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Periodical volume

Full text: Wilma Issue 2018,4

Wilhelmstädter Magazin Nr. 4, August / September 2018

Ta n ja Schn i t l zer

Ta n ja Schn i t z ler

Erscheint sechsmal im Jahr kostenlos und werbefrei, Herausgeber: Bezirksamt Spandau von Berlin, Stadtentwicklungsamt

Seite 3
Feste im August
Das Metzer Platz-Fest vom 3. bis 5. August
und das Wilhelmstadtfest am 19. August
laden zum Besuch ein!

Seite 6
Schiene für Spandau

Die Initiative PRO Spandauer Tram kämpft
gegen den Verkehrskollaps. Beim Busverkehr ist das Limit erreicht.

Seite 9
Traube auf Abriss
Das Gebäude steht nicht unter
Denkmalschutz. Eine Sanierung wäre
sehr aufwändig gewesen.

Sprechzeiten des Geschäftsstraßenmanagements: Di und Mi 10–13 Uhr
Sprechstunde des KoSP (Gebietsbeauftragte
für die Wilhelmstadt): Fr 9–14 Uhr
Öffentliche Sitzungen der Stadtteilvertretung:
jeden 1. Mittwoch im Monat, 19.15 Uhr
Stadtteilvertretung, AG Verkehr:
jeden 2. Mittwoch im Monat, 19–21 Uhr

Ta n ja Schn i t l zer

Beratungsangebote des Sozialteams im
Stadtteilladen: siehe S. 15

Bilderrätsel: Gewinner gesucht!
Wo wurde dieses Foto aufgenommen?
Wer weiß, welchen Ort in der Wilhelmstadt
das Bild zeigt, schickt die Lösung – bitte mit
genauer Absenderadresse! – an die Redaktion:
»Wilma«, c/o Ulrike Steglich, Elisabethkirchstr. 21, 10115 Berlin, oder per Mail an:
wilma@berliner-ecken.com,
Einsendeschluss ist Montag, der 3. September.
Unter den richtigen Einsendungen wird ausgelost, der Gewinner erhält einen 20-Euro-Büchergutschein für die Dorotheenstädtische
Buchhandlung. Unser letztes Bilderrätsel
zeigte den kleinen Zaun an der Ecke Jäger-/
Beyerstraße. Viele Leserinnen und Leser
­wussten das, auch Till Klune, der erst sechs
Jahre alt ist, aber trotzdem schon so prima
schreiben kann! Da kommt ein Büchergutschein für eine spannende Ferienlektüre gerade
richtig – herzlichen Glückwunsch und wir
wünschen Dir schöne Sommerferien! Der Preis
wird Dir per Post zugesandt.

Zum Titelbild

Einer unserer Leser bat uns darum, künftig
einen Hinweis darüber zu veröffentlichen, wo
unser Titelfoto entstanden ist – was wir natürlich gern tun! Der Titel dieser Ausgabe wurde
im Südpark aufgenommen.
Unser letztes Titelbild entstand in der Sportund Freizeitanlage im Südpark, es zeigte zwei
Mädchen beim Schachspiel.

2

Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der
jüngeren Geschichte der Wilhelmstadt, baut
derzeit ein Archiv auf und trifft sich jeden
zweiten Montag und jeden letzten Donnerstag
im Monat um 17 Uhr im Stadtteilladen.
LOGOS e.V.

Sprachkurse »Deutsch kommunikativ«
(Deutsch-Russisch):
Fr 17–19 Uhr, telefonische Anmeldung:
0176-56836058 oder 0179-3757818
Schachtraining (Anfänger, für Kinder ab
8 Jahren): donnerstags, 16.30 Uhr,
Anmeldung: Tel. 0162-2505565
SELAM

WILMA im Internet

Alle bisher erschienenen Ausgaben der WILMA
findet man auch im Internet mit sämtlichen
Ausgaben als PDF unter: www.wilhelmstadtbewegt.de/was-bewegt-sich/wilma

(Sozialarbeit für Kinder und Jugendliche)
Ansprechpartner: Mesut Göre,
Kontakt: Tel. 0176-34 93 90 44

... erscheint nach einer kurzen Sommerpause
Mitte September .

serungen. Diese sollten möglichst am frühen
Morgen oder nach Sonnenuntergang vorgenommen werden. Da die Erdkruste durch die
Trockenheit wasserabweisend wirkt, soll man
den Baum zunächst angießen und dann kurz
warten, bis etwas Feuchtigkeit eingezogen ist.
Dann nimmt der Boden den Rest des Wassers
besser auf, empfohlen werden mindestens 20
Liter pro Baum. Auf mit Split angelegten
Baumscheiben kann das Wasser direkt eindringen, so dass kein Angießen erforderlich ist.
Übrigens macht der Wassermangel auch der
Fauna zu schaffen: Vögel sind dankbar für jedes
Schälchen Wasser, das man für sie hingestellt!

Gleich drei Highlights warten im August auf die
Wilhelmstädter: Den Auftakt gibt das Metzer
Platz-Fest, das im letzten Jahr Premiere hatte
und wegen des großen Zuspruchs und der vielen
positiven Reaktionen nun fortgesetzt wird, in
diesem Jahr sogar an drei Tagen: am Wochenen-

de vom Freitag, 3. bis Sonntag, 5. August. Wenig
später, am 19. August, folgt dann das nächste
Highlight: das alljährliche Wilhelmstadtfest an
der Brüder-/Wilhelmstraße, das inzwischen
schon zur schönen Tradition geworden ist. Und
last but not least sollten Wilhelmstädter Interes-

sierte am 17. August unbedingt das Radio einschalten: Denn da sendet das zum rbb gehörende
»Radio Eins« vier Stunden lang aus dem Café
Barfly«: die Sendereihe »Die schöne Straße« ist
diesmal nämlich der Wilhelmstraße gewidmet.
Aber der Reihe nach:

Das Metzer Platz-Fest vom 3. bis 5. August
Es fand im letzten Sommer zum ersten Mal
statt, initiiert und maßgeblich organisiert
vom Lokal »Kö Reloaded« und seinem Inhaber, Alex Andrew. Er fand, dass sich der Metzer Platz geradezu anbietet, dort ein kleines
Fest für die Nachbarschaft zu veranstalten.
Dafür gewann er auch andere Gewerbetreibende der nahen Umgebung, wie den »Spandauer Weinladen« oder auch das Restaurant
»Croatia«, das Geschäftsstraßenmanagement Wilhelmstadt unterstützte das Vorhaben. Andrew hatte auch die Idee, am Sonntag um 10 Uhr einen Gottesdienst auf dem
Platz stattfinden zu lassen, der Pfarrer der

Melanchthon-Gemeinde Erko Sturm war sofort dabei. Das Fest wurde ein großer Erfolg:
Samstag und Sonntag trafen sich Wilhelmstädter – Familien, Junge und Ältere, Paare,
Freunde, zufällige Passanten – bei Kaffee
und Kuchen, Eis, Gegrilltem, Limo, Bier oder
Cocktails, hörten den Oldie-Bands auf der
Bühne zu oder tanzten spontan dazu auf
dem Platz, Kinder amüsierten sich bei Torwandschießen, auf der Hüpfburg oder ließen sich die Gesichter phantasievoll bemalen, und auch der Gottesdienst unter freiem
Himmel kam sehr gut an. Trotz allem damit
verbundenen Aufwand und aller Mühe will

Vier Stunden über die Wilhelmstraße am 17. August
Knapp zwei Wochen später gibt es dann das
nächste Highlight: der rbb-Radiosender »Radio Eins« sendet am Freitag, 17. August vier
Stunden lang live aus dem Café Barfly.
Von 13 bis 17 Uhr geht es in der beliebten Sendereihe »Die Schöne Straße« um die Wilhelmstraße: mit Live-Musik, Gästen und Interview-Partnern, Hörer-Aktionen und dem

»radioeins-Straßenengel« Michael Hölzen,
der als Reporter kleine und große Geheimnisse der Wilhelmstadt aufdecken soll, es
moderieren Max Spallek und Sonja Koppitz.
Wer nicht vor Ort sein kann, sollte an diesem
Tag die Frequenz 95,8 MHz am Radio einstellen!

das Kö gemeinsam mit den anderen Gewerbetreibenden auch 2018 an den Erfolg anknüpfen – diesmal an drei Tagen. So fangen
die Bands bereits am Freitag ab 16 Uhr an,
auf der Bühne zu spielen. Am Samstag geht
das Programm von 12 bis 22 Uhr, am Sonntag gibt es wieder um 10 Uhr einen öffentlichen Gottesdienst, zwischen 14.30 Uhr und
18 Uhr beschließt dann die Oldie-Band
»­Anno Rock« das Fest. Neben einem leckeren kulinarischen Angebot gibt es natürlich
auch wieder Attraktionen für Kinder. Unterstützt wird das Fest mit Mitteln aus dem Gebietsfonds des »Aktiven Zentrums«.

Bunt, vielfältig, lokal: Wilhelmstadtfest am 19. August

Die nächste WILMA ...

Bitte gießen!
Der Mai war viel zu trocken und sommerlich
heiß, ebenso der Juni. In Berlin und Brandenburg wurde die Waldbrandgefahr ausgerufen.
Doch auch das Stadtgrün leidet sichtlich: etliche Wiesen gleichen immer mehr einer Steppe,
Straßenbäume und Sträucher machen schlapp.
Deshalb bittet der Regierende Bürgermeister
die Bürger, die Grünflächenämter zu unterstützen und beim Wässern des Stadtgrüns zu
helfen. Während der anhaltenden Hitzeperiode
und Trockenheit benötigen insbesondere neu
angepflanzte Bäume und »Straßenbegleitgrün« – also Hecken, Büsche und andere Pflanzungen, dessen Wurzeln nicht bis zum Grundwasser reichen – dringend zusätzliche Bewäs-

AG »Geschichte und Geschichten«

Feiern im August

Ta n ja Schn i t z ler

Termine im Stadtteilladen Adamstraße 39

Impressum
Her ausgeber Bezirksamt Spandau von
Berlin, Abt. Bauen, Planen und Gesundheit;
Stadtentwicklungsamt
Reda k t ion Christof Schaffelder,
Ulrike Steglich
Reda k t ionsadre sse »Wilma«,
c/o Ulrike Steglich, Elisabethkirchstr. 21,
10115 Berlin, Tel.: (030) 283 31 27,
mail: wilma@berliner-ecken.com
Fotoreda k t ion Tanja Schnitzler,
fotografie@tanjaschnitzler.de
Entwurf und Ge sta ltung

Kai Dieterich, www.morgen-berlin.com
Satz: Andreas Koch
Druck BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH
www.berliner-zeitungsdruck.de
V. i . S .d.P. Ulrike Steglich / Für den Inhalt
der Zeitung zeichnet nicht der Herausgeber,
sondern die Redaktion verantwortlich.

