Publication:
2009
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-opus-217541
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Jahresbericht 2009

Jahresbericht 2009

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Inhalt

Jahresbericht 2009

Inhalt
Vorwort des Verbandsvorsitzenden 20 Jahre AAV – Bilanz eines ungewöhnlichen Kooperationsmodells Vorwort des Geschäftsführers Altlasten und Klimaschutz 20 Jahre Altlastensanierung durch den AAV Bilanz aus Sicht des Landes Nordrhein-Westfalen 20 Jahre Altlastensanierung in NRW Der AAV aus Sicht der Wirtschaft AAV-Fachtagung Boden und Grundwasser Der Gesetzgeber lässt sich mehr Zeit Altlastensanierung und Flächenrecycling AAV-Projekte Maßnahmenplan Gefahrenabwehr durch den AAV Sanierung einer Dioxin-Altlast Wohnsiedlung „Am Welschenhof“ in Duisburg Ehemalige Großreinigung Froitzheim in Krefeld LCKW-Grundwasserverunreinigung Hilden-Benrath Ehemaliges Werksgelände der Fa. Raschig in Bochum Ehemalige chemische Reinigung Raupach in Gladbeck Sanierung der ehemaligen Lackfabrik Brocolor in Gronau Ehemalige Chemische Fabrik Rüsges GmbH & Co KG Ehemalige Spinnerei Warps in Steinfurt-Borghorst Flächenrecycling durch den AAV Ehemaliges Gaswerk Sedanstraße/Stadtumbaugebiet West in Hamm Ehemalige Galvanik Greitemann in Olpe Ehemalige Chemische Fabrik Rüsges GmbH & Co KG Innovative Verfahren bei Altlastenprojekten des AAV 6

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Inhalt

Clearingstelle Aktivitäten der Clearingstelle im Dialog „Wirtschaft und Umwelt NRW“ Mitgliederinformation Mitgliederinformation und Öffentlichkeitsarbeit Der Verband und seine Mitglieder Altlastensanierungsallianz NRW Vorstand und Gremien Mitglieder-Porträts Die Geschäftsstelle Anfahrtsskizze Impressum Bildnachweis

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Vorwort des Verbandsvorsitzenden

Jahresbericht 2009

20 Jahre AAV –
Bilanz eines ungewöhnlichen Kooperationsmodells
Dr. Jochen Rudolph Verbandsvorsitzender des AAV

In Anlehnung an die in NRW bereits etablierten sondergesetzlichen Wasserverbände wurde dann mit dem AAV-Gesetz 1988 ein Verbandsmodell für die Aufgaben der Sanierung von Altlasten und für die Planung und Errichtung von Entsorgungsanlagen geschaffen. Bei den Entsorgungsanlagen lediglich als subsidiäre Aufgabe, sofern sich kein anderer Träger für die notwendige Errichtung von Entsorgungsanlagen bereit fand. Die Finanzierung des AAV basierte im Wesentlichen auf dem so genannten Lizenzmodell, durch das ein Zuschlag auf alle Industrie- und Gewerbeabfälle erhoben wurde und mit dem pro Jahr maximal 50 Mio. DM eingenommen werden sollten. Über die erfolgreiche Implementierung dieses Modells bis hin zur gerichtlich verfügten Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht und zur endgültigen Aufgabe des Lizenzmodells wegen fehlender Gesetzgebungszuständigkeit des Landes im Jahr 2000, ist verschiedentlich schon berichtet worden. Hier soll nun besonders der erfolgreiche Neustart des AAV, nun „nur“ noch als Altlastensanierungs- und Altlastenaufbereitungsverband NRW, gewürdigt werden. Da die Untersuchung und Sanierung von Altlasten, für die Ordnungspflichtige nicht ermittelt oder aus anderen Gründen nicht herangezogen werden konnten, bei weitem noch nicht abgeschlossen war, schlug die damalige Umweltministerin Bärbel Höhn der Wirtschaft vor, das in der Sache bewährte AAV-Modell auf

Die Gründungsversammlung des Abfallentsorgungs- und Altlastensanierungsverbandes NRW, kurz AAV, fand am 8. Mai 1989 in Hattingen statt. Vorangegangen war eine mehrjährige Diskussion zwischen dem NRW-Umweltministerium und Vertretern der Wirtschaft über die Frage der Finanzierung der Sanierung von „herrenlosen“ Altlasten sowie der Herstellung von Entsorgungssicherheit für Industrie- und Gewerbebetriebe in Nordrhein-Westfalen. Während die Umweltpolitik in NRW eine Finanzierungsgrundlage für das neu ins Bewusstsein gerückte Problem der Altlastensanierung suchte, bestand bei den Wirtschaftsvertretern die Sorge, dass es bei weiter ansteigenden Abfallmengen, insbesondere bei den so genannten Sonderabfällen, in absehbarer Zeit zu einem Entsorgungsnotstand kommen könne, da neu geplante Verbrennungsanlagen oder Deponien überall auf den entschiedenen Widerstand der betroffenen Bevölkerung stießen.

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freiwilliger Basis fortzuführen.

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Auf die bisherigen Aufgaben im Entsorgungsbereich sollte verzichtet werden, da der befürchtete Entsorgungsnotstand nicht eingetreten war und mittlerweile Überkapazitäten bestanden. Alternativ zu diesem freiwilligen Modell wurde im Umweltministerium über die Einführung einer Andienungspflicht für Sonderabfälle mit entsprechenden Gebühren für eine dann benötigte zentrale Stelle zur Steuerung der Abfallströme nachgedacht. Im Frühjahr 2002 (Paraphierung des Kooperationsvertrages) einigte man sich dann zwischen Umweltministerium, den kommunalen Spitzenverbänden und den Vertretern der Wirtschaft auf eine Fortführung des AAV im Rahmen eines Kooperationsvertrages. Die Finanzierungsbeiträge der Wirtschaft wurden von den beteiligten Wirtschaftsgruppen nach eigenen Maßstäben freiwillig festgelegt. Das Land und die Kommunen zahlen einen Beitrag auf Grundlage der Festlegungen im AAV-Gesetz. Was ist nun so ungewöhnlich an diesem Modell? Land, Wirtschaft und Kommunen arbeiten in den Gremien des Verbandes nunmehr seit 20 Jahren partnerschaftlich zusammen und legen die Aufgaben und Ziele der Verbandstätigkeit fest. Neben den finanziellen Beiträgen bringen alle Mitgliedergruppen fachspezifisches Know-how, Kontakte und Erfahrungen ein. Bei konkreten Sanierungsprojekten ergibt sich eine enge und effektive Zusammenarbeit zwischen den Kommunen als Antragsteller und meistens gleichzeitig zuständige Umweltbehörde und dem AAV, der als Projektträger auftritt.

Wirtschaft und Kommunen nutzen das Know-how des AAV und lassen sich bei schwierigen Altlastenfragen von ihm beraten. Das betrifft nicht nur Fragen der Abwehr von Gefahren aus Altlasten sondern reicht hin bis zur Beratung bei Problemen zur Standortsicherung und Standortentwicklung und zur Vermittlung in Streitfällen zwischen Wirtschaft und Behörden. Neu ist in diesem Zusammenhang auch die Trägerschaft des AAV für die vom Dialog Wirtschaft und Umwelt eingerichtete Clearingstelle, bei der Streitfragen für alle Umweltbereiche vorgetragen und mit dem Ziel einer einvernehmlichen Regelung zwischen den Streitparteien behandelt werden. Trotz erfolgreicher Tätigkeit in den vorstehend beschriebenen Aufgabenfeldern war die Finanzierung des AAV seit seiner Neugründung im Jahr 2003 immer von intensiven und schwierigen Diskussionen begleitet. Verhandlungen über die weitere AAV-Finanzierung nach Ablauf des derzeitigen Kooperationsvertrages Ende 2011 werden sicher schon im nächsten Jahr begonnen werden müssen. Es bleibt zu hoffen, dass dieses in der Sache erfolgreiche Modell einer engen und intensiven Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft im Umweltschutz längerfristig fortgeführt werden kann.

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Vorwort des Geschäftsführers

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Altlasten und Klimaschutz

Auch die Landwirtschaft gilt durch den Einsatz von Kunstdüngern und Pestiziden und die Nutzung von fossilen Brennstoffen als ein großer Emittent. Insgesamt sind die landund forstwirtschaftlich genutzten Böden (mit den aufstehenden Wäldern) aber neben den Weltmeeren der zweitgrößte Speicher für Kohlenstoff in einer Größenordnung von ca. 2.300 Gt Kohlenstoff. Altlastensanierung, und hier insbesondere das Flächenrecycling vorgenutzter Industrie- und Gewerbeflächen und militärischer Konversi-

Gerhard Kmoch Geschäftsführer des AAV

onsflächen, stellt daher einen direkten Beitrag zum Klimaschutz dar, weil damit die Neunutzung von NaBei der Diskussion über erforderliche Maßnahmen zum Klimaschutz stehen meistens Betrachtungen über CO2-Emissionen und andere klimaschädliche Gase aus Industrieanlagen, und hier insbesondere aus Kohlekraftwerken, im Vordergrund. Dabei stammen nach einem Bericht des IPCC (Intergouvernemental Panel on Climate Change) bis zu 30 % der Belastung der Atmosphäre mit CO2 in den letzten 100 Jahren aus der Zerstörung von Wäldern und Naturböden (Brandrodung, Holzeinschlag usw.). Auch heute noch ist eine fortschreitende Verminderung der organischen Substanzen in vielen Böden, bis hin zur Wüstenbildung, verbunden mit einer fortlaufenden Freisetzung von Treibhausgasen festzustellen. Neben der bisher als politisches Ziel verkündeten Reduzierung des Flächenverbrauchs in Deutschland von ca. 100 ha/Tag für Siedlungszwecke auf 30 ha/Tag im Jahr 2020 sind auch die vorstehend beschriebenen Klimaaspekte bei der Entwicklung und Umsetzung einer Bodenschutzstrategie zu beachten. Die Entsiegelung von überbauten Flächen schafft die Möglichkeit einer Rückentwicklung zu Naturflächen und die Sanierung von Altdeponien mit einer Deponiegasfassung und -verwertung sind ebenfalls Maßnahmen, die einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz liefern. Nicht zuletzt ergibt sich aus dem Flächenrecycling stadtnaher Industrie- und Gewerbeflächen eine Verminderung von Emissionen aus dem Autoverkehr, weil auf Standorte im Außenbereich mit längeren Verkehrswegen verzichtet werden kann. turflächen (als Kohlenstoffspeicher!) vermieden wird.

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Vorwort des Geschäftsführers

Während für andere wichtige Umweltschutzbereiche, wie z. B. die Nutzung und Reinigung von Wasser, die Luftreinhaltung oder den Klimaschutz, Finanzierungsinstrumente geschaffen wurden, gilt dies für den Boden nur in den Fällen, bei denen ein leistungsfähiger Verursacher der Bodenbelastungen oder ein leistungsfähiger Grundstückseigentümer herangezogen werden kann.

In vielen Fällen ist aber die Verursachung nicht mehr ausreichend nachweisbar oder der sogenannte Verhaltensstörer ist nicht leistungsfähig. Es ist zu wünschen, dass auch Maßnahmen zum Flächenrecycling und zum Bodenschutz insgesamt als förderfähige Maßnahmen aus den zu erwartenden Einnahmen aus dem Emissionshandel mit finanziert werden können.

Der Kohlenstoffkreislauf
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Der Kohlenstoffaustausch zwischen Atmosphäre, Landvegetation und Ozean in GtC pro Jahr sowie die Reservoire in GtC (Gigatonnen = Milliarden t; 1 t C entspricht 3,67 t CO2). Die grünen Pfeile und Werte zeigen die natürlichen Austausche und die schwarzen bzw. weißen Werte die natürlichen Reservoire vor 1750. Die roten Pfeile und Werte zeigen die anthropogenen Flüsse in den 1990er Jahren, die roten Werte bei den Reservoiren die anthropogenen Veränderungen seit Beginn der Industrialisierung bis 1994. Der Kohlenstoff-Gehalt der Atmosphäre hat durch anthropogene Emissionen seit Beginn der Industrialisierung um 165 GtC oder 38,2% zugenommen.

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20 Jahre AAV

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20 Jahre Altlastensanierung
durch den AAV - Bilanz aus Sicht des Landes Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen als Land mit hoher Siedlungs- und Industriedichte hat das Altlastenthema schon früh aufgegriffen und blickt auf eine lange Tradition der Altlastensanierung zurück. Bereits Ende der 1970er Jahre wurde mit der systematischen Erhebung altlastverdächtiger Flächen beProf. Dr. Wilhelm König, Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW

Beispiele sind industrielle Aktivitäten und Abfallablagerungen, aus denen in der Vergangenheit häufig Altlasten resultierten. Daher wurde ein gemeinschaftlicher Fonds, finanziert von Wirtschaft, Staat und Kommunen, geschaffen und im Jahr 1988 auf dieser Grundlage der Altlastensanierungs- und Altlastenaufbereitungsverband NRW (AAV) mit Sitz in Hattingen gegründet. Neben dem Land und den nordrhein-westfälischen Kommunen engagieren sich in diesem in Deutschland einmaligen Kooperationsmodell vor allem die Entsorgungswirtschaft, Unternehmen der chemischen und der Stahlindustrie sowie Energieversorger. Mit dem Entsorgungsverbandsgesetz vom 21.06.1988 wurden damit erstmals die gesetzlichen Voraussetzungen für den AAV geschaffen. Zielrichtung war zunächst ausschließlich die Gefahrenabwehr bei Altlasten. Seit 1995 bestehen zusätzlich Vorgaben für nutzungsbezogene Sanierungen im Sinne des „Flächenrecyclings“. Aktuelle Rechtsgrundlage sind das AAV-Gesetz (AAVG) vom 20.05.2008 (GV NRW S. 571) und die Kooperationsvereinbarung vom 24.04.2008 (MBl. NRW S. 262). Neben den Beiträgen der Kooperationspartner können seit 2008 auch bis zu 3 Millionen Euro aus Mitteln der Abwasserabgabe eingesetzt werden, wenn die Sanierungsmaßnahme eine Verbesserung der Gewässerqualität zum Ziel hat.

gonnen. Nachdem zunächst einige spektakuläre Fälle abgewickelt wurden, entstand eine systematische Vorgehensweise, mit der die Vielzahl altlastverdächtiger Flächen entsprechend ihrer Dringlichkeit bearbeitet werden konnten. Im gleichen Zeitraum wurden die ersten rechtlichen Grundlagen für die Erfassung, Gefährdungsabschätzung und Sanierung geschaffen, so dass Verursacher oder Grundstückseigentümer als Verantwortliche für die notwendigen Maßnahmen herangezogen werden konnten. Das Umweltministerium entwickelte ein Landes-Förderprogramm für Gemeinden und Kreise, um Maßnahmen, die in der Verantwortung der Kommunen liegen, zu unterstützen. Die ersten Erfahrungen machten bereits deutlich, dass bei sogenannten „herrenlosen“ Altlasten, bei denen weder ein Verursacher noch ein Eigentümer verantwortlich gemacht werden kann, eine Finanzierungslücke bestehen kann. Die Finanzierung der Altlastensanierung für solche Flächen wurde als Gemeinschaftsaufgabe von öffentlicher Hand und Wirtschaft er-

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kannt, da sowohl öffentliches als auch privatwirtschaftliches Handeln als Ursachen anzusehen sind.

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20 Jahre AAV

Im Rahmen dieser rechtlichen Vorgaben und den zur Verfügung stehenden Mitteln hat der AAV inzwischen eine Reihe wichtiger Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. In seiner zwanzigjährigen Geschichte hat er etwa 116 Millionen Euro für Altlastensanierung und Flächenrecycling eingesetzt und sich dabei an insgesamt 77 Maßnahmen beteiligt. Aufgrund des begrenzten Finanzvolumens kann der AAV kaum Großprojekte wie etwa der Grundstücksfonds Ruhr in Angriff nehmen. Die realisierten Maßnahmen haben aber das Förderprogramm des Landes sinnvoll ergänzt. Es sind eine Reihe von Projekten angegangen worden, für die sich sonst kein Verantwortlicher gefunden hätte. Nachfolgend werden einige prägnante Beispiele dargestellt:

Innerhalb eines Jahres wurden rund 250.000 Tonnen Abfälle und Boden bewegt und 150.000 Tonnen geruchsintensiver Produktionsschlämme und Industrieabfälle entsorgt. Hauptproduktionszweig der ECF war die Gewinnung von Eiweißleim aus gegerbten Lederresten. Die schlammigen mit Chrom und Pentachlorphenol (PCP) angereicherten Produktionsrückstände waren ungesichert auf dem Außengelände der Fabrik abgelagert worden.

Fazit und Ausblick
Diese und eine Reihe anderer Beispiele zeigen, dass der AAV wichtige Beiträge sowohl zur Gefahrenabwehr als auch zum Flächenrecycling liefert. Er hat in den 20 Jahren umfangreiche Erfahrungen in der Durchführung komplexer Sanierungsfälle gesammelt. Komplizierte Fallgestaltungen innerhalb bestehender Wohngebiete wurden unter Beteiligung der Betroffenen abgewickelt. Schadensherdsanierungen unterhalb von Gebäuden erforderten den Einsatz innovativer Sanierungsverfahren. Im Rahmen von Sanierungsplänen wurden Materialumlagerungen in Sicherungsbauwerke vorgenommen. Vertragliche Lösungen führen zur Einbindung Dritter bei der Kostentragung. Immer häufiger wird der AAV von seinen Mitgliedern als Berater und Mediator eingesetzt; sein Sachverstand ist auf Fachtagungen über die Landesgrenzen hinaus gefragt. Angesichts dieser positiven Bilanz, aber immer noch etwa 60.000 altlastverdächtigen Flächen und etwa 10 % endgültig sanierter Flächen in Nordrhein-Westfalen muss diese Arbeit dringend weiter geführt werden.

• Stadt Halle – Von der Lederfabrik zum Wohngebiet	
Ein gutes Beispiel für die Wiedergewinnung städtischen Entwicklungsraums ist der Standort einer ehemaligen Lederfabrik in Halle (Westfalen). Dieses circa 2,2 Hektar große Gelände der ehemaligen Gerberei wurde im Zusammenhang mit weiteren benachbarten Flächen zu einem attraktiven Wohnbaugebiet entwickelt. Die Bebauung ist in vollem Gange.

• UNION Werl – Vom Gewerbegebiet zum neuen Stadtteil	
Die Sanierung des innenstadtnah gelegenen rund sechs Hektar großen ehemaligen Betriebsgeländes einer metallverarbeitenden Fabrik ermöglicht der Stadt Werl die Anlage eines attraktiven Wohngebiets ohne Verbrauch bestehender Freiflächen.

• Bahnhofsgelände Lüdenscheid	
Bereits seit 1995 gab es Bestrebungen der Stadt Lüdenscheid das zu großen Teilen brachliegende Bahnhofsgelände mit einer Brutto-Gesamtfläche von 90.000 Quadratmetern zu einem hochwertigen Dienstleistungs- und Gewerbestandort mit guter Adresse in fußläufiger Entfernung zur Innenstadt zu entwickeln. Im Umfeld des neu zu errichtenden Verknüpfungspunktes für Bahn, Bus, PKW, Fahrrad und Fußgänger sollen bahnbezogene Serviceeinrichtungen, ergänzende Dienstleistungsangebote, beschränkt Einzelhandel sowie räumlich untergeordnet auch Wohnnutzungen entstehen.

• ECF Kempen – Altlastensanierung im Nebel	
Im Industriegebiet „Am Selder“ in Kempen steht seit 2006 das Gelände der ehemaligen „Elektrochemischen Fabrik“ (ECF) wieder für eine neue gewerblich-industrielle Nutzung zur Verfügung. Auf der 4,5 Hektar großen Industriebrache fanden seit Juni 2004 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen statt.

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20 Jahre AAV

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20 Jahre

Altlastensanierung in NRW

Der Altlastensanierungs- und Altlastenaufbereitungsverband NRW (AAV) feiert anlässlich des Altlastensymposiums "20 Jahre Altlastensanierung in NRW“ am 26.11.2009 in Düsseldorf sein 20jähriges Bestehen. Er macht sich dabei etwas jünger. Denn genau genommen ist der AAV schon 21 Jahre alt und damit auch nach alten Maßstäben endgültig volljährig. Im Jahr 1988 wurde der AAV als Abfallentsorgungs- und Altlastensanierungsverband NRW gegründet. Der Umfang der Probleme im Zusammenhang mit der Erkundung und Sanierung von Altlasten wurde zu damaliger Zeit als nahezu unüberschaubar angesehen. Auf Seiten der Ordnungsbehörden, der Planungsbehörden und der Industrie bestanden Unsicherheiten, wie mit der Bewältigung der Altlastenfrage unter technischen und finanziellen Gesichtspunkten umgegangen werden sollte. Die Altlastensanierung hatte zu dieser Zeit Hochkonjunktur. Es wurden zahlreiche neue Wege und Lösungsmöglichkeiten erkundet. Viel Geld wurde in diesem Zusammenhang investiert – aber auch verdient. In diesem Umfeld suchte das Umweltministerium des Landes NRW einen neuen Weg für die Finanzierung der Altlastensanierung. Zusammen mit der Industrie und den Kommunen entschied sich das Land NRW für die Form der „Public-Private Partnership“. Hierzu wurde ein Verband, der AAV, gegründet. Wie in jedem Verein gab es auch beim AAV nach einiger Zeit Ärger. Wie in jedem Verein ging es ums Geld. Nachdem die ursprüngliche Finanzierung des AAV über Lizenzentgelte aus der Abfallentsorgung in 2000 als nicht verfassungskonform eingestellt werden musste, zeigte sich jedoch, dass die überwiegende Mehrheit der Verbandsmitglieder die vom AAV geleistete Arbeit als sinnvoll ansah und weiterhin unterstützen wollte. So erfolgte in 2002 die Neugründung des AAV als „Altlastensanierungs- und Altlastenaufbereitungsverband NRW“. Dabei will ich allerdings nicht verschweigen, dass der ursprünglich beachtenswerte finanzielle Beitrag der
Dr. Horst Ferfers, Vorsitzender des Umweltausschusses Städtetag NW

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Wirtschaft mittlerweile auf einen Anteil zurückgeführt wurde, der nicht mehr angemessen erscheint.

Jahresbericht 2009

20 Jahre AAV

Inhaltlich konzentrierte der AAV mit der Neugründung seine Betätigung auf den Bereich der Altlastenerkundung/-sanierung. Der Arbeitsbereich „Abfallentsorgung/ Verwertung“ wurde mit dem Wegfall des Lizenzentgelts aufgegeben. Wichtiger aus Sicht der Kommunen ist jedoch eine Erweiterung der Arbeitsfelder des AAV, die sich in 1995 vollzog. Bis dahin wurden vom AAV nur Maßnahmen gefördert, die im Rahmen der Ersatzvornahme von den Ordnungsbehörden bearbeitet wurden. Grundstücke, die im Eigentum der Kommunen standen oder durch einen öffentlich-rechtlichen Vertrag saniert wurden, waren von der Förderung ausgeschlossen. Seit 1995 können Gemeinden jedoch auch für Grundstücke, die einer neuen Nutzung/Bebauung zugeführt werden sollen, eine Bezuschussung seitens des AAV erhalten. Erfolgte die Altlastensanierung bis 1995 aus stadtplanerischer Sicht nach dem Zufallsprinzip der Ersatzvornahme, konnte danach die Altlastenbearbeitung in die Entwicklungsplanung der Gemeinden integriert werden. Die Sanierung der zumeist am Rand der früheren Stadtkerne gelegenen, älteren Industrie- und Gewerbebrachen hat seitdem unter dem Stichwort „Flächenrecycling“ eine immer größer werdenden Bedeutung erlangt. Dem trägt der AAV durch die in 2009 erstmalig erfolgende Verleihung des „NRW Bodenschutzpreises“ besonders Rechnung. Herausragende Beispiele für die Revitalisierung ehemaliger Industrie- und Militärflächen sollen hierbei ausgezeichnet werden.

Des Weiteren ist aus Sicht der Gemeinden die Tätigkeit des AAV im Bereich der Weiterbildung und der Beratung hervorzuheben. Beispielhaft hierfür seien die AAV-Fachtagungen und –Symposien genannt. Der Erfahrungsaustausch untereinander sowie die Weitergabe neuer Erkenntnisse ist im Bereich der sich rasch entwickelnden Altlastensanierungstechnik von besonderer Bedeutung. Im Namen des Umweltausschusses des Städtetags NRW darf ich mich daher beim AAV für die in den letzten 20 Jahren geleistete Zusammenarbeit und Unterstützung bedanken! Im Interesse der Gemeinden wünsche ich dem AAV für die Zukunft alles Gute!

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20 Jahre AAV

Jahresbericht 2009

Der AAV aus Sicht der Wirtschaft
Zwanzig Jahre AAV; das ist auch aus Sicht der Wirtschaft ein Grund, Glückwünsche zu überbringen und diesem Erfolgsmodell für gelungene Altlastensanierung und Flächenrecycling in NRW für die Zukunft alles Gute zu wünschen. Dabei standen die Anfänge des AAV aus Sicht der Wirtschaft zunächst unter keinem guten Stern. Die Finanzierung über eine zwangsweise Heranziehung von Wirtschaftsunternehmen auf Basis eines „Lizenzentgelts“ für Sonderabfallentsorgung wurde von vielen Unternehmen als Zumutung
Dr. Lutz-Dieter Naake, Evonik Degussa GmbH

empfunden und stieß auf heftige Gegenwehr. Doch das ist Schnee von gestern. Seit Jahren ist die Finanzierung des AAV über eine Kooperationsvereinbarung zwischen Land und Wirtschaft gesichert; viele maßgebliche Unternehmen in NRW leisten über Fördervereine freiwillig einen Beitrag zur Sanierung und Flächenrecycling von herrenlosen industriellen Altlasten. Welche Gründe gibt es für die Wirtschaft, sich hier zu engagieren, für Altlasten, die ihnen selbst nicht gehören? Jede sanierte Altlast und jeder Altstandort, der saniert in den Wirtschaftskreislauf oder für andere Nutzung zurückgegeben wird, reduziert den Flächenverbrauch und ist ein Beitrag zur Bewältigung des Strukturwandels in der industriellen Kernregion Deutschlands und erhöht die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts NRW. Das ist im Interesse der hier ansässigen Unternehmen.

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Jahresbericht 2009

20 Jahre AAV

Darüber hinaus hat sich der AAV dank seiner hochqualifizierten und erfahrenen Mitarbeiter einen hervorragenden Ruf bei der Bewältigung auch komplexer schwieriger Sanierungsprojekte erarbeitet. Durch die Erprobung neuer Sanierungstechniken an geeigneten Projekten leistet der AAV wichtige Beiträge zur fachlichen Weiterentwicklung der Altlastensanierung und zum optimalen Einsatz der knappen finanziellen Ressourcen. Von dieser Erfahrung profitieren sowohl die Verwaltung als auch Industrieunternehmen bei ihren eigenen Sanierungsprojekten, und nicht zu unterschätzen ist schließlich auch die Rolle des AAV als Vermittler zwischen den Verfahrensbeteiligten. Es ist zu hoffen, dass noch mehr Wirtschaftsunternehmen in unserem Land die Bedeutung des AAV erkennen und mit einem freiwilligen finanziellen Beitrag unterstützen.

