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Auslobung

Full text: Auslobung

Alexanderplatz Berlin - Mitte
Begrenzt-offener freiraumplanerischer Ideen- und Realisierungswettbewerb Auslobung

Begrenzt - offener freiraumplanerischer Ideen- und Realisierungswettbewerb Alexanderplatz Berlin - Mitte Auslobung

Berlin, August 2003

Impressum Herausgeber: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Servicebereich Kommunikation Württembergische Straße 6 10709 Berlin

Wettbewerbsdurchführung und -koordination:

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abteilung Städtebau und Projekte Behrenstraße 42 10117 Berlin Patrick Fitzner © August 2003

Technische Mitarbeit

Druck

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Inhalt Anlass und Ziel Teil 1 1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6 1.7 1.8 1.9 1.10 1.11 1.12 1.13 1.14 1.15 1.16 1.17 1.18 Teil 2 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 2.6 2.7 2.8 2.9 2.10 Teil 3 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6 3.7 3.8 3.9 3.10 3.11 3.12 3.2 Wettbewerbsverfahren Auslober, Bauherr Art des Verfahrens Grundsätze und Richtlinien für Wettbewerbe Wettbewerbsteilnehmer Preisgericht Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen Einlieferung der Wettbewerbsarbeiten Rückfragen und Kolloquium Verzeichnis der Wettbewerbsunterlagen Geforderte Leistungen Beurteilungsverfahren Preise und Ankäufe Weitere Bearbeitung Eigentum und Urheberrecht Verfassererklärung Bekanntgabe des Ergebnisses/Ausstellung der Arbeiten Haftung und Rückgabe Zusammenfassung der Termine Situations- und Planungsvorgaben Lage des Wettbewerbsgebietes, Eigentumsverhältnisse Historische Entwicklung des Platzes, Zeitübersicht Städtebauliche Rahmenbedingungen, Planungsrecht Aktuelle Planungen im Umfeld Denkmalschutz Gebäudenutzung Verkehr, Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) Freiraumplanerische Rahmenbedingungen Aktuelle Freiraumgestaltung Alexanderplatz Platznutzung heute Wettbewerbsaufgabe Übergeordnete Zielsetzung Verkehr Nutzung und Ausstattung Gestalterische Zielsetzung Belange behinderter Menschen Materialien Bäume Beleuchtung Entwässerung Kostenrahmen und Wirtschaftlichkeit Realisierung Ideenteil Beurteilungskriterien

3 5

6 6 6 7 7 10 10 10 11 11 12 13 13 14 14 14 14 14

15 17 23 34 36 39 40 48 49 57

60 61 63 64 65 65 65 66 66 66 66 67 67

Teil 4 4.1 4.2 4.3 4.4 4.5

Anhang Historische Entwicklung Interaktive Bürgerbeteiligung Alexanderplatz Kinder und Jugendliche am Alexanderplatz Beurteilungskriterien des Frauenbeirats der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Verfassererklärung Quellen- und Literaturverzeichniss Foto- und Abbildungsverzeichniss 69 86 99 106 108

Anlass und Ziel

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Anlass und Ziel Gegenstand des Wettbewerbs ist die Neugestaltung der Platzfläche des Alexanderplatzes im östlichen Zentrum Berlins. Dieses Vorhaben ist Bestandteil der geplanten städtebaulichen Neuordnung des Alexanderplatz-Areals, die sich auf Grundlage des Konzepts von Kollhoff/Timmermann, den Gewinnern des vorausgegangenen städtebaulichen Wettbewerbs, in mehreren Zeitetappen vollziehen wird. Das städtebauliche Konzept sieht eine Einfassung des Platzes mit einer Blockstruktur vor, die sich am Maßstab des Alexander- und Berolinahauses von Peter Behrens orientiert. Darüber hinaus werden zehn Hochhäuser von 150 m Höhe dem Alexanderplatz künftig einen neuen Rahmen geben. Das Nutzungskonzept für das Potential von insgesamt ca. 815.000 m² Geschossfläche zielt auf eine vielfältige Mischung aus Einzelhandel, Gastronomie, kulturellen Einrichtungen, Hotels, Dienstleistungen, Büros und Wohnungen. Der Alexanderplatz ist eine „1A-Lage“ im Zentrengefüge Berlins und einer der wichtigsten Knoten des öffentlichen Verkehrssystems. Für den Kernbereich um den Alexanderplatz liegt seit April 2000 ein rechtsgültiger Bebauungsplan vor. Darüber hinaus haben sich im Mai 2002 vier Investoren über städtebauliche Verträge verpflichtet, von 2006 bis 2013 die Blöcke und Turmhochhäuser im engeren Umfeld des Platzes fertig zu stellen. Für den Alexanderplatz eröffnet die Verwirklichung des städtebaulichen Konzeptes die Chance einer deutlichen Verbesserung gegenüber der heutigen Situation. Der Platz wird durch die Umbauung räumlich gefasst, in seinen Dimensionen erfahrbar und kann durch die Abschirmung vom Straßenverkehr eine ganz neue Aufenthaltsqualität gewinnen. Zugleich wird der Platz, der ursprünglich weitgehend nur über ein weitverzweigtes System von Fußgängertunnels zu erreichen war, wieder in das städtische Netz der öffentlichen Räume integriert. Dem öffentlichen Raum kommt in der modernen heterogenen Stadtgesellschaft eine herausragende Bedeutung zu. Berlin legt daher einen besonderen Schwerpunkt darauf, die öffentlichen Räume als integrative Orte so zu qualifizieren, dass sie ihrer Aufgabe gerecht werden können, den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft zu ermöglichen. Dies gilt in besonderer Weise für öffentliche Räume von gesamtstädtischer Bedeutung wie dem Alexanderplatz. Folgende Initiativen sollen dazu beitragen, dass die Freiraumplanung des Alexanderplatzes diesem Anspruch gerecht wird: - Vor dem Wettbewerb wurde den Bürgern in moderierten Internetforen die Gelegenheit gegeben, über den Alexanderplatz zu diskutieren und Vorschläge für die Gestaltung zu entwickeln. - Der vorliegende Wettbewerb ist als Pilotprojekt zum Gender Mainstreaming ausgewiesen, dessen Ziel, die Gleichstellung der Geschlechter in ihrer sozialen Rolle zu erreichen, im gesamten Verfahrungsprozess zu reflektieren ist. - Einen weiteren Schwerpunkt soll die Auseinandersetzung mit den Interessen von Kindern und Jugendlichen bilden. Mit dem Wettbewerb soll eine überzeugende Entwurfslösung für die Platzgestaltung gefunden werden, die der herausragenden Bedeutung des Ortes gerecht wird und einen unverwechselbaren und attraktiven Treffpunkt für alle Berliner und Gäste der Stadt schafft. Für die Neugestaltung der ca. 2,6 ha großen Platzfläche (Realisierungsteil) stehen Mittel in Höhe von 9,89 Mio Euro zur Verfügung. Entsprechend der schrittweisen Realisierung der Gebäude muss auch der Umbau des Platzes in Teilabschnitten möglich sein.

Teil 1 Wettbewerbsverfahren

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Teil 1 Verfahren 1.01 Auslober, Bauherr Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Mitte von Berlin Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Abteilung II - Städtebau und Projekte Referat II D - Auswahlverfahren und Wettbewerbe Behrenstraße 42, 10117 Berlin Patrick Weiss II D 2 Tel.: (030) 9020-5400 Fax: (030) 9020 – 5671 E-Mail: patrick.weiss@senstadt.verwalt-berlin.de Maria Rünz II D 22 Tel.: (030) 9020-5410 E-Mail: maria.ruenz@senstadt.verwalt-berlin.de 1.02 Art des Verfahrens Die Ausschreibung erfolgt als einstufiger, begrenzt offener Ideen- und Realisierungswettbewerb. Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte in einem vorangegangenen Teilnahmewettbewerb gemäß der Verdingungsordnung für freiberufliche Leistungen (VOF). Das Wettbewerbsverfahren ist anonym. Die Wettbewerbssprache ist Deutsch. 1.03 Grundsätze und Richtlinien für Wettbewerbe Dem Wettbewerb liegen die Grundsätze und Richtlinien für Wettbewerbe auf den Gebieten der Raumplanung, des Städtebaus und des Bauwesens (GRW 1995) zugrunde, soweit nachstehend nichts anderes aufgeführt ist. Bei der Vorbereitung der Ausschreibung hat die Architektenkammer Berlin entsprechend den Regelungen der GRW beratend mitgewirkt. Der Wettbewerb wird bei der Architektenkammer Berlin unter der Registrier-Nr. B-2003-2 geführt. Einverständnis Jeder Teilnehmer, Preisrichter, Sachverständige, Vorprüfer und Gast erklärt sich durch seine Beteiligung bzw. Mitwirkung am Verfahren mit den vorliegenden Teilnahmebedingungen und der Anwendung der GRW 1995 einverstanden. Verlautbarungen jeder Art über Inhalt und Ablauf vor und während der Laufzeit des Wettbewerbsverfahrens, einschließlich der Veröffentlichung der Wettbewerbsergebnisse dürfen nur über die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung - II D abgegeben werden. Jeder Teilnehmer, Preisrichter, Sachverständige, Vorprüfer, Gast und Auftragnehmer willigt durch seine Beteiligung bzw. Mitwirkung am Verfahren ein, dass seine personenbezogenen Daten im Zusammenhang mit o.g. Wettbewerb bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Form einer automatisierten Datei geführt werden. Diese Einwilligung ist auf der Verfasser- bzw. auf der Zustimmungserklärung zu erklären. Eingetragen werden Name, Anschrift, Telefon, Fax-Nummer und E-mail-Adresse, Bankverbindung, Beauftragung im Wettbewerb, Kammermitgliedschaft, Berufsbezeichnung. Nach Abschluss des Verfahrens können auf Wunsch diese Daten gelöscht werden (durch Vermerk auf der Verfassererklärung).

Auslober

Bauherr Wettbewerbsdurchführung

Datenschutz

Teil 1 Wettbewerbsverfahren

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Gemäß § 6 des novellierten Datenschutzgesetzes ist die Einwilligung der Betroffenen notwendig, da eine spezielle Rechtsgrundlage für die Führung dieser Datei fehlt. Nachprüfung der Vergabe Vergabekammer im Land Berlin bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Technologie, Martin-Luther-Straße 105, 10820 Berlin. 1.04 Wettbewerbsteilnehmer Zur Teilnahme am Wettbewerb wurden entsprechend der Ankündigung im Europäischen Amtsblatt in einem vorgeschalteten Bewerbungsverfahren (s. Punkt 1.02) durch ein vom Preisgericht unabhängiges Auswahlgremium am 8. Juli 2003 sieben Büros bzw. Arbeitsgemeinschaften nach intensiver Prüfung der Bewerbungsunterlagen ausgesucht. 23 weitere Büros wurden durch Los ermittelt. 1.05 Preisgericht Christophe Girot Landschaftsarchitekt, Paris/Zürich Birgit Hammer Landschaftsarchitektin, Berlin Dr. Gabriele Schultheiß Landschaftsarchitektin, Berlin Ariane Röntz Landschaftsarchitektin, Berlin Hans Kollhoff Architekt, Berlin Manfred Ortner, Architekt, Wien/Berlin Stellvertretende Fachpreisrichter Rebecca Chestnutt Architektin, Berlin Karl Thomanek Landschaftsarchitekt, Berlin Sachpreisrichter Dr. Hans Stimmann Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Dorothee Dubrau Bezirksamt Mitte von Berlin Ralf Pütmann Kaufhof Warenhaus AG Karl Franz Wambach Hines Immobilien GmbH Martin Ernst Deutsche Interhotel Holding GmbH & Co.KG

Fachpreisrichter

Teil 1 Wettbewerbsverfahren

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Stellvertretende Sachpreisrichter

Birgitt Kalthöner / Hilmar von Lojewski Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Dr. Jens Heuer Bezirksamt Mitte von Berlin Michael Cesarz Kaufhof Warenhaus AG Robert Leibl Hines Immobilien GmbH Peter Goslar Deutsche Interhotel Holding GmbH & Co. KG

Sachverständige

Beate Profé Senatsverwaltung für Stadtentwicklung -I CFreiraumplanung und Stadtgrün Peter Ostendorff Senatsverwaltung für Stadtentwicklung –II DAuswahlverfahren, Wettbewerbe Helmut Kästner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung –II A 11Städtebauliche Projekte und Investitionsvorhaben Michael Steinfurth Senatsverwaltung für Stadtentwicklung –VI C 21 Projektvorbereitung und -prüfung Ulrich von Bismarck Senatsverwaltung für Stadtentwicklung –X P RK Zentrale Angelegenheiten Innerer Bereich Julia Ingelmann Senatsverwaltung für Stadtentwicklung –X PB1 Planung Straßenbahn Heribert Guggenthaler Senatsverwaltung für Stadtentwicklung -VII BPlanung und Gestaltung von Straßen und Plätzen Claudia Reich-Schilcher Senatsverwaltung für Stadtentwicklung –SBD 15Architekturwerkstatt Rolf-Manfred Jacob Senatsverwaltung für Stadtentwicklung –VII C 33Behindertengerechtes Bauen Frank Hesse Landesdenkmalamt, Baudenkmalpflege LDA 11

Teil 1 Wettbewerbsverfahren

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Karin Dietz Frauenbeirat der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Kristina Laduch Bezirksamt Mitte von Berlin LuV Planen und Genehmigen, Stadtplanung Jürgen von Gfug Bezirksamt Mitte von Berlin Öffentliche Beleuchtung Eva-Maria Eichler Bezirksamt Mitte von Berlin LuV Planen und Genehmigen, Untere Denkmalschutzbehörde Harald Büttner Bezirksamt Mitte von Berlin LuV Bauen, Straßen- und Grünflächenamt Frank Baumgart Bezirksamt Mitte von Berlin Amt für Umwelt und Natur Marcus Lehmann Bezirksamt Mitte von Berlin Kinder- und Jugendbüro Helga Lucius Bezirksamt Mitte von Berlin Kommission Kunst im Stadtraum, Kult 2 102 Klaus Matzner Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Unternehmensbereich U-Bahn - BU-A2 Holger Orb Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Unternehmensbereich Straßenbahn - BS-GP 2 Hans Hagedorn city+bits, Interaktive Bürgerbeteiligung Heiko Wichert Platzmanagement Alexanderplatz Gäste Peter Kever / Georg Bumiller Architektenkammer Berlin Vertreter der in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) des Bezirks Mitte vertretenen Fraktionen 1.06 Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen Die Wettbewerbsunterlagen werden den ausgewählten Teilnehmern am 01.09.2003 zugesandt.

Teil 1 Wettbewerbsverfahren

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1.07 Einlieferung der Wettbewerbsarbeiten Die Arbeiten sind am 13.11.2003 von 14.00 bis 18.00 Uhr bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung,- II D -, Behrenstraße 42, Zi. 014 in 10117 Berlin-Mitte abzugeben oder am selben Tage oder davor liegend per Post- oder Kurierdienst einzureichen. Bei der Einreichung durch Post- oder Kurierdienst ist eine Kopie des Aufgabebeleges in gleicher anonymisierter Weise wie die Arbeit selbst, mit der Kennziffer versehen, an den Auslober zu senden. Die Wettbewerbsarbeiten sind zur Wahrung der Anonymität in verschlossenem Zustand ohne Absender oder sonstigen Hinweis auf den Verfasser, aber mit der Kennzahl und dem Vermerk „Freiraumplanerischer Wettbewerb Alexanderplatz“ einzureichen. Bei Zustellung durch Post- oder Kurierdienst ist der Empfänger als Absender anzugeben. Bei Einlieferung durch Post- oder Kurierdienst (porto- und zustellungsfrei für den Empfänger) gilt die Einlieferungsfrist als erfüllt, wenn der Aufgabestempel das Datum des 13.11.2003 oder eines davor liegenden Tages trägt. Der Verfasser ist selbst für die Lesbarkeit des Aufgabestempels verantwortlich. Verspätet eingegangene Arbeiten, deren Aufgabestempel/Aufgabebeleg fehlt, unleserlich oder unvollständig ist oder dessen Richtigkeit angezweifelt wird, werden vorbehaltlich des späteren Nachweises zeitgerechter Einlieferung, den der Teilnehmer zu erbringen hat, mitbeurteilt. Kennzeichnung der Arbeiten Die Wettbewerbsarbeiten sind in allen Stücken nur durch eine gleichlautende Kennzahl zu bezeichnen. Sie ist aus sechs arabischen Ziffern zu bilden und in einer Größe von 1 cm Höhe und 4 cm Breite auf jedem Blatt und Schriftstück in der rechten oberen Ecke anzubringen. Der Wettbewerbsverfasser hat die Verfassererklärung (siehe 1.15/Anhang) mit seiner Anschrift in einem verschlossenen und undurchsichtigen Umschlag mit der gleichen Kennzahl abzugeben, mit der er seine Wettbewerbsarbeit gekennzeichnet hat. Dieser Umschlag ist gleichzeitig mit der Wettbewerbsarbeit abzugeben. 1.08 Rückfragen und Kolloquium Rückfragen (GRW 5.3) zur Auslobung können schriftlich gestellt werden und müssen bis zum 17.09.2003 unter dem Kennwort „Freiraumplanerischer Wettbewerb Alexanderplatz“ per E-Mail bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (siehe Pkt.1.01) eingegangen sein. Bei den Rückfragen ist auf die entsprechenden Teilziffern der Ausschreibung, auf die sie sich beziehen, Bezug zu nehmen. Die Rückfragen werden mit dem Preisgericht erörtert und während des Rückfragenkolloquiums beantwortet. Rückfragenkolloquium Das Rückfragenkolloquium mit den Teilnehmern und dem Preisgericht findet am 19.09.2003 um 10 Uhr in den Räumen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Alexanderplatz 5, 14.OG in 10178 Berlin statt. Im Anschluss, um 13 Uhr 30 (Treffpunkt Weltzeituhr am Alexanderplatz), besteht die Möglichkeit an einer gemeinsamen Geländebegehung teilzunehmen und sich über das Projekt „Berlin-Alexanderplatz, ein Platz für junge Menschen“zu informieren. Das Ergebnisprotokoll des Rückfragenkolloquiums mit der Zusammenstellung der Fragen und Antworten wird anschließend allen am Verfahren Beteiligten per Post oder E-Mail zugesandt. Es ist Bestandteil der Ausschreibung.

Teil 1 Wettbewerbsverfahren

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1.09 Verzeichnis der Wettbewerbsunterlagen Unterlagen des Wettbewerbs sind: - die vorliegende Ausschreibung - die schriftliche Beantwortung der Rückfragen - die im Folgenden aufgeführten Planunterlagen auf CD-ROM in den angegebenen Dateiformaten - Infobroschüre der Bundesregierung: Gender Mainstreaming. Was ist das? Informationspläne Luftbild, Maßstab 1:1000 Bebauungsplan I-B4a in 2 Blättern, Maßstab 1:1000 Lageplan, Maßstab 1:500 Lageplan, Maßstab 1:250 U-Bahnanlage Schnitte Leitungspläne Straßenbahnplanung in der Dircksenstraße Umbau Toilettenanlage

Arbeitspläne

- Lageplan, Maßstab 1:500 - Lageplan, Maßstab 1:250 Jeder Teilnehmer des Wettbewerbes verpflichtet sich, die vorliegenden digitalisierten Daten und Pläne nur für die Beteiligung am Wettbewerb zu nutzen. Daten, die im Rahmen der Bearbeitung als Zwischenprodukte anfallen und nicht an den Auslober abgegeben werden, sind nach Abschluss des Wettbewerbes zu löschen. 1.10 Geforderte Leistungen Von den Teilnehmern werden folgende Leistungen erwartet: 1. Verflechtungsbereich / Gesamtbereich M 1:500 Einbindung des Wettbewerbsgebietes in die benachbarten Straßenräume Gestaltungs- und Nutzungskonzept Hauptwegeverbindungen Realisierungsabschnitte 2. Entwurf M 1:250 Detaillierung der verschiedenen Aufenthaltsflächen und der Nutzungsanordnung für den Realisierungsteil Ausformulierung der Oberflächentexturen, Angaben zur Materialwahl Beleuchtungskonzept unter Berücksichtigung der DIN 5044 mit detaillierten Angaben Entwässerungskonzept Angaben zur Ausstattung 3. Erläuternde Darstellungen Ansichten zur Veranschaulichung wichtiger Entwurfselemente, insbesondere zur Möblierung M 1:20 2 Schnitte in Ost-West- bzw. Nord-Süd-Richtung, bei Bedarf weitere Schnitte von wichtigen Übergangsbereichen (Maßstab frei)

Hinweis

Teil 1 Wettbewerbsverfahren

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4. Erläuterungsbericht mit Aussagen zur Entwurfsidee sowie Aussagen, in welcher Form der Entwurf Anforderungen aus der interaktiven Bürgerbeteiligung berücksichtigt, Angaben zur Materialverwendung und baulichem Aufwand, Folgekosten und Pflegeaufwand. Zusätzlich ist die Einhaltung des Kostenrahmens nachzuweisen für - Platzbelag und Unterbau - Kanten/Borde ggf. Mauern, Treppen o.ä. - Entwässerung - Bäume und die dazugehörigen Pflanzflächen, - Beleuchtung - Inventar wie Sitzmöglichkeiten, Abfallbehälter, Fahrradständer, ggf. Trink brunnen - Sonstiges 5. Verfassererklärung (Formblatt siehe Anhang) 6. Prüfplan zu Punkt 2. 7. Hängeplan 8. Verkleinerung des Lageplans (Punkt 2.) M 1:2.500 auf DIN A4 zur Darstellung des Entwurfs im Vorprüfbericht 9. Verzeichnis der eingereichten Unterlagen Die geforderten Leistungen sind in Papierform sowie zusätzlich auf CD Rom zu erbringen (dwg oder dxf und 1x als pdf). Die für die Erfüllung der Leistungen und die Beurteilung durch das Preisgericht verbindliche Fassung ist die Papierfassung. Die Dateien dienen lediglich der Arbeitserleichterung für die Vorprüfung, der Ergebnispräsentation und der anschließenden Einarbeitung in das städtebauliche Gesamtkonzept. Für die Präsentation der Wettbewerbsarbeiten stehen pro Arbeit max. drei Rolltafeln mit einer Fläche von 1,98m (Breite) x 1,42 m (Höhe) zur Verfügung. Die vom Auslober zur Verfügung gestellten Arbeitspläne sind ein Angebot, den Wettbewerbsbeitrag darzustellen; sie müssen von den Verfassern nicht verwendet werden. Jeder Teilnehmer darf nur eine Arbeit ohne Variante einreichen. Gem. GRW 5.5 werden Darstellungen, die über die in der Auslobung geforderten Leistungen hinausgehen oder gegen bindende Vorgaben des Auslobers verstoßen, von der Vorprüfung ausgesondert. Farbige Darstellungen sowie erläuternde Skizzen sind zugelassen. 1.11 Beurteilungsverfahren Das Beurteilungsverfahren ist unter den Punkten 5.5, 5.6 und 5.7 sowie in den Anlagen II und III der GRW 1995 dargestellt. Ergänzend gilt folgendes: Die eingereichten Arbeiten werden mit Hilfe eines Kriterienkataloges (Beurteilungskriterien gem. GRW 5.1.5) vorgeprüft. Bei der Erfüllung dieser Aufgabe können die Sachverständigen zur Unterstützung der Vorprüfer hinzugezogen werden. Dem Preisgericht werden die Ergebnisse der Vorprüfung als Entscheidungshilfe zur Verfügung gestellt, die Beurteilung der Arbeiten bleibt dem Preisgericht vorbehalten.

Teil 1 Wettbewerbsverfahren

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Vor Beginn des freiraumplanerischen Ideen- und Realisierungswettbewerbes wurde eine interaktive Bürgerbeteiligung in Form von Online-Foren und einer Präsenzveranstaltung durchgeführt. Hieraus sind Ideen und Anforderungen der Teilnehmenden an der Gestaltung des Alexanderplatzes entstanden. Die Jury wird sich mit diesen Anforderungen auseinandersetzen und bei der Begründung der Preisverleihung erläutern, in welcher Form die Anforderungen der Bürger Berücksichtigung gefunden haben. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung sind im Anhang zusammengefasst. Eine vollständige Dokumentation findet sich im Internet unter http:// www.alex.cityandbits.de 1.12 Preise und Ankäufe Die Wettbewerbssumme (GRW 4.1) ist auf der Basis des § 15 HOAI in Verbindung mit der GRW 1995 ermittelt. Für Preise stehen insgesamt 70.000 EUR zur Verfügung. Vorgesehen ist folgende Aufteilung: 1. Preis 2. Preis 3. Preis 4. Preis 3 Ankäufe à EUR 23.000,EUR 15.000,EUR 10.000,EUR 7.000,EUR 5.000,-

Über die Preise und Ankäufe hinaus ist eine Kostenerstattung nicht vorgesehen. Die Preise werden nach Entscheidung des Preisgerichts unter Ausschluss des Rechtsweges zugeteilt. Das Preisgericht kann einstimmig eine andere Verteilung beschließen oder Preisgruppen bilden. Die Mehrwertsteuer von derzeit 16 % ist in den genannten Beträgen nicht enthalten und wird den inländischen Teilnehmern zusätzlich ausgezahlt. 1.13 Weitere Bearbeitung Das Preisgericht gibt eine schriftliche Empfehlung für die weitere Bearbeitung der Wettbewerbsaufgabe. Der Bauherr wird unter Würdigung der Empfehlungen des Preisgerichts dem ersten Preisträger die weitere Bearbeitung der Aufgabe mindestens mit den Leistungen 2, 3, 4 (soweit erforderlich) und 5 nach § 15 HOAI bzw. § 17 HOAI übertragen, - sofern kein wichtiger Grund einer Beauftragung entgegensteht, insbesondere - soweit und sobald die dem Wettbewerb zugrundeliegende Aufgabe realisiert werden soll (GRW 7.1). Voraussetzung ist, dass die Ausführung der ausgewählten Arbeit im Kostenrahmen möglich ist. Im Falle einer weiteren Bearbeitung werden durch den Wettbewerb bereits erbrachte Leistungen des Wettbewerbsteilnehmers bis zur Höhe des zuerkannten Preises nicht erneut vergütet, wenn der Wettbewerbsentwurf in seinen wesentlichen Teilen unverändert der weiteren Bearbeitung zugrunde gelegt wird (gem. GRW 7.2). 1.14 Eigentum und Urheberrecht Die eingereichten Unterlagen der mit Preisen ausgezeichneten und angekauften Wettbewerbsarbeiten werden Eigentum des Auslobers (GRW 6.4). Das Urheber-

Teil 1 Wettbewerbsverfahren

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recht und das Recht der Veröffentlichung der Entwürfe bleiben dem Verfasser erhalten (GRW 7.3). Der Auslober ist berechtigt, die zur Beurteilung zugelassenen Arbeiten nach Abschluss des Wettbewerbs ohne weitere Vergütung zu dokumentieren, auszustellen und (auch über Dritte) zu veröffentlichen. Die Namen der Verfasser werden dabei genannt. 1.15 Verfassererklärung Durch ihre Unterschrift in der Verfassererklärung (siehe Anhang) versichern die Wettbewerbsteilnehmer, dass sie die geistigen Urheber der Wettbewerbsarbeiten, gemäß den Wettbewerbsbedingungen teilnahmeberechtigt, mit einer Beauftragung zur weiteren Bearbeitung einverstanden und zur fach- und termingerechten Durchführung in der Lage sind. 1.16 Bekanntgabe des Ergebnisses / Ausstellung der Arbeiten Das Ergebnis des Wettbewerbs wird (unter Vorbehalt der Prüfung der Teilnahmeberechtigung) den Teilnehmern, deren Arbeit mit einem Preis oder Ankauf ausgezeichnet wird, unmittelbar nach der Entscheidung des Preisgerichts mitgeteilt, allen anderen durch Übersendung des Preisgerichtsprotokolls mitgeteilt und der Öffentlichkeit über die Presse bekanntgegeben (GRW 6.1). Die zur Beurteilung zugelassene Wettbewerbsarbeiten werden mit den Namen der Verfasser, der Mitarbeiter und Sonderfachleute, den Preisen und Ankäufen, der Aufnahme in die engere Wahl und dem Preisgerichtsprotokoll öffentlich ausgestellt. Eröffnung, Ort und Dauer der Ausstellung werden den Wettbewerbsteilnehmern und der Presse bekanntgegeben (GRW 6.3). 1.17 Haftung und Rückgabe Für die Beschädigung oder den Verlust der eingereichten Arbeiten haftet der Auslober nur im Fall nachweisbar schuldhaften Verhaltens (GRW 6.5). Die nicht prämierten Arbeiten von in Berlin ansässigen Teilnehmern können zu einem Zeitpunkt, der ihnen rechtzeitig mitgeteilt wird, bei der Senatsverwaltung Stadtentwicklung - II D - abgeholt werden. Sind diese Arbeiten, trotz einer Erinnerung 13 Wochen nach dem genannten Termin nicht abgeholt worden, so geht der Auslober davon aus, dass die betreffenden Teilnehmer das Eigentum an ihren Arbeiten aufgegeben haben und wird dann mit diesen Arbeiten nach seinem Belieben verfahren. Im Übrigen erfolgt die Rücksendung der nicht prämierten Arbeiten von Teilnehmern, die nicht in Berlin ansässig sind, nur dann, wenn die Arbeiten in transportgerechter und wiederverwendbarer Verpackung eingereicht wurden. 1.18 Zusammenfassung der Termine Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen Rückfragen schriftlich bis Rückfragenkolloquium Abgabe der Arbeiten Sitzung des Preisgerichts Ausstellung der Arbeiten

01.09.2003 17.09.2003 19.09.2003 13.11.2003 08.12.2003 Januar 2004

Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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Teil 2 Situation und Planungsvorgaben 2.01 Lage und Kennzeichnung des Wettbewerbsgebietes Der Alexanderplatz liegt im östlichen Bereich des Berliner Zentrums im Bezirk Mitte. Er befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Berliner Fernsehturm und dem Bahnhof Alexanderplatz. Ringsum ist er von Hauptverkehrsstraßen mit z. T. überregionaler Bedeutung erschlossen (Karl-Liebknecht-Straße, Straße Alexanderplatz, Grunerstraße, Karl-Marx-Allee) und ein Einkaufsgebiet von zentralen Bedeutung für die Menschen im östlichen Teil der Stadt und darüber hinaus. Der Alexanderplatz in seiner heutigen Gestaltung wird in den nächsten Jahren starken städtebaulichen Veränderungen unterliegen.

Lage

Alexanderplatz und sein Umfeld

Wettbewerbsgebiet

Das Wettbewerbsgebiet bezieht sich auf die städtebauliche Neugestaltung zwischen Dircksenstraße im Südwesten, Karl-Liebknecht-Straße im Nordwesten, der Straße Alexanderplatz im Nordosten/Osten und Grunerstraße im Südosten. Der Realisierungsteil besteht aus den im Plan (siehe folgende Seite). dargestellten Freiflächen und der überdachten Passage zwischen Baufeld D7 und D1/D2. Der Ideenteil betrifft die überdachte Passage G1 und der offenen Durchgang G2 zur Straße Alexanderplatz hin. Außerdem ist die Dircksenstraße zwischen Karl-Liebknecht-Straße und Rathausstraße entlang des Bahnhofgebäudes im Ideenteil zu bearbeiten. Die Größe des gesamten Wettbewerbsgebietes (Ideen- und Realisierungsteil) beträgt insgesamt 38.668 m². Davon beträgt der Realisierungsteil mit der Straßenbahntrasse 27.725 m², ohne die Straßenbahn 26.040 m². Der Ideenteil umfasst die privaten Flächen G1 (1.879 m²) und G2 (1.839 m²) sowie den Abschnitt der Dircksenstraße (7.225 m²), für den noch keine Finanzierung vorliegt.

