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Periodical volume

Full text: Wilma Issue 2016,2

Wilhelmstädter Magazin Nr. 2, April/Mai 2016

Ta n ja Schn i t z ler

Erscheint sechsmal im Jahr kostenlos und werbefrei, Herausgeber: Bezirksamt Spandau von Berlin, Stadtentwicklungamt

Seite 3
Alle wollen wohnen

Seite 8 / 9
Die letzten Kriegstage 1945

Seite 5 und 14
Freiluftsaisonstart

Berlin wächst rasant und braucht dringend
mehr Neubau: schnell, gut und preiswert.
Wie kann man das schaffen?

Eine Wilhelmstädterin hält ab April 1945
ihre Erlebnisse in einem Tagebuch fest.
Wir veröffentlichen erstmals Auszüge.

Mit dem Frühling beginnen auch die
Feste und Aktionen draußen. Die
Wilhelmstadt hat einiges zu bieten.

Ta n ja Schn i t z ler

Termine im Stadtteilladen Adamstr. 39

Sprechzeiten des Geschäftsstraßenmanagements: Di und Mi 10–13 Uhr
Sprechstunde des KoSP (Gebietsbeauftragte
für die Wilhelmstadt): freitags 9–14 Uhr im

Berlins dritte Gründerzeit
Auf dem letzten Stadtforum ging es um
neuen Wohnraum in der wachsenden Stadt

Öffentliche Sitzungen der Stadtteilvertretung:
jeden 1. Mittwoch im Monat, 19 Uhr
Stadtteilvertretung, AG Verkehr:
jeden 2. Mittwoch im Monat, 19–21 Uhr
Beratungsangebote des Sozialteams im
Stadtteilladen: siehe S. 15
Arbeitsgruppe
„Geschichte und Geschichten“

welchen Ort in der Wilhelmstadt das Bild zeigt, schickt die Lösung – bitte mit genauer Absender­
adresse! – an die Redaktion: „Wilma“, c/o Ulrike Steglich, Elisabethkirchstr. 21, 10115 Berlin, oder
per Mail an: wilma@berliner-ecken.com. Einsendeschluss ist Montag, der 20. Juni. Unter den richtigen Einsendungen wird ausgelost, der Gewinner erhält einen 20-Euro-Büchergutschein für die Dorotheenstädtische Buchhandlung. Unser letztes Bilderrätsel zeigte den Trinkbrunnen am Metzer Platz.
Gewinner ist Michael Götze. Herzlichen Glückwunsch! Der Preis wird Ihnen per Post zugesandt.

Mehr Fördermittel für freiwilliges Engagement in Spandau
Das Berliner Förderprogramm zur Unterstützung bürgerschaftlichen Engagements bei der
Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur
wird fortgesetzt. Für Projekte engagierter Bürgerinnen und Bürger stehen 2016 in Spandau
insgesamt 67.000 Euro zur Verfügung – 50%
mehr als im Vorjahr. So können noch mehr
Projekte gefördert werden. Ziel ist die Förderung des Bürgerengagements bei der Aufwertung und Verbesserung öffentlicher Infrastruktureinrichtungen in der Nachbarschaft. Hierzu
zählen Renovierungen, Pflanzungen oder Maßnahmen für eine saubere Stadt bezogen auf
Schulen und Horte, Kitas, Begegnungsstätten
und Nachbarschaftsheime, Seniorenfreizeitund sonstige soziale Einrichtungen, Sport- und
Grünanlagen sowie öffentliche Straßen und
Plätze.
Die Mittel sind zweckgebundene Sachmittelerstattungen für Maßnahmen, die in Eigenleis­
tung realisiert werden. Antragsteller müssen
sich an den Vorhaben durch eigene ehrenamtlich erbrachte Leistungen beteiligen, Auftragsvergaben an Dritte dürfen aus diesen Mitteln
nicht finanziert werden.
Antragsberechtigt sind alle Bürgerinnen und
Bürger sowie gesellschaftliche Initiativen, die
nicht gewinnorientiert arbeiten. Voraussetzung für die Förderung entsprechender Projekte
2

durch das Bezirksamt Spandau ist natürlich,
dass sich die Maßnahmen auf im Bezirk Spandau gelegene Einrichtungen beziehen. Die
Vergaberichtlinien der Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung sehen eine Begrenzung der
Förderung auf einen Höchstbetrag in Höhe von
3500 € je Einzelmaßnahme vor.
Eine Förderung von Maßnahmen in Quartiersmanagementgebieten (in Spandau die Gebiete
Falkenhagener Feld West und Ost, Heerstraße
Nord sowie Neustadt) ist ausgeschlossen.
Anträge auf Bereitstellung von Fördermitteln
können bis zum 29.04.2016 formlos an das
Bezirksamt Spandau von Berlin, Büro des Bezirksbürgermeisters, Carl-Schurz-Straße 2/6,
13578 Berlin, gerichtet werden. Dem Antrag ist
eine detaillierte Projektbeschreibung beizufügen, die Zweck, Art, Umfang, Zeitrahmen und
Kosten der Maßnahme beschreibt. Das Bezirks­
amt weist darauf hin, dass kein Rechtsanspruch auf eine Förderung oder eine bestimmte
Höhe der Förderung besteht und die Übernahme von Personalkosten ausdrücklich ausgeschlossen ist.
Nähere Auskünfte und ein Merkblatt sind
unter der o.g. Anschrift, telefonisch unter
(030) 90279-3318 oder per E-Mail unter
ehrenamtsbuero@ba-spandau.berlin.de
erhältlich.

WILMA im Netz

Sämtliche erschienenen WILMA-Ausgaben sind
im Internet als PDF auch einsehbar unter:
www.wilhelmstadt-bewegt.de/was-bewegtsich/wilma
Nächste WILMA

Die WILMA erscheint sechsmal im Jahr. Die
nächste Ausgabe finden Sie ab Ende Juni in
vielen Wilhelmstädter Geschäften, öffentlichen
Einrichtungen und auch im Stadtteilladen
Adamstr. 39.

Impressum

Bezirksamt Spandau von
Berlin, Abt. Bauen, Planen, Umweltschutz und
Wirtschaftsförderung; Stadtentwicklungsamt
Redakt ion Christof Schaffelder,
Ulrike Steglich
Redakt ionsadre sse »Wilma«,
c/o Ulrike Steglich, Elisabethkirchstr. 21,
10115 Berlin, Tel.: (030) 283 31 27,
mail: wilma@berliner-ecken.com
Fotoredakt ion Tanja Schnitzler,
fotografie@tanjaschnitzler.de
Her ausgeber

Entwurf und Ge sta ltung

Kai Dieterich, Sebastian Fessel
www.morgen-berlin.com
Druck BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH
www.berliner-zeitungsdruck.de
V. i . S .d.P. Ulrike Steglich / Für den Inhalt
der Zeitung zeichnet nicht der Herausgeber,
sondern die Redaktion verantwortlich.

Ta n ja Schn i t z ler

Bilderrätsel: Gewinner gesucht! Wo wurde dieses Foto aufgenommen? Wer weiß,

Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der
jüngeren Geschichte der Wilhelmstadt, hat
dazu bereits eine vielbeachtete Ausstellung
erarbeitet und baut derzeit ein Archiv auf. Sie
trifft sich jeden zweiten Montag und jeden
vierten Donnerstag im Monat um 17 Uhr im
Stadtteilladen.

Fast 600 Interessierte waren gekommen, die
kleine Arena des Tempodroms war überfüllt –
was die Brisanz des Themas nochmals verdeutlichte. „Alle wollen wohnen“ war das
Motto des jüngsten Stadtforums Anfang April.
Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel ist
ein Freund klarer Worte, und sein Einführungsvortrag benannte prägnant die dringlichsten Themen und Probleme, mit denen sich
Berlin als rasant wachsende Stadt konfrontiert sieht und für die in der Stadtentwicklung
schnell tragfähige Lösungen gefunden werden
müssen.
In den letzten fünf Jahren ist Berlin unterm
Strich um 220.000 Einwohner gewachsen –
so viele, wie in Spandau oder Erfurt leben.
Bis 2020 wird nochmals ein Zuwachs um ca.
150.000 Einwohnern erwartet, was in etwa
Bochum entspräche, so Geisel. Berlin steuert zügig die 4-Millionen-Marke an. Es sei
dabei wenig hilfreich, das zu problematisieren nach dem Motto „Muss das denn
sein“ – vielmehr entspricht das einer globalen Entwicklung: weltweit drängen die
Menschen in die Ballungszentren. In Berlin
sind dies keineswegs nur Flüchtlinge: die
Neuberliner kommen zu großen Teilen aus

anderen deutschen Regionen oder dem europäischen Ausland. Dabei stehen weniger
die Sozialsysteme unter Druck (die Erwerbstätigenzahl steigt stärker als die der
Einwohner), wohl aber der Wohnungsmarkt, denn: „Alle wollen wohnen“.
Doch der Wohnungsmarkt hält mit dem
Wachstum nicht Schritt, die Nachfrage
übersteigt das Angebot, die Mieten und
Grundstückspreise explodieren. Berlin
braucht also schnell neuen und vor allem
preiswerten Wohnraum. 2015, so Geisel,
wurden für 22.500 Wohnungen Neubaugenehmigungen erteilt, davon wurden 12.500
fertiggestellt. Notwendig wären aber ca.
20.000 realisierte neue Wohnungen pro
Jahr, und das mehrere Jahre in Folge. Deshalb sei auch die Wohnungsbauförderung
wieder eingeführt worden. Dringend benötigt werden Sozialwohnungen, in diesem
und dem nächsten Jahr werden insgesamt
5.500 gefördert, doch das reicht noch nicht,
ab 2018 müssten es jährlich 5000 sein, sagte Geisel.
Hinter den Zahlen stehen mehrere Probleme, auch dies führte der Senator aus: Erstens: Es dauert zwei bis drei Jahre, bis ein
Bau realisiert ist. Zweitens bedeutet eine
Baugenehmigung noch nicht, dass ein Investor auch wirklich baut: 40% der erteilten
Genehmigungen werden nicht umgesetzt,
aus spekulativen Gründen. Denn ein
Grundstück mit Baugenehmigung verkauft
sich noch lukrativer. Dabei sind die Grundstückspreise ohnehin in den letzten beiden Jahren enorm gestiegen: 2014 um 30%,
2015 nochmals um satte 50%. „Wir müssen
etwas bei der Grunderwerbssteuer tun, um
diese Spekulationsblase zu bremsen“, sagte Geisel, „sonst brauchen wir über preiswertes Wohnen gar nicht reden.“
Doch auf welchen Flächen soll und kann
gebaut werden? Die Senatsverwaltung hat
stadtweit ein Potenzial von 1300 Standorten für insgesamt 150.000 Wohnungen ermittelt, dazu 10 weitere Standorte für
50.000 Wohnungen. Soweit die Theorie. In
der Praxis sind Änderungen des Flächennutzungsplanes notwendig, müssen mehr
Bebauungspläne bearbeitet werden, wofür
jetzt eine „Task Force“ mit 50 zusätzlichen
Stellen aufgestellt wird. Angesichts des
Engpasses an preisgünstigen Flächen wird
auch darüber nachgedacht, mehr Sanie-

