusammen verbringt. Besonders schön fand ich aber auch, dass die Jugendlichen ihre
muttersprachlichen Kenntnisse in Türkisch und Arabisch nutzen konnten - der Spracherwerb im
Französischen wird jedoch bei der Rückbegegnung in Paris mehr im Fokus stehen.
MG:
Das
klingt
nach
einer
sehr
begrüßensw erten
Aufw ertung
des
gesamtsprachlichen Potenzials Ihrer Schülerinnen und Schüler in authentischen
Sprachsituationen.
SK: Unbedingt! Aber eine Wertschätzung ihrer Kompetenzen erfuhren die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer nicht nur in der Rolle des Sprachmittlers. Im Rahmen des Projektes sollten sie an
ihre Lebenswelt in ganz authentischer Weise anknüpfen und ihre Kompetenzen und
Lebenserfahrung einbringen. Sie waren Gastgeber in der Schule, Gästeführer durch Stadt und
Kiez wie auch Guides während der Vernissage, um neugierigen Besucherinnen und Besuchern
ihre Bilder zu erklären und Fragen zum Projekt zu beantworten, wie es kein anderer besser
vermocht hätte. Das stärkt das Selbstbewusstsein enorm.
LM: Die Einbindung des Projekts in das Einzugsgebiet des Campus Rütli w ar Teil
Ihres Konzepts. Wie w ar die Resonanz auf die schon erw ähnte Vernissage in der
Galerie ORI m it beeindruckenden Fotos als Dokumentation der Workshop -Produkte?
SK: Die Vernissage war ein ganz besonderer Moment. Die Schülerinnen und Schüler standen
zwischen den von ihnen gemachten Bildern in einer kleinen Neuköllner Galerie mitten im Kiez,
die sie unter anderen Umständen wahrscheinlich nie betreten hätten. Und nun waren sie die
Hauptfiguren! Sie haben den Moment dazu genutzt, sich mit warmen Worten bei den
französischen Gästen zu bedanken - und hinterher wurde zusammen getanzt. Die Galerie war
also voller Leben. Es kamen auch einige interessierte Besucherinnen und Besucher aus dem
Kiez, aus der deutsch-französischen Welt Berlins und aus der Schule. Dadurch, dass die
Ausstellung noch ein paar Tage stehen bleib, konnten auch andere Klassen die Ausstellung
besuchen - sie war direkt um die Ecke.
LM: Inw iefern diente dieses interkulturelle Austauschprojekt auch dem
Schulentw icklungsprozess? Inw iew eit w ar das Kollegium überhaupt eingebunden?
SK: Wir mussten im Vorfeld genau absprechen, wann es sich anbietet, das Projekt
durchzuführen. Nachdem wir einen passenden Termin gefunden hatten, habe ich versucht,
meine Kolleginnen und Kollegen auf dem Laufenden zu halten und einzubinden: Manche
haben sich bereit erklärt, einige Schülerinnen und Schüler aus Frankreich für eine Stunde in
ihrem Unterricht aufzunehmen, andere sind zur Vernissage gekommen oder haben die
Ausstellung anschließend mit ihren Klassen besucht. Und natürlich gab es noch eine Menge
Unterstützung aus dem Fachbereich Französisch - die Kolleginnen und Kollegen haben mir den
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Fachbrief Interkulturelle Bildung und Erziehung Nr. 20

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Rücken freigehalten und mich toll unterstützt. Im Anschluss gab es auch eine Menge positive
Rückmeldung von der Schulleitung.
MG: Lehrkräfte, die internationale Austauschprojekte planen, sehen sich oft mit
finanziellen Problemen und mit Vorbehalten seitens der Eltern konfrontiert. Hatten
Sie damit zu kämpfen?
SK: Das ging bei uns ganz gut: Manche Eltern, vor allem die der Mädels, mussten erst
überzeugt werden, gerade was die gemeinsame Unterbringung anging - am Ende konnten alle
mit! Die Finanzierung hat bei vielen Schülerinnen und Schülern das Jobcenter übernommen, bis
auf eine kleine Ausnahme lief auch das problemlos.
LM: Sie hätten Unterbringungskosten sparen können, w enn nur die Gäste in der
Jugendherberge untergebracht oder in Gastfamilien aufgenommen w orden w ären.
SK: Na ja, das mit den Gastfamilien ist bei uns im Kiez nicht so einfach. Die Familien meiner
Schülerinnen und Schüler haben wenig oder keine Erfahrung in dieser Hinsicht oder manchmal
auch einfach keinen Platz, um jemanden aufzunehmen. Zudem sahen die Richtlinien des DFJW,
unseres Fördergebers, eine gemeinsame Unterbringung vor. Für die Gruppendynamik, gerade
auch in informellen Momenten, war dies sicherlich ein großer Vorteil.
MG: Interkulturelle Bildung dient unter anderem dem Abbau v on Vorurteilen und
Hinterfragen v on Stereoty pen. Welche Lernprozesse konnten Sie bei den
Jugendlichen diesbezüglich feststellen?
SK: Meine Schülerinnen und Schüler kommen nicht aus klassischen, sagen wir mal
bildungsbürgerlichen Haushalten, nur drei von ihnen waren zuvor schon mal in Frankreich
gewesen, niemand hatte jemals an einem Austauschprojekt teilgenommen. Und was ihnen
sonst in der Schule eher zum Nachteil gereicht, hat sich hier ganz positiv bemerkbar gemacht:
Sie sind wirklich relativ unvoreingenommen und mit wenig gefestigten Vorurteilen in diese
Begegnung gegangen. Und die wenigen Stereotypen, die sie mitbrachten, hatten sich dann
schon nach sehr kurzer Zeit erledigt: Die Distanzlosigkeit meiner Schülerinnen und Schüler, die
in der Schule auch immer wieder Probleme mit sich bringt, war für solch einen Austausch
wirklich Gold wert. Und die französischen Jugendlichen waren allesamt sehr positiv überrascht
von der Herzlichkeit, die ihnen hier begegnete.
LM: Äußern Ihre Schülerinnen und Schüler Ängste bezüglich der Rückbegegnung in
Paris, w enn sie ihren v ertrauten Kiez v erlassen und in die Gastrolle schlüpfen
w erden?
SK: Zunächst muss ich sagen, dass sie ihrer Gastgeberrolle hier wirklich hervorragend
nachgekommen sind! Für viele wird es in Paris dann aber tatsächlich das erste Mal sein, dass
sie eine pädagogisch begleitete Reise in ein anderes Land unternehmen. Selbst, wenn sie jetzt
alle behaupten, dass sie keinerlei Ängste hätten, bin ich mir sicher, dass die hochsteigen
werden, kurz bevor es losgeht. Aber: Die bereits geknüpften Bünde nach Frankreich werden
ihnen sicherlich einiges davon nehmen können. Ich finde es deshalb gut, dass wir den ersten
Teil des Austausches hier bei uns in Berlin gemacht haben.
MG: Stimmt, zuerst in der Gastgeberrolle zu sein , bietet etw as mehr Sicherheit und
ist insofern v on Vorteil. Würden Sie im Nachhinein etw as anders m achen?
SK: Ich muss sagen, es war ein sehr komplexes Projekt. Es war schon richtig anstrengend, erst
recht mit 30 oftmals ziemlich lauten Jugendlichen (lacht). Beim nächsten Mal würde ich
deshalb vielleicht die Anzahl der teilnehmenden Jugendlichen verringern, um noch intensiver
und tiefer in die inhaltliche Auseinandersetzung gehen zu können. Dieses Projekt war ja ein
erster Versuch - und damit nur der Anfang...

