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Bewerbungskonzept der Stadt Siegen

Full text: Bewerbungskonzept der Stadt Siegen

Siegen – Zu neuen Ufern
Bewerbungskonzept der Stadt Siegen. Von der Idee zum Projekt.

Stadt Siegen. Der Bürgermeister. Stand: September 2009

Inhalt

1. Das Projektziel .............................................................................. 2. Die Prozessstruktur ....................................................................... 3. Aus dem Ideenpool der Leitbilddiskussion ................................... 4. Die Projektelemente des Konzepts „Siegen – Zu neuen Ufern“ 4.1 4.2 4.3 Siegen – Stadt am Fluss .......................................................... Die Universität und das Untere Schloss .....................................

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Das Ideen-Kraft-Werk Ringlokschuppen ...................................... 7 8 9 10

5. Urbanes Kraftzentrum oder Das magische Dreieck ...................... 6. Das Steuerungsinstrument: Forum Innenstadt .......................... 7. Ausblick .......................................................................................

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1. Das Projektziel Die Stadt Siegen ist Oberzentrum in Südwestfalen mit 104.000 Einwohnern und einem Einzugsbereich, in dem mehr als 600.000 Menschen leben. Bereits seit der kommunalen Neugliederung von 1975 verzeichnet Siegen einen Einwohnerverlust, der einerseits bedingt ist durch den allgemeinen Bevölkerungsrückgang, andererseits jedoch verstärkt wird durch die überproportionale Abwanderung junger, zumeist hoch qualifizierter Menschen. Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat die Stadt Siegen 2008 damit begonnen, ein „Leitbild Siegen 2020“ zu erstellen, das alle Aktivitäten der Kommune danach wertet und ausrichtet, Zuzug zu fördern und Abwanderung zu stoppen. Starke, urbane Zentren mit Strahlkraft für die Region braucht Südwestfalen (vergl. Südwestfalen-Kompass). Denn diese Städte sind es, die aufgrund ihrer Vitalität und ihrer lebendigen, unverwechselbaren Innenstädte Garant dafür sind, dass junge Menschen mit regionaler Bindung, die dennoch urbanen Flair bevorzugen, Südwestfalen nicht den Rücken kehren. Als größte Stadt Südwestfalens und Oberzentrum der Region hat Siegen mit seiner Innenstadt und der Universität das Potenzial, ein solches urbanes Zentrum mit Strahlkraft für die ganze Region zu sein. Dieses Potenzial wird Siegen in den nächsten Jahren durch ein integriertes Handlungsprogramm weiterentwickeln und profilieren. Die Südwestfalen-Regionale 2013 stellt die lokalen Planungen zur städtebaulichen Aufwertung der Innenstadt als urbanes Zentrum am Fluss mit hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität, Charme und vitaler Atmosphäre im Kontext mit Innovation und Baukultur sowie einer wirtschaftlichen, kulturellen und sozialräumlichen Aufbruchstimmung.

Zuzug fördern, Abwanderung stoppen

Siegen – zu neuen Ufern, das bedeutet: Siegen (er)findet sich neu, Siegen identifiziert seine Stärken, priorisiert diese unter dem Gesichtspunkt Impulse für mehr Urbanität in der Innenstadt zu geben und schafft Strukturen, die geeignet sind, die Projekte zu implementieren und zu steuern.

Stadtqualität zukunftsfähig gestalten

2. Die Prozessstruktur Die Leitbildentwicklung Siegen 2020 vollzieht sich auf drei Ebenen unter Federführung der vom Bürgermeister eingerichteten „Geschäftsstelle Demografie“. Die „Interne AG Demografie“ setzt sich aus den Führungskräften der Stadtverwaltung zusammen. Den Fachforen gehören Mitglieder von Rat und Verwaltung an, darüber hinaus jedoch auch Vertreterinnen und Vertreter von Institutionen, die ihre Expertise zu den jeweiligen Themenschwerpunkten einbringen. Eine Befragung zur „Lebensqualität in Siegen“, die im Frühjahr 2009 unter 10.000 Bürgerinnen und Bürgern durchgeführt wurde, stellt die dritte Ebene der Beteiligung dar, die die Konturierung des „Leitbildes 2020“ zum Ziel hat.