Überaus bunt wird es wieder am Sonntag, 19.
August beim alljährlichen Wilhelmstadtfest,
wenn sich ab 11 Uhr zahlreiche Initiativen,
Vereine und lokale Gewerbetreibende an
Ständen präsentieren – diesmal sind es sogar noch mehr als im Vorjahr. Dabei trifft
man Vertrautes und alte Bekannte – wie die
Kirchgemeinden, die »Kreativmolkerei«, wie
den Weinladen, Clown Viktor, die »KaffeePolizei«, THW und Freiwillige Feuerwehr –
ebenso wie Neues: So sind beispielsweise
die jungen Wilhelmstädter Brauer von ÄNDE
mit ihrer Ingwerlimonade präsent, das soziale Nachbarschaftsprojekt BENN oder Ibrahim Alvaro Zongo und Katharina Korell, die
Selbstgenähtes aus westafrikanischen Stoffen anbieten. Natürlich sind auch die Sanierungsbeteiligten – Vertreter des Bezirksamts, Abt. Stadtentwicklung, das Büro
KoSP als Gebietsbetreuer, das Geschäftsstraßenmanagement Wilhelmstadt, die
Stadtteilvertretung – präsent, informieren
über das Geschehen im Sanierungsgebiet

und »Aktiven Zentrum« Wilhelmstadt und
stehen für Fragen zur Verfügung. Auch die
Arbeitsgruppe »Geschichte + Geschichten«
ist wieder dabei und zeigt Historisches aus
dem Gebiet.
Daneben gibt es vielfältige Attraktionen
und Mitmach-Aktionen für große und kleine Besucher: ein Retro-Kinderkarussell etwa,
Kinderschminken, Tape-Art, Getränkekistenund Baumklettern, Kicker und vieles mehr.
Und während die Stände gegen 17–18 Uhr
schließen, geht das bunte Musikprogramm
auf der Bühne abends noch weiter, ebenso
natürlich wie das breite kulinarische Angebot: von Eis, Kuchen und Waffeln über die
berühmten Pizzen von »Solo Pizza« und
Grillspezialitäten bis hin zu Cocktails an der
Barfly-/Plan B-Bar.
Viele Gelegenheiten also, um viel Spaß zu
haben. Organisiert wird das Fest von der
Planbar Gastronomie UG, das ist die Betreibergesellschaft von Barfly und Plan B mit
den Chefinnen Lucie Friede und Cornelia

»Conni« Ort, die schon in den letzten Jahren
mit unglaublichem Engagement das Fest
gemeinsam mit etlichen anderen Gewerbetreibenden und großer Unterstützung
durch das Geschäftsstraßenmanagement
Wilhelmstadt auf die Beine stellten. Teilweise finanziell gefördert wird es mit Mitteln
des Sanierungsgebiets »Spandau Wilhelmstadt«.
Man kann also davon ausgehen, dass auch
dieses Fest wieder ein großartiges Kiez-Erlebnis wird, sofern es nicht gerade durch
Wolkenbrüche geflutet wird.
us
3

Die Bürger sind gefragt!
Online mitdiskutieren über das Entwicklungskonzept für die Wilhelmstadt
Wie könnten Grün- und Freiflächen in der
Wilhelmstadt besser gestaltet oder ausgestattet werden? Welche Plätze und Orte
bräuchten dringend etwas Auffrischung
oder Veränderung? Wo fehlen beispielsweise
Bänke im Stadtraum? Welche baulichen
Maßnahmen könnten zu mehr Sicherheit im
Straßenverkehr beitragen? Brauchen wir
mehr Freizeitangebote? Schließlich macht
sich auch in der Wilhelmstadt das Bevölkerungswachstum bemerkbar, das prozentual
deutlich über dem Gesamtberliner Durchschnitt liegt. Was bedeutet das für Schulen,
Kitas, Erholungs- und Sportmöglichkeiten,
den öffentlichen Nahverkehr?
Zu diesen und weiteren Aspekten sind jetzt
die Anregungen, Anmerkungen, Ideen und
Wünsche der Bürger gefragt, die in die weitere Entwicklung des Gebiets einfließen sollen.
4

Seit 2011 ist die Wilhelmstadt Fördergebiet
im Bund-Länder-Förderprogramm »Aktive
Zentren Berlin«. Dadurch stehen hier besondere Fördermittel für die Aufwertung des öffentlichen Raumes und der Infrastruktur zur
Verfügung. Im »Integrierten Stadtentwicklungskonzept« (ISEK) werden Ziele, Handlungsfelder und Projekte für die Entwicklung der Wilhelmstadt in den nächsten Jahren beschrieben und festgelegt, in welche
Maßnahmen die Fördermittel fließen. Das
ISEK wurde zu Beginn des Erneuerungsprozesses erarbeitet, seitdem wurden kleinere
und große Maßnahmen bereits umgesetzt
oder sind in Arbeit. Nun soll es aktualisiert
und fortgeschrieben werden – und dabei
sind auch die Bürger gefragt. Das geschieht
u.a. bereits bei diversen öffentlichen Veranstaltungen, nun wurde auch ein

Online-Forum freigeschaltet, in dem die Wilhelmstädter ihr Meinungen einbringen können. Hier haben Sie die Möglichkeit mitzuteilen, wo »Ihnen der Schuh drückt« und was
sich im Fördergebiet verbessern sollte.
Sie finden das Online-Forum unter der WebAdresse: www.wilhelmstadt-bewegt.de.
Der Zugang ist einfach: Man muss sich nur
mit einem Nutzernamen und einer Mailadresse registrieren und sich ein Passwort geben. Voraussichtlich zum Jahreswechsel
wird es dann eine öffentliche Veranstaltung
zur Diskussion der Vorschläge geben.  us
Das Forum wird moderiert, um Spam zu vermeiden. Daher kann es bei der Veröffentlichung zu
zeitlichen Verzögerungen kommen. Bitte beachten Sie auch die Forumsregeln!

Künftiges Stadtquartier
auf der Postbrache

Das »Spandauer Ufer« erhält vorläufig die »Auszeichnungsstufe Gold«

Erste am Rechner entwickelte Visualisierungen
liegen jetzt vor: Bis zum Jahr 2022 wird auf dem
seit Jahrzehnten brachliegenden Grundstück des
ehemaligen Haupt­postamtes ein neues hochverdichtetes Stadtquartier entstehen, das in vieler
Hinsicht Akzente setzt: Es orientiert sich an seinem Spandauer Umfeld, nimmt unterschiedliche
Funktionen auf und verspricht eine gewisse Lebendigkeit. Und es setzt darüber auch technisch
neue Maßstäbe für einen nachhaltigen Umgang
mit knappen Ressourcen.
Was da geplant ist, finden natürlich nicht
­alle auf Anhieb schön, Vergleiche mit dem
Potsdamer Platz machen schon jetzt die
Runde. Mit dem »Spandauer Ufer« setzt sich
Spandau tatsächlich ein markantes neues
Quartier in sein Zentrum, das das Stadtbild
künftig prägen wird. Mit bis zu 80 Metern
ragt es deutlich über die Dächer seiner Umgebung heraus, ohne freilich den Turm des
Spandauer Rathauses zu übertrumpfen. Dabei zeigt das neue Quartier aber ein vielfältiges Gesicht. Die Fassaden ähneln sich zwar
in ihrer Rasterung, die jeweiligen Muster der
verschiedenen Gebäude unterscheiden sich
aber klar voneinander. Nicht nur, weil die
vorspringenden Gitterelemente unter­
schied­liche Schatten werfen, sondern auch,
weil ihre Formen die unterschiedlichen Nutzungen reflektieren, die hinter ihnen stattfinden werden. Die Fassade am Büroturm
neben den Fernbahngleisen zeigt ein anderes Spiel als die des Hotelbaus an der Ruhlebener Straße oder des Wohnhauses am Havelufer. Zudem werden zwei unterschiedliche Farben aufgegriffen, die sich in der Umgebung wieder finden: ein heller Ton, der etwa auch den Rathausturm oder die benachbarten Spandau-Arcaden ziert, und ein rötlicher Ton, wie er sich zum Beispiel auch an
der St.-Nicolai-Kirche findet. Bauherr und
Architekten erweisen damit der Örtlichkeit
ihres Projektes einen Respekt, wie man ihn
leider bei ähnlichen Bauprojekten nur selten findet.
Mit rund 70 Mietwohnungen fällt der Wohnungsanteil deutlich geringer aus, als noch
vor zwei Jahren verkündet worden war.
Schuld daran sind die Bauvorschriften, die
den von den Bahngleisen ausgehenden
Lärm grundsätzlich anders bewerten als den
der Hauptverkehrsstraße. Weil in der Nacht

Güterzüge an dem 80-Meter-Turm vorbei rattern, deren Lärmpegel draußen vor dem
Fenster maßgeblich ist, scheidet hier Wohnungsbau aus. Statt dessen entstehen jetzt
Büros, was in der Bezirkspolitik aber nicht
mal ungern gesehen wird: Wo, wenn nicht
am Bahnhof, sollen sich in Spandau künftig
Top-Betriebe aus strategisch wichtigen Bereichen wie etwa den Unternehmensdienstleistungen ansiedeln, die vor allem Büroflächen in besonders verkehrsgünstigen Lagen
suchen?
Wie belebt das Quartier später tatsächlich
sein wird, werden jedoch die Spandauer entscheiden. Dazu muss es gelingen, die neuen
Einzelhandels- und Dienstleistungsflächen
so attraktiv zu vermieten, dass diese bei ihren Einkaufstouren in die Altstadt oder in
die Arcaden auch den Weg zum Spandauer
Ufer suchen. Da bietet die Anordnung der
Geschäfte an einer diagonal durch das Quartier verlaufenden, ruhigen Fußgängerzone
schon einen gewissen Anreiz. Das eigentliche »Bonbon« für die Spandauer wird aber
wohl die Gelegenheit sein, auf der Terrasse
über dem Ufer der Havel einzukehren. So ein
Angebot gibt es bislang in der Altstadt nicht.
Deshalb kann man den Einzelhandel im

neuen Quartier auch als Ergänzung begreifen, der den Erlebniswert des gesamten
Spandauer Zentrums erhöht und dessen
Stellung gegenüber den Shopping-Centern
auf der Brandenburger grünen Wiese stärkt.
Auch technisch will das neue Quartier Maßstäbe setzen. So sieht das Energiekonzept
eine »Flusswasserkühlung« vor, was uns in
diesem Sommer als eine kluge Maßnahme
erscheint. Und zum Heizen und für die
Warmwasserbereitung soll die Energie zu einem großen Teil per Wärmetauscher von der
Abwasserdruckleitung entnommen werden,
die unter dem Gelände verläuft. Dann heizen die Wilhelmstädter mit ihrem Badewasser künftig auch das neue Stadtquartier und
nicht nur die Kanalisation. Für dieses Konzept sowie für die gesamte Planung des
Spandauer Ufers hat die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) dem
Projekt vorübergehend ein Vorzertifikat der
»Auszeichnungsstufe Gold« verliehen, das
erst nach Abschluss der Bauarbeiten in ein
dauerhaftes Zertifikat umgewandelt werden kann. In der Bezirkspolitik ist man sich
übergreifend schon länger darüber einig,
dass Spandau mit diesem Projekt ein wirklicher Glücksgriff gelungen ist.
cs

Vom Havelufer aus wird eine Fußgängerzone
das neue Quartier diagonal durchziehen.
Bauherren des »Spandauer Ufers« sind die
FAY Projekts GmbH (Mannheim) und die Merz
Objektbau GmbH & Co KG (Aalen), der Architekturentwurf stammt von ASTOC Architekten
(Köln).