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LM: ... zumal das Projekt zum jetzigen Zeitpunkt unseres Interv iew s ja noch nicht
beendet ist. Was ist Ihr spezieller Wunsch für die Rückbegegnung?
SK: Bleibt zu hoffen, dass auch die Rückbegegnung uns einen intensiven Austausch jenseits
von Croissants, Baguettes und Eiffelturm ermöglichen wird.
LM und MG: Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihre Paris -Fahrt.

Bei Rückfragen zu schulisch-außerschulischen Kooperationsprojekten mit der internationalen
Jugendarbeit können Sie sich an Simon Klippert wenden: simon.klippert@gmail.com

Interventionen - refugees in arts and education
Rückblick auf das Festival Interventionen 2015
Die Interventionen 2015 fanden vom 11.-13. Juni 2015 statt und wurden von Kulturprojekte
Berlin veranstaltet. Die Interventionen wurden gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) sowie von der Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten.
Die Kooperationspartner waren: AlarmTheater (Bielefeld) / AWO Landesverband Berlin e.V. /
Berlin Mondiale / Bernadette La Hengst / boat people project ( Göttingen) / GRIPS Theater /
Hajusom (Hamburg) / Heinz Ratz (Kiel) / Jugendliche ohne Grenzen / Jugendtheaterbüro –
Refugee Club Impulse / Peter Fox + BÄM! Drumline / Ratschlag Kulturelle Vielfalt (Stuttgart) /
zakk (Düsseldorf) und viele andere.
Die Interventionen 2015 beinhalten eine dreitägige Veranstaltung von bundesweiter Relevanz,
die sich mit kultureller Bildung von und mit Geflüchteten beschäftigte. Es gab eine OpenStage-Revue als Festivalauftakt, eine überwiegend von den Jugendlichen ohne Grenzen moderierte Tagung und einen Festivaltag, bei dem sich unterschiedlichste Projekte aus dem ganzen
Bundesgebiet in Form von Arbeitsproben, Lecture Demonstrations und durch WorkshopErgebnisse präsentierten. So bot jeder Tag mit einem unterschiedlichen Veranstaltungsformat
vielfältige Möglichkeiten für Austausch und Begegnung mit Menschen mit und ohne Fluchthintergrund, um gemeinsam an Formen des zukünftigen gesellschaftlichen Miteinanders zu arbeiten.
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Von Anfang an ging es bei der Planung der Veranstaltung vor allem darum, einen weitgehend
ergebnisoffenen, prozessorientierten Raum anzubieten, in dem nicht übereinander, sondern
miteinander gesprochen wird. Es galt, möglichst unterschiedliche Menschen mit und ohne
Fluchthintergrund zusammenzubringen, die mittels Projekte der kulturellen Bildung auf vielfältigste Weise damit beschäftigt sind, den Alltag von und mit Geflüchteten stetig weiter zu
normalisieren. Vor diesem Hintergrund wurde die Tagung maßgeblich von Jugendlichen moderiert, die selbst eine Fluchtgeschichte haben. Darüber hinaus wurde kein Projekt nur von denjenigen präsentiert, die es konzipiert oder realisiert hatten. Um Sprachbarrieren zu überwinden,
wurden die gesamten Interventionen zweisprachig in Deutsch und Englisch angelegt. Zusätzlich
waren Sprachmittler für Arabisch, Farsi und Französisch im Einsatz.
Rückblickend ist es den Interventionen gelungen, einen Rahmen zu bieten, in dem sich Menschen mit und ohne Fluchthintergrund aus Kunst und Kultur, Verwaltung, Bildung- und Sozialarbeit, Flüchtlingsinitiativen und Kirche begegneten, wodurch viel mehr Gemeinsamkeiten als
Unterschiede festgestellt und gemeinsame Aufgaben- und Tätigkeitsfelder diskutiert werden
konnten. Vor diesem Hintergrund wurde im Abschlussplenum gefordert, dass eine Austauschplattform wie die Interventionen im Themenfeld von kultureller Bildung mit Geflüchteten unbedingt etabliert werden müsse. Darüber hinaus wurden eine weiterführende Vernetzung der
Anwesenden wie auch regelmäßige Formate für Austausch und Begegnung empfohlen.

