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Projektbilanz

Full text: Projektbilanz / Döring, Ralph

Ralph Döring | Jana Pampel | Carsten Welker 

Regionales Übergangsmanagement Berlin

Band 5: Projektbilanz
Konzeption | Verlauf | Ausblick

Für die Mitwirkung in der Lenkungsrunde danken wir

Özcan Ayanoglu Arbeitskreis Neue Erziehung e.V. | Eleonore Bausch Ehem. ­Industrie- und Handelskammer Berlin | Susanne Dathe-Oldenburg Jobcenter ­Berlin Mitte | Tobias Dreher Agentur für Arbeit Berlin Mitte | Andreas Germershausen Der Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration | Dagmar Kuhlich Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft | Birgit Leverenz Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung | Gabriele Metz Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit | Friedrich Moch Senats­verwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft | Dr. Thomas Nix Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft | Dr. Ulrich Raiser Ehem. Der B ­ eauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration | Ina Rodenberg Jobcenter Berlin Lichtenberg | Meinolf Rohling Jugendamt Berlin-Pankow | ­Ursula Schäfer Ehem. DGB Berlin-Brandenburg | Katharina Schumann Handwerks­kammer Berlin | Anaam Shannir TBB Berlin | Evelin Terzioglu Ehem. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft | Sandra Trommsdorf Industrie- und Handelskammer Berlin | Anja Ullrich Jobcenter Berlin Friedrichshain-Kreuzberg | Thomas Voigt Jobcenter Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf | Britta Zander Agentur für A ­ rbeit Berlin Nord | Margrit Zauner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen

Impressum

Herausgeberin

SPI Consult GmbH | Bernburger Straße 27 | 10963 Berlin Fon: 030 69 00 85- 60 | Fax: 030 69 00 85- 85 Email: info@spiconsult.de | www.spiconsult.de | www.ruem-berlin.de
Projektteam RÜM Berlin

Jana Pampel (Leitung) | Ralph Döring | Silvana Kathmann | Carsten Welker
Grußwort

Dilek Kolat

Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen (Seite 5) Fachliche Beiträge

Dagmar Kuhlich Gabriele Metz

Senatsverwaltung für Bildung, ­ ugend und Wissenschaft (Seite 9-11) J Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit (Seiten 15-18)

Uwe Schulz-Hofen

Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen (Seiten 19-22) Layout, Satz und Druck

Jana Wolf | amselrehhase | www.amselrehhase.de Thomas Didier | Meta Druck | Berlin Berlin, 2012
Dieses Vorhaben wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert. Der Europäische Sozialfonds ist das zentrale arbeitsmarktpolitische Förder­ instrument der Europäischen Union. Er leistet einen Beitrag zur Entwicklung der Beschäftigung durch Förderung der Beschäftigungsfähigkeit, des Unternehmergeistes, der Anpassungsfähigkeit sowie der Chancengleichheit und der ­Investition in die Humanressourcen. ­

Grußwort................................................................................................................. 5 Einleitung................................................................................................................ 7 RÜM Berlin aus der Perspektive der Fachaufsicht.....................9
Schon der Anfang war ein gemeinsamer.................................................................9 Transparenz auf mehreren Ebenen........................................................................ 10 Zusammenarbeit verschiedener Partnerinnen und Partner................................... 11 Konzepte für die Praxis............................................................................................ 11 Die Aufgabe erfordert Kontinuität..........................................................................12

Inhalt

Viele Akteure – ein Ziel: Junge Menschen in die Berufswelt führen.....................................15 Mission impossible? – Die schwierige Aufgabe der Etablierung eines kohärenten Übergangssystems......... 19
Das gewachsene Berliner „System“....................................................................... 19 Neuausrichtung im Sinne der Landesstrategie.......................................................21 Unübersichtlichkeit der Förderlandschaft – Licht ins Dunkel................................21

Grundstruktur und Rahmenbedingungen des Projekts ........................................................................................................ 23
Das Programm „Perspektive Berufsabschluss“..................................................... 23 Ein Projekt für Berlin................................................................................................ 24 Ressortübergreifende Abstimmung auf Landesebene......................................... 26 Entwicklungsziele und Arbeitspakete.................................................................... 29 Erforderliche Kompetenzen.................................................................................... 29 Veränderungen erfordern Flexibilität..................................................................... 30

Projektphase I: Schaffung von Transparenz................................. 35
Transparenz der Angebotslandschaft ................................................................... 35 Bestandsaufnahme................................................................................................ 35 Neue Instrumente zur Schaffung von Angebotstransparenz..................................... 38
Periodische Berichterstattung über Förderbedarfe, Förderstränge und Fördermittel als Voraussetzung einer kontinuierlichen Koordination und Ressourcensteuerung....40 Transparenz der Förderverläufe auf der individuellen Ebene...............................40

Projektphase II: Arbeit in Schnittstellenkonferenzen.................................................. 43
Schnittstellenkonferenzen: Konzept und Praxis................................................... 43 Grundidee und Format ........................................................................................... 43 Zusammensetzung ................................................................................................ 45 Ablauf.................................................................................................................... 47 Ticker und Protokolle.............................................................................................48 Schnittstellenkonferenzen: Ergebnisse und Produkte..........................................48 Schnittstellenkonferenzen: Bewertung des Formats durch die Teilnehmenden................................................51

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Ergebnistransfer.............................................................................................. 55
Transferbroschüren und Transferworkshops......................................................... 55 Mitwirkung bei Ausbildungsmessen und Entwicklung des Pauker-Point.............56 Präsentationen, Fachbeiträge und Moderation bei Fachveranstaltungen...........56 Fachinformationen für Institutionen und Personen.............................................. 57 Mitwirkung bei der Konzipierung von Informationsmedien ................................58 Fazit .........................................................................................................................58

Resümee und Ausblick.................................................................................59
Idealtypisches Modell des RÜM .............................................................................59 Reale Umsetzungserfahrungen ............................................................................. 61

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Sehr geehrte Damen und Herren, das Thema Fachkräftesicherung ist für mich als Arbeitssenatorin eine der zentralen Herausforderungen für die Zukunft. Dabei kommt der Gestaltung des Übergangs von der Schule ins Berufsleben eine zentrale Bedeutung zu. Alles dafür zu tun, dass Jugendliche möglichst direkt nach dem Abschluss der allgemeinbildenden Schule eine Berufsausbildung beginnen, diese erfolgreich abschließen und so als Fachkräfte in die Berufswelt einmünden, ist mein Ziel. Für Jugendliche, die dabei einer besonderen Unterstützung bedürfen, soll ein transparentes Spektrum von Angeboten bereitstehen, aus dem sie das geeignete Angebot auswählen, mit diesem zur Ausbildungsreife geführt werden und so im Anschluss daran ebenso erfolgreich eine Berufsausbildung absolvieren. An der Optimierung des Übergangssystems wird in Berlin bereits seit mehreren Jahren engagiert gearbeitet. Die Beteiligung an der Länderinitiative „Übergänge mit System“ hat dabei wichtige Impulse gesetzt. Die ersten Ergebnisse der übergreifenden Arbeitsgruppe „Optimierung des Übergangssystems“ auf Ebene der Staatsekretärinnen und Staatssekretäre mehrerer Verwaltungen bilden eine gute Ausgangsbasis für die nächsten Schritte. Die SPI Consult GmbH hat mit dem Projekt „Regionales Übergangsmanagement Berlin“ in den letzten Jahren wertvolle Arbeit in diesem Prozess geleistet. So wurde in bisher nie dagewesener Form das Angebotsspektrum am Übergang Schule-Beruf erfasst, die Ergebnisse für verschiedene Zielgruppen aufbereitet und so für die weiterführende Arbeit handhabbar gemacht. Ressortübergreifende Diskussionen zur Qualitätsentwicklung der Angebote am Übergang Schule-Beruf wurden initiiert, Konzepte zur Ausrichtung der Berufsorientierung und der Berufsvorbereitung in einem breiten Beteiligungsverfahren entwickelt. Die hier vorgelegte Transferbroschüre informiert über diese zentralen Stationen des Projektverlaufs, formuliert zentrale nächste Schritte und schließt die Reihe der RÜM-Transferbroschüren ab. Das Ziel der Neustrukturierung des Systems am Übergang Schule-Beruf in Berlin ist formuliert, zahlreiche Schritte sind bereits gemacht. Die Herausforderung besteht nun darin, die verschiedenen Prozesse zusammenzuführen und ein transparentes, kohärentes Übergangssystem zu etablieren. All jenen, die an dieser Entwicklung beteiligt sind, sei diese Broschüre empfohlen. Dilek Kolat
Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen

Grußwort

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Die vorliegende Broschüre bildet den Abschluss der insgesamt fünf Transfer­broschüren, die im Rahmen des Projekts „Regionales Übergangsmanagement Berlin – Modellhafte Umsetzung eines strategischen Konzeptes zur strukturellen Verbesserung der Kooperation der regionalen Akteure im Bereich Übergang Schule-Beruf“ veröffentlicht wurden. Dieses Projekt wird innerhalb der Förderinitiative 1 des Programms „Perspektive Berufsabschluss“ aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert, nahm seine Arbeit im Mai 2008 auf und wird diese im März 2012 beenden. Gegenstand aller fünf Transferbroschüren sind Ergebnisse und Erfahrungen aus der Projektumsetzung, die in dieser Form einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. So wird einerseits gewährleistet, dass die entwickelten Produkte und Instrumente nachhaltig in Berlin implementiert werden. Andererseits werden die Ergebnisse für weitere Regionen nutzbar, die sich zukünftig Fragen des Übergangs widmen wollen. Während in den ersten vier Bänden1 jeweils ausgewählte Schwerpunktthemen des Übergangs behandelt wurden, wird diese Broschüre den Projektverlauf insgesamt abbilden und die Reflexion der Projekterfahrungen in den Vordergrund stellen. Für die Umsetzung des Projektvorhabens war die grundsätzliche Über­ legung wichtig, dass für ein gelingendes Übergangsmanagement mehrere Ebenen betrachtet werden müssen, auf denen Abstimmungsprozesse zwischen den Beteiligten notwendig sind: •  die Unterstützung im individuellen Berufswegeverlauf eines jungen Menschen, •  die Struktur und Verzahnung der Angebote im Übergangsfeld und •  die Abstimmung von Bedarfsermittlungen und Ressourcenplanung. Anliegen des Projekts war es, auf allen der drei benannten Ebenen zu Verbesserungen im Übergangsprozess zu kommen. Dabei haben die Entwicklungen in der Praxis auf einer Ebene ggf. auch Auswirkungen auf die beiden anderen. Gleichwohl war diese Trennung ein guter Orientierungsrahmen, um die vielfältigen Aspekte im Übergangsfeld konkret zu machen und themenspezifisch zu behandeln. An ausgewählten Stellen dieser Broschüre kommen wir auf die benannten Ebenen zurück. Die vorliegende Transferbroschüre rückt die zentralen Erkenntnisse des Projektverlaufs insgesamt in den Fokus und erläutert neben den Rahmenbedingungen des Projekts die zentralen Zielstellungen, Ergebnisse und Anforderungen der letzten vier Jahre. Hierbei stehen insbesondere die A ­ spekte der Schaffung von Transparenz sowie die Frage, in welcher Weise die transparent gemachten Ergebnisse für eine sinnvolle Gestaltung des
1  Band 1: Bestandsaufnahmen, Band 2: Berufsorientierung, Band 3: Übergangssystem, Band 4: Berufswegebegleitung

Einleitung

Ebenen des Übergangsmanagements

Struktur der Broschüre

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Übergangssystems genutzt werden können, im Vordergrund. In einem weiteren Kapitel wird dargestellt, welche auch unerwarteten Aufgaben sich durch die Arbeit in diesem Themenfeld ergeben haben, die auch aufgrund veränderter Rahmenbedingungen zu Projektbeginn nicht absehbar waren. Am Anfang dieses Bandes aber stehen mehrere externe Fachbeiträge, zunächst ein Beitrag von Dagmar Kuhlich von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, die das Projekt RÜM aus der Perspektive der Fachaufsicht beschreibt. Anschließend gibt Gabriele Metz von der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit eine Einschätzung der Projektarbeit von RÜM aus Sicht ihrer Institution. Uwe Schulz-Hofen von der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen geht auf die sich verändernden Rahmenbedingungen der Berliner Übergangslandschaft ein und verortet RÜM Berlin in diesem Prozess. Diese verschiedenen Sichtweisen machen den Wesenskern des Projekts aus: Deshalb kommen an unterschiedlichen Stellen in der Broschüre Partnerinnen und Partner verschiedener Institutionen zu Wort, mit denen wir im Laufe der Jahre kooperiert haben. Diese wurden gebeten, ein kurzes Schlaglicht auf die Erfahrungen mit RÜM aus der jeweiligen Perspektive zu werfen. Die daraus entstandenen Beiträge sind durch farbige Kästen im Text hervorgehoben. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Beteiligten, die an dieser Broschüre mitgewirkt haben.
Adressatinnen und Adressaten der Broschüre

Die Broschüre richtet sich an eine breite Gruppe von Akteur/innen in Berlin und darüber hinaus. Zum einen liefert die Broschüre Hinweise für diejenigen Akteur/innen, die sich der Arbeit im Themenfeld Übergang ­Schule-Beruf auf strukturpolitischer Ebene widmen. Zum anderen enthält sie Aussagen zu wichtigen Fragen eines Regionalen Übergangsmanagements, etwa der institutionellen Anbindung, der Teamzusammensetzung oder auch der Einbettung in politische Rahmenbedingungen. Diese Aspekte gilt es vor allem bei der Planung einer regionalen Koordinierungsstelle zu beachten. Daher richtet sich die Broschüre auch an alle, die einen solchen Prozess in ihrer Region beginnen möchten und dafür Anregungen suchen. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern eine anregende Lektüre, Erfolg bei der Fortsetzung der Diskussion zu den hier entwickelten Fragestellungen und freuen uns auf Rückmeldungen jeglicher Art! Ihre SPI Consult GmbH

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RÜM Berlin aus der Perspektive der Fachaufsicht
Dagmar Kuhlich (Senatsverwaltung für Bildung, J ­ ugend und Wissenschaft) begleitete RÜM Berlin als Fachaufsicht von Anbeginn. In ihrem Beitrag umreißt sie die Intentionen, die sie mit diesem Projekt verband, schildert ihre Erfahrungen im Projektverlauf und weist zugleich auf zukünftige Handlungsbedarfe hin.

Thema mit Tradition
Die Auseinandersetzung mit der Optimierung des Übergangs von der Schule in die Berufsausbildung hat in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft bereits Tradition. So wird z.B. seit Jahren daran gearbeitet, wie präventiv dafür Sorge getragen werden kann, dass junge Menschen zum Abschluss der allgemeinbildenden Schule eine tragfähige Berufswahlentscheidung treffen und in eine Berufsausbildung bzw. ein Studium einmünden. Mit der Schulstrukturreform, insbesondere der Abschaffung der Hauptschule als „Restschule“ und der Einführung des Dualen Lernens als übergreifendes Lernprinzip an den Integrierten Sekundarschulen wurden diese Bestrebungen in einem Konzept gebündelt und der Berufsorientierung ein erhebliches Augenmerk geschenkt. Mit dem Berliner Programm der vertieften Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler wurden dafür in gemeinsamer Finanzierung des Landes und der Agenturen für Arbeit Unterstützungsstrukturen geschaffen. Gleichzeitig entwickeln und erproben wir in Kooperation mit verschiedenen Partnern Konzepte der schulischen Berufsvorbereitung an den Berliner Oberstufenzentren, in denen Jugendliche an die Ausbildungsreife herangeführt werden. Es geht um transparente Verfahren der Einmündung in die Angebote und um Standards von Betriebsnähe, Individualisierung etc., die den Angeboten zugrunde gelegt werden und das jeweilige Angebot so flexibel machen, dass es an die Ausgangssituation des Einzelnen angepasst werden kann. Dies sind nur einige der Felder, die die Fachdiskussion in den vergangenen Jahren geprägt haben.
Augenmerk auf die Berufsorientierung

Optimierung der Berufsvorbereitung

Schon der Anfang war ein gemeinsamer
Sehr genau erinnere ich mich an meine ersten Gedanken, als ich die Ausschreibung des Programms „Perspektive Berufsabschluss“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zum ersten Mal las. Ein Übergangsmanagement in Berlin zu etablieren, das alle für den Übergang junger Menschen von der Schule in die Arbeitswelt verantwortlichen ­Institutionen
Abstimmung mit relevanten Partner/innen

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und Ressorts an einem Tisch versammelt und somit ein abgestimmtes Agieren aller ermöglicht, das schien mir eine überaus verlockende Idee. Gleichzeitig war mir bewusst, welcher Herkulesaufgabe wir uns mit einem solchen Vorhaben stellen würden. Nichtsdestotrotz: Informelle Gespräche mit Vertreter/innen anderer Verwaltungen zeigten, dass der Wille, an ­einem solchen Prozess mitzuwirken, auf vielen Seiten bestand. Und so unterstützte unsere Verwaltung die Antragstellung zu RÜM Berlin durch die SPI Consult GmbH, einen kompetenten Dienstleister, der bereits seit zwei Jahrzehnten in treuhänderischer Funktion im Auftrag des Landes Berlin Programme und Projekte koordiniert.
Entscheidung für eine Antragstellung

Mit der bereits im Prozess der Antragstellung einberufenen Runde von Expertinnen und Experten begann unser gemeinsamer Weg. Die Entwicklungsziele wurden vereinbart, die Antragstellung gemeinschaftlich beschlossen. Dabei wurden auch Zweifel laut, ob denn die Umsetzung eines solchen Projektes auf Landesebene gelingen könne; dem wurde die Idee der Umsetzung in einem Berliner Bezirk im Sinne eines Modellbezirks entgegengesetzt. Angesichts der Tatsache, dass eine Optimierung des Übergangs in einem Bezirk ohne Einbindung der Landesebene nicht gelingen kann und gleichzeitig der Spielraum auf bezirklicher Ebene allzu eingeschränkt wäre, wurde Konsens darüber erzielt, ein „Regionales Übergangsmanagement“ für das Land Berlin zu beantragen. Mit der Antragstellung durch die SPI Consult GmbH wurde die Umsetzung eines gemeinsam zu realisierenden Prozesses zur Herstellung von Transparenz und zur Abstimmung von Förderstrukturen außerhalb der Verwaltung angesiedelt, während die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft die Fachaufsicht übernahm.

Transparenz auf mehreren Ebenen
Umfangreiches Datenmaterial

Die erste Phase des Projektes war der Herstellung von Transparenz gewidmet. Ich erinnere mich nur zu gut an die Fülle und Vielfalt von Daten, die zur Angebotsstruktur erhoben wurden. Manches Mal stellte ich mir die Frage, wie diese wohl im Ergebnis zusammenzuführen und auszuwerten seien. RÜM Berlin zeigte, wie es gehen kann. Mit dem Landesbericht und den 12 Bezirksberichten wurde den Fachleuten am Übergang Schule-Beruf Material an die Hand gegeben, das erstmals in dieser Form die Berliner Angebote der Berufsorientierung, Berufsvorbereitung und Berufsausbildung über alle Ressorts hinweg analysierte. Doch dabei blieb es nicht: Es wurde, auch in enger Abstimmung mit unserer Verwaltung, das Leitsystem „Wohin nach der Schule? Bildungs- und Qualifizierungswege nach der allgemeinbildenden Schule“ aufgelegt – ein P ­ lakat, vielmehr ein Handwerkszeug, das im vielfältigen Beratungsalltag am Übergang Schule-Beruf ebenso unverzichtbar geworden ist wie in manchen „Amtsstuben“, in denen wir Fragen des zukünftigen, stringent zweigliedrigen Systems am Übergang erörtern.

Berichte und Leitsystem

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Transparenz der Angebotslandschaft herzustellen war eine nicht zu unterschätzende Leistung des RÜM und findet auch in der digital angelegten Übersicht zu Angeboten der Berufswegebegleitung ihren Ausdruck. Es ging bei RÜM Berlin aber auch um kontinuierliche Transparenz über den gesamten Arbeitsprozess, der vollzogen wurde.