Eigentum

Die Grundstücksverkäufe auf der Grundlage des städtebaulichen Konzeptes von Kollhof/Timmermann sind nahezu abgeschlossen. Voraussetzungen für die Rechtswirksamkeit der Verkäufe sind die Änderungsvereinbarungen zu den städtebauli-

Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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chen Verträgen, die 2002 unterzeichnet wurden. Die Zuordnung der Investoren/ Eigentümer pro Baufeld im Kernbereich kann der Abbildung Wettbewerbsgebiet entnommen werden:

Wettbewerbsgebiet mit Ideen- und Realisierungsteil und Baufeldern Baufelder D1 bis D2 inkl. Passagen G1 u. G2 D4 D5 u. D6 D7 Investoren Deutsche Interhotel Holding GmbH&CoKG HINES Immobilien GmbH Landesbank Berlin ASSET (Metro)

Luftbild des Alexanderplatzes (2002)

Die Platzfläche des Alexanderplatzes gehört überwiegend dem Land Berlin, einschließlich der Passage zwischen D7 (ASSET) und D1/D2 (Deutsche Interhotel Holding GmbH & CoKG) bis auf einen kleinen Teilbereich. Die Dircksenstraße liegt ebenfalls im Eigentum des Landes Berlin. Die Durchgänge G1 (geschlossen) und

Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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G2 sind im Besitz der Deutschen Interhotel Holding. Ebenso kleine Teilflächen an der Südwestseite der Baufelder D2/D3. Die Grundstückszuschnitte weichen erheblich von den historischen Grundstücken ab. 2.02 Historische Entwicklung

Schwarzpläne von 1940, 1953, 2000 und 2010 (von oben links nach unten rechts)

13. Jhd. 1652 ab 1681

Einrichtung des Spitals Heiliger Georg Memhardplan, 1. Berliner Stadtplan (s. Anhang 4.1 Historische Entwicklung) Einrichtung eines Viehmarktes am Zusammenfluss von der ehemaligen Bernauer und Prenzlauer Straße, bis 1886 Wochenmarkt Bau des Festungsringes, Aufweitung vor dem Georgentor mit Wassergraben (später Königsgraben) Georgenkirche wird Pfarrkirche Friedrich I. zieht nach seiner Krönung als Preußenkönig durch die Georgenvorstadt und das Georgentor in die Stadt ein. Seitdem heißt die Georgenvorstadt Königsstadt mit dem Königstor. Gründung einer Wollenzeugmanufaktur am Übergang Königsgraben Abriss des Georgentores

ab 1683

1689 1701

1745 1746

Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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1771

Bau der Königskollonaden/Steinerne Brücke über den Festungsgraben (s. Anhang Abb. 2) 2. Neubau der Georgenkirche Bau des Gasthofes zum Hirschen, früher Stelzenkrug Bau der zweiten Stadtmauer / Akzisemauer Bau des Exerzierhauses v. David Gilly Stadtplan von Selter (s. Anhang 4.1 Historische Entwicklung) Einzug des russischen Zaren Alexander I., Namensgebung des Platzes Bernauer Straße wird in Neue Königsstraße umbenannt Straße An der Contre Escarpe wird in Alexanderstraße umbenannt Eröffnung des Königsstädtischen Theaters, Schließung 1851, spätere Nutzung als Wollmagazin, Mietshaus und dann als Gasthaus Aschinger schwere Kämpfe am Alexanderplatz beim Volks- und Bürgerraufstand Barrikaden von Seiten der Arbeiter zu Beginn der Neuen Königsstraße Reichsgründung Baubeginn der Stadtbahn auf dem Festungsgraben Inbetriebnahme der Berliner Stadtbahn durch Überbauung des Königsgrabens und Eröffnung des Bahnhofes Alexanderplatz (s. Anhang 4.1 Historische Entwicklung) Bau des Grand Hotels am Alexanderplatz Bau des Polizeipräsidiums und des Stadtgerichtes Der ehemalige Paradeplatz wird Schmuckplatz mit Brunnenanlage. Der Handel am Alexanderplatz verändert sich durch die Inbetriebnahme der zentralen Berliner Markthalle (heute Karl-Liebknecht-Straße) und des zentralen Berliner Viehhofes nordöstlich vom Alexanderplatz (heute Landsberger Allee / Eldenaer Str.). Der Wochenmarkt wird aufgegeben. (s. Anhang ) Berolina, Gußstatue von E. Hundrieser wird aufgestellt (s. Anhang 4.1 Historische Entwicklung). 3. Neubau der Georgenkirche, etwas nach Südwesten verschoben mit höherem Turm Planung und Errichtung der Kaufhäuser Hahn und Tietz (1904-11) mehrere elektrifizierte Omnibus- und Straßenbahnlinien kreuzen den Platz (s. Anhang 4.1 Historische Entwicklung) U-Bahnbau der Innenstadtlinie mit den einzelnen Etappen Potsdamer Platz, Leipziger

1779 - 1780 1783 - 1784 1798 - 1802 1799 – 1800 1804 1805 1810 1819 1824

1848

1871 1871 - 1877 1882 1882 - 1884 1885 - 1890

1886

1895

1894 - 1898 ab 1900 1902

1907-1913

Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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Platz, Spittelmarkt, Alexanderplatz und Nordring (heute U2). 1913 1910 1919 Eröffnung des U-Bahnhofes Alexanderplatz Abbau der Königs-Kolonnaden im Zuge des Neubaus des Kaufhauses Wertheim Die radikale Linke betrachtet den Alexanderplatz als ihren zentralen Wirkungspunkt in Berlin. Arbeiter- und Kommunistenaufstände im Januar (Besetzung des Polizeipräsidiums und des Georgenturmes im März); spez. vor dem Polizeipräsidium erhebliche Zerstörungen der Straßen und Häuser mit vielen Toten (Spartakusaufstand). Als moderner Verkehrsknotenpunkt erfährt der Alexanderplatz gewachsene Bedeutung als Dienstleistungs- und Geschäftszentrum sowie im Bereich des öffentlichen und kulturellen Lebens. Hier trifft die vornehme Gesellschaft mit der Arbeiterschaft aus der eng bebauten Königsvorstadt ebenso zusammen wie Händler aus dem Scheunenviertel; Zuhälter und Prostituierte stoßen auf Passanten aus dem Berliner Umland oder Reisende aus aller Welt. Durch den großzügigen Umbau möchte die Berliner Stadtplanung diesem Geschehen Rechnung tragen und angesichts zunehmender Automobilisierung die Verkehrsprobleme lösen (s. Anhang 4.1 Historische Entwicklung). Bau von zwei weiteren kreuzenden U-Bahnen am Alexanderplatz, Linie E Alexanderplatz - Friedrichsfelde (heute U5) und Linie D-GN-Bahn Gesundbrunnen Neanderstraße (heute U8). Planung und teilweise Umsetzung des Stadtumbaus am Alexanderplatz zum „Weltstadtplatz“ mit Rondell als idealer moderner Verkehrsknoten in Anlehnung an den Generalplan von Baustadtrat Martin Wagner; ein Großteil der historischen Bausubstanz wird abgerissen (u.a. Gasthaus zum Hirschen). Die Berolina wird abgebaut (s. Anhang 4.1 Historische Entwicklung). 1928/1929 Weltbestseller von Alfred Döblin: Berlin–Alexanderplatz mit umfangreichen Beschreibungen, außerdem Die Ratten v. Gerhart Hauptmann und Essay: Östlich vom Alexanderplatz von Döblin. Ergebnis des 1. städtebaulichen Wettbewerbs, Peter Behrens wird mit der Realisierung beauftragt. Trotz aller Anstrengungen zur Kommunalisierung des Baulandes lässt sich der Platz nicht als ideale Platzfigur gestalten. Baubeginn des Berolinahauses von Peter Behrens Baubeginn des Alexanderhauses von Peter Behrens (Anhang 4.1 Historische Entwicklung) Bau des ovalen Kreisverkehrs unter weiterem Abriss bedeutender historischer Bauten. Die Berolina wird vor dem neuen Alexanderhaus wieder aufgebaut. Abbau der Berolina und Einschmelzung für Waffenproduktion Luftangriffe und Straßenschlachten über zwei Tage zum Ende des Zweiten Weltkrieges zerstören den Platz vollkommen, nachdem Polizeipräsidium, Hotel und Kaufhaus vorab für die Verteidigung ausgebaut wurden.

1920 – 1945

1927 – 1930

1929

1929 1930

1932

1944 1945

Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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1948 1950 1950

Die Große Frankfurter Straße wird in Stalinallee umbenannt. Abriss der Georgenstraße. „Grundsätze für die Neugestaltung der Berliner Innenstadt“ des Berliner Magistrats. Sie sehen den Bau eines 90 m breiten Straßenzuges von der -in den dreißiger Jahren durchbrochenen- Großen Frankfurter Straße/Stalinallee über den Alexanderplatz, die Königsstraße und die Straße Unter den Linden bis zum Brandenburger Tor als neue Repräsentations-Magistrale vor. Höhepunkt sollte am Schloßstandort ein zentrales Regierungsgebäude sein. Planung und Bau der Stalinallee, 1. Bauabschnitt (heute Karl-Marx-Allee) im Stil des „Nationalen Traditionalismus“ (s. Anhang 4.1 Historische Entwicklung) nach der Planung von Hermann Henselmann, Egon Hartmann, Richard Paulick, Kurt Leucht, Hanns Hopp und Karl Souradny. Im Laufe der des Umbaues des neuen Ostberliner Zentrums großflächige Abrissarbeiten der unterschiedlich stark zerstörten historischen Altstadt.

1951 - 1958

1961 ab 1960

Umbenennung der Stalinallee in Karl-Marx-Allee 2. Bauabschnitt der Stalinallee in kostengünstiger Plattenbauweise nach Josef Kaiser (s. Abb. Anhang 14). Bau des Haus des Lehrers (ca. an der Stelle des ehem. Lehrervereinshaus) und der Kongresshalle (s. Anhang 4.1 Historische Entwicklung) nach dem Entwurf des Planungskollektivs Henselmann, Geyer, Spreiparth. 2. städtebaulicher Wettbewerb Alexanderplatz mit dem Siegerentwurf des Planungskollektivs Schweitzer, Tscheschner, Schulz Bau des Berliner Fernsehturms mit einer Höhe von 365 m nach Pläner von Fritz Dieter, Günter Franke unter künstlerischer Leitung von Hermann Henselmann Baubeginn der Verkehrsprojekte am Alexanderplatz, Autotunnel Grunerstraße, Unterführungen für Fußgänger Neugestaltung des Alexanderplatzes als „Zentrum gesellschaftlicher Kommunikation“ unter Berücksichtigung des Alexander- und Berolina-Hauses, Bau des CentrumWarenhauses nach der Planung des Kollektivs Kaiser, Kuhnert und Interhotels vom Kollektiv Korn, Scharlipp und Bogatzky. (s. Anhang 4.1 Historische Entwicklung). Die Straßenbahn über den Alexanderplatz wird komplett eingestellt. Im Zuge des Umbaus zum Zentrum „Hauptszadt der DDR“ wird die Straßenbahn aus dem Zentrum herausgenommen und über die Mollstraße - Neue/Alte Schönhauser Straße zum Hackeschen Markt geführt. Bau des Hauses der Elektroindustrie vom Kollektiv Mehlan, Skujin und Leibold Abriss der Alten Markthallen und Neubau westlich der Karl-Liebknecht-Straße Bau des Haus des Reisens nach den Plänen vom Kollektiv Korn, Brieske, Steiger

1961 - 1964

1964

1965 – 1969

1966

1967 – 1971

1967

1967 - 1969 1968 – 1969 1969 - 1971

Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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1969

Freiraumgestaltung des Alexanderplatzes Die Weltzeituhr von Erich John wird vor dem Alexanderhaus aufgestellt, der Brunnen der Völkerfreundschaft von Walter Womacka wird als Mittelpunkt der Freiraumgestaltung errichtet. Der Alexanderplatz wird zur Bühne politisch wirksamer Großveranstaltungen, wie den am Alexanderplatz vorbei führenden Militärparaden, den X. Weltjugendspielen im Sommer 1973 (s. Anhang 4.1 Historische Entwicklung), dem 25. Jahrestag der Gründung der DDR im Herbst 1974, dem 30. Jahrestag des Kriegsendes im Mai 1975 und dem Fest der Jugend zum Abschluss des X. Parlaments der FDJ im Sommer 1976. Umbau der Erdgeschosszonen vom Alexander- und Berolina-Haus. Die Protestbewegung der DDR Bevölkerung erfährt im Spätsommer 1989 (in der Zeit zum 40. Jahrestag der DDR) in Leipzig aber auch kurze Zeit später am Alexanderplatz in Berlin ihren Höhepunkt bei der Demonstration von 1 Mio. Menschen am 4.11.1989. Sie fordern den Rücktritt der DDR-Regierung (s. Anhang 4.1 Historische Entwicklung). Fünf Tage danach wird die Berliner Mauer geöffnet. Der Alexanderplatz rückt wieder in das Zentrum der wiedervereinigten Stadt und wird in die neue Stadtplanung für die Berliner Mitte einbezogen (s. Luftbilder und Anhang 4.1 Historische Entwicklung). 3. städtebaulicher Ideenwettbewerb Alexanderplatz mit dem Ergebnis des ersten Preises von Hans Kollhof und Helga Timmermann Wiederherstellung des Alexanderhauses (s. Anhang 4.1 Historische Entwicklung). Die Straßenbahn kehrt auf den Alexanderplatz zurück. Nach der Wiedervereinigung Berlins wird mit der Heranführung der Straßenbahn-Radialen aus der Landsberger Allee und der Greifswalder Straße das Straßenbahnnetz wieder an den wichtigsten Berliner Umsteigeknotenpunkt Alexanderplatz herangeführt. Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte, den Alexanderplatz als einen attraktiver Ort für junge Menschen zu sichern.

1981 1989

1990

1993

1995 1998

1999

Unterzeichnung der städtebaulichen Verträge mit den Grundstückseigentümern/ Investoren Festsetzung des B-Planes I-B4a auf der Grundlage des überarbeiteten Wettbewerbsergebnisses Unterzeichnung der Änderungsvereinbarungen zu den städtebaulichen Verträgen von 1999, damit ist die Grundlage der Finanzierung der Platzgestaltung gegeben. Beschluss der BVV Mitte, beim Wettbewerbsverfahren zum öffentlicher Raum den Belangen von Kindern und Jugendlichen Rechnung zu tragen.

2000

2002

2002

Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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Blick über den Alexanderplatz Richtung Tiergarten (1993)

Blick über den Straußberger Platz Richtung Alexanderplatz (1995)

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Planungsvorlauf

2.03 Städtebauliche Rahmenbedingungen In enger Kooperation mit sieben potenziellen Investoren lobt das Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Januar 1993 einen beschränkten zweistufigen städtebaulichen Ideenwettbewerb aus. Ziel des Wettbewerbes ist es, eine städtebauliche Konzeption zu finden, auf deren Grundlage der Bereich um den Alexanderplatz als bestehender Zentrumskern mit Gebäuden des Dienstleistungssektors, des Einzelhandels und des Wohnens verdichtet und städtebaulich neu geordnet werden kann. Der Alexanderplatz soll sich in seiner Dimensionierung an der Platzgröße zu Zeiten der Weimarer Republik orientieren. Er soll wieder eine Bebauung erhalten, deren Nutzung eine Belebung des Platzes rund um die Uhr ermöglicht; insgesamt wird ein überzeugendes Konzept zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität gesucht. Gleichzeitig soll eine Abschottung des Platzes durch seine allseitige stadträumliche Anbindung an die angrenzenden Quartiere vermieden werden, ohne die Forderung nach einem vom Individualverkehr freien Platz aufzugeben. Die Behrensbauten und das Bahnhofsgebäude sind als städtebaulich und denkmalpflegerisch bedeutende Bauwerke zwingend zu erhalten. Das Preisgericht vergibt den ersten Preis für den Entwurf der Berliner Architekten Hans Kollhoff und Helga Timmermann und schlägt vor, das städtebauliche Konzept zur Grundlage der anstehenden Bebauungsplanung zu machen. Kollhoffs Entwurf ergänzt im Stadtgrundriss die Blockstruktur unter Berücksichtigung der historischen Spuren und der unterirdischen Verkehrsanlagen durch eine neue, in erfahrbare Straßenräume eingebettete Platzfigur. Grundelement des Städtebaus soll dabei eine Gebäudetypologie werden, die Block und Hochhaus kombiniert, dem auseinanderdriftenden Stadtraum Halt verleiht und Beeinträchtigungen des Platzes, wie sie bei freistehenden Hochhäusern durch Windkonzentrationen symptomatisch sind, zu verhindern sucht. Die Blockstruktur wird von Norden her bis an den Alexanderplatz herangeführt. Dabei nimmt die Bebauungsdichte zu und der quartiersspezifische Charakter überlagert sich mit Zentrumsfunktionen. Gemeinsam mit dem Alexander- und Berolinahaus von Peter Behrens soll der Platz durch die neuen Blöcke – darunter auch Neubauten für das heute vorhandene Kaufhaus und das Hotel – räumlich gefasst werden. So entsteht ein von den Hauptverkehrsstraßen abgeschirmter, wenngleich durchlässiger Bereich, der vorwiegend den Fußgängern gehört. In seinen drei nach Südwesten orientierten Gebäudefronten liegen Cafés und Restaurants, die sich zu Terrassen am Platz öffnen und zum Verweilen einladen. Großzügige Atrien im Zentrum der Blöcke und eine Passage zur Karl-Liebknecht-Straße (in der zweiten Wettbewerbsstufe mit Verzweigung auch zur Straße Alexanderplatz) erlauben das Flanieren und den Aufenthalt auch bei widrigem Wetter. Auf der Rückseite der Blöcke des Alexanderplatzes – am Straßenring, der sich Uförmig um die Platzbebauung legt – sollen sich die Hochhäuser erheben. In der Höhe, oberhalb einer gemeinsamen Trauflinie stufenförmig terrassiert, zeichnen sie den Platz in der zweiten Reihe nach und markieren ihn nicht nur unmittelbar ortsgebunden im Stadtbild, sondern gemeinsam mit den Hochhäusern am Potsdamer Platz auch in der Stadtsilhouette der Innenstadt. Auf der Grundlage weniger Spielregeln zu Lage, Material und Gliederung sollen sie zu individuellen Hochhauscharakteren entwickelt werden und den Alexanderplatz zu einem unverwechselbaren Ort machen. Wesentliches Merkmal des Entwurfes ist dabei die Entwicklung ihrer Typologie in Grund- und Aufriss aus der Tradition des Berliner Büro- und Geschäftshauses. Der Bezug zum öffentlichen Raum, die Ausbildung einer klaren Adresse mit repräsentativer Eingangssituation und die Schaffung einer großzügigen, gut proportionierten Schaufensterfront sind Charakteristika dieser Typologie.

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Wettbewerbsentwurf Alexanderplatz, 2. Stuphe. Modell und Lageplan von H. Kollhoff und H. Timmermann (1993)

Panorama des preisgekrönten Wettbewerbsentwurfs Kollhoff / Timmermann von Yadegar Azizi Namini

Flächennutzungsplan

Planungsrecht Mit dem 1994 beschlossenen Flächennutzungsplan (FNP) soll die historisch gewachsene polyzentrale Struktur Berlins gestärkt werden. Die in der Zentrumshierarchie herausgehobenen beiden Kernbereiche der Innenstadt – die City West und der Zentrumsbereich Mitte – haben die gesamte Stadt als Einzugsbereich und dienen der Befriedigung des Bedarfs an besonders hochwertigen Gütern und Dienstleistungen. Im Zentrumsbereich Mitte setzt der FNP neben dem Bereich Potsdamer Platz, Leipziger Straße, Friedrichstraße den Schwerpunkt der Einzelhandelsentwicklung am Alexanderplatz, da er durch den öffentlichen Nahverkehr hervorragend erreichbar ist. Der FNP stellt das Plangebiet als Kerngebiet im Sinne der Baunutzungsverordnung dar, überwiegend als gemischte Baufläche (M 1) mit Einzelhandelskonzentration. Das Plangebiet liegt innerhalb des kleinen Innenstadtringes, in dem der FNP keine übergeordneten Hauptverkehrsstraßen darstellt. Neben den in Betrieb befindlichen U-Bahn-Linien 2, 5 und 8 werden weitere U-Bahn-Trassen, der Neubau der U 3 sowie die geplante Verlängerung der U 5 nach Westen sowie die U 11 unterhalb der Mollstraße dargestellt. Das Stadtbahn-Viadukt ist als Bahnfläche ausgewiesen.

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Ausschnitt aus Flächennutzungsplan Berlin in der Fassung der Neubekanntmachung vom Okt. 1998

Landschaftsprogramm

Das Landschaftsprogramm und der Flächennutzungsplan sind aufeinander bezogen und ergänzen einander. Die wichtigsten Aussagen zum Alexanderplatz befinden sich in folgenden Teilplänen: Teilplan Landschaftsbild Das Plangebiet wird als Innenstadtbereich eingestuft, in dem der Erhalt und die Entwicklung begrünter Straßenräume, die Wiederherstellung von Alleen, Promenaden und Stadtplätzen vorgesehen ist. Block- und Platzränder sollen durch Baumpflanzungen betont, Innenhöfe, Wände und Dächer begrünt werden. Insgesamt sollen bei baulicher Verdichtung qualitativ hochwertig gestaltete Freiräume geschaffen werden. Als Maßnahmenschwerpunkt ist die Aufwertung des Alexanderplatzes vorgesehen. Teilplan Erholung und Freiraumnutzung Der Bereich des Alexanderplatzes ist Teil einer Fläche mit zentralen Nutzungen. Durch die Entwicklung und Neuanlage von repräsentativen Freiflächen sowie durch Umgestaltungen der Straßenräume und Aufwertungen der vorhandenen Freiräume sollen die Aufenthaltsqualität und die Nutzungsmöglichkeiten verbessert werden. Im übrigen Bereich sollen vor allem Wegeverbindungen entwickelt werden.

Bereichsentwicklungsplanung

Im Oktober 1999 wurde von der Bezirksverordetenversammlung eine Bereichsentwicklungsplanung Mitte beschlossen. Am Alexanderplatz sieht sie eine kernspezifische Nutzung vor. Die Erhaltung, Rekonstruktion und Weiterentwicklung des

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vorhandenen Stadtgrundrisses in seinen historischen Ebenen ist ihr wesentlichen Ziel. Stadtentwicklungsplan Verkehr Mit dem Mobilitätsprogramm 2006 zieht der Senat die Konsequenz aus dem Stadtentwicklungsplan Verkehr für die Verkehrspolitik in der 15. Legislaturperiode. Mit diesem Programm wird der Senat sicherstellen, dass Mobilität für alle gewährleistet wird, dass ein guter Zugang zur Stadt und Ihren unterscheidlichen Teilen gesichert wird und dass die negativen Folgen des motorisierten Verkehrs gemindert werden. Die verzögerte Nachfrageentwicklung nach Verkehrsleistungen und eine aus heutiger Sicht endliche Wachstumsperspektive, erhebliche Instandhaltungsrückstände in der Verkehrsinfrastruktur sowie die Finanzkrise der Stadt erzwingen veränderte Prioritäten, Konzepte und Instrumente, auch in der Verkehrspolitik. Der Senat wird das erforderliche Sparen mit zielorientierter verkehrspolitischer Gestaltung verbinden. Ab 2006 ist der Bau der Straßenbahnstrecke mit dem Arbeitstitel „Alex II“ vorgesehen, der die Straßenbahnradiale Prenzlauer Allee an den Umsteigeknoten Alexanderplatz anbindet (Führung über Karl-Liebknecht-Straße und Dircksenstraße zur Rathausstraße). Die Weiterführung dieser Strecke zum Kulturforum ist geplant. Nach einer drei Jahre dauernden intensiven und gleichermaßen kontroversen Städtebaudebatte von 1996 an wird das Planwerk Innenstadt als städtebauliches Leitbild und überbezirkliche Planungsvorgabe 1999 vom Berliner Senat beschlossen und hat somit (nach §1 Abs. 5 Nr. 10 BauGB) Bedeutung für die verbindliche Bauleitplanung.

Planwerk Innenstadt

Ausschnitt aus dem Planwerk Innenstadt

Es ist eine Strategie zur nachhaltigen Reurbanisierung und Revitalisierung der historischen Mitte und City-West. Das Planwerk Innenstadt verfolgt unter anderem folgende Ziele: Innenentwicklung vor Außenentwicklung, Wohnen in der Innenstadt/Nutzungsmischung, Qualitätssicherung des öffentlichen Raumes, weitest gehende Vermeidung von Abrissen und Offenlegung stadthistorischer Spuren in Verbindung mit zeitgemäßen Architekturen, Umsetzung politischer Beschlüsse zum Innenstadtverkehr, Stärkung der Innenstadt als Wohnort mit der Möglichkeit zur Eigentumsbildung ohne zusätzliche Belastung der öffentlichen Finanzen um

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dadurch eine Grundlagen für eine attraktive, sozial gemischte und lebenswerte Stadt zu schaffen. In der weiteren Bearbeitung des Planwerks werden folgende Stadtbereiche in der Nachbarschaft des Alexanderplatzes in Planungswerkstätten vertiefend bearbeitet. Das Marx-Engels-Forum und der Bereich am Fernsehturm soll in Anbetracht der vorgesehenen Verdichtungen in seinem Umfeld als grüngeprägter Freiraum qualifiziert werden. Der Straßenzug Leipziger Straße – Gertraudenstraße – Mühlendamm, der den Potsdamer Platz mit dem Alexanderplatz verbindet, bildet heute eine städtebauliche Schneise im Zentrum. Das Planwerk Innenstadt will daraus wieder eine Straße mit städtischen Charakter machen. Im einzelnen ist beabsichtigt, die Flächen der Leipziger Straße neu zu ordnen um eine lineare Grünzone zu gewinnen, den Spittelmarkt als Platz wiederherzustellen, die Fischerinsel als Gründungsort Berlins (Alt-Cölln) wieder erfahrbar zu machen, den Molkenmarkt als Gelenkpunkt des Straßenzuges wieder aufzunehmen, das Klosterviertel weiterzuentwickeln, sowie langfristig den Straßentunnel am Alexanderplatz aufzugeben. Die Brache zwischen Alexanderstraße und Stadtbahn soll unter Bezug auf den Verlauf der ehemaligen Stadtbefestigung ebenfalls baulich entwickelt werden (I-B 4d). Weiterentwicklung des Gebietes Karl-Marx-Allee, 2. Bauabschnitt, durch Verdichtung und Nutzungsmischung unter Wiederaufnahme des radialen Wege- und Bezugssystems der Königsstadt zum Alexanderplatz. Für den Planungsbereich Alexanderplatz wurde das bestehende städtebauliche Konzept auf der Grundlage des Wettbewerbsergebnisses von Kollhoff/Timmermann weitestgehend unverändert ins Planwerk übernommen.

Aktuelle Darstellung aus Planwerk Innenstadt (virtuelles Stadtmodell)

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Bebauungsplan

Zwei Monate nach dem Senatsbeschluss zur Umsetzung des Ergebnisses aus dem städtebaulichen Wettbewerb wird das Bebauungsplanverfahren im Juli 1994 zunächst vom Bezirksamt Mitte eingeleitet, ein halbes Jahr später aufgrund seiner außerordentlichen stadtpolitischen Bedeutung der zuständigen Senatsverwaltung übertragen.

B-Plan-Übersicht

Der Bebauungsplan I-B4 wurde mit Beschluss vom 23. Juli 1998 in drei Geltungsgebiete unterteilt (I-B4a - Alexanderplatz, I-B4b - Rathausstraße und I-B4c - KarlLiebknecht-Straße), um die Realisierung in einzelnen Teilbereichen zügiger vorantreiben zu können. Diese Teilbebauungspläne weisen heute unterschiedliche Verfahrensstände auf. Am weitesten fortgeschritten ist der Bebauungsplan I-B4a, der seit seiner Festsetzung am 2. April 2000 rechtsgültig ist. Sieben der zehn Hochhäuser des städtebaulichen Konzeptes und die dazugehörigen Blockstrukturen mit einer Geschossfläche von insgesamt 815.000 m² sind damit planungsrechtlich gesichert. Maßgeblich für die Platzgestaltung ist der Bereich D innerhalb des B-

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Plans I-B4a, in dem bei einer durchschnittlichen GFZ von 10,5 insgesamt 417.700 m² Geschossfläche zulässig sind. Am 12. Mai 2003 hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung beschlossen, auf der Grundlage eines Gutachterverfahrens im Bereich der Brache zwischen Bahnviadukt und Alexanderstraße für das Sonae-Vorhaben (siehe 2.04), das im Frühjahr 2003 entschieden wurde, den Bebauungsplan I-B 4d aufzustellen. Der Geltungsbereich des B-Plans I-B 4d erfasst einen Teilbereich des im Verfahren befindlichen bezirklichen Bebauungsplans I-43 und ändert einen Teilbereich Bebauungsplans I-B 4a Alexanderplatz.

B-Plan I-B4a (2002)

B-Plan I-B4d (Entwurf, Stand Juli 2003)

Baukörperausweisung Durch die Festsetzung von Baulinien und Baugrenzen sowie Gebäudehöhen begrenzt der Bebauungsplan IB4a das quantitave Volumen der Baukörper und beschreibt das beabsichtigte Massenmodell räumlich: Die fünf Blöcke mit Turm

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umschließen, im Zusammenwirken mit den bestehenden Behrensbauten, den inneren Bereich des Alexanderplatzes halbkreisförmig und definieren ihn stadträumlich. Der Ausbildung des Blockes D4 in seiner Lage, Form und Kubatur kommt dabei eine elementare Bedeutung für die städtebauliche Abrundung und Schließung des Platzbereiches zu. Innerhalb der durch Baugrenzen und Gebäudehöhen festgesetzten Maximalbaukörper sind Variationsmöglichkeiten gegeben, insbesondere durch die Wahl der Geschosshöhen und die damit mögliche Zahl der Geschosse sowie durch die Nichtausnutzung der zwischen den Baugrenzen zulässigen Baukörpertiefen. Für einzelne Baufelder werden Baulinien festgesetzt, um die Figur der Platzrandbebauung sicherzustellen. Für die Bestandsgebäude D5 und D6 ist dieses auf Grund des durch den Denkmalschutz bestehenden Status nicht erforderlich. Für alle fünf Hochhäuser ist eine Oberkante von 150 m über Gehweg als Höchstmaß festgesetzt. Die Blöcke der Baufelder D1, D2, D3 und D4 haben eine maximale Traufhöhe von 30,5 m über Gehweg, zusätzlich sind hier Staffelgeschosse, die in einem Winkel von maximal 60° hinter die Baulinie bzw. Baugrenze zurücktreten, bis zu einer maximalen Oberkante von 36,7 m zulässig. Die Baufelder D5 und D6 haben eine Baukörperausweisung mit Angabe der zulässigen Geschosse entsprechend dem Bestand der Behrensbauten. Für das Baufeld D7, das gegenüber dem heutigen Baukörper des Kaufhofs die Raumkante in den Platz hineinschiebt, ist eine Oberkante von 36,7 bzw. 39,4 m über Gehweg als Höchstmaß festgesetzt. Unterbauung der Grundstücke Der überwiegende Teil der Baugrundstücke kann unterirdisch bebaut werden. Eine teilweise Unterbauung der Verkehrsfläche besonderer Zweckbestimmung (Nebenzeichnung 2) ermöglicht dem Nutzer des Blockes D7 die Anlage von Parkplätzen, ohne dass das bestehende Gebäude und die unterirdische Anlieferung beeinträchtigt werden. Eine unterirdische Verbindung zum Berolinahaus könnte hergestellt werden. Nutzungen der Gebäude Im Plangebiet ist (durch die Festsetzung aller Bauflächen im Bereich D als Kerngebiet) eine vielfältige Mischung von Büros, Dienstleistungen, Einzelhandel, kulturellen sowie sozialen Nutzungen und in geringem Umfang auch Wohnungen vorgesehen. Die Schwerpunkte der einzelnen Nutzungen sind dabei unter Berücksichtigung der spezifischen städtebaulichen Ziele durch textliche Festsetzungen räumlich differenziert verteilt. Obwohl grundsätzlich eine Begrenzung des Einzelhandels vorgenommen wird, da eine übermäßige Flächenentwicklung des Einzelhandels am Alexanderplatz zu Lasten der Subzentren in den östlichen Stadtbezirken gehen würde, wird die Möglichkeit für eine Verdreifachung der Einzelhandelsflächen im Plangebiet geschaffen. Die Obergrenze für Einzelhandelsnutzungen im Bereich D liegt bei 179.500 m² mit einem max. Anteil an der Geschossfläche von 43%. Im Bereich E wird eine weitere Konzentration von Einzelhandelsnutzungen in dem zum Alexanderplatz ausgerichteten Teil ermöglicht, im Bereich A ist Einzelhandel dagegen nur im ersten Vollgeschoss zulässig. Für die Blöcke D1 und D2 werden Einzelhandelsbetriebe vom 1. bis 3. Vollgeschoss zugelassen. Eine besondere Situation liegt bei dem vorhandenen Kaufhaus im Block D7 vor. Da dieses in seinem Bestand gesichert und Erweiterungsmöglich-

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keiten geschaffen werden sollen, ist dort Einzelhandel vom ersten bis zum siebenten Vollgeschoss zulässig. Ein weiterer Schwerpunkt für Einzelhandelsnutzungen ergibt sich auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes in den Blöcken D3 und D4, in denen Einzelhandel bis zum sechsten beziehungsweise siebten Vollgeschoss möglich ist. In den Bestandsgebäuden D5 und D6 werden Einzelhandelsbetriebe nur im ersten und zweiten Vollgeschoss zugelassen. Entsprechend der konkreten stadträumlichen Situation der einzelnen Baugebiete wird eine jeweils unterschiedliche Mindestwohnfläche festgesetzt. Unter Berücksichtigung der Umweltbelastung, der Bedeutung des Alexanderplatzes als Geschäftszentrum und der denkmalgeschützten Behrensgebäude liegt der Wohnanteil im Bereich D bei nur ca. 7 %. In Block D2 sind 12.500 und in D3 16.300 m² für Wohnnutzung gefordert. Auf Grund der Lärmbelastung und der teilweise ungünstigen Belichtungssituation wird in den Blöcken D1 und D7 keine Mindestfläche für Wohnungen festgesetzt und in Block D4 nur ein geringer Anteil von 2.400 m² gefordert. Diese Flächen sollen nach Stand der Dinge im Wege eines Planänderungsverfahrens ihrem Umfang nach verringert werden. Darüber hinaus gibt der BPlan in den einzelnen Blöcken unterschiedliche Mindesthöhen vor, oberhalb derer Wohnen zulässig ist (siehe textliche Festsetzung 1.1). Da in größerer Entfernung vom Alexanderplatz geringere bauliche Dichten ausgewiesen werden, ergeben sich dort höhere Wohnanteile als im Bereich D. Im gesamten B-Plan-Bereich IB4a beträgt der Mindestanteil für Wohnflächen 17%. Fußgängerbereich Alexanderplatz Die Fläche des Platzbereiches des Alexanderplatzes ist als Verkehrsfläche mit besonderer Zweckbestimmung „Fußgängerbereich“ festgesetzt. Die Einteilung der Verkehrsfläche ist nicht Gegenstand der Festsetzungen. In den Fußgängerbereich werden neben dem Alexanderplatz auch die funktional zusammenhängenden Flächen zwischen den Blöcken D7 und D1 bis D3 und die Dircksenstraße einbezogen. Ergänzend zum Fußgängerbereich sollen weitere neue Wegeverbindungen zu den angrenzenden Bereichen geschaffen werden. Durch die Festsetzung von Flächen, die mit Gehrechten für die Allgemeinheit belastet werden sollen, innerhalb der privaten Baufelder zwischen den Blöcken D1, D2 und D3 (Flächen G1 und G2), wird diesem Ziel Rechnung getragen. Passagen, Höfe Durch die Erweiterung des bestehenden Kaufhof-Gebäudes auf dem Alexanderplatz wird der Abstand zum Berolina-Haus deutlich verringert. Die mittleren Ausgänge des S- und Regionalbahnhofs Alexanderplatz wurden im Rahmen der Umbaumaßnahmen bereits in östliche Richtung verlegt. Damit die stadträumliche und funktionale Beziehung des Bahnhofes zur Platzfläche durch die Erweiterung des Baublockes D7 möglichst wenig beeinträchtigt wird, ist in D7 eine Arkade ausgewiesen, die mit einem Gehrecht zu Gunsten der Allgemeinheit zu belasten ist. Die lichte Höhe der Arkade soll 5,5 m betragen, entsprechend der Höhe des ersten Vollgeschosses des Bestandsgebäudes. Die Arkade darf auf höchstens 8 % der Fläche durch Stützpfeiler eingeschränkt werden. Die Erfordernis der Arkade wird aktuell infolge erster Entwurfsüberlegungen für das Kaufhaus hinterfragt; an ihr soll jedoch nach Stand der Dinge aufgrund ihrer Bedeutung für die Abwicklung des Fußgängerverkehrs zwischen Bahnhof und Platzfläche festgehalten werden.

