Publication:
2011
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-opus-217561
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Inhalt

Jahresbericht 2011

Jahresbericht 2011

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Jahresbericht 2011

Inhalt

Inhalt
Vorwort des Vorstandes Neues Kooperationsmodell und neue Aufgaben für den AAV Vorwort des Geschäftsführers Vorwort des Geschäftsführers zum Jahresbericht 2011 AAV-Fachtagungen Aktuelle Rechtsprobleme bei der Altlastenbearbeitung Aktuelle Fragen im Zusammenhang mit der Ablagerung von Abfällen Flächenrecycling im Fokus – AAV-Fachtagung 2011 unterstreicht neuen Schwerpunkt Altlastensanierung und Flächenrecycling AAV-Projekte Der Maßnahmenplan des AAV Flächenrecycling Sanierung des Altstandortes einer ehemaligen chemischen Reinigung in Kempen Ehemaliges Militärgelände Camp Pirotte in Aachen-Brand Sanierung der ehemaligen chemischen Reinigung Schaefer in Mönchengladbach-Rheydt Sanierung der ehemaligen Galvanik Goldau in Solingen – Flächenrevitalisierung durch Schaffung hochwertiger Wohnbauflächen Ehemalige Dachpappenfabrik Dr. Kohl in Dorsten Gefahrenabwehr Ehemalige chemische Reinigung Schurmann in Hamm Ehemalige chemische Reinigung Raupach in Gladbeck Sanierung einer bewohnten Altlast „Am Welschenhof“ Ehemalige Großreinigung Froitzheim - Die Sanierung kann beginnen Sickerwasserverminderung bei einer Altablagerung durch Bewaldung mit Douglasien Ehemalige Zeche und Kokerei Rheinpreußen IV in Moers Ergänzende Sanierungsuntersuchung der ehemaligen Zeche und Kokerei Prosper I in Bottrop F&E-Projekte - Innovative Verfahren LCKW-Grundwasserverunreinigung Hilden-Benrath Perfluorierte Tenside (PFT) 5 6

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Inhalt

Jahresbericht 2011

Rückschau auf abgeschlossene Projekte Sanierung einer ehemaligen Galvanik in Wuppertal – Phase II Sanierung des ehemaligen Werksgeländes der Firma Raschig in Bochum Ehemaliges Gaswerk Sedanstraße in Hamm Sanierung des Geländes der ehemaligen Lackfabrik Brocolor in Gronau Sanierung der ehemaligen Galvanik Greitemann in Olpe Gewerbestandort Bahnhof Lüdenscheid Mitte Bodenschutzpreis Nordrhein-Westfalen 2011 Zwei Sieger und ein Sonderpreis – Bodenschutzpreis Nordrhein-Westfalen 2011 verliehen Clearingstelle Neue Clearingstelle eingerichtet Mitgliederinformation Mitgliederinformation und Öffentlichkeitsarbeit – neuer Internet-Auftritt des AAV

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Der Verband und seine Mitglieder Aufbau und Arbeitsweise des Verbandes Vorstand und Gremien Mitglieder-Profile der Kooperationspartner Die Geschäftsstelle Anfahrtsskizze Impressum Bildnachweis

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Jahresbericht 2011

Vorwort des Verbandsvorsitzenden

Neues Kooperationsmodell und neue Aufgaben für den AAV
bestimmte Restrisiken bei der Nutzung von Altlastengrundstücken absichern können.Weitere neue Aufgaben, über die derzeit noch nicht detailliert berichtet werden kann, sind für den AAV in der Diskussion. Mit der Entscheidung der LandesreDr. Jochen Rudolph Verbandsvorsitzender des AAV

Mehrere in 2011 abgeschlossene bzw. begonnene Sanierungsprojekte mit bewohnten Altlasten konnten ohne „größere Aufregung“ abgewickelt werden. Hier zeigt sich, dass der AAV immer gemeinsam mit den vor Ort zuständigen Behörden seine Sanierungsprojekte auch im Bereich Öffentlichkeitsarbeit ausreichend vorbereitet. Zusammenfassend war 2011 für den AAV wieder ein erfolgreiches Jahr, insbesondere mit der Perspektive auf eine langfristige, gesetzlich geregelte Finanzierungsgrundlage und neue interessante Aufgaben im Umweltschutz.

gierung, Maßnahmen zur Altlastensanierung und Altlastenaufbereitung in Zukunft aus Mitteln des Wasserentnahmeentgeltgesetzes zu finanzieren, ist im Sommer 2011 die Neben der Abwehr von Gefahren für Menschen, Gewässer und andere Schutzgüter bei Altlasten rückt das Flächenrecycling immer mehr in den Vordergrund. Es leistet vor allem einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des „Flächenverbrauchs“. Nicht für Siedlungsflächen in Anspruch genommene Landwirtschafts- und Naturflächen unterstützen den Erhalt der Biodiversität und sind auch ein Beitrag zum Klimaschutz durch CO2-Bindung in Pflanzen und Boden. Außerdem ist die Wiedernutzung von Brachflächen, vorrangig in Städten und Gemeinden, Voraussetzung für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung insbesondere unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklung in Deutschland. Der AAV soll deshalb in Zukunft das Flächenrecycling als Schwerpunktaufgabe neben der Altlastensanierung wahrnehmen, um insbesondere Städte und Gemeinden hierbei zu unterstützen. Um die Nutzung sanierter oder noch zu sanierender Grundstücke in NRW insgesamt zu steigern, soll der AAV auch Träger eines Altlastenrisikofonds werden, mit dem Investoren Neben der praktischen Sanierungstätigkeit gewinnt die Beratung seiner Mitglieder, d. h. Wirtschaftsunternehmen und Kommunen, in allen Fragen des Bodenschutzes beim AAV immer mehr an Bedeutung. Ursache ist u. a. die Komplexität der Rechtsvorschriften beim Flächenrecycling und bei der Altlastensanierung, die neben dem Umweltrecht auch das Ordnungsrecht, Insolvenzrecht, Haushaltsrecht usw. umfassen. Hohe Bedeutung hat auch der Aufgabenbereich Öffentlichkeitsarbeit, mit dem vor allem die notwendige Akzeptanz der Anwohner bei der Sanierungsdurchführung hergestellt und gesichert werden muss. Grundlage für eine dauerhafte und langfristige Finanzierung des AAV geschaffen worden. Eine weitere, auch finanzielle Beteiligung der Kommunen zeichnet sich ab und erste Wirtschaftsverbände haben für ihre Mitglieder eine weitere freiwillige Beteiligung und Finanzierung im Rahmen eines neuen Kooperationsvertrages in Aussicht gestellt. Derzeit werden die vertraglichen Einzelheiten abgestimmt und die Novellierung des AAV-Gesetzes vorbereitet.

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Vorwort des Geschäftsführers

Jahresbericht 2011

Vorwort des Geschäftsführers
zum Jahresbericht 2011
Gerhard Kmoch Geschäftsführer des AAV

Den Jahresbericht 2011 haben wir unter den Titel „Altlasten und Gewässerschutz“ gestellt. Damit sind nicht nur die vielfältigen Grundwassersanierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit Altstandorten und Altdeponien gemeint. Häufig werden auch Oberflächengewässer wie Bäche, Flüsse und Seen durch Schadstoffe aus Altlasten beeinträchtigt. Bei über 40 Sanierungsprojekten des AAV stand oder steht in den letzten Jahren der Gewässerschutz im Vordergrund. Sehr häufig haben sich infolge des jahrelangen massiven Austrags von Schadstoffen lange Schadstofffahnen im Grundwasser ausgebildet. Ein besonderer Handlungsbedarf besteht immer dann, wenn durch die Schadstoffe Wasserschutzgebiete im Bereich von Trinkwasserbrunnen oder Vorflutern (Oberflächengewässer) betroffen sind. Meist geht es darum, durch eine Kernschadensanierung den weiteren Austrag von Schadstoffen und deren Mobilisierung über den Grundwasserpfad wirksam zu unterbinden. Langfristig soll so im Bereich der betroffenen Standorte eine deutliche Verbesserung der Grundwasserqualität erreicht werden. Das „Auskoffern“ der Schadstoffquelle hat sich hier als besonders wirksames Sanierungsverfahren bewährt. Leider kann dieses Verfahren aber nicht bei allen Sanierungsprojekten eingesetzt In mehreren Fällen haben wir durch umfangreiche Untersuchungen den natürlichen Schadstoffabbau im Grundwasser nachgewiesen. Zusammen mit den zuständigen Behörden haben wir in diesen Fällen auf weitergehende Sanierungsmaßnahmen verzichtet. Im Rahmen eines MNAKonzeptes wird der Grundwasserschaden und der natürliche Schadstoffabbau dann langjährig beobachtet. und auch nicht wirtschaftlich. Hydraulische Sicherungsverfahren (pump & treat) haben sich bewährt, um eine weitere Ausbreitung von Schadstoffen effektiv zu verhindern. Sie kommen immer dann in Frage, wenn eine Dekontamination infolge der Standortrahmenbedingungen nicht realisierbar ist. Als eine Alternative oder Ergänzung zur hydraulischen Sicherung bzw. zur Verkürzung der Sanierungsdauer werden zunehmend auch In-situ- bzw. ENA-Maßnahmen zur Fahnensanierung aber auch zur Schadstoffquellensanierung eingesetzt.

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werden. So ist die Umsetzung auf Deponiestandorten nahzu unmöglich

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Vorwort des Geschäftsführers

In den letzten Jahren haben wir, aber auch andere Sanierungsträger, wichtige Erfahrungen mit den neuen, sogenannten innovativen Grundwassersanierungsmaßnahmen sammeln können. Aber neu ins Bewusstsein gerückte Schadstoffe, wie z. B. die perfluorierten Tenside (PFT) oder selten vorkommende Schadstoffcocktails, fordern neue Sanierungslösungen. Nach unserer Ansicht besteht speziell im Grundwasserschutz noch erheblicher F+E-Bedarf sowohl im Hinblick auf zu beachtende Schadstoffe (z. B. Mikroschadstoffe), als auch bei anwendbaren Sanierungsverfahren. Auch die Umsetzung des Artikel 22 der IED-Richtlinie wird hier neue Fragen zur Bewertung von Stoffen im Grundwasser aufwerfen, weil z. B. die Wirkung von vielen tausend Chemikalien, die man ggf. auch im Grundwasser bei Produktionsanlagen finden könnte, bisher nicht bekannt ist. Der AAV arbeitet im Rahmen seiner gesetzlichen Aufgabe, der Entwicklung und Erprobung neuer Technologien und innovativer Sanierungsverfahren, mit verschiedenen Forschungsinstituten, Gutachtern und Fachfirmen zusammen, um für ausgewählte Fragestellungen aus unserer Sanierungspraxis neue technische Lösungen zu finden. Konkret betrifft das derzeit Verfahren zur Abscheidung von PFT und Chromat aus dem Grundwasser. Darüber hinaus werden wir in Kürze gemeinsam mit der Städteregion Aachen ein innovatives Verfahren zur biologischen Reinigung von Deponiesickerwässern mit komplexen Schwefelverbindungen in einer Pilotanlage erproben.

In einer Studie untersuchen wir zurzeit die Abhängigkeit von Grundwasserreinigung und Klimaschutz. Eine wichtige Fragestellung ist hier u. a. die Verhältnismäßigkeit von Grundwasserreinigungszielen und Energieaufwand bei „pump and treat“Maßnahmen, wo allein die Antriebsenergie von Pumpen für die Emission von tausenden Tonnen CO2 verantwortlich sein kann. Auslöser für viele Grundwasserschäden sind häufig undichte Kanäle. Insbesondere bei chemischen Reinigungen, wo Rückstände der Reinigungsmittel (z. B. Perchlorethylen) in der Vergangenheit oft über den Ausguss entsorgt wurden, haben sich durch undichte Abwasserkanäle oft lange Schadstofffahnen im Grundwasser gebildet. Umgekehrt können auch schadstoffhaltige Grundwässer in undichte Kanäle eindringen und damit die Kläranlagen mit zusätzlichen Schadstoffen belasten. Bei einigen unserer Projekte gehört deshalb eine Kanalsanierung mit zu den erforderlichen Sanierungsmaßnahmen. Angesichts der Vielzahl der vorstehenden Aufgaben zum Gewässerschutz im Rahmen von Altlasten ist es folgerichtig, dass der Landesgesetzgeber in NRW die Finanzierung von Altlastensanierungen und schädlichen Bodenveränderungen aus Mitteln des Wasserentnahmeentgeltgesetzes im Sommer 2011 beschlossen hat und dem AAV voraussichtlich ab 2012 entsprechende Mittel zufließen werden.

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AAV-Fachtagung

Jahresbericht 2011

Aktuelle Rechtsprobleme
Bericht zur AAV-Fachtagung am 13.07.2011 in Hattingen

bei der Altlastenbearbeitung

Zur diesjährigen AAV-Fachtagung „Aktuelle Rechtsprobleme bei der Altlastenbearbeitung“ am 13.07.2011 begrüßte Geschäftsführer Gerhard Kmoch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem herzlichen „Willkommen in Hattingen“ zu einem „kleinen, aber feinen“ Vortragsprogramm. Dass sich die AAV-Fachtagung längst zu einer „festen Größe“ herumgesprochen hat, unterstrich wieder einmal mehr das große Interesse der rund 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Landesverwaltung und Bodenschutzbehörden, Gutachter- und Ingenieurbüros und Anwaltskanzleien an den von der Geschäftsstelle des AAV ausgewählten Themen. Deren Inhalte reichten von aktuellen Entwicklungen im nationalen und europäischen Umweltrecht über in der Praxis der Altlastenbearbeitung häufig wiederkehrende Fragestellungen aus Anlass der Insolvenz von sanierungsverantwortlichen Betrieben sowie Abgrenzungs-

der Altlastensanierungspraxis bislang kaum aufgearbeiteten Haftungsfragen in den Fällen des Fiskus als Noterben von Altlastengrundstücken. Abgerundet wurde das Veranstaltungsprogramm mit aktuellen Problemfällen zum neuen Vergaberecht bei der Altlastensanierung. Prof. Dr. Wilhelm König (Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW - MKULNV) eröffnete den von Kmoch moderierten Vormittagsteil der Veranstaltung mit dem Einführungsvortrag „Situation der Altlastenbearbeitung in NRW und beim Bund“. Prof. König erläuterte zunächst den Entwurf der sogenannten Mantelverordnung (Stand: 06.01.2011), die unter einem „Mantel“ drei Rechtsverordnungen erfasst. Mit der Mantelverordnung werden die erst gegen Ende vergangenen Jahres in Kraft getretene Grundwasserverordnung (GrwV) und außerdem die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV)

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problemen zwischen bodenschutzund bergrechtlichen Fällen bis zu in

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AAV-Fachtagung

geändert sowie die neue Verordnung über Anforderungen an den Einbau von mineralischen Ersatzbaustoffen in technischen Bauwerken – die neue Ersatzbaustoffverordnung (ErsatzbaustoffV) – geschaffen. Prof. König führte aus, dass durch die Einführung des Geringfügigkeitsschwellenkonzeptes aus Sicht des Landes NRW der Schutz des Grundwassers verbessert und ein Beitrag zum Bürokratieabbau geleistet werde. In Bezug auf die ErsatzbaustoffV stimme das Land NRW grundsätzlich den Regelungen im jetzigen Entwurf der Mantelverordnung zu, da er sich stark an den „Verwerter-Erlassen“ des Landes NRW orientiere. Die Einbeziehung der seit langem anstehenden Novellierung der BBodSchV in die Mantelverordnung sei, so Prof. König, zweckmäßig, weil sowohl im Bereich der Vorsorge als auch bei der Nachsorge ein Zusammenhang mit den Regelungen der GrwV und der ErsatzbaustoffV bestehe. Im Folgenden ging Prof. König mit Blick auf das nachfolgende Referat kurz auf die neue Richtlinie über Industrieemissionen (Industrial Emissions Directive – IED) ein, die am 06.01.2011 in Kraft getreten ist und in deren bodenschutzbezogenen Regelungen bestimmt ist, dass ein bodenbezogener „Ausgangszustandsbericht“ erstellt werden muss, bevor eine neue Anlage genehmigt oder eine Änderungsgenehmigung erteilt werden kann. Prof. König führte aus, dass sich aus Sicht des vorsorgenden Bodenschutzes und der Altlastenbearbeitung die nachfolgend wiedergegebenen Fragen stellten: Im Weiteren berichtete Prof. König über die aktuell in Nordrhein-Westfalen stattfindende Evaluierung des Landesbodenschutzgesetzes (LBodSchG) und der Verordnung über Sachverständige und Untersuchungsstellen. Hierzu muss das MKULNV dem Landtag NRW bis Ende des Jahres 2011 einen Bericht vorlegen. Da die beim MKULNV eingegangenen Stellungnahmen zur Evaluierung des LBodSchG erst seit kurzem vorliegen, konnte Prof. König leider noch keine näheren Einzelheiten zu den bisherigen Erfahrungen und Änderungsvorschlägen zum LBodSchG mitteilen. 1. Was sind bodenrelevante Stoffe und wie wäre eine Mengenschwelle zu definieren? 2. Welcher Maßstab ist für die Erheblichkeitsschwelle zur Wiederherstellung des Ausgangszustandes von Böden nach Art. 22 Abs. 3 IED-Richtlinie heranzuziehen? 3. Welche Kriterien können für die Verhältnismäßigkeit von Sanierungs- bzw. Beseitigungsmaßnahmen herangezogen werden? 4. Wie ist der Ausgangszustand für Boden und Grundwasser zu erfassen und welche Szenarien können dabei unterschieden werden?
Prof. Dr. Wilhelm König (Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW - MKULNV)

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Jahresbericht 2011

Unter dem Stichwort „Flächenrecycling“ beleuchtete Prof. König sodann Unterstützungsmaßnahmen des Landes NRW zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme im Rahmen der „Allianz für die Fläche“ und wies auf Anreizsysteme für interkommunale und regionale Kooperationen sowie verschiedene Handlungsprogramme für die Wiedernutzbarmachung vorgenutzter Flächen hin. Mit der Schaffung eines „Altlastenrisikofonds“ strebe das Land NRW, so Prof. König, an, Unsicherheiten hinsichtlich des tatsächlichen Sanierungsaufwandes bei noch zu sanierenden Flächen sowie Restrisiken bereits sanierter Flächen zu minimieren und Hemmnisse beim Flächenrecycling abzubauen. Insoweit habe man bereits mit intensiven Vorarbeiten begonnen, an denen neben verschiedenen Ministerien, der NRW. BANK, der NRW.URBAN auch der AAV beteiligt sei. Zum Schluss seines umfangreichen Überblicks wies Prof. König kurz auf die aus Anlass der Stellungnahme der EU-Kommission vom 12.01.2009 zur Gleichwertigkeitsklausel für Deponieabdichtungssysteme aus anderen Mitgliedstaaten notwendig gewordene erste Änderung der geltenden Deponieverordnung (DepV) hin. Weitere Änderungen der DepV beträfen Anpassungsvorschläge aus dem Vollzug, Klärung von Auslegungskonflikten und redaktionelle Anpassungen.

Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, insbesondere auf Seiten der vertretenen Wirtschaft, mit einiger Spannung erwartet war der nachfolgende Vortrag von Dr. Bernd Hilger, Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). Dr. Hilger erläuterte die
„Auswirkungen des Ausgangszustandsberichts nach der IEDRichtlinie auf industrielle Standorte“ und stellte den Geltungsbereich

sowie Inhalt und weitere Folgen der IED-Richtlinie (IED) für die Industrie und den Vollzug vor. Dr. Hilger führte aus, dass das BMU nach den bisherigen Überlegungen eine 1:1-Umsetzung der europäischen Regelungen anstrebe. Die im Kontext des Vortrags wichtigste Norm der IED, Artikel 22 Abs. 2 IED, verpflichte den Betreiber einer von im Anhang I der Richtlinie aufgeführten Anlage, soweit er mit relevanten gefährlichen Stoffen umgehe, vor der Inbetriebnahme der Anlage oder bei Erneuerung der Genehmigung einen Bericht über den Ausgangszustand des Geländes der Anlage zu erstellen. Dieser Ausgangszustandsbericht soll die vorgefundenen Boden- und Grundwasserverschmutzungen darstellen, um bei der späteren endgültigen Stilllegung der Anlage einen quantifizierten „VorherNachher-Vergleich“ hinsichtlich der dann vorhandenen Verschmutzung des Bodens und des Grundwassers zu ermöglichen.

Artikel 22 Absatz 2 Unterabsatz 3 IED-Richtlinie
Der Bericht über den Ausgangszustand enthält die Informationen, die erforderlich sind, um den Stand der Boden- und Grundwasserverschmutzung zu ermitteln, damit ein quantifizierter Vergleich mit dem Zustand bei der endgültigen Einstellung der Tätigkeiten gemäß Absatz 3 vorgenommen werden kann.

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AAV-Fachtagung

Bei endgültiger Stilllegung der Anlage muss der Betreiber den Zustand des Bodens und des Grundwassers erneut bewerten und ermitteln, ob durch den Anlagenbetrieb erhebliche Boden- und Grundwasserverschmutzungen mit relevanten gefährlichen Stoffen verursacht worden sind. Ist dies der Fall, hat der Anlagenbetreiber die erforderlichen und technisch durchführbaren Maßnahmen zur Beseitigung dieser Verschmutzung zu ergreifen, um das Gelände in den Ausgangszustand zurückzuversetzen. Von der Pflicht zur Erstellung des Ausgangszustandsberichts betroffen seien, so Dr. Hilger weiter, alle diejenigen Betreiber von im Anhang I der Richtlinie aufgeführten Anlagen, welche diese nach dem 07.01.2013 erstmalig in Betrieb nehmen (Fälle der Neugenehmigung) oder nach diesem Stichtag eine Änderungsgenehmigung im Sinne der nationalen Vorschrift des § 16 BImSchG beantragen. Dr. Hilger ergänzte, dass beabsichtigt sei, hinsichtlich der von der IED-Richtlinie erfassten Industrieanlagen und der Umsetzung in nationales Recht die Verordnung über genehmigungsbedürftige Anlagen (4. BImSchV) neu zu konzipieren und künftig auf das „Spaltensystem“ zugunsten einer Durchnummerierung der Anlagenarten zu verzichten. Dr. Hilger erläuterte weiter, dass nach der Richtlinie der Anlagenbetreiber nur dann zur Erstellung des Ausgangszustandsberichts verpflichtet werde, wenn er im Rahmen seiner Tätigkeit mit relevanten „gefährlichen Stoffen“ (Artikel 3 Nr. 18 IED) umgehe. Dr. Hilger wies darauf hin, dass die EU-Kommission verpflichtet sei, Leitlinien für den Inhalt des Berichts über den Ausgangszustand

zu erstellen. Gegenwärtig existierten allerdings solche Leitlinien der Kommission noch nicht. Rechtsanwalt Prof. Dr. Hans-Jürgen Müggenborg (Rechtsanwälte Josten, Müggenborg, Weyer, Aachen) befasste sich anschließend mit „Abgrenzungsfragen zwischen Bodenschutz- und Bergrecht“. Zu Beginn seines Vortrags stellte er zwei grundsätzliche Fragen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen: Welches Rechtsregime – Bodenschutzrecht oder Bergrecht – gilt und welche Behörde ist für den Vollzug zuständig?

Ausgangslage für die Abgrenzung der beiden Rechtsregime sei, so Prof. Müggenborg, grundsätzlich das Bodenschutzrecht. Das BBodSchG könne nur angewandt werden, wenn bergrechtliche Vorschriften über die Errichtung, Führung und Einstellung eines Betriebes Einwirkungen auf den Boden nicht regeln. Das Bundesberggesetz (BBergG) enthalte, so Prof. Müggenborg weiter, seinerseits verschiedene bodenschützende Vorschriften, die es der zuständigen Bergbehörde schon im Betriebsplanverfahren erlauben, den Bodenschutz zu berücksichtigen. Darüber hinaus könnten nachträglich Auflagen angeordnet werden, wenn dies zum Schutz des Bodens erforderlich sei.

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Hinsichtlich der Behördenzuständigkeiten führte Prof. Müggenborg aus, dass der Vollzug während des laufenden Bergbaubetriebes – auch wenn das Rechtsregime des Bodenschutzrechtes anwendbar bleibt – der Bergaufsicht gemäß § 69 BBergG obliegt. Das BBergG enthalte keine Regelungen für die Fälle, bei denen es im laufenden Bergbaubetrieb zu schädlichen Bodenveränderungen kommt. Hier sei durch die zuständige Bergbehörde unmittelbar das Bodenschutzrecht anzuwenden. Hingegen ende die Zuständigkeit der Bergaufsicht kraft Gesetzes nach Durchführung des Abschlussbetriebsplanes oder der Erfüllung entsprechender bergrechtlicher Anordnungen. In der Praxis, so Prof. Müggenborg, treffe die zuständige Bergbehörde nach entsprechender Anzeige durch den Bergwerkseigentümer zumeist die Feststellung, dass die Bergaufsicht beendet ist. Ab diesem Zeitpunkt sei für den Vollzug des Bodenschutzrechts ausschließlich die zuständige Bodenschutzbehörde verantwortlich. Der von Nikolaus Söntgerath, Justiziar des AAV, moderierte Nachmittagsteil der Veranstaltung widmete sich ausschließlich Problemen der praktischen Altlastenbearbeitung.

Mit ebensolchen „Rechtsfragen bei der Bearbeitung von Altlasten aus insolvenz- und gesellschaftsrechtlicher Sicht“ befasste sich Rechtsanwalt Dr. Nils Brückelmann (Rechtsanwälte Blesinger, Wischermann & Partner, Wuppertal) und stellte das „verantwortungslose“ Altlastengrundstück in den Fokus seiner Ausführungen. Indem sich der Eigentümer eines mit Altlasten kontaminierten Grundstücks seiner Verantwortung entziehe, mache er es der Bodenschutzbehörde schwer, den von ihm verursachten Gefahren wirksam zu begegnen. Dies gelte insbesondere dann, wenn der Eigentümer des Grundstücks keine natürliche Person, sondern eine Gesellschaft ist, deren Verantwortlichkeit bereits auf gesellschaftsrechtlicher Ebene unübersichtlich und umstritten sein kann. Noch schwieriger und in vielen Fällen nur mittels erheblichem Aufwand nachvollziehbar, seien die in der Praxis immer wieder anzutreffenden Fälle, in denen Verantwortliche versuchen, sich durch den Missbrauch der gesellschaftsrechtlichen Gestaltungsformen ihrer Verantwortung für ein belastetes Grundstück zu entziehen („Unternehmensbestattungen“). Einen Schwerpunkt legte Dr. Brückelmann auf die Darstellung der Beteiligten bei der praktischen Bearbeitung von Altlastenfällen, bei denen das Grundstück einer Gesellschaft gehört. Dies sind im Regelfall der Geschäftsführer der Gesellschaft, der Eigentümer des belasteten Grundstücks, d. h. die Gesellschaft selbst, die zur Gefahrenabwehr zuständige Behörde, das Insolvenz- und Registergericht sowie – in Fällen der finanziellen Nichtleistungsfähigkeit der Gesellschaft – der Zwangs- bzw. Insolvenzverwalter. Hindernisse für den Vollzug entste-

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hen in der Praxis, wenn bestimmte Organe der Gesellschaft, die deren

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AAV-Fachtagung

Handlungsfähigkeit grundsätzlich sicherstellen (z. B. der Geschäftsführer), nicht vorhanden sind, weil sie sich der ordnungsrechtlichen Verantwortlichkeit entzogen haben. Das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) unterbindet dieses Vorgehen bezogen auf den Geschäftsführer, indem es in § 35 Absatz 2 GmbHG (neu) bestimmt, dass der Zustand einer GmbH ohne Geschäftsführungsorgan als „Führungslosigkeit“ gilt, mit der Folge, dass die Gesellschaft für den Fall, dass ihr gegenüber eine Willenserklärung abgegeben oder ein Schriftstück zugestellt wird, durch ihre Gesellschafter vertreten wird. Überdies kann in den Fällen, in denen der Gesellschaft im Falle der Führungslosigkeit Schäden drohen, die Bestellung eines Notgeschäftsführers angezeigt sein. Schließlich wies Dr. Brückelmann auf die Chancen hin, die die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die praktische Bearbeitung von Altlastenfällen bietet. Der Insolvenzverwalter habe als sogenannter „Sonderliquidator“ die Möglichkeit, seine Befugnisse im Interesse der Gefahrenabwehr fruchtbar zu machen. So könne er das Grundstück in Besitz nehmen, Auskünfte einholen, Einsicht in die Unterlagen nehmen und mit Zwangsmitteln unmittelbar gegen den Schuldnervertreter vorgehen. Insoweit gilt es, den Insolvenzverwalter davon abzuhalten, das altlastenbehaftete Grundstück vorschnell aus der Masse freizugeben. Was dem Fiskus als Zwangs- oder Noterbe von Altlastengrundstücken droht und ob den Fiskus hierbei Handlungs-, Finanzierungs- oder Einstandspflichten treffen, untersuchte Rechtsanwalt Dr. Egon A. Peus (AULINGER Rechtsanwälte, Bochum)

in seinem Vortrag „Rechtsprobleme bei der Haftung des Staates als Zwangserbe von Altlasten“ anhand eines Fallbeispiels, das er von allen Seiten beleuchtete. Eingangs wies Dr. Peus darauf hin, dass es zu der Rechtsfrage des Staates als Zwangserbe von Altlasten bisher weder ausreichend einschlägige Fachkommentierungen noch Rechtsprechung gebe. Demgegenüber sei in der Praxis allerdings, was auch die anschließend geführte Diskussion zeigte, eine Zunahme von Fiskalerbschaften bei kontaminierten Grundstücken festzustellen. Dr. Peus führte aus, dass aufgrund der Zustandshaftung für ein kontaminiertes Grundstück, die durch die gesetzliche Zwangserbschaft des Fiskus eintritt, sich für den Staat aufgrund seiner Eigentümerstellung Inanspruchnahmerisiken ergeben können, die an Störungen oder Gefahren anknüpfen, die vom Grundstück ausgehen. In Betracht kommen grundsätzlich eine Inanspruchnahme des Staates nach dem zivilrechtlichen Beseitigungs- bzw. Unterlassungsanspruch des § 1004 Absatz 1 Bürgerliches Gesetzbuch sowie eine Inanspruchnahme nach den öffentlich-rechtlichen Vorschriften des Ordnungsbehördengesetzes NRW (§ 18 OBG) und des § 4 BBodSchG. Werde der Staat als Zwangserbe aufgrund seiner Zustandsstörereigenschaft in Anspruch genommen, so habe er materiell die Kosten für die Beseitigung der Störung oder Gefahr zu tragen. Ob es sich hierbei um Nachlassverbindlichkeiten handelt, die der beschränkten Erbenhaftung unterfallen, ließe sich, so Dr. Peus, bezweifeln. Denn der Zustand sei zeitlich begrenzt und werde irgendwann durch die Haftung des Staates wegen eigenen Eigentums abgelöst.

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Der Eigentümer der Sache erlange nämlich durch die Besitzergreifung eine „verantwortungsbelastete Stellung“, die zu einer eigenen, originären Haftung führt. Die Haftung des Staates als Zwangserbe sei jedoch auf den Wert des Nachlasses beschränkt. Dies gelte zum einen, so Dr. Peus, weil der Zweck des Fiskalerbrechts ausschließlich darin bestehe, ein Rechtssubjekt als Rechtsträger eines Nachlasses bereitzustellen. Zum anderen gebe es keinen Anlass, den Staat mit seiner (unbegrenzten) Finanzkraft als Zwangserben für irgendwelche Verbindlichkeiten oder nachteilige Folgen aus Nachlassgegenständen haften zu lassen.

Den Abschluss des Veranstaltungstages bildete der Vortrag von Rechtsanwalt Prof. Dr. Stefan Hertwig (CBH Rechtsanwälte, Köln) über ausgewählte „Problemfälle bei der Anwendung des neuen Vergaberechts bei der Altlastensanierung“. In einem ersten Themenschwerpunkt behandelte Prof. Hertwig die Frage, als was für eine Art von Auftrag die Altlastensanierung – „Bauleistung“ oder „Dienstleistung“ vergaberechtlich zu qualifizieren sei. Nach Auffassung von Prof. Hertwig stellt die Altlastensanierung eine Dienstleistung dar, da bei der „reinen“ Altlastensanierung kein „Bauwerk“ entsteht.