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AAV-Fachtagung

Jahresbericht 2009

Der Gesetzgeber lässt sich mehr Zeit
AAV-Fachtagung Boden und Grundwasser bündelte Rechtsfragen und Praxiserfahrungen

Rechtsfragen und Praxisaspekte der AAV-Fachtagung interessierten über 250 Teilnehmer

Gastautor

Hans Joachim sanierungs- und AltlastenaufbereiSchmitz tungsverband NRW (AAV) seine beiPraxiserfahrungen zusammengefasst. Etwa 260 Teilnehmer interessierten sich am 24. Juni im Indust-

Für das Jahr 2009 hat der Altlasten-

In seiner Einführung listete Prof. Dr. Wilhelm König (MUNLV NRW) die aktuellen Diskussionspunkte zum Regelungsbereich Boden und Grundwasser auf: - Gesetzentwurf zur Neuregelung des Wasserrechts - Entwurf einer Grundwasserverordnung Bewertung und Maßnahmenkonzepte zu Altlasten als Punktquellen für Grundwasserkörper nach WRRL - Novellierung der Regelungen zum Wirkungspfad „Boden-Grundwasser“ in der BBodSchV - Artikel-Verordnung zur Verwertung mineralischer Abfälle/ Bodenmaterial (ErsatzbaustoffV/ § 12a BBodSchV) Dabei zeigte sich, dass sich der Gesetzgeber bei einigen dieser Vorhaben mehr Zeit lässt als erwartet. Das hängt zunächst damit zusammen, dass nach dem Scheitern des Umweltgesetzbuches das Bundeskabinett kurzfristig den ursprünglichen Teil II als Novelle des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) beschlossen

den Fachtagungen Rechtsfragen und

riemuseum Henrichshütte Hattingen für aktuelle Rechtsfragen bei der Sanierung von Grundwasserschäden und praktische Erfahrungen bei der Sanierung von Altlasten. Mit Blick auf die Großveranstaltung anlässlich der Verleihung des gemeinsam mit dem Umweltministerium ausgelobten NRW-Bodenschutzpreises 2009 im Rahmen des Symposiums „20 Jahre Altlastenbearbeitung in NRW“ am 26. November in Düsseldorf hatte der AAV beschlossen, die beiden Einzelveranstaltungen der Fachtagungen zusammenzulegen: die Rechtstagung im Juni und die in den Vorjahren Anfang Dezember durchgeführte Fachtagung mit Praxiserfahrungen. Mit knapp 260 Teilnehmern war die ehemalige Gebläsehalle der Henrichshütte

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ausgebucht.

Jahresbericht 2009

AAV-Fachtagung

hat und der Bundesrat notwendige Korrekturen in das Verfahren einzubringen hatte. Hier spielte auch die Umsetzung von Ergebnissen der Föderalismusreform eine Rolle. Im Fokus steht vor allem der § 48 WHG-E, der den alten § 34 zur Reinhaltung des Grundwassers ersetzt und mit dem die so genannten Geringfügigkeitsschwellen (GFS) bundesweit eingeführt werden sollten. Der neue § 48 bildet die Ermächtigungsgrundlage für die im Entwurf vorliegende Grundwasserverordnung. Allerdings ist der Widerstand gegen die Einführung der GFS so massiv, dass der Bundesrat am 15. Mai 2009 durch das Streichen der Sätze 2 und 3 in § 48 Abs. 1 die Verrechtlichung der GFS aufgeschoben hat und damit der Grundwasserverordnung überlässt. Nur so ist es möglich, das Gesetz zur Neuregelung des Wasserrechts mit seinem Hauptartikel 1, der WHG-Neufassung, noch in dieser Legislaturperiode zu verabschieden. Die Umsetzung der EGGrundwasserrichtlinie durch die neue Grundwasserverordnung wird wegen der laufenden Diskussionen auf die kommende Legislaturperiode verschoben. Dass die Ersatzbaustoffverordnung in dieser Legislaturperiode nicht mehr kommen wird, ist weitgehend bekannt. Eine weitere Verschiebung deutete Prof. König auch für die Novellierung der BBodSchV an, für die vor den Bundestagswahlen kein neuer Arbeitsentwurf mehr zu erwarten ist. Prof. Dr. Michael Reinhardt (Institut für Deutsches und Europäisches Wasserwirtschaftsrecht, Universität Trier) vertiefte das Thema mit seinem Vortrag „Neue Anforderungen an die Sanierung altlastenbedingter Grundwasserschäden“. Nach der Föderalismusreform gilt für den Bund statt der früheren Rahmenkompetenz im

Wasserrecht mit jeweiliger Länderregelung (z. B. 16 Landeswassergesetze) jetzt eine „Vollregelung“. Den Ländern bleibt als Ausgleich für die verlorene Ausfüllungskompetenz das Recht einer Abweichungsgesetzgebung. Die ist aber inhaltlich stark eingeschränkt und gilt nicht für stoffund anlagenbezogene Regelungen und auch nicht bei der Umsetzung von EU-Recht, so dass dem Referenten die Gefahr abweichender länderspezifischer Regelungen gering erscheint. Gleichzeitig ist bei der gegenwärtigen Novellierung wasserrechtlicher Vorschriften ein erheblicher Zeitdruck entstanden, der vom nahen Ende der Legislaturperiode noch verschärft wird. Das erneute Scheitern eines einheitlichen Umweltgesetzbuchs macht es erforderlich, bis zum Herbst wenigstens die Einzelgesetze zum Wasserrecht und Naturschutzrecht zu verabschieden.

Der Gesetzesentwurf stellt eine grundsätzliche Neuordnung des Wasserrechts auf der Grundlage der Entwürfe zum UGB II (Wasser) dar. Prof. Reinhardt ging anschließend auf die aus Sicht des Grundwasserschutzes bedeutsame Umsetzung der EUUmwelthaftungsrichtlinie durch § 22a WHG und das Umweltschadensgesetz ein, womit erstmals der Begriff des Gewässerschadens definiert und eine Sanierungspflicht des Verursachers definiert wird. Weiterhin wies er auf das wasserhaushaltsgesetzliche System des vierstufigen Grundwasserschutzes (Grundsatzverbote für Einleiten, Lagern und Ablagern in § 34, Bewirtschaftungsziele in § 33 a, Recht der wassergefährdenden Stoffe in § 19 a-l und die Wasserschutzgebiete in § 19 WHG) sowie auf die Reinhaltung des Grundwassers in § 48 WHG-E (siehe Einführung Prof. König) hin.

Der am 11. März 2009 vorgelegte Entwurf eines novellierten WHG soll die Kompetenzänderungen im Grundgesetz und die Umsetzung europarechtlicher Vorschriften (Hochwasserrichtlinie 2007/60/EG und Grundwasserrichtlinie 2006/118/ EG) zu einem neuen Wasserrecht des Bundes zusammenführen.

Themenblock Rechtsfragen: Moderator Nikolaus Söntgerath, Martina Hirschberg, Prof. Dr. Wilhelm König, Prof. Dr. Michael Reinhardt

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AAV-Fachtagung

Jahresbericht 2009

Über rechtliche Anforderungen an die Sanierung von Grundwasserschäden aus der Sicht einer Kreisverwaltung berichtete Martina Hirschberg (RheinSieg-Kreis, Siegburg). In diesem bevölkerungsmäßig zweitgrößten deutschen Landkreis, der die Stadt Bonn vollständig umschließt und im Norden an die Stadt Köln grenzt, gibt es als Folge einer langen industriellen Entwicklung 819 Altlastverdachtsflächen, 50 Altlasten und 195 sanierte/gesicherte Altlasten. Zurzeit laufen sieben aktive Grundwassersanierungsmaßnahmen im Kreisgebiet, einige davon in Zusammenarbeit mit dem AAV. Bei den überwiegenden Fällen gibt es einen öffentlich-rechtlichen Vertrag mit bislang sehr guten Erfahrungen, aber auch Maßnahmen ohne vertragliche Verpflichtung oder Verfügung und ohne konkretes Sanierungsziel finden statt. Bei der Festlegung von Sanierungszielen gibt es nach den Erfahrungen im Rhein-Sieg-Kreis keine Universallösung. Die Hürde ist nicht die technische Machbarkeit, sondern die Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen. Auch bei nach den „LAWA/LABOGrundsätzen des nachsorgenden Gewässerschutzes bei punktuellen Schadstoffquellen“ abgeleiteten Sanierungszielen sind diese nicht immer mit verhältnismäßigem Aufwand erreichbar, sodass die Behörde Maßnahmen vor Erreichen des Sanierungsziels beendet. Auf Bitte des AAV wurden die Auswirkungen einer Einführung von Geringfügigkeitsschwellen nach § 48 WHG-E auf die behördliche Ermittlungspflicht beleuchtet. Da bei einer Überschreitung von Schwellenwerten eine Grundwasserverunreinigung vorliegt,

bisherige Beurteilungsspielraum der Behörde entfällt. Zu den Auswirkungen durch die verbindliche Einführung der GFS-Werte in der Grundwasserverordnung auf die Festlegung von Sanierungszielen bei Grundwassersanierungen (z. B. Wiederversickerung) ist zu sagen, dass angesichts der Beachtung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes die GFS-Werte ein eher ungeeigneter Maßstab für die Festlegung von Sanierungszielwerten sein werden.

Klassikerthema Verhältnismäßigkeit: Warum ein seit Jahrzehnten diskutierNikolaus Steiner

tes Klassikerthema des Boden- und Altlastenrechts wieder aktuell ist,

nämlich die Verhältnismäßigkeit von Sanierungszielen und -maßnahmen bei altlastenbedingten Gewässerschäden, das brachte RA Nikolaus Steiner den Zuhörern näher. Dabei ist der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz keine rein naturwissenschaftliche oder technische Frage, sondern eine voll justiziable Rechtsfrage. Er besitzt Verfassungsrang, sodass er eigentlich nicht extra im Gesetz zu stehen bräuchte. Dass dies dennoch der Fall ist, unterstreicht das besondere Gewicht, das der Gesetzgeber der Verhältnismäßigkeitsprüfung im Bundes-Bodenschutzgesetz beimisst. In § 10 Abs. 1 Satz 4 BBodSchG heißt es: „Die zuständige Behörde darf eine Anordnung nicht treffen, wenn sie auch im Hinblick auf die berechtigten Nutzungsinteressen einzelner unverhältnismäßig wäre.“

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greift bei Kenntnis der Überschreitung die behördliche Ermittlungspflicht; der

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AAV-Fachtagung

Die Beachtung der Verhältnismäßigkeit ist ebenfalls vorgeschrieben in § 4 Abs. 5 BBodSchG (Vorrang der Dekontamination), § 4 Abs. 7 BBodSchV (Bewertung von Schadstoffeinträgen in das Grundwasser) und § 4 Abs. 3 BBodSchG (Schutz- und Beschränkungsmaßnahmen). Bei der Verhältnismäßigkeitsprüfung altlastenbedingter Grundwasserschäden steht ein verhältnismäßiges Sanierungsziel am Anfang, denn die Geeignetheit einer Maßnahme ist nur bei Vorliegen eines Sanierungsziels zu bewerten. Dabei ist die Ableitung und Festlegung verhältnismäßiger Sanierungsziele (und -zielwerte) eine standortbezogene Einzelfallentscheidung und liegt im Ermessen der Behörde. Bei der rechtlichen Verhältnismäßigkeitsprüfung von Sanierungszielen und -maßnahmen ist jeweils deren Geeignetheit, Erforderlichkeit und Angemessenheit zu überprüfen. Und damit steht aktuell die Frage im Raum: Wie steht es mit den LAWA-GFS als Sanierungszielwerte? Sowohl das OVG Niedersachsen, ZUR 2007, S. 432 ff. (Neuschaden durch defekte Heizölleitung in 2007) als auch der VGH Bayern, NVwZ 2007, S. 112 ff. (altlastenbedingter Grundwasserschaden) haben dies bejaht. Dem steht aber entgegen, dass die Ableitung der LAWAGFS fachlich und rechtlich umstritten ist und dass GFS Grundwasserqualitätsziele sind, die für den Grundwasserkörper und nicht unmittelbar für Punktquellen (Altlasten) gelten.

Allerdings dient die gesetzliche „Verrechtlichung“ des GFS-Konzepts im Entwurf der Grundwasserverordnung dem Vorsorgegrundsatz im Rahmen wasserrechtlicher Erlaubnisverfahren und kann für die Nachsorge bei der Altlastenbearbeitung nicht übertragen werden (so Begründung zu § 15 GrwV-Entwurf v. 24.04.2009). Fazit: Ergibt die rechtliche Verhältnismäßigkeitsprüfung, dass die angedachten Ziele, Werte und Maßnahmen unverhältnismäßig sind, so sind diese zu modifizieren und erneut auf Verhältnismäßigkeit zu prüfen. Dies ist ein iterativer Prozess. Dr. Hans-Peter Koschitzky (VEGAS Universität Stuttgart) stellte den Zuhörern Aufbau und Ziele der neuen ITVA-Arbeitshilfe „Innovative In-situ-Verfahren“ vor, deren Herausgabe bevorsteht. Der Hintergrund für diese Arbeitshilfe ist in lang andauernden Sanierungsmaßnahmen (meist Pump and Treat) zu finden, die nicht enden wollen und andere Lösungen erfordern. Der Vorteil einer solchen Arbeitshilfe liegt bei einer unabhängigen und wertfreien Darstellung der Verfahren. Sie soll die Auswahl eines geeigneten In-situ-Sanierungsverfahrens erleichtern sowie Anwendung und Akzeptanz der Verfahren verbessern. Die vorgestellten Verfahren gliedern sich in physikalische, biologische und chemische Verfahren sowie als Sonderfall durchströmte Reinigungswände. Zu jedem Verfahren gehört ein doppelseitiges Verfahrensblatt, das den Anwendungsbereich wie auch Anwendungsgrenzen aufzeigt, den Entwicklungsstand und Referenzprojekte dokumentiert und neben ausgewählter Literatur eine Bewertung durch den ITVA-Arbeitskreis enthält.
Innovative In-situ-Verfahren: Dr. Hans-Peter Koschitzky

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AAV-Fachtagung

Jahresbericht 2009

Über ein „Verfahrensscreening zur Ermittlung von geeigneten Behandlungsverfahren komplexer Grundwasserschäden“ berichtete Dr. Johannes Leonhäuser (Bayer Technology Services) am Beispiel der Rhenania-Halde in Stolberg. Hier hatten von 1852 bis zur kriegsbedingten Zerstörung im Jahr 1944 die Chemische Fabrik Rhenania AG und ihre Rechtsnachfolgerin CalciumsulfidRückstände aus der Sodaproduktion abgelagert und zu einer Industriehalde mit einer Grundfläche von
Regionale Bodenbörse: Dr. Rolf Heyer

Da das Verfahren als nicht erprobt gilt, sind Vorversuche im Labormaßstab sowie eine Pilotierungsphase geplant. Eine regionale Bodenbörse war angesichts gewaltiger Aufgaben für das Bodenmanagement im Ruhrgebiet schon auf der AAV-Fachtagung im Dezember 2007 in einem Vortrag der Emschergenossenschaft angeregt worden. Ein erstes Konzept für diese regionale Bodenbörse Ruhr vermittelte Dr. Rolf Heyer (LEG Stadtentwicklung). Nach einer Vorstudie des Büros für Bodenbewertung Kiel besteht für die nächsten zehn Jahre ein Mengenbedarf von 10 Mio. m³ für die Abdeckung und Rekultivierung von Deponien; zusätzlich werden im Rahmen der Altlastensanierung 30 Mio. m³ Material bewegt werden. Dem steht ein Angebot an Böden von 20 Mio. m³ gegenüber. Die derzeitige Situation ist gekennzeichnet von einer sehr unterschiedlichen Qualität der bewegten Bodenmassen, vom Aushub natürlicher Böden bis hin zu kontaminierten Materialien. Bei der Beschaffung von Böden stehen zum gewünschten Zeitpunkt erforderliche Materialien nicht zur Verfügung, es gibt nur gering aufnahmefähige Zwischenlager, und die Kenntnis von Angebot und Nachfrage ist begrenzt. Die geplante regionale Bodenbörse Ruhr versteht sich als unabhängige, neutrale, nicht gewinnorientierte, aber sich selbst finanzierende Beratungs- und Vermittlungsagentur. Sie stellt den Nutzern bodenbezogene Informationen, räumliche Informationen über Ablagerungs- und Verwertungsorte zur Verfügung und wird bestehende Internetplattformen wie ALOIS nutzen. Nachdem ein Umsetzungskonzept vorliegt und die Vorstudie Vorschläge zur

ca. 78.000 m² und einem Volumen von ca. 2,6 Mio. m³ aufgeschüttet. Jährlich etwa 30.000 m³ Sickerwasser mit hohen Sulfid- und SulfatFrachten belasten Grundwasser und den Vorfluter Saubach (Inde), Ausgasungen von Schwefelwasserstoff führen zu erheblichen Geruchsbelästigungen. 2007 schlossen der AAV und der Kreis Aachen einen öffentlich-rechtlichen Vertrag über die Sanierung der Halde zur Reduzierung des Sickerwasseranfalls. Das Sanierungskonzept sieht eine Oberflächenabdeckung oder -abdichtung vor, die Böschungen der Halde sollen stabilisiert, der Haldengraben als Sickerwasserfang ausgebaut sowie eine Abwasserbehandlungsanlage errichtet werden. Für die geplante Sickerwasserbehandlungsanlage zur Sulfidentfernung musste ein geeignetes Verfahren gefunden werden, das einen langfristigen Anlagenbetrieb mit möglichst geringen Betriebskosten berücksichtigt und zugleich einen betreuungsund wartungsarmen Anlagenbetrieb erlaubt. Ein theoretischer und experimenteller Vergleich der Verfahrensvarianten Fällung, Strippung, chemische und biologische Oxidation ergab Vor-

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teile für die biologische Sulfidentfernung vor allem auf der Kostenseite.

Jahresbericht 2009

AAV-Fachtagung

Standardisierung von Bodenmaterialien (technisch, toxikologisch, ökologisch) unter Nutzungsaspekten vorgelegt hat, soll eine Folgestudie Bedarfe, Standorte, Transportwege und mögliche Zwischenlagerungskapazitäten verifizieren und konkretisieren. Die Resonanz öffentlicher Stellen ist positiv, Zurückhaltung zeigen bisher die kommerziellen Marktteilnehmer: Bei Bodenbewegungen in der Größenordnung von 20 Mio. t in der nächsten Dekade wird ein Umsatzvolumen für Zwischenlagerung und Verbringung an den Einbauort von über 400 Mio. € generiert. In einer funktionierenden Bodenbörse wird es eine bessere Kostenkontrolle und damit geringere Gesamtkosten geben; damit können Gewinnmargen bei Transporteuren und Verwertern u. U. sinken. Zum Abschluss der Fachtagung gab Andreas Illguth (Umweltamt Kreis Aachen) im Themenfeld Sanierungspraxis einen Gesamtüberblick zu den Sanierungsarbeiten der Chemischen Fabrik Rüsges in Eschweiler. Dieses Unternehmen produzierte, mischte und vertrieb in der Zeit zwischen 1936 und 1989 chemische Erzeugnisse, Öle, Fette, Teeröl, Vergaser- und Dieselkraftstoffe, Lösemittel, Holzschutz-, Pflanzenschutzund Schädlingsbekämpfungsmittel. Daneben wurde in den 50er Jahren Teerpappe produziert. Die betrieblichen Einrichtungen aus 50 oberund unterirdischen Tanks, Tauchbecken, Misch-, Abfüll- und Reinigungsanlagen sowie kriegsbedingte Zerstörungen haben zu massiven Kontaminationen von Boden und Grundwasser geführt; Schadstofffahnen belasten das Grundwasser auch außerhalb des eigentlichen Betriebsgeländes.

In den vergangenen Monaten fand auf dem früheren Produktionsstandort eine Quellensanierung durch Bodenaustausch und anschließende Bodenversiegelung statt, wobei ein erheblicher Aufwand für die Entfernung bekannter und unbekannter Tanks, Leitungen und Betriebsanlagen sowie für die Entsorgung von Produktionsabfällen entstand. Diese Maßnahme in Kooperation des Kreises Aachen mit dem AAV wurde im Frühjahr 2009 abgeschlossen (Rüsges I). Unter der Bezeichnung Rüsges II gibt es eine erweiterte Sanierungsuntersuchung, ob nach der Quellensanierung die Abstromfahnen auf dem nordöstlich gelegenen Gießereigelände (BTEX, PAK) durch natürlichen Schadstoffabbau (MNA/ ENA) saniert werden können. Die Maßnahme wird durch den AAV und die Bezirksregierung Köln (80%) gefördert. In Planung befindet sich das Projekt Rüsges III, die Sanierung des Geländes des ehemaligen Güterbahnhofs. Die zwischen den ersten beiden Sanierungsgebieten gelegenen Gleisanlagen, die zuvor der DB AG gehörten, werden inzwischen von der Euregiobahn (EVS) für den ÖPNV genutzt. Erforderlich ist hier eine Sanierung der ungesättigten Bodenzone durch Auskoffern der mit Teeröl kontaminierten Horizonte incl. Beseitigung der aufschwimmenden Phase. Zwischen dem ursprünglichen Eigentümer (DB AG), dem neuen Eigentümer (EVS GmbH) und dem Kreis Aachen ist ein öffentlich-rechtlicher Vertrag geschlossen worden. Gegen Zahlung eines Betrages von 2,0 Mio. € ist die Sanierungspflicht auf den Kreis Aachen übergegangen.

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Jahresbericht 2009

Maßnahmenplan des AAV (Stand 07.07.2009)
Projekt-Nr. Projektname	 7003	 7004	 7005	 7006	 7008	 7009	 7010	 7016	 7022	 7023	 7024	 7025	 7027	 7031	 7032	 7034	 7035	 7037	 7038	 7039	 7040	 7041	 7042	 7043	 7044	 7045	 7046	 7047	 7048	 7049	 7050	 7051	 7052	 7054	 7056	 7057	 7058	 7060	 7062	 Ehemalige Zeche und Kokerei Massen ¾ in Unna	 Ehemalige Großwäscherei Ferster in Bornheim-Roisdorf	 Ehemalige Färberei und Großwäscherei Salzbergener Straße in Rheine Ehemalige Wäscherei und Chemische Reinigung Hoff in Hilden Elektrochemische Fabrik in Kempen (ECF) Rhenania-Halde in Stolberg-Atsch Ehemalige chemische Fabrik Rüsges & Co. in Eschweiler Ehemalige Knochenmühle Brand in Langenfeld Ehemalige Dachpappenfabrik der Fa. Ranke in Dortmund Ehemalige chemische Reinigung Volz in Mönchengladbach-Giesenkiese CKW-Grundwasserschaden Bahnstraße in Kaarst-Büttgen Ehemaliges Werksgelände der Fa. UNION in Werl Tankstelle Heeger in Hörstel-Dreierwalde Baaske Hartchrom in Wuppertal Lackfabrik Brocolor in Gronau	 Altablagerung „An der Schlinke“ in Witten-Annen	 Ehemaliger Metallverarbeitungsbetrieb Wortmann in Iserlohn Ehemalige chemische Reinigung Schaefer in Mönchengladbach-Rheydt Ehemalige Galvanik Goldau in Solingen Ohligs Ehemalige Büdericher Ziegelwerke in Wesel-Büderich Ehemalige Industriewäscherei Hünerbein in Düren Ehemalige Metallverarbeitungsfirma Susan in Netphen Chemische Reinigung Hemesath in Kempen Ehemalige Galvanik Greitemann in Olpe Ehemalige Wäscherei und chemische Reinigung Raupach in Gladbeck Ehemalige Warps-Spinnerei II in Borghorst		 Gewerbestandort Bahnhof Lüdenscheid Mitte in Lüdenscheid	 Ehemaliges Werksgelände der Dachpappenfabrik Raschig in Bochum	 Ehemalige Dachpappenfabrik Dr. Kohl in Dorsten	 Grundwasserverunreinigung Hilden/Benrath		 Sägewerk Stellberg in Overath		 Ehemalige chemische Reinigung Schurmann in Hamm		 Metallwarenfabrik August de Haer in Troisdorf		 Ehemalige Zeche und Kokerei Prosper I in Bottrop			 Altdeponie Brandheide in Castrop-Rauxel			 Ehemalige Büromöbelfabrik Fermata in Welver		 Altablagerung „Am Welschenhof“ in Duisburg			 Ehemalige Dachpappenfabrik Therstappen in Neuss		 Ehemaliges Gaswerk Sedanstraße/Stadtumbaugebiet City West in Hamm 	 	 Anmeldende Behörde	 Art der Altlast SU SP S 	 	 	 Kreis Unna	 Rhein-Sieg-Kreis	 Kreis Steinfurt	 Kreis Mettmann	 Kreis Viersen	 Kreis Aachen	 Kreis Aachen	 Kreis Mettmann	 Stadt Dortmund	 Stadt Mönchengladbach Rhein-Kreis Neuss	 Stadt Werl Kreis Steinfurt	 Stadt Wuppertal	 	 Kreis Borken	 	 Ennepe-Ruhr-Kreis	 Stadt Iserlohn	 Stadt Mönchengladbach Stadt Solingen	 Kreis Wesel	 Kreis Düren	 Kreis Siegen-Wittgenstein Kreis Viersen	 Kreis Olpe	 Kreis Recklinghausen Kreis Steinfurt	 Stadt Lüdenscheid	 Stadt Bochum	 Kreis Recklinghausen Kreis Mettmann	 Stadt Hamm	 Rhein-Sieg-Kreis	 Stadt Bottrop	 Kreis Recklinghausen Kreis Soest	 Stadt Duisburg	 Rhein-Kreis Neuss	 Stadt Hamm	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AA mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 LB mit GW	 AS mit GW	 AA mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 LB mit GW AS mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW	 AS 	 AS mit GW AS mit GW AS mit GW	 AS mit GW	 LB mit GW	 AS mit GW		 AS mit GW	 AA mit GW	 AS mit GW	 AS mit GW 	 X X X 	 	 	 	 	 X X X X X

X X X

X X X X X X X X X X X X 	 X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X

X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X

Rheinisch-Bergischer Kreis LB mit GW	

AA mit GW		 X X X X X X X X X X X X X

Nach Dringlichkeitsbeschluss am 07.07.2009 begonnene Projekte
7063	 7064	 Ehemalige chemische Großreinigung Froitzheim in Krefeld		 Ehemalige Färberei Kuhlen/Grundschule Schlebusch in Leverkusen Stadt Krefeld Stadt Leverkusen	 AS mit GW AS X X X X X

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Jahresbericht 2009

Altlastensanierung und Flächenrecycling

Abgeschlossene und zurückgestellte Projekte
Projekt-Nr. Projektname	 7001	
7007	 7011	 7012	

Anmeldende Behörde	 Art der Altlast SU SP S
AS mit GW 	

Schönebecker Schlucht/ehem. chemischer Kleinbetrieb Fa. Heßling in Essen Stadt Essen	
- abgeschlossen -

X X X

Ehemalige Großwäscherei „An der Waldesruh“ in Mönchengladbach
- abgeschlossen -	

Stadt Mönchengladbach AS mit GW AS mit GW 	 X AS mit GW AS mit GW AS mit GW AS mit GW AS mit AS mit AA	 AS mit GW AS mit GW AS mit GW AS mit GW AS mit GW AS mit GW

Ehemalige Schachtanlage und Kokerei Emscher in Essen - abgeschlossen -	 Stadt Essen	 Ehemalige Weberei Goost in Steinfurt-Borghorst - abgeschlossen Ehemalige Schachtanlage und Kokerei Rheinpreußen IV in Moers
- zurückgestellt Kreis Steinfurt	 Kreis Wesel	 Kreis Wesel 	 Kreis Borken	 Stadt Mülheim	 Stadt Halle (Westf.)	 Stadt Bonn	 	 Stadt Lüdenscheid	 Kreis Höxter	 	 Stadt Hamm	 Kreis Aachen	 Kreis Warendorf	 Stadt Herne	

X

X

7014	
7015	 7018	 7019	 7020	 7026	 7029	 7030	 7053	 7055	

X X X X X X X X X X X X X X X

	

Pilotvorhaben zum mikrobiologischen in-situ-Abbau von LCKW am Standort „Große Holtforth“ in Kamp-Lintfort - abgeschlossen - 	 Ehemaliges Chemikalienlager der Fa. Kertess in Bocholt - zurückgestellt Ehemalige Zinkhütte Eppinghofen in Mülheim an der Ruhr - abgeschlossen - 		 	 	

Ehemalige Gerberei Imsande in Halle (Westf.) - abgeschlossen -	
Arsenschadensfall III Real- und Sonderschule in Bonn-Beuel - abgeschlossen - 		 	 	 Gewerbegebiet Brügge in Lüdenscheid - abgeschlossen -	 	 Holz- und Imprägnierwerk Strasser in Willebadessen-Borlinghausen - abgeschlossen -	 Ehemalige chem. Großreinigung Helmrich in Hamm - zurückgestellt -		 Gewerbepark Münsterbusch in Stolberg - zurückgestellt -

X X X X X X X X X

7059	 7061	

Ehemalige Gießerei Görges in Ennigerloh - zurückgestellt Ehemalige Zeche und Kokerei Julia in Herne - zurückgestellt -

Verwendete Abkürzungen: SU = Sanierungsuntersuchung SP = Sanierungsplanung S = Sanierung AA = Altablagerung AS = Altstandort GW = Grundwasserverunreinigung LB = Laufender Betrieb

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Jahresbericht 2009

Gefahrenabwehr durch den AAV
In den aktuellen Projekten des AAV, die vorwiegend unter dem Gesichtspunkt der Gefahrenabwehr durchgeführt werden, ist in allen Fällen das Schutzgut „Grundwasser“, häufig auch das Schutzgut „Menschliche Gesundheit“ betroffen. Das Schadstoffspektrum umfasst hauptsächlich leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW), einkernige und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX und PAK) sowie andere organische Stoffe. Vier Projekte, die bewohnten Altlasten „Am Welschenhof“ und „Ehemalige Großreinigung Froitzheim“ sowie die Sanierung eines der Eintragsbereiche der LCKW-Verunreinigung HildenBenrath und des ehemaligen Betriebsgeländes „Raschig“ wurden im Jahr 2009 begonnen. Bei drei Projekten, der ehemaligen chemischen Reinigung Raupach in Gladbeck, der Altablagerung „An der Schlinke“ sowie dem Teilprojekt „Grundwasser“ der ehemaligen chemischen Fabrik Rüsges in Eschweiler wurden durch den AAV Sanierungsuntersuchungen zur Auswahl des geeignetsten Sanierungsverfahrens bzw. Festlegung der Vorgehensweise durchgeführt, deren Ergebnisse im kommenden Jahr umgesetzt werden sollen. Zwei Projekte, die Sanierung der ehemaligen Lackfabrik Brocolor in Gronau und der ehemaligen Spinnerei Warps in Steinfurt, wurden in 2009 erfolgreich abgeschlossen.