Digitale Angebotsübersicht

Zusammenarbeit verschiedener Partnerinnen und Partner
Als Mitglied der Lenkungsrunde kann ich zurückblickend einschätzen, dass alle wesentlichen Schritte der Projektumsetzung ressortübergreifend abgestimmt wurden. Dabei war es stets gemeinsames Anliegen, die Arbeit von RÜM Berlin mit anderen Entwicklungen, wie z.B. der Schulstrukturreform oder der Initiative „Übergänge mit System“, zu synchronisieren. Mit den Schnittstellenkonferenzen wurde ein Format erprobt und ­etabliert, in dem ca. 80 Expertinnen und Experten verschiedener Ressorts und Institutionen für einen längerfristigen, übergreifenden Arbeitsprozess gewonnen wurden. Wie voraussetzungsvoll es war, diesen Prozess zu gestalten und dabei die Interessen der verschiedenen Mitwirkenden adäquat zu berücksichtigen, konnte ich selbst als Mitglied einer solchen Schnittstellenkonferenz miterleben. Moderationsgeschick war ebenso notwendig wie Sorgfalt und Abstraktionsvermögen in der Visualisierung sehr komplexer Sachverhalte sowie Beharrlichkeit bei kniffligen Fragestellungen. Allein das Zustandekommen dieses Diskussionsprozesses birgt einen Wert an sich, wurden wir doch als Partizipierende an diesem Prozess in die Lage versetzt, Bedarfslagen, Konzepte u. a. nicht mehr nur aus der Perspektive der eigenen Verwaltung wahrzunehmen und zu bewerten. In den Schnittstellenkonferenzen ist es gelungen, alle wesentlichen Institutionen und auch Hierarchieebenen einzubinden und somit ganz unterschiedliche Sichtweisen auf den gleichen Sachverhalt kennenzulernen. Diese Erfahrung begleitet mich in der täglichen Praxis bei der Frage, welche Auswirkungen das Handeln meines Referats auf andere Bereiche haben kann. ­Gleichzeitig wurde dadurch eine neue Qualität an Diskussions- und ­Vereinbarungskultur ermöglicht, mit der nicht nur ich weitere Hoffnungen verbinde.
Schnittstellenkonferenzen

Übergreifender Blick

Konzepte für die Praxis
Schon bei der Antragstellung war klar, dass sich das Übergangsfeld bewegt und RÜM Berlin auf diese Entwicklungen reagieren muss. Es war aber nicht abzusehen, wie einschneidend die politischen bzw. strukturellen Änderungen sein würden. So hat sich die Arbeit von RÜM Berlin z.B. auf die durch die Schulstrukturreform veränderten Rahmenbedingungen in der Berufsorientierung einstellen müssen. Ein anderes Beispiel ist die Initiative „Übergänge mit System“, auf die die Arbeit von RÜM abgestimmt
Veränderte Rahmenbedingungen

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werden musste. RÜM Berlin hat sich nicht nur offen für diese ­ nderungen Ä gezeigt, sondern hat die Konsequenzen dieser Entwicklungen in die Arbeit der Schnittstellenkonferenzen hineingetragen und Lösungsansätze entwickelt, die in der Praxis von Bedeutung sind.
Ergebnisse und Produkte

So wurde mit dem Berufsorientierungsrahmen ein Instrument geschaffen, das sicherlich noch nicht in allen Teilen bis ins Kleinste durchdekliniert wurde, aber bereits die Arbeitspakete konkret benennt, die zu einer v ­ erbesserten Berufsorientierung und Berufswahlentscheidung führen. Ebenso ist die Diskussion um Standards in der schulischen Berufsvorbereitung ein wichtiger Schritt gewesen, die Aspekte zur Umsetzung betriebsnaher schulischer Angebote zu bestimmen und anhand eines Schuljahresdurchlaufs zu verdeutlichen. RÜM Berlin hat damit wichtige Impulse für die Etablierung eines betriebsnahen schulischen Bildungsgangs in der schulischen Berufsausbildungsvorbereitung gegeben, die ich in meiner täglichen Arbeit bis zur Einführung als Regelform weiterverfolge.

Die Aufgabe erfordert Kontinuität
Dass eine institutionsübergreifende Abstimmung zur Optimierung der Übergangschancen junger Menschen notwendig ist, ist unter Fachleuten in Berlin unbestritten. RÜM Berlin hat in vielfältiger Hinsicht gezeigt, dass diese Abstimmung machbar ist. Klar geworden ist aber auch, dass diese Prozesse Zeit brauchen.
Zukünftige Herausforderungen

Auch für die Zukunft ist es mein Anliegen, diesen Herausforderungen zu begegnen. Vor allem wird der Fachkräftemangel mehr und mehr in den Blickpunkt rücken. Damit stellt sich die Frage, wie ein besseres Matching zwischen den Jugendlichen und ihren Wünschen auf der einen Seite und den betrieblichen Erwartungen auf der anderen Seite gelingt, das nicht nur auf speziellen Programmen für bestimmte Personengruppen beruht, sondern systemimmanent ist und allen Jugendlichen zugute kommt. Mit einem verbesserten Matching werden wir aber trotzdem noch Jugendliche haben, für die eine Ausbildung oder ein Studium direkt nach der Schule zu früh kommen. Für diese gilt es, die vorhandenen Angebote zielgerichteter und vor allem individueller auszurichten als bisher. Dies setzt auch weiterhin eine kontinuierliche Arbeit voraus, die mit klar definierten und messbaren Zielen den Umbau des Übergangssystems vorantreibt und die erreichten Ergebnisse evaluiert. Kurzum: Übergangsmanagement ist und bleibt eine Daueraufgabe des Landes Berlin, der ich mich persönlich weiterhin mit voller Kraft widmen werde. RÜM Berlin hat dafür wichtige strategische Überlegungen sowie praktikable Koordinationsformen und Instrumente hervorgebracht.

Übergangsmanagement als Daueraufgabe

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Für die in diesem ehrgeizigen Projekt geleistete Arbeit möchte ich mich an dieser Stelle bei der SPI Consult GmbH recht herzlich bedanken. Mein ganz besonderer Dank geht an das RÜM-Team, das uns unermüdlich vorangetrieben hat. Durch seine engagierte Arbeit, die hartnäckig im Sinne der Zielstellung erfolgte, die klare und strukturierte Herangehensweise und die Herausarbeitung von ergebnisorientierten Lösungsansätzen hat das RÜM-Team gezeigt, dass es möglich ist, alle am Prozess beteiligten Akteure im Sinne der Erfordernisse für die jungen Menschen zusammenzuführen.

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Viele Akteure – ein Ziel: Junge Menschen in die Berufswelt führen
Gabriele Metz (Regionaldirektion BerlinBrandenburg der Bundesagentur für Arbeit) setzt in ihrem Fachbeitrag die Arbeit von RÜM Berlin in ­ B ­ eziehung mit Grundfragen und Erfordernissen e ­ iner strukturierten Zusammenarbeit von I ­ nstitutionen am Übergang Schule-Beruf.

Der erfolgreiche Übergang von der Schule in den Beruf ist eine große Herausforderung für Schülerinnen und Schüler. Sie müssen sich entscheiden, wie es nach der allgemeinbildenden Schule weitergehen soll: ob sie eine weiterführende Schule besuchen, eine Ausbildung beginnen oder ein Studium aufnehmen. Die Jugendlichen benötigen einen Zeitplan für ihre Bewerbungsaktivitäten und sollen aus einem Angebot von rund 500 Ausbildungsberufen und mehr als 10.000 Studiengängen den für sie richtigen finden. Einige Jugendliche benötigen zudem aufgrund ihrer besonderen Lebensumstände auch besondere Hilfen. Der Übergang von der Schule in eine Ausbildung oder in ein Studium ist eine zentrale Weichenstellung für den weiteren Lebensverlauf junger Menschen. Der erfolgreiche Einstieg in ein aktives Berufsleben ist ein wesentlicher Bestandteil eines selbstbestimmten und zufriedenen Lebens. Ein Schlüsselfaktor hierfür ist der gelingende Einstieg in die Ausbildung. Doch viele junge Menschen scheitern bereits am Übergang von der Schule in das Berufsleben. Für diese Jugendlichen wird die Entwicklung langfristiger Zukunftsaussichten schwierig oder kaum möglich. Die demographische Entwicklung und der bereits jetzt drohende Fachkräftemangel werden sich in den kommenden Jahrzehnten weiter verschärfen und in zahlreichen Berufen zu einer Unterversorgung führen. Dies macht deutlich, dass wirkungsvolle Strategien benötigt werden, die möglichst vielen jungen Menschen einen erfolgreichen Weg in ein erfülltes Berufsleben ermöglichen. In Zeiten von demographischem Wandel und Fachkräftemangel ist es aus Sicht der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg besonders wichtig, alle Jugendlichen zu erreichen und insbesondere auch Jugendliche mit Startschwierigkeiten für eine Berufsausbildung zu gewinnen. Leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern müssen noch in der Schulzeit individuelle Unterstützungsleistungen angeboten werden, damit ein Schulabschluss erreicht und der Übergang von der Schule in den Beruf vorbereitet werden kann.

Schlüsselfaktor Ausbildung

Demographische Entwicklung und Fachkräftemangel

Unterstützung für Leistungsschwächere

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Unübersichtliches Angebot

Ziel des Übergangssystems ist es, allen Jugendlichen die Möglichkeit zu g ­ eben, sich beruflich zu orientieren und ihre Voraussetzungen für eine Aufnahme in eine Ausbildung zu verbessern. Für die Schülerinnen und Schüler gibt es zwar zahlreiche Ansprechpartner/innen, bei denen sie Antworten auf ihre Fragen erhalten und die sie beim Übergang von der Schule in das Berufsleben unterstützen, leider fehlt es aber häufig an einem überschaubaren Überblick über das vielfältige Beratungsangebot. Im Land Berlin stehen eine Vielzahl an regionalen Bildungs- und Qualifizierungsangeboten, Initiativen, Kooperationen, Internetportalen etc. zur Verfügung, die zum Teil wenig aufeinander abgestimmt und für die betroffenen jungen Menschen kaum durchschaubar sind. Bedingt durch die Strukturen und die unterschiedliche Funktionsweise der einzelnen beteiligten Systeme (wie z.B. allgemeinbildende Schulen, berufsbildende Schulen, öffentliche Beratungsstellen, Arbeitswelt) gibt es viele Parallelangebote, aber auch viele Lücken. Aber nicht nur durch unterschiedliche Strukturen oder Systeme wird das Übergangssystem unübersichtlich. Neben der Einbindung unterschiedlichster Institutionen gibt es auch diverse Finanzierungsgrundlagen für die einzelnen Wege und zeitlich differierende Ausrichtungen der verschiedenen Maßnahmen. Auch die große Anzahl von Akteuren im Land Berlin, die sich mit dem Übergang von der Schule in den Beruf beschäftigen, zeigt wie komplex und wenig transparent das Übergangssystem ist. Die damit in direktem Zusammenhang stehenden unterschiedlichen Zuständigkeiten der Akteure auf den unterschiedlichsten Ebenen sind nicht nur für die Jugendlichen, die den Übergang Schule-Beruf bewältigen müssen, sondern meist auch für Expertinnen und Experten bei Bildungs- und Beratungsdienstleistern schwer zu durchschauen. Dadurch gehen möglicherweise wichtige Ressourcen verloren, die die Jugendlichen auf ihrem Weg in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt unterstützen würden. Auch aus Sicht der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit ist zur Vermeidung von Redundanzen, Überschneidungen und widersprüchlichen Angeboten sowie zur Optimierung des Übergangsmanagements die Vernetzung mit anderen regionalen Akteuren unerlässlich. Ihrem gesetzlichen Auftrag entsprechend bieten die Agenturen für Arbeit im Land Berlin als neutrale Institution eine Vielzahl von Maßnahmen der Berufsorientierung sowie der vertieften und erweiterten vertieften Berufsorientierung an, um die Jugendlichen am Übergang von der Schule in die Ausbildung oder in ein Studium zu begleiten und ihnen zu helfen, die Vielzahl der Informationen und Angebote zu strukturieren und effektiv für die eigene Berufswahl zu nutzen. Der Zusammenarbeit mit allen am Übergangssystem beteiligten Partnern kommt bei dieser Aufgabe eine hohe Bedeutung zu. Denn je besser die Vernetzung untereinander und das Wissen um die unterschiedlichen Angebote am Markt sind, desto besser können die Jugendlichen hinsichtlich ihrer individuellen Möglichkeiten beraten und informiert werden. Unnötige Warteschleifen können dadurch vermieden werden.

Koordination unterschiedlicher Institutionen notwendig

Vernetzung regionaler Akteure

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Der Übergang von der Schule in das Berufsleben ist einer der schwierigsten, die es für junge Menschen gibt. Aus diesem Grund muss es ein wirksames und passgenaues regionales Übergangsmanagement geben, das alle Gegebenheiten vor Ort berücksichtigt. Nur in der Zusammenarbeit und gemeinsamen Abstimmung aller am Übergang Schule-Beruf beteiligten Akteure ist es möglich, das vorhandene Angebot an Maßnahmen zu strukturieren und Transparenz über alle regional vorhandenen Angebote herzustellen. Es muss jeder Schülerin und jedem Schüler durch eine optimale Berufsorientierung, die an den Bedarfen der Jugendlichen ausgerichtet ist und deren Maßnahmen optimal aufeinander abgestimmt sind, ermöglicht werden, den Übergang von der Schule in die Berufswelt für sich erfolgreich zu gestalten. Mit dem Regionalen Übergangsmanagement wurde durch die Einbeziehung aller wichtigen Akteure im Land Berlin ein Netzwerk implementiert, dem es gelingt, die Kompetenzen aller Partner zu bündeln und ihre Aktivitäten transparent und partnerschaftlich zu gestalten. Erklärtes Ziel ist es, die Koordination und Kooperation zwischen den Beteiligten im Übergangssystem weiter zu verbessern und dadurch zum Gelingen von Übergängen beizutragen. Mit RÜM wurde eine Plattform geschaffen, auf der sich die beteiligten Partner zum gemeinsamen Vorgehen abstimmen können. Das hat auch zu einer Optimierung des Einsatzes der Instrumente und der Dienstleistungen der Agenturen für Arbeit in Berlin beigetragen.	 Bei den im Rahmen des RÜM-Projektes durchgeführten Schnittstellenkonferenzen wurde durch die Mitsprache aller Partner/innen gewährleistet, ihre jeweiligen Zuständigkeiten untereinander transparent zu machen und besser miteinander abzustimmen. Von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnten dadurch vielfältige Ideen zur besseren und vereinfachten Zusammenarbeit aller Akteure am Übergang Schule-Beruf entwickelt werden. Es wurde deutlich, dass im Land Berlin erhebliche Ressourcen für die Berufsorientierung eingesetzt werden, aber aufgrund der zum Teil undurchschaubaren Vielfalt der Angebote und unterschiedlicher inhaltlicher Ausrichtungen und Organisationsformen ein übergreifendes Qualitätsverständnis und eine inhaltliche Steuerung im Sinne einer Verzahnung kaum vorhanden sind. Ein wesentliches Ergebnis der Schnittstellenkonferenzen ist, dass es für Berlin abgestimmte Überlegungen und Standards bei der Berufsorientierung geben muss. Mit der Entwicklung eines Berufsorientierungsrahmens wurde ein Gerüst für die Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen erarbeitet, das Unterstützung bei der Entwicklung von Schulkonzepten der Berufsorientierung sowohl für die Schulen als auch die Partner der Schulen bieten soll. Den Agenturen für Arbeit im Land Berlin ist es durch den sukzessiven Ausbau der Maßnahmen der vertieften und erweiterten vertieften Berufsorientierung in den letzten Jahren gelungen, deutlich mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Übergang Schule-Beruf zu
RÜM als landesweites Netzwerk

Schnittstellenkonferenzen schufen Transparenz

Standards der Berufsorientierung

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lenken und gute Beispiele zu schaffen. Allerdings sind in den letzten Jahren immer mehr Akteure in den Schulen als Anbieter von Berufsorientierung tätig geworden. Das erfordert eine intensive Abstimmung der Aktivitäten vor Ort. Der Berufsorientierungsrahmen unterstützt den Auftrag der Beratungsfachkräfte, mit ihren Schulen ein individuelles Konzept der Berufsorientierung zu erarbeiten, in dem alle Aktivitäten der Berufsberatung, der Schule und ggf. Dritter konkret festgelegt werden. Die Beratungsfachkraft der Agentur für Arbeit nimmt die Rolle einer Koordinatorin bzw. eines Koordinators ein, die/der alle Akteure kennt und als Netzwerker/in für die Schule alle Berufsorientierungsaktivitäten bündelt. Es muss klar sein, wer wann was macht, damit die Jugendlichen eigene, realistische berufliche Entscheidungen treffen können.
Leitsystem „Wohin nach der Schule"

Das im Rahmen von RÜM entwickelte Leitsystem „Wohin nach der Schule – Bildungs- und Qualifizierungswege nach der allgemeinbildenden Schule“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie man die im Land Berlin vorhandenen schulischen Maßnahmen, die Angebote der Arbeitsagenturen und Jobcenter, die Maßnahmen des Jugendamtes und darüber hinaus noch diverse weitere Möglichkeiten nach der allgemeinbildenden Schule klar strukturiert, übersichtlich und verständlich darstellen kann. Da die vorgestellten Angebote anhand der gleichen Kriterien beschrieben werden, wird eine Vergleichbarkeit untereinander hergestellt. Es wird damit ein erster Schritt gemacht, um einerseits den Beratenden am Übergang Schule-Beruf durch mehr Transparenz ihre Beratungsarbeit zu erleichtern, andererseits auch den Jugendlichen und deren Eltern einen einfachen Überblick über das sehr komplexe System der Übergangsmöglichkeiten zu geben. Das regionale Übergangsmanagement in Berlin ist mittlerweile ein fest verankertes System, das alle entscheidenden Akteure verbindlich zusammenführt, Lücken zwischen den jeweiligen Verantwortungsbereichen definiert und durch entsprechende Aktivitäten an diesen bislang unausgefüllten Schnittstellen dafür sorgt, dass Jugendliche beim Übergang an der ersten Schwelle entsprechend ihren individuellen Voraussetzungen optimal unterstützt werden. RÜM hat bewiesen, dass es als Klammer für eine berlinweite Strukturierung der Berufsorientierung dienen kann. Für die Verstetigung der Kooperation und für den Ausbau nachhaltiger Unterstützungsstrukturen ist es jedoch erforderlich, dass der im Rahmen von RÜM eingeschlagene Weg von den beteiligten Akteuren in der Region auch weiterhin mitgetragen wird. Das Berliner RÜM kann nach knapp vier Jahren Laufzeit eine positive Bilanz ziehen. Das Projekt hat sich in Berlin bei den wichtigsten Akteur/innen und Institutionen nicht nur bekannt gemacht, sondern auch etabliert.

RÜM initiierte Koordination

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Mission impossible? – Die schwierige Aufgabe der Etablierung eines kohärenten Übergangssystems
Uwe Schulz-Hofen (Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen) ordnet in seinem Fachbeitrag vom 25. November 2011 die Ergebnisse von RÜM Berlin in die ­ emühungen um die NeuordB nung des Berliner Übergangssystems ein.