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Zwischen den Blöcken D7 und D1 beziehungsweise D2 ist eine lichtdurchlässige Überdachung des Fußgängerbereiches und zwischen den Blöcken D1 und D2 (G1) eine Überdachung der nicht überbaubaren Fläche in einer Höhe zwischen 20 und 25 m festgesetzt. In den Blöcken D1 und D3 soll neben einer vollflächigen Überbauung im Erdgeschoss ausnahmsweise eine Überdachung der Innenhofbereiche in einer Höhe von max. 20 m zugelassen werden. Für Vordächer dürfen die Baugrenzen nur im Bereich des Baufeldes D1 zur KarlLiebknecht-Straße und Straße Alexanderplatz um bis zu 5 m und in einer Höhe von bis zu 3,5 m über Gehweg überschritten werden. Das gleiche gilt für Baufeld D4 zum Autotunnel Grunerstraße. Im inneren Platzbereich sind Überschreitungen nicht zulässig. Baumpflanzungen Als Ausgleichsmaßnahme wurden folgende Regelungen zu Baumpflanzungen festgesetzt: Innerhalb der Verkehrsfläche mit der besonderen Zweckbestimmung Fußgängerbereich sind 50 Laubbäume mit einem Stammumfang von mindestens 0,2 m zu pflanzen und zu erhalten. Bei der Zahl der zu pflanzenden Bäume ist die Anzahl der vorhandenen Bäume einzurechnen. Verkehr Das Netz der Hauptverkehrsstraßen bleibt vom Grundsatz her erhalten, die Breiten des gesamten Straßenraumes werden jedoch verringert. Die Karl-Liebknecht-Straße soll im Geltungsbereich dieses Bebauungsplanes eine Breite von ca. 43 m erhalten. In diesem Querschnitt können zwei Fahrspuren je Richtung und ein Bus-Sonderfahrstreifen, Geh- und Radwege sowie in Straßenmitte die Trasse einer Straßenbahn untergebracht werden. Die Straße Alexanderplatz (Planstraße 1) in Verlängerung der Karl-Marx-Allee erhält künftig eine Breite von 58 m. Hier sind drei Fahrstreifen und eine Parkspur je Richtung realisierbar. Sofern zur Abwicklung des Verkehrs notwendig, können die Parkspuren auch als Abbiegespur genutzt werden. Der Mittelstreifen mit einer Breite von 12 m soll neben einer öffentlichen Parkanlage mit zwei Baumreihen auch die Zufahrten für die unter der Planstraße 1 festgesetzte Stellplatzanlage aufnehmen. Die Unterbauung wird ab einer Tiefe von 3,0 m unter Geländeniveau zugelassen und somit die Möglichkeit zur Anpflanzung großkroniger Laubbäume oberhalb des Bauwerkes gegeben. Die Alexanderstraße soll ebenfalls in ihrer Breite - um etwa 16,0 m - verschmälert werden. An den Hauptverkehrsstraßen sind überwiegend Gehwege einschließlich Fahrradweg und Baumstreifen mit einer Breite von etwa 8 m möglich. Die beschriebenen Fahrbahnquerschnitte können dennoch im Knotenbereich zur Schaffung von notwendigen Abbiegespuren aufgeweitet werden. Stellplätze Das zukünftige Aufkommen im motorisierten Individualverkehr wird durch die Beschränkung der Zahl der Stellplätze begrenzt, da die Abwicklung der Fahrten

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maßgeblich von den zur Verfügung stehenden Stellplätzen beeinflusst wird. Der Ausschluss von oberirdischen Stellplätzen erfolgt aus städtebaulichen Gründen. Eine Störung der Aufenthaltsqualität sowie eine Beeinträchtigung des Stadtbildes durch Stellplätze oder Parkhäuser soll angesichts der geplanten hohen baulichen Verdichtung gemindert werden. In der Regel sollen Stellplätze in Tiefgaragen unterhalb der einzelnen Blöcke untergebracht werden. Flächen für den besonderen Nutzungszweck „Stellplatzanlage“ und “Stellplatzanlagenzufahrt“ unterhalb und im Mittelstreifen der Straße Alexanderplatz (Planstraße 1) sind zu berücksichtigen. Die Zufahrt soll über die Rampen im Mittelstreifen der Straße Alexanderplatz (Planstraße 1) und die zentrale Stellplatzanlage erfolgen. Im Block D7 können 200 unterirdische Stellplätze realisiert werden. Die weiteren entsprechend der Geschossfläche zulässigen Stellplätze können in der zentralen unterirdischen Stellplatzanlage unter der Straße Alexanderplatz (s.o.) realisiert werden. Planfeststellung Die Straßenbahnneubaustrecke „Alex II“ teilt sich in zwei Planfestellungsabschnitte auf: Für den ersten Planfeststellungsabschnitt Karl-Liebknecht-Straße - Mollstraße/ Torstraße bis Dircksenstraße liegt der Planfestellungsbeschluss seit März 2003 vor. Für den zweiten Planfestellungsabschnitt Dircksenstrasse - Rathausstraße wurden die Planfestellungsunterlagen im Juni 2003 der Planfestellungsbehörde zur Einleitung des Verfahrens übergeben. Der neue Ausgang der U-Bahn sowie die geplanten Aufzüge sind plangenehmigt. Das Land Berlin hat 1999 mit den Investoren städtebauliche Verträge abgeschlossen die 2002 geändert und nach Abschluß der Kaufverträge rechtskräftig wurden. In ihnen ist die Verbindlichkeiten der zukünftigen Baumaßnahmen festgeschrieben. Hierzu zählen unter anderem der zeitliche Ablauf der privaten Bauvorhaben und die Kostenbeteiligung an der Freiraumgestaltung des Alexanderplatzes. Die Realisierung der Hochbauten am Alexanderplatz wird sich aus jetziger Sicht über einen längeren Zeitraum hinziehen. In engem zeitlichen Zusammenhang zu der Fertigstellung der Baumaßnahmen sollen möglichst große Flächen des Platzes umgestaltet werden, damit der öffentliche Raum an Attraktivität gewinnt. Die öffentliche Erschließung, d.h. Versorgung und Anbindung ist den Investoren zu Beginn der Baumaßnahme und natürlich darüber hinaus bereitzustellen. Die Investoren tragen einen Kostenanteil von 56 % der Platzgestaltung und das Land Berlin den restlichen Anteil. Die Investoren verpflichten sich in den städtebaulichen Verträgen, die Sockelbebauung spätestens 2006 zu beginnen und bis 2008 fertig zu stellen. Mit dem Bau der Turmhochhäuser ist bis spätestens 2008 zu beginnen und die Bebauung bis 2013 zu vollenden. Für den Fall, dass Sockel- und Turmbebauung in einem Zug hergestellt werden, ist ein Baubeginn bis 2007 und die Fertigstellung bis 2013 vereinbart. Die Herstellung der Straße Alexanderplatz (Planstraße 1) wird dem Land Berlin übertragen, die Investoren (Deutsche Interhotel Holding GmbH & CoKG, HINES Immobilien GmbH, Treuhand Liegenschaftsgesellschaft mbH, Alexanderplatz 5 GbR) übernehmen die Gesamtkosten in Höhe von 10,13 Mio Euro. Die Option des Baues der Tiefgarage unter der Planstraße 1 hält die Deutsche Interhotel Holding GmbH. Der Investor verpflichtet sich, bis spätestens 31.12.2011 die Tiefgarage herzustellen.

Städtebauliche Verträge

Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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2.04 Aktuelle Vorhaben und Planungen im Umfeld Im Bereich zwischen Alexanderstraße, Grunerstraße, Stadtbahn und Voltairestraße haben die Investoren Sonae und die DeGeWo im Oktober 2002 angekündigt, bis 2006 ein Shopping-Center mit einer Nettoverkaufsfläche von 36.000 m² zu realisieren. In einem beschränkten Gutachterverfahren wurden Anfang des Jahres die Arbeiten der Architekten Ortner und Ortner, Berlin mit RTKL, London sowie die Architektengemeinschaft Graetz und Nöfer, Berlin zur weiteren Bearbeitung ausgewählt.

1. Preis des beschränkten Gutachterverfahrens (Ortner und Ortner)

In der Rathausstraße Ecke Gontardstraße plant der Investor Redevco ein Geschäftshaus, dessen Realisierung mit einer Neugestaltung der anschließenden Freiräume verbunden ist. Hierfür liegt ein Gestaltungskonzept des Büros Röntz-Landschaftsarchitektur vor, das mit sparsamen Mitteln eine temporäre Lösung für die kommenden 10 bis 15 Jahre bieten soll.

Freiraumkonzept von Röntz-Landschaftsarchitektur mit Planung Redevco, Rathausstraße (2002)

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Danach soll der durch freie Baumstellung geprägte Bereich bis zum Bahnhof Alexanderplatz fortgeführt werden. Statt Rasenflächen wird jedoch eine durchgehende befestigte Oberfläche unterlagert, um die zahlreichen Gehrichtungen innerhalb dieses Freiraumes für Fußgänger unproblematisch zu ermöglichen. Verwendung findet die bereits vorherrschende Linde, um die Einheitlichkeit des Raumes zu stärken. Die Platzoberfläche soll einheitlich gestaltet werden: ein durchgehender Plattenbelag aus Betonwerkstein im Langformat erzeugt eine gebänderte Textur, die durch Richtungswechsel und Differenzierungen im Fugenverlauf, sowie geringfügige Höhenunterschiede dezente Zonierungen erreicht. Notwendige Fahrspuren werden durch Höhenversätze in ihrem Verlauf markiert (ggf. ergänzt durch punktförmige Markierungen, durchlaufende Fuge des Plattenbelages u.ä.). Der Vorplatz des Fernsehturmes Richtung Bahnhof erhält eine Betonung aus bandartig eingelegten großformatigen Platten im Duktus der Charlottenburger Gehwegplatten, unter Wiederverwendung der in der Rathausstraße vorhandenen Waschbetonplatten.

Beispielhafte Pflasterung (links) und streng geschnittener Heckenkörper (rechts) Röntz Landschaftsarchitektur

Die über Gelände reichenden, nicht rückbaubaren Schachtbauwerke erhalten „Einhausungen“ aus großmaßstäblichen, dreiecksförmigen, streng geschnittenen Heckenkörpern. Bänke befinden sich im Übergangsbereich Bahnhof - Fernsehturm sowie im Schutz der Heckenkörper (z.T. auch lehnenloser Banktyp im Abgleich mit dem vorhanden Modell). Die derzeitigen Leuchtenstandorte werden mit Ausnahme des Eingangsbereiches Fernsehturm beibehalten, um umfangreiche Tiefbauarbeiten zu vermeiden. Die im Baufeld D4 des Alexanderplatzes liegenden Beachvolleyball - und Basketballfelder und ggf. eine Skatefläche sollen in den Freiraum vor der südlichen Umbauung des Fernsehturmes integriert werden. Das Konzept von Röntz-Landschaftsarchitektur hat dies bereits berücksichtigt. Weitere Angebote für junge Menschen wie eine feste Anlauf-, Ausleih- und Infostelle könnten in die Umbauung des Fernsehturmes integriert werden. Das Konzept zur Umgestaltung der Rathausstraße sieht vor, dass sie weiterhin vom allgemeinen Kfz-Verkehr ausgenommen bleibt. Allerdings soll die Tiefgarage des Redevco-Projekts über die Rathausstraße erschlossen werden. Das Straßenbahnkonzept des Landes Berlin sieht den Bau einer Straßenbahnverbindung vom Prenzlauer Tor über Karl-Liebknecht-Straße und Dircksenstraße bis zur Rathausstraße vor (Neubaustrecke Alex II). Die Strecke sollte zum Zeitpunkt der Herausgabe dieser Auslobung bereits im Bau sein und bis 2004 in Betrieb genommen werden. Im April 2003 wurde aufgrund neuer Schwerpunktsetzungen in der Infrastruktur des Landes Berlin beschlossen, die Realisierung der Strecke bis 2006 zurückzustellen. Das Planfeststellungsverfahren sowie die laufenden Ausführungsplanungen werden für den Fall abgeschlossen, dass kurzfristig Mittel außerplanmäßig zur Verfügung stehen.

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Mit einer dreireihigen Allee soll eine Gliederung des Raumes erreicht werden. Der Fußgängerbereich der Rathauspassagen einschließlich der Ladenzone und der Europa-Radweg werden erneuert. Entgegen der Darstellung im Konzept Röntz-Landschaftsarchitektur wurde die Baumstellung im Bereich des Cubix-Kinos geändert.

Geänderte Baumstellung im Bereich des Cubix-Kinos, Rathausstraße

Die Rathauspassagen werden zur Zeit im Auftrag der WBMI Real Estate AG Berlin aufwendig modernisiert und sollen bis Herbst 2003 bezugsfertig sein. Dabei wird die äußere wie innere Erschließung der Geschäftsbereiche im Erdgeschoss und den darüberliegenden zwei Obergeschossen grundlegend geändert. Der Gebäudekomplex öffnet sich in Höhe der Klosterstraße zur Grunerstraße, um eine Anknüpfung an das historische Klosterviertel zu ermöglichen. Im Erdgeschoss entsteht ein Branchenmix aus verschiedenen Läden- und Dienstleistungseinrichtungen. Wal-Mart wird im ersten OG nach Fertigstellung einen großen Teil der Verkaufsflächen von insgesamt 25.000 m² beziehen. Im zweiten OG werden Büros und Arztpraxen belegt. Die oberen Etagen werden weiterhin Wohnzwecken dienen. Vor den Rathauspassagen, an der Grunerstraße, entstehen über einer Ladenzone zwei siebengeschossige Parkhäuser mit insgesamt 600 Stellplätzen. Es laufen Bemühungen, das Grundstück Rathausstraße 3, östlich des CUBIX-Kinos, als Hotelkomplex umzubauen. Die Erschließung wird dann über die Grunerstraße erfolgen, lediglich Fußgängern wird der Durchgang entlang des S-Bahnviadukts möglich sein. Die Deutsche Bahn AG plant weitere fünf S-Bahn-Bögen in diesem Bereich zu öffnen und zu vermieten. Zwischen Rathauspassagen und dem Gebäudekomplex Cubix-Kino und Rathausstraße 3 wird ein städtischer Platz entstehen, dessen Gestaltung noch in der Planung ist. 2.05 Denkmalschutz

Übersicht der Denkmalgeschützten Anlagen

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Im Rahmen des städtebaulichen Wettbewerbs 1993 wurde intensiv über die Frage des Denkmalwertes der DDR-Ensembles diskutiert. Man war sich einig, dem Alexanderplatz durch eine neue, eingreifende städtebauliche Figur eine eigene Identität und Aufenthaltsqualität zurückzugeben, indem man u.a. eine Abgrenzung zum stark frequentierten Straßennetz schafft. Mit Ausnahme der beiden Behrensbauten wurden alle übrigen Gebäude auf dem Alexanderplatz zur Disposition gestellt. Dem Umgebungsschutz dieser Denkmale wird durch die Aufnahme ihrer Gebäudehöhen für die Blockrandbebauung und die abgetreppten Hochhaustürme Rechnung getragen. Einzeldenkmale im Sinne des Denkmalschutzgesetzes: Alexanderhaus in der Alexanderplatz 2, Dircksenstraße 20/21,Grunerstr. 11/15 erbaut 1930 –1932 durch Peter Behrens im Rahmen der angestrebten Umgestaltung zum „Weltstadtplatz“. Wiederherstellung 1994 – 1995

Innerhalb des Wettbewerbsgebietes

Alexanderhaus von der Grunerstraße aus (ca. 1932)

Berolinahaus Alexanderplatz 1/ Dircksenstraße 22/25, ebenfalls von Peter Behrens zur gleichen Zeit erbaut. Vereinfachte Wiederherstellung 1950. Zur Zeit im Leerstand und dringend sanierungsbedürftig. (s. Luftaufnahme von 1935) Brunnen der Völkerfreundschaft auf dem Alexanderplatz, 1969 von Walter Womacka erbaut. Reparaturmaßnahmen wurden 2000 durchgeführt. (s. Abb. Seite 37) S- und U-Bahnhof Alexanderplatz, S-Bahnhof 1878-82 von Johann Eduard Jacobsthal, Wiederaufbau 1964 von Hans Joachim May und Günter Andrich. U-Bahnsteig der Innenstadtlinie (U2), 1911-13, U-Bahnsteig der GN-Bahn (U8) und U-Bahnsteig der Linie E (U5), 1927-30 von Alfred Grenander, Alfred Fehse und Johannes Bousset und 8 Ansichten vom Alexanderplatz aus der Porzellanmanufaktur Meißen, 1968, im Fußgängertunnel. Der S- und Regionalbahnhof Alexanderplatz wurde in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre durch die Architekten Chestnutt_Niess modernisiert.

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Brunnen der Völkerfreundschaft mit Alexanderhaus (2003)

Im Umfeld des Wettbewerbgebietes

sind außerdem in die Landesdenkmalliste eingetragen: Kongresshalle und Haus des Lehrers, Alexanderplatz 3-4, 1961-64 von Hermann Henselmann, Bernhard Geyer und Jörg Streitparth, Alexanderstraße/Karl-Marx-Allee 2, zur Zeit Sanierungsarbeiten. Stadtbahntrasse zwischen Ostbahnhof und Holtzendorffstraße, Stadtbahnviadukt, Bahndamm, Brückenbauten, 1875-82 von Ernst Dircksen; Umbauten 1912-39 und ab 1994 Spandauer Vorstadt als Ensemble, begrenzt im Norden durch die Torstraße 6/230 und Weydingerstraße 20/22, im Süden durch S-Bahn, Spree, Dircksenstraße 32-51 und Neue Promenade / Am Zwirngraben, im Osten durch die Karl-LiebknechtStraße 15/33 und im Westen durch die Friedrichstraße 105-118 Fernseh- und UKW-Turm, von Fritz Dieter und Günter Franke, künstlerische Beratung Hermann Henselmann,1965 bis 1969, als Gesamtanlage mit Freiflächen Karl-Marx-Allee 4-11, 14/18, 19-21, 23-26, 28, 30, 32-52, Wohn- und Geschäftsbauten, Kultureinrichtungen ehemals Verwaltungsgebäude der Karstadt AG, heute Polizeidirektion, Otto-BraunStraße 27, Keibelstraße 29-36, Wadzeckstraße 7-10, 1930-1931 von Philipp Schäfer erbaut, Umbau 1950. Fundamente und Bestattungen der Georgenkirche, Otto-Braun-Straße (nordöstliche Ausfahrtrampe des Straßentunnels), ab 2. Hälfte 13. Jh.

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2.06 Gebäudenutzung Die derzeitige Nutzung der im Wettbewerbsgebiet liegenden bzw. benachbarten Gebäude ist dominiert durch den Einzelhandel auf mehreren Geschossenebenen. Die Bruttogeschossfläche (BGF) des Einzelhandels im inneren Bereich des Alexanderpülatzes beläuft sich zur Zeit auf ca. 60.000 m². Das Warenhaus Galeria Kaufhof / Kaufhof Sportarena wird ergänzt durch Fachgeschäfte (z.B. Optiker, Mediengeschäft) und Gastronomiebetriebe wie Cafés, eine Fastfood-Kette und das park inn Hotel mit Restaurant im ersten Obergeschoss des Sockelgebäudes und Casino im 37. Stockwerk.

Warenhaus Galeria Kaufhof (rechts) und Berolinahaus (links)

Café und Ladenzone im Sockelgebäude des park inn Hotels

Das Alexanderhaus ist bei seiner Modernisierung zu einer kleinteiligen Einkaufsgalerie umgebaut worden in der Fachgeschäfte (Kaffeegeschäft, Buchhandlung, Drogerie, Bekleidungsläden), Restaurants und Bistros angesiedelt sind. Im Obergeschoss befindet sich eine Sparkassenfiliale. Das Alexanderhaus ist Geschäftssitz der Bankgesellschaft Berlin. Das Berolinahaus steht derzeit leer. Die Bankgesellschaft als Eigentümerin des Gebäudes sucht nach Möglichkeiten, dem Gebäude die dringend erforderliche

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Sanierung und Modernisierung zukommen zu lassen und eine zentrumsangemessene Nutzung zu realisieren. Der S- und Regional Bahnhof Alexanderplatz wurde Mitte der neunziger Jahre zu einem modernen Geschäfts- und Dienstleistungsbereich über zwei Ebenen ausgebaut. Auch hier haben sich neben den klassischen Bahnhofsläden (Presse- und Buch, Tabak und Imbiss) auch Wechselstube, eine Fast-Food-Kette, Fachgeschäfte (Lebensmittel, Reformhaus, Kosmetik, Telefon-Shop, Lederwaren u.a.) und kleine Dienstleistungsfirmen wie Theaterkasse, Friseur und Schneider angesiedelt. Natürlich sind ein Reisezentrum der Deutschen Bahn, S-Bahn-Schalter, sowie Toilettenanlagen vorhanden. Innerhalb des U-Bahnhofes stehen Passanten kleine Geschäfte und Dienstleistungsunternehmen zur Verfügung. Sie waren schon in der ursprünglichen Bahnhofskon zeption von A. Grenander in den zwanziger Jahren integriert und werden auch weiterhin erhalten bleiben. Nach Realisierung des städtebaulichen Konzeptes wird im inneren Bereich des Alexanderplatzes eine BGF von 179.500 m² für den Einzelhandel zur Verfügung stehen. 2.07 Verkehr, Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)

Übersichtsplan der Berliner Verkehrsbetriebe 2003

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Der Bereich Alexanderplatz gehört zu den am besten durch den ÖPNV erschlossenen Gebieten in Berlin. Durch das Zusammentreffen von fünf Regionalbahnlinien, fünf S-Bahnlinien, drei U-Bahnlinien, fünf Straßenbahn- und sechs Stadtbuslinien ist der Alexanderplatz der bedeutendste Knotenpunkt neben dem Bahnhof Zoologischer Garten. Die Verkehrseinrichtungen des Alexanderplatzes werden nach Erhebungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung an einem durchschnittlichen Werktag von mehr als 330.000 ÖPNV-Benutzern in Anspruch genommen. Davon nutzen ca. 13.000 Personen die Regional-Bahn, ca. 91.500 Personen die SBahn, ca. 194.000 Personen die U-Bahn, ca. 26.000 Personen die Straßenbahn und ca. 12.000 Personen den Bus. Das Verkehrsaufkommen setzt sich sowohl aus ein- und aussteigenden als auch umsteigenden Fahrgästen zusammen. Am Bahnhof Alexanderplatz finden täglich ca. 220.000 Umsteigevorgänge statt.

Einsteiger R-Bahn S-Bahn U-Bahn Straßenbahn Bus Summe 2.382 21.373 34.124 3.466 1.977 63.332

Aussteiger 2.211 16.185 31.356 2.670 2.563 54.985

Umsteiger 8.507 53.865 128.900 20.063 7.228 218.563

Verkehrsaufk. 13.100 91.423 194.379 26.199 11.768 336.869

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, ÖPNV-Erhebung 2002

U-Bahnhof Alexanderplatz, Schnitt und Aufsichten der verschiedenen Ebenen (1930, heute noch aktuell)

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Regional- und S-Bahnhof Alexanderplatz von der Gonthard-/Rathausstraße aus

Regional- und S-Bahnhof Alexanderplatz Der Regionalbahnhof bietet den Pendlern und Touristen die Möglichkeit, direkt vom Alexanderplatz aus Reisen ins Berliner Umland, nach Brandenburg und Sachsen-Anhalt bis hin zu den Ostseestädten in Mecklenburg-Vorpommern anzutreten. Die Bahnsteige der Regionalzüge und S-Bahnen sind im Rahmen der Modernisierung in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre behindertengerecht mit Aufzügen und Rolltreppen ausgestattet worden. Eingänge zum Regional- und S-Bahnhof befinden sich an der Rathausstraße, der Dirksenstraße und der Gontardstraße. Vom Bahnhofsgebäude aus kann man direkt den U-Bahnhof erreichen. U - Bahnhof Alexanderplatz Drei U–Bahnlinien (U2, U5, U8) beginnen am Alexanderplatz bzw. kreuzen ihn.

Darstellung des Alexanderplatzes mit seinen unterirdischen Bauwerken in „Neues Deutschland“, 1969 (heute noch aktuell)

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In der kurzfristigen Planung der Berliner Verkehrsbetriebe ist die Grundinstandsetzung des denkmalgeschützten Bahnhofs vorgesehen. Dabei wird von der ursprünglichen Gestaltung ausgegangen. Um behinderten Menschen gerecht zu werden, ist in Kürze der Einbau von Aufzügen in die U-Bahnanlagen geplant, von denen zwei einen oberirdischen Anschluss zum Alexanderplatz haben werden.

Visualisierung des zukünftigen U-Bahn Aufzugs

Um ein komfortables Umsteigen zwischen U-Bahn und Straßenbahn zu ermöglichen und da die Straßenunterführung im Nordosten des Platzes geschlossen wird, wird zwischen den Baufeldern D3 und D4 ein neuer U-Bahneingang mit Fahrtreppen errichtet. Die Geschäfte und Dienstleistungsunternehmen innerhalb der U-Bahnebenen sollen auch weiterhin erhalten bleiben. Die bestehenden U-Bahneingänge sollen im Rahmen der Instandsetzung durch Nachbauten der historischen Eingangsbögen aus Stahl/Glas von Alfred Grenander aus dem Jahr 1930 betont werden.

U-Bahneingang gestaltet von Alfred Grenander (1936)

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Zur Entlüftung der unterirdischen Ladenzone wurde vor kurzem mit dem Bau von vorläufig drei Entrauchungsanlagen begonnen, deren Anzahl mit der weitergehenden Instandsetzung des U-Bahnhofes auf insgesamt sieben erhöht wird. Die gestalterische Einbindung in den öffentlichen Raum des Alexanderplatzes wird Teil der Wettbewerbsaufgabe sein.

Entrauchungsturm (2003)

Straßenbahn

Fünf Straßenbahnlinien (2, 3, 4, 5 und 6) verkehren zum Alexanderplatz (Alex I). Das Gleisbett liegt oberflächenbündig in der Platzfläche, die Trasse quert in Nordost-Südwest-Richtung die Bahnbrücke und biegt in die Gontardstraße Richtung Karl-Liebknecht-Straße ab. Haltestellen befinden sich auf dem Alexanderplatz sowie in der Gontardstraße mit direkter Umsteigemöglichkeit zu den Regional-, Sund U-Bahnlinien. In der Dircksenstraße liegt die für die Neubaustrecke „Alex II“ geplante Haltestelle räumlich analog der Haltestelle in der Gontardstraße, so dass optimale Umsteigemöglichkeiten mit möglichst kurzen Fußwegen bestehen. Die in der Dircksenstraße geplanten Straßenbahnanlagen werden durch die Planfeststellung verbindlich. Für die Haltestelle Dircksenstraße wurde aus stadtgestalterischen Gründen eine gemeinsame Beleuchtung Straße/Straßenbahn geplant. Die Eindekkung der Gleise in der Dircksenstraße ab Höhe Warenhaus sowie in der Rathaus-

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straße (Fußgängerbereiche) erfolgen analog der Gleiseindeckung der heute schon vorhandenen Strecke „Alex I“ vorgesehen. Vom Alexanderplatz kommend ist eine weitere Strassenbahnführung entlang der Dircksenstraße in Richtung Karl-Liebknecht-Straße mittel- bis langfristig geplant (s. Informationsplan). Busverkehr Im äußeren Bereich des Alexanderplatzes verkehren sechs Buslinien (100,143,148,200,348, Schnellbus zum Flughafen Tegel/TXL) und zusätzlich zwei Nachtbuslinien (N8 und N65). Eine Bushaltestelle befindet sich Karl-Liebknecht-/Ecke Gontardstraße, eine weitere Bushaltestelle ist in der Straße Alexanderplatz nahe der kreuzenden Straßenbahn und eine dritte Bushaltestelle findet man Gruner- /Ecke Dircksenstraße. Das Gebiet um den Alexanderplatz liegt im Bereich der parkraumbewirtschafteten Zone. Im Wettbewerbsgebiet findet man zur Zeit lediglich wenige Stellplätze im Bereich Dircksenstraße nahe Karl-Liebkecht-Straße. Für eine Tiefgaragenzufahrt an der westlichen Brandwandseite des Berolinahauses liegt eine Baugenehmigung vor. Die Erschließung wird von der Karl-LiebknechtStraße und der Dircksenstraße über eine Fahrstuhlanlage erfolgen. Die Tiefgarage verfügt über eine Kapazität von ca. 20 Stellplätzen. Taxi-Stellplätze Vor dem park inn Hotel an der Straße Alexanderplatz und in der Dircksenstraße Richtung Karl-Liebknecht-Straße befinden sich Taxi-Stationen. Die derzeitigen Feuerwehrzufahrten befinden sich von der Dirksenstraße kommend zwischen Berolinahaus und Kaufhof und von der Straße Alexanderplatz aus neben der Straßenbahntrasse. Aufstellflächen sind vor dem Haupteingang des Kaufhofes und über dem 1975, nach einem U-Bahnbrand statisch verbesserten Tunnel der U2, südlich der Kaufhofpassage.

Ruhender Verkehr

Feuerwehrzufahrten

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Fußgänger

Der innere Bereich des Alexanderplatzes ist – abgesehen von der kreuzenden Straßenbahn - ein reiner Fußgängerbereich. Hauptbewegungsrichtungen liegen zwischen den Eingängen der ÖPNV-Bahnhöfe bzw. -Haltestellen und zwischen diesen und den Eingängen des Einzelhandels, des Hotels und den Gastronomiebetrieben. Die nordöstliche Ecke des Alexanderplatzes weist nur sehr geringe Passantenströme auf. Genaue Untersuchungen über das Passantenaufkommen und die Anteile des ÖPNV-Umsteige- bzw. Ziel- und Quellverkehrs liegen derzeit nicht vor. Man muss jedoch davon ausgehen, dass sich die Fußgängerbewegungen entsprechend der neuen städtebaulichen Figur ändern werden und infolge der künftigen Nutzungsintensivierung im Bereich des Alexanderplatzes im Vergleich zu heute deutlich ansteigen. Zur Erfassung des Fußgängerverkehrs wurden im Bereich der umlaufenden Hauptverkehrsstraßen 1996 Zählungen durchgeführt. Der Überweg über die Karl-Liebknecht-Straße zur Markthalle wurde von bis zu 1.000 Fußgängern in einer Stunde benutzt und wies das höchste Aufkommen innerhalb des Wettbewerbsumfeldes auf. Dagegen wird der Fußgängerüberweg über die Grunerstaße / Kongresshalle im wesentlichen nur von den Anwohnern des Bereichs der Alexanderstraße / Magazinstraße genutzt. An der Kreuzung Karl-Liebknecht-Straße / Memhardstraße / Alexanderplatz müssen derzeit noch Tunnel zur Straßenquerung benutzt werden. Die Fußgängerunterführungen wurden 1967 errichtet und liegen unmittelbar unter den Kreuzungsbereichen. Die Tunnelanlage Otto-Braun-Straße / Karl-Marx Allee / Alexanderplatz wird mittlerweile durch eine oberirdische Überquerungsmöglichkeit der Straße Alexanderplatz (Planstraße 1) ergänzt und liegt im Bereich zwischen Haus der Elektroindustrie und Haus des Reisens. Sie wurde im Zuge der Einrichtung der Straßenbahn geschaffen und wird stark frequentiert. Die vorhandene Fußgängerunterführung wird hauptsächlich als U-Bahn-Zugang und von Passanten aus der Richtung KarlMarx-Allee genutzt. Zukünftig werden die umliegenden Hauptverkehrsstraßen alle ebenerdig überquerbar gestaltet und die Tunnelanlage im Nordosten fällt weg.