n ja /Schn
z ler
ATa
S TOC
pl ayittime

Inzwischen prangt ein neues Schild am Zaun
der Götelstraße: »56. Bauwoche« haben die
Kinder und Jugendlichen der Freizeiteinrichtung »Wildwuchs« darauf geschrieben
und es fotografiert. Seit 56 Wochen warten
sie nun schon darauf, dass es endlich mit
dem Neubau vorangeht und sie wieder in
ein richtiges neues Gebäude einziehen können. Und geahnt haben es ja viele schon
längst, aber nun ist es nicht mehr zu übersehen: Der SJC Wildwuchs wird wohl auch den
zweiten Winter in den notdürftigen Behelfscontainern in der Götelstraße zubringen
müssen.
Aus ihrem alten Domizil in der Götelstraße
mussten sie raus, weil der 50er-Jahre-Bau
hoffnungslos marode war. Stattdessen soll
an dieser Stelle ein neuer, großzügiger Bau
mit entsprechenden Freiflächen entstehen,
finanziert mit Mitteln aus einem Sonderprogramm. Doch wiederholt mussten wir in
dieser Zeitung berichten, dass es aus unterschiedlichen Gründen zu Verzögerungen bei
der Baumaßnahme kam.
Inzwischen gibt es neue Hiobsnachrichten:
nämlich Mehrkosten, die zumindest in diesem Jahr nicht mehr aus dem Förderprogramm gedeckt werden können: der Topf ist
leer, die für das laufende Jahr vom Senat bewilligten Programm-Mittel sind ausgeschöpft.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
als Fördergeber hat nun den Bezirk aufgefordert, eine Aufstellung der Mehrkosten vorzulegen, sowie zu prüfen, wo möglicherweise Einsparungen vorgenommen werden
können und ob der Bezirk selbst eventuell
finanziell die Lücke überbrücken kann. Bauherr der Maßnahme ist die Abteilung für
Bürgerdienste, Ordnung und Jugend des Bezirks, zuständig für die Bauumsetzung ist
die Abteilung Facility Management, Naturund Umweltschutz.
Der Rohbau für die Freizeiteinrichtung könnte nun, wenn es ab jetzt gut läuft, zum Ende
des Jahres stehen, ansonsten zum Frühjahr
2019.
Dass »Wildwuchs« nun noch länger mit einem Notbehelf auskommen muss (und so
ein Winter in Containern kann verdammt
ungemütlich werden), wiegt umso schwerer,
als die Einrichtung eines der wenigen Kinder- und Jugendfreizeitangebote in der unterversorgten Wilhelmstadt ist und damit
stark frequentiert.us

Ta n ja Schn i t z ler

Neue Probleme beim Neubau
für die Kinder- und Jugend­
freizeiteinrichtung

Die Mehrkosten und damit die Finanzierungslücke resultieren zum einen daraus,
dass seit Erstellen der Bauplanungen und
der Ausschreibung von Bauleistungen erhebliche Preissteigerungen im Baugewerbe
zu verzeichnen sind, bedingt durch den anhaltenden Bauboom und die starke Nachfrage. Arbeiten, die bereits beauftragt waren,
werden zwar ausgeführt und fertiggestellt,
aber weitere können vorerst nicht ausgelöst
werden.
Ein weiteres Problem resultiert aus der
Grundwassersituation, die bei der Planung
offenbar unterschätzt wurde. Jedenfalls
zeigt sich nun, dass für die Gründung Spundwände gebaut werden müssen, damit die
Baugrube nicht etwa vollläuft. Damit wird
auch der Kellerbau teurer.

Ta n ja Schn i t z ler

Geduldsspiel für
Wildwuchs

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Die Initiative PRO Spandauer Tram kämpft
gegen den Verkehrskollaps

Im Stadtteilladen in der Adamstraße trifft sich seit kurzem die
»Initiative PRO Spandauer Tram« (IPROST). In ihr engagieren
sich parteiübergreifend Experten und Bezirkspolitiker für die
möglichst schnelle Einrichtung eines zunächst einmal eigenständigen Spandauer Straßenbahnnetzes und Verbesserungen
bei der S- und Regionalbahn.
Dass der Verkehr in Spandau in den letzten Jahren so extrem zugenommen hat, liegt nicht am bisher stattgefundenen Wohnungsbau und auch nur zum kleineren Teil am
Bevölkerungswachstum. Ausschlaggebend ist vielmehr
der starke Zuwachs der Arbeitsplätze in unserer Stadt.
Zwischen 2007 und 2017 ist die Zahl der sozialpflichtig Beschäftigten in Berlin um 36% auf inzwischen rund 1,4 Millionen angestiegen, allein in den letzten beiden Jahren
wuchs sie jährlich um nahezu 60.000 – mit der enorm hohen Rate von 4,5% pro Jahr.
Deshalb operiert das Nahverkehrssystem in Spandau inzwischen am Rande seiner Belastbarkeit. Das merkt man,
wenn frühmorgens die Regionalbahn schon mit Brandenburger Pendlern überfüllt in den Spandauer Bahnhof einfährt oder in der Wilhelmstadt der 236er wieder mal so voll
ist, dass der Kinderwagen draußen bleiben muss. Auf der
Strecke vom Falkenhagener Feld zum Rathaus ist es sogar
noch schlimmer, da fährt der Bus immer häufiger komplett an vollen Haltestellen vorbei, weil niemand mehr
hineinpasst. Beim Busverkehr ist das Limit erreicht:
»Mehr als ein Dreiminutentakt geht nicht«, so antwortete
der für den Öffentlichen Nahverkehr zuständige Referatsleiter der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Matthias Hort im vergangenen Jahr auf einer
Veranstaltung der Grünen im Spandauer Rathaus auf eine
entsprechende Nachfrage.
Brauchen wir also eine Wirtschaftskrise, damit sich die Situation nicht weiter verschärft und Spandau nicht vollends ins Verkehrschaos trudelt? Oder sollten wir nicht lieber grundsätzlich darüber nachdenken, wie wir das Verkehrssystem umgestalten, so dass die Spandauer wenigstens in zehn Jahren wieder stressfrei und pünktlich zu ihrer Arbeit kommen, fragt sich IPROST. Und schlägt vor allem die Wiedereinführung der Straßenbahn vor, die deutlich leistungsfähiger als das Busnetz sei. In den meisten
deutschen Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern ge-

hören Straßenbahnen schon längst wieder zum Alltag. In
der Initiative arbeiten mehrere Ingenieure aus dem Verkehrs- und Baubereich und ein ehemaliger Mitarbeiter der
Leitungsebene der BVG zusammen, zudem Spandauer
Parteimitglieder und Bezirksverordnete von SPD, Grünen
und Linken. Sie tritt gezielt an Politiker der Berliner Regierungsparteien heran: an die für Verkehr zuständige Senatorin Regine Günther (Bündnis 90/Grüne), an den
­stadtentwicklungspolitischen Sprecher der SPD im Abgeordnetenhaus, den Spandauer Daniel Buchholz oder den
verkehrspolitischen Sprecher der Linken, den ehemaligen
Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf.
Dafür erarbeitet sie detaillierte Konzepte für den Aufbau
eines Spandauer Straßenbahnnetzes, das auch mögliche
Standorte für Straßenbahndepots vorschlägt. Die Hauptlinien verbinden die Großsiedlungen Falkenhagener Feld
und Heerstraße-Nord mit dem Bahnhof. Beide Spandauer
Großsiedlungen sind, anders als etwa das Märkische Viertel in Reinickendorf oder die Gropiusstadt in Neukölln,
nicht über die Schiene an den ÖPNV angeschlossen. Die
Großsiedlungen im Ostteil Berlins sind in der Regel sogar
über mehrere schienengebundene Systeme – S-Bahn, UBahn, Straßenbahn – erreichbar. Deshalb macht sich der
Abbau der Arbeitslosigkeit im Spandauer Verkehr ja so
deutlich bemerkbar. Um den Verkehrsknoten am Rathaus
Spandau zu entlasten, schlägt IPROST zusätzlich den Bau
eines neuen Regionalbahnhofs »Spandau West« am Klosterbuschweg vor, der an das Straßenbahnnetz angebunden werden soll.
Die Initiative gibt sich auch der Spandauer CDU gegenüber
offen. Allerdings hat diese im Juni ein eigenes Verkehrskonzept beschlossen, das »Überlegungen für eine Straßenbahn im Bezirk« komplett ablehnt. Stattdessen plädiert sie für einen Weiterbau der U7 zur Heerstraße Nord
und der U2 bis zum Rathaus und danach »perspektivisch«
auch bis zum Falkenhagener Feld. Bei IPROST hält man
nicht viel von dieser Idee. Der U-Bahnbau ist sehr aufwändig und erfordert im Vorfeld nicht nur eine lange Planungsphase (die braucht die Straßenbahn auch), sondern
zusätzlich zeitraubende Abstimmungen mit der Bundesregierung, die einen Teil der Finanzierung übernehmen
muss. Und die Bauzeit streckt sich meist über viele Jahre
hin, die Straßenbahn ist in dieser Hinsicht deutlich
schneller. Bis das Falkenhagener Feld an das U-Bahnnetz
angeschlossen wäre, würden deshalb noch einige Jahrzehnte vergehen. Die Initiative dagegen will die U2 von ihrem bisherigen Endhaltepunkt in Ruhleben und in der Nähe des Ikea an einen neuen S-Bahnhof anschließen.  cs

Kinderarmut in Spandau
Rund 40% der Kinder sind auf Hartz IV angewiesen

Obwohl die Wirtschaft Berlins sehr stark wächst
und die Arbeitslosigkeit deutlich zurückgeht,
kommt dieser Aufschwung bei einem sehr großen Teil der Spandauer Familien nicht an. Diesen
Schluss lassen jedenfalls die Daten des »Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2017« zu. Danach
leben in Spandau etwa 40% der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren in »Bedarfsgemeinschaften« zumindest teilweise von Hartz IV. Besonders hoch ist dieser Anteil in den Großsiedlungen Heerstraße Nord und Falkenhagener Feld
sowie in der Spandauer Neustadt. Aber auch im
Kernbereich der Wilhelmstadt liegt er nur knapp
unter dem Spandauer Mittelwert und sehr deutlich über dem Berliner Schnitt.

Dieser liegt zur Zeit bei 31%, verteilt sich aber
ungleich über die einzelnen Bezirke. Die vergleichsweise meisten Kinder sind nach wie
vor in Neukölln und Mitte entweder ganz
von Hartz IV oder von »Aufstockungen« abhängig, die wenigsten in Pankow und
Steglitz-Zehlendorf. Spandau liegt in dieser
traurigen Rangliste aber inzwischen schon
an dritter Stelle. Das »Monitoring Soziale
Stadtentwicklung 2007« führte Spandau
noch auf dem sechsten Platz, der Havelbezirk hat aber inzwischen FriedrichshainKreuzberg, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg überholt. Vor zehn Jahren lag der
Anteil der Kinder in prekären Verhältnissen
in Spandau nur knapp über dem Berliner
Durchschnitt, inzwischen aber bereits rund
ein Drittel darüber. Auch Reinickendorf hat
eine ähnliche Entwicklung mitgemacht, der
Nachbarbezirk folgt Spandau in besagter
Rangliste und ist dort von Platz sieben auf
Platz vier geklettert: Die Verdrängung sozial
schlechter gestellter Familien fand in Berlin
also offenbar hauptsächlich in Richtung
Nordwesten statt.

