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Full text: Jahresbericht ... (Rights reserved) Issue 2019 (Rights reserved)

Jahresbericht 2019 Wer wir sind Wofür wir einstehen Wie wir arbeiten Inhalt S. 2 S. 25 S. 43 Vorwort .................................................................................................................................................................. 1 Klimagerechtigkeit – jetzt! ............................................................................................................................ 2 Energie- und Mobilitätswende gestalten ................................................................................................. 6 Für eine verantwortungsvolle Infrastruktur- und Rohstoffpolitik ............................................... 10 Für eine alternative Landwirtschaft und nachhaltige Entwicklung ........................................... 14 Demokratie und Menschenrechte stärken ............................................................................................. 18 Frauen- und LGBTI-Rechte verteidigen.................................................................................................. 22 Migrationspolitik nachhaltig und human weiterdenken .................................................................. 26 Für ein solidarisches Europa in Zeiten der Krise ................................................................................ 30 30 Jahre Friedliche Revolution .................................................................................................................. 34 Die Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung .............................................................................. 36 Öffentliche Räume............................................................................................................................................ 40 Kunst und Kultur............................................................................................................................................... 42 Heinrich-Böll-Haus Langenbroich ............................................................................................................ 44 Studienwerk – Rückenwind für junge Talente ...................................................................................... 45 GreenCampus – Politik erfolgreich machen! ....................................................................................... 48 Archiv Grünes Gedächtnis ............................................................................................................................ 49 Preisverleihungen............................................................................................................................................. 50 Stiftungsmanagement .................................................................................................................................... 51 Gremien ................................................................................................................................................................ 58 Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten ............................................................................... 59 Adressen .............................................................................................................................................................. 60 Fördern und spenden ....................................................................................................................................... 63 Impressum Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung e.V. Redaktion und Konzeption: Susanne Dittrich Cover: Stephan Röhl Texte: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Heinrich-Böll-Stiftung Gestaltung: KALUZA + SCHMID Studio GmbH, Berlin (nach einem Entwurf von state, Berlin) Papier: umweltfreundlich, chlorfrei gebleicht Auflage: 2.800 Stand: 30. April 2020 Die einzelnen Beiträge stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 Dieser Bericht ist kostenlos erhältlich bei der Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin T 030-285 34-0 F 030-285 34-109 E info@boell.de W www.boell.de ID-Nr. 2091007 WasWas wirwir wollen wollen H Demokratie Demokratie und Menschenrechte und Menschenrechte durchsetzen, durchsetzen, gegen gegen die Zerstörung die Zerstörung unseres unseres globalen globalen Ökosystems Ökosystems ange­ ange­ hen, die hen, Gleichberechtigung die Gleichberechtigung von Frauen von Frauen und Männern und Männern vorantreiben, vorantreiben, in Krisenzonen in Krisenzonen präventiv präventiv den Frieden den Frieden sichern, sichern, die Freiheit die Freiheit des Individuums des Individuums gegengegen staat­ staat­ liche und lichewirtschaftliche und wirtschaftliche Übermacht Übermacht verteidigen verteidigen – – das sind das die sindZiele, die Ziele, die Denken die Denken und Handeln und Handeln der der Heinrich­Böll­Stiftung Heinrich­Böll­Stiftung bestimmen. bestimmen. Wir stehen Wir stehen der Partei der Partei Bündnis Bündnis 90/Die 90/Die Grünen Grünen nahe und nahearbeiten und arbeiten als reformpolitische als reformpolitische Zukunftswerk­ Zukunftswerk­ statt und stattinternationales und internationales Netzwerk Netzwerk mit Partnerinnen mit Partnerinnen und Partnern und Partnern in rund in60 rund Ländern. 60 Ländern. Die Heinrich­Böll­Stiftung Die Heinrich­Böll­Stiftung arbeitet arbeitet unabhängig unabhängig und steht und für steht geistige für geistige Offenheit. Offenheit. Mit derzeit Mit derzeit 33 Aus­ 33 Aus­ landsbüros landsbüros an 32 an Standorten 32 Standorten sind wir sindweltweit wir weltweit gut gut vernetzt. vernetzt. Wir kooperieren Wir kooperieren mit 16mit Landesstiftungen 16 Landesstiftungen in in allen deutschen allen deutschen Bundesländern Bundesländern und fördern und fördern begabte, begabte, gesellschaftspolitisch gesellschaftspolitisch engagierte engagierte Studierende Studierende und und Graduierte Graduierte im In­im und In­Ausland. und Ausland. Wir folgen Wir folgen Heinrich Heinrich Bölls Ermunterung Bölls Ermunterung zur zivil­ zur zivil­ gesellschaftlichen gesellschaftlichen Einmischung Einmischung in diein Politik die Politik und und möchten möchten andereandere anstiften anstiften mitzutun. mitzutun. Af 1 2 3 4 As 5 6 7 8 9 10 Fakten Fakten zurzur Stiftung Stiftung Einnahmen Einnahmen 2019 2019 Ausgaben Ausgaben 2019 2019 Sonstige Sonstige Sonstige Sonstige Einnahmen Einnahmen Einnahmen Einnahmen Globalmittel/ Globalmittel/ Globalmittel/ Globalmittel/ 0,09 % 0,09 0,09 % % 0,09 % 0,41 % 0,41 0,41 % % 0,41 %VerwaltungsVerwaltungsVerwaltungsVerwaltungsDrittmittel Drittmittel Drittmittel Drittmittel kostenzuschüsse kostenzuschüsse kostenzuschüsse kostenzuschüsse In Investitionen Investitionen Investitionen Investitionen 1,01 % 1,01 1,01 % % 1,01 % 0,72 % % 0,72 0,72 %% 4,21 % 4,21 4,21 %% 4,21 Sachkosten Sachkosten Sachkosten Sachkosten 0,72 % Sonstige Sonstige Sonstige Sonstige 6,78 % 32,84 % 32,84 32,84 % % 32,84 % 27,75 % 27,75 27,75 % % 27,75 % 6,78 6,78 %% 6,78 % PolitischePolitische Bildung Bildung Politische Politische Bildung Bildung Inland Inland Inland Inland 33 Personal-PersonalPersonal-Personalkosten kosten kosten kosten Einnahmen Einnahmen Einnahmen Einnahmen 71.655.055 71.655.055 71.655.055 Euro 71.655.055 Euro Euro Euro AusgabenAusgaben AusgabenAusgaben 69.527.894 69.527.894 69.527.894 Euro 69.527.894 Euro Euro Euro 66,66 % 66,66 66,66 % % 66,66 % ojektmittel Projektmittel Projektmittel Projektmittel ndesregierung