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Ergebnisprotokoll der Sitzung des Preisgerichtes vom 13. / 14. 09. 2001

Full text: Ergebnisprotokoll der Sitzung des Preisgerichtes vom 13. / 14. 09. 2001

Realisierungswettbewerb Blankensteinpark Protokoll der Preisgerichtssitzung

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Ergebnisprotokoll der Sitzung des Preisgerichtes vom 13. / 14. 09. 2001

Erster Preisgerichtstag, Donnerstag, 13.09.2001

Das Preisgericht tritt am 13.9. 2001 um 10.00 Uhr in den Räumen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Jebensstraße 2 zusammen. Frau Kalthöner, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, begrüßt in Vertretung der Auslober die Anwesenden und weist auf die Bedeutung des Wettbewerbsverfahrens für den Bezirk Pankow hin. Frau Kalthöner stellt anschließend die Vollzähligkeit des Preisgerichtes fest, das sich wie folgt zusammensetzt: Fachpreisrichter Rolf Backmann David Bosshard Undine Giseke Michael Palm Architekt, Berlin Landschaftsarchitekt, Bern Landschaftsarchitektin, Berlin Landschaftsarchitekt, Weinheim

stellvertretende Fachpreisrichter (ohneStimmrecht) Thomas Guba Hermann Scheidt, Dr. Gabriele Schultheiß Landschaftsarchitekt, Berlin Architekt, Berlin Landschaftsarchitektin, Berlin

Sachpreisrichter Birgitt Kalthöner Manfred Nicolovius Ines Saager Senatsverwaltung für Stadtentwicklung S/ES Stadtentwicklungsgesellschaft Eldenaer Straße mbH Bezirksstadträtin Bezirksamt Pankow (ohne Stimmrecht)

stellvertretender Sachpreisrichter Beate Profé

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Freiraumplanung und Stadtgrün

Wolfgang Krause

BA Pankow, Naturschutz- und Grünflächenamt

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Herr Nicolovius wird bis 10.30 Uhr durch Frau Profé vertreten.

Weiterhin stellt sie die Anwesenheitsberechtigung der nicht zum Preisgericht gehörenden Personen (s. Teilnehmerliste) fest. Diese werden als Sachverständige und Gäste zum Preisgericht zugelassen. Auf Vorschlag wird Frau Undine Giseke zur Vorsitzenden bei Enthaltung der Betroffenen gewählt. Frau Dr. Schultheiß und Herr Scheidt werden als ständig anwesende stellvertretende Preisrichter bestimmt. Alle Mitglieder des Preisgerichtes versichern, dass sie keinen Meinungsaustausch mit Wettbewerbsteilnehmern über die Wettbewerbsaufgabe und deren Lösung geführt haben, während der Dauer des Preisgerichts führen werden, bis zum Ablieferungstermin keine Kenntnis von Wettbewerbsarbeiten erhalten haben, die vertrauliche Behandlung der Beratung des Preisgerichts gewährleisten werden, die Anonymität gewahrt haben, es unterlassen werden, sich über vermutete Verfasser zu äußern.

Die Vorsitzende erläutert das Verfahren entsprechend der GRW und weist auf das gleiche Gewicht der Fach- und Sachpreisrichter hin, die sie um engagierte Mitwirkung in der Jury bittet. Die Vorprüfung fordert sie auf, sich jederzeit in die Diskussionen einzuschalten, damit die Ergebnisse der Vorprüfung kontinuierlich in den Prozeß der Meinungsbildung einfließen. Das Protokoll führt Herr Patrick Weiss. Der Wettbewerb wurde als offener Realisierungswettbewerb für Landschaftsarchitekten durchgeführt. Die Zusammenarbeit mit Architekten war zwingend. Frau Jirku gibt im Bericht der Vorprüfung bekannt, daß 66 Arbeiten unter Wahrung der Anonymität abgegeben worden sind. Der Zeitpunkt der rechtzeitigen Einlieferung der Wettbewerbsarbeiten war nicht bei allen eindeutig feststellbar. 57 Arbeiten sind

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nachweislich fristgerecht eingegangen. 9 Arbeiten gingen ohne erkennbare Kennzeichen der Fristerfüllung ein, jedoch in einem Zeitraum, der eine rechtzeitige Absendung plausibel erscheinen lässt. Die Vorprüfung nahm ihre Arbeit am 15.8.01 in den Räumen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Jebensstraße 2, 10623 Berlin auf. Die Vorprüfung setzte sich aus sieben Landschaftsplaner/innen//architekt/inn/en, drei Architekt/inn/en sowie fünf studentischen Mitarbeiter/innen aus den Bereichen Landschaftsplanung und Architektur zusammen. Die Vorprüfung wurde am 11.9.01 abgeschlossen. Während der Vorprüfung wurden die Sachverständigen für den 30.8. eingeladen, sich einen Eindruck über die Arbeiten zu verschaffen. Von den 24 eingeladenen Sachverständigen nahmen 16 die Gelegenheit war; einige mehrmals. Der ausführliche Bericht der Vorprüfung kann der Dokumentation im Anhang entnommen werden. Entsprechend der GRW läßt die Jury alle eingereichten Arbeiten zur Beurteilung zu unter der Voraussetzung, dass der Verfasser einer prämierten Arbeit, deren Aufgabetermin nicht eindeutig feststand, den Nachweis der rechtzeitigen Einlieferung erbringt. Das Preisgericht beschließt einstimmig, die nachträglich eingereichten Ersatzplots der Arbeiten 1359, 1395 und 1401 nicht zur Beurteilung zuzulassen. Über die Zulassung nicht vollständiger Arbeiten wurde wie folgt entschieden: Bei der Arbeit 1407 fehlen alle Pläne zum Sportplatzgebäude. Da hiermit ein wesentlicher Bestandteil der Aufgabenstellung nicht erfüllt ist, wird diese Arbeit nicht zugelassen. Damit sind mit Ausnahme der Arbeit 1407 alle Arbeiten zum Verfahren zugelassen. Frau Jirku erläutert dann die Methodik der Vorprüfung und den Aufbau des Vorprüfberichtes, der jedem Preisrichter vorliegt. Nachdem Frau Jirku eingangs die wesentlichen Rahmenbedingungen der Aufgabenstellung erläutert hat, begibt sich das Preisgericht um 10.40 Uhr auf einen Informationsrundgang ohne Wertung, bei welchem die Arbeiten in ihren charakteristischen Grundzügen von den Vorprüfern im Wechsel vorgestellt und Verständnisfragen beantwortet werden. Nach Unterbrechung durch eine Mittagspause von 12.45 bis 13.30 Uhr wird der Informationsrundgang um 14.45 beendet.