Foto: Gianmarco Bresadola

Ankündigung Interventionen 2016: 2. bis 4. Juni 2016, Podew il Be rlin
Die Interventionen werden im Juni 2016 zum zweiten Mal eine Bühne für diejenigen bieten,
die kulturelle Begegnungen und Projekte mit und von Geflüchteten im Kontext von Willkommensklassen, Geflüchtetenunterkünften und -initiativen, Kultureinrichtungen oder Verwaltungen
ermöglichen. Akteure mit und ohne Fluchtgeschichte aus ganz Deutschland werden sich begegnen und an zukunftsfähigen Perspektiven von kultureller Bildungsarbeit mit Geflüchteten
arbeiten.
Das Ziel ist, alles Erdenkliche zu tun, um die Realitäten von Geflüchteten in unserer Gesellschaft mit den Möglichkeiten kultureller Bildung zu einem gemeinsamen Thema zu machen.
Jugendliche und junge Erwachsene mit oder ohne Fluchthintergrund sind dabei ausdrücklich
eingeladen, sich einzubringen.
Mehr zu Interventionen befindet sich auf Projektwebseite: http://www.interventionen-berlin.de/
Kontakt: Moritz von Rappard
E-Mail: m.v.rappard@kulturprojekte-berlin.de
Tel.: 030 - 247 49-802
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Interkulturelle Kom petenzverm ittlung durch IKUS (Interkulturelles
Lernfeld Schule)
IKUS ist ein Kooperationsprojekt von Schulen mit Organisationen und Fachkräften der „Internationalen Jugendarbeit“ (IJA) als Partner der Jugendhilfe, das 2009 erfolgreich in NRW, vornehmlich in (nichtgymnasialen) Schulen der Bezirksregierung Köln gestartet wurde und mittlerweile Pilotumsetzungen in anderen Bundesländern durchführt. Im Mittelpunkt des Projektes
steht die Vermittlung von interkultureller Kompetenz.
Eckpfeiler des IKUS-Projekts sind:
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Gemeinsam entwickelt die jeweilige Schule mit einem Partner aus der internationalen/interkulturellen Jugendarbeit interkulturelle Schwerpunkte, die für das Schulleben
dieser Schule von Bedeutung sind; kulturübergreifende Elternarbeit, interkulturelle Projekttage, Lehrkräfteberatung und -qualifizierung, Mitgestaltung der Ganztagskonzeption,
Unterrichtselemente und neue Klassenfahrtkonzepte sind einige der Schwerpunkte, die
erfolgreich über IKUS umgesetzt wurden.
Mit Hilfe der Experten aus der Jugendarbeit setzen die Schulen diese in Form von Modulen um, zugeschnitten auf den Bedarf und die aktuellen Möglichkeiten der Schule.
Gemeint sind hier nicht klassische Bildungsmodule im Sinne von Unterrichtseinheiten,
sondern es sollen Module für die dauerhafte und nachhaltige interkulturelle Identitätsentwicklung der Jugendlichen entwickelt werden.
Zielgruppen sind jedoch nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern ebenfalls Lehrkräfte, sonstiges pädagogisches Personal und Eltern.

Die Inhalte der Module sind vielfältig - genauso wie ihre Umsetzung, da sie individuell für jede
Schule konzipiert werden. Das gewählte Medium zur Vermittlung der Inhalte ist oft aus den
Bereichen Tanz, Malerei oder Theater. Hier einige Beispiele:
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„Interreligiöse Kompetenzen“ - Besuch großer Gotteshäuser mit Eltern, Schülerinnen
und Schülern
„Lehrerfortbildung interkulturelles Konflikttraining“
„Tanz-Projektwoche“ - Tanzen verbindet
„Interkulturelle Projekttage für Schülerinnen und Schüler in Internationalen Förderklassen“
„Workshop zur Implementierung eines Türkeiaustausches“
„Fortbildung Eltern-Gesprächsführung“
„Mobbing? Es geht auch anders“ - Jugendworkshop zu Mobbing und Ausgrenzung
(Theaterpädagogik)
„Graffiti - ein Zeichen setzen und gesehen werden“ - gestalterische Auseinandersetzung
und Umsetzung von eigenen und fremden Zeichen/Symbolen

Haben Sie Interesse an IKUS? Dann wenden Sie sich an:
Dr. Werner Müller
Tel.: 0221 - 95 92 190
E-Mail: werner.mueller@transfer-ev.de

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Mete-Ekşi-Preis 2015 verliehen
Am 14. November 2015 wurde zum 24. Mal der Mete-Ekşi-Preis zur Förderung eines friedlichen Zusammenlebens von Kindern und Jugendlichen verliehen. Zwei gleichrangige Preise, dotiert mit 1.500,-€, erhielten die Klassen 4a, 5a und 6a der Teltow-Grundschule für das Musikund Tanztheater „Muhammads Leben“ und die männliche A - und B - Jugend der SG VfB
Hermsdorf - TV Waidmannslust für das Projekt „Integration durch Sport“.
Das Ziel des Projektes „Muhammads Leben“ war es, Schülerinnen und Schülern, Eltern und
dem pädagogischen Personal Ideen des Islam auf unterhaltsame Art und Weise näher zu bringen und dadurch bessere Verständigung zu erzielen.
Das Projekt „Integration durch Sport“ strebte besserer Integration von Flüchtlingskindern und
-jugendlichen durch Handball. Dabei ging es nicht nur um sportliche Aktivitäten: Kindern und
Jugendlichen wurden über Sport wichtige Regeln und Werte vermittelt. Der Verein setzte sich
im Rahmen dieses Projektes über bürokratische Hindernisse hinweg und ließ die Flüchtlingskinder und - jugendliche ohne offizielle Anmeldung und Mitgliedschaft mitspielen.

Mete-Ekşi-Preis 2014: Preisträgerklasse aus der St ernbergGrundschule stellt ihre Projekte vor
von Ayfer Sever