Nachfordern von Unterlagen
§ 16 Abs. 1 Nr. 3 VOB/A regelt das Nachfordern von Unterlagen nicht abschließend. Es sind drei Fälle zu unterscheiden: Der öffentliche Auftraggeber behält sich von vornherein vor, Erklärungen oder Nachweise nachzufordern Der öffentliche Auftraggeber hat Erklärungen und Nachweise gefordert, ohne die Konsequenzen ihres Fehlens in den Vergabeunterlagen zu regeln Der öffentliche Auftraggeber hat ausdrücklich in den Vergabeunterlagen allen Bietern mitgeteilt, dass das Fehlen geforderter Erklärungen oder Nachweise zum Ausschluss des Angebotes führen muss
Maßgeblich sei, so Prof. Hertwig, der Anhang I der Vergaberichtlinie 2004/ 18/EG und nicht die VOB/A. Etwas anderes gilt z. B. dann, wenn die Erdbewegungen wie Ausschachtungen etc. die Errichtung einer baulichen Anlage vorbereiten sollen. In diesem Fall handelt es sich um Bauarbeiten im Sinne der Richtlinie. In der anschließend speziell zu dieser Abgrenzungsfrage geführten Diskussion gab Prof. Hertwig zu

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erkennen, dass man jeden Einzelfall genau untersuchen und bewerten müsste.

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AAV-Fachtagung

Einen weiteren Schwerpunkt des Vortrags von Prof. Hertwig bildete die Vergabe gemischt-wirtschaftlicher Aufträge. Das Gesetz über Wettbewerbsbeschränkungen bestimme, so Prof. Hertwig, dass die vergaberechtlichen Bestimmungen für diejenige Tätigkeit zur Anwendung kommen, die den Hauptgegenstand darstellt. Zum Gebot der Losvergabe wies Prof. Hertwig auf einen aktuellen Beschluss des OLG Düsseldorf von März 2011 hin, in dem das Gericht ausgeführt habe, dass für die zusammenfassende Vergabe die dafür sprechenden Gründe nicht nur anerkennenswert seien, sondern sogar überwiegen müssten. Das Gericht habe weiter herausgestellt, dass als Grund für die Gesamtvergabe die Vermeidung einer unwirtschaftlichen Zersplitterung bei der Auftragsvergabe sein kann. Prof. Hertwig führte aus, dass das neue Vergaberecht – wie in der vorstehenden Abbildung dargestellt – bei der Behandlung von unvollständigen Angeboten eine differenzierte Vorgehensweise und damit auch mehr Gestaltungsfreiheit zu Gunsten der Vergabestelle erlaube. Abschließend ging Prof. Hertwig auf die Zulässigkeit freihändiger Vergaben und die Weiterbeauftragung von zunächst wegen des geringen Auftragswertes freihändig beauftragten Gutachterbüros ein, die zu einem späteren Zeitpunkt mit weiteren gutachterlichen Leistungen beauftragt werden sollen. Insoweit seien, so Prof. Hertwig, die Voraussetzungen für eine „Direktvergabe“ sehr streng. In Betracht kommen als Gründe für eine freihändige Vergabe Ausschließlichkeitsrechte, Dringlichkeit oder Nachträge sowie ein zuvor durchgeführtes förmliches Verfahren ohne annehmbares Ergebnis.

Zulässigkeit freihändiger Vorgaben/ Zulässigkeit von Verhandlungsverfahren ohne vorherige Bekanntmachung
- Ausschließlichkeitsrecht - Dringlichkeitsrecht - Förmliches Verfahren hatte kein annehmbares Ergebnis „Freiheit durch das Verfahren hindurch“ - Nachträge
In diesem Zusammenhang empfahl Prof. Hertwig, im Zweifelsfall die notwendige Bekanntmachung im europäischen Amtsblatt nicht zu unterlassen. Der erforderliche Aufwand für den „Datenklick“ stehe in keinem Verhältnis zu einem Problem im Falle eines Nachprüfverfahrens. Alle Vorträge wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aufmerksam verfolgt und durch Fragen aktiv begleitet. Tagungsbände sind bei der Geschäftsstelle des AAV erhältlich bzw. können im Internet heruntergeladen werden.

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Jahresbericht 2011

Deponietagung
Veranstaltung „Aktuelle Fragen im Zusammenhang mit der Ablagerung von Abfällen“
Der Auftaktvortrag von Dr. Karl Biedermann (Bundesumweltministerium) ging nach einem kurzen Überblick über die Entwicklung des Deponierechts zur Deponieverordnung ausführlich auf die erste Änderungsverordnung zur Deponieverordnung ein. Obwohl die Deponieverordnung erst im April 2009 in Kraft getreten ist, haben sich eine Reihe von Notwendigkeiten ergeben, die zu Im Rahmen der gemeinsam durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt Landwirtschaft, Natur- Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MKULNV) und den Altlastensanierungs- und Altlastenaufbereitungsverband NRW im BEW am 05.07.2011 durchgeführte Tagung zu „Aktuellen Fragen im Zusammenhang mit der Ablagerung von Abfällen“ konnten eine Reihe von Referenten gewonnen werden, die zu aktuellen Entwicklungen bei der Deponierung von Abfällen berichten konnten. Die bereits mehrfach durch das MKULNV und den AAV in Zusammenarbeit mit dem BEW durchgeführte Veranstaltung war auch in diesem Jahr wiederum in einen thematischen Block zum Deponierecht und einen technischen Teil, der nach der Mittagspause referiert wurde, aufgeteilt. Die weit über 50 Teilnehmer – durchweg Abfallwirtschaftsbeteiligte und Behördenvertreter aus Nordrhein-Westfalen – erhielten im Verlauf des Tages einen Überblick der wesentlichen zu erwartenden ÄnDie wohl bekannteste Änderung ergibt sich aus einer Stellungnahme der EU-Kommission, die bemängelt hat, dass keine Gleichwertigkeitsklausel für Deponieabdichtungssysteme aus dem Ausland enthalten ist. Jedoch setzt die 1. Änderungsverordnung der Deponieverordnung auch weitere wichtige Anpassungen zu Vollzugsfragen, Klärung von Auslegungskonflikten, redaktionellen Anpassungen sowie einer Anpassung des Anhangs 4, der Analyse- und Untersuchungsverfahren behandelt, auf den aktuellen Stand der Technik um. Dr. Biedermann berichtete, dass die vom Bundesrat beschlossenen zahlreichen Maßgaben voraussichtlich im Juli 2011 im Bundeskabinett behandelt werden und nach gegenwärtigem Stand der Dinge eine abschließende Verabschiedung durch den Bundestag im September 2011 erfolgen wird. der jetzigen 1. Änderungsverordnung der Deponieverordnung führten.

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derungen im Deponierecht sowie der angrenzenden Rechtsgebiete.

Jahresbericht 2011

AAV-Fachtagung

Im Folgenden stellte Dr. Biedermann ausführlich die sich ergebenden Änderungen bezüglich der Gleichwertigkeitsklausel, Änderungen der Verordnung bei der Stabilisierung von gefährlichen Abfällen und die Einschränkung der sogenannten Dreifachüberschreitung vor. Eine geplante, wesentliche Änderung der Ausnahmeregelung für die Ablagerung von Abfällen aus der Altlastensanierung ist nach Intervention des Bundesrates wieder entfallen. Neu geschaffen wurden spezielle Ausnahmeregelungen für die Ablagerung von besonderen organikhaltigen Abfällen in UTD. Zusätzlich wird der Bezug zur POP-Verordnung zukünftig als gleitender Verweis ausgestaltet sein. Neben Änderungen, die bereits in dieser 1. Änderungsverordnung der Deponieverordnung berücksichtigt sind, zeichnen sich gegenwärtig zwei weitere Änderungen ab, die aus der Quecksilberverbotsverordnung sowie der Umsetzung der IED-Richtlinie bis Ende 2012 resultieren werden. Prof. Dr. Wilhelm König (MKUNLV) ging in seinem Vortrag auf den Artikel 3 des 2. Arbeitsentwurfs der sogenannten Mantelverordnung ein, der die Novelle der Bundesbodenschutzverordnung beinhaltet. Grundsätzlich begrüßt das Umweltministerium das Verordnungsvorhaben und eine Reihe von Neuregelungen wie die Aufnahme der Begriffsbestimmung zur Natural Attenuation, jedoch besteht in einer Reihe von anderen Punkten noch erheblicher Überarbeitungsbedarf. So ist es aus Sicht des Landes NRW zum Beispiel erforderlich, die Anforderungen an Verfüllungen in der freien Landschaft auf Bodenmaterial einzugrenzen und hier keine sonstigen Stoffe zuzulassen.

Als wichtigen Beitrag stellte Prof. König auch das Statement der Aktionsplattform Bodenschutz (ABO) vor, die sich zum Ziel gesetzt hat, eine praktikable Begrenzung der TOC-Gehalte zu definieren. Als Regelfall wird für Materialien, die entsprechend dem geplanten § 12 b BBodSchV unterhalb der durchwurzelbaren Bodenschicht ein Wert von 1 Masse-% TOC vorgeschlagen, der bei zusätzlicher Einhaltung eines DOC-Wertes von 10 mg/l im Eluat auf max. 5 Masse% TOC ansteigen darf. Zusätzlich sollen auch Sonderregelungen für Gebiete mit erhöhten Gehalten an organischem Kohlenstoff möglich sein. Prof. König sprach sich abschließend in seinem Vortrag dafür aus, mittelfristig eine Harmonisierung der Untersuchungsmethoden anzustreben, hierbei hob er insbesondere die Deponie-Verordnung heraus. Dr. Christel Wies (MKUNLV) stellte in einem weiteren Vortrag zur geplanten Ersatzbaustoffverordnung (EBV), welche den Artikel 2 der sogenannten Mantelverordnung darstellt, zunächst die wesentlichen Elemente der Verordnung dar. Sie hob hervor, dass der wesentliche Zweck der Verordnung für definierte Anwendungen von den begrifflich neu eingeführten Ersatzbaustoffen eine Verfahrenserleichterung für die Unternehmen sein soll, welche Ersatzbaustoffe einbauen. Besonders zu nennen ist hierbei der Wegfall der sonst erforderlichen wasserrechtlichen Erlaubnis. Während also die Verordnung als solche schon lange gefordert und von der Landesregierung begrüßt wird, wird bei dem gegenwärtig vorliegenden 2. Arbeitsentwurf noch in einer Reihe von Punkten Änderungsbedarf gesehen.

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Jahresbericht 2011

Dies betrifft z.B. die Schnittstellen zwischen der Änderung der BBodSchV und der EBV. Ebenfalls wird noch Harmonisierungsbedarf bei den Probenahme-, Elutions- und Analyseverfahren der beiden Verordnungsteile gesehen. Der Vormittag der Veranstaltung wurde durch einen Vortrag von Anita Lerho (MKULNV) zur Thematik der Ablagerung von organisch belasteten Abfällen geschlossen. Die Deponieverordnung und die europäischen Regelungen sehen gegenwärtig nur begrenzt Anforderungen an den zulässigen Gehalt von organischen Inhaltstoffen vor. Aufgrund von Berichten der Bezirksregierungen hat daher das MKULNV einen Auftrag zur Erarbeitung von AblagerungsTabelle 1:

empfehlungen für die Beurteilung von zulässigen Gesamtgehalten an organischen Inhaltstoffen erteilt. Als Schadstoffparameter wurden ausgewählt: Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylol (BTEX) Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (16 PAK nach EPA) Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW als C10 – C40) Leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) Polychlorierte Biphenyle (PCB als Summe der 7 Kongenere) Polychlorierte Dibenzodioxine und –furane (PCDD/PCDF) und dioxinähnliche PCB (die sogenannten dl-PCB) Herbizide im Gleisschotter

Orientierungswerte für die Ablagerung in Deponien der DK 0 bis II (maximal zulässige Schadstoffkonzentration im abzulagernden Abfall) sowie Orientierungswerte für die Rekultivierungsschicht
Deponie-Klasse DK 0 DK I DK II Rekultivierungsschicht BTEX (mg/kg) 6
3)

PAK16 (mg/kg) 30
3)

MKW (C10-C40) (mg/kg) 500
3)

LHKW 1) (mg/kg) 2 10 25 1

PCB7 (mg/kg) 1
3)

PCDD/F TE 2) (µg/kg) 1 10

30 60 1

500 1.000 5
6) 4)

4.000 8.000 100

5 10 0,1
5) 6)

10 0,1

Erläuterungen 1 Summe der halogenierten C1- und C2- Kohlenwasserstoffe 2 Summe berechnet auf der Grundlage der TE-Faktoren nach Anhang IV POP-Verordnung 3 Übernahme des Grenzwertes aus der DepV bei Ablagerung in Deponien der DK 0 4 Abweichend kann Straßenaufbruch mit höheren PAK-Gehalten auf Deponien entsorgt werden 5 Übernahme des Grenzwertes aus dem Anhang 4 der POP-VO; oberhalb dieser Grenzwerte unterliegen die Abfälle dem Zerstörungsgebot und eine oberirdische Abtragung ist nicht zulässig (für PCB wurde der Grenzwert aus der POP-VO umgerechnet auf PCB7 nach DepV, d.h. Division durch 5) 6 Übernahme des Grenzwertes aus der DepV für die Rekultivierungsschicht. Bei PAK-Gehalten von mehr als 3 mg/kg ist mit Hilfe eines Säulenversuches nachzuweisen, dass in dem zu erwartenden Sickerwasser ein Wert von 0,20 µg/l nicht überschritten wird. (Wert und Anmerkung übernommen aus DepV, Anhang 3 Tabelle 2.)

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Jahresbericht 2011

AAV-Fachtagung

Der Bericht liegt mittlerweile vor, nachdem zuvor auch Anhörungen der beteiligten Kreise erfolgt sind. Bild 2 zeigt einen Ausschnitt der inzwischen durch die Umweltministerkonferenz am 04.11.2011 zustimmend zur Kenntnis genommenen Vollzugshilfe. Eine Festlegung von Grenzwerten für die Deponien der Klasse III soll nicht erfolgen. Die Vollzugshilfe ist inzwischen in NRW per Erlass vom 06.12.2011 als Entscheidungshilfe für die zuständigen Behörden eingeführt worden. Während des Nachmittags wurde auf Fragestellungen aus technischer Sicht eingegangen. Den Auftakt bildete hier Dr. Michael Tiedt, der die neuesten Entwicklungen bei technischen Anforderungen an Dichtungssysteme für Deponien vorstellte. So ist aus dem Bereich der Geokunststoffe über neue Zulassungen bzw. anstehende Zulassungen zu berichten. Weiterhin wird das System der Asphaltdichtungsbahn durch einen neuen Eignungsantrag des Deutschen Asphaltinstituts wieder interessant. Auch wird über Modifikationen bei den technischen Funktionsschichten bis hin zu vollständig gekoppelten Funktionen diskutiert. Abschließend wies Dr. Tiedt noch auf das Arbeitsblatt des LANUV „Technische Anforderungen und Empfehlungen für Deponieabdichtungssysteme“ hin. Einen völlig neuen Ansatz stellte Stefan Bölte vom Kreis Coesfeld vor. Der Kreis hat an der Deponie Coesfeld-Höven, welche sich in der Stilllegungsphase befindet, eine detaillierte Untersuchung über die Fragestellung „Nachsorge oder Rückbau?“ durchgeführt. Interessant ist diese Betrachtung für den Kreis vor allem vor dem Hintergrund der Schonung natürlicher Ressourcen

sowie der Senkung der Nachsorgekosten für die abgelagerten Abfälle, falls der Rückbau einer Deponie ein möglicher Weg ist. Im Rahmen einer Untersuchung wurden die unterschiedlichen Abfallfraktionen aus den unterschiedlichen Ablagerungsphasen detailliert aufgeschlüsselt und durch vorangegangene Siedlungsabfallanalysen oder auch Schurfuntersuchungen im Deponiekörper belegt. Es ergibt sich ein Schichtenverzeichnis aus verschiedenen Ablagerungsphasen. Anhand der vorliegenden Daten können dann verschiedene Szenarien durchgerechnet werden, die eine Aussage darüber erlauben, ab welchem Zeitpunkt der sogenannte „break-even-Punkt“ erreicht ist. Legt man die Annahme zugrunde, dass eine Verdopplung der Rohölpreise in 50 Jahren erreicht wird, so wird nach Einschätzung von Bölte in jedem Fall in Zukunft der Rückbau, das „urban mining“ von Siedlungsabfalldeponien, wirtschaftlich sein. Es ist gegenwärtig nur noch offen, wann dieser Zeitpunkt erreicht sein wird. Im Anschluss berichtete Michael Trapp über das neue ADDISweb, welches als Abfalldeponiedatensystem durch IT NRW unter der Leitung des LANUV und einer Betreiber-/Behörden-AG entwickelt worden ist.

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AAV-Fachtagung

Jahresbericht 2011

Der zentrale Anspruch der Datenbank mit Web-Oberfläche ist die Umsetzung der aufgrund der neuen Deponieselbstüberwachungsverordnung neu geregelten Kommunikation zwischen Betreibern und Behörden. Diese ist zukünftig für alle Beteiligten einfacher und komfortabler gestaltet worden, wobei die unterschiedlichen Benutzergruppen aufgrund der differenzierten Nutzerrechte jeweils einen unterschiedlich gestalteten Einblick in die Datenbank erhalten. Neu hinzu gekommen ist auch eine Zugriffsmöglichkeit für die interessierte Öffentlichkeit. Nach einem Update Mitte 2011 steht die Datenbank in vollem Funktionsumfang zur Verfügung und soll durch Einführung weiterer Routinen noch optimiert und verbessert werden. Den Abschluss der Veranstaltung stellte ein Vortrag von Dr. Gottfried Lennartz zum Thema „Sickerwasserminderung bei einer Altablagerung durch Bewaldung mit Douglasien“ dar. Diese Maßnahme weicht von konventionellen Methoden einer Deponieoberflächenabdeckung ab und soll in diesem Fall eingesetzt werden, um anstelle einer konventionellen Oberflächenabdeckung durch eine Verdichtung des Bewuchses die Bildung von Sickerwasser am Standort erheblich zu reduzieren.

Die Reduktion des Sickerwassers soll zukünftig auf einer Steigerung der sogenannten Interzeptions- sowie der Transpirationsrate des Niederschlagswassers durch die mittlerweile angepflanzten Douglasien basieren. Aus diesem Grund sind Nadelbäume vorteilhafter als Laubbäume, da sie in den regenreichen Jahreszeiten (Winter) größere Wassermengen in die Atmosphäre abgeben, als dies Laubbäume vermögen, die dann keine Blätter tragen. Eine detaillierte Beschreibung findet sich auch im Artikel auf Seite 50 dieses Jahresberichtes.

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Jahresbericht 2011

AAV-Fachtagung

AAV-Fachtagung 2011
Etwa 150 Teilnehmer hatten sich zur AAV-Fachtagung 2011 in Hattingen eingefunden, die diesmal zwei Monate früher als üblich stattfand und mit dem Titel „Flächenrecycling und Flächenmanagement“ den neuen Schwerpunkt in der Arbeit des Verbandes hervorhob. Nach der Begrüßung durch Geschäftsführer Gerhard Kmoch übernahm Prof. Dr. Wilhelm König vom Ministerium für Klima, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW den Einführungsvortrag zu aktuellen Entwicklungen im Bereich Flächenrecycling und Altlastensanierung auf Bundes- und Landesebene. Für die sog. Mantelverordnung gibt es nach Diskussion des letzten Entwurfs vom 9.1.2011 in der Ressortabstimmung weiterhin umstrittene Punkte, vor allem bei der Ersatzbaustoffverordnung. Aber auch die Verfüllungsanforderungen in § 12b der BBodSchV (unterhalb oder außerhalb einer durchwurzelbaren Bodenschicht) werden noch diskutiert. Zu einem Termin für einen neuen Arbeits- oder Referentenentwurf der Mantelverordnung gibt es derzeit keine Informationen. Im Gespräch ist weiterhin die europäische IED-Richtlinie (IndustrieEmissionsrichtlinie). Aus Sicht des Bodenschutzes geht es vor allem um erhebliche Boden- und Grundwasserverschmutzungen nach Artikel 22; zu diesem Thema gab es am Nachmittag zwei spezielle Vorträge.

Flächenrecycling im Fokus unterstreicht neuen Schwerpunkt
von Hans Joachim Schmitz

Dr. Christoph Epping von der Düsseldorfer Staatskanzlei sprach über die Bedeutung der Fläche im neuen Landesentwicklungsplan NRW. 2012 soll ein neuer Landesentwicklungsplan den letzten LEP von 1995 ersetzen. Neben der Anpassung an die regional unterschiedliche demographische Entwicklung ist die sparsame Flächeninanspruchnahme ein zentrales Anliegen, gekoppelt mit einem Vorrang der Innenentwicklung. Dem Flächenrecycling und der Wiedernutzung von Brach- und Konversionsflächen kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Thomas Lennertz, Geschäftsführer der Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft in Essen, gab interessante Erläuterungen zur Wiedernutzung von Bahnbrachen. Zunächst ist festzustellen, dass „die Bahn“ nicht der alleinige Eigentümer ehemaliger Bahnflächen ist und dass als Ansprechpartner für die einzelnen Bereiche eines ehemaligen Bahnhofs verschiedene Bahntöchter, Immobiliengesellschaften in der Nachfolge

Über 140 Teilnehmer kamen nach Hattingen

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AAV-Fachtagung

Jahresbericht 2011

des Bundeseisenbahnvermögens und auch private Projektentwickler zu kontaktieren sind. Lennertz stellte Beispiele für zahlreiche erfolgreiche Vermarktungserfolge vor, die zur Ertüchtigung oder Neunutzung von Bahnhöfen und deren Umfeld oder zu Impulsen für städtebauliche Lösungen beigetragen haben. Interessant, dass entgegen anderslautenden Vorstellungen der Anteil der Flächen, die einer Altlastensanierung bedürfen, eher gering ist: Von 750 durch die BEG bearbeiteten Flächen wiesen höchstens zehn gravierende Altlastprobleme auf. Über den neuen Flächenpool NRW sprach Dr. Rolf Heyer, NRW.URBAN GmbH. In ihm werden Brachflächen des Grundstücksfonds NRW und der Bahnflächenpool der BEG zusammengefasst. Das bedeutet ein enormes Innenentwicklungspotenzial von gewerblichen Brachflächen, Montanstandorten und militärischen Standorten mit zusammen über 20.000 ha; dazu allein bis zu 15.000 ha der Deutsche Bahn AG. Darüber hinaus gibt es Handelsbrachen (Discounter, Möbelhäuser, Baumärkte), Wohnbrachen und Sonderimmobilien von Telekom, Post usw. Kommunen, die sich an dem Flächenpool beteiligen wollen, müssen u.a. vertraglich dem Bestand einen Vorrang vor Freiflächen einräumen. Das Land tritt mit Ablaufsteuerung, Moderation und Aufklärung in Vorleistung, später erfolgt eine schrittweise Kostenerstattung durch Eigentümer und Kommunen. Für dieses Modell, bei dem das Land aktiv mitwirkt, befinden sich 10 Kommunen in der Pilotphase. Am 6. Januar 2011 ist die Richtlinie

sie muss bis zum 7.1.2013 in nationales Recht umgesetzt werden. Wie RA Nikolaus Steiner berichtete, ersetzt die Industrie-Emissionsrichtlinie die IVU-Richtlinie 2008/1/EG sowie sechs weitere sektorale Richtlinien, in denen materielle Anforderungen und Genehmigungen großer Industrieanlagen (Spalte 1 der 4. BImSchV) europarechtlich geregelt waren. Um das Ziel zu erreichen, dass bestimmte Industrieanlagen keine Qualitätsverschlechterung bei Boden und Grundwasser hervorrufen, muss ab Anfang 2013 ein Bericht über den Ausgangszustand von Boden und Grundwasser bei Neuund Änderungsgenehmigungen erstellt werden. Bei Stilllegung der Anlage ist der Ausgangszustand (bei Abfassen des Berichts) wieder herzustellen, wenn erhebliche Boden- und Grundwasserverschmutzungen durch relevante gefährliche Stoffe (im Sinne der CLP-Verordnung) verursacht wurden. Leider enthält die IED teilweise eine schwer verständliche Gesetzessprache und Regelungssystematik sowie zahlreiche unbestimmte Rechtsbegriffe, die gesetzlich nicht definiert sind, sodass eine Umsetzung 1:1 sehr problematisch wäre. Außerdem passt der Artikel 22 der Richtlinie nicht in die bisherige Systematik der Altlastenbearbeitung in Deutschland. Die Position der Wirtschaft zum Ausgangszustandsbericht (AZB) nach § 22 IED erläuterte Dr. Joachim Schabronath von der RAG AG. Er beklagte, dass man angesichts der 2007 festgestellten ungenügenden Umsetzung der IVU nicht die säumigen Mitgliedsstaaten zur besseren Anwendung ermuntert, sondern mit der IED wesentliche Verschärfungen beschlossen hat, die damit auch Deutschland berühren und ange-

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2010/75/EU (IED – Industrial Emissions Directive) in Kraft getreten,

Jahresbericht 2011

AAV-Fachtagung

sichts unseres funktionierenden Bodenschutzrechts ärgerlich sind. Der AZB ist lediglich eine Zustandserfassung und löst keine sofortige Sanierungsverpflichtung aus; dies geschieht allenfalls nach Stilllegung der Anlage. Bei der Umsetzung in deutsches Recht erwartet die Wirtschaft eine schlanke, sachgerechte, angemessene und praxistaugliche Ausgestaltung, die gleichzeitig einem Bürokratieabbau im Umweltrecht dient. AAV-Projektleiter Dr. Ernst-Werner Hoffmann stellte anschließend aus der großen Zahl von durchgeführten Projekten des Verbandes fünf abgeschlossene Flächenrecyclingmaßnahmen vor, an denen der AAV beteiligt war. Die ehemalige Elektrochemische Fabrik Kempten (ECF) im Kreis Viersen war eine 45.000 m² große Industriebrache, die in den Jahren 2004 und 2005 für eine industrielle Nachnutzung saniert wurde. Die Herstellung von Eiweißleim aus Lederresten, Klebstoffen, Eiweißchemie und weiteren Chemikalien hatte 150.000 t geruchsintensive Produktionsabfälle sowie 7.000 t schwer zu behandelnde Lederlappenreste hinterlassen; letztere waren thermisch zu behandeln. Insgesamt 250.000 t Abfälle aus Bodenbewegungen fielen an. Derzeit läuft weiterhin eine Grundwassersanierung als Pump-and-Treat-Maßnahme, die auf eine (E)NA-Maßnahme umgestellt werden soll. Weitere Beispiele waren die 13,8 ha große Konversionsfläche des früheren Militärgeländes Camp Pirotte in AachenBrand, auf dem Gewerbegrundstücke entstehen sollen, die Sanierung und Nachnutzung einer ehemaligen Teerfabrik in Bochum-Werne zu einer Grünfläche neben einem Wohngebiet sowie die Sanierung des Gaswerkgeländes Sedanstraße im Stadt-

umbaugebiet City West in Hamm. Auf diesem 11.500 m² großen Altstandort wird ein Wohnpark mit Grünflächen entstehen. Auf dem Gelände der ehemaligen Union-Werke in Werl, in innenstadtnaher Lage, werden nach Totalsanierung inmitten öffentlicher Grünflächen Einfamilienhäuser gebaut. Über dieses Flächenrecyclingprojekt hat TerraTech in Heft 9/2008 ausführlich berichtet.

Dr. Joachim Schabronath

Zum Abschluss erläuterte Gastgeber Gerhard Kmoch noch einmal das Kooperationsmodell, Aufbau und gesetzliche Aufgaben des Altlastensanierungs- und Altlastenaufbereitungsverbands NRW, bevor er auf neue Aufgaben des AAV beim Flächenrecycling unter einem „neuen“ AAV-Gesetz einging. Auf jeden Fall sollten sich Entwicklung und Erprobung neuer Technologien auf das Flächenrecycling ausdehnen, und auch über die Implementierung neuer Versicherungslösungen im Flächenrecycling sollte nachgedacht werden. Ein Altlastenrisikofonds könnte unbestimmte Restrisiken im Flächenrecycling abdecken, der AAV könnte technische Risiken bewerten. Damit verbunden ist ein weiterer Ausbau der Beratungstätigkeit des Verbandes.

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Jahresbericht 2011

Maßnahmenplan des AAV (Stand 20.09.2011)
Projekt-Nr. Projektname	 7003	 7005	 7008 7009	 7014	 7016	 7023	 7024	 7034	 7036 7038	 7040	 7041	 7042	 7044	 7047	 7048	 7049	 7051	 7052	 7054	 7056	 7057	 7058	 7060	 7062	 7063	 7065	 7066	 7067	 7068	 7069	 7070	 7071	 7073	 Ehemalige Zeche und Kokerei Massen ¾ in Unna	 Ehemalige Färberei und Großwäscherei Salzbergener Straße in Rheine Elektrochemische Fabrik in Kempen (ECF) Rhenania-Halde in Stolberg-Atsch Ehemalige Schachtanlage und Kokerei Rheinpreußen IV in Moers Ehemalige Knochenmühle Brand in Langenfeld Ehemalige chemische Reinigung Volz in Mönchengladbach-Giesenkiese CKW-Grundwasserschaden Bahnstraße in Kaarst-Büttgen Altablagerung „An der Schlinke“ in Witten-Annen	 Ehemaliges Militärgelände Camp Pirotte in Aachen-Brand Ehemalige Galvanik Goldau in Solingen Ohligs Ehemalige Industriewäscherei Hünerbein in Düren Ehemalige Metallverarbeitungsfirma Susan in Netphen Ehemalige Chemische Reinigung Hemesath in Kempen Ehemalige Wäscherei und chemische Reinigung Raupach in Gladbeck		 Ehemaliges Werksgelände der Dachpappenfabrik Raschig in Bochum	 Ehemalige Dachpappenfabrik Dr. Kohl in Dorsten	 Grundwasserverunreinigung Hilden/Benrath			 Ehemalige chemische Reinigung Schurmann in Hamm		 Metallwarenfabrik August de Haer in Troisdorf		 Ehemalige Zeche und Kokerei Prosper I in Bottrop			 Altdeponie Brandheide in Castrop-Rauxel			 Ehemalige Büromöbelfabrik Fermata in Welver		 Altablagerung „Am Welschenhof“ in Duisburg			 Ehemalige Dachpappenfabrik Therstappen in Neuss		 Ehemaliges Gaswerk Sedanstraße/Stadtumbaugebiet City West in Hamm Ehemalige chemische Großreinigung Froitzheim in Krefeld		 Galvano Fischer in Remscheid		 Habbecketal in Lennestadt Ehemaliges Gaswerk Dessauer Straße in Mönchengladbach-Rheydt	 LCKW-Grundwasserverunreinigung in Schwalmtal-Waldniel	 Ehemalige Dachpappenfabrik Westermann in Minden	 Gewerbebrachen Bahnhofshinterfahrung in Hagen	 PFT-Verunreinigung „Lager 61“ in Düsseldorf	 Textilreinigungsbetrieb Nagelschmidt in Rheine	 	 Anmeldende Behörde	 Art der Altlast SU SP S 	 	 	 Kreis Unna	 Kreis Steinfurt	 	 Kreis Viersen	 Kreis Aachen	 Kreis Wesel Kreis Mettmann	 Stadt Mönchengladbach Rhein-Kreis Neuss	 	 Ennepe-Ruhr-Kreis	 Stadt Aachen Stadt Solingen	 Kreis Düren	 Kreis Siegen-Wittgenstein Kreis Viersen	 Kreis Recklinghausen Stadt Bochum	 Kreis Recklinghausen Kreis Mettmann	 Stadt Hamm	 Rhein-Sieg-Kreis	 Stadt Bottrop	 Kreis Recklinghausen Kreis Soest	 Stadt Duisburg	 Rhein-Kreis Neuss	 Stadt Hamm	 Stadt Krefeld Stadt Remscheid	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AA mit GW	 AS mit GW AS mit GW	 AS mit GW	 AA mit GW	 AS AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW AS mit GW AS mit GW	 AS mit GW	 LB mit GW	 AS mit GW		 AA mit GW		 AS mit GW	 AA mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW AS mit GW LB mit GW 	 X X X 	 X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X 	 X X X X X X X X X X X X X X X X X

X AS mit GW		 X X

X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X

Kreis Olpe AA mit GW Stadt Mönchengladbach	 AS mit GW Kreis Viersen	 Stadt Hagen	 Stadt Düsseldorf	 Kreis Steinfurt	 unbekannt AS mit GW AS mit GW LB mit GW Kreis Minden-Lübbecke	 AS mit GW

Zur Aufnahme in den Maßnahmenplan 2012 vorgeschlagene Projekte
7074	 7075	 7076	 7077	 7078	 Ehemalige Galvanik Blasberg in Remscheid	 Ehemaliges Gaswerk Roitzheimer Straße in Euskirchen	 Ehemalige chemische Reinigung Kotzenberg in Lage	 Altablagerung „Gauhes Wiese“ in Eitorf/Sieg LB mit GW Ehemalige ORION-Werke in Ahlen	 Stadt Remscheid Kreis Euskirchen	 Kreis Lippe	 Rhein-Sieg-Kreis	 Kreis Warendorf	 AS mit GW AS mit GW AS mit GW AA mit GW AS mit GW X X X X X X X X X X X X X X X

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Jahresbericht 2011

Altlastensanierung und Flächenrecycling

Abgeschlossene und zurückgestellte Projekte
Projekt-Nr. Projektname	 7001	 7004 7006	
7007	