Ta n ja Schn i t z ler

Großsiedlungen besonders betroffen

6

In Spandau selbst sind vor allem die beiden
Großsiedlungen Heerstraße Nord und Falkenhagener Feld sowie die Spandauer Neustadt die Gebiete mit dem größten Anteil an
Kindern in Hartz-IV-Haushalten. Den höchsten Wert erreicht dabei mit 72% der Planungsraum »Maulbeerweg«, den zweithöchsten
mit 65% der Planungsraum »Pilnitzer Weg«,

Ta n ja Schn i t z ler

Schiene für Spandau

beide liegen in der Bezirksregion »Heerstraße Nord« und sind vor allem von Großsiedlungen und Punkthochhäusern geprägt. In
den anderen beiden Planungsräumen dieser
Region, in denen freistehende Einfamilienhäuser oder der Geschosswohnungsbau der
1990er Jahre überwiegen, liegt der Wert sehr
deutlich unter dem Spandauer Durchschnitt,
im Planungsraum »Magistratsweg«, der zur
Bezirksregion »Brunsbüttler Damm« zählt,
aber gleichfalls einen Teil der Großsiedlung
einschließt, ist dieser Wert dafür mit 57%
wiederum sehr hoch.
Auch in der Bezirksregion Falkenhagener
Feld sind die Planungsräume, in denen
Großsiedlungen und Punkthochhäuser der
1960er bis 1980er Jahre dominieren, gleichzeitig die mit den höchsten Anteilen von
Kindern in prekären Verhältnissen. Sehr
groß ist dieser Anteil aber auch im Planungsraum »Germersheimer Platz« im Osten der
Region, der vom Siedlungsbau der 1920er
und 1930er Jahre geprägt ist. Das hat wahrscheinlich mit dem Fluglärm zu tun, der
nach Osten hin immer stärker wird, weil die
westliche Einflugschneise des Flughafens
Tegel unmittelbar über diese Gebiete führt.
Auch die Spandauer Neustadt ist mit diesem
Fluch belastet, auch hier gibt es Gebiete mit
extrem hohen Anteilen von Kindern in
Hartz-IV-Haushalten. Mit 61% liegt er hier allerdings im Planungsraum »Kurstraße« am
höchsten, also in dem Gebiet um das Klinikum Spandau, dessen Wohngebäude vor allem aus der Gründerzeit stammen. Im Pla-

nungsraum »Eiswerder«, der von Hochhäusern aus den 1960ern bis 1980ern geprägt ist,
liegt er mit 54% etwas niedriger.
Auch die Wilhelmstadt liegt klar über dem
Berliner Schnitt

In der Bezirksregion Wilhelmstadt liegt die
Kinderarmut mit einem Anteil von 39% zwar
geringfügig unter dem Spandauer Durchschnitt, aber immer noch sehr hoch. Dabei
beläuft er sich im historischen Kern des
Stadtteils, im Planungsraum »Adamstraße«,
auf etwa 38%, im Planungsraum »Borkumer
Straße« südlich des Bahnhofs Spandau auf
46%. Hier gibt es vor allem im Gebiet um die
Elsflether Straße viele Zeilenbauten aus den
1950er bis 1970er Jahren. Am höchsten ist der
Anteil mit 56% aber im Planungsraum »Tiefwerder«, wo sich die meisten Wohnungen jedoch nicht in dem gleichnamigen dörflich
geprägten Areal am Südhafen, sondern in
dem zwischen dem Gewerbegebiet (Ikea) sowie den Fernbahn- und S-Bahn-Gleisen eingeschlossenen Wohngebiet südlich der
Charlottenburger Chaussee befinden. Rund
ein Drittel (34%) aller Kinder im Planungsraum »Graetschelsteig« zwischen dem
Punkthochhaus am Kombibad SpandauSüd und der südlichen Wilhelmstraße leben
in prekären Verhältnissen, im Planungsraum »Börnicker Straße« südlich der Heerstraße sind es dagegen nur 8%. Richtung
Gatow und Kladow geht es dann mit ähnlich
niedrigen Werten weiter.
cs
Siehe Kommentar Seite 8
7

Glosse

Leserpost (1)

Freiluftmuseum
mit Welle

In der letzten WILMA-Ausgabe fragten wir
unsere Leserinnen und Leser nach Ideen
und Anregungen zur kleinen Wiese vor der
Schulenburgbrücke. Dazu erreichte uns
folgende Post:

Idee: Wie wäre es mit dem Ziegelhof in der
Wilhelmstadt? Das ist gar nicht so abwegig:
In ihrer langgestreckten Gestalt würde die
Welle ganz gut dorthin passen, zumal es in
Havelnähe weitere Mini-Kunstwerke gibt,
die das Wellenmotiv aufnehmen.
Wir finden aber, man muss das ein bisschen
größer, visionärer denken. Es wird ja – neben dem Postbrunnen – vielleicht nicht die
einzige Skulptur sein, die ein neues Domizil
braucht. Gleichzeitig mangelt es der Wilhelmstadt an kulturellen Highlights. Wie

wäre es – sozusagen als Gegengewicht zur
Zitadelle – mit einem Wilhelmstädter Freiluft-Skulpturenpark für all die heimatlos gewordenen Kunstwerke, die sich im Lauf der
Zeit so ansammeln? Platz genug gibt es ja in
der Wilhelmstadt: im Südpark etwa, aber
auch das Havelufer hat noch viel Potential.
In so einem Museum unter freiem Himmel
könnte man kunst- und stadtgeschichtliche
Führungen anbieten, kleine Konzerte oder
Tanzabende. Immer her also mit den ausrangierten Skulpturen!
us

Immer neue Berlin-Rekorde werden stolz
verkündet: Boomende Wirtschaft! Arbeitslosenzahlen auf Tiefststand! In der Tat hat sich
die Arbeitslosenquote in Berlin zwischen
2007 und 2017 fast halbiert und liegt derzeit
(Juni 2018) nur noch bei 7,9%.
Das ist zwar erstmal erfreulich, sagt aber
nichts über reale Lebensverhältnisse aus,
denn die Statistiken der Agentur für Arbeit
sind um etliche Faktoren »bereinigt«: Menschen in sogenannten »Maßnahmen« etwa,
oder Arbeitnehmer, die in den vorzeitigen
Ruhestand gehen. Vor allem aber sagt sie
nichts darüber aus, um welche Jobs es sich eigentlich handelt. Denn es ist ja zu einem guten Teil auch der boomende BilliglohnDienstleistungssektor, der sich in der Statistik niederschlägt, es sind Menschen, die sich
mit zwei und mehr schlecht bezahlten oder
Minijobs über Wasser halten, Menschen, die
trotz Vollzeitarbeit gezwungen sind, mit
Hartz IV »aufzustocken« oder Wohngeld zu
beantragen, weil der Arbeitsverdienst zum
8

Schicksal besiegelt
Die »Traube« soll abgerissen werden

Kommentar

Quadratmeter als
Luxusgut, Kinder
als Armutsrisiko

Ta n ja Schn i t z ler

Ta n ja Schn i t z ler

Mit der Skulptur vor dem ehemaligen Postareal fing es an. Das Werk der Künstlerin Ursula Sax sollte auf jeden Fall einen neuen, würdigen Standort bekommen, sagten viele engagierte Wilhelmstädter. Erste Ideen kursierten, ob nicht beispielsweise der Metzer
Platz ein guter Ort wäre.
Es geht aber weiter. Etwas ratlos blicken Planer derzeit auf jene Brunnenskulptur, die
seit der 750-Jahr-Feier Spandaus im Jahr 1982
den Altstädter Markt ziert. »Havelwelle«
heißt das Werk des Künstlers Günter Ohlwein offiziell. Aber da die Spandauer (überhaupt die Berliner) dazu neigen, auch Dinge,
die ihnen zunächst merkwürdig erscheinen,
bereitwillig einzugemeinden, wird das langgestreckte Gebilde kurz und liebevoll im
Volksmund »Pissrinne« oder »Pinkelrinne«
genannt – Kosenamen senken bekanntlich
die Fremdheitsgefühle.
Jetzt aber, sagen die Planer, die den Markt
neu gestalten wollen, störe die Havelwelle
resp. Pinkelrinne irgendwie dabei. Nur: wohin damit? Frank Bewig, Stadtrat für Bauen,
Planen und Gesundheit, hatte eine erste

zu: Was meinen Sie?

Schulenburg-Brücke / Göteleck: Dort könnte man
ein bis zwei Ringbänke um die Bäume machen
und auch in der Altstadt am Reformationsplatz!! Und nicht die Bäume fällen, wie es im
»Spandauer Volksblatt« stand. Bei der »Affenhitze« im Moment ist jeder Schatten wichtig, gerade unter den sauerstoff­spendenden Bäumen!
Det Klima is, gloob ick, nich mehr zu retten. Ick
frach mich, wann jibs endlich Solar uff Auto- und
Busdächern, bei so ville Sonne!
Een Gruß von Lorelei aus der Jordanstraße

Leben nicht reicht – schon gar nicht angesichts steigender Mieten und Lebenshaltungskosten. Zwar nahm Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen
2007 und 2017 um mehr als ein Drittel (36%)
zu, allerdings geht dieser Zuwachs vor allem
auf den Zuwachs von Teilzeitarbeit zurück.
Die hat sich in den Zeitraum mehr als verdoppelt, während die Zahl der Vollzeitstellen
um weniger als ein Fünftel angewachsen ist.
Genauere Auskunft über Lebensverhältnisse in kleinräumlichen Gebieten gibt das
jährlich erscheinende »Monitoring soziale
Stadtentwicklung«. Interessant ist beispielsweise die Vergleichsmöglichkeit von
Gebieten. Was bedeutet es etwa für eine
Stadt, wenn in bestimmten Quartieren der
Anteil jener Kinder, die auf Transferleistungen angewiesen sind, um ein Vielfaches höher liegt als in anderen Quartieren? – Viele
solcher Daten sind ein Indiz dafür, dass sich
die soziale Kluft im städtischen Gefüge vertieft hat. Dass in Spandau ca. 22,3% der Bevölkerung in prekären Verhältnissen leben
(Stand Ende 2016), also arbeitslos ist oder
das Einkommen mit Hilfe von Hartz IV, »Hilfe zum Lebensunterhalt« oder Grundsicherung aufstocken muss, hat vielfältige Gründe. Zum einen gibt es im Bezirk immer mehr

alte Menschen, von denen immer mehr aufgrund prekärer oder geringer früherer Arbeitseinkommen auf Grundsicherung angewiesen sind. Zum anderen ist Spandau sozusagen der Spiegel rasanter innerstädtischer
Gentrifizierungsprozesse: Während in der Innenstadt in den letzten Jahren Wohnraum
knapp und vor allem für Menschen mit kleineren Einkommen unerschwinglich wurde,
fanden diese immerhin in den Randbezirken
– darunter Spandau – noch bezahlbare Wohnungen. Auch junge Familien gehörten dazu,
die Nachwuchs erwarten und deshalb mehr
Platz brauchen. Gleichzeitig fehlt es aber
nach wie vor an Ganztagsbetreuungsplätzen
für Kinder, weshalb viele Familien und erst
recht Alleinerziehende in die schlecht bezahlte Teilzeitfalle geraten. Wenn sich aber
der neue Berliner Luxus in Quadratmetern
bemisst und die Miete immer mehr vom
Haushaltsnettoeinkommen »auffrisst«, liegt
es auf der Hand, dass gerade Haushalten mit
mittleren oder geringem Einkommen und
mit heranwachsenden Kindern die Armutsfalle droht. Das ist nicht nur traurig für die
Kinder und ihre Zukunftsperspektiven. Die
zunehmende soziale Kluft gefährdet auch
das Zusammenleben der Stadtgesellschaft.
us