Fußgängerströme heute.

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Radfahrer

Eine Knotenpunktzählung von 1996 zum Fahrradverkehr zeigt, dass die KarlLiebknecht-Straße ein hohes Radverkehrsaufkommen aufweist. Südlich der Memhardstraße liegen Querschnittswerte von bis zu 3.700 Radfahrern / 12 h vor. Im Zuge der Straße Alexanderplatz werden bis zu 2.000 Radler / 12 h gemessen. Die Grunerstaße passieren bis zu 1.000 Radfahrer / 12 h. Den Radfahrern stehen bisher in der unmittelbaren Umgebung kaum Radverkehrsanlagen zur Verfügung. Vor allem die Straße Alexanderplatz und Grunerstraße verfügen über keine durchgängige Radverkehrsanlagen. Die Dircksen- und Gontardstraße sind zurzeit nicht durchgängig befahrbar. Entlang der Karl-Liebknecht-Straße kann immerhin der Bussonderfahrstreifen von Radfahrern genutzt werden. Die Rathausstraße, die zwischen Jüdenstraße und Gontardstraße als Fußgängerzone ausgewiesen ist, verfügt über Markierungen, die den Europa-Radweg R1 verdeutlichen, der künftig über den Alexanderplatz führt. Hauptsächlich wird dieser Radweg von innerstädtischen Radfahrern (z.B. Humboldt-Universität - Richtung Prenzlauer Berg/Friedrichshain) genutzt. Die Umfahrung des Fußgängerbereiches, durch das Abknicken der Markierung an der Stadtbahnbrücke (Dircksenstraße / Alexanderhaus) vorgezeichnet, wird von den Radfahrern nur sporadisch angenommen. Sie überqueren den Platz in der Regel in Nord-Süd-Richtung parallel zur Straßenbahn. Die benachbarten Hauptverkehrsstraßen eignen sich wegen der Umwegempfindlichkeit des Radverkehrs und des hohen Verkehrsaufkommens nur unzureichend für den Radfahrverkehr. Mit dem Ausbau des Radverkehrsnetzes im Bezirk Mitte wird sich das Radverkehrsaufkommen weiter erhöhen. Im Bereich Unter den Linden kann das künftige Radverkehrsaufkommen eine Größenordnung von 15 – 20 % am Kfz-Aufkommen erreichen, was sich auch weiterhin über die Karl-Liebknecht-Straße bis hin zum Alexanderplatz auswirken wird. Am Eingangsbereich des R- und S-Bahnhofs sind an jeglichen Möglichkeiten parkende Fahrräder angeschlossen, ebenso an den Geländern des U-BahnhofEinganges Nähe Brunnen der Völkerfreundschaft.

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Übergeordnetes Freiraumsystem

2.08 Freiraumplanerische Rahmenbedingungen Durch die Stadtplanung der fünfziger und sechziger Jahre weist der Zentrumsbereich Mitte ein hohes Maß an öffentlichen und halböffentlichen Freiräumen auf. Der Alexanderplatz liegt in einer Achse von Freiräumen, die von gesamtstädtischer Bedeutung sind. Diese Achse nimmt ihren Ursprung am Brandenburger Tor und Pariser Platz, geht über die Straße Unter den Linden, vorbei am Bebelplatz und der Neuen Wache zum Schloßplatz und Lustgarten. Es folgen das Marx-Engel-Forum und die Grünanlagen am Fernsehturm. Das Ende dieser gesamtstädtisch wichtigen Freiräume bildet der Alexanderplatz.

Übergeordnetes freiraumsystem; Becker, Giseke, Mohren, Richard

Vegetationsbestand, Infrarotluftbild 2002

Grünanlagen der Umgebung

Die Grünanlagen des Marx-Engels-Forums wie des Fernsehturms in unmittelbarer Nachbarschaft zum Alexanderplatz sind symmetrisch und in der Formensprache der sechziger und siebziger Jahre gestaltet. Innerhalb raumfassender Baumreihen und -gruppen liegen Rasenflächen an einem rundlaufenden Spazierweg. Die

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Mittelachse wird durch geometrische Schmuckrabatten und Brunnenanlagen betont. Fast absolutistisch ordnen sich die Freianlagen als Kulisse dem Fernsehturm mit seinen expressiven Sockelbauten und Treppenanlagen, dem Neptunbrunnen von 1871 (sein ursprünglicher Standort war auf dem Schloßplatz) und dem Marx-Engels-Denkmal von 1986 unter. Grünrabatten grenzen den Freiraum zur Rathausstraße, mit seinen Hochbeeten hin ab. Die Marienkirche ist durch ihre Tieflage und die Abpflanzung in ihrer Wirkung reduziert. 2.09 Aktuelle Freiraumgestaltung Alexanderplatz Der Fußgängerbereich des Alexanderplatzes ist in seiner ursprünglichen Gestaltung von 1969 nur zum Teil erlebbar. Der Brunnen der Völkerfreundschaft liegt im Mittelpunkt einer gewaltigen ‚Schnecke‘, die sich durch unterschiedliche Materialien im Wegebelag linksdrehend und ebenerdig über den nach Nordosten offenen Platzbereich erstreckt. Eine kleinkronige Baumreihe von Kugelahornen nördlich des Berolinahauses und rotblühende Roßkastanien, Fahnenstangen und Pflanzflächen nördlich des Alexanderhauses betonen die Schnecke nach außen hin und versuchen eine räumliche Wirkung zu erzielen. Eine starke Zäsur der ursprünglichen Gestaltung erfuhr der Platz durch die Straßenbahn, die ihn von Norden in Richtung Rathausstraße kreuzt. Das Gleisbett und einige Meter im Umfeld wurden entsprechend dem Verlauf linear gestaltet und befestigt. Die genaue Grenze der Straßenbahn verläuft entlang des tiefgelegten Granit/Beton-Bordsteins.

Straßenbahnquerung im nordöstlichen Bereich des Platzes

An den Stirnseiten des Berolinahauses und in der Dircksenstraße befinden sich Hochbeete mit Betoneinfassung in unterschiedlicher Höhe. Die Beete sind bepflanzt, u.a. mit immergrünen Gehölzen und Bodendeckern. Eine Fassadenbegrünung kaschiert die westliche Brandwand des Berolinahauses. Zwei symmetrisch angelegte Freitreppen führen vor der südwestlichen Kaufhoffassade auf die Ebene des ersten Obergeschosses, wo ehemals Schaufenster sichtbar waren und die heute für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Um die Sockelbauten des park inn Hotels zieht sich eine fünfstufige Treppenanlage und an der Stirnseite nach Osten befinden sich abgepflanzte, durch Betonsteine gefasste Sitznischen. Sie sind von Laubbäumen überstanden.

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Begrünte Brandwand des Berolinahauses (links) und die Straßenbahnquerung (rechts)

Um die Leere des überdimensionierten Platzes zu reduzieren und die Aufenthaltsqualität im abgelegenen östlichen Teil des Alexanderplatzes zu verbessern wurde nach 1990 der steinerne Platz um mobiles Grün, wie Bäume in Pflanzkübeln, Rasen und Pflanzbeete, die auf den Steinbelag aufgebracht wurden, ergänzt. Brunnen der Völkerfreundschaft Die Materialien des Brunnens sind Kupfer, Glas, Beton und Email. Er hat einen Durchmesser von 23 m und eine Höhe von 6,20 m. In einem zweistufigen runden Becken sind 17 rhombenförmige Schalen aus getriebenem Kupfer als aufsteigende Spirale angeordnet. Das Wasser tritt in kleinen Fontänen aus und läuft von dort erst ins obere, dann ins untere Becken. Der Rand des inneren Becken ist farbig emailliert, die Spirale mit buntem Glas verziert (siehe auch Denkmalschutz). Die Weltzeituhr steht - im Gegensatz zum Brunnen - nicht unter Denkmalschutz; ihr Erhaltenswert ist jedoch unumstritten. Sie wurde 1969 aufgestellt und entworfen von Industrieformgestalter Erich John. 1997 wurde die Weltzeituhr saniert. Sie ist als erhaltenswertes Kulturgut einzustufen, da sie inzwischen zu einem charakteristischen Bestandteil des inneren Alexanderplatzes geworden ist und auf besondere Weise den Anspruch der damaligen Neugestaltung des Platzes als Hauptstadtforum der DDR mit internationalem Format repräsentiert. Die Weltzeituhr besteht aus Metall und Keramik und ist 6,50 m hoch. Auf einer hohen Säule, in deren oberem Teil sich vier Uhren befinden, dreht sich ein breiter Zylinder. Darauf kann man die Stunden, die geographische Darstellung der Länder und ihrer wichtigen Städte ablesen. Darüber dreht sich eine abstrakte Darstellung unseres Sonnensystems.

Weltzeituhr

Weltzeituhr

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Kunst

Eine Edelstahl-Plastik von Chr. G. Behrens steht innerhalb der Rasenrabatten östlich der Straßenbahn. Die Plastik wurde 1987 zu dem Thema „Brücken der Begegnung“ aufgestellt. Sie appelliert in einer Texttafel an Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit, Toleranz und Verständigung über Grenzen hinweg. (S. Abb. unten links) Im östlichen Bereich haben sich in den vergangenen Jahren verschiedene Einrichtungen etabliert. Dazu gehören ein Basketballfeld, ein Beachvolleyballfeld, ein aus Containern bestehender Aufenthalts- und Ausleihbereich und Skateelemente, welche von den unterschiedlichsten aktiven jungen Menschen genutzt werden und zum Teil von diesen eigenständig aufgebaut und betrieben werden. Dieser Bereich hat sich zu einem kommunikativen Ort entwickelt (siehe auch Platznutzung heute). In unmittelbarer Nähe zu den Jugendeinrichtungen befindet sich auf einer Sandfläche ein wenig genutztes Klettergerät für Kinder. Zum Straßenraum Richtung Karl-Marx-Allee und Autotunnel trennt eine Rahmenpflanzung aus rotblühende Roßkastanien innerhalb eines Hochbeetes den Jugendtreffpunkt ab.

Jugendtreffpunkt

Materialien

Die Materialauswahl auf dem Platz ist vielfältig. Hauptsächlich wurden Betonplatten und Betonwerksteine in verschiedenen Größen und Farbnuancen verbaut. Die Streifen der Spiralen sind durch kleinsteinige Natursteinpflasterbänder gestaltet, ein Raster von Kleinsteinpflasterlinien und Betongroßplatten prägt den äußersten ‚Schneckenring‘ im Osten.

Plastik von Chr. G. Behrens (links) und Beispiel für die verschiedenartige Pflasterung (rechts)

Inventar

Die funktional schlichten U-Bahnausgänge, gesichert durch Metallgitter, werden von den Radfahrern zum Anschließen ihrer Räder benutzt, da zu wenig Fahrradständer vorhanden sind. Fahrradständer in Bauart des ‚Kreuzberger Bügels‘ findet man an den U-Bahnausgängen Richtung Kaufhof/park inn Hotel und Richtung Alexanderhaus. In der Nähe der Straßenbahnhaltestelle befinden sich vier öffentliche Telefonanlagen in offener Bauart (Edelstahlsäulen). Sitzbänke sind in geringer Anzahl lediglich im östlichen Bereich vorhanden. Innerhalb des Platzbereichs, westlich des Berolinahauses, befinden sich drei Imbisseinrichtungen in feststehenden Pavillons und vor dem Kaufhof eine Schankwirtschaft/Pavillon mit Sitzbereich. Den Betreibern liegen z.T. längerfristige Nutzungs-

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konzessionen bis 2010 vor. Falls für Hochbaumaßnahmen (Warenhauserweiterung/ Tiefgarage) erforderlich, werden die Pavillons an Ersatzstandorte umgesetzt.

Imbisseinrichtungen westlich des Berolinahauses

Im nordwestlichen Winkel des Alexanderhauses steht ein Zeitschriftenkiosk nahe dem U-Bahnausgang. In den wärmeren Jahreszeiten ist in diesem Bereich auch eine Schankwirtschaft in einem kleinen Pavillon mit Sitzgelegenheiten im Freien angesiedelt. Weitere gastronomische Angebote findet man im Erdgeschoss der Sockelbauten des park inn Hotels, in den Bahnhofsbereichen und im Alexanderhaus.

Schankwirtschaft (oben) und Zeitschriftenkiosk (unten) im westlichen Winkel des Alexanderhauses

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Eine weitere saisonale Schankwirtschaft besteht in der kleinen Grünanlage an der östlichen Stirnseite des park inn Hotel-Sockelgebäudes. Toilettenhaus Zur infrastrukturellen Ausstattung des Platzbereichs zählt eine Toilettenanlage nördlich vom Berolinahaus. Im schlichten Stahl/Glas-Pavillon werden die Benutzer über zwei Treppen (Männer/Frauen) zu den Toilettenkabinen im Untergeschoss geführt. Der Fa. Wall AG liegt die Baugenehmigung zum Umbau der Toilettenanlage vor; sie wird kurz- bis mittelfristig mit der Baumaßnahme beginnen. In das neue Gebäude wird auch ein Kiosk integriert sein.

Planung Umbau Toilettenhäuschen, Schöne Architekten Berlin

Beleuchtung

Die Beleuchtung des Platzes und der Dircksenstraße gewährleisten fünf verschiedene Mastleuchtentypen: Lichtmasten Typ Staßfurt 24-26 m, Bühne mit Kastenleuchten,

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LBL (Leuchtenbau Leibzig), Aufsatzleuchte 17 m – Mastleuchte mit fünf Auslegern Industria, Aufsatzleuchte Whitecroft 2020, Masthöhe 5 m Semperlux, Urbi 2 im Bereich der Straßenbahnhaltestelle Pößnecker Aussenleuchten, 5 m Mastleuchte mit Glaskugelauslegern, Dircksenstraße

LBL (Leuchtbau Leibzig), Aufsatzleuchte 17m - Mastleuchte mit fünf Auslegern

Pößnecker Aussenleuchten, 5m Mastleuchte mit Glaskugelauslegern

Industria, Aufsatzleuchte Whitecroft 2020 SDM, Masthöhe 5m

Industria, Aufsatzleuchte Whitcroft 2202 LNN

Semperlux, Urbi 2, im Bereich der Straßenbahnhaltestelle

Klima und Lufthygiene, Lärm

Das Klima in Berlin ist gekennzeichnet durch ein trockenwarmes (Sommer) und trockenkaltes (Winter) kontinentales Klima mit geringen Niederschlägen zwischen 530 und 600 mm/Jahr. Dabei können im Sommer gerade in der verdichteten Innenstadt Temperaturen im Extrem weit über 30°C und im Winter unter – 15°C liegen. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 9°C. Die Hauptwindrichtung ist westlich, aber auch trockene Ostwinde und Südwinde treten auf. Im langjährigen Mittel ist im Bereich Alexanderplatz mit 43 Sommertagen (max. Lufttemperatur > 25°C) bzw. 9 heißen

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Tagen (max. Lufttemperatur > 30°C) zu rechnen. In extremen Sommern liegt die Häufigkeit warmer bzw. heißer Tage noch um einiges höher.

Bodennahes Temperaturfeld am 7./8. Juli 1991 um 15 Uhr

Besonnung

Die Besonnungsverhältnisse werden als gut bewertet, denn der innere Alexanderplatz weist sowohl sowohl im Ist- wie auch im Planungszustand nur eine geringe Verschattung auf.

Verschattung am 21. Juni um 13.00 Uhr (links) und um 18.00 Uhr (rechts)

Wind

Die neue städtebauliche Figur mit den geplanten Hochhäusern wird Auswirkungen auf die Windverhältnisse auf dem Alexanderplatz und seinem Umfeld haben. Während südlich des Baufeldes D3 das Verweilen in Cafés oder Sitzplätzen angenehm sein wird, eignet sich der Ort zwischen Baufeld D2 und D7 (Eingänge der Passage) nur zum kurzen Aufenthalt. Der Wind im Durchgang zwischen den Baublöcken D3 und D4 lässt Menschen problemlos entlang gehen, jedoch wird er östlich des Blockes D4 lästig und unangenehm sein. Auch bei den Passageneingängen Karl-Liebknecht-Straße und der heutigen Straße Alexanderplatz wird der Windkomfort gering ausfallen. Deshalb lässt der B-Plan in den letztgenannten Bereichen mit geringem Windkomfort die Installation von Vordächern als Windschutzmaßnahme zu.

Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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Nutzungsmöglichkeiten im Bezug auf Windkompfort

Lufthygiene

Die durch den Verkehr verursachten Emissionen (organische Dämpfe, Gase, Stickoxyde) liegen bei den Hauptverkehrsstraßen am Alexanderplatz äußerst hoch. Dies resultiert aus der Funktion des Gebietes um den Alexanderplatz als innerstädtischer Verkehrsknotenpunkt. In der Karl-Liebknecht-, Gruner und heutigen Straße Alexanderplatz werden die Emissionen von Kohlenmonoxyd, Stickoxyd, Dieselruß und Benzol mindestens doppelt so hoch liegen wie im inneren Platzbereich. Ein Gutachten kommt unter Berücksichtigung des neuen Städtebaus zu dem Ergebnis, dass im Kernbereich Alexanderplatz kaum mit lufthygienischen Problemen zu rechnen ist, da die beplante Bebauung für eine ausreichende Abschottung vom Straßennetz sorgt. Die Ergebnisse der Prognoserechnung Tag und Nacht zum Lärm ergeben, dass der innere Kommunikationsbereich Alexanderplatz und die Dircksenstraße gut nutzbar sind. Das gilt für die Nutzung am Tage wie auch in der Nacht.

Lärm

Kfz- und Schienenlärmbelastung

Ver - und Entsorgungsleitungen

Im Wettbewerbsgebiet des Alexanderplatzes verlaufen zahlreiche Leitungen der Versorgungswerke. Dazu zählen folgende relevante Leitungen im inneren Alexanderplatzbereich: Trinkwasser- und Abwasserleitungen (Mischwassersystem), Elektronetzleitungen und Medienversorgung mit den entsprechenden Wartungsschächten. Die Straßenbahn verfügt über eine eigene Elektrotrasse unter Niveau, wodurch die Oberleitungen gespeist werden.

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Aus wirtschaftlichen Gründen wird auch in Zukunft von dem vorhandenen Versorgungsnetz ausgegangen. Lediglich die dringend notwendigen Änderungen, die der neue Städtebau erforderlich macht, d.h. die Ver-/Entsorgung der neuen Gebäude und die Entwässerung und Stromversorgung des neu zugestaltenden Platzes, werden durchgeführt. Da noch keine konkreten Architekturpläne vorliegen, ist es nicht möglich, detaillierte Angaben zur Erschließung der zukünftigen Gebäude mit Ver-/ Entsorgungsleitungen zu machen.

2.10 Platznutzung heute Der Freiraum des inneren Alexanderplatzes ist Fußgängern und Radfahrern vorbehalten. Die meisten Nutzer sind Passanten, die auf direktem Wege ihre Ziele, wie Geschäfte oder Haltestellen ansteuern, ohne auf dem Platz zu verweilen. Der Alexanderplatz ist jedoch auch ein Aufenthaltsort. Vor allem junge Menschen treffen sich auf dem gesamten Platz und beleben ihn. Sie halten sich am Brunnen der Völkerfreundschaft auf, sitzen auf den südexponierten Treppenstufen oder nutzen die dort gelegenen gastronomischen Angebote. Der Platz dient auch als Bühne für Musikanten und Straßenkünstler. Zwischen den Imbissläden an der Brandwand des Berolinahauses, dem Kaufhof und dem Bahnhofseingang Dircksenstraße treffen sich häufig verschiedene Gruppierungen. So fallen besonders trebegehende (junge) Menschen und „Punks“ ins Auge. Dieser Bereich gilt, nicht zuletzt wegen fehlender Treffmöglichkeiten am Platz, als guter Treffpunkt, aber auch als ein Ort zum „schnorren“. Zudem haben sich an dieser Stelle auch sogenannte „Hütchenspieler“ etabliert, die dort ihrem illegalen Geschäft nachgehen. Die Polizei hat den Alexanderplatz aufgrund verschiedener Delikte, wie Taschendiebstähle, Hütchenspiele, Raub u.ä. als „gefährlichen Ort” eingestuft. Durch ständige Präsenz von Sicherheitsdiensten und Polizei wird versucht, dem Sicherheitsbedürfnis der Passanten und Geschäftsleute Rechnung zu tragen.

Teil 2 Situation und Planungsvorgaben

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Weltzeituhr

Die Weltzeituhr ist ein über Berlin hinaus bekannter Punkt und sicherlich ein Wahrzeichen des Alexanderplatzes, das als Treffpunkt für Verabredungen in Anspruch genommen wird; außerdem kann man sich unter ihr bei nassem Wetter unterstellen. Kinder und Jugendliche der umliegenden Wohngebiete und aus dem gesamten Berliner Stadtraum empfinden den Alexanderplatz als einen attraktiven Treff- und Aufenthaltsort. Dabei ist zu bemerken, dass die jungen Menschen aus unterschiedlichsten sozialen und familiären Situationen stammen und den Platz als Begegnungsort nutzen. Das Projekt „Berlin Alexanderplatz, ein Platz für junge Menschen“ bringt sich seit 1998 mit der Unterstützung des Bezirksamtes Mitte und der Bürgerstiftung Berlin belebend und gestaltend am Alexanderplatz ein. Es erfasst die Belange junger Menschen an diesem Platz und arbeitet eng mit den verschiedenen Straßensozialarbeitsprojekten zusammen. So ist am östlichen Bereich des Platzes in den letzten Jahren ein belebter Bereich entstanden, der durch einen Jugendservicebereich, einen kostenfreien Ausleihbereich und die verschiedenen weiteren (Beschäftigungs-) Möglichkeiten wie Skaten, Basketball, Beachvolleyball, Kinderspielanlage sowie begrünten Sitzmöglichkeiten immer mehr Zulauf erfahren hat. Bemerkenswert ist die besondere Eigenverantwortung der jungen Menschen, mit der sie die Angebote geschaffen haben und sie auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten erhalten. Die Identifikation dieser jungen Menschen mit dem Alexanderplatz ist erstaunlich hoch.

Jugend

Skate- und Basketballreinrichtungen im Bereich des Baufeldes D4

Sonderveranstaltungen

Besonders der Bereich zwischen den Sockelbauten des park inn Hotels, Kaufhof und Berolinahauses wird mehrfach im Jahr durch kommerzielle Sonderveranstaltungen genutzt. Ostermarkt, Herbstwochen, Weihnachtsmarkt oder Brotfest sollen zum Bummeln und Verweilen einladen. In dem Zusammenhang werden auch kleine Schaustellerangebote, Eisbahn und Festzelt aufgebaut. Die Marktstände sind

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meist einheitliche Holzhäuschen, die jedoch dem Gestaltungsanspruch des modernen Alexanderplatzes kaum genügen dürften.

Weihnachtsmarkt im westlichen Bereich des Alexanderplatzes

Treffpunkt zwischen Bahnhofseingang und Warenhaus

Das Spektrum möglicher Sonderveranstaltungen wird dadurch eingeschränkt, dass grundsätzlich die U-Bahnanlagen nicht mit Schwerlastfahrzeugen über 2 t/m² überfahren werden dürfen. Auch nicht kommerzielle Feste haben auf dem Alexanderplatz Tradition, wie Solidaritätsbasare, der Umwelt- und Gesundheitsmarkt, InterAktiv und Crossover, die in der Regel den gesamten Bereich um den Brunnen beleben und nutzen.

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Teil 3 Wettbewerbsaufgabe 3.01 Übergeordnete Zielsetzung Der Anspruch und Maßstab für die Neugestaltung des Alexanderplatzes leitet sich aus verschiedenen Schichten seiner Vergangenheit wie auch aus seinen inzwischen deutlicher konturierten Zukunftsperspektiven ab. Da ist zunächst der Mythos des Großstadtplatzes, der in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts begründet wurde: Der Alexanderplatz als ein dynamischer Ort des Handels und Wandels, eine städtische Drehscheibe mit quirligem Leben, geprägt durch Verkehr und Lichtinszenierungen, ein Platz, der Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten gleichermaßen anzieht und nebeneinander verträgt. In der Nachkriegszeit etablierte sich der Alexanderplatz als der zentrale Einkaufsort für den Ostteil Berlins und als Treffpunkt der Ostberliner. Diese Tradition soll weiterhin die Identität des Alexanderplatzes mit bestimmen. Deshalb sollen der Brunnen der Völkerfreundschaft und die Weltzeituhr Festpunkte der neuen Platzgestaltung sein. Als Schauplatz der friedlichen Revolution von 1989 hat der Alexanderplatz Bedeutung als Bühne der freien und demokratischen Meinungsäußerung erlangt. Zahlreiche Kundgebungen und Demonstrationen fanden und finden seither dort statt. Diese Möglichkeit soll der neue Alexanderplatz als Ort höchsten Öffentlichkeitswertes auch in Zukunft eröffnen und zwar im Sinne eines Platzes für die Masse wie auch für die individuelle Darstellung im Sinne einer Bühne oder „Speakers Corner“. In den vergangenen Jahren hat sich der Alexanderplatz in dem Prozess der fortschreitenden inneren Wiedervereinigung zunehmend zum gesamtstädtischen Bezugspunkt der Berliner entwickelt. Hier trifft sich beispielsweise eine vielfältige Szene von Jugendlichen aus allen Teilen Berlins. Ziel ist, den Alexanderplatz zu einem Platz aller Bürger werden zu lassen, einen öffentlichen Raum, der als integrativer Ort dazu beiträgt, den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft zu ermöglichen. Vor Beginn dieses Wettbewerbs wurde eine interaktive Bürgerbeteiligung in Form von Online-Foren und einer Präsenzveranstaltung durchgeführt. Hieraus ist ein breites Spektrum von Ideen und Anforderungen der Teilnehmenden an die Gestaltung des Alexanderplatzes entstanden, das die Vielfalt der unterschiedlichen Nutzer des Platzes widerspiegelt. Von den Wettbewerbsteilnehmern wird erwartet, dass sie sich intensiv mit den geäußerten, teilweise auch widersprüchlichen Vorstellungen der Bürger auseinandersetzen. Die Teilnehmer können Ideen aus der Bürgerbeteiligung aufgreifen und in ihren Entwurf einfließen lassen, sofern dem nicht zwingende Rahmenbedingungen der Auslobung, z.B. in bautechnischer, funktionaler, rechtlicher oder wirtschaftlicher Hinsicht entgegenstehen. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung sind im Anhang zusammengefasst. Eine vollständige Dokumentation aller Beiträge ist im Internet unter www.alex.cityandbits.de einzusehen. Überlagert werden die vielfältigen Zielsetzungen durch die bewusste Berücksichtigung von gender mainstreaming, das eine Geschlechtergerechtigkeit für alle Nutzungsansprüche und Funktionen im öffentlichen Raum zum Ziel hat. Unterschiedliche Ansprüche, die aus dem „sozialen Geschlecht“ für Frauen und Männer herzuleiten sind, müssen in der Planung berücksichtigt werden und nachvollziehbar sein. Die geplanten städtebaulichen Veränderungen bedeuten für die Platzgestaltung vor allem eine Veränderung des heutigen offenen Platzes zu einem kleineren, geschlossenen Raum. Schon heute ist absehbar, dass mit der signifikanten Hochhauskulisse am Alexanderplatz ein einzigartiger Anziehungspunkt entstehen

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wird, im Zusammenspiel mit dem Fernsehturm ein neues Wahrzeichen Berlins. Der Alexanderplatz wird also in Zukunft nicht nur ein Platz aller Berlinerinnen und Berliner sein, sondern darüber hinaus auch ein Platz für die Besucherinnen und Besucher der Stadt aus aller Welt. Deshalb erwartet der Auslober einen Entwurf für die Platzgestaltung, der die Unverwechselbarkeit des neuen Alexanderplatzes unterstreicht und seiner Bedeutung als Visitenkarte der Stadt gerecht wird. 3.02 Verkehr Mit der Bebauungsplan-Festsetzung als Fußgängerbereich wird der Alexanderplatz, wie in den 1960er Jahren angelegt, ein Platz bleiben, der weitgehend den Fußgängern vorbehalten ist. Allerdings werden sich durch die neuen städtebaulichen Rahmenbedingungen die Benutzungsintensität sowie die Bewegungsmuster auf dem Platz gegenüber der heutigen Situation erheblich verändern. Gleichzeitig werden die Ansprüche der Nutzer an die Platzgestaltung wachsen: Sicherheit/Vermeidung von Angsträumen, Erreichbarkeit und die Gestaltung von Aufenthaltsbereichen werden von Frauen und Männern in ihren jeweiligen Altersklassen unterschiedlich wahrgenommen und bewertet. Hierbei sind von den Wettbewerbsteilnehmern insbesondere folgende Aspekte zu berücksichtigen: Durch die vorgesehene hohe bauliche Verdichtung und die damit einhergehende Ansiedlung von Citynutzungen um den Platz herum ist eine deutliche Steigerung der Besucherfrequenz zu erwarten. Zugleich wird die Platzfläche durch Inanspruchnahme des Baufeldes D4 erheblich verkleinert. Das aus heutiger Sicht fußgängerunfreundliche System der unterirdischen Anbindung des Platzes wird aufgegeben, die in der Nachkriegszeit geschaffenen Fußgängertunnel werden weitgehend beseitigt. Stattdessen wird der Alexanderplatz durch ein wesentlich engmaschigeres Netz oberirdischer Fußgängerübergänge, das sich an der Blockstruktur und dem System der Straßenräume orientiert, besser in sein Umfeld eingebunden. Der Alexanderplatz ist eine der wichtigsten Drehscheiben im Berliner ÖPNV- und Regionalbahnnetz. Die Passantenströme auf dem Platz werden weiterhin ganz wesentlich durch die verschiedenen, weitestgehend schon vorhandenen Einrichtungen des öffentlichen Personenverkehrs bestimmt. Die überregionale und innerstädtisch bedeutsame Fahrradroute R 1 wird den Alexanderplatz in beiden Richtungen östlich der Strassenbahntrasse überqueren. Der Fahrradweg ist funktional und gestalterisch in den Platz zu integrieren, dabei wird eine Gestaltung erwartet, die dem Radfahrer den Stadtplatz als ausgewiesenen Fußgängerbereich deutlich macht und zur Vorsicht mit entsprechendem Fahrverhalten anhält. Zusätzlich zu den Fahrradstellplätzen auf den Privatgrundstücken (Berliner Bauordnung) sind Fahrradabstellanlagen für mindestens 250 Fahrräder vorzusehen, deren Anordnung möglichst dezentral und in Zuordnung zu den Gebäudenutzungen und den Einrichtungen des ÖPNV erfolgen sollte. Die Erschließung des innerhalb des Fußgängerbereiches liegenden Berolinahauses wird über die Dircksenstraße von der Karl-Liebknecht-Straße aus erfolgen. Die genehmigte Eingangssituation der Tiefgarage von Westen mit Aufzugssystem für 20 Stellplätze ist zu berücksichtigen. Das Alexanderhauses ist von der Grunerstraße aus über die Dircksenstraße erschlossen. Eine Befahrbarkeit des inneren Platzbereiches für Anlieferung und Entsorgung in Verbindung mit den Nutzungen in den Gebäuden rund um den Platz ist nicht erforderlich. Lediglich für Rettungs- und Wartungsdienste, Stadtreinigung und Sonderveranstal-

Fußgängerströme

Fahrräder

Kraftfahrzeuge

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tungen auf dem Platz ist die Befahrbarkeit sicherzustellen. Grundsätzlich dürfen U-Bahnanlagen nicht mit Schwerlastfahrzeugen (max. 2 t/m²) überfahren werden. Es werden Vorschläge erwartet, wie eine unkontrollierte Befahrung der Platzfläche verhindert werden kann. Erschließung Ausgehend vom neuen Städtebau ist zu beachten, dass die Zugänglichkeit der Gebäude an den Eingängen im inneren Alexanderplatzbereich gewährleistet bleiben muss. Die Ladenzonen befinden sich an der zum Platz gewandten Seite. Diese sollten im Hinblick auf die Zugänglichkeit der Geschäfte oder Cafés barriereund stufenfrei und vom Platz aus gut erkennbar sein. An den Haupteingangsbereichen, deren genaue Lage z.Z. nicht bekannt ist, werden Aufstellflächen für die Feuerwehr zu berücksichtigen sein. Man kann jedoch davon ausgehen, dass entlang der Ladenzone der zum Platz ausgerichteten Fassaden eine Vielzahl von Ladeneingängen liegen werden. Deshalb sollten die zum Platz gewandten Seiten - mit Ausnahme des Berolinahauses - zu umfahren sein. Des weiteren müssen alle Bahnhofseingänge (R-, S- und U-Bahn) mit Löschund Rettungsfahrzeugen erreichbar sein. Die Feuerwehr benötigt für ihre 12 t schweren Fahrzeuge eine befahrbare Breite von 3 m und eine Aufstellfläche (Haupteingänge) von 7 m x 12 m. Stufen sind in den Zufahrtsbereichen nicht gewünscht; Stufen höher als 8 cm sind nicht zulässig. Die überdachten Passagen sind für die Feuerwehr nicht als Rettungswege zulässig. Die Trasse und die Haltestelle der Straßenbahn sind in ihrer Lage und technischen Ausstattung planfestgestellt. Eine Veränderung der Gleislage, der Fahrleitungsanlagen und der Lage und Ausprägung der Haltestellen sowie der Bahnsteige ist nicht möglich. Ein Gestaltungsspielraum besteht jedoch hinsichtlich der Beläge sowie der verwendeten sekundären Ausstattungselemente wie Geländer, Wartehäuschen etc. Eine Veränderung der Gleiseindeckung ist mit einem hohen Aufwand verbunden, da die Entnahme der Eindeckung das statische System der auf dem Platz verlegten Gleise gefährdet und letztlich ein Neubau der Trasse notwendig würde. Nach Angaben der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) entspricht der Kostenaufwand EUR 4.000 pro laufendem Meter Doppelgleis. Die gestalterische Wahrnehmbarkeit der Straßenbahntrasse ist zu gewährleisten. Die in Betonplatten ausgeführten Anpassungbereiche im Längsverlauf der Trasse sind nicht Bestandteil der Bahnanlage. Die stufenlose Anrampung an die Haltestelle U Alexanderplatz ist zu beachten. Die Ausstattung der Haltestellen entspricht dem Corporate Design der BVG. Ende 2003 werden die Haltestellen mit dynamischen Fahrgastinformationseinrichtungen ausgestattet. Eine Veränderung der Fahrgastinformationseinrichtung ist nicht möglich. Eine Veränderung der Wartehallen sollte unter dem Gesichtspunkt der Wartung und Vandalismusresistenz möglichst unterbleiben. Veränderungsvorschläge sollten auf dem Standardwartehallenraster aufbauen, da ansonsten eine kostengerechte Wartung nicht möglich ist. Vorschläge, die in irgendeiner Art die Anlagen der Straßenbahn verändern oder zu Veränderungen führen, sind aus der Bausumme der Platzgestaltung zu finanzieren, in der für die Trasse und Haltestelle der Straßenbahn keine Mittel vorgesehen sind. Die BVG plant in den kommenden Jahren eine Grundinstandsetzung ihrer U-Bahnanlagen, die sich eng am heutigen Bestand orientiert und im Wesentlichen lediglich folgende Veränderungen vorsieht: die Installation von Aufzügen, von denen zwei auf der Platzoberfläche erscheinen und deren Dachüberstand auf der Platzebene

Feuerwehr

Straßenbahn

U-Bahn-Anlagen

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-

gesichert werden sollte sowie der Neubau einer Treppenanlage am nordöstlichen Bahnhofskopf der U 5 im Zuge der Beseitigung des dortigen Fußgängertunnel-Systems.