Bundesregierung Bundesregierung Bundesregierung d EU und EUEU und EU und 43,44 % 43,44 43,44 % % 43,44 % 16,09 % 16,09 % % 16,09 % 16,09 StipendienStipendien StipendienStipendien Eu Internationale Internationale Internationale Internationale Tätigkeit Tätigkeit Tätigkeit Tätigkeit Heinrich-Böll-Stiftung weltweit 12 17 13 16 21 33 15 21 18 11 20 14 32 31 29 19 27 30 28 7 6 10 23 9 4 25 5 2 8 22 3 24 26 Afrika 1 2 3 4 Europa Kapstadt (Südafrika) Abuja (Nigeria) Nairobi (Kenia) Dakar (Senegal) 11 12 13 14 15 Asien 5 6 7 8 9 10 1 16 Bangkok (Thailand) Neu-Delhi (Indien) Peking (China) Phnom Penh (Kambodscha) Yangon (Myanmar) Hongkong 17 18 19 20 21 Lateinamerika Belgrad (Serbien) Berlin (Deutschland) Brüssel (Belgien) Istanbul (Türkei) Kiew (Ukraine) Paris (Frankreich) Prag (Tschechische Republik) Sarajevo (Bosnien-Herzegowina) Tbilisi (Georgien) Thessaloniki (Griechenland) Warschau (Polen) 23 24 25 26 27 28 Afrika 14,63 % Bildung 32 Washington (USA) Russische Föderation 33 Moskau (Russland) 29 30 Beirut (Libanon) Ramallah (Palästina) Rabat (Marokko) Tel Aviv (Israel) Tunis (Tunesien) Politische Bildung Inland 2019 Demokratie, Kultur, Gesellschaftspolitik, Zeitgeschichte / Digitale Gesellschaft Themenreferate Nordamerika Bogotá (Kolumbien) Mexiko-Stadt (Mexiko) Rio de Janeiro (Brasilien) San Salvador (El Salvador) Santiago de Chile (Chile) Nordafrika und Nahost 31 Internationale Zusammenarbeit 2019 6,52 % 22 Internationale 5,92 % Zusammenarbeit 28,32 % 31,72 % Europa 33,47 % Asien Ausgaben 36.597.841 Euro Ausgaben 1.855.658 Euro 16,10 % Institute (Grüne Akademie, Archiv Grünes Gedächtnis, GWI, GreenCampus) 9,04 % Lateinamerika ale 13,06 % Nahost und Nordafrika 16,22 % 15,12 % Nachhaltigkeit, Kommunales, Ökonomie/ Ökologische Wende Publikationen / Öffentlichkeitsarbeit 9,88 % Bildung, Soziales, Migration / Soziale Teilhabe Vorwort Foto: Stephan Röhl Es gibt Momente, in denen aktuelle Ereignisse die Freude über den Erfolg geleisteter Arbeit und gemeinsamen Engagements in den Hintergrund treten lassen. Die Corona-Krise ist solch ein Moment. Denn wie kaum je zuvor gibt es so viel Unsicherheit und gleichzeitiges Abwägen wissenschaftlicher Erkenntnisse mit politischen, sozialen und ökonomischen Folgen. Wir durchleben welterschütternde Zeiten und versuchen sie gerade auch mit unseren 33 Auslandsbüros zu begreifen. Auch wir haben unsere Arbeitsorganisation und die Bildungsformate der aktuellen Situation angepasst. Um auch in Zeiten der Pandemie den Austausch zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu ermöglichen, haben wir schnell dazugelernt. Digitale Formate, die noch vor Monaten Testballons waren, sind nach wenigen Wochen Standard. Wir wollen diesen Wissenssprung nutzen und werden für die Zukunft eine gute Balance zwischen analogen und digitalen Angeboten entwickeln. Wir danken den Mitarbeiter/innen in diesem Zusammenhang für ihr außerordentliches Engagement, ihre Solidarität, ihre Kreativität, ihre ungebrochene Produktivität und selbstverständlich auch für ihre Arbeit im vergangenen Jahr, die dieser Bericht dokumentiert. Unsere Stiftung streitet und argumentiert auch weiterhin für Demokratie und Menschenrechte, für soziale und ökologische Gerechtigkeit, für Frieden, für einen lebenswerten Planeten und für eine möglichst diskriminierungsfreie Welt. Wir stellen Ideen und Lösungsvorschläge für die Gegenwart und die Zukunft bereit, denn es ist unsere Aufgabe zu gewährleisten, dass die bestehenden Probleme und Krisen im Bewusstsein der Öffentlichkeit bleiben. Zum Beispiel die Klimakrise – sie war da, sie ist da und sie bleibt vorerst. Was im Jahr 2018 als Jugendprotest begann, ergriff im vergangenen Jahr zunehmend einen sehr großen Teil der Gesellschaft: Im September 2019 sind weltweit sechs Millionen Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. Diese große Bereitschaft zur Veränderung darf in Anbetracht der weltwirtschaftlichen Folgen der Pandemie nicht unter den Tisch fallen. Die Dramatik und die Folgen der Welt- Barbara Unmüßig Foto: Bettina Keller wirtschaftskrise sind bereits spürbar. Um der Klimakrise zu begegnen, muss nach der Pandemie ein grüner und klimakluger Umbau der Wirtschaft gelingen. Wir wollen zeigen, dass die sozialökologische Transformation unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft möglich ist – und zwar zum Wohle aller und ohne politische und individuelle Freiheiten aufzugeben. Ein Kernthema unserer Arbeit ist die Stärkung von Demokratie und Menschenrechten. Rechtsautoritäre Regierungen nehmen weltweit an Zahl zu und entziehen zivilgesellschaftlichen Organisationen und Akteur/ innen die Arbeitsgrundlage oder kriminalisieren sie gar. Schon vor der Pandemie eingeleitete Einschränkungen von Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung werden vorangetrieben, teilweise auch in Europa. Den vielen zivilgesellschaftlichen Akteur/innen gilt unsere Solidarität und Unterstützung! Auch die Europäische Union steht vor gewaltigen Herausforderungen. Zu den anstehenden Debatten um den Green New Deal, um demokratische Prinzipien und eine kohärente Migrationspolitik kommt die wirtschaftliche Rezession. Aber: Die Erfolge grüner Politik bei den Europawahlen 2019 sind eine gute Voraussetzung, europapolitische Vorstellungen der Solidarität, der Verteidigung der Demokratie, des Klima- und Artenschutzes stärker durchzusetzen. Unsere Arbeit 2019 hat viel dazu beigetragen, hierzulande ein positives Europabild zu verstärken und Stimmen hörbar zu machen, die sich bei wichtigen Entwicklungen der EU einbringen sollten. Zum Schluss danken wir unseren zahlreichen und langjährigen Partnerinnen und Partnern im In- und Ausland für ihre couragierte Arbeit und für die vielen Impulse und Sichtweisen, die durch sie in unsere Arbeit einfließen. Wir bedanken uns außerdem bei all jenen Menschen, die sich ehrenamtlich in unseren Gremien engagieren. Ihr Engagement bereichert die Stiftung enorm. Und mit Zuversicht machen wir weiter! Berlin, im April 2020 Dr. Ellen Ueberschär und Barbara Unmüßig Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung Vorwort Dr. Ellen Ueberschär Klimagerechtigkeit – jetzt! 2 13. Dezember 2019: Fridays For Future in Berlin Foto: Dominik Butzmann/laif Klimagerechtigkeit – jetzt! Heftige Stürme, Starkregen, extreme Trockenheit, verheerende Waldbrände, Gletschersterben – das sind bereits jetzt spürbare Auswirkungen des Klimawandels. Die glo­­balen CO2-Emissionen müssen drastisch gesenkt werden und 2050 nahe null liegen, um die Erderwärmung auf ein noch erträgliches Maß zu begrenzen. Rund um die Welt gehen dafür vor allem junge Menschen auf die Straße. Sie fordern von der Politik ambitioniertere ­Klimaziele und die Umsetzung vereinbarter Zusagen, doch die meisten Regierungen bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. 