Sanierung einer Dioxin-Altlast
Ein ehemaliger Sandsteinbruch in
Historisches Foto mit abgelagerten Industriemüllfässern

Eine Abschätzung nach Auswertung alter Unterlagen geht davon aus, dass u. a. mehr als 20 Tonnen Produktionsabfälle aus der Pentachlorphenol- und Holzschutzmittelproduktion abgelagert wurden. Von der heute brachliegenden ca. 3.250 m² großen Altdeponie geht infolge der austretenden mit Dioxinen und Chlorphenolen belasteten Sickerwässer eine Grundwassergefährdung aus. Die bereits seit 2002 betriebene Sickerwasserreinigungsanlage müsste ohne weitergehende Maßnahmen langfristig weiter betrieben werden.

Witten-Annen wurde in den 50er und 60er Jahren als behördlich nicht genehmigte Müllkippe für Chemieabfälle genutzt.

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Jahresbericht 2009

Altlastensanierung und Flächenrecycling

Die hohen Druckfestigkeiten des geklüfteten Sandsteins mit bis zu 250 N/mm² stellen besonders hohe Ansprüche an das Bohrgerät. Ausgehend von einem
Die Sickerwasserreinigungsanlage wird seit 2002 betrieben

Schachtbauwerk sollen die Horizontalbohrungen in nordwestliche Richtung geführt und als In einer ergänzenden Sanierungsuntersuchung wurden ab 2007 die Schadstoffe innerhalb der Altdeponie sowohl horizontal als auch vertikal abgegrenzt. Dabei wurden lokal Spitzenwerte von 16.000 µg/kg Dioxine und Furane (PCDD/DF) und 1.300 µg/kg Chlorphenol im Feststoff festgestellt. Maßgeblich für die Bewertung der Belastungssituation des Grundwassers in der Altablagerung und im Festgestein sind aufgrund ihrer besseren Löslichkeit die Chlorphenole, wobei Höchstbelastungen bis zu 2.700 µg/l gemessen werden. Nach den Ergebnissen der Sanierungsuntersuchung ist davon auszugehen, dass die Basis der Altdeponie in Kontakt mit dem Kluftgrundwasser steht, was zu einer ständigen Mobilisierung von Schadstoffen führt. Die Überprüfung der in Frage kommenden Sanierungsverfahren ergibt, dass man im vorliegenden Fall eine gezielte Austrocknung der Altdeponie durch ein Dränagesystem erzielen kann. Nach dem vorliegenden Sanierungskonzept sollen drei ca. 150 m lange Schrägbrunnen im Kernbohrverfahren abgeteuft werden, um eine ausreichende Absenkung des Kluftgrundwasserleiters zu erreichen. Der Erfolg der Maßnahme hängt dabei davon ab, ob es gelingt, die präferentiellen Strömungsbahnen in den verteilten Klüften und Trennfugen des Kluftgrundwasserleiters mit den Dränagen anzuschneiden. Sacklochbohrungen enden, so dass keine Zielschächte abgeteuft werden müssen. Der Sickerwasseranfall wird durch die Horizontaldränagen deutlich reduziert, so dass die Altdeponie mit der Basis nicht mehr im Grundwasser steht. Nach Herstellung der Dränagen wird zunächst mit einem maximalen Fördervolumen an Grundwasser von bis zu 3,5 m³/h gerechnet. Bis zur Austrocknung der Altdeponie ist im geförderten Grundwasser mit erhöhten Schadstoffbelastungen zu rechnen, so dass das Wasser über die vorhandene Sickerwasserbehandlungsan lage abgereinigt werden muss. Sobald der Haldenfuß durch die Wirksamkeit der Dränage nicht mehr vom Grundwasser durchströmt wird, werden die Schadstoffgehalte deutlich abnehmen. Sofern erforderlich sind darüber hinaus weitere Maßnahmen zur Deponieabdeckung/abdichtung durchzuführen, um den Eintrag von Niederschlagwasser und damit die Neubildung von Sickerwasser zu verhindern. Später soll dann in Abhängigkeit von der Schadstoffentwicklung über die Einstellung der laufenden Sickerwasserreinigung entschieden werden.
Trassenverlauf der geplanten Schrägbohrungen

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Jahresbericht 2009

Wohnsiedlung „Am Welschenhof“

in Duisburg

Das Wohngebiet „Am Welschenhof“ in Duisburg ist in den 1960er Jahren auf einer wiederverfüllten ehemaligen Kiesgrube entstanden. Die überwiegende Flächennutzung besteht heute aus Einfamilienhäusern mit Gartengrundstücken und untergeordnet aus Verkehrsflächen. Im Zuge einer von der Stadt Duisburg initiierten Gefährdungsabschätzung wurden im Jahr 2004/2005 in einigen Gartenbereichen oberflächennahe Schadstoffbelastungen des Bodens mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und Schwermetallen aufgefunden. Auch der tiefere Untergrund und das Grundwasser sind von erhöhten Schadstoffgehalten betroffen.

Die Schwermetallbelastungen haben sich nach detaillierten Untersuchungen der potenziellen Wirkungspfade letztendlich als risikoarm für die aktuellen Nutzungsbedingungen herausgestellt. Die PAK sind an Teerrückstände gebunden, die stellenweise isoliert und im tieferen Untergrund unmittelbar oberhalb des Grundwasserspiegels, im zentralen Untersuchungsbereich, aber auch oberflächennah als Teeröl in Phase vorgefunden wurden. Diese Teeröllinse liegt auf einer Fläche von ca. 200 m² in einer Tiefe zwischen etwa 0,6 und 3 Metern unter der Geländeoberfläche. Zur nachhaltigen Sicherung einer gefahrlosen Nutzung der Grundstücke hält die Stadt Duisburg die Sanierung der Altablagerung im Kernbereich der Schadstoffbelastungen für erforderlich. Derzeit wird im Rahmen einer Sanierungsuntersuchung die Entscheidung

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über Art und Umfang der erforderchen Maßnahmen zur Sanierung der Teeröllinse ermittelt.

Jahresbericht 2009

Altlastensanierung und Flächenrecycling

Ehemalige Großreinigung Froitzheim

in Krefeld

In der Stadt Krefeld ist durch die anstromige Rückverfolgung einer Grundwasserverunreinigung durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) die Schadenseintragsquelle im Bereich einer heute mit Einfamilienhäusern überbauten Fläche festgestellt worden. Eine historische Recherche ergab, dass auf der belasteten Fläche von 1890 bis 1970 eine Chemische Reinigung und Färberei betrieben wurde, welche den Schaden durch einen massiven Eintrag von Tetrachlorethen und Schweröl in den Untergrund verursacht hat. Darüber hinaus ist die abgebrochene Bausubstanz der Fabrikanlagen zumindest teilweise im Untergrund verblieben und wurde mit einer Reihenhaussiedlung überbaut. Durch umfangreiche, vom Land Nordrhein-Westfalen finanziell geförderte Untersuchungsmaßnahmen konnten massive Verunreinigungen des Bodens, der Bodenluft und des Grundwassers eingegrenzt sowie ein detailliertes Gefährdungsprofil für die Anwohner und die Umweltkompartimente erstellt werden. Ausgehend von einer räumlich begrenzten schädlichen Bodenveränderung (Kernschaden) und einer flächig auf dem Untersuchungsstandort verbreiteten Bodenluftverunreinigung wurde eine bis weit in den Grundwasserabstrom reichende Grundwasserverunreinigung festgestellt. Durch die Information und Aufklärung der Betroffenen, die mit der Bekanntgabe von Verhaltensempfehlungen auch unter Beteiligung des Gesundheitsamtes der Stadt Krefeld verbunden waren, sowie durch die schnelle Installation und Inbetriebnahme einer Bodenluftabsauganlage wurde das Gefährdungspotenzial für die betroffenen Menschen bestmöglich reduziert. Das verbleibende Restrisiko wird seitdem durch ein regelmäßiges Raumluftmonitoring überwacht. Ein besonderes Augenmerk aller Beteiligten lag vom Zeitpunkt der ersten Kenntnis des Gefährdungspotenzials an auf dem Schutz und der Information der betroffenen Anwohner. Teilweise leben die Bewohner der einzelnen Wohnhäuser bereits seit deren Errichtung im Jahr 1977 auf der betroffenen Fläche. Mehrfach durchgeführte Raumluftmessungen haben in der Kernzone des Boden- und Grundwasserschadens nicht tolerierbare Belastungen mit LCKW ergeben, die zweifelsfrei auf eine Migration von massiv verunreinigter Bodenluft in die Wohnhäuser zurückzuführen sind. Zur Verbesserung des Wohnumfeldes und zur Wiederherstellung gesunder Wohnverhältnisse sowie zur Abwehr der von der Bodenverunreinigung ausgehenden Gefahr für das Grundwasser wird unter der Maßnahmenträgerschaft des AAV eine Quellensanierung durch eine Sanierungsplanung vorbereitet und die Sanierung anschließend ausgeführt. Dabei ist angedacht, den verunreinigten Boden bis in eine Tiefe von maximal 15 Metern unter Geländeoberfläche auszutauschen. Die Raumluftgehalte mit LCKW in den betroffenen Wohnhäusern liegen dauerhaft deutlich unterhalb der tolerierbaren Schwellenwerte. Die Messergebnisse belegen die Wirksamkeit der Bodenluftabsaugung als Sofortmaßnahme zur Gefahrenabwehr.

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Jahresbericht 2009

LCKW-Grundwasserverunreinigung Hilden-Benrath
– Sanierung des Eintragsbereichs ESA-Halle
Zwischen dem Gewerbegebiet Hilden-West im Kreis Mettmann und dem Düsseldorfer Stadtteil Benrath erstreckt sich eine Grundwasserverunreinigung mit leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (LCKW), die von mehreren Eintragsstellen gespeist wird. Die Fahne umfasst eine Gesamtausdehnung von ca. 3 km Länge und maximal 800 m Breite. Unter anderem sind auf dem ehemaligen Betriebsgelände eines Röhrenwerkes durch den Betrieb von Entfettungsbädern große Mengen von Trichlorethen in den Untergrund gelangt. Die Anlage befand sich in der sogenannten „Edelstahlanlagen(ESA)-Halle“, die heute durch einen Rohrhandel genutzt wird. Durch den Betrieb einer Bodenluftabsaugung
Standort der Grundwasserreinigungsanlage im Fahnenabschnitt 1

sättigte Zone weitgehend saniert werden, die im ca. 35 m mächtigen Grundwasserleiter der Rheinterrasse vorhandenen Verunreinigungen wurden jedoch nur unzureichend erfasst. Nachdem der Kreis Mettmann eine Ordnungsverfügung gegen den Sanierungspflichtigen erlassen hatte, drohte ein langjähriger Rechtsstreit. In einem Mediationsverfahren am Düsseldorfer Verwaltungsgericht, an dem der AAV bereits beteiligt war, wurde der finanzielle Beitrag eines der potentiellen Sanierungspflichtigen festgelegt sowie die durchzuführenden Sanierungsmaßnahmen zwischen dem Kreis Mettmann, der Stadt Düsseldorf und dem AAV abgestimmt. Dies war die Voraussetzung für den Abschluss eines Vergleichsvertrages, aufgrund dessen der AAV in das Projekt eingetreten ist. Der AAV beteiligt sich an den Sanierungsmaßnahmen auf dem Gebiet des Kreises Mettmann. Er wird als Maßnahmenträger die Sanierung des Eintrags bereiches durchführen. Hierzu ist die Entnahme und Reinigung von Grundwasser im direkten Abstrom der Eintragsquelle vorgesehen. Für diese hydraulische Maßnahmen können z.T. bestehende Sanierungs-

und eines Untergrundverdampferbrunnens konnte zwar die unge-

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einrichtungen genutzt werden.

Jahresbericht 2009

Altlastensanierung und Flächenrecycling

In einer Machbarkeitsstudie wird geprüft, ob durch den Einsatz von innovativen Verfahren eine Verkürzung der Betriebsdauer der hydraulischen Sanierung erzielt werden kann. Hierbei steht zunächst das Verfahren der in-situ chemischen Oxidation (ISCO) im Zentrum der Betrachtung. Da die vollständige Überbauung und intensive gewerbliche Nutzung des Eintragsbereichs die Zugänglichkeit sehr einschränkt und bisher nur sehr wenig Informationen über die Schadstoffverteilung vorliegen, wird im ersten Schritt eine Erkundung des Schadstoffprofils mit MIP-Sondierungen und horizontierter Grundwasserbeprobung im gut zugänglichen Abstrom der ESA-Halle durchgeführt. Anschließend werden über Modellrechnungen und unter Berücksichtigung der Informationen über die Lage der ehemaligen Anlagen gezielt Beprobungspunkte innerhalb der Halle festgelegt. Auf der Basis der Erkenntnisse über die Schadstoffverteilung und der Untersuchungen zum Oxidationsmittelbedarf und der möglichen Injektionstechniken wird dann über den Einsatz zusätzlicher Sanierungsverfahren entschieden. Die Sanierung der Grundwasserverunreinigung im weiteren Abstrom soll durch die Entnahme und Reinigung von Grundwasser aus Galerien von Entnahmebrunnen erfolgen. Die Brunnengalerie zur Sanierung des ersten Fahnenabschnittes (FA 1), bestehend aus vier in jeweils drei Tiefen verfilterten Entnahmebrunnen, befindet sich an der Grenze des Kreises Mettmann zur Stadt Düsseldorf und erfasst verunreinigtes Grundwasser, das aus dem Bereich der ESA-Halle stammt, ebenso wie die Beiträge anderer Verursacher auf dem Gebiet des Kreises Mettmann.

Aufgrund der bereits getätigten vorbereitenden Arbeiten und der voraussichtlich langen Betriebsdauer der Anlage im Fahnenabschnitt 1 tritt der Kreis Mettmann in diesem Teilbereich als Maßnahmenträger auf und übernimmt die Betriebskosten der Anlage. Die Investkosten werden überwiegend über den AAV aus Mitteln der Abwasserabgabe finanziert. Der AAV wird sich an diesem Projekt insgesamt mit einem Betrag von 2 Mio. € beteiligen.
Teilkomponenten einer bereits früher installierten Grundwasserreinigungsanlage werden in die Sanierungskonzeption einbezogen

Die Stadt Düsseldorf wird zwei weitere Reihen von Entnahmebrunnen zur Sanierung des Grundwassers auf Düsseldorfer Stadtgebiet betreiben (Fahnenabschnitte FA 2 und FA 3).

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Jahresbericht 2009

Fa. Raschig in Bochum

Ehemaliges Werksgelände der
Hierbei wurde einer der Teerölhochbehälter zerstört, was zu einer Überflutung des südlichen Werksgeländes mit Rohteer führte. Heute sind die Anlagen und Lagerbehälter in einem teilweise desolaten Zustand. Für die Bewohner der unmittelbar angrenzenden Wohnhäuser bietet das Gelände nicht nur einen unschönen Anblick, sondern stellt auch durch die in den Sommermonaten wahrnehmbaren Teergerüche eine deutliche Belästigung dar. Drei dieser Wohnhäuser stehen auf dem ehemaligen Firmengelände selbst. In den zugehörigen Gärten ist die oberste

Das ehemalige Werksgelände liegt mitten in einem Wohngebiet

Das in Bochum-Werne gelegene, ca. 3,9 ha große ehemalige Betriebsgelände der Fa. Raschig GmbH wurde von 1887 bis 1972 zur Teerdestillation und anschließend zur Dachpappen- und Bitumenproduktion genutzt. Auf einer stillgelegten Teilfläche wurden Gebäude und Produktionsanlagen teilweise abgerissen. Mehr als 30 ober- und unterirdische Lagerbehälter mit den unterschiedlichsten Inhaltsstoffen (u. a. Teeröle, Emulsionen, Benzol, Laugen und Salze) sind nach Schließung des Werkes noch vorhanden. Unter anderem befinden sich drei große Rohteertanks mit einem zähflüssigen Bodensatz aus Teerölrückständen auf dem Gelände. Im Jahr 2006 wurde die Produktion endgültig eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass auf dem Gelände umfangreiche Boden- und Grundwasserkontaminationen vorhanden sind. Diese sind nicht nur durch die Teerdestillation verursacht, sondern auch durch Bombentreffer im zweiten Weltkrieg.

Bodenschicht mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet. Diese Belastung ist nicht unmittelbar auf Teerverunreinigungen zurückzuführen, sondern möglicherweise durch Luftemissionen sowie die Vermischung mit Aschen und Schlacken verursacht, wie sie für das städtische Umfeld typisch ist. Eine Sanierung ist aus behördlicher Sicht wegen der betroffenen Schutzgüter und im Hinblick auf den Kontaktpfad Boden-Mensch unmittelbar notwendig.

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Die Betriebsgebäude sind baulich teilweise in sehr schlechtem Zustand

Jahresbericht 2009

Altlastensanierung und Flächenrecycling

durchdrungen haben, erheblich mit aromatischen Kohlenwasserstoffen (BTEX, Phenolen und PAK) belastet. Die bisherigen Grundwasseranalysen sprechen aber dafür, dass durch natürliche Abbau- und Rückhalteprozesse die Länge der Grundwasserfahne begrenzt ist.
Auf dem Gelände sind über 30 oberund unterirdische Tanks vorhanden

Diese aus vergleichbaren Schadensfällen bereits bekannten Vorgänge sollen im Rahmen eines zunächst zweijährigen Monitoringprogramms weiter beobachtet werden.
Teerölverunreinigungen

In der ersten Jahreshälfte 2009 wurde die mit einigen Bäumen und teilweise schon älterer Spontanvegetation bestandene Fläche gerodet. Vorher hatte eine durch die Biologische Station der Stadt Bochum durchgeführte artenschutzrechtliche Einschätzung ergeben, dass geschützte Arten im Sanierungsgebiet nicht vorhanden sind. Kenntnislücken hinsichtlich der Tankinhaltsstoffe und des Geländezustandes wurden durch ergänzende Untersuchungsmaßnahmen im Frühsommer 2009 geschlossen. Die Sanierungsmaßnahme beginnt Ende 2009 mit dem Rückbau und der Entsorgung der Tankanlagen. Anschließend werden im Jahr 2010 die Gebäude abgerissen, das Planum hergestellt und die Oberflächenabdichtung aufgebracht.

Die Kosten für eine ordnungsgemäße Entsorgung aller Tankinhalte, den Gebäuderückbau und die Sanierung der Boden- und Grundwasserkontaminationen hätte die Fa. Raschig, die bereits an einem anderen Produktionsstandort umfangreiche und langjährige Sanierungsverpflichtungen erfüllen muss, aus Betriebsmitteln nicht aufbringen können. Die Gesamtkosten der Sanierung werden mit 3,5 Mio Euro veranschlagt. Im Dezember 2008 wurde mit dem Sanierungspflichtigen ein Vergleich über die Zahlung eines Sanierungsbeitrages in Höhe der durch einen Wirtschaftsprüfer ermittelten finanziellen Leistungsfähigkeit geschlossen und das Grundstück kostenfrei an die Stadt übertragen. Damit war die Eintrittsvoraussetzung für den AAV geschaffen. Um zu vermeiden, dass die Fläche dauerhaft brachliegt und um das Wohnumfeld aufzuwerten, entschloss sich die Stadt Bochum, das Gelände zu übernehmen und zu einer öffentlich zugänglichen Grünfläche umzugestalten. Die Sanierung erfolgt auf der Basis eines für verbindlich erklärten Sanierungsplanes gemäß § 13 BBodSchG. Alle Gebäude und die verbliebenen Anlagen werden rückgebaut und Produktionsreste entsorgt.

Kellerräume werden mit dem Gebäudeabbruch verfüllt. Anschließend wird eine Oberflächenabdichtung aufgebracht. Diese besteht aus einer Profilierungsschicht, einer mineralischen Abdichtung, einer Entwässerungsschicht und einer Rekultivierungsschicht, die begrünt wird. Durch das Abdichtungssystem ist kein direkter Kontakt mit verunreinigtem Boden mehr möglich. Auch Geruchsemissionen werden unterbunden. Das anfallende Sickerwasser wird gesammelt und abgeleitet, so dass durch Niederschläge keine Schadstoffe mehr zusätzlich in das Grundwasser ausgetragen werden. Das Grundwasser ist allerdings unter dem Grundstück selbst trotz einer vorhandenen mächtigen Lehmschicht, die die Schadstoffe

Rodung der Bäume im Frühjahr 2009

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Jahresbericht 2009

Ehemalige chemische Reinigung
Der Standort der ehemaligen chemischen Reinigung Raupach befindet sich mitten in der Innenstadt von Gladbeck. Das Gelände ist ca. 3.650 m² groß. Das Grundstück wurde von 1930 bis 1970 durch die Wäscherei, chemische Reinigung und Färberei Raupach genutzt.

Raupach in Gladbeck
einer Tiefenlage zwischen 4,0 und 5,0 m u GOK ermittelt. Auf einer Fläche von ca. 470 m² sind LCKWGehalte im Boden von mehr als 1 mg/kg nachgewiesen. Nach den Untersuchungen ist davon auszugehen, dass sich der LCKWSchaden auf das im betroffenen Bereich mit Garagen überbaute östliche Nachbargrundstück ausdehnt. Die Bodenluftbelastung weist lagemäßig den gleichen Schwerpunkt auf wie die Feststoffbelastung. In ihrer Ausdehnung geht die Bodenluftbelastung allerdings über die Bodenbelastung hinaus. Die Maximalgehalte in der Bodenluft liegen bei über 80.000 mg/m³ (Messdatum 11.01.2008) und wurden im Zentralteil des Gartens im Tiefenbereich zwischen 4,0 und 5,0 m u. Nachdem der Reinigungsbetrieb 1970 eingestellt worden war, wurde das Gelände 1975 verkauft und anschließend die bestehende Bebauung vollständig zurückgebaut.1976 erfolgte die Bebauung mit insgesamt vier aneinander grenzenden, unterkellerten Einheiten mit insgesamt 32 Eigentumswohnungen; nach Süden schließt sich ein Ziergarten an. Während des jahrzehntelangen Betriebes kam es zu erheblichen Verunreinigungen des Bodens und des Grundwassers mit leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (LCKW), wobei hauptsächlich der Einsatzstoff Tetrachlorethen (Per) nachgewiesen wird. Der Maximalwert an LCKW von annähernd 50 mg/kg wurde in einer Bohrung im Tendenziell ist an allen tiefendifferenziert ausgebauten Bodenluftmessstellen eine deutliche Zunahme der Schadstoffgehalte mit der Tiefe feststellbar. Der Hauptanteil der LCKW-Kontamination entfällt auch hier auf die Einzelverbindung Der Belastungsschwerpunkt mit LCKWKonzentrationen > 1.000 mg/m³ reicht insbesondere im Osten über die Grenzen des ehemaligen Betriebsgrundstücks hinaus und dehnt sich vor allem auf das Nachbargrundstück aus, wo noch Bodenluftgehalte von ca. 1.600 mg/m³ LCKW nachgewiesen wurden. Die hohen Bodenluftkonzentrationen hängen mit den außergewöhnlich hohen Belastungen in der flachen, gesättigten Bodenzone zusammen (siehe unten). GOK ermittelt.

Wohnanlage von der Gartenseite aus gesehen

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zentralen Bereich des ehemaligen Innenhofs und heutigen Gartens in

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Tetrachlorethen. In zwei Bodenluftmessstellen in den Kellerräumen der unterkellerten Wohnanlage wurden LCKW-Gehalte von max. 230 mg/m³ nachgewiesen. Berücksichtigt man bei der Bewertung der Bodenluftbelastung unterhalb des unterkellerten Gebäudes einen Verdünnungsfaktor von 1:1.000 (Innenluft:Raumluft) kann demnach zunächst davon ausgegangen werden, dass eine akute Gefährdung über den Pfad Bodenluft -> Raumluft nicht vorliegt. Dieses Ergebnis korreliert mit den Ergebnissen der Raumluftmessungen in den Kellerräumen der Wohnanlage, wo als Maximalgehalt von LCKW 1,3 µglm³ 1,1,1-Trichlorethan gemessen wurde. Entsprechend den vorliegenden Untersuchungsergebnissen liegt ein massiver Grundwasserschaden vor. Im Untersuchungsgebiet wurde in etwa 10 m Tiefe unter GOK eine ca. 30 cm dicke Sandsteinbank nachgewiesen, die eine trennende Wirkung besitzt.Die höchsten LCKWBelastungen wurden im „flachen“ Grundwasserbereich oberhalb der Sandsteinbank mit Maximalgehalten an LCKW von > 80.000 µg/l ermittelt. Anhand dieser sehr hohen Belastungen ist davon auszugehen, dass hier LCKW-Phase zumindest in residualer Form vorhanden ist. Die LCKW-Belastung besteht im Schadenszentrum zum weitaus überwiegenden Teil aus Tetrachlorethen; darüber hinaus sind in geringem Maße Trichlorethen und cis-1,2-Dichlorethen (Cis) nachweisbar. Die umgebenden „flachen“ Grundwassermessstellen, die sich in Entfernungen von maximal ca. 13 m vom Schadenszentrum befinden, weisen Belastungen im Bereich von ca. 10.000 – 30.000 µg/l auf. Die LCKW-Belastung im tieferen Bereich des Grundwasserleiters wird unmittelbar am Standort wird durch die zwei Grundwassermessstellen repräsentiert. Eine Grundwassermessstelle, die bis in 40 m Tiefe reicht, weist LCKW-Gehalte von 7.000-8.000 µg/l auf, während bei einer bis zu 60 m tiefen Grundwassermessstelle noch in 60m Tiefe LCKW-Konzentrationen von 1.066 µgl nachgewiesen werden konnten. Eine vertikale Abgrenzung der LCKW-Belastung war mit den durchgeführten Untersuchungen nicht möglich.
Ausdehnung der Bodenluftbelastung mit LCKW Ausdehnung der Bodenbelastung mit LCKW

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Jahresbericht 2009

Auf Basis aller Untersuchungsergebnisse ist der bevorzugte Sanierungsvorschlag die Kernschadensanierung der sogenannten Sanierungszone 1A (Quellbereich, ungesättigte Zone bis ca. 6,50 m Tiefe) und der Sanierungszone 1B (Quellbereich, gesättigte Zone von ca. 6,5 m bis 10,0 m u GOK, d.h. der Austausch des hoch kontaminierten Bodens bis zur etwa in 10 m u GOK liegenden Sandsteinbank. Ein tiefer reichender Aushub ist zu vermeiden, um die offenkundig vorhandene, trennende Funktion der Sandsteinbank zu erhalten. Ein Durchteufen dieser Schicht hätte
Bohrarbeiten im Garten der Wohnanlage

zur Folge, dass möglicherweise im Untergrund verbleibende Restkontaminationen deutlich einfacher in Im nahen Unterstrom sind noch LCKW-Gehalte von 2.000-4.000 µgl nachweisbar. Die Belastung nimmt abstromig mit zunehmender Entfernung zum Standort allerdings deutlich ab. Im ferneren Abstrom in etwa 250 – 300 m Entfernung liegt die LCKW-Konzentration nur noch zwischen 10 und 25 µgl. Mit zunehmender Entfernung zum Standort nimmt der Anteil an Abbauprodukten Cis und TCE relativ zur Ausgangskomponente zu. Bei einer zuletzt durchgeführten Untersuchung lag der Cis-Anteil an der Gesamtbelastung bei einer Messstelle bei ca. 90 %. Auch auf eine Sanierung des Grundwassers soll vorerst verzichtet werden, da zur Fassung geringer Wassermengen ein relativ hoher Aufwand betrieben werden müsste. größere Tiefen verlagert werden könnten. Der Bodenaustausch soll mittels überschnittener Großlochbohrverfahren erfolgen. Ein geringer Teil des (weniger stark) kontaminierten Bodens wird im Untergrund verbleiben, da eine Auskofferung dieses Bodens aus Standsicherheitsgründen (unmittelbare Nähe zum Wohngebäude) bzw. unter Verhältnismäßigkeitsaspekten nicht möglich ist.