Anschließend setzt sich das Preisgericht nach einer kurzen Kaffeepause zu einer

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Diskussion über die Eindrücke zusammen, die beim Informationsrundgang gewonnen wurden und rekapituliert nochmals die in der Auslobung genannten Kriterien: Leitidee, Grundstruktur Raumbildung und –verknüpfung Einbindung in das städtebauliche Umfeld Verbindung zwischen Park und Sportanlage Erschließung und innere Ordnung, Nutzbarkeit Vegetationsverwendung, Materialwahl Gestaltung und Funktionalität des Sportplatzgebäudes Einhaltung verbindlicher Vorgaben, Erfüllung des Bedarfsprogramms Realisierbarkeit in Abschnitten Einhaltung des Kostenrahmens, Abschätzung von Folgekosten

Bei der ersten Bewertung der Arbeiten sollen zunächst die erstgenannten, übergeordneten Kriterien wie Leitidee, Raumbildung und Einbindung in das Umfeld im Vordergrund der Betrachtung stehen, während die weiteren Kriterien in den späteren Ausscheidungsrundgängen ein stärkeres Gewicht erhalten sollen. Es geht darum, Arbeiten herauszufinden, die eine tragende Leitidee zeigen und geeignet sind, den Park als unverwechselbaren Ort zu prägen. Da das Umfeld des Parks noch nicht entwickelt ist, sollte der Parkentwurf darüber hinaus die Kraft haben, auch auf sein Umfeld identitätsbildend auszustrahlen. Das Parkkonzept muss zudem robust und flexibel sein, um auf mögliche Entwicklungen des Umfeldes reagieren zu können. Dies gilt im besonderen für den Bereich um die Rinderauktionshalle, deren Nutzung noch nicht feststeht. Einen weiteren wichtigen Aspekt, der insbesondere in den späteren Rundgängen sorgfältig zu prüfen ist, stellt die Funktionalität der Sportanlagen dar, die für einen Spielbetrieb von 7 bis 22 Uhr geeignet sein müssen. Dies bedeutet, dass der vorgegebene Lärmschutzabstand des Großspielfeldes von 60 Metern zur geplanten westlichen Bebauung mit Mischgebietsausweisung unbedingt einzuhalten ist und das Kleinspielfeld

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gleichfalls die gemäß Rückfragenkolloquium modifizierte Begrenzung einhält, sofern es im westlichen Teil des Gebietes angeordnet wird. Konzepte mit deutlich abgesenkten Spielfeldern werden als nicht realisierungsfähig eingestuft. In einer ersten Einschätzung werden Zweifel deutlich, ob Konzepte, die eine stärkere Modellierung des Geländes vorsehen, dem Ort angemessen sind. Auch scheinen keine Lösungen vorzuliegen, die eine Integration von Kunst in die Landschaftsplanung anbieten. Daher erscheint ein nachfolgender Kunstwettbewerb sinnvoll. Bei der Ausscheidung von Arbeiten soll darauf geachtet werden, ein Spektrum unterschiedlicher Typologien in die weiteren Runden mitzunehmen. Die Vorsitzende weist darauf hin, dass die Ausscheidung im 1. Wertungsrundgang einstimmig erfolgen muß.

Frau Saager wird ab 15.30 Uhr durch Herrn Krause vertreten.

In einem ersten Wertungsrundgang, der um 15.30 Uhr beginnt, werden folgende 25 Arbeiten einstimmig ausgeschieden: 1355, 1356, 1361, 1364, 1367, 1369, 1370, 1373, 1374, 1375, 1376, 1380, 1385, 1387, 1390, 1394, 1397, 1400, 1404, 1406, 1409, 1413,1414,1415,1419. Der erste Wertungsrundgang ist um 17.20 beendet.

Das Preisgericht nimmt um 17.30 Uhr den zweiten Wertungsrundgang auf. Für den Verbleib einer Arbeit im Wettbewerbsverfahren wird die einfache Stimmenmehrheit benötigt. Eingangs wird nochmals die Problematik des Lärmschutzes hinsichtlich der Sportnutzung erörtert. Nach eingehender Diskussion der Qualität der Arbeiten votiert das Preisgericht mit dem folgenden Stimmenverhältnis (pro:contra) dafür, die betreffenden Arbeiten im Verfahren zu belassen: 1357 1358 0:7 4:3 ausgeschieden weiter

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1359 1360 1362 1363 1365 1366 1368 1371 1372 1377 1378 1379 1381 1382 1383 1384 1386 1388 1389 1391 1392 1393 1395 1396 1398

0:7 1:6 0:7 5:2 0:7 5:2 3:4 6:1 1:6 0:7 5:2 2:5 3:4 7:0 6:1 0:7 0:7 4:3 0.7 0:7 0:7 3:4 0:7 6.1 3:4

ausgeschieden ausgeschieden ausgeschieden weiter ausgeschieden weiter ausgeschieden weiter ausgeschieden ausgeschieden weiter ausgeschieden ausgeschieden weiter weiter ausgeschieden ausgeschieden weiter ausgeschieden ausgeschieden ausgeschieden ausgeschieden ausgeschieden weiter ausgeschieden

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1399 1401 1402 1403 1405 1408 1410 5:2 1411 4:3 1412 1:6 1416 1.6 1417 4:3 1418 5.2 1420 0:7

0.7 0:7 0:7 2:5 2:5 5:2

ausgeschieden ausgeschieden ausgeschieden ausgeschieden ausgeschieden weiter weiter weiter ausgeschieden ausgeschieden weiter weiter ausgeschieden

Mit Abschluss des zweiten Wertungsrundgangs ist der erste Sitzungstag um 22.15 Uhr beendet.

Zweiter Preisgerichtstag Freitag, 14.09.2001 Das Preisgericht setzt seine Sitzung am zweiten Tag um 9.15 Uhr fort. Die Vorsitzende begrüßt die Anwesenden und stellt die Vollständigkeit des Preisgerichts fest. Frau Saager wird weiterhin durch Herrn Krause vertreten. Es wird zur Diskussion gestellt, ob einzelne Arbeiten, die im zweiten Wertungsrundgang mit knappem Stimmenverhältnis ausgeschieden wurden, nochmals betrachtet werden sollen. Die Arbeit 1398 wird nochmals erörtert und auf Rückholantrag einstimmig wieder in das Verfahren aufgenommen.

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Somit verbleiben 15 Arbeiten im weiteren Verfahren. Diese bilden die engere Wahl.

