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Full text: Oasen im Beton / Tobisch, Carlos

Oasen im Beton
Urban Gardening als Instrument zur Attraktivierung und Belebung von Brachflächen
Diplomarbeit Carlos Tobisch Technische Universität Dortmund Fakultät Raumplanung Wintersemester 2012/2013

OASEN IM BETON
URBAN GARDENING ALS INSTRUMENT ZUR ATTRAKTIVIERUNG UND BELEBUNG VON BRACHFLÄCHEN

IMPRESSUM
Diplomarbeit Technische Universität Dortmund Fakultät Raumplanung Wintersemester 2012/2013 Vorgelegt von Carlos Tobisch Matrikelnummer 102186

PRÜFER
Dr. Michael Roth Fachgebiet Landschaftsökologie und Landschaftsplanung Dipl.-Ing. Päivi Kataikko Fachgebiet Städtebau, Stadtgestaltung und Bauleitplanung

EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG
Ich erkläre hiermit an Eides statt, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbstständig und ohne unzulässige fremde Hilfe angefertigt habe. Die verwendeten Quellen sind vollständig zitiert und keine anderen als die angegebenen Quellen verwendet.

Dortmund, den 20. März 2013

___________________________________________________________________ Carlos Tobisch

DANKSAGUNG
Bei der Erarbeitung der Diplomarbeit haben mich viele Leute unterstützt, bei denen ich mich hiermit ganz herzlich bedanken möchte. Mein Dank gilt meinen beiden Prüfern Päivi Kataikko und Michael Roth, die sich bereitwillig für die Prüfung meiner Diplomarbeit zur Verfügung gestellt und mir hilfreiche Tipps gegeben haben. Vor allem Michael Roth danke ich für seine Unterstützung, die er mir über diese Arbeit hinaus im Zusammenhang mit dem Thema Urban Gardening entgegengebracht hat! Ein großes Dankeschön geht zudem an Gudrun Walesch von der Stiftung Interkultur, die mir bei der Erstellung des Fragebogens Tipps gab und durch die der Online Fragebogen an viele aktive urbane Gärtner in ganz Deutschland ging! Bedanken möchte ich mich auch bei allen urbanen Gärtnern und Projektleitern der Gemeinschaftsgärten, die sich an der Bearbeitung der Fragebögen beteiligt haben. Ich war sowohl von der Anzahl als auch vom Inhalt der beantworteten Bögen begeistert. Danke für Eure Unterstützung und ich wünsche euch auf diesem Weg das Beste für eure Gärten! Ein großes Dankeschön geht an meine Korrekturleser und Diskussionsfreunde, die mich auf die richtige Spur gebracht haben: Volker, Juliane, Lisa, Vilim, Anika, Jan und die Gruppe der Urbanisten mit ihren vielfältigen Ideen. Und zum Abschluss ein dickes Danke an meine Familie, die immer für mich da ist, meiner Mutter für die Korrekturen und meinem Vater für hilfreiche Tipps bei Satz und Layout!

HINWEIS ZUR GESCHLECHTERGERECHTIGKEIT
In der vorliegenden Diplomarbeit ist bei der Verwendung von Substantivformen nach Möglichkeit geschlechtsneutral formuliert worden. Ausschließlich in Fällen, in denen dies nicht möglich schien wurde die Form des generischen Maskulinums angewendet, stellvertretend für sowohl männliche als auch weibliche Substantivformen, aus Gründen der besseren Lesbarkeit. Nach Ansicht des Verfassers beeinträchtigt die Verwendung beider Formen häufig die Lesbarkeit des Textes. Dafür bittet der Verfasser um Verständnis.

Inhaltsverzeichnis

I

INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS ................................................................................................ I ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS ..................................................................................... IV ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS ..............................................................V 1. 2.
2.1. 2.1.1. 2.1.2. 2.2. 2.2.1. 2.2.2. 2.2.3. 2.3. 2.4. 2.4.1. 2.4.2. 2.4.3. 2.4.4. 2.5. 2.5.1. 2.5.2. 2.5.3.

EINLEITUNG UND RAUMPLANERISCHE RELEVANZ............................................1 BRACHFLÄCHEN UND IHRE BEDEUTUNG FÜR DIE STADT ................................7
Was sind Brachflächen? .................................................................................................................................... 9 Bestehende Definitionen...................................................................................................................................................... 9 Erarbeitung einer eigenen Definition ......................................................................................................................... 11 Zur Entwicklungsgeschichte von Brachflächen .................................................................................... 12 Struktureller Wandel der Wirtschaft .......................................................................................................................... 12 Ehemalige Militärflächen .................................................................................................................................................. 13 Ehemalige Infrastruktur- und Verkehrsflächen ..................................................................................................... 14 Diskurs zum quantitativen Bestand von Brachflächen ...................................................................... 15 Vier Gründe: Die Wiedernutzung von Brachflächen als … ................................................................ 16 Aufwertungsmaßnahme und Imageverbesserung ................................................................................................ 17 Stärkung der Stadt als Verdichtungsraum ................................................................................................................ 17 Beitrag zu einer flächensparenden Stadtentwicklung ......................................................................................... 18 Wirtschaftliche Maßnahme ............................................................................................................................................. 19 Hemmnisse und Probleme der Wiedernutzung .................................................................................... 19 Unbekannte Risiken und kostenintensive Voruntersuchungen ...................................................................... 20 Viele innerstädtische Brachflächen, aber wenig Nachfrage .............................................................................. 21 Mangelnde Kommunikation, Unklarheiten im Eigentum und fehlende planerische Strukturen ..... 21

3.
3.1. 3.1.1. 3.1.2. 3.2. 3.2.1. 3.2.2. 3.3. 3.3.1. 3.3.2. 3.3.3.

KONZEPTE UND INHALTE DES URBAN GARDENING ......................................23
Erste Begriffsbestimmung und Eingrenzung ......................................................................................... 25 Urban und rural: Beschreibung des räumlichen Kontexts ................................................................................ 25 Urban Gardening und Urban Agriculture: Nahrungsmittelproduktion in der Stadt .............................. 26 Historische Entwicklung der urbanen Agrikultur in Deutschland ................................................ 27 Urbane Agrikultur als „Notwendigkeit“ und „Relikt der Vergangenheit“ ................................................... 27 Bedeutung im Kontext stadtplanerischer Modelle ................................................................................................ 28 Die neuen urbanen Gärten ............................................................................................................................ 32 Zentrale Charakteristika des Untersuchungsobjektes Urban Gardening.................................................... 33 Abgrenzung zu weiteren modernen Formen urbaner Agrikultur .................................................................. 33 Kuba und die USA als globale Vorbilder .................................................................................................................... 36

II

3.4. 3.4.1. 3.4.2. 3.4.3. 3.4.4. 3.4.5. 3.5. 3.5.1. 3.5.2. 3.5.3. 3.6.

Vielfältige Ziele und Motivationen: Warum in deutschen Städten gemeinschaftlich gegärtnert wird .................................................................................................................................................. 38 Die neuen urbanen Gärten als Orte des Zugangs zur Gartenaktivität........................................................... 39 Die neuen urbanen Gärten als Orte der Gemeinschaft, der Integration und des sozialen Engagements .......................................................................................................................................................................... 39 Die neuen urbanen Gärten als ökologische Orte .................................................................................................... 44 Neues Verständnis vom Stadt-Land-Verhältnis und dem öffentlichen Raum ........................................... 46 Urban Gardening als politische Aussage .................................................................................................................... 47 Gemeinschaftsgärten in Deutschland: Drei Beispiele ......................................................................... 47 Prinzessinnengarten Berlin-Kreuzberg: Mobiles Urban Gardening .............................................................. 48 Internationale Gärten Göttingen: Interkulturelles Gärtnern ............................................................................ 49 Die Nachbarschaftsgärten in Leipzig: Ein Garten gegen die räumliche Verwahrlosung ...................... 50 Zusammenfassung ............................................................................................................................................ 51

4.
4.1. 4.1.1. 4.1.2. 4.2. 4.2.1. 4.2.2. 4.2.3. 4.3. 4.3.1. 4.3.2. 4.3.3. 4.3.4. 4.4. 4.4.1. 4.4.2.

URBAN GARDENING ALS INSTRUMENT ZUR REAKTIVIERUNG VON BRACHFLÄCHEN .......................................................................................... 53
Sind städtische Brachflächen potentielle Orte für Urban Gardening? ..........................................55 Urban Gardening in der Stadt ......................................................................................................................................... 55 Urban Gardening auf Brachflächen .............................................................................................................................. 56 Kann Urban Gardening die bekannten Wiedernutzungshemmnisse umgehen? ......................57 Flexibilität, keine baulichen Maßnahmen und ökologische Verbesserungen ........................................... 57 Interesse an Flächen mit geringem ökonomischen Wert und Imageproblemen ..................................... 60 Kommunikation und Partizipation als zentraler Baustein ................................................................................ 61 Wie beleben urbane Gemeinschaftsgärten innerstädtische Brachflächen? ...............................63 Gestalterische Attraktivierung ....................................................................................................................................... 63 Ökologische Aufwertung ................................................................................................................................................... 65 Soziale Wiederbelebung .................................................................................................................................................... 66 Ökonomische Wiederbelebung: Inwertsetzung durch Nutzung ..................................................................... 71 Fazit ........................................................................................................................................................................ 72 Urban Gardening belebt urbane Brachflächen auf vielfältige Weise ............................................................. 72 Urban Gardening als Zwischennutzung bedeutet Vorteile für den Eigentümer, aber auch Nachteile für den Garten und die Stadtentwicklung ............................................................................................. 73

5.
5.1. 5.1.1. 5.1.2. 5.1.3. 5.2. 5.3.

HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN FÜR STÄDTE UND KOMMUNEN..................... 75
Flächenangebot transparenter gestalten und ausweiten .................................................................. 77 Grundstücke als ‚Sozialflächen festlegen .................................................................................................................. 77 Brachflächenkataster anbieten ...................................................................................................................................... 77 Ausweichflächen im Gebiet analysieren und bei konkretem Bedarf freihalten ....................................... 77

Urban Gardening als offizielles Instrument in die Planung integrieren ......................................78 Projektübergreifende Ansprechstelle anbieten .................................................................................... 78

Inhaltsverzeichnis

III

ANHANG ...............................................................................................................79
Anhang I: Online Fragebogen an die Gärtner ........................................................................................................ 81 Anhang II: Online Fragebogen an die Projektleiter ............................................................................................. 83 Anhang III: Antworten der Projektleiter auf den Online-Fragebogen ......................................................... 86

QUELLENVERZEICHNIS .........................................................................................100 BILDNACHWEISE ..................................................................................................108

IV

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
Abb. BauGB BBR BNatSchG BRD DDR ha ICSS Mio. Mrd. s. s.o. Tab. vgl. Abbildung Baugesetzbuch Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung Bundesnaturschutzgesetz Bundesrepublik Deutschland Deutsche Demokratische Republik Hektar International Centre for Soil and Contaminated Sites Million Milliarde siehe siehe oben Tabelle vergleiche

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

V

ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS
Abb. 1 Abb. 2 Abb. 3 Abb. 4 Abb. 5 Abb. 6 Abb. 7 Abb. 8 Abb. 9 Abb. 10 Abb. 11 Abb. 12 Abb. 13 Abb. 14 Abb. 15 Abb. 16 Abb. 17 Abb. 18 Abb. 19 Abb. 20 Abb. 21 Abb. 22 Abb. 23 Abb. 24 Abb. 25 Abb. 26 Abb. 27 Abb. 28 Abb. 29 Abb. 30 Abb. 31 Abb. 32 Abb. 33 Brachfläche in der Nähe des Nürnberger Hauptbahnhofs ............................................................................. 10 Industrieruine im Westpark Bochum ...................................................................................................................... 12 Sportplatz und ehemalige Kasernengebäude der Turley Barracks in Mannheim ............................... 14 Ehemaliger Rangierbahnhof und Ortsgüteranlage in Jünkerath, Rheinland-Pfalz.............................. 15 Brachfläche in Dessau, 2000 ........................................................................................................................................ 18 Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erfordern oft den kostenintensiven Einsatz von Großmaschinen ................................................................................................................................................................. 20 Skizze zur räumlichen Einordnung........................................................................................................................... 26 Skizze zur Bestimmung der Begriffe Urbanes Gärtnern, Urbane Landwirtschaft und Urbane Agrikultur ............................................................................................................................................................................. 27 Die Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion verspricht eine sichere Ernährung der Gesellschaft ................................................................................................................................................................. 28 Ebenezer Howards Gartenstadtmodell ................................................................................................................... 30 Begrünter Kreisverkehr in der englischen Gartenstadt Letchworth ......................................................... 30 Historische Zeichnung einer Schrebergartenanlage, Entstehungsjahr unbekannt............................. 32 Gemeinschaftsgärten und andere Formen urbanen Grüns nach zunehmender öffentlicher Zugänglichkeit .................................................................................................................................................................... 33 Garten auf dem Dach eines Wohnblock .................................................................................................................. 34 Funktionsskizzen einer Window Farm ................................................................................................................... 35 Urbane Landwirtschaft in Clenfuegos, Kuba ........................................................................................................ 36 Ein urbaner Gärtner in Detroit begutachtet seine Pflanzen .......................................................................... 38 Grundlegende Teilnahmemotivationen der urbanen Gärtner ..................................................................... 39 Gemeinschaftsaspekte als Teilnahmemotivation der urbanen Gärtner .................................................. 40 Alters- und Geschlechtsstruktur der Gärtner....................................................................................................... 41 Gemeinschaftliche Gartenpflege im Interkulturellen Garten Rostock ...................................................... 43 Partizipation und Engagement als Teilnahmemotivation der urbanen Gärtner.................................. 43 Verschönerung und Belebung des städtischen Umfelds als Teilnahmemotivation der urbanen Gärtner ................................................................................................................................................................ 44 Bewusste Ernährung als Teilnahmemotivation der urbanen Gärtner ..................................................... 45 Stadtnatur und -ökologie als Teilnahmemotivation der urbanen Gärtner ............................................. 45 Kooperation mit dem Stadtteil als Teilnahmemotivation der urbanen Gärtner .................................. 46 Üppiges Grün im Prinzessinnengarten, Berlin-Kreuzberg ............................................................................. 48 Gärtner vor einem Lehmbackofen in den interkulturellen Gärten Göttingen ....................................... 49 Diskussionsrunde in den Nachbarschaftsgärten Leipzig ................................................................................ 50 Mit 15.000m² Fläche ist das Neuland Köln der größte Gemeinschaftsgarten Deutschlands ......... 56 Urbanes Gärtnern in Reissäcken und Lebensmittelkisten, UrbanOase Dortmund ............................. 58 Die im Zuge von Baumaßnahmen verursachten Bodenversiegelungen müssen durch Ersatz- oder Ausgleichsflächen egalisiert werden ............................................................................................. 59 Symbolischer Spatenstich zur Eröffnung der UrbanOase in Dortmund. Um das „Beet“ versammeln sich die Projektleiter, Friedrich Fuß (Bezirksbürgermeister), Martin Stüber (Chef des Flächeneigentümer Berufliches Trainigszentrum) und Alexander Kutsch (Quartiersmanagement Rheinische Straße) ......................................................................................................... 61 Gemeinsames Lernen, Planen und Entwickeln in den Gärten unterstützt den partizipativen Charakter der Urban Gardening Projekte .............................................................................................................. 62 Bewertung der gestalterischen Attraktivierung durch die befragten Projektleiter ........................... 64 Bewertung der ökologischen Verbesserungen durch die befragten Projektleiter .............................. 65

Abb. 34 Abb. 35 Abb. 36

VI

Abb. 37

Abb. 38 Abb. 39 Abb. 40 Abb. 41 Abb. 42 Tab. 1

Der Anbau in Hochbeeten und Lebensmittelkästen ermöglicht ein Gärtnern auf versiegeltem Boden, wie hier im Stadtgarten Nürnberg. So werden selbst graue Flächen zu grünen Oasen ...................................................................................................................................................................... 66 Gemeinsame Aktionen in den urbanen Gärten unterstützen die soziale Wiederbelebung einer Fläche ......................................................................................................................................................................... 67 Bewertung der sozialen Attraktivierung durch die befragten Projektleiter .......................................... 68 Gemeinschaftliche Verkochung zur Eröffnung der UrbanOase, Dortmund ............................................ 70 Bewertung der ökonomischen Attraktivierung durch die befragten Projektleiter ............................. 71 Logo für die Unterschriftensammlung zum Erhalt des Prinzessinnengartens ..................................... 74 Formen urbaner Agrikultur.......................................................................................................................................... 27

Kapitel 1

Einleitung und raumplanerische Relevanz

2

Einleitung und raumplanerische Relevanz

3

D

„Urbanisierung heißt in Zukunft Wachstum der Grünräume“, sagt der Architekt Friedrich von Borries in einem Online-Artikel vom 30.10.2010 auf zeit.de und verweist damit auf die wachsende Bedeutung von Grünstrukturen in den Städten (vgl. Website Zeit Online 5). Urbane Räume definieren sich nicht mehr durch ein bauliches Wachstum, stattdessen gilt die Entwicklung einer ökologisch nachhaltigen Stadt als aktuelles städtebauliches Credo, in dem Natur und Umwelt auf verschiedene Weisen zurück in die Stadt gebracht werden soll. Das relativ junge Phänomen ‚Urban Gardening könnte dabei eine Möglichkeit sein, eine grünere Stadtentwicklung voranzutreiben. Es steht für die projektbezogene Entstehung gemeinschaftlich bewirtschafteter Gärten im urbanen Raum. Dabei transportiert die Bewegung das traditionell private Betätigungsfeld des Gärtnerns in die Öffentlichkeit der Moderne und zielt darauf ab, unbelebte graue Orte der Stadt zu begrünen. Ziel und Forschungsfragen Setzt man diese neu entstehenden urbanen Gemeinschaftsgärten in Beziehung zu der Problemstellung der Wiedernutzung von Brachflächen, erscheint es denkbar, dass sie für eine Reaktivierung von innerstädtischen Brachflächen sorgen und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige Stadtentwicklung stellen können. Denn offensichtlich wirken sie sowohl auf räumlicher, als auch sozialer und ökologischer Ebene. Unter dem Titel ‚Oasen im Beton setzt sich die vorliegende Diplomarbeit mit dieser Annahme auseinander. Sie zielt auf eine wissenschaftliche Untersuchung der Frage ab, ob ‚Urban Gardening die Reaktivierung und Wiedernutzung innerstädtischer Brachflächen ermöglicht und somit als ein neues Instrument der modernen Stadtentwicklung unter dem Aspekt des sparsamen Flächenverbrauchs fungieren kann. Um eine wissenschaftliche Erarbeitung dieser Fragestellung zu gewährleisten, setzt sich diese Arbeit mit folgenden Forschungsfragen auseinander, die für die Erarbeitung als Leitfaden dienen:    Stellen innerstädtische Brachflächen potentielle Standorte für Urban Gardening Projekte dar? Wie reagieren die Projekte auf bekannte Hemmnisse und Probleme der Wiedernutzung von Brachflächen? Kann Urban Gardening für eine Reaktivierung und Wiedernutzung von Brachflächen sorgen und wie geschieht dies?

ie politische Auseinandersetzung mit dem Klimawandel hat in den letzten Jahren die ökologische Nachhaltigkeit verstärkt auf die Agenda der Stadtentwicklung gesetzt. Neue Ansätze gewannen an Bedeutung, die einen sparsameren Umgang mit Grund und Boden zum Ziel hatten. In Deutschland wurde 2002 im Zuge der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie das 30-Hektar Ziel formuliert, das eine Verringerung des täglichen Flächenverbrauchs in Deutschland auf 30 Hektar bis 2020 als Ziel festhielt (vgl. Website BMU 1). Dort wird die Wiedernutzung von Brachflächen als eine der zielführenden Maßnahmen genannt. Wie diese Reaktivierung erfolgen kann ist eine Problemstellung, mit der sich Planer und Städtebauer aktuell befassen.

Aufbau der Arbeit Um die Auseinandersetzung mit den Forschungsfragen nachvollziehbar und verständlich zu gestalten, befasst sich die Arbeit zunächst auf theoretischer Ebene mit der Erläuterung der thematischen Hintergründe. Dazu wird in Kapitel 2 auf die Existenz von Brachflächen als Problemstellung eingegangen. Die Arbeit sammelt planerisch relevante Definitionen des Begriffs Brachfläche und integriert diese in eine eigens erstellte Definition. Im Anschluss wird die Entwicklungsgeschichte von Brachflächen untersucht und ein Exkurs zu ihrem quantitativen Bestand in Deutschland durchgeführt. In Kapitel 2.4 setzt sich die Arbeit mit der Problemstellung auseinander und erläutert, wieso eine Wiedernutzung von Brachflächen

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aus städtebaulichen Gründen verfolgt werden soll und wird. Die bestehenden Hemmnisse und Probleme, die eine Wiedernutzung von Brachflächen verhindern, werden abschließend in Kapitel 2.5 erörtert. Kapitel 3 befasst sich eingehend mit dem Phänomen Urban Gardening und erklärt, was es mit dem Begriff und der Bewegung auf sich hat. Um ein klares Bild des Untersuchungsobjektes zu bieten, wird der Begriff Urban Gardening in Kapitel 3.1 zunächst anhand seiner zentralen räumlichen und thematischen Einordnung definiert. In Kapitel 3.2 wird die Entwicklungsgeschichte gärtnerischer und landwirtschaftlicher Tätigkeiten im urbanen Raum in Deutschland ab dem beginnenden 20. Jahrhundert dargestellt. Kapitel 3.3 erarbeitet, inwiefern sich das moderne Urban Gardening daran anschließt und gibt Auskunft über zentrale Charakteristika des Phänomens. Dabei wird eine tiefergreifende Definition vorgenommen, die die Abgrenzung anderen Begriffen der Thematik zum Ziel hat. Um das inhaltliche Konzept des Urban Gardening in Deutschland nachvollziehbar zu machen, werden zwei zentrale Vorbilder herangezogen: Die ‚Agricultura Urbana 1 in Kuba und die ‚Urban Agriculture in den USA. Kapitel 3.4 stellt das Herzstück dieses Abschnitts dar und befasst sich eingehend mit den thematisch breit aufgestellten Zielsetzungen und Motivationen der Urban Gardening Projekte in Deutschland. Mit einer kurzen Präsentation von drei bekannten und für die Bewegung in Deutschland vorbildhaften Projekten aus Berlin, Göttingen und Leipzig in Kapitel 3.5 und einer kurzen Zusammenfassung in Kapitel 3.6 schließt der dritte Abschnitt. Nachdem Problemstellung und Untersuchungsobjekt in den vorangegangenen Kapiteln detailliert beschrieben wurden, beschäftigt sich die Diplomarbeit in Kapitel 4 mit der oben formulierten Zielsetzung. Die Beantwortung der drei Forschungsfragen fungiert dabei als Grundstruktur. In Kapitel 4.1 wird dargestellt, ob innerstädtische Brachflächen potentielle Standorte für Urban Gardening Projekte sind. Im Anschluss wird in Kapitel 4.2 der Frage nachgegangen, ob die in Kapitel 2.5 erläuterten Probleme und Hemmnisse der Wiedernutzung und Reaktivierung von Brachflächen auch die Durchführung von Urban Gardening verhindern. Kapitel 4.3 beschäftigt sich eingehend mit der dritten Forschungsfrage und untersucht, auf welchen Ebenen die Wiederbelebung einer Brachfläche durch Urban Gardening stattfindet. Mit einem Fazit in Kapitel 4.4 werden die zentralen Ergebnisse zusammengefasst und in kurzer Form wiedergegeben. Anschließend wird erörtert, wieso eine Beschränkung des Urban Gardening auf eine Zwischennutzung zum Zwecke der ökonomischen Aufwertung einer Brachfläche nicht nur für die Bewegung selbst, sondern auch für die Stadtentwicklung schädlich ist. Wie Städte und Kommunen diesbezüglich unterstützend für die urbanen Gemeinschaftsgärten wirken können, stellt das abschließende Kapitel 5 dar. Es formuliert an Städte und Kommunen adressierte Handlungsempfehlungen, die für die Entstehung neuer Garteninitiativen und für das Bestehen und die Weiterführung bereits existierender Projekte sorgen. Methodisches Vorgehen Kapitel 2 und 3 stellen den theoretischen Rahmen der Arbeit dar. Dazu werden Wissen und Forschungsergebnisse aus der Fachliteratur analysiert und im Kontext der Zielsetzung und der Forschungsfragen dieser Diplomarbeit verarbeitet. In Kapitel 3.4, das sich mit den Zielen und Motivationen der Urban Gardening Bewegung auseinandersetzt, werden die Aussagen aus der Literatur durch die Ergebnisse eines OnlineFragebogens geprüft (s. Anhang I). Dieser Fragebogen wurde mit Hilfe der Stiftung Interkultur 2 per Mai-

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Spanischer Begriff für die urbane Landwirtschaft Die Stiftung Interkultur ist ein Projekt der in München ansässigen Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis. Sie unterstützt finanziell und mittels Beratungsgesprächen die Entstehung neuer interkultureller Gemeinschaftsgärten in Deutschland.

Einleitung und raumplanerische Relevanz

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ling an aktive Teilnehmer der urbanen Gemeinschaftsgärten in ganz Deutschland versendet. An der Bearbeitung und Beantwortung des Fragebogens beteiligten sich 93 Menschen. Ziel von Kapitel 4 ist die Beantwortung der drei Forschungsfragen. Dazu geht der Abschnitt auf die Inhalte der beiden vorangegangenen Kapitel ein und setzt sie zueinander und zu den Forschungsfragen in Beziehung. Anhand der in Kapitel 3 gewonnen Erkenntnisse zur inhaltlichen Form und den Charakteristika der Urban Gardening Bewegung wird beantwortet, ob innerstädtische Brachflächen als potentielle Standorte der urbanen Gärten in Frage kommen und wie sie mit klassischen Hemmnissen einer Wiedernutzung umgehen. Um hierfür konkrete und praxisbezogene Informationen zu erlangen, wurde ein zweiter OnlineFragebogen (s. Anhang II) erstellt, der sich an die Leiter von Urban Gardening Projekten in ganz Deutschland wendete. Er bestand aus qualitativen und quantitativ gestellten Fragen. Dadurch hatten die Projektleiter die Möglichkeit, das Reaktivierungspotential von Urban Gardening auf diversen Ebenen zu beurteilen und im Anschluss in Freitexten zu erläutern, wie sie selbst eine Wiederbelebung in ihrem Garten erwirken. Durch die offene Fragestellung konnte eine Vielzahl an Maßnahmen gesammelt werden, die die breite Palette an Möglichkeiten anschaulich darstellt. Dieser zweite Fragebogen wurde von 29 Projektleitern ausgefüllt.

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Kapitel 2

Brachflächen und ihre Bedeutung für die Stadt

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Brachflächen und ihre Bedeutung für die Stadt

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I

n diesem Kapitel wird durch die Auseinandersetzung mit der Entstehung und Entwicklung von Brachflächen sowie ihren Auswirkungen auf Stadtentwicklung und –gestalt die Problemstellung der vorliegenden Diplomarbeit beschrieben. Zunächst beschäftigt sich Kapitel 2.1 mit bestehenden Definitionen des Begriffes ‚Brachfläche und erarbeitet eine eigene für diese Diplomarbeit geltende Definition. Darauf folgt ein geschichtlicher Abriss, der die Entstehung und Entwicklung von Brachflächen näher erläutert. Abschnitt 2.3 stellt einen kleinen Exkurs dar, in dem der quantitative Bestand von Brachflächen in Deutschland analysiert wird. Die beiden folgenden Unterkapitel befassen sich detailliert mit der Frage, warum Brachflächen ein Problem für Städte und Kommunen darstellen. Dazu untersucht Kapitel 2.4 die Gründe, die für eine Wiedernutzung dieser Flächen sprechen, während Kapitel 2.5 als Abschluss aufzeigt, an welchen Hemmnissen und Problemen viele neue Nutzungen auf Brachflächen scheitern.

2.1. Was sind Brachflächen?
2.1.1. Bestehende Definitionen

Vom althochdeutschen Wort ‚brhhā für Brechen abstammend hat der Begriff Brachfläche seinen Ursprung in der Agrarwirtschaft (vgl. Website Universal Lexikon 1). In Mitteleuropa wurde ab dem 8. Jahrhundert traditionell mit der Dreifelderwirtschaft verfahren, nach der jede Flur in dreijährigem Wechsel als Sommer- und Winterfeld und anschließend als beweidete Brache bewirtschaftet wurde. Die letzte Phase diente als Ruhephase für den Boden, der sich erholen konnte und Nährstoffe entwickelte. In dieser Zeit förderte die Flur keinen Ertrag (vgl. Website Universal Lexikon 2). Der Duden beschreibt eine Brachfläche bzw. Brache als „brachliegendes Feld / Land“ (vgl. Website Duden) und setzt den Bezug primär auf die Landwirtschaft. „Brachliegend“, so ist dort zu lesen, bedeutet „nicht genutzt werden“. Gesetzlich wird der Begriff Brachfläche nur im Landschaftsgesetz Nordrhein-Westfalen (LG NRW) definiert. Dort heißt es: „Als Brachflächen gelten Grundst“cke, deren Bewirtschaftung aufgegeben ist oder die länger als drei Jahre nicht genutzt sind, es sei denn, dass eine Nutzung ins Werk gesetzt ist." (LG NRW §24, Abs.2) Der Gesetzestext deutet auf drei Charakteristika von Brachflächen hin: Er nennt die Nichtexistenz einer Bewirtschaftung, eine zeitliche Komponente dieser fehlenden Nutzung (mind. drei Jahre) und den Status als unbeplante Fläche. Im Baugesetzbuch (BauGB) findet der Begriff Brachfläche keine Definition, wird aber in §165 erwähnt. Die Wiedernutzung von Brachflächen wird dort als städtebauliche Maßnahme genannt, die einer Gemeinde zum Wohle der Allgemeinheit ermöglicht, einen Bereich als städtebaulichen Entwicklungsbereich förmlich zu beschließen. Sie ist gelistet neben Maßnahmen zur Deckung eines erhöhten Bedarfs an Wohn- und Arbeitsstätten und zur Errichtung von Gemeinbedarfs- und Folgeeinrichtungen (vgl. BauGB §165 Abs. 3 Satz 2).

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Abb. 1

Brachfläche in der Nähe des Nürnberger Hauptbahnhofs (Quelle: Website Nordbayern)

In der Fachliteratur existieren für die ‚Brachfläche mehrere Definitionen, da die Autoren ihre Schwerpunkte durch unterschiedliche Blickwinkel verschieden setzen. So stellt bspw. Estermann den ökonomischen Aspekt in den Mittelpunkt, indem er Flächen als Brachflächen bezeichnet, wenn diese „[…] aufgrund ihrer Lage, ihrer natürlichen Bedingungen oder wegen ihrer ehemaligen Nutzungen nicht mehr wirtschaftlich genutzt werden können […]“ (Estermann nach Dransfeld et al. 2002: 13). Wegener spricht bei Brachflächen von „[…] ungenutzte[n] funktionslose[n] Flächen, von denen sich )nvestoren, Eigentümer oder Nutzer vorübergehend oder endgültig zurückgezogen haben.“ (Wegener nach Dransfeld et al. 2002: 13). Er unterstreicht die fehlende Nachfrage der Fläche und ihre damit einhergehende Funktionslosigkeit. Kahnert fokussiert sich in seiner Definition auf ehemalige Betriebsgrundstücke, die einerseits „[…] bisher keiner optimalen neuen Nutzung zugeführt wurden und die [andererseits] von den Unternehmen nicht mehr benötigt werden.“ Kahnert nach Dransfeld et al. 2002: 13). Meißner unterstreicht die (Nicht- Nutzung durch den Menschen, indem er Brachflächen als „[…] ehemals anthropogen genutzte Flächen […]“(Meißner 2004: 10) definiert. Zu diesen ehemals anthropogen genutzten Flächen zählt Meißner gewerbliche, industrielle, landwirtschaftliche, Siedlungs- bzw. Wohnflächen, Reserve- und ehemalige Berg- und Bodenbauflächen. Er weitet zudem das Verständnis der Funktionslosigkeit aus und hält fest, dass Brachflächen „[…] derzeit ungenutzt bzw. untergenutzt sind oder zwischengenutzt werden.“ (ebd.). Ein weiteres Kriterium für die Definition einer Brachfläche ist der Zeitaspekt, der bereits in §24 LG NRW benannt ist (s.o.). Die angewandte Zeitspanne der Nichtnutzung als Kriterium zur Definition einer Brachfläche verkürzte sich von fünf Jahren, wie sie Dieterich in den 80er Jahren festhielt, auf drei Jahre, wie sie heute das LG NRW schreibt (vgl. Dransfeld et al. 2002: 14).

Brachflächen und ihre Bedeutung für die Stadt

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Als „[…] kommunales und vor allem auch städtebauliches Aufgabenfeld […]“ Kahnert u. Rudowsky 1999: 2) sehen Kahnert u. Rudowsky Brachflächen, „[…] wenn [diese] aufgrund ihres Zustandes keine angemessene Folgenutzung erfahren.“ ebd. . Mit ihrer Erklärung rücken sie den Begriff in einen planerischen Zusammenhang. Eine planerische Auseinandersetzung mit den Brachflächen ist laut den Autoren bereits durch die Tatsache gegeben, dass „[…] gewerbliche Brachflächen i.d.R. einen städtebaulichen Mißstand darstellen […]“ ebd. .

Eine umfassendere Definition des Begriffs Brachfläche bieten Winkler und Kriebel (1992), wobei sie konkret auf die Verbindung zwischen dem Begriff und der Planung bzw. dem Städtebau eingehen: „Eine Fläche ist dann im planerischen oder städtebaulichem Sinne eine Brache, wenn sie nach Aufgabe der vorhergehenden Nutzung über einen längeren Zeitraum ungenutzt und – unter ökonomischen Gesichtspunkten – funktionslos geworden ist, für die sich aus unterschiedlichen Gründen keine Folgenutzung über den Markt findet und für die folglich aus städtebaulichen Gründen Handlungsbedarf gegeben ist. (vgl. Website Ruhr-Uni Bochum)

2.1.2.

Eine universelle Definition für den Begriff ‚Brachfläche liegt weder in einem Gesetzestext noch in der Fachliteratur vor. Vielmehr werden in vorhandenen Definitionen (s.o.) unterschiedliche Ausprägungen desselben Phänomens angesprochen. Um der umfassenden Bedeutung des Begriffes, die die verschiedenen gesetzten Schwerpunkte aufzeigen, gerecht zu werden, wird für die vorliegende Arbeit eine eigene Definition der ‚Brachfläche erarbeitet. Dazu werden Kriterien zur Bestimmung einer Brachfläche festgelegt, wobei auf die Aussagen der angeführten Definitionen eingegangen wird. Es handelt sich bei der folgenden Definition dabei um eine Kriterien-Checkliste und nicht um eine Definition im klassischen Sinn. Eine Fläche gilt als Brachfläche, wenn folgende Kriterien im Zusammenhang mit ihr erfüllt sind:       Es handelt sich um eine (ehemals) anthropogen genutzte Fläche. Dabei ist die Art der früheren Nutzung der Fläche nicht von Belang, solange sie einen wirtschaftlichen oder städtebaulichen Zweck erfüllte, also eine Fläche mit Funktion war. Die Fläche wird aus diversen Gründen (z.B. Lage, ehemalige Nutzung, natürliche Bedingungen, Betrieb benötigt sie nicht mehr) wirtschaftlich nicht mehr nachgefragt, weswegen sich Investoren, Eigentümer oder Nutzer zurückgezogen haben. Sie ist daher im wirtschaftlichen Sinne funktionslos. Sie wurde noch keiner optimalen neuen Nutzung zugeführt und wird daher nicht genutzt, untergenutzt oder zwischengenutzt. Der Zustand der Fläche verhindert, dass eine wirtschaftliche Wiedernutzung durch markttypische Nachfrage- und Angebotsstrukturen erreicht wird. Um eine Folgenutzung zu ermöglichen, besteht planerischer und städtebaulicher Handlungsbedarf. Die Aussagen der genannten Punkte gelten seit mindestens drei Jahren. Unwichtig ist dabei, ob eine Wiedernutzung der Fläche in absehbarer Zeit zu erwarten ist.

Erarbeitung einer eigenen Definition

Im Zuge dieser Diplomarbeit wird der Fokus auf innerstädtische Brachflächen gelegt. Um einer qualifizierten Untersuchung dieser gerecht zu werden, werden dabei jedoch auch Brachflächen, die sich nicht im städtischen Raum befinden, im Zusammenhang betrachtet.

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2.2. Zur Entwicklungsgeschichte von Brachflächen
Anhand ihrer ehemaligen Nutzung werden drei Brachflächentypen voneinander unterschieden: Die Industrie- und Gewerbebrachen, die Militärbrachen und die Infrastruktur- und Verkehrsbrachen (vgl. Dransfeld et al. 2002: 8).