3 Die weltweite Klimabewegung wächst, die internationale Klimapolitik enttäuscht Die Mobilisierungserfolge von Fridays for Future und anderen Klimabewegungen zeigen: Der Klimaprotest wächst! Insbesondere junge Menschen fordern immer lauter die Einhaltung der Klimaziele von Paris und damit die Begrenzung der globalen Erderwärmung auf 1,5 Grad über vorindustriellem Niveau. Am 20. September 2019, dem Tag des globalen Klimastreiks, demonstrierten schätzungsweise 6 Millionen Menschen in etwa 150 Staaten weltweit für mehr Klimaschutz. In Berlin waren den Organisator/innen zufolge ca. 270.000 Menschen auf der Straße. Wir veranstalteten an diesem Tag ein «Klimafrühstück», bei dem Mitarbeitende unserer internationalen Büros über die umwelt- und klimapolitische Lage in ihren Ländern berichteten. Am gleichen Tag stellte die Bundesregierung ihr Klimapaket vor, das bei vielen für große Ernüchterung und Enttäuschung sorgte. Dies gilt auch für die Ergebnisse des internationalen Klimagipfels (COP 25) in Madrid, wo sich die Regierungen trotz großer Dringlichkeit weigerten, sinnvolle Beschlüsse zu verabschieden und sich zu höheren Klimazielen zu verpflichten. Selbst der UN-Generalsekretär Guterres brachte seine Enttäuschung über die Ergebnisse zum Ausdruck: «Die internationale Gemeinschaft hat eine wichtige Gelegenheit verpasst, ihre Ambitionen in den Bereichen Minderung, Anpassung und Finanzierung zur Bewältigung der Klimakrise zu verstärken.» Obwohl der Klimagipfel aufgrund der politischen Lage in Chile sehr kurzfristig von Santiago de Chile nach Madrid verlegt wurde, fand der Alternativgipfel der chilenischen Klimabewegung SCAC (Sociedad Civil por la Acción Climática), das chilenische Äquivalent der deutschen Klimaallianz, und der People’s Summit wie geplant in Santiago de Chile statt. Zwar war die inter- nationale Beteiligung erheblich niedriger als erwartet, und die internationale Presse fehlte weitgehend, doch beide Plattformen organisierten hochrangig besetzte Workshops und Podiumsdiskussionen sowie diverse kulturelle Aktivitäten mit Basisorganisationen und Expert/innen aus Lateinamerika. Auch unser Büro in Santiago beteiligte sich mit einer Reihe von Veranstaltungen sowohl in Santiago de Chile als auch in Madrid. Die Hoffnung zahlreicher lateinamerikanischer Regierungen und zivilgesellschaftlicher Organisationen, ein Klimagipfel in Lateinamerika könnte die globale Gemeinschaft stärker für die Probleme dieser höchst vulnerablen Region sensibilisieren, blieb angesichts der Verlagerung des Austragungsortes größtenteils unerfüllt. Am 9. Dezember veröffentlichte die chilenische Klimabewegung das Lateinamerikanische Manifest für das Klima. Eine seiner wichtigsten Botschaften: Die sozialen Krisen Lateinamerikas sind ohne ehrgeizige Klimaschutzmaßnahmen, Umweltgerechtigkeit und den Schutz von gefährdeten Umweltaktivist/innen nicht zu bewältigen. Umweltschutz heißt immer auch Schutz der Menschenrechte. Netzwerken für mehr Klimaschutz: Jugendkongress in Marseille: Anfang September organisierte unser Büro in Paris in Kooperation mit der Green European Foundation und der Federation of Young European Greens einen dreitägigen Euro­ päischen Jugendkongress in Marseille. Über 70 junge Menschen aus ganz Europa, auch aus Ländern wie Georgien, Armenien, Russland, Ukraine und dem Westbalkan, diskutierten darüber, wie Klima und Demokratie besser geschützt werden können, und besuchten Workshops u.a. zum Umgang mit Medien, zu Mobilisierungsformen über Social Media oder zur europäischen ­Netzwerkbildung. Klimagerechtigkeit – jetzt! Wir halten das 1,5-Grad-Ziel für machbar – und zwar auf ­gerechte und demokratische Weise und ohne den Einsatz von riskanten Großtechnologien wie Geoengineering. Wir wollen echte Alternativen fördern und die notwendige sozialökologische Transformation voranbringen. Ein Kurswechsel ist möglich – durch entschlossenes Handeln. 4 Frauennetzwerk in Prag: Die tschechische Energie- und Nachhaltigkeitspolitik wird seit Jahrzehnten von einem engen und geschlossenen Kreis männlicher Experten dominiert. Um weiblichen Fachkräften und Politikerinnen mehr Sichtbarkeit und Einfluss zu verschaffen, organisierte unser Büro in Prag diverse Workshops und Netzwerktreffen für Frauen. Es ging darum, sich sowohl untereinander als auch mit den Medien besser zu vernetzen. Angeboten wurden Workshops u.a. zu den Themen «Kommunikation der Klimakrise» oder «Herausforderungen beim TV-Interview». Klimagerechtigkeit – jetzt! Kritische Auseinandersetzung mit Geoengineering Geoengineering wird oft als vermeintliche Lösung präsentiert, die die globale Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen könne. Durch Geoengineering soll der Atmosphäre CO2 entzogen oder Sonnenlicht von der Erde ferngehalten werden; doch diese Technologien sind hochriskant. Bei der 4. UN-Umweltversammlung (UNEA-4) im März 2019 in Nairobi scheiterte der Versuch, Geoengineering-Technologien auf UN-Ebene zu regulieren, am starken Widerstand einiger hochemittierender, ölproduzierender Regierungen. Wir haben im Vorfeld der Verhandlungen kritische Analysen vorgelegt, darunter der vielbeachtete Bericht «Fuel to the Fire – How Geoengineering Threatens to Entrench Fossil Fuels and Accelerate the Climate Crisis», den wir zusammen mit dem Center for International Environmental Law (CIEL) herausgegeben haben. Er analysiert die jahrzehntelange Verstrickung der fossilen Industrie in Erforschung und Entwicklung von Geoengineering-Technologien und belegt, wie das zunehmende Interesse an Geoengineering als angebliche Wunderwaffe gegen den Klimawandel in Wirklichkeit die Klimaziele schwächt und die fossile Infrastruktur auf Jahrzehnte zementieren könnte. Neben zahlreichen Bildungs- und Informationsmaterialien zu Geoengineering haben wir auch mehrere Workshops dazu angeboten, darunter bei Konferenzen von Fridays for Future und beim Klimacamp im Leipziger Land. Darüber hinaus unterstützten wir die internationale zivilgesellschaftliche Kampagne «Hands Off Mother Earth» (HOME). Die Kampagne fordert ein internationales Verbot von Geoengineering und versorgt internationale zivilgesellschaftliche Netzwerke mit Informationen zum Thema, etwa in W ­ ebinar-Formaten und durch regelmäßige Newsletter und KampagnenMailings. Vorstoß für die strafrechtliche Verfolgung von Umweltverbrechen Vom 2.–7. Dezember 2019 fand im niederländischen Den Haag die 18. Versammlung der Vertragsstaaten des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGh) statt. Einer  Webdossier: Geoengineering Technologies explained www.boell.de/en/geoengineering www.geoengineeringmonitor.org ihrer Höhepunkte war die Erklärung der Delegierten der Inselstaaten Vanuatu und Malediven. Sie forderten die Versammlung auf, «Ecocide» als internationales Verbrechen einzustufen. Seit 2002 können Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Verbrechen der Aggression vor den IStGh gebracht werden. Erste Versionen des Römischen Statuts enthielten auch «Ecocide» als Verbrechen, in der ratifizierten Version ist es nicht mehr enthalten. Durch die Wiederaufnahme könnte schwerer und großmaßstäblicher Raubbau an der Natur und an Ökosystemen künftig kriminalisiert und die Verantwortlichen international strafrechtlich belangt werden. Anlässlich dieser Forderung organisierten wir gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Partnerorganisationen in Den Haag einen ganztägigen Workshop zu den politischen Chancen und Risiken sowie verfahrenstechnischen Möglichkeiten zur Kriminalisierung von Umweltverbrechen auf internationaler und nationaler Ebene. Daraus ging ein zivilgesellschaftliches Bündnis hervor, das sich zum Ziel setzt, weiterhin Expertisen zu bündeln, um auf ein Ende der Straffreiheit von Umwelt- und Klimazerstörung hinzuwirken. Klimaklagen weltweit auf dem Vormarsch Die zurzeit bekannteste Klimaklage in Deutschland ist der Fall des peruanischen Bauern Saúl Luciano Lliuya. Er klagt gegen RWE als einem der großen CO2-Emittenten, denn sein Dorf läuft Gefahr, infolge eines abschmelzenden Gletschers weggeschwemmt zu werden. Weltweit nimmt die Zahl derartiger Klimaklagen zu. Mitte Juni 2019 trafen sich in der Nähe von Mexiko-Stadt rund 120 Anwält/innen sowie Vertreter/ innen sozialer Organisationen und Bewegungen zum dritten «Climate Justice Legal Experts Meeting». Der dreitägigen internationalen Konferenz ging ein