Das Preisgericht beginnt um 9.30 Uhr, die Arbeiten der engeren Wahl anhand der Kriterien der Auslobung und der vorgegebenen Rahmenbedingungen in Gruppen schriftlich zu beurteilen. Die Beurteilungsentwürfe werden, unterbrochen durch eine Mittagspause von 13.20 bis 14.00 Uhr, im Plenum vor den einzelnen Arbeiten verlesen, diskutiert und in der folgenden Form verabschiedet:

1358 Die Arbeit geht von einer zentralen Symmetrieachse aus, welche das bebaute Volumen der Blankensteinhalle in eine offene, mit streng gesetzten Baumreihen begrenzte, Wiesenfläche spiegelt. Die Symmetrie bezieht sich jedoch nur auf den Bereich der Hallen. Im Süden und im Norden dagegen schaffen es die Verfasser nicht, das tragende Thema weiterzuführen. Es werden sehr einfache, offene und geschlossene Freiräume geschaffen, deren Qualitäten und Kohärenz jedoch nicht den Erwartungen genügen. Der räumliche Abschluß im Norden endet in der Fläche des Rasenspielfeldes. Die Einbindung in das umgebende städtebauliche Muster wird nicht explizit vorgenommen. Einzig am Forckenbeckplatz wird eine platzartige Verbindung über die Eldenaer Straße als Ausgangspunkt der Promenade formuliert. Sie erscheint jedoch aufgrund der verkehrlichen und funktionalen Vorgaben problematisch. Nutzungsangebote sind nicht speziell festgelegt. Die Verknüpfung von Park- und Sportfreiflächen muß aufgrund der Nähe der Baumpflanzungen zu den Sportflächen hinterfragt werden. Material- und Vegetationsflächen sind angemessen, werden aber nicht adäquat ausformuliert.

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1363 Der Ort wird als Lichtung im städtischen Gefüge konzipiert. Die zentrale Mittelachse gliedert den Freiraum in einen westlichen abgesenkten Wiesenraum und in einen, mit Feldern gegliederten, zentralen Parkstreifen vor der Rinderhalle. Der offene Parkraum wird allseitig mit einem sich zum Parkinnern auflösenden Gehölzrahmen gefasst und unterstreicht damit die Leitidee der Lichtung in der Stadt. Innerhalb der Lichtung wird der Raum vor der Rinderhalle mittels vegetativen Wänden in unterschiedlich nutzbare Teilräume gegliedert, deren Lage sich auf die Zugänge im Westen orientiert. Kritisch gesehen wird jedoch, dass dadurch der Blick auf die Halle zum Teil verstellt wird. In der Formulierung des Themas „Lichtung“ wird eine Einbindung in das umgebende Stadtgefüge ausschließlich über die Wege erreicht. Park und Sportflächen sind aufgrund des Materialausgleichs gegenüber dem Niveau der Halle verändert. Die Erhöhung der Sportflächen scheint nicht ausreichend begründet. Die Absenkung der Parkwiesen schafft interessante kleinräumliche Nutzungsflächen und Erlebnisräume und verhindert Nutzungskonflikte. Das Funktionsgebäude ist in der dargestellten Form realisierbar. Die Lage bewirkt einen einfachen nordöstlichen Eingangsplatz. Die Arbeit ist aufgrund der geringen befestigten Flächen realisierbar. Die Vorgaben zum Lärmschutz sind eingehalten. Materialwahl und Differenzierung sind adäquat zum Ort und den vorgeschlagenen Nutzungen. Der Kostenrahmen für das Sportfunktionsgebäude liegt an der Obergrenze. Die zur Umsetzung des Konzeptes notwendige Umlegung der Kita – Freifläche ist in dieser Form problematisch.

1366 Der Verfasser überträgt das Thema Halle als begeh- und benutzbaren Großraum in sein Freiflächenkonzept. Als Gegenüber zum Wohnquartier bietet die „Baumhalle“ mit strengem

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Raster und Granitsplittbelag einen urbanen Vegetationsraum, in den ein Lichtstelenraster als Reminiszenz zur ehemaligen Hammelauktionshalle eingreift. Die Rasenfläche zwischen den baulichen und pflanzlichen Volumina erfährt nach Norden eine Überlagerung durch die „Lichthalle“. Alle räumlichen Elemente des Konzeptes einschließlich der Sportanlage sind eindeutig und klar gegliedert und geben aufgrund ihrer jeweils eigenen Prägnanz und ihres spannungsreichen Zusammenspiels dem Ort eine eigene kontextbezogene Identität. Die Sportanlage fügt sich als additives Element in das Ensemble. Das Sportgebäude ist Bestandteil der Umgrenzung und folgt in seiner klaren Architektursprache dem ästhetischen Anspruch der Arbeit. Hervorzuheben ist hier die unverkrampfte Integration der „Commandobude“ in die Anlage. Unklar bleibt die Ausbildung und Dimension der Umgrenzungsmauer, die innerhalb der „Baumhalle“ eine ungewollt starke Zäsur zwischen Quartier und Park darstellen könnte.

1378 Der Entwurf wird getragen von der Idee, die ehemaligen baulichen und teilweise funktionalen Strukturen des Schlachthofgeländes in einen freiräumlichen Zusammenhang zu Übersetzen. Zentraler formaler Ausdruck ist die landschaftsarchitektonische Reflektion des umschlossenen Raumes der Hammelhalle in den nach oben offenen Raum eines weiten Rasenraumes und die Übersetzung der Funktion der Börse als Ort des Austausches und der Begegnung in den Grünbunt genannten Raum der Mittelachse als Ort verdichteter Nutzungen, der zwischen offenem und umschlossenen Raum liegt. Die Übernahme der alten orthogonalen Grundstruktur führt zu einer klaren internen räumlichen Gliederung, die die räumliche Sonderung des südlichen Parkblock um Kita und Eingang und des nördlichen Parkblocks mit den Sportplätzen plausibel macht. Zugleich gewährleistet sie eine gute Anbindung an den stadträumlichen Kontext. Der freie Rasenraum, der die Kubatur der Hammelhalle nachzeichnet, ist in sich dreigeteilt und räumlich definiert durch seine Ausbildung als schiefe Ebenen in Richtung westlicher