Anmeldende Behörde	 Art der Altlast SU SP S
AS mit GW 	 AS mit GW

Schönebecker Schlucht/ehem. chemischer Kleinbetrieb Fa. Heßling in Essen Stadt Essen	
- abgeschlossen -

X X X X X X X X X X X X X X X X X X

Ehemalige Großwäscherei Ferster in Bornheim-Roisdorf
- abgeschlossen -

Rhein-Sieg-Kreis

Ehemalige Wäscherei und Chemische Reinigung Hoff in Hilden
- abgeschlossen -

Kreis Mettmann	

AS mit GW

Ehemalige Großwäscherei „An der Waldesruh“ in Mönchengladbach
- abgeschlossen -	

Stadt Mönchengladbach AS mit GW

7010	
7011	 7012	 7015	 7018	 7019	 7020	

Ehemalige chemische Fabrik Rüsges & Co. in Eschweiler - abgeschlossen Ehemalige Weberei Goost in Steinfurt-Borghorst - abgeschlossen Pilotvorhaben zum mikrobiologischen in-situ-Abbau von LCKW am Standort „Große Holtforth“ in Kamp-Lintfort - abgeschlossen - 	

Kreis Aachen	
Kreis Steinfurt	 Kreis Wesel	

AS mit GW
AS mit GW 	 X AS mit GW AS mit GW AS mit GW AS mit GW AS mit GW

Ehemalige Schachtanlage und Kokerei Emscher in Essen - abgeschlossen -	 Stadt Essen	

Ehemaliges Chemikalienlager der Fa. Kertess in Bocholt - zurückgestellt - Kreis Borken	 Ehemalige Zinkhütte Eppinghofen in Mülheim an der Ruhr - abgeschlossen - 		 	 	 Stadt Halle (Westf.)	 Stadt Mülheim	

Ehemalige Gerberei Imsande in Halle (Westf.) - abgeschlossen -	 Ehemalige Dachpappenfabrik der Fa. Ranke in Dortmund
- abgeschlossen -

7022	 7025	
7026	

Stadt Dortmund	
Stadt Werl Stadt Bonn 	 Kreis Steinfurt Stadt Lüdenscheid	 Kreis Höxter	 	

AS mit GW
AS mit GW AA

Ehemaliges Werksgelände der Fa. UNION in Werl - abgeschlossen Arsenschadensfall III Real- und Sonderschule in Bonn-Beuel - abgeschlossen - 	

7027	
7029	 7030	

Tankstelle Heeger in Hörstel-Dreierwalde - abgeschlossen -	
Gewerbegebiet Brügge in Lüdenscheid - abgeschlossen -	 	 Holz- und Imprägnierwerk Strasser in Willebadessen-Borlinghausen - abgeschlossen -	

AS mit GW 	 X X X AS mit GW AS mit GW

X X X X

7031	 7032	 7035	 7037	
	

Baaske Hartchrom in Wuppertal - abgeschlossen -	 Lackfabrik Brocolor in Gronau	 - abgeschlossen Ehemaliger Metallverarbeitungsbetrieb Wortmann in Iserlohn
- abgeschlossen -

Stadt Wuppertal	
Kreis Borken

LB mit GW
AS mit GW

X X X X X X X X X X X X X X

Stadt Iserlohn	 Stadt Mönchengladbach

AS mit GW AS mit GW
AS mit GW

Ehemalige chemische Reinigung Schaefer in Mönchengladbach-Rheydt
- abgeschlossen -

7039	 7043	 7045	 7046	 7050	
7053	 7055	

Ehemalige Büdericher Ziegelwerke in Wesel-Büderich - abgeschlossen -	 Kreis Wesel Ehemalige Galvanik Greitemann in Olpe - abgeschlossen Kreis Olpe	 Ehemalige Warps-Spinnerei II in Borghorst - abgeschlossen Gewerbestandort Bahnhof Lüdenscheid Mitte in Lüdenscheid
- abgeschlossen Kreis Steinfurt Stadt Lüdenscheid

AS mit GW
AS mit GW AS

X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X

Sägewerk Stellberg in Overath - abgeschlossen Ehemalige chem. Großreinigung Helmrich in Hamm - zurückgestellt - 		 Gewerbepark Münsterbusch in Stolberg - zurückgestellt -

Rheinisch-Bergischer Kreis
Stadt Hamm	 Kreis Aachen	 Kreis Warendorf	 Stadt Herne	

LB mit GW
AS mit GW AS mit GW AS mit GW AS mit GW

7059	 7061	 7064	

Ehemalige Gießerei Görges in Ennigerloh - zurückgestellt Ehemalige Zeche und Kokerei Julia in Herne - zurückgestellt Ehemalige Färberei Kuhlen/Grundschule Schlebusch in Leverkusen
- abgeschlossen -

Stadt Leverkusen

AS	

Verwendete Abkürzungen: SU = Sanierungsuntersuchung SP = Sanierungsplanung

S = Sanierung AA = Altablagerung AS = Altstandort

GW = Grundwasserverunreinigung LB = Laufender Betrieb

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Jahresbericht 2011

Flächenrecycling
Sanierung des Altstandortes einer ehemaligen chemischen Reinigung

in Kempen

Auf dem ca. 2.845 m² großen Altstandort der ehemaligen chemischen Reinigung Hemesath wurden nach dem Abbruch der ehemaligen Betriebsgebäude (weitere Informationen hierzu sind im AAV-Jahresbericht 2010 enthalten) umfangreiche Sanierungsuntersuchungen durchgeführt, um die Schadstoffverteilung in der wasserungesättigten und der wassergesättigten Bodenzone sowohl horizontal als auch vertikal abzugrenzen. Im Zeitraum von Oktober 2010 bis März 2011 wurden drei Bohrkampagnen mit 59 MIP-CPT-Sondierungen und 33 BAT-Probenahmen durchgeführt, um ein möglichst genaues Bild der Schadstoffverteilung zu bekommen. Nach Auswertung der Untersuchungsergebnisse ist davon auszugehen, dass sich der Haupteintragsherd im Bereich der ehemaligen Reinigungsanlagen befindet. Zusätzlich gibt es einen zweiten sekundären Eintrag im Bereich der Einfahrt an der Straße, der auf das defekte Kanalsystem (Übergabeschacht Schmutzwasser) zurückgeführt wird. Die CKW-Belastungen wurden vorwiegend im Teufenbereich 5 – 20 Meter unter GOK angetroffen, der charakterisiert ist durch sandige Kiese mit hoher hydraulischer Durchlässigkeit. Ab 20 Meter unter GOK wurden bereichsweise tonige Schichten und Ortsteinhorizonte angetroffen.

Die weitere Verlagerung der Schadstoffe in größere Tiefen wurde durch sehr gering durchlässige Schichten in Wechsellagerung mit sehr gut durchlässigen Kiesschichten weitgehend verhindert. Sowohl für den Haupteintragsherd als auch für die sekundäre Quelle ist aufgrund der massiven CKWGehalte bis zu 190.000 µg/l (oberhalb der Löslichkeitsgrenze!) davon auszugehen, dass CKW in Phase vorhanden sind. Eine Abschätzung kommt zum Ergebnis, dass in der CKW-Fahne und im Bereich des Kernschadens ca. 8 Tonnen CKW gelöst und sorbiert sind. Die Überprüfung des unmittelbaren Abstroms zeigt, dass die vom Ordnungspflichtigen eingeleitete hydraulische Maßnahme für die Primärquelle zumindest in den letzten Jahren eine weitere Ausbreitung der Schadstoffe über den Altstandort hinaus weitgehend verhindert hat. Die Sekundärquelle an der Straße konnte sich jedoch ungehindert ausbreiten, da die hydraulische Maßnahme diese nicht erfasst hat.

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Jahresbericht 2011

Altlastensanierung und Flächenrecycling

Die Untersuchungen im Unterstrom zeigen, dass sich zwei parallele CKWFahnen ausgebildet haben. Zudem ist festzustellen, dass in Richtung Abstrom die CKW-Belastung in größere Tiefen abtaucht, so dass dort eine Sanierung nur mit erheblichem Aufwand durchführbar wäre. Da hier keine relevanten Nutzungen vorhanden sind, soll auf zusätzliche Maßnahmen zur Sanierung des Grundwassers im fernen Unterstrom in Absprache mit der zuständigen Wasserbehörde verzichtet werden. Mit Hilfe des schon bestehenden Grundwassermodells wurde ein hydraulisches Konzept für den Grundwasserleiter entwickelt, das sich auf Maßnahmen im Kernschadenbereich (Quelle) und im nahen Unterstrom konzentriert. Die Quellensanierung soll temporär, d.h. während der laufenden Bodensanierung sowie einige Zeit nachlaufend erfolgen, um die durch die Bodensanierung zu erwartende massive Schadstoffmobilisierung abzufangen. Da nach der Bodensanierung das Schadstoffreservoir im Quellbereich zum großen Teil entfernt ist, wird davon ausgegangen, dass die Grundwasserbelastungen nach der

abgeschlossenen Bodensanierung deutlich sinken werden, so dass dann eine hydraulische Maßnahme im Quellbereich entbehrlich wird. Der AAV und die weiteren Projektbeteiligten Kreis Viersen sowie Stadt Kempen haben sich darauf verständigt, dass die im Zuge der Abbruchmaßnahme demontierte und zwischengelagerte bisherige Grundwasserreinigungsanlage für die neu geplante Grundwassersanierung erneut genutzt wird und nach Ertüchtigung wieder in Betrieb gehen soll (8 m³/h Förderrate). Aufgrund der massiven CKW-Belastungen im nahen Unterstrom soll hier eine weitere langfristig angelegte hydraulische Maßnahme realisiert werden, bei der aus drei Sanierungsbrunnen mit je etwa 6 m³/h gefördert wird. Das hydraulische Konzept stellt aus Sicht der Projektbeteiligten eine wirkungsvolle und zugleich wirtschaftlich tragbare Lösung dar, um mit verhältnismäßigen Mitteln eine deutliche Verbesserung der Grundwassersituation zu erzielen.

Oberirdischer Abbruch des Betriebsgeländes

27

Altlastensanierung und Flächenrecycling

Jahresbericht 2011

Vertikale VOCVerteilung am Beispiel des Messpunktes MIP 5

Zurzeit wird ein Sanierungskonzept erarbeitet, das im Wesentlichen die Entfernung der Fundamentreste der ehemaligen Betriebsgebäude sowie den gezielten Bodenaustausch der erkannten Belastungsbereiche vorsieht. Eine bisher nicht erfasste Sekundärquelle wurde im Bereich der Einfahrt zum Grundstück lokalisiert. Der Kontaminationsbereich liegt teilweise im Straßenbereich und damit zwischen und unterhalb von zwei großen Abwassersammlern und verschiedenen weiteren Versorgungsleitungen (Gas, Wasser, Strom und Telekom). Damit kann hier ein Bodenaustausch nur mit sehr hohen Kosten erfolgen, die unverhältnismäßig wären.

Es sollen in Abstimmung mit dem Kreis Viersen und der Stadt Kempen ausdrücklich keine konkreten Sanierungszielwerte festgelegt, sondern nur „verbalargumentativ“ beschrieben werden. Für den Standort wurden nachfolgend genannte Sanierungsziele abgestimmt: Unterbindung der Schadstoffmobilisierung von der Quelle in Richtung Abstrom (durch die im Quellbereich geplante temporäre hydraulische Maßnahme) Größtmögliche Schadstoffentfrachtung zur Reduzierung der Sanierungsdauer (durch die in den Quellbereichen geplante Bodensanierung) Unterbinden der Schadstoffver-

Als denkbare Variante kommt hier ggf. eine chemische In-situ Oxidation (ISCO) der gelösten Schadstoffe in Betracht, da hier nur „minimalinvasive“ Eingriffe in den Boden notwendig sind.

frachtung in tiefere Aquiferbereiche auf der Ebene der im nahen Unterstrom geplanten hydraulischen Maßnahme. Durch die zentrale Lage des Areals im Zentrum der Stadt Kempen wird das Grundstück nach der Sanierung

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für eine hochwertige Wohnbebauung sehr attraktiv sein. Erste Konzepte für die Nachnutzung werden von der Stadt Kempen bereits entwickelt.

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Ehemaliges Militärgelände
Das ca. 14 Hektar große, ehemalige belgische Militärgelände Camp Pirotte liegt im Südosten von Aachen im Stadtbezirk Brand. Ziel der Stadt Aachen für das Camp Pirotte ist die Entwicklung eines Gewerbegebietes für kleinere und mittlere Unternehmen zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Ende 2012 werden die Industriebrache saniert und die letzten Reste der militärischen Nutzung verschwunden sein. 112.000 m² der Fläche sollen gewerblich vermarktet werden, 4.500 m² stehen für eine Mischnutzung zur Verfügung. Der Rest teilt sich auf in Straßen- und Grünflächen. Auf dem Gelände befinden sich oberflächennah großflächig mit schwermetallhaltigen Schlacken und untergeordnet mit Aschen aufgefüllte Bereiche, die durch erhöhte Schadstoffgehalte an Arsen, Blei, Kupfer und Zink gekennzeichnet sind. Da die Prüfwerte der Bundes-Bodenschutz-Verordnung (BBodSchV) für die Nutzungsart „Gewerbe“ für Blei und insbesondere für Arsen deutlich überschritten werden, besteht im Hinblick auf die geplante kleinteilige gewerbliche Nutzung des Geländes Sanierungsbedarf für die schwermetallhaltigen Schlacken- und Aschenauffüllungen. Als Sanierungsziel wurde von der Stadt Aachen die vollständige Dekontamination und Entsorgung des schwermetallbelasteten Schlacken- und Aschenmaterials festgesetzt. Zur Vorbereitung der Abbruch- und Sanierungsmaßnahmen wurden im Dezember 2010 durch den AAV ergänzende Detail- und Standortuntersuchungen sowie die Erstellung eines Sanierungs- und Rückbaukonzeptes in Auftrag gegeben. Die Ende Mai 2011 vorgelegten Berichte präzisieren die Belastungssituation und haben die Voraussetzungen für die Sanierung der Schlacken- und Aschenauffüllungen sowie für den geordneten Rückbau der Bausubstanz geschaffen. Im Rahmen der Sanierung und Baureifmachung des Standortes ist parallel ein geordneter Rückbau der auf dem Gelände vorhandenen Gebäude, Straßen, Gleise, eines Löschteichs etc. geplant.

Camp Pirotte in Aachen-Brand

Luftbild des Altstandortes

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Neben einem kleinräumigen Ölschaden im Bereich einer Montagegrube (ca. 150 m³) wurden insgesamt 14 sanierungsbedürftige Schlackenfelder kartiert, deren Gesamtmasse auf ca. 27.000 Tonnen abgeschätzt wird. Zusätzlich sind unterhalb von Gebäuden ca. 5.000 Tonnen sanierungsrelevante Schlacken zu erwarten.
Abbruch des Gebäudes Nr. 46

Dem Rückbaukonzept liegt ein detailliertes Kataster aller Gebäude und Flächenversiegelungen zugrunde. In nahezu allen Gebäuden sind Leitungen mit KMF-Dämmungen und die Beleuchtung aus Leuchtstoffröhren mit zugehörigen PCB-gefüllten Kondensatoren als separate Abfälle zu berücksichtigen. Die Verwahrlosung des Geländes in den vergangenen Jahren hat zu erheblichen Zerstörungen und Müllansammlungen geführt. In großem Umfang sind verwertbare Materialien (z. B. Kabel, Heizungen, Rohrleitungen) bereits aus den Gebäuden ausgebaut und Kabelummantelungen und Rohrdämmungen zurückgelassen worden. Beim Rückbau des Camp Pirotte fallen nach vorliegenden Schätzungen ca. 75.000 Tonnen Bauschutt an. Dieser wird getrennt nach Mauerwerks- und Betonabbruch sowie nach oberirdischem Abbruchmaterial und Material aus dem Tiefenabbruch mittels Brecheranlage in Recycling-Baustoffe aufbereitet und zur Verfüllung von Baugruben, als Straßenunterbau und zur Profilierung verwendet. Neben mineralischen Baustoffen fallen diverse Abfälle an, wie z. B. Abbruchholz, ölverunreinigter Bauschutt, Baumischabfälle, PAK-haltige Dachpappen, Siedlungsabfälle, Ausbauasphalt, Asbestzement, Teerkork, Strahlmittelabfälle, künstliche Mineralfasern sowie ölhaltige Restfüllungen von Tanks und Trafos, die ordnungsgemäß zu entsorgen sind. Die Ausschreibung der Rückbauund Sanierungsmaßnahmen erfolgte im Herbst 2011, die Arbeiten sollen spätestens Ende Oktober 2012 abgeschlossen sein. Die Kosten für den Rückbau und die Sanierung werden

Löschteich

Vorzerkleinerung der massiven Fundamente des Gebäudes Nr. 46

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auf ca. 5 Mio. Euro geschätzt. Träger aller Maßnahmen sind der AAV und die Stadt Aachen, die auch die Kosten übernimmt.

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Vorbereitende Arbeiten zum Anwohnerschutz
Als vorbereitende Maßnahme wurde das Gesamtgelände im Zeitraum von Dezember 2010 bis Februar 2011 gerodet, wobei Baumgruppen an der Vennbahntrasse und zum Schutz der Brander Bevölkerung an der Nordstraße erhalten blieben. Um Beeinträchtigungen der Anlieger durch die beim Rückbau und der Sanierung des Camp Pirotte und die anschließende Erschließung entstehende Großbaustelle auf ein Minimum zu reduzieren, wurde in einem ersten Schritt eine neue Anbindung des Geländes über die Debyestraße/Im Erdbeerfeld nach Westen geschaffen. Hierzu war es erforderlich, die im Bereich der neuen Zufahrt stehenden Gebäude zurückzubauen. Für den Rückbau wurde Anfang 2011 ein separates Rückbau- und Verwertungskonzept erstellt, auf dessen Grundlage die Arbeiten Mitte Februar 2011 öffentlich ausgeschrieben wurden. Der Komplettabbruch von zwei Gebäuden sowie der oberirdische Abbruch des dritten Gebäudes liefen ab Mitte April zunächst planungsgemäß. Eine Überraschung gab es jedoch beim Rückbau der Bodenplatte dieses dritten Gebäudes. Zusätzlich zum bekannten Aufbau wurde auf der Unterseite der oberen 20 cm mächtigen Betonplatte eine ca. 0,5 cm dicke anhaftende Asbestzementlage festgestellt. Solch ein Aufbau ist völlig atypisch und es ist fraglich, welchem Zweck er diente. Der Rückbau der Bodenplatte musste aufgrund der Asbestproblematik eingestellt werden und es wurden mögliche Varianten für das weitere Vorgehen geprüft.

Mit achtwöchiger Verzögerung konnte Mitte Juli 2011 der Rückbau der asbesthaltigen Bodenplatte in Angriff genommen werden. Unterhalb der Bodenplatte lagen massive Fundamente vor, so dass der Tiefenabbruch erst Ende August abgeschlossen werden konnte. Gerade noch rechtzeitig, damit Anfang September wie geplant die Straßenbauarbeiten zur Anbindung des Camp Pirotte an die Debyestraße/Im Erdbeerfeld beginnen konnten.
Außenmauern der abgebrannten Halle Nr.21

Weitspannige Stahlbetonhalle Nr. 7b

Bürogebäude (Gebäude Nr.3 und 5)

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chemischen Reinigung Schaefer

Sanierung der ehemaligen

in Mönchengladbach-Rheydt
Auf dem ca. 570 m² großen Altstandort der ehemaligen chemischen Reinigung Schaefer in Mönchengladbach-Rheydt lagen massive Belastungen des Bodens und der Bodenluft durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW, ausschließlich Tetrachlorethen) vor. Die LCKW-Belastungen konzentrierten sich auf den Bereich der ehemaligen Reinigungsmaschinen und erstreckten sich auch auf die östlich angrenzende Brachfläche einer insolventen Immobilienfirma. Durch Schadstoffeintrag in das Grundwasser hat sich im oberen Grundwasserstockwerk eine mehrere hundert Meter lange Schadstofffahne ausgebildet, die sich in nordöstliche Richtung ausbreitet. Nach vorlaufender Bodenluftsanierung im Kernschadenbereich, erfolgten von Anfang August bis Ende Oktober 2010 die Maßnahmen zur Bodensanierung des Altstandortes. Da sich der Schadensherd teilweise unter dem bestehenden Gebäude der ehemaligen chemischen Reinigung befand, wurden zunächst die Halle, angrenzende Schuppen und Lagerplätze einschließlich Bodenplatten und Fundamenten geordnet rückgebaut und fachgerecht entsorgt. Die Nordwand der Halle musste bis auf Höhe der Nachbarbebauung erhalten bleiben, da sie gleichzeitig als Wand des Nachbargebäudes dient. Die Nordwand wurde mittels Mauerschnitten vom Abbruchobjekt getrennt und danach als Außenwand

Rodung der östlich angrenzenden Brachfläche Februar 2010

Rückbau der ehemaligen Betriebshalle August 2010

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hergestellt.

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Beim Abbruch fielen insgesamt 375 Tonnen Beton und Bauschutt, 76 Tonnen kohlenteerhaltige Bitumengemische (Stegdielen mit Teeranhaftungen, Gussasphalt), 5,8 Tonnen A IV Holz, 3,4 Tonnen teerhaltige Dachpappe sowie weitere Abfälle in Kleinmengen an. Die LCKW-Bodensanierung erfolgte anschließend durch selektiven Bodenaushub bis in Tiefen von max. 8,7 Metern unter GOK. Die Separierung und Entsorgung von belastetem Bodenmaterial erfolgte gemäß den Ergebnissen der Voruntersuchungen anhand von Plänen und Schnitten zur Schadstoffverteilung sowie unter gutachterlicher Begleitung. LCKW-Belastungen > 1.000 mg/kg beschränkten sich auf das Umfeld eines Sickerschachtes der ehemaligen chemischen Reinigung. Geringer belastetes Bodenmaterial mit LCKWGehalten bis 100 mg/kg lag vornehmlich im Teufenbereich von 3 Metern bis 6 Metern unter GOK vor. Die Rückverfüllung der Baugrube erfolgte mit separiertem unbelastetem Aushubboden und zusätzlich angeliefertem unbelastetem Material. Abschließend wurde Rasen eingesät. Nach Abschluss der Bodensanierung wurde die seit April 2009 am Standort betriebene Grundwassersanierungsanlage von der Brachfläche auf den sanierten Altstandort umgesetzt. Die Grundwassersanierung wird seit Anfang 2011 durch die Stadt Mönchengladbach alleine weitergeführt. Anfang 2011 wurde der sanierte Altstandort Schaefer von der Stadt Mönchengladbach an einen Anlieger veräußert. 80 % des Verkaufserlöses fielen dem AAV als Maßnahmenträger zu. Der Verkauf der sanierten östlich angrenzenden Brachfläche ist in Vorbereitung.
Sanierter Standort mit Grundwassersanierungsanlage (in blauem Container), August 2011 Bodensanierung September 2010

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Flächenrevitalisierung durch Schaffung hochwertiger Wohnbauflächen
Eine weitere Altlast im AAV-Maßnahmenplan steuert auf ihre endgültige Beseitigung zu. Auf der Grundlage eines öffentlich-rechtlichen Vertrages haben sich die Stadt Solingen und der AAV zu einer gemeinsamen Sanierung entschlossen. Nachdem in den letzten Jahren umfangreiche Erkundungs- und Planungsarbeiten durchgeführt wurden, wird in Solingen noch Anfang 2012 der Rückbau und die Bodensanierung auf dem Gelände der ehemaligen Galvanik Goldau beginnen. Das wahrscheinlich schon seit 1919 als Galvanikstandort genutzte Areal wird nach der Insolvenz des letzten Betreibers im Jahr 2005 nach umfangreichen Untersuchungen des Bodens und des Grundwassers nunmehr durch einen Bodenaustausch revitalisiert und für eine hochwertige Wohnbaunutzung vorbereitet. Die Stadt Solingen ist heute Grundstücksbesitzerin und hat mit dem Bebauungsplanentwurf die planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Bebauung mit Einfamilienhäusern geschaffen. Das Gelände der ehemaligen Galvanik ist dabei nur ein Teil des gesamten Bauareals. Hier soll Baugrund für etwa zehn Häuser entstehen.

Sanierung der ehemaligen Galvanik Goldau in Solingen –

Die Altlastensanierung ermöglicht es, ein von seiner Lage her hochwertiges Bauvorhaben zu realisieren. Im Südwesten der Sanierungsfläche grenzen beispielsweise die Kalversterzer Wiesen an, die als hochwertige Feuchtlebensräume als besonders geschütztes Biotop ausgewiesen sind. Der AAV hat durch die Beauftragung einer artenschutzrechtlichen Bestandsaufnahme, die von der Biologischen Station Mittlere Wupper durchgeführt wurde, dem besonderen Schutzbedürfnis der Flora und Fauna im Umfeld eines solchen Biotops Rechnung getragen. Letztendlich konnten die Biologen dem AAV bestätigen, dass das Rückbau- und Bodensanierungsvorhaben hinsichtlich schützenswerter Arten keine Auswirkungen hat. Dabei kommen auf der benachbarten Fläche der Kalversterzer Wiesen durchaus lokal seltene Arten, wie der Kleine Blaupfeil vor, eine Libellenart, die den besonderen Schutz des Biotops begründen. Entsprechende Schutzmaßnahmen werden im Rahmen der Sanierungsarbeiten Berücksichtigung finden.

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Bebauungsplan mit Sanierungsfläche

Innerhalb von etwa drei Monaten sollen der Gebäuderückbau und der anschließende Bodenaustausch abgewickelt werden. Dabei werden etwa 2.600 Tonnen Bauschutt und etwa 7.000 Tonnen Boden zur Entsorgung anfallen. Der Bodenaustausch wird auf konventionelle Art durch Herstellen und Wiederverfüllen einer Baugrube erfolgen. Eine begleitende Grundwasserhaltung wird sich auf die Fassung des frei zulaufenden Baugrubenwassers und seine Reinigung beschränken. Der Stadt Solingen wird anschließend eine grundsätzlich bebaubare Fläche übergeben, die mit kulturfähigem Oberboden abgedeckt ist. Die notwendigen Verdichtungsarbeiten für die Wohnbebauung werden nicht schon im Rahmen der Sanierung durchgeführt, um eine weitgehende Planungsfreiheit für die zukünftigen Bauherren zu erhalten.
Kleiner Blaupfeil

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Ehemalige Dachpappenfabrik

Dr. Kohl in Dorsten

Luftbild 2008 mit Kennzeichnung der Betriebsgrundstücke Auf dem Standort der ehemaligen „Dr. Kohl GmbH & Cie. Dachbelagund Bautenschutzmittelfabrik“ im südlichen Stadtgebiet von Dorsten wurden über 100 Jahre lang vor allem Dachpappen produziert, wobei bis ca. 1950 ausschließlich und bis ca. 1965 überwiegend Teer als Ausgangsprodukt eingesetzt wurde. Seit der Stilllegung des Betriebs im Jahre 2001 wurde das Fabrikgelände nicht mehr gewerblich genutzt, die ehemaligen Betriebsgebäude und Produktionsanlagen sind allerdings noch fast vollständig vorhanden. Teilweise befinden sich auf dem Gelände noch flüssige oder pastöse Produktreste in Silos und in unterirdischen Behältnissen. Seit 2005 wurden das Fabrikgelände und dessen nähere Umgebung in mehreren Schritten auf Schadstoffgehalte im Boden, im Grundwasser, im Oberflächenwasser und in der Boden- bzw. Raumluft untersucht. Dabei zeigten sich erhebliche und weiträumig ausgedehnte Belastungen des Untergrunds vor allem mit PAK als Hauptbestandteil der früher zur Dachpappenproduktion eingesetzten Teeröle. In dem vom Gelände abströmenden Grundwasser hat sich im Laufe der Jahrzehnte eine Schadstofffahne ausgebildet, in der Teerölbestandteile (gelöst und auch in Phase) bis hin zu einem ca. 100 Meter entfernten Bach als natürlichem Vorfluter des Altstandorts transportiert und über diesen bei hohem Niederschlagsaufkom-

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men in andere Fließgewässer weiter verfrachtet werden.

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Zur Beseitigung der von diesem Altstandort über die Wirkungspfade Boden-Mensch und Boden-Grundwasser ausgehenden Gefahren hat der Kreis Recklinghausen die Altlast „Dr. Kohl“ im Jahr 2007 als Sanierungsmaßnahme beim AAV angemeldet. Entsprechend den bodenschutzrechtlichen Vorgaben wurde unter Federführung des AAV zunächst eine umfassende Sanierungsuntersuchung durchgeführt. Neben den PAK als die diesen Altstandort kennzeichnenden prioritären Schadstoffe wurden dabei auch Bodenverunreinigungen mit BTEX, MKW und Phenolen sowie Schwermetallbelastungen in den auf dem Betriebsgelände weit verbreiteten schlackenhaltigen Auffüllungen festgestellt. Neben der Sanierungsuntersuchung in Bezug auf die vorhandenen Bodenund Grundwasserkontaminationen war auch eine Bestandsaufnahme und Untersuchung aller noch bestehenden Betriebsgebäude und Produktionsanlagen erforderlich. Daraus wurde ein detailliertes Rückbau- und Entsorgungskonzept als Genehmigungsgrundlage für den geordneten Abbruch des Altbestands und für die Entsiegelung der Flächen erarbeitet. Infolge des langen Zeitraums der Ausbreitung der teerölartigen Schadstoffe im Untergrund hat sich auf diesem Standort und in den davon betroffenen Nachbargrundstücken ein komplexes Schadensbild in Boden und Grundwasser ausgebildet. Daher wurden zunächst verschiedene Sanierungsszenarien für diese Altlast entwickelt und auf die technische Durchführbarkeit sowie auf das sich dabei ergebende Verhältnis von Wirksamkeit, Kosten und Nutzen geprüft. Quellensanierung durch Bodenaustausch im Einzugsbereich einer tief reichenden Teerölgrube und einer ehemaligen Teeröldestillationsanlage; damit soll der weitere Eintrag und Transport von leicht mobilisierbaren Teerölbestandteilen Rückbau der ehemaligen Betriebsgebäude und Produktionsanlagen inkl. Tiefenenttrümmerung und Entsiegelung aller befestigten Oberflächen. Dabei sind nicht nur große Mengen von kontaminierter Bausubstanz, sondern auch zahlreiche gefahrstoffhaltige Produktionsreste (Anlagen und Betriebsstoffe) getrennt zu erfassen und zu entsorgen. Die noch in diesem Jahr beginnende Sanierungsmaßnahme untergliedert sich gemäß Ausführungsplanung in vier zeitlich aufeinander folgende Abschnitte: Nach Festlegung der für diese Altlast optimalen Vorgehensweise im gemeinsamen fachlichen Austausch zwischen den Verantwortlichen des AAV, des Kreises und der Stadt wurde das mit der Sanierungsuntersuchung betraute Gutachterbüro beauftragt, einen entsprechenden Sanierungsplan auszuarbeiten.
Ausbreitung des Teerölschadens vom Betriebsgelände in die Umgebung

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in bzw. über die grundwassergesättigte Zone so weit wie möglich unterbunden werden. Flächenhafte Aushub- und Entsorgungsmaßnahmen auf dem übrigen Werksgelände; hierbei handelt es sich vor allem um die Entfernung von schlackehaltigen alten Tragschichten und Auffüllungen, die im Falle eines Verbleibs eine Gefährdung durch Direktkontakt beinhalten und eine uneingeschränkte neue Nutzung der Flächen (Wohnbebauung) verhindern würden. Grundwasserfassung und -reinigung zum Schutz des Vorfluters: da sich die im Laufe der Jahrzehnte über das Grundwasser weiträumig verteilten Teerölreste nicht vollständig durch Bodenaustausch entfernen lassen, soll das dem Bach zufließende, vermutlich noch lange Zeit schadstoffbelastete Grundwasser durch eine geeignet dimensionierte Wasserfassung abgefangen und von den Schadstoffen befreit werden.

Für die Bodenauskofferung im Bereich der Schadenszentren (Quellensanierung) sind eine Einhausung zur Vermeidung von schädlichen Emissionen (Gase und Stäube) sowie eine Wasserhaltung mit Hilfe einer Spundwand erforderlich. Der Bodenaustausch außerhalb der durch Teeröle belasteten Bereiche betrifft lediglich oberflächennahe, mit nichtflüchtigen Schadstoffen belastete Anschüttungen und kann daher ohne derartige aufwendige Begleitmaßnahmen ausgeführt werden. Die außerhalb des Werksgeländes über das Grundwasser in gelöster Form und z. T. auch als Teeröl in Phase ausgetragenen Schadstoffe lassen sich in bereits überbauten Bereichen (Straßentrasse, Privatgrundstücke mit Wohnhäusern) durch Aushubmaßnahmen allerdings nicht vollständig erfassen. Hier greifen die bereits erwähnten Sicherungsmaßnahmen für den Vorfluter. Sämtliche durch die Bodenauskofferung entstandenen Hohlräume müssen zur Vermeidung von Sekundärgefährdungen anschließend mit sauberen Füll- bzw. Vegetationsböden wieder aufgefüllt werden, die Qualitätsansprüche an diese Bodenmaterialien sind im Sanierungsplan festgelegt und erfüllen die Anforderungen der geplanten künftigen Nutzung: die Stadt Dorsten beabsichtigt, den Altstandort nach erfolgreicher Sanierung auf der Grundlage eines Bebauungsplans gemäß § 9 BauGB als Wohnbaugebiet zu entwickeln. Nach der bisherigen Planung soll die Sanierung im Oktober/November

Reste der alten Produktionsanlagen auf dem Betriebsgelände

2012 abgeschlossen werden.