rungsgebiete auszuweisen, in denen das
Land die Preisentwicklung noch etwas
kontrollieren kann. Die Praxis zeigt aber
auch, dass dort, wo das Land Berlin bauen
könnte, sich oft Widerstand von Anwohnern gegen eine Bebauung regt. Hier wird
Geisel deutlich: Wenn die Nachfrage deutlich das Angebot übersteigt, könne man
nicht einerseits die Mietpreisdämmung
fordern und andererseits Neubau in der Innenstadt blockieren. Wenn man Verhältnisse wie in London und Paris vermeiden
wolle, wo das Wohnen in der Innenstadt
zum Luxus geworden ist und Ärmere an
die Peripherie gedrängt werden, und wenn
man die Berliner soziale Mischung erhalten will, müsse man jetzt gegensteuern –
mit preiswertem Neubau auch in der Innenstadt.
Immerhin stattliche 44% Berlins sind Grünund Freiflächen. Um wichtige Grünressourcen weiter schonen zu können, ist ein sorgsamer Umgang mit dem Flächenverbrauch
nötig. Das bedeute auch, dichter und höher
zu bauen als bisher. Zum anderen müsse
man Vorurteilen gegen den seriellen Wohnungsbau („Platte 2.0“) begegnen: dieser
sei notwendig, um effektiv und zügig zu
bauen – entscheidend seien die Qualität
und die städtebauliche Gestaltung. Dabei
verwies Geisel auch auf Siedlungsbauten
der 20er Jahre, die heute zum Weltkulturerbe gehören – Beispiele, wie man auf eine
Gründerzeit mit nachhaltigem, qualitätsvollen sozialen Wohnungsbau reagieren
kann. Heute geht es außerdem darum, auch
auf heutige Anforderungen an Infrastruktur
und Mobilität, auf veränderte Wohn- und
Arbeitsformen und auf die demografische
Entwicklung mit ihrem zunehmenden Anteil älterer Bewohner zu reagieren.
Berlin, darin waren sich viele Diskussionsteilnehmer einig, erlebt nun eine dritte
Gründerzeit, hat aber eben auch schon eine erste und zweite bewältigt. Die gesellschaftliche Herausforderung beschrieb der
Soziologe Heinz Bude, der eine zunehmende Ungleichheit und neue Spaltungen der
Stadtgesellschaft konstatierte: Zum einen
entstehe ein neues „Dienstleistungsproletariat“ der Niedrigverdiener, zudem spalte
sich die bisherige Mittelschicht in eine
obere, der es immer besser gehe, und eine
zunehmend prekäre, verunsicherte „untere“. Die Frage sei, wie man mit diesen neuen Spaltungen umgehe. Zugleich aber zeigte er Zuversicht: „Berlin kann diese Probleme lösen, weil es ein politisch-soziales Bewusstsein gibt.“
us
Mehr dazu im Internet unter www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtforum/

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em i l io paol i n i

50. Sitzung der Stadtteilvertretung
Wilhelmstadt – ein Rückblick

Es war eine besondere Sitzung der Stadtteilvertretung Wilhelmstadt, nämlich die fünfzigste. Sie wurde im Januar
angemessen begangen – mit einer öffentlichen Veranstaltung im Gemeindesaal der Melanchthon-Kirchgemeinde.
Viele interessierte Wilhelmstädter waren gekommen.
Die Wilhelmstadt ist seit 2011 ein Fördergebiet im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Aktive Zentren Berlin“ und seit 2012 auch Sanierungsgebiet. Das bedeutet,
dass hier gezielt Fördermittel in die öffentliche Infrastruktur investiert werden. An den Diskussionsprozessen zu wichtigen Maßnahmen im Gebiet sollen die Bürger beteiligt und zur Mitwirkung angeregt werden, so
sieht es auch das Baugesetzbuch vor. Die Stadtteilver-

tretung (STV) Wilhelmstadt ist ein Bürgergremium und
versteht sich als offenes Forum für alle Anwohnerinnen
und Anwohner, Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer sowie Gewerbetreibenden, die sich für ihren
Stadtteil engagieren wollen. Zugleich soll eine STV als
wichtiges Bindeglied zwischen Verwaltung, Sanierungsbeteiligten und Bürgern fungieren und aktiv Informationen in beide Richtungen transportieren.
Die jetzige STV hat sich auf einer Bewohner-Versammlung im Mai 2011 gebildet, seither hat es natürlich auch
einige Fluktuation im ehrenamtlich arbeitenden Gremium gegeben. Auf ihrer 50. Sitzung im Januar berichteten
die STV-Sprecher über die bisherige Arbeit und Aktivitäten im Gebiet – so engagiert sich beispielsweise die AG
Verkehr der STV sehr bei der Diskussion zu Verkehrskonzepten und verkehrsberuhigenden Maßnahmen.
Andreas Wilke vom Büro KoSP, das mit der Prozessteuerung im Gebiet beauftragt ist, erläuterte die Zielsetzungen im Sanierungsgebiet und Aktiven Zentrum und gab
einen informativen Überblick über das Geschehen und
die Planungen in der Wilhelmstadt.
Klar wurde: Es gab viel Gesprächsstoff – und das Engagement der Bürger, ihre Ideen und Aktivitäten sind gefragt. Deshalb hofft die STV, dass sich auch durch diese
Veranstaltung mehr Wilhelmstädter ermuntert fühlen,
in der Stadtteilvertretung mitzumachen.
Die Anzahl der STV-Mitglieder ist grundsätzlich nicht
begrenzt. Wer sich engagieren will, ist herzlich willkommen. Eine Stimmberechtigung ergibt sich bei regelmäßiger Teilnahme. Die STV tagt monatlich, um aktuelle
Themen und Vorhaben zu besprechen.
Treffen: jeden ersten Mittwoch im Monat um 19.15 Uhr im Stadtteilladen Adamstr. 39

Havel-Radweg: Bauarbeiten zwischen Eisenbahnbrücke und Ziegelhof ab April
Der Havel-Radweg ist ein wichtiger Bestandteil des Fahrradroutennetzes in Berlin und Brandenburg und soll in Berlin weiter
ausgebaut werden. In Berlin-Spandau wird der Havel-Radweg
auf einer Länge von insgesamt rd. 7 km erneuert und erweitert.
Südlich der Altstadt am Schifffahrtsufer zwischen der Eisenbahnbrücke und Ziegelhof / Bullengraben beginnen die Bauarbeiten hierfür Mitte April 2016 und werden voraussichtlich
Ende September 2016 beendet sein. Leider ist in dieser Zeit
während der Bauarbeiten die Trasse für Fußgänger und Rad-

fahrer nicht nutzbar. Eine Umleitung wird ausgeschildert.
Mit dem Ausbau des Havel-Radweges überwiegend in Asphalt
wird auch das Thema der Pfützenbildung im Bereich des vorhandenen Uferweges zwischen Bahnbrücke und Dischingerbrücke beseitigt, denn in der Vergangenheit hatte der Zustand
des Weges vermehrt zu Bürgerbeschwerden geführt.
Die Bauarbeiten an diesem Abschnitt werden von der landeseigenen Grün Berlin Stiftung koordiniert. Informationen sind
im Internet unter www.gruen-berlin.de verfügbar.

Bundesweiter Tag der Städtebauförderung
21. Mai: Viele Veranstaltungen auch in Spandau
Ohne Städtebaufördermittel ginge in Berliner Bezirken angesichts der knappen regulären Etats eigentlich nur das Allernotwendigste: gesetzliche Pflichtaufgaben wie Wohngeld oder die Erhaltung kommunalen Schulbetriebs und öffentlicher Einrichtungen.
Hätten Bund, Länder und EU nicht diverse
Förderprogramme für Städte und Gemeinden aufgelegt, blieben viele Investitionen
zur Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur nur Träume: beispielsweise Kitaund Schulsanierungen, Verkehrsberuhigungsmaßnahmen, die Erneuerung von
Spielplätzen, Grün- und Freiflächen, die Unterstützung von Geschäftsstraßen oder sozialer Projekte.
Die Programme für Gebiete mit besonderem Förderungsbedarf heißen z.B. „Aktive
Zentren“, „Soziale Stadt“, „Stadtumbau“
oder „Städtebaulicher Denkmalschutz“.
Auch in Spandau gibt es solche Fördergebiete – darunter die Wilhelmstadt, die 2011
ins Förderprogramm „Aktive Zentren Berlin“ aufgenommen wurde.
Seit 2015 findet jährlich bundesweit der „Tag
der Städtebauförderung“ statt, an dem auf
zahlreichen Veranstaltungen viele konkrete
Maßnahmen öffentlich vorgestellt werden.
Hier können sich Bürger informieren, welche Projekte zur Verbesserung der städtischen Infrastruktur mit Städtebaufördermitteln ermöglicht werden. Der Aktionstag
ist eine gemeinsame Initiative von Bund,
Ländern, Deutschem Städtetag sowie Deutschem Städte- und Gemeindebund.

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Sie gehört zu den attraktivsten Freizeitangeboten des Bezirks. In unmittelbarer Nähe zum Südpark, einer Minigolfanlage und
dem Kombibad Spandau-Süd kann man in
der 161.000 qm großen Anlage kostenfrei
Ruhe und Erholung finden und sich sportlich betätigen. Nun wurde das Angebot mit
Mitteln aus dem Förderprogramm „Aktive
Zentren“ deutlich erweitert bzw. erneuert.
U.a. wurden das Plansch- und das Kneippbecken saniert, die Pumpenanlage erneuert, ein Strandsandbereich mit Holzdeck
sowie ein Wasserspielplatz gebaut und das
Holzspielschiff ausgetauscht..
Die Anlage wird nicht nur von Anwohnern
und Kitas, sondern auch vom benachbarten Seniorenclub genutzt. Deshalb soll
noch in diesem Jahr ein neuer Bewegungsparcours mit Seniorentrimmgeräten entstehen.
Am 21. Mai wird ab 10 Uhr im Beisein von
Bezirksbürgermeister Kleebank und den
Stadträten Röding und Hanke ab 10 Uhr Eröffnung gefeiert, im Rahmen der Berliner
Spielplatztage wird die Anlage offiziell den
künftigen Nutzern übergeben. Bis 15 Uhr
kann bei Sport, Spiel und Verpflegung weiter gefeiert werden. Der SJC Wildwuchs or-

Weitere Veranstaltungen in Spandau

Großsiedlung Heerstraße Nord (Soziale Stadt)
Das Quartiersmanagment, Anwohner und
Akteure laden zu einem Spaziergang durch
die Siedlung ein.
Spaziergang: 11–14 Uhr, Treffpunkt: 11 Uhr am
Stadtteilladen, Obstallee 28–30
Frühlingsfest Posthausweg
(Falkenhagener Feld – Stadtumbau West)
Im Einkaufszentrum präsentieren sich Akteure, Einrichtungen, Träger und Bewohner
des Falkenhagener Feldes mit Angeboten,
Projekten und einem Bühnenprogramm.
11–15 Uhr, Einkaufszentrum am Posthausweg
Schulfest der Siegerland-Grundschule
(Falkenhagener Feld – Soziale Stadt)
Um 12.30 Uhr werden ein modularer Ergänzungsbau und die neue Mensa feierlich
eingeweiht. Anwesend ist u.a. Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup.
Schulfest 10–15 Uhr, Herrmann-Schmidt-Weg 4

Rathausturmbesteigung
(Altstadt – Städtebaulicher Denkmalschutz)
Der Rathausturm ist an diesem Tag für Besucher geöffnet, zudem wird über geplante
Maßnahmen im Rahmen des Denkmalschutzprogramms informiert.
11–14 Uhr, Turmbesteigung je zur vollen Stunde, vorherige telefonische Anmeldung möglich
(Tel: 35100270), Rathaus Carl-Schurz-Str. 2/6
Ta n ja Schn i t z ler

Die Spandauer Spielplatztage sind Teil des berlinweit einmaligen Projekts „Raum für Kinderträume“, das vom Bezirksamt
Spandau (Abt. Bauen, Planen, Umweltschutz und Wirtschaftsförderung) initiiert wurde. Gemeinsam mit Partnern, Sponsoren, ehrenamtlichen Spielplatzpaten schafft das Bezirksamt
saubere, sichere und attraktive Spielplätze, unterstützt den Bau
neuer Spielplätze oder die Sanierung bestehender (wie am Ziegelhof oder im Südpark).
Bezirksstadtrat Röding dankt insbesondere den zahlreichen
Spielplatzpaten, die sich ehrenamtlich für „ihren“ Spielplatz
engagieren.us

Freizeitsportanlage im Südpark
(Wilhelmstadt – Aktives Zentrum)

ganisiert von 11–14 Uhr ein Beachvolleyballturnier sowie eine Aktionsolympiade.
Hier können Kinder und Jugendliche verschiedene Stationen durchlaufen. Bei Absolvierung einer bestimmten Anzahl von
Aktivitäten kann man an einer Verlosung
am Ende des Festes teilnehmen. Als Preise
winken Gutscheine für sportliche Aktivitäten oder Sportmaterialien sowie ein Platz
im Sommerferien-Programm des SJC Wildwuchs.