In der Sternberg-Grundschule werden regelmäßig Projekte gegen Ausgrenzung und
Diskriminierung durchgeführt. Frau Ayfer Sever, Lehrerin an der Schule und Beraterin für
Interkulturelle Bildung und Erziehung, stellt einige Projekte vor:
Grundsätzlich empfinden wir an der Sternberg-Grundschule kulturelle Unterschiede und die
damit verbundene Andersartigkeit als eine große Bereicherung. Wir sind alle Berliner, wir alle
leben in dieser Stadt, bestreiten hier unseren Alltag. Sie ist unsere Heimat. Natürlich geht es
nicht darum, die eigene Herkunft zu leugnen. Sie ist ein Teil der Persönlichkeit. Aber es geht
darum, sich gegenseitig wertzuschätzen, sich wahrzunehmen und anzuerkennen. Dieses Anerkennen - das ist der Schlüssel zum friedvollen Miteinander, nicht der Hass, der durch Unverständnis und Unkenntnis geschürt wird. Deshalb haben wir uns zur Aufgabe gemacht, die kulturellen Unterschiede überhaupt erst erfahrbar zu machen, ein Gefühl für die eigene Identität
zu fördern, Vorurteilen und Ressentiments ihre Kraft zu nehmen.
Zuerst möchte ich Ihnen meine Klasse vorstellen, die eine ganz besondere Klasse ist: Zwölf
Nationalitäten von fünfundzwanzig Kindern treffen aufeinander. Alle Schülerinnen und Schüler
stammen aus zwei verschiedenen Klassen, die in der Klassenstufe 3 zusammengeführt wurden.
Sie mussten erst ihren Platz in der neuen Klassengemeinschaft finden und zusammenwachsen.
Auffällig waren viele abfällige Sticheleien, rassistische Bemerkungen und Streitereien am Anfang
dieses Prozesses. Hinzu kamen kulturelle Konflikte innerhalb der Elternschaft. Die Stimmung
war geladen und der Schulalltag gestaltete sich schwierig. Es musste etwas geschehen.
Aus diesem Grund entstand eine Reihe von Projekten und Aktivitäten, die allesamt darauf abzielten, unseren alltäglichen Umgang untereinander achtsamer zu gestalten.

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April 2016

Anfang
Ausschlaggebend für dieses Vorhaben war die gemeinsame Arbeit an einem Theaterstück, das
meine Schülerinnen und Schüler sehr berührte und viele Diskussionen und Erkenntnisprozesse
anregte. Alle beteiligten sich sehr konzentriert an der Umgestaltung des Theaterstückes, erweiterten es und machten es zu ihrem eigenen Stück. Es folgten weitere gemeinsame Projekte wie
Ausstellungsbesuche, aber auch klasseninterne Hilfestellungen wie der Klassenrat, der einmal
wöchentlich zusammen kam, das Klassenfrühstück, das wahlweise in den Wohnzimmern der
jeweiligen Familien stattfand, oder das Tagebuchschreiben. Selbst das Elterncafé war ein Teil
des Ganzen.
Wie wir vorgegangen sind? Stets wurden die interkulturellen Unterschiede thematisiert. Wie
leben die Kinder in anderen Ländern? Wie sieht ihr Alltag aus? Was essen sie, wie kleiden sie
sich? Wie feiern sie Weihnachten oder das türkische Opferfest? Wieder und wieder haben wir
gemeinsam unsere Aktivitäten vorbereitet, sie auf uns wirken lassen, darüber gesprochen und
sie erneut aufgegriffen. Zusammengekommen ist dabei ein ganzer Reigen an Erlebnissen und
Erfahrungen, die sich im Nachhinein zu einem kompletten Bild verdichteten.
Klassenrat
In der Klasse tagt wöchentlich der Klassenrat. Der Klassenrat ist eine Unterrichtsstunde, in der die Kinder Demokratie als Alltagskultur erleben und erlernen, indem sie
selbst gewählte Lernvorhaben vorstellen
und vereinbaren, das soziale Lernen in der
Klasse organisieren und vor allem eigene
Probleme und Probleme mit anderen Klassen oder mit Mitschülerinnen und Mitschülern besprechen. Gegebenenfalls leiten sie
Maßnahmen zur Lösung der Probleme ein.
Damit sich eine demokratische Schulkultur
in der ganzen Schule etabliert und Demokratie in der Schule nachhaltig wirkt, findet
der Klassenrat in allen Klassenstufen der
Schule statt.

Klassenfrühstück
Klassenfrühstück ist eine sehr beliebte Institution in der Klasse. Schülerinnen und Schüler laden
die ganze Klasse zu sich nach Hause ein. Jede Familie bereitet das Frühstück nach landeseigenen Gepflogenheiten vor. Dadurch lernen Schülerinnen und Schüler nicht nur kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten kennen, sondern erfahren auch viel über die Lebensweise ihrer
Mitschülerinnen und Mitschüler.

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Feste
Internationale Feste gehören zu unserem
Vorhaben dazu. Ein Schulfest wurde unter
dem Motto „Kinder einer Welt“ veranstaltet. Jede Klasse hat an einem Stand einen
bestimmten Kontinent präsentiert.
Unsere Klasse hat sich mit dem Land Israel
beschäftigt. Im Mittelpunkt standen Gemeinsamkeiten zwischen den drei Weltreligionen (Judentum, Christentum und Islam),
die bewusst gemacht wurden. Interessant
für die moslemischen Schülerinnen und
Schüler waren viele Gemeinsamkeiten ihrer
Religion mit dem Judentum: Beschneidung,
Tragen des Kipa, Buchreligion, kein Verzehr
vom Schweinefleisch.
Auch das türkische Zuckerfest, das Weihnachtsfest und das Kinderfest am 23.4.
werden an unserer Schule gefeiert.
Diese und andere Projekte und Aktivitäten haben die Stimmung in der Klasse und den Umgang
miteinander nachhaltig verändert. Meine Klasse hat sich bei Demokratisch Handeln und für den
Mete-Eksi-Preis beworben. Im vergangenen Schuljahr erhielten wir den 1. Platz des Mete-EksiPreises.
Was wir noch erreicht haben: Rassistische Beleidigungen und fremdenfeindliche Schimpfwörter
haben in unserer Klasse keinen Platz mehr. Und wenn – dann schauen wir genau hin.
Kontakt: ayfersever@yahoo.de

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Fachbrief Interkulturelle Bildung und Erziehung Nr. 20

April 2016

Weltliteratur für junges Publikum
Das internationale literaturfestival berlin (ilb) wurde 2001 gegründet und findet jedes Jahr
Anfang September im Haus der Berliner Festspiele sowie an weiteren Orten in Berlin statt. Zum
Programm gehört auch eine umfangreiche Reihe für Kinder und Jugendliche. Maja von Geyr
(MG) sprach mit Christoph Rieger (ChR), der seit 2011 verantwortlich für das Kinder- und Jugendprogramm ist, über das Festival.

