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Full text: Wilma (Rights reserved) Ausgabe 2023,1 (Rights reserved)

Wilhelmstädter Magazin Nr. 1, März 2023 TA N JA SCHN I T Z LER Erscheint viermal im Jahr kostenlos und werbefrei, Herausgeber: Bezirksamt Spandau von Berlin, Stadtentwicklungsamt Seite 3 Ostern … Seite 10/11 Ein Gespräch … Seite 12 Brauchbar … ist nicht mehr fern, und auch in diesem Jahr gibt es wieder eine Wilhelmstädter Osteraktion für Kinder. … mit Emine Başaran, Mitarbeiterin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen Jeden letzten Samstag im Monat gibt es die Aktion »Brauchbar« auf dem Földerichplatz TA N JA SCHN I T Z LER Termine im Stadtteilladen Adamstraße 39 Sprechzeiten des Geschäftsstraßen­managements: Mi 10–13 Uhr Osteraktion für Kinder Sprechstunde des KoSP (Gebietsbeauftragte für die Wilhelmstadt): Mittwochs 12–15 Uhr In diesem Jahr wird es endlich wieder eine besondere Osterüberraschung der Gewerbetreibenden für Kinder in der Wilhelmstadt geben. Allerdings wird es etwas anders (und einfacher) ablaufen als in den Vorjahren. Statt »Finde Dein Osternest« heißt es in diesem Jahr: »Bring uns Dein gestaltetes Osterei und erhalte eine Überraschung!« Teilnehmen können alle Kinder der Wilhelmstadt im Alter bis zu 12 Jahren. Sie sind eingeladen, Ostereier selbst kreativ zu gestalten – der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt! Anschließend können die Kinder das gestaltete Osterei während der Aktionswoche vom 27. bis 31. März (also kurz vor den Osterferien) in eines der teilnehmenden Geschäfte bringen (sie sind an den Plakaten zur Aktion im Schaufenster zu erkennen) – und dort wartet dann eine Überraschung auf sie, und die Ostereier werden außerdem über die Ostertage in den Schaufenstern der Geschäfte präsentiert. Im Vorfeld der Aktion werden auch Plakate und Flyer in der Wilhelmstadt darauf hinweisen.  us Öffentliche Sitzungen der Stadtteilvertretung: jeden 1. Mittwoch im Monat, 19.15 Uhr Treffen der »Narcotics Anonymous«: (Selbsthilfegruppe für Menschen mit Sucht­erkrankungen): freitags 19.00–20.00 Uhr AG »Geschichte und Geschichten« Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der jüngeren Geschichte der Wilhelmstadt und trifft sich jeden zweiten Montag und jeden letzten Donnerstag im Monat um 17 Uhr im Stadtteilladen. LOGOS Bilderrätsel: Gewinner gesucht! Die meisten unserer Leser kennen die Wilhelmstadt ja quasi in- und auswendig, Wer weiß, welchen Ort in der Wilhelmstadt unser Foto zeigt, schickt die Lösung – bitte mit genauer Absenderadresse! – an die Redaktion: »Wilma«, c/o Ulrike Steglich, Elisabethkirchstr. 21, 10115 Berlin, oder per Mail an: wilma@berliner-ecken.com – Einsendeschluss ist Montag, der 15. Mai 2023. Unter den richtigen Einsendungen wird ausgelost, der Gewinner erhält einen 20-Euro-Büchergutschein für die Dorotheenstädtische Buchhandlung. Unser letztes Bilderrätsel zeigte eine Tafel an der »Traube«. Und wie immer gab es viele richtige Einsendungen. Gewonnen hat Eva Witzenhausen – herzlichen Glückwunsch! Der Büchergutschein geht Ihnen per Post zu! Nachhilfe für Schüler (alle Schulfächer): Mi + Do ab 16 Uhr Schachtraining (Anfänger, für Kinder ab 8 Jahren): mittwochs 18.30–20 Uhr, Unterricht auf Deutsch Folgende Geschäfte nehmen an der Frühlingsaktion teil: SELAM Betty macht Druck (Weißenburger Straße 20), Café Barfly (Brüderstraße 47), Feldküche (Wilhelmstraße 168), Hohenzollern Apotheke (Pichelsdorfer Straße 101), Pizzeria Zamazingo (Pichelsdorfer Straße 118), Restaurant Madu (Pichelsdorfer Straße 107), Salon Carola (Pichelsdorfer Straße 63), Sauberland (Adamstraße 17), Solo Pizza Productions + Service GmbH (Pichelsdorfer Straße 33), Solo Pizza, Gina Livolsi (Wilhelm­ straße 147) Tierarztpraxis Dr. Steffens (Weißenburger Straße 45), Weinladen Spandau (Metzer Straße 2) (Sozialarbeit für Kinder und Jugendliche) Ansprechpartner: Mesut Göre, Kontakt: Tel. 0176-34 93 90 44 Weitere Beratungsangebote Veränderte Sprechzeit des KoSP Die Sprechstunde des Büros KoSP GmbH (Gebietsbeauftragte für die Wilhelmstadt) findet ab sofort immer mittwochs von 12 bis 15 Uhr (außer am 1. Mittwoch im Monat) statt. Bei Fragen oder Anregungen rund um die Wilhelmstadt kommen Sie gerne vorbei! Ansonsten sind die Mitarbeiterinnen Nina Buse und Chris­ tina Thanner auch telefonisch unter der Nummer 030 - 30 12 46 97 im Stadtteilladen erreichbar. Außerdem werden die Öffnungszeiten im Stadtteilladen erweitert. Die Türen in der Adam­ straße 39 sind ab März – über die anderen An- gebote hinaus – montags, dienstags und freitags von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Sie können in diesem Zeitraum im Stadtteilladen Infomaterialien erhalten, Bücher tauschen, das WC nutzen oder sich bei einem Tee aufwärmen. Kernöffnungszeiten des Stadtteilladens ab März: • Montag 09–18 Uhr • Dienstag 09–13 Uhr • Mittwoch 10–13 Uhr • Donnerstag 15.30–17 Uhr • Freitag 09–13 Uhr Smartphone-Kurse für Seniorinnen und Senioren Ab März 2023 starten in den Seniorenfreizeitstätten des Bezirksamtes Spandau, Amt für Soziales, Smartphone-Kurse für Neulinge. Das Smartphone kann eine hilfreiche Begleitung für Seniorinnen und Senioren im Alltag sein. Dieser Kurs bietet dazu wertvolle Infor­ ma­tionen und Übungen an. Im Vordergrund steht das Kennenlernen wichtiger Grund­ein­ stellun­gen, das Nutzen einer Internetverbindung, Fotografieren, Fotos anschauen und ver­ senden, Videoanrufe, Apps und vieles mehr. 2 Eine Anmeldung ist zwingend erforderlich, da die Plätze begrenzt sind. Die Kursgebühr beträgt 65,– Euro für fünf Termine à 1,5 Stunden. In kleinen Gruppen und angenehmer Atmosphäre wird geduldig der Umgang mit den Geräten geschult. (u.a. Mieterberatung) im Stadtteilladen: siehe Seite 15 WILMA im Internet Alle bisher erschienenen Ausgaben der WILMA findet man auch im Internet mit sämtlichen Ausgaben als PDF unter: www.wilhelmstadtbewegt.de/was-bewegt-sich/wilma Die nächste WILMA ... ... erscheint voraussichtlich im Juni 2023. Impressum HER AUSGEBER IN Bezirksamt Spandau von Berlin, Abt. Bauen, Planen, Umwelt und Naturschutz; Stadtentwicklungsamt REDA K T ION Christof Schaffelder, Ulrike Steglich REDA K T IONS A DRE S SE »Wilma«, c/o Ulrike Steglich, Elisabethkirchstr. 