2.2.1.

Struktureller Wandel der Wirtschaft

Industrie- und Gewerbebrachen entstehen primär durch den strukturellen Wandel der Wirtschaft. Die in Mitteleuropa fortschreitende Deindustrialisierung und der Bedeutungsverlust des industriellen Sektors führten zur Aufgabe von derartigen Produktionsstandorten und hinterließen zahlreiche Freiräume (vgl. Dransfeld et al. 2002: 12; Kahnert u. Rudowsky 1999: 1; Kather 2010: 2). Vor allem wirtschaftlich monostrukturierte Gebiete wie das Ruhrgebiet als traditioneller Standort der Montanindustrie sind von dieser Entwicklung stark betroffen. Als Folge der Stilllegungswellen von Zechen in den 20er und 50er Jahren fielen zahlreiche Flächen brach, die funktionslos blieben oder auf Grund ihrer Größe nur zum Teil in der Folge gewerblich genutzt wurden (vgl. Dransfeld et al. 2002: 6; Kahnert u. Rudowsky 1999: 5).

Abb. 2

Industrieruine im Westpark Bochum (Quelle: Website Academic)

Während des wirtschaftlichen Aufschwungs der Nachkriegszeit war die Nachfrage nach Flächen noch hoch genug, um eine umgehende Wiedernutzung brachgefallener Flächen zu sichern. Die Situation änderte sich jedoch durch die Ölkrisen von 1973 bzw. 1975, die das wirtschaftliche Wachstum der Bundesrepublik abbremste. Während die Anzahl der Brachen zunahm, sank die Nachfrage nach ihnen und der finanzielle Spielraum der Kommunen wurde zusehends kleiner. In der Folge hatten diese kein Kapital mehr, um eine Wiedernutzung der Brachflächen voranzutreiben (vgl. Kahnert u. Rudowsky 1999: 5).

Brachflächen und ihre Bedeutung für die Stadt

13

Verstärkt wurde die Entstehung von Brachflächen mit der Wiedervereinigung von BRD und DDR im Jahr 1990. Der Strukturwandel der ehemaligen ostdeutschen Zentralverwaltungswirtschaft3 hin zum westdeutschen Modell der Marktwirtschaft führte zu einem „[…] massiven Rückgang[] der industriellen Aktivitäten […]“ (vgl. ebd: 6).

Die Deindustrialisierung und damit die Freiwerdung früherer Industrieflächen in Deutschland ging auch mit der Globalisierung einher. Durch internationale Arbeitsteilung und weltweite Transportmöglichkeiten entwickelte sich Deutschland zu einem Dienstleistungs- und Hochlohnland mit technologie- und wissensintensiven Branchen, während der industrielle Sektor in andere Länder abwanderte (vgl. Dransfeld et al. 2002: 8, 12).

Oftmals gründete der Wegzug eines Unternehmens von einer Fläche allerdings auch auf veränderten Anforderungen an den Standort oder betriebsinternen Umgestaltungen: Betriebsschließungen, Standortzusammenlegungen oder fehlende Erweiterungsmöglichkeiten führten zur Aufgabe oder Verlagerung der Produktion an besser geeignete Standorte (vgl. Dransfeld et al. 2002: 12; Kahnert u. Rudowsky 1999: 1). Bessere Expansionsmöglichkeiten und geringere Bodenwerte zeichnen die Gebiete im Außenbereich aus, weshalb sich viele Unternehmen auf der ‚grünen Wiese niederließen. Vor allem in gemischt genutzten Gebieten führte der Mangel an Erweiterungsmöglichkeiten zum Wegzug. Umweltschutzauflagen wie das Bundesimmissionsschutzgesetz und der Trend zur Nutzungsentmischung in diesen Gebieten unterstützten die Entwicklung (vgl. Dransfeld et al. 2002: 8). In den 90er Jahren begannen die Unternehmen aktiv mit ihren Liegenschaften umzugehen. Die Konzernflächen wurden vermehrt unter ökonomischen Gesichtspunkten analysiert und auf Kosten-, Einsparungs-, Ertrags- und Verwertungspotential untersucht. Unter dem Begriff „facility managament“ bzw. „real estate management“ wurde die Notwendigkeit des Betriebs auf den Flächen bewertet und eventuelle Vermarktungsmöglichkeiten erarbeitet. In der Folge veräußerten viele Unternehmen Teile ihrer Betriebsflächen (vgl. Dransfeld et al. 2002: 8; Kahnert u. Rudowsky 1999: 6). Die Aufgabe betrieblicher Flächen kann zudem Folge des Konkurses einer Firma sein oder zustande kommen, weil sich eine Erbengemeinschaft nicht auf eine Folgenutzung einigen kann. Ebenso möglich ist, dass der Bauunternehmer für seine Planung keine Genehmigung bekommt (vgl. Rasper 2012: 54).

2.2.2.

Ehemalige Militärflächen

Der Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1989 beendete die Konfrontation und das Wettrüsten zwischen den Alliierten und der kommunistischen Regierung. Vor allem in Deutschland als ehemaliges „[…] Hauptaufmarschgebiet alliierter und sowjetischer Streitkräfte […]“ Bläser u. Kraus 2008: 16) kam es in der Folge zu Abrüstungs- und Transformationsprozessen, die sowohl auf die stationierten Truppengrößen als auch die Größe der für militärische Nutzungen vorbehaltenen Flächen Auswirkungen hatten. Viele ehemalige Kasernenflächen wie auch Wohnquartiere für die Soldaten wurden nicht mehr benötigt und zu Konversionsflächen4 entwickelt. Während der ersten Reduzierungswelle zwischen 1989 und 1995 verringerte sich die militärisch genutzte Fläche um fast ein Drittel auf 6.400 km² (vgl. ebd.: 16). Ende 2004 leitete die Bundeswehr die dritte

3

4

Grundprinzip dieses Systems war die zentrale Planung und Lenkung von Produktion und Verteilung der Güter. Produktionsmittel und Bankwesen waren in Staatshand (vgl. Website UPR Database). In Bezug auf ehemalige militärische Flächen versteht man unter dem Begriff Konversion die Umwandlung von militärischen in zivile Nutzungen. Beachtung finden neben Standortkonversion und Raum- oder regionaler Konversion auch die Rüstungskonversion und die Konversion mobiler Rüstungsgüter (vgl. Bläser u. Kraus 2008: 12).

14

Standortschließungswelle ein, durch die über 100 weitere Standorte nicht mehr durch das Militär genutzt wurden. Brachflächen (vgl. Dransfeld et al. 2002: 12; Jacoby 2008: 6; Kahnert u. Rudowsky 1999: 6).

Abb. 3

Sportplatz und ehemalige Kasernengebäude der Turley Barracks in Mannheim (Quelle: Website Stadt Mannheim 2)

Einige dieser Flächen, vor allem frühere Kasernenanlagen, befinden sich in attraktiver innerstädtischer Lage und ermöglichen eine Umnutzung der Gebäude hin zur Wohnnutzung. Das Interesse an diesen Flächen hat daher in den letzten Jahren stark zugenommen, wie Konversionsprojekte der Städte München, Tübingen, Würzburg, Mannheim, Münster oder Heidelberg zeigen (vgl. Rat für nachhaltige Entwicklung 2004: 32ff; Website Konversion Mannheim & Heidelberg; Website Stadt Mannheim 1; Website Stadt Münster; Website Stadt Würzburg). Der überwiegende Großteil ehemaliger Militärflächen befindet sich im Außenbereich. Sie wurden als Depots, Flug- und Übungsplätze oder Raketenstellungen genutzt (vgl. Dransfeld et al. 2002: 10ff; Kahnert u. Rudowsky 1999: 6).

2.2.3.

Ehemalige Infrastruktur- und Verkehrsflächen

Ursprünglich für infrastrukturelle oder verkehrliche Nutzung vorgesehene Flächen wie die der Bahn, der Post oder der Telekom wurden aufgrund von Rationalisierungs- und Konzentrationsmaßnahmen, vergleichbar also mit der oben genannten Liegenschaftspolitik der Unternehmen, aufgegeben (vgl. Dransfeld et al. 2002: 12; Rat für nachhaltige Entwicklung 2004: 16). Die Bahn wurde dabei durch die Teilprivatisierung zu mehr Eigenwirtschaftlichkeit und Umsatz gezwungen, wodurch ihre Flächen für Kommunen und andere Unternehmen interessant wurden (Kahnert u. Rudowsky 1999: 7).

Brachflächen und ihre Bedeutung für die Stadt

15

Abb. 4

Ehemaliger Rangierbahnhof und Ortsgüteranlage in Jünkerath, Rheinland-Pfalz (Quelle: Website Stadt-Land-Bahn)

Im Gegensatz zu den militärischen Konversionsflächen befinden sich großmaßstäbliche Brachen dieser Art im städtischen )nnenbereich, in deren Zusammenhang „[…] aufgrund ihrer Größe und vor allem ihrer Lage im Stadtgefüge gewissermaßen ‚Stadt neu gebaut werden muß [sic] “ (Kahnert u. Rudowsky 1999: 7).

2.3. Diskurs zum quantitativen Bestand von Brachflächen
Eine quantitative Bestimmung von Brachflächen und ihrer Größen ist schwierig. Dies liegt einerseits an der Aufwendigkeit der Untersuchungen und der mangelnden Datengrundlage. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) ermittelte in einer Studie von 2004, dass nur knapp über die Hälfte aller Kommunen eine Brachflächenkartierung durchführen (vgl. Beckmann u. Dosch 2004: 65). Andererseits begründet sich das Problem auf der Unterschiedlichkeit der Methoden zur Datenerhebung. Weil in den Untersuchungen der Begriff Brache unterschiedlich behandelt wird und diese den Fokus auf diejenigen Flächen legen, die ein spezielles Neunutzungspotential erfüllen (bspw. Wohnnutzung), weisen die Ergebnisse Unterschiede auf. Das International Centre for Soil and Contaminated Sites (ICSS) im Umweltamt untersuchte im Jahr 2000 das Flächenpotential von Brachflächen in Deutschland. Als Brachflächen wurden „[…] vorgenutzte Flächen, die aus ökologischen, städtebaulichen oder sozialen Gründen einer neuen Nutzung zugeführt werden sollten […]“ (ICSS 2005: 6) bestimmt. Die Untersuchung ergab einen Gesamtbestand von 139.000 ha,

16

was den Ausmaßen einer Fläche gleichkommt, die „[…] etwa halb so groß ist wie das Saarland.“(ICSS 2005: 6). Lohse et al. schätzen in ihrer Untersuchung das Flächenpotential von Brachen auf etwa 128.000 ha und verweisen auf das nicht genutzte Baulandpotential im Wert von etlichen Milliarden Euro (vgl. Lohse et al. 2005: 5). Auch Burmeier, Doetsch und Rüpke kamen auf ein Ergebnis von 128.000 ha Brachflächen in Deutschland. Dabei definierten sie mit 50.000 ha den größten Anteil als städtebaulich relevanten Konversionsliegenschaften, 38.000 ha wiesen sie als gewerbliche Immobilien von TreuhandLiegenschaftsgesellschaften aus, 20.000 ha befinden sich im Eigentum der Bahn AG und 19.000 ha deklarierten sie als Gewerbebrachen (vgl. Dransfeld et al. 2002: 19f). Ein ähnliches Ergebnis errechneten Kloos et al., die bundesweit 140.000 ha nicht mehr genutzter Industrie-, Bahn- und Militärflächen feststellten (vgl. Kloos et al. 2007: 8). Auch das BBR führte eine eigene Untersuchung zur quantitativen Bestimmung von Brachflächen durch, wobei ausgewählte Kommunen direkt zum Thema befragt wurden. Die Kommunen lagen in Agglomerations- und verstädterten Räumen, in denen insgesamt etwa 35 Mio. Menschen, also fast 40% der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik, lebten. Dadurch besitzt die Umfrage einen repräsentativen Charakter. In der Studie von 2000 kamen die Forscher auf einen Brachflächenumfang von insgesamt 44.000 ha (vgl. Dransfeld et al. 2002: 35). Die Studie kommt also auf ein deutlich geringeres Ergebnis als die zuvor genannten Untersuchungen. Grund dafür ist, dass das BBR zum Einen ausschließlich eine Gewerbebaulandumfrage durchführte und zum Anderen nur die Brachflächen betrachtete, die Wiedernutzungspotentiale für Wohnbauzwecke, Naturentwicklung, öffentliche Nutzung und gewerbliche Nutzung besitzen (vgl. ebd.: 31). Für Nordrhein-Westfalen ergibt eine Untersuchung des Landesamtes eine Fläche von 10.000 ha Halden, Unland und ungenutzter Siedlungsfläche. Der Kommunalverband Ruhrgebiet errechnete mittels Luftbildauswertungen 8.500 ha, während Experten von 6.000 ha ausgehen (vgl. Dransfeld et al. 2002: 36).

Vergleicht man die dargestellten Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen miteinander, so zeigt sich, dass ohne Differenzierung nach möglichen Folgenutzungen ein gesamtdeutsches Brachflächenpotential von etwa 128.000 ha bis 140.000 ha. Auf Grund dieser Dimensionen erweist sich die Beschäftigung mit der Wiedernutzung dieser Flächen als ein wichtiger Beitrag für eine flächensparende Stadtentwicklung.

2.4. Vier Gründe: Die Wiedernutzung von Brachflächen als …
Eine minimierte Inanspruchnahme von Flächen im Außenbereich und die Verlagerung der Bautätigkeiten vermehrt hin zu brachliegenden Flächen stehen nicht nur auf der Agenda von Organisationen, die sich klassischerweise mit dem Thema Umweltschutz befassen. Auch der Deutsche Städtetag spricht sich für diese Entwicklung aus und fordert eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um Wiedernutzung zu erleichtern (vgl. Deutscher Städtetag 2002: 12). Die neuerliche Nutzung von Brachen ist aber auch von politischer Seite gewollt. So gilt in Deutschland laut BauGB §1 Abs. 5 das Leitbild der nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung. Eine sparsame, natur- und sozialverträgliche Flächennutzung gilt als zentrales Element, zu der sich Deutschland bereits 1996 zusammen mit weiteren UN-Staaten auf der Weltsiedlungskonferenz HABITAT II verpflichtet hat (vgl. Jacoby 2008: 1). In BauGB §1a Abs. 2 fordert der Gesetzesgeber den sparsamen Umgang mit Grund und Boden, wobei „[l]andwirtschaftlich, als Wald […] genutzte Flächen […] nur im notwendigen Umfang umgenutzt werden […]“ (BauGB §1a Abs.2) sollen. Konkret wurden diese Aussagen im Jahre 2002 in der nationalen

Brachflächen und ihre Bedeutung für die Stadt

17

Nachhaltigkeitsstrategie festgehalten: Das so genannte 30-Hektar-Ziel beinhaltet eine Verringerung des täglichen Flächenverbrauchs in Deutschland auf 30 Hektar bis 2020 (vgl. ICSS 2005: 9; Jacoby 2008: 1; Kather 2010: 4; Fuhrich 2004: 81ff). Zwischen 1993 und 1996 betrug der Wert im Vergleich 140 Hektar, im Jahr 2012 noch 87 (vgl. Website BMU 2). Zur Erreichung dieses Ziels kann die Verfolgung der Brachflächenreaktivierung einen entscheidenden Beitrag leisten. Die Argumentation für eine Wiedernutzung von Brachflächen unterstützt die genannten Ziele und berührt mit Ökologie, Ökonomie, dem sozialen Gefüge einer Stadt bzw. eines Stadtteils und dem Städtebau zentrale Bereiche des urbanen Lebens. Die im Folgenden eruierten Argumente beziehen sich auf innerstädtische Brachflächen, während für Brachen im Außenbereich vermehrt eine freiräumliche oder landwirtschaftliche Nutzung angedacht wird.

2.4.1.

Aufwertungsmaßnahme und Imageverbesserung

Brachflächen sind nicht nur funktionslose, sondern in vielen Fällen auch verwahrloste Räume. Weil auf ihr keiner bestimmten Nutzung nachgegangen wird, erfahren ihr Zustand und Aussehen keine oder nur minimale Beachtung. Durch das Fehlen einer Bewirtschaftung werden keine Einnahmen generiert, wodurch das Zuständigkeitsgefühl und die Verantwortung abnehmen. Die Pflege der Fläche wird nur noch minimal verfolgt, in der Folge kommt es vermehrt zu Vandalismus und Vermüllung. Da an Orten, die bereits vermüllt sind, mehr Müll abgeladen wird, als an sauberen Orten 5, wirkt sich das vernachlässigte Erscheinungsbild von Brachflächen auf das umgebende Viertel aus und trägt zu ihrem Imageverlust bei. Die negative Ausstrahlung beeinträchtigt die Attraktivität und „[…] verursach[t] dadurch neben der Reduzierung der Bodenwerte soziale Segregationsprozesse.“ (Dransfeld et al. 2002: 42; vgl. Kahnert u. Rudowsky 1999: Vorwort). Die verringerten Boden- und Immobilienwerte unterstützen weitere Abwanderungsprozesse und gründen so eine Negativspirale. Die Reaktivierung einer Brachfläche eröffnet einer Kommune oder Stadt die Chance, diese Trends aufzuhalten. So können positive Entwicklungen bezogen auf Sauberkeit und soziale Durchmischung und städtebauliche und umweltbezogene Aufwertungsprozesse initiiert werden. Denn wie die genannten Abwärtskönnen auch Aufwärtsspiralen erwirkt werde. Dies gilt nicht nur für die Fläche selbst, sondern auch für ganze Stadtquartiere. Durch diese Maßnahmen kann die Attraktivität eines Viertels für Bewohner, Arbeitskräfte und Unternehmen verbessert werden (vgl. Dransfeld et al. 2002: 50; ICSS 2005: 6).

2.4.2.

Stärkung der Stadt als Verdichtungsraum

Abwanderungsprozesse, wie sie oben beschrieben wurden, schaden langfristig der Stadt in ihrer Struktur als Verdichtungsraum, indem sie sie als „Konzentrations- und Knotenpunkte gesellschaftlicher Aktivitäten“ (Dransfeld et al. 2002: 39) unterwandern. Kauertz et al. (2009) schreiben in diesem Kontext: „Voraussetzung f“r langfristig attraktive Wohn- und Arbeitsstandorte sind lebendige Ortskerne und Innenstädte. Eine angemessene Siedlungsdichte, effizient genutzte Infrastrukturen sowie aktive Dorfgemeinschaften und städtische Kulturen sind der wesentliche Garant daf“r. (Kauertz et al. 2009:7)

Allerdings weist die Stadtentwicklung in den letzten Jahrzehnten einen Trend in die gegensätzliche Richtung auf. Vor allem der suburbane Raum gewann als Wohnort an Bedeutung, wodurch die durchschnittli-

5

Zu diesem Ergebnis kommt William C. Finnie in seiner Studie ‚Field experiments in litter control‘ (vgl. Finnie 1973).

18

che Wegelänge des Berufsverkehrs von 1987 bis 2004 um etwa 15% zunahm, während sich die Siedlungsdichte in den Ballungsräumen im etwa gleichen Zeitraum um 10% reduzierte. Dies hat auch zur Folge, dass sich das Angebot soziale und medizinische Einrichtungen in den Zentren ausdünnt (vgl. Rat für nachhaltige Entwicklung 2004: 6).

Abb. 5

Brachfläche in Dessau, 2000 (Quelle: Website BBSR)

Um der Entdichtung der Städte entgegenzuwirken, die effiziente Nutzung der Infrastrukturen und -einrichtungen zu gewährleisten und eine städtische Lebensqualität zu sichern, müssen Städte und Kommunen vermehrt der Innen- Vorzug vor der Außenentwicklung einräumen. Die Wiedernutzung von Brachen stellt dazu eine zielorientierte Maßnahme dar (vgl. Dransfeld et al. 2002: 40; ICSS 2005: 5).

2.4.3.

Beitrag zu einer flächensparenden Stadtentwicklung

Bauvorhaben auf der grünen Wiese oder im suburbanen Raum, wie sie vielfach von Unternehmen verfolgt werden (vgl. Kapitel 2.2.1) oder durch die Errichtung von Neubauten und Siedlungen 6 erfolgen, haben für die Umwelt drastische negative Folgen: Die steigende Flächeninanspruchnahme im Außenbereich verringert kontinuierlich die Anzahl und Größe offener Landschaften, sie erhöht den Versiegelungsgrad und sie „[…] geht auf Kosten wertvoller natürlicher Ressourcen.“ (ICSS 2005: 6). Diese früher landwirtschaftlich, als Ressource für nachwachsende Rohstoffe oder sauberes Trinkwasser, für den Klimaausgleich oder den Hochwasserschutz genutzten Flächen verlieren so teilweise oder gänzlich ihre Funktion. Die Ausweisung dieser Freiflächen als Bebauungsflächen führt daneben unweigerlich zur Zersiedelung von Landschaften, verhindert wichtige ökologische Kreisläufe und schadet den Filter-, Puffer- und Lebensraumfunktionen (vgl. Dransfeld et al. 2002: 43; ICSS 2005: 5f; Rat für nachhaltige Entwicklung 2004: 5).

6

Vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser fallen darunter, da diese verglichen mit anderen Wohnformen den höchsten Flächenverbrauch pro Bewohner aufweisen (vgl. ICSS 2005: 6)

Brachflächen und ihre Bedeutung für die Stadt

19

Eine Abkehr dieser Strategie hin zur Wiedernutzung und Bebauung von Brachflächen, also ehemals ohnehin bebauter Flächen, wirkt dieser Entwicklung direkt entgegen. Sie bedeutet in der Konsequenz eine Reduzierung des Flächenverbrauchs, eine Vermeidung zusätzlicher Flächenversiegelung und den Schutz der ökologischen wie auch sozialen Funktion des Freiraums (vgl. Beckmann u. Dosch 2004: 66; Dransfeld et al. 2002: 40; Kather 2010: 4; Müller-Kleißler u. Rach 2004: 50; Müller, W. 2010: 4). Insgesamt kann die Reaktivierung von Brachflächen aus dieser Perspektive „[…] zu den wichtigsten Beiträgen für eine nachhaltige Kommunalentwicklung […]“ (Beckmann u. Dosch 2004: 66) gezählt werden. Sie unterstützt das Leitbild der Stadt der kurzen Wege, verringert Verkehrsbelastungen und vermeidet die Zerschneidung von Landschaften durch den Bau benötigter Infrastrukturen (vgl. Dransfeld et al. 2002: 50; ICSS 2005: 6; Müller, W. 2010: 4).

2.4.4.

Wirtschaftliche Maßnahme

Auch aus wirtschaftlichen Gründen stellt die Existenz einer Brachfläche ein Problem dar: Obwohl nicht genutzt, verursacht die Fläche Kosten durch „[…] Unterhaltung und Verkehrssicherung, für Anschlussgebühren, Grundsteuern und Versicherungen oder durch Verpflichtungen zur Gefahrenabwehr […]“ (ICSS 2005: 6), wie beispielweise Vandalismusschäden. Desweiteren bedeutet sie für den Eigentümer ungenutztes Kapital, weil die Bodenrente ausbleibt (vgl. Kather 2010: 2). Die Nutzung einer innerstädtischen Brachfläche bietet dagegen ökonomische Vorteile gegenüber neu ausgewiesenen Bebauungsflächen (im Außenbereich): Eine grundlegende Erschließung ist meist bereits vorhanden, wodurch diese kostenintensive Investitionen unnötig werden. Der Eigentümer genießt eine ausgebaute Verkehrsinfrastruktur sowie eine bessere Lagequalität im urbanen Umfeld, was unter Umständen zu wirtschaftlichen Vorteilen führt.

2.5. Hemmnisse und Probleme der Wiedernutzung
Dass Städte und Kommunen für innerstädtische Brachflächen ein Wiedernutzungspotential erkennen zeigen die Ergebnisse der Umfragen, die Beckmann und Dosch bzw. Müller-Kleißler und Rach in einer BBR Studie von 2004 durchführten: Die 508 dort befragten Städte und Gemeinden meldeten ein Flächenpotential für die gewerbliche Wiedernutzung von 11.300 ha, die sich zu 40% aus Gewerbebrachen, zu 35% aus Konversionsflächen und zu 10% aus ehemaligen Bahn- und Postflächen zusammensetzen. Diese Flächen eignen sich nach Aussage der Befragten mit 62,1% zum Großteil für eine gewerbliche Nutzung. Es folgen die Nutzungsformen Wohnen mit 23,5% und Naturentwicklung mit 14,3% (vgl. Beckmann u. Dosch 2004: 66). Im wohnwirtschaftlichen Sektor setzen sich knapp die Hälfte der deutschen Kommunen nach eigener Aussage mit der Verwertung brachliegender Flächen auseinander (vgl. Müller-Kleißler u. Rach 2004: 48). Der politische Wille und die Notwendigkeit zur Wiedernutzung innerstädtischer Brachen sind vorhanden. Soziale, städtebauliche, ökologische und ökonomische Argumente sprechen dafür. Dennoch wird das erkannte Problem in der Praxis in vergleichsweise geringem Ausmaß behandelt: Wohnungswirtschaftlich werden 77% der nutzungspotenten Brachflächen, also mehr als zwei Drittel, nicht bearbeitet, im gewerblichen Bereich befinden sich 60% nicht in bauleitplanerischer Bearbeitung (vgl. Beckmann u. Dosch 2004: 69; Müller-Kleißler u. Rach 2004: 50). Dies führt zu kuriosen Entwicklungen: Die durchschnittliche Siedlungsfläche erweitert sich - von 1961 bis 2001 um 80% - während die Zahl der Einwohner im selben Zeitraum nur um 20% zunahm. Parallel dazu vergrößert sich der Bestand an Brachflächen (vgl. ICSS 2005: 6). Was also hemmt die Wiedernutzung von Brachflächen? Welche Umstände verhindern die praktische Umsetzung einer neuen Bewirtschaftung?

20

2.5.1.

Unbekannte Risiken und kostenintensive Voruntersuchungen

Das größte Hemmnis für eine neue Nutzung spielen die schwer kalkulierbaren finanziellen Risiken einer Brachfläche, weshalb potentielle Nachfrager nur geringes Interesse zeigen. Während die Bereitstellung von Bauland im Außenbereich finanziell überschaubar ist, muss auf Brachen mit zusätzlichen Kosten durch Sanierungsmaßnahmen oder der Beseitigung von Fundamenten und unterirdischen Leitungen oder für dafür benötigte Voruntersuchungen in unbekannter Höhe gerechnet werden (vgl. Dransfeld et al. 2002: 47; ICSS 2005: 19; Müller-Kleißler u. Rach 2004: 52). Altlasten7 stellen hierbei ein zentrales Problem dar, Kahnert und Rudowsky sprechen sogar vom „[…] mittlerweile […] größten (emmnisfaktor […]“ Kahnert u. Rudowsky 1999: 3) unter den baulichstrukturellen Mängeln. Die Existenz von Altlasten ist oft weder per se noch in ihrer Dimension zuvor bekannt, die Kosten für Voruntersuchung und Bewältigung schreckt viele )nvestoren ab, wird als „Negativ)mage“ ICSS 2005: 24) gehandelt und verhindert eine Revitalisierung der Fläche (vgl. Dransfeld et al. 2002: 47; ICSS 2005: 7, 19, 24; Kather 2010: 5; Meißner 2004: 12).

Abb. 6

Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erfordern oft den kostenintensiven Einsatz von Großmaschinen (Quelle: Website Fugro)

Zudem muss der Käufer in der Folge mit nutzungseinschränkenden Auflagen wie dem Denkmalschutz und Umweltauflagen wie der Schaffung ökologischer Ausgleichsflächen rechnen, da das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) den Verursacher eines Eingriffs verpflichtet, „[…] vermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu unterlassen […]“ § Abs. BNatSchG und „[…] unvermeidbare Beeinträchtigungen durch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege auszugleichen (Ausgleichsmaßnahmen) oder zu ersetzen Ersatzmaßnahmen […]“ § Abs. BNatSchG . Als Eingriffe gelten „[…] Veränderungen der Gestalt oder Nutzung von Grundflächen oder Veränderungen des mit der belebten Bo-

7

„Altlasten sind nach dem Sondergutachten des von der Bundesregierung bestellten Rates der Sachverständigen für Umweltfragen von 1989 Altablagerungen und Altstandorte, sofern von Ihnen Gefährdungen für die Umwelt, insbesondere für die menschliche Gesundheit ausgehen oder zu erwarten sind. Die Definition einer Altlast beschränkt sich dabei auf räumlich begrenzte Flächen, d.h. großräumige Belastungen aus diffusen Quellen (z.B. Luftverschmutzung) sind nicht erfaßt.“ (Website Umweltbundesamt)

Brachflächen und ihre Bedeutung für die Stadt

21

denschicht in Verbindung stehenden Grundwasserspiegels, die die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts oder das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen können.“ § Abs. BNatSchG . )nsgesamt betrachtet verwundert es daher nicht, dass das „[…] Bauen auf der grünen Wiese für den )nvestor unkomplizierter erscheint als der Umbau bestehender Gebäude […]“ (Fuhrich 2004: 83). 2.5.2. Viele innerstädtische Brachflächen, aber wenig Nachfrage

Wie in Kapitel 2.3 gezeigt wurde, besteht in Deutschland ein großes Flächenpotential in Form von Brachflächen. Allerdings kann die Nachfrage nach diesen Flächen der Dimension des Angebots bei weitem nicht gerecht werden. Sie wird zudem aus folgenden Gründen zusätzlich verringert: Standorteigenschaften wie eine zu geringe oder auch im Gegenteil zu große Nutzfläche, die den Investor oft zu weit reichend angelegten Planungen und risikoreichen Investitionen zwingt, sind oft entscheidende Gegenargumente (vgl. Meißner 2004: 12). Gerade in struktur- und wirtschaftsschwachen Regionen ohne finanzkräftige Investoren, aber auch in florierenden Städten oder Regionen, die lange Zeit durch extreme Flächenknappheit geprägt waren, existiert damit wenig bis keine Nachfrage (vgl. Kahnert u. Rudowsky 1999: 8; Kather 2010: 5; Meißner 2004: 12; Müller-Kleißler u. Rach 2004: 51f). Zudem fehlt meist für diese Flächen ein ökonomischer Verwertungsdruck, weswegen die finanziellen Vorstellungen des Alteigentümers oft überzogen sind oder gar keine Neunutzung oder Veräußerung angedacht ist (vgl. Kahnert u. Rudowsky 1999: Vorwort, 3; Müller-Kleißler u. Rach 2004: 52). Zu bedenken ist auch, dass vor allem private Interessenten gewinnbezogen agieren und renditeträchtige Nutzungen planen. Diese versuchen sie in „[…] Räumen mit hoher wirtschaftlicher Dynamik […]“ (Kahnert u. Rudowsky 1999: 11) zu platzieren. Ohne planerischen Einsatz besitzen Brachen diesen Status in den seltensten Fällen. Zusätzlich wird eine fehlende Nachfrage oftmals durch das in Kapitel 2.4.1 angesprochene Imageproblem von Brachflächen verursacht. Das Verständnis von Brache als unattraktivem Ort führt zu Ablehnung und klaren Vermarktungsschwächen, die eine neuerliche Nutzung deutlich erschweren (vgl. ICSS 2005: 7; Meißner 2004: 12; Müller-Kleißler u. Rach 2004: 52). Hinzu kommen kontraproduktive Förderstrukturen in den Kommunen, die aufgrund der interkommunalen Konkurrenz um den attraktiveren Standort für finanzkräftige Gewerbetreibende ein Überangebot an neuen Gewerbegebieten oder Flächen auf der ‚grünen Wiese ausweisen und dortige Neuerschließungen unterstützen (vgl. ICSS 2005: 7; Kahnert u. Rudowsky 1999: 3; Meißner 2004: 12). 2.5.3. Mangelnde Kommunikation, Unklarheiten im Eigentum und fehlende planerische Strukturen

Eine neue Nutzung brachliegender Flächen wird auch durch mangelnde Kommunikation zwischen und innerhalb der einzelnen Akteursgruppen verursacht. Differente Vorstellungen von der zukünftigen Entwicklung, widersprüchliche Konzepte, eine heterogene Eigentümerschaft und fehlender Kooperationswille verursachen einen schleppenden Beginn des planerischen Prozesses (vgl. ICSS 2005: 7; Kahnert u. Rudowsky 1999: 3; Meißner 2004: 12). Dieser gestaltet sich ohnehin als vergleichsweise kompliziert, stellen Brachflächen zunächst doch nur „nutzungsoffene, diffuse Teile des städtischen Gewebes“ (s. Kather 2010: 5) dar, für die es keine klassischen Planinstrumente gibt und unzulängliche planerische Kapazitäten bestehen (vgl. Kahnert u. Rudowsky 1999: 3; Meißner 2004: 12; Müller-Kleißler u. Rach 2004: 52). Entscheidet sich ein Akteur dafür, die Brache für zukünftige Nutzungen selbsttätig vorzubereiten um sie dann zu veräußern, steht er vor

22

dem Problem, die Revitalisierungsmaßnahmen so durchzuführen, dass sie einem noch nicht bekannten Zweck, also jeglicher Art von Folgenutzung gerecht werden. Der finanzielle Horizont für solche Aufbereitungen übersteigt die Bereitschaft von Städten, Kommunen und privaten Investoren (vgl. Kather 2010: 5).

Kapitel 3

Was ist Urban Gardening? Konzepte und Inhalte der Bewegung

24

Konzepte und Inhalte des Urban Gardening

25

M

itten in deutschen Städten, zwischen Häuserfassaden und viel befahrenen Straßen, inmitten von mäß als Symbol für Rückzug und Erholung von ‚der Welt da draußen kennt und was man an Stadtlärm und -hektik geschieht seit einiger Zeit wundersames. Etwas, das man erfahrungsge-

diesen Orten der Urbanität nicht vorzufinden erwartet: Es wird gegärtnert; von Bürgern, die sich zusammenschließen und gemeinschaftlich Gemüse anbauen. Sie pflanzen und ernten, tauschen sich und ihre Waren aus, helfen sich und geben ihre Erfahrungen weiter. Deutschlandweit sprießen diese urbanen Gemeinschaftsgärten in großen Städten wie Berlin, München, Hamburg, Köln, Dortmund oder Nürnberg und in kleineren wie Bielefeld, Göttingen oder Kassel. Das Interesse scheint enorm zu sein, gibt es doch bereits laut Stiftung Interkultur alleine 141 interkulturelle Gärten mit weiteren 79, die sich in Planung befinden meinschaftsgarten , ‚Kiezgarten oder Mädchengarten und praktizieren das, was in den letzten Jahren nomen bezeichnet. (Stand Januar 2013) (vgl. Website Stiftung Interkultur 1). Sie nennen sich ‚interkultureller Garten , ‚Geunter dem englischen Begriff ‚Urban Gardening rasant an Popularität gewonnen hat. Neben dieser Wortban Agriculture ? Woher kommen diese Gärten und welche Ziele und Ideen verfolgen sie? Dieses Kapitel vation dieser Gärten und erläutert sie anhand dreier Beispiele.

schöpfung erfährt auch der Begriff ‚Urban Agriculture vielfach Verwendung, der ein ganz ähnliches PhäWas genau steckt hinter dem Begriff ‚Urban Gardening ? )n welcher Beziehung steht er zu genannter ‚Urerläutert Begrifflichkeiten und zeigt auf, wo sich die neuen urbanen Gärten in der Geschichte der städtischen Landwirtschaft eingliedern lassen. Es beschreibt die Entstehung, Entwicklungsgeschichte und Moti-

3.1. Erste Begriffsbestimmung und Eingrenzung

‚Urban Gardening und ‚Urban Agriculture bezeichnen Phänomene, die in den letzten Jahren in Deutschschaftsgärten, führten. Es handelt sich hierbei um globale Phänomene, die international ein großes Intedeutschen Pendants, weshalb in dieser Arbeit die Begriffe ‚Urban Gardening und ‚urbanes Gärtnern wirtschaft .

land viel Aufmerksamkeit gewonnen haben und zur Gründung zahlreicher Projekte, den urbanen Gemeinresse erfahren. Aus diesem Grund werden in Deutschland die englischen Begriffe im Sprachgebrauch genutzt, zumal viele Vorbilder der deutschen Projekte international sind. Verwendung finden aber auch die gleichbedeutend verwendet werden. Selbiges gilt für die Begriffe ‚Urban Agriculture und ‚Urbane Land-

3.1.1.