Die Gestaltung der bestehenden U-Bahn-Treppenanlagen wird sich an der historischen Situation (Grenander) orientieren. Die Übertragung der historischen Gestaltung von Grenander auf die neue Treppenanlage am nordöstlichen Bahnhofskopf der U 5 wird aufgrund der Verbreiterung durch die Rolltreppen in Frage gestellt. Hier wird von den Teilnehmern eine zukunftsweisende Interpretation unter Verwendungen der historischen Materialien (Stahl/Glas) erwartet, die den veränderten Proportionen Rechnung trägt. Eine Überdachung der U-Bahn-Eingänge ist nicht vorgesehen. Von diesem Minimalkonzept der BVG hat der Entwurf zur Gestaltung des Alexanderplatzes auszugehen. Auf dieser Grundlage können die Teilnehmer jedoch weitergehende Vorschläge unterbreiten, wie die Beziehung zwischen den U-Bahnanlagen und der Platzoberfläche gestärkt werden kann. In Anbetracht der angespannten Lage der öffentlichen Haushalte kommen hierzu jedoch nur gezielte und begrenzte Vorschläge in Betracht. Zurzeit stehen für solche weitergehenden Maßnahmen keine Mittel zur Verfügung. Die BVG plant über die drei im Bau befindlichen Entrauchungstürme hinaus weitere vier Entrauchungsanlagen (Höhe 5-6 m), die zukünftig die U-Bahn-Einrichtungen entlüften. Die Standorte von sechs Anlagen sind noch im Platz geringfügig verrückbar; die Gestaltung aller sieben Entrauchungstürme ist Teil der Wettbewerbsaufgabe (s. Abb. Seite 44). Gemäß den „Technischen Vorschriften für Baumaßnahmen von Dritten an den Anlagen der U-Bahn oder in deren Nähe“ sind Baumpflanzungen im Bereich von U-BahnAnlagen grundsätzlich nicht gestattet. 3.03 Nutzung und Ausstattung Der Alexanderplatz ist so zu gestalten, dass er der zu erwartenden außerordentlichen Nutzungsintensität, insbesondere als Drehscheibe des Fußgängerverkehrs, gewachsen ist. Dies erfordert für die Platzfläche ein Höchstmaß an Nutzungsneutralität und –flexibilität. Eine dauerhafte, baulich verfestigte exklusive Nutzung von Teilen des Platzes durch einzelne Einrichtungen oder Gruppen ist hiermit nicht oder kaum zu vereinbaren. Es sollen aber weiterhin Möglichkeiten der Begegnung und des Aufenthalts gegeben sein. Da die Erhaltung des heutigen Jugendservicebereiches auf dem zukünftigen Baufeld von Hines (D4) nicht möglich sein wird, müssen neue Wege gefunden werden, um die kommunikative Funktion, nicht jedoch die baulichen Einrichtungen dieses Bereiches auf den verbleibenden Platz zu übertragen. Dabei ist besonders auf die Nutzbarkeit des Platzes durch unterschiedliche Gruppen Wert zu legen, was dem Beschluss der BVV Mitte, den Platz als einen attraktiven Treffpunkt für junge Menschen zu gestalten, Rechnung trägt. Es soll damit interkulturelle und intergenerative Begegnung und Kommunikation möglich werden. Ziel ist, den heute bestehenden Jugendservicebereich im Umfeld des Fernsehturms und somit in unmittelbarer Nähe des Alexanderplatzes anzusiedeln.

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Zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität soll der Alexanderplatz öffentliche Sitzmöglichkeiten bieten. Hierzu sowie zur ergänzenden Ausstattung (Abfallbehälter ggf. Trinkbrunnen etc.) werden Vorschläge zur Anordnung und Gestaltung erwartet. Sonderveranstaltungen Der Alexanderplatz soll auch weiterhin eine Vielfalt temporärer Nutzungen zulassen, zum Beispiel für saisonale Märkte, Veranstaltungen, Versammlungen und Kundgebungen politischer, kultureller und auch kommerzieller Art. Ein Teil der Fläche, die bislang besonders intensiv für solche Nutzungen beansprucht wurde, steht wegen der Erweiterung des Baufeldes D 7 in den Platz hinein künftig nicht mehr zur Verfügung. Von den Teilnehmern werden Vorschläge zur Anordnung von temporären Nutzungsbereichen, z.B. für Weihnachtsmarkt, Eisbahn oder Bühne mit einer Größe von insgesamt ca. 400 m² erwarten. Es ist zu beachten, dass der innere Alexanderplatz nur bedingt befahrbar ist. Dadurch sind Veranstaltungen, die Schwerlast-Installationen erfordern, ausgeschlossen. Die erforderlichen Medienanschlüsse sind in der Platzfläche vorzusehen. Dabei ist besonders darauf zu achten, dass es sich um wenige, wartungsextensive und unkompliziert zu bewirtschaftende, d.h. für den Bezirk Mitte kostengünstig abzurechnende Medienanschlüsse handeln sollte (detaillierte Angaben). Die möglichst nutzungsneutrale Gestaltung der Platzfläche sollte auch berücksichtigen, dass später in begrenztem Umfang Nutzungsrechte für private Schankbereiche auf dem Platz in Zuordnung zu gastronomischen Einrichtungen in der Randbebauung vergeben werden können. Hierzu werden Vorschläge erwartet. Der Brunnen der Völkerfreundschaft und die Weltzeituhr sind an ihrem heutigen Standort zu erhalten und in die Neukonzeption des Platzes einzubeziehen. Die Plastik von Chr. G. Behrens „Ein Zeichen“ wird in ihren Proportionen ihrem Standort in der Mitte des Platzes nicht gerecht und deshalb für den Platzentwurf zur Disposition gestellt. Die Teilnehmer können Vorschläge für eine Aufstellung an einem anderen, geeigneteren Standort unterbreiten. Ebenso ist es den Wettbewerbsteilnehmern freigestellt, die private Initiative zur Neuschaffung der monumentalen Berolina-Figur, die zunächst am Potsdamer Platz und später auf zwei verschiedenen Positionen auf dem Alexanderplatz stand, aufzugreifen und diese in ihren Entwurf zu integrieren. Die öffentliche Toilettenanlage, die in Kürze von der Fa. Wall übernommen und umgebaut wird, ist entsprechend dem Bauantrag als Bestand zu übernehmen. Dagegen sind die drei Imbissstände vor der nordwestlichen Giebelwand des Berolinahauses (Pavillons) im Entwurf nicht zu berücksichtigen. 3.04 Gestalterische Zielsetzungen Der Alexanderplatz soll im Zusammenwirken mit dem städtebaulichen Konzept einen Charakter als unverwechselbarer Ort und Fokus öffentlichen Raumes erhalten. Er soll als eher steinerner Platz insbesondere einen Widerpart zum westlich gelegenen grün geprägten Bereich Marx-Engels-Forum / Fernsehturm bilden. Ziel ist, eine deutliche gestalterische Aufwertung des Platzes zu erreichen, die seiner künftigen Umbauung und seinen zentrumsbezogenen Nutzungen gerecht wird. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Gestaltung von verschiedenen Nutzern wie auch von Frauen / Mädchen und Männern / Jungen unterschiedlich empfunden wird. Die entwurflichen Vorschläge zur Platzfläche und den Ausstattungselementen müssen daher nicht nur einem hohen Qualitätsmaßstab standhal-

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ten, sondern auch integrativ wirken. Im Hinblick auf den langen Realisierungszeitraum und die schwierige finanzielle Lage Berlins erwartet der Auslober eine zeitlose, nachhaltige und somit solide Platzgestaltung, die den Ansprüchen der Benutzer auch in vielen Jahren noch Rechnung trägt und die Tradition hochwertiger Stadtplätze in Berlin zeitgemäß fortsetzt. Es soll ein großstädtisch und großzügig wirkender Ort entworfen werden, dessen räumliche Begrenzungen unterstrichen und nicht verdeckt werden sollten. Sichtbeziehungen auf die Platzbebauung sollten gewährleistet sein und den Platz als Ganzes wirken lassen. Der Platz soll eine gestalterisch eher ruhige und nutzungsneutrale Oberfläche erhalten, die mit einer auf das notwendige reduzierten öffentlichen Möblierung ausgestattet ist. Die Platzflächen vor den Sockelzonen der Gebäude sind barrierefrei zu gestalten. Auch sollte der Anschluss der Platzfläche an die Gebäude niveaugleich hergestellt werden. Eine intensive Auseinandersetzung mit der Gestaltung im Detail ist gewünscht. So wird beispielsweise eine angemessene Gestaltung/Einbindung der Entrauchungsanlagen, der Radabstellanlagen und der Marktstände erwartet. 3.05 Belange behinderter Menschen Bei der Gestaltung sind die Belange der Behinderten zu berücksichtigen. Zur Orientierung für Blinde und Sehbehinderte ist eine taktil wahrnehmbare Wegebeziehung (glatte Gehbahn, Einfassung mit Mosaikpflaster) anzulegen, die den S-Bahn-Ausgang zwischen Berolinahaus und Kaufhof mit dem Zugang zur U2 und der Straßenbahnhaltestelle auf dem Alexanderplatz verbindet. Der Radweg und die Straßenbahntrasse sind ebenfalls für Blinde und Sehbehinderte taktil und kontrastreich wahrnehmbar zu gestalten. 3.06 Materialien Der vorhandene Platzbelag wird zur Disposition gestellt. Die gewählten Materialien sollen pflegeleicht und möglichst resistent gegen Zerstörung sowie einer hohen Nutzungsintensität gewachsen sein. 3.07 Bäume Innerhalb der „Verkehrsfläche mit besonderer Zweckbestimmung Fußgängerbereich“, d.h. für die öffentlichen Flächen des Alexanderplatzes einschließlich des außerhalb des Wettbewerbsgebietes liegenden Abschnitts der Dircksenstraße zwischen Rathaus- und Grunerstraße sind gemäß dem Bebauungsplan 50 Laubbäume mit einem Stammumfang von mindestens 0,2 m zu pflanzen und zu erhalten. Bei der Zahl der zu pflanzenden Bäume sind die vorhandenen Bäume einzurechnen. In der Dircksenstraße am Alexanderhaus sind 10 Laubbäume im Bestand, die nicht zur Disposition stehen. In der Entwurfsplanung für die Dircksenstraße sind sieben Baumstandorte enthalten, die jedoch nicht verbindlich sind. Das heißt, dass im Bereich des Realisierungsteils und des Ideenteils Dircksenstraße insgesamt 40 Neupflanzungen vorgenommen werden müssen, wenn der alte Baumbestand aufgegeben wird. Der nach Umsetzung des städtebaulichen Konzeptes auf dem Alexanderplatz noch verbleibende Teil des Baumbestandes wird zur Disposition gestellt. Im Bereich der U-Bahnanlagen der U2, der U8 und der unterirdischen Verteilerebene sind keine Baumplanzungen möglich (s.o.). Grundsätzlich sind die Leitungstrassen nicht mit Bäumen zu überpflanzen. In Ausnah-

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mefällen gibt es im Bereich von Trinkwasserleitungen und im Bereich von Elektroleitungen die Möglichkeit der Überpflanzung. Die Mischwasserkanalisation und die Straßenbahntrasse incl. ihrer Elektrotrasse sind von Baumpflanzungen freizuhalten. 3.08 Beleuchtung Dem Beleuchtungskonzept des Alexanderplatzes kommt als Gestaltungselement zur Unterstreichung der Identität sowie zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität nach Einbruch der Dunkelheit eine besondere Bedeutung zu. Die auf dem Alexanderplatz vorhandenen Leuchten stehen zur Disposition. Bei der Wahl der Leuchten ist der Aufwand für deren Wartung zu berücksichtigen. Die vorhandenen Elektoleitungen/ Beleuchtungkörper können im Rahmen des neuen Beleuchtungskonzeptes verändert werden. Die DIN 5044, Ortsfeste Beleuchtung ist zu beachten. Gebäudebeleuchtung und Leuchtreklamen sind unanhängig von der Verkehrssicherungspflicht auf öffentlichen Grundstücken (öffentliche Beleuchtung), sollten aber bei der Planung der Beleuchtung bedacht werden. Ebenso die eigenständige Beleuchtung der Straßenbahnhaltestelle. 3.09 Entwässerung Das Entwässerungskonzept ist überzeugend in die Platzgestaltung einzubinden. Die Entwässerungsanlagen des Platzes sollten an das vorhandene Grundleitungssystem anzuschließen und kostengünstig zu warten sein. Unter diesen Gesichtspunkten sollten Kastenrinnensysteme nicht verwendet werden. 3.10 Kostenrahmen und Wirtschaftlichkeit Vor dem Hintergrund der angespannten wirtschaftlichen Situation der öffentlichen Haushalte legt der Auslober besonderen Wert auf kostengünstige und wirtschaftliche Lösungen, insbesondere hinsichtlich der Unterhaltungskosten. Für die Herstellung des Alexanderplatzes steht eine Bruttobausumme von 9,89 Mio EUR (5,4 Mio EUR netto) zur Verfügung. Die Differenz zwischen Brutto- und Nettobausumme enthält die Mehrwertsteuer, alle Baunebenkosten wie Honorar, Fachgutachten und ähnliches, Unvorhersehbares sowie die Kostenposition Platzaufbruch, Abfuhr und Leitungsumlegungen. Bezogen auf die Fläche des Realisierungsteils von ca. 26.000 m², in der die Fläche der Straßenbahntrasse und -haltestelle nicht enthalten ist, ergibt sich ein max. Nettoquadratmeterpreis in Höhe von 207 EUR für Oberflächenbelag, Entwässerung, Bäume, Ausstattung und Beleuchtung. Der Kostenrahmen ist als verbindlich einzuhalten. Kosten, die sich durch die Gestaltung des U-Bahneinganges und der Entrauchungstürme ergeben, werden im Falle der Realisierung von den Berliner Verkehrsbetrieben getragen und sind in den Baukosten nicht enthalten. 3.11 Realisierung Die Realisierung der Sockelbebauung um den Alexanderplatz wird sich gemäß den städtebaulichen Verträgen über einen längeren Zeitraum bis spätestens 2008, (bei Herstellung der Sockel- und Turmbebauung in einem Zuge bis spätestens 2013) erstrecken und ist auch in der zeitlichen Reihenfolge der einzelnen Projekte noch nicht verbindlich vorherzusagen. Die öffentliche Erschließung der einzelnen Projekte, also die umgebende Platzfläche, ist bis zur Fertigstellung der jeweiligen Sockelbebauung zeitgleich fertig zu stellen. Mit der Vereinbarung in den städtebaulichen Verträgen, dass die Platzfläche des Alexanderplatzes – bis auf Streifen von ca. 10 m Breite um die geplanten Hochbauten und Unterbauungen – nicht als Baustelleneinrichtungsflächen für private Bauvorhaben benutzt werden soll, wird eine zeitige Realisierung der zentralen Platzflächen möglich. Der Auslober erwartet deshalb eine Entwurfslösung für den Alexanderplatz, die eine flexible und stufenweise Realisie-

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rung einzelner Platzabschnitte ermöglicht. 3.12 Ideenteil Für die privaten, mit einem Gehrecht für die Allgemeinheit belegten Flächen zwischen den Baufeldern D1 und D2 (G1) sowie zwischen D2 und D3 (G2) werden Aussagen zum Charakter und zur Gestaltung erwartet. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Fläche G1 gemeinsam mit der öffentlichen Fläche zwischen den Baufeldern D1/D2 und D7 als Passage ausgebildet werden soll, während die Fläche G2 ein offener Freiraum sein wird. Die Dircksenstraße ist gestalterisch mit einzubinden, um den Fußgängern vom Bahnhof kommend, den besonderen Ort Alexanderplatz erfahren zu lassen. Der Auslober erwartet eine gestalterische Auseinandersetzung mit der Funktion Bahnhofsvorplatz. Obwohl die Dircksenstraße dem Fußgängerbereich zugeordnet ist, wird weiterhin über sie das Berolinahaus erschlossen werden. In der Dircksenstraße liegt die Entwurfsplanung für die Straßenbahnneubaustrecke Alex II vor. Die geplanten Höhen sowie die Lage der Trasse und der Haltestelle sind nicht zu verändern. Für den Haltestellenbereich ist eine gemeinsame Beleuchtung Straße/ Straßenbahn in der Entwurfsplanung vorgesehen. Mit der Realisierung der Strecke ist spätestens 2006 zu rechnen, sollten außerplanmäßige Mittel bereitstehen aber auch früher. Die in der Entwurfsplanung von der Karl-Liebknecht-Straße aus vorgesehene Befahrbarkeit (bis zum S-Bahn-Ausgang zwischen Kaufhof und Berolinahaus) einschließlich der Stellplätze für Taxis und Behinderte ist zu berücksichtigen. In Zusammenhang mit der Einrichtung der Straßenbahnhaltestelle gibt es Überlegungen, in der Dircksenstraße einen weiteren Treppenzugang zum Bahnsteig der U8 herzustellen. Hierfür ist neben dem S- und Regionalbahnhof Alexanderplatz in Höhe des bereits vorhandenen U-Bahnzugangs im Berolinahaus eine Treppenöffnung von 3 mal 9 Metern freizuhalten. 3.2 Beurteilungskriterien Der Kriterienkatalog dient der Strukturierung der Vorprüfung und der Beurteilung der Wettbewerbsarbeiten durch das Preisgericht. Grundsätzlich sind die detaillierten Formulierungen der Aufgabenstellung ausschlaggebend. Bei der Beurteilung werden folgende Kriterien zu Grunde gelegt: Programmerfüllung Termin- und formgerechte Einlieferung der Wettbewerbsarbeiten Vollständigkeit der geforderten Leistungen Entwurfsidee Leitgedanke Städtebauliche Einbindung Beziehung innerer Alexanderplatz, Dircksenstraße, Passagen und private Freiräume Verflechtung mit den benachbarten Straßen- und Freiräumen Raumbildung Blickbeziehungen Wegeführung, Orientierung

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Nutzungen Nutzungsspektrum Nutzungsanordnung Berücksichtigung von Sondernutzungen (Märkte, Veranstaltungen, gastronomische Außenbereiche) Gestaltung Höhenprofil Baumkonzept Materialwahl Stadtmöbel: Bänke, Abfallbehälter etc. Beleuchtungskonzept Umgang mit dem Brunnen der Völkerfreundschaft und der Weltzeituhr Verkehr Straßenbahn Radweg, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder U-Bahn-Treppen und -Aufzüge Befahrbarkeit / Nichtbefahrbarkeit durch KFZ Berücksichtigung besonderer Anforderungen verschiedener Nutzergruppen Gender mainstreaming Bürgerbeteiligung Kinder und Jugendliche Behinderte Realisierbarkeit Einhaltung der Herstellungskosten Wirtschaftlichkeit Realisierbarkeit in Bauabschnitten

Teil 4 Anhang

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Teil 4.1 Historische Entwicklung Stadtentwicklung bis 1800 Berlin-Cölln ist im Jahr 1237 als Doppelstadt gegründet worden. Die geographische Lage an der Spree ist eine gute Ausgangslage für florierenden Handel und wirtschaftliche Expansion. Berlin-Cölln ist eine Hansestadt und dadurch bedingt entwickelt sie sich analog den im 12. und 13. Jahrhundert planmäßig angelegten Städten des Nordens und Nordostens: Lübeck, Stralsund, Stettin, Rostock, Wismar, Danzig, Königsberg und viele andere mehr. In den Jahren nach 1648 fertigte Johan Gregor Memhard, Festungsbaumeister des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, den ersten Berliner Stadtplan an, der 1652 bei Merian veröffentlicht wird.

Erste Darstellung der Residenzstadt Berlin-Cölln von J.G.Memhard (1652). Nicht genordet.

Memhards Plan, dem vermutlich eine genaue Vermessung zugrunde lag, vermittelt eine gute Vorstellung vom Aussehen der mittelalterlichen Stadt. Er ist heute ein wichtiges Dokument, das zwangsläufig am Anfang jeder historischen Betrachtung der Stadtentwicklung von Berlin, insbesondere der Stadtentwicklung des heutigen Bezirks Mitte stehen muß, denn er überliefert uns die ursprüngliche städtebauliche Struktur. Cölln liegt am westlichen, Berlin am östlichen Ufer der Spree, und beide verschmelzen zur Doppelstadt, zwischen deren Teilhälften das Schloss der Hohenzollern, mit seinen Gartenanlagen auf der sumpfigen nördlichen Inselhälfte, angeordnet wird. Exkurs: Noch die Luftaufnahme der Berliner Mitte von 1920 zeigt uns deutlich die von Memhard festgehaltene Textur: den Zuschnitt der Blöcke, das Netz der Straßen und den Verlauf der alten Stadtmauer, der seit 1882 die Stadtbahn folgt. Auch die wichtigsten historischen Gebäude – das Schloss, die Marienkirche, die Nikolaikirche und St. Peter – stehen zu diesem Zeitpunkt noch allesamt. Erst das 20. Jahrhundert wird den vorbildlichen Gründungsplan nahezu restlos zerstören.

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Luftaufnahme von 1920

Wirft man einen Blick auf das unmittelbare Umfeld des späteren Alexanderplatzes, so werden schon in Memhards Plan einige Faktoren deutlich, die fundamental für die spätere Entwicklung des Bereiches sind: die Randlage zwischen Stadtkörper und Landschaftsraum, die mit dem Entstehen einer Vorstadt die städtebauliche Expansion ermöglichen wird; die Begrenzung durch Stadtmauer und Festungsgraben, in deren Verlauf die Hochbahntrasse errichtet wird; und der Zusammenfluss mehrerer wichtiger Straßen vor einem der Stadttore, der sich zu einem der bedeutendsten und diskutiertesten Verkehrsknotenpunkte der Moderne entwickeln wird. Drei von insgesamt fünf Toren der Doppelstadt zeigt Memhards Plan auf der Berliner Seite, das Spandauer Tor im Norden, das Stralauer Tor im Südosten und – auf halber Höhe zwischen beiden – das Georgentor, das spätere Königstor am Alexanderplatz. Deutlich ist vor diesem Tor bereits die Bündelung der von Nordosten auf die Stadt zuführenden Überlandstraßen zu erkennen. Die Straßen von Landsberg, von Oderberg, von Bernau und Prenzlau laufen hier zusammen. Durch das Georgentor gefädelt, werden sie in die innerstädtische Hauptstraße kanalisiert, die – vorbei am Berliner Rathaus – als breite Straßenachse bis zum Schlossplatz führt. Das Areal des späteren Alexanderplatzes befindet sich folglich im embryonalen Status eines Verkehrsknotenpunktes, dessen Bedeutung durch den besonderen Stellenwert des Georgentores unter den Berlin-Cöllner Stadttoren noch hervorgehoben wird: Es gilt als das wichtigste Tor, da aufgrund der Bedeutung des Ostseehandels für die Hansestadt Berlin ein Großteil des Handelsverkehrs und somit auch der Zölle über dieses Tor abgefertigt werden. Nur wenige Jahre, nachdem Memhard den Plan der Doppelstadt aufgezeichnet hat, kommt es zu ersten einschneidenden Veränderungen in der Stadtgestalt. Nach den Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges beginnt man in Berlin, wie bei vielen europäischen Städten, die Doppelstadt durch eine moderne Fortifikation zusätzlich zu sichern. Nach der Errichtung des Festungsringes (1658-1683) kommt nur dem Georgentor

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und seinem Verkehrsknoten die gewaltige Barriere in gewisser Weise zugute. Einige der Stadttore nämlich verlieren vollständig ihre Funktion, die durch sie geführten Straßen werden rücksichtslos gekappt, andere in komplizierte Umleitungen gezwängt. Das Georgentor hingegen profitiert gerade von dieser Aufgabe bzw. Schwächung seiner Nachbartore. Der ehemalige Überlandverkehr durch das Stralauer Tor wird zusätzlich hierher geführt, die Berliner Hauptstraße hinter dem Georgentor zusätzlich funktional belastet. Die nun noch komplexer gewordene Straßenbündelung wird vor der Stadtmauer durch eine weit geschwungene Platzfläche am Georgentor aufgefangen. Aus Platzmangel innerhalb der mittelalterlichen Stadt werden die Scheunen und Viehstallungen vor die Tore Berlin-Cöllns gelegt und am Zusammenfluß zwischen der ehemaligen Bernauer und Prenzlauer Straße -am späteren Alexanderplatz wird ein Viehmarkt errichtet. Die alten und neuen Funktionen ziehen die spontane Entwicklung der Vorstadt nach sich, die von einer nicht mehr kontrollierbaren und unerwünschten Eigendynamik ist. Selbst das 1691 erlassene Verbot weiterer Bautätigkeit außerhalb des Festungsringes kann den Ausbau der Georgenvorstadt jedoch nicht aufhalten. Um 1700 zählt man schon mehr als sechshundert Häuser. Im Gegensatz zur Friedrich- und Dorotheenstadt, den fürstlichen Stadtgründungen, westlich der Festungsanlagen, welche planmäßig und nach barockem Vorbild streng geometrisch angelegt werden, entwickeln sich die Vorstädte auf der nördlichen und östlichen Berliner Seite, die Spandauer Vorstadt vor dem Spandauer Tor, die Georgen-, später Königsstadt vor dem Georgentor am Alexanderplatz sowie die Stralauer Vorstadt vor dem Stralauer Tor mehr oder weniger agglomerativ zwischen den Handelsstraßen vor den Toren der Stadt, den natürlichen, topographischen und rechtlichen Verhältnissen angepaßt, und wuchsen später, durch die Akzisemauer (1798 – 1802) eingefaßt ringförmig zusammen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ist die Georgenvorstadt in ihrer Grundstruktur angelegt. Deutlich sieht man dem unregelmäßigen Planschema an, dass sie spontan inmitten der aus unterschiedlichen Richtungen zusammenlaufenden Überlandstraßen und in der städtebaulich schwierigen Grenzlage zu der Festungsbastion gewachsen ist. Dieser später Königsvorstadt genannte Stadtteil ist ohne innere Gliederung als rein mengenmäßig erweitertes Massenquartier konzipiert. Große Manufakturen, vor allem Wollzeug- und Seidenmanufakturen, sowie militärische Einrichtungen lassen sich hier nieder. Nach und nach entstehen vereinzelt auch erste architektonisch bedeutende Gebäude, darunter David Gillys berühmtes Exerzierhaus (1799-1800) und Carl von Gontards Königstorkolonnaden (1771), die nach dem 1746 erfolgten Abriß des alten Georgentores als kolonnadengesäumte Kaufläden auf einer neuen steinernen Brücke über den Festungsgraben führen.

Die Königskolonaden

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Stadtplan von 1848

Stadt und Platzentwicklung ab 1800 Durch das Schleifen der Bastionen entstehen verfügbare Flächen, die zum Teil überbaut, zum Teil aber auch für die Anlage der zwar unregelmäßigen, aber funktional und räumlich durchaus artikulierten Platzfläche genutzt werden. Die Straßen, die hier zusammenlaufen, weiten sich vor der Stadtmauer deutlich auf.

Stadtplan von Selter (1804)

Drei Plätze mit drei Funktionen (Viehmarkt am Stelzenkrug/Ochsenmarkt, Paradeplatz und Kontrollplatz vor dem Tor) und eine Vielzahl von Schnittlinien und unterschiedlich ausgerichteten Strukturen kennzeichnen diesen frühen Alexanderplatz. Seinen Namen verdankt der Alexanderplatz dem Besuch des russischen Zaren Alexander I. im Jahr 1805, der auf dem Paradeplatz am Georgentor empfangen wurde und von dort aus feierlich in die Haupt- und Residenzstadt einzog. Die Entwicklung zur Metropole nach der Reichsgründung geht rasant voran. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts erhält die Königsvorstadt nach und nach jene Dichte und jenes Erscheinungsbild, die sie bis zu den großflächigen Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und den Abrissen der Nachkriegszeit kennzeichnen werden. Konform zu den in rascher Folge sich ablösenden Bauordnungen entsteht zu

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Beginn des 19. Jahrhunderts eine dreigeschossige Bebauung, Mitte des 19. Jahrhunderts eine viergeschossige und in der zweiten Jahrhunderthälfte schließlich eine fünfgeschossige Bebauung. Neben der verstärkten Höhenentwicklung führt auch die Überbauung der Blockinnenräume zur Steigerung der Dichte. Mitte des 19. Jahrhunderts sind in der Spandauer Vorstadt und der Königsvorstadt noch große gärtnerisch genutzte Flächen auch im Inneren der kontinuierlich geschlossenen Blockrandbebauung vorhanden. Im Anschluss an die Reichsgründung 1871 führt die Entwicklung insbesondere zu jener vollflächigen Überbauung der Blöcke, die der Stadt fünfzig Jahre später den Titel des „steinernen Berlin“ eintragen. Bei der über nicht einmal ein Jahrhundert hinweg vollzogenen rasanten Verdichtung wird der Stadtgrundriss stets beibehalten; lediglich die Bastionen werden geschliffen und überbaut. Das Nutzungsspektrum aber verändert sich im Zuge der Citybildung. Militärische Nutzungen und große gewerbliche Produktionsstätten wie die Manufakturen werden nach und nach verdrängt. Statt dessen siedeln sich, begünstigt durch die Randlage zur City, eine Vielzahl von Handels- und Dienstleistungseinrichtungen an und ergänzen die vorhandenen gewerblichen und kleinindustriellen Hinterhofbetriebe der Königsvorstadt aber der Wochenmarkt bleibt vorerst erhalten.