21, 10115 Berlin, Tel.: (030) 283 31 27, mail: wilma@berliner-ecken.com FOTOREDA K T ION Tanja Schnitzler, fotografie@tanjaschnitzler.de ENT WURF UND GE S TA LTUNG Infos und Anmeldung: Timur Türemen (Kursleiter), Tel. 0160 - 926 49 736 oder Frau Förster, Tel. 90279 - 6112, andrea.foerster@ba-spandau.berlin.de. Kai Dieterich, www.morgen-berlin.com DRUCK BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH www.berliner-zeitungsdruck.de V. I . S .D.P. Thorsten Schatz Komische Oper erstmalig in der Wilhelmstadt Der »Operndolmuş«, das musikalische Sammeltaxi der Komischen Oper Berlin kommt in die Wilhelmstadt. In »Kleinbus-Besetzung« besucht die Komische Oper regelmäßig ungewöhnliche Spielorte. Am 24. März präsentiert sie auf Einladung von Sozial-kulturelle Netzwerke casa e.V. im Unter­geschoss der Weißenburger Straße 9–11 »Kesin Dönüş – Eine Sehnsucht«, eine Reise durch die Operngeschichte aus interkultureller Perspektive. Das rund 45-minütige Programm erkundet das Gefühl der Rast­ losigkeit, das nicht nur Gastarbeiterfamilien kennen, und wartet mit Stücken aus Opern von Beethoven und Offenbach, aber auch mit Neuinterpretationen von türkischen Volksliedern auf. Anschließend ist Zeit für Gespräche mit den Künstlerinnen und Künstlern. Diese bieten an, regelmäßig in die Wilhelmstadt zu kommen und gemeinsam mit Ihnen Kulturangebote zu entwickeln. Kommen Sie vorbei! Der Eintritt ist frei. Um Spenden (für die Wilhelmstädter LebensmittelAusgabestellen) wird gebeten. Gesucht werden noch drei Helferinnen bzw. Helfer, die beim Vorbereiten des Raumes mithelfen! Freitag, 24. März, 18:00 Uhr, in St. Wilhelm, Weißenburger Str. 9–11, Veranstaltungsraum – Kontakt: 0176 - 444 70 818 oder stadtteilkoordination-whs@casa-ev.de Kieztouren starten wieder Mit dem Frühling kommen auch die beliebten Kieztouren wieder – mit der professionellen Stadtführerin und Spandauerin Birgit A. Ohström geht es auf Entdeckungstour durch die Wilhelmstadt. Das Besondere an diesem Format: In Kooperation mit einigen Gewerbetreibenden wird auf den Spaziergängen Station bei ansässigen Läden gemacht, die sich und ihr Geschäft vorstellen und kleine Überraschungen bieten. Tour 1 findet am Samstag, dem 29. April von 10 Uhr bis 12.30 Uhr statt. Unter dem Motto »Fit in die Wilhelmstadt“ wird mit einem kurzen Aufwärmprogramm bei Vip‘n‘ Fit gestartet, um anschließend entlang des Südparks durch die Vegetation zu streifen und Sportler, Kunst und Botaniker zu treffen. Da der Genuss nicht zu kurz kommen soll, endet der Spaziergang beim Weinladen Trump, der die Besucherinnen und Besucher mit einem leckeren Tröpfchen beschwingt in den Tag entlässt. Tour 2 am Freitag, dem 5. Mai startet um 16 Uhr im Schuhhaus Hartmann mit einer spannenden Werkstadtführung. Danach führt die Reise tief in den Wilhelmstädter Ursumpf: Es geht um Slawen, Madonnen und die Eiszeit, die auch in der Wilhelmstadt ihre Spuren hinterlassen hat. Zum Abschluss gibt es einen leckeren Happen Hausmannskost in der Feld­ küche, der Spaziergang endet gegen 18.30 Uhr. us Wer teilnehmen möchte, muss sich vorher anmelden: Informa­ tionen gibt es über die Website www.wilhelmstadt-bietet.de 3 Wahllokal Spandau 318 – Hort der Christoph-Földerich-Grundschule, Mensa 306 SPD CDU GRÜNE DIE LINKE AfD FDP Die PARTEI Tierschutzpartei 326 310 311 318 501 Wahllokal Spandau 314 – Ev. MelanchthonKirchengemeinde, Gemeindesaal (1. Etage) 321 SPD CDU GRÜNE DIE LINKE AfD FDP Die PARTEI Tierschutzpartei 322 Die Wilhelmstadt hat gewählt Wiederholungswahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen am Sonntag, dem 12. Februar in einzelnen Wahllokalen im Sanierungsgebiet Wilhelmstadt / Ergebnistabellen (Gewinne/Verluste im Vergleich zur für ungültig erklärten Wahl 2021) Quelle: Landeswahlleiter Berlin Wahllokal Spandau 306 Kita Am Bullengraben, Raum 13 22,8 % 43,1 % 11,8 % 5,3 % 7,3 % 1,2 % 2,4 % 4,9 % -3,9 17,1 -2,1 -1,1 -1,3 -3,7 -0,2 -1,9 4 18,6 % 26,7 % 13,1 % 7,2 % 18,6 % 4,7 % 3,1 % 4,7 % -0,9 8,8 -0,4 -4,4 2,8 -2,7 -1,8 1,9 26,1 % 29,6 % 7,5 % 6,8 % 14,9 % 4,0 % 2,8 % 5,8 % -0,9 13,9 -6,8 -1,6 0,0 -5,4 1,0 0,7 Wahllokal Spandau 326 – Bertolt-BrechtOberschule, Raum 1.O.04 Wahllokal Spandau 321 – Freie Georgschule Berlin-Spandau, Großer Hortraum (Etage 1) SPD CDU GRÜNE DIE LINKE AfD FDP Die PARTEI Tierschutzpartei SPD CDU GRÜNE DIE LINKE AfD FDP Die PARTEI Tierschutzpartei 27,6 % 39,2 % 4,9 % 3,4 % 11,9 % 2,2 % 3,0 % 4,9 % -5,5 15,4 -3,2 -2,0 -0,1 -3,9 1,4 -2,4 Wahllokal Spandau 311 – Bertolt-BrechtOberschule, Aula Wahllokal Spandau 310 Schule am Gartenfeld, Raum 0.21 SPD CDU GRÜNE DIE LINKE AfD FDP Die PARTEI Tierschutzpartei -1,4 11,5 -1,4 2,0 -1,0 -6,0 1,9 -2,9 314 316 SPD CDU GRÜNE DIE LINKE AfD FDP Die PARTEI Tierschutzpartei 25,2 % 31,6 % 12,8 % 10,3 % 9,7 % 1,8 % 3,6 % 2,7 % 22,2 % 32,4 % 13,3 % 6,8 % 12,3 % 2,5 % 1,2 % 6,2 % -5,9 14,1 -0,1 0,2 -1,0 -1,3 -2,7 -1,8 Wahllokal Spandau 322 – Freie Georgschule Berlin-Spandau, Werkraum (Untergeschoss) SPD 24,1 % -2,9 SPD CDU 27,3 % 10,6 CDU GRÜNE 16,4 % -4,3 GRÜNE DIE LINKE 8,7 % -0,0 DIE LINKE AfD 8,4 % -1,9 AfD FDP 5,2 % -0,5 FDP Die PARTEI 3,0 % -0,2 Die PARTEI Tierschutzpartei 5,7 % 0,4 Tierschutzpartei 18,3 % 36,2 % 11,1 % 6,8 % 12,1 % 4,3 % 3,4 % 6,2 % -16,0 18,6 3,0 -1,6 -6,1 -0,3 0,9 0,3 Wahllokal Spandau 316 – Bertolt-BrechtOberschule, Mensa Wahllokal Spandau 501 – Beratungsstelle (rechter Eingang), Eingangsbereich SPD CDU GRÜNE DIE LINKE AfD FDP Die PARTEI Tierschutzpartei SPD CDU GRÜNE DIE LINKE AfD FDP Die PARTEI Tierschutzpartei 18,3 % 29,3 % 11,0 % 6,8 % 16,8 % 4,3 % 1,8 % 8,0 % -6,7 9,5 -3,1 -2,4 5,7 -4,1 -0,2 0,8 20,8 % 37,5 % 10,4 % 6,3 % 13,2 % 3,8 % 1,6 % 4,7 % -3,3 16,4 -2,8 -1,9 -3,2 -4,2 -0,0 -0,3 Theaterschiff ankert wieder ihrer Zeitgenossen zurück nach Deutschland und auch ihr Spätwerk aus den 40er- bis 70er-Jahren zu Gehör. Eine Zeit­ reise voller Überraschungen, Geheimtipps, Ohrwürmern und ein wahres Fest für die Liebhaber der gehobenen und verjazzten Tanz-Musik. Am 18. März folgt ein Kurt-Weill-Abend und am 24. März wird das Programm »Schön war die Fremde, doch Ersatz. Mein Heimweh hieß Savignyplatz« mit Texten der Lyrikerin Mascha Kaléko und musikalischer Begleitung präsentiert. us Eine gute Nachricht für alle Kultur-Hungrigen: Das jüdische Thea­terschiff »MS Goldberg« wird – nach Stationen am Schiffbauerdamm in Berlin-Mitte und in Dessau – Mitte März wieder in Spandau anlegen. Spielort: MS Goldberg, Anlegestelle Dischingerbrücke / Sedanstraße, Veranstaltungen jeweils von 19.30 bis 21.30 Uhr, Karten gibt’s unter www.ticketmaster.de und an der Abendkasse So steht beispielsweise am 16. März das Programm »Mir ist heut so nach Tamerlan – eine kleine Tucholsky-Revue« auf dem Spielplan. Kurt Tucholsky – Autor, Journalist, Satiriker und einer der bekanntesten und beliebtesten Vertreter der jüdischen Intellektuellen vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten – war Chronist seiner Zeit und Gesellschaft, sein Humor gleichermaßen einfühlsam und volkstümlich. Scharfe Kritik an den politischen Verhältnissen und beißen­ de Ironie wechseln sich seinem Werk ab mit leichten Liebesgeschichten und satirischen Alltagsbeobachtungen. Tuchol­ sky gehörte zu jenen Autoren, dessen Werke am 10. Mai 1933 öffentlich verbrannt wurden, ihm wurde von den Nazis die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Für die MS Goldberg haben Julie Wolff (Gesang), Judith Kessler (Sprecherin) und Max Doehlemann (Klavier) eine kleine Revue konzipiert, die mit großer Heiterkeit, aber auch mit Wehmut an diesen großen deutschen Dichter erinnert. Am 17. März spielt dann The Oskar Strock & Eddie Rosner Orchestra »Von Swing bis Tango« auf. Oskar Strock (*1893 Lettland) und Eddie Rosner (*1910 Berlin) gehören zu den wichtigsten Mitbegründern der Swing- und Tango-Traditionen von Ost-Europa bis nach Japan und Finnland. Trotzdem haben diktatorische Regime es beinahe geschafft, die Namen dieser beiden jüdischen Ausnahmetalente aus dem kulturellen Gedächtnis zu löschen. Das »The Oskar Strock & Eddie Rosner Orchestra« bringt ihre Ballroom-Musik samt Werken Spandauer Laternen werden zu Tankstellen für Elektroautos Bis Ende des Jahres werden mindestens 50 Spandauer Straßen­ laternen mit Ladeeinrichtungen für Elektroautos aufgerüstet. Auf Initiative von Bezirksstadtrat Thorsten Schatz steigt der Bezirk in das Pilotprojekt »EIMobileBerlin« ein. Die Ladepunkte an Laternen bieten insbesondere jenen Anwohnerinnen und Anwohnern, die keinen eigenen gesicherten Zugang zu privaten Parkplätzen mit Ladeeinrichtungen haben, die Möglichkeit, ihre Elektroautos aufzuladen. Mit »ElMobileBerlin« wird untersucht, inwiefern eine Infrastruktur mittels Laternen im öffentlichen Raum dazu beitragen kann, die Attraktivität von Elektromobilität durch möglichst einfach zugängliche Ladegelegenheiten zu steigern. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klima­ schutz leitet in dem Projekt den Aufbau der Ladepunkte im öffentlichen Raum. VHS-Weiterbildungskurs für Klimaschutz »Klimawandel vor der Haustür! Was kann ich tun?« lautet das Motto des Weiterbildungskurses »klimafit«. Der Kurs startet ab dem 9. März 2023 an der Harri-Reinert-Volkshochschule Spandau und wurde vom WWF Deutschland und dem Helmholtz-Verbund Regionale Klimaänderungen und Mensch (REKLIM) für interessierte Bürgerinnen und Bürger entwickelt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldungen sind über die Website der Berliner Volkshochschulen möglich. Die globale Klimakrise wirkt sich regional unterschiedlich aus. Welche Folgen hat das für Spandau und wie können alle dazu beitragen, das Klima zu schützen? Eine fundierte Fortbildung für interessierte Bürgerinnen und Bürger bietet der klimafit-Kurs: An sechs Abenden zwischen März und Juni jeweils von 18.00 bis 21.00 Uhr erfahren die Teilnehmenden mehr über die Ursachen und Folgen des Klimawandels und die Auswirkungen vor der eigenen Haustür. Dabei lernen sie mehr über die Berliner und Spandauer Klimaschutzaktivitäten und über Möglichkeiten und Wege, sich gemeinsam mit engagierten Mitbürgerinnen und Mitbürgern für den Klimaschutz einzusetzen. Unter anderem bekommen sie die Gelegenheit, mit Klimaforscherinnen und Forschern in den Dialog zu gehen und verschiedene Initiativen vor Ort kennenzulernen. Weitere Informationen zum Kursformat finden Sie unter www.klimafit-kurs.de/kurs-finden. 5 Fortschritte beim Umbau der Pichelsdorfer Straße Metzer Dom, Pferdemarkt und »Pichel & Franz« Fertigstellung des 2. Bauabschnitts bis Frühsommer möglich Anlässlich des »Tages der Städtebauförderung« eröffnet eine Ausstellung zur Geschichte der Pichelsdorfer Straße Die Umbauarbeiten in der Pichelsdorfer Straße gehen auch im Winter weiter, wenngleich witterungsbedingt derzeit eher »mit angezogener Handbremse«. Da jedoch eine mögliche Winterpause im Zeitplan bereits berücksichtigt wurde, ist die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts zwischen Metzer Platz und Weißenburger Straße wie geplant bis zum Frühsommer 2023 nach wie vor erreichbar. Baumfällungen und Neupflanzungen: Auch im südlichen Teil der Pichelsdorfer Straße wurden geschädigte Bäume gefällt Bis Ende Februar mussten noch 31 zu fällende Bäume im 3. Bauabschnitt (Pichelsdorfer Straße südlich der Adamstraße bis ca. Grimnitzseeweg) herausgenommen werden. Denn von März bis Oktober dürfen keine Baumfällungen wegen der Brut- und Nistzeiten vorgenommen werden. Um sicherzustellen, dass wirklich nur überalterte bzw. dauerhaft geschädigte Bäume gefällt werden, fand zuvor im Januar eine weitere Begehung mit einem Baumgutachter und dem Grünflächenamt statt, die die Aus­ sagen des Monitorings nochmals überprüften. Im Frühjahr sind weitere Neuanpflanzungen geplant: Dabei handelt es sich um zwölf zusätzliche Bäume in der nördlichen Pichelsdorfer Straße sowie an der Wilhelmstraße. Zudem können im Frühjahr möglicherweise auch schon im zweiten Bauabschnitt neue Bäume gepflanzt werden. Im eng bebauten Bereich der Pichelsdorfer Straße kommen Jungbäume der heimischen Art Spitzahorn, Sorte »Cleveland«, zum Einsatz. Der Spitzahorn ist klimaresistent, für einen städtischen Standort geeignet und weist eine schöne Herbstlaubfärbung auf. 6 TA N JA SCHN I T Z LER Hätten Bund, Länder und EU nicht diverse Förderprogramme aufgelegt, blieben viele Investitionen zur Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur nur Träume: beispielsweise Kitaund Schulsanierungen, die Erneuerung von Straßen und Gehwegen ebenso wie von Spielplätzen, Grünflächen und Parks, die Unterstützung von Geschäftsstraßen oder sozialer Projekte. Auch die Wilhelmstadt profitiert davon, 2011 wurde sie ins Förderprogramm »Aktive Zentren Berlin« (heute: »Lebendige Zentren und Quartiere«) aufgenommen. Der »Tag der Städtebauförderung« ist eine gemeinsame Initiative von Bund, aufgelöst und die Fahrbahn wieder freige­geben werden, auch der M36 kann wieder ohne Umleitung über die Pichelsdorfer fahren. Der dritte Bauabschnitt der Pichelsdorfer Straße südlich der Adamstraße umfasst dann nicht mehr den ganzen Straßenzug, sondern nur noch einzelne Baustellen zwischen Adam­ straße und Grimnitzseeweg und wird voraussichtlich zwischen Mitte 2023 und Frühjahr 2024 realisiert. us Pichel & Franz Die GASAG konnte die Sanierung der Gasleitungen in diesem Bauabschnitt Ende Januar abschließen. Derzeit arbeiten die Berliner Wasserbetriebe (BWB) an der Erneuerung der Wasserleitungen. Doch wegen des immer wieder frostigen Wetters konnten die BWB bzw. EUROVIA zuletzt nur die Erneuerung der Mischwasserleitung unter der Fahrbahn vorantreiben. Die Trinkwasserleitungen müssen noch warten, denn hier muss das Trinkwasser während der Umbauzeit abschnittweise oberirdisch geführt werden. Das kann erst erfolgen, wenn zuverlässig Frostfreiheit prognostiziert werden kann. Nach den Wasserleitungen müssen noch die Datenkabel verlegt werden, die im Gehweg über dem Trinkwasser liegen. Die Erneuerung der Oberflächen beginnt erst, wenn die unter­ irdischen Arbeiten abgeschlossen sind. Dabei werden zunächst die Bordfluchten entlang des Metzer Platzes eingebaut und die Gehwegoberflächen an dieser Stelle hergestellt. Gleichzeitig werden die Baumscheiben vorbereitet. Danach erfolgt die Asphaltierung der Fahrbahn entweder in einem Arbeitsgang oder in zwei Teilabschnitten. Geht alles nach Plan, stünde einer Fertigstellung des 2. Bauabschnitts im Juni 2023 nichts mehr im Weg. Dann kann die Vollsperrung Seit einigen Jahren wird bundesweit jeweils am zweiten Samstag im Mai der »Tag der Städtebauförderung« begangen. Der Hintergrund: Ohne Städtebaufördermittel ginge in vielen Kommunen und Gemeinden angesichts der knappen regulären Etats eigentlich nur das Allernotwendigste. Die Planungsunterlagen können auch im Internet auf der Website www.wilhelmstadt-bewegt.de unter »Baustellenticker Pichels­dorfer Straße« eingesehen werden. Die Einmündung der Franzstraße in die Pichelsdorfer Straße fällt zunächst nicht sonderlich auf, könnte aber so manche Geschichte erzählen. Die Franzstraße war eine der ersten asphaltierten Straßen und damit der Ort für die Kinder aus der Umgebung zum Rollschuhlaufen und Rollerfahren. Mit dem Haus zur Linken sind viele Geschichten verbunden. Eine handelt von der früheren Wasserpumpe im Hof. War sie zuerst nur Quell zur