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Rat Interne AG Demografie

Fachforum Wirtschaft, Arbeitsmarkt , Ausbildung

Interne und externe Beteiligungsformen

Fachforum Wohnen, Versorgung, Mobilität Bürgermeister
Geschäftsstelle Demografie

Fachforum Soziales,Bildung, Integration

Bevölkerungsbefragung zur Lebensqualität

Fachforum Kreativität, Wissenschaft und Lebensqualität

Am Ende des Jahres 2009 ist auf allen drei Ebenen die StärkenSchwächen-Analyse abgeschlossen. Die internen und externen Arbeitsgruppen haben Handlungsfelder identifiziert, Ziele definiert und erste Vorschläge zu Maßnahmen entwickelt. Der nächste Schritt besteht darin, die internen und externen Ergebnisse zusammenzuführen und das „Leitbild Siegen 2020“ als verbindlichen Bezugsrahmen städtischen Handelns zu entwickeln.

3. Aus dem Ideenpool der Leitbilddiskussion Um deutlich zu machen, vor welchem Hintergrund der öffentlichen Diskussion das Siegener Konzept „Zu neuen Ufern“ sich bewegt, zeigt das nachstehende Schaubild eine Auswahl der Ideen aus der bisherigen Bürgerbeteiligung.
Forum Soziales
Forum Wirtschaft

Forum Wohnen
Forum Kreativität

Profilierung von Bildungseinrichtungen Kooperation zwischen Universität und Unternehmen Nutzung Unteres Schloss als Universität Förderung der Technikorientierung Industriemuseum Gesellschaft (Nachwuchs) für die Zukunft stärken Organisation einer Vernetzungsstruktur Bessere Organisation der Existenzgründungsförderung Stadt am Fluss Merkmale / Sehenswürdigkeiten freilegen Generationsgerechter Umbau des öffentlichen Raums Mit künstl. Inszenierung auf Problemstellungen hinweisen Stadtgeschichte vermarkten Neues Wohnen in der Stadt Kleinkunst
Zitiert nach der Dokumentation „Demografischer Wandel in Siegen“, Stand Oktober 2008

Breiter Konsens zu Siegens Potentialen

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Unabhängig voneinander haben die Fachforen zur demografischen Entwicklung Potentiale benannt, die die Stadt Siegen nutzen kann, um ihre Stellung als urbanes Zentrum in Südwestfalen langfristig zu sichern und auszubauen. Dabei werden abstrakte Ziele, die die Kommunikation und Vernetzung in der Stadtgesellschaft betreffen, gleichberechtigt neben konkrete Vorhaben gesetzt, die in besonderer Weise geeignet sind, die angestrebte neue Definition von Stadterleben sichtbar und erfahrbar zu machen. Diese konkreten Vorhaben sind: Die „Stadt am Fluss“ mit der Umgestaltung der Sieg in SiegenMitte, der Einzug von Teilen der Universität Siegen in das Untere Schloss und die Einrichtung eines Museums und Dokumentationszentrums für regionale Industriegeschichte im Ringlokschuppen Siegen.