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Sanierung der ehemaligen Lackfabrik

Brocolor in Gronau
Die Lackproduktion der Firma Brocolor befand sich ursprünglich in der Stadt Gronau in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum und zum ehemaligen Landesgartenschaugelände.

Historie
Zu Beginn der 80er Jahre wurde die Produktion dann in ein nahe gelegenes Gewerbegebiet verlagert. Die Betriebsgebäude und Tankanlagen für Lösemittel und andere Lackrohstoffe wurden zurückgebaut und das Gelände als Brachfläche zurückgelassen. Bereits nach einigen Jahren wurde deutlich, dass auf dem ehemaligen Betriebsgelände Bodenverunreinigungen vorhanden waren, von denen eine unmittelbare Gefahr für das Grundwasser ausging. Es lag eine Grundwasserverunreinigung mit BTEX (Benzol, Toluol, Xylole und Ethylbenzole) vor. Bis zum Beginn der Bodensanierung wurde daher eine Grundwasserhaltung betrieben, um ein Abströmen der Schadstoffe zu verhindern. Im Bereich des Altstandortes finden sich die eiszeitlichen Ablagerungen der sogenannten Niederterasse, die überwiegend aus fein- bis mittelkörnigen Sanden bestehen. Sie werden in ca. 10 bis 12 m Tiefe von Sandund Tonmergelsteinen der Unterkreide unterlagert. Letztere bilden den Grundwassserstauer, wobei der natürliche Grundwasserabfluss in nordwestliche bis südwestliche Richtung in die nahegelegene Dinkel erfolgt. Der Grundwasserstand schwankt jahreszeitlich bedingt zwischen -1 und -2 m unter der Geländeoberkante. Ab Ende 2005 wurde eine ergänzende Sanierungsuntersuchung durchgeführt, um die Belastungsbereiche konkret einzugrenzen und ein Sanierungskonzept zu entwickeln. Im Zuge der Arbeiten wurden zwei kleinere lokal eng begrenzte Bodenbelastungsbereiche mit BTEX an der Süd- bzw. Nordgrenze des Geländes aufgefunden. Im Untergrund wurden bei den Untersuchungen vor allem Lösemittel wie BTEX, Kohlenwasserstoffe, chlorierte Kohlenwasserstoffe sowie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in einer Reihe von Untersuchungen nachgewiesen. Darüber hinaus konnten im Bereich des ehemaligen Fasslagers auf dem Gelände auch Chlornaphthaline im Boden nachgewiesen werden, die seinerzeit als Bestandteil in Holzschutzmitteln Verwendung gefunden haben.
Verteilung der Belastung durch BTEX bzw. Kohlenwasserstoffe Luftbild der Brachfläche mit angrenzender Wohnbebauung

Kontaminationen

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Jahresbericht 2009

Berücksichtigung der zukünftigen Nutzung bei der Planung
Bereits zu Beginn der ergänzenden Untersuchungen wurde als Zielsetzung zwischen dem AAV und dem Kreis Borken festgelegt, dass durch die Sanierung der Fläche die zukünftige Nutzung als Bauland für citynahes Wohnen möglich werden soll. Diese Vorgaben fanden dann bei der anschließenden Aufstellung des Sanierungsplans und dessen Verbindlichkeitserklärung Berücksichtigung. Dieser Prozess konnte im Frühjahr 2008 abgeschlossen werden. Parallel hat sich der Kreis Borken erfolgreich darum bemüht, das Areal zu erwerben, um die Vermarktung des Grundstücks im Anschluss an die erfolgreiche Sanierung durchführen zu können. Die Bemühungen des AAV und des Kreises Borken zur Wiedernutzung des Areals werden auch durch die Stadt Gronau unterstützt, welche die Aufstellung eines Bebauungsplans zur Wiedernutzung
Aushub von kontaminiertem Bodenmaterial bis zur Tiefe von – 3 m

Sanierung
Als optimales Sanierungskonzept wurde ein Austausch des belasteten Bodens in den kontaminierten Bereichen vorgesehen. Auf einer Fläche von ca. 2.000 qm war der Boden bis in Tiefen von -2 m bis -3 m, auf zwei Teilflächen bis -7 m Tiefe, auszutauschen. Die öffentliche Ausschreibung der Sanierungsmaßnahme erfolgte im Februar 2009 und die Beauftragung im April 2009. Da sich die Fläche mitten in einer Wohngegend und nahe einer Schule befindet, wurden bereits im Vorfeld Maßnahmen festgelegt, die eine Gefährdung der Schüler sowie der in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnenden Anwohner ausschließen sollten. Um zu verhindern, dass die LKW-Transporte über den bevorzugten Schulweg der Grundschüler führen, wurde eine Straße gesperrt. Zusätzliche abgesichert wurde der Verkehr durch die Stellung eines Einweisers für die LKW an einer besonders gefährlichen Einbiegung. Alle Eltern der Schüler sowie die betroffenen Anwohner wurden bereits vor Beginn der beabsichtigten Maßnahmen über sämtliche Schritte der Sanierung informiert und hierbei auch die örtliche Presse mit eingebunden. Die sich ergebenden Fragen wurden im Rahmen einer Informationsveranstaltung im April in Gronau beantwortet. Mit Einrichtung der Baustelle im Mai 2009 wurden die Arbeiten zum Austausch des belasteten Bodens begonnen. Hierzu wurde eine Grundwasserhaltung eingerichtet, mit der das Grundwasser zunächst auf -3,50 m unter GOK abgesenkt wurde. Diese Absenkung war erfor-

der ehemaligen Altlastenfläche beschlossen hat.

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derlich, da das Grundwasser bereits bei etwa 1,70 m unter GOK ansteht.

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

In einem ersten Schritt wurde dann der belastete Boden bis auf eine Tiefe von bis zu -3 m ausgetauscht. Anschließend erfolgte in zwei kleineren Belastungsbereichen ein Bodenaustausch bis in Tiefen von -7 m u GOK. Dieser wurde im Schutz von zwei Spundwandkästen mit begleitender Grundwasserhaltung ausgeführt. Durch die begleitende Analytik wurde nachgewiesen, dass die vorhandenen Belastungen durch Chlornaphthalin bzw. BTEX erfolgreich entfernt wurden.

Im Anschluss erfolgte unmittelbar die Wiederverfüllung mit unbelastetem Bodenmaterial, welches den im Sanierungsplan festgelegten Anforderungen entspricht und für eine Wohnbebauung geeignet ist.
Bis auf -3 m Tiefe ausgehobener Südteil der belasteten Fläche

Baubegleitende Grundwasserabsenkung
Um die ggf. bei der Sanierung des Bodens durch Erschütterungen des Bodenkorns in das Grundwasser freigesetzten Schadstoffmengen sicher fassen zu können, wurde das
Blick über die Baustelle mit vorgesehenem Spundwandkasten im Vordergrund

Grundwasser während der Bauzeit über Spülfilter abgesenkt und kontinuierlich auf Belastungen überwacht. Das geförderte Wasser wurde über eine mobile Reinigungsanlage in die öffentliche Kanalisation eingeleitet. Die in Grundwasserfließrichtung abstromig gelegene Spülfilterreihe wird noch einige Zeit weiterbetrieben, um eine sichere Fassung der freigesetzten Schadstoffmengen zu gewährleisten. Der Erfolg der Sanierungsmaßnahme wird im Anschluss durch eine zweijährige Monitoringphase überwacht, in deren Verlauf über den zeitlichen Abstand der weiteren Beobachtungsintervalle entschieden wird.
Zur Bebauung wiederhergestellte Fläche

Teilweise ausgekofferter Spundwandkasten im Südteil des Sanierungsareals

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Auskoffern des nördlich gelegenen Spundwandkastens

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Jahresbericht 2009

Rüsges GmbH & Co KG in Eschweiler
Über dieses Projekt, mit dem sich der AAV bereits seit dem Jahr 2003 befasst, wurde bereits mehrfach in den vergangenen Jahren berichtet. Im Jahr 2009 wurde die Sanierung des eigentlichen Betriebsgeländes in Eschweiler im Kreis Aachen abgeschlossen. Dieses Teilprojekt „Rüsges I“ ist im Abschnitt „Flächenrecycling“ auf Seite 46 ausführlich dargestellt. Die darüber hinausgehende Grundwasserverunreinigung wird im Rahmen eines umfangreichen Monitoringprogramms untersucht. Ziel ist die Erfassung und Modellierung der natürlichen Schadstoff- und Rückhalteprozesse, um eine gesicherte Prognose für das Umsetzen eines MNA/ENA-Konzeptes (monitored/ enhanced natural attenuation) zu erhalten. Im Jahr 2009 wurden weitere horizontierte Grundwasserbeprobungen und Untersuchungen zur Sorption sowie zum natürlicherweise stattfindenden Abbau im Gelände und unter Laborbedingungen durchgeführt. Es wurde ein Grundwasserströmungsmodell aufgebaut, das in einem zweiten Schritt zu einem Transport- und Reaktionsmodell erweitert wird. Durch das engmaschige Netz aus Grundwassermessstellen war eine sehr hoch aufgelöste Erkundung des Grundwasserleiters möglich. Es stellte sich heraus, dass im UnterKleinräumige Schwankungen der Aquifermächtigkeit beeinflussen die Grundwasserströmung

Ehemalige Chemische Fabrik

grund kleinräumig Unterschiede in Mächtigkeit und Durchlässigkeit des Grundwasserleiters vorhanden sind, die den Schadstofftransport beeinflussen. Die im Schadenszentrum noch nördlich gerichtete Grundwasserströmung biegt innerhalb des Untersuchungsgebietes in nordwestlicher Richtung ab.

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Mit dem Transportmodell wurden die PAK-Konzentrationen berechnet, die sich ohne die Berücksichtigung von Abbauprozessen einstellen müssten. Diese Werte werden mit den tatsächlich gemessenen Konzentrationen verglichen. In der Kontrollebene D (ca. 200 m vom Eintragsbereich entfernt) werden in Grundwasserproben nur noch Spuren der Einzelkomponente Acenaphthen gefunden. Dieser Stoff ist noch verhältnismäßig gut löslich, aber schlechter abbaubar und daher in vielen PAK-Schadensfällen an der Fahnenspitze die vorherrschende Einzelsubstanz. Gemäß der Modellrechnungen müssen die Konzentrationen in der Kontrollebene D ohne

Abbau- und Rückhalteprozesse um ein bis zwei Größenordnungen höher sein. Dies zeigt deutlich das Ausmaß der natürlichen Schadstoffminderungsprozesse. Die Ergebnisse dieser modellhaft durchgeführten Untersuchung, die unter Federführung des Kreises Aachen in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) und mit Förderung des Landes NordrheinWestfalen durchgeführt wurde, werden im Frühjahr 2010 vorliegen. Es wird davon ausgegangen, dass die Ergebnisse und Erfahrungen der Untersuchungen auf weitere AAVProjekte übertragen werden können.

Modellierung des Stofftransportes durch die Kontrollebenen B-D ohne Berücksichtigung von Abbauprozessen

Der Vergleich der berechneten zu den tatsächlichen Messwerten zeigt die große Bedeutung der standorteigenen Abbauprozesse

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Jahresbericht 2009

Ehemalige Spinnerei

Warps in Steinfurt-Borghorst
Nach umfangreichen Voruntersuchungen wurde ein Sanierungskonzept für diesen Standort erarbeitet, das folgende Schritte umfasste: - Rückbau aller ehemaligen Betriebsgebäude und Nebenanlagen (darunter auch die Sprengung eines Kamins) einschließlich aller Fundamente und unterirdischen Einbauten mit gezielter Erfassung der schadstoffhaltigen Anteile der Bausubstanz, - Bodenaushub auf dem gesamten Die Sanierungsmaßnahme „WarpsSpinnerei II“ betraf den knapp 16 ha großen Betriebsteil II der ehemaligen Borghorster Warps-Spinnerei GmbH & Co. KG (BWS) in SteinfurtBorghorst. Direkt an dem Fließgewässer Steinfurter Aa im Kreis Steinfurt gelegen, wurden hier fast 100 Jahre lang in mehreren Arbeitsschritten (Bleichen, Färben, Schlichten, Spinnen) Kettgarne hergestellt. Die dabei in großer Menge anfallenden Abwässer wurden bis in die 1960er Jahre großflächig nordwestlich des Werksgeländes in mehreren Klärteichen versickert. Dabei sammelten sich erhebliche Massen von schadstoffbelasteten Schlämmen an, mit denen u. a. auch ein mäandrierender Altarm der Steinfurter Aa verfüllt wurde. Bei den die Umwelt gefährdenden Schadstoffen handelt es sich vorwiegend um giftige aromatische Kohlenwasserstoffe (insbesondere Phenole und Chlorphenole), die seit vielen Jahre zwar nur in geringen Mengen, aber stetig in das GrundBei diesen Rückbau- und Erdarbeiten fielen mit Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW) und Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) kontaminierte Böden an, die getrennt ausgekoffert und in einem In einem 1. Sanierungsabschnitt fand 2008 zunächst der Abriss der Hauptgebäude, der Rückbau der zugehörigen Wasser- und Abwasseraufbereitung und die Sanierung des sogenannten Schlammteichs I statt. Durch den Abriss der Hauptgebäude wurde dabei auch die Zugänglichkeit zu mehreren im Untergrund befindlichen Kontaminationsbereichen hergestellt. ehemaligen Betriebsgelände zur Sanierung aller in der Sanierungsuntersuchung als kontaminiert erkannten Bereiche, - Entsorgung der kontaminierten Materialien entsprechend ihrer Abfalldeklaration auf dafür zugelassenen Entsorgungsanlagen, - Umlagerung aller nicht kontaminierten Aushubböden im Sanierungsgebiet zur Geländeprofilierung entsprechend der geplanten Folgenutzung.

Luftaufnahme vor Sanierungsbeginn 2008

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wasser und z. T. auch in den Vorfluter übertraten.

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Bodenbehandlungszentrum entsorgt wurden. Anschließend erfolgte eine großflächige Vertiefung des ehemaligen Werksgeländes mit dem Ziel, zwei an die Steinfurter Aa angeschlossene Retentionsräumen zur Aufnahme von Hochwasser mit einem Fassungsvermögen von rund 20.000 m³ zu schaffen. Nach einer witterungsbedingten Unterbrechung der Maßnahme zum Jahreswechsel 2008/2009 begann der 2. Sanierungsabschnitt im Juni 2009 mit der Auskofferung des sogenannten Schlammteichs II und des darunter liegenden, mit phenolhaltigen Schlämmen verfüllten Altarms der Steinfurter Aa. Die schadstoffbelasteten Partien des Aushubs wurden dabei unter ständiger fachgutachterlicher Begleitung getrennt erfasst und anschließend fachgerecht entsorgt. Der bei diesen Arbeiten anfallende schadstofffreie Bodenaushub konnte nach Absiebung der groben Steinanteile zur Herrichtung einer landwirtschaftlichen Nutzfläche und zur Geländeprofilierung an verschiedenen Stellen im Sanierungsgebiet wieder eingebaut werden. Im Rahmen der Sanierung wurde der Altarm der Steinfurter Aa in den früheren, durch Mäandrierung entstandenen Zustand zurückgeführt. Diese Wiederherstellung von Rückhalteflächen ist wesentlicher Bestandteil des regionalen Hochwasserschutzes. Zur Steuerung der Fließwege im Bereich des Altarms wurde eine Sohlschwelle in Form einer Sandsteinschüttung in den geraden Verlauf des Bachbettes eingebaut. Auf diese Weise fließt die Steinfurter Aa bei normalem Wasserstand durch den wieder hergerichteten Altarm, während die Sohlschwelle bei Hochwasser überströmt wird (Bypass-Effekt). Dazwischen ist jetzt eine neue Insel entstanden, die ebenso wie die übrige Umgebung des Altarms begrünt wurde.

Somit wurden die wesentlichen im Sanierungsplan festgelegten Ziele dieser Sanierungsmaßnahme in vollem Umfang erreicht: - Beseitigung des maroden und teilweise schadstoffhaltigen alten Baubestands des ehemaligen Spinnereibetriebs - Abwehr von Gefahren durch Schadstoffemissionen über die Wirkungspfade Boden-Mensch und BodenGrundwasser Sanierungsmaßnahme „Warps-Spinnerei II“ in Zahlen: Beim Gebäudeabbruch fielen insgesamt 4.750 m³ Bauschutt an, davon mussten 28 t Gussasphalt, 72 t Teerkork, 39 t Asbestbaustoffe, 3,4 t Mineralfaser-Dämmmaterial und 2,4 t PCB-haltiges Altöl als Bauabfälle mit gefährlichen Inhaltsstoffen gesondert entsorgt werden. Bei den Erdarbeiten wurden ca. 17.000 m³ Boden, Schlammrückstände und andere bodenähnliche Materialien ausgehoben. Davon mussten ca. 5.100 t als belastet abtransportiert und entsorgt werden, die übrigen Aushubböden wurden auf dem Gelände umgelagert bzw. wieder eingebaut. Die entsorgten Aushubmassen setzten sich zusammen aus: 3.760 t phenolhaltigen Faulschlämmen, 792 t PAK-haltige Schlacken und ca. 36 t teerhaltiger Boden.
Luftaufnahme nach Abschluss der Sanierung 2009 Baggerarbeiten am Schlammteich Sprengung des Kamins

Die Gesamtkosten der Sanierungsmaßnahme belaufen sich auf ca. 725.000 €, die vom AAV NRW und dem Vertragspartner Kreis Steinfurt im Verhältnis 80 zu 20 getragen wurden.

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Jahresbericht 2009

Flächenrecycling durch den AAV
Seit 1995 wurden die Aufgaben des AAV gemäß dem „Gesetz über die Gründung des Verbandes zur Sanierung und Aufbereitung von Altlasten Nordrhein-Westfalen“ dahin gehend erweitert, dass – neben den Maßnahmen zur Gefahrenabwehr - auch brachliegende Altstandorte in den Städten und Gemeinden wieder nutzbar gemacht werden können. In der Vergangenheit hatte sich nämlich gezeigt, dass - auch wenn Gefahrenabwehrmaßnahmen erfolgreich durchgeführt wurden - die sanierten Flächen nicht immer einer neuen Nutzung zugeführt werden konnten, weil weitergehende Maßnahmen zur Flächenaufbereitung oftmals über die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr hinausgingen und die Rechtsgrundlage bezogen auf die Durchführung von Maßnahmen zur Flächenaufbereitung für den AAV nicht gegeben war. Schon lange hatte man seitens des Gesetzgebers erkannt, dass bei einem Flächenverbrauch von ca. 110 ha/Tag in Deutschland – davon alleine 15 ha/Tag für neue Siedlungsflächen in Nordrhein-Westfalen – verhindert werden muss, weiterhin die „grüne Wiese“ zu bebauen, während ehemalige Gewerbe- und Industriestandorte mit teilweise hervorragenden Standortqualitäten, wie z. B. guter Verkehrsanbindung über Schiene und Straße, ungenutzt brach liegen. Gerade ehemalige Gewerbe- oder Industrieflächen besitzen bei der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz bei einer erneuten gewerblich-industriellen Nutzung. Von den 41 zurzeit laufenden Projekten des Maßnahmenplans 2009 (Stand vom 20.11.2008) sind 8 Projekte, bei denen auch Maßnahmen zur Flächenaufbereitung durchgeführt werden sollen. Einige davon stellen wir hier vor. Mit der Möglichkeit auch Maßnahmen zur Flächenaufbereitung durchzuführen, soll der AAV zur Schonung unverbrauchter Flächenressourcen beitragen. Betrachtet man die Projekte des aktuellen Maßnahmenplans, stellt man fest, dass die „alten“ Projekte eher Maßnahmen zur Gefahrenabwehr umfassten, und dass die „jüngeren“ Projekte darüber hinaus zunehmend auch Maßnahmen zur Flächenaufbereitung erfordern. Ein zusätzlicher Anreiz, Altstandorte wieder herzurichten, wird durch die seit kurzem stattfindende „Landflucht“ erzeugt. War früher das Bestreben junger Familien, in das Umland größerer Städte zu ziehen, weil vermeintlich bessere Wohnlagen zu günstigen Preisen nahezu unbegrenzt zur Verfügung standen, findet zurzeit eine Trendumkehr vom „Speckgürtel“ zurück in die City statt. Vor dem Hintergrund teurer Pendlerkosten wird sowohl die Nähe des Wohnortes zum Arbeitsplatz als auch zu kulturellen Veranstaltungen oder zu medizinischen Versorgungseinrichtungen zunehmend wieder wichtiger. Dieser Urbanisierung kann Rechnung getragen werden, wenn seitens der Kommunen Flächen zur Verfügung gestellt werden, die die Ansprüche junger Familien erfüllen. Auch hier spielt somit die Reaktivierung von Altstandorten mit ihren häufig guten innerstädtischen Lagen und infrastrukturellen Anbindungen eine wichtige Rolle.

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Jahresbericht 2009

Altlastensanierung und Flächenrecycling

Sedanstraße/Stadtumbaugebiet West in Hamm
Gerade in vielen Innenstädte finden sich oft infrastrukturell gut erschlossene Grundstücke, die wegen ihrer Altlastenproblematik aber häufig längere Zeit brach liegen. So verhält es sich auch in Hamm. Die Stadt will ein Filetgrundstück in bester zentraler Lage zur Innenstadt und einer Größe von rund 10.000 m², das seit Jahren auf eine neue Bebauung wartet, zu einem innerstädtischen Wohngebiet mit ca. 150 Wohneinheiten entwickeln. Doch – bevor die Stadt Hamm den Standort wirtschaftlich interessant vermarkten kann und dort gefahrloses Wohnen möglich ist – muss zunächst noch eine nachhaltige Sanierung des Geländes erfolgen, das auf eine über 80jährigen Industriegeschichte zurückblicken kann. Auf dem Gelände wurde über 50 Jahre lang, in der Zeit von 1860 bis 1914, ein Gaswerk betrieben. Nach dem Rückbau der Produktionsgebäude und Hochtanks wurde die schon damals städtebaulich interessante Fläche ab dem Jahr 1920 wieder bebaut. Auf diese Weise entstanden das ehemalige Stadtbad, die alte Feuerwache und das alte Elektrizitätswerk der Stadt Hamm. Nach 80-jähriger Nutzung wurden vor ca. 5 Jahren auch diese Gebäude aufgegeben. Insbesondere unter dem Gebäude der alten Feuerwache und im Bereich des asphaltierten Parkplatzes ist der Untergrund z. T. massiv mit Schadstoffen, die für Gaswerksstandorte typisch sind, verunreinigt. Hier finden sich u. a. PAK, Cyanide und BTEX bis zu einer Tiefe von 5 m. Danach wird das sanierte Gelände verkauft und der AAV wird entsprechend seinem Anteil an den Sanierungskosten am Verkaufserlös beteiligt.
Das Sanierungsgebiet Auf dem Luftbild kann man die zentrale Lage des Geländes gut erkennen

Ehemaliges Gaswerk

Die Arbeiten an dem Projekt begannen im Frühjahr 2009 mit der Beauftragung eines Gutachters, einen Sanierungsplan sowie ein Rückbaukonzept für die aufstehende Bebauung zu entwickeln. Die Entwürfe hierfür sollen im Oktober vorliegen. Bis zum Frühjahr 2010 sollen die Ausführungsplanung, Ausschreibung und Vergabe durchgeführt sein, so dass der Rückbau und die Sanierungsmaßnahmen zeitnah im kommenden Jahr 2010 erfolgen können. Beabsichtigt ist die Auskofferung der belasteten Sanierungsbereiche bis in 2 – 4 m Tiefe sowie die Verfüllung und Profilierung des Geländes mit unbelastetem Boden.

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Jahresbericht 2009

Ehemalige Galvanik

Greitemann in Olpe
Der Altstandort befindet sich im Kernstadtbereich der Stadt Olpe und wurde in der Zeit von 1958 bis zum Konkurs im Jahr 1997 als Galvanikbetrieb genutzt. Das Konkursverfahren wurde mangels Masse abgewiesen und die Firma im Jahr 1997 gelöscht. Der Eigentümer der Fläche, der damalige Betreiber der Galvanik, ist finanziell nicht leistungsfähig, und Versuche der Hauptgläubigerin, das Grundstück zu veräußern, blieben aufgrund der Altlastensituation erfolglos.

Auf dem Luftbild ist die umgebende Wohnbebauung gut zu erkennen

Das am Günsebach gelegene ca. 1.700 m² große Grundstück ist mit einem Betriebsgebäude (Abbildungen 2 und 3) bebaut und liegt derzeit brach. Die direkte Umgebung ist weitgehend von Wohnbebauung geprägt. Statt immer mehr Flächen durch das Bauen auf der grünen Wiese zu versiegeln, strebt die Stadt Olpe auf dem Gelände im Rahmen des Flächenrecyclings eine höherwertige Wohnnutzung an. Im Außenbereich des Standortes finden sich bis in eine Tiefe von ca. 3 m zum Teil sehr hohe Schadstoffgehalte im Boden. Zu nennen sind hier insbesondere galvaniktypische Metalle (Cadmium, Kupfer, Nickel und Zink), Cyanide und Mineralölkohlenwasserstoffe. Schwerpunkt der Belastungen ist der geschotterte Lagerplatz im nordöstlichen Grundstücksbereich. Durchgeführte Untersuchungen belegen eine hohe Mobilität der Schadstoffe, d.h. Über-

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gang der Kontaminanten vom Boden ins Grundwasser.

Jahresbericht 2009

Altlastensanierung und Flächenrecycling

Im Gebäudebereich weist die unmittelbar unter dem Betonboden anstehende oberste Bodenschicht durchgängig Verunreinigungen mit galvaniktypischen Metallen auf. Punktuell auffällig ist darüber hinaus besonders Chromat. In Schöpfproben aus provisorischen Grundwassermessstellen liegen zum Teil erhebliche Schadstoffgehalte vor; neben verschiedenen Metallen und Cyanid sind insbesondere LHKW zu nennen. In Pumpproben aus den tiefer verfilterten Grundwassermessstellen (Endteufe ca. 6 m) finden sich eher geringe Schadstoffgehalte. Aufgrund der Ergebnisse der Sanierungsuntersuchung zeigt die zuständige Behörde der Stadt Olpe ein Sanierungserfordernis auf. Die Sanierungsuntersuchung präferiert als wirtschaftlichste Lösung auch unter ökologischen Gesichtspunkten die Sanierung durch Bodenaushub in offener Bauweise. Hierzu ist es erforderlich, zunächst die vorhandenen Gebäude sowie Schächte und Leitungen vollständig rückzubauen. Für die Sanierung des Bodens sind verschiedene Sanierungszonen definiert worden, deren Ausdehnung sich sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Richtung an der Schadstoffzusammensetzung, -verteilung und -konzentration orientiert. Nachdem die Stadt Olpe das Grundstück von dem privaten Eigentümer erworben hat, werden die Stadt und der Kreis Olpe sowie der AAV einen öffentlich-rechtlichen Vertrag über die Sanierung des Altstandortes abschließen. Die Durchführung der Sanierung ist in der ersten Jahreshälfte 2010 geplant. Danach soll auf dem Grundstück eine planungsrechtlich zulässige Wohnbebauung entwickelt werden.
Innenraum des ehemaligen Betriebsgebäudes Ehemalige Abwasserreinigung der Fa. Greitemann

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Jahresbericht 2009

Ehemalige Chemische Fabrik Rüsges & Co.

in Eschweiler (Rüsges I)
Die Firma Rüsges produzierte, mischte und vertrieb in der Zeit zwischen 1936 und 1989 chemische Erzeugnisse, Öle, Fette, Teeröl, Vergaser- und Dieselkraftstoffe, Lösungsmittel, Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel. Daneben wurde in den 50er Jahren auch Teerpappe produziert. Auf dem Betriebsgelände wurde von der Firma Rüsges eine Tankstelle betrieben. Getrennt durch die Talstraße schließt sich nördlich ein Gelände mit Gleisanschluss an (EVS-Gelände), auf dem die Firma Rüsges eine Umfüll-

Abbildung 1: Blick auf den ehemaligen RüsgesBetriebsstandort

anlage betrieb. Die dazugehörigen Beim Projekt Rüsges wurden neben Maßnahmen zur Gefahrenabwehr auch Maßnahmen zur Flächenaufbereitung durchgeführt, um weiterhin sowohl eine gewerbliche als auch eine Wohnnutzung des Standortes zu ermöglichen. Aufgrund der Altlastensituation war eine Sanierung des Areals zwingend erforderlich: Bei den Planungen hierzu wurde aber auch ersichtlich, dass Maßnahmen zur Gefahrenabwehr alleine nicht ausreichten, um eine erfolgreiche Sanierung durchzuführen. Darüber hinausgehende Maßnahmen, wie z. B. die Instandsetzung des Abwassersystems (siehe hierzu weiter unten), wurden erforderlich, da die auch der Flächenaufbereitung dienten. Umfangreiche Verunreinigungen insbesondere mit Teerölen, Lösungsmitteln, PAK und BTX sowie Schwermetallen wurden sowohl im Boden als auch im Grundwasser nachgewiesen. Die gelösten Kontaminanten werden mit dem Grundwasser nach Norden ausgetragen. Aufgrund dieser Verunreinigungen war Handlungsbedarf zur Sanierung des Standortes gegeben, so dass Der Standort wird zum Teil von vielen verschiedenen kleinen Betrieben gewerblich, aber auch zu Wohnzwecken genutzt (Abbildung 1). Ein Großteil der Fläche mit den aufstehenden Gebäuden ist derzeit ungenutzt. Pumpen- und weiteren Abfülleinrichtungen sowie die damals vorhandenen Gleisanschlüsse sind abgerissen.