MG: Was muss ein Autor machen, um am Kinder- und Jugendprogramm des ilb teilzunehmen?
ChR: Ganz simpel: ein außergewöhnliches Buch schreiben. Ein Buch, das ein bestimmtes Thema
aus einer neuen Perspektive zeigt. Ein Buch, dass sich an ein Thema traut, das ungewöhnlich
oder neu ist. Ein Buch, das natürlich auch in seiner Form, seiner literarischen Qualität Maßstäbe setzt. Kurz: ein Buch, das eine gute Geschichte gut erzählt.
Allerdings haben wir nicht nur Autoren zu Gast, sondern auch Bilderbuchillustratoren und Comiczeichner. Und da sind natürlich auch ästhetische Fragestellungen im Auswahlprozess entscheidend. Bei aller literarisch-künstlerischer Qualität, die das entscheidende Kriterium unserer
Auswahl ist, müssen alle Bücher auch einen Bezug zu unserem jungen Publikum haben; sie
müssen formal und inhaltlich die Lebenswirklichkeit ihrer jungen Leser reflektieren.
MG: Warum sind so w enige deutschsprachige Autoren im Programm des ilb?
ChR: Das Wort »international« in unserem Festivaltitel nehmen wir sehr ernst. Wir versuchen
uns mit unserem Programm jedes Jahr an der Quadratur des Kreises – wir wollen einen Querschnitt herausragender zeitgenössischer internationaler Literatur für junge Leser präsentieren.
Dass dies mit den rund 15 Gästen, die wir jedes Jahr im Programm haben, kaum möglich ist,
leuchtet ein. Trotzdem strecken wir unsere Fühler so weit wie möglich aus. Wir wollen Autoren
und Illustratoren nach Berlin holen, die wirklich besondere Bücher geschrieben haben, Bücher,
denen wir eine maximale Aufmerksamkeit und ein größtmögliches Publikum wünschen. In den
vergangenen Jahren ist es uns gelungen, viele herausragende internationale Schriftsteller nach
Berlin zu holen, die teilweise noch nie in Deutschland aufgetreten sind und ihre Bücher als
Premieren bei uns auf dem Festival vorstellten. Natürlich beobachten wir auch den deutschsprachigen Buchmarkt für junge Leser sehr genau. Alles, was in unser Profil passt, nehmen wir
in unser Programm. Naturgemäß sind das nicht immer ganz so viele deutschsprachige Autoren
und Illustratoren, einfach weil die internationale Konkurrenz so groß ist.

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Fachbrief Interkulturelle Bildung und Erziehung Nr. 20

April 2016

MG: Im Kinder- und Jugendprogramm treten nicht nur Kinder - und Jugendbuchautoren auf. Im v ergangenen Jahr sprach beispielsw eise auch Nav id Kermani zu Sch ülerinnen und Schülern. Warum?
ChR: Das ist der große Vorteil eines Literaturfestivals mit vielen Sektionen. Auch in unseren
anderen Festivalsektionen sind Autoren mit Büchern zu Gast, die sich für junge Leser eignen.
Navid Kermani stellte beispielsweise im letzten Jahr für Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 11 sein Buch »Ausnahmezustand – Reisen in eine beunruhigte Welt« vor, in dem er von
seinen Reisen nach Indien, Syrien, Iran, Afghanistan und in andere Länder berichtet. Das ist
natürlich auch für Jugendliche hochspannend. Außerdem borgen wir uns auch immer wieder
Comickünstler aus dem ilb-Abendprogramm aus. Teilweise treten aber auch Gäste des Kinderund Jugendprogramms im Abendprogramm auf. Die Grenzen sind also fließend.
MG: Wie sieht eine ty pische Veranstaltung des Kinder - und Jugendprogramms aus?
ChR: Grundsätzlich teilt sich unser Programm in drei Säulen: Lesungen, Workshops und Specials.
Unsere Lesungen finden überwiegend im Haus der Berliner Festspiele statt – dort bespielen
wir vier verschiedene Bühnen unterschiedlicher Größen. Manche Lesungen finden nur in der
Sprache des Autors statt, oft Englisch oder Französisch. Dann sitzen nur der Autor und ein
Moderator auf der Bühne. In der Veranstaltung wird sowohl der Autor in seiner literarischen
Bedeutung vorgestellt, wie auch das Buch, aus dem auch ausführlich gelesen wird. Eine Fragerunde für das Publikum rundet die Veranstaltung ab. Bei Lesungen mit Übersetzung ins Deutsche sitzen der Autor, sowie ein Moderator, Sprecher und Dolmetscher auf der Bühne. Bei Illustratoren zeichnen diese immer auch live, und wir projizieren die Illustrationen auf eine
Leinwand. Die Dauer der Lesungen ist recht unterschiedlich, meist zwischen einer Stunde und
90 Minuten. Nach jeder Lesung gibt es die Möglichkeit, sich Autogramme zu holen. Und ein
Büchertisch steht natürlich auch an allen Veranstaltungsorten.
Unsere Workshops wiederum finden in Kooperation mit verschiedenen Kunst-, Kultur- und Bildungseinrichtungen in Berlin statt. Und in unseren Specials setzen wir verschiedene Schwerpunkte: es gibt eine Retrospektive, Ausstellungen, eine Eröffnungsrede, Meisterklassen und vieles mehr.
MG: Das Haus der Berliner Festspiele hat sehr große Bühnen – funktioniert das
überhaupt, Lesungen für mehrere Hundert Schüler innen und Schüler in einem Raum
anzubieten?
ChR: Ganz klar: ja. Natürlich haben wir auch die eine oder andere Veranstaltung, in der es im
Publikum etwas unruhiger ist. Aber alle Mitwirkenden unserer Veranstaltungen sind Profis: ob
Moderatoren, Sprecher oder Dolmetscher – sie wissen, wie man für ein junges Publikum arbeitet, kennen deren Aufmerksamkeitsspannen, wissen, wie man anspruchsvolle Literatur unterhaltsam und zielgruppengerecht aufbereitet. Abgesehen davon erlebe ich unser junges Publikum jedes Jahr als unglaublich interessiert und offen. Da ist eine große Lust auf Literatur vorhanden.
MG: Ihre Veranstaltungen sind mit Klassenstufenempfehlungen v ersehen. Wie lege n
Sie diese fest und sind diese v erbindlich?
ChR: Unsere Klassenstufenempfehlung für Veranstaltung legen wir in sorgfältiger Absprache
mit dem jeweiligen Autor und dem jeweiligen Verlag fest. Sie ist aber nicht verbindlich. Uns
kontaktieren immer wieder Lehrkräfte, die entgegen einer Klassenstufenempfehlung eine Veranstaltung zu einem bestimmten Buch besuchen wollen, weil sie zu diesem bereits gearbeitet
haben. Das ist auch kein Problem, man muss nur immer im Hinterkopf behalten, dass die Zielgruppe, die wir in unserer Klassenstufenempfehlung nennen, die Hauptzielgruppe der Veran13