„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Antoine de SaintExupéry

4. Die Projektelemente des Konzepts „Siegen – Zu neuen Ufern“ Das Siegener Konzept für die Südwestfalen Regionale 2013 setzt sich aus drei Elementen zusammen, die – jedes für sich genommen – außergewöhnlich hohes Identifikationspotential und eine regionale Strahlkraft haben. Die Konzeptelemente werden im Folgenden in drei Geschichten beschrieben, die eng miteinander verwoben sind. 4.1 Siegen – Stadt am Fluss Flussaufwärts kamen einst die Franken. Eine Furt schien ihnen der geeignete Ort, eine Siedlung zu gründen. Sie bauten Hütten und eine Kapelle, die den Namen ihres Schutzheiligen erhielt: Sankt Martin. Dem Fluss gaben sie den Namen „sieg“, was nichts anderes heißt als „fließendes Gewässer“. Im Laufe der Jahrhunderte entstand eine kleine, aber blühende Stadt, die ihren Wohlstand auf Erzbergbau, Eisengewinnung und –verarbeitung gründete. Der Fluss behielt seine Bedeutung als Lebensader. Das Wasser der Sieg betrieb die Hämmer der Hüttenwerke, die an den Ufern, wie auf einer Perlenkette aufgereiht, entstanden. Die Siegener hatten ein pragmatisches Verhältnis zu dem Gewässer, das ihrer Stadt den Namen gab. Sie nutzten es als Energiequelle, als Viehtränke und zum Wässern von Tierhäuten in den Gerbereien. Lieben konnten sie es nicht, denn der Fluss war schmutzig, stieg immer wieder bedrohlich über die Ufer und stellte ein Hindernis dar, als die Eisenbahn kam und die Stadt im 19. Jahrhundert wuchs. Mit dem Wohlstand der Nachkriegszeit, mit der Zunahme der Konsumfreudigkeit und Mobilität kam der Zugzwang, Platz zu schaffen, Platz für neue Läden und Kaufhäuser und Platz für deren Kunden. Die Sieg in Siegen-Mitte wurde mit einer Betonplatte überbaut, genutzt als innerstädtischer Parkplatz.
Merian-Stich von Siegen, 17. Jahrhundert

Überbauung der Sieg, Ist-Stand

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Das ist 40 Jahre her, tausend Jahre, seit die Franken ihre Siedlung gründeten. Siegen ist immer noch Stadt im Sinne eines Ortes für Handel und Wandel, im Sinne von Begegnung und Kommunikation und Siegen will dies auch weiterhin sein für seine Bürgerinnen und Bürger, aber auch für das weite Umland. Aber Siegen hat ein Problem und steht damit nicht alleine als städtischer Siedlungsraum. Einkaufszentren imitieren das Konzept „Europäische Stadt“. Zentrennah und auf der „Grünen Wiese“ entstehen künstliche Welten, die Geschäfte, Gastronomie, Wasserspiele und Piazzas unter einem Dach vereinen, vollklimatisiert und garantiert regensicher. Es ist müßig, diese Entwicklung zu beklagen, denn die Konzepte der Einkaufszentren reagieren, wie ihr Erfolg zeigt, in der richtigen Weise auf einen Bedarf. Es ist allerdings an der Zeit, dass die Städte, so auch Siegen, sich auf ihre Stärken besinnen. Und die liegen in der Unverwechselbarkeit. Das EKZ x sieht - landauf, landab - aus wie das EKZ y. Topografie und Geschichte einer Stadt sind dagegen einmalig. Einem behutsamen Wiederaufbau in der Nachkriegszeit ist zu verdanken, dass auch im heutigen Siegen der mittelalterliche Stadtgrundriss und die regionaltypische Architektur deutlich erkennbar sind. Die von der Stadt Siegen initiierten Workshops und Befragungen zeigen, dass sich in der Bevölkerung ein Bewusstseinswandel vollzogen hat: Die Sieg ist nicht mehr der „ungeliebte, Nutzen bringende“ Wasserlauf. Die Sieg ist ein Sehnsuchtsort, den man vermisst und an dem man sich aufhalten möchte. Gelingt es, die Sieg in Siegen-Mitte freizulegen, dann werden Impulse freigesetzt, die nicht nur die klassischen Fußgängerzonen Bahnhofstraße und Kölner Straße neu beleben, sondern auch - zuletzt vernachlässigte - innerstädtische Straßenzüge in das Blickfeld kreativer Überlegungen rücken. Dies gilt insbesondere für die Brüder-BuschStraße, die Fürst-Johann-Moritz-Straße und den Kunstweg. Der aktuelle Stand des Projektes hat mit dem Ratsbeschluss vom 09.09.2009 zur Durchführung eines städtebaulichen und freiraumplanerischen Wettbewerbes einen wichtigen Meilenstein erreicht. Die europaweite Ausschreibung dieses 2stufigen Wettbewerbes sieht einen Realisierungs- und Ideenteil vor. Der Realisierungsteil bezieht sich konkret auf die Freilegung der Sieg, die Neugestaltung des Siegufers und des Siegumfeldes incl. einer Lösung für den für die Verbindung von Unter- und Oberstadt so immens wichtigen Übergang am Kölner Tor bis hinein in die Kölner Straße zum Unteren Schloss. Die Einbeziehung des Siegradwanderweges ist ebenfalls Bestandteil. Planungskosten, Projektkosten und Zeitplan ergeben sich, soweit bereit bekannt, aus den Anlagen. Die reinen Baukosten für den Abriss der Siegplatte und die Neugestaltung des Siegufers belaufen sich nach einer ersten Studie der Universität auf rd. 8,2 Mio. Euro. Hierin sind allerdings noch nicht die Kosten für die Umfeldgestaltung enthalten. Diese werden mit dem Wettbewerb ermittelt.
Entwurf der Universität Siegen zu einer möglichen Gestaltung des Sieg-Ufers, Stand 2008