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Gefahrenabwehr

Ehemalige Chemische Reinigung Schurmann in Hamm
Die ehemalige Chemische Reinigung Schurmann befand sich innerhalb eines Wohnviertels im südwestlichen Stadtgebiet von Hamm und wurde auf diesem nur ca. 650 m² großen Grundstück bis Ende der 1960er Jahre betrieben. Damals entstanden, wie sich bei Untersuchungen in den Jahren 2002 bis 2006 herausstellte, offenbar durch unsachgemäßen Umgang mit dem chemischen Reinigungsmittel Per (Tetrachlorethen) erhebliche CKWVerunreinigungen des Untergrunds und des Grundwassers. Im Jahre 1970 wurden die ehemaligen Betriebsgebäude abgerissen und stattdessen ein Wohnhaus mit zugehörigem Garten errichtet. Der jetzige Grundstückseigentümer erbte das Wohngrundstück in Unkenntnis der Altlastensituation und hat es seitdem ausschließlich als Lebensmittelpunkt für den eigenen Wohnbedarf genutzt. Der Eigentümer konnte auch nicht zu den Kosten einer Sanierung herangezogen werden. Somit lag hier eine der Eintrittsvoraussetzungen für den AAV in eine Sanierungsmaßnahme vor, die vom Umweltamt der Stadt Hamm als zuständige Untere Bodenschutzbehörde im Jahre 2008 angemeldet und in den Maßnahmenplan des AAV aufgenommen wurde. Auf dem Grundstück lagen erhebliche Bodenbelastungen mit Per in zwei durch das Wohnhaus räumlich getrennten Bereichen vor, die bis 5 Meter unter Gelände reichen und teilweise auch benachbarte Privatgrundstücke beeinträchtigen. Diese Per-Belastungen wurden mit dem Grundwasser weit über die Grundstücksgrenze hinaus ausgetragen. Betroffen waren dabei sowohl das oberflächennahe Grundwasser als auch der tiefere, hydraulisch nur unzureichend abgetrennte Kreide-Aquifer. Entsprechend den bodenschutzrechtlichen Vorgaben führte der AAV zunächst eine umfassende Sanierungsuntersuchung durch, um den genauen Schadensumfang auf dem Grundstück und die LCKW-Ausbreitung über das Grundwasser in die Umgebung zu ermitteln und um auf dieser Grundlage ein geeignetes Sanierungsverfahren auswählen zu können. Demnach stellte sich die Belastungssituation zusammenfassend wie folgt dar:
Das Gelände aus der Vogelperspektive

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Weiterhin wurde bei den Untersuchungen eine vergleichsweise kleinräumige Bodenkontamination mit Mineralölkohlenwasserstoffen festgestellt, die sich allerdings kaum auf das Grundwasser ausgewirkt hat. Im Rahmen einer anschließenden Machbarkeitsstudie mit Betrachtung aller für derartige Kontaminationen grundsätzlich in Frage kommenden Sanierungsverfahren stellte sich die Beseitigung der Schadensquelle mittels Bodenaustausch in Kombination mit einer anschließenden Grundwasserförderung und -reinigung im direkAusbreitung der Schadstoffe (LCKW) über das Grundwasser

ten Abstrom der sanierten Bereiche als die unter den örtlichen Verhältnissen hinsichtlich Kosten und Nutzen optimale Vorgehensweise heraus. Der auf dieser Grundlage erstellte Sanierungsplan wurde von der zuständigen Unteren Bodenschutzbehörde der Stadt Hamm im März 2011 als verbindlich erklärt und wird nun seit Anfang Juli unter der Federführung des AAV umgesetzt. Die Durchführung einer derartigen Baumaßnahme innerhalb eines reinen Wohngebiets erforderte eine sorgfältige Planung mit Einbeziehung aller vor Ort Beteiligten. Dazu gehören in diesem Fall nicht nur die direkt von den Sanierungsarbeiten betroffenen Grundstückseigentümer, sondern wegen der Baustelleneinrichtung und des Baustellenverkehrs auch das weitere Umfeld, in dem sich u. a. zwei Schulen und eine Kindertagesstätte befinden.

Auskofferung der LCKW-Belastungen im Sanierungsbereich

Baufeldräumung
Auch die Erdarbeiten zum Bodenaustausch verlangten eine detaillierte Planung und ein schrittweises und

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vorsichtiges Vorgehen. Kurz vor dem Beginn der Sanierungsarbeiten wurde

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eine Beweissicherung aller benachbarten Wohngebäude durchgeführt, die nach Abschluss der Arbeiten wiederholt wird, um etwaige durch die Sanierung verursachte Schäden zuzuordnen und regulieren zu können. Um die Beseitigung der kontaminierten Böden in dem erforderlichen Umfang zu ermöglichen, mussten u. a. auch zwei Garagengebäude auf Nachbargrundstücken abgebrochen werden. Bei der anschließenden Vertiefung der Baugrube bis auf maximal 5 Meter unter Gelände in den tertiären Horizont (Kreide) waren vor allem statische Anforderungen zum Schutz der benachbarten Wohngebäude zu beachten. Daher mussten in Randbereichen der Kontamination CKW-Reste im tieferen Untergrund belassen werden, die aber, soweit sie ins Grundwasser übergehen, im nachgeschalteten zweiten Sanierungsabschnitt erfasst werden (siehe unten). Bei der Sanierung der beiden Schadensquellen auf dem Grundstück wurden etwa 1.100 Tonnen CKW-kontaminierter Boden ausgekoffert und fachgerecht auf einer Deponie entsorgt. Zum Zeitpunkt dieser Maßnahmenbeschreibung (Anfang September 2011) stehen die Erdarbeiten bereits kurz vor dem Abschluss. Die entstandenen Hohlräume wurden im Übergangsbereich zwischen quartärem und tertiärem Horizont zum Zweck des Schutzes des tieferen Aquifers mit Ton und darüber in Angleichung an den Bodenaufbau in der Umgebung mit lehmigem Sand verfüllt. Als oberste Schicht wird in den Gartenbereichen Mutterboden eingebaut und Rollrasen verlegt. Nach Abschluss aller Erdarbeiten und Wiederherstellung der zum Zweck der Sanierung abgebrochenen Nebengebäude und beseitigten Zuwegungen wird in Fortsetzung der Baugrubenwasserhaltung eine Grundwasserförderung in beiden Grundwasserhorizonten installiert, die gemäß Sanierungsplanung über einen Zeitraum von mindestens 6 bis maximal 12 Monaten aufrecht erhalten bleiben wird. In diesem nachgeschalteten Sanierungsabschnitt sollen in Ergänzung der Quellenbeseitigung auch diejenigen Per-Anteile gefasst werden, die infolge der Offenlegung der Kontaminationsbereiche und der massiven Eingriffe in den Untergrund zusätzlich mobilisiert wurden und ins Grundwasser gelangt sind. Die auf Grundlage der Ausführungsplanung vorab geschätzten Gesamtkosten der Sanierungsmaßnahme betragen rund 550.000 € zzgl. 20% für Ingenieurleistungen (Beweissicherung, Überwachung, Dokumentation, Analytik). Diese Sanierungsmaßnahme wird zu 80% durch Fördermittel des Landes und zu 20% von der Stadt Hamm finanziert.
Herrichtung der Oberfläche nach Abschluss der Erdarbeiten Baustelleneinfahrt zwischen den Wohnhäusern

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Ehemalige chemische Reinigung

Raupach in Gladbeck
Durch den jahrelangen Betrieb der chemischen Reinigung ist es zu massiven Belastungen mit LHKW in der ungesättigten Bodenzone gekommen. Sowohl im Feststoff als auch in der Bodenluft wurden hohe Werte an LHKW nachgewiesen. In der wassergesättigten Bodenzone wurden bis 82 mg/l LHKW festgestellt. Als Eintragsbereich für die LHKW wurde eine derzeit als Ziergarten genutzte Grünfläche der Wohnanlage identifiziert, wo sich früher ein Lagerschuppen bzw. eine freie Hoffläche der ehemaligen Wäscherei/Reinigung befand.

Wohnanlage mit Garten (Schadensherd)

Der ehemalige Standort der chemischen Reinigung Gladbeck liegt innenstadtnah im Norden der Stadt Gladbeck. Auf dem Grundstück wurde von 1910 eine Wäscherei, etwa ab 1950 zusätzlich eine chemische Reinigung betrieben. Der Betrieb wurde 1970 aufgegeben. 1975 wurden die alten Gebäude abgebrochen und anschließend mit der heute auf dem Standort befindlichen bis zu fünfgeschossigen Wohnanlage einschließlich Tiefgarage bebaut. Die Wohnanlage besteht aus 32 Wohnungen mit entsprechend vielen Eigentümern.

Im Rahmen der Sanierungsuntersuchung wurde eine in ca. 10 Meter Tiefe lagernde Sandsteinbank ermittelt, unterhalb der die Belastungen mit LHKW wesentlich geringer sind. Anfang 2009 wurde die Sanierungsuntersuchung beendet. Als präferierte Sanierung wurde eine Kernschadensanierung vorgeschlagen. Der Aushub des kontaminierten Bodens soll bis zu der in 10 Metern Tiefe befindlichen Sandsteinbank, die hier nachgewiesenermaßen eine hemmende Funktion für die LHKW besitzt, mittels überschnittenen Großlochbohrungen erfolgen, wobei zunächst ein „konventioneller“ Voraushub des Bodens von 2 Metern erfolgen soll. Die Detailplanung erfolgte im Rahmen der sich anschließenden Sanierungsplanung. Da der Aushub so nah wie möglich an die Gebäudefront

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heranführen soll, wurde zusätzlich ein Sachverständiger beauftragt,

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der zusammen mit einem Fachgutachter für die bodenmechanischen Fragestellungen statische Berechnungen ausführte. Im Ergebnis können die Großlochbohrungen bis zu 2,70 Meter an die Gebäudefront herangeführt werden, wobei die erste Reihe der an der Gebäudefront niedergebrachten Großlochbohrungen aus Standsicherheitsgründen mit Magerbeton verfüllt werden sollen. Die restlichen Reihen werden mit einem weitgestuften Füllkies verfüllt. Zur Lärmminderung ist u.a. vorgesehen, als Bohrwerkzeug einen so genannten „Bohreimer“ zu verwenden. An der Unterseite dieses Bohreimers befindet sich eine Öffnung mit seitlich anschließender Leitplatte, an der Zähne zum Lösen des Bodens angebracht sind. Durch Öffnen des Bohreimers mittels Klappe an der Unterseite ist ein Entleeren in eine bereit stehende Containermulde oder ein sonstiges Transportfahrzeug möglich. Für die Baumaßnahme gibt es nur eine schmale Zuwegung über den Gartenbereich und über das Nachbargrundstück. Um mit den Baufahrzeugen überhaupt auf das betroffene Grundstück gelangen zu können, sind Garagen auf dem Nachbargrundstück rückzubauen, die direkt an der Grenze des Grundstücks der Wohnanlage stehen. Außerdem ist der Boden unterhalb dieser Garagen ebenfalls verunreinigt und auszutauschen. Um anschließend neue Garagen errichten zu können, wurde ein Bauantrag gestellt. Im Rahmen dieses Verfahrens war es erforderlich, dass aufgrund der Grenzbebauung sämtliche Eigentümer einen Eintrag in das Baulastenverzeichnis vornehmen lassen mussten. Seit Mai 2011 liegen alle Einträge vor; der Der Sanierungsplan wurde mittlerweile fertig gestellt und für verbindlich erklärt. Damit sind die Voraussetzungen für die Sanierung gegeben, die im November 2011 begonnen hat. Bauantrag wurde genehmigt. Zeitgleich wurden mit den Eigentümern Duldungsvereinbarungen über die Sanierung abgeschlossen, wobei bei der Wohnanlage der Hausverwalter durch Beschluss der Eigentümerversammlung ermächtigt wurde, diese Vereinbarung abzuschließen. Bei den Nachbargrundstücken, die von den Arbeiten ebenfalls betroffen sind, wurden diese Vereinbarungen direkt mit den Eigentümern abgeschlossen.
Beginn der Arbeiten im Garten der Wohnanlage Lageplan zu den Großlochbohrungen

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Altlast „Am Welschenhof“

Sanierung einer bewohnten

Neben dem gesundheitlichen Risiko bestand außerdem das Problem, dass die Immobilien stark an Wert verloren hatten. Die Untersuchungen belegten, dass es sich bei dem Gelände um eine Altlablagerung handelte, die im Zeitraum zwischen 1926 und 1958 im Bereich einer ehemaligen Auskiesung entstand.

1926 bestehen auf der Fläche ein Aufschüttungs- bzw. Haldenkörper und die offene Wasserfläche eines Baggersees. Der
Luftbildaufnahme der Wohnsiedlung „Am Welschenhof“

Bahndamm mit Gleiskörper ist Die Wohnsiedlung „Am Welschenhof“ mit Einfamilienwohnheimen und großen Wohngärten wurde Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts auf einer Fläche von ca. 13.000 m² im Duisburger Stadtteil Meiderich errichtet. Im Jahr 2003 wurden im Rahmen von Baumaßnahmen im Auftrag einer Grundstückseigentümerin erste Bodenuntersuchungen durchgeführt, die Hinweise auf Belastungen mit Teer bzw. PAK ergaben. Weitere Untersuchungen im Auftrag der Stadt ergaben daraufhin eine großflächige Belastung der Wohngrundstücke mit teerstämmigen Schadstoffen. Die Bewohner wurden angehalten, auf bestimmte Gartenarbeiten oder auf Grundwasserentnahmen zu verzichten. Gegenstand der Verfüllung waren neben Bodenaushub, Bauschutt, Bergematerial, hausmüllähnlichen Abfällen etc. auch teerhaltige Reststoffe, welche bevorzugt, wenngleich nicht flächenhaft, an der Auffüllungsbasis auftreten. Infolge dieser Verfüllungen bestanden erhebliche Kontaminationen des Bodens und des Grundwassers hauptsächlich mit polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und untergeordnet Schwermetallen, so dass eine Sanierung zur Wiederherstellung gesunder bereits vorhanden. Bis 1957 ist der Baggersee verfüllt, während der Haldenkörper weiterhin bestehen bleibt. Seit 1962 befinden sich auf der Altablagerungsfläche die meisten der heute noch vorhandenen Wohnhäuser und Hausgärten. Der Haldenkörper ist entfernt.

Rodung des Pflanzenbestands der Gärten

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Wohnverhältnisse unumgänglich war.

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Auf der Grundlage eines Sanierungsplans wurde zwischen der Stadt Duisburg und dem AAV ein öffentlichrechtlicher Vertrag geschlossen, der Folgendes zum Inhalt hatte: Bodenaustausch in den Wohngärten bis in 1,0 Meter Tiefe, Herstellung einer Grabesperre aus Hartsteinschotter, Fassung und Ableitung von Dachabwässern, Wiederauffüllung von Füll- und Oberboden Wiederherstellung der Gärten und Zuwegungen/Straßen. Ganz besonderer Wert wurde von Anfang an auf die Information und Einbindung der Anwohner in die Maßnahme gelegt. Zu mehreren öffentlichen Informationsveranstaltungen und vor allem auch in direkten Gesprächen vor Ort wurden die Bewohner über alle Maßnahmen ausführlich unterrichtet. Da für die Bodensanierung die gesamten Gärten geräumt werden mussten, wurden mit jedem der Eigentümer der vorhandene Garten durch eine Landschaftsarchitektin aufgenommen und bewertet, so dass nach erfolgter Bodensanierung die Gärten wieder adäquat hergestellt werden konnten. Im Januar 2011 begannen die Bagger zu rollen, im Juli 2011 konnte die Sanierung auf den Grundstücken abgeschlossen werden. Neue Oasen sind „Am „Welschenhof“ entstanden. Nachfolgend mussten noch Schäden an den Kanälen und Straßen behoben werden, die durch die Baumaßnahme entstanden waren, so dass die Gesamtmaßnahme Ende 2011 abgeschlossen werden konnte.
Wiederhergestellter Garten Einbringen des neuen sauberen Bodens Auskofferung der kontaminierten Böden in den Gärten

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Großreinigung Froitzheim –
Die Sanierung kann beginnen
Nach gründlicher planerischer und technischer Vorbereitung begann im Herbst 2011 die Bodensanierung auf dem Gelände der ehemaligen Großreinigung Froitzheim in Krefeld.

Ehemalige

Zum Schutz der Anwohner vor weiteren unzulässigen Belastungen der Raumluft in den Kellerräumen wird seit April 2009 eine Bodenluftabsauganlage betrieben, die dem Untergrund bis heute etwa 300 kg chlorierte Kohlenwasserstoffe entzogen hat. Ein regelmäßiges Monitoring der Raum- und Bodenluft belegt seitdem unkritische Schadstoffkonzentrationen in diesen Medien. Die Voraussetzungen für die eigentlichen Bodensanierungsarbeiten wurden bereits seit Jahresbeginn durch vorbereitende Arbeiten geschaffen. Rodungsarbeiten im unbedingt notwendigen Umfang sowie die Verlegung provisorischer Infrastrukturleitungen wurden im Zeitraum vom April bis Juli 2011 ausgeführt. Bedingt durch die räumliche Situation auf dem eng mit Häusern bebauten Areal, werden der Zugang und die Ver- und Entsorgung von drei

Blick in das Wohngebiet

Das in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts mit Einfamilienhäusern überbaute Gelände der ehemaligen chemischen Großreinigung Froitzheim in Krefeld-Stahldorf weist bis in den tieferen Untergrund reichende schädliche Bodenveränderungen auf, die durch chlorierte Kohlenwasserstoffe und Mineralölkohlenwasserstoffe verursacht werden. Die Stadt Krefeld und der AAV haben sich in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag dazu verpflichtet, die Altlast zu sanieren. Ziel der Sanierung ist die Schaffung gesunder Wohnverhältnisse durch einen weitgehenden Bodenaustausch bis in 15 Metern Tiefe. Zur Ausführung wird ein Großbohrlochverfahren kommen, bei dem der belaste-

betroffenen Wohnhäusern während der Bauzeit nicht über den üblichen Weg möglich sein. Deshalb wurde vorauslaufend zur Sanierung ein provisorisches Kabel- und Leitungsnetz auf einer nicht durch die Sanierung betroffenen Trasse erstellt. Dazu waren unter anderem grabenlose Verpressarbeiten unterhalb eines Gebäudes und die Erstellung einer Startgrube innerhalb eines Privatgartens erforderlich. Die Inanspruchnahme von Privatgärten ist zur Umsetzung der Sanierung unvermeidlich. Aus diesem Grunde war die Zusicherung einer Wiederherstellung der Gärten nach Abschluss der Sanierung eine wichtige Voraussetzung zur Schaffung der Planungssicherheit.

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te Boden durch ein sauberes Sand-/ Kies-Gemisch ersetzt wird.

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Im Vorfeld wurden alle betroffenen Garten- und Vorgartengrundstücke von einer Landschaftsarchitektin in ihrem Bestand dokumentiert und monetär bewertet. Diese Bewertung ist die Grundlage für die vertraglichen Wiederherstellungsvereinbarungen zwischen dem AAV und den Eigentümern. Im November 2011 wurde nach Durchführung einer öffentlichen Ausschreibung mit der Bodensanierung begonnen. Die Komplexität der Maßnahme wird durch den Umfang der Ausschreibungsunterlagen verdeutlicht, deren Leistungsverzeichnis alleine schon etwa 180 Seiten umfasst. Die Sanierung wird voraussichtlich erst Ende 2012 beendet und für die unmittelbaren aber auch benachbarten Anwohner mit persönlichen Einschränkungen und Belästigungen verbunden sein. Umfangreiche geotechnische Überwachungen und Vorkehrungen zum Schutz vor schädlichen Stoffen sollen die unvermeidbaren Beeinträchtigungen minimieren. Im Anschluss an die Bodensanierung werden voraussichtlich im Frühjahr 2013 die Oberflächen und Gärten wiederhergestellt und die Maßnahme damit ihr Ende finden.
Verpressgrube

Rohrverpressung unterhalb einer Garage

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Sickerwasserverminderung

Bewaldung mit Douglasien

bei einer Altablagerung durch
Zu erwähnen sind hier insbesondere die Erhaltung der auf dem Haldenplateau vorhandenen Bunkerreste als Zuflucht für Fledermäuse, eines lokalen Täschelkrautvorkommens auf der Nordwestböschung, eines ca. 100 m² großen Erdhügels als Standort der Schmetterlingsart „Spanische Flagge“ sowie die Erhaltung einer an der Westböschung etablierten Kolonie von „Grauen Sandbienen“. Anfang 2011 wurden vom AAV auf Aufgrund der mit Sulfiden massiv belasteten Sickerwässer der ca. 9 Hektar großen und 35 Meter hohen Rhenania Halde (Stolberg) wurde ein Sanierungskonzept entwickelt, das neben der Sickerwasserfassung und –aufbereitung insbesondere auch Maßnahmen zur Verringerung des Sickerwasseranfalls beinhaltet. Die angestrebte Reduzierung der Sickerwasserneubildung soll dabei durch eine gezielte Verdichtung des bestehenden Birken-Baumbewuchses mit ca. 30.000 Douglasien erzielt werden, die auch im Winterhalbjahr hohe Verdunstungsraten aufweisen. Schwerpunkte des Bepflanzungskonzeptes sind das Haldenplateau sowie eine im Südosten vorgelagerte Berme. Das Maßnahmengebiet umfasst dabei eine Fläche von insgesamt 4,3 Hektar. Im landschaftspflegerischen Fachbeitrag wurden als Zielbiotop ein Douglasien-Birken-Mischwald vorgegeben und entsprechende Anforderungen an Im Frühjahr 2011 wurden auf ausgewählten Deponiebereichen 15.000 Douglasien angepflanzt. Die Pflanzung der ca. 40 – 70 cm großen Douglasien erfolgte dabei unter dem Schirm des zuvor geläuterten Birken-Vorwaldes. Douglasienkulturen sind hinsichtlich Verbiss und Verfegen durch Wild stark gefährdet. Entsprechend wurde zum Schutz ein ca. 700 m langer Wildschutzzaun auf der Halde angelegt. In Ergänzung dazu wurden alle Pflanzen mit einem chemischen Verbissschutzmittel behandelt. Da das Anwachsen der Neupflanzungen durch die vorherrschende extreme Trockender Halde im Vorfeld der geplanten Bepflanzung mit Douglasien umfangreiche Durchforstungsmaßnahmen umgesetzt, wobei mehr als 40.000 m² Birkenwald geläutert, 800 Birken gefällt sowie 10.000 m² Strauchbestände freigeschnitten wurden. Insgesamt fielen dabei 120 t Holz an, das gehäckselt und anschließend einer Verwertung in einer Gärtnerei zugeführt wurde.

Die Rhenania Halde aus der Vogelperspektive

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den Artenschutz formuliert, die im Sanierungsplan zu berücksichtigen waren.

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

periode stark gefährdet war, mussten mehrere Bewässerungsaktionen auf der schwer zugänglichen Halde durchgeführt werden. Besonders lobenswert ist dabei das THW, das die erste Bewässerungsaktion am Karfreitag 2011 im Rahmen einer Sofortmaßnahme durchführte, um ein Austrocknen der gerade frisch gepflanzten Douglasien zu verhindern. Die Bewässerungen sowie auch der sehr nasse Sommer in 2011 haben dazu beigetragen, den Ausfall der Douglasien auf ein Minimum zu begrenzen. Seit Oktober 2011 wird eine weitere Teilmaßnahme zur Sanierung der Rhenania Halde umgesetzt, bei der in ausgewählten Haldenbereichen an den Südostböschungen sowie der Nordwestböschung Erdanschüttungen zur Stabilisierung der Hanglagen und zur Regulierung des Oberflächenabflusses hergestellt werden. Zielvorgabe ist hier ein Böschungswinkel von 18° mit einer Böschungsneigung von 1:3. Neben den Erdarbeiten, bei denen ca. 17.000 m³ unbelastetes Bodenmaterial aufgebracht werden, sind ferner der Rückbau der ehemaligen ca. 400 Meter langen Kartbahn sowie das Anlegen von Wirtschaftswegen vorgesehen. Nach Abschluss der Erdarbeiten und Herstellung der Anschüttungskörper an den Böschungen erfolgen das Anlegen von ca. 9.000 m² Erosionsschutzmatten sowie die Begrünung durch Nass-Ansaat mit einem Gras/Krautgemisch. Aufgrund der steilen Böschungen soll dabei das Anspritzverfahren eingesetzt werden, bei dem Saatgut, Dünger, Hilfsstoffe und Wasser vermischt und über leistungsfähige Dickstoffpumpen aufgespritzt werden. Die umfangreichen Planungen einer Pilotanlage für die Sickerwasserreinigung werden voraussichtlich Mitte 2012 abgeschlossen, so dass der Bau und die Inbetriebnahme dieser Anlage im Laufe des nächsten Jahres avisiert sind. Im Frühjahr 2012 soll nach derzeitiger Planung die zweite Stufe der Bepflanzung mit Douglasien umgesetzt werden, in der auf den neu profilierten Flächen weitere 15.000 Douglasien gepflanzt werden.
Spanische Flagge – ein Schmetterling aus der Unterfamilie der Bärenspinner Neuanpflanzung von Douglasien Häckseln des angefallenen Holzes

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Kokerei Rheinpreußen IV in Moers
beauftragten der Kreis Wesel und der AAV ein Ingenieurbüro mit der Überprüfung des vorgesehenen Konzeptes. Standortuntersuchungen im Rahmen der Konzeptüberprüfung ergaben, dass auch an diesem Standort diese Prozesse die Ausbreitung der Schadstoffe vermindern, so dass die Schadstofffahne vermutlich auf eine Länge von ca. 150 Meter beschränkt ist. Auch sind die Schadstoffkonzentrationen deutlich rückläufig.
Lage der Benzol- und PAK-Kontaminationen und Varianten der ursprünglich geplanten Dichtwandtrasse

Ehemalige Zeche und

Seit dem Jahr 1965 wird das ehemalige Zechengelände als Gewerbestandort genutzt. Die umfangreichen Boden- und Grundwasserverunreinigungen mit kokereitypischen Schadstoffen wie z.B. Benzol und Naphthalin wurden seit 1989 durch den Kreis Wesel erkundet. Erste Planungen zur dauerhaften Sicherung der Boden- und Grundwasserkontaminationen verfolgten das Ziel, die Verunreinigungen durch die Errichtung einer Dichtwand und einer Oberflächenversiegelung zu sichern. Neben der Anwendung der klassischen Sanierungstechniken ist der AAV stets bestrebt, neuere wissenschaftliche Kenntnisse, auch aus eigenen F+E-Vorhaben, in die Sanierungsentscheidung einzubeziehen. Aus dem KORA-Projekt und aus vergleichbaren Standorten des AAV ergab sich die Erkenntnis, dass natürliche Abbau- und Rückhalteprozesse im Grundwasser die Ausbreitung von aromatischen Kohlenwasserstoffen stark vermindern können. Um diese

Die Neubewertung geeigneter Sanierungs- und Sicherungsverfahren ergab, dass im Kosten-Nutzen-Vergleich die Beobachtung bzw. Stimulierung der natürlichen Prozesse (MNA = monitored natural attenuation bzw. ENA = enhanced natural attenuation) eine Alternative zum bisherigen Konzept der Sicherung mit einer Dichtwand darstellt. Unter Beibehaltung der Sanierungsziele ist eine deutliche Kostenreduzierung im Vergleich mit der früheren Planung möglich. Für die Aufstellung eines MNA/ENA-Konzeptes sind aber noch die Verdichtung des Messstellennetzes und weitere Standortuntersuchungen erforderlich. Mit dem neuen Konzept wird die Einbindung der Sanierungspflichtigen über einen Sanierungsvertrag deutlich vereinfacht. Nach dem Abschluss der entsprechenden öffentlich-rechtlichen Vergleichsverträge sollen dann zunächst die weiteren Standortuntersuchungen durch den AAV in Zusammenarbeit mit dem Kreis Wesel durchgeführt werden.

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Prozesse bei der Auswahl der Sanierungstechnik zu berücksichtigen,

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Prosper I in Bottrop

Ergänzende Sanierungsuntersuchung der ehemaligen Zeche und Kokerei

Der erste Schacht der ehemaligen Zeche und Kokerei Prosper I wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts im südlichen Gebiet der Stadt Bottrop abgeteuft. Von 1890 bis 1928 wurde am Standort auch eine Kokerei betrieben. Der Zechenbetrieb wurde dann im Jahr 1959 endgültig eingestellt und Mitte der 1970er Jahre wurde der Abriss der Tagesanlagen durchgeführt. Nachdem der Altstandort in den 1980er Jahren für eine neue Nutzung saniert worden war, erfolgte die Festsetzung eines Bebauungsplans. Seit der Erschließung des aufbereiteten Geländes arbeiten heute u. a. mehrere Speditionsunternehmen auf dem revitalisierten Standort. In den 1990er Jahren verdichteten sich jedoch Hinweise auf noch im Untergrund bestehende Verunreinigungen. Im Folgenden wurde im Jahr 2003 eine Gefährdungsuntersuchung durchgeführt, die bestätigte, dass am Standort der ehemaligen Kokerei sowie der Benzolfabrik noch erhebliche Verunreinigungen im gesättigten Bodenbereich vorliegen.

Nach den zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Ergebnissen, wurde befürchtet, dass eine dauerhafte Gefährdung der Wasserqualität der Emscher, deren Renaturierung in den nächsten Jahren bevorsteht, möglich sein könnte.

Standortübersicht aus dem Jahr 1905

Luftbild des ehemaligen Zechen- und Kokereistandorts

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Jahresbericht 2011

In einer ersten Untersuchung im Jahr 2007 zu den Möglichkeiten der Sanierung des Standorts wurde über ein denkbares MNA-Konzept diskutiert. Eine mögliche Gefährdung der Umwelt konnte bereits zu diesem Zeitpunkt auf den Pfad Boden-Wasser begrenzt werden. Um die Handlungsoption MNA-Konzept abschließend bewerten zu können, wurde daher im Jahr 2010 eine ergänzende Sanierungsuntersuchung zur Betrachtung der Fragestellung durchgeführt, ob der Standort für eine Umsetzung geeignet ist.

Zu diesem Zweck wurde insbesondere das Augenmerk auf den abstromig zum ehemaligen Standort gelegenen Bereich gelegt und das Wissen über das zwischen dem eigentlichen früheren Standort der Zeche bzw. Kokerei und der Emscher gelegene Areal durch eine detaillierte historische Recherche ergänzt. Des Weiteren wurden ergänzende Bodenuntersuchungen durchgeführt und eine Reihe weiterer Grundwassermessstellen eingerichtet, um für den Abstrombereich detaillierte Aussagen zur Ausbreitung der Belastung mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) machen zu können. Das Grundwasser wurde in zwei Untersuchungskampagnen beprobt, wobei deutlich wurde, dass es keine durchgängig zur Emscher hin verlaufende Belastungsfahne des Grundwassers durch PAK gibt. Vielmehr zeigte sich, dass insbesondere in einem eng umgrenzten Bereich die Zusammensetzung der PAK deutlich von den Zusammensetzungen der anderen Grundwassermessstellen abweicht. Dies legt, zusammen mit den Erkenntnissen zur PAK-Verteilung im Grundwasser, den Schluss nahe, dass im Abstrombereich des Hauptschadens eine kleinräumige, punktuelle Belastung des Bodens vorliegt. Eine nähere Erkundung des betreffenden Bereichs ist jedoch wegen Vorliegen

Grundwassergleichenplan im Februar 2011 mit zurückgebautem ehemaligen Klärbecken

eines konkreten Blindgängerverdachts nicht möglich.