Erfrischung, wurde sie in Kriegszeiten zur wichtigen Versorgungsstation für die ganze Nachbarschaft und ist dann sogar zum Retter des Hauses geworden. Im April 1945 wurde das Haus von Brandbomben getroffen und der Dachstuhl brannte lichterloh. Der Hauswart organisierte eine Löschkette mit den Bewohnern von der Pumpe im Hof bis in den dritten Stock, um den Brand der obersten Wohnung zu löschen. Erst nach Stunden war der Brand besiegt und die erschöpfte Bewohnerschaft traf sich zum Abkühlen an der rettenden Pumpe. In den 1970-er Jahren ist sie verschwunden, aber heute steht wieder eine Schwengelpumpe im Hof zur Erinnerung an die Geschichte des Hauses. Götelstraße: Baumaßnahme soll bis 2024 abgeschlossen werden Die Leitungsarbeiten in der Götelstraße hatten sich in den letzten Monaten komplizierter gestaltet als erwartet. Nun sind die Ber­ liner Wasserbetriebe und das Straßen- und Grünflächenamt des Bezirks (SGA) in enger Abstimmung über den weiteren Verlauf der Baumaßnahme. Damit es zügig vorangeht, wollen die beiden Akteure einzelne Baustellenabschnitte regelmäßig parallel bearbeiten. Dabei wird es auch zu vereinzelten Sperrungen von Straßenabschnitten kommen. Sobald hierfür konkrete Daten feststehen, werden die Anwohnerinnen und Anwohner darüber genauer informiert. Die Berliner Wasserbetriebe rechnen damit, nun bis Ende des Jahres ihre Arbeiten in der Götelstraße fertigzustellen. Anschließend kann das Bezirksamt bauen. Die Arbeiten sollen dann im Jahr 2024 abgeschlossen sein. Die Grünfläche zwischen Haupt- und Nebenfahrbahn wird zum Winter 2023 fertiggestellt. Im Zuge des Umbaus werden auch neue Bäume gepflanzt sowie zwei Stellplätze mit Ladesäulen für Elektroautos ausgestattet. 2 1 Kloster- Ecke Diedenhofener Straße, rechts im Bild die Bauholzhandlung Helm Foto: Frau Schories, 1935 3 4 2 Metzer Platz, Jäger- und Metzer Straße verliefen noch über den Platz. Das damalige Toilettenhaus war gelb gekachelt. Foto: Herr Lewien, 1990er Jahre 3 Pichelsdorfer- Ecke Wilhelmstraße, die Kneipe hatte früher einen Vorgarten, auf dessen Begrenzung die Kinder balancieren übten. Das Haus war vor dem Krieg an den beiden Ecken mit einem Türmchen bekrönt. Foto: Herr Lewien, 1990er Jahre BRANDHERD 4 Pichelsdorfer Straße 79–81, bevor 1963 das Gemeindehaus der MelanchthonGemeinde gebaut wurde, stand hier lediglich ein Häuschen für den Hauswart. Foto: Herr Lewien, 1990er Jahre 6 8 5 Pichelsdorfer Straße 69–71, unerklärlich ist der Höhenversatz am linken Rand des Hauses Nr. 71. Foto: Herr Lewien, 1990er Jahre Gemeinsam durchlebte Zeiten verbinden. Die Hausgemeinschaft hat so einiges auf die Beine gestellt. Vielen in Erinnerung sind die von der „Pichel & Franz“ organisierten Flohmärkte sowie die Aktion mit einer Gulaschkanone, bei der am Ende die halbe Taxi-Zunft verköstigt worden ist. Gegenüber in der Franzstraße, wo heute ein Wohnhaus steht, war bis 1986 der Kohlenhandel Paul Sumpf. Hier gab es aber nicht nur Kohlen, hier wurden auch Pferde und Schweine gehalten. Jürgen, der Sohn des Hausmeisters von gegenüber, und Peter vom Kohlenplatz zogen als Jungens gemeinsam mit dem Pferdewagen und dem Ruf „Brennholz für Kartoffelschalen“ durch die Straßen. Im Tausch gegen Küchenabfälle als Futter für die Schweine gab es in kleine Scheite gespaltenes Holz zum Ofen anfeuern. Ländern, Deutschem Städtetag sowie Deutschem Städteund Gemeindebund, bundesweit werden dabei auf zahlrei­ chen Veranstaltungen viele konkrete Maßnahmen und Erfolge der Förderung öffentlich vorgestellt: mit Ausstellun­ gen, Führungen, Festen und anderen Veranstaltungen. Hier können sich Bürger informieren, welche Projekte zur Verbesserung der städtischen Infrastruktur mit Städtebaufördermitteln ermöglicht werden. In diesem Jahr findet der Aktionstag am 13. Mai statt, und in ganz Berlin wird es in den Fördergebieten wieder ein äußerst vielfältiges Programm dazu geben. Auch in der Wilhelmstadt hat man sich Gedanken gemacht, worauf der Fokus in diesem Jahr gerichtet werden soll. Natürlich ist die aktuelle Neugestaltung der Pichelsdorfer Straße ein zentrales Vorhaben, und der zweite Bauabschnitt soll ja auch möglichst in diesem Frühsommer fertiggestellt werden – doch ob das schon am 13. Mai der Fall sein wird, kann derzeit niemand voraussagen. Da passt es ganz gut, dass die AG »Wilhelmstädter Geschichte + Geschichten«, der bekanntlich schon mehrere Ausstellungen und Broschüren zur jüngeren Historie des Gebiets zu verdanken sind, eine weitere Ausstellung erarbeitet hat: nämlich zur Geschichte der Pichelsdorfer Straße – und da gibt es wahrlich viel zu erzählen. Insgesamt 13 Schautafeln mit Texten und Fotos wurden dazu erarbeitet, die thematisch geordnet sind: So wird es etwa jeweils eine Tafel zum früheren Pferdemarkt an der Pichelsdorfer Straße geben (wissen Sie, wo der sich früher in etwa befand?), zum früheren Straßenbahnhof oder zu den »fiskalischen Häusern«. Auch der berühmte »Metzer Dom« wird gewürdigt, ebenso wie andere »besondere Orte« – beispielsweise die Fachwerkhäuser, die es noch heute in der Straße gibt. Natürlich geht es auch ausführlich um die Gewerbelandschaft in der Pichelsdorfer, die ja eine klassische Geschäftsstraße mit Versorgungsfunktion ist, nur dass es eben früher andere Läden waren als heute. Dennoch gibt es immer noch inhabergeführte Geschäfte, auch solche mit Tradition. Erzählt wird in der Ausstellung auch, wie die Pichelsdorfer Straße in ihrer beachtlichen Länge überhaupt entstanden ist, welche Geschichte die markanten Bauten zwischen Weverund Jordanstraße haben und was es mit der Keramiksäule am Ende der Pichelsdorfer, kurz vor der Heerstraße, auf sich hatte. Und wissen Sie, worum es geht, wenn von »Pichel & Franz« die Rede ist? Kurzum: Es wird viel zu entdecken geben, und natürlich wird die Ausstellung nicht nur am Samstag, dem 13. Mai zu sehen sein. Doch an diesem Tag wird sie feierlich im Stadtteilladen Adamstraße 39 eröffnet – es lohnt sich also, sich diesen Tag schon mal im Kalender anzukreuzen. Die genaue Uhrzeit der Eröffnung wir noch bekanntgegeben (z.B. über die Website www.wilhelmstadt-bewegt.de, aber auch über einen Aushang im Fenster des Stadtteilladens), ebenso wie die Laufzeit der Ausstellung. Am Tag der Ausstellungseröffnung gibt es natürlich auch Gelegenheit, mit jenen ins Gespräch zu kommen, die dafür recherchiert und fleißig Material zusammengetragen haben, nämlich mit den Mitgliedern der AG »Wilhelmstädter Geschichte + Geschichten« und dem Initiator Andreas Wilke. Und vielleicht findet sich ja der eine oder andere Ausstellungsbesucher, der Lust verspürt, sich der AG anzuschließen … us Das berlinweite Programm zum »Tag der Städtebauförderung« am 13. Mai wird rechtzeitig von der Senatsverwaltung für Stadt­ entwicklung, Bauen und Wohnen veröffentlicht. Weitere Infos unter https://tag-der-staedtebaufoerderung.berlin.de. 7 8 TA N JA SCHN I T Z LER (9) Impressionen aus der Wilhelmstadt 9 TA N JA SCHN I T Z LER »Man spürt so ein Gemeinschaftsgefühl« Ein Gespräch mit Emine Başaran, Mitarbeiterin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, über ihre Arbeit in der Wilhelmstadt Frau Başaran, seit 2019 sind Sie seitens des Senats für