Siegplatte 2009

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Der Ideenteil des städtebaulichen Wettbewerbes umfasst im Wesentlichen die wichtigen Verbindungen von der Siegplatte zum Bahnhof, nämlich Bahnhofstraße, Fürst-Johann-Moritz-Straße und Hindenburgstraße, sowie den Aufgabenkomplex Verkehrsberuhigung und Umgestaltung der Sandstraße. Die Umsetzung dieser Maßnahmen wird im Rahmen des integrierten Handlungskonzeptes einzuplanen sein. Die Auslobung des Wettbewerbes erfolgte in enger Kooperation mit Immobilieneigentümern und Einzelhändlern, was dazu geführt hat, dass sich kurz nach dem Ratsbeschluss eine Initiative zur Gründung einer „ISG Bahnhofstraße“ gebildet hat. Der Wettbewerb tritt mit dem Auftakt-Kolloquium am 2. November 2009, an welchem neben den Wettbewerbsteilnehmern, den Juroren und Interessenvertretern auch die Öffentlichkeit teilnimmt, in die nächste wichtige Phase. Der Umbau des Hauptbahnhofs einschließlich der stadtteilverbindenden Überführung ist im Plangebiet nicht explizit enthalten. Er stellt jedoch gleichwohl einen wichtigen Bestandteil des Handlungskonzepts dar. Wichtige Entscheidungen zur Modernisierung der Verkehrsstation sind bereits gefallen. Land, Bund und DB werden über die MOF-II-Offensive die Verkehrsstation mit einem Kostenvolumen von 11.443.600 Euro im Jahr 2012 modernisieren. Hierbei wird auch ein neuer Übergang zum Ringlokschuppen, der gleichzeitig auch die Bahnsteige bedient, errichtet. Parallel finden z. Z. intensive Verhandlungen zwischen einem Privatinvestor und der Deutschen Bahn unter Beteiligung von Bürgermeister und Landrat zur Modernisierung des Bahnhofsgebäudes statt. Diese Modernisierung würde vollständig aus Mitteln des Privatinvestors finanziert. Eine Kostenschätzung ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Die Umsetzung soll parallel zum Baubeginn der Verkehrsstation erfolgen.