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staltung ist. Grundsätzlich sind unsere Veranstaltungen aber für alle Interessierten zugänglich.
Kinder- und Jugendliteratur wird ja längst nicht nur von Kindern und Jugendlichen gelesen.
MG: Die Bücher, die im Programm v orgestellt w erden, behandeln v ielfach ernste
oder traurige Themen. Warum?
ChR: Literatur für junge Leser bildet sehr genau die Lebenswelt heranwachsender Menschen ab
- und da gehören ernste Themen eben dazu. Auf den ersten Blick mag unser Programm nur
aus Problembüchern bestehen. Bei genauerer Betrachtung sieht man aber, dass auch in solchen
Büchern viele andere Themen ausführlich behandelt werden: Freundschaft, Vertrauen, erste
Liebe, Selbstfindung und vieles mehr.
MG: Wie sieht es in Ihrem Programm m it Inklusion aus?
ChR: Alle unsere Veranstaltungen sind ausdrücklich inklusiv, ein Großteil der Veranstaltungsorte
ist auch barrierefrei gestaltet. Bei Besucherinnen und Besuchern mit Beeinträchtigungen ist die
Karte für die Begleitperson kostenfrei. Ich freue mich, dass wir jedes Jahr inklusiver werden,
weil immer mehr Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen unsere Veranstaltungen
besuchen. Für die betreuenden Lehrkräfte und Begleitpersonen ist eine Festivalteilnahme immer
ein enormer Aufwand, weshalb wir versuchen, ihnen den Festivalbesuch so leicht wie möglich
zu machen. Das bedeutet eine ausführliche Beratung bezüglich geeigneter Veranstaltungen,
vorzeitiger Einlass, bevorzugte Behandlung in der Autogrammschlange.
MG: Wie kann m an m it einer Schulklasse an Ihrem Programm teilnehmen?
ChR: Ganz einfach - am 6. Juni 2016 veröffentlichen wir unser Programm auf unserer Website.
Ab diesem Zeitpunkt können bis zum Festivalbeginn im September Tickets gekauft werden entweder telefonisch oder per Mail.
MG: Die Schulklassen, die ihre Veranstaltungen besuchen, kennen die Bücher meist
nicht. Ist dann eine inhaltlich intensiv e Veranstaltung überhaupt möglich?
ChR: Das stimmt nicht ganz – per Mail stellen wir allen, die Tickets buchen, eine Biografie des
jeweiligen Autors, sowie eine Leseprobe, ein Rezensionsdossier und eine ausführliche Inhaltsbeschreibung des jeweiligen Buchs kostenfrei zur Verfügung. Das erleichtert die Vorbereitung in
der Schule enorm und wird auch vielfach genutzt. Aber auch ohne Vorbereitung ist ein Besuch
unserer Veranstaltungen problemlos möglich. Dafür haben wir ja dann Profis auf der Bühne,
die die Bücher auch ohne Vorkenntnisse wunderbar vermitteln können.
MG: Was m ögen Sie an Ihrer Arbeit am m eisten?
ChR: Vor dem Festival: lesen. Während des Festivals mag ich besonders den ganz direkten Austausch mit unserem jungen Publikum.
MG: Können Sie schon ein paar Highlights aus dem kommenden Festiv alprogramm
v erraten?
ChR: Leider nein! Unser Programm wird am 6. Juni veröffentlicht, dann können alle Interessierten unsere Highlights und andere Angebote sehen. Aber es wird viel zu entdecken geben, mit
spannenden Gästen aus den USA, China, Japan, Belgien und vielen weiteren Ländern.
MG: Dann w arten w ir gespannt au f den 6. Juni und v or allem auf das kommende
16. Festiv al im September. Vielen Dank für das Gespräch.

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16. internationales literaturfestiv al berlin – Sektion Internationale Kinder- und
Jugendliteratur
7.-17. September 2016
Festivalzentrum: Haus der Berliner Festspiele, Schaperstraße 24, 10719 Berlin
Ticketbüro
Ab 6. Juni 2016 / Mo-Fr von 9.00-17.00 Uhr / kjl@literaturfestival.com / (030) 278786-66/-70
Ticketpreise
€ 8 Normalpreis / € 6 Ermäßigter Preis / € 3 Ermäßigter Preis bei Gruppen ab 5 Personen.
Preise gelten, sofern bei der jeweiligen Veranstaltung kein anderer Preis angegeben ist.
Kontakt
Internationales literaturfestival berlin – Sektion Internationale Kinder- und Jugendliteratur
Chausseestraße 5, 10115 Berlin
Tel. (030) 278786-66/-70
E-Mail: kjl@literaturfestival.com (auch für Bestellung des Newsletters)
Website: www.literaturfestival.com/kjl