rein lateinamerikanisches Treffen voraus, das unser Büro Mexiko-Stadt, die Berliner Stiftungszentrale, die australische Organisation Climate Justice Programme und die lateinamerikanische Organisation AIDA gemeinsam vorbreitet hatten. Das Treffen löste bei vielen Organisationen einen Motivationsschub aus; sie wollen nach eigenem Bekunden das Instrument Klimaklage als eine sinnvolle Ergänzung ihrer Arbeit anwenden. Es zeichnet sich ab, dass in der Region zukünftig solche Klagen in steigender Zahl angestrengt werden. Das Mexikanische Zentrum für Umweltrecht, eine Partnerorganisation der Stiftung, hat kürzlich eine Klage gegen eine geplante Großraffinerie eingereicht, die explizit auf klimawandelbezogenen Argumenten fußt. Unterstützung der Interamerikanischen Menschenrechtskommission Der Klimawandel und das Thema Umweltschutz beschäftigen zunehmend auch die Interamerikanische 5 Menschenrechtskommission. Unser Büro in Kolumbien unterstützte die Sonderberichterstatterin für wirtschaftliche, soziale, kulturelle und Umweltrechte der Kommission bei der Umsetzung ihres Mandats, indem es eine Reihe von Fachgesprächen organisierte und die Vernetzung mit Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen ermöglichte. So realisierte es 2019 zum Beispiel Fachgespräche u.a. beim 3. Interamerikanischen Menschenrechtsforum in Ecuador, eine Anhörung von Nichtregierungsorganisationen vor der Interamerikanischen Menschenrechtskommission zu Klimawandel und Menschenrechten sowie die Teilnahme und Treffen der Sonderberichterstatterin mit zivilgesellschaftlichen Akteuren beim Klimagipfel in Madrid. Schwere Zeiten für Amazoniens Regenwald Mit Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist ein Politiker an der Macht gekommen, der die Demontage der aktuellen Umweltgesetzgebung offen propagiert und umsetzt. Dies stellt auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit vor schwere Herausforderungen, denn der Schutz des Amazonas war mehr als 25 Jahre lang einer ihrer Schwerpunkte. Eine Studie im Auftrag der Stiftung zeichnet die generellen Linien dieser Kooperation nach, denn gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, zu überlegen, wie und in welchen Bereichen internationale Zusammenarbeit am besten und langfristig wirken kann. Kein einfaches Thema, wie sich bei einem Fachgespräch mit brasilianischen und deutschen Teilnehmenden im Juni in Berlin gezeigt hat. Zumal die Schutzbestimmungen für Amazonien seitens der Regierung gezielt aufgeweicht werden, damit Agrarund Bergbauunternehmen leichter an wirtschaftlich attraktive Gebiete gelangen können. Die international finanzierten Waldschutzprojekte, beispielsweise im Rahmen von REDD+, werden nur fortgeführt, weil die mit ihnen verbundenen Zahlungen als zusätzliche Einkünfte ins Land fließen. Amazonien heute Der Amazonienkenner Thomas Fatheuer beschreibt die Bedrohungen der Region und analysiert die verschiedenen Interessen, die hinter der Entwaldung stehen. Er zeigt auch Alternativen auf, die die sozialen Bewegungen und die Zivilgesellschaft in Brasilien entwickelt haben, wie zum Beispiel die Stärkung der Agrarökologie. Durch sie soll eine an die lokalen Gegebenheiten angepasste, diversifizierte landwirtschaftliche Produktion gefördert werden. www.boell.de/amazonien-heute Studie «Deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Amazonien»: http://on.boell.de/amazonas Klimagerechtigkeit – jetzt! Amazonien: Bäume werden abgeholzt, um Anbauflächen für Viehfutter zu gewinnen Foto: Tomas Munita/CIFOR (CC-BY-NC-ND 2.0) Energie- und Mobilitätswende gestalten 6 Bei Neubrandenburg, Mecklenburg-Vorpommern: Servicearbeiten im Windpark Foto: Paul Langrock/laif Energie- und Mobilitätswende gestalten Fossile Brennstoffe wie Kohle oder Erdöl sind endlich, und sie schaden dem Klima. Erneuerbare Energiequellen wie Wind, Wasser oder Sonne bieten eine umweltund klimafreundliche Alternative. Die technischen ­Vorraus­setzungen für eine umfassende Energiewende sind da, sie muss nur ­politisch gewollt und entsprechend gefördert werden. Auch das Verkehrssystem muss ­nachhaltig umgebaut werden, denn fossile Antriebe ­tragen ­massiv zum ­weltweiten CO2-Ausstoß und damit zur ­Erderwärmung bei. 7 Mehr Mobilität, weniger Verkehr auf den Straßen – Strategien zur Verkehrswende Mobilität ist Ausdruck von Freiheit und Selbstbestimmung. Und sie ist eine Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, denn das eigene Zuhause, Familie, Freunde und Arbeitsplatz liegen oftmals nicht am gleichen Ort. Gerade weil Mobilität so wichtig ist, muss sie künftig so organisiert werden, dass sie klimafreundlicher, ressourcenschonender und stressfreier wird. In den letzten beiden Jahren haben wir verschiedene Aspekte der Verkehrswende in Strategiegesprächen mit Fachleuten beraten. In unterschiedlich besetzten Runden ging es u.a. um die Transformation der Automobilindustrie, um Strategien für den Güterverkehr, die Mobilität in ländlichen Räumen und auch um die Frage, wie man die Bürger/innen für die Verkehrswende gewinnen kann. Zu jedem der Fachgespräche erschien ein «böll.brief» der Reihe «Grüne Ordnungspolitik» mit Politikempfehlungen. Auf unserer Konferenz «Baustelle Mobilität: Leit­ projekte für die Verkehrswende» im November 2019 führten wir die einzelnen Themenstränge der Strategiegespräche zusammen und kommentierten darüber hinaus das kurz zuvor geschnürte Klimapaket der Bundesregierung. Keynote-Sprecher Christian Hochfeld von AGORA Verkehrswende bemerkte dazu, die Bundesregierung «hat geblinkt, aber die Ausfahrt verpasst». Beim CO2-Preis und der Finanzierung der Verkehrswende stellte er der Koalition ein besonders schlechtes Urteil aus. Der Anreiz zur Vermeidung von Autofahrten (10 Euro pro Tonne CO2) sei viel zu gering. Er plädierte stattdessen für einen anfänglichen CO2-Preis von 50 Euro pro Tonne, eine progressive Ausgestaltung der Belastung und eine soziale Rückverteilung an die Bevölkerung. Fortschritte sah er hingegen bei der Elektro­ mobilität – viele neue Fahrzeugmodelle der Hersteller und eine Förderung durch die Regierung. Allerdings mahnte er ein «Bonus-Malus-System» an, um nicht nur E-Autos zu subventionieren, sondern gleichzeitig Wagen mit hohem CO2-Ausstoß stärker zu belasten. Außerdem müsse man an die «Sektorkopplung» denken: Ohne den konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien Mobilitätsatlas Bei der Verkehrswende müssen soziale, ökologische und ökonomische Belange zusammengedacht werden. Unser Mobilitätsatlas bietet Lösungen und macht deutlich, dass die Verkehrswende eine politische Aufgabe ist. Große Chancen, sich auch ohne eigenes Auto zuverlässig fortzubewegen, bietet zudem die digitale Vernetzung. Der Mobilitätsatlas entstand in Kooperation mit dem VCD Verkehrsclub Deutschland e.V. (Auflage: 80.000). Zum Mobilitätsatlas gibt es auch eine Podcast-Serie: www.boell.de/podcasts www.boell.de/mobilitaetsatlas  Berichte, Videomitschnitte und Podcasts zur Verkehrswende unter: www.boell.de/de/verkehrswende  böll.brief «Grüne Ordnungspolitik»: www.boell.de/boellbrief Energie- und Mobilitätswende gestalten Wir brauchen mehr Ökostrom, damit Mobilität zum Beispiel durch elektrische Antriebe klimafreundlicher werden kann. Wir wollen dazu beitragen, dass eine ökologisch nachhaltige und ökonomisch erfolgreiche Mobilitätsindustrie mit vielfältigen Arbeitsplätzen entsteht. Durch technische Innovationen kann der ökologische Fußabdruck des Verkehrs schon heute verringert werden. Die deutsche und europäische Industriepolitik muss dringend grüner werden und den Green New Deal der EU voranbringen. 