Das gewachsene Berliner „System“
Berlin ist Land und Kommune zugleich. Das hat Vorteile, erhöht aber auch die Komplexität der Anforderungen an die Gestaltung eines effizienten Systems des Übergangs von der Schule in den Beruf. Tatsächlich kann angesichts der gewachsenen Angebotsvielfalt in diesem Feld gerade auch in Berlin – trotz vieler guter und innovativer Ansätze im Einzelnen – von einem System bzw. auch nur von einer klar strukturierten Angebotspalette kaum die Rede sein. Die Antwort auf die Frage, warum eine solche, weitgehend intransparente Vielfalt von – auch parallelen – Angeboten entstehen konnte, lässt sich an dieser Stelle lediglich anreißen. In Berlin bestand über Jahre hinweg ein erheblicher Mangel an betrieblichen Ausbildungsplätzen. Berlin stand vor der Herausforderung, zusätzliche Ausbildungskapazitäten von Unternehmen durch gezielte Förderung zu erschließen bzw. für Jugendliche mit Startschwierigkeiten Angebote bereitzuhalten, die den individuellen Voraussetzungen Rechnung tragen und sie an Ausbildung heranführen. Die Modulare Duale Qualifizierungsmaßnahme mit der Verknüpfung von Berufsvorbereitung und Berufsausbildung war eine solche Initiative, das Ausbildungsplatzprogramm Ost eine weitere. Teilfinanziert durch den Bund im Rahmen der Bund-Länder-Sonderprogramme bis 2009 konnte das Land Berlin für sogenannte marktbenachteiligte Jugendliche betriebsnahe Ausbildung in Form der Verbundausbildung in verschiedensten Berufen ermöglichen. Nach dem Auslaufen der Bundesförderung wurde die Form der Verbundausbildung zunächst in Landesregie weitergeführt. Es handelt sich dabei um Programme, die auf das Qualifikationsniveau „Ausbildungsabschluss“ ausgerichtet sind. Darüber hinaus sind aber auch – in durchaus großer Dimension – berufs­ vorbereitende Maßnahmen entstanden, in die in vielen Fällen auch Jugend­ liche aufgenommen wurden, denen eigentlich der sofortige Beginn ­einer regulären Berufsausbildung möglich gewesen wäre. In vielen Fällen fand der Übergang in eine reguläre Berufsausbildung nach dieser einjährigen „Berufsvorbereitung“ nicht statt. Diese Maßnahmen wurden von
Schwierige Ausgangsbedingungen

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u ­ nterschiedlichen Akteuren auf unterschiedlicher Rechtsgrundlage entwickelt. Es handelte sich hier insbesondere um die beruflichen Schulen mit ihren einjährigen Bildungsgängen und die Bundesagentur mit ihren Berufsvorbereitungsmaßnahmen. Eine Situation war geschaffen, die so gewiss nicht intendiert war, die aber in vielen Bundesländern die Erkenntnis hat heranreifen lassen, dass es eines übergreifenden Herangehens an konzeptionelle Entwicklungen einerseits und systematische Bedarfsermittlungen andererseits bedarf.
Neuausrichtung des Übergangssystems

Berlin gehört zu den Mitbegründern der Initiative „Übergänge mit System“ der Bertelsmann Stiftung, der sich mittlerweile acht Bundesländer angeschlossen haben. Die Zielsetzung besteht darin, durch eine Neuausrichtung der Übergangsmaßnahmen die Einmündungen in eine abschlussbezogene anerkannte Berufsausbildung zu beschleunigen und zu verbessern. Das Kernziel der Initiative „Übergänge mit System“ korrespondiert mit den Grundsätzen zur Optimierung des Übergangssystems, die parallel dazu in Berlin eine Arbeitsgruppe auf Staatssekretärsebene erarbeitet hat: Alle ausbildungsreifen Jugendlichen, die eine betriebliche Ausbildung anstreben, sollen künftig ohne Warteschleifen sofort in eine betriebliche Berufsausbildung einmünden. Bei noch nicht ausbildungsreifen Jugendlichen, bei denen aber abschätzbar ist, dass sie die Ausbildungsreife mit zusätzlichen Hilfen erreichen können, soll die individuelle Vorbereitung auf eine anschließende Berufsausbildung – möglichst in betriebsnahen Maßnahmen – umgesetzt werden. Ein Umbau des Übergangsbereichs bedeutet aber mehr als einen Abbau von Warteschleifen. Warteschleifen müssen durch Ausbildungsmöglichkeiten ersetzt werden. Das heißt auch, dass es notwendig ist, betriebliche Ausbildungsplätze in hinreichender Zahl bereitzustellen. Die Entwicklung zeigt, dass Unternehmen schrittweise mehr Ausbildungsplätze anbieten, allerdings noch nicht in dem Umfang, wie Maßnahmen des Übergangssystems verringert werden. Wenn die Potenziale der Berliner Jugendlichen für den künftigen Fachkräftebedarf stärker ausgeschöpft werden sollen, dann müssen Wege gefunden werden, diesen Jugendlichen eine betriebliche Berufsausbildung zu ermöglichen. Für Jugendliche, die noch nicht ausbildungsreif sind, brauchen wir ein Übergangssystem, das diesen Namen verdient. Benötigt wird ein Set von Maßnahmen innerhalb des Übergangssystems, mit dem flexibel an die jeweiligen individuellen Ausgangslagen angeknüpft werden kann.

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Unübersichtlichkeit der Förderlandschaft – Licht ins Dunkel
Eine wichtige Voraussetzung für diese Umsteuerung, für diesen radikalen Umbau ist Transparenz: Im Rahmen einer umfassenden Bestandsaufnahme zum Übergang Schule-Beruf hat RÜM Berlin in so noch nie dagewesener Form eines ressortübergreifenden Ansatzes Daten zu allen Angeboten erhoben und z.B. in Form eines Leitsystems bildlich dargestellt. Das heißt, die Datenerhebung des RÜM-Teams Berlin hat erst wirklich deutlich gemacht, welche Strukturen tatsächlich zu koordinieren sind. Es wurden sogenannte „Schultapeten“ erarbeitet, die die einzelnen Schulen auflisten und diesen die dort umgesetzten berufsorientierenden Angebote zuordnet. Diese dann zu koordinieren ist ambitioniert, mit der akribischen Erhebung durch RÜM Berlin ist jedoch allen beteiligten Akteur/innen die Dringlichkeit eines ordnenden Zugriffs noch einmal drastisch vor Augen geführt worden. Zugleich ist mit der Arbeit des RÜM Berlin für alle beteiligten Akteur/innen eine Vielzahl von Gesprächsanlässen geschaffen worden, die zu einer Optimierung des Übergangs Schule-Beruf beigetragen haben.
Transparenz durch RÜM

Neuausrichtung im Sinne der Landesstrategie
Die Arbeit von RÜM Berlin ist bei der Datenerhebung nicht stehen geblieben. Im Zentrum stand die Netzwerkarbeit, die Organisation einer Diskussion über die üblichen Sektorengrenzen hinweg. Das betrifft auch das Zusammenwirken der bestehenden Regelungen etwa innerhalb der Rechtskreise SGB II, SGB III, SGB VIII und der Schulgesetze der Länder. Die unterschiedlichen teils bundesrechtlich, teils landesrechtlich festgelegten Ziele der Maßnahmen und Bildungsgänge müssen dabei auf das Metaziel der oben skizzierten Optimierung des Übergangssystems fokussiert werden. Mit der von RÜM hergestellten Transparenz wurde nochmals eindrücklich deutlich, welche Strukturen zu koordinieren sind und wie komplex diese im Einzelnen ausgestaltet sind. Zu ausgewählten Themen fand eine Reihe von aufeinander aufbauenden Schnittstellenkonferenzen statt. Dem RÜM-Team ist es mit einem professionell moderierten Beteiligungsverfahren gelungen, unterschiedliche Akteure einzubinden. Allein dies ist angesichts der alles andere als übersichtlichen Entscheidungsstrukturen im Land Berlin schon ein großer Erfolg. Das System „Bierdeckel“ wird dabei nicht herauskommen können, das klappt auch in der Steuergesetzgebung nicht. Aber einfacher und wirksamer kann das Übergangssystem auf jeden Fall werden, und das ist genau die Strategie, die in Berlin seit einigen Jahren verfolgt wird. RÜM Berlin hat den Ansatz der Initiative „Übergänge mit System“ aufgegriffen und Fragen der Neuausrichtung des Systems am Übergang diskutiert.
Schnittstellenkonferenzen

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Flankiert wird ein solches System auf der einen Seite von einem umfassenden Angebot der Berufsorientierung. Berlin hat dabei mit dem landesweiten Programm vertiefte Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler (BVBO) bereits einen großen Schritt getan. Auf der anderen Seite gilt es, die betriebliche Ausbildung zu stärken, zum einen mit dem Ausbau der Verbundausbildung, zum anderen mit einer verstärkten Nutzung des Instrumentes der ausbildungsbegleitenden Hilfen. Deutlich ist mit RÜM Berlin auch geworden: Die Steuerungsmöglich­keiten in Bezug auf die Landesebene aus einem Projekt heraus sind begrenzt. Und dennoch ist das Projekt mit den geführten Diskussionen zur Standardisierung wichtige Schritte gegangen, deren Ergebnisse es weiter zu verfolgen gilt.

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Grundstruktur und Rahmenbedingungen des Projekts
Das Programm „Perspektive Berufsabschluss“
Das Interesse, zumindest einer Mehrheit junger Menschen einen erfolgreichen Einstieg in das Erwerbsleben zu ermöglichen und dabei insbesondere all jenen die nötige Unterstützung zu gewähren, die dies nicht aus eigener Kraft schaffen, eint viele politische Akteure. Mit diesem Ziel wurden und werden zahlreiche Unterstützungsangebote konkret für die jeweiligen Zielgruppen aus verschiedenen Institutionen heraus konzipiert, umgesetzt und kontinuierlich verbessert. Gleichzeitig sind in den vergangenen Jahren die strukturellen Veränderungen zunehmend in den Fokus genommen worden, die notwendig sind, um den Übergang von der Schule in den Beruf – auch für Menschen mit Startschwierigkeiten – erfolgreicher zu machen. Mit dem Ziel, den Anteil von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohne beruflichen Abschluss durch strukturelle Veränderungen dauerhaft zu senken und deren Zukunftschancen zu verbessern, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Jahr 2008 das Programm „Perspektive Berufsabschluss“ aufgelegt. Mit dem aus eigenen und Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderten Programm greift der Bund die Empfehlungen des Innovationskreises Berufliche Bildung zur Optimierung des Übergangsmanagements Schule-Ausbildung und zur Nachqualifizierung junger Erwachsener auf und strebt eine effektivere, zielgruppenbezogene Förderung im Sinne einer strukturellen Weiterentwicklung an. Das Programm Perspektive Berufsabschluss besteht aus zwei Förder­ initiativen: •  Regionales Übergangsmanagement •  Abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung Da das Projekt RÜM Berlin im Rahmen der Förderinitiative 1 umgesetzt wurde, wird an dieser Stelle ausschließlich hierauf eingegangen. Die Richtlinien zur Förderung des Programms formulieren für die Förderinitiative Regionales Übergangsmanagement folgende Ziele: •  Kooperation der Akteure zur Steigerung der Effektivität der Förderung und zur Erreichung von Transparenz in der regionalen Beratungs- und Angebotsstruktur, •  Steigerung der regionalen Kohärenz und der Effektivität berufsorientierender Förderangebote und der Instrumente des Übergangsmanagements unter Berücksichtigung des Berufswahlprozesses, •  Stärkung regionaler Gestaltungsmöglichkeiten für die Integration von Jugendlichen mit Förderbedarf.
Notwendigkeit struktureller Veränderung

Ziele der Förderinitiative 1

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Zur Antragstellung berechtigt waren Kommunen (Gemeinden, kreisfreie Städte, Kreise) und kommunale Einrichtungen (auch beliehene ­Einrichtungen). Das Antragsverfahren sah zwei Stufen vor: •  Vorlage und Auswahl von Projektskizzen, •  Vorlage förmlicher Förderanträge und Entscheidungsverfahren. In der ersten Förderrunde der Förderinitiative 1 wurden im Jahr 2008 bundesweit insgesamt 27 Projekte2 gestartet. Die Abwicklung der Fördermaßnahmen wurde seitens des Bundesministeriums für Bildung und Forschung dem Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (PTDLR) übertragen.
Wissenschaftliche Begleitung und Evaluation

Mit der wissenschaftlichen Begleitung der Förderinitiative wurde das Deutsche Jugendinstitut e.V. beauftragt. Die Begleitung sieht Unterstützungsund Beratungsleistungen für die Förderinitiative insgesamt und für die jeweiligen regionalen Vorhaben vor. Die Grundlage für diese Beratungsund Unterstützungsleistungen bildeten dabei die jährlich erstellten analytischen Berichte zur Projektumsetzung, die auf den mit den Projektverantwortlichen und deren Kooperationspartner/innen geführten Interviews basieren. Neben diesen Fallstudien wurden im Rahmen der Förderinitiative Netzwerktagungen und Entwicklungsworkshops durchgeführt, die der Erweiterung der fachlichen Expertise der Projektumsetzenden und dem Erfahrungsaustausch zu spezifischen Themen der Projektumsetzung zwischen den verschiedenen Standorten dienten. Mit der Evaluation der Förderinitiative wurde das Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik GmbH (INBAS) beauftragt. Das Untersuchungsdesign sah im ersten Schritt die Erarbeitung des idealtypischen Modells des Regionalen Übergangsmanagement vor, an dessen Erarbeitung die einzelnen Projekte im Rahmen eines Workshops beteiligt wurden und das ab Seite 59 näher erläutert wird. Nachdem dieses Modell nun vorliegt, sind Befragungen der Projektverantwortlichen, der Kooperationspartner/innen und weiterer Fachkräfte geplant.

Ein Projekt für Berlin
Wie zu Beginn dieses Kapitels geschildert, war die Förderinitiative primär auf die Umsetzung auf kommunaler Ebene ausgerichtet. RÜM Berlin teilt sich mit Hamburg den Sonderstatus, als Stadtstaat am Programm teilhaben zu können.
Treuhänderin und beliehene Einrichtung

Die SPI Consult GmbH ist seit nunmehr 20 Jahren im Auftrag des Landes Berlin tätig. Sie verwaltet als Treuhänderin und beliehenes Unternehmen im Auftrag des Berliner Senats Fördergelder der Arbeitsmarkt- und Ausbildungsförderung des Landes und stellt sicher, dass diese Mittel effizient
2  2010 folgte die 2. Förderrunde mit 28 Projekten.

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eingesetzt werden. Gleichzeitig entwickelt sie Instrumentarien für eine moderne Arbeitsmarktpolitik. Zur treuhänderischen Tätigkeit im Rahmen der Arbeitsmarktförderung kamen im Laufe der letzten Jahre immer mehr Aufgaben der Koordinierung und fachlichen Begleitung von Projekten und Programmen am Übergang Schule-Beruf in Berlin hinzu. So initiierte die SPI Consult GmbH 1998 mit dem „Netzwerk Regionale Ausbildungsverbünde Berlin“ eine Struktur, die es unter anderem ermöglicht, das Ausbildungsplatzprogramm3 als Form der betriebsnahen Verbundausbildung für marktbenachteiligte Jugendliche in Berlin umzusetzen. Seit 2007 koordiniert sie das mit Mitteln der Agenturen für Arbeit in Berlin und des Landes finanzierte landesweite „Berliner Programm vertiefte Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler“. Die Kompetenz am Übergang Schule-Beruf, die Erfahrungen in der Netzwerkarbeit mit Berufsschulen, Bildungsdienstleistern, Unternehmen, Universitäten, Kammern, Fachverwaltungen, Verbänden u. a. sowie das ausdrücklich im Rahmen der Antragstellung in Bezug auf das Projekt dokumentierte Attribut als beliehene Einrichtung des Landes prädestinierten die SPI Consult GmbH, den Antrag auf Förderung im Rahmen des Programms „Perspektive Berufsabschluss“ zu stellen. Angeregt durch Vorgespräche mit Vertreter/innen der Senatsverwaltungen Arbeit, Integration und Frauen, sowie Bildung, Jugend und Wissenschaft4 wurde diese Chance für Berlin wahrgenommen. Mit der Antragstellung durch die SPI Consult GmbH wurde das Projekt zwar außerhalb der Berliner Verwaltungen angesiedelt, dies jedoch im Auftrag des Landes. Dies erwies sich für die Projektumsetzung durchaus als Vorteil. Prozesse der Herstellung von Transparenz und der Gestaltung (siehe die folgenden Kapitel) wurden quer zu den verschiedenen Häusern der Berliner Verwaltung und der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit von einer externen, neutralen Institution moderiert, die sowohl Sachkompetenz als auch notwendige Ressourcen dafür mitbrachte. Einerseits war damit Unabhängigkeit auch dahingehend gewährleistet, dass unmittelbares Eigeninteresse an der Etablierung neuer Angebote ausgeschlossen werden konnte. Denn die SPI Consult GmbH setzt selbst keine Projekte am Übergang Schule-Beruf um, die eigenen Arbeitsschwerpunkte liegen vielmehr in der treuhänderischen Tätigkeit, der Koordination von Programmen sowie deren Moderation. Andererseits erwies sich während der Projektumsetzung, wie beschränkt der Einfluss gerade einer externen Moderation darauf ist, entwickelte Konzepte nachhaltig in die Praxis zu überführen und dafür notwendige Entscheidungen politisch beschlussfähig zu machen. Die Aspekte der politischen Anbindung werden im abschließenden Kapitel näher beleuchtet und mit dem bereits erwähnten idealtypischen Modell des Regionalen Übergangsmanagements in Beziehung gesetzt. Jedoch soll bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen
3  seit 2010: Berliner Ausbildungsplatzprogramm in alleiniger Landesfinanzierung 4  Im Text werden die zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Broschüre aktuellen Bezeichnungen der Senatsverwaltungen verwendet.

Moderation der Prozesse

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werden, dass die politische Verankerung des Projekts und der Projektergebnisse im Sinne eines seitens des Landes formulierten Auftrages, hinterlegt mit konkreten, überprüfbaren Arbeitspaketen, nicht gegeben war.

Ressortübergreifende Abstimmung auf Landesebene
Zugesagtes Engagement vieler Akteure

Bereits für die Antragstellung war es notwendig, den Nachweis über die verbindliche arbeitsteilige Einbindung der regionalen Akteure mit institutioneller Verantwortung zu erbringen. Dies erfolgte in Form von Letters of Intent und sah zwei Aspekte vor: Einerseits wurde der Stand der bisherigen Kooperation mit den jeweiligen Partnern in anderen Arbeitskontexten dokumentiert und andererseits konkretisiert, wie die Institutionen das Projekt unterstützen werden. Indem die Beiträge der jeweiligen Institutionen in Form solch qualifizierter Letters of Intent bereits vor Projektbeginn schriftlich dokumentiert wurden, waren günstige Voraussetzungen für die spätere Umsetzung des Projekts in gemeinsamer Verantwortung vieler Partner geschaffen.

Statement von Thomas Voigt
Bereichsleitung Integration und Beschäftigung U25 im Jobcenter Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf

Im Rahmen der lokalen Arbeitssituation in einem bezirklichen Jobcenter in Berlin, stellten sich in den letzten Jahren immer wieder Fragen, die von uns aber auch von Dritten nicht immer zufriedenstellend zu beantworten waren. Insbesondere durch die Reformen am Arbeitsmarkt seit 2005 entstand eher das Gefühl, dass für unsere Jugendlichen, bezogen auf die Kunden eines Jobcenters, immer weniger passgenaue Angebote vorhanden sind und das Netz von Hilfen zu einem undurchdringbaren Dschungel mutiert ist, der ohne professionelle Hilfe für die jugendlichen SGB II Bezieher/innen nicht zu bewältigen ist. Genau hier setzte unsere Unterstützung für ein Projekt an, welche sich insbesondere mit den Übergängen und den Angeboten im Berliner Ausbildungs- und Arbeitsmarkt beschäftigt und für die Akteure am Arbeitsmarkt und im besten Fall für die Jugendlichen diesen Dschungel lichtet. Der Beginn der Zusammenarbeit und Beteiligung war gekennzeichnet von großen Erwartungen. Nach einem anfänglich gefühlt verhaltenen Arbeitstempo nahm das Projekt und die verabredete Zusammenarbeit sehr schnell Fahrt auf und insbesondere die temporäre Vernetzung der verschiedenen Institutionen erzeugte sehr schnell vorzeigbare Arbeitsergebnisse. Aus meiner Sicht ist die fachlich-inhaltliche Zusammenarbeit bei den Schnittstellenkonferenzen gar nicht hoch genug zu bewerten und wird hoffentlich in ähnlicher Form auch in der Zukunft als mögliches Arbeitsinstrument genutzt. Hier ergeben sich für die überbezirklichen Organisationsstrukturen Erfahrungs- und Informationspotentiale, die ihnen in normalen Alltagsstrukturen eher verschlossen bleiben. Für mich persönlich ermöglichte die Beteiligung an diesem Projekt, einen anderen Blick auf die Arbeit meiner Institution und auch die kritische Reflektion meiner eigenen Arbeit, daher werde ich auch in Zukunft solche und ähnliche Vorhaben unterstützen.