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Parkkante; die Ausbildung dieser Rasenflächen als Raumkanten wird unterstützt durch die Überstellung der westlichen Ränder mit Bäumen und erzeugt eine räumliche Staffelung der westlichen Parkgrenze durch die Schaffung eines grünen Vorraumes, eine Zone zwischen Quartier und Park. Die Jury würdigt diese Form der räumlichen Öffnung des Parks; gleichwohl bleibt deren räumliche Qualität wegen fehlender Formulierung der parkbegrenzenden Raumkante unklar. Die Mittelachse gliedert sich in eine differenzierte Eingangszone und setzt sich fort in einen Raum funktionaler und ideeller Verdichtung im Mittelteil, der Rasenraum und Rinderhalle gleichermaßen zugehört. Die amorphe Struktur des Grünbunten konterkariert den Tiefenzug der Achse; dennoch gelingt es ihr nicht, eine überzeugende räumliche Qualität zu entwickeln und so zum Aufenthalt einzuladen. Die räumliche Beziehung zwischen Mittelachse und Sportblock ist über die Platzfläche der Ost-West-Spange vermittelt. Die Spange ist wegen ihrer spezifischen Aufenthaltsqualität sowohl Ort des Rückbezugs zum Park als auch, im Verein mit dem die ganze Breite des Geländes durchmessenden Sportgebäude, Ort des Übergangs in den 3. Parkblock. Die Jury würdigt, daß es den Verfassern gelingt, den Übergang zwischen Park und Sportfläche als einen Raum zu entwickeln, der nicht nur Passage ist, sondern als Ort des Aufenthalts dem Park zugehört. Das Sportgebäude ist formal und funktional ein sehr gelungenes Beispiel, Freiraum und Architektur so zu verflechten, daß Architektur ein funktionaler Teil des Park wird. Als Gartenmauer (Wand mit Räumen) aufgefaßt, mit einer parkseitig geschlossenen Fassade aus Abbruchklinker, ist sie gleichsam perforiert, in Einzelkörper aufgelöst, um die allseitige Durchlässigkeit zwischen Park und Sportbereich sicherzustellen. Die räumliche Verbindung zwischen dem der Kita eigens zugeordneten Raum und dem anschließenden zentralen Parkblock ist nicht formuliert. Im nordwestlichen Bereich ist dem Sportgelände eine Art baumüberstandenes Foyer vorgelagert, das eine gute Anbindung an das Quartier gewährleistet. Die Vegetation besteht hauptsächlich aus Bäumen, die wesentlich rhetorisch verwendet werden: linear bei Bewegungsachsen, informell und kumulativ bei Aufenthaltszonen.

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Die Materialverwendung ist im Großen und Ganzen des Parks reduziert eingesetzt. Allein Kita-Bereich und die Mittelachse mit ihrer Verdichtung unterschiedlichen Materials, eingelegten oder aufgelegten Fundstücken, machen eine Ausnahme. Gleichwohl bleibt unklar, wie nutzbar die Flächen der Mittelachse angesichts ihres Materials ist. Die Vorgaben, vor allem auch im Sportbereich, sind im wesentlichen eingehalten, ebenso der Kostenrahmen; desgleichen ist die Realisierbarkeit in Abschnitten gewährleistet. Insgesamt hebt die Jury die klare innere Ordnung des Entwurfes hervor und würdigt insbesondere die gelungene Verschränkung von Architektur und Freiraum.

1371 Durch die Platzierung eines ca. 400 Meter langen, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bankelementes erfolgt eine klare Zweiteilung des Parks in einen mineralischen Bereich vor der Rinderauktionshalle und einen vegetativen im Westen. Indem dieses Bankelement die östliche Kante der Kindertagesstätte aufgreift, wird die Breite des südlichen Eingangsbereiches geschickt als Maßstab für die Gliederung der Gesamtfläche genutzt. Die Bank, die die Autoren als „Fuge“ begreifen, setzt eine deutliche Zäsur, bildet jedoch gleichzeitig ein verbindendes Element. Locker gestreute Bäume auf den leicht modellierten Wiesenflächen geben dem Entwurf eine sympathische Leichtigkeit, drei Gleditschienhaine den nötigen räumlichen Halt. Das Wegesystem in Ost-West Richtung integriert sich auf natürliche Weise in die Gesamtanlage. Der Nord-Süd Wegestrang wirkt hingegen wegen seiner Lage und der undefinierten Anfangs- und Endpunkte etwas unmotiviert. Die vorgeschlagenen Funktionsflächen (Mohnparterre, Skatepark) werden nicht konkretisiert bzw. sind in der vorgeschlagenen Form (Retentionsgarten über Regenrückhaltebecken) nicht umsetzbar. Besonders gewürdigt wird die Tatsache, daß die Autoren es geschafft haben, den Park bis an die nördliche Bearbeitungsgrenze zu ziehen. Da die Sportflächen in der vorgeschlagenen Form nicht voll funktionsfähig sind, würden in

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diesem Bereich jedoch Anpassungen notwendig werden. Das Sportfunktionsgebäude aus drei Einzelbaukörpern unter einem durchgängigen Dach liegt – wie der gesamte Park – im Kostenrahmen. Seine städtebauliche Lage und unmittelbare Nähe zur Rinderauktionshalle wurde kontrovers diskutiert.

1382 Leitidee des Entwurfes ist es, ein Bindeglied zwischen Gründerzeitviertel und Neubebauung sowie zwischen Forckenbeckplatz und den geplanten Sportanlagen zu schaffen. Folgerichtig schlagen die Verfasser eine Gliederung durch drei nord-südverlaufende Streifen unterschiedlicher Qualität, Dichte und Nutzung vor. Die Rinderauktionshalle wird auf einen steinernen Teppich „gestellt“, der an ihrer westlichen Seite zum Park hin eine für Außennutzung ausreichend breite befestigte Vorzone lässt. Das westlich vorgelagerte Blütenband ist dekoratives Element und schafft Aufenthaltsqualitäten. Dieses Schmuckstück legt sich in die Doppelachse des ParkHaupteingangs an der Eldenaer Straße. Gleichzeitig ist es östliche Begrenzung der großen Wiese, die im Westen in eine baumbestandene Promenade übergeht. In diese eingestreut ist eine Vielzahl von Angeboten wie Spielen, Kletterwand, Hochsitze, Kioske, Pavillons etc. Die Promenade ist nach Westen Schwelle und Filter der Parkanlage zu der geplanten (Wohn-)Bebauung. Die Umfriedung der Parkanlage löst sich hier auf in verschiebbare, unterschiedlich auszurichtende Zaunelemente, die die Verfasser nicht detaillierter ausgeführt haben. Das comic-haft illustrierte Angebot an kleinteilige Nutzungen wie Spielinseln, Milchbar und anderen Freizeitaktivitäten wird in Kontrast gesetzt zur Weite und Großzügigkeit der funktional nicht determinierten Wiese. Die vorgeschlagene Gliederung, einschließlich der untergeordneten Querwege, bindet den Park gut in die Umgebung ein, schafft eine klare Ordnung und Nutzungsverteilung. Die Wahl der Vegetation und Materialien folgt konsequent dieser Gliederung: robust

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geschmückt offen aktiv.