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Die ergänzend durchgeführten Isotopen-Untersuchungen zeigen deulich, dass bereits auf kurzen Wegstrecken die im Grundwasser gelösten aromatischen Kohlenwasserstoffe abgebaut werden. Leider konnte der natürliche Abbau durch Isotopenuntersuchungen am gelösten Sulfat nicht eindeutig belegt werden. Dies ist vermutlich auf die andauernde Auslaugung von „isotopisch frischem“ Sulfat aus der eingeebneten Bergehalde zurückzuführen. Die Auslaugung tritt insbesondere im Winterhalbjahr auf. Die Prüfung der Voraussetzung für die Umsetzung eines MNA-Konzepts für den Standort der ehemaligen Zeche und Kokerei Prosper I ergibt somit, dass für den Standort in den kommenden Jahren eine MNA-Strategie bei Umsetzung eines regelmäßigen Überwachungsprogramms in Betracht kommt.
Sulfat-Konzentrationen im Herbst 2010 und Winter 2011 Prozentuale Zusamensetzung der bei den Grundwasseruntersuchungen ermittelten PAK-Gehalte (pro GWMS eine Linie)

PIPER-Diagramme des Grundwassers im November 2010 und Februar 2011

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Jahresbericht 2011

LCKW-Grundwasserverunreinigung
Hilden-Benrath
Injektion von Kaliumpermanganat zur In-situchemischen Oxidation (ISCO) der CKW
Durch den langjährigen Betrieb einer Rohrentfettung mit Trichlorethen ist im Gewerbegebiet Hilden-West das Grundwasser verunreinigt. In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts unternommene Sanierungsanstrengungen waren nur teilweise erfolgreich. Mit der Übernahme des Projektes durch den AAV wurde, wie bereits im Jahresbericht 2010 dargestellt, die Schadstoffverteilung erkundet und eine hydraulische Abstromsicherung errichtet, die seit November 2010 in Betrieb ist. Dank der Mitwirkungsbereitschaft des Betriebes und der Flexibilität der ausführenden Unternehmen gelang es, sowohl weitere Erkundungsarbeiten mittels direct-push Sondierungen und konventionellen Grundwassermesstellen auszuführen, als auch die erste Stufe der geplanten ISCO-Sanierung mit Kaliumpermanganat zu realisieren. Mittels der direct-push-Sondierungen konnte in 16-17 Metern Tiefe in einer Sondierung ein sehr hoch mit CKW belasteter Bereich (160.000 µg/l) identifiziert werden. Durchlässigkeitsunterschiede durch die Einlagerung von feinsandigen oder kompakteren Schichten können demnach für die Schadstoffverlagerung eine sehr große Rolle spielen, auch wenn innnerhalb des homogenen mittelsandig-feinkiesigen Aquifers in den Bohrprofilen
Dreistufige Aktivkohleanlage zur Grundwasserreinigung

Innovative Verfahren

Für alle Arbeiten stehen nur die 1 Meter schmalen Verkehrswege bzw. einzelne nach Absprache freigeräumte Rungen zur Verfügung. Unter dem zur Umlagerung der Rohre genutzten Magnetkran dürfen sich während der Betriebszeit aus Sicherheitsgründen keine Menschen aufhalten. Da im durchgängigen Schichtbetrieb gearbeitet wird, stehen für zeitintensive Arbeiten wie z.B. den Aufbau der Injektionseinrichtung nur jeweils zwei arbeitsfreie Wochenenden pro Monat zur Verfügung.

Der Eintragsbereich befindet sich unter der Lagerhalle eines Rohrhandels. Alle Maßnahmen müssen mit dem Hallenbetreiber abgestimmt werden, um dessen Betriebsablauf nicht in unzumutbarer Weise zu behindern. Die Rohre lagern in ca. 2 Meter breiten

keine Schichtung erkennbar ist. Das Oxidationsmittel wurde auf der Grundlage dieser Vorerkundungen im KP 3/2 in einer Tiefe von 8-21 Metern zugegeben. Auf der Grundlage des vorher im Labor bestimmten Oxidationsmittelbedarfes des Bodens und von Modellrechnungen zur Ausbreitung des Oxidationsmittels war

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und 6 Meter langen Rungen, die bis zu 3 Meter hoch belegt sind.

Jahresbericht 2011

Altlastensanierung und Flächenrecycling

abgeschätzt worden, dass bei einer Zugabe von 1.000 kg Kaliumpermanganat die CKW im Einflussradius der Injektionsstelle zerstört werden und kein Kaliumpermanganat mehr im Sanierungsbrunnen ankommt. Da das Oxidationsmittel brandfördernd und gesundheitsschädlich ist, sind bei Lagerung und Ansetzen der Stammlösung entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Die Injektionseinrichtung wurde auf kleinstem Raum innerhalb einer freigeräumten Rohrrunge aufgebaut. Das Nachfüllen des Vorratsbehälters erfolgte täglich manuell unter Atemschutz. Die Zudosierung erfolgte Ende Februar 2011 als 2%ige Lösung über den Zeitraum von ca. einer Woche vollautomatisch und fernüberwacht, so dass bei einem Anstieg des Grundwasserstands oder bei einer Leckage ein sofortiges Ausschalten möglich war. Nach Zugabe des Oxidationsmittels wurden die CKW in der direkten Brunnenumgebung zerstört und waren ca. 2 Monate lang nicht nachweisbar. Danach stieg die Konzentration wieder bis auf einige Hundert Mikrogramm pro Liter an. Dieser Rebound-Effekt ist aus anderen Schadensfällen bekannt und ist insbesondere dann zu erwarten, wenn dem Injektionspegel aus oberstromigen Bereichen noch Schadstoffe zufließen. Die Errichtung der weiteren Injektionsstellen für die zweite Phase der ISCO-Sanierung war aufgrund der in diesem Hallenbereich angetroffenen mehr als 2 Meter mächtigen Fundamente nicht möglich. Um weitere Bohrungen niederzubringen, hätte der betroffene Hallenteil für einen längeren Zeitraum geräumt werden müssen, was in Anbetracht der bereits stark zurückgegangenen Konzentrationen als nicht verhältnismäßig angesehen wurde.

Hieraus wird sich voraussichtlich eine längere Betriebszeit der hydraulischen Sanierung ergeben, die noch bis Ende 2012 durch den AAV betrieben wird. Durch die Einbindung eines zusätzlichen Brunnens wurde die hydraulische Sanierung optimiert.
Realisierung der Injektionsvorrichtung auf engstem Raum

Nachfüllen des Kaliumpermanganates

Bei dieser Fläche handelt es sich um eine der Eintragsstellen der LCKWGrundwasserverunreinigung HildenBenrath, die sich von Hilden bis kurz vor den Benrather Schlosspark erstreckt. Diese großflächige Verunreinigung des Grundwassers mit leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (LCKW) wird in einer gemeinsamen Anstrengung des Kreises Mettmann, der Stadt Düsseldorf und des AAV saniert. Im Eintragsbereich ESA-Halle sowie in den Anlagen des Fahnenabschnittes 1 und 2 wurden im ersten Betriebsjahr insgesamt 430 kg CKW entfernt.

Lagerung des Oxidationsmittels

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Jahresbericht 2011

Perfluorierte Tenside (PFT)
Seit Bekanntwerden der Kontamination einer Ackerfläche im Hochsauerlandkreis mit PFT und deren Auswirkung auf Boden und Wasser (PFT-Nachweis in der Ruhr) hat der AAV für seine laufenden Projekte die Analytik auf den Schadstoff PFT erweitert. Aufgrund der Eigenschaften von PFT, wie z. B. Thermostabilität, chemische Resistenz, Antihafteigenschaft etc., findet dieser Stoff in vielen industriellen Prozessen Anwendung, dies vor allem in der Galvanik, Textilindustrie, Papierindustrie. Außerdem tritt PFT an Stellen auf, bei denen Löschschaum zur Brandbekämpfung bzw. an Übungsplätzen eingesetzt wurde. Der Nachteil dieser Chemikalien liegt darin, dass diese Verbindungen praktisch nicht abgebaut werden, sich daher in der Nahrungskette anreichern und toxische Wirkungen zeigen. Daher finden sich perfluorierte Tenside selbst in den entlegenen Gebieten der Erde. An verschiedenen Galvanikstandorten
Säulenanlage zur PFT-Gehalte festgestellt werden. Bei Erprobung von Aktivkohlen u./od. einem weiteren Projekt in Düsseldorf alternativen Sorbentien hat die Verwendung von Löschschäu-

institut Fraunhofer Umsicht hat sich der AAV an der Standardisierung der PFT-Analytik (ausgeführt durch das Fraunhofer Institut) beteiligt. Ziel des F + E-Vorhabens ist die Entwicklung und Einführung neuer Adsorptionsmaterialien für eine einfache und kostengünstige anlagentechnische Abtrennung von PFT aus Wässern. Im ersten Schritt war eine PFT-Analytik mit hohem und reproduzierbarem Qualitätsniveau zu entwickeln, da die bisher im Entwurf der DIN beschriebene Messmethode durch Matrixeigenschaften stark beeinflusst wird. Hierzu wurden von AAV-Standorten Wässer zur Verfügung gestellt, um die verschiedenen Matrices in die Untersuchungen einfließen zu lassen. Darauf aufbauend wurden neue Sorptionsmaterialien entwickelt, die bereits im Jahr 2011 in die halbtechnische Erprobung gehen sollten. Dieser wichtige Schritt ist die Umsetzung und Erprobung der bisher entwickelten Materialapplikationen unter realen Bedingungen auf einem geeigneten Altstandort des AAV. Hierzu sind Säulentestanlagen konzipiert und gebaut worden, in denen Aktivkohlen, Ionenaustauscher und die neu entwickelten Materialien in Bezug auf ihre Wirksamkeit der PFT- Abreinigung parallel getestet werden sollen. Die vom Fraunhofer Umsicht Institut entwickelte Messmethode wird zur Analytik der PFTEinzelsubstanzen und zur Bestimmung von Durchbruchskurven u. a. eingesetzt. In Abhängigkeit von den Ergebnissen könnte dann das neue selektiv auf kurzkettige und starke hydrophile PFT-Verbindungen wirkende Adsorbermaterial zur großtechnischen Abreinigung eingesetzt werden.

bei AAV-Projekten konnten erhöhte

men aufgrund eines Großbrandes zu erheblichen Kontaminationen von Boden und Grundwasser mit PFT geführt. Derzeit erfolgt die Entfernung von PFT aus dem Grundwasser in der Regel über klassische Pump-andtreat-Maßnahmen mit einer Aktivkohle-Reinigungsstufe, die allerdings aufgrund der stoffspezifischen Eigenschaften der PFT-Verbindungen zum Teil nur geringe Beladekapazitäten erreicht. Im Rahmen eines vom BMWI geförderten Projektes zur Entwicklung eines „kostenoptimierten (Adsorptions-) Verfahrens zur Reinigung

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von PFT-kontaminierten Wässern“ der Cornelsen Umwelttechnologie GmbH in Kooperation mit dem Forschungs-

Jahresbericht 2011

Rückblick

Sanierung einer ehemaligen
Der Standort befindet sich in Wuppertal-Cronenberg zum großen Teil in einem Landschaftsschutzgebiet und wurde bereits seit 1923 gewerblich genutzt. Nachdem dort zunächst maschinell Stahl be- und verarbeitet wurde, fanden ab 1950 auch Schleifarbeiten und schließlich Galvanisierungsprozesse statt. Das letzte dort ansässige Galvanikunternehmen hat den Standort Ende 2008 aufgegeben und seinen Betrieb verlagert. Durch die langjährige Nutzung des Standortes ist es zu Verunreinigungen des Bodens und des Grundwassers mit galvaniktypischen Schadstoffen, hauptsächlich mit Chrom (vorwiegend als wasserlösliches Chrom VI) und Nickel gekommen. Im Grundwasser wurden auch LHKW und perfluorierte Tenside (PFT) festgestellt. Die nachgewiesenen Kontaminationen machten eine Sanierung erforderlich, um insbesondere eine Verbesserung der Grundwasserqualität zu erreichen. Die Gesamtsanierung umfasste zum einen den Rückbau des ehemaligen, ebenfalls mit Schadstoffen verunreinigten Betriebsgebäudes (Phase I) sowie zum anderen die Bodensanierung (Phase II). Im Jahresbericht 2010 haben wir bereits über die Phase I der Sanierung des ehemaligen Galvanikstandortes berichtet.

Galvanik in Wuppertal – Phase II

Nachdem im Sommer 2010 der Rückbau des Betriebsgebäudes durchgeführt worden war, wurde ab Januar 2011 mit der Bodensanierung begonnen, die den Austausch des hoch kontaminierten Bodens (so genannte „Quellsanierung“) vorsah. Der Austausch sollte bis zu einer Tiefe von ca. 9 Metern erfolgen, d.h. bis zu der Tiefe, wo die Lockersedimente aus Hanglehm und Verwitterungszone des darunter liegenden Schiefers aufhörten und das Festgestein beginnt.

Unterer Verladeplatz

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Rückblick

Jahresbericht 2011

„Maßarbeit“ bei der Durchfahrt durch den Tunnel

Für die Verladung des verunreinigten Bodens wurde unterhalb des Standortes aus logistischen Gründen ein zweiter Verladeplatz errichtet, den die LKWs unmittelbar hinter dem Tunnel, über den die Bahnstrecke der Bergischen Museumsbahn führt, anfahren konnten. Insgesamt wurden ca. 18.700 t kontaminierter Boden entsorgt, wovon ca. 50 % auf eine DK III-Deponie und ca. 50 % auf eine DK II-Deponie verbracht wurden. Zwischenzeitlich erinnerte die Baugrube an
Baugrube im Februar 2011

einen Steinbruch.

Baugrube im März 2011

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Jahresbericht 2011

Rückblick

Die Baugrube wurde anschließend wieder mit sauberem Boden verfüllt. Die alte Geländemorphologie wurde nicht wiederhergestellt. Die Verfüllung erfolgte nur bis zu einem Niveau, das eine ausreichende Standsicherheit und einen geregelten Abfluss von Oberflächenwasser sicherstellt. Aufgrund der Hanglage und der zu befürchtenden Erosion bei starkem Regen wurde die gesamte Oberfläche des Profilierungsbereichs vollständig mit biologisch abbaubaren Erosionsschutzmatten bedeckt, die zu je 50 % aus Kokos und Stroh/Heu bestehen und mit Saatgut versetzt sind. Darüber hinaus wurden Totholz- und Steinhaufen auf der neu gestalteten Fläche errichtet, die zum einen als Störelemente für den Oberflächenabfluss und zum anderen als Rückzugsräume für die durch eine Wanderbarriere von der Baustelle fern gehaltenen Amphibien und Reptilien dienen. Sie finden somit nach Abschluss der Sanierung wieder ideale Bedingungen für die Besiedlung. Die Arbeiten zur Bodensanierung waren im Mai 2011 beendet. Mittlerweile begrünt sich die Fläche allmählich, die Natur erobert sich die Fläche zurück.
Verlegung der Erosionsschutzmatten. Im Hintergrund sieht man die Totholzhaufen als Rückzugsräume für Amphibien und Reptilien Verfüllung der Baugrube

Die Fläche begrünt sich

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Rückblick

Jahresbericht 2011

Werksgeländes der Firma Raschig in Bochum
Das Gelände war vollständig mit Produktionsanlagen bebaut. Aus zahlreichen Tanks und Leitungen versickerten Schadstoffe in Boden und Grundwasser.

Sanierung des ehemaligen

Das ehemalige Werksgelände der Fa. Raschig liegt eingeschlossen zwischen Wohnbebauung, Eisenbahnlinie und Gewerbe im Bochumer Stadtteil Werne. Hier wurde durch den AAV in Zusammenarbeit mit der Stadt Bochum in den Jahren 2009-2011 eine Industriebrache in eine attraktive Grünanlage umgewandelt. Die Sanierung umfasste nach dem für verbindlich erklärten SanierungsDurch die neu entstandene Grünfläche wird die Lebensqualität im angrenzenden Wohnviertel deutlich verbessert. (Fotomontage auf der Grundlage eines Luftbildes aus dem Jahr 2011)

plan gemäß § 13 BBodSchG folgende Teilschritte: Entleerung aller Tanks und Entsorgung der Produktionsreste Standsichere Verfüllung unterirdischer Tanks Rückbau und Entsorgung oberirdischer Tanks Entsorgung von Gebäudeschadstoffen (Asbest, Dachpappen, Altholz) Rückbau aller aufstehenden Gebäude Brechen und Einbau des mineralischen Bauschutts in Hohlräume Schließung der Trafostation und

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Umlegung der das Gelände kreuzenden 10kV-Leitung

Jahresbericht 2011

Rückblick

Profilierung des Geländes Sanierung der angrenzenden Hausgärten durch Bodenumlagerung Versiegelung von angrenzenden Teilflächen mit Asphalt Oberflächenversiegelung durch Verlegung einer Bentonitbahn und einer Dränmatte zur Ableitung des Oberflächenwassers Bau eines umlaufenden Entwässerungsgrabens Sanierung der Anschlussleitung an die öffentliche Kanalisation Aufbringung einer 1 Meter mächtigen, in Teilbereichen 2,5 Meter mächtigen Rekultivierungsschicht Einsaat von Landschaftsrasen zur Begrünung des Geländes Einfriedung der Fläche zu den angrenzenden Privatgeländen Errichtung von Betriebs- und Gehwegen Errichtung von 14 Grundwassermessstellen zur Erkundung des Grundwasserabstroms Monitoring der Abbau- und Rückhalteprozesse im Grundwasser

Verfestigung und zur Begrenzung der Schadstoffemissionen war es vorteilhaft, diese Arbeiten in der kalten Jahreszeit durchzuführen, weswegen dies als vorlaufende Maßnahme im Winter 2009/2010 stattfand.

Sanierungsverlauf
Der erste Schritt der Sanierung bestand in der Entleerung und dem Rückbau bzw. der Verfüllung der Tankanlagen, die mit den verschiedensten organischen und anorganischen Rückständen gefüllt waren. Die größte Herausforderung stellten dabei die Rohteerbehälter dar, die mit einem zähflüssigen Bodensatz gefüllt waren, der sich weder durch Pumpen noch durch Ausbaggern entfernen ließ. Durch eine Konditionierung mit Sägespänen war es möglich, diese Rückstände zu entfernen und thermisch zu verwerten. Für die Im zweiten Schritt der Sanierung wurden ab Mai 2010 die Gebäudeschadstoffe (Asbest, Altholz, Dachpappen) sowie nutzbare Metallteile (Schienen, Türen, Einbauten) entfernt und entsorgt. Außerdem wurden weitere Tankanlagen entleert und verfüllt. Alle Gebäude wurden rückgebaut, der Bauschutt gebrochen und zur Verfüllung von Kellern, Tanktassen und Geländevertiefungen verwendet.
Nach der Entleerung und Reinigung der drei Rohteerbehälter mit einem Durchmesser von 16 -19 Meter und einer Höhe von 11-15 Meter wurden diese mit der hydraulischen Blechschere zerschnitten und als Eisenschrott verwertet

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Rückblick

Jahresbericht 2011

Die Sanierung in Zahlen
Rückbau: Anzahl Gebäude: 27 St. Tanks entfernt: 15 St. Tanks verfüllt: 17 St. Gruben verfüllt: 4 St. Bauschutt: ca. 17.000 t
Unterirdische historische Tanks werden entfernt

Entsorgung/Verwertung: Tankinhalte: 1.120 t Asbest: 14 t Dachpappen: 50 t Altholz: 205 t Metall: 285 t

Aufbringen der Oberflächenabdichtung
Aus den seitlichen Bereichen, in denen der Entwässerungsgraben zu errichten war, wurde Bodenmaterial zur Mitte hin umgelagert und das Geländeplanum als Auflager für die zu verlegende Bentonitmatte ge-

Um die Verdichtung des Bodens zu minimieren, wurde der Boden mit einem Longfront-Bagger im rückschreitenden Vor-Kopf-Verfahren aufgebracht.

schaffen. Zur Ableitung des Sickerwassers in den Entwässerungsgraben wurde über der Bentonitmatte eine synthetische Drainmatte verlegt. Anschließend wurde sofort die erste Lage der Rekultivierungsschicht aufgebracht. Im mittleren Bereich ist die Rekultivierungsschicht 2,5 Meter mächtig, um die Fläche mit der Anpflanzung von Gehölzen ökologisch weiter aufzuwerten.

Einbindung der Bentonitmatte und der Drainmatte in den Entwässerungsgraben

Ausblick
Der unmittelbar nach Fertigstellung der obersten Geländeschicht eingesäte Rasen wird in Teilbereichen durch Gehölze und Bodendecker ergänzt. Dies wirkt sich auf das Landschaftsbild und damit auch

Das in Bochum-Werne gelegene, ca. 3,9 Hektar große ehemalige Betriebsgelände der Fa. Raschig GmbH wurde von 1887 bis 1972 zur Teerdestillation und anschließend zur Dachpappen- und Bitumenherstellung genutzt. Im Jahr 2006 wurde die Produktion endgültig eingestellt. Im Dezember 2008 wurde mit dem Sanierungspflichtigen ein Vergleich über die Zahlung eines Sanierungsbeitrages in Höhe der finanziellen Leistungsfähigkeit geschlossen

den Freizeitwert, aber auch auf die Erosionsstabilität weiter positiv aus. Um die noch junge Vegetation zu schonen, wurde die Fläche erst Ende 2011 der Öffentlichkeit zur Nutzung übergeben. Bis zum Einwachsen der Gehölzpflanzung und dem Entstehen des endgültigen Landschaftsbildes werden noch einige Jahre vergehen.

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und das Grundstück kostenfrei an die Stadt übertragen.

Jahresbericht 2011

Rückblick

Gaswerk Sedanstraße in Hamm
Der ca. 11.400 m² große Altstandort war, bedingt durch den Betrieb eines städtischen Gaswerkes vor mehr als 100 Jahren, stark mit gaswerkstypischen Schadstoffen wie PAK, BTEX und Cyaniden verunreinigt. Die Teeröle fanden sich teilweise bis in 6 Meter Tiefe. Entsprechend der Voruntersuchungen wurden die stärksten Verunreinigungen unterhalb der ehemaligen Feuerwehr und im zentralen Grundstücksbereich vermutet, es wurde mit einer Menge von ca. 5.000 Tonnen zu entsorgendem Boden gerechnet. Die eigentliche Ausführung der Bodensanierung inklusive dem Rückbau der aufstehenden Gebäude sollte von Anfang Juli 2010 bis Mitte März 2011 stattfinden. Das sanierte Grundstück, das sich Erst nach dem Rückbau des ehemaligen Schwimmbades zeigte sich, dass sich auch unterhalb des Schwimmbeckens starke und flächenmäßig ausgedehnte Bodenverunreinigungen befanden. Dieser Bereich konnte vorab aufgrund der Mächtigkeit des Betonbeckens und der darunter liegenden Fundamente nicht durchbohrt und untersucht werden. Außerdem war aufgrund der vorliegenden historischen Lagepläne nicht davon auszugehen, dass sich hier Betriebsanlagen des ehemaligen Gaswerks befanden. Auch ein Teil der anderen, bekannten Sanierungsbereiche erwies sich als größer als vorab angenommen. Insgesamt mussten statt der vorab geschätzten 5.000 Tonnen Boden letztendlich ca. 12.000 Tonnen Boden ausgekoffert und entsorgt werden. Durch diese Mehrarbeiten wurde die Bauzeit um sieben Wochen bis Anfang Mai 2011 verlängert.
Geplante Nachnutzung auf dem Standort Geplante Nutzung

Ehemaliges

Trotz der Mehrleistungen konnte der geschätzte Kostenrahmen von 2,65 Mio. € noch unterschritten werden!

in exponierter Lage im Zentrum der Stadt Hamm befindet, wurde bereits vier Monate nach Abschluss der Sanierungsarbeiten an einen Investor veräußert. Der Erlös für das Grundstück deckt annähernd die Kosten der Altlastensanierung, so dass der AAV den weitaus größten Teil seiner Ausgaben erstattet bekommt. Auf dem Standort sollen von Ende 2012 bis 2016 ein Altenheim mit 80 Plätzen und etwa 85 Wohnungen entstehen. Auch der Bau einer Kindertagesstätte ist in Planung. Bis zum geplanten Beginn der Bauarbeiten Ende 2012 wird das Gelände als Parkplatz zwischengenutzt.
Sanierte Fläche im Mai 2011 Der Altstandort zu Beginn der Sanierungsarbeiten

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Rückblick

Jahresbericht 2011

Sanierung des Geländes der ehemaligen Lackfabrik Brocolor in Gronau
In zentraler Lage wurde in der Stadt Gronau die Lackfabrik Brocolor betrieben, die Mitte der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in ein Gewerbegebiet außerhalb der Stadt ausgelagert wurde. Die Betriebsgebäude wurden abgerissen und das Gelände als Brachfläche zurückgelassen. Zu Beginn der 90er Jahre wurde erkennbar, dass eine Grundwasserbelastung vom bestehenden Grundstück ausging, zu deren Sicherung eine Grundwasserreinigungsanlage betrieben werden musste. AAV und Kreis Borken haben sich nach Durchführung einer Sanierungsuntersuchung und –planung 2009 entschlossen, das Areal
Luftbild des Sanierungsgeländes zu Beginn der Arbeiten

mittels Bodenaustausch zu sanieren und für eine Wohnbebauung nutzbar zu machen.

Sanierungsarbeiten
Auf dem Sanierungsgelände mit einer Größe von ca. 4.500 m2 wurden nahezu 7.100 Tonnen Boden mit unterschiedlichen Belastungen ausgekoffert und einer Entsorgung, wie z. B. Kohlenwasserstoffe, PAK und BTEX, zugeführt. Während der Bauarbeiten, die in Abschnitten durchgeführt worden sind, erfolgte eine entsprechende Wasserhaltung, der eine Reinigung nachgeschaltet war. Zum Teil mussten die BaugruGelände nach der Sanierung im Jahr 2010

ben über Spundwände abgesichert werden. Die ausgehobenen Bereiche wurden anschließend mit unbelastetem Füllsand aus einer in der Nähe liegenden Sandgrube verfüllt.

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Jahresbericht 2011

Rückblick

Anschließend wurde Mutterboden aufgebracht und mit Gras eingesät. Nach Vorliegen der positiven Ergebnisse des nachgeschalteten Grundwassermonitorings im März 2010 konnten die planungsrechtlichen Grundlagen für eine Wohnbebauung geschaffen werden.

Aufstellung des Bebauungsplans
Mit dem Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans für diesen Bereich wurde im ersten Halbjahr 2010 begonnen und dieser zunächst als Entwurf offengelegt. Inzwischen liegt die bestandskräftige Fassung nach Beschluss durch den Rat der Stadt Gronau vom 29.06.2011 vor. Der Begründung zum Bebauungsplan kann bereits eine weitgehend abgestimmte Planung einer Stichstraße zur Erschließung des Geländes entnommen werden. Der westliche Teil des Areals wird weiterhin als Mischgebiet ausgewiesen, jedoch sind hier die gewerblichen Nutzungsmöglichkeiten auf für ein Wohngebiet typische beschränkt. In der Begründung zum Bebauungsplan ist ebenfalls das städtebauliche Konzept einer möglichen Bebauung von neun Einfamilienhäusern enthalten.
Nutzungsfestlegungen der 3. Änderung des Bebauungsplans Nr. 19 „Sparenbergstraße“, Stadtteil Gronau

Beispiel für ein städtebauliches Konzept zur Nutzung des Areals

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Rückblick

Jahresbericht 2011

Sanierung der ehemaligen in Olpe

Galvanik Greitemann

Ehemaliges Betriebsgebäude der Galvanik Greitemann

Bei dem Projekt Greitemann stand neben der Gefahrenabwehr im Vordergrund, den brachliegenden Gewerbestandort im Kernstadtbereich von Olpe für eine höherwertige Wohnbebauung nutzbar zu machen. Auf dem ca. 1.700 m² großen ehemaligen Betriebsgelände, das von 1958 bis 1997 als Galvanikstandort genutzt wurde, befanden sich Bodenbelastungen durch Schwermetalle, Cyanide und verschiedenartige Kohlenwasserstoffe (LHKW, BTEX, PAK, Mineralöle). Schwerpunkt der Belastungen war ein geschotterter Lagerplatz im nordöstlichen Grundstücksbereich. Die Sanierung des Standortes erfolgte vom 17.05. bis zum 29.07.2010 gemäß dem durch die Untere Bodenschutzbehörde des Kreises Olpe für verbindlich erklärten Sanierungsplan.

Zunächst wurden die Betriebs- und Nebengebäude einschließlich Einbauten (Fundamente, Kanäle und Leitungen, Becken, Tanks) vollständig rückgebaut. Im Anschluss folgte der Bodenaushub in offener Bauweise in den im Rahmen der Sanierungsplanung definierten Sanierungszonen bis in Tiefen von max. 4 Metern unter Geländeroberkante. Abweichend vom Sanierungsplan wurde auf die Errichtung einer Spundwand im Bereich des angrenzenden Günsebaches verzichtet, wodurch ein Erhalt des ufernahen Baumbestandes möglich wurde. Bei der ansonsten planmäßig abgelaufenen Bodensanierung gab es auch Überraschungen, mit denen zuvor nicht zu rechnen war. So befanden sich in rund 3 Metern Tiefe 298 Tonnen grüngefärbte „Filterschlämme“, die offensichtlich aus der Abwasseraufbereitung des Galvanikbetriebes stammten.

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Jahresbericht 2011

Rückblick

Außerdem stieß man bei den Aushubarbeiten auf einen bis dahin unbekannten 40.000-Liter Tank, der auf dem Gelände vergraben und mit einem Öl-Wassergemisch gefüllt war. Zur Verfüllung der Baugruben sowie zur Neuprofilierung des Geländes wurde qualitätsgesicherter Boden aus einer Baumaßnahme in Olpe Friedrichsthal verwendet. Bei der Profilierung des Geländes wurden die Baufenster der geplanten Bebauung dahingehend berücksichtigt, dass nur bis zu den künftigen Baugrubensohlen verfüllt wurde. Die Uferböschung des Günsebaches wurde mit Wasserbausteinen gesichert. Im Rahmen der Sanierung Greitemann wurden insgesamt rund 5.800 Tonnen Bauschutt, Boden und Asphalt, 298 Tonnen Schlamm , 17 m³ ölhaltige Schlämme, 13 m³ wässrige Abfälle, 15 Tonnen Baumischabfälle sowie weitere Abfälle in kleineren Mengen entsorgt. Da mit der Bodensanierung die Schadstoffquelle weitestgehend entfernt wurde, ist eine Sanierung des Grundwassers nicht erforderlich und die geplante Wohnnutzung gefahrlos und uneingeschränkt möglich. Das sanierte, innerstädtisch attraktive und infrastrukturell gut angebundene Grundstück ist im Frühsommer 2011 verkauft worden. Vorgesehen ist die Bebauung mit einem Mehrfamilienhaus. Die Gesamtkosten der Sanierung einschließlich vorbereitende Maßnahmen belaufen sich auf 505.000 €. Diese Kosten teilten sich der AAV und die Stadt Olpe im Verhältnis 80 zu 20. Der Erlös aus dem Verkauf des Grundstückes fließt in demselben Verhältnis an die Sanierungspartner zurück.

Abbruch des Anbaus aus Holzständerwerk

Geborgener Erdtank mit Baustelleneinrichtung im Hintergrund

Demontage der Asbestzementplatten

Saniertes Grundstück mit Nachbarbebauung und Günsebach links im Hintergrund

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Rückblick

Jahresbericht 2011

Gewerbestandort

Bahnhof Lüdenscheid Mitte
Im Jahr 2008 sanierte der AAV drei Grundstücke im Bereich des Bahnhofs Lüdenscheid. Damals zerschnitt das Schienennetz mittig das ca. 7 Hektar große Gelände. Bereits brachliegende Gewerbegrundstücke beiderseits der Schienen waren über die Straße schlecht zu erreichen und ungünstig zugeschnitten. Einer Neunutzung des Geländes stand jedoch insbesondere die Altlastenproblematik im Wege. In drei westlich gelegenen Geländebereichen befanden sich sanierungsbedürftige Bodenkontaminationen mit Mineralölkohlenwasserstoffen und Schwermetallen, die sich z. T. bis in vier Meter Tiefe zogen. Die Sanierung durch den AAV beOktober 2008: Westliches Bahnhofsareal während der Altlastensanierung. Die alten Hallen im Hintergrund wurden durch die Stadt Lüdenscheid abgebrochen

gann im Juli 2008 mit dem Rückbau der aufstehenden Gebäude. Die Altlastensanierung erfolgte durch Austausch der kontaminierten Böden und endete im Dezember 2008. Im Januar 2009 begann die Stadt Lüdenscheid mit dem Bau eines neuen Bahnhofes und Verlegung des Schienennetzes an den äußersten westlichen Rand des Geländes. Im Mai 2010 konnte die neue Erschließungsstraße „Bahnhofsallee“ freigegeben werden.

Januar 2009: Baubeginn für das neue Schienennetz am westlichen Geländerand

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Jahresbericht 2011

Rückblick

September 2009: Der neue Bahnhof wurde im Herbst 2009 eingeweiht

Im Rahmen des Projektes „Denkfabrik“ der Regionale 2013 soll das Bahnhofsareal „in ein modernes Bildungs-, Forschungs- und Dienstleistungsquartier“ umgewandelt werden. Die an das Bahnhofsgelände angrenzende Phänomenta Lüdenscheid soll dazu erweitert und über eine Fußgängerbrücke an den Bahnhof angebunden werden.