4.2 Die Universität und das Untere Schloss Nach den Franken kamen die Nassauer. Das Adelsgeschlecht errichtete eine Burg auf der Kuppe des Siegbergs, heute Oberes Schloss genannt, und baute die bestehende Siedlung zur Stadt aus. Jemand, der „nassauert“, ist ein Schnorrer, ein Begriff, der eindeutig negativ belegt ist. Dabei war „nassauern“ vom Wortursprung her etwas positives. Denn es bedeutete: Dieser Student wird von dem gleichnamigen Haus alimentiert. Die Siegener Grafen und Fürsten hatten, wie diese Anekdote belegt, schon immer ein Herz für Studenten. Als im 17. Jahrhundert in der Hauptresidenz Dillenburg die Pest ausbrach, wurde die damals „Hohe Schule“ genannte Universität nach Siegen verlegt. Dies blieb jedoch Episode. Die Siegener Bürger mochten die „raufenden und saufenden“ Studenten nicht und die Abneigung beruhte auf Gegenseitigkeit. Rund 400 Jahre später, Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, war man jedoch in Siegen heilfroh, die Chance zu erhalten, Universitätsstadt zu werden. Denn der Niedergang der Montanindustrie machte den Strukturwandel dringend notwendig. Die Gründung der Gesamthochschule, später Universität Siegen, war ein mutiger Schritt auf dem Weg zu einer Qualifizierungsoffensive für den Nachwuchs in

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der Region und zu einer Annäherung von Forschung und industrieller Produktion. So richtig es war, die Gesamthochschule / Universität an den Standort Siegen, damals noch Stadt Hüttental, zu holen, als so problematisch erwies sich im Nachhinein die Platzierung des Campus auf dem Haardter Berg. Denn, wie der Name schon sagt, die Universität lag und liegt auf einem der Siegener Hügel, Kilometer entfernt vom Zentrum. Die Studierenden, zumeist aus der Region, kommen morgens mit dem Wagen oder per ÖPNV und fahren abends wieder zurück an ihren Heimatort, ohne im Stadtbild wahrgenommen worden zu sein. Der „akademische Elfenbeinturm“ strahlt für die Siegener von Ferne in sphärischem Blau. Nunmehr besteht jedoch für Siegen die einmalige Chance, die Universität in das historische Stadtzentrum zu holen und zwar genau dorthin, wo sie vor 400 Jahren schon einmal sporadisch ihren Sitz hatte: in das Untere Schloss zu Siegen. Das Schlossgebäude ist im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen. Hier sind zur Zeit noch Behörden untergebracht. Aber im September 2009 wurde zwischen dem Land und der Universität Siegen ein Vertrag unterzeichnet, der den Umbau des historischen Gebäudes mit Mitteln des Hochschulmodernisierungsgesetzes und den Einzug des Fachbereichs für Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsrecht und Wirtschaftsinformatik der Universität Siegen besiegelt. Stadt Siegen, Kreis Siegen-Wittgenstein und die Sparkassenstiftung Zukunft haben in einem weiteren Vertrag diese epochale Entscheidung durch die Zusage einer Mitfinanzierung der Investitionskosten möglich gemacht. Der Einzug der Universität in das Untere Schloss bedeutet: Es werden täglich bis zu 2000 Studierende in das Zentrum Siegens strömen. Sie werden dort wohnen, einkaufen und ihre Freizeit verbringen. Sie werden die Nachfrage und das Angebot, sie werden die Struktur der Innenstadt verändern. Der Einzug der Universität in das Untere Schloss bedeutet jedoch noch mehr. Denn die Region hat ihrerseits eines ihrer wichtigsten Zukunftsziele in den Vertrag eingebracht: Im Unteren Schloss wird die Südwestfälische Mittelstandsakademie als Institut der Universität ihren Sitz haben und als solche einen Beitrag dazu leisten, dass einerseits der Nachwuchs zur Sicherung der regionalen Wirtschaftsstruktur qualifiziert wird und andererseits mittelständische Unternehmer auf buchstäblich kurzen Wegen Fortbildungsangebote erhalten. Die Universität wird sich auch im Rahmen der Mittwochs-Akademie mit Vorlesungen und Veranstaltungen für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Siegen, die nicht an der Universität eingeschrieben sind, der Allgemeinheit öffnen. Die enge Verbindung zwischen Universität Siegen und den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Siegen wird zusätzlich dadurch manifestiert, dass in einem weiteren Vertrag zwischen Stadt und Universität geregelt werden wird, dass der Schloss-Innenhof für kulturelle Veranstaltungen oder Märkte (z. B. Siegener Weihnachtsmarkt) genutzt wird. So spielen sich studentisches Leben, kulturelles Leben und Urbanität auch auf dem Universitätsgelände ab, welches ein Treffpunkt zwischen Studenten und Bürgerschaft wird. Der aktuelle Stand des Projektes hat sich in den vergangenen Wochen rasant weiterentwickelt. So konnte durch den Abschluss der o. a. Verträge die Finanzierung und Durchführung des Projektes aus