8 und die Steigerung der Ökostrom-Produktion bringe die Elektrifizierung zu wenig Klimavorteil. Eine Leerstelle nannte er beim Thema «Verhaltensänderung»: Gar nichts unternehme die Politik, um die Kultur des Autofahrens in Richtung eines vernetzten Mobilitätsverhaltens umzusteuern, das auch Bahn, Carsharing, Rad und Fußweg aufwerte. Hochfelds Kommentare und Thesen lieferten den Auftakt für rege Debatten und die Suche nach Lösungsansätzen in den einzelnen Bereichen. Energie- und Mobilitätswende gestalten Projekte für eine partizipative Energiewende Marokko – «Peer-Learning»-Workshops: Marokko ist klima- und energiepolitisch ein Vorreiter. Das Königreich will bis 2030 mehr als die Hälfte seiner Energie aus Sonne und Wind gewinnen. Bereits jetzt verfügt es über das größte Solarkraftwerk der Welt. An den Bürger/innen und Kommunen geht die Energiewende bislang noch vorbei. Um dies zu ändern, unterstützt unser Büro in Rabat einige marokkanische «Pionier»-Kommunen bei der Entwicklung lokaler Projekte, beispielsweise die Produktion von Solarstrom für den Eigenbedarf oder Formate der Bürger/innen-Beteiligung. Dazu veranstaltete es verschiedene «Peer-Learning»-Workshops in Rabat und Chefchaouen, wo Vertreter/innen von über 15 Kommunen mit Expert/innen und Vertreter/ innen der lokalen Zivilgesellschaft über Schritte zur Förderung von erneuerbaren Energien in ihren Gemeinden diskutierten. Besonders wertvoll dabei waren der praktische Erfahrungsaustausch und die Besichtigung von Pilotprojekten. Als zentrale Herausforderungen einer partizipativeren Energiewende identifizierten die Teilnehmenden neben der fehlenden Energie-Expertise in den Kommunen vor allem den Mangel an politischer Koordinierung zwischen nationaler und lokaler Ebene. Bosnien und Herzegowina – Pilotprojekt zur Warmwasserbereitung: In Bosnien und Herzegowina finden erneuerbare Energien noch wenig Beachtung. Für ein Solarpilotprojekt zur Warmwasserbereitung sammelte unsere Partnerorganisation REIC (Regional Education and Information Center), unterstützt durch eine Crowd­ funding-Initiative unseres Büros in Sarajewo, erfolgreich Spendengelder. Die Sonnenkollektoren wurden auf dem Dach eines Heimes für Menschen mit geistiger Behinderung in Fojnica angebracht. Das finanziell chronisch unterversorgte Heim verfügt seither rund um die Uhr über warmes Wasser und konnte seine Energiekosten um 60 Prozent reduzieren. Das Pilotprojekt fand Nachahmer: Unsere Partnerorganisation Zentrum für Umwelt aus Banja Luka und das Visitor Center Pecka sammeln nun ebenfalls erfolgreich Gelder, um ihren Strom selbst zu erzeugen. Albanien – Summerschool für Studierende: Um für die nachhaltige Energiegewinnung in Albanien zu werben, organisierte unser Büro in Sarajewo erstmalig eine Sommerschule für Bachelor- und Master-Studierende in Durres, Albanien. Die Teilnehmenden kamen überwiegend von albanischen Universitäten, aber auch aus dem Kosovo und Deutschland. Energieexpert/innen erläuterten den Studierenden die Methoden der erneuerbaren Energiegewinnung und diskutierten über deren Potenziale und die Herausforderungen bei der Umsetzung der Energiewende. Griechenland – Handbuch zur Gründung von Energiegemeinschaften: Für eine gelingende Energiewende braucht es sogenannte prosumer, d.h. aktive Bürger/ innen, die selbst saubere Energie produzieren. Hierfür ist es hilfreich, sich zu Energiegemeinschaften und Energiegenossenschaften zusammenzuschließen. Ein von unserem Büro in Thessaloniki herausgegebenes Handbuch informiert über die gesetzlichen Möglichkeiten in Griechenland und präsentiert Beispiele erfolgreicher Energiegenossenschaften aus anderen europäischen Ländern. Es ist eine mittlerweile viel genutzte Grundlage für Bildungsangebote und Trainings von Bürgerinitiativen, Multiplikator/innen und kommunalen Akteur/innen. Zu einer gerechten Energiewende gehört auch die Bekämpfung von Energiearmut. Geschätzte 50 MilBöll.Fakten: Energiewende Siebzehn Richtigstellungen zur Stromversorgung Die Energiewende ist klimafreundlich und bietet viele dezentrale Beteiligungsmöglichkeiten für die Bürger/ innen. Sie hat ein Riesenpotenzial, ist aber auch sehr komplex und wirft viele Fragen auf. In siebzehn kurzen Kapiteln wollen wir mit dieser Ausgabe von «Böll. Fakten» das Wissen über die Energiewende erweitern und Interesse wecken für eines der wichtigsten Zukunftsprojekte Deutschlands. www.boell.de/energiewende lionen Haushalte leben in Europa unter Bedingungen von Energiearmut. Verantwortlich ist ein Mix an Ursachen: steigende Energiekosten, energetisch ineffiziente Gebäude, stagnierende oder sinkende Einkommen und Arbeitslosigkeit. Die Studie «Energiearmut in Griechenland 2.0» legt u.a. dar, warum das Fehlen einer gemeinsamen Definition von Energiearmut es erschwert, auf europäischer Ebene die politische Tragweite dieses vielschichtigen Phänomens zu erkennen und entsprechende Strategien für seine Bekämpfung zu finden. Polen – Empowerment von Umweltaktivistinnen: In Polen gilt Kohle als das «schwarze Gold» des Landes – entsprechend emotional wird der Kohleausstieg im Land diskutiert. Allen voran in Oberschlesien, wo die Kohleindustrie traditionell identitätsbildend war und immer noch ist. Unser Büro in Warschau unterstützt zivilgesellschaftliche Aktivistinnen dabei, sich argumentativ zu rüsten und insbesondere für die sozialen und kulturellen Folgen der Energiewende Strategien zu entwickeln. Da Frauen in der Debatte noch immer viel zu wenig gehört werden, hat unser Warschauer Büro die Ökologische Frauenakademie ins Leben gerufen. Umweltaktivistinnen in den Kohleregionen sollen dort die nötige Unterstützung bekommen. Ein erstes Treffen der Akademie fand im September 2019 statt. Forderungen nach einer Energiewende in den ASEAN-Staaten Südostasien ist eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsregionen der Welt. Schätzungen zufolge soll der Energiebedarf bis 2040 um 80% steigen, was allein den Stromverbrauch in den nächsten 20 Jahren verdreifachen würde. Die nationalen Regierungen setzen vor allem auf fossile Energieträger. Um ein Umdenken voranzubringen, unterstützt unser Büro in Bangkok das Southeast Asia Carbon-Free Energy Network des Green ID, ein vietnamesischer Projektpartner der Stiftung. Die eher national ausgerichtete Renewable Energy Week 2019 in Hanoi bekam durch diese Kooperation eine wichtige südostasiatische Komponente. Mit Blick auf Vietnams Übernahme des ASEAN-Vorsitzes im Jahr 2020 forderte das Netzwerk von den Regierungen des südostasiatischen Staatenverbunds, zukünftig verstärkt in nachhaltige Energiequellen zu investieren, Entwicklungsprojekte auf ihre sozialen und umweltpolitischen Konsequenzen zu überprüfen und den Umweltschutz als eigenständige Säule in der ASEAN-Struktur zu etablieren. Erfolgreicher Widerstand gegen Kohleabbau – zwei Beispiele aus Russland und dem Senegal Russland – Gerichtsurteil zugunsten der Kohlegegner/ innen im Kusbass: Kohle ist aus Sicht der russischen Regierung eine strategische Ressource der Zukunft: für den eigenen Verbrauch, aber auch für den Export nach Südostasien und Europa. In der Hauptkohleregion Russlands, dem Kusbass, beginnen die Menschen, sich gegen die Folgen des Kohleabbaus zu wehren. Mehr als hundert Einwohner/innen des Dorfes Mencherep beschlossen, vor Gericht gegen die Enteignung ihrer landwirtschaftlichen Grundstücke zugunsten eines Tagebaus «für staatliche Zwecke», wie es im Behördenschreiben hieß, zu klagen. Das Moskauer Büro unterstützte die Initiative darin, einen Präzedenzfall zu schaffen und das Gerichtsverfahren zugleich für eine