Die Sportanlagen sind gut in den räumlichen Zusammenhang eingegliedert und erfüllen die gestellten Anforderungen an Größe und Schallschutz. Das Sportfunktionsgebäude bildet den östlichen Abschluß der Sportanlage als klare Raumkante zur August-Lindemann-Straße. Seine Distanz zur Rinderauktionshalle formuliert einen gut bemessenen Nord-Ost-Eingang zur gesamten Parkanlage. Die Realisierbarkeit in Abschnitten und die Einhaltung der Kosten ist (nach Anpassung des zu großen Sportfunktionsgebäudes) gewährleistet. Insgesamt stellt die Arbeit einen realistischen Beitrag für den neuen Stadtteilpark dar, der durch seine klare Gliederung und durch den Einsatz einfacher Mittel überzeugt. Zahlreiche – auch liebevolle – Details, sowie die gärtnerische Herangehensweise vermitteln dabei eine leichte, fast zu spielerische Atmosphäre.

1383 Als eine der wenigen Arbeiten schlägt der Entwurf einen großen – im wesentlichen freien – Parkraum im Westen der Rinderauktionshalle vor. Dieser Raum wird erst durch Pflanzgerüste an der Liebigstraße im Westen sowie durch dichte Baumstrukturen nach Süden und Norden begrenzt. Die vorgeschlagene Grundstruktur stellt in großzügiger Weise die Rinderauktionshalle frei. Die aus dem städtebauliche Rahmenplan des alten Schlachthofes entwickelten Promenaden- und Platzfolgen in Ost-West-Richtung werden nicht linear aufgenommen. Gleiches gilt für die Nord-Süd-Achse zwischen den Eingangsgebäuden und dem alten Standort der Börse. Diese andere Interpretation der städtebaulichen Einbindung wurde in der Jury kontrovers diskutiert. Die Sportanlage fungiert räumlich als Vegetationskante zur Begrenzung des Parkraumes vor der Auktionshalle. Eine funktionelle Verflechtung mit dem Park findet nicht statt.

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Die strikte Dreiteilung der Anlage in den südlichen Eingangs- und Spielbereich, die große, modellierte Freifläche vor der Auktionshalle und die mit dichter Vegetation besetzte Sportanlage verschaffen im Plan eine klare Struktur. Die Erschließung ist gewährleistet. Die Nutzbarkeit der modellierten Freifläche einschließlich der Reste der integrierten Hammelhalle wird von Teilen der Jury kritisch gesehen. Die in der Freifläche und der Hammelhalle vorgesehenen Beleuchtungselemente sind nicht umsetzbar. Die dichten Vegetationen im Süden sind denkbar, im Norden wird hierdurch die Funktionsfähigkeit der Sportanlage wesentlich eingeschränkt (Betriebskosten). Die städtebauliche Anordnung des Sportfunktionsgebäudes versucht, die historisch gegebene Situation am Nordgiebel der Auktionshalle aufzunehmen. Der Vorschlag ist räumlich unbefriedigend. Die Ausbildung des Sportfunktionsgebäudes läßt eine Überschreitung des Kostenrahmens erwarten. Die Vorgaben des Bebauungsplanes für die Sportflächen sind eingehalten, die Lage des Großspielfeldes überschreitet die Grenzlage zur Wohnbebauung. Die Modellierung des Freiraumes vor der Rinderauktionshalle beeinträchtigt die Lage von wichtigen Entwässerungsleitungen sowie die Führung von Fuß- und Radwegeverbindungen in Ost-West-Richtung. Eine abschnittsweise Realisierung des Parks innerhalb des Kostenrahmens erscheint möglich. Erscheint für den Park die Einhaltung des Kostenrahmens gegeben, so übersteigen die Aufwendungen für das Sportgebäude voraussichtlich den Kostenrahmen. Eine Beibehaltung der dichten Vegetation im Sportplatzbereich hat funktionale Mängel und erfordert erhöhte Betriebsaufwendungen. Trotz der zweifellos vorhandenen Originalität des Entwurfsansatzes wird diese Interpretation der städtebaulich-räumlichen Einbindung von Teilen der Jury kritisch bewertet.

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Diese Arbeit bietet einen eher traditionellen Ansatz im Umgang mit dem Blankensteinpark. Das orthogonale stadträumliche Raster der unmittelbaren und weiteren Umgebung wird aufgegriffen und als Grundstruktur der Parkfläche genutzt. Die Leitidee dieses Entwurfes besteht in einer multifunktionalen, mit hoch aufgeasteten Robinien bestandenen, lichten Fläche vor der Rinderauktionshalle. Der westlich angrenzende zentrale Parkraum setzt sich sowohl mit dem Stützenraster der ehemaligen Hammelhalle als auch mit der natürlichen Geländetopographie auseinander. Diese wird die Konturen der Hammelhalle nachzeichnend mittels Sitzstufen, die die offenen Wiesenflächen begrenzen, berücksichtigt. Eine an den Eingangsbereichen unterbrochene Lindenreihe stellt in einfacher Art und Weise die westliche Begrenzung des Parks zum Wohngebiet dar. Die Parkeingänge werden sehr subtil durch nachts beleuchtete, das orthogonale Raster aufgreifende Wandscheiben markiert. Es werden robuste Gehölze wie Robinien, Linden, Säulenpappeln und Kirschen eingesetzt, die durch einfache Wiesenflächen und einzelne Rosenhecken ergänzt werden. Auch in bezug auf die Bodenbeläge arbeitet dieser Beitrag pragmatisch und kostengünstig. Das historische Kopfsteinpflaster entlang der Blankensteinhalle wird belassen. Die übrigen Wegeflächen werden mit Betonplatten und Grant widerstandsfähig und preiswert erstellt. Die Anordnung der Sportflächen in dem dafür vorgesehenen Bereich ist funktional, sinnvoll und unproblematisch. Das Umkleidegebäude bildet einerseits eine angemessene Kante zum Straßenraum und stellt andererseits in seiner Zurückhaltung einen befriedigenden Abschluß der Spielflächen dar. Der Übergang von Park- und Sportflächen ist ausgesprochen selbstverständlich und großzügig durch weiträumige Treppenstufen und locker gepflanzten Säulenpappeln ausgebildet. Die Sportanlagen wie auch die Parkflächen sind eindeutig im vorgegebenen Kostenrahmen und in mehreren Bauabschnitten realisierbar. Allein die Erreichbarkeit des Regenrückhaltebeckens im Bedarfsfall könnte durch den geplanten Robinienhain eingeschränkt sein. Insgesamt stellt diese Arbeit einen soliden gärtnerischen Beitrag zur Lösung der Aufgabenstellung dar, der sowohl im Umgang mit der Typologie des Ortes, dem

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denkmalgeschützten Gebäudebestand als auch mit den vorhandenen Nutzungsansprüchen sowie den ökonomischen Zwängen umzugehen vermag. Leider bleibt ihre Darstellungsqualität und dementsprechend die vordergründige Lesbarkeit weit hinter den inhaltlichen Qualitäten zurück.