Blick vom Zentrum auf Universität

Unteres Schloss mit Schlossplatz

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Mitteln des Hochschulmodernisierungsprogrammes, der Universität Siegen, des Kreises Siegen-Wittgenstein, der Stadt Siegen und der Stiftung Zukunft, sichergestellt werden. Mit dem Auszug der z. Z. noch im Unteren Schloss untergebrachten Landeseinrichtungen im Jahr 2011 wird der Baubeginn dort in Federführung des Bau- und Liegenschaftsbetriebes des Landes NRW erfolgen.

4.3 Das Ideen-Kraft-Werk Ringlokschuppen Von der Bedeutung, die Eisen und Stahl für Stadt und Region hatten, war bereits die Rede. Auch von der Bahnverbindung, die Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Wirtschaftsboom führte. Über die Ruhr-SiegStrecke kam Steinkohle, die die Eisenerzverhüttung gegenüber der zuvor üblichen Verhüttung mit Holzkohle, wesentlich effizienter machte. Der Bahnhof Siegen war ein Umschlagplatz von Import und Export, Import von Rohstoffen und Export von Stahl und Stahlerzeugnissen. Im Bahnbetriebs- und Ausbesserungswerk arbeiteten zu Hochzeiten der Industrialisierung 4000 Menschen. Das ist lange her. Mit dem Niedergang der Montanindustrie verlor auch das Bahnbetriebs- und Ausbesserungswerk seine Bedeutung. Geblieben ist jedoch der Ringlokschuppen, geschützt. Hier hat seit einigen Jahren Eisenbahnmuseum seinen Sitz, das in dem Schienenfahrzeuge von einmaligem Wert wartet inzwischen denkmaldas Südwestfälische historischen Gebäude und ausstellt.
Der Siegener Ringlokschuppen

Getragen wird das Museum von einem Verein, der IG Historischer Ringlokschuppen, der rein ehrenamtlich und ohne öffentliche Zuschüsse den Sammlungsbestand pflegt und der Allgemeinheit regelmäßig zugänglich macht. Aus den Reihen der Eisenbahnfreunde ist die Idee erwachsen, den Ringlokschuppen zu einem Museums- und Dokumentationsort der regionalen Industriegeschichte zu machen. Denn mit der Eisenbahn kam die industrielle Revolution auch nach Südwestfalen und wirtschafts- und regionalräumliche Verbindungen werden durch nichts so sinnfällig wie durch die materiell vorhandene Verkehrsverbindung. Der Ringlokschuppen Siegen will gemäß seiner Konzeption ein Eisenbahnmuseum sein, zugleich jedoch Mittelpunkt eines Netzwerkes von Orten und Institutionen, die sich der Darstellung der industriellen Geschichte widmen. Schnittstellen zum Südwestfalen-Regionale-Projekt „WasserEisenLand“ sind bewusst angelegt und mit den dortigen Akteuren abgestimmt. Während die Einordnung des Ringlokschuppens in die Thematik „WasserEisenLand“ eine touristische Vermarktungsstrategie verfolgt, hat die letzte Säule des Betriebs- und Nutzungskonzeptes für den Ringlokschuppen eine andere Zielrichtung. Denn hier, im Ringlokschuppen, soll mit Mitteln des Landesprogramms „Initiative starten“, welches ausschließlich ehrenamtliches Engagement fördert, und der „IG Historischer Ringlokschuppen“ ein Ideen-KraftWerk entstehen, das unter jungen Menschen die Technikfaszination