Wochenmarkt am Alexanderplatz (ca. 1885)

Einen entscheidenden Entwicklungsschub erhält der Bereich durch den Bau der Berliner Stadtbahn (Inbetriebnahme im Jahr 1882) auf dem zugeschütteten Festungsgraben und mit der Eröffnung des Stadtbahnhofs Alexanderplatz im Jahr 1886. Die Stadtbahn verbindet die Berliner City in Ost-West-Richtung und ist in verkehrsstruktureller Hinsicht das zentrale Bindeglied der beiden äußeren Zentrumsbereiche Zoo und Alexanderplatz. In ihrem Verlauf bindet sie mit dem Bahnhof Friedrichstraße einen weiteren wichtigen Citybereich in ihre Trasse ein, wird nach Osten hin auf dem Verlauf des historischen Festungsrings geführt und bildet so eine bogenförmig die alte Kernstadt tangierende Hochbahnlinie. im Inneren der Kernstadt sind die Bahnhöfe Friedrichstraße und Alexanderplatz nicht nur als Stadt, sondern auch als Fernbahnhöfe mit ähnlichem architektonischem Erscheinungsbild ausgebaut.

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Bahnhof Alexanderplatz an der Gontardstraße (um 1900???)

Als Ergänzung der bereits 1877 fertiggestellten Ringbahn stellt die Stadtbahn, neben der innerstädtischen Verkehrsfunktion, die effektivste Verbindung der City mit den Außenbezirken und Vororten dar. Die nördliche Teilfläche des Alexanderplatzes, die bereits von mehreren Linien der Pferdebahn gekreuzt wird, entwickelt sich vorrangig zu einem durch den Verkehr geprägten Stadtraum, der südliche Teil der Platzanlage (der ehemalige Paradeplatz) zu einem um 1889 gärtnerisch gestalteten Schmuckplatz. 1885 bekommt der Alexanderplatz mit der Kolossalstatue der Berolina auch sein markantestes Wahrzeichen. Emil Hunderieser hatte die 7,5 m hohe Figur in Bronze gegossen, und ihren ersten Standort bezieht sie auf der kleinen Grünfläche an der Nordwestseite des Alexanderplatzes.

Berolinastatue (1896)

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Im 19. Jahrhundert setzt auch die großstädtische Bebauung des Alexanderplatzes ein. Wichtige Gebäude werden errichtet und laden den Platz mit zusätzlichen Funktionen auf, darunter bereits 1824 das Königstädter Theater, vor allem aber die in den Jahrzehnten um die Jahrhundertwende errichteten Bauten: 1883-84 das Grand Hotel und, ab 1886 in Bau bzw. in Planung, das Polizeipräsidium und das Amtsgericht. Auch der offene Markt auf dem Alexanderplatz wird in dieser Zeit aufgehoben und erhält 1886 mit der Zentralmarkthalle eine neue Unterbringung.

Blick in die Königstraße (1912)

Den Höhepunkt privatwirtschaftlicher Entwicklung erfährt der Alexanderplatz, als Anfang des 20. Jahrhunderts mit Hahn, Wertheim und Tietz die großen Konsumtempel entstehen und man die Standortvorteile des modernen Verkehrsknotenpunktes für diese neue Nutzungsart erkennt. Durch den Bau des legendären Warenhauses Tietz, aus dem später die Kaufhauskette Hertie (HERmann TIEtz) hervorgehen wird, erhält der Alexanderplatz seinen letzten dominanten Großbaustein, bevor Martin Wagner die Frage einer gundsätzlichen Umgestaltung des Platzes und der angrenzenden Stadtstruktur aufwirft. Das Warenhaus Tietz (Architekten Cremer und Wolfenstein in mehreren Bauphasen von 1904 bis 19011) war mit seiner Grundstücksgröße von über 10.000 m² Gebäude nicht nur ein den Platz beherrschendes und an einer seiner Schmalseiten räumlich definierendes Bauwerk von eindrucksvoller Dimension, sondern es verfügte mit seiner ca. 250 m langen Front an der Alexanderstraße über die längste Kaufhausfassade der Welt. Nicht einmal Amerika übertraf diesen Superlativ, und Berlin fühlte sich auf dem Sprung zu der anderthalb Jahrzehnte später von Stadtbaurat Martin Wagner mit Vehemenz vertretenen Großstadt mit Weltformat. Begünstigt durch die besondere Verkehrssituation entwickelt sich der Alexanderplatz innerhalb weniger Jahrzehnte mit Hotels, Gastronomie, Theater, Kinos und Warenhäusern zu einem wirklichen Zentrumsbereich. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat er eine gesamtstädtische Funktion übernommen, deren Entwicklung in den 1920er und 1930er Jahren ihren Höhepunkt erreicht. Der Alexanderplatz ist inzwischen wichtiger Umsteigeort auch zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln. Die Stadt- und Ringbahn wurde ergänzt durch

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mehrere, seit 1902 elektrifizierte Omnibus- und Straßenbahnlinien sowie den Bau von drei den Alexanderplatz kreuzenden U-Bahn-Trassen. Nach Plänen von Johannes Bousset (seit 1913) und dem Entwurf von Alfred Grenander (seit 1927-31) für den unterirdischen U-Bahnhof Alexanderplatz entsteht ein mehrstöckiger Knotenpunkt, der den öffentlichen Verkehr in damals vorbildlicher Weise kreuzungsfrei auf insgesamt fünf Ebenen zu entflechten sucht: Fernund S-Bahn sind als Hochbahn geführt, die drei U-Bahnlinien verlaufen unterirdisch auf verschiedenen Niveaus, und ebenerdig verkehren Omnibusse und Straßenbahnen gemeinsam mit den damals noch vielfältigsten Arten des motorisierten und nicht motorisierten Individualverkehrs. Fußgänger erreichen sämtliche Ebenen und verfügen darüber hinaus im Zusammenhang mit Grenanders U-Bahnhof erstmals auch über ein unterirdisches Passagensystem. Der öffentliche Personennahverkehr wird so zum modernen Massentransportsystem, ohne das ein Funktionieren der wachsenden und sich industrialisierenden Großstadt schon um die Jahrhundertwende nicht mehr denkbar ist. Größere Probleme als die Organisation des öffentlichen Verkehrs bereitete der Individualverkehr. Die historische Bündelung von Straßenzügen und Straßenbahnlinien, die am Alexanderplatz bis 1910 noch allesamt durch das Nadelöhr von Gontards Königskolonnaden hindurch in die Altstadt eingefädelt werden, erfährt mit der enormen Intensivierung des modernen Verkehrsaufkommens und verstärkt mit Aufkommen des motorisierten Verkehrs eine Belastung, mit der – so glaubt man damals – die historische, für völlig andere Verkehrsmittel und -auslastungen angelegte Stadtstruktur nicht fertig werden kann. Der Alexanderplatz entwickelt sich noch dazu zu einem der am stärksten belasteten Verkehrsknotenpunkte in Europa und droht zu kollabieren. Gründe dafür sind das mit Stadtwachstum, Bevölkerungszunahme und Funktionsteilung insgesamt enorm gestiegene Verkehrsaufkommen, der stetig zunehmende Anteil an Kraftfahrzeugen (1918: 1.199, 1929: 95.463, 1939: 228.719 Kfz) und die noch kaum durch Schilder oder Ampeln reglementierte Verkehrsstruktur. Verkehrsgerechter Stadtumbau in den 20er und 30er Jahren Ganz im Zeitgeist der Moderne und einer den neuen motorisierten Verkehr als Fortschritt bejahenden Zukunftsvision versucht Ende der 1920er Jahre Martin Wagner in seiner Rolle als Stadtbaurat die Verkehrsprobleme des Alexanderplatzes in Angriff zu nehmen und zugleich einen architektonisch einheitlichen, räumlich geschlossenen Platzraum zu schaffen. Im Zusammenhang mit dem U-Bahnumbau 1928 sieht Wagners Generalplan neben einer neuen Verkehrsführung um ein Mittelrondell von 100 m im Durchmesser, das nur durch die Straßenbahnen gekreuzt wird, eine einheitliche geschlossene Gestaltung der Platzränder vor mit gleichen Gesimshöhen und eine siebengeschossige Überbauung der Landsbergerund Neuen Königsstraße. Es war ein grandioses Projekt zur Organisation der beiden schwierigen Faktoren „Raum“ und „Verkehr“, und als solches fand es dem Zeitgeist entsprechend internationale Beachtung. Dieser Plan Wagners ist als Orientierungshilfe Teil der Ausschreibungsunterlagen zu einem beschränkten Wettbewerb. Zur Teilnahme eingeladen werden Peter Behrens, Hans und Wassili Luckhardt mit Alfons Anker, Paul Mebes, Ludwig Mies van der Rohe, Johann Emil Schaudt und – als einziger Nicht-Berliner – der Architekt Müller-Erkelenz aus Köln. Der erste Preis wird von der Jury 1929 den Architekten Hans und Wassili Luckhardt mit Alfons Anker verliehen. Jedoch wird der zweite Preisträger Peter Behrens mit der Realisierung beauftragt.

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Blick nach Nordosten (1935)

Blick nach Südwesten (1935)

Aus seiner Feder stammt ein erstes Projekt, ein Generalplan, dessen Grundkonzeption sieht das Grundlage der darauf folgenden Planungen wird. Die historisch mehrteilige Platzgestalt wird in diesem Entwurf aufgegeben zugunsten einer hufeisenförmig umbauten Fläche, auf der Wagner einen Kreisverkehr installiert, der den Verkehrsfluss der zahlreichen Straßenzüge aufnehmen und effektiv verteilen soll. Um trotz der insgesamt sechs hier zusammenlaufenden Straßen die architektonische Geschlossenheit des neuen Platzes zu gewährleisten. Seine Bebauung bringt im Vergleich zu den anderen Projekten einen geringeren Aufwand hinsichtlich der schwierigen Gründungsmaßnahmen oberhalb der drei Verkehrsebenen der U-Bahn mit sich. Aber auch sein Entwurf wird aufgrund der privaten Eigentumsverhältnisse und der erforderlichen Ankaufsumme von 20 Millionen Reichsmark für die Grundstücke nur bedingt realisiert. Von der dem Konzept Wagners folgenden hufeisenförmigen Platzrandbebauung werden bis 1931 lediglich das Alexanderhaus und das Berolinahaus als moderne achtgeschossige Stahlskelettbauten realisiert. Mit ihren parallel zur Stadtbahntrasse verlaufenden Baukörpern und den zur Königstraße ausgerichteten Gebäudeköpfen definie-

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ren sie die historische Torsituation des Königstores neu und sollen den geraden Abschluss der Hufeisenform bilden. Auch der Kreisverkehr, in den mit Landsberger Straße, Königstraße, Neuer Königstraße und den beiden Abschnitten der Alexanderstraße insgesamt fünf Verkehrszüge einmünden, wird realisiert. Das letztendlich als Oval ausgeführte Rondell im Zentrum dieses Kreisverkehrs bleibt, wie von Wagner geplant, den Straßenbahnen vorbehalten. Mit seinen beiden 97 m bzw. 63 m langen Durchmessern aber wird es, aufgrund der unveränderten Grundbesitzverhältnisse, so in den vorhandenen Platzraum hineingedreht, dass die durch Wagner ursprünglich beabsichtigte vermittelnde Bezogenheit auf die Achsen der Hauptstraßen verloren geht. Östlich wird der Durchbruch der Frankfurter Straße (heute Karl-Marx-Allee) zur Landsberger Straße im Zuge des Ausbaus der Bahnlinie nach Friedrichsfelde ausgeführt. Diagonal zerschneidet er die beiden einzigen regelmäßigen Rechteckblöcke, die die Königsvorstadt aufzuweisen hatte (siehe Plan von Selter 1804 und Luftbild von 1935).

Übersichtsplan der U-Bahnlinien.

U-Bahnverbindung zwischen Alexanderplatz und Memeler Straße

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Baugrube der U-Bahn

Querschnitt durch die Stadtbahnüberführung in der Königstraße

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Querschnitte durch die U-Bahnanlagen am Alexanderplatz

Im Zuge des Ausbaus der U-Bahn und ihrer unterirdischen Bahnhöfe, der Umgestaltung des Straßennetzes am Alexanderplatz sowie der Realisierung der BehrensBauten werden nicht nur vorhandene Blockstrukturen, sondern auch eine Reihe historischer Gebäude abgerissen oder verändert. Gontards Königskolonnaden waren bereits 1910 Opfer der Verkehrsplanung geworden und stehen seither als Eingangssituation zum Kleistpark an der Potsdamer Straße in Schöneberg. Das ehemalige Königstädtische Theater mit der berühmten Gaststätte Aschinger im Erdgeschoss weicht 1932 Wagners Kreisverkehr, und auch das Haus zum Hirschen – mit den markanten 99 Schafsköpfen an seiner Fassade – wird abgerissen. Das Grand-Hotel verliert die weithin sichtbaren Neo-Renaissance-Fassaden und wird zu einem Büro- und Geschäftshaus mit nüchternen Fronten umgebaut. Die Häuserzeilen entlang der Stadtbahn werden abgerissen. Die Kräfte und finanziellen Mittel der Weimarer Republik reichen nicht aus, um die umfassend geplante Umgestaltung des Alexanderplatzes zu vollenden. Auch die Berolina verläßt 1925 für fast ein Jahrzehnt wegen des U-Bahn-Baus den Alexanderplatz. 1934 stellt man sie, wenn auch nur für ein Jahrzehnt und an neuem Standort, vor dem Alexanderhaus wieder auf. 1944 wird sie dann tatsächlich eingeschmolzen, um als Rohstoff für die Waffenprodution zu dienen. Auf dem Alexanderplatz bleibt der Machtwechsel zu den Natioalsozialisten ohne besonderen Einfluß. Das tägliche Leben nahm seinen Fortgang. Bauliche Veränderungen traten nicht in Erscheinung. Auch während des Zweiten Weltkrieges blieb der Alexanderplatz mehrere Jahre fast unverändert. Erst Anfang April decken Bombenteppiche auch den Alexanderplatz und zerstören die Bebauung. Neben den Bombenangriffen führen in den letzten Kriegstagen heftige Straßenkämpfe zu enormen Verwüstungen. Die Entwicklung des heutigen Bestandes der DDR Bereits zwei Wochen nach der Kapitulation wird Hans Scharoun zum Stadtbaurat des Berliner Magistrats ernannt. Während die Bevölkerung in den folgenden Monaten mit fundamentalen Existenznöten kämpft und „Trümmerfrauen“ zwischen den Gebäuderuinen mit Aufräumarbeiten beginnen, arbeiten die Architekten an ersten groß angelegten, visionären Aufbauplänen, durch die Berlin als Phoenix

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der Moderne aus der Asche einer ungeliebten Vergangenheit wiederentstehen soll. „Wir bauen eine neue Gesellschaft“, schreibt Hans Scharoun, „aber diese neue Gesellschaft darf nicht in die Gehäuse der alten kriechen. Wir müssen ihr neue Gehäuse schaffen“. Nach all der Zerstörung sieht Scharoun die Möglichkeit, eine neue ‚Stadtlandschaft‘ zu gestalten. Die erste planerische Umsetzung des Begriffs „Stadtlandschaft“ erfolgt mit dem „Kollektivplan“, der unter der Leitung von Scharoun durch eine Gruppe von Fachleuten – das „Planungskollektiv“ – ausgearbeitet und 1946 im Weißen Saal des Berliner Stadtschlosses ausgestellt wird. Der Kollektivplan beabsichtigt von allen Planungen die radikalste Loslösung vom Grundriss und der Volumetrie der historischen Stadt. Eine Zonierung in Form von vier in Ost-West-Richtung verlaufenden Bändern sieht die Unterteilung der Stadt in vier Funktionszonen vor: das „Cityband“ mit Zentrumsfunktionen, das „Kulturband“ mit kulturellen und wissenschaftlichen Einrichtungen, das „Wohnband“ mit ausschließlichen Wohnfunktionen sowie das „Arbeitsband“ für die Erwerbstätigkeit. Hinterlegt werden die vier Bänder durch ein weitmaschiges Netz neuer Schnellstraßen. Dabei wird für eine autogerechte Stadt und der Trennung der Funktionen vom rigorosen Abriss selbst der zu 70 % erhaltenen Bausubstanz ausgegangen und stellt sich klar in die Tradition der zwei städtebaulichen Manifeste: Plan Voisin von Le Corbusier für das Pariser Stadtzentrum und der 1942 veröffentlichten Charta von Athen des CIAM. Sein Gedankengut wird in den Nachkriegsjahrzehnten maßgeblich den Wiederaufbau Berlins beeinflussen. Jedoch entstehen nach der politischen Spaltung 1948/49 zwei getrennte Planungs- und Baubehörden die beide zunächst weiterhin auf ganz Berlin bezogene Pläne erarbeiten – Pläne die jedoch ohne reale Folgen bleiben. Erst ab 1950 entwickeln beide deutsche Staaten konkrete städtebauliche Richtlinien als Grundlage für den Aufbau der folgenden Jahre. In Ostberlin, wo der Magistrat noch 1949 eine Variante des Kollektivplans verabschiedet hatte, rückt man im Sommer 1950 von allen in der Tradition der Charta von Athen stehenden Kriterien ab und ersetzt sie durch die vom Ministerrat der DDR 1950 verabschiedeten „Sechzehn Grundsätze des Städtebaus“. Dieser Beschluss bezeichnet für fast ein Jahrzehnt eine radikale Gegenposition zu der im Westen in den Nachkriegsjahrzehnten konsequent weiter verfolgten Idee der Stadtlandschaft. “.Die darüber hinaus erlassenen „Grundsätze für die Neugestaltung der Berliner Innenstadt“ beinhalten den Bau eines 90 Meter breiten Straßenzuges von der Frankfurter Straße über den Alexanderplatz, die Königsstraße (heute Rathausstraße), die Straße Unter den Linden bis zum Brandenburger Tor vor. Mit der „Zentralen Achse“ soll eine neue Repräsentations-Magistrale zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz entstehen, deren Mittelpunkt als monumentale Höhendominante – als Stadtkrone am Marx-Engels-Platz – das zentrale Regierungsgebäude anstelle des teilbeschädigten Schlosses ist. Noch vor einem verbindlichen Abschluss der Zentrumsplanung entsteht als erstes Bauvorhaben ab 1951 die Stalinallee (heute Karl-Marx-Allee). 1952 bis 1958 nach Plänen von Hermann Henselmann, Egon Hartmann, Richard Paulick, Kurt Leucht, Hanns Hopp und Karl Souradny realisiert, wird die ca. 1,85 km lange Magistrale zwischen Strausberger Platz und Proskauer Straße die „erste sozialistische Straße auf deutschem Boden.“. Sie entsteht inmitten der Ruinenlandschaft Ostberlins und integriert lediglich zwei bereits 1951 von Hans Scharoun errichtete Laubenganghäuser als Bestand. Die sieben- bis neungeschossige Randbebauung der Stalinallee definiert den öffentlichen Raum des Straßenzuges und der zwei Plätze – Frankfurter Tor und Strausberger Platz –, und durch die Ausstattung mit Baumpflanzungen und Grünanlagen erhält die monumentale Achse den Charakter eines urbanen

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Boulevards. Die aufwendig gestalteten Gebäude nehmen im Erdgeschoss und teilweise auch im 1. Obergeschoss Läden und Gastronomiebetriebe und in den oberen Geschossen insgesamt 2.129 Wohnungen auf. Dieser Abschnitt der heutigen Karl-Marx-Allee steht unter Denkmalschutz.

Erster Bauabschnitt der heutigen Karl-Marx-Allee (1954)

Zweiter Bauabschnitt der Karl-Marx-Allee (1961)

Obwohl die Realisierung des ersten Bauabschnittes vom Strausberger Platz zum Frankfurter Tor, also stadtauswärts, verlief, ist von vorne herein die Weiterführung der neuen Magistrale als Straßendurchbruch bis zum Alexanderplatz beabsichtigt. Dieser zweite Bauabschnitt, der Anfang der 1960er Jahre entsteht, folgt bereits völlig anderen Prämissen. 1955 nämlich beginnt in Ostberlin erneut eine Diskussion um die „richtigen“ Prinzipien für den Bau der sozialistischen Stadt. Die Stalinallee hatte die Kosten gewöhnlicher Bauten um mehr als 50% überschritten. Ursa-

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che dafür schienen die zuvor genannten Prinzipien zur „Schaffung eines individuellen einmaligen Antlitzes der Stadt“ zu sein, das heißt eines qualitativ anspruchsvollen und ausgearbeiteten architektonischen Erscheinungsbildes. Nachdem Chruschtschow bereits 1954 für die Architektur der Sowjetunion neue Direktiven mit dem Ziel einer verstärkten Standardisierung des Bauens unter Verzicht auf kostenträchtige Repräsentationsansprüche erlassen hatte, beginnt sich nun auch in der DDR die industrielle Plattenbauweise – in Verbindung mit der Idee der offenen, durchgrünten und autogerechten Stadt – durchzusetzen. Der zweite Bauabschnitt der Stalinallee folgt bereits diesen neuen Zielsetzungen, die in einen unter sieben Architekturkollektiven durchgeführten Wettbewerb und anschließend in den 1959 bestätigten Teilbebauungsplan von Edmund Collein und Werner Dutschke einfließen. Die in offener Bauweise errichteten Gebäude des zweiten Bauabschnitts werden ausschließlich auf der Basis von Typenentwicklungen in industrieller Bauweise nach Entwürfen von Josef Kaiser von 1960 bis 1962 realisiert und prägen bis heute den innerstädtischen Abschluss der Stalinallee. Lediglich die beiden als unmittelbarer Anschluss an den Alexanderplatz projektierten Bauten werden nie ausgeführt. Statt dessen entstehen in den Jahren 1961 bis 1964 an der Grunerstraße Ecke Karl-Marx-Allee das zwölfgeschossige Haus des Lehrers und die zweigeschossige Kongresshalle nach Plänen des Kollektivs Henselmann, Geyer, Streiparth und damit ein erster Vorgriff auch auf die Gestaltung des Alexanderplatzes. Das gegenüber liegende Grundstück Hans-Beimler-Straße (heute Otto-Braun-Straße) Ecke Karl-Marx-Allee wird erst 1970 durch das neun- bis elfgeschossige Haus der Statistik nach Plänen des Kollektivs Hörner, Senf, Härter geschlossen.

Alexanderplatz Anfang des Jahres 1967.

1959 wurde für das weitere innerstädtische Umfeld der Zentralen Achse der „Ideenwettbewerb zur Sozialistischen Umgestaltung des Zentrums der Hauptstadt der DDR, Berlin“ abgeschlossen, in dem Hermann Henselmann statt des gewünschten zentralen Regierungshochhauses einen 360 m hohen Fernsehturm als „Turm der Signale“ am Rande des Marx-Engels-Platzes, unmittelbar am Spreeufer, vorschlägt. Zwar werden noch bis 1962 immer wieder neue Entwürfe für ein Zentrales Staatsgebäude diskutiert, die Entscheidung für seinen Bau wird aber, wohl auch aus wirtschaftlichen Gründen, nicht gefällt. Gleichzeitig wartet das von Franke, Kollmann und Thimm für einen Standort im Friedrichshain erarbeitete Projekt eines

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„Fernseh-, UKW- und Richtfunkturmes“ auf seine Genehmigung und gerät als alternative Stadtkrone für die Innenstadt in die Diskussion. In umfangreichen Untersuchungen zum endgültigen Standort des Fernsehturms erweist sich die Position westlich des Bahnhofs Alexanderplatz im Hinblick auf die stadträumlichen Blickbeziehungen als die günstigste. Der Bau erfolgt 1965-69 nach Plänen von Fritz Dieter und Günter Franke und der künstlerischen Beratung durch Hermann Henselmann. Mit der Fertigstellung des 365 m hohen Wahrzeichens ist das Ostberliner Baugeschehen von Westen wie von Osten an den Alexanderplatz vorgerückt.

Städtebaulicher Wettbewerb 1964. Schweizer, Tscheschener, Schulze, Schulz

Im Frühjahr 1964 wird für die Neugestaltung des Alexanderplatzes ein nicht öffentlicher Wettbewerb unter sechs Architektenkollektiven mit dem Ziel durchgeführt, für diesen Verkehrsknotenpunkt eine Lösung von urbanerer Qualität zu finden. Planungsgrundlage ist ein Konzept zur großflächigen Neustrukturierung des innerstädtischen Verkehrsnetzes Ost-Berlins. Die Straßendurchbrüche KarlLiebknecht-Straße – Prenzlauer Allee, Grunerstraße – Otto-Braun-Straße sowie die kreuzende Verlängerung der Karl-Marx-Allee führen zu einer großflächigen Erweiterung des Platzes. Festpunkte der Planung sind der Bahnhof und die Hochbahn, das Alexander- und das Berolina-Haus sowie das soeben fertiggestellte Haus des Lehrers mit Kongresshalle. Ab 1967 erfolgt die Neugestaltung des Alexanderplatzes auf der Grundlage des ausgewählten und überarbeiteten Entwurfes des Stadtbauamtes von Schweizer, Tscheschner, Schulz zum Zentrum der „Hauptstadt der DDR – Berlin“. Das Ensemble der Behrensbauten definiert dabei weiterhin eine Torsituation zum dahinterliegenden Bahnhof mit Durchblick in die Rathausstraße. Die westliche Platzbegrenzung bildet das 1967-70 vom Kollektiv Kaiser, Kuhnert errichtete Warenhaus (ehemals „Centrum“), das mit 15.000 qm Verkaufsfläche das größte Kaufhaus der DDR darstellt. Es wird durch die eingeschossige „AlexPassage“ baulich verbunden mit den Anbauten des 123 m hohen ehemaligen Interhotels im Norden, das städtebaulich als Verschwenkung der Achse Karl-MarxAllee zum Marx-Engels-Forum konzipiert ist und ebenfalls in den Jahren 1967-

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1970 nach Plänen des Kollektivs Korn, Scharlipp, Bogatzky errichtet wird. 1969 wird auch die Freifläche des Alexanderplatzes zwischen Berolinahaus und Hotelgebäude gestaltet. Ihren Mittelpunkt bildet der Brunnen der Völkerfreundschaft von Walter Womacka. Vor dem Alexanderhaus wird im selben Jahr die Urania-Weltzeituhr von Erich John errichtet. Nördlich der Straße Alexanderplatz entstehen 1967-1969 das 10-geschossige Haus der Elektroindustrie nach Plänen des Kollektivs Mehlan, Skujin, Leibold und 19691971 das vom Kollektiv Korn, Brieske, Steiger konzipierte 17-geschossige Haus des Reisens. Das Plangebiet ist bis heute geprägt von den in den 1960er Jahren realisierten Bauten, die den Zusammenhalt der Platzfigur aus heutiger Sicht nicht zu leisten vermögen. Im radikalen Bruch mit der überlieferten Stadtstruktur entstand das nach Norden und Osten offene Platzfragment, tangiert von überbreiten Autostraßen, mit Untertunnelungen für Fußgänger und einem breiten Autotunnel im Verlauf der Grunerstraße, der die alte Kernstadt zusätzlich zerschneidet. Die nördlichen und östlichen Platzkanten fließen diffus in die überdimensionierten Straßenräume, und räumlich gefaßte Freiflächen sind nur in geringem Umfang vorhanden. Der Alexanderplatz hatte bis Kriegsende eine Fläche von ca.18.000 qm, der riesige betonierte Platz ist heute mit ca. 80.000 qm mehr als viermal so groß.

Brunnen der Völkerfreundschaft während der X. Weltspiele der Jugend, 1973.

Demonstration auf dem Alexanderplatz am 04.11.1989.

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4.2 Interaktive Bürgerbeteiligung Alexanderplatz

Die Wettbewerbsaufgabe aus Sicht der Bürger
Zur Vorbereitung des freiraumplanerischen Ideen- und Realisierungswettbewerbs Alexanderplatz wurde vom 30.4. bis 27.5.2003 eine interaktive Bürgerbeteiligung durchgeführt. Ziel war es, die Anforderungen der Bürgerinnen und Bürger an den öffentlichen Raum zu verstehen, und sie strukturiert in die Wettbewerbsaufgabe einfließen zu lassen. Hintergrund der Beteiligungsidee Um die unterschiedlichen Zielgruppen zu erreichen, die den Alexanderplatz heute und in Zukunft nutzen, wurde ein mehrstufiges Vorgehen entwickelt, bei dem sich die interessierten Bürger sowohl in Präsenz- als auch in Online-Arbeitsphasen einbringen konnten. Multiplikatoren wurden persönlich angesprochen, um das Interesse für die Neugestaltung in unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen zu wecken. Das Angebot wurde sehr gut angenommen: Innerhalb von 4 Wochen sind die Seiten des Diskussionsforums 56.755 mal abgerufen worden. Anhand der durchschnittlichen Lesezahlen der registrierten Nutzer kann Jugendliche nutzen einen mobilen Internetzugang die Zahl der lesenden Teilnehmer auf ca. 3000 auf dem Alexanderplatz zur Diskussion im Internetforum. geschätzt werden. 468 Artikel wurden von 131 (Foto: gangway) unterschiedlichen Autoren eingereicht. Die Qualität der Artikel zeugt von einer hohen Motivation und einer reflektierten Auseinandersetzung mit dem Thema. Bis zum 30.11.2003 sind alle Beiträge im Original unter der Internetadresse www.alex.cityandbits.de nachzulesen. Zusätzlich zur internetgestützten Diskussion gingen 18 Beiträge per Brief ein, und auf der Präsenzveranstaltung konnten 19 mündliche Anmerkungen protokolliert werden. Rund 200 Menschen waren an diesem Abend anwesend. Die vorliegenden Zusammenstellung gibt einen Überblick über die Diskussion im Internet und in der Präsenzveranstaltung, sowie über die postalisch eingegangenen Anregungen. Nur selten fordern die Aussagen eine bestimmte gestalterische Detaillösung, vielmehr erklären sie was der Alexanderplatz – jenseits aller zugeschriebenen Mythen – für die Menschen bedeutet. Den Wettbewerbsteilnehmern liegt damit ein wertvoller Fundus vor, den sie in ihren Entwürfen aufgreifen und eine reale Gestalt geben können. Der Ideenreichtum und die gestalterische Fachkenntnis der Wettbewerbsteilnehmer werden durch diese Anforderungen also keinesfalls eingeengt, sondern können sich auf Basis der Vorarbeit noch zielgerichteter entfalten.

Screenshot vom Internetforum

Die interaktive Bürgerbeteiligung wurde mit Unterstützung des Beratungsbüros City & Bits konzipiert und ausgewertet. Die Durchführung und Moderation der internetgestützten Projektanteile wurde ebenfalls von City & Bits in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut AIS realisiert.

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Begegnen und Entspannen
Welche Entfaltungsmöglichkeiten kann der neue Alexanderplatz seinen Nutzern bieten? Mit dieser Fragestellung setzen sich die meisten Beiträge im Forum auseinander. Ein Teil der Bürger wünscht sich einen großzügigen Alexanderplatz, der mit wenigen Gestaltungselementen auskommt. Ein Platz der durch die umgebende Bebauung und die flanierenden Menschen wirkt. Ästhetik und Privatheit Wie diese Menschen von dem Platz angezogen werden, wird jedoch relativ kontrovers diskutiert. So heißt es z.B. in einem Beitrag: „Trotz dieser Multifunktionalität sollen Klarheit und Ästhetik von Architektur zum Tragen kommen. [...] Wollte man allen gerecht werden und sämtliche Ideen realisieren, weiß man nicht mehr, wo man treten soll. Beeindruckend jedoch ist immer Klarheit und Großzügigkeit“ 1 (af 1695). Ein anderer Teil der Beiträge wünscht sich ein menschliches Maß bei der Gestaltung des Platzes und schlägt Gestaltungselemente vor, die zum Verweilen und Entspannen einladen und einen bestimmten Grad an Privatheit innerhalb der Platzöffentlichkeit erlauben. (holger 854, tatum 963). Platzangst vor der übergroßen Fläche und der daraus resultierende Drang zum schnellen Überqueren sollen vermieden werden. Die Vorschläge reichen von kommerziellen Angeboten wie Cafes, Imbissen und Läden bis hin zu nicht-kommerziellen Möglichkeiten wie Sitzgelegenheiten (Bänke, Baumstämme, Treppen, „längste Bank der Welt“), Grünflächen und überdachte Flächen zum Schutz vor Regen oder Sonne. Jugendliche als Attraktion des Platzes In einigen Beiträgen wurde herausgestellt, dass bestehende und funktionierende Treffpunkte erhalten und unterstützt werden sollen. Ein Beitrag beschreibt es so: „Wenn ich Zeit habe, setze ich mich hin und schaue den jungen Menschen beim Spielen zu. Manchmal reden wir miteinander. Ich bin schon etwas älter, aber es ist mit deutlich geworden, dass sich dort viele Jugendliche unterschiedlicher Nationalitäten begegnen. Erst hier am Alex konnte ich erleben, was Jugendkultur ist, und was Jugendliche bewegt. Hoffentlich bleibt dies erhalten“ (eli 1746). Ein anderer Jugendlicher Skater vor dem Haus des Lehrers Teilnehmer schreibt, dass er zwar aus Altergründen (Foto: platzmanagement) nicht zu denen gehört, die auf dem Alex Sport treiben, aber dass wenn es da schon eine community gibt, man sie nicht vertreiben sollte (seelenh 1797). Dem schließt sich tatum an, indem sie sagt: „solche gut funktionierenden sozialen Treffpunkte müssen erhalten werden.“

Die Platzgröße des DDR-Wiederaufbaus wird von vielen Autoren als überdimensioniert beschrieben.