Familiensportfest Koeltzepark
(Neustadt – Soziale Stadt)
Quartiersnahe Sportvereine und Einrichtungen sorgen mit Sport- und Spielangeboten sowie einem Fußballturnier für Spaß
an der Bewegung.
14–18 Uhr, Koeltzepark

10. Spandauer Spielplatztage
Vom 30. April bis 28. Mai finden die Spandauer Spielplatztage
statt – nun schon zum 10. Mal. Sie beginnen mit einem großen Kinderfest im Rahmen des Usedom-Tages am 30. April
von 11 bis 18 Uhr auf dem Spandauer Marktplatz in der Altstadt – mit vielen Mitmach-Aktionen, Mal- und Bastelständen, Kinderbuchvorstellungen, dem KimbaMobil, einer Hüpfburg, Kinderschminken u.ä. Der Eintritt ist natürlich frei. Bis
zum 28. Mai finden dann auf vielen Spandauer Spielplätzen
an unterschiedlichen Terminen kleine Feste, Aktionen, Spieletage statt (das ausführliche Programm findet man auf vielerorts ausliegenden Flyern bzw. im Internet unter: www.raumfuer-kindertraeume.de)

Der diesjährige „Tag der Städtebauförderung“ findet bundesweit am Samstag, dem
21. Mai statt. Im Bezirk Spandau gibt es dazu
folgende Veranstaltungen:

Mehr Informationen und das ausführliche Programm unter: www.stadtentwicklung.berlin.de/
staedtebau/foerderprogramme/
www.tag-der-staedtebaufoerderung.de
5

Umgestaltung der Pichelsdorfer Straße: weitere Studien in Auftrag

Tempo 30
wegen Diesel?
Bürgerinitiative siegt vor
Verwaltungsgericht
An vielen Hauptverkehrsstraßen Berlins
müsste eigentlich ganztägig eine Tempo30-Begrenzung eingeführt werden. Das zumindest wäre die Konsequenz eines Verwaltungsgerichtsurteils vom 4. Januar 2016,
das einem Anwohner der Berliner Allee in
Weißensee Recht gab.
Dort befindet sich ein Standort des Berliner Luftgüte-Messnetzes. An 28 von insgesamt 29 Messstationen an Berliner Hauptverkehrsstraßen war im Jahresmittel 2014
eine Überschreitung des zulässigen Grenz6

nen geraten. Die Verkehrslenkung des Senats lehnt diese Lösung kategorisch ab.
Die Neugestaltung wird also die jetzige Aufteilung des Straßenraums kaum verändern:
Die Fahrbahn bleibt im Großen und Ganzen,
wie sie ist. An den Bushaltestellen jedoch
werden die Bürgersteige verbreitert und an
die Fahrbahn herangezogen, die Busse halten dann nicht mehr in der Haltebucht. Ansonsten werden die Fußgängerbereiche
höchstens punktuell ausgedehnt. Geprüft
wird derzeit, wo die Gehwege beschädigt
sind und ob sie gegebenenfalls ein einheitlicheres Erscheinungsbild bekommen sollen – letztlich ist das jedoch auch eine Kostenfrage. Auch die „Möblierung“ der Stra-

wertes für Stickstoffdioxid registriert worden. Der beträgt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – an der Berliner Allee wurden jedoch im Mittel 50 Mikrogramm gemessen. Der vom Senat beschlossene Berliner Luftreinhalteplan sieht in solchen
Fällen diverse Maßnahmen vor, u.a. die Reduzierung der Geschwindigkeit. Das Verwaltungsgericht gab der Klage des in einer
Bürgerinitiative engagierten Anwohners
auf eine ganztägige Tempo 30-Anordnung
statt und ließ auch keine Berufung zu. Gegen diese Nichtzulassung der Berufung
klagt jetzt der Senat vor dem Oberverwaltungsgericht.
In Spandau werden zurzeit nirgendwo regelmäßige Messungen an Verkehrsstraßen
vorgenommen. Ein heißer Kandidat für Extrembelastungen wäre aufgrund des hoTa n ja Schn i t z ler

Es wird noch etwas dauern, bis der Straßenraum der Pichelsdorfer umgestaltet
wird – in diesem Jahr jedenfalls wird noch
geprüft. Das Verkehrskonzept des Planungsbüros LK Argus wurde zwar bereits
grundsätzlich und öffentlich diskutiert,
doch liegt der Teufel bekanntlich im Detail.
Vom Tisch sind inzwischen alle Überlegungen, in der Pichelsdorfer einen längeren
Mittelstreifen zu schaffen. Der würde zwar
Fußgängern die Querung der Geschäftsstraße erleichtern, wäre aber für Radfahrer
eher ein Fluch als ein Segen: Auf der engen
Fahrbahn würden sie häufig zur Seite gedrängt und somit in gefährliche Situatio-

„Ohne die Aufnahmebereitschaft
der Berliner wird es nicht gehen“

Als Problemzone wurde inzwischen der
Kreuzungsbereich der Weißenburger Straße mit der Pichelsdorfer erkannt. Von der
Schulenburgbrücke her mündet sie als
Hauptverkehrsstraße und führt danach an
der „Traube“ um einige Meter nach Süden
versetzt als Nebenstraße ins Wohngebiet.
Das führt dort manchmal zu kniffligen Situationen. Geprüft wird deshalb, ob eine
Einbahn- oder gar Sackgassenlösung für
den Nebenstraßenbereich (im westlichen
Teilbereich der Weißenburger Straße) die
verkehrliche Problemzone auflösen kann.
Dadurch würde auch der Schleichverkehr
durchs Wohngebiet vermindert. Im Rahmen einer Studie zu weiteren Maßnahmen
soll jetzt u.a. geklärt werden, wo solche
Schleichverkehre tatsächlich stattfinden
und wie sie gegebenenfalls unterbunden
werden können.
Eine weitere konzeptionelle Voruntersuchung wird zu den Straßenbäumen in der
Pichelsdorfer erarbeitet. Beim „Baumkonzept“ geht es aber nicht darum, auf einen
Schlag alle Bäume zu erneuern, sondern genau zu prüfen, wo Bäume krank sind oder
stören, wo die Baumscheiben inzwischen zu
klein geworden sind und wo welche Arten
sinnvollerweise in Zukunft nachgepflanzt
werden sollten.
Aufgeschoben werden noch die Überlegungen zur Neugestaltung des Metzer Platzes.
Hier will man zunächst die Erfahrungen
aus aktuellen Berliner Modellprojekten in
Kreuzberg (Bergmannstraße), Schöneberg
(Maaßenstraße) und Mitte (Checkpoint
Charlie) abwarten. 
cs

Flüchtlingsunterkünfte in Berlin – ein Interview

hen Verkehrsaufkommens und der vergleichsweise geringen Straßenbreite aber
beispielsweise die Klosterstraße.
Stickstoffdioxid ist hochgiftig und entsteht vor allem durch Dieselmotoren. Zwar
sollte die Belastung durch die Einführung
strengerer Normen für die Automobilindustrie zurückgehen. Doch wie inzwischen
allgemein bekannt ist, wurde von der Industrie die tatsächliche Reduzierung in der
Praxis trickreich umgangen.
Die Klage wurde vom Bund Umwelt und
Naturschutz (BUND) Berlin unterstützt.
Der fordert vom Senat, auch an anderen
Standorten mit Grenzwertüberschreitung
Tempo 30 anzuordnen: »Falls nicht, stehen
die nächsten Anwohner, die klagen möchten, schon bereit.“
cs

Ephraim Gothe war bis 2011 Bezirksstadtrat für
Stadtentwicklung in Mitte und danach bis 2014
Berliner Staatssekretär für Wohnen. Inzwischen
ist er im »Landesweiten Koordinierungsstab
Flüchtlingsmanagement« für die künftige Unterbringung der Flüchtlinge zuständig.
Herr Gothe, mit wie vielen Flüchtlingen rechnet
Berlin in diesem Jahr?
Keiner kann das seriös abschätzen. Der Senat
geht aber für Berlin von weiteren 50.000 in
diesem und nochmals so vielen im nächsten
Jahr aus. Das ist jedenfalls die Zahl, auf die
wir uns einrichten. Denn es werden außer
neuen Flüchtlingen auch noch nachziehende Familienangehörige dazu kommen. Und
mit einer Aufenthaltserlaubnis wird vielen ja
auch die Freizügigkeit innerhalb Deutschlands gewährt. Etliche werden dann in die
Ballungsräume, also auch nach Berlin ziehen.
Und wo sollen sie untergebracht werden?
Um es gleich zu sagen: Ohne die Aufnahmebereitschaft der Berlinerinnen und Berliner
wird es nicht gehen. Wir haben das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk EJF damit
beauftragt, Flüchtlinge aus Gemeinschaftsunterkünften in Wohnungen zu vermitteln.
Mehr als 2000mal ist das im vergangenen
Jahr auch schon gelungen. In diesem Jahr
sollte die Zahl fünfstellig werden. Es haben
sich auch schon rund ein Dutzend Initiativen gebildet, wie zum Beispiel »Flüchtlinge
willkommen«, die Zimmer in Wohngemeinschaften vermittelt. Auch die Bezirke bauen
jetzt solche Vermittlungsplattformen auf.

chr i stoph eck elt

Ta n ja Schn i t z ler

Problemzone Kreuzung

ße wird noch geprüft: Wo zum Beispiel wären Fahrradbügel sinnvoll und vertretbar –
und wo überflüssig oder störend?