Bürgermeister Mues und die Akteure des Vereins beim 1. Spatenstich für die Sanierung des Ringlokschuppens, Sept. 2009

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weckt und Veranstaltungsräume schafft, in denen sich Menschen aus den unterschiedlichsten Kreativbereichen begegnen können. Mit dem ersten Spatenstich durch NRW-Bauminister Lienenkämper zur Sanierung und Sicherung des Lokschuppengebäudes im September 2009, entspricht auch hier der aktuelle Stand einem wichtigen Meilenstein dieses Teilprojektes. Die Finanzierung dieses ersten Bauabschnitts in Höhe von 1,161 Mio. Euro erfolgt zu rd. 60 % aus dem Landesprogramm „Initiative ergreifen“ und im Übrigen aus den Mitteln des ehrenamtlich engagierten Vereins „IG Historischer Ringlokschuppen“. Der zweite Bauabschnitt wird konkret die Einrichtung des Eisenbahn- und Industriemuseums, Lernort und Veranstaltungsort im Ringlokschuppengebäude zum Inhalt haben.

5. Urbanes Kraftzentrum oder Das magische Dreieck Die drei Projektelemente des Konzepts „Siegen – Zu neuen Ufern“ liegen im Innenstadtbereich und lassen sich grafisch zu einem Dreieck verbinden.

Unteres Schloss
Siegberghang B54

Reichwalds Ecke

Sieg

Apollo Theater

Bahnlinie

Ringlokschuppen

Das „magische Dreieck“ umschließt den Bahnhofsbereich und die Fußgängerzone Bahnhofstrasse, die Sieg im Abschnitt zwischen MariaRubensplatz und Reichwaldsecke, sowie den Querungsbereich der B54 mit dem Kölner Tor als Zugang zur Oberstadt. In diesem Dreieck vereinen sich Wohnen und Einkaufen, Kunst und Kultur, Bildung und Wissenschaft, Gastronomie und Freizeitgestaltung. Die Siegener Innenstadt hat damit ein hervorragendes Potential, zu einem urbanen Kraftzentrum zu werden, das weit in die Region ausstrahlt.

Ortstermin in Siegen-Mitte, Juli 2009

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Der Einzug der Universität in das Untere Schloss, das Ideen-Kraft-Werk Ringlokschuppen mit seiner Anbindung an das Tourismusthema „WasserEisenland“, vor allem aber die Umgestaltung der Sieg mit der Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Prägnanz des Zentrums sind Schlüsselprojekte, wenn es darum geht, Siegen als Stadt der Begegnung neu zu definieren. Schließlich ist die Stadterneuerung in diesem Kraftfeld und an dem Scharnier, das die Siegumbauung darstellt, ein wesentlicher Schritt, um die Antagonismen zwischen Unter- und Oberstadt, zwischen Alt und Neu, zwischen Vergangenheit und Zukunft zu versöhnen.

6. Das Steuerungs- und Beteiligungsinstrument: Forum Innenstadt Unter Punkt 2 des vorliegenden Papiers wurde dargestellt, dass zur Entwicklung des Leitbildes Siegen 2020 eine Beteiligungsstruktur aufgebaut wurde. Als Ergebnis der Diskussionen in den internen und externen Arbeitsgruppen wurde ein besonderer Handlungsbedarf bezüglich eines Integrierten Handlungskonzepts für die Innenstadt erkannt. Eingerichtet wurden deshalb ergänzend und in Fortsetzung der Arbeit in den Fachforen die ersten 4 Bürgerforen zu den Themen: Siegberghang, Hammerhütte, HTS und Tiergarten.