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Anmerkung zur Zitierweise: Soweit nicht anders gekennzeichnet, beziehen sich die Zitate auf Artikel im Internetforum. Angegeben sind jeweils das Pseudonym des Autors und die Beitragsnummer. Bis zum 30.11.2003 können alle Beiträge im Original unter http://alex.cityandbits.de abgerufen werden. (Zum schnellen Auffinden, oben rechts die Nummer eingeben und auf das rote Dreieck klicken.)

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Ein zahlenmäßig sehr großer Teil der Beiträge macht deutlich, dass die heute aktiven Nutzer des Alexanderplatzes Jugendliche aus den unterschiedlichsten Szenen sind. Dabei wird deutlich, dass sie trotz aller aktuellen gestalterischen Mängel des Platzes dort einen wichtigen Freizeitmittelpunkt gefunden haben und behalten wollen. Die Beschreibungen zeigen, dass sich hier ein großes Spektrum von Jugendlichen trifft, die nur zum Teil zur provokante Jugendszene gehören. Es wird plastisch geschildert, wie Nationalitäten, Gesellschaftsschichten, Mädchen und Jungen sich dort begegnen. So schreibt ein Teilnehmer: „Es ist ganz o.k., wenn gebaut wird, aber es soll auf alle Fälle genug Platz zum Sport treiben bleiben. Wir sind gerne hier, weil die Atmosphäre total gut ist. Vielfältig; auch, dass hier die Leute einkaufen und wir auch mal zum shoppen gehen können ist cool“ (pig 1764). An anderer Stelle heißt es: „Auf dem Alex ist ein Treffpunkt für Jugendliche sehr wichtig. [...] Und wir sind wirklich sehr viele Jugendliche auf dem Alex, die hier ihre Zeit nach der Schule oder nach der Ausbildung verbringen. [...] Hier auf dem Alex sind es so unterschiedliche Leute wie in keinem Jugendclub. Hier sind Türken, Farbige, Kurden, Albaner, Deutsche. Alle verstehen sich. Es ist für uns ein wichtiger Platz, und so soll es bleiben“ (bayar 1672). Es wird deutlich gemacht, dass der Alexanderplatz ein besonderer Ort ist: „Die Personen die jetzt hier sind werden sich woanders nicht mehr so zusammen finden“ (sri 1741). „Es gibt kaum Plätze oder Räume in Berlin, wo Jugendliche kostenlos ihre Freizeit gestalten können. Der Alexanderplatz ist heute noch ein Treffpunkt für über 300 Jugendliche“ (kasia 1312). Auch wird von allen die Möglichkeit eines „Platzbüros/ Platzladens“ aufgezeigt. Dies soll vor allem die Kommunikation, die Information und die Begegnung verschiedenster junger Menschen fördern, aber auch für andere Generationen nutzbar sein. (platzmanagement 1757) Weitere Beiträge, die nach Selbstaussage der Jugendliche treffen sich auf dem Alex. Schreibenden von Erwachsenen oder älteren Men(Foto: proerlebnisraum) schen stammen, machen deutlich, dass diese Jugendlichen und ihre Aktivitäten auch eine wesentliche Attraktion für den Platz darstellen. Die angedachte Verlagerung auf naheliegende Flächen würde einerseits den Jugendlichen die Attraktivität der Öffentlichkeit nehmen, andererseits dem Platz seine verbliebenen Attraktionen entziehen. So findet franz_biberkopf (1432), dass Sport und Spielmöglichkeiten auf dem Alexanderplatz als (Bewegungs-) Kultur begriffen werden können, die Urbanität ermöglicht und viele Menschen anzieht. „Wenn wir neutral und unvoreingenommen wären, würden wir also einen belebten Platz vorfinden, der, natürlich nicht immer reibungsfrei, eine unglaubliche Atmosphäre der Begegnung und des städtischen Miteinanders ausstrahlt. Und wir würden uns wundern, wieso dieses an einem grauen zugigen Platz überhaupt möglich ist und wieso wir dies nicht schon vorher wahrgenommen haben.“ (platzmanagement 1809)

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Meinung sagen und demonstrieren
In diesem Forum wurde darüber diskutiert, ob der Alexanderplatz auch in Zukunft ein Platz zum Demonstrieren und für die öffentliche Darstellung der Meinung sein soll, und wenn wie sich zukünftige Eigenschaften des Platzes darauf auswirken werden. Die große Mehrheit der Beiträge wünschte auch weiterhin eine Nutzung des Alex für Versammlungen, Demonstrationen und politische Meinungsäußerungen. Nur vereinzelt wurde angedacht, Demonstrationen vor dem Roten Rathaus oder dem Palast der Republik stattfinden zu lassen. (tatum 1784) Demonstrieren und Privatheit – ein Konflikt? In einigen Beiträgen wurde auf den Widerspruch zwischen der oftmals gewünschten Kleinteiligkeit und dem Offenhalten für viele verschiedene Interessen hingewiesen. So schreibt ein Teilnehmer: „Die Folgerung für die neue Platzgestaltung am Alex ist wohl, dass man den Platz nicht all zu voll packen darf mit allerlei Pavillons, Sportflächen u.ä. weil es sonst ganz schön eng wird – was aber umgekehrt auch wieder schade ist, da [...] ja schon gute Vorschläge für solche Nutzungen kamen“ (felix, 1252). Ein weiterer Beitrag diskutiert die Dichotomie der Platzgestaltung und dass durch die Privatisierung des öffentlichen Raumes und die Zuweisung von Funktionen, der freie Raum eingeschränkt wird (karlmarxstadt 1090). Rita2008 ist der Meinung, dass „große Kundgebungen auch in Zukunft auf dem Alexanderplatz möglich sein müssen. Es darf also nicht zu kleinteilig geplant werden. Einige Bänke auf dem Platz wären allerdings auch für diesen Zweck nicht verkehrt.“ (1671) Ein Ansatz, dem zu begegnen, wird in der Kanalisierung der Meinungsäußerung gesehen: „Damit man nicht andauernd von verschiedenen Gruppierungen angehalten wird, wäre es schön, einen bestimmten Diskussionsort dafür bereitzustellen. Meinetwegen einen Dauerstand, der an die So-und-soSchützer usw. vermietet wird und eine kostenlose Speakers Corner für spontane Beiträge aller Art“ (tatum 1785). Speakers Corner Nachdem bereits sehr früh in der Diskussion die Idee einer Speakers Corner auf dem Alexanderplatz eingebracht wurde, fand sie von vielen Seiten Zuspruch. Sowohl im Internetforum (z.B. alexander53 1661 und tatum 1787) als auch in den schriftlichen Anregungen (werner p.) wurde ein Podium a la Hyde Park als sinnvoll erachtet. Dies ist ein „wünschenswerter Beitrag zur demokratischen Streitkultur in Berlin“ heißt es in einem Beitrag (lolle 1730), und „schließlich lebt die Stadt von ihren vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten und Meinungen“ (berlinberlin 1724). Während angeregt wurde, eine Digitale Speakers’ Corner in Toronto eigene Bezeichnung für die „Speakers Corner“ zu (Foto: toronto.citytv.com) suchen, gab es für die Nutzung der „Bühne der Meinungsäußerung“ bereits sehr konkrete Vorschläge. Sie reichen von der freien Meinungsäußerung, über themenbezogene Diskussionsveranstaltungen zu festen Terminen, bis hin zum Rezitieren von berlinbezogenen Texten. So schreibt ein Teilnehmer: „Man kann sich bei der Umsetzung ja einiges einfallen lassen: vom Redner, der einfach auf eine Kiste o.ä. steigt, um zu reden, zum „Schwarzen Brett“ a la „Donnerstag 20h: Thema: Ich will vor’m Reichstag kicken“, bis zur Live-Übertragung eines „Duells“ auf Leinwänden. Willkommen in der Mediendemokratie!“ (berlinberlin 1724). Um dem Bürger 4

4.11.1989 an der Weltzeituhr

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die größtmögliche Freiheit in der Meinungsäußerung zu bieten, soll die Aufstellung der Speakers Corner nicht nur zeitweilig erfolgen (berlinberlin 1725). Dass Meinungsäußerung nicht automatisch nur politische Themen, sondern auch andere Inhalte vorgetragen werden können, betont ein anderer Beitrag:: „Warum alles getrennt sehen. Man könnte ja neben politischen Themen auch Gedichte zitieren oder Texte, die das Leben in Berlin beschreiben [...]“ (lolle 1730). Zur Gestaltung der Speakers Corner wird vorgeschlagen, „einfach Podeste aufzustellen aus Holz, Bronze oder Beton und rundherum eine einfache Bankreihe“ (alexander53, 1661).

Unterschiede ermöglichen
Wird auf dem zukünftigen Alexanderplatz genug Platz für alle sein? Viele Teilnehmer wünschen sich einen neuen Alexanderplatz, der offen ist für vielfältige Nutzungsansprüche und -formen. Schon heute würde der Alexanderplatz von sehr vielen unterschiedlichen Gruppierungen genutzt – insbesondere als Treffpunkt und Bewegungsraum vieler Jugendgruppierungen, und diese Nutzungen sollten vom neuen Alexanderplatz aufgenommen und berücksichtigt werden. Im Forum wurde auch angesprochen, was in der Fachwelt unter dem Begriff „Gender Mainstreaming“ diskutiert wird. Dieser Begriff steht für die Einsicht darin, dass Frauen und Männer unterschiedliche Lebenssituationen und Interessen haben, und diese Unterschiede in allen gesellschaftlichen Bereichen von vornherein Berücksichtigung finden müssen, will man Ausgrenzung und Benachteiligung verhindern. So wurden in Bezug auf die Platzgestaltung unterschiedliche Ansprüche von Jungen und Mädchen diskutiert :

Ja Mädchen und Jungen haben unterschiedliche Raumansprüche vor allem was die Ästhetik und die generationsübergreifende Nutzungsmöglichkeit des Raumes angeht. Aber sie haben auch ähnliche Raumnutzungsansprüche wie Jungs, d.h. sie wollen nicht unbedingt den Mädchen-Schutzraum und das Jungen-Ghetto. Mädchen [...] schätzen den kommunikativen Treffpunkt zum Zusammensitzen, auf unterschiedlichste Weise (von der Wiese bis zu Sitzstufen und Pavillons) mit Möglichkeiten zur Bewegung, wenn die richtige Gruppe zusammen kommt. [...] Jungs hingegen stellen ans Umfeld seltener ästhetische Ansprüche wie Sauberkeit, bunte Umgebung, Grün, Sitzmöglichkeiten zum Zuschauen und einmischen“ (proerlebnisraum 1289). Die Diskussion unterschiedlicher Ansprüche wird nicht nur in Bezug auf Männer und Frauen, sondern auch in Bezug auf alle möglichen Gruppierungen geführt (Jüngere und Ältere, Menschen unterschiedlicher Herkunft, etc.). Offen für unterschiedliche Nutzungsansprüche In vielen Beiträgen wird deutlich, dass der Alexanderplatz ein Platz für alle ist und bleiben soll. „Auf alle Fälle sollte der Platz ein Platz für alle sein und nicht nur für die ‚gewollten’. Ich will keinen Platz, der klinisch, kalt und videoüberwacht ist“ (luise 1077). Es wird betont, dass der Gebrauchswert des Platzes für möglichst viele Gruppen wichtig ist (jo 1726). Auch katharina sagt: „Heute ist der Alexanderplatz ein Begegnungsort für viele unterschiedliche Menschen und für viele unterschiedliche Jugendgruppen. So soll es bleiben“ (1254). Engelsjunge fügt hinzu: „Eine Begegnungsstätte ohne Hemmschwelle. Toleranz für alles und jeden. Ein Platz als Geschenk für die Freiheit des Menschen! Auch ein Platz für Kinder. Wie gesagt für alle!“ (739). Auch winkler betont: „Der Alexanderplatz ist ein Raum mit schwachen Grenzen, ein Raum heftigster Aktivität – hier kann die Stadt Miteinander erproben, Zeichen ihrer sozialen Kultur geben – wo, wenn nicht auf dem Alexanderplatz ist das zu wagen!“ 5

Junge Frauen auf der Rasenfläche vor dem Berolina Haus (Foto: proerlebnisraum)

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(1669). Der Wunsch nach einem „bunten“ Alexanderplatz wurde auch häufig im Zusammenhang mit dem Alexanderplatz als Begegnungsstätte thematisiert. „Am Anfang des 21. Jahrhunderts fordert die gesellschaftliche Realität neue Visionen im Umgang mit öffentlichem Raum. Es erwacht die Sehnsucht nach Lebensraum, der als Raum der Begegnung ein hohes Maß an Erlebnis- und Identifikationspotential bietet, dessen menschliche Dimension sich nicht in Lippenbekenntnissen oder in der Namensgebung erschöpft.“ (sandhaus 1172) Widersprüchliche Anforderungen Die Diskussion zeigt, dass es scheinbar widersprüchliche Anforderungen an die zukünftige Platzgestaltung gibt, deren Überbrückung für die Architekten und Planer eine große Herausforderung darstellen. So wird zum einen der Wunsch nach möglichst vielen unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten geäußert: für Biker bzw. Kuriere (kai 1799), für Ältere und Kinder (tatum 1790), für verschiedene Sportarten, z.B. Skaten, Basketball und Volleyball (freizeitler 1800, kristin 1332). Auf der anderen Seite gibt es die Forderung, die unterschiedlichen Nutzungsansprüche nicht von vornherein festzuschreiben. Der Alexanderplatz solle nicht zerstückelt, reglementiert, pädagogisiert oder unter Konsumzwang gestellt werden. Deutlich wird diese Befürchtung in diesem Beitrag angesprochen: „Der künftige Alex wird in einem aufgewerteten Umfeld vermutlich mehr angepasste und kontrollierte Aktivitäten erzwingen. Man sollte daher darauf achten, dass der große Platz nun nicht von wohlmeinenden Planern für alle möglichen Nutzungen parzelliert wird. Vorsicht auch vor ästhetisierenden Konzepten von Landschaftsplanern. Wichtig ist der Gebrauchswert des Platzes für möglichst viele Gruppen“ (jo 1726). Gefordert wird also auch ein offener, flexibler und „unfertiger“ Platz (chrisnoko 1822), oder wie in einem Beitrag auf den Punkt gebracht: „[...] dieser lebendige Öffentlichkeitsraum muss allen Menschen, jungen, alten, reichen armen, stillen, umtriebigen erhalten bleiben. Durchlässigkeit, Beweglichkeit, Offenheit für vielfältige Nutzungsformen müssen auch in der Neugestaltung bewahrt bleiben“ (winkler 1669). Während der Bürgerversammlung am 14. Mai 2003 wurde angeregt, den Wettbewerb für die Platzgestaltung auch auf den Bereich um den Fernsehturm und auf das Marx-Engels-Forum auszudehnen, weil der Alexanderplatz angesichts all der unterschiedlichen Nutzungsansprüche zu klein sein wird. Allerdings werden für eine eventuelle Umgestaltung des Marx-Engels-Forums und des Bereiches südwestlich des Fernsehturms in absehbarer Zeit keine Gelder zur Verfügung stehen (weiss, Senatsverwaltung 1836), bis auf den Bereich gegenüber des Cubix-Kinos, wo ein Volleyball- und Streetballfeld geplant ist. Einige Jugendliche bringen zum Ausdruck, dass Sie sich bei einer Verlegung ihres Treffpunktes abgeschoben fühlen würden (z.B. jenny 1744, kim 1742 oder sri 1741).

Sport machen und spielen
Soll es auf dem Alexanderplatz Möglichkeiten für Sport und zum Spielen geben? Wie können Angebote für Sport und Spiel auf dem Platz integriert werden? Diese Fragen waren der Ausgangspunkt im Forum „Sport machen und spielen“. Attraktivität durch Sport und Spiel Viele Teilnehmer äußerten sich positiv zu den bereits bestehenden Sportstätten und wünschten sich, dass dieses Angebot erhalten bleibt und sogar erweitert werden könnte. „Seit 6 Jahren komme ich regelmäßig zum Alex und treffe hier Freunde und Verwandte. Hier spiele ich
Basketballfeld im südöstlichen Platzteil (Foto: proerlebnisraum)

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Basketball, Volleyball, Fußball, Federball. Auf dem Alex ist ein Treffpunkt für Jugendliche sehr wichtig.“ (bayar 1672) Es gab viele Wünsche und Vorschläge in Bezug auf die Nutzung des Platzes für Sport und Spiel. Tenor ist, dass es auf jeden Fall, Sport- und Bewegungsmöglichkeiten geben soll auf dem zentralen Alexanderplatz. Der Basketballplatz und Beachvolleyplatz (sandra 1766, angola 1765, pig 1764, bayar 1672) sowie verschiedene Möglichkeiten zum skaten (marie 1763, pig 1764) und biken (pig 1764, kai 1799) sollen erhalten bleiben. Weitere Vorschläge sind Tischtennisplatten (ribar 1244), ein Fußballfeld (bayar 1672), eine Kletterwand (freizeitler 1800) oder ein Übungsraum zum Musik machen (kurdo 1244). Aber auch Ideen wie das Anlegen einer Minigolfanlage (einzelne Hindernisse mit Motiven aus der Stadt) (integra 1674) oder einer Eisbahn ohne Überdachung (alex007 1667) wurden angeregt. Temporäre Veranstaltungen wie beispielsweise das alljährlich stattfindende Beach Volleyballturnier könnten auf dem Alex stattfinden und ihm so noch mehr Popularität verleihen (mpaulick 848). Konkrete Anforderungen zum Beispiel der Skater sind Rampen evtl. überdacht oder eine Halfpipe (pig 1764) oder für Streetfahrer „Rampen, Hindernisse, diagonal abfallende Hausränder 50 bis 150m“ (strippe 1759). Der Jugendservicebereich sollte weiterhin Sportgeräte ausleihen und jeden Tag geöffnet sein (angola 1765). Für die Jugendlichen wäre es ebenfalls wünschenswert, wenn es öffentliche Computer zur freien Nutzung gibt (berzan 1333). Um diese vielfältigen Wünsche zu integrieren, schlägt tatum vor „einen Sportblock d.h. ein Gebäude mit Jugendclub, Ballkäfige am Boden, in den höheren Etagen Fitness mit Duschen, außen herum eine Joggingstrecke als Balkon und auf dem Dach die Skater“ zu errichten, allerdings nicht direkt auf dem Alex, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem Marx-Engels-Forum (1782).

Beachvolleyballfeld im südöstlichen Platzteil (Foto: proerlebnisraum)

Bewegungskultur erzeugt Urbanität Nachdem in der frühen Phase der Internetbeteiligung es einige wenige Beiträge gab, die sich gegen eine Nutzung des Platzes für sportliche Aktivitäten aussprachen (gundi 1222) und oftmals den Wunsch nach einer klaren und weiträumigen Gestaltung des Platzes ohne viele Installationen äußerten (flaneur 817), wurden Vorschläge gemacht, diesen anscheinenden Widerspruch aufzulösen. Ein Teilnehmer schreibt: „Sport und Spiel kann man tatsächlich auch als (Bewegungs-) Kultur begreifen. Kultur und Urbanität passen durchaus zueinander. Das haben kluge Planer in Rotterdam auch begriffen. Anstatt störende Skater, etc. vom Platz zu entfernen, haben sie ihnen ostentativ eine Bühne zur Betätigung gebaut. Darum herum scharren sich begeisterte Menschenmengen und betrachten ihnen Gebotenes. Das Konzept geht voll auf. Natürlich darf der Alex nicht zu einer Sportanlage degradiert werden. Dennoch: warum sollte nicht mit Bewusstsein auch dieses Potential genutzt werden? [...] Mit einer solchen Skyline im Hintergrund, mehreren innovativen Platznutzungen könnten wir sogar den Shouwburgplein vergessen machen“ (franz_biberkopf 1432). In einem anderen Beitrag wird ein ähnlicher Ansatz formuliert: „Mir fallen nicht viele Metropolen ein, in deren Stadtmitte man neben den Konsumtempeln auch einen Basketballplatz, Tischtennisplatten, einen Skateparcour, eine Graffiti Hall oder einen Buddelkasten findet. [...] Berlin braucht eine urbane Mitte, mit einem lebendigen Alex – auch nach Ladenschluß!“ (cosmicfrog 1415) Ein Teilnehmer fragt: „Könnte man nicht so etwas in den neuen Hochhausbau integrieren?“ (tatum 1783) Auch wenn die Vorschläge für eine Integration von Sport, Spiel und Urbanität im Forum nicht weiter konkretisiert wurden, zeigt sich doch der Wunsch, eine solche Verbindung in der zukünftigen Gestaltung des Platzes zu realisieren. Es gibt unter den Jugendlichen Ängste und Vorbehalte gegenüber einer Verlegung der Sportstätten in das Areal um den Fernsehturm. In einem Beitrag heißt es dazu: „Wir wollen uns weiterhin am Container an den Spielfeldern treffen und nicht am Fernsehturm. Da sind Kameras, und die Erwachsenen 7

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fühlen sich sehr schnell gestört, wenn wir so viele sind. Außerdem sind da so viele Touristen, und wir wollen Leute kennenlernen, die auch noch nächste Woche da sind“ (bayar 1672). Allerdings wird von den meisten (nicht nur jugendlichen) Teilnehmern nur die Furcht vor einem Verschwinden der Sportstätten zugunsten von Bürohäusern zum Ausdruck gebracht. (seelenh 1797, tatum 1783, sandra 1766, angola 1765, pig 1764).

Fahren und umsteigen
Verkehr prägt den Alexanderplatz in verschiedener Hinsicht und gibt dem Platz sein spezielles Gesicht und einen deutlichen Charakter. Die meisten Beiträge im Forum setzen sich mit dem Nebeneinander der Verkehrsarten auseinander und auch mit der Frage, wie die Zu- und Übergänge zu gestalten sind. Verkehr wird weiterhin als verbindendes wie auch als trennendes Element dargestellt und das Problem angesprochen, wie die zerschneidende Wirkung von Verkehrsachsen zu überwinden ist. Übergangsbereiche und Einbindung des Alexanderplatzes Der Alexanderplatz ist vom Verkehr umschlossen. Breite verkehrsreiche Straßen grenzen den Platz von anliegenden Gebieten ab. Diskutiert wurde die Frage, ob durch die Platzgestaltung eine bessere Anbindung des Alexanderplatzes an angrenzende Quartiere gelingen kann. Dabei ist sowohl zu beachten, wie man sich dem Platz von verschiedenen Richtungen nähert, als auch, wie man andere Gebiete erreichen kann. Auf der Versammlung wurde geäußert, dass der Alexanderplatz bisher schlecht vom Scheunenviertel zu erreichen ist. Um die Anbindung des Alexanderplatzes an den Fernsehturm und die Marienkirche zu verbessern (harnack 1214), wurde empfohlen zusätzliche Wege und Durchbrüche zu schaffen (typ 1220).

Zerschneidungswirkung der Gleistrassen

Als entscheidender Faktor wurde die Gestaltung der Platzrückseite angemahnt. Auch dort gehören Radwege, breite Fußwege, Bäume und gute Beleuchtung hin. „[...] Hochhäuser haben oft große An- und Ablieferungszonen. man kennt das ja vom Potsdamer platz: ein kleiner bereich in der Mitte des Gebietes (die mit den bäumen und der shopping-mall) wirkt dann attraktiv, wer sich aber von der falschen Seite nähert, sieht nur an- und Anlieferungszonen und kommt sich als Fußgänger verloren vor (zum Beispiel, wenn man vom Landwehrkanal in Richtung Potsdamer Platz kommt). Deshalb ist es wichtig, dass bei der jetzigen Freiraumgestaltung des Alex nicht nur über die Fläche in der Mitte nachgedacht wird, sondern, wie man dafür sorgen kann, dass man sich auch auf den Rückseiten der Gebäude noch wohl fühlt. auch dort gehören Radwege, breite Fußwege, Bäume und gute Beleuchtung hin. (Felix 1236) Einige Beiträge beschäftigten sich besonders mit dem Thema der Straßen als trennenden Verkehrsachsen. Vorgeschlagen wurde z.B. leeren Raum (Freiflächen) durch Bebauung zu überwinden oder die breiten Straßen zu verschmälern: „Die jetzige Gestaltung bietet z.T. noch die Möglichkeit, sich auf die historische Gestaltung und Grundriss zu besinnen. Die Straßenbahn, die hier wieder fährt, ist Teil davon. Der Rückbau der den Alex umgebenden „Paradestrassen“ wäre ein nächster Schritt“ (cosmigfrog 1413). Auch die teilweise Sperrung der Strasse (Alexanderplatz) für den motorisierten Individualverkehr wird diskutiert und
Zerschneidungswirkung der Straßen

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angeregt, dass die Autofahrer über die Mollstrasse umgeleitet werden (wrnr 1754). Eine schriftliche Anregung stellte noch einmal die Wichtigkeit von Sichtbeziehungen heraus: „Wichtig ist für mich vor allem der freie Blick auf den Bahnhof Alexanderplatz mit seinen ständig wechselnden Menschen und Zügen. Alles ist in Bewegung und großstädtisch offen. Die Erweiterung des Kaufhofes um mehr als 20 m auf den Platz wird den Blick auf den Bahnhof einengen und dem Platz wichtigen Raum nehmen.“ (Irmgard Schmidt, Schriftliche Anregung vom 13.05.2003) Umsteigepunkt und Vielfältigkeit der Verkehrsströme Wie auf der Bürgerversammlung geäußert wurde, ist der Alexanderplatz bekannt und geprägt durch die vielen verschiedenen Verkehrsströme. Das Kommen und Gehen auf dem Platz sollte auf jeden Fall berücksichtigt werden. Auch Wartehäuschen „mit Liebe zum Detail“ an den Haltestellen, die vor Regen und Zugluft schützen und nicht voller Reklame sind, werden vorgeschlagen (alexandrea 1276). Straßenbahn, Fahrräder und Fußgänger begegnen sich auf dem Alexanderplatz. In einer kontroversen Diskussion wurden Argumente für oder gegen die Straßenbahn ausgetauscht. Soll die Straßenbahntrasse weiterhin über den Platz führen oder werden Fußgänger, Rollstuhlfahrer, Fahrräder zu stark behindert bzw. ist es gar zu gefährlich (louise 1422, ingolf 1676, bianka 1417)? Ist eine Straßenbahn, die nah an die anderen ÖPNV-Angebote in Schrittgeschwindigkeit über den Platz fährt ein gutes Anschlussverkehrsmittel (ingolf 1857) oder vergibt sie die Möglichkeit, schnell Pendlerströme zu befördern (lithie 1792)? Auch als gestalterisches Element wurde die Straßenbahn sehr verschieden bewertet. Sie wird von einigen Diskussionsteilnehmern als störende Schneise (wrnr 1752), von anderen aber als verbindendes Element gesehen (ingolf 1756). Einigkeit bestand darin, dass bei der neuen Platzgestaltung der Belag der Straßenbahnstrecke zu berücksichtigen ist: „Beispiele aus anderen Städten zeigen, wie man mit einer sehr guten Pflasterung Straßenbahnstrecken sehr gut in sensible Platzräume einfügen kann – nur in Berlin scheint man davon noch nichts mitzubekommen. Man könnte mit etwas Gutem Willen die Pflasterung des gesamten Platzes auch zwischen den Gleisen fortsetzen.“ (ingolf 1756) Weiterhin wird vorgeschlagen, die Stadtbuslinie 100 über den Platz zu führen, die Attraktivität zu erhöhen (heinbloed 722) beziehungsweise, dass die Buslinien 100, 200 und 148 näher an den Platz fahren. Als wenig zufrieden stellend wurde die derzeitige Führung des Fahrradweges über den Alexanderplatz beschrieben. „Schön wäre ein Radweg mit gutem Belag, der deutlich gekennzeichnet ist“ (wrnr 1753). Auch ein Mangel an Fahrradständern wird konstatiert (gundi 1222, lucy 1216). Bikerflohmarkt und eine Bikerwerkstatt für alle Radfahrer könnten sinnvolle ergänzende Angebote sein (kai 1799). Pendlerströme passieren den Platz meist in Eile Mangelnde Fahrradparkmöglichkeiten (holger 854). In der Diskussion wurde daher gewünscht, einerseits einen zügigen Wechsel zwischen den Verkehrsarten zu ermöglichen (Diskussionsbeitrag der Veranstaltung am 14.5.03, 1472), aber gleichzeitig Angebote zum Verweilen zu bieten (kathrin168 901). Andere Beiträge schlagen vor, mögliche Umwege einzubauen und z.B. mit Rampen und kleinen Treppungen gestalterische Akzente zu setzen (schatter 1197, holger 854). Andererseits sollten gerade in den Umsteigebeziehungen keine künstlichen Hindernisse geschaffen werden (chrisnoko 1805). Transparenz des Bahn- und Tunnelsystems Der hohe Erlebniswert des Alexanderplatzes unter der Erde mit den vielen Gängen und unterschiedlichen Ebenen wurde betont. Einige Diskussionsteilnehmer sprachen sich dafür aus, dem Platz durch die Gestaltung der Verkehrsebenen ein unverwechselbares Gesicht zu geben (miharo 9

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1192). So könnte über eine Aufwertung der Tunnelsysteme durch Zwischennutzungen oder andere kreative Ideen nachgedacht werden. Der Zugänglichkeit der einzelnen Verkehrssysteme kam in der Diskussion eine wichtige Bedeutung zu. Hier ist vor allem die Frage zu lösen, wie es gelingen kann, die U-Bahneingänge nicht als dunkle Löcher, sondern als helle, freundliche, gut einsehbare und weithin sichtbare Strukturen zu gestalten. Damit U-Bahn-Benutzer nicht, wie heute, an irgendeiner Stelle des Alex aus dem Untergrund auftauchen und sich auf einer weiten Fläche verlieren, sollte die Integration der Auf- bzw. Abgänge ganz stark bei der Planung der Platzgestaltung berücksichtigt werden (felix 1227). An verschiedener Stelle wurde eine Gestaltung der U-Bahnhöfe mit Glasüberdachungen angeregt, die das Tageslicht auf die Bahnsteige leiten würde und bei Dunkelheit von oben die fahrenden U-Bahnen und die Passanten sichtbar machen würde. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass dies aufgrund des hohen technischen und finanziellen Aufwands sowie der Kosten für die Pflege solcher Glasüberdachungen schwierig umzusetzen sei. (weiss senatsverwaltung 1803). Eine Teilnehmer verwies auf den existierenden dreistöckigen Bunker unterm Alex, dessen Besichtigung interessant und anziehend wäre (schatter 1256).

Geschichte lebendig halten
Der Alexanderplatz ist ein geschichtsträchtiger Ort. Wie kann es gelingen, durch die Platzgestaltung Zukunftsfähigkeit und Geschichtsbewusstsein in Einklang zu bringen? Geschichtsbuch Alexanderplatz Der Alexanderplatz gleiche einem großen Geschichtsbuch, dieses Bild wurde in der Diskussion geprägt. Gemeint ist damit, dass sich am Alexanderplatz verschiedene Spuren der Vision von großstädtischen Plätzen finden lassen. Der Platz und die Gebäude tragen Geschichten in sich, die ein Teil der Stadtentwicklung sind und als solche nicht aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden dürfen (knightandgreen 1170). Im Laufe der Diskussion wurde der Alexanderplatz deshalb auch als „Freilicht-Museum für Architektur bezeichnet (dabei 721). Vorgeschlagen wurden Infostände/ -tafeln, die was zur Geschichte sagen (luise 1077) oder Erinnerungstafeln, die alte historische Standorte bezeichnen (baobao 1745). Aber auch weitergehende identitätsstiftende Vorschläge wurden unterbreitet. Identitätspunkte erhalten und stärken Einige Merkmale des heutigen Alexanderplatzes werden von verschiedenen Seiten als Identitätspunkte bezeichnet. Dazu gehört die Weltzeituhr (hensi 717, mpaulick 849, u.a.), der Brunnen der Völkerfreundschaft (schatter 1197, nele 755, u.a.) und die Behrensgebäude (rita2008 1670, wrnr 1754). Einhelliger Konsens besteht bei den Diskussionsteilnehmern über den Erhalt dieser Elemente. Angeregt wurde, die Fassade des Kaufhofs zu erhalten, da „die perforierte und gefaltete Fassade des Kaufhofs eine Besonderheit darstellt und mittlerweile wie ein Signet wirkt, wenn man mit der S-Bahn vorbeifährt. Sie sollte unter Denkmalschutz gestellt werden als einmalige Erinnerung und unbedingt an das neue Gebäude montiert werden! Die Fassade taucht sogar in manchen Filmen auf und man weiß sofort, wo das ist“ (tatum 823 und 827).