1396 Aufbauend auf einem klaren orthogonalem Wegegerüst wird der Park durch Großstrukturen mit weichen Grenzen gegliedert. Kern des Parks bildet ein sich nach Norden weitender Wiesenraum, der im Westen von einem lichten Hain und im Osten durch die ehemalige Rinderauktionshalle begrenzt wird. Den nördlichen Blickfang bildet das Gerüst der ehemaligen Hammelhalle, die mit Hecken, Wasserbecken und zum Teil von Bäumen des Hains durchdrungen einen eigenständigen Ort als Garten bildet. Als „Hallenplatz“ ist er mit dem nördlich anschließenden Sportareal verbunden. Zwischen der zentralen offenen Fläche und der Rinderauktionshalle werden, durch Großgräser separiert, Kammern, sogenannte „Lounges“, vorgeschlagen. Sowohl in ihrer Zuordnung (Halle bzw. Wiese) als auch ihrer Nutzung (sportlich aktiv bzw. ruhig beschaulich) sind sie nicht abschließend definiert und besitzen somit die notwendige Offenheit für sich noch konkretisierende und ggf. auch sich im Laufe der Zeit verändernde Ansprüche aus Halle und Park. Vor der Halle selbst befindet sich in angemessener Dimension ein befestigter Vorplatz, der nicht nur die funktionalen Anforderungen aus der Halle heraus erfüllt, sondern auch die denkmalgeschützte bauliche Qualität des Gebäudes in der Parklandschaft zur Geltung bringen kann. Nördlich der Halle wird ein Platz ausgebildet, der einen attraktiven Eingang in das Sportgelände als auch in den Park darstellt. Eine Schwäche bildet die ungenügende räumliche Fassung der nord-östlich zum S-Bahnhof orientierten Eingangszone. Der Sportbereich wird mittels der in einzelnen Pavillons untergebrachten Umkleideräume in einen eher dem Leistungssport zuzuordnenden östlichen Bereich mit Großspielfeld und Laufbahn sowie einem eher dem Breiten- und Freizeitsport zuzuordnenden westlichen Bereich geordnet.

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Wenn auch hinsichtlich der Anordnung einzelner Sportnutzungsbereiche Korrekturbedarf besteht (z.B. Laufbahn unmittelbar am Großspielfeld), ist der Sportbereich insgesamt plausibel gegliedert und funktionsfähig. Der vergleichbar höhere Kostenaufwand für die Erstellung von sechs Einzelpavillons als Sportplatzgebäude wird durch die damit fast völlig entfallenden inneren Erschließungsflächen kompensiert. Nicht berücksichtigt wurde ein Mehrzweckraum in den Sportfunktionsgebäuden. Für die Bedürfnisse des Schulsports ist die Funktionszuweisung der einzelnen Pavillons nicht optimal. Die Arbeit ist nach Auffassung des Preisgerichts insgesamt konsequent und durchdacht und besticht durch eine klare räumliche Gliederung sowie durch die Schaffung von differenzierten Orten für unterschiedliche Bedürfnisse. Mit seiner robusten Grundstruktur hat dieser Park auch das Potenzial, auf zukünftige Veränderungen und Entwicklungen reagieren zu können.

1398 Der Entwurf bricht mit dem Park in unseren Köpfen: Nicht die Wiese als Ort der Aktion und die Wege als Mittel für die gezielte Fortbewegung sind entwurfsbestimmend. Hier dreht sich – mit Blick auf aktuelle Freizeitformen – das Verhältnis. Der Weg wird aufgelöst in die Fläche, die zugleich der Fortbewegung und Aktion dient. Die Rasenflächen heben sich als Ruheinseln aus dieser harten Fläche heraus. So entsteht ein unverwechselbarer Ort im neuen Quartier, der eine starke Eigenart aufweist, an den Rändern jedoch versucht, die Korrespondenz zum umgebenden Stadtraum herzustellen. Die die Umgebung prägenden Baumreihen und Baumgruppen werden zu vermittelnden Gestaltelementen und wandern von den Rändern ein. Sie überstellen Tennenbereiche, die die Weite rahmen. Diese Rahmenbildung wird durch das lineare, an der Westkante angesiedelte Sportgebäude unterstützt. Dieses überzeugt in Form und vorgeschlagener Materialität. Das Innere des Blankensteinparks steht mit den ausgedehnten steinernen Flächen und den großvolumigen Rasenhügeln im extremen gestalterischen Kontrast zu dem Rand. Durch Höhe und Volumen schaffen die Rasenhügel jedoch eine starke Konkurrenz zur

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Rinderhalle, ja bedrängen sie fast. In der vorgeschlagenen Form der Befestigung übersteigt der Entwurf den Kostenrahmen. Die Funktionalität des Sportbereiches ist weitgehend gegeben. Das dargestellte Verschmelzen mit den befestigten Flächen negiert jedoch deren Charakter. Insgesamt würdigt die Jury die Arbeit als einen grundsätzlichen Beitrag zur zeitgemäßen Parkinterpretation, zweifelt jedoch an, ob mit den gewählten Raumdimensionierungen eine dem Ort angemessene Antwort gegeben wird.

1408 Der Anspruch des Gestalters dieses Entwurfes ist eine Parkanlage, die sich als völlig neues Element in das Gebiet einordnet. Sie verbindet die Elemente von Bürgerpark, Landschaftsgarten und Freizeitpark. Die Verfasser stellen sich dem hohen Nutzungsdruck der umliegenden Wohnquartiere hinsichtlich Spiel- und Erholungsanlagen. Das Besondere der Leitidee des Parks der aufgehenden Sonne ist die Verknüpfung der linearen Strukturen des Alten mit der herausbrechenden Diagonale und den drei Meter hohen Erhebungen. Durch die Überlagerung dieser beiden grundverschiedenen Strukturen entstehen Räume in verschiedenen Höhen, verbunden durch die Baumdächer. Die Verfasser setzen Gestaltungselemente in verschiedenen Ebenen prägnant ein und lassen differenzierte Raumausbildungen durch unterschiedliche Höhen entstehen, indem der zentrale Bereich eben gestaltet wird sowie der nördliche Bereich mit Erhebungen und Bodenwellen ausgebildet wird. Die Verknüpfung mit den umliegenden Gebieten gelingt nur unwesentlich durch Spiegelung und Verzahnung mit Hilfe von Baumreihen. Die Wegeverbindung ist gut gelöst. Die Gestaltung der Anlage ruht mehr in sich und geht nur sehr wenig auf Auktionshalle und Randbebauungen im städtebaulichen Umfeld ein. Eine Verbindung zwischen Park- und Sportanlage besteht durch den optischen Einschnitt im westlichen Teil, ansonsten ist eine deutliche Abgrenzung durch die Erhebungen gegeben.