Initiative „Kultur öffnet Welten“
„Kultur öffnet Welten“ ist eine gemeinsame Initiative von Bund, Ländern und Kommunen,
künstlerischen Dachverbänden wie auch Akteurinnen und Akteuren aus der Zivilgesellschaft. Die
Initiative möchte das Engagement zahlreicher Kulturschaffenden und Institutionen sichtbar machen, die Menschen - unabhängig von ihrem Alter, ihrer ethnischen Herkunft oder ihrem sozialen Hintergrund - an Kulturangeboten teilhaben lassen wollen. Höhepunkt der Initiative ist die
Aktionswoche vom 21. bis 29. Mai 2016, in der kulturelle Angebote in ihrer Vielfalt besonders
erlebt werden. Dazu werden zwei Preise verliehen: Sonderpreis für Projekte mit Flüchtlingen
und der BKM-Preis Kulturelle Bildung 2016. Der letztere wird in diesem Jahr im Juni verliehen.
Die Kulturstaatsministerin hat im Rahmen der Initiative den Sonderpreis für Projekte mit Flüchtlingen ausgeschrieben, mit dem herausragende künstlerische Projekte kultureller Integration
ausgezeichnet werden sollen. Eine wichtige Voraussetzung war, dass diese bereits erfolgreich in
die Praxis umgesetzt wurden. 150 Vorschläge aus der ganzen Bundesrepublik wurden eingereicht und eine Fachjury wählte 10 Nominierte aus, darunter auch „Multaka“ aus Berlin. Zum
ersten Mal soll dieser Preis am 21. Mai 2016 im Rahmen der Auftaktveranstaltung "Kultur öffnet Welten" im Deutschen Historischen Museum in Berlin verliehen werden.
Das Haus der Kulturen der Welt verantwortet das Internetportal www.kultur-oeffnet-welten.de,
auf dem teilnehmende Akteurinnen und Akteure vorgestellt werden und Best-Practice-Beispiele
reflektiert werden. Dazu findet man unter der Rubrik Positionen interessante Artikel und Interviews rund um das Thema kulturelle Teilhabe.
Die Initiative „Kultur öffnet Welten“ wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur
und Medien gefördert.
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Inform ation und Materialien für Lehrkräfte
Neue Studie „Berlin postm igrantisch“ veröffentlicht
„Berlin ist bunt und das ist auch gut so“ - unter diesem Motto wurden die Ergebnisse der
Studie „Berlin postmigrantisch“ im Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) vorgestellt.
Pluralität ist in Berlin Normalität, jedoch findet man auch in einer Stadt, die durch Migration
stark geprägt ist, bei der Bevölkerung deutliche Abwertungen gegenüber Muslime, welche die
größte religiöse Minderheit in Deutschland bilden, oder zumindest eine ambivalente Haltung.
Im Rahmen einer bundesweiten Telefonumfrage mit 8270 Befragten und einer repräsentativen
Stichprobe mit 569 Berlinerinnen und Berlinern konnten das Berliner Institut für empirische
Integrations- und Migrationsforschung (BIM) und die durch die Stiftung Mercator geförderte
Forschungsgruppe „Junge Islambezogene Themen in Deutschland“ (JUNITED) unter der Leitung
von Prof. Dr. Naika Foroutan diese Ambivalenz dokumentieren.
Die Studie kann man herunterladen unter:
https://www.projekte.hu-berlin.de/de/junited/studie-berlin-postmigrantisch-2015

Handreichung „Migration und Menschenrechte“
Diese Handreichung, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin,
möchte helfen, grundlegende Begriffe rund um Flucht und Migration zu klären. Sie erklärt, was
ein Flüchtling ist und welche Rechte er hat. Dabei werden Kenntnisse über Menschenrechte, u.
a. auch über das Asylrecht, im internationalen und historischen Kontext betrachtet.
Die Handreichung eignet sich für die schulische und die außerschulische Bildung für Jugendliche ab 14 Jahren. Die Materialien erläutern Grundbegriffe, schlagen Methoden und Arbeitsformen für Auseinandersetzungen mit verschiedenen Themenaspekten vor, enthalten Arbeitsblätter
und Hintergrundinformationen und bieten zahlreiche Möglichkeiten, um sich dem komplexen
Thema anzunähern.
Herunterladen kann man die Handreichung unter:
http://www.berlin.de/politische-bildung/publikationen/materialien/

Rassism uskritischer Leitfaden erschienen
Der Leitfaden, der sich an Lehrkräfte, Studierende, Schulbuchverlage und Kultusministerien richtet, wurde von einem AutorinnenKollektiv mit Expertinnen und Experten aus Forschung und
Praxis entwickelt - als Antwort auf die deutliche Kritik der neuen Schulbuchstudie „Migration
und Integration“1.
Die Dringlichkeit einer rassismuskritischen Überarbeitung von schulischen Bildungsmaterialien
wurde in der im März veröffentlichten Schulbuchstudie „Migration und Integration“ sehr deutlich. Neben Schulbüchern stehen auch Rahmenlehrpläne der Bundesländer in der Kritik.
Dieser Leitfaden kann sowohl für die Unterrichtsgestaltung als auch bei der Schulbuchproduktion zur Hand genommen werden. Schulbücher, so eine der Autorinnen, „reproduzieren auch
heute noch kolonialrassistische Darstellungen von Afrika und Menschen afrikanischer Herkunft.
Im Fokus des Leitfadens steht deshalb die Bildungsarbeit zu Schwarzsein, Afrika und afrikanischer Diaspora. Studien erkennen den negativen Einfluss von rassistischen Bildern auf den Umgang miteinander - diese Erfahrung machen schwarze Schülerinnen und Schüler im Schulalltag.
1http://www.bundesregierung.de/Content/Infomaterial/BPA/IB/Schulbuchstudie_Migration_und_Integration_09_03_2015.pdf?__blob=p
ublicationFile&v=3

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Die IMAFREDU Studie zeigt, wie sich stereotype Darstellungen von Menschen afrikanischer Herkunft unmittelbar im Klassenzimmer auswirken“.
Herausgegeben wurde der Leitfaden vom Projekt Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel
(LEO) beim Amt für Weiterbildung und Kultur des Bezirksamtes Mitte von Berlin und von Elina
Marmer, IMAFREDU-Projekt Hamburg.
Bestelladresse: yonas.endrias@ba-mitte.berlin.de
Leitfaden zum Download (PDF, 4 MB):
http://www.elina-marmer.com/wp-content/uploads/2015/03/IMAFREDU-RassismuskritischerLeiftaden_Web_barrierefrei-NEU.pdf

Neues aus dem Beltz Verlag: „Handbuch Interkulturelle Schulentw icklung “
Im Jahr 2015 erschien beim Beltz Verlag das „Handbuch Interkulturelle Schulentwicklung“, das
Themen wie z. B. Kulturalisierungsfallen, globalisierte Bildungsbiografien, Umgang mit Konflikten, Change-Agents oder Öffnung der Schule aus verschiedenen Blickwinkeln behandelt. Das
Buch wird wegen seiner Aktualität, der gelungenen Aufsatzsammlung wie auch wegen praktischen Anregungen empfohlen. Es wird insbesondere deswegen gelobt, „weil es die Themen
Migration, Globalisierung und Austausch konsequent miteinander verknüpft und nicht mehr
nebeneinander herführt oder additiv sammelt“ (Europäische Erziehung, 2/2015).
ISBN: 978-3-407-25715-4