breite öffentliche Berichterstattung zur Situation im Kusbass zu nutzen. Der Erfolg überraschte alle: Viele lokale Medien, eine russische Nachrichtenagentur und die BBC berichteten über Mencherep, und eine breite Diskussion über die bis dahin unausgesprochene Frage setzte ein, welche Beamte unter welchen Bedingungen den zumeist privaten Kohleunternehmen fremdes Land für ihre Abbaupläne zusprechen dürften. Die beteiligten Anwält/innen des juristischen Kollektivs Team 29 aus Sankt Petersburg erreichten zudem in erster Instanz ein Urteil zugunsten der Kläger: «Ein Gericht im Kusbass hat erstmals Bewohner/innen unterstützt, die ein Verbot des Kohleabbaus auf ihrem Land forderten», lautete eine der Schlagzeilen nach der Urteilsverkündung. Die Staatsbehörden riefen nach dieser gerichtlichen Niederlage angesichts des öffentlichen Drucks im Februar 2019 die Abbaulizenz für den geplanten Tagebau zurück. Senegal – Teilerfolg im Kampf gegen ein Kohlekraftwerk: Unser Büro in Dakar kämpft seit seiner Eröff- nung im Jahr 2017 an der Seite der Bevölkerung des Ortes Bargny bei Dakar gegen eine ganze Reihe von Großinfrastrukturprojekten. Ein Kohlekraftwerk, eine Zementfabrik, ein geplanter Tiefseehafen – Prestigeprojekte für die Regierung, für die lokale Bevölkerung eine Bedrohung ihrer Lebensgrundlagen. Insbesondere das Kohlekraftwerk macht den Menschen dort zu schaffen. Viele haben ihre Grundstücke verloren, Fischer können ihrer Tätigkeit nicht mehr nachgehen, die Waren der fischverarbeitenden Frauen werden durch den Staub des Kraftwerks unverkäuflich. Gesundheitliche Probleme betreffen die gesamte Bevölkerung. Inzwischen kündigte die Regierung den Stopp des Kohlekraftwerkes an. Nun sollen alle kohlebetriebenen Werke auf Gas umgerüstet werden. Obgleich die Regierung mit den Klimazielen argumentiert, ist diese Entscheidung doch ein Teilerfolg der Mobilisierung der Menschen von Bargny, die mit Unterstützung der Stiftung Schäden dokumentiert, rechtliche Möglichkeiten ausgelotet und öffentliche Kampagnen realisiert haben. Die Landrechtsund Entschädigungsfrage aber bleibt bestehen und auch ein Gaskraftwerk hat massive Auswirkungen sowohl lokal als auch aufs Klima. Der Kampf geht also weiter! Energie- und Mobilitätswende gestalten 9 Für eine verantwortungsvolle ­Infrastruktur- und Rohstoffpolitik 10 Piriäus, Griechenland: Der Hafen soll zum größten Container-Umschlagplatz des Mittelmeers ausgebaut werden. Der staatliche chinesische Logistikkonzern Cosco besitzt 51 Prozent der Anteile. Foto: Nikos Pilos/laif Für eine verantwortungsvolle ­ Infrastruktur- und Rohstoffpolitik Häfen, Autobahnen, Kraftwerke, Bahnstrecken – große Infrastruktur­projekte bringen die Chance auf wirtschaftliche ­Ent­wicklung. Weltweit wird daher viel Geld in ­Infrastruktur investiert – es ist ein hochprofitabler Wachstumsmarkt. Finanziert werden Großprojekte meist über Entwicklungsbanken oder Öffentlich-Private ­Partnerschaften. Wer investiert, möchte in der Regel auch ­Rendite sehen. Menschenrechte und Umweltschutz ­bleiben dabei oft der ­Strecke. 11 Mehr Nachhaltigkeit bei Infrastrukturprojekten – Studie Die Infrastrukturen, die wir heute bauen, bestimmen Entwicklungschancen und Emissionspfade für viele Jahrzehnte. Die Erfahrung zeigt, dass Megaprojekte nicht selten große finanzielle, menschenrechtliche und ökologische Risiken mit sich bringen. Gemeinsam mit dem UN Hochkommissariat für Menschenrechte haben wir die Studie «Die andere Infrastrukturlücke: Nachhaltigkeit» herausgegeben. Die Studie nimmt eine umfangreiche Bestandsaufnahme der genannten Risiken durch große Infrastrukturprojekte vor und macht Vorschläge, wie sie minimiert werden können. Sie wurde auf Jahrestagungen der Weltbank, dem World Investment Forum der UN Organisation für Handel und Entwicklung UNCTAD in Genf sowie in einem Fachgespräch in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Kurzversion ist auf Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch erschienen, die Langversion gibt es nur auf Englisch. Das Finanzsystem soll grüner werden Multilaterale Entwicklungsbanken haben eine Schlüsselrolle bei der Finanzierung von Kraftwerken, Autobahnen, Häfen und Bahnstrecken – alles Infrastrukturen, die für die Begrenzung der Erderwärmung und die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens eine entscheidende Rolle spielen. In Artikel 2.1.c des Pariser Abkommens verpflichten sich die Staaten dazu, die weltweiten Finanzströme mit den Zielen des Abkommens in Einklang zu bringen. Die Nichtregierungsorganisation E3G bringt mit Unterstützung der Stiftung Vertreter/innen progressiver Regierungen am Rande von internationalen Konferenzen zusammen, um in informellen Gesprächen abzustimmen, wie sie ihren Einfluss auf die multilateralen Entwicklungsbanken nutzen können, um diese zu mehr Klimaschutz zu bewegen.  Studie «Die andere Infrastrukturlücke: Nachhaltigkeit»: www.boell.de/ohchr Auch Zentralbanken können ihren Einfluss nutzen, damit der Umbau unseres Wirtschafts- und Finanzsystems zu einer Nullemissionswirtschaft vorankommt, so eine der Thesen des Wirtschaftshistorikers Adam Tooze von der Columbia University. Er war im September 2019 zu Gast in der Stiftung und diskutierte mit Sabine Mauderer von der Bundesbank und Jakob von Weizsäcker, Chefökonom im Bundesfinanzministerium, über die Verantwortung der globalen Finanzwirtschaft. Den Mitschnitt der Diskussion gibt es auf youtube.com Die Asia Infrastructure Investment Bank (AIIB) – Analyse Im Jahr 2016 wurde die Asia Infrastructure Investment Bank (AIIB) als multilaterale Bank zur Finanzierung von Infrastruktur gegründet. Ihr größter Anteilseigner ist China, auch Deutschland und weitere Länder Europas halten Anteile. Als «schlank, sauber und grün» bezeichnet die Bank sich selbst. Wir haben Korinna Horta von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewalt mit einer Analyse der Bank nach drei Jahren Geschäftstätigkeit beauftragt. Sie fällt ernüchternd aus: Von einer Erfüllung der Anforderungen des deutschen Bundestags nach hohen Umwelt-, Sozial-, Menschenrechts- und Governance-Standards kann keine Rede sein. Tatsächlich hat sich China mit der AIIB ein multilaterales Instrument geschaffen, das dazu geeignet ist, vor allem chinesische Interessen zu fördern und bestehende internationale Regeln der Infrastrukturfinanzierung abzuändern. Trainingsworkshop zu nachhaltiger Finanzierung in Peking Viele Hürden müssen in China auf dem Weg zu mehr nachhaltiger Finanzierung überwunden werden. Es sind u.a. technische Einschränkungen, aber auch man-  Studie «Die Asiatische Infrastruktur Investment Bank (AIIB)»: www.boell.de/aiib Für eine verantwortungsvolle ­Infrastruktur- und Rohstoffpolitik Infrastrukturpolitik ist vor allem Klimapolitik! Fast zwei Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen gehen auf das Konto von Infrastruktur. Zusammen mit unseren internationalen Partnerinnen und Partnern setzen wir uns dafür ein, dass Menschenrechte sowie Umwelt- und Klimaschutz in der Planung, Finanzierung und Durchführung von Infrastrukturprojekten berücksichtigt werden. 