Die Bezeichnung des Phänomens als ‚urbanes Gärtnern erlaubt bereits eine erste grobe Einordnung in Der Begriff ‚urban stammt vom Lateinischen ‚urbanus ab, was übersetzt so viel wie ‚zur Stadt gehörend Raum als Aktionsort hat. brauch gleichbedeutend für ‚städtisch verwendet. Wenn etwas als ‚urban bezeichnet wird, so stellt es ein

Urban und rural: Beschreibung des räumlichen Kontexts

seinen räumlichen Kontext. So geht aus dem Begriff hervor, dass das Untersuchungsobjekt den urbanen

heißt. Die Bedeutung erfuhr mit der Zeit eine inhaltliche Ausweitung und wird im heutigen SprachgeCharakteristikum des städtischen Leben dar (vgl. Website Neues Wort). Diese Definition weist eine gewisse Schwammigkeit auf, zumal gerade im Sprachgebrauch durchaus Unterschiede im Verständnis von städtisch bestehen. Eine Abgrenzung zu anderen Begriffen im selben räumlichen Kontext wirkt dabei konkretisierend:

26

befinden, während das Gegenteil, also der ländliche Raum außerhalb der Stadt als ‚rural bezeichnet wird. Daneben existiert mit ‚peri-urban ein dritter Begriff, der den Übergangsbereich zwischen urban und rural banen Raum statt und setzt sich dabei vertieft mit der Stadt und ihren Charakteristika auseinander (s. Kapitel 3.3 und 3.4.4).

Als urbane Räume werden diejenigen Flächen und Orte bezeichnet, die sich innerhalb einer Stadtgrenze

meint (vgl. Abb. 7). Das Untersuchungsobjekt Urban Gardening findet konkret und ausschließlich im ur-

rural
Abb. 7

peri-urban

urban

Skizze zur räumlichen Einordnung (Quelle: Eigene Darstellung)

3.1.2.

Urban Gardening und Urban Agriculture: Nahrungsmittelproduktion in der Stadt

Das Gärtnern, von dem in dieser Arbeit gesprochen wird, beschäftigt sich explizit mit dem Anbau von Nahrungsmitteln und kann daher als eine landwirtschaftliche Tätigkeit bezeichnet werden. Das ist der bane Landwirtschaft , in Fachartikeln Verwendung findet. Oftmals werden diese Begriffe nicht getrennt

Grund, weswegen neben dem Begriff Urban Gardening verstärkt die ‚Urban Agriculture , zu Deutsch ‚urtion in der Stadt verfolgen. Daher werden sie in Medienartikeln vor allem dann nicht unterschieden, wenn der räumliche Kontext, also das Urbane betont wird. Beide Begriffe bleiben eng miteinander verknüpft, die

voneinander verwendet, denn beide Phänomene stehen für Bewegungen, die die Nahrungsmittelproduk-

Entstehung des Urban Gardening ist vielfach begründet auf landwirtschaftlichen Konzepten und viele Urban Gardening Projekte haben die urbane Landwirtschaft zum Vorbild. 8 Dennoch weisen Urban Gardening und Urban Agriculture signifikante Unterschiede auf. Diese bestehen in Professionalität, Organisation, Produktion, bei den Hauptakteuren und im Aktionsradius. Tab. 1 zeigt die wichtigsten Unterschiede in Stichpunkten und deutet an: Die Urban Gardening Bewegung legt ihren Fokus verstärkt auf eine soziale Komponente und eine gemeinschaftliche Bewirtschaftungsform, ihr Aktionsradius deckt die unmittelbare Umgebung und Nachbarschaft ab und die Produktion dient dem Eigenverbrauch bzw. dem der Gemeinschaft. Eine Subsistenz wird aufgrund des begrenzten Raums kaum erreicht, daher geht es primär um eine Verbesserung der individuellen Lebensqualität. Die urbane Landwirtschaft wird dagegen professionell durchgeführt und produziert marktorientiert, spezialisiert und verbrauchernah. Für sie spielt die Fläche, ihre Qualität und Fruchtbarkeit sowie ihre landwirtschaftliche Nutzbarkeit eine große Rolle.

8

Die kubanische Stadt Havanna bspw. gilt als Vorbild für viele Projekte, darunter auch für den Prinzessinnengarten Berlin (vgl. Kapitel 3.5)

Konzepte und Inhalte des Urban Gardening

27

Urban Gardening  Bürgerschaftlich brauch  „Subsistenzorientiert“: für den Eigenver Lebensqualität orientiert  Ortsbezogen  Quartiers- oder Nachbarschaftsbezug  Ästhetische Qualitäten

Urban Agriculture  Professionell  Spezialisiert  Marktorientiert  Verbrauchernah  Flächenbezogen  Anpassungsfähig  Ökologische Qualitäten  Ästhetische Qualitäten  Pädagogische und soziale Dienstleistungen

 Soziale Qualitäten

Tab. 1

Formen urbaner Agrikultur (Quelle: Eigene Darstellung nach Lohrberg u. Timpte 2011: 35)

verwenden Lohrberg u. Timpte im Deutschen einen dritten Begriff: Unter der ‚Urbanen Agrikultur vereiUm das Problem des Bezugs zwischen den Begriffen Urban Gardening und Urban Agriculture zu umgehen, schneidungen und Querbeziehungen zu verstehen sind (vgl. Lohrberg u. Timpte 2011: 35).

nen sie Urbanes Gärtnern und Urbane Landwirtschaft, die somit als verschiedene Formen mit vielen Über-

Urbane Agrikultur

Urbanes Gärtnern Urban Gardening

Urbane Landwirtschaft Urban Agriculture

Abb. 8

Skizze zur Bestimmung der Begriffe Urbanes Gärtnern, Urbane Landwirtschaft und Urbane Agrikultur (Quelle: Eigene Darstellung nach Lohrberg u. Timpte 2011: 35)

3.2. Historische Entwicklung der urbanen Agrikultur in Deutschland
Gärtnern und Landwirtschaft im urbanen Raum sind in Deutschland keine Neuentwicklung der letzten Jahre. Jedoch änderte sich ihre Bedeutung und neue Inhalte gerieten in den Fokus. Das folgende Kapitel verschafft einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Agrikultur im urbanen Raum.

3.2.1.

Urbane Agrikultur als „Notwendigkeit“ und „Relikt der Vergangenheit“ er Jahre geboren. Zwar wird in der modernen Gesellschaft die

Urbane Agrikultur hat in Deutschland eine lange Geschichte und wurde nicht erst mit der Entstehung der

Landwirtschaft in der Stadt mitunter als rückständig oder sogar als „Symbol des Verharrens im Gestrigen“

(Thomas 2011: 130) bezeichnet. Doch bis es in den 60er Jahren durch den Wandel der Agrar- zu einer

‚Urban Gardening Bewegung Mitte der

28

Dienstleistungsgesellschaft zunehmend an Bedeutung verlor, galt die urbane Agrikultur als ein gängiges Element vieler Städte. Ihre Formen umfassten dabei einerseits die professionell organisierte Landwirtschaft, die sich an den spezifischen urbanen Rahmenbedingungen orientierte und auf die Chancen des nahen, großen Absatzmarktes der Stadt reagierte. Andererseits entstanden im urbanen Raum viele private und öffentliche Nutzgärten. Die Stadtgartenbewegung bekam vor allem in den Krisen- und Hungerszeiten und verstärkt während und nach den beiden Weltkriegen großen Zulauf, wenn der Transport von Nahrungsmitteln vom Produktionsstandort Land in den Konsumstandort Stadt erschwert oder unmöglich war. Die Produktion von Nahrung in den Städten war im besiegten und über weite Strecken zerstörten Deutschland daher überlebenswichtig, so dass selbst Stadtparks als Ackerflächen genutzt wurden (vgl. Dams 2011: 161).

Abb. 9

Die Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion verspricht eine sichere Ernährung der Gesellschaft (Quelle: Website Geo)

Erst mit dem aufkommenden Wirtschaftswunder der 60er Jahre versprach eine zunehmend industrialisierte Nahrungsmittelproduktion eine sichere Ernährung der Gesellschaft und gleichzeitig billige Nahdigkeit bis, so Thomas (2011), „die letzte Kuh aus einem Berliner Hinterhaus in Berlin-Schöneberg“ (Thomas 2011: 129) verschwand. 3.2.2. Bedeutung im Kontext stadtplanerischer Modelle rungsmittel (vgl. Dams 2011: 161). Die Gärten in der Stadt verloren wieder an Bedeutung und Notwen-

Landwirtschaftliche Flächen als Trennelemente der städtischen Funktionen Auch in der Historie der Stadtplanung lässt sich die veränderte Bedeutung der städtischen Landwirtschaft ablesen. Einen wichtigen und frühen stadtplanerischen Beitrag zur Integration der Landwirtschaft in den städtischen Kontext schuf Ebenezer Howard mit seinem Gartenstadt-Modell im Jahr 1898. Im auslaufenden 19. Jahrhundert erreichten die negativen Konsequenzen der Industrialisierung ein Niveau, das es den Städten nahezu unmöglich machte, ihren technischen und ökonomischen Funktionen gerecht zu werden.

Konzepte und Inhalte des Urban Gardening

29

Die miserablen Wohn- und Hygieneverhältnisse der arbeitenden Klasse forderten einen hohen Tribut an

Stadt wurde unabdingbar. (oward erkannte zwar den „Verstädterungsprozeß [sic] als unvermeidliche Arbeitsproduktivität, es folgten Streiks und Unruhen (vgl. Fürst et al. 1999: 17). Eine Neuorganisation der nen (Arbeiten, Wohnen, Freizeit) und eine geringere Siedlungsdichte. Die Funktionsbereiche wurden in flochten sind.“ (Lohrberg 2011: 144)

Entwicklung“ (ebd.: 18) an, erarbeitete aber als Lösung der Probleme die Trennung städtischer Funktio-

(owards Modell von „ landwirtschaftlichen Gürteln umschlossen, die ökonomisch eng mit der Stadt ver-

Auf dem Agrargürtel werden Lebensmittel (auch) für die Stadt produziert, wo Landwirte einen guten Absatzmarkt ohne große Transportkosten vorfinden. Die Stadt kann wiederum „ Abfallstoffe “ an die Agrarflächen abgeben, womit diese die „ Fruchtbarkeit erhöhen “ Lohrberg : . Zahlreiche Stadtmodelle bezogen sich in der Folge auf die Gartenstadt, die seit ihrer Veröffentlichung bis heute große Bekanntheit genießt (vgl. Fürst et al. 1999: 18; Lohrberg 2011: 144). Umgesetzt wurde das Modell vor allem in Frankreich, England und Deutschland. Dort wurde 1908 in der Nähe von Dresden die Gartenstadt Hellerau errichtet, die heute ein Stadtteil Dresdens ist. In den meisten Fällen wurde Howards Idee jedoch lediglich in Form von Gartenvorstädten umgesetzt. Es entstanden dagegen nur wenige ganze Gartenstädte. Zu diesen zählen Letchworth und Welwyn Garden City in England, die Howard 1903 bzw. 1919 selbst mit gründete (vgl. Website Klett). Ähnlich wie Howard entwarf auch der Franzose Tony Garnier im Jahre 1904 seinen Plan für eine künftige Stadt, die durch eine Trennung der Nutzungen charakterisiert war. In Garniers ‚Cité Industrielle sollten diese Trennungen durch landwirtschaftliche Nutzflächen, Grünbereiche und Verkehrsflächen erfolgen. Anders als Howard sah Garnier die industrielle Produktion als zentrales Element einer Stadt und glaubte, dass die Städte der Gegenwart und Zukunft abhängig von deren Existenz seien (vgl. Fürst et al. 1999: 23f). Eine konkrete Nutzung von innerstädtischen Flächen zur Produktion von Nahrungsmitteln fand zu dieser Zeit jedoch nicht statt. Vielmehr lag der Fokus der im Kaiserreich um 1900 etablierten Freiraumplanung auf der Gestaltung von Landschaftsgärten, die für Sport und Spiel genutzt wurden und in denen die Natur als gepflegter Park zu erleben war. Eine Verwendung von Freiflächen als Äcker war nicht angedacht (vgl. Lohrberg 2011: 144). Garnier bekam zwar nie die Gelegenheit, sein Modell in Form einer kompletten Stadt zu realisieren, allerdings gelang ihm das zumindest in Teilen. Zum Beispiel wurde 1928 im lyoneser Stadtviertel Etats-Unis die nach ihm benannte Tony-Garnier-Siedlung gebaut (vgl. Gößl 2012: 17f).

Urbane Landwirtschaft als Quelle der Nahrungsmittelproduktion Diese Vorstellung änderte sich durch die krisenhaften Erfahrungen des ersten Weltkrieges, als Nahrungsmittelengpässe in den Städten die Planung zu einem Umdenken zwangen. So war die Stadtplanung der 1920er Jahren sehr geprägt von Ideen der Nahrungsmittelproduktion im urbanen Raum. Paul Wolf, Architekt, Stadtplaner und Stadtbaurat, konstatierte 1922: „(aben wir aber vor dem Krieg angestrebt, dieses Freiflächennetz als Erholungsparks und Spielplätze auszubilden, so werden wir heute, unter dem Drucke der wirtschaftlichen Verhältnisse und dem Hunger nach Gartenland andererseits, an Stelle der Erholungsparkanlagen Nutzgärten annehmen m“ssen. (Wolf 1922/23 in Lohrberg 2001: 28)

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Abb. 10

Ebenezer Howards Gartenstadtmodell (Quelle: Website Wikimedia und Klett)

Abb. 11

Begrünter Kreisverkehr in der englischen Gartenstadt Letchworth (Quelle: Website Letchworth)

Konzepte und Inhalte des Urban Gardening

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Der Gartenarchitekt Leberecht Migge setzte sich für die Integration von Selbstversorgungsgärten in die Stadtplanung ein und wollte „das ‚dekorative Grün der lieben, alten Dame durch ‚produktive Freiräume “(Leberecht Migge in Lohrberg 2011: 145; vgl. Dams 2011: 160) ersetzen. Ernst May, Architekt und Stadtplaner aus Frankfurt (vgl. Website Ernst May Gesellschaft), entwarf Trabantenstädte, „die von ‚Kulturbändern umgeben waren, ‚auf denen in intensiver Wirtschaft Gärtner und Kleinbauern den erforderlichen Bedarf an Gemüsen und Kleinvieh … für die bebauten Zellen fördern […]“ (Ernst May in Lohrberg 2011: 145). Auch in den USA entwickelte der Amerikaner Frank Lloyd Wright im Jahr 1929 vor dem Hintergrund der Modell ‚Broadacre City , wie Wright es nannte, basierte dabei auf der Annahme, dass durch die immer Glaubens, „ein selbstbestimmtes Leben jenseits der 'maschinellen' Zwänge einer Großstadt sei nur in einer leistungsfähigeren Verkehrsmittel die Raumüberwindungskosten kontinuierlich sinken. Gemäß seines zur Eigennutzung umrahmt sein. Weltwirtschaftskrise ein Stadtmodell, in dem die Landwirtschaft eine wichtige Komponente spielte. Das

ländlichen Umgebung möglich“ (Fürst et al. 1999: 39), sollte jedes Einfamilienhaus von einem Acre 9 Land Die Planungen der 1920er Jahre führten verstärkt zu einer Gründung von Kleingärten und den nach dem weshalb die Gärten „[…] der Ertüchtigung der Stadtjugend durch Bewegung dienen […]“ (vgl. Website Zeit Arzt Moritz Schreber benannten Schrebergärten. Schreber wollte die Gesundheit der Kinder verbessern, Online 2) sollten und in denen sich Stadtbewohner ohne eigenen Hausgarten gärtnerisch betätigen konnten. Die Kleingärten bestanden jedoch nicht nur zu diesem Zweck, sondern erlaubten vor allem der Armen- und Arbeiterschicht sich in einer Zeit der Knappheit zumindest mit den notwendigsten Nahrungs(BKleingG gesetzlich verankert und dienen der „[…] nichterwerbsmäßigen gärtnerischen Nutzung, insbeAbs. 1 BKleingG). Kleingärtenanlagen setzten sich aus privat genutzten Parzellen zusammen, die über gemeinschaftlichen Wegen verbunden sind und neben denen Spielflächen und Vereinshäuser bestehen. Vom Notnagel zum ungeliebten Überbleibsel Wie in der Nachkriegszeit des ersten Weltkrieges war auch nach dem zweiten Weltkrieg die Stadtplanung stark von der Einbindung der Landwirtschaft in den urbanen Raum geprägt. Im Modell der Stadtlandschaft, das in den 50er Jahren entwickelt wurde, plante man mit agrar-produktiven Freiräumen. Es wurde gefordert, Viehzucht in Parks zu betreiben und für die Belange des Lärmschutzes Nutzpflanzen anzubauen, die gleichzeitig geerntet werden konnten (vgl. Lohrberg 2011: 145). mitteln selbst zu versorgen (vgl. Website Suite101). Kleingärten sind durch das Bundeskleingartengesetz sondere zur Gewinnung von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf, und zur Erholung dient […]“ § 1

Die in den 60er Jahren beginnende Wohlstandsepoche und die Bereitstellung billiger Nahrungsmittel beendeten auch in der Stadtplanung die Präsenz der urbanen Landwirtschaft. In den Vordergrund traten wieder Erholungs-, Gliederungs- und ökologische Aspekte der städtischen Freiräume, die Landwirtschaft wurde abgelöst (vgl. Dams 2011: 161f; Thomas 2011: 130).

9

Der Acre ist eine britische Maßeinheit, mit der die Fläche von Grundstücken bestimmt wurde. Von der Größe ist er mit den deutschen Einheiten ‚Morgen‘ oder ‚Tagewerk‘ vergleichbar und bezeichnet eine Fläche von grob 4.047m².

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Abb. 12

Historische Zeichnung einer Schrebergartenanlage, Entstehungsjahr unbekannt (Quelle: Website Bunkahle)

3.3. Die neuen urbanen Gärten
Phänomen des urbanen Gärtnerns wieder an Zuspruch, sogar mehr noch: Das „Gärtnern in Großstädten ‚Urban Gardening zugeordnet. Seit Mitte der 90er Jahre und verstärkt seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 gewinnt das [gilt] als Trend“ (vgl. Website 3sat). Diese Entwicklung kann in der wachsenden Anfrage nach Kleingärten beobachtet werden, ist aber verstärkt mit der Entstehung einer neuartigen Form städtischer Agrikultur

verknüpft, die sich durch ein verändertes (Selbst-) Verständnis des urbanen Gärtnerns auszeichnet (vgl. Website Deutschlandradio 2; Website Süddeutsche; Website Welt). Gärten dieser Art werden dem Begriff Popularität genießt das Thema nicht nur bei den Teilnehmern, sondern auch in der Medienwelt. Renom-

mierte Zeitungen und Zeitschriften wie der Spiegel, die Zeit oder die Frankfurter Rundschau berichten über die neue Bewegung, es finden Diskussionsrunden in Fernsehen (ZDF) und Radio (DeutschlandRadio Kultur) statt, in denen Sinn, Zweck und Potential der Gärten erörtert werden (vgl. Website Deutschlandradio 1; Website ZDF Nachtstudio vom 22. April 2012; Website Frankfurter Rundschau; Website Zeit Online 1; Website Spiegel Online 1). Welche Überlegungen der Konzeption dieser Gärten zugrunde liegen, wird in den folgenden Abschnitten analysiert.

Konzepte und Inhalte des Urban Gardening

33

3.3.1.

Zentrale Charakteristika des Untersuchungsobjektes Urban Gardening

„Gemeinschaftsgärten sind gemeinschaftlich und durch freiwilliges Engagement geschaffene und betriebene Gärten, Grünanlagen und Parks mit Ausrichtung auf eine allgemeine Öffentlichkeit. (Rosol 2006: 7) Gemeinschaft statt privat Rosol (2006) deutet mit ihrer Definition das neuartige räumliche und soziale Verständnis des Gärtnerns an, die auch dem Urban Gardening zugrunde liegt: Das gemeinschaftliche Bewirtschaften von Flächen im öffentlichen urbanen Raum basiert auf einem Kollektivcharakter. Damit grenzt sich die Bewegung begen der Gärten wie ‚Gemeinschaftsgarten , ‚Community Garden , ‚interkultureller Garten oder ‚Kiezgarten , die die gemeinschaftliche Gartenarbeit in der Nachbarschaft und darüber hinaus betonen. Öffnung statt Rückzug Auch die Beziehungen zwischen innen und außen, Garten und Öffentlichkeit oder Garten und Stadt werden neu definiert. An Stelle des traditionellen Schrebergartens als privates Refugium im öffentlichen Raum treten die neuen urbanen Gärten aktiv mit der Umgebung in den Dialog, öffnen sich und nehmen Einfluss auf die Gestaltung jenseits der Gartengrenzen (vgl. Müller, C. 2009a: 6; Müller, C. 2011a: 3). Bezogen auf die Zugänglichkeit können diese Gemeinschaftsgärten in Relation zu anderen bekannten Formen des urbanen Grüns wie folgt eingeordnet werden. wusst von den klassischen privaten Gärten oder Kleingärten ab, in denen nur wenige Personen auf Privatflächen für sich gärtnern. Hinweise für diese Kollektivbewirtschaftung finden sich in den Namensgebun-

KEIN ÖFFENTLICHER ZUGANG Privatgärten MieterInnengärten Kleingartenanlagen Gemeinschaftsgärten Öffentliche Grünanlagen und Parks

VOLLSTÄNDIG ÖFFENTLICHER ZUGANG
Abb. 13 Gemeinschaftsgärten und andere Formen urbanen Grüns nach zunehmender öffentlicher Zugänglichkeit (Quelle: Rosol 2006: 36)

3.3.2.

Abgrenzung zu weiteren modernen Formen urbaner Agrikultur

Inwiefern sich Urban Gardening von der urbanen Landwirtschaft abgrenzt, wurde bereits in Kapitel 3.1.2 erläutert. Der Themenkomplex der urbanen Agrikultur beinhaltet daneben noch weitere Formen gärtnerischen und landwirtschaftlichen Tätigkeiten im urbanen Raum:

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Beim ‚Guerilla Gardening bepflanzen die Gärtner unauthorisiert städtische Brach- und Verkehrsflächen Guerilla Gardening oder Straßenränder mittels Saatbomben, vorbereiteten Pflanzenpaketen, die so konzipiert sind, dass die Pflanzen nach dem Auswerfen ohne weitere Pflege wachsen. Den Aktivisten geht es um punktuelle Aktionen im urbanen Raum, um Verschönerung kleiner Restflächen und weniger um eine dauerhafte landwirtschaftliche Bewirtschaftung einer Fläche. Die Bewegung stammt aus New York, London und weiteren Metropolen und versteht sich als politischer Protest, der symbolisch die Rückeroberung des öffentlichen Raums durch die Bürger postuliert (vgl. Müller, C. 2011a: 2f). „Guerilla Gardening ist eine Schlacht um die Ressourcen, ein Kampf gegen Landmangel, gegen ökologischen Raubbau und verpasste Möglichkeiten. [...] Guerilla Gardening ist eine Schlacht, in der die Blumen die Munition sind. (Reynolds 2009: 12) Dachgärten Auch Flachdächer bieten die Möglichkeit, als urbane Gärten genutzt zu werden. Forscher des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen sammeln in einer eigenen Versuchsanlage Erfahrungen und weisen auf das große Flächenpotential und die positiven Effekte für das Klima hin. Alleine Nichtwohngebäude bieten rund 1.200 Millionen Quadratmeter Flachdächer, wovon ¼ bepflanzt werden könnte. Dadurch würden etwa 28 Millionen Tonnen CO2 gebunden, also 80% der CO2Emissionen der industriellen Betriebe in Deutschland (vgl. Website Econitor).

Abb. 14

Garten auf dem Dach eines Wohnblocks (Quelle: Website Welt 2)

Konzepte und Inhalte des Urban Gardening

35

Vertical Farming Das Konzept der vertikalen Landwirtschaft wurde entwickelt, um einer wachsenden Weltbevölkerung in Zukunft die Erzeugung benötigter Nahrungsmittel zu gewährleisten. Der globale Urbanisierungstrend führt dazu, dass bis 2050 die städtische Bevölkerung um 3 Mrd. Menschen angewachsen sein wird und dann 80% der Weltbevölkerung ausmacht, so Dickson Despommier, einer der Köpfe der Bewegung, auf seiner Website. Um sie zu ernähren, müssten 109 Hektar neuer traditioneller landwirtschaftlicher Fläche bereitgestellt werden, während allerdings bereits jetzt 80% der für Landwirtschaft nutzbaren Flächen bewirtschaftet werden. Verfechter des Vertical Farming verlagern in ihren Konzepten die Landwirtschaft in die Vertikale und erschaffen Hochhäuser, an deren Außenwänden allerlei agrarische Produkte wachsen (vgl. Website Vertical Farm). Window Farming Nutzung von Fläche in der Vertikalen zu Grunde, in diesem Fall ist die ‚Anbaufläche das Fenster. Die gen Einsatz im privaten Bereich. Allerdings liegt auch diesem Konzept der Wunsch nach einer effektiveren Flüssigerdboden versorgt (vgl. Website Windowfarms). Andere Formen wie zum Beispiel das Window Farming konzentrieren sich verstärkt auf den kleinflächi-

Pflanzen bekommen Sonnenlicht und werden mittels eines hydroponischen Systems mit organischem

Abb. 15

Funktionsskizzen einer Window Farm (Quelle: Website Windowfarms)

Da diese Diplomarbeit das Potential des Urban Gardening als Instrument zur Reaktivierung von Brachflächen erforscht, liegt der Fokus auf Bodenflächen im öffentlichen Raum. Die genannten speziellen Formen finden daher keine Beachtung und werden nicht als konkretes Element der Gemeinschaftsgärten betrachtet.

36

3.3.3.

Kuba und die USA als globale Vorbilder

Wie bereits in Kapitel 3.2 dargelegt begründen die neuen urbanen Gärten in Deutschland nicht die Entstehung städtischer Landwirtschaft. Vielmehr sind sie als eine moderne Weiterentwicklung dieser zu verstehen. Daneben gelten auch internationale Städte als Vorbilder der deutschen Urban Gardening Bewegung. Dort spielt die urbane Landwirtschaft auch heute eine bedeutende Rolle, da sie wie in Havanna entweder einen großen Teil der Lebensmittel generiert oder wie in Detroit als Notwendigkeit in Zeiten wirtschaftlicher Rezession fungiert. Angebaut wird für den Eigenbedarf und die Versorgung der lokalen Märkte (vgl. Müller, C. 2007: 2). ‚Agricultura Urbana‘ in Kuba Mit der kubanischen Revolution, die 1953 begann und 1959 in der Gründung eines sozialistischen Staates mündete, änderte sich nicht nur das politische, sondern auch das agrarwirtschaftliche System Kubas. Mit Unterstützung der Sowjetunion wurde dort verstärkt auf industrielle Nahrungsmittelproduktion gesetzt. Die bis dato existierende Form der Subsistenz galt als unterentwickelt und musste großen staatlichen Farmen weichen, auf denen eine monokulturelle Landwirtschaft unter Einsatz künstlicher Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel hohe Ernteerträge ermöglichte. Zur Bewirtschaftung wurden aus der Sowjetunion importiertes Öl und Erntemaschinen verwendet. Die Abhängigkeit der industriellen Landwirtschaft Kubas von der Sowjetunion stellte sich als fatal heraus, als der Staatenbund 1989/90 gestürzt wurde. Plötzlich verlor Kuba seine wichtigsten Handelspartner und Lieferanten. Das von den USA auferlegte Handelsembargo verschärfte die Situation. Die Ernährungskette de […]“ (Müller, C. 2011b: 67) und so konnten weder Nahrungsmittel produziert noch Lebensmittel zu den der Karibikinsel brach ein, denn „[…] [o]hne Öl gibt es kein Benzin, keinen Kunstdünger und keine Pestizi-

Abnehmern transportiert werden. Während auf dem Land Nahrungsmittel verfaulten, kam es in den Städten zu akuten Nahrungsmittelengpässen.

Abb. 16

Urbane Landwirtschaft in Clenfuegos, Kuba (Quelle: Website Blog Construmatico)

Konzepte und Inhalte des Urban Gardening

37

Als Reaktion darauf begannen die Städter in der Folge vermehrt ihre Lebensmittel in der direkten Umgebung selbst anzubauen. Dabei griffen viele auch auf unkonventionelle Orte und Methoden zurück, be‚Revolucion Verde wurde bald zur Basis der Versorgung der städtischen Bevölkerung, da sich die politipflanzten Dächer und Balkone und verwendeten Plastiktüten oder Joghurtbecher als alternative Beete. Die vanna angebaute[n] Gemüse die komplette Stadt ernähr[t] […]“ (Müller, C. 2011b: 67) werden. schen Rahmenbedingungen kaum änderten. Die Bewegung hatte Erfolg, konnte mit dem „[…] in (a-

Auch die kommunistische Regierung Kubas begriff den Wert der urbanen Landwirtschaft und unterstützte sie. 1991 führte sie eine erste Infokampagne durch, mit der sie die Stadtbevölkerung zur Bewirtschaftung

unterstützte den Aufbau des Selbstversorgungssystems in den Städten auch ökonomisch, was für eine soziale Planwirtschaft untypisch ist. Diese in der Agrargesetzgebung rechtlich festgehaltende Subvention 2006: 28f; Kälber 2011: 279; Website Zeit Online 1). Urban Agriculture in den USA Wie auch in Europa spielte urbane Agrikultur in den USA vor allem in den Kriegs- und Krisenzeiten des 19. und 20. Jahrhundert eine große Rolle. Um den Hungernden eine Selbstversorgung zu ermöglichen, wurden viele Kleingärten errichtet. Im Verlauf der Weltwirtschaftskrise wurde jedoch die Verteilung von Leschen Landwirtschaft verteilt. Die als ‚Relief Gardens bekannten Fürsorgegärten verloren ihre Bedeutung und verschwanden noch 1937 (vgl. Meyer-Renschhausen 2004: 119). Erst in den 60er und 70er Jahre gelang eine Renaissance, die vor allem durch die Hippiebewegung und bensmittelmarken an Hungernde politisch durchgesetzt und so die Überschussproduktion der amerikaniführte zu einer 70%igen Gemüseproduktion in den Städten, die in Kuba auch heute noch gilt (vgl. Gensch

im Staatsbesitz befindlicher Freiflächen aufrief – ohne zeitliche Begrenzung. Die kubanische Regierung

schaften […]“ (Meyer-Renschhausen 2004: 119) gefördert wurde. In vielen amerikanischen Großstädten )nitiativen wie die ‚Green Guerillas , ‚GreenThumb oder die ‚American Community Gardening Association wurden Community Gardens errichtet und die Bewegung politisierte sich verstärkt. Heute noch wichtige gründeten sich, unterstützen die Gärten und vertreten die Bewegung in der Öffentlichkeit. Verstärkt in

ihrem Wunsch nach einem „[…] einfachen Leben im Einklang mit der Natur und [dem] Leben in Gemein-

Armenvierteln entstanden zahlreiche Gartenprojekte, in New York häufig auch dort, wo durch Brandstiftung Brachen entstanden. Die Akteure wollen einerseits das Viertel verschönern und wiederbeleben, vor allem geht es aber um den Anbau von Nahrungsmitteln für den eigenen Bedarf. Der immens hohe Mietkostenspiegel als Folge kaum kontrollierter Spekulationen im Immobilienbereich erlaubt es ärmeren Haus„[…] die Miete [zu] bezahlen oder die Kinder [zu] ernähren […]“ (Rosol u. Weiß 2005 nach Müller, C. halten kaum, sich ausreichend mit Nahrungsmitteln zu versorgen und so stehen sie vor der Entscheidung, 2007: 2; vgl. Meyer-Renschhausen 2004: 82). Die Weltwirtschaftskrise von 2009 verschärfte die wirtschaftliche Situation in vielen Städten der USA

‚Motor-City lange als Antrieb des amerikanischen Wirtschaftswachstums. Doch in der Weltwirtschaftskriweiter, allen voran in Detroit. Die ehemalige Hochburg der Automobilindustrie galt unter dem Slogan se wurden die großen Automobilhersteller General Motors, Ford und Chrysler, wichtigste Säulen der De-

troiter Wirtschaft, insolvent oder entgingen dem nur durch Werksschließungen und massive Entlassungen. Die Arbeitslosenquote lag bereits vor der Insolvenz von General Motors bei 22%, offizielle Zahlen sprechen aktuell von knapp unter 30%. Jedoch behaupten der Bürgermeister und zuständige Stellen, dass die Quote eher Richtung 50% tendiert (vgl. Website Spiegel Online 4; Website Huffington Post). Armut verbreitete sich, die Bevölkerungszahl der Stadt sank dramatisch. Alleine zwischen 2000 und 2011 fiel sie um rund ¼ auf weniger als 741.000. Häuser und gesamte Landstriche verwaisten und wurden Brachland, auch öffentliche Einrichtungen erlitten das gleiche Schicksal, da sich ihr Betrieb wegen der

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Unternutzung nicht rechnete. Standen 2000 etwa 38.700 Immobilien leer, so verdoppelte sich diese Zahl bis 2010 auf etwa 79.800. Umgerechnet ergibt diese eine Leerstandsquote von knapp 23% (vgl. Website Wirtschaftsfacts).

Abb. 17

Ein urbaner Gärtner in Detroit begutachtet seine Pflanzen (Quelle: Website Ecohustler)

Diese Entwicklung der Schrumpfung beflügelte aber auch die urbane Agrikultur in der einstigen Autometropole, der sich viele Detroiter zuwendeten, um ihre Nahrung selbst anzubauen. Heute existieren rund 1.000 urbane Kräuter-, Obst- und Gemüsegärten auf Dachterrassen, Industriebrachen oder öffentlichen Plätzen. Die Gärten versorgen die Bürger aber nicht nur mit Nahrung, sie bergen auch ökonomisches Potential, denn mit dem Verkauf der biologisch und organisch hergestellten Nahrung lässt sich Geld verdienen. Während der Saison generieren die städtischen Farmen 15% des Nahrungsbedarfs der Stadt und beliefern die lokalen Märkte. Die Gärten unterstützen so die Nahrungsökologie, den Gemeinschaftssinn und die ökonomische Situation der Bürger (vgl. Website arte; Website Zeit Online 3; Website Zeit Online 4).

3.4. Vielfältige Ziele und Motivationen: Warum in deutschen Städten gemeinschaftlich gegärtnert wird
Während urbane Agrikultur in den gezeigten Beispielen eine notwendige Reaktion auf Nahrungsmittelarmut und wirtschaftliche Rezession darstellt, verfolgt die Urban Gardening Bewegung in Deutschland zwar die Vorbilder, agiert aber aus einer differenten Ausgangssituation heraus. Die hiesigen Gärten unterliegen nicht dem Zwang, die Lebensmittelnachfrage einer großen Bevölkerungsschicht zu befriedigen oder eine Subsistenz zu ermöglichen. In Deutschland, das von der globalen Wirtschaftskrise verhältnismäßig wenig betroffen war und ein robustes Sozialsystem aufweist, stellt sich Urban Gardening mehr als eine Interessensbewegung dar und bedient ein breites Portfolio an Forderungen und Vorstellungen. Die Moti-

Konzepte und Inhalte des Urban Gardening

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vation der Gartengründer und Mitmacher berührt Themen auf der sozialen, sozio-ökonomischen und ökologischen Ebene, die Bewegung versteht sich zudem als gesellschaftliche und politische Aussage (vgl. Gensch 2006: 12; Müller, C. 2011c: 9). Die verschiedenen Motivationen werden im Folgenden im Detail beschrieben. Die auf theoretischer Ebene durchgeführte Recherche der Fachliteratur wird dabei mit Erkenntnissen aus einem Onlinefragebogen untermauert. Dieser Fragebogen enthielt Fragen zu Geschlecht, Alter und Nationalität der Gärtner und forderte die Teilnehmer im Anschluss auf, verschiedene Thesen zu ihrer persönlichen Beteiligungsmotiva„trifft nicht zu“. Der Fragebogen wurde von 93 aktiven Beteiligten verschiedener urbaner Gemeinschaftsgärten in Deutschland beantwortet. 3.4.1. Die neuen urbanen Gärten als Orte des Zugangs zur Gartenaktivität tion zu bewerten. Zur Auswahl standen die Optionen „trifft voll zu“, „trifft eher zu“, „trifft kaum zu“ und

Für über die Hälfte der befragten Gärtner begründet sich die Teilnahme in den urbanen Gemeinschaftsgärten auf der Tatsache, dass sie selbst über keinen eigenen Garten verfügen. Dies trifft für 54% der befragten Gärtner voll zu, weitere 21% stimmen dem eher zu. Der Großteil der Befragten ist dabei im Gärtnern bereits bewandert. So stimmen 35% gar nicht und 31% kaum der These zu, dass ihre Teilnahme aus mangelnder Erfahrung im Gärtnern zustande kommt. Für 7,7% ist dies jedoch sehr wohl ein Grund für die Beteiligung und weitere 26,9% stimmen dem eher zu (vgl. Abb. 18). In den Gärten treffen sich also sowohl erfahrene Gärtner als auch Neulinge.

Ich gärtnere in einem Gemeinschaftsgarten, weil ... ... ich keinen eigenen Garten besitze.

Trifft voll zu

Trifft eher zu

Trifft kaum zu

Trifft nicht zu

54,1%

21,2%

7,1%

17,6%

... ich keine/wenig Erfahrung beim Gärtnern habe und daher Unterstützung brauche.