Das Kaufhaus Tietz am Alexanderplatz

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In diesem Zusammenhang wird auf die Bedeutung von „identitätsstiftender Architektur“(Bauchbinden wie das Haus des Lehrers bei den Neubebauungen) oder identitätsstiftenden Namen der Gebäude (z.B. Haus des Lehrers oder Haus der Gesundheit) hingewiesen (sandhaus 932). Wie diese Identitätspunkte zitiert oder integriert werden können, bleibt eine offene Frage für den Wettbewerb. Immer wieder wurde der Alexanderplatz als Ort der Demonstration vom 4.11.1989 hervorgehoben. Dieser Teil geschichtlicher Bedeutung könnte durch eine Kaufhausfassade Installation, auf der Szenen der Demo vom 4.11.89 gezeigt werden, in die Gestaltung des Alexanderplatzes eingehen (smartie 1798). Zur Integration von Ost- und West wurde vorgeschlagen, ein Bodenmuster im Ying Yang Muster zu entwerfen (telespargel 883) oder aber das Schneckenmuster des Platzes beizubehalten (luise 1077). Recht verschieden sind die Meinungen, was eine Wiederaufstellung der Berolina angeht. Einige Diskussionsteilnehmer empfinden diesen Vorschlag als rückwärts gewandt (franz_biberkopf 1433), andere stehen ihm positiver gegenüber (berolina 1198). Ein Förderverein setzt sich gezielt für die Wiederaufstellung der Berolina ein. Verschieden waren auch die Ansichten, ob nur eine historische Berolina-Figur oder nur ein Neuentwurf in Frage kommt. Auf der Präsenzveranstaltung wurde gemeint, dass man auf die Installation moderner Kunst auf dem Alexanderplatz doch weitgehend verzichten möge, da der Platz einen historischen Anspruch habe (Diskussionsbeitrag der Veranstaltung am 14.5.03, 1481). Nutzungsansprüchen junger Berliner Künstler und der Anforderung auch Ereignisse jüngerer Geschichte auf dem Alexanderplatz erlebbar zumachen steht dieser Wunsch jedoch entgegen (artistz 1648). Viele Diskussionsteilnehmer äußern den Wunsch die historische Bedeutung des Platzes bewusst zu machen, aber keinesfalls ein historisierendes Lebensgefühl festschreiben zu wollen. Vielmehr soll der Platz neue Ideen befördern.
Historisches Berolina Standbild (Foto: berolina)

Kunst und Attraktionen erleben
Kunst und Attraktionen erleben Die Frage, welche Kunst und Attraktionen auf dem Alexanderplatz in Zukunft geboten werden sollen, stand in diesem Forum im Mittelpunkt. Dass der Platz durch kulturelle Nutzungen, Installationen und Ereignisse attraktiver werden und eine stärkere Identität erhalten würde, war in der frühen Phase der Diskussion weitestgehend Konsens. Kunst als Aktion Licht und Wasser als künstlerisch gestaltende Elemente waren für mehrere Teilnehmer Ausgangspunkt für ihre Ideen. So wurde zum Beispiel die Beleuchtung bei Nacht thematisiert: „Ich finde, es sollte unterschiedliche Beleuchtungsszenarien geben. Eine rote Stunde von 21-22 Uhr, eine grün beleuchtete Stunde von 22-23 Uhr [...] von 1-2 Uhr vielleicht mal stockfinster [...]“ (telespargel 1493). Auch kombinierte Licht- und Wasserspiele wurden vorgeschlagen (af 1693), diese Idee wurde aufge11

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griffen und ihre Realisierung in Verbindung mit dem Brunnen der Völkerfreundschaft angeregt. Wasser sollte als Element der Gestaltung eine Rolle spielen „als untergeordnetes Element, vielleicht in Form von kleinen Rinnsalen zur Platzmarkierung“ (sonne 1700). Kinder und Jugendliche wünschten sich bekletterbare Kunst, begrünte Häuserwände mit Nistmöglichkeiten für Vögel und einen Abenteuer- bzw. Naturspielplatz Beleuchtungsszenario Rotterdam Schouwburgplein mit Wasser als Gestaltungselement und in einer hundefreien Zone gelegen (Kinder- und Jugendbüro Mitte 1755). In einem anderen Beitrag wurde sich dafür ausgesprochen, die bisherigen Projekte mit legalen Graffitis auf dem Alex fortzusetzen und eine Fläche dafür bereitzustellen (artistz 1648, cosmifrog 1415). Ein Teilnehmer sprach sich für großformatige Leuchtreklamen wie am Times Square aus. Andere Beiträge wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass dadurch der öffentliche Raum zunehmend kommerzialisiert wird, was mit Einschränkungen der persönlichen Freiheit einhergeht (lolle 1729). Kunst als Interaktion Kunst wurde in mehreren Beiträgen auch als interaktive Kunst definiert. In Installationen wie „Videoprojektionen, Lichtspielen, beweglichen Skulpturen“ (hensi 929) sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass der Platz von seinen Bürgern mitgestaltet und bestimmt wird. Eine flexible Kunstinstallation wurde angedacht, „die die Möglichkeit bietet, sehr viele Formen und Farben, Bewegungen, Lichteffekte und Töne darzustellen und digital gesteuert wird. Jeder weltweit könnte über ein möglichst einfaches Bedienungsmenü im Internet auf diese Installation zugreifen und ein Programm für sie erstellen“ (neuropilot 1819). Auf der Versammlung gab es einen Vorschlag zur besseren Verständigung über Sprachgrenzen hinweg, z.B. könnte an der Weltzeituhr ein Terminal mit Sprachübersetzung (es wird Chinesisch hineingesprochen und Deutsch kommt wieder heraus) aufgestellt werden. Eine Idee, die mit der heutiger Informationstechnologie bereits realisierbar wäre, ist der „InternetGroßbildschirm“ auf den man weltweit nach Anmeldung zugreifen und etwas darstellen kann (zebra 837). Diese Idee wäre auch kombinierbar mit der oben genannten Idee der Speakers’ Corner. Feste und Märkte Zur Belebung des Platzes, wurde eine Vielzahl von Märkten diskutiert. Ein Chancenmarkt mit „Ständen oder Boxen, die an verschiedene Künstler, Modemacher usw. kurzzeitig vermietet werden können“ und „ein kleiner, feiner Biomarkt mit Besonderheiten“ (tatum 964) betonen die Absicht, den Alex durch Besonderheiten auszuzeichnen. Auch die Idee eines 24 h Supermarktes geht in diese Richtung (tatum 964). Aber auch Feste für alle wie „Frühlingsfeste, Sommernachtsbälle, Weihnachtsfeiern, Modeschauen, Hundetreffen, Kinderfeste, Rollstuhlpartys, Rummel, Zirkus, Erntedankfeiern“ (pantha 878) wurden vorgeschlagen.

Basketball Comic auf dem Alex (Foto: proerlebnisraum)

Auswirklungen der Hochhäuser
Auch wenn der Handlungsspielraum der interaktiven Bürgerbeteiligung auf die Platzgestaltung des öffentlichen Raumes beschränkt war, diskutierten die Teilnehmer natürlich auch intensiv über die bereits planungsrechtlich festgelegte Bauplanung. Tenor ist, dass die Hochhausbebauungen auch den Platz entscheidend beeinflussen werden. So schreibt Irmgard S.: „Die zukünftige Gestaltung dieses zentralen Platzes wird in entscheidendem Maße von dieser Bebauung und den weiteren baulichen Veränderungen abhängen“ (Schriftliche Anregung, 13.05.2003). 12

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Die Diskussion wurde dabei kontrovers geführt. Dabei ging es von der strikten Ablehnung der Hochhausbebauungen „keine Wolkenkratzer, höchstens 6-8 stöckige Häuser mit begrünten Innenhöfen“ (Wolfgang K. schriftliche Anregung 23.05.03), „statt der Neubebauung sollten lieber die bestehenden Häuser restauriert werden“ (sokrates 1696), bis zu einer Befürwortung der Kollhoff-Planungen: „Hans Kollhoff ist mit seinem Konzept eine wahre Meisterleistung gelungen. Die an die Hochhäuser des NY der 20er Jahre angelehnten Monolithen versetzen uns in eine Zeit, die ganz weit weg ist vom spießigen Plattenbauviertel mit angrenzender Grünfläche. Sie versetzen uns in ein goldenes Zeitalter. Ein Zeitalter des Aufbruchs, der Ästhetik, der Noblesse“ (nickysanto 930). „Hochhaeuser (wie in Frankfurt) muessen mit der Nachfrage kommen, und ich find's gut zu wissen dass dafuer ein Platz in Berlin ist. Wenn jemand ein Hochhaus bauen will in Berlin in Zukunft – dann heisst das am Alex, nirgendwo anders!“ (joschben 1011) Der Nutzung und Gestaltung der Gebäude kommt dabei eine ebenso wichtige Bedeutung zu wie der eigentlichen Platzgestaltung. Vor allem die Nutzungen in den Erdgeschossen sind wichtig, für einen belebten und attraktiven Platz. „Die Identifikation einer Stadt läuft doch nicht über Hochhäuser [...] Wenn Hochhäuser, dann mit entsprechenden Auflagen wie in Shanghai (Pudong): Mischnutzung: Hotel, Büro, Wohnen“ (heinbloed 1118). “Wenn Berlin etwas *nicht* braucht, sind es noch mehr Büroflächen in Hochhäusern“ (Jochen 1131).

Mut zur Langsamkeit
Unabhängig von der kritischen Haltung zu den geplanten Bauten – und auch unabhängig von gestalterischen Detailfragen – einhelliger Konsens unter den Teilnehmenden besteht darin, dass der Alexanderplatz langsam und kontinuierlich gestaltet werden soll. Die Nutzungen und Nutzer müssen sich entwickeln, damit etwas Bedeutendes entstehen kann (winkler 1669). Auch angesichts des ungeklärten Zeithorizonts für die Bebauung erscheint dies nicht nur sinnvoll, sondern notwendig. Der abschließende Beitrag von lolle beschreibt sehr klar, wo jetzt die Aufgabe der Wettbewerbsteilnehmer beginnt: „je mehr ich darüber nachdenke und jetzt wenn man die ergebnisse noch mal liest, habe ich ein gutes gefühl, dass der alex es schaffen könnte, auch in der zukunft ein gutes beispiel für einen platz zu sein, der verschiedene nutzungen toleriert und verschieden meinungen respektiert und akzeptiert. also nicht ein platz zu sein, der wie der potsdamer platz nur schick gemacht wird, sondern der belebt ist und der verschiedene interessen und werte toleriert. es kommt also darauf an, zu gewährleisten, dass auch weiterhin, alle leute, diesen platz nutzen können und beleben können. das kriegt man natürlich nicht nur mit bauten hin, sondern es gilt jede menge aktivität darein zu stecken, das zu unterstützten und zu fördern, was sich bereits auf dem alex etabliert hat! das forum hat doch ganz gut veranschaulicht, wie gut dieser platz funktioniert vor allem in sozialer und integrativer hinsicht. liebe politiker unterstützt die bestehenden aktivitäten (vor allem die der jugendlichen, die wohl einen großen anteil ausmachen), denn sie sind es, die den alex zum platz machen! hier begegnet man sich, hier spricht man miteinander und tauscht sich über verschiedene ansichten und meinungen aus. hier wird gemeinschaftssinn gefördert, hier wird kommuniziert, gespielt, demonstriert, getroffen usw. was will man mehr? identität und integration auf dem platz, wie ich das stärken kann, das sind nun die fragen, die es aufzulösen gilt! ich plädiere für keinen zweiten potsdamer platz oder haackesche höfe, sondern für einen alex, der zeigt, dass jeder dort sein kann oder vor allen diejenigen, die sonst wenig raum in der stadt finden. der alex für ein weltoffenes und tolerantes berlin!“ (lolle 1873)

Dokumentation: Daniela Riedel, Hans Hagedorn, www.cityandbits.de

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4.3 Kinder und Jugendliche am Alexanderplatz

Berlin Alexanderplatz – ein Platz für junge Menschen Sachverständigenbeitrag
Ausgangspunkt: „ Den Bedürfnissen und Wünschen von Kindern und Jugendlichen ist in der Gestaltung des Alexanderplatzes besonders Rechnung zu tragen!“ Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Mitte, im August 2002 500 bis 1.000 junge Menschen benennen den Alexanderplatz als „ihren Platz“ und halten sich regelmäßig (mindestens 2 bis 3 Mal in der Woche für mindestens 2 Stunden) hier auf. Die Zahl der sich hier nur zeitweilig aufhaltenden jungen Menschen (aus Berlin, dem Umland und Touristen) liegt bedeutend höher und bewegt sich schätzungsweise um die 10.000.

Breakdancewettbewerb

Streetdance am Platz

Das Projekt „Berlin Alexanderplatz – ein Platz für junge Menschen“ erfasst seit 1998 die Wünsche und Bedürfnisse vieler dieser junger Menschen zur Gestaltung des Alexanderplatzes und setzt diese im Rahmen von Zwischennutzungen mit ihnen um. So entstanden ein Beachvolleyballfeld, eine Jugendinfobox, ein Jugendservicebereich, der die Ausleihe von Spiel- und Sportgeräten ermöglicht und als Treffpunkt dient sowie ein von Jugendlichen in Eigenregie erstellter Skateparcours.

Der Jugendservicebereich

Kostenloses Beachvolleyball

Nordspange mit Feldern am Vormittag

Klettergerüst für Kinder

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Junge Menschen als Planer des Alexanderplatzes – Vielfalt erhalten und ein Miteinander ermöglichen!

Kinder und Jugendliche haben sich den Alexanderplatz als einen zentralen Treffpunkt erobert. Die unterschiedlichen Jugendkulturen bereichern sein Erscheinungsbild. Mit ihren vielfältigen Aktivitäten - oft bis zur Showqualität - tragen sie einiges zu einer bunten, großstädtischen Atmosphäre bei.

Spontanes Spiel, dort wo Platz ist

Daher sind die Ideen junger Menschen eine positive Planungsressource. Sie schon frühzeitig und ernsthaft in die Planung einzubinden, birgt die Chance, die ungewollte Umnutzung neu gestalteter Platzelemente zu verringern und schützt so teilweise vor ansonsten vorprogrammierten Nutzungskonflikten.

Sitzstreik unter der Weltzeituhr

Biker am Alexanderplatz

Ziel der Planungen muss sein, eine größtmögliche Multifunktionalität des Alexanderplatzes herzustellen, damit eine vielschichtige kulturelle und intergenerative Nutzung des Platzes gesichert werden kann.

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Die folgenden Wünsche, Ideen und Vorstellungen junger Menschen sind in mehreren Workshops, Befragungen und auch bei der Internet-Beteiligung genannt und zum Teil in Modelle und Zeichnungen eingearbeitet worden. Die entstandenen Modelle der Workshops sind in der Rahmenkoordination der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu sehen.

Beteiligung von Kids auf dem Alex

Modell mit Überdachung, Sitzen und Grün

Vieler dieser Ideen bestechen durch Phantasie und Kreativität. Andere Ideen kommentierten die jungen Menschen leider schon von sich aus dahingehend, dass sie keine Chance sahen, mit ihren Gedanken ernstgenommen zu werden. Daher wurden in erster Linie mehr Nutzungsarten und wünsche, weniger Gestaltungsvorschläge genannt.

Stark und bunt gestalteter Platz

Ausstellung eines Modells im parkinn-Hotel

Die Wettbewerbsteilnehmer/innen haben nun die vertrauensvolle Aufgabe, diese Ideen in ihre Gestaltungsvorschläge einzubeziehen, sie weiterzuentwickeln und gestalterisch umzusetzen. Für diese Aufgabe haben wir skizziert, wer diese jungen Menschen sind und mit welchen Bedürfnissen und Erwartungen sie sich auf dem Alexanderplatz treffen.

Breakdancer

Basketballer auf dem Alex

Breakdancer

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Warum halten sich junge Menschen auf dem Alexanderplatz auf? – Sport, Treffpunkt, Ruhepunkte und zwangloses Beisammensein

Konzentriertes Spiel auf den Steinbänken

Skater auf Eigenbau

Wer sind die jungen Menschen, die sich auf dem Alexanderplatz aufhalten? Welche Bedürfnisse haben sie? So befragt durch das Platzmanagement ergaben sich folgende Antworten: In der Nordspange des Alexanderplatzes nutzen sportorientierte Jugendliche das Basketball- und Beachvolleyballfeld - andere sitzen beim Kartenspiel auf den Steinstufen nebenan. Der Jugendservicebereich (seit 3 Jahren von Jugendlichen selbstorganisierte Ausleihstation im Container von Spielen und Sportgeräten, sowie Treffpunkt) dient zudem als attraktiver Treffpunkt für kleinere und größere Gruppen und ermöglicht Fußballspielen in der Streetversion! Dazu gesellen sich Skater, Boarder und BMXer, die in Eigenverantwortung Skateelemente warten und nutzen!

Graffitiaktion

Ruhemomente im Schatten der Bäume

Viele junge Menschen suchen inmitten des Platzes auf den wenigen Grünflächen Ruhebereiche, zum Chillen (Ausruhen und Entspannen) oder / und um sich nach der Schule oder während des Berlinbesuches zu treffen. Der Schatten der Bäume lädt zudem viele junge und nicht mehr ganz junge Menschen zum Picknicken und Lesen ein.

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Bankbau am Alex

Sitzen -wenn´s geht Multikulturelle Begegnungen bedeuten am Alexanderplatz nicht nur die Begegnung verschiedener Nationalitäten, sondern auch der verschiedenen Lebenskulturen in diesem Land. Zudem ist der Alexanderplatz ein Anlaufpunkt für viele Neuberliner/innen deutscher und nichtdeutscher Herkunft, die hier Anknüpfungspunkte finden und unkompliziert Kontakt zu Berlinnerinnen und Berlinern herstellen, um sich in diese Stadt zu integrieren. Auffällig ist auch der Anteil an Mädchen und jungen Frauen, die den Alexanderplatz nutzen, um neue Menschen kennen zu lernen. “Dafür ist der Alex bekannt,“ so ein Mädchen, „da lernste schnell neue Leute kennen.“

Bilder Aktionstag für Kinder und Jugendliche InterAktiv 2

Die jungen Menschen am Alexanderplatz und das Projekt „Berlin Alexanderplatz - ein Platz für junge Menschen“ wünschen Ihnen bei dem Wettbewerb viel Spaß, in der Hoffnung, dass die aufgezeigten Ideen, Wünsche und Vorstellungen so weit wie möglich von Ihnen umgesetzt werden.

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Ideen und Wünsche junger Menschen zur Gestaltung der Freifläche am Alexanderplatz
• • • • • • • Frei verfügbare Sitzmöglichkeiten, die nicht kommerziell genutzt werden, dies könnte über schlichte, festverankerte Bänke hinausgehen Überdachungen im frei nutzbaren Platzbereich, die eine Belebung des Platzes auch bei schlechtem Wetter zulassen Vor Wind und Regen geschützte Bereiche, die jedem Menschen offen stehen Attraktive und flexibel nutzbare Begrünung des Platzes besonders durch nutzbare Flächen, wie z.B. Rasen oder ähnliches Nutzbare Wasserflächen oder -läufe Benutzbare/bekletterbare Kunstobjekte, die nicht nur einen gestalterischen Wert haben Eine Anlaufstelle für junge Menschen, wie z.B. ein „Jugendbüro“, einen Infopunkt (mit Internetcafé, Infos über Kultur, Jugendszene, Projekte, touristische Belange wie Unterkünfte etc.) oder ein Imbiss bzw. eine „Trinkhalle mit Fußbodenheizung“ mit für die Jugendlichen bezahlbarem Angebot Die bestehenden Spiel- und Sportflächen (Skateelemente, Basketball Beachvolleyball und „Streetball- Flächen“) sollten zumindest in einer „Lightversion“ auch in Zukunft direkt auf dem Platz erhalten bleiben

•

Der Alltag am Alex

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• • •

Ein mulitfunktioneller Bereich, in dem z.B. eine kleine „Bühne“ für Kleinkunst oder ein „Speaker´s Corner“ Platz haben Genug Fläche für größere Veranstaltungen und Events, wie Aktionstage, eine temporäre Eisbahn oder ähnliches Eine Graffitifläche frei auf dem Platz oder an einem Gebäude, auf der entweder direkt gesprüht werden kann oder Leinwände etc. für Graffitikunst installiert werden können Eine Kletter-/ Boulderwand, die kostenfrei nutzbar ist Eine kostenlos nutzbare Toilette

• •

Selbst wenn einige dieser Angebote in einen Bereich um die Grünfläche am Fuß des Fernsehturmes verlagert werden können sobald die Hochhausphase beginnt, formulieren die Jugendlichen deutlich die Erwartung, sich und die genannten Wünsche auch auf dem eigentlichen Platz um den Brunnen wiederfinden zu wollen.

Exemplarischer Lageplan mit Wünschen von Kindern und Jugendlichen

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4.4 Beurteilungskriterien des Frauenbeirats der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Beirat für frauenspezifische Belange bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung - Geschäftsstelle Berlin, den 07.08.03 IX B 51 / Ursula Reitzig ☎ 030 / 9025-2401

Freiraumplanerischer Wettbewerb Alexanderplatz Beurteilungskriterien für die Entwürfe (Prüfkriterien für die Vorprüfung)

Entwurf • • Gendergerechte Unverwechselbarkeit des Entwurfs: Gibt es eine Symbolik für die Gleichberechtigung von Frauen und Männer bzw. aller BürgerInnen? Merkmale und Elemente der integrativen Auswirkungen des Entwurfs

Aufenthaltsqualität / Nutzung • Gestaltung von Aufenthaltsbereichen unter Berücksichtigung von Genderaspekten: Lässt die Platzgestaltung für Wahrnehmung und Nutzung auch Standortwechsel, Veränderung und Entwicklung zu ? Alex als öffentlicher Raum: Bietet die Gestaltung eine Offenheit für die Nutzungs- und Ausdrucksformen aller BürgerInnen ? Welche Nutzergruppen werden angesprochen, welche Aktivitäten gefördert ? Räume und Angebote differenziert und durchlässig für Frauen/ Männer, Mädchen/Jungen, Junge/Alte, Nationalitäten ..., die (traditionelle und neue) Geschlechtergrenzen für beide Geschlechter überwinden ? Charakteristische Orte, Objekte etc., die Geschlechtergerechtigkeit symbolisieren und beinhalten: Gibt es gendergerechte Unverwechselbarkeiten in der Akzentuie rung einzelner Bereiche ? Mit welchen Mitteln wird eine Differenzierung des öffentlichen Raumes erreicht ? Nutzungsvielfalt des Platzes: Integration oder Konflikt ? ⇒ Konfliktlösungen Sind temporäre und vielfältige Nutzungen möglich ? Berücksichtigung Sichtbeziehungen - Offenheit - Transparenz –

• • •

•

• • • •

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• •

Orientierung – Klarheit ? Wie wird die Integration der vielfältig angesiedelten Nutzungen und Versorgungseinrichtungen im Umfeld erreicht und eine optimale Orientierung berücksichtigt? Integration sportlicher Aktivitätsmöglichkeiten auf dem Platz unter Berücksichtigung von Gendergerechtigkeit?

Qualität der Erreichbarkeit • • • Berücksichtigung von Durchlässigkeit, Verknüpfung und Gleichberechtigung der verschiedenen Verkehrsformen Fußgängerfreundlichkeit, Zugängigkeit und Erreichbarkeit für langsamere, bewegungseingeschränkte Personen (mit Kinderwagen, Senioren, Rollstuhlfahrer etc.) Orientierung und Übersichtlichkeit der Zugängigkeit zu den verschiedenen Formen des ÖPNV: speziell auch für Kinder, Touristen und Senioren

Sicherheitsaspekte • • • Beurteilung der Sicherheitsaspekte: Vermeidung potentieller Angsträume ? Transparenz / Offenheit / Zugängigkeit ? Gestaltung der Randbereiche, „Rückseiten“ und Verknüpfungsbereiche des Platzes (z.B. Fahrradabstellplätze) ? Beleuchtung / Beleuchtungsmöglichkeiten des Platzes und einzelner angegliederter Räume

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4.5 Verfassererklärung Ideen und Realisierungswettbewerb Freiraumgestaltung Alexanderplatz Kennzahl ........................................... Eintragungsort Kammer-Nr.

Verfasser mit Berufsbezeichnung

Mitarbeiter

................................................ ................................................. ................................................. ................................................. ................................................. ................................................. ................................................. ................................................. ................................................. .................................................

...................... ..................... ..................... ..................... .....................

.............. .............. .............. .............. ..............

Anschrift

Telefon email Sonderfachleute mit Berufsbezeichnung/Berater

............................................................................... ............................................................................... ............................................................................... ............................................Fax ............................. ............................................................................... .................................................. .................................................. .................................................. .................................................. .................................................. .................................................. .................................................. .................................................. .................................................. .................................................. Ich (Wir) erkläre(n), dass ich (wir) in ................................................. meinen (unseren) Wohn- und /oder Geschäftssitz habe(n). Mit der Teilnahme am Wettbewerb verpflichte(n) ich mich (wir uns), im Falle einer Beauftragung durch den Auslober ausschließlich Planungsleistungen nach HOAI zu übernehmen (GRW 7.2) sowie in der Lage zu sein, diese Planungsleistungen gemäß Auslobung in persönlicher Verantwortung zu erbringen. Ich (wir) erkläre(n) mit meiner (unserer) Unterschrift, dass ich (wir) der (die) geistigen Urheber der Arbeit mit der oben genannten Kennzahl bin (sind) und dass weder ich noch der (die) oben genannte(n) Mitarbeiter gegen die ausschließenden Bestimmungen für Teilnehmer gemäß Ausschreibung verstoßen. Die Verfasser erklären sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten, die in diesem Vordruck enthalten sind, im Zusammenhang mit o. g. Wettbewerb bei der Senatsverwaltung in Form einer automatisierten Datei geführt werden.

Bankverbindung/Institut Kontonummer Bankleitzahl Kontoinhaber mit Anschrift

Erklärung

Ort, Datum Unterschrift des/der Verfasser, Stempel

...............................................................................................................

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Quellenverzeichnis Gesamtstädtische Planungen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Hrsg.): Flächennutzungsplan Berlin in der Fassung der Neubekanntmachung vom 23. Oktober 1998 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Hrsg.)1999: Planwerk Innenstadt Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: mobil2010 – Stadtentwicklungsplan Verkehr 2003 Rahmenplanungen/Bebauungs- und Gestaltungsstudien Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Hrsg.)2002: Bebauungsstudien Karl-Liebknecht-Straße/Gontardstraße Röntz - Landschaftsarchitektur Berlin, 1002: Landschaftsarchitektonisches Gestaltungskonzept f. d. Umfeld des Berliner Fernsehturmes, Auftraggeber: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Verkehr Cestnutt_Niess/peuker+sausel BPU 2001: U-Bahnhof Alexanderplatz-Grundinstandsetzung – und sanierung, Auftraggeber: Berliner Verkehrsbetriebe ivu-Gesellschaft f. Informatik, Verkehrs u. Umweltplanung mbH, 1996: Bebauungsplanvervahren Alexanderplatz – Verkehrserschließung – Abschlußbericht, Auftraggeber: Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr Denkmalpflege Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung/Landesdenkmalamt Berlin(Hrsg): Denkmalliste 2001 Alexandra-Restaurierungen, 1997, Denkmalpflegerische Bestandsaufnahme u. Bewertung U-Bahnein- und ausgänge Alexanderplatz, historische Abbildungen, Auftraggeber: Berliner Verkehrsbetriebe Freiraum u. Umwelt Planungsgruppe Cassens u. Siewert, 1997: Untersuchung umweltrelevanter Belange Bebauungsplan I – B 4 Alexanderplatz, Bebauungsplan I B 4 Alexanderstraße, Auftraggeber: Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung und Wohnungswesen Wacker und Rau, Büro f. angewandte Strömungsmechanik1996, Berlin Alexanderplatz/Untersuchung umweltrelevanter Belange zu den Bebauungsplanverfahren I – B 4 Alexanderplatz, I B 4 Alexanderstraße/ Fachbeitrag Klima, Lufthygiene ag.u Arbeitsgemeinschaft Umweltplanung Lange und Grigoleit, 1995: Bebauungspläne I – B 4 Alexanderplatz und I B 4 Alexanderstraße/Bestandsaufnahme Flora/ Fauna, Auftraggeber: Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen

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Sonstige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz 1993, Beschränkt städtebaulicher Ideenwettbewerb Alexanderplatz, Auslobung Platzmanagement Alexanderplatz, Berliner LAG Streetwork / Mobile Jugendarbeit e.V. 2001: Berlin Alexanderplatz/Ein Platz für junge Menschen BaumCOWI, Bau- und Umweltplanung GmbH, 2001: Bestandserfassung Alexanderplatz – Innerer Bereich, Leitungsplan, Auftraggeber Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Literaturverzeichnis Alexanderplatz Berlin / Geschichte, Planung, Projekte; Herausgeber Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung 2001, Kulturbuchverlag Berlin Das Alexanderhaus / Der Alexanderplatz; Herausgeber Hans-Joachim Pysall 1998, Jovis Verlag Berlin Alexanderplatz / Städtebaulicher Ideenwettbewerb; Herausgeber Verein Entwicklungsgemeinschaft Alexanderplatz (Investorengemeinschaft) in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung u. Umweltschutz Das Haus Alexander / Sitz der Bankgesellschaft Berlin, Broschüre 1996; Herausgeber Bankgesellschaft Berlin Berliner Plätze , Herausgeber u. Autor Hans-Werner Klünner mit Max Missmann, 1992, Argon Verlag Berlin Alexanderplatz / Ein Ort deutscher Geschichte, 1991 Parkland Verlag GmbH, Stuttgart Festschrift der Berliner Verkehrsbetriebe von 1930 Baurat, Dr. Bousset: Eröffnung der Untergrundbahn vom Alexanderplatz durch die Frankfurter Allee nach Friedrichsfelde und . . ., Berlins S – und U – Bahnnetz / Ein geschichtlicher Streckenplan, 1999, Herausgeber G. Gauglitz / H.Orb

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Abbildungsverzeichnis Übersichtsplan Alexanderplatz und Umfeld, S. 15, Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung, Abt. III, 2003 Wettbewerbsgebiet mit Ideen- und Realisierungsteil, S. 16, Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung 2003 Schwarzpläne, S. 17, Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung Ausschnitt aus dem Flächennutzungsplan in der Fassg. d. Bekanntmachung 10/ 1998, S. 25, Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung Ausschnitt aus dem Planwerk Innenstadt, S. 26, Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung Aktuelle Darstellung Planwerk Innenstadt / virtuelles Stadtmodell, S. 27, Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung 2003 B-Plan- Übersicht (2003), S. 28, Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung B-Pläne IB 4a (2000) und IB 4d (Entwurf Std.7/2003), S. 29, Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung Freiraumkonzept A. Röntz, S. 34, Beispielhafte Pflasterung, S. 35, 2002 Geänderte Baumstellung i. Bereich CUBIX – Kino, S. 36, Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung 2003 Übersicht der denkmalgeschützten Anlagen, S. 36, Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung 2003 BVG Übersichtsplan, S. 40, Berliner Verkehrsbetriebe U-Bahnhof Alexanderplatz Schnitt –und Aufsichten der verschiedenen Ebenen,1930, S. 41, Berliner Verkehrsbetriebe Darstellung des Alexanderplatz mit seinen unterirdischen Bauwerken, S. 42, Neues Deutschland 1969 Visualisierung der zukünftigen U-Bahn-Aufzuges, S. 43, Sowietzki u. Sausel Befahrbarkeit und Entrauchungsanlagen, S.44, Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung 2003 Feuerwehrzufahrten, S. 45, Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung 2003 Verkehr, S. 47, Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung 2003 Freiraumsystem, S. 48, Becker, Giseke, Mohren, Richard 1996 Planung Toilettenhaus, S. 53, Schöne Architekten Berlin Bodennahes Temperaturfeld, S. 55, Wacker und Rau 1996 Verschattungsgraphiken Juli 13/18 Uhr, S. 55, Senatsverwaltung für Stadtentwick-

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lung 2003 Nutzungsmöglichkeiten im Bezug auf den Windkomfort, S. 56, Wacker und Rau 1996 Kfz- und Schienenlärmbelastung, S. 56, Wacker und Rau 1996 Ver- und Entsorgungsleitungen, S. 57, Senatsverwaltung f. Stadtentwicklung 2003 Die Abbildungen der Historischen Entwicklung im Anhang sind den o.a. Literaturen entnommen. Fotoverzeichnis Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Titelbild, S. 16, 24, 34 Brunnen d. Völkerfreundschaft, S. 39 Cafés und Ladenzone, S. 44, S. 48 Infrarotluftbild, S.49, 50 Brandwand, S. 50. Weltzeituhr, S. 51 ff, S.52 ff, 54 ff,58 ff, 59 ff. Hans-Joachim Wuthenow: S. 34 Florian Profitlich: S. 22 Luftbild Karl-Marx Allee Archiv für Kunst und Geschichte, M. Weise, S. 22 Luftbild Alexanderplatz Richtung Marx-Engels-Platz Landesbildstelle Berlin: S. 43 Deutsche Architektur 1964: S. 37 Alexanderhaus ca. 1932 Berliner Verkehrsbetriebe: S. 39 mit Kaufhof u. Berolinahaus, S. 42, 50 Straßenbahn Die Fotos der Historischen Entwicklung im Anhang sind den o.a. Literaturen entnommen.
        
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