Viele wohnen ja in großen Wohnungen und
hätten durchaus die Möglichkeit, noch jemanden aufzunehmen. Die Kosten werden
bis zu den am Mietspiegel ausgerichteten
Obergrenzen der »Ausführungsvorschrift
Wohnen« übernommen, die auch für HartzIV-Empfänger gelten. Dabei können sie sogar bis zu 10% darüber liegen, weil die
Flüchtlinge akut von Obdachlosigkeit bedroht sind. Über all dies berät auch das EJF
in seiner Beratungsstelle am LaGeSo.
Aber Berlin will ja auch bauen. Kurzfristig zum
Beispiel neue Containerdörfer – dabei hieß es
noch vor einigen Monaten, der Markt für solche
Container sei in Deutschland absolut leergefegt.
Das hat der Weltmarkt inzwischen reguliert: Bei uns gehen genügend Angebote
aus allen Teilen der Erde ein, zuletzt zum
Beispiel über 500 Wohncontainer, die ursprünglich für die Erdölexploration in Sibirien gefertigt wurden, wegen des Ölpreisverfalls jetzt aber nicht eingesetzt werden.
Wir wollen in diesem Jahr rund 12.000 bis
15.000 Plätze in solchen Wohncontainern
einrichten und verhandeln mit den Bezirken über die Standorte. Dazu kommen
dann noch weitere ungenutzte Bürogebäude wie etwa das Rathaus Friedenau.
Am ehemaligen Flughafen Tempelhof werden rund 4.000 zusätzliche Plätze in Hallen
eingerichtet. Hier entsteht dann der zentrale Ort des Ankommens, an dem auch die Behörden vertreten sein werden: das LaGeSo,
die Ausländerbehörde und das Bundesamt
für Migration und Flüchtlinge, aber auch

das Jobcenter. Wir müssen so schnell wie
möglich von den Sporthallen wegkommen.
Das ist die schlechteste aller Varianten – für
die Berliner, für die Flüchtlinge selbst, aber
auch für die Finanzen der Stadt: Nichts ist
so teuer wie die Notunterbringung in Sporthallen, weil man hier besonders viel Personal benötigt.
Was ist mit den »MUFs«, den »Modularen
Unterkünften für Flüchtlinge« von denen so oft
die Rede ist?
Wir rechnen damit, dass bis Jahresende die
ersten 3000 bis 4000 Plätze fertig sind, der
größte Teil wird aber erst 2017 folgen. Diese industriell vorgefertigten Systeme lassen sich deutlich schneller bauen als konventioneller Wohnraum, darin liegt der
große Vorteil. Die Kosten dagegen sind
meist nicht niedriger – obwohl es bei Holzkonstruktionen mit bis zu drei Geschossen
sehr interessante Angebote gibt.
Diese »MUFs« dienen dann als Gemeinschaftsunterkünfte für Familien oder Wohngemeinschaften von Flüchtlingen. In der
Standardversion der Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung haben sie Gemeinschaftsküchen. Der Großteil dieser modularen Bauten wird allerdings von den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften und der
landeseigenen Immobiliengesellschaft Berlinovo errichtet, wobei diese sich nicht an
die Standardversion halten müssen. Da die
Gebäude ja dauerhaft stehen bleiben sollen,
werden sie so geplant, dass sie ohne großen
Aufwand auch für andere Zwecke genutzt
werden können, etwa als Studentenwohnheime oder auch als normale Wohnungen.
Es wird sehr flexible Varianten geben, wir
sind da sehr gespannt.
Besteht nicht die Gefahr, dass sich damit
­soziale Brennpunkte bilden?
Wir bemühen uns sehr darum, die Standorte
möglichst über die ganze Stadt zu verteilen,
und nutzen dazu landeseigene Grundstücke
oder solche landeseigener Unternehmen.
Auch der evangelische Friedhofsverband
stellt Standorte auf Wirtschaftsflächen zur
Verfügung. Die einzelnen Standorte sollen
jeweils rund 500 Bewohner aufnehmen können und sind etwa so groß wie ein bis zwei
Fußballfelder. Es ist aber auch klar, dass es
schwieriger ist, in der dicht bebauten Innenstadt solche Grundstücke zu finden.

Interview: Christof Schaffelder

„Wir müssen so schnell wie möglich von den
Sporthallen wegkommen. Das ist die schlechteste aller Varianten – für die Berliner, für die
Flüchtlinge selbst, aber auch für die Finanzen
der Stadt.“
7

Geschichte und Geschichten aus der Wilhelmstadt
Seit inzwischen über drei Jahren trifft sich
zweimal im Monat im Stadtteilladen Adamstraße die Gruppe „Geschichte und Geschichten“. Es sind ältere Wilhelmstädterinnen und
Wilhelmstädter, die ihre persönlichen Erinnerungen und Bilder zusammentragen, um die
jüngere Geschichte der Wilhelmstadt seit
Kriegsende aus subjektiver Sicht und unterschiedlichen Perspektiven zu erzählen. Daraus
entstand bereits die vielbeachtete Ausstellung
„Meine Kindheit in der Wilhelmstadt“, weitere
Publikationen sind geplant. Inzwischen ist ein
kleines Archiv mit fast 1000 Fotos, Texten,
Dokumenten, Exponaten entstanden, das beständig weiter wächst. Denn immer wieder

melden sich weitere Bewohner und steuern neues Material bei.
Eine von ihnen ist Frau Helga B., die in der
Wilhelmstadt geboren wurde, aufwuchs und
noch immer hier lebt. Das Kriegsende erlebte sie
als ganz junge Frau. Von Ende April bis Dezember 1945 führte sie Tagebuch über ihre unmittelbaren Erlebnisse, die Original-Aufzeichnungen – geschrieben mit Schreibmaschine, geheftet in einer roten Mappe mit der Aufschrift
„Mein Kriegstagebuch 1945“ – stellt sie nun
dem Wilhelmstädter Archiv zur Verfügung. Mit
freundlicher Genehmigung von Helga B. veröffentlichen wir hier erstmals gekürzte Auszüge
aus den ersten Tagebuchseiten.
us

Mein Kriegstagebuch – April 1945

21.4.
Seit Wochen und Tagen schon stellen die
Berliner sich die Frage: Kommen sie oder
kommen sie nicht? (…) Seit die Russen bei
Küstrin und Frankfurt/Oder durchgebrochen sind, schwirren die wildesten Gerüchte herum. Der eine will russische Panzer
hier gesehen haben, der andere da. Seit
Sonnabend, dem 21.4.1945, leben wir Spandauer jedenfalls im Alarmzustand. – Vor einiger Zeit wurden auf Grund der Stromersparnis für alle Berufstätigen Fahrausweise für S-, U- und Straßenbahn ausgegeben.
Ich bekam eine grüne Karte. Am Sonnabend Morgen stand plötzlich Frl. P. vor
der Tür und sagte mir, dass ab sofort nur
noch die roten Karten Gültigkeit haben.
(…) Im Büro hörten wir dann, dass die Rus8

sen schon in Bernau, Weißensee, Wünsdorf und Treuenbrietzen wären. Langsam
mussten wir uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass sie auch zu uns kommen könnten. Als ich mittags nach Hause
kam, zog ich gleich mit dem Handwagen
und meiner halben Flasche Schnaps – der
ersten, die ich bekommen hatte – los zu
Tante A., um mit Onkel E. Kartoffeln aus
Staaken zu holen. Auf der Falkenhagener
Chaussee begegneten uns Verwundete, die
anscheinend gerade von der Front kamen,
die sahen schrecklich aus. Bleich, hohläugig und stumpfen Blickes lagen sie auf
dem LKW. Das war meine erste Begegnung
mit der Front. Ich war so erschüttert, dass
mir alle Hoffnung auf ein gutes Ende
schwand. – In Staaken bekam ich leider für
meinen Schnaps keine Kartoffeln. Onkel E.
erhielt 1½ Ztr. für seine Fahrradmäntel. Da
bin ich nun fast 4 Std. umsonst gelaufen.
(...)
22.4.
Kurz vor 9 Uhr kam Frau L. und erzählte,
dass es verschiedene Sonderzuteilungen
gäbe. Fleisch, Konserven, Hülsenfrüchte,
Nährmittel, Zucker und Bohnenkaffee sollte es geben. Ich stellte mich zuerst bei Fleischer Janke an. Die Reihe reichte schon in
die Földerichstraße bis an die Tür von Jankes Garten. Fast 2 Std. stand ich und war
nur ca. 5 m vorgerückt. Dann kam Mutti,
die sich bei Kosmalla angestellt hatte, und
löste mich ab. Bis abends 6 Uhr hatten wir
beide abwechselnd gestanden und hatten
nicht einmal alles. Konserven und Zucker
waren schon alle. Am Nachmittag ereignete
sich noch ein aufregender Zwischenfall.

Flugzeuggebrumm ertönte, ein MG knatterte gefährlich nahe. Die Menschen stoben
auseinander oder standen still vor Schreck.
(...) Ich lief wie gehetzt nach Hause in den
Keller. Inzwischen begann auch Artilleriebeschuss. Wir schafften sofort unsere Sachen in den Keller. Der Krieg trat unmittelbar an uns heran. Wer hätte sich das vor ein
paar Tagen noch träumen lassen. – Als die
Schießerei abebbte, lief ich wieder zu Kosmalla, der inzwischen geschlossen hatte.
Es standen aber noch ein paar Leute vor der
Tür, man öffnete noch einmal und wir bekamen auch unsere Zuteilung. Im ganzen
erhielten wir folgende Sonderzuteilungen
für 2 Personen: 2 Pfd. Fleisch, 60g Bohnenkaffee, 2 Pfd. Erbsen, 1 Pfd. Nährmittel und
4 Pfd. Zucker.
Die nächsten 3 Tage vergingen mit stundenlangem Anstehen nach den übrigen Lebensmitteln. Wurde der Beschuss stärker,
saß man im Keller. Wir aßen und schliefen
sogar dort, wenn der Beschuss zu stark
wurde – natürlich in voller Montur. In der
Wohnung und auf der Straße war man seines Lebens nicht mehr sicher. (...)
26.4.
Wir dachten gerade, dass wir ein bisschen
Ruhe hatten, nachdem wir seit Sonntag
täglich überall anstehen mussten. Dann
hörten wir von Frau L., dass die Russen bereits im Südpark wären, was sich für’s Erste
als falsch erwies. Dann rief Herr M. auf
dem Hof: Alles schnell runterkommen. Da
standen an den Geschäften schon lange
Schlangen. Alles sollte ohne Marken abgegeben werden. Ich stellte mich bei Herrn
Jaschke an. Aber der wollte kein Gramm
Butter ohne besondere Anweisung abgeben, obwohl es die Butter auf Haushaltsausweis geben sollte. Da brach unter den
Leuten ein Tumult los, sie drohten, die
Scheibe einzuschlagen. Dann kamen Leute
angelaufen, die riefen, die Straße müsse in
1 Std. frei sein. Groß die Aufregung. Der
nächste rief: in 20 Min. und dann hieß es,
gleich schießt die Artillerie in unsere Straßen. – Panik brach aus. Einige wollten zudem schon Panzer an der Ecke Pichelsdorfer Str. gesehen haben. Außerdem verstärkte sich der Beschuss. Ich wartete etwas Ruhe ab und ging dann zum zweiten
Mal los. Verschiedene Läden gaben die Lebensmittel einfach so ab. (...). – Mittags
ließ der Beschuss nach und ich ging auf
den Balkon. Plötzlich ein ohrenbetäubender Knall, ich stürzte ins Zimmer. Als ich
vorsichtig wieder rausguckte, sah ich an
der gegenüberliegenden Seite Ecke Konkordiastr. eine dicke Qualmwolke aufsteigen. Dann folgte die nächste Detonation in
unmittelbarer Nähe. Wir rannten hinunter

und Dauerbrot brachten sie mit. Angeblich
sollte das Magazin leer sein, aber es kamen
immer noch Männer mit Kisten vorbei. Da
liefen Frau A. und ich mit Rucksäcken los,
immer an die Hauswände gedrückt. (...) Im
Keller lagen zentnerweise Margarine, Kisten
mit Leberwurstkonserven, Pakete mit Rindertrockenfleisch, Siruptöpfchen, Butterfässer lagen herum. Wir packten unsere Rucksäcke voll. (...) Bis kurz vor Mitternacht verteilten wir im Hof die Lebensmittel. Wir hatten zum Schluss: 2 Pfd. Margarine, 2 Büchsen Leberwurst, 2 mit Fleisch, ca. 4 Pfd.
Grütze, ca. 2 Pfd. Kunsthonig, 1 Schachtel
Trockenfleisch, 6 Pakete Dauerbrot und die
Einholetasche halbvoll mit Schiffszwieback.