7,7%

26,9%

30,8%

34,6%

Abb. 18

Grundlegende Teilnahmemotivationen der urbanen Gärtner (Quelle: Eigene Darstellung)

3.4.2.

‚Gemeinschaftsgarten , ‚)nterkultureller Garten , ‚Kiezgarten , ‚Nachbarschaftsgarten , ‚Generationengarten

Die neuen urbanen Gärten als Orte der Gemeinschaft, der Integration und des sozialen Engagements

(vgl. Müller, C. 2011c; Website Stiftung Interkultur 1): Bereits mit ihren Namensgebungen konstatieren die Gartenprojekte in Deutschland ihre soziale Ausrichtung. Während klassische (Klein-)Gärten eine Ausweitung des privaten Raumes, ein privates Refugium im Öffentlichen bieten, öffnen sich die Urban Gardening Projekte der Öffentlichkeit, positionieren sich bewusst sichtbar im städtischen Raum und bieten den Bürgern die Möglichkeit zur aktiven Teilnahme an. Als zentrale Stützen aller neuen urbanen Gärten gelten Partizipation und Gemeinschaftsorientierung, die klassischen gärtnerischen Aspekte werden um einen gemeinsamen Schaffensprozess erweitert. Es wird also nicht nur der Boden gepflegt und kultiviert, son-

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dern auch das soziale Miteinander (vgl. Lohrberg 2010; Meyer-Renschhausen 2004: 67; Müller, C. 2010a: 1; Müller, C. 2010b: 1; Müller, C. 2011d: 23, 31; Rasper 2012: 44). Das komplexe Regelwerk der Kleingartenanlagen entfällt. Robert Harrison betont die Stärkung der Gemeinschaft durch die Existenz der Gärten und sagt: „Ganze Viertel sind durch das Vorhandensein dieser florierenden Gärten verwandelt worden, von denen viele, gleichsam durch die Kraft ihrer Verzauberung, Gemeinschaften dort geschaffen haben, wo es zuvor keine gab. (Harrison 2010: 70) Der Gemeinschaftsaspekt ist den Teilnehmern sehr wichtig, wie die Beantwortung der Fragebögen ergibt. weil sie mit anderen Menschen zusammen gärtnern möchten, ‚voll oder ‚eher zu. Neue Bekanntschaften Demnach stimmen über 90% der Befragten der These, dass sie in den Gemeinschaftsgärten aktiv sind, und Freundschaften zu knüpfen spielt für 48,3% klar und für 41,4% eher eine Rolle. Auch das gegenseitige Helfen, Lernen und Lehren ist ein gewichtiger Bestandteil: Für je mehr als 80% der Teilnehmer ist der ‚eher ein Motivationsgrund zur Teilnahme. Die These, dass die Erfahrung von Anerkennung und Respekt

in den Gärten ein Motivationsgrund zur Teilnahme ist, erfährt weniger Zustimmung. Laut 19% trifft dies zwar voll zu und knapp 30% sehen darin eher eine Motivation, für 35,7% spielt dies allerdings kaum und für 15,5% keine Rolle (vgl. Abb. 19).

Wunsch, von anderen zu lernen und anderen etwas beizubringen sowie die gegenseitige Hilfe ‚voll oder

Ich gärtnere in einem Gemeinschaftsgarten, weil ... ... ich mit anderen Menschen zusammen gärtnern möchte.

Trifft voll zu

Trifft eher zu

Trifft kaum zu

Trifft nicht zu

57,6%

32,9%

5,9% 3,5%

... ich hier Menschen kennenlerne und neue Bekanntschaften und Freundschaften knüpfe.

48,3%

41,4%

10,3%

... ich gerne von anderen lerne und anderen etwas beibringe.

44,7%

42,4%

10,6% 2,4%

... man sich hier gegenseitig hilft.

44,0%

44,0%

11,9%

... ich hier Anerkennung und Respekt erfahre.

19,0%

29,8%

35,7%

15,5%

Abb. 19

Gemeinschaftsaspekte als Teilnahmemotivation der urbanen Gärtner (Quelle: Eigene Darstellung)

Die neuen urbanen Gärten unterscheiden sich äußerlich von den traditionellen Kleingärtenanlagen: Neben entweder als Beete fungieren oder auf denen Allgemeingüter wie eine Feuerstelle, ein Geräteschuppen,

Privatparzellen – wenn diese überhaupt zum Inventar gehören – gibt es stets Gemeinschaftsflächen, die

Konzepte und Inhalte des Urban Gardening

41

Spielgeräte oder ein Treibhaus für die Gärtner bereit gestellt werden (vgl. Müller, C. 2007: 3). Hier kommen die Gärtner ins Gespräch, tauschen sich, ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihre Waren aus und kochen und essen gemeinsam (vgl. Werner 2008: 3). Dies geschieht aber auch auf den Privatparzellen, denn anders als in den Kleingartenanlagen findet man in den urbanen Gärten keine trennenden Hecken oder Zäune. Grenzziehungen werden mittels Schnüren oder Schuhen markiert und die Gärtner pflegen auch die Beete der anderen mit, falls diese verhindert sind. Bunte Akteursgruppen und (interkulturelle) Integration Die Zugangshürden der Gärten werden möglichst gering gehalten, um allen Menschen fernab von Herkunft, Glaube oder sozialem Status die Teilnahme zu ermöglichen. Das Publikum in den Gärten ist bunt gemischt bezüglich seiner Altersstruktur, seiner sozialen und kulturellen Herkunft. Dieser Schluss lässt sich aus den Antworten der befragten Gärtner ziehen. Zwar hat sich die Altersgruppe von unter 20 Jahren an der Beantwortung des Fragebogens nicht beteiligt, dennoch kann davon ausgegangen werden, dass durch das Einbeziehen von sozialen Einrichtungen wie Schulen, Kitas oder Kindergärten die jüngste Zielgruppe dennoch beteiligt ist (vgl. Kapitel 3.4.4). Die Menschen der Altersklassen von 20 bis über 60 Jahren waren dagegen alle durch die Teilnehmer am Fragebogen vertreten. Mit knapp über 40% entfällt der Großteil auf die Menschen zwischen 30 und 45 Jahren, aber auch jüngere und ältere Menschen nehmen in den Gärten aktiv teil. Das zeigen die Werte von 27,2% der Menschen zwischen 20 und 30 und 6,5% der Menschen über 60 (vgl. Abb. 20). Es kann dabei vermutet werden, dass die letzte Gruppe im Fragebogen unterrepräsentiert ist, da für ältere Menschen der Zugang zum Internet weniger Teil des Alltages ist als für jüngere Altersgruppen und deswegen die Teilnahme an diesem Internetfragebogen geringer ausfiel.

unter 20 Jahre 0,0%
über 60 Jahre 6,5% 20 - 30 Jahre 27,2% 45 - 60 Jahre 25,0%

♂ männlich 27,5%

30 - 45 Jahre 41,3%

♀ weiblich 72,5%

Abb. 20

Alters- und Geschlechtsstruktur der Gärtner (Quelle: Eigene Darstellung)

Oft finden sich gerade hier Menschen, die sich in ihrem Alltag und dem sozio-ökonomischen Gefüge ungebraucht fühlen. Dies trifft verstärkt auf Migranten zu, die sich mitunter schwer tun, in die neue Gesellschaft zu finden (vgl. Müller, C. 2007: 5; Müller, C. 2011a: 2). In den Gemeinschaftsgärten wirken Menschen zahlreicher Nationalitäten aktiv mit. Die Auswertung des Fragebogens ergab ein buntes Portfolio, zu dem Deutsch, Polnisch, Niederländisch, Französisch, Estnisch, Brasilianisch, US-Amerikanisch, Norwegisch und Japanisch zählen. Die urbanen Gärten mit ihrem interkulturellen Aspekt bieten für die Integration und

42

das Zusammenbringen von unterschiedlichen Nationalitäten und Kulturen einen besonderen Nährboden, da sie auf Überlebensgrundlagen aufbauen, die alle Menschen betreffen: Natur, Ernährung, Gesellschaft. Vor allem im Bezug auf den Nahrungsmittelanbau haben viele Migranten bereits in ihren Heimatländern Erfahrung gesammelt und Wissen angehäuft. In den urbanen Gemeinschaftsgärten können sie das in der Öffentlichkeit praktisch umsetzen. Dadurch entstehen Lernprozesse, die über das Gärtnerische hinausgehen und einen Kulturaustausch ermöglichen. Die Gärtner erfahren Anerkennung und Respekt, weil sich andere für sie interessieren. Durch die Weitergabe ihres Könnens und Wissens erfahren sie sich als souverän. Das ist eine wichtige Voraussetzung für Fähigkeit, „[…] Erfolgs- und Karriereziele formulieren und umsetzen zu können […]“ (Müller u. Werner 2006: 7) – wichtige Voraussetzungen für die weitere (Aus-)Bildung. Gleichzeitig reflektieren die Gärtner ihre Herkunft und lernen ihre und fremde Kulturen kennen und verstehen. Die in den urbanen Gärten stattfindende Integration erlaubt es allen Teilnehmern, sich auf gleicher Ebene zu begegnen und in die schaften. Für die interkulturelle Integration nehmen die urbanen Gemeinschaftsgärten auch vor dem Hintergrund, dass deutsche Städte zunehmend zentrale Orte der Einwanderung sind, eine wichtige Bedeutung ein. Etwa 15 Mio. der in Deutschland lebenden Menschen hat einen Migrationshintergrund, viele davon leben in Städten: Der Anteil der migrantischen Bevölkerung beträgt in Frankfurt 38%, in Stuttgart 36%, in München 31%, in Hannover 29% und in Berlin 22% (vgl. Website Goethe Institut). Gesellschaftliches Engagement Das auf Schaffensprozessen basierende Konzept der urbanen Gärten verfolgt neben der interkulturellen Integration eine weitere wesentliche sozialen Entwicklung: Durch die Gestaltung des direkten Umfelds wird das gesellschaftliche Engagement der Menschen gefördert (vgl. Müller, C. 2009b: 4). Die Erfahrung, sich einen Ort, der nicht der eigene private ist, anzueignen und dessen Entwicklung zu beeinflussen und mitzugestalten unterscheidet sich vom reinen Konsumverhalten im öffentlichen Raum (vgl. Müller, C. 2009a: 4ff; Werner 2008: 1). Für 90,7% der befragten Teilnehmer trifft es daher voll oder eher zu, dass sie in einem urbanen Gemeinschaftsgarten gärtnern, weil sie sich damit in die Gesellschaft einbringen können. Fast 39% gärtnern mit, weil sie im Garten mitplanen können, weitere 35% stimmen diesem Motivationsgrund eher zu (vgl. Abb. 22). Gemeinschaft einzufügen. Man gärtnert nicht nur zusammen, man schließt Bekanntschaften und Freund2007: 3; Müller, C. 2009a: 4). Es bedeutet aber auch einen Gewinn an Selbstvertrauen und unterstützt die die Bereitschaft der Menschen zum Einsatz für das Allgemeinwohl (vgl. Dams 2011: 166; Müller, C.

Konzepte und Inhalte des Urban Gardening

43

Abb. 21

Gemeinschaftliche Gartenpflege im Interkulturellen Garten Rostock (Quelle: Website Stiftung Interkultur 2)

Ich gärtnere in einem Gemeinschaftsgarten, weil ...

Trifft voll zu

Trifft eher zu

Trifft kaum zu

Trifft nicht zu

... ich im Garten mitplanen kann.

38,8%

35,3%

17,6%

8,2%

... ich mich in die Gesellschaft mit einbringen kann.

46,5%

44,2%

9,3%

Abb. 22

Partizipation und Engagement als Teilnahmemotivation der urbanen Gärtner (Quelle: Eigene Darstellung)

Das Engagement der Menschen kann über die Grenze des Gemeinschaftsgartens hinausgehen. Viele der kreativen Akteure haben den Wunsch, die Nachbarschaft mitzugestalten und zu attraktivieren. Sie gärtnern in einem Gemeinschaftsgarten, weil sie das städtische Umfeld verschöner und lebendiger machen möchten. Die Verschönerung des städtischen Umfelds gilt dabei für fast 60% der Befragten als Motivation zum urbanen Gärtnern, weitere 25,6% stimmen dem eher zu. 53,6% beteiligen sich, um das städtische Umfeld lebendiger zu machen, für 32,1% ist dies eher ein Beteiligungsgrund (vgl. Abb. 23).

44

Ich gärtnere in einem Gemeinschaftsgarten, weil ... ... ich mein städtisches Umfeld verschönern möchte.

Trifft voll zu

Trifft eher zu

Trifft kaum zu

Trifft nicht zu

55,8%

25,6%

14,0% 4,7%

... ich mein städtisches Umfeld lebendiger machen möchte.

53,6%

32,1%

11,9% 2,4%

Abb. 23

Verschönerung und Belebung des städtischen Umfelds als Teilnahmemotivation der urbanen Gärtner (Quelle: Eigene Darstellung)

In den urbanen Gärten erlernen die Teilnehmer den Mut und die Bereitschaft für ein soziales Engagement im Umfeld. Durch den dortigen Austausch mit anderen Aktiven werden neue Ideen und Gemeinsamkeiten entdeckt. Die Gärten bieten den Bewohnern eine Basis, um die Teilhabe an der Gestaltung des Stadtteils zu formulieren und eine Veränderung von verwahrlosten Unorten zu lebendigen Stadtteilen zu erwirken (vgl. Müller, C. 2010a: 1; Müller, C. 2010b: 1; Werner 2011: 63).

3.4.3.

Die neuen urbanen Gärten als ökologische Orte

Wie auch die genannten sozialen Komponenten spielt der ökologische Aspekt eine tragende Rolle in den Gemeinschaftsgärten. Die neuen urbanen Gärten agieren in diesem Bezug direkt, indem Natur pflanzen, und indirekt, indem theoretische und praktische Umweltbildung betrieben wird. Es werden Gemüse, Kräuter und Obst angebaut und damit wieder Natur auf zuvor oftmals graue Flächen gebracht. Die Projekte wenden sich gegen die Ausbreitung von Monokulturen und weiten bewusst die Pflanzenvielfalt aus, indem sie Kreuzungen züchten und alte Sorten anbauen, die in der industriellen Landwirtschaft keine Beachtung mehr finden. In einigen Gärten halten Imker Bienen, die die Blüten in der Umgebung bestäuben und damit zum Fortbestehen vieler Pflanzen beitragen. Und wieder andere Projekte sind bestrebt, ihr Gemüse ökologisch und biologisch anzubauen. Damit sind die Gärten grüne Oasen im bebauten urbanen Umfeld (vgl. Müller, C. 2009a: 7; Website Allmende Kontor; Website Internationale Gärten Göttingen; Website Nachbarschaftsgärten Leipzig 1; Website Prinzessinnengarten 1; Website Rosa Rose; Website Stiftung Interkultur 1). Den Projektleitern ist es zudem ein Anliegen, die Bevölkerung für gesunde Ernährung und lokale Nahrungsmittelproduktion zu sensibilisieren. Und auch für die Gärtner ist dies ein zentraler Motivationsgrund: Etwa jeweils die Hälfte der befragten Gärtner stimmen zu, dass sie in den Gärten aktiv sind, weil sie wissen möchten, woher ihr Essen kommt, ihnen gesunde ökologische Nahrung wichtig ist oder sie ihre Nahrung selbst anbauen möchten. Weitere circa 30% antworteten, dass diese Motivationsgründe für sie eher zutreffen (vgl. Abb. 24). Die Gärten ermöglichen den Bürgern, den Nahrungsmittelkreislauf in seiner Gesamtheit von der Aussaat über das Pflegen, Ernten, Verkochen und Verspeisen bis hin zur Kompostierung und Wiederverwertung zu verfolgen (vgl. Website Prinzessinnengarten 1 (Videobeitrag auf der Seite)). Auf Grund ihrer Lage im urbanen Raum bieten die Gärten den Stadtbewohnern die Möglichkeit, Natur in ihrer unmittelbaren Um-

Konzepte und Inhalte des Urban Gardening

45

gebung zu erfahren, zu betrachten, mit und in ihr zu arbeiten (vgl. Müller, C. 2011d: 32). Dies stellt für viele Gärtner ebenfalls eine wichtige Motivation dar: Mehr als 75% stimmen der These, dass die neue Art des Gärtnerns mehr Natur in die Stadt bringt, voll zu, für 16,1% trifft dies eher zu. Dass die Gärten die Ökologie der Stadt verbessern, ist für 72,1% klar, für weitere 16,3% eher ein Grund zur Teilnahme in den Gärten. Für insgesamt 70,9% ist der Aspekt, alte Sorten erhalten zu wollen, voll oder eher ein Motivationsgrund um zu gärtnern (vgl. Abb. 24).

Ich gärtnere in einem Gemeinschaftsgarten, weil ... ... ich wissen möchte, woher mein Essen kommt.

Trifft voll zu

Trifft eher zu

Trifft kaum zu

Trifft nicht zu

53,5%

25,6%

17,4%

3,5%

... mir gesunde ökologische Nahrung wichtig ist.

55,2%

33,3%

10,3% 1,1%

... ich selber meine Nahrung anbauen möchte.

48,8%

35,7%

14,3% 1,2%

Abb. 24

Bewusste Ernährung als Teilnahmemotivation der urbanen Gärtner (Quelle: Eigene Darstellung)

Ich gärtnere in einem Gemeinschaftsgarten, weil ... ... mehr Natur in die Stadt kommt.

Trifft voll zu

Trifft eher zu

Trifft kaum zu

Trifft nicht zu

78,2%

16,1%

3,4% 2,3%

... die Ökologie der Stadt verbessert wird.

72,1%

16,3%

10,5% 1,2%

... ich alte Sorten erhalten möchte.

44,2%

26,7%

20,9%

8,1%

Abb. 25

Stadtnatur und -ökologie als Teilnahmemotivation der urbanen Gärtner (Quelle: Eigene Darstellung)

46

3.4.4.

Neues Verständnis vom Stadt-Land-Verhältnis und dem öffentlichen Raum

Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts leben erstmals in der Menschheitsgeschichte mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Dieser Trend wird sich aller Voraussicht nach verstärken (vgl. Müller, C. 2009a: 1; Website Berlin-Institut; Website CIA). Die Beziehung zwischen den Polen Stadt und Land wird demnach in der Zukunft Veränderungen unterworfen sein. Die Urban Gardening Bewegung propagiert mit ihrer städtischen Gärtnerei den Aufbruch des dichotomen Verständnis von Stadt und Land. Die jeweils ausschließende Kategorisierung als Orte der Moderne (Stadt) bzw. Orte der Tradition (Land) gelten ihrer Ansicht nach nicht, denn Landwirtschaft als klassisches traditionelles Element der Gesellschaft kann Teil einer Stadt sein. Das zeigen bereits die Urban Agriculture Bewegungen in Kuba und den USA (vgl. Kapitel 3.3.3; Rasper (2012) betont in seinem Buch ‚Vom Gärtnern in der Stadt , dass sich die ökologischen RahmenbeMüller, C. 2007: 1f). dingungen in Stadt und Land geändert und angeglichen haben und „[…] [d]as Bild von der schlechten Stadt Maßnahmen und Entwicklungen zum Umweltschutz in der Stadt, z.B. der Wegfall der emissionsintensiven

[…] revidiert werden [muss] […] “ (Reichholf in Rasper 2012: 60). Er verweist dabei einerseits auf die Industrien und der Produktion giftiger Stoffe sowie Verbesserungen im Kraftfahrzeugbereich. Andererseits beklagt er umweltschädigende Zustände auf dem Land, zu denen er die mit Chemikalien und Pestiziden arbeitende Landwirtschaft und die verarmende Tier- und Pflanzenwelt zählt (vgl. Rasper 2012: 60f, 103, 106). Die urbanen Gärten wollen keine von der Stadt getrennten Enklaven sein, sondern verstehen sich als Element von ihr und treten bewusst mit der Urbanität in Kontakt. Fließende Übergänge in das umgebenden Stadtviertel und die Arbeit mit ihm stellen sich in Kooperationen der Gartenprojekte mit sozialen Einrichtungen dar. Kinder aus Kindertagesstätten, Jugendliche aus Schulen oder Senioren aus Altersheimen werden in die Gartenarbeit mit einbezogen. Diese Kooperation mit dem Stadtteil spielt für Projektleiter und Gärtner ebenfalls eine wichtige Rolle (Abb. 26). Fast 85% der befragten Gärtner stimmen voll oder eher Einrichtungen und Institutionen gilt für 60% ‚klar oder ‚eher als Teilnahmegrund.
Ich gärtnere in einem Gemeinschaftsgarten, weil ... Trifft voll zu Trifft eher zu Trifft kaum zu

zu, sich aus diesem Grund in den urbanen Gärten aktiv zu beteiligen. Die Zusammenarbeit mit sozialen

Trifft nicht zu

... der Garten mit und im Stadtteil arbeitet.

48,2%

36,5%

14,1% 1,2%

... soziale Einrichtungen des Stadtteils mit einbezogen werden.

29,4%

30,6%

31,8%

8,2%

Abb. 26

Kooperation mit dem Stadtteil als Teilnahmemotivation der urbanen Gärtner (Quelle: Eigene Darstellung)

das zwischen „[…] ‚Fremden, die einander auf distante und gleichgültige Weise im öffentlichen Raum beAuch der Ansicht des Soziologen Georg Simmel, der das spezielle Verhältnis von Städtern zueinander als gegnen […]“ (Müller, C. 2007: 1) bezeichnet, widerspricht die Idee des Urban Gardening. Denn eben gegen

Konzepte und Inhalte des Urban Gardening

47

dieses Sozialgefüge stellen sich die urbanen Gärten mit ihrer Ausrichtung auf den Gemeinschaftsaspekt. Der Garten wird als Treffpunkt propagiert, in dem sich Stadtteilbewohner unterhalten und gemeinsam Zeit verbringen (vgl. Müller, C. 2009a: 6f; Müller, C. 2011d: 23).

3.4.5.

Urban Gardening als politische Aussage

Die Urban Gardening Bewegung agiert auch vor einem politischen Hintergrund und will gesellschaftliche Bewusstseinsveränderungen bewirken. Sie spricht sich für soziale Gerechtigkeit aus, wirkt der Entfremdung der Stadtbewohner von Naturprozessen und dem Wissen um sie wie auch um die Zubereitung von Nahrungsmitteln entgegen und setzt sich kritisch mit der ökonomischen Entwicklung und der Frage nach der Verknappung von (fossilen) Ressourcen auseinander (vgl. Dams 2011: 163; Müller, C. 2012a: 3; Rasper 2012: 103,106). Das Beispiel Kuba zeigt, wie verheerend ein Versiegen der Ölversorgung für die Nahrungsmittelproduktion sein kann. Nun ist die internationale Handelsposition Deutschlands keinesfalls vergleichbar mit der schreiten des ‚Peak-Oil betroffen sein. Als ‚Peak-Oil wird in der Erdölindustrie und -geologie das globale Fördermaximum von Öl beschrieben. Die ‚Post-Peak-Oil Phase stellt nach Forschern insofern ein Problem 3). Billige Nahrungsmittelpreise können nur durch geringe Erdölpreise ermöglicht werden, da dies „[…] C. 2011d: 28; Müller u. Paech 2012: 148; Website Frankfurter Allgemeine Zeitung; Website Spiegel Online „Nahrung dort herzustellen, wo man sie essen will oder Nahrung dort zu essen, wo man sie geerntet hat, von Kuba 1990. Allerdings wird es wie alle anderen Länder mit steigendem Erdölverbrauch vom Über-

dar, da das geförderte Öl weniger wird, die globale Nachfrage aber parallel dazu stetig steigt (vgl. Müller, niedrige[] Transportkosten […] und billige[] Energie für die Erzeugung von Düngern […]“ (Müller, C. wicklung des Erdölpreises. Um weiterhin billige Nahrungsmittel anbieten zu könne, werden Städte und Kommunen verstärkt auf lokale Ressourcen zurückgreifen müssen. Für Bohn/Viljoen steht fest, dass

2010b: 2) gewährleistet. Die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise korreliert folglich direkt mit der Ent-

155). Urbane Gärten agieren aus dieser Motivation heraus, auch wenn sie alleine nicht die benötigten

Nahrungsmittel in ausreichendem Maße zu generieren vermögen. Dennoch werden Methoden zur Stärkung der individuellen Ernährungssouveränität erfahrbar gemacht, um so eine schrittweise Abhängigkeit von der industriellen Produktion einzuleiten.

[…] eine gesunde und nachhaltige Balance von Produktion und Konsum her[stellt].“ (Bohn, Viljoen 2011:

3.5. Gemeinschaftsgärten in Deutschland: Drei Beispiele
Da das neue urbane Gärtnern grundsätzlich partizipative Strukturen aufweist, entwickeln sich die Projekte immer mit den aktiven Gärtnern und ihren jeweiligen Kenntnissen und Interessen. Dabei greifen die Gärten viele der genannten Motivationen auf und verfolgen mehrere Aspekte. Zu diesen zählen etwa die Ausrichtung auf eine interkulturelle Mischung der Teilnehmer, das Einbeziehen von Schülern, Jugendlichen, Kindern und Senioren oder sozialer Einrichtungen, die Zucht alter Sorten oder das ausschließliche Anpflanzen in mobilen Behältern. So zahlreich die Gärten sind, so bunt gestalten sich ihre Ausprägungen. Im Folgenden werden drei Urban Gardening Projekte in Deutschland vorgestellt. Auch wenn kein Projekt als bloße Kopie eines anderen betrachtet werden kann, verfolgen viele doch die Ansätze dieser drei Projekte, die zum Teil wegbereitend für die Urban Gardening Bewegung in Deutschland waren und sind.

48

3.5.1.

Prinzessinnengarten Berlin-Kreuzberg: Mobiles Urban Gardening

„)n einem Bezirk mit hoher Verdichtung, wenig Gr“n und vielen sozialen Problemen können Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Nachbarn, interessierte Laien, passionierte Gärtner und Freiluftenthusiasten – mit einem Wort jeder, der will – in dieser sozialen und ökologischen Landwirtschaft in der Stadt gemeinsam mit uns Lernen, wie man lokal Lebensmittel herstellt und gemeinsam einen neuen Ort urbanen Lebens schafft. (vgl. Website Prinzessinnengarten 1) Nachbarschaftsgarten ‚Rosa Rose (vgl. Website Rosa Rose ) oder der Gemeinschaftsgarten ‚Allmende Konexistieren in der Hauptstadt (vgl. Website Stiftung Interkultur 1), dazu kommen viele andere wie der brachliegenden Fläche einen Gemeinschaftsgarten erschaffen und diese „[…] in ein blühendes Paradies der Robert Shaw und Marco Clausen haben mit Hilfe zahlreicher Unterstützer auf einer 60 Jahre lang tor (vgl. Website Allmende Kontor), der auf dem ehemaligen Gelände des Tempelhofer Flughafens wächst. verwandelt[] […]“ (Müller, C. 2011d: 36). Seit Sommer 2009 wächst der 6.000m² große Garten in direkter Einer der bundesweit bekannteste von ihnen ist der ‚Prinzessinnengarten in Berlin-Kreuzberg. Die GrünBerlin ist die Hochburg der Urban Gardening Bewegung in Deutschland. Bereits 24 interkulturelle Gärten

Nähe zur U-Bahn Haltestelle Moritzplatz. Aufmerksam auf die Idee des Urban Gardening wurde Robert Shaw während eines Besuches der kubanischen Stadt Havanna, wo er die Projekte urbaner Landwirtschaft besuchte und deren Gemeinschaftsaspekt schätzen lernte (vgl. Kapitel 3.3.3; Müller, C. 2011d: 69; Website Prinzessinnengarten 1).

Abb. 27

Üppiges Grün im Prinzessinnengarten, Berlin-Kreuzberg (Quelle: Website Prinzessinnengarten 2)

Zurück in Deutschland begann er zusammen mit Marco Clausen und 150 Kiezbewohnern die Umsetzung einer sozialen, ökologischen und partizipativen Landwirtschaft in der Stadt. Im Prinzessinnengarten gibt es keine Privatflächen, stattdessen erschaffen alle gemeinsam einen grünen Ort. Dabei brachten sich viele der Gärtner mit ihrem speziellen Interessen und Wissen ein und erweiterten das Angebot des Gartens: So trifft man im Prinzessinnengarten auf einen Imker, der Kindern die Bienenzucht und Honigherstellung nahebringt oder auf eine Schwedin, die 16 verschiedene Kartoffelsorten züchtet. Beim Ernten kann jeder helfen, der Zeit und Lust hat. Im Gartencafé kann man biologische Getränke genießen und sich Gerichte schmecken lassen, die aus den Erträgen des Gartens zubereitet werden. Was den Prinzessinnengarten neben seinem Angebot, seiner Vielfalt und seinem Erfolg zudem interessant macht, ist die mobile Anbaumethode. Alles was im Gemeinschaftsgarten wächst, wird in mobilen Behäl-

Konzepte und Inhalte des Urban Gardening

49

tern wie Reissäcken, Tetrapaks oder alten Bäckerkisten angepflanzt. Damit reagierten Shaw und Clausen in der Konzeptionierung des Gartens auf zwei Problemstellungen: 1.) Da der Pachtvertrag für die Fläche stets nur für ein Jahr verlängert wird, entschlossen sich die beiden einen Garten zu gestalten, der umziehen kann. 2.) In den Kisten wird angelieferte Erde verwendet. Damit ist der Gemüseanbau vom vorhandenen kontaminierten Erdboden unabhängig und kann so gesunden und biologischen Anbaukriterien gerecht werden (vgl. Website Prinzessinnengarten 1).

3.5.2.

Internationale Gärten Göttingen: Interkulturelles Gärtnern

„Die ausländischen Familien, sonst meist isoliert von ihrem deutschen Umfeld, empfinden die Wertschätzung ihrer Persönlichkeit und ihrer Kompetenzen im Projekt als sehr ermutigend und engagieren sich […] im Stadtteil. Projektkoordinator Tassew Shimeles (Müller u. Werner 2006: 7) Die Internationalen Gärten in Göttingen wurden bereits 1996 gegründet und gelten damit als das erste Urban Gardening Projekt in Deutschland. Sie setzen sich aus drei Gartenprojekten zusammen und entstanden durch die Initiative einiger bosnischer Flüchtlingsfrauen, die in ihrem neuen Heimatland ankommen und ihr neues Leben selbst in die Hand nehmen wollten (vgl. Müller, C. 2007: 3; Müller u. Werner 2006: 6). Die Gärten geben Flüchtlings-, Migranten- und deutschen Familien durch ein gemeinsames Gestalten die Möglichkeit zur Völkerverständigung und )ntegration und zeigen „[…] konkrete Perspektiven denten und den ‚ . Preis der Niedersächsischen Umweltstiftung . für die gesellschaftliche Eingliederung von Flüchtlings- und Migrantenfamilien […]“ (vgl. Website InternaNationen zusammen. Die Gärten gewannen bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter den ‚Preis für die tionale Gärten Göttingen) auf. Und das mit Erfolg: Heute gärtnern dort mehr als 300 Menschen aus 16 Umsetzung der Ziele der Lokalen Agenda 21 der Stadt Göttingen , den ‚)ntegrationspreis des Bundespräsi-

Abb. 28

Gärtner vor einem Lehmbackofen in den interkulturellen Gärten Göttingen (Quelle: Website Städtebauförderung 2)

50

Der deutsch-äthiopische Projektkoordinator Tassew Shimeles betont, dass im Garten Offenheit und ein friedliches Zusammenleben gefördert und gefordert werden. Als Konsequenz erfahren ältere Nachbarn, Hausfrauen, vereinsamte Menschen und Migranten Aufmerksamkeit und Anerkennung und werden in die Kommunikationsstrukturen aufgenommen. Sie gewinnen Selbstsicherheit und tragen diese auch über die Aktivität im Garten hinaus in andere Gemeindeaktivitäten und ihre Familien.

3.5.3.

Die Nachbarschaftsgärten in Leipzig: Ein Garten gegen die räumliche Verwahrlosung

„Ohne Zäune, mit wenigen Regeln und viel Raum für Mitgestaltung: wild bunt und ein wenig chaotisch. Das sind die Nachbarschaftsgärten. (vgl. Website Nachbarschaftsgärten Leipzig 1) Die Stadt Leipzig war durch das Ende der DDR von einem massiven Abwanderungsprozess betroffen: Zwischen 1989 bis 1998 zogen fast hunderttausend Einwohner aus Leipzig fort, 2003 standen bereits 60.000 Wohnungen leer (vgl. Website Spiegel Online 2). Mehrere Faktoren sind Grund für den massiven Verlust an Einwohnern: Die wirtschaftliche Umstrukturierung, primär die Deindustrialisierung und die folgende Arbeitslosigkeit vieler Einwohner, die Abwanderungswelle in den Westen und die geringe Geburtenrate (vgl. Website Helmholtz Zentrum für Umweltforschung). Zwar konnte dem Trend mittlerweile wieder entgegengewirkt werden, doch immer noch gibt es zahlreiche Viertel, die einen hohen Gebäudeleerstand aufweisen. Auch in der Josephstraße im Leipziger Westen standen vor einigen Jahren zahlreiche der alten Gründerzeithäuser leer, verfielen oder wurden abgerissen. Zurück blieben Baulücken und eine verkommene, unattraktive Wohngegend, in der sich Alkoholismus, Drogenhandel und Vandalismus ausbreiteten (vgl. Baier 2011: 177). Um diese Negativentwicklung ungenutzten Flächen wurden dem Verein von den fünf Eigentümern – die Stadt Leipzig, eine Aktiengesellaufzuhalten, gründete der Lindenauer Stadtverein 2004 die Leipziger Nachbarschaftsgärten. Die zuvor ten stetig an und die engagierte Nutzung der ehemaligen Brachflächen stoppt die Verwahrlosung des Viertels und unterstützt seine Aufwertung. Neue Familien ziehen zu, Hausprojekte entstehen (vgl. Baier 2011: 187; Website Nachbarschaftsgärten Leipzig 1). schaft und Privatpersonen – zur Verfügung gestellt. Wie auch die beiden bereits vorgestellten Urban Gardening Projekte ist das Leipziger Modell ein Erfolg: Im Verlauf des Projektes steigt die Anzahl der Beteilig-

Abb. 29

Diskussionsrunde in den Nachbarschaftsgärten Leipzig (Quelle: Nachbarschaftsgärten 2)

Die Organisatoren und Gärtner befassen sich mit vielerlei Themen und so bieten die Nachbarschaftsgärten den Teilnehmern und Besuchern ein großes Angebot: Interessierte können eine Fahrradselbsthilfe- und eine Holzwerkstatt nutzen oder sich Wissen über Permakultur, Solarküche oder einen geodetischen Dom

Konzepte und Inhalte des Urban Gardening

51

aneignen. Zudem gibt es viele Kooperationsprojekte mit sozialen und Stadtentwicklungseinrichtungen:

Mit der Aktion Mensch wurde das Projekt ‚Nachhaltiges Energiekonzept für den Block durchgeführt, mit rimenteller Wohnungs- und Städtebau.

dem Freiflächensalon organisierte man einen Workshop zum Thema ‚Was liegt brach? und unter dem Titel ‚Jugend im Bildhauerviertel verfolgte man ein Projekt im Rahmen des Forschungsprogramms Expe-

3.6. Zusammenfassung
Die Urban Gardening Bewegung in Deutschland konnte sich relativ unabhängig von Versorgungszwängen mit Lebensmitteln entwickeln. Dies erlaubte ihr eine Auseinandersetzung mit diversen Themen, die die soziale, ökologische, politische und ökonomische Ebene berühren. Sie weist Strukturen und Formen auf, durch die sie den städtischen Entwicklungsprozess thematisch breit beeinflussen kann und will. Zu ihren Zielen und Motivationen zählen die Belebung und Verschönerung des Raumes, die Projekte entstehen mitten in den Städten. Die Vermutung liegt also nahe, dass dieses relativ neue Konzept der urbanen Gemeinschaftsgärten das Potential hat, innerstädtische Brachflächen zu reaktivieren und ihre Entwicklung positiv zu beeinflussen. Im folgenden Kapitel untersucht die vorliegende Arbeit, ob und inwiefern urbane Gemeinschaftsgärten die Problematik der Wiedernutzung von Brachflächen lösen können und wie sie darüber hinaus positiv auf die Entwicklung von Stadtteilen und Städten wirken.