Die Spatzen pfiffen es längst von den Dächern des Kiezes, nun ist es offiziell: Die Tage
sind gezählt, in absehbarer Zeit soll die traditionsreiche »Traube« abgerissen werden.
An ihrer Stelle soll ein Neubau entstehen.
Mit dem Fachwerkhaus in der Pichelsdorfer
Straße 89 verschwindet dann eines der letzten Gebäude, die noch von der früheren Bebauung des Kiezes erzählen. Das um 1870 erbaute zweigeschossige Fachwerkhaus an der
Ecke zur Weißenburger Straße ist Zeugnis jener Zeit, als in der Wilhelmstadt wegen des
Festungscharakters strenge Bauvorschriften
galten. Nach den »Rayonbestimmungen«
durften im 2. Rayon des Kreises um die Festungsschanzen maximal leicht abreißbare
Fachwerkbauten mit bis zu zwei Obergeschossen errichtet werden. Erst um 1903, mit
der Aufhebung der Festung, wurden die Vorschriften gelockert, entstanden viele der wilhelminischen Bürgerhäuser, die bis heute
das Bild der Pichelsdorfer Straße und ihrer
Umgebung prägen.
Ursprünglich gehörten die Grundstücke Pichelsdorfer Straße 89/91 dem Zigarrenproduzenten und –händler Hermann Lüdicke,
der das Haus bereits 1888 umbauen ließ. Im
Erdgeschoss eröffnete er seinen Tabakladen.
Wie es zu dieser Zeit üblich war, wohnte die
Familie Lüdicke selbst im Haus – in der ers-

ten Etage und im Hinterhaus. Lüdicke produzierte auch selbst Zigarren, die Manufaktur befand sich in einem Nebengelass auf
dem Hof. Dort stand auch das Pferdefuhrwerk, mit dem die Ware in Spandau und Umgebung ausgeliefert wurde – bis nach Wustermark. An den Erbauer des Hauses erinnert
heute noch immer das Geschäft »ZigarrenLüdicke« an der alten Adresse, wenn auch der
heutige Ladenbesitzer nicht mehr der Lüdicke-Familie entstammt, die das Geschäft viele Jahrzehnte lang führte.
Die Bomben am Ende des 2. Weltkriegs hatte
das Fachwerkhaus überlebt. Auch einen
Crash im Jahr 1983, wie unser Kolumnen-Autor Thomas Streicher herausgefunden hatte
und es schon in einer Kolumne in der Wilma
beschrieb:
»Vor über 30 Jahren stand das Fachwerkgebäude mit der ›Traube‹ schon mal auf der
Kippe, wie am 15. Februar 1983 das ›Spandauer Volksblatt‹ meldete: Ein Autofahrer war
von der Straße abgekommen und rammte
das Lokal, wobei zwei Stützpfeiler beschädigt wurden und die Gaststätte deshalb eine
Weile gesperrt blieb. Glücklicherweise stuften – wie die Zeitung den ›Sohn der Hausbesitzerin Manfred Lüdicke‹ zitiert – die Sachverständigen den Schaden als reparabel ein,
und die ›Traube‹ blieb uns erhalten.«

Liebes WILMA-Team,
zu der kleinen grünen Ecke an der Schulenburgbrücke fällt mir sofort urban gardening ein :-))
Ein Gemeinschaftsgarten für die Nachbarschaft,
gerne auch mit ein paar Bänken für die älteren
Herrschaften, wäre super.
Viele Grüße, Claudia Wagner,
Anwohnerin Krowelstraße

Bis heute jedenfalls. Denn der neue Eigentümer des Grundstücks plant nun den Abriss
und einen Neubau. Eine entsprechende Anfrage gab es bereits beim Fachbereich Stadtplanung des Bezirksamtes. Sofern ein Antrag gestellt wird, müsste dieser positiv beschieden werden, da es keine rechtliche
Grundlage für eine Ablehnung gibt. Der Eigentümer begründet den geplanten Abriss
u.a. damit, dass eine Sanierung des alten Gebäudes wegen des miserablen Zustands der
Bausubstanz nicht wirtschaftlich und rentabel sei. In der Tat wäre der Aufwand immens,
jahrzehntelang wurde an dem Gebäude zu
wenig getan, um die Substanz zu erhalten.
Verwunderlich ist allerdings, dass das Haus
nicht unter Denkmalschutz steht – immerhin ist es eines der wenigen noch erhaltenen
Zeugnisse der vorgründerzeitlichen Bebauung dieses Viertels. Zuständig für die Feststellung des Denkmalwertes eines Gebäudes ist das Landesdenkmalamt als senatsnachgeordnete Behörde. Erst nach Eintragung in die Denkmalliste durch diese Behörde unterliegen bauliche Veränderungen an
einem Baudenkmal dem Genehmigungsvorbehalt durch die untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks. Zwar verhindert in Berlin
auch der Denkmalschutz nicht zwingend
den Abriss von Baudenkmälern, wie viele
unrühmliche Beispiele in den letzten fünfundzwanzig Jahren zeigten – doch zumindest muss er bei Abwägungen und Entscheidungen berücksichtigt und die Denkmalbehörde miteinbezogen werden.
Im Fall der »Traube« hätte sich jedoch schon
ein echter Aficionado mit entsprechender
Geldbörse finden müssen, der nach vielen
Jahren des Substanzverfalls bereit gewesen
wäre, auch bei finanziellen Verlusten das Gebäude aufwändig zu sanieren.
Die neuen Eigentümer jedenfalls planen den
baldmöglichen Abriss sowie einen Neubau
mit zwei bis drei kleineren Gewerbeeinheiten und ca. 20 Wohnungen, wobei sich das
Gebäude in der Höhe an der umliegenden
Bebauung orientieren wird. Allerdings liegt
noch kein Bauantrag vor. Wird diesem zugestimmt, soll der Neubau möglichst schon im
Jahr 2019 beginnen.
us
9

Verkehrslenkung sieht hohe Lärmbelastung »als ortsüblich
und folglich auch als zumutbar« an

Tempo 30 ist in der Pichelsdorfer Straße bislang nur in der
Nacht vorgeschrieben. Die Stadtteilvertretung kämpft
schon seit langem darum, diese Geschwindigkeitsbegrenzung auch tagsüber einzuführen, und wird dabei von vielen Bürgern und der Bezirksverordnetenversammlung
Spandau unterstützt. Entsprechende konkrete Anträge
dürfen aber nur von unmittelbar betroffenen Anwohnern
gestellt werden. Für die Entscheidung ist die Verkehrslenkung Berlin (VLB) zuständig, die der Senatsverwaltung für
Umwelt, Verkehr und Klimaschutz untersteht. Die hat jetzt
einen Antrag eines Anwohners der Pichelsdorfer Straße
abgelehnt.
Bereits am 17. November 2016 stellte Herr B. bei der VLB den
Antrag, auch tagsüber auf der Pichelsdorfer Straße eine
Geschwindigkeitsbegrenzung von Tempo 30 anzuordnen.
Er begründete das mit unzulässig hohen Lärmwerten vor
seiner Wohnung und einer unzumutbaren Belastung der
Bevölkerung. Ende Juni 2018, also mehr als 19 Monate später, erreichte ihn eine abschlägige Antwort der zentralen
Straßenverkehrsbehörde. Darin entschuldigte sich die Bearbeiterin zunächst für die lange Bearbeitungszeit und begründete diese mit »der hohen politischen Bedeutung dieses Themas«. In der Tat hat es in der Zwischenzeit diverse
Schriftwechsel gegeben, unter anderem zwischen dem
Berliner Staatsekretär für Verkehr, Jens-Holger Kirchner
und dem zuständigen Spandauer Stadtrat Frank Bewig.
Aus dem Begründungsschreiben der VLB an Herrn B. geht
hervor, dass die Lärmbelastung in der Pichelsdorfer Straße tatsächlich über den Richtwerten liegt, die für Allgemeine Wohngebiete und Kleinsiedlungsgebiete gelten.
Nach den »Richtlinien für straßenverkehrsrechtliche
Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor Lärm« liegen diese tagsüber bei 70 dB(A). Vor dem Haus des An-

tragsstellers hat die Behörde dagegen einen Wert von 72
dB(A) errechnet. Das ist ein deutlicher Unterschied, denn,
ähnlich wie die Stärke von Erdbeben, wird Lautstärke in einer logarithmischen Skala gemessen, die nicht linear,
sondern exponentiell ansteigt. Wenn man zum Beispiel zu
einem Lautsprecher einen zweiten mit gleicher Leistung
hinzu schaltet, dann erhöht sich der Schalldruck um 3
dB(A). Geräusche von 65 bis 75 dB(A) bewirken im Körper
Stress und können deshalb zu hohem Blutdruck, HerzKreislauf-Erkrankungen und Herzinfarkt führen. Bei einem Geräuschpegel von über 65 dB(A) schließen deshalb
die meisten Menschen die Fenster oder nutzen ihre Balkone nicht mehr. Ab einem Dauerschall von 85 dB(A) drohen
Gehörschäden.
Die VLB erkennt zwar an, das der Richtwert in der Pichelsdorfer Straße tagsüber um 2 dB(A) überschritten wird,
sieht das aber nur als mögliches Indiz für eine Verkehrsbeschränkung. Demgegenüber stellt sie eine Reihe von negativen Auswirkungen einer solchen Maßnahme. »Die Pichelsdorfer Straße hat neben der Wilhelmstraße für Spandau eine erhebliche Verbindungsfunktion für das Zentrum Spandaus mit der Heerstraße, die wiederum in Richtung Brandenburg und Innenstadt weiter führt«, so argumentiert sie in ihrem Schreiben. Zudem werde die Pichelsdorfer Straße durch drei Tagesbuslinien sowie die Nachtbuslinie N 34 befahren und sei infolgedessen in die »zweithöchste Kategorie des straßengebundenen ÖPNV-Verkehrs« eingestuft. Darüber hinaus sei zu berücksichtigen,
»dass der gesamte Straßenzug der Pichelsdorfer Straße
von der Heerstraße bis zur Wilhelmstraße ähnliche bauliche und verkehrlichen Bedingungen hat und damit auch
die Lärmbelastungen vergleichbar sind. Anordnungen
von straßenverkehrsbehördlichen Maßnahmen müssten
sich daher aufgrund des Gleichbehandlungsgrundsatzes
auf diesen gesamten Straßenzug und damit auf einer Länge von ca. 1,5 km erstrecken und würden damit einen erheblich negativen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit dieser Hauptverkehrsstraße haben.« Durch eine Anordnung
von Tempo 30 auf einer derart langen Strecke würden sich
die Fahrzeiten der Busse erhöhen. Die Behörde kommt
schließlich zum Fazit: »Es ist daher festzustellen, dass die
Pichelsdorfer Straße eine ihrer Verkehrsfunktion entsprechende Verkehrsbelastung aufweist. Die damit verbundene Lärmbelastung ist somit als ortsüblich und folglich
auch als zumutbar anzusehen. Aus Lärmschutzgründen
sind daher verkehrsbeschränkende Maßnahmen, wie die
von Ihnen gewünschte Anordnung von Tempo 30, keine
geeigneten Maßnahmen.«

Leserpost (2)
Editha von Hülsen schrieb uns:

Anliegendes Foto macht Ihnen vielleicht Freude
für Ihr Archiv in unserem Wilma-Stadtteil?
Wir Bewohner des Havelgartens waren beim
Entstehen dieses Spielplatzes doch sehr bedenklich bzgl. der Gestaltung und der vielen »auf­
gesetzten«, nicht ungefährlich wirkenden
­Symbole in den Spielflächen, aber anscheinend
gehen die Kleinen gut damit um, sodass auch
die Aufsichtspersonen Zeit für Austausch und
Entspannung finden. Der Wasserspender tut
das seine und fördert die Geschicklichkeit!
Mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen
für Ihre Redaktion!