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Erschließung und Anbindung sind durch das orthogonale Wegenetz gegeben. Es besteht eine klare Gliederung der drei Nutzungsbereiche – Spielbereich, Sportbereich, Erholungsbereich – in attraktive Erholungsräume. Die Lage des Regenrückhaltebeckens im Entwurf ist unklar und muß überarbeitet werden. Die Pflanzenauswahl bestimmt sehr den Charakter der Gesamtanlagen. Durch den Einsatz von Kiefern und Eichen wird auch im Winter die raumbildende Wirkung verstärkt. Die Pflanzen werden bewußt in verschiedenen Raumebenen eingesetzt. Es besteht ein hoher Flächenversiegelungsgrad, der Anteil der befestigten Flächen übersteigt den der unbefestigten. Eingesetzt werden unterschiedliche Materialien, auch Altmaterial. Es gelingt dadurch ein hoher Grad von Strukturierung. Die Ausbildung des Sportplatzgebäudes als langgestreckter Pavillon trägt der eigenen Gestaltungsidee Rechnung. Das Gebäude sprengt in seiner Dimension jedoch den Rahmen. Das Raumprogramm ist zu hoch bemessen. Die verbindlichen Vorgaben und das Bedarfsprogramm sind erfüllt. Die Lage des Großspielfeldes erfüllt die Normen des Lärmschutzes nicht. Die Realisierbarkeit des Parks in Abschnitten ist möglich. Die Parkanlage sowie die Sportfreiflächen liegen im Kostenrahmen. Das Sportgebäude erscheint auf Grund seiner Größe im vorgeschriebenen Kostenrahmen problematisch zu realisieren. Mit guter städtebaulicher Anbindung und Funktionalität erreicht der Beitrag die Gestaltung einer harmonischen Anlage. Leider gibt es keine Bezüge zur Geschichte des Ortes und die Formensprache wirkt an dieser Stelle etwas aufgesetzt.

1410 Dem Großraum der Rinderhalle wird an der westlichen Kante ein entsprechendes Grünvolumen in Form eines Birkenhains entgegengestellt.

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Verbunden werden die beiden Großformen durch die offene, in Nord-Süd-Richtung verlaufende vielseitig nutzbare Rasenfläche. Das befestigte Umfeld der Rinderauktionshalle ist in seinen Dimensionen jedoch zu schmal. Im Süden der Anlage schafft ein Stadtgarten mit einfachen gestalterisch und funktional geschickt eingesetzten raumbildenden Elementen einen spannungsvollen Übergang und Filter zwischen Eldenaer Straße und Park. Die vorgeschlagenen Baumgruppen und Einzelbäume in diesem Bereich greifen jedoch etwas zaghaft in die Parkwiese ein. Die Zugänge von Süden sind zu schmal, insbesondere im Bereich der beiden Pförtnerhäuschen. Ein baumbestandener Stadtplatz in der nördlichen Verlängerung der Rinderhalle schafft den Übergang zwischen Sportstätten und nördlichem Zugang. Die Lage der Laufbahn wird in Bezug zum Hallenvorfeld kritisch gesehen. Der ausgewogene Einsatz von offenen, halboffenen und geschlossenen Zonen schafft vielseitige und differenziert erlebbare und nutzbare Freiräume. Der Park wird durch ein orthogonales Wegesystem mit den angrenzenden Quartieren verbunden. Der Birkenhain im Westen der Anlage ist sowohl trennendes als auch verbindendes Element im städtebaulichen Kontext. Die Sichtbezüge im Ost – West Grünzug werden jedoch durch den Birkenhain verstellt. Das Sportfunktionsgebäude im Norden der Anlage gliedert sich organisch und funktional geschickt in den bestehenden Kontext ein. Die Funktion des Gebäudes entspricht dem Raumprogramm der Auslobung, die Erstellungskosten übersteigen jedoch den vorgegebenen Rahmen.

1411 Die Verfasser formulieren in der Überlagerung von abgesenkten Rasenparterren als Nachzeichnung der ehemaligen Hammelhalle, der Einfügung von Nutzungsbändern, einem orthogonalem Wegesystem und einer frei gestreuten Baumstruktur einen vielschichtigen, der Transparenz verpflichteten Park. Die Rasenfläche ist in diesem Entwurf verbindendes Element und Träger der

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Parkelemente. Die freigestellten Baumgruppen schaffen unterschiedliche Raumkulissen als Gegenpol zur strengen Geometrie. Die Anbindung an das umgebende Quartier wird über offen gehaltene Eingangszonen sehr zurückhaltend erreicht. Weiterhin schafft die grüne Einfriedung im Westen und Norden eine zurückhaltende, aber zweckmäßige Lösung. Hier wäre allerdings ein etwas stärkeres Volumen wünschenswert. Auch die vorgeschlagenen Wegebreiten sind nicht der Aufgabe adäquat ausgebildet. In der Verbindung von Park und Sport wird die Integration gesucht. Allerdings sind die notwendigen Lärmschutzwerte im Falle des Kleinspielfeldes nicht erreichbar. Das Funktionsgebäude erfüllt die gestellte Anforderung. Material- und Vegetationswahl werden nur sehr vage formuliert. In der Gesamt-Komposition sind die konzeptionell bestimmenden Funktionsbänder sehr bestechend und schaffen ein interessantes Ensemble. In der tieferen Betrachtung der Idee tauchen jedoch im Detail zahlreiche Konflikte in gestalterischer und nutzungsorientierter Hinsicht auf. Dies besonders bei der Wegeverbindung nach Norden, in der Lage des Funktionsgebäudes und in der Zuordnung des Kleinspielfeldes.