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der Kreis Aachen das Projekt beim AAV angemeldet hatte.

Jahresbericht 2009

Altlastensanierung und Flächenrecycling

Im Zuge der Projektrealisierung wurde das Gesamtprojekt in die Teile - Rüsges I: eigentlicher Betriebs standort der Fa. Rüsges mit einer Größe von ca. 12.200 m² (Abbildung 2) und - Rüsges II: Durchführung einer er weiterten Sanierungsuntersuchung einschließlich Erstellung eines ENA-/MNA-Konzeptes für einen Teil des eigentlichen Rüsges-Geländes, der Talstraße und eines Bahn-Geländes. (Sie finden eine Beschreibung hierzu auf Seite 36). aufgeteilt, um zu einer zügigen Maßnahmenumsetzung zu gelangen. Nachdem sich bereits frühzeitig herausgestellt hatte, dass eine vollständige Entfernung der Schadstoffe aus Boden und Grundwasser technisch und wirtschaftlich nicht realisierbar ist, wurden für den Rüsges I-Standort im Sanierungsplan aus dem Jahre 2004 folgende Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und Verminderung der weiteren Ausbreitung der Schadstoffe als Verfahrenskombinationen ausgewählt: - Austausch des schwermetallund PAK-verunreinigten Bodens im Bereich der allgemeinen (unversiegelten) Grünfläche von 0,3m und im Bereich des Hausgartens von max. 0,6 m Tiefe mit Einbau einer Grabesperre, - Oberflächenabdichtung auf Teilflächen mit Verunreinigung der ungesättigten Zone, um eine Auswaschung der Schadstoffe in das Grundwasser zu unterbinden, - Bodenluftabsaugung auf den mit flüchtigen Schadstoffen kontaminierten Teilflächen.

Angesichts eines Ortstermins im Sommer 2005 hatte sich aber herausgestellt, dass die auf dem Gelände befindlichen Hochtanks (Abbildung 2), die nachweislich geleert worden waren, illegalerweise wieder mit kontaminierten Materialien gefüllt worden waren. Darüber hinaus war die auf dem Standort bereits in weiten Teilen vorhandene Schwarzdecke so marode und durchlöchert, dass sie ersetzt werden sollte, um eine zusammenhängende intakte Oberflächenabdichtung herzustellen und somit den Eintrag von Niederschlagswässern in den kontaminierten Untergrund und das Auswaschen von Schadstoffen in das Grundwasser zu verhindern. In vielen Räumen und Ecken des Standortes lagerten betriebliche flüssige und feste (Produktions-) Abfälle in unterschiedlichen Behältnissen (Abbildung 3), wie z.B. Polychlorphenole, ein Gebinde mit quecksilberhaltigen Laborthermometern, Karbolineum, Lösungsmittel, Farbe und Lacke etc., die als umweltgefährdend angesehen werden mussten.
Abbildung 2: Hochtanks

Abbildung 3: Auf dem Grundstück verteilte Abfälle, hier im Bereich der ehemaligen Holzschutzmittelproduktion

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Jahresbericht 2009

Zusammen mit dem Kreis Aachen wurde entschieden, als Maßnahmen zur Flächenaufbereitung diese Abfälle einzusammeln, zu sortieren und ordnungsgemäß zu entsorgen, die vorhandenen Hochtanks zu leeren, zu demontieren und zu entsorgen sowie die marode Oberflächenabdichtung gänzlich zu ersetzen. Im Vorfeld der Sanierung wurde das auf dem Rüsges I-Gelände befindliche Abwassersystem durch eine Kamerabefahrung auf seine Funktionstüchtigkeit überprüft, da die geplante Oberflächenabdichtung ein intaktes Kanalsystem voraussetzte, um die anfallenden Niederschlagswässer aufzunehmen. Es stellte sich heraus, dass das Abwassersystem in weiten Teilen marode und eine Instandsetzung erforderlich wurde. Auch diese Instandsetzung des Kanalsystems stellt eine Maßnahme
Abbildung 4: Demontage der Hochtanks

Der Kreis Aachen geht für die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr auf Basis des Bodenschutzrechtes mit Ordnungsverfügungen gegen die ehemaligen Eigentümer bzw. den jetzigen Eigentümer vor und ist in einem Fall mit dem Grundstückseigentümer, der sich bis zur Höhe des Verkehrswertes seines Grundstücks an den Kosten zu beteiligen hat, einen Vergleich eingegangen. Für die Demontage, Reinigung und Entsorgung der Tanks sowie für das Einsammeln und Entsorgung der Abfälle wurden gegen die derzeitigen Eigentümer Ordnungsverfügungen auf Basis des Abfallrechtes bzw. für die Instandsetzung des Kanalsystems auf Grundlage des Wasserhaushaltgesetzes erlassen. Alle Verfahren laufen derzeit und sind noch nicht abgeschlossen. Die Sanierung des Standortes erfolgte in mehreren Schritten. Nachdem im Vorfeld der geplanten Bodenluftabsaugung die vor Ort vorhandenen Bodenluftpegel beprobt worden waren und um einen Pegel im Bereich der ehemaligen Holzschutzmittelmischanlage bis zu 38.000 mg/m³ BTX in der Bodenluft extreme Bodenluftbelastungen im Umfeld eines bis dahin noch unbekannten unterirdischen, mit Produktionsreststoffen teilgefüllten Tanks ermittelt wurden, wurde dort Anfang 2007 – nach der Bergung und Entsorgung des Tanks - eine Kernschadensanierung durchgeführt. Wir berichteten hierüber im Jahresbericht 2007.

zur Wiedernutzbarmachung des Standortes dar.

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Jahresbericht 2009

Altlastensanierung und Flächenrecycling

Die weitergehende Sanierung des Standortes erfolgte von Oktober 2008 bis Juni 2009. Abbildung 4 zeigt die Demontage der Hochtanks und Abbildung 5 die Reinigungsarbeiten des im hinteren Grundstück gelegenen oberirdischen Heißbitumentanks. Bei den Sanierungsarbeiten im Bereich des Hausgartens wurde ein weiterer unterirdischer Tank gefunden (Abbildung 6), der ebenfalls noch mit Reststoffen gefüllt war und gehoben sowie entsorgt werden musste. Die Sanierung des Rüsges I-Standortes ist nunmehr nach einer Sanierungsdauer von neun Monaten abgeschlossen (Abbildung 7 und 8). Der Rüsges I-Standort steht für eine weitere gewerbliche Nutzung wieder zur Verfügung. Eine derartige komplexe Sanierung mit vielen verschiedenen Schadstoffen, einer sehr kleinteiligen Nutzungsstruktur und unterschiedlichen Schwerpunkten in der Ausführung bedingt eine intensive und zielorientierte Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Abbildung 6: Gehobener Tank im Bereich des Hausgartens Abbildung 5: Reinigungsarbeiten am Heißbitumentank

Abbildung 7: Sanierter Hausgarten

Abbildung 8: Sanierter Standort mit Blick auf den Bereich der ehemaligen Hochtanks

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Jahresbericht 2009

Innovative Verfahren

bei Altlastensanierungsprojekten des AAV
Förderung der Entwicklung und Erprobung neuer Technologien als Aufgabe des AAV
In der novellierten Fassung des AAVG wird als zusätzliche Aufgabe des AAV die Förderung und Erprobung neuer Technologien und inno-

Injektion von Melasse zur Stimulierung des mikrobiologischen Abbaus von LHKW

vativer Verfahren zur Sanierung von Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen und des FlächenrecycDer AAV hat in den letzten Jahren mehrere Pilotvorhaben mit innovativen Sanierungsverfahren durchgeführt. Die Erfahrung des AAV aus 20 Jahren Sanierungspraxis zeigt, dass die etablierten klassischen Sanierungsverfahren häufig nicht in der Lage sind, die zum Teil sehr anspruchsvollen Sanierungsziele in einem überschaubaren Zeitrahmen zu erreichen. Bei hydraulischen Maßnahmen beobachtet man beispielsweise generell ein schnelles Absinken der Schadstoffgehalte nach Beginn der Maßnahme. Bereits nach kurzer Zeit wird aber ein Konzentrationsniveau erreicht, dass sich auch langfristig nur wenig verändert. Dies veranlasst die Maßnahmenträger nach Wegen zur Optimierung der laufenden Maßnahmen zu suchen. Der AAV setzt innovative Verfahren (ISCO, ISCR, ENA) zur Optimierung von bereits laufenden hydraulischen Maßnahmen ein, um die Sanierungsdauer zu verkürzen. Neben den innovativen Sanierungsverfahren kommen aber auch zunehmend innovative Messverfahren zu Einsatz, um die Schadstoffsitualings genannt. Die praktischen Erfahrungen, die der AAV beim Einsatz innovativer Technologien macht, können (und sollen) auch bei anderen Sanierungsprojekten des AAV nutzbringend einfließen. Durch den engen Kontakt zu den Mitgliedern erfolgt darüber hinaus ein Technologie- und Wissenstransfer, der die Akzeptanz für die Anwendung der innovativen Verfahren auch in anderen Projekten fördert.

Leistungsfähigkeit von innovativen Verfahren
Die beste Methode zur Bewertung von innovativen Verfahren ist das Heranziehen von aussagefähigen Referenzprojekten, die allerdings für die Mehrzahl der auf dem Markt angebotenen Verfahren nicht gegeben sind. Häufig gibt es nur Labor- und Feldstudien, deren Aussagekraft für die Anwendung im Einzelfall nur sehr begrenzt ist. Zusätzlich sind die Anbieter häufig nicht bereit, eine entsprechende Gewährleistung für das Erreichen von Zielwerten abzugeben.

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tion im Bereich einer Altlast besser untersuchen zu können.

Jahresbericht 2009

Altlastensanierung und Flächenrecycling

Sofern der Einsatz eines innovativen Verfahrens beschlossen wird, übernimmt der Maßnahmenträger somit zwangsläufig auch Risiken, deren er sich im Einzelfall bewusst sein sollte. Aus diesem Grunde scheuen viele potentielle Anwender den Einsatz von innovativen in-situSanierungsverfahren und greifen lieber auf etablierte klassische Verfahren zurück. Ergebnisse, die mit den innovativen Messverfahren gewonnen werden, müssen zwingend einer Plausibilisierung unterzogen werden, um die Gefahr von Fehlinterpretationen zu minimieren.

Derzeit werden zwei mikrobiologische In-situ-Sanierungen durch Infiltration mit Melasse umgesetzt. Da im letzten Jahresbericht bereits ausführlich auf die In-situ-Sanierungsmaßnahmen des AAV eingegangen wurde, soll im Folgenden nur auf aktuell laufende bzw. abgeschlossene Sanierungsprojekte eingegangen werden.

In-situ-chemischeOxidation (ISCO)

Standortrahmenbedingungen beachten!
Um eine In-situ-Maßnahme für einen Anwendungsfall seriös planen zu können, müssen die Schadstoffverteilung im Boden und im Grundwasser sowie alle wesentlichen hydrologischen, geologischen und hydrochemischen Kenndaten des Standortes bekannt sein.

Innovative Verfahren
In den vergangenen 5 Jahren wurden vom AAV mehrere in-situSanierungen mit zum Teil recht unterschiedlichem Erfolg durchgeführt bzw. begonnen. Bei allen Sanierungsprojekten handelte es sich um lokale CKW-Schäden in einem eng begrenzten Belastungsbereich. So wurden bereits zwei In-situ-Oxidationen erfolgreich abgeschlossen. In einem Fall wurde eine Tensidanwendung zur gezielten Mobilisierung von CKW in Phase mit begrenztem Erfolg durchgeführt. In einem weiteren Fall erfolgte die Infiltration von Nano-Eisen zur In-situ-Reduktion, was nur zu einer Teilentfrachtung des Schadstoffreservoirs führte. Bei diesem Verfahren werden die Schadstoffe durch den Einsatz eines Oxidationsmittels wie Kalium- oder Natriumpermanganat innerhalb kurzer Zeit vollständig zerstört. Nachdem der AAV bereits in den letzten Jahren ein Sanierungsprojekt mit dem Kreis Wesel erfolgreich abgeschlossen hatte, wurde das Verfahren in einem weiteren Sanierungsprojekt in Werl angewandt, bei dem es sich gleichfalls um einen lokalen eng begrenzten CKW-Schaden handelte.
Injektionsanlage für ISCOSanierung in Werl

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Altlastensanierung und Flächenrecycling

Jahresbericht 2009

Im Gegensatz zur ersten Maßnahme wurde hier bewusst auf eine ergänzende hydraulische Maßnahme verzichtet. Außerdem entschied man sich für das im Vergleich zum Natriumpermanganat kostengünstigere Kaliumpermanganat, das allerdings als Feststoff angeliefert und vor Ort angemischt werden musste. Aufgrund der gespannten Grundwasserverhältnisse mussten 8.000 kg des Oxidationsmittels unter Druck mittels Injektionspumpen über zehn Injektionslanzen und drei Grundwasserbrunnen in das Grundwasser eingebracht werden. Zur Sanierung des Grundwassers wurden zwei Injektionskampagnen im Zeitraum Oktober 2008 bis Mai 2009 durchgeführt. Der Sanierungserfolg ist am deutlichen Schadstoffrückgang innerhalb des Sanierungsbereichs ablesbar. Nachfolgend wird die Nachhaltigkeit der Sanierungserfolge überprüft.

Aufgrund der stagnierenden CKWKonzentrationen bei den klassischen hydraulischen Maßnahmen werden bei zwei AAV-Projekten ergänzende mikrobiologische Insitu-Sanierungen durchgeführt, um die Sanierungsdauer der laufenden hydraulischen Maßnahmen durch die Stimulierung von natürlichen Abbauprozessen (ENA-Prozesse) deutlich zu senken und damit auch Kosten einzusparen. Bei beiden Projekten wurden im Vorfeld der eigentlichen In-situMaßnahmen Labortests mit Standortwasser durchgeführt, um die Machbarkeit zu überprüfen. In sogenannten Mesokosmen (Pilotversuch mit beprobbaren Messzellen, die mit Trägermaterial gefüllt sind und in ausgewählten Messstellen eingebracht werden) wurde anschließend das ausgewählte Cosubstrat im kleinräumigen Maßstab eingesetzt, um die im Labor beobachteten Prozesse auf den gesamten Standort zu übertragen. Während auf dem Standort der ehemaligen Knochenmühle (Langenfeld) die bereits vorhandenen Mikroorganismen zum vollständigen Abbau der Schadstoffe genutzt werden können, muss auf dem zweiten Standort einer ehemaligen chemischen Reinigung (Rheine) mit Standortwasser eines Referenzstandortes aus SchleswigHolstein angeimpft werden, um den vollständigen Abbau der Schadstoffe mit geeigneten Mikroorganismen zu initiieren. Die Überwachung der In-situ-Maß-

Mikrobiologische

In-situ-Sanierung

Schematischer Aufbau der Mesokosmen

nahmen erfolgt über ein Netz aus Grundwassersensoren. Um die Abbauprozesse während der Maßnahme, aufrecht zu erhalten ist es notwendig, die optimale Wirkstoffkon-

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Jahresbericht 2009

Altlastensanierung und Flächenrecycling

zentration im gesamten Sanierungsbereich einzustellen. Dies gelingt durch redoxgesteuerte Injektionsmaßnahmen in ausgewählten Injektionsbrunnen, in denen das Cosubstrat wiederholt im Sanierungsbereich eingebracht wird. Die vorhandenen Sanierungsanlagen werden dabei genutzt, um durch gezieltes Anpumpen der Sanierungsbrunnen die Verteilung der Wirkstoffe zu unterstützen.

Fazit
Während die ISCO-Maßnahmen bereits erfolgreich abgeschlossen werden konnten, müssen in den mikrobiologischen Anwendungen die Sanierungsergebnisse noch abgewartet werden. Da sich die zu sanierenden Grundwasserschäden in schlecht durchlässigen Grundwasserleitern befinden, hängt hier der Sanierungserfolg entscheidend davon ab, ob die Wirkstoffe über den Sanierungsbereich verteilt werden können, um die notwendigen Abbauprozesse in Gang zu setzen. Die ersten Untersuchungsergebnisse geben allerdings aus Sicht des AAV Anlass zur Hoffnung, dass die jeweiligen Grundwasserschäden mittelfristig saniert werden können. Am Standort in Rheine würde damit eine seit 1996 andauernde Grundwassersanierung erfolgreich beendet werden können. Belastbare Ergebnisse zu den beiden mikrobiologsichen Anwendungen werden allerdings erst im Laufe des nächsten Jahres vorliegen.
Erstellung von Injektionspegeln

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Clearingstelle

Jahresbericht 2009

„Dialog Wirtschaft und Umwelt NRW“
Bei der im Rahmen des Dialogs Wirtschaft und Umwelt in NRW im Frühjahr 2007 eingerichteten Clearingstelle, die ihren Sitz bei der Geschäftsstelle des AAV hat, sind im Zeitraum 2008/2009 neue Clearingverfahren angemeldet worden. Im gleichen Zeitraum konnte die Clearingstelle in anhängigen Clearingverfahren erfolgreich vermitteln und Klageverfahren beilegen. In einem bis vor kurzem bei der Clearingstelle anhängigen Verfahren ging es aus Anlass eines Klageverfahrens, das ein Unternehmen gegen bodenschutzrechtliche Auflagen zu einer Baugenehmigung angestrengt hatte, um die immer wieder zwischen Baugenehmigungsbehörden und Bauherrn geführte Diskussion, ob und unter welchen Voraussetzungen die Behörde berechtigt ist, ein Bodengutachten oder eine Begleitung der Erdarbeiten durch Fachgutachter oder durch einen Altlastensachverständigen zu fordern. Die Clearingstelle hat zu diesem Clearingverfahren einen Anhörungstermin durchgeführt. Im Ergebnis konnte das von dem Unternehmen bei dem zuständigen Verwaltungsgericht anhängig gemachte Klageverfahren aufgrund der Vermittlung der Clearingstelle zwischen den Beteiligten einvernehmlich erledigt werden.

Aktivitäten der Clearingstelle im

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Jahresbericht 2009

Clearingstelle

Die von der Clearingstelle aus Anlass dieses Clearingverfahrens entwickelten Vorschläge und die daraufhin vom MUNLV erarbeiteten Klarstellungen zum so genannten Altlastenerlass NRW vom 14.03.2005 (MBl. NRW. 2005, S. 582) wurden darüber hinaus in einer Dienstbesprechung zwischen dem MUNLV und den zuständigen Vollzugsbehörden beraten. Im Ergebnis hat das MUNLV die von der Clearingstelle entwickelten Vorschläge im Wesentlichen übernommen und entsprechende Hinweise und Empfehlungen gegenüber den unteren Bodenschutzbehörden bei der Anwendung des Altlastenerlasses in Baugenehmigungsverfahren ausgesprochen. Ein gegenwärtig anhängiges Clearingverfahren betrifft Fragen zur Selbstüberwachungsverordnung Kanal (SüwVKan). Hier geht es aus Anlass von Festsetzungsbescheiden der zuständigen Bezirksregierung zur so genannten Niederschlagswasserabgabe um die von den Betreibern privater Kanalisationsnetze zu beachtenden Anforderungen an den Untersuchungsumfang von Kanalisationsnetzen für die private Abwasserbeseitigung von befestigten gewerblichen Flächen nach der SüwVKan. Antragstellerin ist ein Unternehmen, das in einem Chemiepark die anfallenden Abwässer in zwei Kläranlagen vor Einleitung in ein Gewässer behandelt. Die Clearingstelle hat auch zu diesem Clearingverfahren einen Anhörungstermin durchgeführt und steht mit den beteiligten Behörden und der Antragstellerin in einem konstruktiven Dialog, damit ein möglichst einvernehmliches Procedere zur Abarbeitung der Zustandserfassung von Anschlusskanälen und Grundleitungen abgestimmt wird.

Eine abschließende Empfehlung der Clearingstelle steht noch aus. Ein neues Clearingverfahren, das erst kürzlich bei der Clearingstelle eingegangen ist, betrifft Fragen zum Wasserentnahmeentgeltgesetz. Die Befassung der Clearingstelle mit diesem Verfahren ist für die zweite Jahreshälfte 2009 vorgesehen.

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Mitgliederinformation

Jahresbericht 2009

Mitgliederinformation
Fachveranstaltungen
Die Fachtagungen, die der Verband regelmäßig veranstaltet, haben sich inzwischen zu einer Börse für den Know-how-Transfer und für die Kontaktpflege entwickelt. In der Regel führt der AAV zwei eigene Tagungen in den Themenfeldern „Rechtsfragen“ und „Boden und Grundwasser“ durch. Am 24. Juni 2009 nahmen über 250 Gäste an der Veranstaltung „Boden und Grundwasser“ teil (der ausführliche Bericht dazu findet sich auf Seite 14).

und Öffentlichkeitsarbeit
posium „Strategien zur Boden- & Grundwassersanierung“ am 23.-24. November 2009 in Frankfurt am Main. Alle Veranstaltungen werden in der Regel auf der Internetseite des Verbandes angekündigt.

Ausschreibungen
Auf der Homepage finden sich die aktuellen Ausschreibungen des Fachbereichs Altlastensanierung/ Flächenrecycling, sobald diese in den einschlägigen Publikationen

Über das neue Bahnhofsareal freuen sich (v.l.n.r.): Umweltminister Eckhard Uhlenberg, Lüdenscheids Bürgermeister Dieter Dzewas, Ivo Grünhagen (SEWAG) und Verbandsvorsitzender Dr. Jochen Rudolph

Weitere Tagungen führt der AAV in Kooperation mit anderen Institutionen durch. So zum Beispiel am 25.08.2009 mit dem Düsseldorfer Umweltministerium die Fachtagung „Aktuelle Fragen im Zusammenhang

veröffentlicht wurden. Ein Blick auf diese Seite lohnt sich also für Unternehmen, die z. B. Sanierungs- und/ oder Entsorgungsdienstleistungen anbieten. Die aktuellen Veränderungen im Internetangebot werden bereits auf der Startseite des AAV angezeigt.

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mit der Ablagerung von Abfällen“ oder mit der DECHEMA das Sym-

Jahresbericht 2009

Mitgliederinformation

Bürgerinformationen vor Ort
Eine weitere wichtige Aktivität des AAV sind Bürgerinformationen vor Ort. Dabei werden Betroffene und Nachbarn von AAV-Projekten über anstehende und laufende Sanierungsmaßnahmen informiert. Diese Informationsveranstaltungen werden immer in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden geplant und in der Regel mit den Gutachtern durchgeführt, um möglichst auf alle Fragen und Anliegen der Anwohner eingehen zu können. Wenn es sich nur um eine geringe Zahl Betroffener vor Ort handelt, werden diese schriftlich per Brief informiert.

Auch im Jahr 2009 wurden mehrere Pressegespräche u. a. in Lüdenscheid, Gronau, Kaarst-Büttgen, Stolberg und Bochum durchgeführt. In Lüdenscheid informierte sich Umweltminister Eckhard Uhlenberg über den Abschluss der Sanierung des ehemaligen Bahnhofsgeländes. Mit der Umgestaltung erhält die Stadt Lüdenscheid hier die Chance für eine flexiblere Parzellierung des Geländes. Vorgesehen sind dort im Umfeld des neu zu errichtenden Verknüpfungspunktes für Bahn/Bus/ PKW/Fahrrad und Fußgänger auch bahnbezogene Serviceeinrichtungen, ergänzende Dienstleistungsangebote, beschränkt Einzelhandel sowie räumlich untergeordnet auch Wohnnutzungen.

Pressearbeit
Die Öffentlichkeit wird durch regelmäßige Pressemitteilungen und Pressegespräche auf dem Laufenden gehalten. Diese wenden sich sowohl an die lokalen Medien vor Ort, die bei laufenden Sanierungsmaßnahmen natürlich über den neuesten Stand informiert werden, aber auch an die Fachpresse, die diese Mitteilungen immer wieder aufgreift und dann auch zum Anlass nimmt, umfassender über ein Sanierungsprojekt zu berichten. Aber auch überregionale Medien haben bereits mehrfach über die Arbeit des AAV berichtet, so zum Beispiel die Westdeutsche Allgemeine Zeitung oder der öffentlich-rechtliche sowie der private Rundfunk. Alle Pressemitteilungen finden sich im Internet auf den Presseseiten des AAV.

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Der Verband und seine Mitglieder

Jahresbericht 2009

Altlastensanierungsallianz NRW
Der AAV und das
nordrhein-westfälische
Altlastensanierungs- und Altlastenaufbereitungsverband NRW

Kooperationsmodell

Rechtsaufsicht MUNLV

Geschäftsstelle

Kommissionen
Kommission für Altlasten und Bodenschutz Rechnungsprüfer

Vorstand

Delegiertenversammlung

Haushaltskommission Satzungskommission

Wirtschaft NRW

Land NRW

Kommunen NRW

Zitat aus dem neuen Kooperationsvertrag:
„Der Dialog Wirtschaft und Umwelt, den die nordrhein-westfälische Landesregierung und Vertreter der nordrhein-westfälischen Wirtschaft seit Juni 2006 führen, ist Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung von Staat und Wirtschaft für ein umweltverträgliches Wachstum; er eröffnet neue Wege zum Abbau überflüssiger staatlicher Regulierungen, strebt Vertrauensbildung zwischen den Partnern an und baut eine neue gemeinsame Kommunikationsund Handlungsplattform in Nordrhein-Westfalen auf. Ziel ist es, Nordrhein-Westfalen zum Land der neuen Chancen zu machen und dem Grundsatz „privat vor Staat“ Geltung zu verschaffen. Kooperativer Umweltschutz setzt auf freiwillige Lösungen. Unter diesem Vorzeichen soll die Kooperationsvereinbarung zur Finanzierung der Aufgaben des Altlastensanierungs- und Altlastenaufbereitungsverbandes (AAV) fortgesetzt werden. Die effektive und effiziente Zusammenarbeit von Land, Wirtschaft und Kommunen hat den AAV zu einem weit über NordrheinWestfalen hinaus hoch angesehenen Partner in allen Fragen der Flächenaufbereitung gemacht. Vor diesem Hintergrund stimmen die Kooperationspartner darin überein, dass nicht nur zum Zweck der Weitergabe von Expertenwissen, sondern auch mit dem Ziel einer Vermittlung zwischen unterschiedlichen Interessen der Aufgaben katalog des AAV um die Wahrnehmung der Aufgaben der Clearingstelle erweitert werden könnte.“ Sie soll auch weiterhin dazu beitragen, die in Nordrhein-Westfalen besonders dringliche Aufgabe zu erfüllen, Altlasten aufzubereiten, Grundwasserverschmutzungen vorzubeugen und bisherige Industriebrachen für neue Nutzungen bereitzustellen. Damit leistet die Vereinbarung auch einen Beitrag zu weniger Flächenverbrauch in Nordrhein-Westfalen.