in den Keller. Dann flogen Steine und Ziegelteile herunter. Später fand Frau Sch. einen faustgroßen Splitter auf dem Hof. Die
zweite Granate war in der Waschküche
Konkordiastr. explodiert, die dritte im 2.
Stock unseres Nachbarhauses Nr. 16. (...)
Von Vera hörte ich, dass Hitlerjugend im
Südpark liegt und dort die Heerstr. deckt.
Es bestand die Gefahr, dass von Karolinenhöhe einige Panzer versuchten durchzubrechen. Am Mittwoch sollten am Scholzplatz 24 Panzer abgeschossen worden sein
und damit der Durchbruch zur Wilhelmstadt vereitelt. (...) Seit zwei Tagen wird allenthalben gemunkelt, wir hätten mit dem
Amerikaner Waffenstillstand, weitere Verhandlungen seien im Gange, Ribbentrop
wäre nach London geflogen und wir würden vielleicht in Kürze mit den Amerikanern vereint gegen die Russen marschieren. (...) Da wir ja nichts Offizielles hören,
sind wir auf solche Nachrichten förmlich
angewiesen.
Gegen Abend brachte Frau M. mit, dass die
Seeckt-Kaserne gesprengt würde und von
Soldaten bereits geräumt sei. Dieses Geräumtsein war aber so zu verstehen, dass die
Offiziere getürmt waren und die Mannschaften zum Großteil ein Gleiches taten. Nun
wird unser Ortsteil praktisch nur noch HJverteidigt. – Nach dem Abendbrot kamen
draußen mehrere Leute mit großen Kisten
vorbei. Sie erzählten, dass in der SchmidtKnobelsdorf-Kaserne die Lebensmittelmagazine herrenlos seien und man sollte so
viel wie möglich rausräumen. Da konnte
Adamstr. 17 nicht untätig bleiben. Gleich liefen ein paar Männer los trotz Beschuss.
Selbstverständlich sollte alles unter die
Hausgemeinschaft verteilt werden. (...) Nach
einiger Zeit kamen die Männer, mehrere Kisten schleppend, zurück. Fleischkonserven

27.4.
Angeblich hat sich unsere Lage verbessert.
Diese Ungewissheit ist aufreibend, man ist
doch nur auf Gerüchte angewiesen. Genau
ist: in der Wilhelmstr. sitzen 10–20 Russen,
meist Scharfschützen, die fast ununterbrochen die Adamstr. mit MG-Feuer bestreichen. Wir trauen uns nicht aus dem Haus.
Angeblich liegt Polizei auf den Dächern
und bekämpft die Russen, mit wenig Erfolg. Am Nachmittag wollte man dem Nest
mit einer Panzerfaust zu Leibe rücken, ließ
es aber glücklicherweise bei einem erfolglosen Versuch. Dieser kostete unseren Häusern auf beiden Seiten fast alle Fenster. Die
Panzerfaust explodierte in unserer Höhe,
statt hinten bei Drechsel. Der Artilleriebeschuss nimmt wieder zu.
(...) Vera erzählte, der Russe sei schon in
der Ulmenstr. gewesen, soll sich aber auf
die Seeckt-Kaserne zurückgezogen haben. –
Wenn bloß die Verstärkung aus dem Westen erst hier wäre. Durch eine Granate ist
am Nachmittag auch der Laden vom Neumann an der Ecke ausgebrannt.

28.4.
Dieser Tag wird sich mir unvergesslich einprägen. Heute vormittags 11 Uhr kam der
erste Russe in unser Haus. (...) Die beiden
Soldaten waren gar nicht durch die Haustür gekommen, sondern durch Gerickes Laden und durch die Hoftür, so dass uns niemand warnen konnte. Frau R. erzählte
nachher, sie war gerade auf der Toilette, als
einer von beiden die Tür aufmachte. Als er
sie sah, schloss er die Tür aber sofort wieder. Dann gingen sie durch den Keller und
suchten alles nach Soldaten und Waffen ab.
Als der eine Soldat bei Herrn L. am Handgelenk die silberne Uhr sah, musste er sie
hergeben. Dann mussten alle Männer ihre
Handgelenke zeigen, die Russen wollten
bloß Uhren haben, die angebotenen Ringe
wiesen sie zurück. Ich ließ Vatis Taschenuhr vor Schreck gleich ins Hosenbein fallen und versteckte sie später unter der Matratze im Keller. Endlich zogen die beiden
wieder ab. – Angst hatte ich während dieser Minuten eigentlich nicht. Es war eher
Neugierde ...
Inzwischen wurde unsere Straße weiter besetzt. Ein großes Geschütz fuhr an der Ecke
Földerichplatz auf ...
alle Fotos: Weißenburger Straße,
Nachkriegszustand; Archiv: Hardy Irmer

9

Aktuelles vom Geschäftsstraßenmanagement

Projektwoche mit zwei Ausstellungen in der Földerich-Grundschule
Ende Mai werden in der Grundschule am Földerichplatz gleich zwei bemerkenswerte Ausstellungen der
Öffentlichkeit zugänglich sein: Zum einen sind
erstmals die Buddy-Bären in Spandau zu sehen.
Zum anderen wird nochmals die Ausstellung „Meine
Kindheit in der Wilhelmstadt“ gezeigt. Sie schildert
die jüngere Kiezgeschichte der Nachkriegszeit aus
der Sicht der Bewohner, die damals noch Kinder und
Jugendliche waren.
In der Woche vom 23. bis 28. Mai führt die
Christoph-Földerich-Grundschule
das
Schul­
projekt „Viele Kinder – eine Welt“
durch. Die Aktion richtet sich gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Vorbehalte und
Vorurteile gegenüber anderen Nationalitäten und Kulturen. Stattdessen sollen Toleranz und eine Willkommenskultur im
Schulleben verankert und verstärkt werden.
Eine Woche lang arbeiten alle Klassen vorwiegend an ausgewählten Schwerpunkten
zu der Thematik. Besondere Aktualität erhält das Projekt durch die Unterbringung
von ca. 1700 Kriegsflüchtlingen in der ehemaligen Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in
unmittelbarer Nähe zur Schule. In den Regelklassen und in inzwischen drei Willkommensklassen an der Christoph-FölderichGrundschule werden Kinder aus 40 verschiedenen Nationen unterrichtet.
Begleitend und wegweisend wird für den
Zeitraum des Projekts auf dem Schulhof
die berühmte Ausstellung „The United
Buddy-Bears – The Minis“ der Schulgemeinschaft und der Öffentlichkeit präsentiert. Die Buddy-Bären stehen „Hand in
Hand“ zusammen und symbolisieren die
Vision einer zukünftig friedlichen Welt. Dabei steht jeder Bär für die Menschen der
Länder und deren Kultur, jedoch nicht für
politische Systeme.
Die Ausstellung war bereits in vielen großen Städten Europas, aber noch nie in
10

Spandau und noch nie in einer Schule zu
sehen.
Die Eröffnungsfeier zur Ausstellung findet
am Montag, den 23.5., um 15.30 Uhr auf
dem Schulhof statt. Die Bildungssenatorin
Sandra Scheeres und der Spandauer Bezirksstadtrat für Jugend, Bildung, Kultur
und Sport, Gerhard Hanke, werden als
Schirmherren anwesend sein. Begrüßt werden die Gäste durch die „Erfinderin“ der
Buddy-Bären, Eva Herlitz, und den Schulleiter Horst John. Unterschiedliche Musikgruppen bieten dazu ein kleines Rahmenprogramm. Alle Schülerinnen und Schüler,
das Kollegium, viele geladene Gäste werden ebenfalls dort sein. Interessierte Wilhelmstädter sind herzlich eingeladen!
Zeitgleich wird in unmittelbarer Nähe der
Buddy-Bären, in der alten Gymnastikhalle
der Schule, die Ausstellung „Meine Kindheit in der Wilhelmstadt“ gezeigt. Diese
Ausstellung wurde von älteren Wilhelmstädterinnen und Wilhelmstädtern erarbeitet. Sie erzählt in zahlreichen Fotos, Texten
und Exponaten Geschichte und Geschichten der Wilhelmstadt aus der subjektiven,
persönlichen Sicht ihrer Bewohner. Die
Ausstellung wurde erstmals 2014 im Stadtteilladen Adamstraße und seither an unterschiedlichen Orten gezeigt und stieß auf
großes Interesse und viel Resonanz. Wer
die bisherigen Termine dieser Ausstellung
verpasst hat, kann den Besuch nun in der
Földerich-Grundschule nachholen.
Von Dienstag, den 24.5. bis einschließlich
Sonntag, den 29.5. sind beide Ausstellungen zwischen 8 und 20 Uhr zu besichtigen.
Der Eintritt ist frei.
Am Samstag, dem 28.5., stellen die Klassen
zudem ihre Ergebnisse am „Tag der Kulturen“ in der Zeit von 10 bis 16 Uhr auf dem

PC-Einführungen in der
Stadtbibliothek Spandau
Seit dem 5. April bietet die Bezirkszentralbibliothek Spandau wieder Einführungen in den
Umgang mit Computern an. Die Veranstaltungen finden jeden Dienstag von 9.00 bis 10.30
Uhr statt und richten sich vor allem an Seniorinnen und Senioren.
Themen werden u.a. sein: Grundlagen der Computerbenutzung, E-Mail, Word und Soziale
Netzwerke. Die Teilnahme ist kostenfrei; einfache Computerkenntnisse sind von Vorteil, aber
nicht Voraussetzung.
Da die Anzahl der Plätze begrenzt ist, wird um
Anmeldung am Informationszentrum im Erdgeschoss der Bezirkszentralbibliothek gebeten
(Tel.: 90279–5511). Am Veranstaltungstag nutzen Sie bitte den Eingang I im Bibliothekshof.
Ort: Bezirkszentralbibliothek Spandau,
Carl-Schurz-Str. 13, 13597 Berlin

Ta n ja Schn i t z ler

Viele Kinder – eine Welt

Eigentlich begann alles damit, dass die musikbetonte Christoph-Földerich-Grundschule dringend einen geeigneten Mehrzweckraum für
musikalische Schulaufführungen und Veranstaltungen brauchte. Die Idee war, die alte
denkmalgeschützte Turnhalle dafür herzurichten und umzubauen.
Das wiederum setzte jedoch den Bau einer
neuen Sporthalle voraus, die den heutigen
Anforderungen an Schulsportflächen gerecht
wird. Dies ist nun mit Mitteln aus dem Förderprogramm „Aktive Zentren“ möglich: Die ersten Mittel wurden 2015 und 2016 für die Planungsphase bereitgestellt. Derzeit läuft ein
Interessenbekundungsverfahren, an dem sich
Planungsbüros beteiligen können. Aus den
Einreichungen werden Ende April drei oder vier
Büros ausgewählt, die dann Entwurfsskizzen
einreichen sollen. Bei der Auswahl der Büros ist
auch ein Sprecher der Stadtteilvertretung beteiligt. In der zweiten Verfahrensstufe werden
Mitte des Jahres Bietergespräche geführt und
(ebenfalls unter Beteiligung der Stadtteilvertretung) ein Planungsbüro ausgewählt, dessen
Entwurf dann realisiert werden soll – voraussichtlich in den Jahren 2017/2018.
us