1417 Die Arbeit bezieht sich formal und hierarchisch auf den unmittelbaren stadträumlichen Kontext. Die Rinderauktionshalle erhält einen, ihrer Dimension entsprechenden, formal streng abgegrenzten Freiraum als Gegenüber. Der Raum wird überlagert durch im Stadtraum verankerte Boulevardbänder, die sich vor dem Haupteingang der Halle kreuzen. Ein dichtes Birkenraster bildet eine lineare Grenze zum Straßenraum, die sich zum Park teilweise indifferent auflöst. Die großen Gesten des strengen Raums und der zwei Boulevards wird durch eingestreute Baumpflanzungen und beliebig erscheinende Applikationen jedoch verwischt und das räumliche Erleben gestört. Die Sportanlage wird mit der öffentlichen Durchwegung formal und funktional gestört. Das Sportfunktionsgebäude ist in seiner architektonischen Durcharbeitung anspruchsvoll,

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jedoch im Kostenrahmen zu überprüfen. Die Arbeit ist insgesamt in den vorgegebenen Kosten realisierbar.

1418 Das selbstgesetzte Ziel, die heutige Offenheit des Schlachthofgeländes unabhängig von der Entwicklung des Umfeldes zu sichern, wird als Leitidee in konsequenter Form umgesetzt: Ein Rahmen aus auf der Innenseite geschnittenen, rot- und silberlaubigen Bäumen und Sträuchern ermöglicht die „gefasste Offenheit“ eines großen Wiesenraums. Als „Landinput“ wird ein lockerer Kiefernhain auf welligem Wiesengrund in diesen Rahmen implantiert und bildet einen romantisierenden Kontrast zur künstlichen Strenge des Rahmens. Die Stützen der ehemaligen Hammelhalle integrieren sich auf selbstverständliche Weise in dieses Implantat. Es entsteht ein funktionsoffener Freiraum, der als zeitgemäße Interpretation des Volksparks gewertet werden kann und gleichzeitig mit gängigen Sehgewohnheiten bricht. Bei aller Sympathie für die Arbeit muß jedoch gesehen werden, dass das suggerierte Bild einer geschnittenen Vegetationswand aus Pflegekostengründen nicht aufrecht zu erhalten sein wird. Insgesamt würdigt die Jury die Arbeit als einen mutigen Beitrag zur Lösung der Wettbewerbsaufgabe, der eine über das Stadtquartier hinausgehende Attraktion darstellen könnte.

Nach einer kurzen Kaffeepause beginnt das Preisgericht mit der Bildung der Preis- und Ankaufsgruppe. Gemäß Auslobung ist die Aufteilung in fünf Preise und vier Ankäufe vorgesehen. Einen Ankauf sollen insbesondere solche Arbeiten erhalten, die besondere Anregungen für die Verwirklichung der Aufgabe liefern oder die in Teilen der Aufgabenstellung herausragende Ideen entwickelt haben. Um 15.00 Uhr stimmt das Preisgericht mit folgendem Stimmenverhältnis über die Ausscheidung weiterer Arbeiten (Verbleib der Arbeiten in der engeren Wahl) ab:

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1358 1411 1417 1408

7:0 7:0 6:1 7:0

Die Arbeit 1398 wird mit 6:1 Stimmen in die Ankaufsgruppe eingestuft. Folgende Arbeiten werden nach weiterer Diskussion ausgeschieden (Verbleib in der engeren Wahl): 1366 1363 6:1 5:2

Als weitere Arbeiten werden mit folgendem Stimmenverhältnis in die Ankaufsgruppe eingestuft. 1378 1388 7:0 4:3

Das Preisgericht betrachtet und diskutiert die verbleibenden 6 Arbeiten nochmals intensiv im Kontext und stimmt anschließend mit folgendem Stimmenverhältnis ab: 1410 als 1. Preis 1396 als 2. Preis 4:3 5:2

Nach eingehender Erörterung beschließt das Preisgericht im Weiteren: 1371 als 3. Preis 1383 als 4. Preis 1382 als 5. Preis 1418 als Ankauf 5:2 6:1 7:0 7:0

Einstimmig wird wird als Rangfolge der Ankäufe beschlossen. 1418 1382 1378 1. Ankauf 2. Ankauf 3. Ankauf

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1398

4. Ankauf

Weiter wird einstimmig die Arbeit 1363 als Nachrücker beschlossen, sofern sich bei einem der Preise oder Ankäufe ein Ausschlusstatbestand herausstellt. Frau Kalthöner wird ab 17.30 Uhr durch Frau Profé vertreten. Empfehlung: Das Preisgericht empfiehlt dem Auslober mit 5:2 Stimmen, die Arbeit , die mit der ersten Preis ausgezeichnet wurde, zur Grundlage der weiteren Bearbeitung zu machen. Die Einsparungsmöglichkeiten für das Sportgebäude sind auszuloten. Es ist im Kostenrahmen zu realisieren. Weiterhin sind bei der weiteren Bearbeitung die Punkte zu berücksichtigen, die das Preisgericht in der schriftlichen Beurteilung der Arbeit 1410 kritisch betrachtet hat.

Die Öffnung der Umschläge, von deren Unversehrtheit sich die Vorsitzende überzeugt, ergibt die Verfassernamen, die der Liste im Anhang zu entnehmen sind.

Das Preisgericht veranlasst den Auslober, die Teilnahmeberechtigung der Verfasser, deren Arbeiten Preise und Ankäufe erhalten haben, zu prüfen. Die Vorsitzende bittet das Preisgericht um die Entlastung der Vorprüfung, die verbunden mit dem Dank für die gute geleistete Arbeit einstimmig erteilt wird. Sie dankt auch den weiteren Beteiligten und gibt den Vorsitz an den Auslober zurück. Im Namen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bedankt sich zunächst Herr Ostendorff insbesondere bei Frau Giseke für die gute Leitung des Preisgerichtes und gratuliert dem Bauherrn zu dem erzielten Wettbewerbsergebnis. Er weist darauf hin, dass es sich bei Wettbewerben um Vergabeverfahren handelt und der Bauherr nicht nur eine entwicklungsfähige Entwurfsidee erlangt hat, sondern vor allem auch qualifizierte Aufragnehmer zur Umsetzung. Abschließend dankt Herr Nicolovius für die S/ES dem Preisgericht, der Organisation und den weiteren Beteiligten. Er betont, dass die geplanten Maßnahmen in die Investitionsplanung eingestellt sind und realisiert werden sollen. Unter Hinweis auf den politischen Kontext und die angespannte Haushaltslage sei der genaue Zeitpunkt der Umsetzung allerdings nicht mit Bestimmtheit vorauszusagen.

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Die Ausstellung der Wettbewerbsentwürfe wird am 4. Oktober um 19.00 Uhr in der Jebensstraße 2 eröffnet.

Die Sitzung wird um 19.00 Uhr geschlossen.

Aufgestellt: Patrick Weiss Anlagen: Liste der Teilnehmer Bericht der Vorprüfung
        
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