52

Kapitel 4

Urban Gardening als Instrument zur Reaktivierung urbaner Brachflächen

54

Urban Gardening als Instrument zur Reaktivierung von Brachflächen

55

I

n Kapitel 2 befasste sich die Arbeit mit der Entstehung von Brachflächen in Städten und beschrieb, warum deren Wiedernutzung für die nachhaltige Entwicklung einer Stadt wertvoll ist. Im Anschluss daran wurden Hemmnisse erläutert, die eine Wiedernutzung verhindern oder auf unabsehbare Zeit verschieben. Dem Phänomen Urban Gardening galt das Augenmerk in Kapitel 3. Dort beschäftigte sich die Arbeit mir der Entstehungsgeschichte und den Charakteristika der Bewegung in Deutschland. Neben einem Überblick über die Motivationen und Ziele der Projekte wurden drei bekannte Gemeinschaftsgärten in Berlin, Göttingen und Leipzig vorgestellt. Dieses vierte Kapitel verbindet die beiden zuvor analysierten Themen und geht der Frage nach, ob Urban Gardening als Instrument zur Reaktivierung und Belebung innerstädtischer Brachflächen erfolgsversprechend ist. Um dies zufriedenstellend beantworten zu können, orientiert sich dieses Kapitel an den folgenden Forschungsfragen:    Stellen innerstädtische Brachflächen potentielle Orte für Urban Gardening dar? Gelten die in Kapitel 2.5 genannten Hemmnisse einer Wiedernutzung von Brachflächen auch für Urban Gardening? Wie kann durch urbanes Gärtnern eine Reaktivierung von Brachflächen erfolgen und auf welchen Ebenen geschieht diese Wiederbelebung?

Als Basis für die Untersuchung dieser Fragen wurden die aus den vorangegangenen Kapiteln gewonnenen Erkenntnisse in Beziehung zueinander gesetzt. Zusätzlich wurde ein Online-Fragebogen (s. Anhang II) erstellt, der über die Stiftung Interkultur deutschlandweit an Projektleiter urbaner Gärten versendet wurde. Dieser enthielt insgesamt 18 Fragen, die sich auf grundlegende Informationen zum Garten, Methoden zur gestalterischen, ökologischen, sozialen und ökonomischen Aufwertung und Umgangsweisen mit potentiellen Nutzungshemmnissen und –einschränkungen bezogen. Die Fragestellungen waren zum größten Teil so konzipiert, dass die Projektleiter mit einem Freitext antworten konnte, wodurch der Fragebogen eine starke qualitative Ausprägung besitzt. An der Beantwortung des Fragebogens beteiligten sich 29 Projektleiter.

4.1. Sind städtische Brachflächen potentielle Orte für Urban Gardening?
Bevor die vorliegende Arbeit der Frage nachgeht, wie Urban Gardening innerstädtische Brachflächen reaktiviert, untersucht sie zunächst, ob innerstädtische Brachflächen Aktionsräume der Bewegung sind. Diese Frage bietet zudem die Möglichkeit, auf eine etwaige Konkurrenzfrage zwischen Brachflächen im Außenbereich und innerstädtischen Brachflächen für die neuen Gemeinschaftsgärten einzugehen. Für Unternehmen stellen beide potentielle Standorte dar (s. Kapitel 2.5). Dabei wurde festgestellt, dass für Unternehmen Flächen im Außenbereich durchaus attraktiver sein können.

4.1.1.

Urban Gardening in der Stadt

Der Titel der Urban Gardening Bewegung deutet es bereits an: Die neuen Gärten gründen sich bewusst im urbanen Raum, verstehen sich als Element der Stadt und nehmen dabei sie und ihre Bedingungen als Rahmen auf. Der ländliche Raum spielt für die Urban Gardening Bewegung dagegen keine Rolle. Demzufolge sind Brachflächen im Außenbereich für die Projekte nicht von Interesse. Die Stadt gilt für das Urban Gardening Konzept nicht nur als bloßer Standort, sondern wird als Aktionsraum mit speziellen Charakteristika bewusst gewählt. Anders als die klassischen Klein- oder Privatgärten

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entkoppeln sich die urbanen Gemeinschaftsgärten nicht vom öffentlichen (Stadt-) Raum oder verstehen sich als private Rückzugsmöglichkeit von der Öffentlichkeit. Stattdessen sehen sie sich als Teil der Stadt und fügen ihr neue Elemente hinzu. Sie weiten das Angebot der Stadt auf sozialer, sozio-ökonomischer und ökologischer Ebene aus und sprechen nicht von einem Landleben in der Stadt, sondern einem Stadtleben mit neuen landwirtschaftlichen Aspekten. Die Gärten profitieren von diversen Ressourcen, die ihnen eine Stadtlage eröffnet und die ihnen im ruralen Raum verwehrt bliebe: Die unmittelbare Lage im Lebensumfeld einer Vielzahl von Menschen ermöglicht die Aktivierung einer bunten Akteursgruppe, für die Zusammenarbeit mit lokalen Künstlern, Kreativen, KITAs, Schulen, Kulturvereinen, Seniorenheimen und anderen sozialen Einrichtungen verringern sich die Raumüberwindungskosten, der Bezug von wiederverwendbaren Materialien für den Bau von Pflanzbehältern kann durch im Umfeld ansässige Unternehmen geschehen und politische Arbeit kann publikumswirksamer praktiziert werden. Im Gegenzug bieten die neuen urbanen Gärten der Stadtbevölkerung einen Ort der produktiven Freizeitbeschäftigung und der Umweltbildung, der ohne zeitaufwendige Fahrten auch im Alltag erreichbar ist.

4.1.2.

Urban Gardening auf Brachflächen

Der Großteil der Gärten verortet sich dabei auf ehemaligen Brachflächen. 69% der befragten Projektleiter antworteten dementsprechend auf die Frage, ob sie auf einer Brachfläche gärtnern würden. Dazu muss angemerkt werden, dass die Antwort auf die Frage nach der vorherigen Nutzung der Fläche von vier der sechs Projektleiter, die angaben, nicht auf einer Brachfläche zu gärtnern, ebenfalls auf die Nutzung einer Brachfläche schließen lässt. Diese gaben als vormalige Nutzung „Schwimmbad“, „Brachfläche“, „vernachlässigtes Stadtgrün“ und eine bereits zuvor verfolgte Gartennutzung an. Nimmt man diese Überlegung in die Berechnung mit ein, ergibt sich für die Verortung der Gärten auf einer Brachfläche ein deutlicher Wert von knapp 83%.

Abb. 30

Mit 15.000m² Fläche ist das Neuland Köln der größte Gemeinschaftsgarten Deutschlands (Quelle: Website Meine Südstadt)

Aus den vier genannten vorherigen Nutzungen lässt sich bereits ablesen, auf welch unterschiedlichen Flächen sich die urbanen Gärten ansiedeln. Darüber hinaus entstanden die Gärten auf einem Vorplatz eines alten Bahngeländes, einem früheren Areal einer Schokoladenfabrik, einer Gartenbaufirma oder einer Kaserne, auf einem verwilderten Schulgarten, um die Personalunterkunft eines Friedhofamtes herum, auf einer Müllhalde oder auf Freiflächen, die sich zu verwildertem Kleingartenland, einer Obstbaumplantage

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oder Grabeland entwickelt hatten. Eine genannte Fläche diente seit einigen Jahren für diverse kurzzeitige Nutzungen, da sie nicht entmint wurde und in diesem Zustand baulich nicht genutzt werden kann. Urbane Gemeinschaftsgärten platzieren sich also sowohl auf ehemalig bebauten sowie freien Flächen. Große Unterschiede existieren auch bei den Zeiträumen, zu denen die Flächen bereits ohne Nutzung bestehen. Einige Projektleiter sprechen von kurzen Zeiträumen von ein bis drei Jahren, andere antworten, dass die Grundstücke bereits seit 10, 20 oder sogar 30 Jahren brach liegen. Auch im Bezug auf ihre Größe kann Urban Gardening auf diversen Brachflächen umgesetzt werden, selbst auf relativ großen Flächen. Diese können dabei Ausmaße von 6.000m², auf denen der Prinzessinnengarten entstanden ist, bis hin zu 15.000m², die den Garten Neuland Köln zum größten in Deutschland machen, erreichen (vgl. Website Neuland Köln). Innerstädtische Brachflächen stellen für Urban Gardening Projekte nicht nur eine Möglichkeit unter vielen dar, sondern werden primär als Standorte gewählt.

4.2. Kann Urban Gardening die bekannten Wiedernutzungshemmnisse umgehen?
Auf den ersten Blick erweist sich Urban Gardening als äußerst anpassungsfähiges Instrument, das auf innerstädtischen Brachflächen mit diversen Vornutzungen und unterschiedlicher Dauer der Nichtnutzung praktiziert werden kann und wird. Doch wie verhält sich das Konzept bezogen auf die Hemmnisse und Probleme, die für viele andere Nutzungen eine Verortung auf Brachflächen unattraktiv machen? Kann es diese umgehen oder sind sie auch für das urbane Gärtnern ein kaum überbrückbares Hindernis?

4.2.1.

Flexibilität, keine baulichen Maßnahmen und ökologische Verbesserungen

Viele Nutzungsideen werden auf Brachflächen nicht umgesetzt, weil Investoren wegen ihrer baulichstrukturellen Mängel mit versteckten Kosten in unbekannter Höhe rechnen müssen. Zu diesen Mängeln zählen klassischerweise die zuvor in dieser Arbeit beschriebenen Sanierungsmaßnahmen von Fundamenten oder anderen Gebäuderesten, Altlasten, durch die der Erdboden kontaminiert ist, und Ausgleichsmaßnahmen, die Investoren im Gegenzug für ihre baulichen Maßnahmen durchführen müssen. Diesen Hindernissen begegnen urbane Gemeinschaftsgärten mit einer großen Anpassungsfähigkeit. Umgang mit Fundamenten Für den Aufbau eines Gemeinschaftsgartens benötigen die Initiativen Raum, auf dem sie gärtnern können, das heißt entweder Frei- oder unbebaute Fläche, da auch in mobilen Behältern ohne Erdboden angepflanzt werden kann. Auf vielen Flächen der befragten urbanen Gärten befinden sich verschiedene Restbestände an Leitungen, Fundamenten oder Bauteilen, die von den vorherigen Nutzungen übrig geblieben sind. So lange trotz dieser genug Anbaufläche besteht und für die Sicherheit der Gärtner gesorgt ist, können die Garteninitiativen äußerst flexibel auf diese Restbestände reagieren. Die meisten Gemeinschaftsgärten entstehen aus ehrenamtlichem Einsatz der Teilnehmer, größere Geldbeträge stehen den Gärten kaum zur Verfügung. Kostenintensive Umstrukturierungen der Flächen sind damit nicht möglich. Folglich gehen die Garteninitiativen mit dem um, was der Ort hergibt. So werden Fundamente wenn möglich selbsttätig entfernt, ignoriert oder kreativ in die Gestaltung des Gartens einbezogen. Tote Wasserleitungen können im Boden verbleiben, entfernbare Elemente wie Plastikrohre, Kabel oder Metallschrott werden von den Gärtnern entsorgt. In einem Projekt wurde ein vorhandenes Schwimmbad mit Erde gefüllt und als Beet integriert (vgl. Website Simonswolde). In einem anderen Pro-

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jekt beließ man ein kleines Fundament ebenfalls und stellte einfach eine Regentonne darauf. Die Sandkuhle eines abgerissenen Wohnhauses wurde mit Kompost und Pferdemist versetzt, um den Boden für Anpflanzungen bereitzustellen. Umgang mit Altlasten und Bodenkontamination Auch mit Altlasten und der Kontamination von Böden müssen sich neue Nutzungen auf Brachflächen in vielen Fällen auseinandersetzen. Dabei gelten gerade Altlasten als eine der größten Hemmnisfaktoren (vgl. Kapitel 2.5.1). Beim Umgang mit schadstoffbelasteten Böden unterstreicht die Urban Gardening Bewegung ihre Flexibilität und umgeht die Altlastenproblematik auf pragmatisch-kreative Weise: Sie setzt ihr Konzept in Form eines mobilen Gartens um, wie es bspw. die Initiatoren des Prinzessinnengartens getan haben (vgl. Kapitel 3.5.1). Die Idee ist einfach: An Stelle einer Pflanzung in den Boden wird in diesen Gärten in diversen transportablen Kisten und Behältern gegärtnert, die mit ungiftiger Erde befüllt werden und selbst keine Schadstoffe freisetzen. Verwendung finden hierbei ausrangierte Bäcker- oder Lebensmittelkisten, Tetrapaks, Reissäcke, Fässer und Hochbeete, die auf Europaletten gestellt werden, oder skurrile Objekte wie Waschbecken oder Badewannen.10 So kann die Anpflanzung unabhängig vom Erdboden und möglichen Kontaminationen durchgeführt und die Errichtung des Garten sofort umgesetzt werden, sobald die Absprachen mit dem Eigentümer erfolgreich beendet wurden. Diese mobile Art des Urban Gardening bietet einen weiteren Vorteil: Sie ermöglicht die Entstehung eines Gartens auch auf versiegelten Flächen oder Flachdächern. Für den Aufbau eines mobilen Gartens entscheiden sich viele Initiativen auch, um rasch umziehen zu können. So können die Kästen relativ einfach in entfernt liegende Winterquartiere gebracht, unter den Teilnehmern verteilt, an Kooperationspartner abgegeben oder auf externen Veranstaltungen eingesetzt werden. Bei einem Umzug des Gartens können die Pflanzen mitgenommen werden. Das erlaubt, die bereits gewachsenen Pflanzen weiterzuentwickeln.

Abb. 31

Urbanes Gärtnern in Reissäcken und Lebensmittelkisten, UrbanOase Dortmund (Quelle: Eigenes Foto)

10

Gesehen bei einem Besuch des Stadtgarten Nürnberg im September 2012

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Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen Plant ein Flächeneigentümer auf seinem Grund bauliche Maßnahmen durchzuführen, so ist er laut §15 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) als Verursacher des Eingriffs zur Veranlassung und Finanzierung einer Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahme verpflichtet. Land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Bodennutzung sind von dieser Regelung ausgenommen – solange sie die Ziele von Naturschutz und Landschaftspflege, wie sie im §1 BNatSchG definiert sind, berücksichtigen. Die Gemeinschaftsgärten stellen eine Art landwirtschaftlicher Tätigkeit im kleinen Rahmen dar und arbeiten als solche mit den Ressourcen des Bodens, deren unbeeinträchtigte Funktion Basis für den Anbau der Pflanzen in den Gärten ist. Wie bereits in Kapitel 3.4.3 dargestellt, ist den Gärtnern eine klimatische Verbesserung und der ökologische und biologische Anbau von Nahrungsmitteln sehr wichtig und ein Grund zur aktiven Teilnahme in den Gärten. Durch den vielfältigen Anbau verschiedener Pflanzen, den Einsatz von Permakultur und der Verwendung sortenreiner Saat werden die ökologischen Funktionen des Bodens bewusst gestärkt. Ein Schutz der biologischen Vielfalt, der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes und der Vielfalt, Eigenart und Schönheit, wie sie als Ziele des Naturschutzes in BNatSchG §1 Abs. 1 definiert werden, sind folglich immanenter Bestand der Gartenprojekte.

Abb. 32

Die im Zuge von Baumaßnahmen verursachten Bodenversiegelungen müssen durch Ersatzoder Ausgleichsflächen egalisiert werden (Quelle: Website Hausbauinhaburg)

Die Gründung eines urbanen Gemeinschaftsgartens beinhaltet kaum bauliche Maßnahmen. Diese finden in den Gärten im kleinen Rahmen nur in Form der Errichtung einer Gartenhütte oder eines Werkzeugschuppens statt. Bodenversiegelungen sind dabei flächenbezogen als gering zu betrachten und fallen im Vergleich schwächer aus als in Kleingartenanlagen. Gemeinschaftsgärten unterstützen vielmehr eine natürliche Entwicklung im dicht bebauten urbanen Raum als dass sie als Eingriff deklariert werden können. Sie stellen ein Konzept dar, mit dem die Ökologie und das Mikroklima eines Ortes verbessert werden und

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Natur in die Stadt gebracht wird. In mobiler Form können diese Gärten selbst auf versiegelten Flächen klimatische Verbesserungen erwirken und Natur entstehen lassen. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass im Gegensatz zu anderen Neunutzungen von Brachflächen urbane Gemeinschaftsgärten von der in §14 und §15 des BNatSchG festgelegten Ausgleichs- und Ersatzregelung nicht betroffen sind. Dies gilt auch für den Denkmalschutz, da sich die Konzeption der Gärten nicht auf die Nutzung von Gebäuden bezieht. Zwischenfazit Für urbane Gemeinschaftsgärten stellen die Auseinandersetzung mit Fundamenten, Sanierungsmaßnahmen, Altlasten oder Ausgleichsflächen kein Hindernis für die Errichtung des Gartens dar. Das hängt vor allem mit dem Fehlen baulicher Maßnahmen und der Flexibilität der Gärten zusammen. Diese Flexibilität lässt sich bereits aus der Vielfältigkeit der Flächen, an denen die Gärten entstehen, ablesen und vom partizipatorischen Aufbau ableiten (vgl. Kapitel 4.1.2 und 3.5), denn: ein öffentlicher Ort, an dem Menschen aus unterschiedlichen Kultur- und Altersgruppen mit verschiedenen Prägungen, Vorstellungen und Wünschen zusammenkommen, individuell oder gemeinsam Inhalte erarbeiten und einbringen, muss zwangsläufig eine gewisse Flexibilität in Form und Inhalt aufweisen. Die Bereitschaft der Gärtner, dies anzunehmen, ist immanent und wirkt sich auch auf die Ansprüche an potentielle Flächen aus.

4.2.2.

Interesse an Flächen mit geringem ökonomischen Wert und Imageproblemen

Die meisten Akteure des Immobilienmarktes stehen vielen Brachflächen ablehnend gegenüber und verstehen sie als unattraktive Orte. Da sie aus wirtschaftlichen Motiven heraus agieren, sind Standorte, die keine Rendite erwarten lassen oder deren Entwicklung zu langfristig und riskant erscheint, uninteressant für sie. Zu diesen Standorten zählen vor allem verwahrloste Orte und solche mit negativem Image. Brachflächen lasten oftmals beide Charakteristika an, ihre wirtschaftliche Attraktivität wird als niedrig eingeschätzt. Trotz oder gerade wegen dieser Bewertung ist die Nachfrage nach diesen Orten bei der Urban Gardening Bewegung sehr hoch. Dies hat folgende Gründe: Die Bewegung arbeitet nicht aus marktwirtschaftlichen Motiven heraus, sondern will durch ihr Handeln eine Verbesserung von Flächen erwirken. Dazu setzt sie sich eine positive Beeinflussung der gestalterischen, partizipatorischen, sozialen und ökologischen Entwicklung von Brachflächen und deren Umfeld zum Ziel. Eine Wirtschaftlichkeit der Fläche im finanziellen Sinne spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Urbane Gärten gründen sich folglich oftmals genau an den Orten, die verwahrlost und vernachlässigt sind, unattraktiv wirken und sich in einem Umfeld befinden, das als Problemviertel gilt oder zumindest schwache Sozialstrukturen aufweist. Mit entsprechenden Statements antworteten viele der befragten Projektleiter auf die Frage, welches Image die Fläche, auf der sie gärtnern, und die Umgebung haben. Die Fläche selbst wird als ‚Niemandsland oder ‚Angstraum benannt, dem umgebenden Viertel haftet in vielen Fällen ein schlechter Ruf an. Es wird als ‚sozialer Brennpunkt , ‚sozial schwach oder als ‚unattraktive Wohngegend beschrieben, teilweise sind diese von akutem Leerstand und Verfall betroffen. Einige der Viertel sind zudem Teil des Quartiersentwicklungsprogrammes ‚Soziale Stadt des Bundes, mit dem die Lebensbedingungen in benachteiligten Stadtteilen umfassend verbessert werden sollen (vgl. Website Städtebauförderung 1). Ebenfalls negativ auf das Image einer Brachfläche wirkt sich der Grad ihrer Vermüllung aus. Laut den befragten Projektleitern befand sich auf den meisten Flächen Müll und musste entfernt werden. Zwar erforderte es von den ehrenamtlich arbeitenden Gärtnern viel Kraft und Zeit, benötigte aber nur in Ausnahmesituation externe Hilfe, in denen die Entsorgung von Sondermüll durch Eigenarbeit nicht zu leisten war. Dieser Umstand kann jedoch positiv für die Errichtung eines partizipativen Gemeinschaftsgartens genutzt werden, denn bereits bei der Säuberung der Fläche entsteht die erste gemeinschaftliche Aktion

Urban Gardening als Instrument zur Reaktivierung von Brachflächen

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der Teilnehmer, die zusammen ihren zukünftigen Ort vorbereiten und urbar machen. Die Gärtner des offenen Gartens Annalinde in Leipzig, Plagwitz verfuhren auf sehr kreative Weise mit dem Müll, indem sie den Bauschutt von Plastik, Restmüll, Altmetall und Altglas trennten und daraus ein kleines Bühnenfundament errichteten. Auf die unbeteiligte Nachbarschaft kann dies auch positiv wirken, da sie die erste öffentliche Aktion als eine visuelle Verbesserung erfahren.

Abb. 33

Symbolischer Spatenstich zur Eröffnung der UrbanOase in Dortmund. Um das „Beet“ versammeln sich die Projektleiter, Friedrich Fuß (Bezirksbürgermeister), Martin Stüber (Chef des Flächeneigentümer Berufliches Trainigszentrum) und Alexander Kutsch (Quartiersmanagement Rheinische Straße) (Quelle: Eigenes Foto)

Das Interesse der Garteninitiativen an wirtschaftlich unattraktiven Orten ist auch wegen ihrem vergleichsweise schwachen finanziellen Hintergrund groß. Alle Gärten sind zum Großteil ehrenamtlich geführt und nur die wenigsten erwirtschaften Geld. Zwar gibt es Ausnahmen wie den Prinzessinnengarten, der sich bewusst als ökonomisch arbeitendes soziales Projekt versteht und durch die Einnahmen aus Workshops, Konzepterarbeitung, Beratung, den Verkauf eines Teils der Ernte und dem Gartencafé Mitarbeiter und Pacht bezahlen kann. Dennoch sind die Gärten aus finanzieller Sicht nicht konkurrenzfähig gegenüber renditeträchtig agierenden Immobilienakteuren. Somit sind sie bei der Bewerbung um wirtschaftlich attraktivere Flächen klar im Nachteil. Für unattraktive innerstädtische Brachflächen besteht dagegen wenig Nachfrage und kaum ein Wettbewerb. Sie bieten sich daher für die Errichtung von urbanen Gemeinschaftsgärten an.

4.2.3.

Kommunikation und Partizipation als zentraler Baustein

Kommunikationsprobleme, unklare Besitzverhältnisse, -strukturen und unterschiedliche Vorstellungen zwischen Flächeneigentümer und Nutzer treten auch bei den Garteninitiativen auf. Da die urbanen Gemeinschaftsgärten in Deutschland ein relativ neues Phänomen sind und aufgrund ihres stark ausgeprägten partizipatorischen Charakters, ihrer Informalität und ihrem geringen wirtschaftlichen Budget ein spe-

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zielles Konzept darstellen, muss eine Zustimmung der öffentlichen Stellen behutsam erarbeitet werden. Viele Flächeneigentümer stehen dem Konzept zunächst skeptisch gegenüber. In Fürstenwalde/Spree dauerte es laut den Projektleitern circa 3 bis 4 Jahre, bis die Bürger ihr Gartenprojekt starten durften. Verhindert wurde ein zügigerer Beginn durch ungeklärte Eigentumsverhältnisse und da das geplante Gartenprojekt als unübliche Nutzung durch Bürger gesehen wurde. In Homburg verzögerte sich der Startschuss des Gartens wegen unklarer Besitzverhältnisse um 8 Monate.

Abb. 34

Gemeinsames Lernen, Planen und Entwickeln in den Gärten unterstützt den partizipativen Charakter der Urban Gardening Projekte (Quelle: Eigenes Foto)

Skeptisch kann aber nicht nur der Flächeneigentümer, sondern auch die Nachbarschaft sein. In Nienburg bspw. wurde der Garteninitiative eine Fläche übergeben, durch die zuvor ein oft genutzter Spazierweg ging. Die Umnutzung der Fläche löste bei Quartiersbewohnern heftige Proteste aus und das Problem musste durch die Verlegung des Gartens um einige Meter gelöst werden. Dort wurde er sofort akzeptiert. Auch der interkulturelle Garten in Nürnberg musste 5 Jahre mit Anwohnerbedenken kämpfen und Überzeugungsarbeit leisten. Unabhängig davon ist die Kommunikation und die Zusammenarbeit mit Akteuren aus dem Umfeld ein zentraler Bestandteil der Urban Gardening Bewegung. Wie erfolgreich die Absprachen mit Eigentümern, Offiziellen und der Nachbarschaft sind, bleibt eine offene Frage. Die Offenheit und Bereitschaft der Gärten, sich darauf einzulassen, ist existent und eine Voraussetzung, um im und mit dem Stadtteil zu agieren. Die interne Kommunikationsstruktur in den Gärten ist sehr wichtig, da Partizipation und Beteiligung zentrale Bestandteile der Gemeinschaftsgärten sind. Ihre Qualität wird durch zahlreiche Beteiligungsmöglichkeiten, interne Diskussionsrunden und Absprachen gestärkt. Durch diese interne Kommunikation agieren die Gärten bereits sehr planerisch. Sie beschäftigen sich mit der Frage, wie der Garten in die Umgebung eingefasst werden kann oder welche Akteure des Stadtteils wie integriert werden können und bereiten somit einen planerischen Prozess vor.

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Die Urban Gardening Bewegung bietet ein mögliches zukünftiges Konzept für die Nutzung einer Brachfläche an. Ihr Ziel ist der Aufbau eines partizipativen öffentlichen Gartens in der Stadt. Dieser kann dabei zeitlich unbegrenzt verfolgt werden. Nutzungsleere Flächen erfahren durch Urban Gardening eine neue Bedeutung, die Verknüpfung mit dem Stadtteil wird fokussiert und ermöglicht eine Integration der Fläche in den umgebenden räumlichen Kontext. Eine Planerstellung wird dadurch für die Eigentümer erleichtert, weil eine konkrete Nutzung besteht, auf die reagiert werden kann. Dies bietet in verfahrenen Situationen, in denen der Eigentümer keine Nutzung entwickelt oder sich eine Eigentümerschaft nicht auf eine solche einigen kann, folgende Lösungsansätze:   Die Eigentümer können sich dazu entscheiden, ihre Fläche unbefristet durch einen Gemeinschaftsgarten nutzen zu lassen. Das Urban Gardening Konzept stellt neue Nutzungsideen vor und agiert auf sozialer, ökologischer und gestalterischer Ebene. Die partizipative Planungsstruktur der Gärten und die Einbindung verschiedener Akteure aus dem Stadtteil ermöglicht eine Analyse der Wünsche und Vorstellungen, die im Umfeld bestehen. Diese Erfahrungen können maßgeblich dabei helfen, eine passende zukünftige Nutzung zu entwickeln, die sich in den Raum einfügt und durch die Bezugnahme auf die Meinung der Bevölkerung größere Akzeptanz erfährt. Die Inhalte der Gärten können dabei als Inspiration genutzt werden. Wie bereits erläutert sind Gemeinschaftsgärten vor allem in mobiler Form schnell umsetzbar und andererseits umzugstauglich. Sie bieten sich daher auch als Zwischennutzung11 an und erlauben den Eigentümern damit zusätzliche Zeit, in der sie eine zukünftige Nutzung planen und entwickeln können. In Kapitel 4.3.4 wird hierauf genauer eingegangen.



4.3. Wie beleben urbane Gemeinschaftsgärten innerstädtische Brachflächen?
Urbane Gemeinschaftsgärten können auf Hemmnisse der Wiedernutzung von Brachflächen sehr flexibel reagieren und an Orten umgesetzt werden, die für andere Nutzungen kein Potential darstellen. Dies gilt auch für diejenigen Brachflächen, deren Wert als extrem gering geschätzt wird. Im folgenden Abschnitt wird nun untersucht, ob das Ziel der Reaktivierung und Attraktivierung einer Brachfläche durch das Entstehen und Durchführen eines Urban Gardening Projektes erreicht werden kann. Dabei werden mit Gestaltung, Sozialem, Ökologie und Ökonomie verschiedene Ebenen der Attraktivierung betrachtet. Dieses Vorgehen erlaubt eine Analyse der Vielfältigkeit der Wiederbelebung ist. Die im Text verwendeten Beispiele entstammen den beantworteten Online-Fragebögen an die Projektleiter, die in Anhang III nachverfolgt werden können.

4.3.1.

Gestalterische Attraktivierung

In erster Linie dienen urbane Gärten als Orte des gemeinschaftlichen Anbaus von Nahrungsmitteln und der Erfahrung von Natur. Die Optik spielt aus dieser Perspektive eine untergeordnete Rolle. Nichts desto trotz vollzieht sich durch die Gärten eine Attraktivierung der genutzten Fläche auf einer gestalterischen Ebene. Der These, dass durch den Garten die Fläche optisch schöner wurde, stimmt eine überwiegende Mehrheit von % der befragten Projektleiter voll zu. Kein einziger Projektleiter antwortete mit „trifft

11

Unter Zwischennutzung wird eine zeitlich begrenzte Nutzung einer Fläche verstanden. Diese besteht zwischen der Beendigung der alten Nutzung und dem (Bau-)Beginn der neuen Nutzung.

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nicht zu“, lediglich , % antworten, dass eine optische Verschönerung der Fläche durch das Bestehen des Gartens kaum stattgefunden hat (vgl. Abb. 35).
Trifft voll zu Trifft eher zu Trifft kaum zu Trifft nicht zu

Die Fläche ist optisch schöner.

87,0%

8,7% 4,3%

0%

25%

50%

75%

100%

Abb. 35

Bewertung der gestalterischen Attraktivierung durch die befragten Projektleiter (Quelle: Eigene Darstellung)

Eine gestalterische Attraktivierung findet sowohl während der Vorbereitung der Fläche als auch in der Durchführungsphase statt. Sie beginnt mit dem Entfernen von Müll und Schutt, während bestehende Pflanzen gepflegt, Bäume geschnitten und Baumaufwuchs und tote Äste entfernt werden oder als Kompost Verwendung finden. Durch den Aufbau eines Gartens wird die Fläche durch die Pflanzung von Gemüse, Obst und Kräuter begrünt und ökologisch belebt. Die Gärtner errichten Beete, Hochbeete, Staudenbeete und Weinstöcke, bauen Kräuterspiralen, Steingärten oder Gewächshäuser und erschaffen mit Stauden, Rabatten, Büschen, Obstbäumen, Gemüse, Kräutern, (Beeren-)Sträuchern eine bunte Pflanzenvielfalt. Zusätzlich werden Naturgestaltungselemente hinzugefügt wie ein Eingangstor aus Weidenruten oder eine Eingangsallee aus Obstbäumen, ein Weideniglu, Terrassen, Pergolen oder ein rund angelegtes Beet, das gestaltet ist wie eine Pizza und auf dem pizzatypisches Gemüse und Kräuter angepflanzt sind. Für die Struktur des Gartens werden Wege aus Rindenmulch gelegt. In Fürstenwalde/Spree erschufen die Teilnehmer durch das Zurechtschneiden eines wildwachsenden Flieders einen kleinen Rundgang, in dem die kooperierenden Künstler ihre Objekte ausstellen. Im Wassererlebnisgarten Sand+WaterWerk Simonswolde haben die Gärtner einen naturnahen Bereich gepflanzt und einen Teich ausgehoben. Zusätzlich werden die Flächen durch kleinere Dekoelemente, temporäre Kunstausstellungen, Holzskulpturen, die künstlerische Gestaltung von Zäunen, die Bemalung von Gartenmöbeln und Renovierungsarbeiten an Lauben oder Pergolen attraktiviert. Dazu kommen verschiedene gebaute Elemente, die das Erlebnisangebot für Teilnehmer und Besucher des Gartens erweitern. In den Projekten errichten die Gärtner unter anderem Lagerfeuerstellen, ein Brotbackhaus, einen Lehmofen, Bühnen, eine Sommerküche oder stellen einen Kaffeewagen bereit, bauen Sandkästen und Rutschen für Kinder, einen Holzspielplatz und Sitzbalken und gestalten einen Barfußpfad. Sowohl durch Pflanzen und andere Naturelemente als auch durch architektonische Bauten oder Kunstobjekte werden die Flächen mit Entstehen des Gartens visuell verschönert. Dicht bebaute und weniger dicht bebaute urbane Räume erfahren eine optische Aufwertung. Sicherlich bleibt die Ästhetik eines Gartens mit selbstgebauten Hochbeeten oder der Verwendung von Recyclingstoffen wie Tetrapaks oder Plastikflaschen, wie es in einigen Urban Gardening Projekten stattfindet, dabei individuell bewertbar. Dennoch gelangt die ehemalige Brachfläche durch die Gärten in das Bewusstsein der Bürger, die Verantwortung für die Gestalt der Fläche übernehmen. Vandalismus und dem Deponieren von Abfall wird damit ein Riegel vorgeschoben.

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4.3.2.

Ökologische Aufwertung

Die ökologische Verbesserung und Aufwertung einer Fläche ist eine zentrale Motivation der Garteninitiativen. Sie wollen Natur in die Stadt bringen und für die Stadtbewohner erlebbar und erlernbar machen. Dabei spielt der biologische Anbau von Pflanzen eine wichtige Rolle. Mit mehr als 70% stimmen die befragten Projektleiter der These, dass durch ihren Garten die ökologische Situation des Gebiets verbessert wurde, in der Mehrzahl ‚voll oder ‚eher zu. Laut 19,2% trifft diese Entwicklung dagegen kaum zu. Weniger als 8% sahen diese Aussage als gar nicht erfüllt an (vgl. Abb. 36).
Trifft voll zu Trifft eher zu Trifft kaum zu Trifft nicht zu

Die ökologische Situation des Gebiets hat sich verbessert. 0%

19,2%

53,8%

19,2%

7,7%

25%

50%

75%

100%

Abb. 36

Bewertung der ökologischen Verbesserungen durch die befragten Projektleiter (Quelle: Eigene Darstellung)

Eine ökologische Verbesserung findet in den urbanen Gärten sowohl direkt als auch indirekt statt. Einerseits werden Brachflächen durch das Anpflanzen einer bunten Vielfalt von Gemüse, Kräutern und Obst begrünt und ökologisch belebt. Werden sie mobil umgesetzt, kann dies sogar an versiegelten Orten oder auf kontaminierten Böden im städtischen Bereich geschehen, auf denen Natur bis dahin nicht vorhanden war. Indirekt unterstützen die Gärten die ökologische Entwicklung, indem sie als Orte der Umweltbildung fungieren. Beim aktiven Gärtnern und in Workshops sammeln die Teilnehmer grundlegendes Wissen zu Pflanzen, Boden, Natur, Klima und Umweltschutz und können diese Erfahrungen bewusst in ihrem alltäglichen Verhalten einfließen lassen. Viele Teilnehmer nutzen die Gemeinschaftsgärten, um einen direkten Bezug zu ihren Nahrungsmitteln zu bekommen. Sie wollen wissen, woher ihr Essen kommt und es selbst anbauen. Ökologische Nahrungsmittel sind ihnen dabei wichtig (vgl. Kapitel 3.4.3). Um ökologische und mikroklimatische Verbesserungen zu erwirken, wird in den Gärten auf verschiedene Methoden zurückgegriffen. Dabei wird verstärkt auf nachhaltige, ökologische und biologische Anbaumaßnahmen Wert gelegt, die in der industriellen Nahrungsmittelproduktion oftmals keine Beachtung finden. Gegärtnert wird größtenteils ohne Pestizide und Pflanzenschutzmittel. Stattdessen setzen die Gärtner ökologischen und organischen Dünger ein. In den Projekten wird dazu eigens kompostiert, Humus angereichert und mit organischen Mitteln wie Brennnesselsud oder Kräuterbrühen gearbeitet. Um den biologischen Kreislauf des Bodens bzw. der Erde zu stärken, setzen die Garteninitiativen auf effektive Mikroorganismen und verfolgen eine vielfältige Pflanzung. In vielen Gemeinschaftsgärten werden der Fokus auf die Aussaat von alten und sortenreinen Pflanzen gelegt und Hybridpflanzen vermieden. Auch die Sammlung und Verwendung von Regenwasser gilt als nachhaltige Methodik der Gärten. In den Gärten wird also nicht nur Nahrung produziert, sondern auf eine nachhaltige ökologische Nahrungsmittelproduktion gesetzt. Um Lärm- und Staubbelastungen durch den motorisierten Stadtverkehr entgegenzuwirken, werden bestehende Hecken und Baumreihen erweitert und verdichtet. Die bestehende Fauna wird gepflegt, Apfelbäume werden verjüngt, damit diese wieder besser tragen.