Spandau-Wilhelmstadt im
20. Jahrhundert: Krowelstraße 15
Wer die Krowelstraße 15 heute besucht, steht an
einem eher unspektakulären Ort: ein in die Jahre
gekommener, eher trister 70er-Jahre-Wohnblock
lässt kaum vermuten, welche Geschichte das
Grundstück hat.
Aus Schmargendorf schrieb uns nun Gisela Schumacher: »Eine Bekannte aus Spandau Brüderstraße hat mir von Ihrem Interesse an der jüngeren Geschichte der Wilhelmstadt erzählt. Vielleicht haben Sie Interesse an der Geschichte des
Grundstücks Krowelstraße 15? Ich habe aus der
Erinnerung einen Bericht verfasst. In meinen Augen hat hier schon ein Stück Zeitgeschichte
stattgefunden.
Es grüßt Sie aus Schmargendorf
Gisela Schumacher (83 Jahre)«
Selbstverständlich veröffentlichen wir gern
diesen Bericht, vielen Dank dafür!

Ta n ja Schn i t z ler

Wer erinnert sich noch daran?

10

Am Ende des Schreibens verweist die VLB noch auf das Verkehrskonzept für die Pichelsdorfer Straße, das gegenwärtig im Aktiven Zentrum erarbeitet wird. Allerdings dürfte
es schwer fallen, den Lärm in der Straße zu reduzieren,
wenn nicht auch gleichzeitig der Verkehr reduziert werden
kann. Zudem weist die Sachbearbeiterin auf die Möglichkeit hin, dass das »Land Berlin den Einbau von Schallschutzfenstern in Wohngebäuden, an denen in den nächsten Jahren keine ausreichenden anderen Maßnahmen zur
Lärmminderung ergriffen werden können, als eine passive
Lärmschutzmaßnahme im Rahmen des Berliner Schallschutzfensterprogramms 2016/2017 fördert.« Dafür müsse
Herr B. sich jedoch an seinen Vermieter wenden.
cs

Edi th a von Hül sen

Kein Tempo 30 tagsüber
auf der Pichelsdorfer

Die Krowelstraße 15 war einst ein »Hammergrundstück«: nicht direkt an der Straße gelegen, aber mit einer breiten Zufahrt zum
Haus. Ein Grundstück mit einem Wohnhaus
und einer großen Toreinfahrt zum Hof. Auf
der linken Seite vom Hof stand ein kleineres
Gebäude. Es wurde als Lagerraum genutzt.
Im hinteren Teil des Hofes stand quer noch
ein Gebäude, ein kleiner Laden und ein
Durchgang zur Pichelsdorfer Straße schlossen sich an.
Zwischen der Krowel- und der Pichelsdorfer
Straße lag noch ein drittes Grundstück. Hier

befand sich eine Likörfabrik. Links von der
Zufahrtstraße zur Krowelstraße 15 befand
sich eine Kohlenhandlung.
Die Immobilie Krowelstraße 15 kaufte vor
dem 1. Weltkrieg das Ehepaar Bertha und Rudolf Liebert. Die Eheleute hatten drei Töchter: Elsa, Anna und Frieda.
Das Gebäude auf dem Hof wurde von dem
Ehepaar Liebert als Kuhstall genutzt und bewirtschaftet: ein Molkerei-Betrieb. Es standen immer so 35–40 Kühe im Stall, in dem
kleinen Laden verkaufte man die frische
Kuhmilch.
Während des 2. Weltkriegs, in der Nachkriegszeit und der Zeit der Blockade Westberlins durch die Russen wurde der Weiterverkauf der hier erzeugten Milch staatlich kontrolliert. Die Milch gab es nur gegen Abgabe
von Lebensmittelmarken. Diese wurden fein
säuberlich gesammelt, auf Kontrollbögen
aufgeklebt und als Nachweis für die vorschriftsmäßige Abgabe der Milch an den Verbraucher bei der staatlichen Stelle eingereicht und abgerechnet. Es diente als Nachweis, dass keine Milch frei verkauft wurde.
Kontrolleure stellten vorher fest, wie viel die
einzelnen Kühe an Milch hergaben, und
setzten die Höhe der abzurechnenden Milchmenge fest. Für die Ernährung der Kleinkinder während der Blockade war die in Berlin
erzeugte Milch lebensnotwendig.
Es gab ca. 40 Kuhställe in Westberlin. Nach
dem Tod des Rudolf Liebert (vor dem 2. Weltkrieg) hatte die Tochter Frieda den Molkereibetrieb übernommen.
Die Kriegszeit mit den Bombenangriffen, die

Nachkriegszeit und die Zeit der Blockade
Westberlins waren schwere Zeiten für einen
Betrieb mit lebenden Tieren, die große Mengen Futter und auch Stroh zum Leben brauchen. Futtermittel für die Kühe – frisches
Gras von den Riesenfeldern Gatow, selbst gemäht und eingefahren. Treber von der
Schult­heiss-Brauerei Spandau als Kraftfutter. Heu und Stroh wurden auch über die
Luftbrücke nach Westberlin eingeflogen.
Nach dem Ende der Blockade im Mai 1949 kamen ganz schnell wieder ausreichend Lebensmittel in die Westberliner Geschäfte. Irgendwann wurden keine Lebensmittelkarten mehr ausgegeben. Alles war wieder frei
käuflich.
In der nun praktizierten Marktwirtschaft
wurden nicht nur die Lebensmittel, sondern
auch die Futtermittel für die Tiere teurer. Die
Milchpreise blieben aber weiter niedrig. Der
kleine Betrieb machte keinen Gewinn mehr
und musste Anfang der 50er Jahre aufgeben.
In Westberlin stellte ein Molkereibetrieb
nach dem anderen die Produktion ein.
Meine Stiefmutter verstarb 1965, mein Vater –
in Spandau geboren – 1966.
Das Haus Krowelstraße 15 wurde vom Nachlassverwalter der Liebertschen Erbengemeinschaft 1969 an die Pfaff-Wohnungsbaugesellschaft verkauft. Diese hatte auch­andere
Grundstücke in der Krowelstraße aufgekauft
und die Bebauung abgerissen.
Jetzt steht auf dem Grundstück Krowelstraße 15 ein Wohnhaus aus den 70er Jahren. Bilder aus der früheren Zeit habe ich leider
nicht.
Gisela Schumacher
11

Glosse

Gesundheit mit Tradition – seit 1893
Soll noch einer sagen, es gäbe keine alteingesessenen Familienbetriebe mehr in der Wilhelmstadt: In
diesem Jahr feiert die Hohenzollern-Apotheke in der Pichelsdorfer Straße 101 ihr 125-jähriges Jubiläum! Am 15. November 1893 eröffnete Friedrich Koch die Apotheke. Seit inzwischen drei Generationen
befindet sie sich im Besitz der Familie Kopsch.

Mäh- und Baumarbeiten im Sommer 2018
Die warme Witterung in den letzten Wochen
ließ die Vegetation sehr gut wachsen. Damit
mehren sich auch die Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des
Fachbereichs Grünflächen und Friedhöfe im
Straßen- und Grünflächenamt haben auch
dieses Jahr wieder alle Hände voll zu tun mit
Mäharbeiten. Zusätzlich werden insbesondere im öffentlichen Straßenland Fremdfirmen mit diesen Arbeiten beauftragt, da die
eigenen Kapazitäten nicht ausreichen.
Das gilt insbesondere auch für den Bereich
der Grünanlagen- und Straßenbäume. Dabei
geht es vorwiegend um die Beseitigung von
Unwetterschäden, die Totholzentfernung,
die Freihaltung des Verkehrsraumes und um
den Rückschnitt der Austriebe an Straßenbäumen.
Die großen Wiesenflächen in den Grünzügen wie z. B. Spekte, Hahneberg und Bullengraben bieten wichtige Lebensräume für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten. Die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versuchen
speziell auf die Belange des Natur- und Artenschutzes einzugehen. Dies ist teilweise
auch mit Mehraufwand verbunden. Ziel ist
es, einen sinnvollen Ausgleich zwischen Naturschutz und den Ansprüchen der Bevölkerung zu gewährleisten.
Die Liegewiesen und Spielplätze werden dagegen möglichst vorrangig gemäht.
Die Wildkräuter und Gräser am Straßenrand
12

oder im Mittelstreifen werden von vielen
Bürgerinnen und Bürgern als störendes oder
unschönes Ärgernis betrachtet. Doch auch
im Straßenland entwickelt sich biologische
Vielfalt, die schützenswert ist. Um die Blüte
wertvoller Wiesenstauden zu ermöglichen,
setzt die Mahd üblicherweise erst ab Mitte
Juni ein. Als Nahrungspflanzen für Schmetterlinge, Wildbienen oder andere Tiere sind
sie in dieser Entwicklungsphase wertvoll.
Die genetische Vielfalt der gebietseigenen
Pflanzen gilt es zudem zu fördern, indem
man ihnen die Möglichkeit zur Versamung
gibt. Die zweite Mahd erfolgt je nach Witterung ab Anfang/Mitte September. Sollte an
Straßenkreuzungen die Einsehbarkeit behindert sein, wird der Fachbereich Grünflächen entsprechend der Verkehrssicherungspflicht vordringlich tätig.
Die Abfuhren des Mähgutes werden in Eigenleistung, aber auch mit Privatfirmen
durchgeführt. Dabei lassen sich aus Logistikund Kapazitätsgründen Verzögerungen leider nicht immer vermeiden.
Die Spandauerinnen und Spandauer werden
daher um Verständnis und Geduld gebeten,
wenn nicht sofort »vor ihrer Haustür« gemäht werden kann. Denn dann würden die
Rüst- und Wegezeiten den Aufwand erheblich erhöhen.
Dennoch bleibt es oberstes Ziel, ein sicheres
und attraktives Freizeit, Erholungs- und Naturangebot zu bieten.