Neben dem Land und den Kommunen in Nordrhein-Westfalen engagieren sich in diesem in Deutschland einmaligen Kooperationsmodell Unternehmen aus der Entsorgungswirtschaft, der chemischen, der Stahl- und der NEMetallindustrie sowie Energieversorger . Die Mittel aus dem Kooperationsvertrag und dem AAV-Gesetz, bis zum Jahr 2011 insgesamt 37,5 Mio. Euro, werden vom Land Nordrhein-Westfalen, von den beteiligten Unternehmen sowie den nordrhein-westfälischen Kommunen aufgebracht. Hinzuzurechnen ist der Eigenanteil der Kommunen, den diese bei der Altlastensanierung mit dem AAV zu leisten haben. In der Regel handelt es sich dabei um 20 % der anfallenden Kosten und die von begrenzt leistungsfähigen Ordnungspflichtigen bzw. durch Vergleichsverträge zu leistenden Finanzierungsbeiträge. Erlöse aus dem Verkauf sanierter Flächen fließen zu dem Teil an den AAV zurück, mit dem er sich an der Sanierung beteiligt hat. Diese Mittel stehen dann wieder für neue Projekte zur Verfügung.

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Jahresbericht 2009

Der Verband und seine Mitglieder

Die AAV-Mitglieder
Der AAV ist als sondergesetzlicher Verband eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die sich selbst verwaltet. Mitglieder sind nach dem Freiwillige Mitglieder (alle juristischen Personen des Privatrechts und Vereinigungen von juristischen Personen, die sich auf Grundlage des Kooperationsvertrages zu freiwilligen Beiträgen gegenüber dem Verband verpflichtet haben), die Kreise und kreisfreien Städte, das Land Nordrhein-Westfalen. AAV-Gesetz (AAVG): Natürliche und juristische Personen sowie Körperschaften des öffentlichen Rechts, die nicht Mitglieder nach den oben genannten Kriterien sind, können die Aufnahme in den Verband beantragen. Eine Aufnahmepflicht besteht jedoch nicht. Näheres ist in der Satzung des AAV geregelt. Die Mitglieder sind in den Gremien des Verbandes, wie dem Vorstand, der Delegiertenversammlung und den Kommissionen vertreten. Sie wirken bei allen Entscheidungen mit, die die Umsetzung der AAVAufgaben zum Gegenstand haben. Entscheidungen können nur mit 2/3-Mehrheit getroffen werden.
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Der Verband und seine Mitglieder

Jahresbericht 2009

Vertragspartner der Kooperationsvereinbarung sind derzeit:
• die Landesregierung Nordrhein-Westfalen, vertreten durch das NRW-Umweltministerium, • der Förderverein AAV e. V. (ein Zusammenschluss verschiedener Entsorgungsunternehmen), • der Förderverein AAV der Chemischen Industrie in NRW e. V. Alle Kreise und kreisfreien Städte von NRW sind über das AAVGesetz Partner im Kooperationsmodell. Unternehmen der Stahlbranche: • • • • • • • • • ThyssenKrupp Steel Europe AG, ThyssenKrupp Nirosta GmbH, Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH, Mittal Steel Ruhrort GmbH, Salzgitter AG, Deutsche Edelstahlwerke GmbH, V & M Deutschland GmbH, SCHMOLZ + BICKENBACH Distributions GmbH, Benteler Stahl/Rohr GmbH.

Altlastensanierung, Flächenrecycling, Beratung – wichtige Aufgaben des AAV
Nach dem AAV-Gesetz kann der Verband Maßnahmen durchführen 1. zur Sanierungsuntersuchung, -planung und Sanierung von Altlasten oder schädlichen Bodenveränderungen, 2. zur weitergehenden Sanierung von Altlasten oder schädlichen Bodenveränderungen, um Grundstücke für eine konkret angestrebte Nutzung aufzubereiten, soweit die dafür entstehenden Aufwendungen und die angestrebte Nutzung in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen sowie 3. zur Entwicklung und Erprobung neuer Technologien und innovativer Verfahren zur Sanierung von Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen und zur Förderung des Flächenrecyclings. Im ersten Fall muss es sich um Gefahrenabwehrmaßnahmen handeln, 1. die von den zuständigen Behörden im Wege der Ersatzvornah-

Nichteisenmetallerzeugung: • Aurubis AG Energieversorger: • E.ON Kraftwerke GmbH, • Evonik Power Minerals GmbH, • • • RWE Power AG, RheinEnergie AG, Stadtwerke Düsseldorf AG.

Clearingstelle
Im Rahmen des Dialogs Wirtschaft und Umwelt der Landesregierung NRW wurde eine Clearingstelle eingerichtet, die Konflikte bei Genehmigungs- und Überwachungsverfahren lösen und damit langjährige Gerichtsverfahren überflüssig machen soll. Ziel ist dabei, kontroverse Themen - insbesondere von allgemeiner Bedeutung - zwischen Verwaltung und Wirtschaft zu einer möglichst einvernehmlichen Lösung zu bringen. Das Verfahren ist unabhängig von Rechtsmittelverfahren nach den gesetzlichen Bestimmungen, so dass Rechtsmittelfristen nicht gehemmt werden. Sitz der Clearingstelle ist die Geschäftsstelle des AAV. Streitige Fälle können dort eingereicht werden (Bericht auf Seite 54).

me durchgeführt werden, oder 2. über deren Durchführung mit dem Pflichtigen ein öffentlichrechtlicher Vertrag geschlossen ist, oder 3. im Vorgriff auf eine spätere Feststellung des Pflichtigen, oder 4. zu deren Durchführung ein Pflichtiger nicht herangezogen werden kann oder finanziell nicht – oder nur teilweise – in der Lage ist, oder 5. auf Grundstücken, bei denen eine Ordnungspflicht von Ge-

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meinden oder Gemeindeverbänden besteht.

Jahresbericht 2009

Der Verband und seine Mitglieder

Der AAV berät seine Mitglieder bei Fragen der Sanierung von Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen. Zusätzliche Arbeiten und Maßnahmen kann der AAV im Auftrag Dritter übernehmen. Außerdem unterstützt der Verband die Tätigkeit der im Rahmen des „Dialogs Wirtschaft und Umwelt Nordrhein-Westfalen“ eingerichteten Clearingstelle (siehe Kasten). Er unterstützt darüber hinaus die „Allianz für die Fläche NRW“ in allen Fragen der Flächenaufbereitung und Wiedernutzbarmachung ehemals genutzter Flächen. Die Besonderheit liegt darin, dass der Verband nicht nur finanzielle Mittel bereitstellt – bis zu 80 % der Sanierungskosten bei Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und bei der Aufbereitung von Altlasten –, sondern auch altlastenspezifisches Know-how, das er bei seinen bisher durchgeführten Projekten gesammelt hat. Neben der gemeinsamen Finanzierung der Arbeiten des AAV wirken die Vertreter des Landes, der Wirtschaft und Industrie sowie der Kommunen in allen Entscheidungsgremien mit und erbringen damit wichtige fachliche Beiträge zur Sanierung und Aufbereitung von Altlastenflächen. Aus der Verbandsstruktur wird deutlich, dass die von den Beteiligten entwickelte Lösung eine konsequente Umsetzung des Kooperationsprinzips darstellt. Die operative Durchführung der Sanierungstätigkeit des Verbandes erfolgt in der Geschäftsstelle des AAV durch ein interdisziplinäres Team von Fachleuten. Im Rahmen der eigentlichen Projektabwicklung tritt der AAV in der Regel als Maßnahmenträger auf. Sie erfolgt auf vertraglicher Basis in enger Abstimmung mit der zuständigen Bodenschutzbehörde. Mit dem Bodenschutzpreis sollen Impulse zur Standortverbesserung und Innenentwicklung gesetzt werden. Wesentliche Ziele dieses Wettbewerbs sind die Unterstützung der Wiedernutzung aufgelassener Industrie-, Gewerbe- und Militärstandorte sowie die Stärkung des öffentlichen Bewusstseins zur Reduzierung des Flächenverbrauchs. Gleichzeitig soll die Auszeichnung verdeutlichen, dass Altlasten bei Bau- und Investitionsvorhaben kein unumgängliches Hemmnis bedeuten müssen, der Sanierung von Altlasten aber eine hohe Bedeutung zukommt. Der Landeswettbewerb richtet sich an alle Akteure aus dem öffentlichen oder privaten Sektor, an Kooperationen, Arbeitsgemeinschaften, Partnerschaften, wie z. B. Ingenieurund Planungsbüros, Architekten, Landschaftsarchitekten, Projektentwickler, Stadtplaner, Grundstückseigentümer, Bauträger, Baufirmen sowie Gemeinden, Gemeindeverbände, Zweckverbände und kommunale Arbeitsgemeinschaften. Im Jahr 2009 hat der AAV gemeinsam mit dem Umweltministerium im Rahmen der Allianz für die Fläche erstmals den NRW-Bodenschutzpreis ausgeschrieben. Verliehen wird der Preis von Umweltminister Eckhard Uhlenberg am 26.11.2009 in Düsseldorf. Und danach wieder alle zwei Jahre. Mit diesem Preis werden in erster Linie praktische und nachahmenswerte „good practice“-Beispiele aufgezeigt, die als Anregung für Kommunen und Investoren wirken und im Rahmen einer „Altlasten-ImageKampagne“ der Verbreitung modellhafter Strategien zur Entwicklung brach gefallener Areale beitragen. Die mit dem Projekt aufgezeigten Lösungsansätze sollen einem breiten Publikum nahegebracht und als Modell für künftiges Flächenmanagement dienen.

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Der Verband und seine Mitglieder

Jahresbericht 2009

AAV-Vorstand

Die

Gremien

Dr. Jochen Rudolph Verbandsvorsitzender für Evonik Degussa GmbH, Essen

des AAV

Dr. Arnim Brux Stv. Verbandsvorsitzender Ennepe-Ruhr-Kreis

Thomas Buch Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW, Düsseldorf

Annelie Franzen Ministerium für Umwelt und Natuschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW, Düsseldorf

Prof. Dr. Wilhelm König Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW, Düsseldorf

Dr. Walter Leidinger CURRENTA GmbH & Co. OHG, Dormagen

Dr. Christian Schmidt Stadt Hagen

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Dr. Bernhard Schulze Langenhorst REMONDIS Industrie Service GmbH & Co. KG, Lünen

Andreas Theuer ThyssenKrupp Steel AG, Duisburg

Dr. Thorsten Zisowski AGR Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet mbH, Herten Bis 30.06.2009

Jahresbericht 2009

Der Verband und seine Mitglieder

Kommission für Altlasten und Bodenschutz
Harald Bayer Stadt Wuppertal Wolf-Dietrich Bertges Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, Düsseldorf Dr. Reinhard Eisermann Lobbe Industrieservice GmbH & Co KG, Iserlohn Andreas Friese REMONDIS ProTerra GmbH, Lünen Dr. Stephanus Jakobs ThyssenKrupp Steel AG, Duisburg Dieter Kumstel Kreis Viersen Dr. Lutz-Dieter Naake Evonik Degussa GmbH, Essen Bis 30.09.2009 Dr. Wolfgang Schmitt Henkel KGaA, Düsseldorf Bis 31.12.20009 Markus Schröer AGR AbfallentsorgungsGesellschaft Ruhrgebiet mbH, Herten Carola Winkelmüller CURRENTA GmbH & Co. OHG, Leverkusen

Rechnungsprüfer
Dr. Horst Ferfers Stadt Neuss Dr. Klaus Formella Stahlinstitut VdEh/Wirtschaftsvereinigung Stahl (WVS), Düsseldorf Arno Frevert-von Heusinger Bayer Schering Pharma AG, Bergkamen Jürgen Schulte-Derne H. Brühne Entsorgung GmbH & Co. KG, Dortmund Dr. Peter Queitsch Städte- und Gemeindebund NRW, Düsseldorf Dr. Frank Andreas Schendel Bergisch Gladbach Martina Schürmann AGR AbfallentsorgungsGesellschaft Ruhrgebiet mbH, Essen Martin Sträßer Förderverein AAV der Chemischen Industrie in NRW e.V., Düsseldorf Dr. Christian von Kraack, Landkreistag NordrheinWestfalen, Düsseldorf Bis 06.08.2009

Haushaltskommission
Harald Bayer Stadt Wuppertal Dr. Arnold Feldmann SES Service-Entsorgung-Sicherheit GmbH, Saarlouis Dr. Stephanus Jakobs ThyssenKrupp Steel AG, Duisburg Dr. Gert Schwarzlose für Shell Deutschland Oil GmbH, Wesseling Martin Sträßer Förderverein AAV der Chemischen Industrie in NRW e.V., Düsseldorf Dr. Detlef Timpe Kreis Unna

Satzungskommission
Dr. Arnold Feldmann SES Service-Entsorgung-Sicherheit GmbH, Saarlouis Christian Hein Evonik Degussa GmbH, Marl Dr. Friedrich Ossendot Eyller-Berg Abfallbeseitigungsgesellschaft mbH, Kamp-Lintfort

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Mitglieder-Porträts

Hinter dem AAV stehen neben dem Land Nordrhein-Westfalen und den Kommunen Teile der NRW-Wirtschaft. Auf den folgenden Seiten stellt sich eine Reihe von AAVMitgliedern vor. Die AAV-Mitglieder sind hier nicht vollzählig vertreten. Wir werden diese Reihe jedoch künftig fortführen.

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Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände NRW
	 	

Kommunen und kommunale Spitzenverbände als Akteure im AAV
Städte, Kreise und Gemeinden (Kommunen) sind eine der tragenden Säulen des Landes NordrheinWestfalen. Sie regeln alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung (kommunale Selbstverwaltung). Zu den ihnen übertragenden Aufgaben gehört auch der Umgang mit Altlasten im Rahmen des nachsorgenden Umweltschutzes. Dabei haben die Kommunen frühzeitig erkannt, dass ihre Erfassung, Sanierung, die Finanzierung der Maßnahmen usw. ohne Partner nur schwer für sie möglich ist. Zur Vertretung ihrer Interessen haben sich die Kommunen zu eigenen Verbänden zusammen geschlossen. In Städtetag, Landkreistag oder Städte- und Gemeindebund sind sie freiwillig Mitglied. Diese drei kommunalen Spitzenverbände nehmen in vielfältiger Weise zu allen die Kommunen betreffenden Fragen Einfluss auf Gesetzgebung, Aufgabenvollzug, Arbeitteilung zwischen Land und Kommunen, aber auch zwischen Kommunen und Wirtschaft. Gerade das Beispiel AAV symbolisiert hier das Zusammenwirken von Land, Wirtschaftsunternehmen und Kommunen. Dabei vertreten die kommunalen Spitzenverbände seit der Gründung des AAV als Körperschaft des öffentlichen Rechts im Jahr 1988 in verschiedensten Gremien des AAV die Interessen der Kommunen. Sie benennen Delegierte, Experten und Vorstandsmitglieder. Die Geschäftsstellen der kommunalen Spitzenverbände stimmen sich in allen den AAV-betreffeden Fragen eng miteinander ab und haben sich von Anfang an dafür eingesetzt, die Arbeits- und Zukunftsfähigkeit des AAV zu sichern. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die Aufgabe des AAV bei der Altlastensanierung für die Kommunen von besonderer Bedeutung ist. Die Dienstleistungen des AAV reichen hier von der Planung bis zur Projektabwicklung. Das schließt vor allem nutzungsbezogene Sanierungen im Rahmen des Flächenrecyclings und damit die Wiedereingliederung von Gewerbeflächen in den Wirtschaftskreislauf ein. In diesem Zusammenhang muss aber auch daran erinnert werden, dass der AAV gegründet worden ist, um den Kommunen bei der Altlastensanierung zu helfen, wohlwissend, dass dabei vor allem Land und Wirtschaft in der Verantwortung bei der Finanzierung des AAV-Haushaltes sind. Deshalb haben sich die Kommunen im Jahre 2006 bereit erklärt, ihren symbolischen Beitrag von ca. 550.000 € konstant zu halten, obwohl Land und Wirtschaft ihre Beiträge absenkten. Deshalb haben sie aber auch klar gemacht, dass eine weitere Erhöhung der kommunalen Anteile, wenn Land und Wirtschaft ihre jährlichen Beiträge weiter reduzieren, ausgeschlossen ist. Das Finanzierungsmodell des AAV für die Jahre 2007 bis 2011 macht damit eigentlich deutlich, dass es an einer langfristigen, tragfähigen Finanzierung für den AAV weiterhin mangelt. Von diesem Finanzierungsmodell hängt es aber letztlich ab, ob das Zusammenwirken von Land, Wirtschaft und Kommunen im Rahmen des AAV, das Vielen als beispielgebend und modellhaft gilt, nach 2011 fortbesteht. Vor allem nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 29. März 2000 waren die Aktivitäten der kommunalen Spitzenverbände immer von der Bereitschaft getragen, den AAV zu erhalten und zu stärken. Bereits seit 1996 haben sie sich intensiv für freiwillige Vereinbarungen eingesetzt, die mittel- und langfristig tragfähig sind. Dass der Erhalt gelungen ist und der AAV seinen 20. Geburtstag feiern kann, ist daher Grund zur Freude.

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Experte im Kupferrecycling
Der Aurubis-Konzern mit Sitz in Hamburg ist der größte Kupferproduzent Europas und im Kupferrecycling international führend. In sieben europäischen Ländern produzieren rund 4.700 Mitarbeiter jährlich etwa 1 Mio. Tonnen Kupferkathoden und über 1,2 Mio.t Kupferprodukte. Kupferkathoden und Kupferprodukte wie Gießwalzdraht, Stranggussformate, Walz-produkte sowie Spezialdrähte und Profile aus Kupfer und Kupferlegierungen werden in höchster Reinheit und Qualität u. a. an Unternehmen der Kupferhalbzeugindustrie, der Elektro-, Elektronik- und der Chemieindustrie, sowie die Zulieferunternehmen der Bau- und Automobilindustrie geliefert. Sowohl primäre als auch sekundäre Rohstoffe enthalten nicht nur Kupfer. Edelmetalle wie Gold, Silber Platin und Palladium oder auch Begleitmetalle wie z.B. Nickel, Zinn, Blei und Zink sind in den Rohstoffen enthalten und werden zu Produkten verarbeitet. Nur die Kupfermetallurgie ist in der Lage, diese weite Bandbreite an Begleitmetallen zu verarbeiten. Kupferrecycling ist kein Downcycling, sondern stellt der weiterverarbeitenden Industrie das Metall in immer gleichbleibender Qualität zur Verfügung. Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz sind im Aurubis Konzern nicht moderne Schlagworte, sondern werden schon seit Jahrzehnten betrieben und ausgebaut. Energieeffiziente Produktionsprozesse, geringste Verluste an Metallen in den Herstellungsverfahren oder auch die Umwandlung nahezu aller in den Rohstoffen enthaltenen Wertstoffe in marktfähige Produkte sind nur einige Beispiele. Und dies bei einem Rohstoffeinsatz von über zwei Millionen Tonnen an Konzentraten und rund einer halben Million Tonnen an Recycling Rohstoffen, die jährlich im Konzern verarbeitet werden. Der Anteil an Kupferkathoden, die aus sekundären Rohstoffen gewonnen werden, beträgt rund 35%. Vor dem Hintergrund weltweit steigender Nachfrage und dem damit verbundenen Kampf um Rohstoffe besitzt Aurubis mit modernen Recyclingkapazitäten die Fähigkeit, nicht mehr benötigte Produkte wieder dem Rohstoff-Kreislauf verfügbar zu machen und nutzt die sekundären Materialien, die quasi vor der eigenen Haustür anfallen, als Rohstoffquelle. Hochmoderne mechanische Trennanlagen, in denen z.B. komplette, zuvor schadstoffentfrachtete, Elektrogeräte wie Computer, Drucker, Tastaturen, Telefon-Schaltanlagen oder auch hochwertige Unterhaltungselektronik verarbeitet werden, separieren vor den Schmelzprozessen z.B. Kunststoffe oder Aluminium ab, um diese an spezialisierte Unternehmen zu einem weiterführenden stofflichen Recycling weiterleiten zu können. Im Vordergrund steht hier das Recyclingzentrum des Konzerns in Lünen. Mit dem 2002 in Betrieb genommenen Kayser Recycling System (KRS) verfügt der Konzern über eine weltweit führende Technologie im Bereich des Kupfer-Recyclings. Da schon vor vielen Jahren abzusehen war, dass die Zukunft im Recycling nicht im Einschmelzen von Kupferschrotten oder Produktionsrückständen aus dem Bereich der Kupferverarbeitung liegt, hat sich Aurubis frühzeitig mit der Entwicklung von Recycling-Lösungen für komplexe sekundäre Rohstoffe beschäftigt. Aurubis verfügt über modernste Technologien, Kupfer und Begleitmetalle sowie Edelmetalle – und seien sie auch noch so fein verteilt und mit anderen Werkstoffen zu komplexen Verbundmaterialien zusammengefügt – zu recyclen.

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Das ist die BP
Mit den erfolgreichen Marken Aral, BP und Castrol ist die deutsche BP die Nummer Eins auf dem inländischen Tankstellen- und Schmierstoffmarkt. Die historischen Wurzeln der deutschen BP reichen zurück ins Jahr 1904. Über 100 Jahre danach nimmt BP mit einem Jahresumsatz von rund 30 Mrd. Euro im Jahr 2008 (ohne Mineralölsteuern) und rund 5.500 Mitarbeitern eine Spitzenposition unter den deutschen Wirtschaftsunternehmen ein. Das deutsche Tankstellengeschäft führt BP hierzulande unter der Marke Aral. Dabei ist das Unternehmen mit einem Marktanteil von 23,5 Prozent und bundesweit rund 2.500 Tankstellen Marktführer. Darüber hinaus betreibt BP das zweitgrößte deutsche Raffineriesystem, das dank herausragender Anlagen schwefelfreie Kraftstoffe und hochwertige Mineralölprodukte erzeugt. Weltweit beschäftigt die BP-Gruppe 92.000 Mitarbeiter in mehr als 100 Ländern auf sechs Kontinenten und zählt damit zu den größten börsennotierten Unternehmen der Welt. Das Energieunternehmen hat in den vergangenen 10 Jahren einen beachtlichen strukturellen Wandlungsprozess durchlaufen. Die ÖlGesellschaft entwickelte sich zum umweltbewussten großen Anbieter von Erdgas, das bei der Stromerzeugung nur rund halb so viel CO2-Emissionen erzeugt wie Kohle, und erneuerbarer Energien. Im November 2005 wurde BP Alternative Energy gegründet, das sämtliche Aktivitäten der BP im Bereich der kohlenstoffarmen und kohlenstofffreien Energieerzeugung bündelt: Es umfasst Windkraft, Solarenergie, Biokraftstoffe sowie Stromerzeugung aus Wasserstoff mittels CO2-Abscheidung und -Speicherung. Alternative Energy investierte von 2006 bis 2008 rund 3 Milliarden US Dollar. Bis 2015 ist das Investment von weiteren 5 Milliarden US-Dollar geplant. Schon 1997 hatte die BP öffentlich anerkannt, dass der Klimawandel nicht länger ignoriert werden könne und daher zu vorbeugenden Maßnahmen aufgerufen. 1998 setzte sich das Unternehmen freiwillige Ziele zur Reduzierung der eigenen Emissionen und führte für einige Jahre einen unternehmensinternen Emissionshandel ein. Bis 2001 waren die TreibhausgasEmissionen auf 10 Prozent unterhalb des Niveaus von 1990 gefallen. Seitdem hat BP ihre TreibhausgasEmissionen durch Energieeffizienzprojekte weiter gesenkt. Außerdem fördert das Unternehmen mit Hunderten von Millionen Dollar Forschungsarbeiten zu technologischen Lösungen, mit denen die Emissionen z.B. bei Kraftstoffen eingedämmt werden können. Gleichzeitig entwickelt BP immer mehr Produkte, mit denen die Kunden ihre eigenen Emissionen senken können.

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Cognis – We know how
Wie senkt ein leckerer Brotaufstrich gleichzeitig den Cholesterinspiegel? Und Wie bringt man Sonnencreme auf die Haut, ohne sie anzufassen?– Antworten hierzu liefern die Produkte und Lösungen von Cognis. Cognis ist ein weltweiter Anbieter von innovativen Produkten der Spezialchemie mit Fokus auf die Trends Wellness und Sustainability. Das Unternehmen verfolgt konsequent das Prinzip der Nachhaltigkeit und liefert Roh- und Wirkstoffe auf natürlicher Basis für den Ernährungs- und Gesundheitsmarkt sowie für die Kosmetik-, Wasch- und Reinigungsmittelindustrie. Ein weiterer Schwerpunkt sind Produkte für industrielle Märkte wie Farben und Lacke, Schmierstoffe, Agrar und Bergbau. Entstanden ist das Unternehmen 1999 im Rahmen eines „Spin-offs“, als die Henkel KgaA ihre Chemiesparte ausgliederte. Seit 30. November 2001 ist es im Besitz von Private Equity Funds, die von Permira, GS Capital Partners und SV Life Sciences beraten werden. Im Jahr 2008 erzielte Cognis einen Gesamtumsatz von rund 3 Mrd. Euro und ein Adjusted EBITDA (operatives Ergebnis) von 351 Mio. Euro. Cognis beschäftigt derzeit weltweit rund 5.600 Mitarbeiter, unterhält Geschäftsbeziehungen in über 100 Ländern und verfügt über Produktionsstätten und Servicecenter in 30 Ländern. Gesteuert werden die Aktivitäten von der Unternehmenszentrale im rheinischen Monheim. CEO von Cognis ist seit Januar 2002 Dr. Antonio Trius. Der Anspruch des Unternehmens „We know how“ positioniert Cognis als Unternehmen, das seinen Kunden mehr zu bieten hat als Spezialchemikalien, nämlich komplette oder integrierte Lösungen und Marketingkonzepte.

Mit seinem Know-how und hochwirksamen Inhaltstoffen unterstützt Cognis zahlreiche Markenartikelhersteller, neue Produkte zu entwickeln und erfolgreich zu vermarkten. Für seine Produkte verarbeitet Cognis 50 Prozent nachwachsende Rohstoffe. Die Basis für die Entwicklung hochleistungsfähiger Lösungen im Einklang mit Mensch und Natur bilden unter anderem Öle und Extrakte aus verschiedenen Pflanzen.

Fokus auf die weltweiten Wachstumsmärkte Wellness und Sustainability
Das gesteigerte Bewusstsein der Menschen für das Gleichgewicht von Körper und Seele sowie die gesellschaftliche Forderung nach einer Balance zwischen wirtschaftlichem Anspruch und ökologischer und sozialer Verträglichkeit haben zwei große Trends hervorgebracht: Wellness und Sustainability. Hersteller, die diese Themen aufgreifen und ihre Geschäftsstrategie danach ausrichten, erhöhen ihre Marktchancen – und damit die Profitabilität. Cognis hat optimale Voraussetzungen, um von beiden Trends zu profitieren. Über 160 Jahre Erfahrung in der Herstellung naturbasierter Chemie machen das Unternehmen zu einem der kompetentesten Spezialchemie-Unternehmen in diesem Bereich. Nachhaltigkeit ist für Cognis aber nicht nur elementarer Teil des Geschäftsmodells, sondern grundlegender Bestandteil der Unternehmenskultur: Cognis will eine gesunde Balance zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Ansprüchen erhalten – national und weltweit. Der wirtschaftliche Erfolg wird nicht nur durch innovative Produkte und möglichst umweltverträgliche Herstellungsverfahren gesichert. Auch die kontinuierliche Qualifikation der Mitarbeiter und ein weltweit vorbildliches soziales Engagement sind wichtige Pfeiler der Zukunftsfähigkeit.

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www.cognis.com

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Die Lackfabrik Dr. A. Conrads, gegründet 1924 durch Dr. Alfred Conrads, ist Hersteller moderner sowie klassischer Lacke und Beschichtungsstoffe für den industriellen Einsatz, insbesondere für metallische Oberflächen. Hierzu gehören u.a. Systeme für den Maschinen- und Anlagenbau, alle Arten von Korrosionsschutzlacken, Beschichtungsstoffe für Handwerkzeuge, Leuchten, den Schutz industrieller und geistlicher Kulturgüter und sonstige metallische Objekte.