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Die SPI Consult GmbH nahm ihre Aufgabe als Moderatorin ressortübergreifender Abstimmungsprozesse bereits im Prozess der Antragstellung wahr. In Vorbereitung der Projektskizze wurde eine Expertenrunde einberufen. Ziel dieses Treffens war es, die Potenziale eines solchen RÜM-Projekts zu diskutieren und deutlich zu machen, dass dieser Prozess nur gelingen kann, wenn sich alle relevanten Institutionen an einer solchen Weiterentwicklung der Vereinbarungskultur beteiligen. Im Ergebnis des Treffens stand fest: Die Antragstellung durch die SPI Consult GmbH wird von allen vertretenen Akteuren unterstützt und die Kooperation verbindlich zugesagt. In die Diskussion als Vorschlag eingebrachte Entwicklungsziele wurden nachjustiert (siehe Seite 29). Die in die Diskussion eingebrachte Idee, regionales Übergangsmanagement zunächst in einem ausgewählten (Modell-) Bezirk zu implementieren, wurde zugunsten eines Antrages für ganz Berlin verworfen. Im Ergebnis dieses „Auftaktes“ wurde nicht nur die einzureichende Projektskizze und in Stufe 2 der formale Projektantrag auf den Weg gebracht. Vielmehr war mit diesem Expertenkreis die spätere Lenkungsrunde des Projekts konstituiert, die im Projektverlauf um wenige weitere Personen ergänzt wurden. Anliegen bei der Zusammensetzung der Lenkungsrunde war die Vertretung aller am Übergang Schule-Beruf beteiligten Institutionen. Dabei sollten die Personen in ihren jeweiligen Institutionen in der Position sein, die unterschiedlichen Anliegen von RÜM weiterzutragen. Die institutionelle Zusammensetzung der Lenkungsrunde von RÜM Berlin5 ist der Abbildung 1 (siehe Seite 28) zu entnehmen. Aufgabe der Lenkungsrunde war es, alle grundlegenden Abstimmungen zum Projektverlauf vorzunehmen. Dies setzte voraus, dass die Mitglieder kontinuierlich über den jeweiligen Zwischenstand des Projekts informiert waren und Entscheidungen zum Fortgang des Projekts trafen. Im Projektverlauf wurden insgesamt 10 Sitzungen einberufen, die i. d. R. zwei Stunden umfassten. Moderation und Input zum Projektstand oblagen der SPI Consult GmbH, ebenso wie die inhaltlich-organisatorische Vorbereitung sowie die Dokumentation. In Vorbereitung jeder Sitzung erhielten alle Mitglieder vorab neben der Tagesordnung die für die jeweilige Sitzung notwendigen Materialien. Alle Sitzungen wurden schriftlich in Bezug auf den Ablauf und die getroffenen Entscheidungen protokolliert, den Mitgliedern das Protokoll zeitnah nach der Sitzung zugesandt. An dieser Stelle soll darauf hingewiesen werden, wie schwierig die Terminabstimmungen für die Sitzungen z. T. waren. Mehrere Mitglieder der Lenkungsrunde (insbesondere die Referatsleiter/innen und Bereichsleiter/innen) sind in zahlreiche weitere (Projekt)-Steuerungsrunden, sowohl intern als auch extern, eingebunden, was die Grenzen für die Terminabstimmung der RÜM- Lenkungsrunde mitunter sehr eng steckte. Gleichwohl kann festgestellt werden, dass die Mehrheit der Mitglieder kontinuierlich teilnahm und sich aktiv einbrachte.

Etablierung der Lenkungsrunde

Arbeitsweise der Lenkungsrunde

5  Die Danksagung in diesem Band auf Seite 2 gibt die Namen der Personen wieder.

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Lenkungsrunde: Institutionen und Ressorts  | Abbildung 1 Institution
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft

Ressort
Allgemeinbildung Berufsbildung Jugend Integration und Migration Berufliche Qualifizierung Grundsatzreferat Arbeitnehmerintegration U 25 Bereichsleitungen U25 Bereichsleitungen U 25 Vertreter eines Bezirks­ jugendamtes

Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit Agenturen für Arbeit Berlin Nord, Mitte, Süd Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg und Charlottenburg-Wilmersdorf Bezirke DGB Landesverband Berlin-Brandenburg e.V. Arbeitskreis Neue Erziehung e.V. Türkischer Bund Berlin-Brandenburg e.V.

Weiterentwicklung der Vereinbarungskultur

In der Rückschau kann festgestellt werden, dass alle für die Projektumsetzung relevanten Ressorts in die Lenkungsrunde eingebunden waren. Jedoch wirkte sich der fehlende Projektauftrag auf Berliner Ebene auch auf die Arbeit der Lenkungsrunde aus. Die äußerst komplexen Themenstellungen und die in der Lenkungsrunde getroffenen Entscheidungen erforderten eine Rückkopplung im Sinne von Information und jeweils ressortinterner Absicherung von Entscheidungen, was nicht immer der Fall war. Jedoch lässt sich festhalten, dass mit der RÜM-Lenkungsrunde die Idee verwirklicht wurde, eine Steuerungsrunde übergreifend über alle seitens der SPI Consult GmbH im Auftrag des Landes koordinierten Projekte und Programme am Übergang Schule-Beruf zu etablieren. Dies entspricht nicht nur einem verantwortungsvollen Umgang mit den Zeitressourcen der Beteiligten, sondern stellt auch die Weichen für übergreifende Steuerungsprozesse. Letztendlich wird dadurch auch die Vereinbarungskultur weiter entwickelt, wie es von Beginn an im Projekt RÜM Berlin intendiert war.

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Entwicklungsziele und Arbeitspakete
Die Ziele der Förderinitiative 1 des Programmes „Perspektive Berufsabschluss“ wurden bereits eingangs dieses Kapitels umrissen. Angesichts der Komplexität der Aufgabe, der Vielzahl der einzubeziehenden Institutionen, der Langfristigkeit des Projektzeitraums und der Unvorhersehbarkeit der Entwicklungen wurden für das Berliner RÜM Entwicklungsziele formuliert, um im Projektverlauf Anpassungen an die jeweilige Situation vornehmen zu können. Die Entwicklungsziele waren im Einzelnen: •  Schaffung von Transparenz der vorhandenen Angebote sowohl auf regionaler und bezirklicher Ebene als auch auf der Ebene des Landes Berlin. •  Verbindliche Steuerung des regionalen Übergangsmanagements durch ein regionales Kooperationsforum mit den Zielen der ·· Standardisierung der Arbeitsinstrumente, ·· Gewährleistung der betriebsnahen Ausrichtung, ·· Gewährleistung der Orientierung am jeweiligen individuellen Bedarf der Jugendlichen, ·· Entwicklung und Etablierung eines regional abgestimmten Dokumentationssystems, ·· wirksamen Abstimmung von Politiken, Programmen, Angeboten und Verfahren auf regionaler Ebene, ·· ressortübergreifenden Konzeptionierung von Maßnahmen und Programmen am Übergang Schule-Beruf. •  Implementierung eines nachhaltig wirksamen, kohärenten berlinweiten Übergangsmanagements auf der Basis einer verbindlichen Vereinbarungskultur aller beteiligten Akteure. In den mit dem formalen Projektantrag vorgelegten Meilenstein- und Mensch-Monatsplänen des Projekts wurden die Entwicklungsziele in Form von Arbeitspaketen konkretisiert und mit den jeweils notwendigen Personalressourcen und Umsetzungszeiträumen untersetzt. Diese Planung war die Grundlage sowohl für die spätere Projektumsetzung als auch die damit verbundene Berichterstattung.

Erforderliche Kompetenzen
Das Vorhaben RÜM Berlin war sowohl in seiner Zielsetzung als auch in der Umsetzung derart voraussetzungsvoll, dass das dafür eingesetzte Team sehr gezielt ausgewählt wurde. Ziel war es, möglichst unterschiedliche, sich komplementär ergänzende Kompetenzen in Person der drei Berater/innen (inkl. Projektleitung) zusammenzuführen. Diplom-Pädagoginnen und Diplom-Politologen wurden als Berater/innen tätig. Dabei kam im Team ein Kompetenzpool zustande, in dem Erfahrungen •  im Arbeitsfeld Übergang Schule-Beruf insgesamt, •  in der Netzwerkarbeit zum Übergang Schule-Beruf in ­ erlin, B •  aus der empirischen Sozialforschung und •  in der Moderation von Prozessen und Veranstaltungen
Teamzusammensetzung

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verfügbar waren, was sich in der Projektumsetzung als erfolgreich erwies. Auch die Kombination aus bereits für die SPI Consult GmbH tätigen Mitarbeiter/innen mit neu eingestellten Personen erwies sich als sinnvoll. Zu betonen ist dabei, dass durch längerfristige Anstellungsverhältnisse die Voraussetzungen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sowohl team­ntern als auch in den übergreifenden Netzwerken geschaffen i w ­ urden. Komplettiert wurde das Team durch eine Sachbearbeiterin und temporär durch eine studentische Hilfskraft. Das RÜM-Projekt war Teil des Geschäfts­ ereiches Networking & Consulting der SPI Consult GmbH, b was Informationsflüsse erleichterte und ein verzahntes konzeptionelles Arbeiten auch mit anderen, durch die SPI Consult GmbH umgesetzten Programmen ermöglichte.

Veränderungen erfordern Flexibilität
Das Projekt war im Rahmen der Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf einen Umsetzungszeitraum von 47 Monaten angelegt. Dies ermöglichte einerseits eine kontinuierliche Arbeit über einen längeren Zeitraum hinweg. Andererseits treten in einem solchen Projektzeitraum Entwicklungen ein, die bei der Antragstellung nicht vorhersehbar waren, die Projektumsetzung aber maßgeblich beeinflussten. Sich verändernde Rahmenbedingungen erfordern Flexibilität. Einige der Veränderungen sollen hier umrissen werden:
Masterplan Qualifizierung

Der Masterplan Qualifizierung wurde von der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen initiiert. Ausgehend von der Notwendigkeit eines gemeinsamen Engagements der Berliner Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gewerkschaften wurden verschiedene Vorschläge für die berufliche Bildung im Sinne Lebenslangen Lernens vor dem Hintergrund des erwarteten Fachkräftebedarfs entwickelt. Die vorgesehenen Handlungsfelder und Maßnahmen wurden in einem Beteiligungsprozess der benannten Akteure ausgehandelt. Der Bedeutung des Übergangs SchuleBeruf – Regionales Übergangsmanagement wird im Masterplan insofern Rechnung getragen, dass diesem eines von sechs Handlungsfeldern gewidmet ist. Die in diesem Handlungsfeld vorgesehenen Maßnahmen sind in Abbildung 2 zusammengefasst.

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Abbildung 2 |  Masterplan Qualifizierung - Maßnahmen im Handlungsfeld 2 Herstellung der Transparenz des Angebotsspektrums und der Fördermöglichkeiten am Übergang Schule-Beruf Herstellung der Transparenz von Bildungsverläufen Entwicklung eines Orientierungsrahmens für die Berufsorientierung Weiterentwicklung der vertieften Berufsorientierung an Berliner Schulen Entwicklung von Standards der schulischen Berufsvorbereitung Optimierung des Übergangsbereichs für Jugendliche mit Förderbedarf

Um die Ergebnisse des Projekts und die dafür aufgebauten Strukturen für den Masterplan nutzbar zu machen, wurde der SPI Consult GmbH die Verantwortung für das genannte Handlungsfeld übertragen. Für die Umsetzung von RÜM Berlin stellte dies insofern eine besondere Chance dar, als es dadurch gelang, das Projekt und seine Ergebnisse verstärkt in politische Strategiefragen des Landes einzubringen, die Projektziele in Form e ­ inzelner Maßnahmen fortzuentwickeln bzw. zu konkretisieren. Zum Ende der ersten Hälfte der Projektlaufzeit, im Sommer 2010, wurde in Berlin die Schulstrukturreform umgesetzt. Mit der damit einhergehenden Reduktion auf zwei Schularten in der Sekundarstufe 1 fielen Haupt-, Real- und Gesamtschulen zugunsten der Integrierten Sekundarschule weg. An der Integrierten Sekundarschule können alle Schulabschlüsse erworben werden. Gleichzeitig wurde mit der Einführung des Dualen Lernens in der Integrierten Sekundarschule das Augenmerk auf den Übergang in den Beruf gelegt. Duales Lernen wird als verbindliches, übergreifendes Lernprinzip verstanden (nähere Ausführungen dazu in Band 2: Berufsorientierung). Seine Einführung hat zahlreiche Akteure in der Stadt mobilisiert und den Fokus der öffentlichen Betrachtung auf die Notwendigkeit einer systematischen Berufs- und Studienorientierung unter Zusammenarbeit aller Akteure gelenkt. Dies schlägt sich in der „Berliner Erklärung zur Nachwuchskräftesicherung für Unternehmen durch Ausbildung“ ebenso nieder wie in den seitens der Bildungsverwaltung geschaffenen Unterstützungsstrukturen wie der Servicestelle Duales Lernen und den Multiplikator/innen für Wirtschaft-Arbeit-Technik/Duales Lernen, die die ­Integrierten ­Sekundarschulen in der Konzeptentwicklung unterstützen. Dies hat in der Umsetzung von RÜM insofern Niederschlag gefunden, als in mehreren Schnittstellenkonferenzen das Augenmerk der Akteure insbesondere der Systematisierung der Berufsorientierung galt.
Veränderungen in der Schullandschaft

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Statement von Margrit Zauner
Leiterin des Referats „Berufliche Qualifizierung“ in der Abteilung Arbeit und Berufliche Bildung, Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen

RÜM war für mich zunächst ein sperriges Wort für einen umfassenden Prozess. Am Anfang war eine Idee – das Übergangssystem in Berlin top-down und bottom-up zu analysieren und danach gemeinsam Vorschläge machen, wie man es besser auf die Bedarfe ausrichten kann – die Bedarfe der Jugendlichen, die von der allgemeinbildenden Schule in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt wechseln wollen und dabei lange scheitern und in Warteschleifen ohne Anschluss und Perspektive hängenbleiben ebenso wie die Bedarfe der Unternehmen, die nach Fachkräften rufen und klagen, dass die Jugendlichen, die es gibt, noch nicht ausbildungsreif sind. In Steuerungsrunden und Schnittstellenkonferenzen, in Broschüren und vielen Veranstaltungen sind am Ende handhabbare Vorschläge herausgekommen. Ein Plakat ist der sichtbarste Beweis in vielen Büros, Beratungseinrichtungen und erinnert auch mich ­ agtäglich t bei allen meinen Besprechungen an die Aufgabe, eine unübersichtliche Landschaft viel­ fältiger, kleinteiliger Förderansätze in eine besser überschaubare und klar gegliederte Struktur zu überführen. Der RÜM-Prozess ist in den Berliner Masterplan Qualifizierung eingegangen. Das Leitziel – gemeinsam erarbeitet und bestätigt durch die Wirtschafts- und Sozialpartner und den ­ erliner Senat ist es, für benachteiligte Jugendliche eine kompetente Berufswahl zu B t ­ reffen und zu verwirklichen, und mit den Angeboten eines transparenten Übergangs­ feldes ­ inen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs zu leisten. Die sechs e Maßnahmen des Handlungsfeldes „Übergang Schule-Beruf – Regionales Übergangsmanagement“ ­ ollen die Transparenz der Angebotsstruktur wie der Bildungsverläufe verbess sern, Standards der schulischen Berufsvorbereitung etablieren und einen Orientierungsrahmen für die Berufsorientierung entwickeln. Dafür können wir in Berlin auf bestehende gute Angebote wie die Berliner vertiefte Berufsorientierung und Komm auf Tour aufbauen. So können wir die Stärken des Wirtschafts- und Bildungsstandortes Berlin stärken und die chancen­ leiche Teilhabe aller Bürger/innen in Wirtschaft und Gesellschaft ermöglichen. g

Bestrebungen der Systematisierung

Von erheblichem Einfluss auf die Projektumsetzung von RÜM war und ist die Beteiligung des Landes Berlin an der Länderinitiative der BertelsmannStiftung „Übergänge mit System“. Angelegt als Top-down-Ansatz wird die Implementierung eines zweisträngigen Systems am Übergang angestrebt, das auf dem Konstrukt der „Ausbildungsreife“ basiert und die Zielgruppen und jeweiligen Angebote danach differenziert. Für RÜM Berlin, angelegt als Bottom-up-Ansatz, war damit die Herausforderung verbunden, eigene Aktivitäten an diese Ausgangssituation anzupassen. Im Laufe der Projektumsetzung kamen weitere Systematisierungsbestrebungen am Übergang Schule-Beruf hinzu. Exemplarisch anzuführen ist hier die Kampagne „Berlin braucht Dich!“6, die im Auftrag des Berliner Beauftragten für Integration und Migration im Rahmen einer Konsortialstruktur verschiedene Instrumente der Berufsorientierung entwickelt. Ohne all diese Entwicklungen an dieser Stelle erschöpfend abbilden zu können, wird dadurch nicht nur der Koordinierungsbedarf in Hinblick auf die Angebote deutlich. Vielmehr erkannten immer mehr Akteure die Notwendigkeit der Koordinierung und übernahmen diese Aufgabe, so dass sich
6  Die Kampagne wird umgesetzt durch BQN Berlin e.V.

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parallele Koordinierungsansätze etablierten. Umso notwendiger wurde die Synchronisierung der Optimierungsbemühungen und die Klärung, wer dies für welchen Teilbereich übernimmt. Beeinflusst wurde die Projektumsetzung auch durch Veränderungen in der Angebotslandschaft. So erhöhte sich nach dem Wegfall mehrerer ESF-geförderter betriebsnaher Angebote der Berufsvorbereitung (MDQM I, Tridem-BQL, Tridem-OBF I) zum einen merklich die Frequenz der Nachfragen Externer im RÜM-Büro nach dem Verbleib dieser Angebote und bestehenden möglichst adäquaten Alternativen. Zum anderen äußerten viele Akteure in Fachdiskussionen ihr Interesse, die positiven Erfahrungen, die sie im Rahmen dieser Angebote machten, auf die Regelpraxis zu übertragen. Dies fand Eingang in die Entwicklung der Standards der schulischen Berufsvorbereitung.7 Veränderungen in der Angebotslandschaft am Übergang Schule-Beruf ergaben sich ebenso mit der Instrumentenreform der Sozialgesetzbücher II und III. Dass die Optimierung des Übergangs Schule-Beruf einer Einbettung in die politischen Entscheidungsstrukturen bedarf, wurde bereits dargestellt. Insofern waren auch die Neuwahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im Herbst 2011 von Einfluss auf die Projektumsetzung. Im Ergebnis der Wahl wurde die rot-rote Koalition auf Landesebene beendet und eine neue ­ oalition zwischen SPD und CDU vereinbart. Mit der Bildung eines K neuen Senats veränderten sich Ressortzuschnitte und somit auch Verantwortlichkeiten am Übergang Schule-Beruf. Dies führte zur Verzögerung von Abstimmungsprozessen, etwa in Hinblick auf die Standardisierung der Berufsorientierung und der Berufsvorbereitung. Dennoch ist davon auszugehen, dass dies, nicht zuletzt aufgrund der Verankerung dieser Maßnahmen im Masterplan Qualifizierung, auch unter den neuen politischen Verhältnissen gelingen wird. Nachdem dieses Kapitel den Rahmenbedingungen und der Grundstruktur des Projekts gewidmet war, werden in den folgenden Kapiteln die zentralen Phasen der Projektumsetzung beschrieben.
Veränderungen in der Angebotslandschaft

Ende der Legislaturperiode

7  siehe Band 3: Übergangssystem

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Projektphase I: Schaffung von Transparenz
Transparenz der Angebotslandschaft
Transparenz am Übergang Schule-Beruf zu schaffen, stand als eines der beiden Hauptziele des Projekts RÜM im Mittelpunkt der ersten ­zentralen Projektphase.

Bestandsaufnahme
Um einen differenzierten Überblick hinsichtlich der Ausgangslage im Übergangsfeld zwischen Schule und Beruf in Berlin zu erhalten, wurde zu Beginn des Projekts eine Bestandsaufnahme durchgeführt. Damit sollte die Möglichkeit eröffnet werden, Verbesserungspotenziale für die weitere politische Gestaltung des Übergangsfeldes zu identifizieren. Die Bestandsaufnahme umfasste vier Elemente: Angebotsstruktur, Daten und Fakten, Medien, Gremienlandschaft.