das Fördergebiet Spandau-Wilhelmstadt zuständig. Können Sie zunächst etwas über Ihren Werdegang erzählen? Gern. Ich habe an der Technischen Universität Berlin Stadtplanung studiert. Von 2000 bis 2015 war ich dann Quartiersmanagerin in Kreuzberg, ich habe das QuartiersmanagementGebiet Wrangelkiez von seinem Start im Jahr 2000 bis zum Ende der Förderung begleitet. Das war eine sehr wertvolle Berufserfahrung für mich. Als ich diese Tätigkeit begann, war das Quartiersmanagement als Instrument der sozialen Stadtentwicklung in Berlin auch noch ganz neu, der Wrangelkiez gehörte zu den ersten QM-Gebieten in Berlin. Danach habe ich bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung angefangen. Meine ersten Einsatzgebiet waren u.a. die Sanierungsgebiete Rathausblock und Südliche Friedrichstadt in Kreuzberg, bevor ich 2019 für die Wilhelmstadt zuständig wurde. »Hier geht es vor allem um bauliche Projekte« Als Quartiersmanagerin waren Sie praktisch Auftragnehmerin der Senatsverwaltung. So gesehen, haben Sie jetzt die Seiten gewechselt. Schließlich ist der Senat der Fördergeber für Städtebaufördergebiete wie die Wilhelmstadt. Wie verändert sich da die Per­spektive? Zunächst war das eine große Umstellung: Man ist nicht mehr der »Macher vor Ort“ wie beim Quartiersmanagement, wo man ja sehr unmittelbar mit der Bevölkerung und den Projekten zu tun hat. Die Tätigkeit für den Fördergeber ist da eher abstrakter. Zudem stand beim Quartiersmanagement eher der soziale Aspekt im Mittelpunkt, während es bei Sanierungs- und Fördergebieten wie der Wilhelmstadt vor allem um bauliche Projekte geht. Als Gebietsbetreuerin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wirke ich bei der Umsetzung der Sanierungsziele für die Wilhelmstadt mit. Die Steuerungsrunde ist das zentrale Abstimmungsgremium auf Verwaltungsebene. Zudem stehe ich dem Bezirk mit meinem Fachwissen und meinen Erfahrungen aus anderen Fördergebieten zu Beteiligungsverfahren, Planungs- und Durchführungsprozessen beratend zur Verfügung. Die Senatsverwaltung stellt dem Bezirk die Fördermittel aus dem Programm »Lebendige Zentren und Quartiere« bereit. Neben den beiden Verwaltungen ist jedoch für das positive Gelingen in der Wilhelmstadt eine intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten wie z.B. Anwohner und interessierte Bürger, Grundstückseigentümer, Gewerbetreibende, Gebietsbeauftragter und das Geschäftsstraßenmanagement Voraussetzung. Als Sie Ihre Arbeit in der Wilhelmstadt begannen, war schon über die Hälfte des Förderzeitraums verstrichen. Sie sind also in einen bereits laufenden Prozess eingestiegen. War das schwierig? (Lacht) Schwierig war vor allem, dass kurz nach meinem Start die Pandemie losging – mit allen Einschränkungen, die das mit sich brachte. Die unmittelbaren Begegnungen waren dadurch stark reduziert, das war äußerst schade. Aber zunächst konnte ich ja noch direkte Eindrücke sammeln. Projekt: Neubau für den SJC Wildwuchs TA N JA SCHN I T Z LER Wie war denn Ihr erster Eindruck vom Quartier? 10 Ich erinnere mich, als ich das erste Mal durch die Wohnanlagen entlang der Betcke- und Götelstraße zur Jugendfreizeiteinrichtung »Wildwuchs“ lief. Da war alles so unglaublich grün und ruhig. Ich hätte mir gut vorstellen können, dort zu wohnen. Dann ging ich durch die Adamstraße und die Pichelsdorfer Straße und war beeindruckt von der Vielfalt kleinerer inhabergeführter Geschäfte – vom Erzgebirgsladen bis zum damals noch existierenden Schokoladen-Geschäft, von »Betty macht Druck« bis zur Weinhandlung. Man spürte auch so ein Gemeinschaftsgefühl im Kiez und unter den Gewerbetreibenden. Wenn man allein an jene denkt, die sich jedes Jahr am Wilhelmstadtfest beteiligen, wird dieses Gemeinschaftsgefühl sehr deutlich. Der Bezirk hat Ende letzten Jahres der mit dem Hochbau beauftragten Firma wegen diverser Mängel und auch aufgrund des unzureichenden Baufortschritts gekündigt. Dann muss eine neue Firma beauftragt werden, wobei natürlich wieder entsprechende Fristen bei der Ausschreibung und Neuvergabe zu berücksichtigen sind. All das kostet Zeit, und im ungünstigsten Fall steigen in dieser Zeit auch die Material- und Baukosten. Das betrifft dann nicht nur den Hochbau, sondern auch alle anderen nachfolgenden Gewerke – Fenster, Innenausbau etc. Was ist, wenn die Sporthalle bis zum Ablauf des Förderzeitraums nicht fertig wird? Davon gehe ich erstmal nicht aus. Ein Teil des Rohbaus steht ja schon. Wenn jetzt eine neue Firma zügig weiterbaut und auch sonst alles Weitere glatt geht, könnte die Sporthalle durchaus schon im nächsten Jahr, sicher aber im Jahr 2025 fertiggestellt werden. Projekt: Neue Sporthalle an der Földerich-Grundschule »Es könnte schneller vorangehen« Und wie beurteilten Sie die Situation in der Wilhelmstadt aus fachlicher Perspektive? Im Jahr 2019 war das Gebiet schon seit sieben Jahren im Städtebauförderprogramm »Lebendige Zentren und Quartiere«, hatte also bereits ca. die Hälfte des gesamten Förderzeitraums hinter sich. Und es waren ja eine Menge einzelner Projekte zur Förderung angemeldet. Als Vertreterin der Senatsverwaltung üben Sie im Grunde auch die Funktion eines Controllers aus, der über die Verwendung der Fördermittel innerhalb der dafür festgelegten Zeiträume wacht … Aus Sicht der Senatsverwaltung gestaltete sich hier der Prozess der Durchführung eher schleppend. Immerhin begannen im Sommer 2021 endlich die Arbeiten für ein zentrales Projekt, nämlich den Umbau und die Erneuerung der Pichelsdorfer Straße. Wir hoffen, dass in diesem Jahr mehrere bereits in Arbeit befindliche Maßnahmen endlich abgeschlossen werden können: Dazu gehören die Sanierung der Kita »Hoppetosse«, der Neubau für den SJC Wildwuchs, der schon ja schon etliche Verzögerungen erlebt hat, und der zweite Bauabschnitt der Pichelsdorfer Straße. Es könnte schneller vorangehen. Natürlich verstehe ich aber auch die Situation der Bezirke, die oft mit Personalmangel zu kämpfen haben. Das schlägt sich dann auch in den Bearbeitungszeiten nieder. Auch die Pandemie hat zu vielen Verzögerungen beigetragen – durch krankheitsbedingte Ausfälle von Arbeitskräften, Personalumverteilungen in den Fachverwaltungen oder auch Lieferschwierigkeiten. Doch jede Verzögerung verursacht wiederum Kostensteigerungen, die dann wieder aufgefangen werden müssen. Und der Fördermitteletat ist ja nicht unendlich. Zu den großen Vorhaben für das Gebiet Wilhelmstadt gehört auch der Neubau einer Sporthalle neben der Christoph-FölderichGrund­schule, die dann nicht nur dem Schulsport, sondern auch den Wilhelmstädter Vereinen zur Verfügung stehen soll. Auch hier gab es Verzögerungen … Wie sieht es mit der Realisierung der Neugestaltung des Metzer Platzes aus? Auch dafür gab es ja schon erste Pläne, die zumindest mit den Gewerbetreibenden dort diskutiert wurden … Auch der Metzer Platz gehört zu den Vorhaben, die gefördert werden sollen. Die Vorplanungen sind in der Konkretsierungsphase und werden der Öffentlichkeit sicherlich bald vorgestellt. Wenn die Pichelsdorfer Straße fertig ist, könnte gleich der Metzer Platz folgen. Auf jeden Fall soll es im Vorfeld noch eine öffentliche Informationsveranstaltung zum Metzer