A rch i v Schor i e s

Neue Sporthalle für die
Ch.-Földerich-Grundschule

Berliner Vergleich sind die Mieten weiterhin eher niedrig. Anders als bei Wohnraum, bei dem es angesichts ständig steigender Nachfrage kaum noch Vermietungsprobleme gibt, geht leider der Leerstand bei Gewerberäumen in der Wilhelmstadt nur sehr langsam zurück, jedoch
nimmt die Nachfrage insbesondere aus
dem Bereich Büro/Dienstleistungen leicht
zu. Nach wie vor seien mittelgroße Gewerbeeinheiten um die 200 m2 besonders
schwer zu vermieten, da sie weder den Flächenbedarfen des Einzelhandels genügen
noch für kleinteilige Büro- und Dienstleistungen geeignet sind.
Informiert wurde nochmals über den Investitionsfonds. Hier haben Eigentümer und
Gewerbetreibende die Möglichkeit, für Investitionsmaßnahmen, die zu einer funktionalen oder gestalterischen Aufwertung
der Geschäftstraßen beitragen, einen Zuschuss aus dem Fonds zu beantragen. Er
beträgt maximal 50% der Gesamtinvestitionssumme und bis zu 10.000 Euro pro Projekt, die andere Hälfte muss der Antragsteller selbst aufbringen.

v.l.n.r.: Ulrike Stock, Torsten Wiemken,
Nadine Ranft

Ein neues Gesicht im GSM-Team
Das Geschäftsstraßenmanagement Wilhelm­
stadt kümmert sich seit 2012 um die Belange der Händler und Gewerbetreibenden in
der Wilhelmstadt. Die meisten von ihnen
kennen längst die beiden Geschäftsstraßenmanager Nadine Ranft und Torsten
Wiemken, die im Auftrag des Bezirksamts
im Gebiet unterwegs sind, Veranstaltungen,
gemeinsame Aktionen und Workshops (z.B.
zu Online-Auftritten oder Schaufenstergestaltung) organisieren und die Geschäftsleute bei Anliegen und Ideen unterstützen.
Nun gibt es ein neues Gesicht im GSMTeam: Denn Nadine Ranft geht ab April für
einige Monate in die Elternzeit. Sie wird
künftig von Ulrike Stock vertreten, die sich
schon seit Anfang Februar in ihren neuen
Aufgabenbereich einarbeitet und neben
Torsten Wiemken die Ansprechpartnerin
im GSM ist.

Immobilienstammtisch
Ende März trafen sich Immobilieneigentümer aus der Wilhelmstadt erneut zum Immobilienstammtisch, zu dem das GSM einbis zweimal im Jahr einlädt. Diesmal ging
es u.a. um die Ergebnisse der Gewerbemietenbefragung, die das GSM im letzten Jahr
durchgeführt hatte. Das Fazit: Das Niveau
der Gewerbemieten ist stabil geblieben, im

Investitions- und
Gebietsfonds auch 2016
Was der Investitionsfonds für größere
Maßnahmen, ist der Gebietsfonds für kleinere Projekte, die auch positiv ins Gebiet
ausstrahlen. Das kann beispielsweise eine
frische Markise oder eine freundliche Außengestaltung sein, ein Fahrradständer
für Kunden oder ein kulturelles Angebot,
vielleicht auch gemeinsam mit anderen
Gewerbetreibenden. Die Kosten für die
Umsetzung einer guten Projektidee muss
man aber nicht allein tragen: Gewerbetreibende, Vereine, Initiativen und Bewohner
können einen Antrag auf Förderung aus
dem Gebietsfonds 2016 stellen, wie beim
Investitionsfonds sind bis 50% Zuschuss
zu den Gesamtkosten möglich. Anträge
sind jeweils bis Quartalsende zu stellen,
nach einer Vorprüfung, ob das Vorhaben
mit den Zielen des Förderprogramms „Aktive Zentren Berlin“ im Einklang steht, entscheidet quartalsweise die Jury aus Mitgliedern der Stadtteilvertretung.
Weitere Informationen und Antragsformulare sind online unter www.wilhelmstadtbewegt.de oder beim Geschäftsstraßenmanagement erhältlich, das auch bei der Antragstellung berät und unterstützt.

Forum Geschäftsstraßen­
management am 10. Mai
Regelmäßig lädt das GSM alle zwei Monate
die Gewerbetreibenden zu gemeinsamen
Treffen ein, dem „Forum Geschäftsstraßenmanagement“. Hier wird zu aktuellen Themen informiert, werden gemeinsame Aktionen beraten und entwickelt. Das nächste Forum findet am Dienstag, dem 10. Mai
um 19 Uhr statt, diesmal im Stadtteilladen
in der Adamstraße 39. Themen sind diesmal der neue Einkaufsführer bzw. eine
Kiezkarte („WilhelmStadtPlan“), eine Auswertung der Osteraktion und ein Ausblick
auf das geplante Stadtteilfest im Juli.

Ta n ja Schn i t z ler

Schulhof vor. Dazu wird ein buntes Programm geboten. U.a. treten die beiden
Schulbands der musikbetonten Grundschule auf, außerdem werden „Herthinho“
und „Fuchsi“ zu Besuch sein. 
us

Osteraktion – ein Rückblick
Auch in diesem Jahr fanden sich etliche
Gewerbetreibende zu einer gemeinsamen
Frühlingsaktion zusammen, organisiert
vom Geschäftsstraßenmanagement. Die
Aktion „Finde Dein Osternest“ wurde für
die Wilhelmstädter Kinder bis 14 Jahre organisiert, insgesamt 53 Geschäfte und Gewerbetreibende beteiligten sich daran. Die
Kinder konnten ihre selbstgebastelten und
-dekorierten Osternester und Körbchen zuvor im Stadtteilladen abgeben. Diese wurden dann mit Überraschungen befüllt, in
der Woche vor Ostern konnten dann die
Kinder ihr persönliches Nest in den Schaufenstern suchen und es mit nach Hause
nehmen. Über die teilnehmenden Geschäfte und ihre Lage im Gebiet konnte man
sich anhand eines bunten Flyers informieren. Etliche Kinder beteiligten sich an dieser ungewöhnlichen Kiez-Osternest-Suche.
us

11

Möglichst stressfrei

Dr. Petra Steffens führt die Tierarztpraxis in der Weißenburger Straße 45
Die Sprechstunde ist gerade zu Ende, die
letzten vierbeinigen Patienten verlassen
die Praxisräume – da klingelt wieder das
Telefon von Dr. Petra Steffens. Ein Notfall,
eine Katze ist aus dem Fenster gefallen.
Am besten kommen Sie sofort vorbei, sagt
die Tierärztin. Minuten später erscheinen
zwei Frauen, ebenso aufgelöst wie die laut
maunzende Katze in der Transportbox. „Vitale Reaktion, das ist doch schon mal ein
gutes Zeichen“, beruhigt Dr. Steffens und
bittet ins Behandlungszimmer.
Die Tierärztin hat für ihre Praxis eine telefonische Notrufbereitschaft eingerichtet:
Per Rufumleitungen ist sie so ganztägig erreichbar und ruft auch umgehend zurück,
was ihre Kunden sehr schätzen. Nachts
bleibt das Telefon aber aus: „In Berlin gibt
es ja einen sehr gut ausgebauten tierärztlichen Notdienst“, sagt Dr. Steffens.
Die Praxis in der Weißenburger Straße 45
gibt es schon seit 1985. Dr. Petra Steffens,
ursprünglich Hamburgerin, übernahm sie
1991 – nach ihrem Studium an der FU Berlin, Dissertation und Promotion sowie
zwei Jahren Assistenztätigkeit. Dieses Jahr
hat sie also schon ihr 25-jähriges Jubiläum
in der Weißenburger. Noch länger, nämlich
seit 1988, arbeitet die Tierarzthelferin Cordula Kallweit hier. Die examinierte Krankenschwester und Spandauerin ist die unverzichtbare „gute Seele“ der Praxis, die
sich um alles kümmert – nebenbei auch
um die Aufzucht verwaister Eichhörnchen
und Vögel. Dritte im Praxisbund ist seit
12

zwei Jahren die junge Tierärztin Alexandra
Sypitzki. Und dann ist da noch Emma, eine
freundlich-neugierige, wohlerzogene Labrador-Dame, die Cordula Kallweit gehört,
aber auch die „Praxis-Hündin“ ist – meist
beobachtet sie vom Empfangstresen aus
das Geschehen.
Behandelt werden hier vor allem Hunde
und Katzen, zudem Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweine, Vögel, Mäuse, auch
Ratten werden häufiger gebracht. Es gab
aber auch schon speziellere Fälle: ein Goldfisch mit einem Kieselsteinchen im Maul,
eine Schlange, die entwurmt werden sollte
... Für Exoten gibt es aber inzwischen spezialisierte Praxen.
Dr. Steffens’ Praxis bietet neben den normalen Akut- und Vorsorgebehandlungen
auch vielfältige spezielle Leistungen: u.a.
Allergiediagnostik, Ultraschall, Digitalröntgen, Operationen, Augen- und Zahnbehandlungen, EKG, stationäre Aufnahme
und Pflege, dazu Beratung bei Pflege, Haltung und Ernährung, Verhaltensproblemen, Welpenkauf. Auch Hausbesuche werden in bestimmten Fällen gemacht.
Neben einer kompetenten Behandlung
(für die sich die Ärztinnen regelmäßig mit
Fortbildungen auf den neuesten Stand
bringen) wird in der Praxis größter Wert
darauf gelegt, Aufregung und Stress für die
Tiere (und ihre Halter) möglichst gering zu
halten. Auch lange Wartezeiten können
Tiere stressen; um das zu vermeiden, wird
um Terminvereinbarung gebeten – einen
Termin gibt es dann meist noch am glei-

Das Verkaufen im Blut

Nihal Turan führt das Fischgeschäft in der Pichelsdorfer Straße 106
Im Fisch- und Feinkost-Laden in der Pichelsdorfer Straße gibt’s frischen Fisch aus Norwegen, Griechenland und Italien sowie Delikatessen. Die gebürtige Spandauerin Nihal
­Turan hat sich in nur sieben Monaten bereits
einen großen Stammkundenkreis aufgebaut.
Das liegt nicht nur an ihrem überzeugenden
Angebot, sondern auch an ihrer Riesenportion
Charme: Turan berät ihre Kunden mit Zeit und
ansteckendem Strahlen.
An einem Dienstagnachmittag herrscht im
Fisch- und Feinkostladen auf der Pichelsdorfer Straße Hochbetrieb: Ein Kunde lässt
sich von Eigentümerin Nihal Turan beraten, welcher Fisch sich am leichtesten zubereiten lässt, und kauft anschließend
auch gleich noch Fischsuppe und ZigarrenBöreks mit Lachs und Shrimps. Eine weitere Kundin fachsimpelt mit ihr über Dorade
und verspricht am Ende, beim nächsten
Besuch auch mal ein Stück Aal mitzunehmen: „Aal mag ick ja sonst nich, aber dit
hier sieht so jut aus, dit probier ick dann
ma.“ Vor dem Laden fotografiert sie den
Aufsteller mit den Angeboten, steckt ihren
Kopf nochmal durch die Tür und ruft: „‚N
Beweisfoto, dass man bei uns ooch Fisch
essen kann wie in Flensburg!“
Nihal Turans Laden wirkt auf den ersten
Blick weder wie eine Feinkosthandlung
noch wie ein Fischgeschäft: Die Gestaltung
des Ladens ist kreativer als die einer gewöhnlichen Feinkosthandlung oder eines
gängigen Fischladens. An der rechten und

hinteren Ladenwand befinden sich handgemalte Meerszenen, überall sieht man
maritime Deko. Es riecht kaum nach Fisch
und das trotz der großen Auswahl von
Frischfisch in der Theke. Gleich drei Zulieferer bringen täglich frischen Fang her: von
Plötze über mageren Meeraal und Schollenfilets bis hin zu Exotischerem wie Papageifisch.
In ihrer Feinkostvitrine verkauft Turan Pasteten, Salate und Delikatessen sowie eigene Kreationen, wie die von ihr erfundenen
Zigarrenböreks mit Lachs und Shrimps.
Für Kunden, die keine Zeit haben, groß zu
kochen, bietet sie zudem unterschiedliche
Fischbrötchen, bereits bratfertig gewürzte
Fische und auf Wunsch auch ganze Platten
mit Delikatessen an. Der absolute Verkaufsschlager aber ist ihre Fischsuppe: Nihal Turan kocht sie jeden Tag Frisch aus
immer wechselnden Fischsorten. Bald
möchte sie ihr Mittagstischangebot noch
erweitern.
Das Gespür für Gastronomie und Fisch
kommt nicht von ungefähr: Ihr Mann war
lange Chefkoch in einem Fischrestaurant.
„Ich habe ihm jahrelang über die Schulter
gesehen und immer gehofft, eines Tages
mal mit ihm gemeinsam ein Delikatessengeschäft aufzuziehen, aber er wollte nie.
Erst hing er zu sehr an seinem Job in dem
Restaurant, und jetzt ist er sehr beschäftigt
mit der ,Wunderbar‘, die ihm gehört.“
Irgendwann wollte Nihal Turan nicht mehr
warten: Als die Ladenräume zwischen Wool-