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Abb. 37

Der Anbau in Hochbeeten und Lebensmittelkästen ermöglicht ein Gärtnern auf versiegeltem Boden, wie hier im Stadtgarten Nürnberg. So werden selbst graue Flächen zu grünen Oasen (Quelle: Website ABIS)

Einige der befragten Projektleiter gaben an, dass sie Terra Preta für die Anpflanzung verwenden. Dieser Begriff stammt aus dem Portugiesischen und bedeutet ‚schwarze Erde . Diese Erde wurde ursprünglich von alten indianischen Hochkulturen im Amazonasbecken entwickelt, da der dortige Tropenboden ausgewaschen und nährstoffarm ist und den Anbau von Nahrungsmitteln unmöglich macht. Die Terra Preta verbessert die Böden und kann Kohlenstoff mehrere tausend Jahre speichern, wodurch sie positiv zum Klimaschutz beiträgt. Durch ihren Hauptbestandteil Biokohle ist sie humusreich und fruchtbar und macht Kunstdünger oder Pflanzenschutzmittel unnötig, da der Boden nicht erschöpft oder auswäscht und dadurch eine nachhaltige Bewirtschaftung ermöglicht (vgl. Website Triaterra; Website Uni Halle). Doch nicht nur die Flora wird als Teil des Gartens betrachtet, sondern auch die Fauna. Um auch für die Tiere Verbesserungen zu erwirken, pflanzen die Gärtner Hecken und erstellen Gehölzecken und Totholzhaufen als Rückzugsorte. Sie bauen Nistkästen, Insektenhotels, Vogeltränken, Vogelquartiere und Wildbienenhotels und pflanzen insektenfreundliche Blühpflanzen.

4.3.3.

Soziale Wiederbelebung

Mit ihrem Fokus auf die Gemeinschaft unterscheiden sich die neuen urbanen Gärten in Konzeption und äußerlicher Form von Kleingartenanlagen und Privatgärten. Die soziale Komponente spielt in der Urban Gardening Bewegung eine zentrale Rolle. Soziale Motive und der Wunsch nach gemeinschaftlicher Tätigkeit im gärtnerischen Bereich sind für den Großteil der Gärtner zentrale Motivationen für die Teilnahme in den Gärten. Dies wurde in Kapitel 3.4.2 durch die Ergebnisse der Fragebögen verdeutlicht. Demnach trifft es für 90,5% voll oder eher zu, dass sie in einem Gemeinschaftsgarten gärtnern, weil sie mit anderen Menschen gärtnern möchten. 89,7% stimmten voll oder eher zu, dass für sie die Bekanntschaft mit neuen Menschen und die Gründung neuer Freundschaften eine Motivation für die Teilnahme ist. Vergleichbare Zustimmungen ergaben die Motivation durch ein gegenseitiges Lernen und Lehren, die Möglichkeit des aktiven Einbringens in die Gesellschaft und die gegenseitige Hilfestellungen unter den Gärtnern.

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Abb. 38

Gemeinsame Aktionen in den urbanen Gärten unterstützen die soziale Wiederbelebung einer Fläche (Quelle: Website Prinzessinnengarten 3)

Dabei gestaltet sich die Akteursgruppe in den Gärten äußerst heterogen. Laut Fragebogen sind vermehrt Frauen in den Projekten aktiv, aber auch Männer nehmen teil. Bezogen auf die Altersstruktur sind, ausgenommen der unter 20-jährigen, alle Altersklassen vertreten. Da die Gartenprojekte häufig mit Kindergärten oder Schulen zusammenarbeiten, werden Kinder und Jugendliche ebenfalls integriert, auch wenn sie nicht als dauerhafte Gärtner auftreten. Viele der Gärten sind zudem interkulturell geprägt, allen voran diejenigen, die sich als ‚interkulturelle Gärten bezeichnen. In den Internationalen Gärten Göttingen gärtnern mittlerweile Menschen aus 16 Nationen zusammen (vgl. Kapitel 3.5.2) und auch im Onlinefragebogen wurde die Frage nach der Herkunft mit 10 verschiedenen Nationalitäten beantwortet (vgl. Kapitel 3.4.2). Für viele der Teilnehmer bieten die öffentlichen Gärten die Möglichkeit, sich gärtnerisch zu betätigen, da sie selbst keinen Garten besitzen und erweitern die Freizeitbetätigungen der Menschen. Die Ziele der Gärten beinhalten also nicht nur ökologische Verbesserungen städtischer Räume, sondern auch eine soziale Wiederbelebung des öffentlichen Raumes. Dieser wird den Bürgern als Teil ihres aktiven Lebensraumes vermittelt, an dem sie sich aufhalten, konsumieren und vor allem mitwirken und -gestalten können. Laut 92,3% der befragten Projektleiter wurde eine soziale Belebung der Fläche, auf der der Garten entstanden ist, voll erreicht, die restlichen 7,7% stimmen dem eher zu. Keiner der Befragten widersprach der These. Ein ebenso deutlich positives Ergebnis ergab die Frage, ob sich die Lebensqualität im Gebiet durch den Garten verbessert hat. Dies trifft laut 42,3% der Projektleiter voll und für über 46,2% eher zu. Nur für 11,5% hat sich diese Entwicklung kaum oder nicht ergeben. Etwas schwächer fällt die Zustimmung auf die Frage nach der Imageverbesserung aus, dennoch wurde die Frage tendenziell positiv beantwortet. Hier stimmten 34,6% voll und 30,8% eher zu, dass das Image der Fläche durch den Garten positiv beeinflusst wurde. 26,9% der Befragten sahen dies dagegen kaum und 7,7% nicht erreicht.

68

Sehr positive Entwicklungen konnten die Gartenprojekte laut den Projektleitern wiederum dahingehend bewirken, dass das Verantwortungsgefühl der Bürger gegenüber der Fläche gestärkt wurde. Dies trifft laut fast zwei Dritteln voll zu und 23,1% sehen dies eher erreicht. Nur 7,7% stimmen dem nicht zu. Das Verantwortungsgefühl der Bürger für den Stadtteil und über die Grenzen des Gartens hinaus hat laut der Befragten ebenfalls zugenommen, auch wenn in geringerem Maße als für die Gartenfläche selbst. Eine verstärkte Identifizierung der Bürger mit ihrem Umfeld fand ebenfalls statt. 72% stimmen dieser These voll oder eher zu, wogegen nur 28% dies kaum oder nicht zutreffend finden (vgl. Abb. 39).

Trifft voll zu

Trifft eher zu

Trifft kaum zu

Trifft nicht zu

Die Fläche wurde sozial belebt.

92,3%

7,7%

Das Image der Umgebung hat sich verbessert.

34,6%

30,8%

26,9%

7,7%

Die Lebensqualität im Gebiet hat sich verbessert.

42,3%

46,2%

7,7% 3,8%

Die Bewohner identifizieren sich mehr mit ihrem Umfeld.

28,0%

44,0%

20,0%

8,0%

Die Bürger übernehmen mehr Verantwortung für die Fläche.
Die Bürger übernehmen mehr Verantwortung für die Umgebung.

61,5%

23,1%

7,7% 7,7%

19,2%

38,5%

26,9%

15,4%

0%

25%

50%

75%

100%

Abb. 39

Bewertung der sozialen Attraktivierung durch die befragten Projektleiter (Quelle: Eigene Darstellung)

Durch die partizipativ strukturierten Gemeinschaftsgärten wird eine soziale Attraktivierung auf Brachflächen in vielfacher Weise bewirkt. Die Fläche wird als gemeinschaftlicher Kreationsraum propagiert, dessen Entwicklung und Gestalt durch die Interaktion, Kreativität und Mitgestaltung jedes Einzelnen beeinflusst werden kann. Die Fläche wird von einem ungenutzten Ort ohne Interaktionsmöglichkeit in einen Ort verändert, den die Nachbarschaft selbst erschaffen und gestalten kann. Beteiligungsmöglichkeiten existieren dabei an nahezu jeder Stelle des Projekts: Die Bürger sind bei allen Gartenanlagen bewusst als Helfer eingebunden, pflegen gemeinschaftlich die Einrichtungen und die Beete, bauen und warten Bewässerungsanlagen und kümmern sich um den Kompost. In vielen Gärten bestehen keine Parzellen, stattdessen wird im gesamten Garten gemeinsam gearbeitet und geerntet. Die Arbeitsaufteilung findet mündlich oder durch ausgehängte Aufgabenzettel statt. Beteiligen können sich die Gärtner auch an konzeptionellen Dingen. Die Organisation von Festen, Aktionen und Jahresthemen oder das Vorbereiten und Durchführen eines Workshops können von ihnen übernommen und neue, eigene Ideen eingebracht werden. In einigen Gärten wird dazu mit Arbeitsgruppen verfahren, die sich mit bestimmten Bereichen auseinandersetzen, beispielsweise der Kooperation mit der Kunst- und Kulturszene oder mit Kindertagesstätten.

Urban Gardening als Instrument zur Reaktivierung von Brachflächen

69

Durch den Garten entsteht ein sozialer Treffpunkt im öffentlichen Raum, in dem sich Familien, Freunde, Bekannte und Fremde treffen, Zeit verbringen, sich kennenlernen oder gemeinsam gärtnern. Dabei ist die gärtnerische Betätigung kein Einlasskriterium, sondern vielmehr ein Aktionsfeld, das mit dem Bezug zu Nahrung und Nahrungsmittelproduktion ein Grundbedürfnis jedes Menschen berührt. Das vielfältige Veranstaltungsangebot der Gärten zeigt dabei ein buntes Spektrum auf, um alle Geschlechter, Generationen und Kulturen anzusprechen. So finden Familiensonntage, Kinderferienaktionen, Lesungen, Konzerte, Winterfeuer, Kiezfeste, Grillfeste, Tage des offenen Gartens oder interreligiöse Erntedankfeste statt. In vielen Gärten gibt es eine Volksküche oder ein monatliches Treffen zum gemeinschaftlichen interkulturellen Kochen. In themen- und zielgruppenspezifischen Workshops, Info-Seminaren oder Erlebnisrundgänge mit Stationen zur Stadtnatur erlernen die Teilnehmer theoretisches und praktisches Wissen um das Thema Gärtnern. Es finden Volleyballturniere, Büchertauschmärkte, Fahrradkurse oder Deutschkonversationen statt und die Gärten nehmen auf externen Veranstaltungen wie Weihnachtsbasaren, Regionalmärkte oder Stadtfestivals teil. Zusätzlich zu den Veranstaltungen sind die Gärten für Besucher, Gärtner und Teilnehmer ausgestattet und bieten Elemente wie eine Gerätehütte, eine Miniküche, Grillplätze, Lehmöfen, Feuerstellen oder Liegewiesen. Die Hürden für die Teilnahme in den Gärten werden möglichst gering, die Angebote und Betätigungsmöglichkeiten vielfältig und erweiterbar gehalten, damit keine Exklusion von kulturellen, sozialen oder Altersgruppen stattfindet. Für die Integration förderlich sind die urbanen Gärten vor allem deshalb, weil deutsche Sprachkenntnisse und von der freien Marktwirtschaft verwertbare Fähigkeiten keine Voraussetzung sind. Gerade Migranten und Arbeitslose können gärtnerisch und gestalterisch aus ihrem persönlichen Erfahrungsschatz schöpfen und ihn zur Geltung bringen, ohne dabei einem ökonomischen Leistungsdruck zu unterliegen. Das Erlernen der deutschen Sprache geschieht nicht durch abstrakte Lernsitzungen, sondern anhand praktischer Tätigkeiten, die mit realen Objekten verknüpft sind. Bei der Beteiligung an der Entwicklung des Stadtteils sind deswegen nicht nur diejenigen Bewohner beteiligt, die sich ohnehin aktiv einbringen, sondern eben auch jene Menschen, die sich an klassischen formellen Beteiligungsverfahren nicht beteiligen. Die Integration von Kindern und Jugendlichen in die Gärten und die Kooperation mit Kindertagesstätten, Schulen oder ähnlichen Institutionen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in den umweltbildnerisch aktiven urbanen Gemeinschaftsgärten. In den Projekten werden oft Beete oder Abschnitte des Gartens speziell für Schulen und Kindergärten angelegt, die diese als Pilotprojekte pachten und nutzen können. Dazu lernen die Kinder und Jugendlichen in altersgerechten Workshops, pflanzen, pflegen und ernten unter Begleitung, bauen Insektenhotels und Vogelquartiere oder bauen, malen und flechten in Freiluftwerkstätten. Das gemeinschaftliche Erleben, das Verwirklichen, Gestalten und Verschönern des Lebensumfeldes kann den sozialen Zusammenhalt des ganzen Viertels stärken. Oft lernen Menschen hier zum ersten Mal ihre Nachbarn kennen und haben die Möglichkeit, ihre individuellen Vorstellungen auszutauschen, zusammenzubringen und gemeinsam Pläne zu entwerfen. Durch die Beteiligung im Garten lernen sie planerisches Verständnis, Diskussionsfähigkeit und Mut. Sie entwerfen die Zukunft ihres Stadtteils zum Teil selbst mit, der öffentliche wird zum gemeinschaftlich-privaten Raum, seine Lebendigkeit und Attraktivität zum Ziel der Bewohner, für das sie Verantwortung übernehmen. Dies sind Grundlagen für ein verbessertes Image des Stadtteils. Meyer-Renschhausen (2004) stellte dies bereits in den USA fest: „So gab es schließlich f“nf Community Gardens in der st Straße. Die Kriminalität ging rapide zurück, der Drogenhandel verschwand ganz aus der Straße. Die Anonymität in der Nachbarschaft verschwand. Die Alten wagten sich wieder vor die (aust“ren. […] Die Freude “ber die Gärten, die gemeinschaftliche erfolgreiche Verschönerungsaktion der Straße teilte sich auch manchen Hausbesitzern mit. Die ersten Häuser wurden angestrichen. Leerstehende Gebäude wurden gekauft, um instand gesetzt zu werden. Meyer-Renschhausen 2004: 67)

70

Abb. 40

Gemeinschaftliche Verkochung zur Eröffnung der UrbanOase, Dortmund (Quelle: Eigenes Foto)

Urban Gardening als Instrument zur Reaktivierung von Brachflächen

71

Die urbanen Gemeinschaftsgärten sind Orte des bürgerschaftlichen Engagements, in denen Partizipation gelebt wird. Als intergenerative und interkulturelle Plätze ermöglichen sie vielfältige Mitmachmöglichkeit und erschaffen so soziale Begegnungs- und Aktionsräume. Mit ihrem breiten Angebot sprechen die Gartenprojekte viele Teile der Gesellschaft an. Durch die Teilnahme, die Mitgestaltung und -entwicklung identifizieren sich die Aktiven verstärkt mit ihrem städtischen Umfeld und übernehmen Verantwortung. Sie bieten sich als Kooperationsakteure mit Erfahrung für die weitere Entwicklung des Stadtteils auch über die Grenzen des Gartens hinaus an. Urbane Gärten tragen folglich direkt und indirekt zu Attraktivitätssteigerung und Verbesserung des Images der ehemaligen Brachfläche und der Nachbarschaft bei.

4.3.4.

Ökonomische Wiederbelebung: Inwertsetzung durch Nutzung

Obwohl die urbanen Gemeinschaftsgärten den Fokus nicht auf eine wirtschaftliche Entwicklung einer Fläche legen, reaktivieren sie Brachflächen nicht nur auf ökologischer und sozialer Ebene, sondern führen auch zu einer ökonomischen Wiederbelebung. Knapp zwei Drittel der befragten Projektleiter antworten auf die Frage, ob der Wert der Fläche sich durch den Garten gesteigert hätte, mit ‚trifft voll zu . Weitere 24% stimmen dem eher zu. Die ökonomische Attraktivität einer Fläche wird auch von der Qualität und dem Image des Umfeldes bestimmt, denn qualitativ höherwertige Orte ermöglichen höhere Mieteinnahmen. Daher ist anzumerken, dass 88,5% der Gartenleiter voll oder eher eine Verbesserung der Lebensqualität im Gebiet feststellen und sich laut 65,4% das Image der Umgebung voll oder eher verbessert hat. Das Interesse der Investoren an den Flächen ist dagegen laut den Befragten kaum gestiegen. Nur 8% stimmten dem voll, 12% eher zu. Nach nahezu 50% kam es durch die Gärten nicht zu einem vermehrten Interesse von Investoren (vgl. Abb. 41).

Trifft voll zu

Trifft eher zu

Trifft kaum zu

Trifft nicht zu

Der Wert der Fläche hat sich gesteigert.

64,0%

24,0%

8,0% 4,0%

Die Lebensqualität im Gebiet hat sich verbessert.

42,3%

46,2%

7,7% 3,8%

Das Image der Umgebung hat sich verbessert.

34,6%

30,8%

26,9%

7,7%

Investoren interessieren sich 8,0% 12,0% vermehrt für die Fläche. 0% 25%

32,0%

48,0%

50%

75%

100%

Abb. 41

Bewertung der ökonomischen Attraktivierung durch die befragten Projektleiter (Quelle: Eigene Darstellung)

Eine ökonomische Reaktivierung der Brachfläche wird direkt und indirekt bewirkt. Die Nutzung durch einen urbanen Garten generiert dabei Einnahmen in Form von Pacht für den Flächeneigentümer (vgl. Kapitel 2.4.4). Zwar befinden sich diese in einem relativ niedrigen Preissegment, bringen aber im Gegensatz zu ungenutzten Brachflächen Erträge, stabilisieren den Sachwert und verhindern einen weiteren Verkehrswertverfall. Durch sie kann der Flächeneigentümer je nach Höhe einen Teil der Grundsteuer oder

72

Unterhaltungskosten refinanzieren oder sie als Planungskosten für die zukünftige Flächenentwicklung anlegen. Durch die gestiegene Aufmerksamkeit und die positiven Entwicklungen auf Sauberkeit, Gestalt, Ökologie und sozialen Faktoren der Fläche und ihrer Umgebung findet eine Wertsteigerung statt, die sie lukrativer werden lässt. Das Interesse von Investoren und Unternehmen erhöht sich damit. Durch einen urbanen Gemeinschaftsgarten findet eine Bewirtschaftung statt, die zeigt, dass die Fläche Bedürfnisse befriedigen kann. Die urbanen Gärten generieren Aufmerksamkeit und transportieren die Brachfläche zurück in den Wirtschaftskreislauf. Die Projektleiter der ‚Gärten der Begegnung in Bayreuth sprechen von einem erhöhtem Stellenwert, die die Fläche als neuer Begegnungsort gewonnen hat. Das Gelände wird zunehmend zu einem Nachbarschaftstreff und die Anfragen der Garteninteressierten nehmen zu. Die Aufwertung der Fläche wird durch die Gärten vor allem in Form von erhöhter Wertschätzung und Anerkennung erreicht. Die Gemeinschaftsgärten entschärfen vor allem für Brachflächen mit unklarer Zukunft den Handlungsdruck auf den Eigentümer, da er durch die Pachterträge für eine Planung mehr Zeit in Anspruch nehmen kann. Er hat die Möglichkeit, Pläne intensiv zu analysieren und zu beurteilen und verfügt damit über eine verbesserte Entscheidungsgrundlage und Vorbereitung für die zukünftige Nutzung. In den beteiligungsintensiven Gemeinschaftsgärten erlernen die Teilnehmer, eigene Wünsche und Vorstellungen an die Fläche und den Raum zu formulieren und entwickeln eigene Ideen. Dies kann für den Eigentümer von großem Nutzen sein, der diese Anhaltspunkte aufnehmen und mit ihnen arbeiten kann. Entwickelt er auf Grundlage der Ideen der Bürgerschaft ein zukünftiges Nutzungskonzept, kann er zusätzlich mit ihrer Zustimmung rechnen. Neben dem Flächeneigentümer erfahren die Gärtner selbst durch den Gemeinschaftsgarten ebenfalls ökonomische Vorteile. Vom kostengünstigen Anbau qualitativ hochwertiger Nahrungsmittel können vor allem Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und Menschen mit geringem Einkommen profitieren. Zudem entwickeln sich in den Gärten intensive Nachbarschaftstreffs und Bekanntschaften, die zum Einen gegenseitige Hilfestellungen im Alltag bieten und zum Anderen durch Ausleihen und Teilen von privatem Besitz oder gemeinsame Anschaffungen finanzielle Einsparungen für jeden Einzelnen bedeuten.

4.4. Fazit
4.4.1. Urban Gardening belebt urbane Brachflächen auf vielfältige Weise

Urban Gardening stellt sich als ein Instrument mit zahlreichen Potentialen für die Wiedernutzung von innerstädtischen Brachflächen dar. Ihren räumlichen Fokus setzt es exakt auf diese Flächen, oft entstehen Gemeinschaftsgärten gerade in den städtischen Räumen, die durch ungenutzte Brachflächen und Leerständen geprägt sind und als soziale Brennpunkte gelten. Aufgrund ihrer Flexibilität spielt die vorherige Nutzung der Fläche kaum eine Rolle, so lange ohne Umbau- und Abrissmaßnahmen unbebaute Fläche zur Verfügung steht. Ungenutzte Flächen, die in Vergessenheit geraten sind, erfahren Aufmerksamkeit und ideellen sowie materiellen Wertzuwachs. Mit der Verortung auf ehemaligen Brachflächen unterstützen urbane Gärten zum Einen die Innen- vor der Außenentwicklung, zum Anderen arbeiten sie für eine positive und lebendige Stadtentwicklung. Die klassischen Wiedernutzungsprobleme Sanierungsmaßnahmen, Altlasten oder Imageprobleme, die die Nachfrage von wirtschaftlich agierenden Investoren oder Unternehmen an Brachflächen stark verringern, stellen für Urban Gardening keine Hemmnisse dar. Gerade weil die Bewegung nicht ökonomisch agiert

Urban Gardening als Instrument zur Reaktivierung von Brachflächen

73

und Orte ökologisch und sozial entwickelt, sind Flächen mit geringem Wert für sie interessant. Mit baulich-strukturellen Mängeln wird kreativ und flexibel umgegangen. Aus Mangel an baulichen Maßnahmen können urbane Gemeinschaftsgärten, wenn es die Absprache mit Eigentümer, die interne Organisation und Jahreszeit erlauben, schnell aufgebaut und die Brachfläche umgehend belebt werden. Gestalterische Attraktivierung, ökologische Verbesserung, soziale Belebung und ökonomische Wertsteigerung: Die Wiederbelebung und Reaktivierung einer Brachfläche vollzieht sich durch Urban Gardening intensiv auf mehreren Ebenen. Durch vielfältige Maßnahmen entstehen Aufwertungsprozesse für den Standort, die über die Grenzen des Gartens hinaus auf das Umfeld und das umgebende Quartier wirken. Deshalb bergen urbane Gemeinschaftsgärten ein enormes Potential und bieten sich als Instrument für eine nachhaltige, bürger- und zukunftsorientierte Stadtentwicklung an.

4.4.2.

Urban Gardening als Zwischennutzung bedeutet Vorteile für den Eigentümer, aber auch Nachteile für den Garten und die Stadtentwicklung

Urbane Gemeinschaftsgärten bewirken als neue Nutzung eine ökonomische Reaktivierung einer Brachfläche, indem sie sie wieder in Wert setzen, Aufmerksamkeit verstärken und ihre Eingliederung in den Wirtschaftskreislauf initiieren. Doch während diese Entwicklung für den Flächeneigentümer als positiv zu beurteilen ist, kann sie für die Gemeinschaftsgärten zum Existenzproblem werden. Möchte ein Eigentümer seine Fläche möglichst lukrativ verwerten, bietet sich Urban Gardening wegen seiner Flexibilität, der schnellen Umsetzbarkeit und der Wertsteigerung der Fläche als Zwischennutzung an. Sie ermöglicht dem Eigentümer in der Folge eine wirtschaftlichere Veräußerung. Dies gilt nicht nur für den Standort des Gartens, sondern auch für angrenzende Flächen. Die direkten wirtschaftlichen Einnahmen, die der Flächeneigentümer durch die Pacht von der Garteninitiative erhält, liegen dagegen unter den finanziellen Möglichkeiten, die er durch eine Veräußerung oder Vermietung der Fläche einnehmen kann, nachdem sie eine wirtschaftliche Aufwertung erfahren hat. Weil sie ökonomisch agieren, schließen Flächeneigentümer daher in den meisten Fällen befristete Pachtverträge mit den Garteninitiativen ab oder verlängern diese nur um ein oder zwei Jahre, um möglichst schnell auf höherpreisige Anfragen anderer Investoren reagieren zu können. Die Motivation des Eigentümers ist aus wirtschaftlichen Gründen nachvollziehbar, aber diese Vorgehensweise schränkt die urbanen Gärten auf ein Mittel zur besseren Flächenverwertung ein und bedroht ihre längerfristige und nachhaltige Existenz und ihre sozialen und ökologischen Potentiale für die Stadtentwicklung. Wird der Pachtvertrag nicht verlängert, muss sich das Gartenprojekt um einen neuen Standort bemühen. Befindet sich dieser nicht im Umfeld des vorherigen Standortes, verliert das Projekt den Bezug zum Viertel, das es begrünt und in dem es die Entstehung einer lokalen aktiven Gemeinschaft unterstützt hat. Einige der Gärtner aus dem unmittelbaren Umfeld können nicht mehr teilnehmen. Den Bürgern wiederum fehlt der gemeinsame Bezugsort und es besteht die Gefahr, dass das erstarkte Gemeinschaftsgefühl verloren geht. Ist die Folgenutzung mit baulichen Maßnahmen verbunden, besteht die Gefahr, dass die entstandene Grünstruktur zu Gunsten neuer Gebäude wieder weichen muss. Die erzielten ökologischen Verbesserungen werden damit zunichte gemacht. Das Gartenmaterial, das sich aus den Pflanzen, Werkzeugen, gebauten Elementen, Pflanzbehältern und vielem weiteren zusammensetzt, muss transportiert und andernorts untergebracht werden. Schwierig ist für die Garteninitiativen die zeitlich auf wenige Jahre begrenzten Pachtverträge auch, weil sie längerfristige Planungen unmöglich machen. Das aber ist für ein Projekt, das auf natürlichen Prozessen basiert und dessen Entwicklungspotential verstärkt mittelfristig wirkt, eine Notwendigkeit.

74

Abb. 42

Logo für die Unterschriftensammlung zum Erhalt des Prinzessinnengartens (Quelle: Website Prinzessinnengarten 4)

Auch der bekannte Prinzessinnengarten in Berlin-Kreuzberg sieht sich stets mit der Problematik befristeter Pachtverträge konfrontiert. Der Pachtvertrag wird stets nur um ein Jahr verlängert. Der enorme Erfolg und die bundesweite Bekanntheit des Berliner Gartens führten zur kontinuierlichen ökonomischen Attraktivierung der Fläche. Als Mitte 2012 die Stadt Berlin als Eigentümer plante, die Fläche im Folgejahr an privat zu veräußern, reagierte die Initiativgruppe des Gartens und warb mit einer Kampagne zur Unterstützung einer Gegenpetition, um die Veräußerung der Fläche zu verhindern. Mit der Argumentation, dass ein Umzug des Gartens wegen seiner Größe und der engen gewachsenen Verknüpfung mit dem Stadtteil einen Rückschlag für den Garten selbst und das gesamte Viertel bedeutete, konnten über 30.000 Stimmen für die Petition gesammelt werden. Daraufhin hat der Aufsichtsrat des Liegenschaftsfonds dem Antrag zur Rücknahme der Pläne zur Privatisierung der Fläche stattgegeben. Sichergestellt ist die Zukunft des Prinzessinnengartens am Moritzplatz dennoch nicht (vgl. Website Prinzessinnengarten 1). Städte und Kommunen können bei dieser Problematik wichtige Hilfestellungen für die urbanen Gemeinschaftsgärten anbieten. Auf welche Weisen sie dabei agieren können, wird im folgenden und abschließenden Kapitel dieser Diplomarbeit in Form einiger kurz gehaltener Handlungsempfehlungen dargestellt.

Kapitel 5

Handlungsempfehlungen für Städte und Kommunen

76

Handlungsempfehlungen für Städte und Kommunen

77

D

ie neuen urbanen Gärten sind viel mehr als nur ein Mittel zur Wertsteigerung von Flächen, wie in dieser Arbeit vielfach herausgestellt wurde. Im Gegensatz zu einzelnen Veranstaltungen beleben sie Räume nicht nur temporär. Sie können mittel- und langfristig positiv auf die Fläche und das Umfeld in gestalterischen, ökologischen und sozialen Belangen wirken und bieten daher langfristig ein großes Potential für eine positive Stadtentwicklung. Städte und Kommunen können dabei wichtige Hilfestellungen geben, um bestehende Projekte zu unterstützen und die Entstehung neuer Gemeinschaftsgärten zu fördern. Als Abschluss der Arbeit werden im Folgenden einige Handlungsempfehlungen an die Städte und Kommunen formuliert, wie diese Hilfestellungen aussehen können.

5.1. Flächenangebot transparenter gestalten und ausweiten
5.1.1. Grundstücke als ‚Sozialflächen‘ festlegen

Gärten brauchen Fläche. Die Rahmenbedingungen für diese simple Tatsache sind jedoch in vielen Fällen nur schwerlich gegeben. Je nach Zustand des Immobilienmarktes einer Stadt kann die Akquise eines Standortes für die Garteninitiativen sehr schwer sein. Die Stadt München bspw. boomt seit Jahren, der Grundstücksmarkt zeigt „[…] seit deutliche Anzeichen einer zunehmenden Anspannung […]“ (Lang u. Hanke 2011: 11) wodurch es für die finanziell kaum konkurrenzfähigen Gartenprojekte schwierig ist, an Flächen zu kommen. Städte und Kommunen können diesem Problem entgegenwirken, indem sie bestimmte Grundstücke aus dem ökonomischen Verwertungsmechanismus der freien Marktwirtschaft herausnehmen und ihre Nutzungen als ‚Sozialflächen im Flächennutzungsplan festlegen. Vergleichbar wäre dieses Vorgehen mit der Bereitstellung von subventionierten Wohnungen des Sozialen Wohnungsbaus. 5.1.2. Brachflächenkataster anbieten

Auch in Gebieten, die einen weniger angespannten Immobilienmarkt aufweisen und in denen die Flächensuche vermeintlich leichter von Statten geht, können Städte und Kommunen wichtige Hilfestellungen geben. Denn selbst wenn passende Brachflächen prinzipiell zur Verfügung stehen, ist es für die Gartenprojekte oft sehr schwer, von ihnen zu erfahren. Dazu fehlen oft Informationen, Kontakte und Ansprechpartner. Eine Lösungsmöglichkeit wäre hier die Erstellung und Veröffentlichung eines Brach- oder Potentialflächenkatasters, das mögliche Standorte für urbane Gärten auflistet. Zur Koordination der Angebote und der Nachfrage könnte eine Internetseite im Stil klassischer Immobilienseiten zur Verfügung gestellt werden. Dort bieten Eigentümer, zu denen die Stadt/Kommune selbst zählen kann, ihre Flächen an und versehen sie mit Informationen, während die Gartenprojekte direkten Kontakt zum Anbieter aufnehmen können. Die Stadt/Kommune könnte auch ein nicht öffentlich einsehbares Kataster führen, auf das Projekte nur auf Anfrage Zugriff haben. Eine Koordination zwischen Anbieter und Nachfrager könnte dann durch die Stadt/Kommune geschehen.

5.1.3.

Ausweichflächen im Gebiet analysieren und bei konkretem Bedarf freihalten

Wird ein Pachtvertrag zwischen Flächeneigentümer und Garteninitiative nicht verlängert, besteht die Gefahr, dass das Projekt den Bezug zum Viertel verliert (vgl. Kapitel 4.4.2). Eine Lösung für dieses Problem wäre die Bereitstellung von Flächen in der näheren Umgebung. Auch hierbei kann die Stadt/Kommune helfen, indem sie eine Potentialflächenanalyse im Gebiet durchführt, unterstützt oder vorbereitet und die

78

Kontaktaufnahme zwischen Eigentümer und Projekt initiiert. Diese Art der Flächenakquise muss rechtzeitig durchgeführt werden, soll das Projekt ohne große Unterbrechungen fortgesetzt werden. Denn für Vertragserarbeitung, Umzug und eventuelle Neustrukturierungen des Gartens muss genügend Zeit eingerechnet werden. Wenn zu einem frühen Zeitpunkt bekannt ist, dass der Nutzungsvertrag eines Gartenprojekts am aktuellen Standort beendet wird, können Ausweichflächen perspektivisch vorbereitet und, wenn möglich, freigehalten werden.

5.2. Urban Gardening als offizielles Instrument in die Planung integrieren
Wenn die Urban Gardening Bewegung von der Ausweisung von Sozialflächen, wie zuvor beschrieben, profitieren können soll, muss das Konzept der urbanen Gemeinschaftsgärten als offizielles Instrument in die Planung aufgenommen werden. Denn nur dann kann es als Nutzung für eine Fläche gewählt und im Bebauungsplan festgelegt werden. Generell würde die Festlegung der Gemeinschaftsgärten als Planungsinstrument der Stadtentwicklung den Projekten eine grundlegende Planungssicherheit verleihen, so dass sie die Möglichkeit haben, sich zu entwickeln und ihr großes Potential für die Stadt, ihre Ökologie und ihre Bewohner auszuschöpfen. In der Stadt München wurde die Ausweisung von städtischen Flächen als Flächen für Gemeinschaftsgärten bereits in den Stadtrat getragen. Die Ökologisch Demokratische Partei ödp forderte, dass je zwei Gemeinschaftsgärten in den 25 Stadtbezirken entstehen und diese auf Grund ihres Modellcharakters die Entstehung weiterer Gärten motivieren sollten (vgl. Website ödp München). Noch sind dabei keine Entscheidungen getroffen worden, dennoch sollten auch andere Städte die Entwicklung eines Urban Gardening Instruments auf ihre Agenda setzen.

5.3. Projektübergreifende Ansprechstelle anbieten
Die Einrichtung einer zentralen Ansprechstelle für Urban Gardening Projekte auf städtischer oder kommunaler Ebene kann für Interessensgruppen, die noch keine konkrete Planung eines Gartens durchgeführt haben, Gemeinschaftsgärten in einem frühen Stadium sowie bereits länger existierenden Gartenprojekten wichtige Hilfestellungen anbieten. Zu diesen zählen inhaltliche und finanzielle Beratungsangebote, Vernetzungsarbeit und Unterstützung bei der Flächensuche. Die Ansprechstelle hat für die Projekte einen Mehrwert, da aus den bereits durchgeführten Gesprächen, Beratungen, Problemen und Lösungen Erfahrungen gesammelt werden können, die an neue Projekte weitergegeben werden können. Gleichzeitig unterstützt diese zentrale Struktur die Vernetzungsarbeit, denn die Ansprechstelle kann Vernetzungstreffen organisieren und projektübergreifende Veranstaltungskonzepte mit den Gemeinschaftsgärten erarbeiten.

Anhang und Quellenverzeichnis

80

Anhang

81

Im Zuge der vorliegenden Diplomarbeit wurden zwei Onlinefragebögen erstellt und an Gärtner und Projektleiter verschickt. Weiter unten werden diese Fragebögen in der Form, wie sie auf der Internetseite auftraten, dargestellt. Die Antwortmöglichkeiten lassen sich in drei Typen unterscheiden, die wie folgt in den Fragebögen erkennbar sind: oder Teilnehmer kann eine der vorgegebenen Antworten wählen. Dieser Fragetyp wird bei quantitativen Fragen verwendet.

Dem Teilnehmer steht ein kurzes Freitextfeld zur Verfügung. Dadurch kann der Teilnehmer eigene Ideen anführen. Das Kurzfeldtext verhindert dabei ausufernde Erklärungen und erwirkt dadurch prägnante Antworten in wenigen Antworten.

Der Teilnehmer kann in einem großen Freitextfeld antworten. Wie beim kurzen Freitextfeld erlaubt dieses Feld dem Teilnehmer, seine Antwort frei zu formulieren. Dabei stehen ihm mehr Worte zur Verfügung, weswegen diese Antwortmöglichkeit verwendet wird, wenn ganze Gedankengänge, Erklärungen oder Beschreibungen gewünscht sind.