Die stetige Entwicklung umweltfreundlicher HighSolid- sowie wasserverdünnbarer Lacke, führt dazu, dass der Anteil an Ozon schädigen Einsatzstoffen laufend reduziert wird. Durch die Teilnahme an speziellen Rückführsystemen für gebrauchte Lackgebinde sowie die Destillation von Schmutzverdünnungen wird der Anteil an Sondermüll auf das eben notwendige Maß beschränkt. Zudem ist durch den gerade vollendeten Neubau

Insbesondere durch speziell auf die Kundenbedürfnisse zugeschnittene Entwicklungen, fundierte Fachinformationen, technischen Service sowie schnelle Reaktionszeiten zeichnet sich dieses Traditionsunternehmen seit mehr als 85 Jahren aus. Die Geschäftsführung liegt seit 1999 in den Händen der Enkel des Firmengründers, Mathias und Stefan Conrads, die diese von Ihrem Vater, Kurt Conrads, übernommen haben.

einer Produktions- und Lagerhalle die Gefährdung von Boden und Gewässer auf ein Minimum verringert worden, da sämtliche wassergefährdenden Rohstoffe und Fertigerzeugnisse nicht mehr im Freien gelagert werden müssen. Dr. A. Conrads Lacke GmbH & Co. KG Viehhofstrasse 206 42117 Wuppertal

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Platz für Neues schaffen
Altlastensanierung aus einer Hand
Ob belastete Böden oder Abbrüche von Gebäuden und Produktionsanlagen, in beiden Fällen sind Erfahrung sowie moderne Sanierungs- und Entsorgungstechniken gefragt. Für den Erfolg eines Abbruchs oder einer Sanierung ist aber neben Wissen und Erfahrung auch das perfekte Zusammenspiel aller Beteiligten entscheidend – von der ersten Probenahme bis zur Entsorgung. Dadurch spart der Auftraggeber Zeit und Kosten. CURRENTA, ein Tochterunternehmen von Bayer und Lanxess, bietet umweltgerechte Altlastensanierung und fachgerechten Rückbau von Gebäuden und Anlagen „aus einer Hand“ an. Ein interdisziplinär einsetzbares Team von Experten und ein Verbund von Entsorgungsanlagen auf hohem technischem Niveau stehen dafür zur Verfügung. Die erforderlichen Transportkapazitäten können auf Wunsch durch die CURRENTA-Tochter Chemion Logistics erbracht werden. Der bei Sanierung oder Gebäuderückbau entstehende Abfall wird auf der Baustelle separiert, gegbenenfalls entgiftet und dann einer Verwertung oder Beseitigung zugeführt. Die Kunden erhalten so eine optimale Trennung der Abfallfraktionen und eine wertgerechte Vermarktung. Die restliche Bausubstanz kann – je nach Belastung – auf den eigenen Sonderabfalldeponien oder in den Sonderabfallverbrennungsanlagen entsorgt werden.

Entsorgung auf der größten DK III Deponie Nordrhein-Westfalens
CURRENTA ist mit über 80 ha Deponiefläche Marktführer für DK III Deponien in NRW. Mit Investitionen in Höhe von fast 20 Millionen Euro wurden die Deponien in den vergangenen Jahren gemäß den strengen Vorgaben der neuen Deponieverordnung ertüchtigt. Nach den derzeitigen Prognosen reichen die Deponiekapazitäten bis zum Jahr 2050. Neben Sonderabfällen aus dem CHEMPARK nutzen Industrieunternehmen und Kommunen aus Nordrhein-Westfalen die CURRENTA Deponien. Als Gründungsmitglied des AAV unterstützt CURRENTA über den Förderverein AAV der Chemischen Industrie in NRW (FACIN) den Verband sowohl finanziell als auch mit fachlicher Expertise durch aktive Mitarbeit im Vorstand und den Fachausschüssen. CURRENTA ist Betreiber des CHEMPARK mit Standorten in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen. Die beiden DK III Deponien in Leverkusen und Dormagen sind, gemeinsam mit eigenen Sonderabfallverbrennungsanlagen und Kläranlagen, Teil eines größeren Entsorgungsnetzwerkes.

Expertise aus 400 Sanierungsprojekten in 50 Ländern
Bevor das Innenleben eines Gebäudes entfernt oder ein Grundstück saniert werden kann, gilt es zu klären, ob und in welchem Umfang Chemikalien vorliegen. CURRENTA-Experten sichten Pläne und Betriebstagebücher, werten Luftbildaufnahmen aus, befragen Zeitzeugen und entwickeln auf Basis der Untersuchungsergebnisse ein Sanierungskonzept in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden. Durch die langjährige Erfahrung an den eigenen Chemiestandorten und bei über 400 Sanierungsprojekten in 50 Ländern kennt CURRENTA mögliche Risiken und kann die voraussichtlichen Kosten genau ermitteln.

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Die EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH
Die EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein ist ein Full-Service-Anbieter im Bereich Entsorgung und Recycling. Das Dienstleistungsspektrum erstreckt sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Abfalls: Von der Sammlung und dem Transport über die Sortierung, Aufbereitung und Verwertung von Abfällen aller Art bis zur Vermarktung der gewonnenen Sekundärrohstoffe bzw. Beseitigung der nicht verwertbaren Restabfälle. Wesentliche Beteiligungen werden unterschieden nach dem Bereich Sammlung und Transport sowie Behandlung und Beseitigung. Die Beteiligungen im Bereich Sammlung und Transport sind: GSAK Gesellschaft für Stadtreinigung und Abfallwirtschaft Krefeld mbH & Co. KG, Krefeld, Braun Umweltdienste GmbH, Aachen, GEM Gesellschaft für Wertstofferfassung, Wertstoffverwertung und Entsorgung Mönchengladbach GmbH, Mönchengladbach und Städtereinigung Gerke GmbH, Tönisvorst. Im Bereich Behandlung und Beseitigung Als überwiegend regional orientiertes Entsorgungsunternehmen hat die EGN am Standort Grevenbroich die zentralen Verwaltungsaufgaben gebündelt. Dort laufen die Fäden für die Entsorgungsaktivitäten in den Kreisen Neuss, Viersen, Aachen, Düren und Heinsberg sowie von Krefeld und Mönchengladbach zusammen. Dazu kommen die Entsorgungsleistungen für viele tausend Kunden aus Industrie, Handel und Gewerbe. Im Entsorgungsgebiet der EGN sind 690 Mitarbeiter aktiv. Die Umsatzerlöse im Jahr 2008 betrugen 210 Mio. €. Neben dem Standort Grevenbroich gibt es noch 14 weitere Standorte, an denen die Logistik oder technische Anlagen stationiert sind. Die Entsorgungsfahrzeuge für die kommunale Abfuhr und die Logistik im Bereich Gewerbe- und Industriekunden arbeiten von Dormagen, Neuss, Hürtgenwald und Viersen aus. Technische Sortier- und Aufbereitungsanlagen für Papier/Pappe, Bioabfälle, Gewerbeabfälle, Kühlgeräte, Elektroaltgeräte, Sonderabfälle, Verpackungsabfälle, Kunststoffe, Baumischabfälle, Sekundärbrennstoffe und Restabfälle befinden sich in Neuss, Krefeld, Viersen, Mönchengladbach, Düren, Grevenbroich und Korschenbroich. Das Umweltmanagement aller Standorte der EGN ist nach DIN EN ISO 14001 zertifiziert. Diese Zertifizierung erfolgte zusätzlich zur DIN EN ISO 9001 als Umweltmanagementzertifizierung. Damit verpflichtet sich die EGN zu einer nachhaltigen Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes. Neben einer Schonung der natürlichen Ressourcen wird insbesondere Sorge dafür getragen, dass die behandelten Abfälle weitestgehend von Wertstoffen getrennt und einer umweltverträglichen Beseitigung zugeführt werden. Gleichzeitig werden Umweltbelastungen auf ein Minimum reduziert. Mit dem Erwerb der NOEX AG in 2008 stellte sich die EGN im Segment Elektroaltgeräteverwertung neu auf. Die NOEX bietet ihren Kunden ein Komplettpaket von der Registrierungsunterstützung und Garantiegeberschaft über das Monitoring , die Prüfung auf Wiederverwendbarkeit und die Logistik bis zur effektiven und wirtschaftlichen Verwertung der Altgeräte. von Abfällen liegen die Beteiligungen bei: EGK, Entsorgungsgesellschaft Krefeld GmbH & Co. KG, Krefeld, MVA Weisweiler GmbH & Co. KG, Eschweiler sowie Dürener Deponiegesellschaft mbH, Hürtgenwald.

Beteiligungsgesellschaften

Unternehmensstruktur

Umweltschutz

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E.ON Kraftwerke GmbH mit Sitz in Hannover betreibt an 27 Standorten in Deutschland Kraftwerke mit einer Leistung von etwa 15.000 Megawatt, die jährlich rund 50 Milliarden Kilowattstunden in das öffentliche Stromnetz einspeisen. Damit deckt E.ON Kraftwerke fast zehn Prozent des Strombedarfs in Deutschland. Unternehmensziel ist es, elektrische Energie klimaschonend, sicher und dabei auch wirtschaftlich zu erzeugen. Als großer und verantwortungsvoll handelnder Stromerzeuger arbeitet E.ON Kraftwerke daher beständig an der technischen Weiterentwicklung der betriebenen Kraftwerke und plant hocheffiziente Kohle- und Gaskraftwerke im In- und europäischen Ausland. Eine kontinuierliche Verringerung der Emissionen ist ein Ergebnis dieser Anstrengungen.

Alle umweltrelevanten Anforderungen zum Rückbau und Bodenmanagement sind im umfassenden Sanierungsplan festgelegt und umgesetzt worden. Damit ist es im Sinne des Umweltschutzes gelungen, die Schonung schutzwürdiger Böden zu erreichen, indem überflüssige Bodenbewegungen sowie vermehrte Bodentransporte durch den überwiegenden Einbau auf dem Gelände vermieden wurden. Gleichzeitig wurde durch die Regenwassersammlung und die damit verbundene Reaktivierung des Hasseler Bachs die Wiedereingliederung in den Naturraum hergestellt. Ergänzend durch ein flächendeckendes Fernwärmenetz wurde eine zukunftsorientierte, umwelt- und ressourcenschonende Wärmeversorgung realisiert. Der Stadtteil Hassel wird durch die hochwertige

Auch der Rückbau von Altanlagen folgt diesen Prinzipien. So entsteht derzeit im Norden Gelsenkirchens auf dem Gelände eines ehemaligen Kraftwerkes unter Beachtung von Nachhaltigkeits- und Umweltschutzzielen ein hochwertiges Wohngebiet. Gemäß den Leitlinien der Stadt Gelsenkirchen – Innenentwicklung vor Außenentwicklung, Revitalisierung und Brachflächenaktivierung – wurde die Chance genutzt, einen ehemals durch Kokerei, Kraftwerk und Bergwerk geprägten Bereich grundlegend umzuwidmen. So wurde noch während des Kraftwerksbetriebes in enger Kooperation mit der Stadt Gelsenkirchen die Entscheidung für die künftige Wohnnutzung getroffen. Zur Qualifizierung eines hochwertigen Wohnbaugebietes und als Grundlage für die sensible Nachnutzung diente ein Städtebauliches Werkstattverfahren, dessen gestalterisches Ergebnis dem Bebauungsplan zugrunde gelegt wurde.

Bebauung, den Zuzug von wirtschaftlich starken jungen Familien und die Entwicklung gestalterisch anspruchsvoller Grünflächen erheblich aufgewertet. Der bisher durch den Bergbau und die Großindustrie geprägte Stadtteil wird für die nachfolgenden Generationen als Wohn- und Lebensraum attraktiver.

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Evonik Industries AG
Evonik Industries ist der moderne Industriekonzern aus Deutschland mit den Geschäftsfeldern Chemie, Energie und Immobilien. Als eines der weltweit führenden Unternehmen in der Spezialchemie, als Experte für Stromerzeugung aus Steinkohle und erneuerbaren Energien sowie als eine der größten privaten Wohnungsgesellschaften in Deutschland baut Evonik seine Spitzenpositionen in den jeweiligen Märkten konsequent aus. In mehr als 100 Ländern der Welt erwirtschafteten rund 41.000 Mitarbeiter im Geschäftsjahr 2008 einen Umsatz von 15,9 Milliarden € und ein operatives Ergebnis (EBITDA) von 2,2 Milliarden €. Seine operativen Aktivitäten bündelt der Konzern in acht Geschäftsbereichen, die als Unternehmer im Unternehmen agieren und direkt an den Konzernvorstand berichten. Von der Einhaltung von Gesetzen und Vereinbarungen als Basis ausgehend, arbeitet der Konzern daran, seine Leistung und seine Managementsysteme im USG-Bereich stetig weiter zu verbessern. So wählt Evonik seine Ressourcen wie Energie und Rohstoffe sorgsam aus und geht mit ihnen sparsam um. Mögliche Risiken etwa beim Betreiben von Anlagen oder beim Umgang mit Produkten werden planvoll und systematisch ermittelt, bewertet und reduziert. Forschung und Entwicklung sieht der Konzern als Chance, Nachhaltigkeit und Kundennutzen zu verbessern. Auch von Lieferanten und Dienstleistern erwartet der Konzern neben einer qualitativ hohen und gleichmäßigen Leistung ein sicheres und umweltgerechtes Arbeiten. Bei der Auftragsvergabe werden Umwelt- und Sicherheitsleistungen der Anbieter berücksichtigt Darüber hinaus sind Umweltschutz, Sicherheit und Gesundheitsschutz als feste Bestandteile der Verantwortung der Führungskräfte festgeschrieben, denen eine besondere Vorbildfunktion zukommt. Gleichzeitig legt Evonik bei allen Mitarbeitern viel Wert auf Eigenverantwortung. Sicheres und eigenverantwortliches Verhalten wird gefordert und gefördert. Für das Geschäftsfeld Chemie sind die Prinzipien der Initiative Responsible Care und der Responsible Care Global Charter weltweit bindend.

Umweltschutz, Sicherheit und Gesundheitsschutz
Umweltschutz, Sicherheit und Gesundheitsschutz (USG) sind ein Gebot unternehmerischer Vernunft und Verantwortung. Daher ist der Schutz von Mensch und Umwelt elementarer Bestandteil des Handelns von Evonik.

Führend in der Spezialchemie
Evonik Industries gehört zu den weltweit führenden Unternehmen in der Spezialchemie. Mehr als 80 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet der Konzern aus führenden Marktpositionen heraus. Evonik besitzt einzigartige Technologieplattformen in der Prozessund Anwendungstechnik. Darüber hinaus ermöglichen Verbundstrukturen eine effiziente Verwertung der Stoffströme. Dem engen Zusammenspiel mit den Kunden, oft in Form langjähriger Entwicklungspartnerschaften, kommt als weiterem strategischem Schlüsselfaktor eine erhebliche Bedeutung zu. Die Folge sind optimale, oft maßgeschneiderte Produkte und Systemlösungen von Evonik für die Kunden und deren Marktbedürfnisse. Das Spektrum der Arbeitsgebiete, in denen Evonik in der Spezialchemie tätig ist, ist sehr gut ausbalanciert: Keiner der belieferten Endmärkte macht mehr als 20 Prozent des Umsatzes aus.

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GRÄSOLIN-Lackfabrik GmbH www.graesolin.de Wuppertalerstr. 111 42653 Solingen Gegründet: 1919 Mitarbeiter: 30 Lehrstellen: 1 Geschäftsführer: Thomas Klett Angebot: Lacke für Kunststoffund Metallbeschichtung, luft- und ofentrocknend, 1-und 2-Komponentenlacke, für Industrielackierung, Autoreparatur, Handwerk, Autozulieferer Umweltschutz: Projektleiter: Herr Klaus Schmidt Ziel: Schonung von Ressourcen und Überprüfung aller betrieblichen Prozesse auf Umweltverträglichkeit, Kostensenkung, Energieeinsparung, Stärkung des nachhaltigen Wirtschaftens.

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Hüttenwerke Krupp Mannesmann
Duisburg ist trotz des Strukturwandels des Ruhrgebietes einer der größten Stahlstandorte der Welt. Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH (HKM) ist mit einer Kapazität von 5,6 Mio. Tonnen Stahl pro Jahr das zweitgrößte Stahlwerk Deutschlands, und kann im Duisburger Süden weit über 1.000 Stahlgüten produzieren. Die Firmengeschichte der Hüttenwerke Krupp Mannesmann reicht bis ins Jahr 1909 zurück. Damals begann die Stahlproduktion für das Blechwalzwerk Schulz-Knaudt. Nach Gründung von HKM im Jahr 1990 durch die Krupp Stahl AG und die Mannesmannröhren-Werke AG hat sich das Unternehmen zunehmend auf Brammen für Flachprodukte und Rundstahl für Rohre spezialisiert. Die Produkte entsprechen damit hauptsächlich den Bedürfnissen der heutigen Gesellschafter – ThyssenKrupp Steel Europe AG (50 Prozent) sowie der Salzgitter Mannesmann GmbH (30 Prozent) gemeinsam mit Vallourec & Mannesmann Tubes S.A.S. (20 Prozent). Das Liefer- und Leistungsspektrum von HKM umfasst Brammen von mehr als zwei Metern Breite und bis zu zwölf Metern Länge. Röhrenrundstahl wird mit Durchmessern von 180 bis 406 Millimetern und Längen von bis zu 14 Metern nach allen gängigen nationalen und internationalen Normen gefertigt. Die hochwertigen, durch Legierungsgehalte von bis zu fünf Prozent gekennzeichneten Stahlgüten erfüllen strengsten Qualitätsvorgaben etwa die der Automobilindustrie.
Beginn der Stahlproduktion: 1909 Mitarbeiter: ~3.000 Gesellschafter: ThyssenKrupp Steel Europe AG Salzgitter Mannesmann GmbH Vallourec & Mannesmann Tubes S.A.S. Geschäftstätigkeiten: Roheisenerzeugung Stahlerzeugung Brammen Rundstäbe

Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz haben am Standort Huckingen eine lange Tradition. Im Rahmen eines „integrierten Managementsystems“ wurden die umfangreichen Anforderungen auf diesen Gebieten prozessorientiert zusammengeführt. HKM wurde bereits 2003 gemäß den Standards EN ISO 9001: 2000 (Qualitätsmanagement), EN ISO 14001: 1996 (Umweltmanagement) und OHSAS 18001 (Arbeitssicherheit) zertifiziert und hat diese Anforderungen in einem integrierten Managementsystem organisiert. Die HKM ist seit 2002 freiwilliges Mitglied beim AAV und unterstützt diesen finanziell bei Projekten der Erfassung, Bewertung und Sanierung von schädlichen Bodenveränderungen und Altlasten.

www.hkm.de

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J. Carl HÜLSEMANN GmbH & Co. KG • coloured coatings competence
HÜLSEMANN ist ein in der vierten Generation geführtes mittelständisches Familienunternehmen. Gefertigt werden industrielle Beschichtungsmaterialien für Metall, Kunststoff, Holz und Glas. Das Lieferprogramm umfasst die drei Kernkompetenzen “industrial coatings”, “special coatings” und “mini coatings”. Gerade als Lackhersteller gehört es heute zur Pflicht, sich dem Umweltschutz in ausreichendem Maße zu widmen. Dazu entwickelt HÜLSEMANN bereits seit den 80-er Jahren umweltfreundliche wasserbasierende Lacksysteme und ist ständig auf der Suche nach Substituten von gefährdenden Einsatzstoffen. Zahlreiche Objekte unserer Kunden werden heute mit dem umweltfreundlichen Wasserlacksystem ILEXAL beschichtet. HÜLSEMANN ist zertifiziert nach DIN EN ISO 9001:2008. HÜLSEMANN ist eines der Unternehmen, die im Jahre 2008 mit dem Umweltzertifikat „ÖKOPROFIT Bergisches Städtedreieck“ ausgezeichnet wurden. Dieser Auszeichnung ging eine über zwölf Monate dauernde Beratung voraus, die u.a. von der IHK, von Wirtschaftsförderungsgesellschaften und der Energieagentur NRW professionell durchgeführt wurde. Im Ergebnis wurden gezielt Maßnahmen zur Entlastung der Umwelt und Senkung der betrieblichen Kosten entwickelt, als auch die Einhaltung der erforderlichen rechtlichen und behördlichen Vorgaben zum Betrieb des Unternehmens geprüft und festgestellt. Arbeitsschutz, Ökonomie und Ökologie: die ÖKOPROFIT-Auszeichnung bescheinigt HÜLSEMANN einen hohen qualitativen Standard.

J. Carl HÜLSEMANN GmbH & Co. KG Postfach 13 13 39 42040 Wuppertal Tel. +49 (0) 202 / 2 71 45 – 0 Fax +49 (0) 202 / 2 71 45 – 35

info@huelsemann.com • www.huelsemann.com

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Karo As Umweltschutz GmbH – Innovative und nachhaltige Entsorgungslösungen
Die Karo As Umweltschutz GmbH ist ein in den Ländern Deutschland und Luxemburg im Umweltschutzbereich operierendes Dienstleistungsunternehmen, dessen Kerngeschäft in der Sammlung von Gebrauchtölen und ölhaltigen flüssigen Abfallstoffen besteht. Unter dem Dach der AVISTA OIL AG werden gesammelte Altöle und sonstige ölhaltige Stoffe der Wiederverwertung bzw. Entsorgung in dafür zugelassene Anlagen wie z.B. der Schwestergesellschaft Mineralöl-Raffinerie Dollbergen GmbH zugeführt, wo diese zu hochwertigen Basisölen und Schmierstoffen aufgearbeitet und anschließend durch den eigenen Vertrieb wieder an den Markt abgegeben werden. Die Karo As Umweltschutz GmbH, der einzige bundesweit tätig e Altölsammler, ist Marktführer in Deutschland und hat seine Aktivitäten auf den europäischen Markt ausgeweitet. Durch die Flächenabdeckung im gesamten Bundesgebiet gelingt eine zuverlässige Entsorgung für Betriebe aller Branchen und aller Größen. Zu den mehr als 50.000 Kunden „Nachhaltigkeitskreislauf – Innovation trifft Nachhaltigkeit“ gehören Speditionen, Tankstellen, Kfz-Werkstätten, Industrieunternehmen und Entsorger. Mit 120 Mitarbeitern im Innen- und Außendienst werden jährlich mehr als 67.000 Altölübernahmen durchgeführt. Karo As Umweltschutz GmbH bietet neben der Entsorgung per Tankwagen auch die Möglichkeit, Gebrauchtöle und andere ölhaltige Flüssigkeiten per Kesselwagen oder Schiff beim Kunden zu übernehmen. www.karoas.com service@karoas.com Kontakt: Karo As Umweltschutz GmbH Bahnhofstraße 82 31311 Uetze Germany Telefon +49 (0)1805 52 76 27 Telefax: +49(0) 800 258 63 53 Als größtes Altölentsorgungsunternehmen Europas mit 80 Tankwagen und 70 eingesetzten Kesselwagen an 34 Umschlagspunkten kann die Karo As Umweltschutz GmbH den Kunden den Service zukommen zu lassen, den Sie erwarten. Hier garantiert die Karo As Umweltschutz GmbH die Einhaltung aller gesetzlichen Bestimmungen und die Verantwortung gegenüber der Umwelt und Kunden, da die Entsorgungstechniken und Sammelfahrzeuge die höchsten Umwelt- und Technikstandards erfüllen.

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Jahresbericht 2009

Kompetent, leistungsfähig, mittelständisch.
Ob es die Dienstleistungen für die produzierende und verarbeitende Industrie betrifft, die Gewerbeabfälle des Handels und des Handwerks, die Partnerschaften mit der öffentlichen Hand, die Sammlung, den Transport und die Behandlung von Haushaltsabfällen oder die Sanierung von Altlasten und SchadstofMit der Vertikalfräse werden Teerschlämme verfestigt

Lobbe bündelt auch in Nordrhein-Westfalen durch die langjährig gewachsene regionale Tätigkeit ein Höchstmaß an Erfahrung mit der Kompetenz und Leistungsfähigkeit seiner Fachkräfte. Derzeit leisten sie bei der technischen Umsetzung des ab 1. April 2010 vorgeschriebenen „elektro-

fen: Die Marke Lobbe steht – auch aus der Perspektive des „Green Business“ – für kundenorientierte Problemlösungen. Hinter dieser Marke steht die Familie Edelhoff. Als Inhaber garantiert sie die mittelständische Ausrichtung ihrer Unternehmen mit insgesamt rund 1600 Beschäftigten an 40 Standorten in Deutschland. Sitz ist Iserlohn. Mit innovativer Anlagentechnik und ausgewiesenem Know-how in allen Dienstleistungsbereichen zählt Lobbe zu den führenden mittelständischen UmweltUnternehmen in Deutschland. Erfahrene Spezialisten entwerfen übergreifende Konzepte für Entsorgung, Industrieservice, Altlastensanierung, Schadstoffsanierung, Kanalsanierung und Havariemanagement. Konsequent werden dabei neue Wege beschritten. So zählen Entwicklungen zur Verfestigung von Schlämmen (Vertikalfräse) sowie zur Behandlung hoch kontaminierter flüssiger und fester Abfälle (Neutralisationsanlage, Vakuumthermik) zu den wesentlichen technischen Neuerungen der letzten Jahre im Umweltbereich. Für Aufmerksamkeit gesorgt hat Lobbe auch mit einem Pilotprojekt, das unter der Bezeichnung „Sack im Behälter“ (SiB) die Entsorgung von Haushaltsabfällen grundlegend verändern kann.

nischen Abfallnachweisverfahrens“ (eANV) Pionierarbeit. Gleiches gilt für die Umsetzung des § 61 a Landeswassergesetz NRW. Es regelt die verpflichtende Dichtheitsprüfung aller Kanal-Hausanschlüsse bis zum Jahre 2015. Ständige Weiterentwicklung ist bei Lobbe Programm. Fachkenntnisse und Flexibilität sind Grundlage für praxisgerechte Lösungen und wirtschaftlich vertretbare Konzepte. Wissen, Erfahrung und Lernbereitschaft gewährleisten, auch Lösungen ad hoc anbieten zu können. Neugierde und Motivation bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sorgen außerdem dafür, dass Lobbe heute selbst Motor für positive Veränderungen ist. Und das im Dialog mit Kunden und Partnern auch morgen sein will.
An der Entwicklung des Fahrzeuges für stark ätzende Säuren hat Lobbe mitgearbeitet

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REMONDIS Industrie Service stellt sich vor. Gefährliche Abfälle flächendeckend sammeln, professionell aufbereiten, konsequent verwerten.
REMONDIS Industrie Service gehört zur weltweit operierenden REMONDIS – Gruppe mit Hauptsitz in Lünen und verwertet und entsorgt jährlich mehr als 1 Mio. Tonnen flüssiger, pastöser und fester Sonderabfälle. Als eines der führenden europäischen Unternehmen für Gefahrstoffentsorgung und Recycling verfügt die REMONDIS- Tochter über 45 Standorte und eine eigene Logistik sowie Anlageninfrastruktur für Aufbereitung und Entsorgung von gefährlichen Abfällen. REMONDIS Industrie Service bietet ihren Kunden aus Industrie und Gewerbe seit 30 Jahren sichere, fachmännische und schnelle Entsorgungslösungen für gefährliche Abfälle aller Art. Ob feste, pastöse oder flüssige Abfälle, für jede Anforderung bietet REMONDIS Industrie Service die richtige Lösung. Neben der thermischen Behandlung betreibt REMONDIS Industrie Service Sonderabfalldeponien, Anlagen zur Herstellung von Ersatzbrennstoffen, zur Behandlung und Zwischenlagerung von Sonderabfällen sowie Spezialanlagen wie zum Beispiel für die Verwertung von Spraydosen und Quecksilber. Zudem bereitet REMONDIS Industrie Service wieder verwertbare Stoffe durch chemischphysikalische Behandlung umweltgerecht auf. Dabei wird zum Beispiel Altöl wiedergewonnen und in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt. Anfallende Schadstoffe werden aus flüssigen Abfällen herausgefiltert und sicher entsorgt. Das verbleibende Restwasser wird abschließend aufbereitet. Kontaktdaten: REMONDIS Industrie Service GmbH & Co. KG Brunnenstraße 138 44536 Lünen Telefon: +49 2306 / 106 – 673 Telefax: +49 2306 / 106 – 686 Das Gesamtunternehmen, die REMONDIS AG & Co. KG, hat sich seit der Gründung 1934 zu einem international führenden Unternehmen der Wasserund Kreislaufwirtschaft entwickelt – basierend auf dem soliden Fundament eines traditionsreichen Familienunternehmens. Die Unternehmensgruppe verfügt über mehr als 480 Niederlassungen und Beteiligungen in 21 europäischen Staaten sowie China, Indien, Japan, Taiwan und Australien. Weltweit erbringt REMONDIS professionelle Dienstleistungen für mehr als 20 Millionen Bürger und viele tausend Unternehmen. Im Mittelpunkt unseres Handelns stehen der Mensch und unsere Umwelt. Die Verantwortung für beides treibt uns zu innovativen Lösungen für nachhaltiges Wirtschaften an. Schließlich tragen wir Verantwortung.