Ta n ja Schn i t z ler

Ta n ja Schn i t z ler

v.l.n.r.: Cordula Kallweit, Alexandra Sypitzki, Petra Steffens

chen Tag. Die Praxis ist als katzenfreundlich zertifiziert: Es gibt hier einen „Katzenparkplatz“, Hunde und Katzen werden
räumlich getrennt; mit einem speziellen
„Feliway“-Stecker werden Wohlfühl-Pheromone verströmt, die nur Katzen wahrnehmen. Wichtig aber ist vor allem Zeit, um in
Ruhe und ohne Druck mit den Tieren umzugehen.
Die Praxis hat eine Stammkundschaft, die
schon seit Jahren mit ihren Schützlingen
herkommt, aber auch immer mehr neue
Kunden. Dazu trägt sicher auch die Internetpräsenz bei, die zwar zeitaufwändig,
aber wichtig ist. Und auch die Lage: die
freundlich eingerichteten Altbauräume befinden sich im Erdgeschoss der Weißenburger 45, sind barrierefrei zugänglich und
damit auch für ältere oder gehandicapte
Menschen gut zu erreichen.
Natürlich kommen auch viele Kinder mit
ihren Haustieren, oft mit Meerschweinchen oder Kaninchen. Dr. Steffens findet
das manchmal schwierig, denn „diese kleinen Heimtiere sind besonders empfindlich
und anspruchsvoll in den Haltungsbedingungen. Weil sie sich nicht über Mimik ausdrücken können, werden Leiden oft nicht
rechtzeitig erkannt. Nicht vergessen darf
man, dass diese Tiere keine Kuscheltiere
sind und sehr viel Arbeit machen und dass
auch Kanninchenn eine jährliche Schutzimpfung benötigen. Kindern unter 10 oder
12 Jahren sollte man ohnehin nicht die volle Verantwortung übertragen.“
Traurig wird es natürlich immer dann,
wenn Tiere nicht zu retten sind und sich
Menschen von ihren Lieblingen trennen
müssen. „Wir haben einen Extra-Raum für
den Abschied, der braucht Zeit und Ruhe“,
sagt Petra Steffens, „es ist gut, wenn die
Besitzer mit dabei sind. Wir machen auch
Hausbesuche, wenn Tiere eingeschläfert
werden müssen.“
Manchmal werden aber auch neue Halter für
herrenlose Tiere gesucht, oder für Tiere, die
aus anderen Gründen abgegeben werden
müssen. Dann unterstützt die Praxis auch
bei der Vermittlung, etwa mit Fotos im
Schaufenster. Petra Steffens hat selbst eine
„Weihnachtskatze“ aufgenommen, eines von
jenen Tieren, die als Weihnachtsgeschenk
gemeint waren und dann doch nicht gewollt
sind. Schlimm findet die Tierärztin diese gedanken- und lieblose Unsitte.
Die Notfallkatze ist inzwischen erstversorgt,
sie muss nochmal wiederkommen – lebensbedrohlich ist aber nichts. Und die PraxisFrauen können nun in die Mittagspause. 

Ulrike Steglich
Tierarztpraxis Dr. Steffens,
Weißenburger Str. 45, 13595 Berlin, Tel. 3318012

worth und Naschas Asiamarkt frei wurden,
schlug sie einfach zu. Der Zeitpunkt passte:
Ihre zwei Söhne gehen nun zur Schule und
können nachmittags auch mal bei ihren
Freunden spielen oder zu Oma und Opa
­gehen.
Turan ist in der Wilhelmstadt groß geworden: Ihre Eltern sind vor 47 Jahren als Gastarbeiter hierher gekommen und geblieben.
Mittlerweile sind beide pensioniert und
besuchen die Tochter häufig im Laden. Die
beiden wohnen nur 500 Meter von ihrem
Fischladen entfernt, am Metzer Platz.
„Meine Mutter kommt immer wieder vorbei und arrangiert die Theke neu!“, lacht
Turan. Und fügt stolz hinzu: „Von ihr habe
ich viel über Hygiene gelernt. Sie hat in Havelhöhe in der Küche gearbeitet.“
Mit einer liebevollen Geste bietet sie ihrer
gerade eintretenden Mutter einen Sitzplatz an. Turan hat extra nach Ladenräumen in der Nähe der elterlichen Wohnung
gesucht, um sich auch später mal um sie
kümmern zu können: „So kann ich im Notfall immer zumachen und ein Schild an die
Tür hängen: „Bin in fünf Minuten wieder
da!“ Der Fischladen ist auch von Kinderund Elternbesuchen abgesehen wie ein Familienbetrieb: Turan geht auch mit ihrer
Verkaufskraft so um, als gehöre sie zur Familie, die wiederum nennt Turans Mutter
auch Mama. Nihal Turans lockerer familiärer Umgangston und ihre Fröhlichkeit
sind ansteckend: Wenige Kunden kaufen
bei ihr einfach nur ein, die meisten unterhalten sich eine Weile privat oder lassen
sich von ihr beraten.
„Ich hab das Verkaufen einfach im Blut!“,
lacht Turan. Ihr Talent dafür zeigte sich bereits bei ihrem ersten Job: Als die gerade
16-Jährige in einem Steakhaus zu kellnern
begann, sahen ihre Kollegen, fünf langjährig erfahrene Männer, alt neben ihr aus.
Egal, welche Tische sie bekam: Ihr Umsatz
lag immer weit über dem ihrer Kollegen,
erzählt Turan und fügt mit schelmischem
Lächeln hinzu: „Das war echt hart für sie,
gerade auch als muslimische Männer.“
Später, bei ihrer Arbeit als Verkäuferin in
einem Brautmodengeschäft, erzählt Turan,
schaffte sie es, an einem Tag bis zu 17 Kleider zu verkaufen, darunter Haute Couture.
Turan lacht stolz. „Eine Kundin hat mal gesagt, ich könnte einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen.“ Die einzigen, denen
sie ihren Fisch nicht immer schmackhaft
machen kann, sind ihre beiden Söhne. Als
die an diesem Nachmittag nach der Schule
im Laden vorbeikommen und sie ihnen etwas zu essen anbietet, schütteln beide entschieden den Kopf: Nee, nich schon wieder
Fisch, Anne!“
Eva-Lena Lörzer

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Der Frühling ist endlich da, und damit beginnt auch die Saison der Open-Air-Veranstaltungen, Straßenfeste und sonstigen Aktivitäten und öffentlichen Aktionen im Freien. Hier
einige ausgewählte Tipps:
Wilhelmstadtfest 2016

Auch in diesem Sommer wird es das Wilhelmstädter
Stadtteilfest geben, das bereits in den letzten Jahren erfolgreich organisiert wurde und viel Zuspruch bei den
Wilhelmstädtern fand. Es findet diesmal voraussichtlich
am Sonntag, dem 24. Juli von 11 bis 22 Uhr statt.
Wie immer werden an zahlreichen Ständen Wilhelmstädter Händler und Gewerbetreibende ihre Angebote
präsentieren; Vereine und Initiativen stellen sich vor.
Auch die Sanierungsbeteiligten – Bezirksamt, das Büro
KoSP als Gebietsbeauftragter, das Geschäftsstraßenmanagement, die Stadtteilvertretung – sind vor Ort und informieren über Projekte und Planungen im Sanierungsgebiet und Aktiven Zentrum Wilhelmstadt.
Nicht nur für Erwachsene, auch für Kinder gibt es vielfältige Attraktionen – vom Baumklettern über Ponyreiten
bis zu Basteln, Kinderschminken u.ä. Außerdem wird
auf einer Bühne ein Musikprogramm geboten. Auch für
das Leibeswohl ist gesorgt: Auf die Besucher warten viele kulinarische Spezialitäten für viele Geschmäcker.
Organisiert wird das Fest von den Betreiberinnen der Cafés Barfly / Plan B, unterstützt werden sie dabei vom Geschäftsstraßenmanagement.
Sonntag, 24.7., 11–22 Uhr, Brüderstraße / Ecke Wilhelmstraße
Tage der offenen Tür bei der Ruder-Union Arkona

„Rudern lernen, Natur genießen, Freunde gewinnen“: Unter
diesem Motto stehen die beiden Tage der offenen Tür bei
der RUDER-UNION ARKONA – 1879–Berlin e.V. am Samstag/
Sonntag, 23. und 24. April, jeweils von 13 bis 17 Uhr.
An beiden Tagen öffnet die RUDER-UNION ARKONA in
Spandau für Jung und Alt die Bootshallen und Sporträume. Besucher können einen Blick hinter die Kulissen
des Vereins werfen und im direkten Austausch mit den
Mitgliedern, Breitensportlern und Leistungssportlern
den Verein kennen lernen. Arkona verzeichnet in den zurückliegenden Jahren einen Mitgliederzuwachs von über
25 Prozent und ist der größte Spandauer Ruderverein.
An den Tagen der offenen Tür wird den Besuchern ein abwechslungsreiches Programm geboten, mit Gebäudeführungen, Trockenrudern auf Ergometern und erste Ruderschläge bei einem Schnupperrudern unter Anleitung auf
dem Wasser ( bitte Sportkleidung mitbringen!) Interessenten, die den Rudersport erlernen möchten, können
sich gleich zu Kursen anmelden, die in den kommenden
Wochen und Monaten an unterschiedlichen Wochentagen und an den Wochenenden angeboten werden.
Auf dem vereinseigenen Parkplatz werden genügend
Plätze für die Besucher freigehalten – nach dem Schnupperrudern bietet die vereinseigene Gaststätte Speisen
vom Grill und in den Clubräumen sowie den Sonnenterrassen Kaffee und Kuchen an.
23./24.4., 13–17 Uhr, Scharfe Lanke 71–73
14

Ta n ja Schn i t z ler

Feste und Events in der Wilhelmstadt

Fête de la Musique – auch in Spandau

Jedes Jahr zum Sommeranfang am 21. Juni erklingt die
Fête de la Musique – das Fest der Musik – the Worldwide
Music Day. Was 1982 mit der Idee des damaligen französischen Kulturministers Jack Lang, ein paar Stromanschlüssen und viel musikalischem Idealismus in Paris
begann, hat sich längst zu einem globalen und populären Ereignis entwickelt. Inzwischen verbindet die Fête
de la Musique die Menschen in 540 Städten weltweit, davon 300 in Europa (ca. 50 in Deutschland). Zu hören gibt
es Musik aller Stilrichtungen, für das Publikum gratis –
dank all der Bands, Orchester, Chöre und Solisten, die
an diesem Tag ohne Honorar auftreten.
Seit 1995 findet die Fête de la Musique auch in ganz Berlin auf vielen Straßen und Plätzen statt, das eintrittsfreie Event wird zu einem Fünftel durch das Land Berlin
und vier Fünfteln durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin finanziert. In Spandau wird in diesem Jahr
eine Bühne an der Ellipse gegenüber dem Rathaus aufgebaut, sie wird vom Café Barfly / Plan B bespielt.
Gut behütet in den Frühling! – Hutmodenschau auf
dem Wochenmarkt