Platz geben. Und was ist mit der geplanten Durchwegung vom Metzer Platz zum Havelufer, die der Bezirk ja schon seit Jahren verfolgt? Die Umgestaltung des Metzer Platzes wäre schon ein weiterer Schritt in diese Richtung. Insgesamt ist die geplante Durchwegung mit der Klärung der Wegerechte ein sehr dickes Brett, das zu bohren ist. Es geht dort ja auch um Privatgrundstücke usw. Natürlich wäre es großartig, wenn dort weitere Fortschritte erzielt werden könnten. Das Havelufer ist eine große Qualität für die Wilhelmstadt, und da wäre ein kurzer und möglichst barrierefreier Weg zur Pichelsdorfer natürlich wünschenswert, gerade auch für die vielen älteren Menschen, die hier leben. Welche Maßnahmen in der Wilhelmstadt sind zukünftig aus Ihrer Sicht noch wichtig? Da ist auf jeden Fall das Havelufer. Es ist wichtiger Freizeitund Erholungsort für die Wilhelmstädter und ihre Besucher. Ziel ist es daher, sowohl eine durchgehenden Fuß- und Radweg zu schaffen und die Aufenthaltsorte mit Sitzgelegenheit und Freizeitmöglichkeiten zu erhöhen. Erste Abschnitte wie der Spielplatz am Ziegelhof oder die neugestaltete Hermann Oxford-Promenade sind fertig. Zudem wurde ein Bewegungsparcours im Bereich der Seniorenwohnanlage neu angelegt. Nun fehlen noch die Havelabschnitte zwischen Schulenburgbrücke und dem Tankerhafen sowie dem Havel-Alt­ arm.  Das Interview führte Ulrike Steglich. 11 Aktion »Brauchbar« ?????????? Der Verein WISTA WAT? lädt an jedem letzten Samstag im Monat auf dem Földerichplatz ein Viele mit nicht so dicken Einkommen kennen das Problem, und die Inflation hat es noch verschärft: Am Ende des Monats herrscht oft Ebbe im Portemonnaie, und man überlegt beim Einkauf sehr genau, was man noch in den Wagen legen kann. Auch deshalb hat der Wilhelmstädter Verein WISTA WAT? e.V. seine neue Aktion »Brauchbar« ganz bewusst auf das Monatsende gelegt. Seit dem Januar findet »Brauchbar« regelmäßig an jedem letzten Samstag im Monat auf dem Földerichplatz statt. Danke für die große Resonanz! Unter dem Motto »Retten statt Wegwerfen, tauschen statt kaufen« werden zwischen 9 und 12 Uhr Lebensmittel kostenlos abgegeben, die mit Hilfe von Foodsharing gerettet wurden, und gebrauchte, aber gut erhaltene Dinge des Alltags verschenkt oder auch getauscht: ob Elektrogeräte, Geschirr, Töpfe, Radios, Kinderspielzeug, Werkzeuge u.v.m. Ausdrücklich willkommen sind alle Wilhelmstädterinnen und Wilhelmstädter, egal welchen Einkommens, Alters oder welcher Herkunft. Hier spielt es keine Rolle, wie viel oder wenig jemand hat. Anders als bei der »Tafel« werden keine Bedürftigkeitsnachweise verlangt, niemand muss sich als Bittsteller oder sonst wie stigmatisiert fühlen. Aber warum sollte man es hinnehmen, dass immer noch Lebensmittel vernichtet werden, obwohl sie noch genießbar sind? Warum viel Geld für ein neues Gerät ausgeben, wenn ein gut erhaltenes oder repariertes genau denselben Zweck erfüllt? Dem Verein geht es wie bei vielen seiner Aktionen auch darum, sorgsamer mit Ressourcen umzugehen und sie wertzuschätzen. Und nicht zuletzt geht es auch darum, dass man sich auf dem Földerichplatz trifft, miteinander ins Gespräch kommt und einen guten Vormittag mit der Nachbarschaft genießt. Die nächsten »Brauchbar«-Aktionen finden am 25. März, 22. April und 27. Mai statt – jeweils von 9 bis 12 Uhr auf dem Földerichplatz. Außerdem soll es – nach dem großen Erfolg im letzten Jahr – weitere Sperrmülltage mit der BSR geben: der erste wird am 13. Mai auf dem Földerichplatz stattfinden. Von 9 bis 12 Uhr kann man hier den Sperrmüll, der sich zu Hause angesammelt hat, kostenlos von der BSR entsorgen lassen; einen Tauschmarkt, auf dem Brauchbares und gut Erhaltenes getauscht werden kann, gibt’s gleich dazu. Nicht zuletzt hat WISTA WAT? natürlich auch in diesem Jahr wieder Kultur auf dem Veranstaltungszettel: So heißt es zum Sommeranfang, also am Nachmittag und Abend des 21. Juni (an dem bekanntlich auch jedes Jahr die Fete de la Musique stattfindet) »Musik kann jeder« – aber dazu informieren wir sie dann in der nächsten Ausgabe der Wilma genauer. us Die Leserinnen und Leser geben der »Wilma« gute Noten In der letzten Ausgabe (wilma 6/22) baten wir Sie, für unsere kleine Leserumfrage einige Fragen zu beantworten. Von der Resonanz waren wir überwältigt. Danke für dieses eindrückliche Vertrauensvotum! 75 Jahre Musikschule Spandau Fördermittel für »Freiwilliges Engagement In Nachbarschaften (FEIN)« Ziel ist die Förderung des freiwilligen Engagements von Mitbürgerinnen und Mitbürgern bei der Aufwertung und Verbesserung der öffentlichen Infrastruktureinrichtungen in der Nachbarschaft. Hierzu zählen vornehmlich Renovierungen, Pflanzungen oder Maßnahmen für eine saubere Stadt bezogen auf Schulen und Horte, Kindertagesstätten, Begegnungs­ stätten und Nachbarschaftsheime, Seniorenfreizeiteinrichtungen, sonstige soziale Einrichtungen, Sport- und Grünanlagen sowie öffentliche oder öffentlich zugängliche Straßen und Plätze. Antragsberechtigt sind alle Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie gesellschaftliche Initiativen, die nicht gewinnorientiert arbeiten. Voraussetzung für die Förderung entsprechender Projekte durch das Bezirksamt Spandau ist, dass sich die Maßnahmen auf im Bezirk Spandau gelegene Einrichtungen beziehen, die außerhalb der für das Programm »Soziale Stadt« festgesetzten Gebiete liegen. Die jeweiligen Antragsteller müssen sich an den entsprechenden Vorhaben 12 durch eigene ehrenamtlich erbrachte Leistungen beteiligen, Auftragsvergaben an Dritte dürfen aus diesen Mitteln nicht finanziert werden. Pro Maßnahme können Sachkosten bis zu einem Höchstbetrag von 3.500 Euro beantragt werden. Die Mittel sind zweckgebunden. Die Anträge auf Bereitstellung von Ehrenamtsmitteln können bis zum 17. März formlos an das Bezirksamt Spandau von Berlin, Carl-Schurz-Straße 2/6, 13578 Berlin oder per E-Mail an d.frowitter@ba-spandau.berlin.de gerichtet werden. Ein Merkblatt mit näheren Informationen finden Sie unter https://www.berlin.de/ba-spandau/ueber-den-bezirk/artikel. 1211476.php Auskünfte zum Programm erhalten Sie unter der o.g. Anschrift, telefonisch unter (030) 90279-3325 oder per E-Mail unter benjamin.schneider@ba-spandau.berlin.de Die Musikschule Spandau feiert in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag. 1948 als Volksmusikschule gegründet, war die Nachfrage an praktischem Musikunterricht schon damals enorm groß. Heute nehmen mehr als 3000 Schülerinnen und Schüler an den Unterrichtsangeboten von über 120 Lehrkräften teil. Ob klein oder groß, ob Barock oder Pop, ob Junge, Mädchen oder divers, ob mit oder ohne Behinderung, ob Elementares Musizieren oder Studienvorbereitung – die Musikschule Spandau ist ein Ort für all diejenigen, die Lust haben, selbst und mit anderen gemeinsam zu musizieren, zu singen oder zu tanzen. Der Musikunterricht findet neben dem Hauptstandort in der Spandauer Altstadt überwiegend in Allgemeinbildenden Schulen statt. In fast allen Spandauer Ortsteilen ist die Musikschule mit Angeboten präsent. Das Jubiläumsjahr wird von einer Vielzahl an Konzerten und Veranstaltungen begleitet. Neben den regelmäßig stattfindenden