Miteinander: Über 90 interkulturelle Spiele, Übungen, Projektvorschläge für die Klassen 5-10, auch für DaZ geeignet
Die 2. Auflage aus dem Cornelsen Verlag Scriptor, erweitert um zusätzliche Spiele und Projektideen, bietet spielerische interkulturelle Anregungen für den Unterricht in mehrkulturellen Regelklassen und auch in Willkommensklassen. Hier findet man unmittelbar einsetzbare Spiele
zum Aufwärmen und Einstimmen, zur Selbst- und Fremdwahrnehmung, zur Förderung der
Empathie, gegen Vorurteile und kulturelle Missverständnisse, gegen Diskriminierung und Rassismus sowie zur Konfliktbearbeitung. Das Angebot kann auch zur Förderung der Deutschkenntnisse eingesetzt werden.
ISBN: 978-3-589-15853-9

Film reihe „Angekomm en in Deutschland – Träum e sind ein guter Anfang “
In den fünf kurzen Filmen dieser Filmreihe erzählen Jugendliche und Erwachsene mit Migrantions- oder Fluchthintergrund ihre Lebensgeschichte. Sie kamen als Kinder oder Jugendliche
nach Deutschland, sie erzählen von der Flucht, ihrer Ankunft und ihrem Lebensweg in Deutschland. So unterschiedlich ihre Lebensgeschichten sind, haben alle viel in Deutschland erreicht
und das ist kein Zufall. Denn sie haben ihr Leben selbst in die Hand genommen, waren offen
für Angebote und Unterstützung.
Die fünf Filme liefern viel Stoff, um sich im Unterricht und in Projekten mit aktuellen Themen
wie Flucht, Zuwanderung und Integration auseinander zu setzen. Gleichzeitig können die Filme
Jugendlichen, die heute nach Deutschland kommen, Orientierung geben und Mut machen. Die
persönlichen Lebensberichte zeigen, wie wichtig Deutschkenntnisse, ein Schulabschluss und
berufliche Qualifizierung sind, um eigene Ziele zu erreichen.

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Die Filmreihe kann in Kürze auf der neuen Homepage der Senatsverwaltung für Bildung heruntergeladen werden unter: http://www.berlin.de/sen/bildung/unterricht/politischebildung/interkulturelle-bildung

NeuSTART – START-Stipendien für neu zugew anderte, m otivierte Jugendliche
Das START-Schülerstipendienprogramm widmet sich seit 2002 erfolgreich der Potential- und
Engagement Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Mit diesen Erfahrungen
und einem Netzwerk aus engagierten Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte konzentriert
sich START ab jetzt auf die Unterstützung neu zugew anderter junger Menschen, die
erst seit w enigen Jahren in Deuts chland leben (bis zu 5 J ahre). START begleitet sie
zwei Jahre lang mit materieller und ideeller Förderung auf ihrem Bildungsweg - unabhängig
von ihrer aktuellen Schulform und dem angestrebten Schulabschluss. Das Stipendium unterstützt die Jugendlichen dabei, ihre Potenziale zu entfalten, Bildungsziele aktiv anzugehen und
den eigenen Weg zu finden.
Wie fördert START?
Finanzielle Unterstützung, vielfältige Bildungsangebote, eine persönliche Betreuung und ein
starkes Netzwerk aus Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die ihren Weg bereits erfolgreich
gegangen sind - START bietet den neu zugewanderten Jugendlichen die Chance, schneller in
Deutschland anzukommen, sich weiterzuentwickeln und einen Bildungsabschluss zu erreichen,
der ihren Fähigkeiten entspricht. Die Stipendiaten erhalten bei der Aufnahme einen Laptop und
Drucker und werden zwei Jahre lang mit 100 EUR Bildungsgeld pro Monat und einem umfangreichen Bildungsprogramm aus Seminaren, Workshops, Exkursionen, Beratungsangeboten,
etc. auf ihrem Bildungsweg begleitet. Sie profitieren darüber hinaus von einem aktiven Netzwerk aus rund 630 Stipendiaten und rund 1500 Ehemaligen.
Wer kann sich bei START bew erben?
 START sucht motivierte Schülerinnen und Schüler aller Schularten, die
 erst seit wenigen Jahren in Deutschland leben (bis zu etwa 5 Jahre),
 Interesse an schulischer und persönlicher Weiterentwicklung haben und hohe soziale
Kompetenzen aufweisen,
 mindestens in der 8. Klasse sind und noch mindestens zwei weitere Jahre eine allgemein- oder berufsbildende Schule besuchen,
 zwischen 14 und 21 Jahre alt sind,
 in finanziell schwierigen Verhältnissen leben.
Bewerbungen sind vom 15. März bis 20. Mai 2016 online unter www.start-stiftung.de möglich.
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Berliner Fachforum „Schule in der Einw anderungsgesellschaft“ - Was brauchen Pädagoginnen und Pädagogen, um diese Herausforderung zu bew ält igen?
Am 11. Juli 2016 findet im PIZ-Mitte Berliner Fachforum zu Themen der interkulturellen Bildung und Erziehung statt. Es handelt sich um ein Expertentreffen, das als Ziel hat, eine Basis
für Unterstützungsmaßnahmen zu schaffen, die Lehrkräfte und anderes pädagogische Personal
braucht, um mit aktuellen Herausforderungen besser zurechtzukommen.

Fortbildung Interkulturelle Bildung und Erziehung bei der Regionalen For tbildung Berlin
Veranstaltungsnummer
16.1-804
16.1-2045

Referent/in
bzw. Leitung
Ayfer Sever/
Doris Wietfeldt
Dr. Kerstin
Schmitt

Titel

Datum/ Uhrzeit

Interkulturelle Elternarbeit

Do., 02.06.2016,
14:30 – 17:30 Uhr
Mi, 08.06.2016
14:00 – 17:00

Zwangsverheiratung –
Informationen und Hilfestellungen

Weitere Informationen und Anmeldung unter: http://www.fortbildung-regional.de

.

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