Bis zu 10.000 Euro
Zuschuss möglich
Investitionsfonds 2019: Bewerben
Sie sich mit Ihrer Idee!
Sie wollen investieren? Beispielsweise die
Fassade ihrer Laden- oder Hausfront erneuern, das Ladengeschäft in Ihrem Haus für eine Neuvermietung herrichten, eine veraltete
Schaufensteranlage ersetzen oder eine neue
Markise anbringen? Kurz gesagt, auch der
Stadtteil würde von Ihrem Vorhaben sichtbar profitieren und ein bisschen attraktiver
werden? Dann sichern Sie sich bis zu 10.000
Euro Zuschuss für Ihr Vorhaben!
Mit dem Investitionsfonds unterstützt das
»Aktive Zentrum Spandau-Wilhelmstadt«
Ihre Vorhaben mit einem Zuschuss von bis
zu 50% der Investitionskosten. Antragsteller
können Immobilieneigentümer, Hausverwaltungen, Händler und Gewerbetreibende,
Bewohner oder andere Akteure sein, die in
der Wilhelmstadt ansässig sind.
Bewerben Sie sich bis zum 31. August 2018
mit Ihrer Projektidee! (Doch auch im fortlaufenden Jahr werden noch Anträge und Ideen
gerne aufgenommen.) Eine Jury mit lokalen
Akteuren wird über eine Förderung Ihres
Projekts entscheiden. Die Umsetzung des
projekts kann ab Anfang 2019 erfolgen und
muss bis Ende 2019 abgeschlossen sein.
Weitere Informationen finden Sie unter:
www.wilhelmstadt-bewegt.de/geschaeftsstrassenmanagement/gebietsfonds
Nehmen Sie Kontakt mit dem Geschäftsstraßenmanagement auf, es unterstützt Sie
gern bei der Entwicklung Ihrer Projektidee
und der Antragstellung:
Geschäftsstraßenmanagement
Wilhelmstadt
Adamstr. 39, 13595 Berlin, Tel. 30124697
Ansprechpartner:
Torsten Wiemken (mobil 0178-3523801),
Ulrike Stock (mobil 0176-34547097)
E-Mail: gsm@wilhelmstadt-bewegt.de

Endlich soll die Adamstraße einen zusätzlichen Fußgängerüberweg zwischen den
Kreuzungen mit der Pichelsdorfer und der
Földerichstraße bekommen. Das ist eine gute Nachricht, insbesondere für Kinder und
für Senioren, für die die Querung ansonsten
gefährlich und schwierig ist. Etwa in Höhe
des Nahkauf, an der Kreuzung Jägerstraße,
dort, wo viele über die Straße gehen, soll der
neue Überweg entstehen, möglichst noch in
diesem Jahr: mit Gehwegvorstreckungen
und auf die Fahrbahn gemalten ÜberwegMarkierungen. Die Gehwegvorstreckungen
sind notwendig, damit die querenden Fußgänger – insbesondere die Kleinen – auch
neben den parkenden Autos besser die Straße einsehen und wiederum von den Autofahrern gesehen werden können.
Soweit, so gut. Jetzt die Nachricht: Der Fußgängerüberweg wird nun nicht ganz unmittelbar vor Nahkauf über die Adamstraße
führen, sondern auf der anderen Seite der Jägerstraße, also vor dem TEDI-Geschäft, mithin maximal zehn Meter weiter. Aus einem
simplen Grund: Direkt vor dem Nahkauf befinden sich Gullys, weshalb dort keine Gehwegvorstreckung gebaut werden kann.
99 von 100 Menschen werden nun mit den
Schultern zucken und sich fragen, worin
jetzt um Himmels Willen der Nachrichtenwert besteht, ob die WILMA noch alle Nadeln
an der Tanne hat oder schon mitten im Sommerloch gelandet ist. Zehn Meter weiter sind
den allermeisten ziemlich schnuppe. Aber
man rechnet ja nicht mit dem einen von
hundert Menschen, die es schaffen, auch in
den maximal zehn Metern Verlagerung noch
einen handfesten Skandal zu wittern und
damit im Bezirk hausieren zu gehen: Es sei
angeblich eine Ignoranz gegenüber »dem
Bürgerwillen«, wenn der Überweg nicht exakt vor dem Nahkauf – und nur dort – angelegt würde!
Vielleicht muss man noch dazu anmerken,
dass sich zwischen Nahkauf und TEDI keine
meterhohen Dornenbüsche oder ein tiefer
Wassergraben mit Piranhas befinden, sondern lediglich die kaum befahrene Zufahrt
Jägerstraße (siehe Foto). Wer selbst in deren
Überwindung ein Problem sieht, muss
schon viel Phantasie haben. Aber im Zweifelsfall gilt ja immer noch: Gibt es keinen
Skandal, dann bastelt man sich eben einen.
In diesem Fall waren das ausnahmsweise
mal nicht die bösen Medien.
us

Ta n ja Schn i t z ler

Ta n ja Schn i t z ler

Zehn-MeterSkandal in der
Adamstraße!

Soziales, Gesundes und Internationales Spandau 2018: Jetzt
eigenen Infostand anmelden!
Am Samstag, den 15.9.18, findet von 11:00 bis
17:00 Uhr die traditionelle Informationsveranstaltung »Das Soziale, Gesunde und Internationale Spandau« auf dem Spandauer Marktplatz
statt.
Das Bezirksamt Spandau sowie über 50 weitere
Gruppen, Verbände und Firmen präsentieren eine
Vielfalt ihrer aktuellen Angebote zu den Themen
Soziales, Gesundheit, Integration und Inklusion.
Organisationen, die einen Stand anmelden
möchten, wenden sich bitte an das Büro des Bezirksbeauftragten für Senioren und Menschen
mit Behinderung. Ansprechpartnerin ist Margit
Krois (Behördenlotsin für Menschen mit Behinderung), Fon: 90279-2990, Fax: 90279-2839, EMail: m.krois@ba-spandau.berlin.de.
Da die Anzahl freier Plätze begrenzt ist, empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung.

Das neue Programm der
Volkshochschule ist da!
Seit Juli finden Sie an zahlreichen Verteilstellen
in Spandau das neue Programmheft der Volkshochschule Spandau mit über 1300 Kursen und
Veranstaltungen aus den Bereichen Sprachen,
Kultur, Gesundheit, Politische und Berufliche
Bildung, Grundbildung! Für die zahlreichen
Deutsch-Kurse gibt es wieder ein separates Programmheft ab August.
Die Hefte erhalten Sie in den Bürgerämtern, im
Gotischen Haus, der Stadtbibliothek und an vielen weiteren Stellen im Bezirk.
Das Programmangebot ist bereits jetzt online zu
finden und buchbar:
www.vhs-spandau.de
www.vhs.berlin.de
Weitere Infos:
VHS Spandau, Carl-Schurz-Str. 17, 13597 Berlin
Tel: 030 / 90279 5000, Fax: 030 / 90279 5001
www.vhs-spandau.de
info@vhs-spandau.de

Spandau gegen Rechts:
Kundgebung gegen geplanten Neonazi-Aufmarsch am 18. August
Das Bezirksamt schließt sich der in der Bezirksverordnetenversammlung Spandau (BVV) verabschiedeten Resolution an und verurteilt den für
den 18. August 2018 geplanten Marsch von Neonazis für den Kriegsverbrecher Rudolf Heß. Spandau darf kein Wallfahrtsort für Naziverehrer werden.
Gemeinsam ermuntern die BVV und das Bezirksamt die Spandauerinnen und Spandauer, sich
aktiv zu einer demokratischen Gesellschaft zu
bekennen und hierfür an der geplanten friedli-

chen Gegenkundgebung am 18. August 2018 teilzunehmen. Treffpunkt ist um 11.00 Uhr am
Bahnhof Spandau.
Bereits im letzten Jahr hatten mehrere Tausend
Menschen – ein breites Bündnis von Gewerkschaften, Parteien und Kirchgemeinden, zahlreichen Initiativen, Organisationen und Vereinen
sowie vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern – friedlich gegen den Neonazi-Aufmarsch
protestiert und ihn mit Straßenblockaden gestoppt.
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15 Jahre OpenAir-Kino
Spandau

O-Ton Wilhelmstadt

Dreisatz
Ice, Ice, Baby ...
Der »Eismann« in Jan’s Gelateria ist etwas erschöpft an diesem Mittwochabend Anfang Juli. Trotz mehrerer Aushilfen – aber der Eishunger der Wilhelmstädter in den letzten
Tagen war enorm. Was nicht nur am großartigen Sommerwetter und den leckeren Eissorten lag, sondern auch am
Sommerferienbeginn. Denn was machen nette Eltern,
wenn sie ihre Sprösslinge aus den zwei benachbarten
Grundschulen abholen, die soeben ihre Zeugnisse in Empfang genommen haben? Darauf geht man zur Feier des Tages erstmal ein großes Eis essen!

Das OpenAir-Kino Spandau gibt es nun schon seit 15 Jahren! Bis September lädt das Team vom Kino im Kulturhaus
wieder Filmfans aller Alterklassen zum Freiluft-Filmvergnügen in die Spandauer Altstadt. Liebhaber des spektakulären Überwältigungskinos, Romantiker und Komödienfans kommen ebenso auf ihre Kosten wie Freunde der
leisen Töne oder des subtilen Witzes. Decken, Kissen und
Wärmflaschen können ausgeliehen werden und das gastronomische Angebot reicht von Drinks, Snacks, Würstchen und Eis bis zu täglich frisch gekochter Suppe!
OpenAirKino Spandau im Innenhof der Stadtbibliothek
Carl-Schurz-Straße 13, 13597 Berlin
Infos und Reservierung: 030-333 60 81
Vorverkaufskasse tgl. ab 17:00 Uhr im Kino im Kulturhaus
Der Veranstaltungsbereich ist barrierefrei, freundliche Hunde
dürfen mitkommen
U-Bahn und Bus »Rathaus Spandau«:
U7 | X33, 130, 134, 135, 136, 236, 237, 337, 638,
639, 671, M32, M37, M45, N30, N34
Informationen und Programm auch unter
www.openairkino-spandau.de

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Ta n ja Schn i t z ler

Kaum zu glauben, wie viele Skulpturen und Kunstwerke es
im öffentlichen Raum allein in der Wilhelmstadt und näherer Umgebung gibt, vom Gesamtbezirk ganz zu schweigen! Wer’s nicht glaubt, schaue mal bei Wikipedia: www.
wikipedia.org/wiki/Kunst_im_öffentlichen_Raum_in_
Spandau. Kann man auch gleich als Kunstführer beim Spazierengehen benutzen! 
us

Geschäftsstraßenmanagement
Ulrike Stock / Torsten Wiemken,
Tel. 030 - 30 12 46 97 bzw. 0178 - 352 38 01
gsm@wilhelmstadt-bewegt.de
Öffnungszeiten Büro Adamstraße 39
(Stadtteilladen) Di und Mi 10–13 Uhr
die raumplaner / LOKATION:S
Kaiser-Friedrich-Straße 90, 10585 Berlin
www.die-raumplaner.de

Ta n ja Schn i t z ler

Freiluftgalerie

Adressen
Prozesssteuerung und
Sanierungsbeauftragter
Koordinationsbüro für Stadtentwicklung
und Projektmanagement (KoSP)
Schwedter Straße 34A, 10435 Berlin
www.kosp-berlin.de
Andreas Wilke, Tel. 030 - 330028 – 36
wilke@kosp-berlin.de
Linda Tennert-Guhr, Tel. 030 - 330028 – 30
tennert-guhr@kosp-berlin.de

ÄNDE im Gelände: Ginger Beer von hier
Wer sagt, es gäbe keine erfolgreichen Start-Ups in der Wilhelmstadt? ÄNDE zum Beispiel, gegründet 2016 (siehe
auch Wilma Nr. 3/2017) . Hinter dem Label stehen Andrea
Stenz, Dominik Seele und Jonas Lackmann, die zwei leckere Getränke auf Ingwerbasis auf den Markt gebracht haben:
Ginger Root und Gentle Ginger sind leichte alkoholfreie
Varianten des international bekannten Limonadenklassikers Ginger Beer, nur, dass es in Deutschland eben nicht
»beer« heißen darf, wegen des Reinheitsgebots. Der Erfolg
ließ nicht lange auf sich warten: In Wilhelmstädter Lokalen wie dem Barfly ist die Limo schon lange ein beliebter
Drink. 2017 räumte ÄNDE mit seinen Kreationen sowohl
die Auszeichnung »EDEKA FoodStarter« als auch den
»Drinkstarter-Preis« ab. Und seit März gibt es eine Logistikund Vertriebskooperation mit dem Bio-Saft-Produzenten
Voelkel GmbH. Wer die ÄNDE-Limos immer noch nicht
kennt, hat Gelegenheit, sie auf dem Wilhelmstadtfest am
19. August zu probieren. Ideale Erfrischung in der Sommerhitze!