Anhang I: Online Fragebogen an die Gärtner

82

Anhang

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Anhang II: Online Fragebogen an die Projektleiter

84

Anhang

85

86

Anhang III: Antworten der Projektleiter auf den Online-Fragebogen
Anmerkung: Es werden nur die offenen Fragen aufgezeigt. Die Antworten wurden weder inhaltlich noch grammatikalisch überarbeitet und erscheinen in ihrer Ursprungsform.
Wie heißt euer Garten und wo befindet er sich? (Stadt, Stadtteil)                              Utopiastadtgarten Internationaler GArten Walle in Bremen, STadtteil Walle Internationale Bewohnergärten in Mülheim-Eppinghofen Sand+WaterWerk "Gärten der Begegnung-Interkulturelle Gärten Bayreuth e.V. interkultureller Bewohnergarten von ZAK e.V. in München, Neuperlach Gemeinschaftsgarten in Hannover Hainholz München, Neuhausen Pyramidengarten, Berlin, Neukölln Garten "Neue Erde", Nienburg, Stadtteil Lehmwandlung Interkultureller Garten am Rande der STadt Nachbarschaftsgarten Berchen, Konstanz, Quartier Berchen-Öhmdwiesen interkukltureller Garten Perivoli, in Berlin - Neukölln (Stadtteil Britz) Neue Erde, Nienburg- Lehmwandlung interkultureller Garten Fürth 'wachsenlassen' im Familiengarten Mitte, 10785 Berlin Tiergarten-Süd Wandelgarten Wuppertal Interkultureller Garten Nürnberg Langwasser FARBFELDER (Berlin, Weißensee) Interkultureller Garten Coswig e.V: Interkultureller Garten, Neckargemünd e.V:Neckargemünd, im Wiesenbacher Tal Gemeinschaftsgarten Fürstenwalde / Spree Internationaler Garten Ditzingen e.V. Bunter Garten Freiburg, Freiburg Littenweiler Annalinde, Leipzig, Plagwitz Nachbarschaftsgärten Garten der Begegnung; Homburg-Erbach Interkultureller Garten Saalfeld Integrations -und Schulgarten / Potsdam Stadtteil Schlaatz

Seit wann gibt es den Garten an dieser Stelle? (Bitte Monate oder Jahre angeben)                     Frühjahr 2012 vorarbeiten seit Sommer 2006, Gärtnern seit Ostern 2011 Mai 10 2007 Seit 7 Jahren seit 1991 '3.2011 01. Mai 12 '04/2007 seit 2005 seit 7 Jahren Frühjahr 2011 Den Garten gibt es seit der Bewegung der Kleingartenkolonien, also ca. seit einem halben Jahrhundert. Wir haben das Grundstück erworben, seit 10 Parzellen mit ihren Lauben vom Bezirksamt abgerissen wurden, um daraus einen Schulgarten zu machen, was aus finanziellen Gründen nicht geschah. So bekamen wir den 3500 qm grossen Garten 2002 2004 6 Jahre 3 Jahre Seit 2 Jahren 4.9.2010 2 Jahre Mrz 11 '1.1.2009

Anhang

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        

seit drei Jahren 2011 Dez 08 seit 2006 '06/2011 2004 1 Jahr 30.03.2012 1999

Gärtnert Ihr auf einer ehemaligen Brachfläche? Wenn ja, wie wurde diese zuvor genutzt?                         altes Bahngelände, Vorplatz zum Aufgang in den Wartesaal erster Klasse verwilderters, überwuchertes Kleingartenland Schwimmbad Brachfläche und Teil eines Feldes nicht genutzt, ab und zu als Schafweide Grabeland das bis vor 3 Jahren als Grundstück mit Wohnhaus genutzt wurde Weitere Zwichennutzungen wie Lager, Zirkus etc. / Bebauung ist noch ausgechlossen, da das Gebiet nach dem Krieg nie entmient wurde Personalunterkunft und Abstellplatz vom Friedhofsamt Obstbaumplantage/Brachland Wiese, gemäht 2xim Jahr abgezäuntes Grundstück, verbracht, keine Nutzung alte Apfelplantage Müllhalde Vernachlässigtes Stadtgrün war abgezäunt Firmengelände der Schokoladenfabrik Trumpf(DDR Zeiten) Wohnhäuser, großer Garten, Gartenbaufirma - ist für den Bau einer Straße vorgesehen, ehem. Besitzer mussten verkaufen, die Straßenbaupläne liegen jedoch auf Eis, unser Glück unsere war immer al sgarten genutzt, aber drei Jahre lang nciht, deshalb unter meterhoher Brombeerhecke versteckt Vor 25 Jahren zuletzt als Schulgarten, dann nicht mehr und war zugewachsen und vermüllt. nicht genutzt gar nicht Garagen und nach dem Abriss gar nicht (Müllkippe) kasernen verwilderter Schulgarten

Wer ist der Flächeneigentümer? bzw. Wem gehörte die Fläche vorher?                      Deutsche Bahn von der Stadt Bremen gepachtet Stadt Mülheim an der Ruhr Gemeinde Stadt Bayreuth, ein Teil einem Bauern Landeshauptstadt München Stadt Hannover war und ist Eigentümer, wir sind jetzt die Pächter und somit die Besitzer des Grabelandes Land Bayern Bezirksamt Neukölln Stadt Nienburg der Stadt Stadt Konstanz Das Bezirksamt Neukölln Stadt Nienburg Stadt Bezirksamt (Jugendamt) berlin Mitte Stadt Wuppertal Insolvenzverwaltung Stöck Niering Tömp der Stadt Coswig ein Neckargemünder 'Altbürger' Die Stadt Fürstenwalde . Die Fläche gehörte zu DDR - Zeiten sozusagen dem Volk.

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      

Stadt Ditzingen Deutsch Bahn Stadt Leipzig Privat und Stadt AWO SPN Saarland LEG Schulverwaltungsamt

Wie lange war sie vor Eurem Garten ungenutzt? (Bitte Monate oder Jahre angeben)                         vor mehr als 10 Jahren ca. zehn Jahre 2 Jahre ca 20 Jahre als Gemüsegarten sein Jahrzehnten nicht genutzt, letzter pächter (und Bewohner) ca. 1 - 2 Jahre vorher verstorben Seit Jahrzehnten immer mal wieder einige Jahre nicht bekannt war schon immer Wiese am Stadtrand ? keine Ahnung, wurde noch nie wirklich genutzt soviel ich weiss ca. 1 Jahr ca. 30 Jahre weiß ich nicht genau, mehrere Jahre Nutzung der Anwohner zum Durvhlaufen/Hunde ausführen, 10 Jahre 20 Jahre ca. etwa 20 Jahre oder länger ca 5 s.o.: drei jahre oder mehr 25 Jahre einige Jahre ca. 20 Jahre ??? ca.10 Jahre unbekannt

War die Fläche zuvor vermüllt? War das ein Problem für die Errichtung des Gartens oder vllt. sogar ein Vorteil?        - altes Holz; - viel Wildwuchs; - Müll; ; kein Problem; gemeinschaftliche Aufräumaktion und ein Heckenschnitt haben schnelle Resultate gebracht mäßig vermüllt, da mit Brombeeren und Gehölzen zugewuchert, dafür aber Hundeklo; die Abfallbeseitigung und das Roden kostete Eigenarbeit und erhebliche Mittel für den Auftrag an einen GaLa-Betrieb Es war ein klassischer Angstraum (inkl. Müll und Personen, die besonders abends für ein unbehagliches Gefühl sorgten). Ein Problem war das für die Errichtung nicht, jedoch mussten viele Prüfungen (Bodenprüfung etc.) im Vorfeld durchgeführt werden. Es lagerten dort Gartenabfälle aus umliegenden Privatgärten. Dies wurde mit untergepflügt als Gründüngung. Der größere Teil des 2700 m2 großen Grundstücks wurde für die Nutzung eines angrenzenden Schrebergartens freigehalten, die aber keinen Anspruch geltend gemacht haben. Die Fläche war vor allen Dingen mit Schlehenhecken zugewachsen. Der andere Teil gehörte zu einem Maisfeld. vermüllt nur teilweise, v.a verwachsen mit Brombeeren, Brennnesseln usw. und voller Steine. Für die Leute war es viel Arbeit aber kein Problem, sie machten auch Flächen urbar, die gar nicht für Gartenbeete vorgesehen waren. Wohnhaus wurde abgerissen, Grube mit reinem Sand verfüllt --> musste erst mit Unmengen an Kompost urbar gemacht werden; Müll wenig, halt teilweise Restabfälle der ehemaligen Bewohner, wie Glasscherben, Metall- und Tonteile; Grundstück bewachsen mit sehr vielen sehr großen Bäumen (Tannen, Eichen, wenig Obstbäume), machen leider sehr viel Schatten; Das ganze Grundstück war Brache, man musste erst viel Grasnarbe abstechen, um überhaupt Beete anlegen zu können; man musste auch viele Büsche roden, bzw. stark zurück schneiden, um überhaupt genügend Ackerfläche zu bekommen; Boden teilweise durch Nadelgehölze sauer; Vorteil der Bäume: Garten hat schon gewisse Struktur mit lauschigen Ecken, die man als Sitz-/ Grillecke und Spielwiesen nutzen kann Nein Wir haben m²weise Bauschutt entfernt, 10m³Schlacke (Streugut) entsorgt, einen holzschutzmittelverseuchten Schuppen abgerissen und 450 l Heizöl inkl. Tank entsorgt.; Die entstehenden Kosten/Arbeiten wurden mit der Pacht verrechnet. Einige Bauabfälle durch vorherige Bebauung mit kleinen Schuppen und Lagerräumen. Bis auf die Entsorgung kein Problem.

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Sollte ein Campingplatz werden, aber der Protest der umliegenden Terassenhaus-anlage- Bewohnerinnen war zu groß nicht vermüllt, krautige Brachfläche, nur leicht verbuscht, benachbart Neubau eines Kindergartens vor 5-6 Jahren, 'unser' Grundstück war Baustellenzufahrt, dadurch stark verdichtet, Oberbodenabtrag durch die Stadt erfolgt mit Anschüttung von lockerem Oberboden, im Untergrund nach wie vor stark verdichtet, Grundstück nur ca. 320 m² groß. Nein, vermüllt nicht aber die Trümer der abgerissenen Lauben waren in der Erde gegraben, was uns sehr viel Kraft, Zeit und Arbeit gekostet hat, all diesen Sondermüll zu entsorgen, um einen guten Boden daraus zu machen! Alles geschah natürlich ehrenamtlich! Auf der Fläche waren Bretterbuden und Schutthaufen. Die gesamte Fläche war zudem total verwildert und musste mit schwerem Gerät urbar gemacht werden. Da diese Fläche schon lange für Unmut gesorgt hatte, war die Umnutzung durch uns natürlich gern gesehen.; Ein kleiner vorgelagerter Teil ist übrigens eine wilde kleine Gartenkolonie (6 Gärten). Mitte der 1980-er Jahre haben BewohnerInnen des Stadtteils die Fläche besetzt und sind von der Stadt dort toleriert worden. Allerdings stand eine Räumung des Geländes für 2005 an. Für diese GärtnerInnen war unser Projekt ein Segen, denn so konnte die Räumung nicht erfolgen. Beide Gärten existieren seither nebeneinander, allerdings ihne besondere Berührungspunkte. Fläche musste mit Vlies abgedeckt und Mutterboden aufgefüllt werden. Tiefwurzelnde Pflanzen können nicht gesetzt werden. Die Fläche war immer wieder vermüllt, wurde aber vom Grünflächenamt regelmäßig gereinigt. Fläche war nicht vermüllt, gärtnerisch angelegt mit Pflastersteinen und Pergola, aber ungenutzt. Nein Die Fläche ist in ca. 40cm Tiefe Betoniert. Meine Kollegin hat Bebauungspläne und Fotografien aus dem 1990 gefunden. Darauf war die Fläche als Baufläche dargestellt mit dem Ausbau eines Kellers. Auf der Brachfläche wurde aber schließlich nie ein Gebäude errichtet, Die Betonplatte wurde zugeschüttet. ja, etwas, war kein Problem, zu beräumen Ja, ein teil sehr, es war eine menge Arbeit, das alles einzusammeln und wegzuschaffen, aber gute Gemeinschaftsarbeit Die Fläche war vermüllt . Sowohl mit Resten der ehemaligen sowjetischen Armee als auch von heimlichen Nutzern der zugewachsenen Brachfläche.; Das hatte natürlich vor und Nachteile . So ein Grundstück kann eine Stadt nicht so einfach vermarkten aber wenn sie das unbedingt wöllten; siehe Berlin , München,.... dann kommt notfals schwere Technik und dann ist so eine Fläche auch schnell Investorfreundlich hergerichtet.; Das hängt wohl bei uns mit der großen Menge von Brachflächen und vielen ungepflegten aber an Alteigentümer zurückübertragenen Grundstücken (z.B. Erbengemeinschaften die sich selbst nicht grün sind oder.... ) Vorher waren wir mit unserem Gartenprojekt auf einer größeren , noch vermüllteren Fläche der sowjetischen Streitkräfte - mit Rouine, Müll und viel Vandalismus - obwohl nun im Eigentum einer berliner Aktiengesellschaft . Mit den gesell. Verwerfungen wollten werder die noch die Polizei zu tun haben . Wir allein waren dann von dem eingebürgerten; Fehlnutzungen ( Jugendgruppen , Obdachlose, Kinder ) überfordert und zogen auf die nächste Brache .; Nun freuen sich wennigstens die Nachbarn über unser Engagement . Alledings haben sie auch Jahrelang ihren Müll , halbe Bäume , tote Hecken,; leere Eimer entsorgt. Da petzt dann auch mal einer über den anderen und man muß aufpassen sich nicht zwischen die Stühle zu setzen.; Für Projekte der Jugendhilfe oder Wiedereingliderung von Gefangenen oder Langzeitarbeitslosen sind solche Orojekte aber gern gesehen.; Robuste Arbeiten bei dennen man nichts kaput machen kann eventuell sogar noch erzieherisch wirkt , zumindestens aber die Gruppen mit; handfesten Aufgaben ausstatten kann. An Ende ist bei solchen Geländen dann Erfolg sichtbar - wo gibt es das Heut noch .; Einer unserer Nachbarn ist ein noch überlebender Schulgarten mit dem wir Kooperieren und zu dem wir nun im Kontast und zum Spaß für die Kinder; naturnah gärtnern und sogar etwas abfärben mit Benjeshecken, Infotafeln, Wildkrätern oder aufwachsender Wiese bis zum aussamen.; Ein Vorteil ist glaube ich auch heimlich doch freude bei der Stadt aus zu lösen , dass endlich jemand aufräumt und man sich damit ; und dem bürgersch. Engagement schmücken kann. DEr Müll war da eher das kleinere Problem . Die Kosten der Entsorgung und für unseren Umzug wurden von der La21 Fürstenwalde getragen . Auf eine andere Fläche wären aber auch wir in der Provinz nicht gekommen .; Alle Schrebergärtenvereine wollen laut Satzung nur gut sprechende und schreibende Mitbürger aus anderen Kulturen und erst rechht keine; naturnah gärtnernde Gruppen. nein nein Teilweise vermüllt. Bauschutt wurde von Plastik, restmüll, Altmetall, -Glas etc. getrennt und zu einem kleinen Bühnenfundament verdichtet. Problem, weil die Erde voll von Bauschautt war, der herausgeholt werden mussten und immer noch wird teilweise Bauschuttablagerungen Die Fläche war nicht vermüllt, sie lag in der Nähe von Offizierswohnungen. Sie lag nach einigen Pflanzaktionen der Schule brach

Hatten die Fläche und die Umgebung zuvor ein bestimmtes Image (zB gute Wohngegend, Problemviertel etc.)? Wenn ja, welches?   Bahngelände und ein bisschen "Niemandsland". Naherholung am Stadtrand, gut zu Fuß zu erreichen, in direkter Nachbarschaft zu einem Kleingartenverein einerseits und einem kleinen Gewerbegebiet andrerseits; der unmittelbar angrenzende Stadtteil ist eher sozial schwach, ca. 50% der Anwohner mit Migrationshintergrund. Kein massiver sozialer Brennpunkt, aber auch nicht von allen Bremern gern als Wohngegend angewählt.

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Es war ein Angstraum in einem Stadtteil, der ohnehin im Programm Soziale Stadt als "Gebiet mit besonderem Entwicklungsbadarf" gekennzeichnet war. Entfällt Stadtrandgebiet mit kleinen Siedlerhäuschen Randbereich von Neuperlach, ehem. Trabantenstadt von München, hat kein gutes Image... Das Grabeland befindet sich inmitten einer sehr großen Gartenfläche mit vielen Kleingärten und Grabelandflächen. Stadtteil Hainholz generell eher sozialer Brennpunkt. Gärten in der Nachbarschaft teilweise verwildert und als Schandfleck der benachbarten Bewohner angesehen. Liegt inmitten der Stadt, in einem eigentlich unproblematischen Wohnviertel direkt neben dem Olympiapark; ein bestimmtes Image war damit aber nicht verknüpft. Nein, Friedhof, Sportanlagen, Tempelhofer Feld Der angrenzende Stadtteil "Lehmwandlung" war über einige Jahre als sozialer Brennpunkt zu betrachten. Nach Aufnahme des Stadtteils in das Programm "Soziale Stadt" hat sich die Situation tendenziell positiv verändert. ruhige Wohngegend, Eldorado für Spaziergänger, Hundehalter Quartier Berchen-Öhmdwiesen hat (leider immer noch) einen schlechten Ruf, wurde vor ca. 6-7 Jahren ins Programm 'Soziale Stadt' aufgenommen, zahlreiche investive und nicht investive Maßnahmen wurden durchgeführt in Millionenhöhe, starke Verbesserung der Wohnqualität und des Ansehens dadurch, aber Gesamtstädtisch haften die alten Vorurteile immer noch an; sehr heterogene Bebauung, v.a. Geschoßwohnungsbau, etwas erhöhter Ausländeranteil im Vergleich zur Gesamtstadt, aber auch hoher Anteil älterer Bewohner, dadurch (v.a. früher) öfter Konflikte zwischen älteren Anwohnern und Jugendlichen, seit Neubau von Skateanlage, Bolzplatz etc. starke Verbesserung Kein besonderes Image außer dass das Grundstück -mitten in der Stadt (Süd Neukölln)- gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Die Lehmwandlung an sich ist ein Sozialer Brennpunkt gewesen und seit mehr als 10 Jahren im Programm "Soziale Stadt". Wie oben beschrieben, war die Fläche ein Ärgernis. Für alte Nienburger hat die Fläche allerdings noch etwas nostalgisches, denn viele erinnern sich an den Plantagenbetrieb und viele haben nach Afgabe der Nutzung noch auf dem Gelände gespielt. nicht so gut, wurde erst in den letzten Jahren saniert und aufgewertet. Aufenthaltsraum auch für Prostitution (im Bezirk stark angesiedelt) Einkaufsstraße Keine Probleme Die Fläche ist eingerahmt durch ein Bürokomplex mit einem hohem Leerstand. Wohngegend, etwas außerhalb der Stadt, wir haben es nur zur Nutztung, weil die Stadt es als Straßenbauland vorhält und nun kein Geld für den Straßenbau da ist Nein, bei uns Teil der Landschaft am Ortsende( sogar Landschaftsschutzgebiet) Das Image ist nach wie vor geprägt vom Randgebiet zur ehemaligen Militärfläche , die nun allerdings seit mehreren Jahren zum Wohngebiet; umfunktioniert wurde . Aber die Schatten der Vergangenheit lassen sich nicht so schnell auslöschen.; Weiterhin liegen wir direkt an der Bahntrasse Berlin Warschau und der Zugverkehr hat stark zugenommen. Das Vietel ist durchmischt von Privateigentümern und sanierten Mietshäusern . Allerdings kann man nich sagen , das es ein gutes Wohnviertel ist .; Viele der über 40-jährigen kennen die Fläche als Schulgarten und viele waren negativ erstaunt als sie die ungenutzte Fläche an Tagen der offenen Tür wieder sahen . Der Bretterzaun davor war dicht und hoch. nein - beliebtes Hundeklo nein Die Fläche war ein verstecktes Idyll oder direkten Zugang. Die Stadt Leipzig sprach im Zusammenhang mit der vorher dagewesenen Brache vom dunklen Loch der Stadterneuerung. Es gab auch sehr viele weitere Brachen und ungenutzte und zerfallene Häuser. Stadtteil hat Negativimage Die Flächen waren früher nicht zugänglich und liegen heute direkt an der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber der Schlaatz ist der Stadtteil mit dem höchsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund und Hartz 4 Empfängern

Wie lange hat es gedauert, eine Fläche zu finden (Monate oder Jahre)? Was waren die größten Hindernisse?     Wir haben einige Zeit gesucht jedoch ging es bei der Suche um ein Gebäude und eine Fläche wo viele verschiedene Projekte, Initiativen, Interessensgemeinschaften Platz und die Möglichkeiten haben ihre Ideen umzusetzten. ca. zwei Jahre; Umwelt-Behörde war kooperativ, aber die ehrenamtliche Initiativgruppe zu klein bzw. die Entscheidung, erst nach möglichst vielen (migrantischen) Mitstreitern zu suchen und dann den organisatorischen Rahmen zu schaffen (Vereinsgründung etc.), war zeitraubend und im Grunde überflüssig Es standen mehrere Flächen im Stadtgebiet für ein solches Projekt zur Verfügung, jedoch war diese die einzige, die alle für uns wichtigen Faktoren beinhaltete. Hindernisse als solche gab es nicht, jedoch nam die Vorbereitung der Fläche (Prüfungen, das Abholzen von Bäumen etc.) viel Zeit in Anspruch. Die Fläche hat uns gefunden!

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Wir haben drei Jahre gesucht (inzwischen die Bayreuther Tafel installiert). Grund Die Stadt hat kein Geld für Flüchtlinge, die sowieso nur kurze Zeit bleiben. Dann war das Thema "Integration" aktuell und damit auch ein Grundstück vorhanden. Inzwischen ist der Garten ein Prestigeobjekt für die Stadt. hat mindestens 2 Jahre gedauert.; Das Problem: als was sollte die Fläche gepachtet werden? als Kleingarten? mit welchen rechtlichen Grundlagen?; Gemeinschaftsgärten sind keine Nutzungskategorie mit eigenen Richtlinien, die Nutzung erfolgt im Graubereich.; Behörden tun sich schwer im Umgang mit solchen Nutzungs-Sonderformen. Ich bin zu einer Gruppe dazugekommen, die gerade von der Stadt dieses Stück Grabeland angeboten bekommen hatte. Einer pachtete dies als Privatperson. Wir teilten uns alle die Pacht, aber offiziell dürften da eigentlich nur Familienmitglieder des Pächters wirtschaften. Mittlerweile ist der Pächter nicht mehr beim Gemeinschaftsgarten dabei und ich habe die Pachtvertetung übernommen. Beim neuen Pachtvertrag habe ich darauf bestanden, dass das nicht an eine Familie, sondern an eine Gartengemeinschaft verpachtet wurde, bei der alle Pächter namentlich genannt wurden und gleichberechtigt sind. Ich bin bloß Ansprechpartnerin für die Stadt. Also diese Gartengemeinschaft ist privat. Wir zahlen die Pacht selber zu gleichen Teilen. Wir haben keinerlei öffentliche Förderung, weder finanziell, noch in Form eines Bürgerarbeiters, der die Organisation übernimmt.; Ich persönlich wollte vorher Gardensharing machen und habe etwa 1/2 Jahr lang Gleichgesinnte gesucht. Als ich diese Gruppe fand, war auch unmittelbar das Grundstück da, also danach musste ich dann nicht weiter suchen. Monate. Sehr wenig Freiflächen innerhalb der Stadt. 1 Jahr, es gibt in Neukölln fast keine Flächen die frei und nicht kontaminiert sind. Keine Informationen darüber, da ich erst seit 2009 in dem Projekt beschäftigt bin. 2 Jahre, entscheidend war die Befürwortung der Stadt, das Grünflächenamt erspürte einen Imagegewinn und legte sich ins Zeug, gegen den Wiederstand der Anwohner; die Argumente dagegen waren - Lärmbelästigung, Chaos parkender PKWs, Müll 1-2 Jahre ca., Schwerfälligkeit der Stadtverwaltung ein geeignetes Grundstück zur Verfügung zu stellen;; zunächst Vereinsgründung nötig, um langfristiges Fortbestehen zu sichern, Fördergelder 'Soziale Stadt' (nicht investiv) liefen Feb.2012 aus, Vereinsgründung war Juni 2010. Wir suchten schon seit 1995 und 2002 bekamen wir die Fläche! Also ca. 7 Jahre! Ca. 1/2 Jahr. Das größte Hindernis war, dass dem Projekt zunächst eine Fläche zugewiesen worden war, durch die ein Spazierweg von QurtiersbewohnerInnen ging. Eine Umnutzung als Garten löste heftige Proteste aus, bis hin zu Bedrohungen der MitarbeiterInnen. das jetzige Areal liegt quasi auf der anderen Seite des Feldweges und der dortige Standort ist sofort akzeptiert worden. Die Fläche wurde dem Gelände, auf dem sich der heutige Familiengarten (und welche schon vorher durch einen Kindertreffpunkt minimal genutzt wurde) bei der Neugestaltung zum Familiengarten zugeordnet, so dass wir dort von Anfang an mit unserem Gartenprojekt beginnen konnten. Wir haben ohne alle Hindernisse innerhalb von 6 Wochen 6 Flächen innerhalb von Wuppertal vom Amt für Grünflächen und Forsten der Stadt Wuppertal angeboten bekommen. 5 Jahre Anwohnerbedenken war kein Problem, Anfrage an die Stadt, nach ca einer Stunde Antwort -einige Monate; - die Stadt besitzt wenig Land und konnte nicht helfen, so mussten wir bei Privatleuten suchen 3-4 Jahre hat es gedauert . Eigentumsverhältnisse und die unübliche Nutzung durch Bürger waren das größte Hindernis.; Dann mußte ich mich als Privatperson als Pächter zur Verfügung stellen auch wenn es bisher keine Pacht gekostet hat.; Es gibt Verantwortung , Verpflichtung , viele Aufgaben.... ( von Schneefegen über ungebetene Besucher , nächtlichen Lärm bis hin zu ; Mißverständnissen bei Nachtbarn oder Mitgärtnern). ca. 1 Jahr; Zustimmung des Stadtrates bzw. der verschiedenen Ausschüsse war nicht einfach einige Monate Die Fläche haben wir nach intensivedr Recherche nach 6 Monaten vertraglich gepachtet. Das größte Hinderniss ist der Anspruch an Größe und Lage der Fläche. Sie sollte in der unmittelbarer Lebenswelt und nicht am Rande der Stadt liegen, groß genug sein und gärtnerischen Faktoren wie Sonneinstrahlung, Wasserversorgung etc. entsprechen. Ich bin nicht von Anfang an dabei und weiß das nicht. 8 Monate; - Bedenkenträger bzgl. Lage ; - Besitzverhältnisse; .... ES hat ca. 2 Jahre gedauert. Die größten Hindernisse waren die Genehmigung und Erschließung,; aber wir hatten Glück und bekamen Unterstützung von der Stadt und dem Landkreis als Betreiber der GU ca ein Jahr, in anderen Außengebieten von Potsdam ist es uns gar nicht gelungen zB.Groß Glienicke mehrfache Anläufe aber immer an der Farge Grund und Boden gescheitert

Wie lange habt Ihr zum Aufbau des Gartens benötigt, nachdem Ihr die Fläche zur Verfügung hattet? (Bitte Wochen, Monate oder Jahre angeben)      ca. 6 Monate seit 2011 im Aufbau, zzt. etwa zur Hälfte genutzt, ca. 15 Mitglieder ca. 2 Jahre (aufgrund langer Vorbereitungszeit) 3Jahre ca 1 1/2 Jahre

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lässt sich nicht auf einen bestimmtetn Zeitraum gebrenzen. Anfangs war der Garten sehr klein und provisorisch, und als solcher schnell nutzbar. Es wurde immer weiter aufgebaut und verbessert, ist bis heute nicht abgeschlossen. Wir sind immer noch dabei. Im ersten Jahr haben wir aber schon was geerntet, im 2ten Jahr noch mehr. Aufbau der Infrastruktur, wie Geräteschuppen, Geräte, Regentonnen, Brunnen, Regenlounge, Tische, Stühle, Gewächshäuschen etc. hat etwa 1 Jahr gedauert. Beete werden sukzessiv neue angelegt. Sechs Monate ??? wann ist ein Gartenaufbau abgeschlossen ??? ca. 1/2 Jahr 1,5 Jahre ca. 4-5 Monate ca. 1 Jahr 4 Monate 3 Jahre, unser Garten befindet sich immer noch im Aufbau, Gärntern konnten wir schon nach ca 2 Monaten auf einer ersten Fläche. Die Fläche war sehr in Ordnung und so haben wir 3 Wochen benötigt. 1 Jahr 1 jahr , aber wir haben jetzt noch Reserve, die brach liegt, gut für die Natur übrigens. Es sind fast 7000 qm einen Sommer lang, im 2. liwf wa sann schon richtig gut- jetzt kommt der vierte Im ersten Garten 3 Jahre , nun noch dabei. 1 Monat 8 Monate ein Prozeß, der immer noch stattfindet Was ist damit genau gemeint? Der Garten ist kontinuierlich im Aufbau und wächst stetig. Bis zum Urbarmachen und Bepflanzen der ersten Beete ca. 4 Monate ca. ein halbes Jahr ab 2000 ein Prozess

Befanden sich auf Eurer Gartenfläche alte Fundamente, Leitungen etc? Wenn ja: Wie seid Ihr damit umgegangen? Wie habt Ihr die Fläche urbar gemacht?        Müll wurde weggeschafft und zunächst in großen Fässern gepflanzt. Es war nicht ganz klar ob der Boden durch die ehmalige Bahnnutzung versäucht ist oder nicht. Die Bodenprobe, die wir haben machen lassen war zum Glück sauber so wurde dirket in den Boden gepflanzt. nein; aber wir haben bei versch.Behörden Infos eingeholt, ob was da ist; kleines GArtenhausfundament stört nicht Leitungen etc. waren nicht auf unserer Fläche vorhanden, aufgrund dessen haben wir einen Wasseranschluss im Rahmen der Vorbereitungen verlegen lassen. Ja, Schwimmbecken. Alte Teile des Bades wurden Einbezogen und Integriert nein Einige Bereiche waren staunass, teilweise gab es tief gelegene Fundamente. Der Umgang damit ist pragmatisch, man macht das beste daraus.. alte tote Wasserleitungen gefunden --> verbleiben einfach im Boden; einige wenige Plastikrohre herausgerissen --> werden entsorgt; geringfügige Mengen, bei uns kein Problem; Minifundament (ca. 4 m2) bleibt einfach da, evtl. wird Regentonne draufgestellt; Sandkuhle des ehemaligen Wohnhauses --> mit weit hergeschlepptem Kompost vom örtlichen Entsorger und Pferdemist mühselig aufgepeppt, damit überhaupt was wächst Nein Schon erklärt... wir haben saniert und dekontaminiert. Keine Fundamente oder Leitungen am Rande der Wiese kam Metallschrott zum Vorschein, den haben wir zum Wertstoffhof gebracht. Die sonstigen Müllsachen konnten bei der jährlich stattfindenden "Flurputzete" - ein städtisches Projekt - entsorgt werden. keine alten Fundamente, Leitungen etc. vorhanden, nur (s.o.) stark verdichteter Boden, Zaun ums Grundstück konnte bleiben, Einbau von zusätzlichem Tor (Schenkung) letztes Jahr, Aufbau von Gartenhütte (auch Schenkung) im Frühjahr 2011; Oberbodenaustausch (s.o.) im Beetbereich, Bodenverbesserung durch Gründüngungsansaat etc.; Wasseranschluß an benachbartem städtischem Gebäude nutzbar Es befinden sich immer noch alte Wasserrohrleitungen, die erneuert werden müssen; Uns fehlen jedoch die Mittel hierfür. Der bauhof der Stadt Nienburg und die Deula haben mit Maschnen das Gröbste entfernt und durchgepflügt. Die Feinarbeiten, wie entfernung von Quecken u. ä. haben die Pächterinnen erledigt. Nein. Wir haben jedoch den Boden für unser erstes Beet ausgetauscht und sind so auch bei den dazukommenden Beeten verfahren. Nein keine, die Fläche ist gepflastert. Nein

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ja, alte Fundamente, es wurde ja schon die Kanalisation für die neuen Straße gelegt udn der Boden umgeschichtet durch die Bauarbeiten, dadurch haben wir sand und Steine an der Oberfläche. ; Handarbeit, Steine gelesen, Boden verbessert, Mist angefahren, Gründüngung eingesät, mühsam. gerodet und umgegraben( keine Fundamente etc.) Auf der ersten Fläche gab es alte Wege, Rohre, Gullis, Brunnenschächte und eine Rouine.Das alte Haus haben wir direkt nich mitgepachtet und auch eine Baumreihe historischer alter großer Bäume nicht .Die Verantwortung war uns zu groß. Auch im zweiten Garten haben wir die Baumpflege von 25 Jahren ungepflegten Bäumen nicht im Vertrag geduldet. Daran wäre der Vertrag beinahe gescheitert aber ansonsten hätten wir eine Aufgabe gehabt die uns überfordert hätte (Fällerlaubnisse, Baumsatzung, Technik,....) Da wird einem scheinbar oft unliebsames mit aufs Auge gedrückt.Die Laube und die Wasserrohre gehören der Stadt aber zum Glück sind Reperaturen nicht sehr komplziert und oft finden wir nach Presseaufrufen Unternehmer die was spenden , wir reparieren dann allein . Aber bei dem desolaten Zustand ist jede Reparatur mehr als nur Erhaltung.Wir machen Stückweise mit dem Spaten und Jugendgruppen Urbar. Davor haben wir auch mit Gruppen ausgelichtet mit Handsägen oder Spaten.Es gibt keinen Stromanschluß. ja - insbesondere Kabel; sie wurden entsorgt. nein siehe Angaben zu Müll Im Prinzip hat jedes kleine Gartenstück einen Stein bzw. Bauschutthaufen an seinem Rand liegen. Jedes Jahr wird die Erde urbarer. Zum Teil wurde neue Muttererde herangeschafft. Es wird auch Kompost und Mist eingebracht. nein bzw. keine relevanten zum Glück nicht nein

Besitzt die Fläche, auf der Ihr gärtnert, Altlasten (Altablagerungen im Boden, weshalb dieser kontaminiert ist)? Wenn ja: Wie geht Ihr damit um? (z.B. mobiler Garten, Pflanzen zur Entgiftung etc.)                            siehe oben nein - wir haben zu Beginn eine Bodenprobe zwecks Analyse in eine Labor geschickt Nein Nein. nein von Kontamination gehen wir nicht aus - wurde aber auch nie nachgeprüft.; wir wollen seit längerem die Gießwasserqualität prüfen lassen, da es aus einem Kiesteich stammt.; andrerseits: was tun wir, wenn die Wasserqualität bedenklich ist? da es keine Wasserleitung gibt, werden wir weiterhin mit dem Wasser aus dem Gießteich gießen... falls das der Fall sein sollte, wissen wir es nicht Ja, der Boden ist kontaminiert (Bodenproben durch uns) und wurde nach dem Krieg nicht entmient. Wir dürfen nicht tiefer als 30 cm in den Boden. Daher bauen wir alles in Hochbeeten und anderen mobilen Einheiten an. jetzt nicht mehr... Nichts darüber bekannt. Bodenproben waren unbedenklich. Nein, die Fläche war früher ein mäanderndes Bachbeet und in Frühjahr Schwemmgebiet Bodenprobe wurde durchgeführt von der Stadt, keine Kontaminationen vorhanden Außer dem o.g. Zustand ist uns nichts weiteres bekannt. Nein. Nein Nicht erkennbar. Fläche wurde in städtischer Art und Weise gepflastert und dann eingezäunt. Nein nein, keine dieser Altlasten nein Keine Kontermination des Bodens . nein nein keine Altlasten bekannt. Wir verfügen größtenteils über mobile Hochbeete auf Europaletten. keine Ahnung nein, nicht bekannt Nein nein, nur generell schlechter Boden, da der Bauschutt wahrscheinlich entsorgt wurde, beim Bau des Stadtteils

Gibt es weitere Einschränkungen auf der Fläche? Wie seid Ihr mit diesen umgegangen?  Die Fläche ist relativ klein aber ausbaufähig und groß genug für kleine "Experimente". Rund um das Haus gibt es jedoch auch weitere Flächen die zwar ebenfalls der Deutschen Bahn gehören aber die zu klein sind um diese zu verkaufen. Dort fand auch die erste Müllentsorgungs- und Brombeeren-Rückschnittaktion statt und ein Hochbeet ist für dieses Jahr angedacht.