Ein weiterer Baustein der „Denkfabrik“, die Errichtung eines neuen Standortes der Fachhochschule Südwestfalen für bis zu 600 Studenten, wird bereits verwirklicht. Mit dem Bau wurde im Mai 2011 begonnen, Fertigstellung ist im März 2012. Das Gebäude entsteht auf dem ehemaligen „Altlastensanierungsbereich 3“.
Januar 2012: Der Bahnhof Lüdenscheid nach Beendigung aller Baumaßnahmen. Die Fachhochschule links der Bahnhofsallee soll im März 2012 eröffnet werden

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Bodenschutzpreis 2011

Jahresbericht 2011

Zwei Sieger und ein Sonderpreis
Von Hans Joachim Schmitz
Der Bodenschutzpreis NordrheinWestfalen ist am 8. November 2011 im BEW in Duisburg zum zweiten Mal vergeben worden und sah neben zwei gleichberechtigten Siegern in den Kategorien Flächenrecycling und Renaturierung noch einen Sonderpreis der Jury vor. Die Verleihung an die Preisträger nahmen Umweltstaatssekretär Udo Paschedag und AAV-Geschäftsführer Gerhard Kmoch vor. Prof. Dr. Wilhelm König aus dem NRWUmweltministerium moderierte die Veranstaltung und sprach das Schlusswort.

Bodenschutzpreis Nordrhein-Westfalen 2011 verliehen
Mit dem Bodenschutzpreis sollen Impulse zur Standortverbesserung und Innenentwicklung gesetzt werden. Wesentliche Ziele dieses Wettbewerbs sind die Unterstützung der Wiedernutzung aufgelassener Industrie-, Gewerbe- und Militärstandorte sowie die Stärkung des öffentlichen Bewusstseins zur Reduzierung des Flächenverbrauchs. Daneben sind beim Bodenschutzpreis 2011 auch Ansätze ausgezeichnet worden, die in besonderer Weise die Belange von Biotop- und Artenschutz sowie Bodenschutz und Altlastensanierung miteinander verbinden. AAV-Geschäftsführer Gerhard Kmoch lobte den Bodenschutzpreis als anspornendes Beispiel für erfolgreiche Brachflächenrevitalisierung. Noch immer seien Altlasten ein Makel bei der Entwicklung von Flächen, gäbe es Vorbehalte bei Entwicklern, Banken und Versicherungen. Dabei sei es aus Sicht des AAV wichtig, mit dem Wettbewerb aufzuzeigen, dass auch das Altlastenrisiko bei vorgenutzten Flächen beherrscht werden kann. Udo Paschedag, Staatssekretär im

Wuppertal – Sieger in der Kategorie „Renaturierung“

Noch immer ist es nicht gelungen, den Verbrauch an Flächen für Siedlung und Verkehr zu Lasten landwirtschaftlicher Nutzflächen im erforderlichen Maße zu senken. Ein wichtiger Beitrag zur deutlichen Verringerung des Flächenverbrauchs ist die Aufbereitung vorgenutzter Flächen.

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, wies auf die ökonomische Problematik des Flächenverbrauchs hin, die neben den ökologischen Folgen vor allem für die Kommunen von größerer Bedeutung ist.

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Jahresbericht 2011

Bodenschutzpreis 2011

Es gehen jeden Tag wertvolle Flächen für die Produktion von Nahrungsmitteln, zum Natur- und Artenschutz sowie als Freizeitfläche verloren. Zusätzlich entsteht in aufgelockerten Siedlungsformen ein erhöhter Kostenfaktor: Neben dem Aufbau neuer Infrastrukturen werden erhebliche Kosten anfallen, wenn aufgrund der negativen Bevölkerungsentwicklung bestehende Infrastrukturen nicht mehr hinreichend genutzt werden können. Hier wurden im Rahmen der „Allianz für die Fläche“ Instrumente entwickelt, um die Kommunen beim Einsatz von nachhaltigen kommunalen Flächenmanagementsystemen zu unterstützen, z.B. durch den Aufbau einer Internetplattform mit einem Angebot an Kostenrechnern für Städte und Gemeinden. Der Staatssekretär forderte eine Stärkung des Flächenrecyclings zur Begrenzung des Freiflächenverbrauchs und wies anlässlich der Verleihung des Bodenschutzpreises auf die Signalwirkung innovativer Ideen zur Sanierung und Aufwertung ungenutzter Brachflächen hin.

Die Wertung der Jury
Der Generationenpark Lütkerlinde stellt ein vorbildliches integratives Konversionsprojekt in einer Kleinstadt im ländlichen Raum dar. Durch die mit der Sanierung verbundene großflächige Entsiegelungsmaßnahme erfolgten sowohl eine städtebauliche Aufwertung als auch in Teilbereichen eine ökologische Verbesserung und die Schaffung von Freizeit- und Erholungsangeboten, die zum Teil durch Eigenleistungen der Vereine und Spenden ermöglicht wurden. Bei der Altdeponie „Eskesberg“ wurde eine nachhaltige Sanierungsmaßnahme mit der Errichtung eines einmaligen Biotops verbunden.

Durch die Wiederaufbringung von Rohböden konnten Standorte für seltene Arten geschaffen werden, die zu einer Ausweisung als Naturschutzgebiet führten. Der zusätzlich geschaffene Boden-Erlebnispfad ergänzt diese Maßnahme im Hinblick auf die Akzeptanz durch die Anwohner und die Bewusstseinsbildung der Öffentlichkeit für den Bodenschutz. Die Sanierung der großflächigen Montanbrache Graf Bismarck wurde durch ein optimiertes Bodenmanagement ergänzt. Durch die Erhaltung und Aufwertung des angrenzenden Zechenwaldes wird ein Beitrag zum Biotopschutz und zur Erholungsnutzung geleistet. Die Realisierung des städtebaulichen Gesamtkonzeptes steht allerdings erst am Anfang.

Bodenschutzpreis 2011
Im Anschluss an den Vortrag des Staatssekretärs wurden die eingereichten Wettbewerbsbeiträge vorgestellt. Der „Bodenschutzpreis Nordrhein-Westfalen 2011“ geht jeweils gleichberechtigt, dotiert mit je 4.500 Euro, in der Kategorie „Flächenrecycling“ für die Konversionsfläche des Generationenparks Lütkerlinde an die Stadt Brakel und in der Kategorie „Renaturierung“ für die Altdeponie Eskesberg an die Stadt Wuppertal. Außerdem vergab die Jury für die Montanbrache Graf Bismarck in Gelsenkirchen an die NRW.URBAN und die Stadt Gelsenkirchen einen Sonderpreis mit 1.000 Euro Preisgeld.
Brakel – Sieger in der Kategorie „Flächenrecycling“ Sonderpreis für Gelsenkirchen

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Clearingstelle

Jahresbericht 2011

Clearingstelle
Die seit 2007 im Rahmen des Dialogs Wirtschaft und Umwelt (DWU) eingerichtete Clearingstelle stellt eine Kommunikations- und Handlungsplattform zwischen Landesverwaltung und Wirtschaft in NRW dar.

Nachdem in der ersten Jahreshälfte 2011 die Fortführung des DWU, unter Einbeziehung weiterer gesellschaftlicher Gruppen (Umwelt- und Naturschutzverbände, Gewerkschaften), beschlossen worden ist, wurde auch die Fortführung der Clearingstelle vereinbart.

Sie dient als Vermittler, um Streitfälle zwischen Unternehmen und Behörden im Umweltbereich unbürokratisch und unabhängig von gerichtlichen Verfahren einvernehmlich zu lösen. Geschäftsstelle der Clearingstelle ist der Altlastensanierungs- und Altlastenaufbereitungsverband NRW (AAV NRW) mit Sitz in Hattingen.

Seit dem Wegfall der Widerspruchsverfahren gegen Behördenbescheide im Umweltschutz ist das Verfahren bei der Clearingstelle ein geeigneter Weg, um Streitfälle im Umweltschutz von grundsätzlicher Bedeutung außergerichtlich klären zu lassen. Anträge zu einem Clearingverfahren können bei der Geschäftsstelle des AAV NRW eingereicht werden.

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Jahresbericht 2011

Mitgliederinformation

Mitgliederinformation und Öffentlichkeitsarbeit

Neuer Internet-Auftritt des AAV mit Beratungsplattform

Der AAV hat seinen Internetauftritt rundum erneuert. Eine besondere Bedeutung hat dabei die elektronische Beratungsplattform, die in diesem Zuge eingebunden wurde. Damit wird das Beratungsangebot für die AAV-Mitglieder erweitert. Mitglieder, die altlastenspezifische Fragen oder Probleme haben, können diese im Rahmen der Internetplattform formulieren und darüber in Kontakt mit den Spezialisten beim AAV treten. Der Beratungsvorgang wird dann komplett über die Plattform im Internet abgewickelt.

Ein weiterer Nutzen für Vertreter von Mitgliedsorganisationen besteht darin, dass nach der persönlichen Registrierung auf der Plattform für sie besondere Inhalte zugänglich sind, wie z. B.: Rechtsfragen allgemeiner Art zu Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen, technische Fragen (z. B. zu Sanierungstechniken), Dokumente wie z. B. Gesetze, Verordnungen, Urteile zum Thema „Altlasten“ und Links zu weiteren umweltrelevanten Informationen im Internet.

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Mitgliederinformation

Jahresbericht 2011

Registrierung in zwei Schritten
Damit diese Inhalte genutzt werden können bzw. eine Beratung online erfolgen kann, sind zwei Schritte erforderlich: 1 Interessenten müssen sich dazu auf der Plattform registrieren. Das kann direkt auf der Startseite unter www. aav-nrw.de (siehe Grafik) erfolgen. Wenn dort auf die Schaltfläche „Jetzt Online-Testzugang beantragen“ geklickt wird, startet der Registrierungsvorgang. Bei dieser Registrierung wird erst einmal nur ein Testzugang aktiviert, bei dem der Zugriff zunächst auf eine beschränkte Auswahl an Inhalten möglich ist. Auch die Beratungsfunktion der Plattform ist für diesen „Testzugang“ noch nicht freigeschaltet. Deshalb wird

2 durch den AAV geprüft, ob es sich tatsächlich um den Vertreter eines Mitgliedsunternehmens handelt. Ist dies der Fall, wird der komplette Mitgliederbereich mit Beratungsfunktion freigeschaltet. Andernfalls verbleibt der Teilnehmer im „Testzugang“ mit den beschränkten Rechten. Da diese Überprüfung nicht automatisiert abläuft, kann dieser Vorgang etwas Zeit in Anspruch nehmen. Nach Überprüfung und Freischaltung wird automatisch eine E-Mail mit einem entsprechenden Hinweis versandt, dass nun der volle Zugriff auf alle Funktionen möglich ist. Nach dem Auslaufen des bisherigen Kooperationsvertrages muss zunächst festgestellt werden, welche Wirtschaftsunternehmen weiter freiwillig beim AAV Mitglied bleiben bzw. werden möchten. Danach wird der Zugang zur Beratungsplattform neu geregelt.

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Jahresbericht 2011

Mitgliederinformation

Fachtagungen
Auch in diesem Jahr führte der AAV zwei seiner regelmäßig stattfindenden Fachtagungen durch. Am 13.07.2011 veranstaltete er eine Rechtstagung mit über 170 Teilnehmern zum Thema „Rechtliche und wirtschaftliche Fragen bei der Altlastensanierung“, die ab Seite 8 in diesem Bericht zusammengefasst ist. Am 17.10.2011 folgte schließlich die Fachtagung zum Themenkomplex „Flächenrecycling und Flächenmanagement“ mit über 140 Teilnehmern. Die dazugehörigen Vorträge sowie eine Zusammenfassung der Veranstaltung können von der AAV-Homepage (www.aav-nrw. de) im Bereich Service heruntergeladen werden. Am 05.07.2011 wurde außerdem die alle zwei Jahre stattfindende „Deponietagung“ unter dem Titel „Aktuelle Fragen im Zusammenhang mit der Ablagerung von Abfällen“ im BEW Essen durchgeführt, deren Inhalt auf Seite 16 dieses Berichtes wiedergegeben wird. Diese Tagung wird in Kooperation mit dem Umweltministerium veranstaltet.

Bürgerinformationen vor Ort
Im Rahmen seiner Sanierungstätigkeiten informiert der AAV die betroffenen Bürger vor Ort über bevorstehende und laufende Sanierungsmaßnahmen. Diese Informationsveranstaltungen werden immer in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden geplant und durchgeführt. Im Jahr 2011 fanden Informationstermine in Duisburg, Krefeld, Gladbeck und Aachen statt.

Pressearbeit
Die Öffentlichkeit wird über die Aktivitäten des Verbandes durch Pressemitteilungen und Pressegespräche auf dem Laufenden gehalten. Diese wenden sich sowohl an die lokalen Medien vor Ort, die bei laufenden Sanierungsmaßnahmen natürlich über den neuesten Stand informiert werden, aber auch an die Fachpresse, die diese Mitteilungen immer wieder aufgreift und dann auch zum Anlass nimmt, umfassender über ein Sanierungsprojekt zu berichten. Alle Pressemitteilungen können im Internet auf den Presseseiten des AAV nachgelesen werden. Im Jahr 2011 wurden Pressetermine u. a. in Wuppertal, Aachen und Stolberg durchgeführt.

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Der Verband und seine Mitglieder

Jahresbericht 2011

Der AAV und das nordrhein-westfälische

Altlastensanierungsallianz NRW

Kooperationsmodell

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Neben dem Land und den Kommunen in Nordrhein-Westfalen engagieren sich in diesem in Deutschland einmaligen Kooperationsmodell Unternehmen aus der Entsorgungswirtschaft, der chemischen, der Stahlund der NE-Metallindustrie sowie Energieversorger und weitere Branchen. Die Mittel, die dem AAV laut Vertrag zur Verfügung gestellt werden sollen – bis Ende 2011 insgesamt 37,5 Mio. Euro – werden vom Land NordrheinWestfalen, von den beteiligten Unternehmen sowie den nordrhein-westfälischen Kommunen aufgebracht. Hinzuzurechnen ist der Eigenanteil der Kommunen, den diese bei der Altlastensanierung mit dem AAV projektbezogen zu leisten haben. In der Regel handelt es sich dabei

Erlöse aus dem Verkauf sanierter Flächen fließen zu dem Teil an den AAV zurück, mit dem er sich an der Sanierung beteiligt hat. Diese Mittel stehen dann wieder für neue Projekte zur Verfügung. Da die Kooperationsvereinbarung Ende 2011 auslief, fanden im Laufe des Jahres Gespräche zur Fortsetzung der Altlastensanierungsallianz statt, die zum Beginn der Drucklegung dieses Beitrages noch andauerten. Überlegungen von Landesseite lassen auf eine Fortführung der Vereinbarung schließen, die auch eine Erweiterung des Aufgabenspektrums des AAV mit sich bringen wird.

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um 20 % der anfallenden Kosten.

Jahresbericht 2011

Der Verband und seine Mitglieder

Die AAV-Mitglieder
Der AAV ist als sondergesetzlicher Verband eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die sich selbst verwaltet. Mitglieder sind nach dem AAV-Gesetz (AAVG): Freiwillige Mitglieder (alle juristischen Personen des Privatrechts und Vereinigungen von juristischen Personen, die sich zu freiwilligen Beiträgen gegenüber dem Verband verpflichtet haben), die Kreise und kreisfreien Städte, das Land Nordrhein-Westfalen.

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Der Verband und seine Mitglieder

Jahresbericht 2011

Die Mitglieder sind in den Gremien des Verbandes, wie dem Vorstand, der Delegiertenversammlung und den Kommissionen vertreten. Sie wirken bei allen Entscheidungen mit, die die Umsetzung der AAV-Aufgaben zum Gegenstand haben. Entscheidungen können nur mit 2/3-Mehrheit getroffen werden.

AAV-Mitglieder (Stand 2011)
Landesregierung Nordrhein-Westfalen, vertreten durch das NRW-Umweltministerium, Förderverein AAV e. V. (ein Zusammenschluss verschiedener Entsorgungsunternehmen), Förderverein AAV der Chemischen Industrie in NRW. Alle Kreise und kreisfreien Städte in Nordrhein-Westfalen sind über das AAV-Gesetz Partner im Kooperationsmodell. Unternehmen der Stahlbranche: ThyssenKrupp Steel AG, ThyssenKrupp Nirosta GmbH, Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH, Mittal Steel Ruhrort GmbH, Salzgitter AG, Deutsche Edelstahlwerke GmbH, V & M Deutschland GmbH, SCHMOLZ + BICKENBACH Distributions GmbH, Benteler Stahl/Rohr GmbH. Nichteisenmetallerzeugung: Aurubis AG Energieversorger: ENERVIE Südwestfalen Energie und Wasser AG, E.ON Kraftwerke GmbH, Evonik Power Minerals GmbH, RWE Power AG, RheinEnergie AG, Stadtwerke Düsseldorf AG. Sonstige Branchen: Rheinkalk GmbH, Philips Deutschland GmbH

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Jahresbericht 2011

Der Verband und seine Mitglieder

Altlastensanierung, Flächenrecycling, Beratung –

wichtige Aufgaben des AAV
Nach dem AAV-Gesetz kann der Verband Maßnahmen durchführen Der AAV berät seine Mitglieder bei Fragen der Sanierung von Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen. Zusätzliche Arbeiten und Maßnahmen kann der AAV im Auftrag und Sanierung von Altlasten oder schädlichen Bodenveränderungen,

1 zur Sanierungsuntersuchung, -planung

Dritter übernehmen. Außerdem unterstützt der Verband die Tätigkeit der im Rahmen des „Dialogs Wirtschaft und Umwelt Nordrhein-Westfalen“ eingerichteten Clearingstelle. Er unterstützt darüber hinaus die „Allianz für die Fläche NRW“ in allen Fragen der Flächenaufbereitung und Wiedernutzbarmachung ehemals genutzter Flächen. Die Besonderheit liegt darin, dass

2 zur weitergehenden Sanierung von Altlasten oder schädlichen Bodenveränderungen, um Grundstücke für eine konkret angestrebte Nutzung aufzubereiten, soweit die dafür entstehenden Aufwendungen und die angestrebte Nutzung in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen, sowie 3 zur Entwicklung und Erprobung neuer Technologien und innovativer Verfahren zur Sanierung von Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen und zur Förderung des Flächenrecyclings. Im ersten Fall muss es sich um Gefahrenabwehrmaßnahmen handeln,

der Verband nicht nur finanzielle Mittel bereitstellt – bis zu 80 % der Sanierungskosten bei Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und bei der Aufbereitung von Altlasten –, sondern auch altlastenspezifisches Know-how, das er bei seinen bisher durchgeführten Projekten gesammelt hat. Neben der gemeinsamen Finanzie-

1 die von den zuständigen Behörden im Wege der Ersatzvornahme durchgeführt werden, oder 2 über deren Durchführung mit dem Pflichtigen ein öffentlich-rechtlicher Vertrag geschlossen ist, oder 3 im Vorgriff auf eine spätere Feststellung des Pflichtigen, oder 4 zu deren Durchführung ein Pflichtiger nicht herangezogen werden kann oder finanziell nicht – oder nur teilweise – in der Lage ist, oder 5 auf Grundstücken, bei denen eine Ordnungspflicht von Gemeinden oder Gemeindeverbänden besteht.

rung der Arbeiten des AAV wirken die Vertreter des Landes, der Wirtschaft und Industrie sowie der Kommunen in allen Entscheidungsgremien mit und erbringen damit wichtige fachliche Beiträge zur Sanierung und Aufbereitung von Altlastenflächen. Aus der Verbandsstruktur wird deutlich, dass die von den Beteiligten entwickelte Lösung eine konsequente Umsetzung des Kooperationsprinzips darstellt. Die operative Durchführung der Sanierungstätigkeit des Verbandes erfolgt in der Geschäftsstelle des AAV durch ein interdisziplinäres Team von Fachleuten. Im Rahmen der eigentlichen Projektabwicklung tritt der AAV in der Regel als Maßnahmenträger auf. Sie erfolgt auf vertraglicher Basis in enger Abstimmung mit der zuständigen Bodenschutzbehörde.

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Der Verband und seine Mitglieder

Jahresbericht 2011

Die Gremien des AAV
Dr. Jochen Rudolph Verbandsvorsitzender für Evonik Degussa GmbH, Essen Dr. Walter Leidinger CURRENTA GmbH & Co. OHG, Dormagen

Prof. Dr. Wilhelm König Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Naturund Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

AAV-Vorstand
Dr. Christian Schmidt Stadt Hagen

Dr. Arnim Brux Stellv. Verbandsvorsitzender Ennepe-Ruhr-Kreis Thomas Buch Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Naturund Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

Bernd Schönmackers Schönmackers Umweltdienste GmbH & Co. KG, Kempen

Dr. Bernhard Schulze Langenhorst REMONDIS Industrie Service GmbH & Co. KG, Lünen

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Annelie Franzen Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Naturund Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

Andreas Theuer ThyssenKrupp Steel Europe AG, Duisburg

Jahresbericht 2011

Der Verband und seine Mitglieder

Kommission für Altlasten und Bodenschutz
Harald Bayer Stadt Wuppertal Wolf-Dietrich Bertges Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, Düsseldorf Dr. Reinhard Eisermann Lobbe Industrieservice GmbH & Co KG, Iserlohn Andreas Friese REMONDIS ProTerra GmbH, Lünen Hans Gennen CURRENTA GmbH & Co. OHG, Dormagen Dr. Stephanus Jakobs ThyssenKrupp Steel Europe AG, Duisburg Dieter Kumstel Kreis Viersen Dr. Christoph Olk Evonik Degussa GmbH, Essen

Haushaltskommission
Harald Bayer Stadt Wuppertal Dr. Arnold Feldmann REMONDIS Industrie Service GmbH & Co. KG, Lünen Dr. Stephanus Jakobs ThyssenKrupp Steel Europe AG, Duisburg Dr. Gert Schwarzlose Förderverein AAV der Chemischen Industrie in NRW e. V., Düsseldorf Martin Sträßer Förderverein AAV der Chemischen Industrie in NRW e. V., Düsseldorf Dr. Detlef Timpe Kreis Unna

Satzungskommission
Dr. Arnold Feldmann REMONDIS Industrie Service GmbH & Co. KG, Lünen Dr. Andrea Garrelmann Landkreistag Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf Dr. Friedrich Ossendot Eyller-Berg Abfallbeseitigungsgesellschaft mbH, Kamp-Lintfort Dr. Peter Queitsch Städte- und Gemeindebund NRW, Düsseldorf Dr. Frank Andreas Schendel Bergisch Gladbach Martina Schürmann AGR Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet mbH, Essen Martin Sträßer Förderverein AAV e. V. der Chemischen Industrie in NRW, Düsseldorf

Rechnungsprüfer für das Jahr 2010
Dr. Hans Berlage Bayer Pharma AG Dr. Horst Ferfers Stadt Neuss Jürgen Schulte-Derne H. Brühne Entsorgung GmbH & Co. KG, Dortmund

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Mitgliederprofile der Kooperationspartner

Jahresbericht 2011

Mitglieder-Profile der Kooperationspartner

Hinter dem AAV stehen neben dem Land Nordrhein-Westfalen und den Kommunen Teile der NRW-Wirtschaft. Auf den folgenden Seiten stellt sich eine Reihe von AAVMitgliedern vor. Die AAV-Mitglieder sind hier nicht vollzählig vertreten. Wir werden diese Reihe jedoch künftig fortführen.

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Jahresbericht 2011

Mitgliederprofile der Kooperationspartner

Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände NRW

Kommunen und kommunale Spitzenverbände als Akteure im AAV
Städte, Kreise und Gemeinden (Kommunen) sind eine der tragenden Säulen des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie regeln alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung (kommunale Selbstverwaltung). Zu den ihnen übertragenden Aufgaben gehört auch der Umgang mit Altlasten im Rahmen des nachsorgenden Umweltschutzes. Dabei haben die Kommunen frühzeitig erkannt, dass ihre Erfassung, Sanierung, die Finanzierung der Maßnahmen usw. ohne Partner nur schwer für sie möglich ist. Zur Vertretung ihrer Interessen haben sich die Kommunen zu eigenen Verbänden zusammengeschlossen. In Städtetag, Landkreistag oder Städte- und Gemeindebund sind sie freiwillig Mitglied. Diese drei kommunalen Spitzenverbände nehmen in vielfältiger Weise zu allen die Kommunen betreffenden Fragen Einfluss auf Gesetzgebung, Aufgabenvollzug, Arbeitsteilung zwischen Land und Kommunen, aber auch zwischen Kommunen und Wirtschaft. Gerade das Beispiel AAV symbolisiert hier das Zusammenwirken von Land, Wirtschaftsunternehmen und Kommunen. Dabei vertreten die kommunalen Spitzenverbände seit der Gründung des AAV als Körperschaft des öffentlichen Rechts im Jahr 1988 in verschiedensten Gremien des AAV die Interessen der Kommunen. Sie benennen Delegierte, Experten und Vorstandsmitglieder. Die Geschäftsstellen der kommunalen Spitzenverbände stimmen sich in allen den AAV betreffenden Fragen eng miteinander ab und haben sich von Anfang an dafür eingesetzt, die Arbeits- und Zukunftsfähigkeit des AAV zu sichern. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die Aufgabe des AAV bei der Altlastensanierung für die Kommunen von besonderer Bedeutung ist. Die Dienstleistungen des AAV reichen hier von der Planung bis zur Projektabwicklung. Das schließt vor allem nutzungsbezogene Sanierungen im Rahmen des Flächenrecyclings und damit die Wiedereingliederung von Gewerbeflächen in den Wirtschaftskreislauf ein. Vor allem nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 29. März 2000 waren die Aktivitäten der kommunalen Spitzenverbände immer von der Bereitschaft getragen, den AAV zu erhalten und zu stärken. Bereits seit 1996 haben sie sich intensiv für freiwillige Vereinbarungen eingesetzt, die mittel- und langfristig tragfähig sind. Dass der Erhalt bisher gelungen ist und der AAV seinen 20. Geburtstag feiern konnte ist nicht nur Grund zur Freude sondern auch Verpflichtung, ihn in seinen Funktionen zu stärken und ihm dafür eine sichere Basisfinanzierung zu verschaffen. Das wäre ein angemessenes Geschenk zum 25-jährigen Jubiläum. In diesem Zusammenhang muss aber auch daran erinnert werden, dass der AAV gegründet wurde, um die Kommunen bei der Altlastensanierung zu unterstützen, wohlwissend, dass dabei vor allem Land und Wirtschaft in der Verantwortung bei der Finanzierung des AAV-Haushalts sind. Die Kommunen haben ihren Beitrag zwar konstant gehalten - auch als Land und Wirtschaft ihre Beiträge abgesenkt haben – aber immer betont, dass dieser nur flankierenden Charakter haben könne. Spätestens seit dem Finanzierungsmodell für die Jahre 2007 bis 2011 wissen wir, dass es an einer langfristig tragfähigen Finanzierung für den AAV mangelt. Dies gilt vor allem deshalb, weil die Wirtschaft deutlich gemacht hat, dass ihr nach Auslaufen der Kooperationsvereinbarung Ende 2011 eine weitere Fortführung der AAV-Finanzierung in der bisherigen Form nicht möglich sei. Daher müssen nun erhebliche Anstrengungen unternommen werden, um dem AAV eine Perspektive zu geben. Dazu gehört aus Sicht der kommunalen Spitzenverbände eine dauerhafte, verbindliche Basisfinanzierung durch das Land NRW, eine weitere Beteiligung der Wirtschaft an der Finanzierung und in den AAV-Gremien, eine gezielte Weiterentwicklung des Dienstleistungs- und Unterstützungsangebotes des AAV für Kommunen und Wirtschaft. Die kommunalen Spitzenverbände bekennen sich zu der bewährten Arbeit des AAV und unterstützen unter diesen Voraussetzungen die Aufstellung eines neuen, langfristigen Finanzierungskonzepts.

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ArcelorMittal ist der weltweit größte Stahlkonzern mit 269.000 Mitarbeitern in mehr als 60 Ländern und Hauptsitz in Luxemburg. Der Konzern vereint seit 2007 die beiden führenden Stahlproduzenten Arcelor und Mittal Steel. ArcelorMittal ist mit einer Gesamtproduktion von 120 Mio. Tonnen und einem Weltmarktanteil von 10% Marktführer mit Produktionsstätten auf vier Kontinenten. Das Unternehmen nimmt als Lieferant von Stahl in allen wichtigen Kundensegmenten wie Automobilindustrie, Bauwesen, Haushaltsgeräte- und Verpackungsindustrie die Spitzenposition ein. Der Konzern ist richtungsweisend in Forschung, Entwicklung und Technologie, und verfügt außerdem über beträchtliche firmeneigene Rohstoffreserven sowie über ein ausgezeichnetes und ausgedehntes Vertriebsnetz. Die industrielle Präsenz in 28 europäischen, asiatischen, afrikanischen und amerikanischen Ländern gibt ArcelorMittal Zugang zu den wichtigsten neu entstehenden sowie reifen Stahlmärkten und eröffnet neue Möglichkeiten auf den schnell wachsenden chinesischen und indischen Märkten. Der Konzern arbeitet nach strengen Prinzipien der Corporate Social Responsibility und hat sich zum Ziel gesetzt, regelmäßig bedeutende Nachhaltigkeitsindikatoren zu veröffentlichen, um diesen Prinzipien gerecht zu werden. Kontakt: ArcelorMittal Ruhrort GmbH Vohwinkelstraße 107 47137 Duisburg

In Deutschland betreibt ArcelorMittal vier Werke mit zusammen ca. 8.000 Mitarbeitern und einer Produktion von ca. 8,0 Mio Tonnen Stahl. Die Werke Bremen und Eisenhüttenstadt sind spezialisiert auf die Erzeugung der Flachprodukte Warmband und verzinktem oder beschichtetem Kaltband. Die Erzeugnispalette der Werke in Duisburg und Hamburg erstreckt sich auf Langprodukte als Vormaterial für Schienenwalzung und Schmiedekunden sowie Walzdraht in Stahlcord-, Automatenstahl-, Kaltstauch-, Federstahl-, Werkzeugstahl, Wälzlager- und Betonstahlgüten. Die ArcelorMittal Ruhrort GmbH ist nach der strengen internationalen Norm DIN EN ISO 14001:2004 für ihr Umweltmanagementsystem zertifiziert, wodurch die nachhaltige Strategie für Mensch und Natur zum Ausdruck kommt. Insgesamt werden mehr als eine Million Kubikmeter Abluft pro Stunde durch moderne Filteranlagen gereinigt und ein Niveau erreicht, das deutlich unter den gesetzlichen Forderungen liegt. Sowohl der schonende Einsatz von Ressourcen als auch die gezielte Kreislaufführung bei der Stahlherstellung führen zu einem Minimum an Energieeinsatz und Abfallmengen. Die Duisburger Standorte sind seit 2007 freiwilliges Mitglied im AAV und leisten dadurch wichtige finanzielle Unterstützung bei der Altlastensanierung. Umweltschutz: Herr Denis Schlender +49/0203/606-66153 Denis.Schlender@arcelormittal.com

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Experte im Kupferrecycling
Die Aurubis AG mit Hauptsitz in Hamburg ist der führende integrierte Kupferkonzern und zudem der größte Kupferrecycler weltweit. Aurubis beschäftigt rund 6.200 Mitarbeiter, verfügt über 16 Produktionsstandorte in elf europäischen Ländern sowie den USA und über ein ausgedehntes Service- und Vertriebssystem für Kupferprodukte in Europa, Asien und Nordamerika. Mit unserem Leistungsangebot gehören wir zur Spitzengruppe unserer Branche. Im Kerngeschäft produzieren wir börsenfähige Kupferkathoden aus Kupferkonzentraten, Altkupfer und anderen Recyclingrohstoffen. Diese werden im Konzern zu Gießwalzdraht, Stranggussformaten, Walzprodukten, Bändern sowie Spezialdrähten und Profilen aus Kupfer und Kupferlegierungen weiterverarbeitet. Edelmetalle und eine Reihe anderer Produkte wie Schwefelsäure und Eisensilikat ergänzen unser Produktportfolio. Kupferkathoden und -produkte werden u. a. an Unternehmen der Kupferhalbzeugindustrie, der Elektro-, Elektronik und der Chemieindustrie, sowie die Zulieferunternehmen der Bau- und Automobilindustrie geliefert. Sowohl primäre als auch sekundäre Rohstoffe enthalten nicht nur Kupfer. Edelmetalle wie Gold, Silber, Platin und Palladium oder auch Begleitmetalle wie z.B. Nickel, Zinn, Blei und Zink sind in den Rohstoffen enthalten und werden zu Produkten verarbeitet. Nur die Kupfermetallurgie ist in der Lage, diese weite Bandbreite an Begleitmetallen zu verarbeiten. Kupferrecycling ist kein Downcycling, sondern stellt der weiterverarbeitenden Industrie das Metall in immer gleichbleibender Qualität zur Verfügung. Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz sind im Aurubis Konzern keine modernen Schlagworte, sondern werden schon seit Jahrzehnten betrieben und ausgebaut.