12 Für eine verantwortungsvolle ­Infrastruktur- und Rohstoffpolitik Hseni, Myanmar: «Smooth Sailing» (一帆风顺) – das verspricht die Aufschrift in Mandarin eines Lasters auf der Verbindungsstraße Myanmar-China. Foto: Axel Harneit-Sievers gelndes Dringlichkeitsbewusstsein. Unsere Repräsentanz in Peking hat zusammen mit der Greenovation Hub (Ghub) und dem Green Finance Committee der China Society for Finance and Banking Expert/innen aus zahlreichen Banken, u.a. der AIIB, der Weltbank und der China Industrial Bank, zu einem Workshop nach Peking eingeladen. Behandelt wurden sowohl allgemeine Fragen zur Umsetzung von Klimaschutzzielen durch Entwicklungsfinanzinstitutionen als auch spezielle Herausforderungen entlang der «neuen Seidenstraße». Hier ging es insbesondere um die Bedeutung öffentlicher Mittel für die Förderung von erneuerbaren Energien. Ein wichtiger Beitrag kam von Experten aus Myanmar und Vietnam, die über die Anforderungen und Bedarfe der Anrainerländer bei der Finanzierung von erneuerbaren Energien berichteten. Leitfaden für Gemeinden, die sich gegen Folgen von Infrastrukturprojekten zur Wehr setzen wollen In Südostasien gibt es immer wieder erbitterte Auseinandersetzungen um Infrastrukturprojekte. Betroffene Gemeinden fürchten um ihr Land, ihre Gesundheit oder ihre Lebensgrundlagen. Unser Südostasien-Büro in Bangkok hat unsere Partnerorganisation Inclusive Development International (IDI) dabei unterstützt, einen Leitfaden für Aktivist/innen und Kommunen zu entwickeln, die sich gegen ökologisch und sozioökonomisch schädliche Projekte verfahrensrechtlich zur Wehr setzen wollen. Der Leitfaden wurde in mehrere lokale Sprachen wie Burmesisch, Thai, Vietnamesisch und Khmer übersetzt und orientiert sich am sogenannten Investment Chain Mapping, das nicht nur die Geldflüsse  Leitfaden: http://on.boell.de/safeguarding von Investoren offenlegt und Unternehmenspraktiken auf die Einhaltung von arbeitsrechtlichen oder umweltpolitischen Mindeststandards evaluiert, sondern bei Verletzung dieser Richtlinien rechtliche, politische und auch medienwirksame Gegenmaßnahmen aufzeigt. Transparenz über Chinas Investitionen in Myanmar Myanmar ist für China von großer strategischer Bedeutung. Im Rahmen des «China-Myanmar Economic Corridor» (CMEC, einem Teil der «Belt and Road Initiative») soll in Myanmar eine Infrastruktur geschaffen werden, die Chinas Provinz Yunnan mit Straßen, Eisenbahnen, Sonderwirtschaftszonen und einem Tiefseehafen (Kyaukphyu in Rakhine State) an den Indischen Ozean und an Myanmars Wirtschaftsmetropole Yangon anbindet. Während die Regierungen beider Länder inzwischen zahlreiche Abkommen geschlossen haben, gibt es in Myanmar hierzu wenig Transparenz und viel Unsicherheit, z.B. über die finanziellen Folgen dieser Großprojekte, aber auch über eventuell anstehende Landenteignungen sowie Auswirkungen auf die Umwelt. Um Öffentlichkeit herzustellen und die Verhandlungsposition Myanmars gegenüber dem großen Nachbarn zu stärken, führt unser Büro in Yangon gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen eine Serie von Veranstaltungen durch. Die Teilnehmenden, sowohl Mitglieder von Regionalparlamenten entlang des geplanten Korridors als auch NGO-Vertreter/innen, können sich dort über die CMEC-Planungen austauschen und auch Berichte aus anderen Ländern hören, die sich gegenüber China in einer ähnlichen Position wie Myanmar befinden – zum Beispiel Pakistan und Sri Lanka. 13 Wenig Transparenz bei öffentlichen Aufträgen im Libanon – Studie Libanon hat die dritthöchste Pro-Kopf-Verschuldung weltweit und steht vor dem Kollaps seines Bankensystems. Die politische Elite behauptet, die akute Finanzkrise könne durch die Förderung fossiler Rohstoffe im Mittelmeer beendet werden. Die Regierung plant nun, Öl- und Gasvorkommen vor der libanesischen Küste zu erschließen. Doch in der Zivilgesellschaft gibt es begründete Zweifel daran, dass die Rohstoffeinnahmen dem gesamten Land zugutekämen. Die libanesische Demokratiebewegung hat bereits monatelang gegen ein politisches System protestiert, das auf Intransparenz und massiver Korruption beruht. Sie fordert u.a., neue Verfahren öffentlicher Kontrolle einzuführen. Unser Büro in Beirut hat deswegen eine investigative Recherche über die Nutzung öffentlicher Einnahmen aus der geplanten Auftragsvergabe für den Abbau von Rohstoffen im Mittelmeer in Auftrag gegeben. Die Studie empfiehlt u.a., alle diesbezüglichen Verträge öffentlich zu machen, öffentliche Einkünfte extern überprüfen zu lassen und einen unabhängigen Fonds zu gründen, über dessen Nutzung öffentlich entschieden wird. Mit Unterstützung der Stiftung arbeitet die libanesische Oil and Gas Inititiative (LOGI) zudem an öffentlichen Rechenschaftsverfahren. Für mehr Nachhaltigkeit in Georgiens Bergbau – Studienreise nach Chile Im September 2019 organisierte unser Büro in Tbilisi für Vertreter/innen der georgischen Regierung und aus Partnerorganisationen der Stiftung eine Studienreise nach Chile. Auf dem Programm standen u.a. Besuche in den von den Bergbauprojekten betroffenen Gebieten und die Begegnung mit lokalen Gemeindevertreter/ innen. Die Eindrücke in Chile, das bessere Verständnis der politisch-ökonomischen Situation des lateinamerikanischen Bergbausektors und der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Erfahrungen der Zivilgesellschaft im Umgang mit Unternehmen sollen helfen, in Georgien eine nachhaltige und an Menschenrechten orientierte Ressourcenpolitik auf den Weg zu bringen. Unser Büro in Tbilisi unterstützt verschiedene Partnerorganisationen im Südkaukasus dabei, die Politiker/innen vor allem in Georgien und Armenien von der Notwendigkeit für mehr ökologische und soziale Gerechtigkeit bei der Gewinnung, Produktion und Verarbeitung natürlicher Ressourcen zu überzeugen. Weichenstellungen. Infrastrukturen gestalten unsere Zukunft Auseinandersetzungen um Infrastrukturprojekte sind so alt wie die Umweltbewegung. Ob Autobahnen, Riesenstaudämme oder Windparks: Konflikte um solche Projekte entstehen, weil sie oftmals Natur zerstören, Menschen für sie vertrieben werden, die Kosten eskalieren oder Korruption im Spiel ist. Böll.Thema stellt u.a. einige Megaprojekte vor und wirft auch einen Blick auf die Finanzierung von Infrastruktur. www.boell.de/thema Filmfestival: https://mekong2030.org/ Für eine verantwortungsvolle ­Infrastruktur- und Rohstoffpolitik Mekong 2030 – Filmfestival Der Mekong ist einer der längsten Flüsse der Welt und gilt als die Lebensader des kontinentalen Südostasiens für nahezu 60 Millionen Menschen. Die sozialen und ökologischen Auswirkungen massiver energiepolitischer Infrastrukturmaßnahmen sowie die Folgen der auf den Klimawandel zurückzuführenden Dürreperioden sind in allen Ländern, die der Mekong durchläuft, bereits zu spüren. Fünf junge Filmemacher/innen aus Thailand, Vietnam, Kambodscha, Laos und Myanmar beschäftigten sich mit der Frage, wie der Fluss und das Leben wohl in zehn Jahren aussehen wird. Entstanden sind Kurzfilme mit einem sehr spannenden und kreativ-philosophischen Blick auf das Thema. Mit Unterstützung unseres Büros in Bangkok werden sie im kommenden Jahr auf diversen Filmfestivals in Südostasien, aber auch darüber hinaus zu sehen sein. Bereits im Oktober organisierte unser Büro eine Sneak-Preview für Umweltaktivist/innen, NGO-Mitarbeiter/innen, Journalist/innen und Filmemacher. Interessant waren an diesem Abend vor allem die persönlichen Eindrücke der fünf Regisseur/innen, die sich erstmalig in dieser Form mit der umweltpolitischen Problematik in ihrer Heimatregion auseinandergesetzt hatten. Für eine alternative Landwirtschaft und nachhaltige Entwicklung 14 Aufwärmen in der Heinrich-Böll-Stiftung nach der «Wir haben es satt»-Demo in Berlin Foto: Stephan Röhl Für eine alternative Landwirtschaft und nachhaltige Entwicklung Die Produktion von Lebensmitteln ist weltweit ein gutes Geschäft. Es sind oft wenige große Konzerne, die sich die Felder und Märkte untereinander aufteilen. Die industrielle Landwirtschaft ist für gravierende Klima- und Umweltprobleme verantwortlich – vor allem durch die Erschöpfung fruchtbarer Böden und den Verlust der Biodiversität, die Überdüngung der Meere oder den Ausstoß klimaschädlicher Gase. Umweltschäden entstehen aber auch durch die globale Plastikflut. Und die klimaschädlichen Emissionen entlang des Lebenszyklus von Plastik sind enorm. 