Schülervorspielen im Theatersaal des »Alten Kant« sind der »Musikschulsalon« im März, das »Musikschulfest« im Juni, die »Lange Nacht der Musikschule« im Juli, die »Barock-Oper« im Oktober, das »Spandauer Gitarrenfest« im November und das »Nikolausmärchen« sowie die Kirchenkonzerte im Dezember ein Kulturangebot für alle interessierten Spandauer und darüber hinaus. Insgesamt 40 ausgefüllte Fragebögen gingen bei uns ein. Das ist in diesen bewegten Zeiten, in denen viele anderes im Kopf haben, für eine kleine Kiezzeitung in einem überschaubaren Gebiet sehr viel – vor allem, wenn man bedenkt, dass die Umfrage auch noch kurz vor Weihnachten gestartet wurde. Die meisten Fragebögen kamen per Post, nur sechs gingen im elektronischen Postfach ein. Das bestätigt unsere bisherige Erfahrung, dass die »Wilma«-Leserschaft lieber analog als digital liest und schreibt. Das Geschlechterverhältnis war dabei sehr ausgewogen, es schrieben fast genauso viele Frauen wie Männer. Altersmäßig überwiegen die höheren Semester – die älteste Teilnehmerin war 91 Jahre alt. Viele von ihnen wohnen schon lange im Kiez, also mehr als 25 Jahre, manche sogar ihr ganzes Leben lang. (Der eine oder die andere gaben auch an, früher hier gewohnt zu haben – das spricht für eine hohe Bindung an das Gebiet). Bis auf einen fühlten sich alle Einsenderinnen und Einsender durchweg »sehr gut« von der Wilma über das Geschehen im Kiez informiert, ähnlich hoch war die Zustimmung zur Gestaltung und zu den Fotos. Das sind traumhafte Bestnoten für unsere Arbeit – danke für so viel Zuspruch! Unsere Leserinnen und Leser interessieren sich vor allem für »Aktuelles aus dem Kiez«, das von fast allen angekreuzt wurde, als es um die Interessensgebiete ging. Auch das Baugeschehen und Verkehr wurden oft angekreuzt, insgesamt aber wurde jedes aufgeführte Thema mindestens von der Hälfte der Teilnehmer genannt, es scheint also gar kein Langweiler-Thema zu geben, auf das wir verzichten könnten. Und schließlich nutzten einige von Ihnen auch den Raum und gaben Anregungen zu Themen, die sie besonders interessieren – mehrfach wurden beispielsweise die Themen Verkehr und Klimaschutz genannt. Wir haben die Anmerkungen mit großem Interesse studiert und wollen die ein oder andere auch umsetzen. Manche schrieben aber auch einfach, dass sie die Zeitung rundum prima finden und sie so bleiben soll, wie sie ist. Das ist ein großer Vertrauensbeweis und Ansporn für uns, sie weiter gut zu informieren und auch zu unterhalten! Die Redaktion Die Überraschungspreise gehen per Post an: Ingrid Wassel, Stephan W. Block und Dr. Klaus Lehmann. 13 O-Ton Wilhelmstadt Dreisatz Helfen Der Bäcker hat’s heute eilig. Er will pünktlich den Laden zu machen, weil er noch raus nach Lübars will, Spenden packen für die Opfer des Erdbebens in der Türkei und in Syrien. Er telefoniert jetzt viel, auch in seinem Freundes-, Bekanntenund Kundenkreis gibt es etliche, die um Angehörige bangen oder schon wissen, dass sie nicht überlebt haben. Für einen Moment wird es still in der kleinen Bäckerei, jeder hier hat die Nachrichten verfolgt. Dass es auch im Kiez viele Nachbarn gibt, die um Familienangehörige oder Freunde dort trauern, macht die Welt plötzlich sehr klein. Oldies Herr T. ist in den Stadtteilladen gekommen. Er hatte zuvor telefonisch Kontakt aufgenommen, weil er sich für Histori­ sches, insbesondere für die Kiezgeschichte interessiert und ein paar brennende Fragen hat. Aber er hat auch viel zu erzählen: Denn er ist in der Wilhelmstadt geboren und aufgewachsen. Inzwischen ist er stolze 87 Jahre alt, aber das Gedächtnis funktioniert tadellos. So kann er sich noch gut daran erinnern, wie er als Kind mal in den Betonmischer geklettert ist, als der Bunker an der Földerichstraße gebaut wurde, also etwa 1943. Abgerissen wurde der Bau erst 1997. Herr T. ist übrigens mit dem Auto gekommen, ein Käfer, Baujahr 1967, erzählt er stolz. Uns klappt die Kinnlade runter. Der Wagen ist übrigens tadellos in Schuss. Schließlich ist Herr T. Autoschlosser. Die Arbeiten am Sportplatz Ziegelhof konnten nun abgeschlossen werden. Dabei ist das Ergebnis umfassender als anfangs geplant. Die ursprünglich geplante Maßnahme umfasste lediglich die Herstellung einer befestigten Wegfläche an der Stirnseite des Platzes, da der unbefestigte Untergrund vor allem bei Regen und Kälte kaum nutzbar war für Menschen mit Geheinschränkungen oder auch für Kinderwagen. Während der konkreten Bauplanung wurde jedoch festgelegt, dass die Wegeführung auch an beiden Längsseiten bis zur Hälfte des Platzes befestigt werden sollte. Schließlich wurde zugunsten der Sportstätte das Budget nochmals erhöht: Vollständig befestigt wurde nun auch die Wegeführung an beiden Längsseiten sowie der Stirnseite am Umkleidegebäude. Hinzu kamen vollständig neue Handläufe um das Spielfeld, zwei neue Spielerbänke, eine Befestigung der Feuerwehrzufahrt sowie eine Wiedergangbarmachung des großen Rolltors als Platzeingang. Damit wurde eine sichtbare Aufwertung des traditionsreichen Sportplatzes am Ziegelhof ermöglicht, finanziert mit knapp 146.000 Euro aus dem Sportanlagen-Sanierungsprogramm. Der vor Ort ansässige Verein FC Spandau, aktueller Tabellenführer der Landesliga, kann sich nun über eine im wahrsten Sinne des Wortes »rund(um) erneuerte« Heimspielstätte freuen. Tauschbörse für Pflanzen und Sämereien Der Frühling ist in Sicht und damit die Pflanz- und Aussaat-Saison. Da kommt dieses Angebot gerade recht: Am Freitag, dem 24. März findet an der St. Wilhelm-Kirche (Weißenburger Straße 9–11) eine Sämereien- und Pflanzentauschbörse statt: von 15–18 Uhr. Und gleich danach kann man, wenn man mag, im Untergeschoss von St. Wilhelm das Programm der Komischen Oper Berlin sehen, die zum ersten Mal in der Wilhelmstadt Station macht (siehe S. 3). us 14 Adressen Prozesssteuerung und Sanierungsbeauftragter Koordinationsbüro für Stadtentwicklung und Projektmanagement (KoSP) Schwedter Straße 34A, 10435 Berlin www.kosp-berlin.de wilhelmstadt@kosp-berlin.de Sprechstunde: Mi 12–15 Uhr, Stadtteilladen Geschäftsstraßenmanagement Ulrike Stock / Torsten Wiemken, Tel. 030 - 30 12 46 97 bzw. 0178 - 352 38 01 gsm@ wilhelmstadt-bewegt.de Öffnungszeiten Büro Adamstraße 39 (Stadtteilladen) Di und Mi 10–13 Uhr die raumplaner / LOKATION:S Kaiser-Friedrich-Straße 90, 10585 Berlin www.die-raumplaner.de Fürsorge Stadtteilvertretung Wilhelmstadt Sprecher: Michael Henkel, Markus Ritter Öffentliche Sitzung: jeder 1. Mittwoch im Monat, 19 Uhr Stadtteilladen Adamstraße 39 www.stv-wilhelmstadt.de Bezirksstadtrat für Bauen, Planen, Umwelt- und Naturschutz Thorsten Schatz Bezirksamt Spandau von Berlin Carl-Schurz-Straße 2/6, 13597 Berlin Tel. 030 - 90 279 - 22 60 baustadtrat@ba-spandau.berlin.de Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadtplanung Carl-Schurz-Straße 2/6, 13597 Berlin Sprechzeiten: dienstags und freitags 9–12 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung Amtsleiter: Markus Schulte, Tel. 030 - 90 279 - 35 72 markus.schulte@ba-spandau.berlin.de Gruppenleitung Städtebauförderung: Nadine Deiwick, Tel. 030 - 90279 - 2526 nadine.deiwick@ba-spandau.berlin.de Förderprogramm »Lebendige Zentren Berlin«: Jörg Rinke, Tel. 030 - 90 279 - 3568 joerg.rinke@ba-spandau.berlin.de Katharina Lange, Tel. 030 - 90 279 - 2280 katharina.lange@ba-spandau.berlin.de Beratung im Stadtteilladen Adamstr. 