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Tagebaue, Kraftwerke, Veredlungsbetriebe. Großbaustellen, F&E-Anlagen, Ausbildungszentren. Hier arbeiten die mehr als 17.500 Mitarbeiter von RWE Power. Sie sichern 30 Prozent der deutschen und 9 Prozent der europäischen Stromversorgung. Und schaffen die Basis für den breiten RWE Energiemix aus Braunkohle, Steinkohle, Kernkraft, Erdgas und Erneuerbaren. RWE Power investiert Milliarden in neue, klimaschonendere Kraftwerke und arbeitet an den Technologien für die CO2-arme Stromerzeugung von morgen.

Wegen der lockeren Erdschichten über den Flözen kann die Braunkohle nur im Tagebau gewonnen werden. Deshalb müssen im Vorfeld der Schaufelradbagger Verkehrswege verlegt und ganze Ortschaften umsiedeln, was sicherlich der gravierendste Eingriff des Bergbaus in die Kulturlandschaft ist. RWE Power ist dabei für die ordnungsgemäße Beseitigung der hierbei anfallenden Reststoffe verantwortlich. Das schließt Baustoffe ebenso ein wie Altlasten, deren Verursacher nicht mehr haftbar gemacht werden können – einstige Hausmülldeponien im Umfeld der Umsiedlungsorte zum Beispiel.

Einer der Schwerpunkte von RWE Power ist das rheinische Braunkohlenrevier. Dort fördert RWE Power jedes Jahr rund 100 Millionen Tonnen Braunkohle, die größtenteils zur Stromerzeugung genutzt werden. Rund zehn Prozent werden zur Herstellung von festen Brennstoffen und Filterkoks eingesetzt. RWE Power betreibt in den Tagebauen eigene Ablagerungsbereiche vor allem für Rückstände aus der Stromerzeugung, also für Gips aus der Rauchgasentschwefelung und Kraftwerksasche. Diese Materialien können so gezielt zur Verfüllung bereits ausgekohlter Tagebaubereiche genutzt werden. Das Unternehmen verfügt damit auch über viel Erfahrung und Knowhow in Entsorgungsfragen.

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Verantwortung für die Umwelt
Bei SCHMOLZ + BICKENBACH hat der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen und der Schutz der Umwelt höchste Priorität. Bereits im Jahr 2003 haben wir mit dem Aufbau eines umfassenden Umwelt-Managementsystems nach der internationalen Norm ISO 14001 begonnen, das dann im Dezember des gleichen Jahres von einer externen Gesellschaft auditiert und zertifiziert wurde. Gemäß den Vorgaben der Umweltmanagementnorm ISO 14001:2004 werden alle Prozesse des Unternehmens auf ihre Umweltverträglichkeit analysiert und eingestuft. Projekte zur Optimierung von • Energieverbrauch, z.B. bei der Büroraumbeleuchtung Eine wirkungsvolle Organisationsstruktur und die Festschreibung von Verfahrens- und Arbeitsprozessen stellen sicher, dass die nachhaltigen Unternehmensziele zum verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen und Schutz der Umwelt stets verfolgt werden. führen zu einer kontinuierlichen und nachhaltigen Entlastung der Umwelt. • Effizienz des Energieeinsatzes durch Nutzung von Wärmeverlusten aus Fertigungsprozessen für Warmwasseraufbereitung und Raumheizung im Sozialbereich • Raumluft durch Absaugung und Filterung von Emissionen aus Bearbeitungsprozessen

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Wir leben Verantwortung
Der Schutz der Umwelt vor Schadstoffen und der sparsame Umgang mit den natürlichen Ressourcen gehören zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben. Gemäß dem Motto „Wir leben Verantwortung“ stellt sich Stratmann seit Jahrzehnten dieser großen Verantwortung. Kernaktivitäten des Unternehmens sind dabei die Beratung, Planung, Organisation und Durchführung der Entsorgung für Kunden aus Industrie, Gewerbe und Kommunen. Abfall ist nicht gleich Abfall. Abfall besteht aus den unterschiedlichsten Stoffen, darunter wertvolle Rohstoffe, die dem Produktionskreislauf wieder zugeführt werden müssen. Als Entsorgungsspezialist und Dienstleister für Mensch und Umwelt bietet Stratmann optimale Lösungen für die komplexen Entsorgungsaufgaben unserer Zeit. Darüber hinaus ist Stratmann auch in der Stadtpflege und Stadtreinigung aktiv und sorgt für eine hohe Lebensqualität in den Städten und Gemeinden vom Hochsauerland bis nach Nordhessen und Ostwestfalen. Von der Hausmüllabfuhr über Kanal- und Straßenreinigung bis hin zum Winterdienst liegen alle Arbeiten bei Stratmann in bewährten Händen.

Für die Entsorgung von Abfällen aus Industrie- und Gewerbebetrieben hält Stratmann ein umfangreiches, auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden zugeschnittenes Angebot an Containern und Umleerbehältern von 1,1 bis 40 Kubikmetern für Bau- und Sonderabfälle bereit. Auch für private Haushaltungen bietet Stratmann ein umfangreiches Angebot an Dienstleistungen. Für Umbau- und Renovierungsmaßnahmen bietet Stratmann Absetzcontainer von 5 bis 10 Kubikmeter an, die mit Bauschutt oder auch gemischten Bau- und Abbruchabfällen befüllt werden können. Wer den Garten fit machen will, dem entsorgt Stratmann nicht nur die anfallenden Grünabfälle, sondern liefert auch Kompost, Rindenmulch oder Mutterboden-KompostGemisch. Der im eigenen Kompostwerk in Brilon gewonnene Sauerland Kompost ist ein reines Naturprodukt zur Bodenverbesserung und Düngung im Garten und in der Landschaftspflege. Vermeiden, Verwerten, Entsorgen: Durch diese Philosophie, hoch motivierte und qualifizierte Mitarbeiter sowie die hohe technische Ausrüstung der Fahrzeuge und Anlagen bietet das Unternehmen für alle Entsorgungsprobleme die passenden Lösungen.

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ThyssenKrupp Nirosta
NIROSTA - die richtige Wahl
Die ThyssenKrupp Nirosta GmbH entstand 1995 durch brauch in den Glühöfen der Kaltwalzwerke konnte die Zusammenlegung der Rostfrei Flach-Aktivitäten durch neue Brennertechniken wesentlich vermindert der damaligen Konzerne Krupp und Thyssen. Heute ist werden, bei gleichzeitiger Senkung des CO2-AusstoThyssenKrupp Nirosta zusammen mit den verbundenen ßes und anderer Schadstoffe. Unternehmen ein weltweit führender Hersteller von nichtrostenden Flacherzeugnissen mit einem breitgefächerten Programm von Güten, Abmessungen und Oberflächen und einem weit verzweigten Distributionsnetz. Produziert werden kalt- und warmgewalzte Bänder und Bleche sowie Präzisionsband aus korrosions-, säure- und hitzebeständigen Stählen. Durch konsequente Mehrfachnutzung und Kreislaufführung müssen nur 3% der stündlich benötigten Wassermenge abgeleitet werden, nachdem sie entsprechende Aufbereitungsanlagen passiert haben. In unseren Stahlwerken erfassen und reinigen insgesamt 14 Entstaubungsanlagen die Abgase direkt an der Quelle. Ihre Filterleistung beträgt über wichtigen Quellen überwachen die Leistung der Anlagen rund um die Uhr. So sorgen wir für saubere Luft auch im Ballungsgebiet. Die Stahlerzeugung in den Stahlwerken von Thyssen Krupp Nirosta basiert auf dem Einsatz von Schrott und trägt damit maßgeblich zur Ressourcenschonung und

®

NIROSTA® – das sind rund 100 Sorten Edelstahl: 2,7 Mio m3 in der Stunde. Messeinrichtungen an allen hochwertig, langlebig und korrosionsbeständig. In vielen Industriezweigen sind nichtrostende Stähle heute unverzichtbar. Das gilt auch für die Umwelttechnik. Hier leisten NIROSTA®-Produkte einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Mensch und Natur. Beispiel Automobil-Industrie: Der Einsatz von KaMotoren auf ein Bruchteil. Für Katalysatorgehäuse und Abgasanlagen werden hitze- und korrosionsbeständige NIROSTA® Werkstoffe benötigt.

talysatoren reduziert den Schadstoffausstoß der zur Schließung von Stoffkreisläufen bei. Die ThyssenKrupp Nirosta ist seit 2002 freiwilliges Mitglied beim AAV und unterstützt diesen finanziell bei Projekten der Erfassung, Bewertung und Sanierung

Edelstahl – der Natur zuliebe. Wer Edelstahl-Produkte von herrenlosen schädlichen Bodenveränderungen wählt, entscheidet sich gegen die Wegwerf-Mentalität. und Altlasten. NIROSTA® Werkstoffe lassen sich perfekt recyceln, und Edelstahlschrott ist daher begehrtes Rohmaterial. Im Gegensatz zu vielen anderen Werkstoffen gibt es keinen Unterschied zwischen Neu- und Recyclingmaterial. Am Anfang der umweltschonenden Produktion steht der sparsame Umgang mit Ressourcen wie Energie und Wasser. Der Energieeinsatz in unseren elektrisch betriebenen Schmelzöfen konnte in den letzten 25 Jahren um 40% gesenkt werden. Auch der GasverMitarbeiter: 4203 Umsatz:	 3,234 Mrd. Euro Produktion: Kaltgewalzte Bandprodukte 921.000 t Warmgewalzte Bandprodukte 143.000 t Präzisionsband 18.000 t Produktionsstandorte: Krefeld, Bochum, Dillenburg, Benrath, Dahlerbrück

www.nirosta.de

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Wir denken Stahl weiter
Die ThyssenKrupp Steel Europe AG zählt zu den führenden Stahlproduzenten der Welt und liegt in Europa auf Rang 3. Das Unternehmen konzentriert sich auf das attraktive Marktsegment des hochwertigen Qualitätsflachstahls. Für die Erzeugung der Produkte werden neben bewährten Technologien innovative Verfahren eingesetzt, wie z. B. das kombinierte Gießen und Walzen in einer Gießwalzanlage.

der weltweit gültigen Umweltmanagmentnorm DIN ISO 14001:2004 zertifiziert. Bei den Prozessen trägt Thyssen Krupp Steel Europe AG dem Nachhaltigkeitsgedanken durch den sparsamen Einsatz aller Ressourcen Rechnung. Das Recycling der internen Reststoffe stellt einen weiteren Betrag zur Ressourcenschonung bei. Die Verwertungsquote liegt durch Entwicklung innovativer Verfahren bei annähernd 100 Prozent. Die Anlagen zur Luftreinhaltung der ThyssenKrupp

Die Palette der Flachprodukte umfasst Grobbleche, Warmband und Feinbleche mit einem breiten Spektrum von Güten. Erhebliche Anteile werden in oberflächenveredelter Ausführung erzeugt und geliefert. Mit großem Forschungsaufwand wird in enger Zusammenarbeit mit den Kunden die Entwicklung hin zum anwendungsorientierten Werkstoff- und Bauteilpartner vorangetrieben. Sie ist von hervorragenden Leistungen begleitet: Umfassender Oberflächenschutz der Stahlbleche und Gewichtsreduzierung im Fahrzeugbau durch den Einsatz neuer hoch- und höchstfester Stahlsorten sowie Tailored Products sind richtungweisende Beispiele. Investitionen von jährlich einigen hundert Millionen Euro in zukunftsweisende Technologien tragen dazu bei, die leistungsfähige Anlagenkonfiguration weiter zu verbessern, um damit die Position des Unternehmens im Spitzenfeld für die Zukunft zu festigen. Stahl ist zu hundert Prozent recyclingfähig und damit ein Produkt mit Nachhaltigkeit. Durch Investitionen in modernste Technologien werden Produkte mit geringer Ressourcenbelastung hergestellt, und diese Produkte tragen dazu bei, die Umwelt zu schonen. Alle Standorte wurden gemäß den Anforderungen

Steel Europe AG zählen zu den modernsten der Welt. Die Emissionen werden auf ein Minimum gesenkt. Durch den Einsatz eines hochspezialisierten Wasserwirtschaftssystems, kann das eingesetzte Wasser bis zu 25-mal wiederverwertet und damit zu 96 % im Kreislauf verbleiben. Die ThyssenKrupp Steel Europe AG ist seit 2002 freiwilliges Mitglied beim AAV und unterstützt diesen finanziell bei Projekten der Erfassung, Bewertung und Sanierung von schädlichen Bodenveränderungen und Altlasten. Damit leistet das Unternehmen einen Beitrag, welcher über die bodenschutzrechtlichen Pflichten weit hinausreicht.
Beginn der Stahlproduktion in Duisburg: 1891 Mitarbeiter: 41.311 Umsatz: 14 Mrd. € Standorte: - Duisburg - Bochum - Dortmund - Kreuztal - Finnentrop - Neuwied Lieferprogramm: Warmband, Grobblech, Elektroband, Feinbleche/ oberflächenveredelte Produkte, organisch beschichtetes Band und Bleche, Bauelemente, Tailored Products, Weißblech/Feinstblech, Bauteile/-komponenten für die Automobilindustrie.

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www.thyssenkrupp-steel-europe.com

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Nahtlos warmgewalzte Stahlrohre als Erfolgsfaktor
VALLOUREC & MANNESMANN TUBES (V & M TUBES) ist Weltmarktführer für nahtlos warmgewalzte Stahlrohre aller Anwendungen. 1997 als französischdeutsches Joint Venture der Vallourec-Gruppe und der ehemaligen Mannesmannröhren-Werke AG gestartet, ist V & M TUBES seit 2005 eine hundertprozentige Vallourec-Tochter. Mit gebündeltem Know-how produziert und vermarktet das Unternehmen nahtlos warmgewalzte Rohre und Ölfeld-Rohre. In NRW produziert V & M TUBES in vier Werken an den drei Standorten in Düsseldorf-Rath und -Reisholz sowie in Mülheim an der Ruhr. Gerade diese Röhrenwerke haben Tradition: Die Brüder Mannesmann begannen bereits 1899 mit der Produktion von Stahlrohren in Rath. Heute entstehen hier im Pilger- und Stopfenwalzwerk maßgefertigte Rohre mit Außendurchmessern von 178 bis 711 mm.

VALLOUREC & MANNESMANN TUBES profitiert davon, dass der Stahl zu 100% recyclingfähig ist. Materialverluste bei der Rohrproduktion werden wieder für die Herstellung des Vormaterials verwendet. Mit diesem komplexen Werkstoff und dem technischen Know-How von V & M TUBES ist beispielsweise die Produktion gasdichter und streng zertifizierter VAM-Verbindungen möglich. Sie verhindern, dass gefährliche Substanzen bei der Förderung von Öl und Gas in die Umwelt austreten können. Investiert wird aber nicht nur in innovative Premium-Produkte, sondern auch in Verbesserungen in Sachen Umweltschutz. Anlagen mit wassergefährdenden Stoffen sind mit Auffangwannen zum Schutz gegen Bodenverunreinigungen ausgestattet. Zur Wiederverwendung des Wassers, einschließlich des Regenwassers, werden geschlossene Betriebswasserkreisläufe betrieben. Die Verwertung von Abfällen erreicht eine Quote von 99%. Alle Standorte von V & M TUBES sind seit 2003 nach

Das Werk Reisholz fertigt zudem im Press- und Ziehverfahren weltweit stark nachgefragte Hochleistungsrohre, vor allem für den Kraftwerksbau. Das Rohrkontiwalzwerk in Mülheim an der Ruhr ist das leistungsfähigste Walzwerk für nahtlose Stahlrohre im gesamten Konzern. In allen deutschen Werken wird zur Erwärmung auf Verarbeitungstemperatur Erdgas als Energiequelle verwendet, der Brennstoff mit den niedrigsten CO 2 -Emissionen. Neueste Brennertechnik und eine optimierte Wärmeofengestaltung helfen, den Energieverbrauch zu reduzieren und die Umwelt zu entlasten.

der strengen Umweltmanagementnorm ISO 14001 zertifiziert. Seit 2002 ist VALLOUREC & MANNESMANN TUBES freiwilliges Mitglied im AAV. Geschäftsfelder für warmgewalzte Stahlrohre: • Erdöl & Erdgas Industrie • Kraftwerkstechnik • Maschinen- und Stahlbau • Automobilindustrie • Bauindustrie • Bergbau Umsatz (Vallourec) in 2008: 6,4 Mrd € Mitarbeiterzahlen in 2008: rund 18.000 weltweit, mehr als 4.000 in NRW

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Veolia Umweltservice – Ganzheitliche Entsorgungskonzepte
Veolia Umweltservice mit Hauptsitz in Hamburg ist eines der führenden Entsorgungsunternehmen in Deutschland. Wie nur wenige Anbieter deckt das Unternehmen alle Teilbereiche des Abfallmanagements (feste, flüssige, gewerbliche, gefährliche und ungefährliche Abfälle) bundesweit ab. Das Leistungsspektrum umfasst sämtliche Dienstleistungen von Wertstoffrecycling und Entsorgungslogistik über Rohr- und Kanalservice sowie Industrie- und Gebäudereinigung bis hin zur Vermarktung neu entstehender Rohstoffe. Oberste Unternehmensziele sind das lückenlose Schließen von Wertstoffkreisläufen, die Ganzheitlichkeit kundenorientierter Lösungsstrategien und der verantwortungsvolle Umgang mit der Umwelt. Mit einem jährlichen Umsatz von rund 1,2 Milliarden € beschäftigt das Unternehmen rund 10.000 Mitarbeiter an 230 Dienstleistungsund Anlagenstandorten. Allein in Deutschland betreut Veolia Umweltservice über 100.000 Kunden aus Industrie, Gewerbe und Handel und über 10 Millionen Einwohner nutzen die kommunalen Dienstleistungen des Unternehmens. In Deutschland sind zudem Schwestergesellschaften in den Bereichen Wasserversorgung, Abwasserreinigung, Energiedienstleistungen und öffentlicher Personennahverkehr tätig. Als hundertprozentige Tochter des französischen Mutterkonzerns Veolia Environnement ist Veolia Umweltservice Teil des Weltmarktführers für Umweltdienstleistungen und verbindet somit langjährige Erfahrung und lokale Präsenz mit dem Know-how eines Global Players. Die Endlichkeit natürlicher Rohstoffe macht die Wertstoffe von heute zu den Ressourcen von morgen und unterstreicht die Notwendigkeit vollständig geschlossener Wertstoffkreisläufe. Damit wird Entsorgung Versorgungsaufgabe. Für seine Kunden ist Veolia Umweltservice ein verantwortungsvoll handelnder Partner, der die Aufgaben eines fortschrittlichen Entsorgers konsequent und fokussiert erfüllt. Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen, heißt für Veolia Umweltservice, hochinnovative und ökologisch richtungweisende Konzepte praktisch umzusetzen. Beim Recycling arbeitet Veolia Umweltservice daher mit innovativen Verfahren und setzt neue Maßstäbe. So betreibt das Unternehmen z.B. in Rostock eine der europaweit größten Anlagen zur Aufbereitung von PET-Flaschen und verwendet als weltweit erster Anbieter das neuartige URRC-Verfahren, das sich durch einen geringeren Wasser- und Energieverbrauch sowie das Fehlen schädlicher Abfallstoffe auszeichnet. Doch auch nicht recyclebare Abfälle bleiben nicht ungenutzt: Als Ersatzbrennstoffe (EBS) können sie zur umweltschonenden Energiegewinnung in modernen Verbrennungs- und Kraftwerksanlagen genutzt werden. Somit leisten selbst Abfälle, die eigentlich als unverwertbar gelten, einen Beitrag zur Entlastung fossiler Brennstoffressourcen und zur Verbesserung der CO2-Bilanz. Damit wird Veolia Umweltservice seinem Anspruch gerecht, die natürlichen Ressourcen zu schonen und für Mensch, Umwelt und eine lebenswerte Zukunft einzustehen. Kontakt Veolia Umweltservice GmbH Hammerbrookstr. 69 20255 Hamburg Tel.: 040 – 78101- 0 Fax: 040 - 78101- 833 info@veolia-umweltservice.de www.veolia-umweltservice.de

Versorgung statt Entsorgung

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Innovativ und erfolgreich – die Unternehmensgruppe Dr. Wolff
Die Dr. Wolff-Gruppe in Bielefeld ist mit 148 Mio. Euro Jahresumsatz eines der bedeutendsten mittelständischen Familienunternehmen im deutschen Kosmetik- und Pharmamarkt. Sie hat sich in ihrer über 100-jährigen Geschichte als besonders innovativ erwiesen. Das Wachstum begründet sich auf Marken wie Linola, Alpecin, Plantur39, Alcina Balance Kosmetik und Vagisan. Wichtige Grundlage der Erfolge sind die eigenen intensiven Forschunganstrengungen, die immer wieder zu wichtigen Produktneuheiten führen. Die Unternehmensgruppe Dr. Wolff konzentriert sich ausschließlich auf Produkte mit einem wissenschaftlich belegbaren Nutzen für Verbraucher. Dies geschieht in enger Kooperation mit Universitäten. So haben sich zum Beispiel die Arzneimittel und Kosmetika der bekannten und beliebten Marke Linola bei der Behandlung aller Formen von trockener und krankhaft trockener Haut bewährt. Generell wird mit Linola die Hautbarriere wieder aufgebaut, ein  Austrocknen der Haut verhindert und die Elastizität erhöht. Die Entdeckung des Coffeins als Wirkstoff für die Kopfhautpflege des Mannes hat zu einem gefragten neuen Produktschwerpunkt bei der Traditionsmarke Alpecin geführt. Auf dem Haarpflegemarkt für Frauen ist Dr. Wolff mit der Serie Plantur39 sehr erfolgreich. Sie basiert ebenfalls auf dem Wirkstoff Coffein. Er beugt bei Männern   erblich bedingtem Haarausfall vor und schützt bei Frauen die Haarwurzel nach der Menopause gegen Testosteron-Angriffe. Die ungebrochen hohe Nachfrage nach den Produkten von Alpecin und Plantur39 sind ein Beleg für deren Wirksamkeit.    Mit Eduard R. Dörrenberg und Christoph HarrasWolff wird die Dr. Wolff-Gruppe von zwei Familienmitgliedern der vierten Generation geführt. Weiteres Mitglied der Geschäftsführung ist Carsten Heins. Die Wurzeln der Unternehmensgruppe Dr. Wolff reichen bis ins Jahr 1905 zurück. Die seinerzeit gegründete Dr. August Wolff GmbH & Co. KG konzentrierte sich zunächst auf den Arzneimittelbereich. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Kosmetik in Form der Dr. Kurt Wolff GmbH & Co. KG hinzu. Produktion und Verwaltung der Dr. Wolff-Gruppe befinden sich nach wie vor in Bielefeld. Dazu existieren TochterVertriebsgesellschaften in zahlreichen europäischen Ländern und in Asien. Rund 500 Mitarbeiter erwirtschafteten zuletzt einen Jahresumsatz von 148 Millionen Euro. Im Pharmabereich zählt die Gynäkologie zu den Kernkompetenzen von Dr. Wolff. Produkte der  Marke Vagisan zum Beispiel wurden speziell für die Gesunderhaltung und Pflege des weiblichen Intimbereichs entwickelt.   Alcina Balance Kosmetik richtet sich an die Frau, die bereit ist, für ihr Aussehen und ihr Wohlbefinden etwas zu tun. Die neue TV- Kampagne von Alcina über den Hautstress zeigt, dass auch diese Marke immer wieder den Nerv der Verbraucher trifft.

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Geschäftsstelle

Jahresbericht 2009

Geschäftsstelle
Geschäftsführung
Geschäftsführer Gerhard Kmoch

Die

Mitgliederinformation/ Öffentlichkeitsarbeit Ausbildung
Sabine Schidlowski-Boos

Bereich Altlasten
Altlastensanierung, Flächenaufbereitung

Bereich Recht
Verträge, Rechtsfragen, Personal, Mitgliederverwaltung, Gremien Bereichsleiter Nikolaus Söntgerath

Kaufm. Bereich
Kaufm. Projektmanagement, Finanzen, Controlling, Verwaltung Bereichsleiter Dietmar Hinzberg

Bereichsleiter Dr. Ernst-Werner Hoffmann

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Anfahrtsskizze

Anfahrtsskizze
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Gelände der ehemaligen Henrichshütte
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Ausfahrt Witten/Herbede ca. 6 km über Blankenstein

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So erreichen Sie uns:
Mit dem PKW
Über die A43 Abfahrt Witten Herbede, dann die Wittener Straße über Blankenstein, Richtung Hattingen

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im Gebäude des ZEK
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Hattingen Mitte

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Ausfahrt Sprockhövel ca. 9 km

Hattingen

A 43 Ausfahrt Witten/Herbede Wittener Straße über Blankenstein Richtung Hattingen

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Bahn Vom Hbf Essen (Intercity-Haltepunkt) mit der S3 bis Hattingen-Mitte (Endstation, alle 20 Min.) Straßenbahn Vom Hbf Bochum (Intercity-Haltepunkt) mit der Straßenbahnlinie 308 bis Hattingen-Mitte. Bus Vom Busbahnhof Hattingen Mitte mit den Buslinien • CE31 (8 Min., alle 20 Min.) oder • SB37 (4 Min., alle 60 Min.) bis Haltestelle Henrichshütte • 558 (10 Min., alle 60 Min.) bis Haltestelle Stadtbauamt.

Ausfahrt Sprockhövel

Den AAV finden Sie im Gebäude des ZEK – Zentrum für Entsorgungstechnik und Kreislaufwirtschaft.

Werksstraße 15 45527 Hattingen Tel.: 02324 5094-0 Fax: 02324 5094-10 E-Mail: info@aav-nrw.de Internet: www.aav-nrw.de

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Impressum

Jahresbericht 2009

Impressum

Jahresbericht 2009
des AAV Altlastensanierungs- und Altlastenaufbereitungsverbandes Nordrhein-Westfalen Geschäftsführer: Gerhard Kmoch

Redaktion: Dr. Rita Bettmann Dr. Horst Ferfers Dr. Beatrix Haglauer-Ruppel Dr. Uwe Hoffmann Thomas Jansen Gerhard Kmoch Prof. Dr. Wilhelm König Christiane Maxin Dr. Engelbert Müller Dr. Lutz-Dieter Naake Dr. Christiane Prange Sabine Schidlowski-Boos (verantw.) Hans-Joachim Schmitz Nikolaus Söntgerath Dr. Heinrich Wächter
Anschrift: AAV Altlastensanierungsverband NRW Werksstraße 15 45527 Hattingen Telefon: 02324 5094-0 Telefax: 02324 5094-10 E-Mail: info@aav-nrw.de Internet: www.aav-nrw.de Auflage: 3.000 Gestaltung: Angelika Grothues, Bochum Druck: Rath Druck GmbH, Wetter Druck auf Cycluscoat (100 % Recycling)

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Stand: Oktober 2009

Jahresbericht 2009

Bildnachweis

Bildnachweis
Titel: 3. Reihe von oben Links: EU-Kommission Mitte und Rechts: Geotechnisches Büro Prof. Dr.-Ing. H. Düllmann GmbH Seite 9: Vorlage: Dieter Kasang, www.klimawissen.de (Hamburger Bildungsserver) Seite 10: privat Seite 12: privat Seite 14: privat Seite 16-20: Hans-Joachim Schmitz Seite 35: Geobasisdaten: Land NRW, Bonn, 1327/2009 Seite 69: Dr. A. Conrads Lacke GmbH & Co. KG Seite 70: CURRENTA GmbH & Co. OHG Seite 73: Evonik Industries AG Seite 74: Gräsolin-Lackfabrik GmbH Seite 75: Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH Seite 77: Karo As Umweltschutz GmbH Seite 78: Lobbe Holding GmbH & Co KG Seite 80: RWE Power AG Seite 81: Schmolz & Bickenbach Distributions GmbH Seite 82: Stratmann Städtereinigung GmbH & Co. KG Seite 83: ThyssenKrupp Nirosta GmbH Seite 84: ThyssenKrupp Steel Europe AG Seite 85: V & M Deutschland GmbH Seite 88: ZEK Zentrum für Entsorgungstechnik und Kreislaufwirtschaft Alle übrigen: AAV

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