Abbildung 3 |  Elemente der Bestandsaufnahme

Bestandsaufnahme
A n g e b o t s s t r u k t u r Berufs­ ausbildung

Daten / Fakten

Berufs­ vorbereitung

Medien

Gremien

Berufs­ orientierung

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Angebotsstruktur

Um das Angebotsspektrum im Übergangsfeld übersichtlich darstellen zu können, wurde es in drei „Scheiben“, d.h. zeitliche Phasen entlang der Chronologie des individuellen Lebenslaufes, wie folgt gegliedert:
•	 Scheibe 1 – Berufsorientierung: Der ­ cheibe S der Berufsorientierung wurden diejenigen A ­ ngebote zugeordnet, die sich an Jugendliche ­ bis zum Abschluss der allgemeinbildenden Schule richten und den Übergang Schule-Beruf ­befördern. •	 Scheibe 2 – Berufsvorbereitung: Zur Scheibe der Berufsvorbereitung gehörten die Angebote, die zwischen dem Erfüllen der allgemeinen Schulpflicht und dem Eintritt in die Berufsausbildung absolviert werden und der Integration in Ausbildung und/oder Arbeit dienen. •	 Scheibe 3 – Berufsausbildung: Der Scheibe der Berufsausbildung umfasste diejenigen Angebote, die auf den Erwerb eines Ausbildungsabschlusses abzielen. Dies kann sowohl die F ­ örderung der Ausbildung an sich als auch e ­ xterne Unterstützungsleistungen im Rahmen der Ausbildung umfassen.

	

Die Projekt- und Programmverantwortlichen wurden mittels eines standardisierten Fragebogens befragt. Die Befragungsergebnisse wurden in einer ausschließlich für interne Zwecke aufgebauten Datenbank erfasst. Damit wurden die Voraussetzungen sowohl für eine summarische Zusammenfassung aller Angebote einer Scheibe als auch für eine vergleichende Betrachtung der Projekte geschaffen. Auf Grundlage dieser Befragungsergebnisse wurde im Anschluss eine qualitative Befragung durchgeführt, die vertiefende Kenntnisse zu den Themen Kompetenzfeststellung, Betriebsnähe, Berufswegebegleitung und Anrechenbarkeit erbringen sollte.

Weiterhin wurden im Rahmen der Bestandsaufnahme sowohl die Platzkapazitäten aller Angebote am Übergang Schule-Beruf in Berlin als auch auch ihre Finanzierungsgrundlagen erhoben. Erstere wurden ausschließlich der Lenkungsrunde und damit den darin vertretenen Institutionen zur Verfügung gestellt. Die Angaben zu den Finanzierungsquellen finden sich dargestellt in den Angebotsbeschreibungen des Landesberichts.
Daten und Fakten

Die zweite Säule der Bestandsaufnahme bildeten die für eine Einschätzung der jeweiligen Ausgangssituation im Übergangssystem relevanten statistischen Daten zur potenziellen Teilnehmendengruppe. Diese wurden herangezogen, um Entwicklungen hinsichtlich des zu erwartenden Bedarfs zu erkennen und Bedarfseinschätzungen vornehmen zu können. Die Daten wurden zum Teil speziell für die Bestandsaufnahme von den entsprechenden Stellen zur Verfügung gestellt, zum Teil wurden Daten aus bestehenden Statistiken für die Zwecke der Bestandsaufnahme neu berechnet. Das dritte Element der Bestandsaufnahme bezog sich auf die Medien zur Information und Orientierung im Übergang Schule-Beruf in Berlin (z.B. Ausbildungswegweiser, Ausbildungsatlanten). Diese wurden anhand von Kriterien analysiert und darauf fußend im Überblick dargestellt.

Medien

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Neben der auf Recherche gründenden Übersicht über die in Berlin auf Landes- und Bezirksebene am Übergang Schule-Beruf tätigen Gremien wurden die Mitglieder der Regionalen Ausbildungsverbünde und der Arbeitsgemeinschaften Jugendberufshilfe nach § 78 SGB VIII (AG 78) in den Bezirken nach dem wahrgenommenen Nutzen ihrer Mitarbeit in den genannten Gremien und nach ihrer Mitarbeit in weiteren Gremien befragt. Dies diente einerseits der Schaffung eines Überblicks über bestehende Gremien insgesamt, andererseits konnten auf bezirklicher Ebene personelle Überschneidungen und Vernetzungsstrukturen verdeutlicht werden. Die Bestandsaufnahme erfolgte im Zeitraum von Oktober 2008 bis Juli 2009. Zum eingesetzten Methodenspektrum gehörten umfangreiche (Daten-)Recherchen, die Entwicklung und der Einsatz von Fragebögen (sowohl für quantitative als auch für qualitative Fragestellungen) sowie die daraus folgende Datenauswertung. Den Abschluss bildete die Berichtslegung auf Landes- und Bezirksebene. Daraus gewonnene Erkenntnisse wurden in eine fortlaufende Diskussion mit verschiedenen Akteuren eingespeist, um bereits im Prozess auf Verbesserungspotenziale hinzuweisen. Ein umfangreicher Landesbericht8 fasst die Ergebnisse der Bestandsaufnahme systematisiert zusammen. In seinen Anlagen finden sich ausgewählte Statistiken, alle erfassten Angebote in einer Matrix, Übersichten über die Gremien und Jugendberatungseinrichtungen in den Berliner Bezirken. Damit stand erstmals ein Bericht zur Verfügung, der in dieser Breite und Tiefe insbesondere das Angebotsspektrum am Übergang Schule-Beruf in Berlin systematisch abbildete und die unterschiedlichen Förderstränge in der Darstellung zusammenführte. Die Informationen zum Angebotsspektrum für die zwölf Berliner Bezirke wurden in jeweils separaten Bezirksberichten niedergelegt. Eine ausführliche Darstellung der Bestandsaufnahme mit methodischen Hinweisen zu notwendigen Schritten der Planung, Durchführung und Auswertung sind in Band 1 dieser Reihe verschriftlicht. Die Angebotslandschaft transparenter zu machen und damit eine Grundlage für individuelles wie politisch-strategisches Handeln zu schaffen, machte über die Bestandsaufnahme hinaus zwei weitere Schritte notwendig: (1) eigens Instrumente zu entwickeln, die Beratende am Übergang Schule-Beruf nutzen können, um sich und die Beratenen schnell und umfassend über die Angebote zu informieren und (2) die Finanzierungsgrundlagen der Angebote aufzuzeigen.

Gremienlandschaft

Umsetzung der Bestandsaufnahme

Ergebnisse der Bestandsaufnahme

8  http://www.ruem-berlin.de/fileadmin/user_upload/Download/Landesbericht_gesamt_ Internetversion.pdf

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Statement von Christine Keil
Bezirksamt Pankow von Berlin, Stadträtin für Jugend und Facility Management

Die erhebliche Anzahl der Institutionen, Zuständigkeiten und Förderprogramme, die für die am Übergang Schule-Beruf befindlichen Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf bereitstehen, ist auch für Fachleute schon lange nicht mehr zu überschauen. Mit großem Respekt und mit unterstützendem Wohlwollen unseres Bezirkes, aber durchaus auch mit einer Prise Skepsis bezüglich des Gelingens der Aufgabe, eine berlinweite Situations­ nalyse anzugehen und zu dokumentieren, um letzten Endes Lösungs­ orschläge a v aufzuzeigen, sind wir dem RÜM-Team begegnet. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch, zumal wir durch die Arbeitsergebnisse auch eine Unterstützung der ­ ezirk­ichen b l Kooperationsvereinbarung zum „Fördersystem U 25“ und der „Ausbildungsoffensive P ­ ankow“ erwartet haben. Sehr bald schon wurden wir wohl alle angenehm mit dem ersten Ergebnis, dem Leitsystem „Wohin nach der Schule“ überrascht, das heute aus den Beratungs- und Lehrerzimmern nicht mehr wegzudenken ist. Der Bericht über das Angebotsspektrum im Bezirk Pankow enthielt auch neue Aspekte für diejenigen, die sich bereits seit Jahren ressortübergreifend für die Optimierung des Übergangs engagieren. Gewünscht haben wir uns, dass der Arbeitsprozess von RÜM transparent gestaltet wird und wir ihn aktiv mitgestalten können. Dementsprechend wurden das „Fördersystem U 25“ und die Mitarbeiter/innen der verschiedenen Institutionen des Fördersystems regelmäßig durch das RÜM-Team in Form von Präsentationen über alle relevanten Ergebnisse in Kenntnis gesetzt, wobei genügend Raum für bezirkliche Einflussnahme gegeben war. Mittels der regelmäßig erschienenen und hervorragend aufgebauten Newsletter wurden wir ebenso gut informiert wie die Mitwirkenden der Schnittstellenkonferenzen über die so genannten „Ticker“. Die übersichtlich strukturierte Internetseite www.ruem-berlin.de bot allen Interessierten weiteres, umfassendes Informationsmaterial. Wertvoll war für unseren Bezirk außerdem die ganz konkrete Unterstützung von bezirklichen Vorhaben, die wir seitens des RÜM-Teams erfahren haben, etwa bei der „Ausbildungs­ offensive Pankow“. So wurden meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur bei der Konzipierung verschiedener Veranstaltungen beraten, sondern auch bei der operativen Vorbereitung einer Veranstaltung aktiv unterstützt.

Neue Instrumente zur Schaffung von Angebotstransparenz
Leitsystem „Wohin nach der Schule“

Wie die Bestandsaufnahme zeigte, existierten in Berlin im Jahr 2009 zwar zahlreiche Informationsmedien zum Übergang Schule-Beruf. Es gab jedoch keine Übersicht, die alle verfügbaren Angebote für Jugendliche im Anschluss an die allgemeinbildende Schule auf einen Blick zugänglich und aufgrund einer Beschreibung nach denselben Kriterien vergleichbar macht sowie dies mit der schulischen Ausgangslage der Jugendlichen verknüpft. Um eben dies zu ermöglichen, wurde das Leitsystem „Wohin nach der Schule? Bildungs- und Qualifizierungswege nach der allgemeinbildenden Schule“ entwickelt, zum einen in einer Plakatversion, zum anderen in digitaler Form, veröffentlicht auf der Projekthomepage. Hier finden sich, ausgehend von den Voraussetzungen und Zielen der Jugendlichen, alle Angebote im PDF-Format auf DIN A4-Seiten einzeln ausdruckbar.

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Das Leitsystem richtet sich primär an beratende Fachkräfte am Übergang Schule-Beruf, aber durchaus auch an Eltern. Es erschien in erster Auflage von 1.000 Exemplaren zum Beginn des Schul- und Ausbildungsjahres 2009/10. Schon nach kurzer Zeit war die Auflage vergriffen, so dass noch im Herbst 2009 eine zweite Auflage von weiteren 3.000 Exemplaren veröffentlicht wurde. Aufgrund einiger Veränderungen in der Förderkulisse wurde zum Beginn des Schul- und Ausbildungsjahres 2011/12 eine aktualisierte Neuauflage von 3.000 Exemplaren gedruckt und verbreitet und auch die digitale Version angepasst. In der Berliner Institutionenlandschaft am Übergang Schule-Beruf wurde das Leitsystem außerordentlich gut angenommen und ist für viele Jugendund Berufsberater/innen, Lehrkräfte etc. ein nicht mehr weg zu denkendes Instrument. In Berlin wurde das Leitsystem mehrfach als Grundlage für die Strukturierung von Informationsangeboten wie etwa Ausbildungswegweisern genutzt. Auch im Bundesgebiet hat es verschiedene Städte und Kreise zu analogen Produkten angeregt, wobei auf die in Berlin bewährte Struktur und Darstellungsform zurückgegriffen wurde. Wie das Leitsystem „Wohin nach der Schule“, so hat auch die Angebotsübersicht Berufswegebegleitung ihren Ausgangspunkt in der Bestandsaufnahme. Die Ziele der Angebotsübersicht Berufswegebegleitung sind: •  als Informationsplattform zur schnelleren Auffindbarkeit von Angeboten mit dem Schwerpunkt Berufswegebegleitung (Kurzcharakteristik, Öffnungszeiten etc.) zu dienen, •  die Angebote nach einheitlichen Kriterien und „auf einen Blick“ vergleichbar zu machen, •  die Kontaktaufnahme durch Nennung von Kontaktdaten bzw. Verlinkungen zu den bestehenden Homepages der Anbietenden zu erleichtern. Sie richtet sich an professionell und ehrenamtlich Beratende am Übergang Schule-Beruf in Berlin. Durch die Einbindung in das Portal www.wege-zumberuf.de ist ihr Bestand und ihre Pflege über das Projektende von RÜM hinaus gesichert. Änderungen der Angebotslandschaft werden ab April 2012 periodisch vom Redakteur der Homepage des Portals berücksichtigt. Nähere Informationen sowohl zum Leitsystem „Wohin nach der Schule“ als auch zur Angebotsübersicht Berufswegebegleitung finden sich in Band 4 der vorliegenden Reihe.
Digitale Angebotsübersicht Berufswegebegleitung

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Periodische Berichterstattung über Förderbedarfe, Förderstränge und Fördermittel als Voraussetzung einer kontinuierlichen Koordination und Ressourcensteuerung
Für eine verbesserte Koordination und Ressourcensteuerung am Übergang Schule-Beruf ist es, neben der Kenntnis der qualitativen Dimension der Angebote, notwendig möglichst detailliert Aussagen zu den quantitativen Aspekten machen zu können. Erforderlich wären dazu – über die im Projekt RÜM erfolgte Bestandsaufnahme hinaus – Daten zu den konkreten Finanzierungsmitteln nach Höhe und Dauer, die von den beteiligten Institutionen für die Angebote aufgewendet werden. Darüber hinaus wäre die Ermittlung des Bedarfs ein im Vorfeld notwendiger Schritt zur Bestimmung der zur Verfügung zu stellenden Platzkapazitäten. Eine solche Berichterstattung sollte periodisch regelmäßig angelegt sein.

Transparenz der Förderverläufe auf der individuellen Ebene
Die Bestandsaufnahme hatte äußerst unterschiedliche institutionelle Kontexte und Anbindungen der Beratungs- und Begleitangebote am Übergang Schule-Beruf aufgezeigt. Fachleute wiesen darauf hin, dass die Jugendlichen häufig parallele Angebote nutzen. Dadurch ergibt sich ein hoher Abstimmungsbedarf zwischen den Beratenden unterschiedlicher Angebote. Damit sind zum einen Abstimmungen im Sinne konzeptioneller Kooperation angesprochen, zum anderen die Sicherstellung des Informationsflusses zwischen im Lebenslauf der jugendlichen Klienten parallelen bzw. aufeinanderfolgenden Angeboten. Um dies zu ermöglichen, wurden im Rahmen von RÜM zwei Instrumente entwickelt: der „Gesprächsleitfaden für institutionsübergreifende Fallgespräche“ und der „Qualifizierte Laufzettel zur Berufswegebegleitung“.
Gesprächsleitfaden für ­institutionsübergreifende Fallgespräche

Die Expertenrunde der Schnittstellenkonferenz Berufswegebegleitung erachtete es als sinnvoll, dass professionell Beratende am Übergang SchuleBeruf verstärkt institutionsübergreifende Fallgespräche führen. Als Empfehlung in erster Linie an Fachkräfte, die (noch) keine bzw. wenig Erfahrung mit dieser Art von Gesprächen haben, wurde im Projekt der Gesprächsleitfaden für institutionsübergreifende Fallgespräche entwickelt. Der Gesprächsleitfaden steht als PDF-Dokument auf der Homepage von RÜMBerlin zum Download9 bereit. Im RÜM-Newsletter sowie im Rahmen von Fachgesprächen und -veranstaltungen wurde auf ihn aufmerksam gemacht. Im Anhang von Band 4 dieser Reihe ist er ebenfalls abgedruckt. Der Qualifizierte Laufzettel für die Berufswegebegleitung (Qlauz) wurde konzipiert, um die Dokumentation der im Einzelfall wahrgenommenen Beratungs- und Begleitangebote zu systematisieren und zu standardisieren. Ziel des Qlauz ist es, mit der kontinuierlichen Erfassung aller Angebote, ­
9  http://www.ruem-berlin.de/fileadmin/user_upload/Download/110328_institutions­ uebergreifender_Gespraechsleitfaden.pdf

Qualifizierter Laufzettel für die Berufswegebegleitung

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die ein/e Jugendliche/r in Anspruch nimmt, den individuellen Weg im Übergang Schule-Beruf sichtbar zu machen und professionell Begleitenden auf einfache Weise die gegenseitige Kontaktaufnahme zu ermöglichen. Wichtige Stationen der Berufswegebegleitung können so nachvollzogen werden. Es kann auf Informationen aus vorausgegangenen Stationen zurückgegriffen werden. Mit den Jugendlichen muss deshalb nicht in verschiedenen Kontexten jeweils „von vorn“ begonnen werden. Der Qlauz sollte – so die anfänglichen Vorstellungen der in der Schnittstellenkonferenz versammelten Fachleute – für alle Schüler/innen an allgemeinbildenden Schulen ab dem Beginn der Berufsorientierung, ggf. kombiniert mit dem bestehenden Berufswahlpass, eingeführt werden. Nach eingehenden Diskussionen der Argumente für und wider die Einführung kamen die Mitglieder der RÜM-Lenkungsrunde jedoch mehrheitlich zu der Entscheidung, zum jetzigen Zeitpunkt von einer weiteren Verfolgung der Implementierung eines Qlauz in Berlin abzusehen. Wir haben dennoch in Band 4 dieser Reihe (Seite 37 ff.) die Grundidee, mögliche Umsetzungsformen und die Argumente für und wider seine Realisierung ausführlicher dargestellt. Damit stehen bei einer eventuellen zukünftigen Wiederaufnahme grundlegende Informationen zur Verfügung, so dass nicht alle Aspekte von Neuem diskutiert werden müssen. Nachdem in diesem Kapitel die Bestandsaufnahme und die durch RÜM ­Berlin entwickelten Instrumente zur Herstellung von Transparenz am Übergang Schule-Beruf im Mittelpunkt standen, widmet sich das folgende K ­ apitel den Diskussionen in den Schnittstellenkonferenzen.

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Projektphase II: Arbeit in Schnittstellenkonferenzen
Die an die Herstellung von Transparenz anschließende zentrale Phase des Projekts lässt sich mit dem Schlagwort der „Gestaltung“ überschreiben. In dieser Phase stand die Bearbeitung von Problemen an den identifizierten Bedarfslagen und Schnittstellen des Übergangs im Zentrum. Ideen zur Optimierung des Übergangs wurden entwickelt, sowohl durch konkrete Instrumente als auch durch die Etablierung von Standards am Übergang Schule-Beruf. In die Planung und Konzipierung einer Umgestaltung des Übergangssystems wurden die Hilfen am Übergang für den Einzelfall, die Verzahnung auf Angebotsebene und die strategische Grundausrichtung einbezogen. Das Format bzw. der Ort, an dem diese Überlegungen hervorgebracht und weiterentwickelt wurden, waren die so genannten Schnittstellenkonferenzen, in denen in einem breiten Beteiligungsverfahren zu den genannten Aspekten gearbeitet wurde. Im Folgenden werden in einem ersten Schritt konzeptionelle Aspekte wie Zielsetzung, Format und Zusammensetzung der Schnittstellenkonferenzen dargestellt. Diese konzeptionellen Ansätze werden anschließend kurz mit den realen Erfahrungen in der Durchführung der Schnittstellenkonferenzen verglichen. Im letzten Teil werden die Ergebnisse einer Befragung der Mitglieder der Schnittstellenkonferenz zum Nutzen und Format derselben vorgestellt.

Schnittstellenkonferenzen: Konzept und Praxis
Grundidee und Format
Konzept

Das zentrale Gestaltungsformat des Projekts waren die Schnittstellenkonferenzen (SSK). Die Konzipierung der Schnittstellenkonferenzen ging von der Wahrnehmung aus, dass zahlreiche Institutionen, Ressorts und Ebenen am Übergang Schule-Beruf agieren, es jedoch keinen Raum gibt, dass alle Beteiligten an einem Tisch miteinander diskutieren und gemeinsame Verbesserungsvorschläge entwickeln. Ziel war es, zunächst ein offenes Konzept zu etablieren, um es dann im Prozess der Umsetzung zu präzisieren. Die Projektplanung sah die Durchführung von SSK zu folgenden Themen vor: •  Kompetenzfeststellung •  Gestaltung von Berufsvorbereitungs- und Qualifizierungskonzepten im Sinne der Anrechenbarkeit auf Berufsausbildung (Anrechenbarkeit)10 •  Berufswegebegleitung/Begleitung an den Übergängen (Berufswegebegleitung) •  Anforderungen der betrieblichen Praxis, Sicherung von Betriebsnähe und Unterstützungsstrukturen für Unternehmen (Betriebsnähe)
10  Die in Klammern stehenden Bezeichnungen werden im Folgenden zur Beschreibung der Schnittstellenkonferenzen genutzt.