39 Stadtteilkoordination und Stadtteilarbeit Wilhelmstadt Sozial-kulturelle Netzwerke casa e.V. Margit Beutler, Tel. 0176 - 444 70 818 stadtteilkoordination-whs@casa-ev.de Clarissa Bremer, Tel. 0176 - 467 55 448 stadtteilarbeit.wilhelmstadt@casa-ev.de Mo 11 - 16:00 Uhr sowie nach Vereinbarung Allgemeine Unabhängige Sozialberatung Immanuel Beratung, Tel. 030 331 30 21 beratung.spandau@immanuel.de Di 9–11 Uhr Kostenlose Mieterberatung Alternativer Mieter- und Verbraucher­ schutzbund, info@mieter-verbraucherschutz.berlin Fr 10:30–13:30 Uhr Offene Mieterberatung Milieuschutz Jeden 1., 3. und 5. Di, 15 -17:00 Uhr, sowie telefonisch: Tel. 030 - 443381 - 108 team-spandau@mieterberatungpb.de Sanierungsverfahren Spandau-Wilhelmstadt: Kerstin Schröder, Tel. 030 - 90 279 - 35 73 kerstin.schroeder@ba-spandau.berlin.de TA N JA SCHN I T Z LER Wir stehen vor der Pergola am Ziegelhof, die noch im Sommer blütenumrankt war, die Fotografin macht ein paar Bilder. Ein Mann beobachtet uns und fragt dann, ob wir vom Grünflächenamt seien. Nö, bloß von der Wilma, sagen wir. Er erzählt dann, dass er im letzten Jahr das Grünflächenamt auf den maroden Zustand der Holzkonstruktion aufmerksam gemacht habe. Das hat inzwischen die Sanierung der Pergola in Angriff genommen. Der Bogen oben wurde abgenommen (siehe Foto rechts), der Unterbau, so haben wir gehört, sei weniger stark geschädigt und könne vor Ort saniert werden. Der Mann guckt skeptisch. »Schaun Se mal, dit is doch ganz windschief«, sagt er. Stimmt. Wir schauen zu dritt noch eine Weile auf die Pergola. Und hoffen, dass sich bald wieder Grün drumherum rankt. TA N JA SCHN I T Z LER Wegebau am Sportplatz Ziegelhof beendet 15 Fast vergessen: 125 (oder mehr) Jahre Wilhelmstadt!? Jetzt noch pünktlich sein ist sowieso schon zu spät! Vielleicht kennen Sie das auch? So übers Jahr landen eine Menge an notierten Ideen, Tipps und Hinweisen vorerst in der »to-do-Ablage« und warten dort auf ihre Wiederentdeckung. Manche vergeblich, wie die meine: »22. März 1897, 100 Jahre Wilhelm I ergo 125 Jahre Wilhelmstadt 2022«. Zu spät, erst Anfang 2023 wieder gefunden. Aber zu verlockend der Gedanke, im Archiv des Stadthistorischen Museums etwas Erhellen­ des und Unterhaltsames zu finden über Feierlichkeiten und die Namensverleihung nach dem 1. deutschen Kaiser, der zu jener Zeit meist »Wilhelm der Große« genannt wurde (s. Abb Anzeiger für das Havelland 23.März 1897). Es wurde ja auch Zeit, denn trotz Verboten und Einschränkungen des Rayonregimes der Fes­ tungsstadt war es doch schon eine ansehnliche Kleinstadt geworden, ab 1893 sogar mit Kirche und Hospiz, seitdem die ersten zwei »Kolonisten« Seegemund und Kuhlmey in den 1780er Jahren ihre Bündnerhäuser »vor Pichelsdorpe«, gerade noch auf Spandauer Gemarkung am Pichelsdorfer Wege bezogen hatten. Zu jener Zeit des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts fand der müde und vom sandigen Weg eingestaubte Wanderer unterwegs zum Potsdamer Thor in den südlichen Festungsmauern um Spandow vor allem die 29 Häuser und Höfe der Kietzer Fischergemeinde auf Höhe der Götelwiesen. Davor und zwischen Pichelsdorfer Weg und der Hasenheide bzw. der nicht minder sandigen Potsdamer Chaussee (wie die heutige Klosterstraße und Wilhelm­ straße damals hochtrabend genannt wurde) 16 zahlreiche flache Hütten, Schuppen, Scheunen auf den landwirtschaftlichen Flächen der Spandauer Ackerbürger. Doch schon in den 1860er Jahren begann der Prozess der Konzentration der Ackerparzellen am Pichelsdorfer Wege in den Händen von Mühlenbesitzern, Gärtnereien und in »Inves­ torenhänden«, von denen manche auch die heutigen Straßennamen geprägt haben, wie Jordan, Franz (Bäthge) oder die Brüder Friedrich Ludwig und Ferdinand Reinicke, die mit ihrem Bau- und Zimmereigeschäft das Areal zwischen der heutigen Metzer Straße, Zimmerund Brüderstraße fest in Beschlag hatten und sicherlich auch gut »Geld gemacht« haben beim Wilhelmstädter Bauboom zur vorletzten Jahrhundertwende. Mit Generalleutnant Heinrich Rudolf Gustav Schmidt von Knobelsdorf in seinen Jahren als Garnisons- und Stadtkommandant im Spandau (1888–1893) wurden doch so manche Lockerungen der harten Regeln möglich, die im 2. Rayon, ca. von der Pichelsdorfer Ecke Wilhelmstraße bis zur Nordseite der Adam- und Betckestraße, eigentlich nur leicht entfernbare Holz- oder Fachwerkbauten erlaubten. So entstanden massive mehrstöckige »großstädtische« Bauwerke an der Wilhelmstraße gegenüber vom Exerzierplatz, am Metzer Platz und entlang der Pichelsdorfer bis zur Wilhelmstraße. Einzige Bedingung: Freie Sicht und ein 10 Meter breites, freies Schussfeld gen Süden durch die extra dafür freigehaltene Jägerstraße. Doch noch einmal gut 50 Jahre zurück zu der einen Straße, die – wohl weit und breit ein- malig – in ihrem linken und rechten Abschnitt unterschiedliche Namen trägt, zu Ehren ein und desselben Bäckermeisters, Stadtsyndikus und von 1883–85 sogar Bürgermeisters Span­ daus, Adam Johann Georg Betcke (1825–1912). Er war es, der zur Zeit der preußischen Hochrüstung rund um die drei blutigen »Einigungskriege« 1864–71 mit der Parzellierung und Vermarktung von rund 150 Morgen Kämmereiland begann, um Wohnungen zu schaffen für die rasant wachsende Zahl der Beschäftigten in den Spandauer Rüstungsbetrieben. Im dritten Rayon war zwar so gut wie alles an Bauwerken möglich, musste aber im Detail von der Stadtkommandantur abgesegnet werden. Wie schon das Sprichwort sagt: »So schnell schießen die Preußen nicht« und ihre Mühlen mahlen langsam. Daher konnten erst 1875 zwischen Beyer- und Weverstraße die »fiskali­ schen Häuser« mit ihren gelben Klinkersteinen errichtet werden und Platz bieten für die Arbeiter der Geschützgießerei und ihre Familien. Doch was hat das alles mit dem 100. Geburtstag von Wilhelm I. zu tun? Nun überall heißt es, dass mit dem Jubiläum am 22. März 1897 die Vorstadt zur Wilhelmstadt wurde. Doch in den Sonderausgaben jener drei »arbeitsfreien Feiertage« zum Lob des »großen Helden des Volkes«, in den Berichten von der offiziellen Spandauer Gedenkfeier im »Roten Adler« oder dem Fackel­ umzug der Krieger- und Militärvereine wie auch vom Festumzug der Radsportler findet sich nicht mal eine Randbemerkung zur Namensgebung »Wilhelmstadt«. Spannend nur, dass zwischen den schwülstigen Lobhudeleien ein leiser Protest zu entdecken war: Die Anzeige des Aufrufs zur Geldspende für das »Denkmal für die Märzgefallenen« auf dem Friedhof in Friedrichshain. Ein Seitenhieb auf den »Kartätschenprinz Wilhelm« der Revolution von 1848. Hätte ich nur rechtzeitig in die Studien des Berliner und Spandauer Historikers Arne Hengsbach (1910–93) oder in die Notizen und Skizzen des akribischen Sammlers Albert Ludewig wie auch in die Festschrift von 1927 zum 50. des noch für die Vorstadt gegründeten »Bezirksvereins Wilhelmstadt« geschaut: Der Name gilt laut den Quellen schon seit 1896, also dem 99. Geburtstag von Wilhelm. Thomas Streicher
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