Ta n ja Schn i t z ler

Freiluftkinozeit:

Stadtteilvertretung Wilhelmstadt
Sprecher: Michael Henkel, Markus Ritter,
Emilio Paolini
Öffentliche Sitzung:
jeder 1. Mittwoch im Monat, 19 Uhr
Stadtteilladen Adamstraße 39
www.stv-wilhelmstadt.de

Bezirksstadtrat für Bauen, Planen
und Gesundheit
Frank Bewig
Bezirksamt Spandau von Berlin
Carl-Schurz-Straße 2/6, 13597 Berlin
Tel. 030 - 90 279 - 22 61
frank.bewig@ba-spandau.berlin.de
Stadtentwicklungsamt, Fachbereich
Stadtplanung
Carl-Schurz-Straße 2/6, 13597 Berlin
Sprechzeiten: dienstags und freitags 9–12
Uhr und nach telefonischer Vereinbarung
Amtsleiter:
Markus Schulte, Tel. 030 - 90 279 - 35 72
markus.schulte@ba-spandau.berlin.de
Gruppenleitung Sanierung/
Planungsrechtliche Beurteilung:
Doris Brandl, Tel. 030 - 90 279 - 31 64
doris.brandl@ba-spandau.berlin.de
Bearbeiterinnen und Bearbeiter für das
Förderprogramm »Aktive Zentren Berlin«
Kerstin Schröder, Tel. 030 - 90 279 - 35 73
kerstin.schroeder@ba-spandau.berlin.de
Jörg Rinke, Tel. 030 - 90 279 - 3568
joerg.rinke@ba-spandau.berlin.de
Katharina Lange, Tel. 030 - 90 279 - 2280
katharina.lange@ba-spandau.berlin.de

Sozialteam Wilhelmstadt
Bürgerberatungsangebote im
Stadtteilladen Adamstraße 39
Tel. 419562-54 / -62 / -58

Kontakt: Volkmar Tietz, Tel. 30 12 46 97, oder
Mob. 0176-24981761,
Montag, 10–12 Uhr: Ewa Betz berät zu Fragen
der Stressbewältigung
Montag, 16–18 Uhr
Schiedsmann Dietmar Zacher berät bei
Konflikten und Streitigkeiten und zu
Schwerbehindertenrecht
Dienstag, 15–18 Uhr
Frau Nouha Razzouk berät zu Fragen der
Integration und Umgang mit Ämtern
Mittwoch, 15–18 Uhr (nicht am 1. Mittwoch
im Monat!): Sozialsprechstunde
Donnerstag, 14.30–16.30 Uhr: Basteln
Handarbeiten für Jung und Alt mit
Heidemarie Koch
Donnerstag, 16–18 Uhr: Kiezsprechstunde
mit Volkmar Tietz
2. Donnerstag im Monat, 17–20 Uhr:
RepairCafé: Hilfe zur Selbsthilfe, Reparatur
von Elektro- und Haushaltsgeräten unter
Anleitung
Freitags 10–12 Uhr: Hartz IV & mehr:
Wolfgang Schumann berät zu Hartz IV,
Jobcenter, Existenzgründung

Kostenlos und draußen
Ein Gratis-Sommervergnügen ist dagegen das gemütliche
Radeln oder Spazieren am Havelufer. Zeit für Ausflüge in
die grüne Wilhelmstädter Umgebung …
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A rch i v

auf Lebenszeit für Unterhalt und Obdach zu
erhalten. Auch die Förderer und Spender
mussten sich bezüglich Herkunft und Lebenswandel als tadellose und einwandfreie
Bürger erweisen, ehe das Stiftungs­kura­
torium – entsprechend der »allerhöchsten
Genehmigung durch Kabinettsorder« – eine
»milde Stiftung zum Heil und Segen« entgegen nehmen durfte.
Diese Kabinettsorder machte es möglich,
dass Vermögen aus letztwilligen Verfügungen – wie 1868 des Rentiers Gustav Christoph Tischer über 1.000 Thaler und insbesondere 1878 der Witwe Dorothea Friederike
Rüppel geb. Grunewald mit der damals enormen Summe von 56.254,71 Mark aus der
Grunewald-Rüppelschen Stiftung – in die
Bürgerstiftung für den Bau eines Hospitals
einfließen konnten.
Dazu kamen Schenkungen wie die der Eheleute Wilhelm und Pauline Vogler, die ein Legat von 20.000 Mark zur Finanzierung von
fünf Stiftsstellen aussetzten, aber auch so
manche amtlich verordnete Zuwendung,
wie den Kassenbestand über 6 Thaler und 28
Groschen des aufgelösten »Heiraths-Ausstattungs-Vereins« plus der 500 Thaler
schweren Caution des »ehemaligenVereinsRendanten Faustmann« – so etwas wie ein
Rechnungs- oder Geschäftsführer – die laut
dem Havelländischen Anzeiger von 1866 in
das Stiftungsvermögen übergehen werden,
wenn nicht rechtzeitig legitime Ansprüche
Dritter angezeigt werden.
In unmittelbarer Nachbarschaft der 1893 errichteten Melanchthonkirche und dem seit
1867 ersten Kommunalen Friedhof der Stadt
(siehe Wilma I/2017) hatte der Magistrat
Spandaus an der Adam- Ecke Melanchthonstraße das passende Gelände, das er 1895 der
Bürgerstiftung für den Bau des Hospizes kostenfrei zur Verfügung stellte.
Nur der liberalen Gesinnung der beiden Namensgeber der Stiftung, Friedrich Wilhelm
und Victoria, tat man mit dem Ort ziemlich
Unrecht. Denn das Friedhofsgelände wurde
bereits1848 als eher anonyme Begräbnisstätte für gefallene Dissidenten der demokratischen Revolution genutzt.
Schon die Verlobung zwischen dem 25 Jahre
alten Kronprinzen und der zehn Jahre jüngeren Tochter der britischen Königin Victoria
im Jahr 1856 war am preußischen Hof nicht
von allen gern gesehen. Mit Friedrichs öffentlicher Kritik an der Bismarck’schen
Kriegspolitik gegen Dänemark und Österreich war das Kronprinzenpaar nicht nur bei
nationalkonservativen Militärs und Höflingen, sondern auch bei dem königlichen Vater Wilhelm I in Ungnade gefallen.
An der festgeschriebenen Thronfolge änderte das jedoch nichts. Im Dreikaiserjahr 1888
wurde aus dem Kronprinz für nur 99 Tage

Viele Bindestriche
für Beneficien auf
Lebenszeit
Die Friedrich-Wilhelm-VictoriaBürger-Hospital-Stiftung

Mit der hoheitlichen Spende von 200 Reichs­
thalern als Grundstock und »guten Wünschen für das Gedeihen der Stiftung« wurde,
fast auf den Tag genau vor 160 Jahren, am 10.
Juli 1858 die »Erlaubnis ertheilt«, dass die
neugeschaffene Bürgerstiftung für ein Spandower Hospiz den Namen seiner königlichen Hoheiten, des Prinzen Friedrich Wilhelm und seiner Gemahlin Victoria von
Sachsen-Coburg und Gotha, Prinzessin von
Großbritannien und Irland, tragen durfte.
Natürlich war es auch in der Havelstadt eine
lang geübte Tradition, dass begüterte Bürger mit Spenden den sogenannten Armenhäuslern ein karges Dasein ermöglichten,
für das jene jedoch zu gemeinnützigen Arbeiten herangezogen wurden.
Für »ehrbare Bürger von angemessener Herkunft« und mit »sittsamer, christlicher Gesinnung«, die »ohne Verschulden« in Not gerieten, gab es bis dato keine Einrichtung, wie
sie dann mit dem ersten Stiftungsgeld zuerst in der Schönwalder Straße 50/51 für 15
alte und verwitwete Stadtbürger geschaffen
wurde. 1890 konnte ein weiteres Haus in der
Breitestraße 20 für 8.000 Mark umgebaut
werden, um weitere Bedürftige aufzunehmen.
Sittsam und würdig mussten aber nicht nur
die Empfänger der Hilfe sein, um Beneficien
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Kaiser Friedrich III, dem nach seinem frühen
Tod aufgrund eines Krebsleidens dann der
alles andere als liberale Sohn Wilhelm II
nachfolgte. Victoria verbrachte nach dem
Tod ihres Mannes ihr letztes Lebensjahrzehnt bis 1901 weitab von Berlin auf dem
Schloss Friedrichshof in Kronberg/Taunus.
Zwei Dinge haben wir trotz der nur kurzen
Regierungszeit Kaiser Friedrich zu verdanken: 1. ist es seitdem in Deutschland üblich,
einer neuen Regierung 100 Tage Zeit zu geben, ehe man öffentlich erste Einschätzungen verlauten lässt. 2. hat trotz der bekannten Missgunst Wilhelms II gegen seine Mutter Victoria der uns von der Heerstraße bekannte Baurat Adolf Frey im Jahre 1910 in einem Artikel in der »Bauwelt« nachdrücklich
der »Kaiserin Friedrich« für ihre Unterstützung bei der Realisierung der für Groß-Berlin so wichtigen Magistrale gedankt.
Doch zurück zum Bürgerhospiz, dem Altenwohnheim in der Wilhelmstadt. Der 1897 für
100.000 Mark als Eckpavillon errichtete Bau
war trotz des altmodisch historisierenden
Stils und dem schnörkeligen Ecktürmchen
mit 26 Einzimmerwohnungen und Zentralheizung ein hochmodernes Altenwohnheim, das 1931 und 1953 jeweils zeitgemäße
Erweiterungsbauten erhielt. Fast exakt 100
Jahre nach der Gründung wurde die Stiftung
aufgelöst, doch bis heute ist die Einrichtung
am Melanchthonplatz ein bezirkliches Seniorenwohnhaus geblieben. Im Foyer des alten Eckgebäudes sind noch heute die Namen der wichtigsten Stifter und Förderer
verewigt.
Thomas Streicher

Fotos: Archiv Streicher
        
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