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Im ursprünglichen Verständnis des Projekts bildeten diese Themen inhaltliche Klammern, die den Übergang in seiner Komplexität von der Berufsorientierung über die Berufsvorbereitung bis hin zur Berufsausbildung betreffen. Damit sollte die in der Phase der Transparenz (siehe vorheriges Kapitel) analytisch notwendige Trennung des Übergangsfeldes wieder aufgehoben und der Übergang ganzheitlich, d. h. sowohl strukturell als auch in Bezug auf das Individuum, diskutiert werden.
Praxis

In den ersten Sitzungen aller vier Schnittstellenkonferenzen ging es darum, nach einer kurzen Projektpräsentation und einem Einstieg in das jeweilige Thema die genaue Aufgabenstellung zu bestimmen, der sich die einzelne Schnittstellenkonferenz widmen wollte. Hierfür wurden die für die Themen der einzelnen Schnittstellenkonferenzen passenden Ergebnisse der Bestandsaufnahme herangezogen und Bedarfe identifiziert, deren Bearbeitung für eine Optimierung des Übergangssystems notwendig wäre. Es zeigte sich, dass die im Vorfeld bestimmten thematischen Überschriften der Schnittstellenkonferenzen nur zum Teil die spätere Arbeit beschrieben und stattdessen andere Schwerpunkte gesetzt wurden. So wurde – vollkommen unabhängig voneinander – in den Schnittstellenkonferenzen Kompetenzfeststellung und Betriebsnähe die Erarbeitung eines Rahmenkonzepts der Berufsorientierung als Arbeitsaufgabe vorgeschlagen und in der späteren Arbeit umgesetzt. Dies machte in diesem konkreten Fall einen über den Ticker (siehe unten) hinausgehenden Informationsfluss zwischen den beiden Schnittstellenkonferenzen notwendig. Darüber hinaus erwies es sich als sinnvoll, die durch die unterschiedliche Zusammensetzung der beiden Schnittstellenkonferenzen bedingten unterschiedlichen Perspektiven und Qualifikationen bei der Erarbeitung des Berufsorientierungsrahmens zu nutzen. Dies gelang im Verlauf der Erarbeitung des Berufsorientierungsrahmens immer besser durch spezifische Schwerpunktsetzungen – z.B. durch eine Fokussierung auf Aspekte der Kompetenzfeststellung in der einen sowie auf den Beitrag von Unternehmen bei ausgewählten Methoden der Berufsorientierung in der anderen Schnittstellenkonferenz.

In den beiden anderen Schnittstellenkonferenzen waren die durch die Mitglieder gesetzten Arbeitsschwerpunkte dem Ursprungsthema jeweils sehr nahe. Dabei wurden die Themenstellungen unterschiedlich konkret diskutiert. Während in der Schnittstellenkonferenz Berufswegebegleitung das Hauptaugenmerk auf die Diskussion und Entwicklung verschiedener Instrumente zur Erleichterung des Übergangs gelegt wurde, wurden in der Schnittstellenkonferenz Anrechenbarkeit der Umbau des Übergangssystems und Vorschläge zur Umstrukturierung der schulischen Berufsvorbereitung diskutiert.

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Statement von Thorsten Voss
Leiter des Bildungszentrums Kreuzberg der GFBM/Kompetenzagentur Koordinator des Regionalen Ausbildungsverbundes Friedrichshain-Kreuzberg

Die Arbeit in RÜM war sehr inspirierend und zukunftsweisend. Es war an der Zeit, sich gemeinsam mit Akteuren aus der operativen und strategischen Ebene zu Angeboten zur Berufswegebegleitung auszutauschen: Berlin verfügt ja über eine sehr komplexe und differenzierte Angebotsstruktur. Die Vielzahl der Berlin weiten Hilfs- und Förderangebote fordert selbst Experten heraus. Über die Arbeit im RÜM wurden die Bandbreite und der konkrete Nutzen der Projekte deutlich. Vor allem über den gemeinsamen Austausch zu den Instrumenten und die gemeinsame Analyse und den Vergleich der Angebotskonzepte fand eine aktive Auseinandersetzung mit bestehenden Angeboten statt. So konnte verdeutlicht werden, für welche Jugendlichen mit welchem konkreten Bedarf und an welcher Phase im Übergangsprozess welches Angebot der Berufswegebegleitung zielführend ist. Auch konnten Möglichkeiten der sinnvollen Verzahnung und Abfolge einzelner Angebote diskutiert und geplant werden. Ich habe die Arbeitsatmosphäre als sehr angenehm und konstruktiv erlebt und würde jederzeit wieder teilnehmen. Die Schnittstellenkonferenzen waren ein gutes Format, um sowohl wichtige Akteure die am Übergangsprozess mitwirken, miteinender in Kontakt zu bringen, einen Fachaustausch anzuregen und zu steuern, als auch Netzwerke zu bilden und zu etablieren. Vor dem Hintergrund rasanter Veränderungen gesetzlicher, institutioneller, fachlicher wie auch personeller Rahmenbedingungen sind die Ergebnisse der Schnittstellenkonferenzen meiner Meinung nach nur als Momentaufnahme eines fortlaufenden Änderungsprozesses zu sehen. Um angemessen hohe fachliche Standards im Unterstützungssystem von der Schule in den Beruf zu sichern, halte ich eine Verstetigung der Schnittstellenkonferenzen für sinnvoll. Nur durch einen regelmäßigen und institutionsübergreifenden Austausch der „Planer und Umsetzer“ am Übergang von der Schule in den Beruf kann eine effektive Abstimmung, Planung und Verzahnung von Angeboten erfolgen.

Zusammensetzung
Wichtigstes Anliegen bei der Gründung der Schnittstellenkonferenzen war deren Arbeitsfähigkeit, weshalb die Größe von 25 Mitgliedern nicht überschritten werden sollte. Daher war geplant, in jede Schnittstellenkonferenz ca. 20 Expert/innen als „feste“ Mitglieder einzubinden. Diese Personen sollten als Multiplikator/innen wirksam werden, um die Arbeitsergebnisse in die Breite tragen zu können. Ganz wesentlich für die Erarbeitung breit diskutierter und fachlich abgesicherter Ergebnisse war die Zusammensetzung aus unterschiedlichen Ressorts (z.B. Jugend und Allgemeinbildendes Schulwesen), Institutionen (z.B. Jobcenter und Senatsverwaltungen) und Ebenen (z.B. Bereichsleitung und Fallmanagement). Darüber hinaus sollten, soweit möglich, regionale Zuschnitte Beachtung finden. Unter dem Motto „Erfahrungskompetenz der Praxis trifft Entscheidungskompetenz der Verwaltung“ waren für den Zeitraum von Januar 2010 bis März 2011 je fünf ganztägige Sitzungen pro Themenfeld geplant.
Konzept

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Praxis

Entsprechend der Themenstellungen der Schnittstellenkonferenzen wurden in enger Abstimmung mit der Lenkungsrunde Mitglieder für die Schnittstellenkonferenzen ausgewählt. In einem ersten Schritt wurden diejenigen Institutionen vom Projekt benannt, deren Mitwirkung für ein Gelingen der Schnittstellenkonferenzen essentiell war. Die Lenkungsrunde nominierte anschließend Personen aus den jeweiligen Institutionen, die vom RÜM-Team für eine Mitarbeit gewonnen werden sollten. Hierbei waren zum Teil sehr umfangreiche Gespräche mit den potentiellen Mitgliedern im Sinne einer „Kaltakquise“ zu führen, d.h. die Personen wurden ohne vorherige Projektkenntnis über die Ideen, den Zeitrahmen und die Gründe der Ansprache gerade ihrer Person informiert und für eine Mitwirkung gewonnen. Darüber hinaus wurden sowohl der Nominierungsprozess selbst als auch die Zielsetzungen der Schnittstellenkonferenzen transparent gemacht, z.B. im Rahmen einer Veranstaltung zum Masterplan Qualifizierung mit ca. 80 Teilnehmenden und Bekanntgabe der Möglichkeit, in einer der Schnittstellenkonferenzen mitzuwirken. Im Ergebnis konnten fast alle angesprochenen bzw. nominierten Personen für die Arbeit in den Schnittstellenkonferenzen gewonnen werden. Die dabei anvisierten Aspekte der regionalen Verteilung und der Beteiligung aller notwendigen Partner und Hierarchiestufen wurde bei dem Nominierungsverfahren beachtet. Allerdings war eine paritätische Zusammensetzung aufgrund der Maßgabe der Arbeitsfähigkeit der Gremien nicht in allen Fällen möglich. Hinsichtlich der Zusammensetzung der Runde zeigte sich, dass eine gute Mischung der notwendigen Institutionen und Ebenen zustande gekommen war und sich relativ schnell eine vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre entwickelte. Gleichwohl war durch das Format mit fünf ganztägigen Sitzungen eine kontinuierliche Beteiligung aller Personen nicht immer möglich. Insbesondere die Blockierung eines ganzen Arbeitstages ­verhinderten manche Teilnahme. Daher wurde in den Schnittstellenkonferenzen B ­ erufswegebegleitung und Anrechenbarkeit nach der ersten Sitzung die Sitzungsdauer verkürzt. Im Falle der Berufswegebegleitung wurde zum Ausgleich eine sechste Sitzung durchgeführt. Bei der Schnittstellenkonferenz Anrechenbarkeit war es besonders wichtig, dass Schlüsselpersonen für die Diskussion gewonnen werden konnten. Daher mussten die Sitzungstermine zum einen den Erfordernissen entsprechend angepasst werden, zum anderen mussten die Termine für die einzelnen Sitzungen mit diesen Personen vorabgestimmt werden. Die dadurch bedingte Verzögerung hatte zur Folge, dass nur vier Sitzungen durchgeführt wurden. Andernfalls hätte sich die Arbeit im Projektverlauf insgesamt weit nach hinten verschoben.

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Ablauf
Die einzelnen Sitzungen waren „klassisch“ geplant: Nach der Vorstellung einer Kurzzusammenfassung (Ticker, siehe unten) der anderen SSK waren zwei (externe) Impulsreferate vorgesehen, die zum einen Herausforderungen, zum anderen mögliche Lösungsstrategien zu den jeweiligen Aspekten des Übergangs vorsahen. Daran schloss in der Planung eine Workshopphase an, in der die Lösungsstrategien diskutiert und operationalisiert werden sollten, um die Arbeitssitzung mit dem Ticker des Tages und einem Ausblick auf die nächste Sitzung abzuschließen. Im Großen und Ganzen wurde der Ablauf entlang der ursprünglichen Ideen umgesetzt. Von externen Beiträgen wurde in den verschiedenen Schnittstellenkonferenzen unterschiedlich Gebrauch gemacht. Mit Ausnahme der Schnittstellenkonferenz Anrechenbarkeit waren es deutlich weniger als geplant. Ein Grund hierfür war, dass die hier behandelten Arbeitspakete so spezifisch waren, dass eine genau passende externe Expertise, wenn überhaupt, dann nur sehr schwierig zu organisieren gewesen wäre. Stattdessen stellte sich heraus, dass die durch die Phase der Transparenz erworbene eigene Expertise des RÜM-Teams für den Arbeitsprozess hilfreich war. Darüber hinaus sollte für den Austausch der Mitglieder ein großer Zeitrahmen zur Verfügung gestellt werden, da sich im Prozess zum einen zeigte, wie notwendig eine „Übersetzungsarbeit“ zwischen den unterschiedlichen Institutionen und ihren Sprachen zu den Themen des Übergangs war. Zum anderen konnte auf diese Weise gerade die Expertise der anwesenden Fachleute genutzt werden, was auch ihrem Wunsch entsprach. Nach einem kurzen Einstieg durch das RÜM-Team schlossen folglich häufig direkt Workshopphasen und Diskussionsrunden an, die den Teilnehmenden die Möglichkeit gaben, ihr Fachwissen einzubringen. Ganz wesentlich für die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Sitzungen war die Visualisierung der jeweiligen Themen. So wurde beispielsweise der Verlauf eines Schuljahres in einem flexiblen ­ odell M der ­ erufsvorbereitung anhand zweier exemplarischer Typen von B Schüler/innen dargestellt, um die unterschiedlichen Bausteine des Schuljahres zu verdeutlichen. Eine solche Visualisierung war notwendig, an­ gesichts der Komplexität des Themas aber nicht immer einfach. Daher war eine zielführende und die Visualisierung unterstützende Moderation ebenso unabdingbar. Auch die bildliche Fixierung der in den Arbeitssitzungen erzielten Ergebnisse trug dazu bei, dass die Mitglieder der Schnittstellenkonferenzen zu einem gemeinsamen Verständnis der Arbeit gelangten.
Konzept

Praxis

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Ticker und Protokolle
Konzept

Die Themen der Schnittstellenkonferenzen waren inhaltlich zum Teil eng miteinander verknüpft. Daher wurde für den Informationstransfer zwischen den einzelnen Schnittstellenkonferenzen im Vorfeld der Sitzungen die Idee des „Tickers“ entwickelt. Mit dem Ticker sollten im Sinne von Kurznachrichten die hauptsächlichen Ergebnisse der jeweils drei anderen Schnittstellenkonferenzen berichtet werden. Am Ende einer Sitzung wurde der Ticker für die abgelaufene Sitzung verabschiedet. Dieser wurde dann in den anderen Schnittstellenkonferenzen vorgestellt und war über die Homepage des Projekts abrufbar. Die Protokolle sollten ausführlich Verlauf und Ergebnisse abbilden und den Mitwirkenden der Schnittstellenkonferenzen und der Lenkungsrunde zur Verfügung gestellt werden. Die Anfertigung der Protokolle war relativ aufwändig, gaben aber auch nicht Anwesenden einen guten Einblick über den Verlauf und die Ergebnisse der jeweiligen Sitzung. Dadurch konnten bei Abwesenheit der eigentlichen Mitglieder gesandte Vertreter/innen ohne umfangreiche Vorabsprachen eingebunden werden und sich aktiv an den Sitzungen beteiligen. Der Ticker erwies sich sehr schnell als sinnvolles Instrument sowohl zur Strukturierung der Sitzungen selbst als auch zur Information der Schnittstellenkonferenzen untereinander. Die Ticker wurden, anders als die ausführlichen Protokolle, die nur den Mitgliedern der jeweiligen Schnittstellenkonferenz sowie der Lenkungsrunde zur Verfügung standen, auf die projekteigene Homepage gestellt. Wie bereits erwähnt war durch die g ­ emeinsame Arbeit der Schnittstellenkonferenzen Kompetenzfeststellung und Betriebsnähe der Einsatz des Tickers dort nicht sinnvoll, da wesentlich detaillierter auf Ergebnisse der jeweils anderen Runde Bezug genommen werden musste.

Praxis

Schnittstellenkonferenzen: Ergebnisse und Produkte
Die Ergebnisse der Schnittstellenkonferenzen sind ganz wesentlich durch die oben benannten Aspekte ihrer Zusammensetzung, ihres Formats und Ablaufs ermöglicht worden.
Berufswegebegleitung

Die im bereits im vorigen Kapitel dargestellten Instrumente zur Schaffung von Transparenz sind Ergebnisse insbesondere der Schnittstellenkonferenz Berufswegebegleitung. Sie beziehen sich auf Transparenz sowohl im Hinblick auf die Hilfe im Einzelfall als auch hinsichtlich der Angebotslandschaft am Übergang Schule-Beruf. In den drei anderen Schnittstellenkonferenzen stand die Kohärenz des Übergangsfeldes im Mittelpunkt der Arbeit. So einte die Schnittstellenkonferenzen Kompetenzfeststellung und Betriebsnähe bei der Entwicklung des Berufsorientierungsrahmens die Idee, dass es für Berlin ­abgestimmte

Berufsorientierungsrahmen

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Überlegungen zum Thema Berufsorientierung braucht, und das Interesse, Standards der Berufsorientierung zu entwickeln, die es erlauben, die vielfältigen Beiträge der verschiedenen Partner zu identifizieren, Verantwortlichkeiten und Abstimmungsinhalte zu konkretisieren. Im Ergebnis dessen ist ein Konzept entwickelt worden, das zum einen Schulen eine Arbeitshilfe als eine Grundlage und Unterstützung für die Entwicklung ihres Schulkonzeptes zur Berufsorientierung im Sinne eines berlinweit gültigen Rahmens bietet. Zum zweiten soll das Konzept eine Orientierungshilfe für die zahlreichen Kooperationspartner von Schulen sein und als Arbeitshilfe zur Präzisierung der zu erbringenden Beiträge der beteiligten Partner/innen dienen.11 Der Berufsorientierungsrahmen ist als dynamisches Konzept, d.h. in seinen einzelnen Komponenten auf Weiterentwicklung angelegt. Gleichwohl bietet er schon jetzt, als Ergebnis der Schnittstellenkonferenzen, die Grundvoraussetzungen für eine Steigerung der Kohärenz im Feld der Berufsorientierung. Eine ähnliche Aussage lässt sich bezüglich der Arbeit in der Schnittstellenkonferenz Anrechenbarkeit treffen, in der – ausgehend von den Ü ­ berlegungen der Initiative „Übergänge mit System“ der Bertelsmann Stiftung – Standards der schulischen Berufsvorbereitung entwickelt und als modellhafter Schuljahresdurchlaufes operationalisiert wurden.­
Standards der schulischen Berufsvorbereitung

Statement von Annette Sailer
Dienststellenleitung Jugendmigrationsdienst und Jugendsozialarbeit, Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V.

Unsere Zusammenarbeit mit RÜM begann damit, dass unsere Expertise in Fragen der Eltern­ rbeit mit Eltern von benachteiligten Jugendlichen und Jugendlichen mit Migrationsa hintergrund angefragt wurde. Darüber sind wir rückblickend sehr froh, sonst wären wir vielleicht gar nicht mit RÜM in Kontakt gekommen. Der Jugendmigrationsdienst ist ein aus dem Kinder- und Jugendplan finanzierter Bundesdienst, der auf der Bundesebene und in der Kommune gut vernetzt, auf der Landesebene aber eher selten tätig ist. Durch RÜM erhielten wir die Möglichkeit, die Perspektive unseres Dienstes auf der Landesebene einzubringen und eine Vielzahl von Akteurinnen und Akteuren am Übergang Schule-Beruf kennen zu lernen. Die Zahl der Maßnahmen, Träger und Institutionen am Übergang ist kaum zu überschauen, und für uns war RÜM die Instanz, die Licht in den Berliner Maßnahmendschungel gebracht hat. Das Plakat mit dem Überblick über die Berliner Landschaft des Übergangsmanagements dient uns regelmäßig als Orientierungshilfe. Die Zusammenarbeit verschiedenster Träger, Behörden und Rechtskreise in den Schnittstellenkonferenzen haben wir als hervorragend organisiert erlebt. So wurde ein Kommunikations- und Austauschprozess zwischen Partnern möglich, die sonst in dieser Vielfalt kaum zusammenkommen. Aus unserer Sicht war die Entwicklung und Moderation dieses Prozesses ein einzigartiges Ergebnis. Die weiteren von RÜM entwickelten Produkte werden uns in unserer täglichen Arbeit weiter begleiten.