Energieeffiziente Produktionsprozesse, geringste Verluste an Metallen in den Herstellungsverfahren oder auch die Umwandlung nahezu aller in den Rohstoffen enthaltenen Wertstoffe in marktfähige Produkte sind nur einige Beispiele. Aurubis verfügt über modernste Technologien, um Kupfer und Begleitmetalle sowie Edelmetalle zu recyclen. Im Vordergrund steht hier das Recyclingzentrum des Konzerns in Lünen. Mit dem Kayser Recycling System (KRS) verfügt der Konzern über eine weltweit führende Technologie im Bereich des Kupferrecyclings. Im Jahr 2011 hat Aurubis 62,5 Mio. Euro in den Ausbau des KRS-Systems investiert, davon allein 17,5 Mio. Euro in Umweltschutzmaßnahmen. Aurubis arbeitet stetig an der Weiterentwicklung von Recyclinglösungen für komplexe sekundäre Rohstoffe. Entwicklungsziele sind energieeffiziente Verfahren mit maximalen Rückgewinnungsquoten für Kupfer, Edelmetalle und einer Vielzahl weiterer NE-Metalle. Damit leistet Aurubis einen bedeutenden Beitrag zu Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit. In hochmodernen mechanischen Trennanlagen werden komplette, zuvor schadstoffentfrachtete Elektrogeräte wie Computer, Drucker, Tastaturen, Telefon-Schaltanlagen oder auch hochwertige Unterhaltungselektronik vor den Schmelzprozessen separiert z.B. in Kunststoffe oder Aluminium, um diese an spezialisierte Unternehmen zu einem weiterführenden stofflichen Recycling weiterleiten zu können. Vor dem Hintergrund weltweit steigender Nachfrage und dem damit verbundenen Kampf um Rohstoffe besitzt Aurubis mit modernen Recyclingkapazitäten die Fähigkeit, nicht mehr benötigte Produkte wieder dem Rohstoff-Kreislauf verfügbar zu machen und nutzt die sekundären Materialien, die quasi vor der eigenen Haustür anfallen, als Rohstoffquelle.

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Tube Solutions by Benteler: wirtschaftlich, sicher und umweltgerecht
Der Benteler Geschäftsbereich Stahl/Rohr ist ein international bedeutender Hersteller von hochwertigen Stahlrohren. Mit den Gesellschaften Benteler Steel/Tube, Benteler Rothrist und Benteler Tube Management bieten wir hochspezialisierte Lösungen für zahlreiche Industrien. Der Geschäftsbereich Benteler Stahl/Rohr verfügt über sechs Werke in Deutschland und der Schweiz und ist mit rund 3.300 Mitarbeitern (FTE) weltweit präsent.

Qualität aus Erfahrung
Unsere maßgeschneiderten Produkte machen uns zum kompetenten Partner für Kunden aus der Energieerzeugung, dem Automobilbau und anderen Industriebereichen. Die jahrzehntelange Erfahrung, unsere technologische Expertise von der Stahlerzeugung bis zur „Tube Solution“ und eine konsequente Kunden- und Qualitätsorientierung sind die Basis unseres Erfolgs.

Umweltgerecht und sicher
Mit dem nach DIN EN ISO 14001 zertifizierten Umweltmanagementsystem stellen wir uns unserer Verantwortung gegenüber der Umwelt, schonen Ressourcen und sichern uns und unseren Kunden zugleich wirtschaftliche Vorteile. Es versteht sich von selbst, dass all unsere organisatorischen und technischen Vorkehrungen zum Umweltschutz laufend mit den neuesten Vorschriften abgeglichen werden und wir unsere Produktionsabläufe und die Produktpalette mit Blick auf den gesamten Lebenszyklus umweltgerecht gestalten. Als wichtiges Element zur Unterstützung der CO2Ziele betreiben wir an unseren Produktionsstandorten ein systematisches Energiemanagement gemäß DIN EN 16001 und steigern so kontinuierlich unsere Energieeffizienz. Umweltbewusstes Denken und Handeln fördern wir durch Schulung und Motivation unserer Mitarbeiter, denn die aktive Beteiligung aller Beschäftigten ist die Basis für ein erfolgreiches Umweltmanagement. Benteler unterstützt seit 2002 als freiwilliges Mitglied den AAV.

Die Philosophie dahinter
Umweltverträgliche, effiziente und sichere Produkte stehen für uns an erster Stelle, denn sie erlauben unseren Kunden mit besseren Produkten und Systemen nachhaltigen Erfolg. Dahingehend entwickeln wir unsere Geschäftsmodelle, Prozesse und Produkte kontinuierlich weiter.

Ökonomie und Ökologie in Balance
Umweltschutz ist für Benteler ein zentrales Unternehmensziel. Viele unserer Produkte helfen unseren Kunden dabei, umweltfreundlichere Produkte herzustellen. Aber auch in unserer eigenen Fertigung setzen wir alles daran, die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten und Ressourcen zu schonen. Dass sich dabei Ökologie und Ökonomie nicht ausschließen, sondern gegenseitig bedingen, ist ein weiterer positiver Aspekt unserer Bemühungen um höchste Effizienz.

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Das ist die BP
Die BP-Gruppe zählt zu den größten Energieunternehmen der Welt und ist in über 80 Ländern mit rund 80.300 Mitarbeitern tätig. Zu ihren Hauptaktivitätengehören die Exploration und Produktion von Erdöl und Erdgas sowie die Mineralölverarbeitung und der Mineralölvertrieb. Mit Alternative Energy steuert BP ihre Aktivitäten rund um die Erzeugung von CO2armen Energien. Dabei konzentriert sich das Unternehmen auf vier Kerngeschäfte, in die sie in den Die BP in Deutschland ist seit dem 30. April 2010 Teil der BP Europa SE, der neuen Europäischen Aktiengesellschaft der BP Gruppe. Dafür wurden die BP Landesgesellschaften in Belgien, den Niederlanden, Österreich und Polen mit der Deutsche BP AG verschmolzen. Bei der BP Europa SE handelt es sich nicht um eine Holdingstruktur, sondern um eine in fünf Ländern operativ tätige Gesellschaft. Dabei wird das Geschäft in den Ländern durch Zweigniederlassungen geführt. Sitz der Gesellschaft ist Hamburg, die Hauptverwaltung befindet sich in Bochum. Mit den erfolgreichen Marken Aral, BP und Castrol ist die BP in Deutschland Marktführer auf dem inländischen Tankstellen- bzw. Schmierstoffmarkt. Die historischen Wurzeln der deutschen BP reichen zurück ins Jahr 1904. Über 100 Jahre danach nimmt BP mit einem Jahresumsatz von rund 20 Mrd. Euro im Jahr 2009 (ohne Mineralölsteuern) und rund 5.300 Mitarbeitern eine Spitzenposition unter den deutschen Wirtschaftsunternehmen ein. BP betreibt unter der Marke Aral 2.500 Tankstellen. BP hat das zweitgrößte deutsche Raffineriesystem, das dank modernster Anlagen schwefelfreie Kraftstoffe und hochwertige Mineralölprodukte erzeugt. letzten Jahren acht Milliarden US-Dollar investiert hat: Biokraftstoffe, Wind, Solar und die Gewinnung von Wasserstoffenergie im Zusammenhang mit Carbon Capture and Storage (CCS). Für BP hat der Übergang zu einer Co2-armen Zukunft mehrere Dimensionen; das Unternehmen verbessert die Energieeffizienz in seinen eigenen Anlagen und entwickelt effizientere Kraftund Schmierstoffe.

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Die Lackfabrik Dr. A. Conrads, gegründet 1924 durch Dr. Alfred Conrads, ist Hersteller moderner sowie klassischer Lacke und Beschichtungsstoffe für den industriellen Einsatz, insbesondere für metallische Oberflächen. Hierzu gehören u.a. Systeme für den Maschinen- und Anlagenbau, alle Arten von Korrosionsschutzlacken, Beschichtungsstoffe für Handwerkzeuge, Leuchten, den Schutz industrieller und geistlicher Kulturgüter und sonstige metallische Objekte.

Die stetige Entwicklung umweltfreundlicher HighSolid- sowie wasserverdünnbarer Lacke, führt dazu, dass der Anteil an Ozon schädigen Einsatzstoffen laufend reduziert wird. Durch die Teilnahme an speziellen Rückführsystemen für gebrauchte Lackgebinde sowie die Destillation von Schmutzverdünnungen wird der Anteil an Sondermüll auf das eben notwendige Maß beschränkt. Zudem ist durch den gerade vollendeten Neubau

Insbesondere durch speziell auf die Kundenbedürfnisse zugeschnittene Entwicklungen, fundierte Fachinformationen, technischen Service sowie schnelle Reaktionszeiten zeichnet sich dieses Traditionsunternehmen seit mehr als 85 Jahren aus. Die Geschäftsführung liegt seit 1999 in den Händen der Enkel des Firmengründers, Mathias und Stefan Conrads, die diese von Ihrem Vater, Kurt Conrads, übernommen haben.

einer Produktions- und Lagerhalle die Gefährdung von Boden und Gewässer auf ein Minimum verringert worden, da sämtliche wassergefährdenden Rohstoffe und Fertigerzeugnisse nicht mehr im Freien gelagert werden müssen. Dr. A. Conrads Lacke GmbH & Co. KG Viehhofstrasse 206 42117 Wuppertal

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Beseitigen, Verwerten, Stoffkreisläufe schließen
Altlastensanierung aus einer Hand
Ob belastete Böden oder Abbrüche von Gebäuden und Produktionsanlagen, in beiden Fällen sind Erfahrung sowie moderne Sanierungs- und Entsorgungstechniken gefragt.

Netzwerk für die Umwelt
Mit eigenen Anlagen und mit Kooperationspartnern in Europa hat Currenta ein Netzwerk aufgebaut, das den Kunden Entsorgungssicherheit für gefährliche Abfälle aller Art garantiert

CURRENTA, ein Tochterunternehmen von Bayer und und umfassende Möglichkeiten zur effizienten VerLanxess, bietet umweltgerechte Altlastensanierung wertung bietet. Im Jahr 2009 beseitigte und verund fachgerechten Rückbau von Gebäuden und wertete Currenta über eine Million Tonnen SonderAnlagen „aus einer Hand“ an. Durch die langjährige abfälle und Reststoffe. So werden beispielsweise Erfahrung an den eigenen Chemiestandorten und verdünnte Salzsäure und genutzte Lösemittel debei über 400 Sanierungsprojekten in 50 Ländern stilliert, kontaminierte Schwefelsäure wieder aufkennt CURRENTA mögliche Risiken und kann die bereitet oder Jod aus jodhaltigen Abfällen zurück voraussichtlichen Kosten genau ermitteln. Der bei gewonnen. Aber auch am Lebenswegende von ProSanierung oder Gebäuderückbau entstehende Abfall dukten können Stoffe wie Metalle oder Kunststoffe wird bereits auf der Baustelle getrennt, Schrotte zurück gewonnen und in den Kreislauf erneut einwerden hier zerlegt und für den Verkauf sortiert. Die gespeist werden. Das Netzwerk wird von Kunden restliche Bausubstanz kann – je nach Belastung – aus Industrie und Kommunen genutzt. auf den eigenen Sonderabfalldeponien oder in den Sonderabfallverbrennungsanlagen entsorgt werden. Als Gründungsmitglied des AAV unterstützt CURRENTA über den Förderverein AAV der Chemischen Industrie in NRW (FACIN) den Verband sowohl finan-

Entsorgung auf der größten DK III ziell als auch mit fachlicher Expertise durch aktive Deponie Nordrhein-Westfalens Mitarbeit im Vorstand und den Fachausschüssen.
CURRENTA ist Betreiber des CHEMPARK mit StandMit über 80 ha Deponiefläche ist Currenta Markt- orten in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdinführer für DK III Deponien in NRW. Auf Basis der gen. Die beiden DK III Deponien in Leverkusen und derzeitigen jährlichen Mengen reichen die Depo- Dormagen sind, gemeinsam mit eigenen Anlagen niekapazitäten, bis zum Jahr 2050. Industrieunter- zur Sonderabfallverbrennung, Behälterreinigung, nehmen und Kommunen aus Nordrhein-Westfalen Wertstoffsammlung und -aufbereitung sowie zur nutzen die CURRENTA Deponien. Abwasserreinigung, Teil des europäischen Entsorgungsnetzwerkes.

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Deutsche Edelstahlwerke GmbH
Die Deutsche Edelstahlwerke GmbH ist einer der führenden Produzenten von Edelstahl-Langprodukten. Das Unternehmen gehört zur SCHMOLZ + BICKENBACH AG, die mit rund 10.000 Mitarbeitern weltweit ein führender Hersteller, Verarbeiter und Distributor hochwertiger Spezialstähle ist. Bei der Produktion von Werkzeugstahl und rostfreier Langprodukte ist die SCHMOLZ + BICKENBACH Gruppe weltweit die Nummer 1. Die Deutschen Edelstahlwerke entstanden durch die Fusion der Edelstahl Witten Krefeld GmbH und der Edelstahlwerke Südwestfalen GmbH zum 1.1.2007. Insgesamt verfügt das Unternehmen über mehr als 150 Jahre Erfahrung in der Produktion hochwertiger Edelstahlerzeugnisse. Die Produktpalette reicht vom gezogenen Draht mit 0,8 mm Durchmesser bis hin zu geschmiedeten Produkten mit 1.100 mm Durchmesser. Dieses breite Leistungsspektrum ist weltweit einzigartig. Die Kunden der Deutschen Edelstahlwerke erhalten die komplette Fertigungskette aus einer Hand: von der Erzeugung über die Anarbeitung bis hin zur Veredelung durch Wärmeund Oberflächenbehandlung. Geschäftsführer:	 Jürgen Horsthofer, Vorsitzender der Geschäftsführung Dirk Wallesch, stellv. Vorsitzender der Geschäftsführung Jürgen Alex, Burkhard Hartmann Personal:	 rund 4.000 Mitarbeiter Produktionsstandorte:	 Witten, Krefeld, Siegen, Hagen, Hattingen Lieferspektrum:	 - Werkzeug- und Schnellarbeitsstähle - Rost-, säure- und hitzebeständige Stähle (RSH-Stähle) - Edelbau- und Wälzlagerstähle - Sonderwerkstoffe, z.B. Ferro-Titanit® - Anarbeitung - Härtereitechnik	

Erzeugnisse:	 - Rohblöcke, Rohstrang	 - Halbzeuge – geschmiedet oder gewalzt - Röhrenvormaterial – geschmiedet oder gewalzt, roh oder geschält - Stabstahl – geschmiedet oder gewalzt, roh oder geschält - Walzdraht – gewalzt, in Ringen - Freiformschmiedestücke – roh oder bearbeitet - bearbeiteter Werkzeugstahl – - geschmiedet oder gewalzt - Breitflach- und Flachstahl – gewalzt - Blankstahl – geschält und geschliffen, in Stäben; gezogen und geschliffen, in Ringen und Stäben, - Sondererzeugnisse – Sonderprofile, auf Anfrage Produktionseinrichtungen:	 - Stahlwerke mit 130-t-UHP-Lichtbogenöfen - Stranggießanlagen vertikal/Kreisbogenanlage - Walzwerke für Walzdraht und Stabstahl - Schmiedebetriebe, 33-MN-Presse, RF 70, SX 25 - Blankstahlbetriebe: Schällinien, Zieheinrichtungen - Bearbeitung und Service - Wärmebehandlung - Adjustagen/Läger Rechtsform:	 GmbH, Amtsgericht Bochum Handelsregister HRB 8490 Unternehmenssitz:
	 Deutsche Edelstahlwerke GmbH Auestraße 4 D-58452 Witten Telefon:	 (+49) 23 02-29-0 Fax:(+49) 23 02-29-4000 Internet: www.dew-stahl.de E-Mail: info@dew-stahl.de

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E.ON ist eines der weltweit größten privaten Strom- und Gasunternehmen. An Standorten in Europa, Russland und Nordamerika erwirtschaften unsere über 85.000 Mitarbeiter einen Umsatz von knapp 93 Mrd EUR. Ihr Anspruch ist hoch:
Kraftwerk Irsching in Oberbayern bei Ingolstadt

Energiehandel, Neubauprojekte und innovative Technologien sowie das weltweite Gasgeschäft verantwortlich. Die zwölf regionalen Einheiten in Europa verantworten das Vertriebsgeschäft, die regionale Infrastruktur sowie die dezentrale Erzeugung. Hinzu kommt die Schwerpunktregion Russland mit Stromproduktion und -großhandel. Unsere neue Einheit E.ON International Energy haben wir für den Ausbau des Geschäfts außerhalb Europas gegründet. Sie soll unsere hohe Kompetenz in der konventionellen und erneuerbaren Erzeugung in Regionen mit einer zukünftig hohen Energienachfrage einsetzen. Unterstützende Aufgaben wie IT oder Einkauf haben wir konzernweit funktional organisiert. Energie ist Veränderung. Dies gilt heute mehr denn je. E.ON hat die Zeichen der Zeit erkannt und seine Gesamtinvestitionen in neue Technologien erheblich gesteigert. In vielen Bereichen ist E.ON bei der Entwicklung von Schlüsseltechnologien sowie bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung bestehender Anlagen und Produktionsprozesse führend. Mit mehr als 70 Onshore-Windparks, die weltweit mehrere 100.000 Haushalte versorgen, ist E.ON zum Beispiel unter den Top 10 der größten Windkraftbetreiber der Welt. Von den regenerativen Energien hat die Solarenergie das größte Potenzial. E.ON hat bereits reagiert - unter anderem mit „Malibu“. Das Joint Venture mit dem Fassadenspezialisten Schüco ist spezialisiert auf die Produktion von Dünnschicht-Photovoltaikmodulen. Darüber hinaus engagiert sich E.ON aktiv bei der Nutzung von Biomasse und fördert mit einer Reihe von Projekten und Aktivitäten die künftige Markteinführung der Elektromobilität, denn Elektroautos fahren CO2-arm.

Überall dort, wo wir aktiv sind, soll die Welt der Energie besser und sauberer werden. In Zukunft wollen wir unser Geschäft außerhalb Europas weiter ausbauen. 2010 haben wir unter dem Motto cleaner & better energy den Transformationsprozess zu einem globalen, spezialisierten Anbieter von Energielösungen eingeleitet. Davon werden unsere Mitarbeiter, Kunden und Investoren gleichermaßen profitieren. Auch in Deutschland gestaltet E.ON die Energiezukunft aktiv mit. Denn wir verfügen über Technologien und Erfahrungen, mit denen wir einen bedeutenden Beitrag zum Gelingen dieser Energiewende leisten. So hat E.ON als erster großer deutscher Energieversorger bereits 2007 eine Tochtergesellschaft gegründet, um die Erzeugung von Erneuerbarer Energie im industriellen Maßstab voranzubringen – mit Erfolg: E.ON hat allein im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Euro in Erneuerbare Energien investiert und verfügt heute über eine Erzeugungskapazität aus Erneuerbaren von insgesamt rund 9.000 Megawatt. Und wir werden die Erneuerbaren weiter ausbauen. Für den Zeitraum von 2011 bis 2013 sind dafür weitere 2,6 Milliarden Euro an Investitionen vorgesehen. Der E.ON-Konzern wird von der Konzernleitung in Düsseldorf geführt. Er gliedert sich in weltweit tätige Funktions- und regionale Ländereinheiten. Die fünf weltweit aktiven Einheiten sind für das Management der Erzeugungsflotte, für Erneuerbare Energien, den

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Evonik Industries AG
Evonik, der kreative Industriekonzern aus Deutschland, ist eines der weltweit führenden Unternehmen der Spezialchemie. Die Aktivitäten des Konzerns sind auf die wichtigen Megatrends Gesundheit und Ernährung, Ressourceneffizienz sowie Globalisierung konzentriert. In 2010 erwirtschaftete Evonik rund 80 Prozent des Chemie-Umsatzes aus führenden Marktpositionen. Evonik profitiert besonders von seiner Innovationskraft und seinen integrierten Technologieplattformen. Evonik ist in mehr als 100 Ländern der Welt aktiv. Über 34.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von rund 13,3 Milliarden Euro und eine operatives Ergebnis (EBITDA) von rund 2,4 Milliarden Euro. und Verantwortung. Daher ist der Schutz von Mensch und Umwelt elementarer Bestandteil des Handelns von Evonik. Von der Einhaltung von Gesetzen und Vereinbarungen als Basis ausgehend, arbeitet der Konzern daran, seine Leistung und seine Managementsysteme im USGBereich stetig weiter zu verbessern. So wählt Evonik seine Ressourcen wie Energie und Rohstoffe sorgsam aus und geht mit ihnen sparsam um. Mögliche Risiken etwa beim Betreiben von Anlagen oder beim Umgang mit Produkten werden planvoll und systematisch ermittelt, bewertet und reduziert. Forschung und Entwicklung sieht der Konzern als Chance, Nachhaltigkeit und Kundennutzen zu verbessern. Auch von Lieferanten und Dienstleistern erwartet der Konzern neben einer qualitativ hohen und gleichmäßigen Leistung ein sicheres und umweltgerechtes Arbeiten. Bei der Auftragsvergabe werden Umwelt- und Sicherheitsleistungen der Anbieter berücksichtigt Darüber hinaus sind Umweltschutz, Sicherheit und Gesundheitsschutz als feste Bestandteile der Verantwortung der Führungskräfte festgeschrieben, denen eine besondere Vorbildfunktion zukommt. Gleichzeitig legt Evonik bei allen Mitarbeitern viel Wert auf Eigenverantwortung. Sicheres und eigenverantwortliches Verhalten wird gefordert und gefördert. Für das Geschäftsfeld Chemie sind die Prinzipien der Initiative Umweltschutz, Sicherheit und Gesundheitsschutz (USG) sind ein Gebot unternehmerischer Vernunft Responsible Care und der Responsible Care Global Charter weltweit bindend.

Eines der führenden Unternehmen in der Spezialchemie
Evonik besitzt einzigartige Technologieplattformen in der Prozess- und Anwendungstechnik. Darüber hinaus ermöglichen Verbundstrukturen eine effiziente Verwertung der Stoffströme. Dem engen Zusammenspiel mit den Kunden, oft in Form langjähriger Entwicklungspartnerschaften, kommt als weiterem strategischem Schlüsselfaktor eine erhebliche Bedeutung zu. Die Folge sind optimale, oft maßgeschneiderte Produkte und Systemlösungen von Evonik für die Kunden und deren Marktbedürfnisse. Das Spektrum der Arbeitsgebiete, in denen Evonik in der Spezialchemie tätig ist, ist sehr gut ausbalanciert: Keiner der belieferten Endmärkte macht mehr als 20 Prozent des Umsatzes aus.

Umweltschutz, Sicherheit und Gesundheitsschutz

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Hüttenwerke Krupp Mannesmann
Duisburg ist trotz des Strukturwandels des Ruhrgebietes einer der größten Stahlstandorte der Welt. Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH (HKM) ist mit einer Kapazität von 5,6 Mio. Tonnen Stahl pro Jahr das zweitgrößte Stahlwerk Deutschlands, und kann im Duisburger Süden weit über 1.000 Stahlgüten produzieren. Die Firmengeschichte der Hüttenwerke Krupp Mannesmann reicht bis ins Jahr 1909 zurück. Damals begann die Stahlproduktion für das Blechwalzwerk Schulz-Knaudt. Nach Gründung von HKM im Jahr 1990 durch die Krupp Stahl AG und die Mannesmannröhren-Werke AG hat sich das Unternehmen zunehmend auf Brammen für Flachprodukte und Rundstahl für Rohre spezialisiert. Die Produkte entsprechen damit hauptsächlich den Bedürfnissen der heutigen Gesellschafter – ThyssenKrupp Steel Europe AG (50 Prozent) sowie der Salzgitter Mannesmann GmbH (30 Prozent) gemeinsam mit Vallourec & Mannesmann Tubes S.A.S. (20 Prozent). Das Liefer- und Leistungsspektrum von HKM umfasst Brammen von mehr als zwei Metern Breite und bis zu zwölf Metern Länge. Röhrenrundstahl wird mit Durchmessern von 180 bis 406 Millimetern und Längen von bis zu 14 Metern nach allen gängigen nationalen und internationalen Normen gefertigt. Die hochwertigen, durch Legierungsgehalte von bis zu fünf Prozent gekennzeichneten Stahlgüten erfüllen strengsten Qualitätsvorgaben etwa die der Automobilindustrie.
Beginn der Stahlproduktion: 1909 Mitarbeiter: ~3.000 Gesellschafter: ThyssenKrupp Steel Europe AG Salzgitter Mannesmann GmbH Vallourec & Mannesmann Tubes S.A.S. Geschäftstätigkeiten: Roheisenerzeugung Stahlerzeugung Brammen Rundstäbe

Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz haben am Standort Huckingen eine lange Tradition. Im Rahmen eines „integrierten Managementsystems“ wurden die umfangreichen Anforderungen auf diesen Gebieten prozessorientiert zusammengeführt. HKM wurde bereits 2003 gemäß den Standards EN ISO 9001: 2000 (Qualitätsmanagement), EN ISO 14001: 1996 (Umweltmanagement) und OHSAS 18001 (Arbeitssicherheit) zertifiziert und hat diese Anforderungen in einem integrierten Managementsystem organisiert. Die HKM ist seit 2002 freiwilliges Mitglied beim AAV und unterstützt diesen finanziell bei Projekten der Erfassung, Bewertung und Sanierung von schädlichen Bodenveränderungen und Altlasten.

www.hkm.de

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HÜLSEMANN steht für Lack
Diesen Namen trägt ein mittelständisches Familienunternehmen mit eigener Entwicklungsabteilung und Produktion hochwertiger Industrielacke und moderner Beschichtungsstoffe. Bereits 1905 wurde das Unternehmen in Wuppertal – im Herzen von Nordrhein-Westfalen – gegründet. Eine erfolgreiche Tradition, die heute mit modernster Technologie verbunden ist. HÜLSEMANN steht aber auch für ein sehr hohes Qualitätsniveau, für die Fähigkeit, schnell auf Marktveränderungen zu reagieren und bewährte Produktlösungen zu entwickeln. Dies wird ermöglicht durch servicebewusste Mitarbeiter, durch eine ausgeprägte Fachkompetenz und durch sehr flexible Fertigungsstrukturen. Das alles hat zum Ziel, die individuellen Anforderungen unserer Kunden aus dem In- und Ausland zu verstehen und in praxisorientierte Lösungen umzusetzen.

Wir betrachten konsequenten Arbeitsschutz als unsere soziale Verantwortung gegenüber den Menschen, die für uns arbeiten. Dieser hohe qualitative Standard bei Arbeitsschutz, Ökonomie und Ökologie wurde bereits mit dem Umweltzertifikat „ÖKOPROFIT Bergisches Städtedreieck“ ausgezeichnet. Der schonende und effektive Umgang mit den Ressourcen sowie die Entwicklung umweltfreundlicher Produkte sind uns ein persönliches Anliegen.

Forschung und Entwicklung im eigenen Hause
Fokussiert arbeitet unser Labor an der Umsetzung der technologischen und wirtschaftlichen Anforderungen unserer Kunden. Diese mit innovativen und VOCkonformen Produkttechnologien und mit rationellen Applikationsverfahren umzusetzen, sehen wir als ständige Herausforderung an. Zu diesen Herausforderungen gehört insbesondere der Bedarf an umweltschonenden und somit wasserbasierenden Lacken und Beschichtungsmaterialien als zeitgemäße Alternativen. HÜLSEMANN bietet heute ein breites und bewährtes Produkt-Programm unter dem Namen ILEXAL an. HÜLSEMANN ist zertifiziert nach DIN EN ISO 9001:2008.

Produktsicherheit und Umweltschutz sind uns wichtig
HÜLSEMANN steht für die Einhaltung neuester internationaler Gesetze und Auflagen, sowie für die lückenlose Produktsicherheit mit seinem Namen. Für uns ist es selbstverständlich, schwermetallfreie Produkte herzustellen, die somit die internationalen Normen wie EN 71-3 bzw. ASTM F963 erfüllen.Wir betrachten ökologische Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil – zum Vorteil unserer Kunden.

huelsemann.com • info@huelsemann.com

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IDR-Entsorgungsgesellschaft mbH
Die IDR-Entsorgungsgesellschaft mbH wurde 1987 mit dem Zweck gegründet, Sonderabfälle in Düsseldorf und der Region Mettmann als Satzungsanlage einer geordneten Entsorgung zuzuführen. Sie ist auf die Entsorgung / Verwertung von Sonderabfall aus Haushalt, Gewerbe, Industrie und Kommune spezialisiert und dies mittlerweile auch überregional. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf der Verwertung: Mehr als 50 Prozent der Abfälle werden in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt.

Bis zur endgültigen Verwertung können die Abfälle zwischengelagert werden. Sicherheit in allen Bereichen hat höchste Priorität. Darauf vertrauen etwa Automobilhersteller wie die Daimler AG oder Chemieunternehmen wie Henkel oder Currenta. Für kleine und mittelständische Unternehmen wurde am Standort ein besonderer Service eingerichtet: Auf dem „Handwerkerhof“ können schadstoffhaltige Als zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb für die Be- und alle anderen Abfälle schnell, preisgünstig und reiche Befördern, Lagern, Behandeln, Verwerten rechtssicher selbst angeliefert werden. und Beseitigen von Abfällen betreibt die IDR-Entsorgungsgesellschaft mbH eine Sonderabfallentsor- Die IDR-Entsorgungsgesellschaft mbH ist als lokaler gungsanlage in Düsseldorf–Reisholz. Qualifiziertes Partner mit Service vor Ort, persönlich, kompetent Fachpersonal sorgt für eine optimale und sichere und zeitnah; als 100%-ige Tochter der REMONDIS Verarbeitung der Abfälle. Für ein sicheres Handling Rhein-Wupper GmbH & Co. KG eingebunden in das und einen reibungslosen Ablauf in der Anlage wird Anlagennetzwerk des größten deutschen Entsorgers, durch das eigene Labor jede Anlieferung einer ein- der REMONDIS AG. gehenden Ein- und Ausgangskontrolle unterzogen. Kontaktdaten: IDR-Entsorgungsgesellschaft mbH Oerschbachstraße 31 40599 Düsseldorf T: 0211 / 65 028 – 0 F: 0211 / 65 028 – 500 info@idr-eg.de www.idr-eg.de

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Gefahrenabwehr, Rückbau, Entsorgung

Die Marke Lobbe steht für kundenorientierte Problemlösungen. Hinter dieser Marke steht die Familie Edelhoff. Als Inhaber garantiert sie die mittelständische Ausrichtung ihrer Unternehmen mit insgesamt rund 1.600 Beschäftigten an 40 Standorten in Deutschland. Zum Leistungsprogramm gehört unter anderem der Rückbau von Altstandorten als Generalauftragnehmer. In NRW gibt es nach Landesangaben (Stand 31.01.2010) rund 45.000 erfasste Altstandorte. Lobbe hat in den vergangenen Jahren unter anderem mehrere Großtanks in einen gefahrlosen Zustand überführt und zurückgebaut. Diese Tanks mit Nennvolumina von 3.000 m³ bis 10.000 m³ beinhalteten überwiegend leicht entzündliche Rückstände in unterschiedlichster Konsistenz. Aufgrund des hohen Gefährdungspotentials durch die Rückstände sowie durch die Schadstoffbelastungen musste eine Beaufschlagung mit Stickstoff erfolgen. Das Lobbe-Verfahren zur Entleerung von Tanks mit eingelagerten gefährlichen Rückständen sieht generell vor, die flüssigen Bestandteile bei geschlossenem Tank abzupumpen. Dabei bleibt der Stickstoffüberdruck erhalten, der Explosionsschutz wirksam. Im zweiten wesentlichen technischen Schritt werden die nicht pumpfähigen Produktinhalte mittels Baggertechnik geborgen. Voraussetzung dafür ist die Öffnung des Tanks. Dazu wird das Tankdach vom Tankmantel getrennt und abgehoben. Die Arbeiten dazu sind hinsichtlich der Brand- und Explosionsgefahr als besonders kritisch Grundsätzlich werden pastöse und feste Rückstände einer thermischen Verwertung zugeführt. Entsprechend den Annahmekapazitäten der Sonderabfallverbrennungsanlagen erfolgt eine direkte Anlieferung im Zeitraum der Sanierung und der Rückbauarbeiten. In Abhängigkeit der Materialkonsistenz- und Eigenschaften kann nach einer ersten Konditionierung vor Ort im Tankbehälter zur Herstellung der Transportstabilität jeweils ein weiterführender Aufbereitungsschritt notwendig werden. In einem darauf spezialisierten Lobbe-Zwischenlager werden dann die Teilströme entsprechend den Anforderungen der thermischen Verwertungsanlagen sowie der behördlichen Vorgaben erneut konditioniert.
Kontakt: Lobbe Holding GmbH & Co KG Bernhard-Hülsmann-Weg 2 58644 Iserlohn Tel.: 02371 - 888 - 0 Fax: 02371 - 888 - 108 Mail: info@lobbe-holding.de Web: www.lobbe.de

einzuschätzen, da mit dem Abheben des Tankdaches die Stickstoffzufuhr zum Tank eingestellt wird.