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tiefliegendes Land, im Winter teilweise überschwemmt (Marschenboden), trocknet spät ab; Lösung: Sumpfbeet an tiefster Stelle, eventuell Mutterboden an anderen Stellen aufschütten - alles andere (Drainage etc.) zu teuer, außerdem wird ökologisches Gärtnern das Problem nach und nach verbessern - erfordert aber immer wieder Diskussionen und Abwägungen Nein Besondere Situation in unserem Garten. Wenn Interesse dann Rückruf. nein eigentlich darf auf der Fläche nichts gebaut werden. das wurde aber erst bekannt, nachdem schon kleine Gartenhäuschen gebaut waren.; Es gibt Kompromisse: kleine Unterstände sind erlaubt, um Gießwasser zu sammeln und Geräte unterzubringen. Richtige Gartenhäuser zum Aufenthalt sind nicht erlaubt. kein Wasser- und kein Stromanschluss; --> haben Grundwasserbrunnen bohren lassen - Schwengelpumpe; Grundstück sehr zugewachsen --> Buschrodung; große Bäume --> Verschattung --> kann man nicht viel machen, daher nicht das ganze Grundstück als Ackerfläche nutzbar Kein Strom - wir haben uns mit Solar und Holzöfen "elektrifiziert". Kein Wasser - Standrohr vom nächstgelegenen Hydranten und Regenwasserauffangung. Nein. Keine friedliches Miteinander mit den Nachbarn ist uns wichtig. Wir wurden ganz bewußt Mitglied im e.V. des Stadtteils und konnten somit die Ängste und Vorurteile wiederlegen, die Antistimmung besänftigen.; Ein Problem ist die Hühnerhaltung, der krähende Hahn wird als Nachruhestörung erlebt. Der Kompromiß lautet - wir verzichten auf eigene Nachzucht und schlachten den "männlichen Vertreter" Entfernen einer nicht mehr vitalen Birke; zwei große Bäume im Bereich der Gartenhütte (Kastanie, Roteiche) müssten kräftig zurückgeschnitten werden, teilweise schon selber durchgeführt, Kontakte mit Baumpfleger, der bereit ist dies durchzuführen; insgesamt etwas wenig Platz, leider keine Erweiterungsmöglichkeiten vor Ort, keine Toilette vorhanden keine sonstigen Einschränkungen Aktuell werden wir im Laufe des Jahres das Gelände verlassen müssen, da in unmittelbarer Nähe eine neue trasse entstehen wird. Wir haben alle Einspruchsverfahren ausgeschöpft und verhandeln jetzt mit der Stadt über die zur Verfüungstellung einer neuen Fläche. Nein Wir müssen jederzeit mit unseren mobile Pflanzgefäßen in den hinteren Teil des Gartens umziehen wenn traditionelle Straßenfeste o.ä. gefeiert werden sollen. Nein Es kann sein, das die Straße in fernerer zukunft gebaut wird, das ist ein sehr ungutes Gefühl. Ich als Vorstand kümmer mich um Infos dazu und halte Kontakt zu Personen, die es zuerst erfahren könnten, Stadträten z.B. Dann wollen wir dagegen was machen. Aber es wird schwierig, wir haben es ja von anfang an gewusst mit den Plänen. es ist ein alter Streuobstgarten, mit den Beeten müssen wir eben flexibel sein, dafür könen wir Obst und Nüsse ernten Wir müssen über eine Einfahrt die zu DDR - Zeiten einmal einem Nachbarn als Nutzungsrecht offiziell ünertragen wurde.; ZUm Glück ist er sehr verständnisvoll . Wir haben ihm versprochen uns nicht über seinen über den Zaun entsorgten Baumschnitt ; ( in 25 Jahren mehrere Quadratmeter mehr als 2m hoch vollgetapelt ) auf zu regen wenn er uns auf seiner Auffahrt tolleriert.; Im Nutzungsvertrag wure ein Übergangsrecht fest gehalten .; Parallel haben wir uns über die Kooperation mit der Schule das Übergangsrecht über den benachbarten Schulgarten vereinbahrt.; Wie das einmal aussehen wird wenn der Senior stirbt oder die Schulleiterin in Ruhestand geht - werden wir dann sehen.; Der Zaun ist in verfallenem ZUsand und teilweise umgefallen , gerade zur Seite der Bahntrasse.; Die Stadt hat dort öffentlich angefragt und eine Ablehnung bekommen . Dafür haben wir über den Stadtforts die erste hälfte mit einen Wildschutzzaun geschlossen bekommen . Für den hinteren Teil gibt es Zaunfelder aus dem ersten Garten nun heißt es noch Akteure zum Aufstellen zu finden. Es gibt keinen Strom , das finden wir aber bisher nich besonders schlimm. nein keine Grundwasser mehr - Wasser wurde uns gesponsort von der benachbarten Pädagogischen Hochschule Strom bekommen wir von einem Nachbarn. Komposttoilette. Eingeschränkte Anbaufläche. Wir dürfen keine festen Gebäude auf den Flächen errichten, und das machen wir halt nicht. Es gab keine Begrenzung, auch hatten wir Bedenken bezüglich Bodenerosion, die zum Glück bis jetzt aus blieb.; Wir pflanzten Beerensträucher, Weinpflanzen und Obstbäume als Begrenzung. es gab nur Wasser aus der Nuthe ( ein kleiner Flusslauf in der Nähe ) das im Sommer meist nicht mehr zur Verfügung stand; 2004 Brunnenbau

Wie habt Ihr die Fläche optisch und gestalterisch attraktiviert?    Einzelbeete, bestehendes Gartenhaus wird zzt. renoviert, noch viel freie Fläche mit Unkraut Naturnaher Bereich mit Teich und Wiese, Spiel- und Abenteuerbereich, Garten mit Hochbeeten und Gewächshaus Wir haben die Fläche terrassiert, einen Hauptweg angelegt, mit Weidenruten das Eingangstor gestaltet, einen Sichtschutzzaun zu den Nachbarn gepflanzt und einen Weideniglu als Rückzugsraum, bzw. Bühne angelegt. Außerdem gibt es ein Kraterbeet, zwei Hochbeete und eine Kräuterspirale, eine Lagerfeuerstelle,eine große Fläche für Feste, einen Sandkasten und

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Rutsche. Nachdem die Gartenfläche am Hang liegt haben wir die Terassen mit Baumstämmen befestigt und damit ein kleines Amphitheater geschaffen. Die Fläche war nie unattraktiv. Das Ziel war nicht, den Ort attraktiver zu machen, sondern Raum für gärtnerische Aktivitäten zu schaffen. Nachdem dieser Raum durch die Nutzung enstanden war, bekam er nach und nach eine bestimmten, ausgeprägten Charakter, der viele Leute anzieht, über dessen Attraktivität aber nicht alle gleicher Meinung sind... Ziel des Gardensharings und des Gemeinschaftsgartens ist es in erster Linie gesundes wohlschmeckendes Gemüse zu ernten und sich beim Gießen und der Grundstückspflege abzuwechsen, damit jeder so wenig Arbeit hat wie möglich und auch noch etwas anderes machen kann als nur zu gärtnern. Jeder kann auch mal in den Urlaub fahren, ohne dass sein Gemüse vertrocknet. Die Optik spielt da eine eher untergeordnete Rolle. Obwohl es auch Spaß macht, die Sitzecke zu nutzen, Kaffeekränzchen zu machen oder gemeinsam zu grillen.; Es gibt auch Kinder im Garten, die gerne die Spielwiese nutzen.; Wir haben auch eine Notlatrine (Eimer im Boden). Indem wir einen kompletten Garten auf sie drauf "gezaubert" haben - grün ists, wo es vorher grau war. Beete, Pflanzenvielfalt, Staudenbeete, Lehmofen, Kräuterspirale, Insektenhotel, Weinstöcke, Pergolen Bau von Aufenthaltsmöglichkeiten. Sitzgelegenheiten, Bauwagen, Lehmofen. Holzspielplatz für Kinder. Bäume und Beersträucher, Gemüse und Blumen, Brotbackhaus für die Gemeinschaftsgärtner und die Bevölkerung durch die Gartenbeete, die Gartenhütte, Bemalung der Gartenmöbel (durch Kinder), eine (temporäre) Kunstausstellung, anbringen von kleineren Dekostücken im Beet-und Zaunbereich, dieses Jahr weitere Aktionen geplant Durch Anbau von Obstbäumen, Lehmofenbau, Holzskulptur, div. Blummen-und Gemüsebeete, Bienenpot - Bau (5 Völker), Renovierung der zwei Lauben mit Vordach und einer Pergola, u.a. Die alten Obstbäume sind stehen geblieben. Es wurden Gartenparzellen abgeteilt, die sich darum herum gruppieren. In der Mitte ist ein Treffpunkt/Sitzplatz mit einem großen Sonnensegel entstanden. Nebenan haben Kinder Hütten gebaut. Zwei Bauwagen dienen als Büro, bzw. Abstellraum. Insgesamt wurde auf den Gelände nur mit Naturmeterialien gearbeitet und die Gestaltung rankt sich um die vorhandene Struktur. Wir haben ein großes 'Pizzabeet angelegt mit Kräutern, Tomaten, Paprika, Knoblauc etc (halt alles, was auf eine Pizza passt). Der garten ist rund wie eine Pizza und in dreieckige (Pizzastücke) Beete aufgeteilt. Wir haben einen Bauerngarten angelegt mit künstlerisch gestalteten Zaun zum Blumen- und Gemüseanbau. Wir haben Gehölze und Stauden gepflanzt, wir haben einen 'wladigen', relativ naturbelassenen halbschattigen Bereich, der noch im Aufbau ist. Wir haben mobile Pflanzefäße aufgestellt, die mit essbaren Pflanzen bepflanzt sind. Pflanzschilder erklären die Nutzpflanzen. Auch haben wir Blumen und Sträucher dazwischen gesetzt. Wir haben Sitzgelegenheiten und Informationstafeln eingebracht. Blumen gepflanzt Staudenbeete im Eingangsbereich, Sträucher gepflanzt durch viele Blumenbeete, eine Hütte, Kinderspielanlage,Kräuterhügel, Gemüsebeete Die desolate Laube wurde von außen Renoviert. Baumaufwuchs und tote Äste wurde entfernt . Wilde Müllhaufen abgetragen . Die Wiese einmal im Jahr gemäht. Die Altobstbäume beschnitten . Es wurde mit gemulchten Wegen Strucktur vorgegeben . Im Sommer gibt es einen bunt gechmückten Pavillion ( Klappzelt ) im Eingangsbereich wurden gleich als erstes zwei Rabatten mit Gespendeten Stauden und Pflanzen aus dem ersten Garten; bepflanzt . Im Eingangsbereich wurde ein großer Bereich wildwachsender Flieder so ausgeschnitten das ein kleiner Rundgang für die kreativen und ihre Objekte gibt ( Kooperation mit Künstlern ) . Die Lagerung unserer abgebauten Materialien erfolgte unter einem Angebauten Dach neben der Laube. Einige unserer alten Stationen zur Naturerkundung wurden schon verteilt und errichtet ( Barfußpfad, Sitzbalken, Hochbeete entlang der Wege , Steingarten) Für Anderes gibt es einen auf Papier gebrachten Plan was wohin soll. Bepflanzung mit Büschen, Obstbäumen, Blumenrabatten Künstlerische Anlage der Beete, Sommerküche, Kaffeewagen (fiat 900t), Hochebene, lichter Wald, Möbel in Anlehnung an Europalttenmaße, Eingangsgestaltung mit Obstmaumallee In dem wir halt Gärten, Spielmöglichkeiten für Kinder, Rückzugsecken, Gemeinschaftsflächen usw. angelegt haben. Wir haben in die Mitte der ca. 500 m"eine große Kräuterspirale gebaut und sie mit verschiedenen Kräutern und Blumen bepflanzt.; Abgehend von dieser Spirale wurden Beete angelegt, für Obst und Gemüse Projektdurchführung im Jahr 2012 1450 Kinder; Insektenhotel , Lehmbackofen, Begenungshaus, Bienen, Werkstatt

Wie verbessert Ihr die Ökologie und das Mikroklima der Fläche und der Umgebung? (zB alte Sorte, Bienen, Anbau ohne Pestizide etc.)      außer der Bearbeitung an sich und ohne Pestizide noch nichts Besonderes, da noch im AUfbau Wir haben 15 Bäume und eine Hecke gepflanzt, ein Insektenhotel gebaut, drei Nistkästen aufgestellet und Versuche mit einem Terra Preta-Beet gestartet wir versuchen, ökologische Anbaumethoden umzusetzen. z.B. beim Erhalt der Bodenfruchtbarkeit durch Kompostieren, Effektive Mikroorganismen und Terra preta.. Wir gewinnen Saatgut teilweise selber (Tomaten, Kürbisse, Kartoffeln) und säen es erfolgreich wieder aus.; Es gibt Nistkästen für Vögel.; Pestizide etc. setzen wir sowieso nicht ein. Wir belassen einen großen Buschbestand, der von zahlreichen Vögeln als Nistplatz genutzt wird. Es gibt ein Eichhörnchen, einen Igel, einen Marder etc. Nur alte, sortenreine Saat, Bienen, Wildblumenwiese, ökologischer Dünger

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alte Sorte, Bienen, Anbau ohne Pestizide, Insektenhotel, Humusanreicherung, Kompost Gegärtnert, bzw. angebaut wird nur nach ökologischen Kriterien. Bienenhaltung gibt es auf einem Nachbargrundstück. Kompost, Verwendung von Mist, in diesem Jahr beginnen wir Bienenhaltung ausschließlich biologischer Anbau, Anbringung von 'Wildbienenhotel', möglichst vielfältiger Anbau auf Gemeinschaftsfläche Wir bauen oft alte Sorten, auch aus den jeweiligen Heimatländern der Mitglieder, ohne Pestizide und Bienenzüchtung Der Anbau darf nur nach ökologschen Gesichtspunkten erfolgen. Auf dem Gelände sind Insektenhotels und Nistkästen verteilt. Die alten Apfelbäume sind verjüngt worden, so dass sie wieder tragen. Es wird kompostiert und die Erde wird wieder aufgebracht. Ökologischer Gartenanbau. Anbau alter Sorten, eigene Saatgut-Vermehrung in Kooperation mit Social seeds, Insektenhotel, Insektenfreundliche Blühpflanzen. Vogelschutzhecken, Nistkästen, Gehölzecken, Totholzhaufen u.ä. Noch ist dieser Garten klein und fein und bildet eine Informationsplattform für weitere Gärten und Vermittlung von Aktivitäten in Wupertal. Anbau ohne alle Pestizide ist selbstverständlich.; In einem anderen Garten ist im letzten Sommer alles vorbereitet mit Bienensaat und in diesem Sommer werden zwei Völker aufgestellt. Ökologischer Gartenbau Pflege der "geerbten" alten Obstbäume, weitgehend ökologischer Anbau, wenig Pflanzenschutzmittel, Pflanzen eingehen zu lassen ist auch nicht ökologisch, Anwendung mit Sachverstand, Einsatz von Kräuterbrühen, Brennesselsud z.B., außerdem setzten wir Grünschnitthäufen auf, Zweige, Laub, Kompost das verrottet mit der Zeit zu Gartenerde und gibt Eidechsen sowie anderen Kleintieren unterschlupf, wir haben Nistkästen aufgehängt, die alle (6) bebrütet werden, Meisen. Im Sommer stellen wir Vogeltränken auf, wird von Ringeltauben u.a. genutzt natürlich nach ökolog.Richtlinien ( wie in der Regel die interkulturellen Gärten), möglichst alte Sorten, Bäume vofhanden Wir haben allen ausgegrabenen Grassoden kompostiert . Es gibt nur Organischen Dünger . Keine Chemie und zum Glück auch noch kein Problem mit Schädlingen.Es gibt Benjeshecken für die Igel,... , Wir haben Insektenhotels und Vogelquartiere mit den Kindern gebaut . ; Mit der Sammlung des Regenwassers der Laube wird ein kleiner Teich gespeißt ( Erlebnisstation ) . Im Sandigen und sonnigen Bereich; ist die Wiese und der Steingarten ( das beste aus der Lage und den vorhandenen Boden ( Urstromtal ) machen).; Die alten historischen Maulbeerbäume wurden mit Pflege oder erhaltungsschnitt ausgelichtet spenden aber Schatten und brechen den Wind.; Auf der Bahnseite werden wir zu vorhandenen Bäumen und Hecken noch mehr pflanzen um Lärm und Staub zu mindern.; Alle alten Obstbäume wurden erhalten und gepflegt , die neuen stammen aus einer Baumschule der Region. Im Schattenbereich unter den Laubbäumen haben wir sehr gern Spenden entsprechender Pflanzen von Privatpersonen angenommen . Wir erhalten immerwieder Hecken oder; Stauden ( weitergeben statt wegwerfen ) Was wir nich brauchen geben wir an Jugend-oder Sozialeinrichtungen - mit Anleitung zur eigenen Umfeldaufwertung . vorwieegend biologischer Anbau alter, sortenechter Kulturpflanzen, Bienen- und Hühnerhaltung Jeder gärtnert bei uns selbst. Da musst du jeden einzeln Fragen. Was aber feststeht ist, dass bei uns keine nichtorganischen oder gar chemischen Dünger eingesetzt werden. keine Pestizide, unterschiedliche Bepflanzung Beim Anbau legen wir großen Wert auf Verwendung alter Sorten, sofern möglich versuchen wir in diesem zweiten Jahr unsere Pflanzen ; selbst zu ziehen. Im Herbst haben wir Pferdemist aufgebracht und Gründüngung ausgesäät. Bienen; Kräuteranbau; ohne Pestzide, schon wegen der vielen Kinder die den Garten nutzen

Wie habt Ihr die Fläche sozial attraktiviert? Was bietet der Garten den Bürgern, Gärtnern, Kindern, Migranten etc.? Wie und wo können sie sich partizipatorisch einbringen?  Schulbeete als Pilotprojekt von April bis Oktober 2012 - sehr erfolgreich (inkl. Artikel in Schulzeitung und Elternnachmittage); Folgeprojekt gerade in der Planung; Migranten zzt. leider noch in der Minderheit; neue Projektplanung für 2013/2014 strebt evt. Kooperation mit Flüchtlingsheimen an;; das alles geht nur, wenn das fund-raising klappt - Letzteres läuft zzt. ganz überwiegend ehrenamtlich, aber recht erfolgreich Regelmäßige Familiensonntage, Picknick, Büchertausch, Kinderferienaktionen, Lesungen und Konzerte, Freiesspielen. Wir haben das ganze Jahr über mindestens einmal im Monat eine Veranstaltung zu der über die Presse alle Bayreuther Bürger/innen eingeladen werden. Am 15. Februar z.B. ein Winterfeuer mit Stockbrot, heißen Getränken, Brote mit Kräuterbutter usw. Im Sommer gibt es mindestens ein Konzertangebot. Wir haben ein Toilettenhaus mit Miniküche, eine Gerätehütte, eine Hütte, mit zwei Biertischgarnituren.; Im Sommer wird ein Lehmofen mit zwei Grillplätzen gebaut. Bei allen Anlagen, die der Garten bietet, sind die Gärtner bewusst als Helfer mit eingebunden. man kann oder soll sich einbringen in die Pflege der Gemeinschaftseinrichtungen, wie Pflege der allgemeinen Rasenfläche, der Sitzmöglichkeiten. Kompostarbeiten, Bau und Pflege der Bewässerungsanlage. ; Mitmachen bei Festen, Aktionen und Jahresthemen (z.B. Bodenverbesserung, Sortenvielfalt, gemeinsam Kochen und Essen, Kochbuch schreiben...; ; Attraktiv und lebenswert wird der Garten durch die Nutzung. Immer wieder sind Absprachen und Regeln notwendig, z.B. im Bezug auf die Materialverwendung (es ist nur unbeschichtetes Holz erlaubt...) Nutzen kann das Grabeland nur, wer offiziell Mitglied in der Gartengemeinschaft wird und sich zu gleichem Teil an der Pacht, der Gartenpflege und der Gießgemeinschaft beteiligt. Offen sind wir erst einmal für jeden. Wer Mitglied werden kann, entscheiden die "alten" Mitgärtner gemeinsam.; Gießgemeinschaft: Jeder gießt immer alles. Es wird alle 2 Tage gegossen, d.h. z.B. bei 5 Leuten ist jeder nur alle 10 Tage mit dem Gießen dran; Der Garten ist umzäunt und abgeschlossen,

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dass heißt für sonstige nicht zugänglich. Das ist wichtig, da dort mit Lebensmitteln umgegangen wird und kleine Kinder der Mitgärtner im Garten spielen. So ist man vor unliebsamen Besuchern und Dieben einigermaßen geschützt.; Der Garten liegt mitten in der Stadt, ist also für die Gartenmitglieder leicht zu erreichen. Er bietet neben der Gemüseernte noch einen Erholungswert, da er optisch sehr schön ist, ein kleiner Wald (relativ) nah am Haus. Man muss nicht erst bis vor die Tore der Stadt fahren.; Ich finde es ganz besonders sozial attraktiv, dass der Garten nicht öffentlich zugänglich, sondern abschließbar ist, da ich bei anderen Gemeinschaftsgärten (z.B. Palettengärten von Transition Town) die Erfahrung gemacht habe, dass da sehr viel sabotiert und geklaut wurde und leider auch immer vereinzelt asoziales "Gesocks" auftaucht, das meint, dies sei jetzt ihr neues Forum, wo sie Platzhirsch spielen und mit der Bierflasche in der einen und der Zigarette in der anderen Hand andere Leute anblöken könnten. So etwas ekelt mich extrem an und ich wollte da nicht mit gutem Gewissen mein Gemüse ernten oder das gar Kindern zumuten.; Ich habe weder speziell etwas gegen noch für Migranten. Das hat für mich mit dem Gärtnern nichts zu tun.; Das Gardensharing betreibe ich aus rein pragmatischen Motiven. Für mich ist das kein Wohltätigkeitsprojekt. Asoziale sind vom Gemeinschaftsgarten ausgeschlossen. Wichtig für mich ist, dass es fair zugeht und jeder gemeinschaftlich denkt und handelt. Einen besonderen "Arschnachtrageservice" für Leute, die Sonderrechte in Anspruch nehmen wollen, gibt es nicht. Dazu gehört eine gewisse Anpassung, z.B. an die Kommunikationsform per E-Mail. Wer da nicht mitmachen will, kann halt nicht teilnehmen. Es ist ja keinem der anderen Mitglieder zuzumuten, dass für einen einzelnen alles immer (analog) per Post zugeschickt werden muss. Dann würde der Verwaltungsaufwand irgendwann explodieren und der Effekt des Gardensharings, weniger Arbeit zu haben als wenn man einen Garten alleine betreiben würde, zunichte gemacht werden.; Die Fläche kann man auch, wenn man als Städter in einer Wohnung wohnt, auch noch fürs Handwerkern nutzen und z.B. einen Solarkocher etc. bauen, weil man da mehr Platz hat und es auch mal dreckig werden kann. Unser Garten ist für alle da - alle arbeiten an allem und alle ernten auch alles - es gibt keine Parzellen und kein "Eigentum". Wir sind ein interkultureller Garten, gemeinsame Aktivitäten mit Migranten sind unser Hauptziel, Info-Seminare, Veranstaltungsort und -räume, Projekte mit Kinder an 5 Schulen, 6 Kitas und 2 Jugendfreizeiteinrichtungen, Ausrichtung von kiezfesten und Weihnachtsbasar in zwei Quartieren. Der Großteil des Gartens ist an Langzeitarbeitslose "Verpachtet". Es wird von diesen ein symbolischer Pachtzins entrichtet. Aktuell wird der Garten von ca. 30 Familien zum Gemüseanbau genutzt. Überwiegend handelt es ich hierbei um Familien mit Migrationshintergrund. Für Kinder steht ein separater Grundstücksanteil zur Verfügung, wo Kinder ihre eigenen Gärten anlegen könnnen.; Die Bewirtschaftung der einzelnen Parzellen gestaltet jeder "Pächter" eigenverantwortlich. Für den Gesamtgarten ist die Gartengemeinschaft verantwortlich. s.o. - Teilnahme am jährl. Regionalmarkt, Mitwirkung beim Intern. Festival der Stadt, Tag der offenen Tür (Gartentür), Interreligiöser Erntedank,; Volleyballtournier, aktive Teilnahme am Vereinsleben des Stadtteil e.V.s Mitgliedschaft in Intergrationsausschuß der Stadt, Deutschkonversation wöchentlich im Garten, im Winter in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende jeder Anwohner kann ein Beet anmieten € Pacht pro Beet/Jahr + € Vereinsbeitrag , Grillfeste feiern, Beteiligung an städtischen Aktionen ('Tag der offenen Gärten'), Sandkasten, Jugendtreff hat ein Beet gepachtet, mobile Kidsarbeit bekommt ab 2013 ein Beet; Infoveranstaltung über biologisches Gärtnern Wir organisieren oft Veranstaltungen mit inter/soziokulturellem Charakter, wie Auftritte von Kindertanzgruppen, workshops, Austausch mit anderen Migrantenprojekten, Zusammenbringen von intergenerativen Projekten, u.v.m. Das Projekt ist ursprünglich ein Projekt für Erwerbslose. Inzwischen ist es auch ein interkulturelles Projekt, in dem Kulturen und Nationalitäten miteinander gärtnern, die sonst eher keine Berührungspunkte haben. Die Menschen, die dort gärtnern haben eine Aufgabe, Verantwortung, Ernteerfolge, einen Ort zum Hingehen, bewegung an frischer Luft, frisches gesundes Obst und Gemüse, soziale Kontakte, also viele Dinge, die sie im Alltag so nicht haben und vieles, das sonst mit Erwerbsarbeit verknüpft ist. Sie verschenken auch gerne teile ihrer eRnte und tauschen Pflanzen und Sämereien.Wir haben ein spezielles Kinderprojekt für Kinder aus armen Familien auf dem Gelände. Die Kinder haben somit etwas, was andere Kinder nicht haben (Beete, einen eigenen Abenteuerspielplatz), den sie selbst gebaut haben. Dies stärkt sie, denn sonst sind sie immer diejenigen, die zurück stehen. Unser Garten ist ein gemeinschaftsgarten für Menschen ab dem Kindergartenalter. feste gemeinsame termine mit Kindergartengruppen (an denen auch anderen Interessierte teilnehmen können), offene gartentermine für alle Wir haben feste Öffnungzeiten und jeder kann hereinkommen, sich informieren und jederzeit mitmachen. Wir nehmen uns Zeit und Gespräche machen oft manches klarer und führen auf neue gemeinsame Wege. SIE IST ZUM tREFFPUNKT GEWORDEN Die Familien der Vereinsmitglieder oder auch Freunde kommen manchmal zu Besuch, Viel Platz für Kinder, Kindergartengeräte vorhanden, Laubhaus gebaut, Eidechsen können von Kindern beobachtet werden Wir sind eine interkulturelle Gruppe von etwa 20 Erw. und einigen Kindern aus 10 Nationen, das interesse im Stadtteil ist positiv, in der Kleinstadt ( sc. von seiten der Stadtverwaltung un dder Presse) sehr begrenzt.Wir wollen in diesem Sommer mehr an die Öffentlichkeit gehen, auch neue Mitglieder werben,w eil wir durch Wegzug etwas 'Schwund# haben. Wir bieten monatlich 2 Mitmachtage für jeden der möchte und was er möchte ( einlaminierte Aufgabenblätter wo wir noch Hilfe brauchen ) ; Wir bieten offene Tür und Freiluftwerkstatt für KInder ( bauen , malen , flechten,....) Wir bieten für Einrichtungen oder Familien ; Erlebnisrundgänge mit Stationen zur Stadtnatur . Wir bieten Projektkooperationen für Bildungsträger . Wir bieten jeden 2. Montag einer Kindergruppe gärtnern auf selbst ausgesuchtem und über Jugendprojekt angelegtem Beet . Wir bieten einer Sozialeinrichtung mit monatl. Treff " intern. Küche " ein Kräuterbeet dafür erhalten wir 1x im Jahr ein interk. Buffet und bereiten für die Gruppe Handicap der LA21 die Mitnutzung des Gartens vor. Wir kooperieren mit dem Schulgarten in dem wir dort beim Graben ,der Laubenrenovierung und besseren Begrenzung des Haupt-

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weges geholfen haben und im Gegenzug die AG Gruppen der Schule bei uns in Garten sind oder für uns bauen oder malen.; Wir nehmen Spenden an und geben nicht gebrauchte Spenden weiter. Wir führen viele Gespräche über den Gartenzaun oft auch zur Vermittlung. Spielplatz, Grillplatz, Feuerstelle, Liegewiese.. offene Bildungs- und Kulturangebote, Arbeitsgruppen zu Bereichen, Kooperation mit Akteuren aus Kultur- und Kunstszene, Kindertagesstätte etc. ; siehe website www.ifzs.de Spiel- und Gemeinschaftsflächen mit Feuerschale, Lehmbackofen und Grill; ein Strohballenhaus, das auch in der kalten Jahreszeit genutzt werden kann, eine Gemeinschaftsküche; ; Diese Dinge und Räume können bei uns genutzt werden - auf Anfrage. Wir sind kein vollkommen offener Garten sondern öffnen uns projektbezogen; Beispiele wären:; - offene Werkstätten (Holz und Fahrrad); - Zusammnarbeit mit drei Kindergärten, die unsere Flächen projektbezogen nutzen (eigene Beete); - Fahrradkurs für Migrantinnen auf unserem Gelände; - Feste wie der Freiflächensalon; - VoKüs usw. gemichte Nutzer,; Veranstaltungen, werden aus der Gruppe heraus entwickelt --> z-B. Woche des Geschmacks mit generationenübergreifenden Angeboten; gemeinsame Feste; "Gartenbildungsprojekt" mit Gärtner Wir haben gemeinsame Garteneinsätze mit Migranten und Anwohnern durchgeführt.; Aber auch gemeinsam gefeiert, wie zum Beispiel unser Herbstfest .; Der Garten bietet einen öffentlichen Sitzplatz, der sehr ansprechend gestaltet ist.; Auch pflegen wir gute Kontakte zur Kindergruppe der angrenzenden BG der DIAKONIE es gärtnern 14 Familien unterschiedlicher Herkunft in kleinen privaten Flächen, über Grün bewegt eine Initiative der Stadt jährliche Projekte unterschiedlichster Themen; Gesunde Ernährung / Erklärwerk Gesundheit; Wie die Welt begann was Steine erzählen; Märchen der Welt; Sommergalerie, Projekttage mit den umliegenden Schulen und Kindergärten ; Zusammenarbeit mit anderen Trägern vor Ort - Schlaatzer Allianz

Durch urbane Gärten werden ungenutzte Orte wieder interessant, der Wert der Fläche steigt steigt. Stimmt ihr dem zu? Habt ihr konkrete Erfahrungen damit gemacht (z.B. gestiegenes Interesse von Investoren, mehr Anfragen, Verdrängung des Gartens wegen neuen Nutzungen)?      Frage - ja; 2.Frage - nein Ja! Haben eine uneingeschränkte Nutzungsdauer durch die Gemeinde.; ; ; Wenn Fragen dann unter 04929-1535 Rückrufen! Die Gärten der Begegnung sind wriklich zu einem Begegnungsort geworden, der einen immer größeren Stellenwert einnimmt und sicherlich auch bei der geplanten Landesgartenschau 2016 in Bayreuth seinen Platz haben wird. der Ort wurde tatsächlich interessanter. die Anfragen nehmen zu. es gibt eine immer längere Liste von Garteninteressenten. Ich finde, dass der Garten auf jeden Fall seinen Wert gesteigert hat, aber nur für Gemüsegärtner, da mittlerweile die mühselig aufgebaute Infrastruktur alles Notwendige bietet.; Interesse ist zwar da, aber eher von Neugierigen, wie wir das da mit dem Gemeinschaftsgärtnern machen, nicht von Investoren. Wer sollte da was investieren?; Problem Grabeland: nur 6 Wochen Kündigungsfrist, d.h. Garten kann jederzeit von der Stadt gekündigt werden, falls da was Neues hingebaut werden soll Keine Erfahrungswerte Der Bodenwert hat absolut nichts mit einer Gartennutzung vs. Brachfläche zu tun. Der Bodenwert wird durch die Klassifikation im FNP oder B-Plan und die Lage in einer Gemeinde maßgeblich bestimmt. Weiter entscheidend sind die Möglichkeiten, die auf einer Fläche realisiert werden können (Geschossflächenzahl, Bebauuungsdichte etc.) . Ein Gartenprojekt (bei dem mit Widerstand zu rechnen ist) drückt den Preis eher um ein paar Euro, weil es Probleme geben könnte.; ; P.S.: Bin Bodenkundler und Landschaftsplaner Durch den Bau einer Umgehungsstraße in unmittelbarer Nachbarschaft und der damit einhergehenden Ausweisung von Industriegebieten wird der Garten am derzeitigen Standort nicht fortgeführt werden können. Nein Grundstück ist Vorbehaltsfläche für benachbarten Montessori-Kindergarten, da dieser aber erst 5-6 Jahre alt ist, derzeit kein Bedarf; keine sonstigen, weiteren Nutzungen oder Interessenten vorhanden (bis jetzt), auch eher unwahrscheinlich; Grundstück liegt direkt an Bahnlinie, zu klein für sonst. Investoren. Wir haben keine diesbezügliche Erfahrungen gemacht. Wenn sich Investoren interessieren, kommen nicht zu uns sondern zur entsprechenden Stelle des Rathauses (Gartenbauamt oder Grünflächenamt). Die Fläche unseres Garens ist Grabeland. Eine Umnutzung wird aller Voraussicht nach zwar durch die Erweiterung des in der Nähe liegenden Industriegebietes erfolgen (siehe Seite 2), aber dies wäre ohnehin geschehen. Unser Gelände wandelt sich von einem Kindertreffpunkt zu einem Treffpunkt/Familiengarten für die ganze Nachbarschaft. Mittlerweile gibt es einen Nachbarschaftstreff, die Entwicklung aller Akteure zu einem 'Nachbarschaftstreffpunkt' ist in konkreter Planung. Das Gelände wird zunehmend von der Nachbarschaft genutzt. Bisher nicht. Die Fläche ist städtisches Eigentum, andere Flächen liegen in sozialen Brennpunkten und sind uninteressant. Oder ein großes Parkdeck über eine Tiefgarage, ehemaliger Kinderspielplatz, seit 12 Jahren ungenutzt. ; Aber eine alte Tankstelle mit Umland, die wir ins Auge gefaßt haben, wird nun voraussichtlich zu einer Moschee. Gut, dass wir nicht begonnen haben. nEIN Trifft für unsere Fläche nicht zu, wie gesagt ,Straßenbauland; wir hoffen nur, die Straße wird nie gebaut.

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nein Ich stimme zu aber mehr in Richtung Wertschätzung , Preisverleihung, Anerkennung auch wenn es nicht immer offen ausgesprochen wird.; Solange bei uns der Schulgarten neben an besteht wird es Garten bleiben .Da muß man es notfalls auch per Presse oder Lokalpolitikern helfen.; Allerdings gab es vor der Nutzung durch mich die Frage an das Rathaus was soll werden und intern dann auch die Diskussion über Vermarktung; der Fläche. Dem kann man nur entgehen wenn man langfristige Verträge machen kann. Wo das nicht geht muß man die Modelle wandernder; Gärten mehr in das Auge fassen , aber auch die Probleme die Umzug mit sich bringt. Mir sind einige meiner Gärtner abgesprungen obwohl der neue Ort nur 500 m weiter liegt. Das hat dann alles auch einen neuen Charakter . Wer in dieser Gesellschaft nicht bereit ist Geld auf den Tisch; zu legen oder dieses nicht ausreichend hat ( weil er es sich nicht verdienen darf ) muß auf kreative Lösungen, Zwischennutzung oder..... zurückgreifen. Ich wünsche euch viel Ausdauer und Phantasie bei der Land oder Raumsuche. Davon wurde bisher nichts bemerkt. die Stadt will die Fläche veräußern. Ein konkreter Zusammenhang mit dem Garten besteht aber wohl nicht. zurzeit nix konkretes aber ein "gefühltes" gestiegenes Interesse an den Flächen. Eine unserer Flächen wurde vor 2 Jahren verkauft und der Garten verkleinerte sich dadurch.; ; das waren aber keine 5-10min ja ; nein Da sich unser Garten direkt auf dem Gelände der GU befindet, ist es uns gelungen Vorurteile in der Nachbarschaft abzubauen,; aber für weitere Investoren ist das Gebiet uninteressant. nein , eher Ausweitung, Pflege und Ausbau der vor dem Garten liegenden Streuobstwiese; Anpflanzung alter Sorten und Gestaltung eines Pfades der Sinne

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QUELLENVERZEICHNIS
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BILDNACHWEISE
EINBAND UND KAPITELBLÄTTER Titelbild Eigenes Foto Zwischenblatt Kapitel 1: Einleitung und raumplanerische Relevanz http://www.nordbayern.de/polopoly_fs/1.1961307.1333097238!image/2557772038.jpg_gen/derivative s/900/2557772038.jpg Letzter Aufruf am 18.03.2013 Zwischenblatt Kapitel 2: Brachflächen und ihre Bedeutung für die Stadt http://www.bbsr.bund.de/nn_82470/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/IzR/2010/1/foto10,property%3Dp oster.jpg Letzter Aufruf am 18.03.2013 Zwischenblatt Kapitel 3: Was ist Urban Gardening? Konzepte und Inhalte der Bewegung Eigenes Foto Zwischenblatt Kapitel 4: Urban Gardening als Instrument zur Reaktivierung urbaner Brachflächen Eigenes Foto Zwischenblatt Kapitel 5: Handlungsempfehlungen für Städte und Kommunen http://www.rosarose-garten.net/gallery/wandbilder/015rosarose_eine_andere_welt_ist_pflanzbar_0016.jpg Letzter Aufruf am 18.03.2013 Zwischenblatt Anhang und Quellenverzeichnis http://www.reformiert-info.de/daten/Image/Bild_Upload_Orig/9325_org.jpg Letzter Aufruf am 18.03.2013

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Bildnachweise

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