11  Genauere Informationen siehe Band 2 dieser Reihe

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Hauptaugenmerk war dabei die flexible Ausgestaltung des Bildungsganges, der den heterogenen Ausgangsbedingungen der nicht ausbildungsreifen Jugendlichen gerecht wird und dafür die passenden Instrumente zur Herstellung von Ausbildungsreife bereit hält.12 Unabhängig von der Qualität der entwickelten Konzepte hat sich die Gestaltung des Übergangs im Sinne einer Kohärenzsteigerung als nicht ohne Weiteres machbar erwiesen. Es wurde deutlich, dass für die Dimension der Gestaltung die strategische Anbindung der Schnittstellenkonferenzen und damit auch der Verbindlichkeitsgrad der Implementierung der in den Konferenzen entwickelten Ergebnisse nicht klar geregelt war. Notwendig wäre eine klarere (langfristige) Zielsetzung gewesen, welchen Zweck und welche Befugnisse die Schnittstellenkonferenzen genau haben und wie die Ergebnisse innerhalb der Verwaltungen eingespeist werden. Diese Unklarheiten erschwerten z. T. die Arbeit und machten es notwendig, im laufenden Prozess die Frage der Implementierung und Verstetigung der Ergebnisse zu verfolgen. Eine Klarheit über den Auftrag, die Zielsetzung und die „Abnehmer/innen“ der Arbeit in den Schnittstellenkonferenzen hätte jedoch eine grundsätzlich andere Einbindung des Projekts in den Institutionen vorausgesetzt. Wie eine solche Anbindung aussehen könnte, wird im letzten Kapitel veranschaulicht, in dem das idealtypische Modell dargestellt wird. Trotz dieser Einschränkung hat die Arbeit in den Schnittstellenkonferenzen gezeigt, wie wichtig und sinnvoll ein solcher Austausch über Institutionen, Ressorts und Ebenen hinweg ist. Mit den Schnittstellenkonferenzen ist es gelungen, in einem breiten Beteiligungsverfahren unterschiedliche Themen am Übergang Schule-Beruf zu diskutieren und Lösungsvorschläge für eine Optimierung des Übergangssystems zu entwickeln. Sie erwiesen sich als tragfähiges Arbeitsformat. Hierbei zeigte sich, wie wichtig eine Moderation ist, die diesen Prozess steuert und immer wieder die gemeinsame Verständnisgrundlage der Mitglieder bestärkt. Die umfassende Visualisierung förderte sehr das Gelingen der Arbeitsprozesse und erleichterte die spätere Fixierung der Ergebnisse. Diese Aspekte haben aus Sicht des RÜM-Projekts zur erfolgreichen Umsetzung der Schnittstellenkonferenzen essentiell beigetragen.

12  Genauere Informationen siehe Band 3 dieser Reihe

Projektbilanz | Band 5 / 5 | RÜM Berlin 2012 | Seite 50

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Statement von Ulrich Söding
Leiter Institut für berufliche Bildung im Gesundheitswesen, Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH

Die Erwartungen an RÜM richteten sich darauf, Wege und Möglichkeiten auszuloten und zu erarbeiten, wie der Übergang von Schulabsolventen in die betriebliche Ausbildung passgenauer gestaltete werden kann, d.h., welche Möglichkeiten bestehen, den schulischen Bildungsauftrag zu nutzen, um Schulabsolventen in größtmöglichem Maße „ausbildungsreif“ aus der Schule auf den Ausbildungsmarkt zu entlassen. Vom Austausch mit Vertretern anderer Branchen sowie mit Vertretern der Institution Schule haben wir uns Anregungen für eine bessere Gestaltung der eigenen betrieblichen Arbeit im Rahmen der Kooperation mit Schulen erwartet. Die Arbeit von RÜM entsprach den Erwartungen an ein professionelles Projektmanagement: ansprechende Seminarräume, gute Vorbereitung der Termine, gute Dokumentation und Informationsverteilung der Tagungsergebnisse. Das Spektrum der Teilnehmer war gut gewählt, weil bei der Auswahl die vielseitigen Aspekte eines solchen Übergangsprozesses berücksichtigt wurden. Aus unserer Sicht kann ganz klar ein positives Fazit gezogen werden. Die Auswahl der Referenten sowie das breite Spektrum der teilnehmenden Institutionen sorgten im Rahmen des Austauschs und der Diskussionen für vielfältige Impulse und Anregungen. Der persönliche Kontakt war sehr wichtig und hilfreich und trägt an verschiedenen Stellen auch nach Abschluss des Projekts weiter. Wenn es die Chance gäbe, RÜM noch einmal neu zu starten, wäre eine wesentliche Empfehlung, die Aufteilung des Gesamtprozesses auf mehrere thematisch klar definierte Teilprozesse / Arbeitsgruppen beizubehalten. Dies sichert eine effiziente Bearbeitung des Gesamtprozesses. Empfehlen würde ich jedoch, den Prozess der Ergebniszusammenführung und der Darstellung des Gesamtergebnisses noch einmal einer kritischen Betrachtung hinsichtlich von Verbesserungspotentialen zu unterziehen. Eine weitere Empfehlung ist, stärker als bisher „Praktiker“ aus den Schulen einzubinden, die mit der Umsetzung von erarbeiteten Empfehlungen befasst wären.

Schnittstellenkonferenzen: Bewertung des Formats durch die Teilnehmenden
Im Nachgang der Schnittstellenkonferenzen wurden die Teilnehmenden aller vier Schnittstellenkonferenzen gebeten, die Arbeit in der Workshop­ reihe insgesamt zu bewerten. Befragt wurden alle Teilnehmenden differenziert nach dem Thema der jeweiligen Schnittstellenkonferenz, an der sie teilgenommen hatten. Im Folgenden werden die Ergebnisse zusammengefasst für alle Schnittstellenkonferenzen dargestellt. Die Befragung der Teilnehmenden konzentrierte sich weniger auf die Ergebnisse der Arbeit, da vor allem die mögliche Übertragbarkeit des Formats von Interesse war. Um die mit der Umsetzung der Schnittstellenkonferenzen gesammelten Erfahrungen zu sichern und zu übertragen, werden die Ergebnisse der Befragung relativ ausführlich vorgestellt. Die Daten wurden mithilfe einer schriftlichen Befragung in Form eines Fragebogens erhoben. Insgesamt wurden 69 ausgefüllte Fragebögen erfasst und ausgewertet.

Projektbilanz | Band 5 / 5 | RÜM Berlin 2012 | Seite 51

Die interessierenden Aspekte der Befragung waren: •  Nutzen der Schnittstellenkonferenzen •  Format der Schnittstellenkonferenzen •  Sonstiges / offene Fragen Die Teilnehmenden wurden gebeten, bestimmte Aussagen zu den einzelnen Aspekten auf einer Skala von 1 = „Stimme voll zu“ bis 5 = „Stimme nicht zu“ zu bewerten. In der Auswertung wurden anschließend die Mittelwerte der einzelnen Aussagen errechnet, d.h. je niedriger der Durchschnittswert, desto höher der Zustimmungsgrad der Teilnehmenden zu den einzelnen Aussagen.
Nutzen

Ein Schwerpunkt der Befragung war der erlebte Nutzen durch die Teilnehmenden. Dazu ergab sich folgendes Bild:

Erlebter Nutzen der Schnittstellenkonferenzen  | Abbildung 4
13

∅
Ich habe einen institutions- und fachübergreifenden Austausch erfahren. Ich hatte die Möglichkeit zum informellen Austausch. Durch den ressortübergreifenden Ansatz konnte ich interessante Einblicke in andere Arbeitszusammenhänge gewinnen. Ich konnte neue Kontakte knüpfen. Ich konnte meine Expertise einbringen. Ich empfand die Referate durch externe Expert/inn/en als hilfreich für den Arbeitsprozess in der Schnittstellenkonferenz. Ich nutze die Informationen aus der Schnittstellenkonferenz für meinen Arbeitskontext. Ich nutze die Ergebnisse aus der Schnittstellenkonferenz für meinen Arbeitskontext. 1,6 1,6 1,8 2,1 2,1 2,1 2,4 2,6

n13
69 65 68 69 65 66 67 63

Übergeordnet fiel auf, dass die Teilnehmenden unterschiedliche Nutzungskontexte im Durchschnitt sämtlich positiv bewerteten. Dabei wurde insbesondere die Möglichkeit des Austausches und der Kontaktanbahnung hervorgehoben, während die Übertragung von Informationen und Ergebnissen der Schnittstellenkonferenzen in den jeweils eigenen Arbeitszusammenhang etwas schwächer positiv bewertet wurde. Zudem gab es in einer offen gestalteten Frage die Möglichkeit, eventuellen weiteren Nutzen aus der Arbeit in der Schnittstellenkonferenz zu formulieren. Die hierzu genannten Punkte betrafen dabei sowohl Ergebnisse und Inhalte der Schnittstellenkonferenzen als auch die eingesetzten ­Methoden,
13  n gibt die Anzahl der Beantwortungen für die jeweilige Aussage an.

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die für den eigenen Arbeitskontext genutzt wurden. So wurden die „Beiträge von Personen mit den unterschiedlichsten Aufgabengebieten als Erkenntnisgewinn“ sowie die „Verstetigung eines senatsübergreifenden Austausches“ genannt. Mehrmals angeführt wurde die Vermittlung eines größeren Überblicks über die vorhandenen Probleme und deren Lösungsansätze. Hinsichtlich der eingesetzten Methoden wurde u. a. genannt, Anregung erhalten zu haben, dieses Format in der eigenen Netzwerkarbeit anzuwenden, sowie die Art der Präsentation, Moderation und Dokumentation in Workshops im eigenen Arbeitskontext einzusetzen. Anschließend galt es, die Schnittstellenkonferenz als Format zu bewerten. Insgesamt ergab sich dazu folgendes Bild:
Format

Abbildung 5 |  Bewertung des Schnittstellenformats

∅
Die Moderation der einzelnen Sitzungen und des Gesamtprozesses war zielführend. Mit der Arbeitsweise der Schnittstellenkonferenz bin ich insgesamt zufrieden. Die Protokolle haben den Verlauf, die Ergebnisse und Absprachen gut wiedergegeben. Die in den Sitzungen eingesetzten Arbeitsmethoden waren abwechslungsreich Die Methoden der Visualisierung haben den Arbeitsprozess befördert. Durch den Ticker habe ich den Arbeitsstand der anderen Schnittstellenkonferenzen erfahren Die in den Sitzungen eingesetzten Arbeitsmethoden waren sinnvoll für den gesamten Arbeitsprozess Ich fand die Zusammensetzung der Mitglieder der Schnittstellenkonferenz dem Ziel angemessen 1,5 1,7 1,7 1,8 1,8 1,8 1,9 2,0

n
69 66 67 68 67 68 67 69

Die Teilnehmenden bewerteten das Format insgesamt sowie einzelne Aspekte desselben durchweg positiv. Besonders stachen hierbei die Arbeitsweise inklusive Protokoll und Ticker, der Methodeneinsatz sowie die Moderation der Sitzungen heraus. Ebenfalls deutlich positiv wurde die Zusammensetzung der Schnittstellenkonferenzen bewertet, d. h. nur in Ausnahmefällen wurden einzelne Institutionen und/oder bestimmte Hierarchieebenen vermisst. Neben der Einschätzung des Formates der Schnittstellenkonferenz wurden die Teilnehmenden gebeten, die Eignung des Konzeptes für andere Abstimmungsprozesse zu bewerten. Dies geschah mit Hilfe einer geschlossenen Entscheidungsfrage, die von allen Teilnehmenden (n=69) beantwortet wurde. 88% der Befragten stimmten bei der Frage nach Eignung der Schnittstellenkonferenzen für andere Abstimmungsprozesse zu. Jeweils 6% gaben „nein“ bzw. „keine Angabe“ an.

Projektbilanz | Band 5 / 5 | RÜM Berlin 2012 | Seite 53

Sonstiges

Die Eingangsfrage „Wenn Sie sich im Rückblick an die Arbeit der Schnittstellenkonferenz erinnern, woran denken Sie zuerst?“ ermöglichte den Befragten, eigene Schwerpunkte bei der Bewertung der Schnittstellenkonferenzen zu setzen. Bei den Antworten standen abermals die Aspekte des Nutzens und des Formats im Vordergrund. Die Antworten wurden zur Auswertung zu Kategorien geordnet und ausgezählt. Die Kategorien waren „Vorbereitung, Organisation und Moderation“ zu der 51 Nennungen14 gezählt wurden, „Kommunikation, Diskussionen und Networking“ mit 45 Nennungen15, „Inhalt“ mit 19 zugeordneten Antworten16, „Arbeitsatmosphäre“, zu der 13 Nennungen eingeordnet wurden17 und „Kritik“ mit 11 Nennungen18. Die Bewertung des Gesamtprozesses der Schnittstellenkonferenzen würdigt vor allem den institutions- und ressortübergreifenden Ansatz und dokumentiert außerdem die positive Wahrnehmung des gemeinsam absolvierten Arbeitsprozesses sowie der Ergebnisse. Die Schnittstellenkonferenzen können danach nicht nur aus Innensicht des Projekts, sondern auch aus Sicht der Teilnehmenden, als Erfolg bewertet werden. Das Format im Sinne eines breiten Beteiligungsverfahrens auf andere thematische Zuschnitte anzuwenden, wird ausdrücklich empfohlen.

Fazit der Befragung

14  z.B. „sehr gute Vorbereitung“, „gelungene Mischung der Teilnehmenden“, „unterschiedliche Perspektiven kamen gleichberechtigt zu Wort; gute Moderationen“ 15  z.B. „interdisziplinär; institutionsübergreifend; fachlicher Austausch“, „konstruktiver Austausch, Erfahrungen weitergeben, Kontakte knüpfen“ 16  z.B. „interessante Inputreferate und Informationsmaterialien“ 17  z.B. „konstruktive Arbeitsatmosphäre“, „angenehme Atmosphäre“ 18  z.B. „Unmassen von Metaplan-Karten“, „permanenter Wunsch, mehr Zeit zum Austausch zu haben“

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Ergebnistransfer
Transferbroschüren und Transferworkshops
Eine weitere Phase im Projektverlauf betraf den Transfer der Ergebnisse zu deren Sicherstellung. Neben der Erstellung von fünf ­ ransferbroschüren T war in der Phase die Durchführung einer Reihe von Transferworkshops vorgesehen. Während die Transferbroschüren Gelegenheit für die Dokumentation des gesamten Projekts als auch der Ergebnisse im Einzelnen boten, musste bei den Transferworkshops sehr genau ausgewählt werden, welche Inhalte für welche Zielgruppen in welcher Form aufbereitet wurden. Die durch das Projektteam formulierten Vorschläge wurden in der Lenkungsrunde diskutiert, eine Auswahl getroffen, Themenschwerpunkte präzisiert und Vereinbarungen zu Zuschnitt und Ansprache des jeweils einzuladenden Personenkreises getroffen. Schlussendlich wurden acht Workshops umgesetzt. Durch die unterschiedlichen Zielstellungen der Workshops wurde für jeden Workshop ein eigenes Konzept entwickelt. Zur Illustration seien hier zwei Beispiele umrissen: Mit den Multiplikator/innen für Wirtschaft-Arbeit-Technik/Duales Lernen wurde erarbeitet, wie eine Bestandsaufnahme der berufsorientierenden Angebote auf Schulebene auszugestalten ist, damit deren Ergebnisse als Grundlage für die Entwicklung eines Schulkonzeptes der Berufsorientierung tauglich sind. Grundlage hierfür ist die Kenntnis der Landschaft (externer) berufsorientierender Angebote, die in einem eigenen Workshop vermittelt wurde. Ein weiterer Workshop widmete sich Fragen der Kooperation und Koordination zwischen den verschiedenen Institutionen mit dem Ziel der Nachwuchskräftesicherung in jeweils einem Arbeitsagenturbezirk. Die Teilnehmenden setzten sich zusammen aus Vertreter/innen der Arbeitsagenturen (Arbeitgeberservice und Berufsberatung), der Jobcenter, der Oberstufenzentren (Schullaufbahnberatung), der Jugendämter (Fachverantwortliche für Jugendberufshilfe) und ausgewählter Bildungsdienstleister (Sprecher/ innen AG 78, Verbundkoordinator/innen der Regionalen Ausbildungsverbünde). Nach einem Überblick über die im Projekt entwickelten Konzepte und Instrumente wurde erarbeitet, was das „Kerngeschäft“ der einzelnen Institutionen im Kontext der Nachwuchskräftesicherung ist, welche Erwartungen diesbezüglich an die anderen Institutionen bestehen und welche Optimierungspotenziale identifiziert werden können. Auf dieser Basis wurde dann in bezirklichen Runden der Stand der Kooperation in den jeweiligen Berliner Stadtbezirken bewertet. Als Ergebnis dieser Diskussionen wurden nächste gemeinsame Schritte vereinbart. Über diesen ursprünglich geplanten Ergebnistransfers hinaus ergaben sich im Projektverlauf eine ganze Reihe zusätzlicher Formen, die eigene Arbeitsergebnisse in die Praxis zurück zu vermitteln. Dieser das Projekt begleitende Wissenstransfer ist im Folgenden beschrieben.
Bestandsaufnahme auf Schulebene

Koordinierte Nachwuchskräftesicherung

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Mitwirkung bei Ausbildungsmessen und Entwicklung des Pauker-Point
Neues Messeformat Pauker-Point

Dem RÜM-Team fiel bei der Beteiligung an diversen Ausbildungsmessen auf, dass dort jeweils Schüler/innen mit ausbildenden Unternehmen zusammengebracht wurden, die begleitenden Lehrkräfte als eigene Zielgruppe jedoch wenig Berücksichtigung fanden. So entstand die Idee, genau diese Gruppe, die in der individuellen Beratung von Schüler/innen und deren Eltern am Übergang Schule-Ausbildung zunehmend mehr gefordert ist, gezielt anzusprechen und für sie Informationen in kompakter, speziell aufbereiteter Form bereitzustellen. Das Messestandformat „PaukerPoint“ wurde entwickelt. Seine nähere Beschreibung einschließlich der Zusammensetzung des Infopakets sowie einer Methodensammlung zur Vor-/Nachbereitung von Messebesuchen findet sich in Band 4 dieser Reihe. Erster Erprobungsfall des neuen Formats war im Mai 2010 die große berlinweite Ausbildungsmesse „Volltreffer Ausbildung“ im Olympiastadion, die der von der SPI Consult im Auftrag der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen koordinierte Regionale Ausbildungsverbund (RAV) Charlottenburg-Wilmersdorf (mittlerweile in Kooperation mit dem RAV Spandau) plant und umsetzt. Der Einsatz erwies sich als sehr erfolgreich: eine Vielzahl von Lehrkräften konnte angesprochen und mit einem Informationspaket versehen werden. Das Leitsystem „Wohin nach der Schule“ fand einen weiteren Weg der Verbreitung. Intensive Fach- und Beratungsgespräche mit Lehrerinnen und Lehrern insbesondere allgemeinbildender Schulen konnten am Stand geführt werden. Seit der erfolgreichen Erprobung wurde der Pauker-Point auch beim „Volltreffer Ausbildung“ 2011 sowie weiteren Ausbildungsmessen auf bezirklicher und Berliner Ebene eingesetzt. Die Messeeinsätze führten zu zwei Erkenntnissen: (1) Eine Ankündigung des Pauker-Point in den Einladungen an die Schulen bewirkt, dass der Stand von den Lehrkräften gezielt aufgesucht und auch das im oben genannten Informationspaket enthaltene Messe-Quiz genutzt wird. (2) Wenn Lehrkräfte sich bereits an der Vorbereitung einer Messe beteiligen, können sie sich leichter in bestehende Netzwerke am Übergang Schule-Beruf einbringen und so ggf. wichtige Kontakte knüpfen und Erfahrungen sammeln. Für die Zukunft entstand die Idee, Lehrkräfte in die Vorbereitung und Betreuung des Pauker-Point mit einzubeziehen.

Präsentationen, Fachbeiträge und Moderation bei Fachveranstaltungen
Die Bestandsaufnahme und die kontinuierliche Recherche auch im Anschluss erbrachte ein einzigartiges Überblickswissen zum Übergang Schule-Beruf in Berlin, das in unterschiedlichen Kontexten genutzt wurde und wird. Zu nennen sind hier insbesondere fachliche Beiträge und die Übernahme von Moderationsaufgaben bei einer Vielzahl von Fachveranstaltungen, wie bezirkliche und landesweite Ausschusssitzungen oder

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bundesweite Fachtagungen im Rahmen des Programms „Perspektive Berufsabschluss“ und darüber hinaus. Die Fachinputs leisteten schwerpunktmäßig die Einordnung des jeweils speziellen Tagungsthemas in den Gesamtkontext des Übergangsgeschehens und/oder die Aufbereitung der durch RÜM Berlin erhobenen Informationen für unterschiedliche Zielgruppen in ihren jeweiligen Kontexten (Bundesebene, Berlin, Bezirke) mit verschiedenen Fokussierungen. Die Vielfalt der Adressat/innen und Kontexte erforderte entsprechend unterschiedliche Ansprache. Beispielhaft seien hier die Beiträge zu folgenden Veranstaltungen genannt: •  Bundesebene im Rahmen des Programms „Perspektive Berufsabschluss”: Entwicklungsworkshop Dresden und Netzwerktreffen Halle 2010, Jahrestagung 2011; •  Landesebene: Sitzungen des Landesausschusses für Berufsbildung, der Landesarbeitsgemeinschaft nach § 78 Jugendhilfegesetz, der Lenkungsrunde des Berliner Programms Vertiefte Berufsorientierung (BVBO), Abschlussveranstaltung des Landesprojekts OBF I-Tridem; •  Bezirksebene: Ausschusssitzungen (Ausschüsse für Wirtschaft, Arbeit und Jugendhilfe) und andere Gremien, wie bezirkliche Arbeitsgemeinschaften nach § 78 Jugendhilfegesetz sowie Regionale Ausbildungsverbünde; •  Fachtage der Jugendberatungshäuser und Kompetenzagenturen 2010 und 2011; •  Fortbildungen für Fachkräfte am Übergang Schule-Beruf, z.B. „Bildungscoaching“ beim Bildungsmarkt e. V., „Bildungsbegleitung“ beim ­Forum Berufsbildung e. V.: Fachbeiträge zum Übergangssystem in Berlin.