Koordiniert von der Geschäftsstelle Demografie finden seit Sommer 2009 in loser Folge Werkstattgespräche statt, zu denen Experten wie auch – über entsprechende Medienveröffentlichungen – Anwohner und interessierte Bürgerinnen und Bürger eingeladen werden. Bereits Ende November 2008 fand ein erstes Werkstattgespräch zur Umgestaltung der Sieg in Siegen-Mitte statt.

Organisatorische Verzahnung von Leitbilddiskussion und Stadtentwicklung

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Weiterhin finden ebenfalls seit Sommer 2009 gemeinsame Abstimmungsgespräche mit der Gesellschaft für Stadtmarketing Siegen e. V., der Immobilien- und Standortgemeinschaft Siegen-Oberstadt e. V. und dem Verein Lebendige Innenstadt e. V. statt. Außerdem finden regelmäßige Strategiegespräche aller handelnden Akteure der einzelnen Projektteile von „Siegen zu neuen Ufern“ statt. Im Zuge der Projektentwicklung „Siegen – Zu neuen Ufern“ gilt es, die bestehende Beteiligungsstruktur zu nutzen und auf die beschriebene Zielsetzung der Innenstadtentwicklung auszurichten. Diese Bündelung erfolgt durch Vernetzung der Akteure im „Forum Innenstadt“ und wird durch die oben stehende Grafik veranschaulicht. Das „Forum Innenstadt“ verbleibt bei dieser Systematik in der Regie der Geschäftsstelle Demografie, die als Stabsstelle des Bürgermeisters agiert. Organisatorisch wird das Forum als zusätzliche Ebene eingezogen, damit in regelmäßigen Abständen eine zielgerichtete Bündelung der Ziele und Maßnahmen stattfinden kann. Von zentraler Bedeutung für den weiteren Prozess ist, dass die Einrichtung des „Forums Innenstadt“ mit der zuvor erwähnten Zusammenführung der internen und externen Leitbildergebnisse koordiniert wird und in einer ersten gemeinsamen Sitzung aller Akteure neue Impulse in die Diskussion gegeben werden. Diese Impulse können lauten: Wie kann die Innenstadt zu einem öffentlichen Forum für die Begegnung von Hochschule, Wirtschaft und Kultur werden? Welche Chancen der Stärkung der Kreativwirtschaft und der kreativen Milieus in der Innenstadt bestehen? Wie können „Kreative“ noch stärker als Akteure der Stadtentwicklung und des öffentlichen Lebens eingebunden werden? Welche Angebote für neue urbane und innerstädtische Wohnformen von Leben und Arbeiten können in der Innenstadt geschaffen werden? Welche Rolle können Kunst und Kultur zur Innenstadtentwicklung leisten?

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Die Einrichtung des „Forums Innenstadt“ und die Verknüpfung mit dem Demografieund Leitbildprozess gewährleisten, dass die Diskussionsergebnisse in den für 2010 angestrebten verbindlichen Handlungsrahmen von Rat und Verwaltung einfließen und über diesen Zeitpunkt hinaus als Beteiligungs- und Steuerungsinstrument eingesetzt werden.

7. Ausblick Die Stadt Siegen wird sich auf der Grundlage der Anerkennung des „Zweiten Sterns“ durch die Südwestfalen Regionale 2013 auf den Weg machen, das Strukturprogramm „Siegen – Zu neuen Ufern“ weiter zu treiben und zu konkretisieren. Die nächsten Schritte dazu sind: die Durchführung eines freiraumplanerischen Wettbewerbs mit Überführung der Ergebnisse in konkrete Planung, Maßnahmen, Kosten- und Finanzierungskonzepte,

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die Einrichtung eines öffentlichen Innenstadtforums „Siegen – Zu neuen Ufern“ zur Vernetzung der Akteure, die Erarbeitung eines integrierten Handlungsprogramms zur Aktivierung urbanen Lebens und Arbeitens, hierzu soll auch externer Sachverstand bei Planung und Beratung eingebunden werden.

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Siegen macht sich auf den Weg
        
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