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REMONDIS Industrie Service stellt sich vor. Gefährliche Abfälle flächendeckend sammeln, professionell aufbereiten, konsequent verwerten.
Die REMONDIS Industrie Service gehört zur weltweit operierenden REMONDIS – Gruppe mit Hauptsitz in Lünen und verwertet und entsorgt jährlich mehr als 1 Mio. Tonnen flüssiger, pastöser und fester Sonderabfälle. Als eines der führenden europäischen Unternehmen für Gefahrstoffentsorgung und Recycling verfügt die REMONDIS- Tochter über 45 Standorte und eine eigene Logistik sowie Anlageninfrastruktur für Aufbereitung und Entsorgung von gefährlichen Abfällen. Im Mittelpunkt unseres Handelns stehen der Mensch Die REMONDIS Industrie Service bietet ihren Kunden aus Industrie und Gewerbe seit 30 Jahren sichere, fachmännische und schnelle Entsorgungslösungen für gefährliche Abfälle aller Art. Ob feste, pastöse oder flüssige Abfälle, für jede Anforderung bietet REMONDIS Industrie Service die richtige Lösung. Neben der thermischen Behandlung betreibt die REMONDIS Industrie Service Sonderabfalldeponien, Anlagen zur Herstellung von Ersatzbrennstoffen, zur Behandlung und Zwischenlagerung von Sonderabfällen sowie Spezialanlagen wie zum Beispiel für die Verwertung von Spraydosen und Quecksilber. Zudem bereitet die REMONDIS Industrie Service wieder verwertbare Stoffe durch chemisch-physikalische Behandlung umweltgerecht auf. Dabei wird zum Beispiel Altöl wiedergewonnen und in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt. Anfallende Schadstoffe werden aus flüssigen Abfällen herausgefiltert und sicher entsorgt. Das verbleibende Restwasser wird abschließend aufbereitet. Kontaktdaten: REMONDIS Industrie Service GmbH & Co. KG Brunnenstraße 138 44536 Lünen Telefon: +49 2306 / 106 – 673 Telefax: +49 2306 / 106 – 686 und unsere Umwelt. Die Verantwortung für beides treibt uns zu innovativen Lösungen für nachhaltiges Wirtschaften an. Schließlich tragen wir Verantwortung. Das Gesamtunternehmen, die REMONDIS AG & Co. KG, hat sich seit der Gründung 1934 zu einem international führenden Unternehmen der Wasserund Kreislaufwirtschaft entwickelt – basierend auf dem soliden Fundament eines traditionsreichen Familienunternehmens. Die Unternehmensgruppe verfügt über mehr als 500 Niederlassungen und Beteiligungen in 27 Staaten in Europa, Asien und Australien. Weltweit erbringt REMONDIS professionelle Dienstleistungen für mehr als 20 Millionen Bürger und viele tausend Unternehmen.

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Tagebaue, Kraftwerke, Veredlungsbetriebe. Werkstätten, F&E-Anlagen, Ausbildungszentren. Hier arbeiten die rund 15.500 Mitarbeiter von RWE Power. Sie sichern 30 Prozent der deutschen Stromversorgung. Und schaffen die Basis für den breiten RWE Energiemix aus Braunkohle, Steinkohle, Kernkraft, Erdgas und Erneuerbaren. RWE Power investiert Milliarden in neue, klimaschonendere Kraftwerke Stromerzeugung von morgen. und arbeitet an den Technologien für die CO2-arme

Wegen der lockeren Erdschichten über den Flözen kann die Braunkohle nur im Tagebau gewonnen werden. Deshalb müssen im Vorfeld der Schaufelradbagger Verkehrswege verlegt und ganze Ortschaften umsiedeln, was sicherlich der gravierendste Eingriff des Bergbaus in die Kulturlandschaft ist. RWE Power ist dabei für die ordnungsgemäße Beseitigung der hierbei anfallenden Reststoffe verantwortlich. Das schließt Baustoffe ebenso ein wie Altlasten, deren Verursacher nicht mehr haftbar gemacht werden können – einstige Hausmülldeponien im Umfeld der Umsiedlungsorte zum Beispiel. RWE Power betreibt in den Tagebauen eigene Ablagerungsbereiche vor allem für Rückstände aus der Stromerzeugung, also für Gips aus der Rauchgasentschwefelung und Kraftwerksasche. Diese Materialien können so gezielt zur Verfüllung bereits ausgekohlter Tagebaubereiche genutzt werden. Das Unternehmen verfügt damit auch über viel Erfahrung und Knowhow in Entsorgungsfragen.

Einer der Schwerpunkte von RWE Power ist das rheinische Braunkohlenrevier. Dort fördert RWE Power jedes Jahr bis zu 100 Millionen Tonnen Braunkohle, die größtenteils zur Stromerzeugung genutzt werden. Rund zehn Prozent werden zur Herstellung von festen Brennstoffen und Filterkoks eingesetzt.

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Verantwortung für die Umwelt
Bei SCHMOLZ + BICKENBACH hat der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen und der Schutz der Umwelt höchste Priorität. Bereits im Jahr 2003 haben wir mit dem Aufbau eines umfassenden Umwelt-Managementsystems nach der internationalen Norm ISO 14001 begonnen, das dann im Dezember des gleichen Jahres von einer externen Gesellschaft auditiert und zertifiziert wurde. Gemäß den Vorgaben der Umweltmanagementnorm ISO 14001:2004 werden alle Prozesse des Unternehmens auf ihre Umweltverträglichkeit analysiert und eingestuft. Projekte zur Optimierung von • Energieverbrauch, z.B. bei der Büroraumbeleuchtung Eine wirkungsvolle Organisationsstruktur und die Festschreibung von Verfahrens- und Arbeitsprozessen stellen sicher, dass die nachhaltigen Unternehmensziele zum verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen und Schutz der Umwelt stets verfolgt werden. führen zu einer kontinuierlichen und nachhaltigen Entlastung der Umwelt. • Effizienz des Energieeinsatzes durch Nutzung von Wärmeverlusten aus Fertigungsprozessen für Warmwasseraufbereitung und Raumheizung im Sozialbereich • Raumluft durch Absaugung und Filterung von Emissionen aus Bearbeitungsprozessen

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STEAG Power Minerals GmbH

Die STEAG Power Minerals GmbH, Tochtergesellschaft der STEAG GmbH, ist europäischer Kompetenzführer in der Verwertung von Reststoffen aus Steinkohlekraftwerken. Als Dienstleister der Kraftwirtschaft und Partner der Bauindustrie liegt unser Fokus auf zwei Geschäftsfeldern: der Ver- und Entsorgung von Steinkohlekraftwerken sowie der Vermarktung von Baustoffen. Dabei wird unser internationales Netzwerk immer wichtiger: Unsere Kunden - vom großen Energieversorger über kleinere städtische Betriebe bis hin zur Beton- und Zementindustrie- profitieren von unseren zahlreichen Tochtergesellschaften und regionalen Partnern. Gemeinsam haben wir eine Infrastruktur entwickelt, mit der wir die Ent- und Versorgung für unsere Kunden sicherstellen. Neben Entsorgungskonzepten für große Energieversorgungsunternehmen bieten wir als Unternehmen im Stadtwerkeverbund mit unserer Tochtergesellschaft MINERALplus auch ein komplettes Dienstleistungsangebot für kleinere städtische Betriebe. Für die Herstellung hochwertiger Baustoffe verarbeitete die STEAG Power Minerals Gruppe im Jahr 2010 rund fünf Millionen Tonnen Kraftwerksnebenprodukte aus über 50 Kraftwerken. Durch intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit haben wir für unsere Produkte ein breites Einsatzspektrum erschlossen.

Ob Kraftwerke, Großflughäfen, ICE-Tunnel - nahezu in jedem Kubikmeter Beton ist heute Flugasche zu finden. Denn dieser Zusatzstoff macht den Beton langfristig fester und beständiger. Mit dem Einsatz von Flugasche im Zement beschreiten wir ein durch die damit verbundene CO2-Minderung zukunftsträchtiges Geschäftsfeld. Flugasche bleibt als Reststoff bei der Verbrennung im Kraftwerk aus der Steinkohle zurück. Doch nicht nur die Flugasche, auch die anderen Kraftwerksnebenprodukte Schmelzkammergranulat, Kesselsand und der REA-Gips aus der Rauchgasentschwefelungsanlage verbessern die Eigenschaften moderner Baustoffe. www.steag-powerminerals.com

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Wir leben Verantwortung
Der Schutz der Umwelt vor Schadstoffen und der sparsame Umgang mit den natürlichen Ressourcen gehören zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben. Gemäß dem Motto „Wir leben Verantwortung“ stellt sich Stratmann seit Jahrzehnten dieser großen Verantwortung. Kernaktivitäten des Unternehmens sind dabei die Beratung, Planung, Organisation und Durchführung der Entsorgung für Kunden aus Industrie, Gewerbe und Kommunen. Abfall ist nicht gleich Abfall. Abfall besteht aus den unterschiedlichsten Stoffen, darunter wertvolle Rohstoffe, die dem Produktionskreislauf wieder zugeführt werden müssen. Als Entsorgungsspezialist und Dienstleister für Mensch und Umwelt bietet Stratmann optimale Lösungen für die komplexen Entsorgungsaufgaben unserer Zeit. Darüber hinaus ist Stratmann auch in der Stadtpflege und Stadtreinigung aktiv und sorgt für eine hohe Lebensqualität in den Städten und Gemeinden vom Hochsauerland bis nach Nordhessen und Ostwestfalen. Von der Hausmüllabfuhr über Kanal- und Straßenreinigung bis hin zum Winterdienst liegen alle Arbeiten bei Stratmann in bewährten Händen.

Für die Entsorgung von Abfällen aus Industrie- und Gewerbebetrieben hält Stratmann ein umfangreiches, auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden zugeschnittenes Angebot an Containern und Umleerbehältern von 1,1 bis 40 Kubikmetern für Bau- und Sonderabfälle bereit. Auch für private Haushaltungen bietet Stratmann ein umfangreiches Angebot an Dienstleistungen. Für Umbau- und Renovierungsmaßnahmen bietet Stratmann Absetzcontainer von 5 bis 10 Kubikmeter an, die mit Bauschutt oder auch gemischten Bau- und Abbruchabfällen befüllt werden können. Wer den Garten fit machen will, dem entsorgt Stratmann nicht nur die anfallenden Grünabfälle, sondern liefert auch Kompost, Rindenmulch oder Mutterboden-KompostGemisch. Der im eigenen Kompostwerk in Brilon gewonnene Sauerland Kompost ist ein reines Naturprodukt zur Bodenverbesserung und Düngung im Garten und in der Landschaftspflege. Vermeiden, Verwerten, Entsorgen: Durch diese Philosophie, hoch motivierte und qualifizierte Mitarbeiter sowie die hohe technische Ausrüstung der Fahrzeuge und Anlagen bietet das Unternehmen für alle Entsorgungsprobleme die passenden Lösungen.

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Wir denken Stahl weiter
Die ThyssenKrupp Steel Europe AG zählt zu den führenden Stahlproduzenten der Welt und liegt in Europa auf Rang 3. Das Unternehmen konzentriert sich auf das attraktive Marktsegment des hochwertigen Qualitätsflachstahls. Für die Erzeugung der Produkte werden neben bewährten Technologien innovative Verfahren eingesetzt, wie z. B. das kombinierte Gießen und Walzen in einer Gießwalzanlage. Die Palette der Flachprodukte umfasst Grobbleche, Warmband und Feinbleche mit einem breiten Spektrum von Güten. Erhebliche Anteile werden in oberflächenveredelter Ausführung erzeugt und geliefert. Mit großem Forschungsaufwand wird in enger Zusammenarbeit mit den Kunden die Entwicklung hin zum a n wendungsorientierten Werkstoff- und Bauteilpartner vorangetrieben. Sie ist von hervorragenden Leistungen begleitet: Umfassender Oberflächenschutz der Stahlbleche und Gewichtsreduzierung im Fahrzeugbau durch den Einsatz neuer hoch- und höchstfester Stahlsorten sowie Tailored Products sind richtungweisende Beispiele.

Alle Standorte wurden gemäß den Anforderungen der weltweit gültigen Umweltmanagmentnorm DIN ISO 14001:2004 zertifiziert. Bei den Prozessen trägt Thyssen Krupp Steel Europe AG dem Nachhaltigkeitsgedanken durch den sparsamen Einsatz aller Ressourcen Rechnung. Das Recycling der internen Reststoffe stellt einen weiteren Betrag zur Ressourcenschonung bei. Die Verwertungsquote liegt durch Entwicklung innovativer Verfahren bei annähernd 100 Prozent. Die Anlagen zur Luftreinhaltung der ThyssenKrupp Steel Europe AG zählen zu den modernsten der Welt. Die Emissionen werden auf ein Minimum gesenkt. Durch den Einsatz eines hochspezialisierten Wasserwirtschaftssystems, kann das eingesetzte Wasser bis zu 25-mal wiederverwertet und damit zu 96 % im Kreislauf verbleiben. Die ThyssenKrupp Steel Europe AG ist seit 2002 freiwilliges Mitglied beim AAV und unterstützt diesen finanziell bei Projekten der Erfassung, Bewertung und Sanierung von schädlichen Bodenveränderungen und Altlasten. Damit leistet das Unternehmen einen Beitrag, welcher über die bodenschutzrechtlichen Pflichten weit hinausreicht.
Beginn der Stahlproduktion in Duisburg: 1891

Investitionen in zukunftsweisende Technologien tragen dazu bei, die leistungsfähige Anlagenkonfiguration weiter zu verbessern, um damit die Position des Unternehmens im Spitzenfeld für die Zukunft zu festigen. Stahl ist zu hundert Prozent recyclingfähig und damit ein Produkt mit Nachhaltigkeit. Durch Investitionen in modernste Technologien werden Produkte mit geringer Ressourcenbelastung hergestellt, und diese Produkte tragen dazu bei, die Umwelt zu schonen.

Mitarbeiter: 34.700 Umsatz: 10,8 Mrd. € Standorte: - Duisburg - Bochum - Dortmund - Kreuztal - Finnentrop - Neuwied

Lieferprogramm: Warmband, Grobblech, Elektroband, Feinbleche/ oberflächenveredelte Produkte, organisch beschichtetes Band und Bleche, Bauelemente, Tailored Products, Weißblech/Feinstblech, Bauteile/-komponenten für die Automobilindustrie.

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www.thyssenkrupp-steel-europe.com

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TÜV SÜD Chemie Service – Full-Service-Provider für die Chemie- und Pharmaindustrie
Die TÜV SÜD AG ist ein international führender, unabhängiger Dienstleistungskonzern mit höchstem Verantwortungsbewusstsein – und das seit über 140 Jahren. Die in Leverkusen ansässige Konzerntochter TÜV SÜD Chemie Service GmbH bietet als Full-Service-Provider für die Chemie- und Pharmaindustrie Serviceleistungen rund um die Themen der Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit von Produktionsanlagen. Die Leistungen von TÜV SÜD Chemie Service umfassen Prüf- und Unterstützungsleistungen über den gesamten Lebenszyklus von Chemieanlagen – von der Planung und Beschaffung über die Montage/Inbetriebnahme und den Betrieb bis zur Stilllegung. Unsere Kunden profitieren von dem ganzheitlichen Ansatz und vom durchgängigen Qualitätsmanagement. Als One-Stop-Dienstleister bieten wir Anlagensicherheit von Anfang an – aus einer Hand. Wesentliche Dienstleistungen betreffen die Anlagenüberwachung in der Betriebsphase. Dazu zählen beispielsweise die Prüfung einer Anlage vor der Inbetriebnahme, die Unterstützung bei der Erstellung von Gefährdungsund Risikoanalysen sowie die Entwicklung und Implementierung von erfahrungs- bzw. risikobasierten Inspektionsstrategien. Darüber hinaus unterstützen die Experten von TÜV SÜD Chemie Service die Anlagenbetreiber durch ein umfangreiches Qualitätsmanagement in der Beschaffungsphase, im Speziellen bei der Auswahl TÜV SÜD – Mehr Sicherheit. Mehr Wert. geeigneter Hersteller und bei Fragen der konstruktiven, werkstoffspezifischen und schweißtechnischen Gestaltung. Wir prüfen Ihre Bestellungen hinsichtlich chemiespezifischer Anforderungen und wir kümmern uns um die Terminverfolgung. Durch die Abwicklung der spezifizierten und gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen im Rahmen der Herstellung – unter Anwendung moderner Prüfverfahren – stellen wir die geforderte Qualität der Anlagen und des technischen Equipments sicher. Durch den Einsatz von innovativen zerstörungsfreien Prüfmethoden, mechanischtechnologischen Prüfungen, Metallographie, Corrosion Monitoring, Schadensanalysen und Kunststoffprüfungen werden die Leistungen in der Betriebs- und Beschaffungsphase durch unser akkreditiertes Prüflabor für werkstofftechnische Leistungen umfassend ergänzt. Unser Datenmanagement bietet mittels einer speziellen Software eine lückenlose technische Dokumentation der Anlagen – inklusive der Terminierung, Abwicklung und Dokumentation aller vorgeschriebenen bzw. nötigen Prüfungen. Damit leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zum Compliance Management unserer Kunden. TÜV SÜD Chemie Service steht für höchste Dienstleistungsqualität und eine schnelle Erreichbarkeit durch Standortpräsenz in Deutschland und in den wichtigsten Chemiezentren weltweit.

TÜV SÜD Chemie Service GmbH • Kaiser-Wilhelm-Allee, Geb. B407 • 51368 Leverkusen • www.tuev-sued.de/chemieservice

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Veolia Umweltservice – Ganzheitliche Entsorgungskonzepte
Die Veolia Umweltservice GmbH, Hamburg, ist eines der führenden Entsorgungsunternehmen in Deutschland und weltweit führend im Bereich Papierrecycling. Wie nur wenige Anbieter deckt das Unternehmen alle Teilbereiche des Abfallmanagements (feste, flüssige, gewerbliche, gefährliche und ungefährliche Abfälle) bundesweit ab. Das Leistungsspektrum umfasst die Vermarktung neu entstehender Rohstoffe sowie sämtliche Dienstleistungen von Wertstoffrecycling und Entsorgungslogistik über Rohr- und Kanalservice, Gebäudedienstleistungen und Industriereinigung bis hin zur Straßenreinigung. Veolia Umweltservice arbeitet für Privat-, Gewerbe- und Industriekunden sowie für Kommunen. Veolia Umweltservice schließt Wertstoffkreisläufe, erarbeitet ganzheitliche, kundenorientierte Lösungen und steht für verantwortungsvolles, nachhaltiges Handeln im Dienst der Umwelt. Veolia Umweltservice erwirtschaftete 2010 einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro und beschäftigt rund 10.000 Mitarbeiter. Bundesweit unterhält Veolia Umweltservice rund 200 Dienstleistungs- und Anlagenstandorte, davon 60 Sortier- und Recyclinganlagen. Als hundertprozentige Tochter des französischen Mutterkonzerns Veolia Environnement ist Veolia Umweltservice Teil des Weltmarktführers für Umweltdienstleistungen, der 2010 mit rund 317.000 Mitarbeitern einen Umsatz von über 34,8 Milliarden Euro erwirtschaftet hat.

Sonderabfall
Die Veolia Umweltservice West GmbH übernimmt sämtliche Dienstleistungen rund um die Entsorgung von gefährlichen Abfällen. Als Partner von Gewerbe und Industrie erstellen wir individuelle Entsorgungskonzepte und stellen den Unternehmen Entsorgungssysteme nach gefahrgutrechtlichen Vorschriften zur Verfügung. Unser qualifiziertes Personal erfasst, sortiert und verpackt Sonderabfälle auf Wunsch direkt vor Ort. Zur Abwicklung des elektronischen Abfallnachweisverfahrens bieten wir mit unserem eANV-Portal eine effiziente Lösung.

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Kontakt Veolia Umweltservice West GmbH Sälzerweg 8 – 10 59494 Soest

Tel.: 02921 – 35007 -0 Fax: 02921 – 35007 -200 info@veolia-umweltservice.de www.veolia-umweltservice.de

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Vinnolit – Weltmarktführer bei PVC-Spezialitäten
Vinnolit ist - mit einer Kapazität von 780.000 Jahrestonnen – einer der führenden PVC-Rohstoffhersteller in Europa und der weltweite Markt- und Technologieführer bei PVC-Spezialitäten. Zugleich ist Vinnolit ein führender Hersteller und Lieferant für Zwischenprodukte, wie Natronlauge, Vinylchlorid und Zinntetrachlorid, die für die Weiterverarbeitung in der chemischen Industrie, aber auch in anderen Branchen benötigt werden.

Das Unternehmen
Die nationalen und internationalen Aktivitäten des Unternehmens werden aus Ismaning bei München gesteuert. Produktionsstandorte sind in Burghausen, Gendorf, Knapsack, Köln, Schkopau und Hillhouse (UK). Vinnolit erzielte im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von 798 Mio. € und beschäftigt ca. 1.500 Mitarbeiter, davon e t wa 4 1 0 a n den nordrheinwestfälischen Standorten Knapsack und Köln. Dort werden pro Jahr bis zu 350.000 Tonnen PVC und 550.000 Tonnen Natronlauge (50%) produziert. Das Technologiezentrum VinTec lizenziert Vinnolits führende EDC-/VCM- und S-PVC-Technologie weltweit.

Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit hat bei Vinnolit einen besonders hohen Stellenwert. Bei Unternehmensgründung wurde „Umweltorientiertes Handeln“ als ein vorrangiges Ziel in den Unternehmensleitlinien verankert. Seit 1997 hat Vinnolit regelmäßig mit den Produktionsstandorten am freiwilligen, europäi schen Umweltmanagement- und Audit-System EMAS teilgenommen und die Öffentlichkeit über Umweltziele, konkrete Maßnahmen und Zielerreichung informiert. Vinnolit ist Teil der Responsible Care-Initiative der chemischen Industrie und unterstützt VinylPlus, die freiwillige Selbstverpflichtung der europäischen PVC-Industrie zur Nachhaltigen Entwicklung.

Produkte
Vinnolit produziert und vermarktet ein breit gefächertes PVC-Produktsortiment, das alle gängigen PVC-Anwendungen abdeckt, z.B. im Bausektor, in der Automobilindustrie oder in der Medizintechnik. Ob PVC für Fensterprofile, Rohre, Hartfolien, Fußböden, Tapeten, technische Beschichtungen, Kfz-Unterbodenschutz, Kabelummantelungen oder Infusionsbeutel, für alle Produktanforderungen verfügt Vinnolit über die geeigneten Produktionsverfahren.

www.vinnolit.com

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Nahtlos warmgewalzte Stahlrohre als Erfolgsfaktor
VALLOUREC & MANNESMANN TUBES (V & M TUBES), ein Unternehmen der Vallourec Gruppe und Produzent nahtlos warmgefertigter Stahlrohre, ist Weltmarktführer im Segment der rohrbasierten Premiumlösungen für die Energiemärkte, industrielle Anwendungen und den Industriebau. 1997 als französisch-deutsches Joint Venture der Vallourec Gruppe und der ehemaligen MannesmannröhrenWerke AG gestartet, ist Vallourec & Mannesmann Tubes seit 2005 eine hundertprozentige Tochter von Vallourec. Mit gebündeltem Know-how produziert und vermarktet das Unternehmen weltweit nahtlos warmgewalzte Rohre. In Deutschland produziert V & M TUBES auf vier Fertigungsstraßen an den drei Standorten in DüsseldorfRath und -Reisholz sowie in Mülheim an der Ruhr. Gerade diese Röhrenwerke haben Tradition: Die Brüder Mannesmann begannen bereits 1899 mit der Produktion von Stahlrohren in Rath. Heute entstehen hier im Pilger- und Stopfenwalzwerk maßgefertigte Rohre mit Außendurchmessern von 178 bis 711 mm. Das Werk Reisholz fertigt zudem im Press- und Ziehverfahren weltweit stark nachgefragte Hochleistungsrohre vor allem für den Kraftwerksbau. Im Abmessungsbereich bis 180 mm Außendurchmesser deckt die Rohrkontistraße in Mülheim an der Ruhr das komplette Spektrum nahtlos warmgewalzter Rohre ab. In allen deutschen Werken wird zur Erwärmung auf Verarbeitungstemperatur Erdgas als Energiequelle verwendet, der Brennstoff mit den niedrigsten CO 2 -Emissionen. Neueste Brennertechnik und eine optimierte Wärmeofengestaltung helfen, den Energieverbrauch zu reduzieren und die Umwelt zu entlasten.

VALLOUREC & MANNESMANN TUBES profitiert davon, dass der Stahl zu 100% recyclingfähig ist. Materialverluste bei der Rohrproduktion werden wieder für die Herstellung des Vormaterials verwendet. Mit diesem komplexen Werkstoff und dem technischen Know-How von V & M TUBES ist beispielsweise die Produktion gasdichter und streng zertifizierter VAM-Verbindungen möglich. Sie verhindern, dass gefährliche Substanzen bei der Förderung von Öl und Gas in die Umwelt austreten können. Investiert wird aber nicht nur in innovative Premium-Produkte, sondern auch in Verbesserungen in Sachen Umweltschutz. Anlagen mit wassergefährdenden Stoffen sind mit Auffangwannen zum Schutz gegen Bodenverunreinigungen ausgestattet. Zur Wiederverwendung des Wassers, einschließlich des Regenwassers, werden geschlossene Betriebswasserkreisläufe betrieben. Die Verwertung von Abfällen erreicht eine Quote von 99%. Alle Standorte von V & M TUBES sind seit 2003 nach der strengen Umweltmanagementnorm ISO 14001 zertifiziert. Seit 2002 ist VALLOUREC & MANNESMANN TUBES freiwilliges Mitglied im AAV. Geschäftsfelder für warmgewalzte Stahlrohre: • Erdöl- und Erdgasindustrie • Kraftwerkstechnik • Chemie und Petrochemie • Maschinen- und Fahrzeug • Stahlbau • Bergbau • Halbfabrikate (Vorrohre) Umsatz (Vallourec) in 2010: 4,491 Mrd € Mitarbeiterzahlen in 2010: rund 20.000 weltweit, rund 4.000 in NRW

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Innovativ und erfolgreich – die Unternehmensgruppe Dr. Wolff
Die Dr. Wolff-Gruppe in Bielefeld ist mit 194 Mio. Euro Jahresumsatz eines der bedeutendsten mittelständischen Familienunternehmen im deutschen Kosmetik- und Pharmamarkt. Sie hat sich in ihrer über 100-jährigen Geschichte als besonders innovativ erwiesen. Das Wachstum begründet sich auf Marken wie Linola, Alpecin, Plantur39, Alcina Balance Kosmetik, Vagisan und die neueste Marke Biorepair. Wichtige Grundlage der Erfolge sind die eigenen intensiven Forschunganstrengungen, die immer wieder zu wichtigen Produktneuheiten führen. Die Unternehmensgruppe Dr. Wolff konzentriert sich ausschließlich auf Produkte mit einem wissenschaftlich belegbaren Nutzen für Verbraucher. Dies geschieht in enger Kooperation mit Universitäten. So haben sich zum Beispiel die Arzneimittel und Kosmetika der bekannten und beliebten Marke Linola bei der Behandlung aller Formen von trockener und krankhaft trockener Haut bewährt. Generell wird mit Linola die Hautbarriere wieder aufgebaut, ein  Austrocknen der Haut verhindert und die Elastizität erhöht. Die Wurzeln der Unternehmensgruppe Dr. Wolff reiDie Entdeckung des Coffeins als Wirkstoff für die Kopfhautpflege des Mannes hat zu einem gefragten neuen Produktschwerpunkt bei der Traditionsmarke Alpecin geführt. Auf dem Haarpflegemarkt für Frauen ist Dr. Wolff mit der Serie Plantur39 sehr erfolgreich. Sie basiert ebenfalls auf dem Wirkstoff Coffein. Er beugt bei Männern  erblich bedingtem Haarausfall vor und schützt bei Frauen die Haarwurzel nach der Menopause gegen Testosteron-Angriffe. Die ungebrochen hohe Nachfrage nach den Produkten von Alpecin und Plantur39 sind ein Beleg für deren Wirksamkeit. Mit Eduard R. Dörrenberg und Christoph HarrasWolff wird die Dr. Wolff-Gruppe von zwei Familienmitgliedern der vierten Generation geführt. Weiteres Mitglied der Geschäftsführung ist Carsten Heins. chen bis ins Jahr 1905 zurück. Die seinerzeit gegründete Dr. August Wolff GmbH & Co. KG konzentrierte sich zunächst auf den Arzneimittelbereich. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Kosmetik in Form der Dr. Kurt Wolff GmbH & Co. KG hinzu. Produktion und Verwaltung der Dr. Wolff-Gruppe befinden sich nach wie vor in Bielefeld. Dazu existieren TochterVertriebsgesellschaften in zahlreichen europäischen Ländern und in Asien. Im Pharmabereich zählt die Gynäkologie zu den Kernkompetenzen von Dr. Wolff. Produkte der  Marke Vagisan zum Beispiel wurden speziell für die Gesunderhaltung und Pflege des weiblichen Intimbereichs entwickelt.   Erfolgreich startete auch der Newcomer der Linie, das erste Alpecin Tuning Shampoo - so gut, dass das Unternehmen trotz großzügiger Planung kurz nach der Einführung out of stock melden musste. Das innovative Shampoo, das die natürliche Haarfarbe kräftigt und die Werbeaussage „Männer färben nicht, Männer tunen“ traf den Nerv der männlichen Wünsche. Alcina Balance Kosmetik richtet sich an die Frau, die bereit ist, für ihr Aussehen und ihr Wohlbefinden etwas zu tun. Die aktuellen Innovationen kommen aus dem zahnmedizinischen und aus dem Haar-Bereich. Die neuen Oral-Produkte der Marke Biorepair mit künstlichem Zahnschmelz erzielten sofort nach der Markteinführung erste größere Erfolge.

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Geschäftsstelle

Jahresbericht 2011

Geschäftsstelle
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Jahresbericht 2011

Anfahrtsskizze

Anfahrtsskizze
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Ausfahrt Witten/Herbede ca. 6 km über Blankenstein

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So erreichen Sie uns:
Mit dem PKW
Über die A43 Abfahrt Witten Herbede, dann die Wittener Straße über Blankenstein, Richtung Hattingen

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im Gebäude des ZEK
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Ausfahrt Sprockhövel ca. 9 km

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A 43 Ausfahrt Witten/Herbede Wittener Straße über Blankenstein Richtung Hattingen

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Bahn Vom Hbf Essen (Intercity-Haltepunkt) mit der S3 bis Hattingen-Mitte (Endstation, alle 20 Min.) Straßenbahn Vom Hbf Bochum (Intercity-Haltepunkt) mit der Straßenbahnlinie 308 bis Hattingen-Mitte. Bus Vom Busbahnhof Hattingen Mitte mit den Buslinien • CE31 (8 Min., alle 20 Min.) oder • SB37 (4 Min., alle 60 Min.) bis Haltestelle Henrichshütte • 558 (10 Min., alle 60 Min.) bis Haltestelle Stadtbauamt.

Ausfahrt Sprockhövel

Den AAV finden Sie im Gebäude des ZEK – Zentrum für Entsorgungstechnik und Kreislaufwirtschaft Werksstraße 15 45527 Hattingen Tel.: 02324 5094-0 Fax: 02324 5094-10 E-Mail: info@aav-nrw.de Internet: www.aav-nrw.de

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Impressum

Jahresbericht 2011

Impressum
Jahresbericht 2011 des AAV Altlastensanierungs- und Altlastenaufbereitungsverbandes Nordrhein-Westfalen Geschäftsführer: Gerhard Kmoch Redaktion: Dr. Rita Bettmann Dr. Beatrix Haglauer-Ruppel Dr. Ernst-Werner Hoffmann Birgit Hejma Dr. Uwe Hoffmann Thomas Jansen Gerhard Kmoch Christiane Maxin Dr. Engelbert Müller Dr. Christiane Prange Sabine Schidlowski-Boos (verantw.) Nikolaus Söntgerath Dr. Heinrich Wächter Anschrift: AAV Altlastensanierungsverband NRW Postfach 80 01 47 45501 Hattingen Werksstraße 15 45527 Hattingen Telefon: 02324 5094-0 Telefax: 02324 5094-10 E-Mail: info@aav-nrw.de Internet: www.aav-nrw.de Auflage: 3.000 Gestaltung: Angelika Grothues, Bochum Druck: Rath Druck GmbH, Wetter Druck auf Cyclus Print (100 % Recycling)

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Stand: Dezember 2011

Jahresbericht 2011

Bildnachweis

Bildnachweis
Titel: Hintergrundbild: BMU/transit/Härtrich unten: Cornelsen Umwelttechnologie GmbH Seite 16: BEW GmbH Seite 35: Christian Fischer Seite 49: Stefan Grünig Seite 63: oben und unten: Stadtwerke Hamm GmbH Seite 69: Stadt Lüdenscheid Seite 84 bis 107:firmeneigene Fotos Seite 110:Chip GmbH Alle Übrigen: AAV

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