Vielfältige Beiträge zu Fachveranstaltungen

Fachinformationen für Institutionen und Personen
Das RÜM-Projekt fungierte während eines großen Teils der Projektlaufzeit als eine Art „Informations- und Beratungsbüro“ für Anfragen von Berliner Senats- und Bezirksverwaltungen, Arbeitsagenturen, Jobcentern, Bildungsdienstleistern, Projekten, Schulen, Lehrkräften, Eltern und Jugendlichen. Inhaltlich wurde dabei ein weites Spektrum an Informations- und Beratungsleistungen erbracht: von telefonischen Beratungen für Eltern oder Lehrkräfte zu in Frage kommenden Angeboten für einzelne Jugendliche oder bestimmter Zielgruppen, über telefonische und schriftliche Information von Fachkräften zu neuen Angeboten (Inhalte, Rahmenbedingungen, Standorte etc.) bis hin zur fachlichen Einschätzung von Projektanträgen und Bereitstellung von Daten zur Beantwortung von Anfragen aus dem Abgeordnetenhaus und den Bezirksverordnetenversammlungen.

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Mitwirkung bei der Konzipierung von Informationsmedien
Zu einem weiteren Arbeitsfeld entwickelte sich die Mitarbeit an ­ erliner B Informationsmedien zum Übergang Schule-Beruf wie dem landes­ eiten w Ausbildungswegweiser Berlin und einigen bezirklichen Ausbildungs­ wegweisern.
Landesweiter "Wegweiser Ausbildung"

Die Beteiligung am Redaktionsteam des landesweiten „Wegweisers Ausbildung“ umfasste beispielsweise die Mitwirkung bei der Feinjustierung des Konzeptes (Nutzung der gesammelten Informationen, Vermeidung von Doppelstrukturen, Gewährleistung der Aktualisierung) sowie der Strukturierung und Erstellung der Angebotsbeschreibungen. Auch bei den bezirklichen Ausbildungswegweisern wurde die Expertise des RÜM-Teams genutzt bzw. auf seine Arbeitsergebnisse zurückgegriffen. Grundlage hierfür war die vergleichende Betrachtung der Medien am Übergang Schule-Beruf im Rahmen der Bestandsaufnahme, deren Ergebnisse im Landesbericht niedergelegt wurden. Die in der Bestandsaufnahme gesammelten Erkenntnisse, insbesondere was die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen in den Wegweisern betraf, wurde in ­ inigen Bezirken für die Vorbereitung der Neuauflagen genutzt, wie z.B. e in Spandau, Neukölln oder Tempelhof-Schöneberg. In anderen Fällen, wie Lichtenberg wurde das Leitsystem verwendet. In Spandau diente es ­sogar als Grundlage für die Strukturierung des gesamten Wegweisers. Der digitale Ausbildungsatlas Friedrichshain-Kreuzberg griff ebenso auf die Struktur des Leitsystems zurück.

Bezirkliche Ausbildungswegweiser

Fazit
Der Bedarf an aktuellen Informationen zum gesamten Übergangsgeschehen ist enorm, hat doch kaum jemand einen solchen Überblick und zugleich die nötige „Tiefenschärfe“, um bloße Information durch die Verknüpfung mit wissenschaftlichen und politischen Hintergründen für Koordinationsund Steuerungszwecke anwendungsbereit zu machen. Die Kooperationspartner/innen und Anfragenden profitierten so von unparteiischer professioneller Arbeit. Für das RÜM-Projekt und die SPI Consult GmbH waren diese nach außen gerichteten Aktivitäten gute Gelegenheiten, sich noch besser zu vernetzen, Kooperationen auszubauen und so allseits als „Player“ im Feld Übergang Schule-Beruf wahrgenommen und geschätzt zu werden.

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Die im Rahmen des Projekts gesammelten Erfahrungen sind ausgesprochen vielfältig und haben zu der Erkenntnis beigetragen, dass die Koordinierung und Steuerung des Übergangs – unabhängig von demographischen Prognosen – eine wichtige landespolitische Aufgabe ist, die nur gemeinschaftlich geleistet werden kann und einer entsprechenden politischen Verankerung bedarf.

Resümee und Ausblick

Hinsichtlich des ersten Hauptziels der Perspektive Berufsabschluss und damit auch von RÜM Berlin, der Schaffung von Transparenz am Übergang, wurden diverse Instrumente entwickelt und in die Praxis transferiert, die den unterschiedlichen Zielgruppen eine bessere Orientierung im „Angebotsdschungel“ bieten. Dies ist ein wesentlicher Erfolg des Projekts, ebenso wie die dazugehörige fachpolitische Debatte mit zahlreichen Akteuren, in der unterschiedliche Dimensionen des Übergangsgeschehens (Hilfe im Einzelfall, Verzahnung der Angebote und strategische Steuerung) sichtbar gemacht und konkretisiert werden konnten. Das zweite Hauptziel zu realisieren und ein kohärentes Berliner Übergangssystems zu schaffen, erwies sich, wie bereits angedeutet, als wesentlich komplexer, als die Entwicklung von Instrumenten der Transparenz. Eine Umgestaltung des Übergangssystems greift unmittelbar in Verwaltungshandeln ein und setzt daher eine Verankerung des RÜM in der Verwaltung in einer anderen Qualität voraus. Fragen der Anbindung und, daraus resultierend, der Befugnisse eines RÜM spielen hier eine entscheidende Rolle. Diese Aspekte wurden im Rahmen der bundesweiten Evaluation der Förderinitiative Regionales Übergangsmanagement aufgegriffen und in einem idealtypisches Modell zusammengefasst, das die zentralen Voraussetzungen für das Gelingen einer solchen Steuerung und Gestaltung formuliert.

Transparenz weitgehend erreicht

Umgestaltung des Übergangssystems

Idealtypisches Modell des RÜM
Nicht zuletzt aufgrund der Heterogenität der bundesweit 55 Projekte des Regionalen Übergangsmanagements wurde von der das Programm begleitenden Evaluation ein idealtypisches Modell entworfen, um auf dieser Grundlage die Arbeit der einzelnen Standorte einzuordnen.19 Das Modell lag erst im Herbst 2011 vor und liefert daher vor allem Orientierungspunkte für eine Bewertung der Projekte der ersten Förderrunde ex-post, eignete sich jedoch weniger für deren rechtzeitige Umsteuerung im Arbeitsprozess.

19  INBAS GmbH (September 2011): Entwurf eines idealtypischen Modells des Regionalen Übergangsmanagements. Entwickelt im Rahmen der Evaluation der Förderinitiative RÜM im Rahmen des Programms Perspektive Berufsabschluss. Unveröffentlichtes Manuskript.

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Hypothetisches Referenzmodell

Das Modell „basiert auf Vorgaben des Programms und der Förderrichtlinien, Felderkundungen und Rückmeldungen aus der Praxis, Fachliteratur sowie Zwischenergebnissen der Wissenschaftlichen Begleitung. (...) Die Teilziele und Meilensteine der RÜM-Projekte sind aus den Zielen der Förderinitiative abgeleitet. (...) Der Evaluation dient das idealtypische Modell als hypothetisches Referenzmodell. Abweichungen zur Praxis werden erwartet und zur Weiterentwicklung des Modells auch benötigt. (...) Auf der Grundlage der gewonnenen Ergebnisse sollen zum Abschluss der Förderinitiative Regionales Übergangsmanagement aus dem fortgeschriebenen idealtypischen Modell Empfehlungen für Verstetigung und Transfer abgeleitet werden.“ Das idealtypische Modell greift die beiden Hauptziele der Förderinitiative insgesamt wie auch von RÜM Berlin auf, nämlich •  die Transparenz über Beratungs- und Angebotsstruktur zu erhöhen und •  die Kohärenz der Förderangebote und Instrumente zu steigern.

Teilziele und Meilensteine

Gelingensfaktoren

Ebenso werden im idealtypischen Modell Teilziele und Meilensteine formuliert, die die beiden zentralen Ziele spezifizieren. Dies sind z.B. die Herstellung eines Konsenses unter den relevanten regionalen Akteuren über die zentralen Ziele und Formen der Zusammenarbeit, der in einer entsprechenden Vereinbarung fixiert ist, oder die Reduktion gleichartiger Angebote unterschiedlicher Akteure. Zur Erreichung dieser Ziele werden die – regional gestaltbaren und beeinflussbaren – Aspekte und Faktoren benannt, unter denen die Ziele des Regionalen Übergangsmanagements am besten erreicht werden können: •  Konzept •  Kommunale Anbindung •  Team „Regionales Übergangsmanagement“ •  Regionale Kooperationsstrukturen •  Öffentlichkeitsarbeit •  Gender und Cultural Mainstreaming •  Spezifika des Programms Perspektive Berufsabschluss ·· Anforderungen an die Öffentlichkeitsarbeit ·· Begleitprojekte ·· Wissenschaftliche Bereiche ·· Transfer und Nachhaltigkeit Beim Regionalen Übergangsmanagement Berlin hat sich – nicht zuletzt durch die Arbeit in den Schnittstellenkonferenzen – gezeigt, dass insbesondere ein schlüssiges Konzept, indikatorengestützt formulierte Ziele und die kommunale Anbindung eines RÜM entscheidend für den Erfolg im Sinne der Implementierung der erarbeiteten Ergebnisse sind.

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Im idealtypischen Modell wird präzisierend erläutert, welche Aspekte als ausschlaggebend für eine gelungene Anbindung verstanden werden können: Ein ideales Projekt des Regionalen Übergangsmanagements •  wird von einer Kommune umgesetzt, die das Regionale Übergangsmanagement als kommunale Querschnittsaufgabe angenommen hat; •  wird mit einem tragfähigen Mandat der Kommune umgesetzt, d.h. unter verantwortlicher Beteiligung der kommunalen Verwaltungsspitze und bestätigt durch kommunalpolitische Beschlüsse; •  setzt kommunalpolitische Beschlüsse um; •  nutzt Controllinginstrumente als Grundlage der Steuerung und der Berichterstattung gegenüber relevanten kommunalpolitischen Gremien; •  ist in regionale bzw. kommunale Strukturen der Bereiche Bildung, Arbeit/ Beschäftigung und deren Steuerung eingebettet; •  ist regional bzw. kommunal in weitere Programme und Projekte von Bund, Land, Region, Privatwirtschaft oder Stiftungen eingebunden.

Reale Umsetzungserfahrungen
Durch die Anbindung von RÜM Berlin auf Landesebene war die Grundlage einer Landesstrategie am Übergang Schule-Beruf grundsätzlich gegeben. Auch die durch die Arbeit in den Schnittstellenkonferenzen zu erwartenden Teilergebnisse, die auf einem Konsens der Mitglieder fußen sollten, waren so konkret wie möglich beschrieben. Jedoch blieb der Umgang mit den Ergebnissen aus den Schnittstellenkonferenzen ungeklärt. Zwar lagen bei der Antragstellung qualitativ hochwertige, d.h. die ­Unterstützungsleistungen konkret benennende Letters of Intent vor. Darüber hinaus wurde die SPI Consult GmbH im Prozessverlauf mit der Übernahme des Handlungsfeldes Übergang Schule-Beruf – Regionales Übergangsmanagement im Rahmen des Masterplans Qualifizierung beauftragt, was dem Projekt RÜM größeres politisches Gewicht verlieh. Gleichwohl war eine im Vorfeld der Schnittstellenkonferenzen definierte landespolitische Zielsetzung sowie ein tatsächliches Mandat zur Erarbeitung bestimmter Inhalte und Ergebnisse mit vorab festgelegten Auswirkungen auf das Verwaltungshandeln nicht gegeben. Ein solches Mandat ist für die Entwicklung z.B. eines Gesprächsleitfadens oder einer digitalen Angebotsübersicht nicht entscheidend, da deren Transfer in die Praxis – eine entsprechende Qualität vorausgesetzt – einer politischen Anbindung nicht unbedingt bedarf. Unabdingbar ist diese indes bei der Diskussion und v. a. Implementation von Qualitätsstandards, wie sie im Rahmen der Schnittstellenkonferenzen Kompetenzfeststellung, Betriebsnähe (im Feld der Berufsorientierung) und Anrechenbarkeit (im Feld der schulischen Berufsvorbereitung) entwickelt wurden. Da bei Projektbeginn keine Implementierungsstrategien vorlagen, wurden diese erst
Ungeklärte landespolitische Zielsetzung

Implementierung erst im Projektverlauf thematisiert

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Statement von Dr. Wilfried Kruse
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Sozialforschungsstelle Dortmund

Als Koordinator der „Arbeitsgemeinschaft Weinheimer Initiative“, in der Städte und Landkreise versammelt sind, die für eine „Kommunale Koordinierung“ am Übergang von der Schule in die Arbeitswelt stehen, war ich RÜM Berlin gegenüber zunächst skeptisch: Kann man ein lokales Koordinierungsmodell auf einen Stadtstaat der Größe und Dimensionen Berlins übertragen? Und: Kann die Vielfalt und Unübersichtlichkeit der Berliner Szene überhaupt koordinierend sinnvoll eingefangen werden? Und: Was heißt dann überhaupt „Management“ und in welchem Grad übernimmt das Land selbst Verantwortung? Auf der anderen Seite ist offenkundig, dass es keine wirksame Verbesserung beim Übergangsgeschehen geben kann, wenn dessen Gestaltung nicht auch als Aufgabe auf Landesebene gesehen und bearbeitet wird. Meine anfängliche Skepsis hat sich nicht in jedem Punkt aufgelöst. Denn ich kann nicht erkennen, dass die Bezirke wirksam in die Prozesse und Strukturen des Übergangsmanagements eingebracht werden konnten. Den Ansatz aber, über Schnittstellenkonferenzen klären zu helfen, welche Formen von Arbeitsteilung und Kooperation zwischen den vielen Partnern am Übergang sinnvoll sind und Wirksamkeit versprechen, finde ich sehr weiterführend. Gegen Ende des Vorhabens sind viele gute Vorschläge gemacht worden, wie man dauerhaft und nachhaltig Übergangsgestaltung auf Landesebene etablieren könnte. Das Land Berlin hat damit eine wichtige Vorarbeit für mögliche Struktur bildende Weichenstellungen erhalten. Zwei Bezüge sind mir dabei besonders wichtig: zum einen zum Vorhaben „Übergänge mit System“, an dem auch das Land Berlin beteiligt ist, und zum anderen zum Fokus Migration, wie er – bezogen auf den Übergang – insbesondere vom Vorhaben „Berlin braucht Dich!“ repräsentiert wird. Aus der Blickrichtung der „Arbeitsgemeinschaft Weinheimer Initiative“ ist es insbesondere die systematische Erschließung von Koordinierungsansätzen und -strategien auf Landesebene, die RÜM Berlin für unsere Arbeit fruchtbar macht. Hinsichtlich des Gesamtansatzes, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Subjekte ihres beruflichen Entwicklungswegs zu sehen, und Übergangsgestaltung über die 1. Schwelle hinaus zu denken, gibt es viele Gemeinsamkeiten. Könnte RÜM noch einmal neu starten, wären drei Empfehlungen beachtenswert: (1) Auch unter den besonderen Bedingungen des Landes Berlin als Stadtstaat sollte die lokale Ebene - also die Bezirke - „auf gleicher Augenhöhe“ mit einbezogen sein, weil sie nah an den Lebenszusammenhängen der Menschen ist. (2) Der Fokus Migration sollte – gerade in Berlin – systematisch mit der Übergangskoordinierung so verbunden werden, dass das Übergangsgeschehen durchgehend interkulturell sensibel gestaltet ist. (3) Übergangsmanagement oder besser Koordinierung muss von vornherein im unmittelbaren Verantwortungsbereich der zuständigen Politik und Verwaltung platziert werden.

parallel zur Arbeit in den Schnittstellenkonferenzen angegangen.20 Das i ­dealtypische Modell bezeichnet demgegenüber eine tatsächliche strukturelle Einbindung des Projekts in die Verwaltung und damit in konkretes Verwaltungshandeln bereits zum Start eines solchen Vorhabens als „Knackpunkt“ für den Erfolg.

20  Beispielhaft hierzu die Entwicklung des Berufsorientierungsrahmens, siehe Band 2 dieser Reihe

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Dabei ist jedoch zu fragen, wie eine solch nachhaltige Einbindung eines Projekts in die Verwaltung grundsätzlich gelingen kann. Denn trotz der für ein Projekt relativ langen Laufzeit des RÜM stellt die projektförmige Organisation grundsätzlich ein weiteres Hindernis für die Begleitung von Prozessen dar, die auf eine strategische, institutionsübergreifende Steuerung ausgerichtet sind. Diese Problematik wird zusätzlich dadurch vergrößert, dass das Projekt Teil eines Bundesprogramm ist, während die konsequente Umsetzung der Programmziele, etwa bei der Neugestaltung der schulischen Berufsvorbereitung, in Landeshoheit geschehen muss.21 Diese Ausgangssituation hätte eine vorherige Abstimmung zwischen Bund und Ländern bezüglich des politischen Auftrags an den RÜM-Standorten notwendig gemacht. Aufgrund dieser Ausgangslage ging es auch darum, im Projektverlauf gemeinsam mit den zahlreichen Akteuren, die z.B. in der Lenkungsrunde vertreten waren, zu einem gemeinsamen Zielverständnis der Aufgaben eines Regionalen Übergangsmanagements zu gelangen. Ein wesentlicher, wenngleich nicht ohne weiteres messbarer Projekterfolg besteht daher darin, dass alle am Projekt beteiligten Akteure die Notwendigkeit einer gemeinsamen Aufgabenbewältigung am Übergang Schule-Beruf nachhaltig im (institutionellen) Bewusstsein verankert haben und bei der Planung eigener Aktivitäten andere Akteure einbeziehen. Dennoch ist anzumerken, dass die Einbindung von Personen und deren aktive Mitwirkung in der Lenkungsrunde eines solchen Projekts nicht in jedem Falle die Anpassung institutionellen Handelns zur Folge hat. Die Optimierung des Übergangsfeldes im Land Berlin bleibt eine große Aufgabe. Die Zielhorizonte sind weitgehend durch RÜM abgesteckt und mit der Benennung konkreter Handlungsbedarfe unterlegt worden. Neue Instrumente und Ergebnisse wurden vorgelegt, die ihren Beitrag zu einer gesteigerten Transparenz und Kohärenz leisten. Die „Vereinbarungskultur“ am Übergang Schule-Beruf in Berlin hat – zumindest unserer Einschätzung nach – durch die gemeinsame Arbeit einen erheblichen Entwicklungssprung gemacht. Was von vielen gewünscht wird und notwendig bleibt: die Schaffung von Arbeitsformaten, die sich eignen, gemeinsam an landesweiten Lösungen im Übergangsfeld zu arbeiten, konkrete Arbeitspakete zu benennen und diese mit klaren Aufträgen zu operationalisieren. RÜM Berlin hat mit den Schnittstellenkonferenzen gezeigt, dass eine ­ olche ­ emeinsame Arbeit möglich ist. s g

Konflikt Bundesprogramm und Länderhoheit

Gemeinsames Zielverständnis und Vereinbarungskultur

Koordination auf Landesebene ist möglich

21  In diesem Zusammenhang prägte ein Mitglied der Lenkungsrunde von RÜM Berlin, interviewt vom DJI im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung, den Begriff des „Konstruktionsfehlers“ des Programms, der den Projekten vor Ort nicht anzulasten sei, deren Arbeit jedoch erheblich erschwert habe.

Projektbilanz | Band 5 / 5 | RÜM Berlin 2012 | Seite 63

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