Seit Oktober 2015 gibt es wieder einen Wochenmarkt auf
dem Földerichplatz – immer dienstags von 14 bis 19 Uhr,
die Marktzeiten sollen auch den Berufstätigen entgegenkommen. Am 26. April wird es auf dem Markt eine
besondere Attraktion geben: Daniela Schimo, Hutmacherin und Inhaberin des benachbarten Hutfachgeschäfts in der Adamstraße 16, präsentiert an diesem Tag
jeweils um 16 Uhr und um 17 Uhr eine Hutmodenschau
mit einer breiten Palette neuer Kreationen für Damen,
Herren und Kinder – von festlich bis alltagstauglich. Ein
überaus sehenswertes Ereignis und ein Vergnügen, das
man nicht verpassen sollte!
Hutmodenschau, 26. April, 16 und 17 Uhr, Markt auf dem
Földerichplatz

Adressen
Prozesssteuerung und
Sanierungsbeauftragter
Koordinationsbüro für Stadtentwicklung
und Projektmanagement (KoSP)
Schwedter Straße 34A, 10435 Berlin
www.kosp-berlin.de
Andreas Wilke, Tel. 030 - 330028 - 36
wilke@kosp-berlin.de
Linda Tennert-Guhr, Tel. 030 - 330028 - 30
tennert-guhr@kosp-berlin.de
Geschäftsstraßenmanagement
Ulrike Stock / Torsten Wiemken,
Tel. 030 - 30 12 46 97 bzw. 0178 - 352 38 01
gsm@wilhelmstadt-bewegt.de
Öffnungszeiten Büro Adamstraße 39
(Stadtteilladen) Di und Mi 10–13 Uhr
die raumplaner / LOKATION:S
Alt-Moabit 62, 10555 Berlin
www.die-raumplaner.de
Stadtteilvertretung Wilhelmstadt
Sprecher: Friedrich-Karl Berndt, Michael
Henkel, Elmas Wieczorek
Öffentliche Sitzung:
jeder 1. Mittwoch im Monat, 19 Uhr
Stadtteilladen Adamstraße 39
www.stv-wilhelmstadt.de

Bezirksstadtrat für Bauen, Planen,
Umweltschutz und Wirtschaftsförderung
Carsten-M. Röding
Bezirksamt Spandau von Berlin
Carl-Schurz-Straße 2/6, 13597 Berlin
Tel. 030 - 90 279 - 22 60
baustadtrat@ba-spandau.berlin.de
Stadtentwicklungsamt, Fachbereich
Stadtplanung
Carl-Schurz-Straße 2/6, 13597 Berlin
Sprechzeiten: dienstags und freitags 9–12
Uhr und nach telefonischer Vereinbarung
Amtsleiter:
Markus Schulte, Tel. 030 - 90 279 - 35 72
markus.schulte@ba-spandau.berlin.de
Gruppenleitung Sanierung/
Planungsrechtliche Beurteilung:
Doris Brandl, Tel. 030 - 90 279 - 31 64
doris.brandl@ba-spandau.berlin.de
Bearbeiterinnen und Bearbeiter für das
Förderprogramm »Aktive Zentren Berlin«
Kerstin Schröder, Tel. 030 - 90 279 - 35 73
kerstin.schroeder@ba-spandau.berlin.de
Jörg Rinke, Tel. 030 - 90 279 - 3568
joerg.rinke@ba-spandau.berlin.de
Katharina Lange, Tel. 030 - 90 279 - 2280
katharina.lange@ba-spandau.berlin.de

Sozialteam Wilhelmstadt
Bürgerberatungsangebote im
Stadtteilladen Adamstraße 39

Kontakt: Volkmar Tietz, Tel. 30 12 46 97, oder
Mob. 0176-24981761,
Montag und Dienstag
Büro des Sozialteams derzeit nicht besetzt
Jeden dritten Dienstag im Monat, 15–18 Uhr:
Mieterberatung (auch zu Betriebskosten) mit
Herrn Hinze
Mittwoch, 15–18 Uhr (nicht am 1. Mittwoch
im Monat!): Volkmar Tietz zu Renten- und
Mietangelegenheiten, Betreuungsrecht; Hilfe
zu Antragsstellung und Behördengängen
Donnerstag, 14.30–16.30 Uhr: Basteln
– Handarbeiten für Jung und Alt mit
Heidemarie Koch
Donnerstag, 16–18 Uhr: Kiezsprechstunde
mit Volkmar Tietz
Jeden 2. Donnerstag im Monat, 17–20 Uhr:
RepairCafé: Hilfe zur Selbsthilfe, Reparatur
von Elektro- und Haushaltsgeräten unter
Anleitung
Freitags 10–12 Uhr: Hartz IV & mehr: Wolfgang
Schumann berät zu Hartz IV, Jobcenter,
Existenzgründung, Deutschunterricht

Ta n ja Schn i t z ler

Die Freiluftsaison hat begonnen!

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Nah am Wasser gebaut – Tausendtonner
mit tausend PS
Spandaus Industrierevier im Süden, Teil III
Nicht erst die „Prinzessin Charlotte von
Preußen“ hat Pichelsdorf und Pichelswerder zu einem Standort für Schiffbau gemacht – in der letzten WILMA war die Rede
von jenem Raddampfer, dem ersten, das in
deutschen Landen gebaut worden war, mit
Hilfe des britischen Ingenieurs John B.
Humphrey. Doch schon zuvor wurden hier
gigantische Flöße zusammengestellt, aber
auch einfache Lastkähne für den Treidelverkehr gebaut.
Die Lage an der Scharfen Lanke, am Pichelsdorfer Gemünd, wo sich ab der Spreeeinmündung die Untere Havel-Wasserstraße
öffnet, war schon im 19. Jahrhundert hervorragend als Werftenstandort für die Personen- und Güter- wie auch für die aufkommende Freizeitschifffahrt geeignet.
Weit über die Grenzen Preußens hinaus bekannt war die 1848 zuerst in Grünau gegründete Segelmacherei Benrowitz. Noch bis in
die Nachkriegszeit trug sie – neben der Kaisermanns Werft oder der Engelbrecht’schen
Yachtwerft, u.a. „Hoflieferant“ von Vergnügungsdampfern für die Kaiserfamilie – mit
dazu bei, dass die Gaststätte in der Straße
am Pichelssee von ihren Stammgästen
„Zum Wasserbauer“ genannt wurde.
Einer der bekanntesten Kunden der Pichelsdorfer Werften war Albert Einstein, der
für seinen Jollenkreuzer bis in die frühen
30er Jahre auch gleich den Anleger an der
Scharfen Lanke gemietet hatte.
Mit der Gründung der Schiffsbauwerft von
Wenz & Co. im Jahr 1888 kam der moderne
Bau von Motorgüterschiffen für Massengut
und Tankern an die Lanke. 1919 übernahm
Hugo Reinicke das Schiffbaugelände für sei-

ne Werft, die im 2. Weltkrieg dem Reglement
eines Rüstungsbetriebes unterstand.
Die Marine war auch einer der Hauptauftraggeber, als 1943 Hanne Twelkmeyer das Unternehmen als Lanke-Werft übernahm. Das
Gelände war im Rahmen der Nazipläne für
die „Welthauptstadt Germania“ Teil der gigantischen Hochschulstadt, die vom Bahnhof Heerstraße in Charlottenburg bis nach
Pichelsdorf reichen sollte. (s. Wilma 04/2014)
Daher wurde für den Großschiffbau ein
weiteres Gelände an der Scharfen Lanke
übernommen, mit Schiffbauhalle, Helgen
und Slipanlagen für den Stapellauf von
Binnenschiffen, Barkassen, Polizei-, Feuerlösch- und Marinespezialfahrzeugen.
Bis 1963 wurden auf der Lanke-Werft mehr
als 100, für die damalige Zeit große Binnenschiffe mit bis zu 80m Länge, 1.200 Tonnen
Traglast und 1.000 PS starken Dieselmotoren gebaut. Die Auftragsbücher in den
Nachkriegsjahren waren voll, denn die im
Krieg stark dezimierte Gütertransportflotte
musste im Dienste von Wirtschaft und Industrie wieder aufgerüstet werden.
Da bekanntermaßen aus „Germania“ nichts
wurde, nutzten die Twelkmeyers das ursprüngliche Areal der Reinicke-Werft schon
damals nur für den Neubau oder die Reparatur von kleinen und mittleren Sportbooten aus Holz oder Stahl und vermieteten
dort Liegeplätze.
Die Nähe zu den Uferzonen an der Scharfen
Lanke hat übrigens so manchen Wilhelmstädter und Pichelsdorfer Familien über
die ersten Monate nach Kriegsende im Mai
1945 geholfen. Wie Zeitzeugen berichten,
strandete dort in den letzten Kriegstagen

quel le : Jörg sonn abend

quel le : Jörg sonn abend

Probefahrt der Thekla Schepers auf der Scharfen Lanke

der eine oder andere gut gefüllte Versorgungskahn der Wehrmacht. Meist wurden
dann die Kinder in die engen Ladeluken
der Kähne abgeseilt, um die wertvollen
Schätze an Konserven mit Fleisch, Gemüse
oder Schmalz zu bergen. Als besondere,
süße Belohnung konnten die Kleinen darauf hoffen, auch Kartons mit Bonbons und
Schokolade oder Dosen mit Sirup in den
Ladebunkern zu finden.
Der Schiffbauboom an der Lanke dauerte
aber nicht lange, denn schon in den 60er
Jahren zeichnete sich deutlich ab, dass die
Bedeutung der Binnenschifffahrt selbst für
den Massengüterverkehr immer mehr abnahm. Das endgültige Aus aber bereitete
ein Großbrand auf der Lanke-Werft, bei
dem im Herbst 1963 die Schiffbauhalle total zerstört wurde.
Der Flächennutzungsplan sah für die Uferzonen nur noch eine Wassersport- und Freizeitnutzung vor, so dass der geplante Neubau der Werftanlagen keine Zustimmung
bei der Spandauer Bauverwaltung finden
konnte.
Die Werftbesitzerfamilie Twelkmeyer folgte,
wie viele andere Eigner von Gewerbegrundstücken und Ausflugsgaststätten an Havel
und See, den Zeichen der Zeit wachsenden
Wohlstands mit der eigenen Yacht als Statussymbol. Sie wandelte das rund 25.000
qm große Areal in eine Marina mit zahlreichen Liegeplätzen an Land und Stegen um.
Heute erinnern rund um Pichelsdorf und Pichelswerder, an Scharfer Lanke, Havel und
Stößensee sowohl die Vielzahl an Booten
und Yachten in den Wassersportclubs und
Marinas, aber auch die Leuchtfeuer am Pichelsdorfer Gemünd an die „maritimen“
Traditionen des Schiffbaus im Süden
Spandaus.
Von 1950 bis Anfang der 70er Jahre tat dort
das Pichelswerder Original Maxe Schreiner –
ein ehemaliger Werftarbeiter, Bojenleger
und Helgoländer Hummerfischer – seinen
Dienst als Berliner Leuchtturmwärter. Und
manchem älteren Pichelsdorfer klingen
noch heute seine Hammerschläge auf eine
alte Schiffsschraube in den Ohren, mit denen er bei dichtem Nebel die Schiffe in den
schmalen Havelschlauch lotste.

Thomas Streicher
        
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