15 Landwirtschaft anders – unsere grüne Woche Mit fast 60 Milliarden Euro wird die europäische Landwirtschaft jährlich gefördert und leistet dennoch nicht, was vielen EU-Bürgerinnen und Bürgern wichtig ist: eine artgerechte Haltung von Tieren, der Schutz von Gewässern, Vögeln und Insekten sowie die Unterstützung kleiner Betriebe. In Europa steht die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für die Zeit nach 2020 an – doch Anzeichen für eine ökologischere Ausrichtung der Landwirtschaft sind nicht zu erkennen. Warum sich die Agrarpolitik seit Jahren nicht ändert und wie eine andere – eine nachhaltige und gerechte – Landwirtschaft aussehen könnte, darüber haben wir im Januar 2019 in unserer Reihe «Landwirtschaft anders – unsere grüne Woche» mit zahlreichen Gästen diskutiert. Es ging dabei u.a. um Gentechnik in der Landwirtschaft, um Insektenschutz und die Stärkung der Agrarökologie. Schon fest etabliert ist unser Supp‘n Talk im Anschluss an die große «Wir haben es satt»-Demo durch Berlin, im Jahr 2019 unter dem Motto «Der Agrarindustrie den Geldhahn abdrehen!». Dann heißt es: aufwärmen, vernetzen und diskutieren bei Suppe und heißen Getränken in der Berliner Stiftungszentrale – nach der Demo ist vor der Aktion! Reformen für Ställe, Acker und Natur – Agrar-Atlas Anlässlich der Grünen Woche haben wir im Januar unseren «Agrar-Atlas 2019» präsentiert. Er zeigt, dass kaum etwas von den 60 Milliarden aus dem Topf der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) für Ziele wie Nachhaltigkeit und Umwelt- und Naturschutz verwendet wird. Er zeigt aber auch, dass es sich lohnt, für eine bessere, grundlegend andere Agrarpolitik einzutreten. Das Interesse an unserem Atlas war sehr groß. Alle überregionalen Zeitungen und relevanten Onlineportale haben über ihn berichtet. Da auch in vielen EU-Ländern die Bewegungen für nachhaltige, soziale und global gerechte Agrar- und Ernährungssysteme wachsen, haben wir den Atlas in Kooperation mit verschiedensten europäischen Partnern in sechs weiteren Sprachen und Landesversionen veröffentlicht. Die polnische Ausgabe «Atlas Rolny» zum Beispiel wurde im Juni 2019 in Warschau bei einer Diskussionsveranstaltung mit prominenten Gästen vor- Agrar-Atlas 2019 Jährlich fördert die EU die europäische Landwirtschaft mit 114 Euro pro EU-Bürger und -Bürgerin. Kaum etwas von diesem Geld wird für gesunde Lebensmittel, den Schutz von Umwelt, Klima und Biodiversität oder den Erhalt von kleinen und mittleren Betrieben verwendet. Dennoch wäre es falsch, die Förderung der Agrarpolitik einfach abzuschaffen. Der Agrar-Atlas liefert Daten und Fakten zum Thema. Er liegt mittlerweile in der 4. Auflage vor, Gesamtauflage: 120.000. Es gibt auch einen Podcast in der Reihe Böll.Spezial: www.boell.de/podcasts www.boell.de/agraratlas Für eine alternative Landwirtschaft und nachhaltige Entwicklung Veränderungen in der Landwirtschaft sind nicht nur für Bäuerinnen und Bauern relevant, sondern für uns alle, gerade weil sie so eng mit unserer Ernährung, dem Klima, der Natur und den ländlichen Räumen verbunden sind. Wir wollen eine nachhaltige Landwirtschaft – und zwar ohne Gentechnik, ohne Massentierhaltung und gesundheitsschädliche Pestizide. 16 Für eine alternative Landwirtschaft und nachhaltige Entwicklung Rooibos-Teepflückerinnen in Südafrika Foto: Bretzel/Madame Figaro/laif gestellt, darunter der polnische Landwirtschaftsminister, der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses des EU-Parlaments und der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses des polnischen Sejm. Der Atlas ist eine der wenigen Publikationen in Polen, die die aktuelle Agrarpolitik und ihre notwendigen Reformen anschaulich erläutern. Für Aktivist/innen und Fachleute, die sich für eine ökologischere Landwirtschaft einsetzen, liefert er umfassende Informationen und Argumente. Der Atlas hat in Polen eine rege Debatte darüber ausgelöst, wie die Landwirtschaft reformiert werden sollte. Toxic Business – Pestizide in Kenia Etwa 70 Prozent der Bevölkerung in Kenia arbeiten direkt oder indirekt in der Landwirtschaft. Zwei Drittel der 4,5 Millionen Landwirte sind Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Ihre Nachfrage nach Pestiziden wächst stetig, zwischen 2015 und 2018 haben sich die Importe mehr als verdoppelt. Unser Büro in Nairobi arbeitet seit 2015 im Rahmen der Route to Food Initiative (RTFI) zum Menschenrecht auf Ernährung. Im August 2019 startete die RTFI eine Informationskampagne zu toxischen Pestiziden. Einem RTFI-Bericht zufolge sind 45 der in Kenia zugelassenen Produkte eindeutig als krebserregend eingestuft, 31 als erbgutverändernd, 175 als neurotoxisch, 51 der Produkte lösen Störungen des Hormonsystems aus und 360 haben Auswirkungen auf die Fortpflanzung. Für Bienen ist ein Drittel der Pestizide hochgiftig. Laut RTFI ist ein Drittel der in Kenia registrierten Pestizidwirkstoffe auf dem europäischen Markt gar nicht mehr zugelassen, zugleich stammen 253 der 862 in Kenia zugelassenen Pestizide aus Europa. Eine EU-Verordnung ermöglicht es Unternehmen, in der EU verbotene oder stark regulierte Pestizide für die heimischen Märkte anderer Länder herzustellen. Angesichts dieser Doppelmoral wird es für Länder wie Kenia immer wichtiger, strenge lokale Registrierungskriterien festzulegen. Vier kenianische Initiativen entwickelten gemeinsam eine Petition an das kenianische Parlament, die von der Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses unterstützt wird. Sie fordern ein Verbot schädlicher Pestizidwirkstoffe und verlangen eine strengere Lebensmittelüberwachung sowie eine Überprüfung der Schädlingsbekämpfungsgesetze. Der Ausschuss wird dem Parlament nun einen Bericht mit Empfehlungen vorlegen. Mit Filmvorführungen, Schulungen, öffentlichen Foren und einer Kampagne in den sozialen Medien (#ToxicBusiness) informieren die RTFI und Projektpartner der Stiftung regelmäßig über Einsatz und Auswirkungen schädlicher Pestizide und auch darüber, wie es anders gehen könnte. Anerkennung der Rechte der Khoikhoi und San an der Nutzung des Rooibos-Strauches in Südafrika Seit vielen Jahren unterstützt unsere Partnerorganisation Natural Justice die indigenen Gemeinschaften der Khoikhoi und San bei den Verhandlungen mit der südafrikanischen Rooibos-Industrie um die Anerkennung ihrer Rechte an der Nutzung dieser überaus lukrativen Pflanze. Im Juli 2019 gab es endlich einen entscheidenden Erfolg zu verzeichnen: Zum ersten Mal erkennt die gesamte südafrikanische Roiboos-Industrie das indigene Wissen beider Gruppen an und verpflichtet sich zu einer Abgabe, die die Khoikhoi und San über Generationen an den Einnahmen aus der Vermarktung der Roiboos-Pflanze beteiligt. Die Übereinkunft bedeutet nicht nur finanzielle Vorteile für Khoikhoi und San, sie ist auch ein wichtiger Schritt zur Anerkennung und der Wiederherstellung der Würde dieser Gemeinschaften. Das Abkommen schafft darüber hinaus einen Präzedenzfall für indigene Gemeinschaften auf der ganzen Welt. Es geht zurück auf das Nagoya-Protokoll, ein völkerrechtlich bindender Vertrag, der den Zugang zu genetischen Ressourcen bzw. zu darauf bezogenem traditionellem Wissen regelt und eine ausgewogene und gerechte Aufteilung von Nutzen und Gewinnen vorsieht. 17 Prämiert mit dem Gourmand Award! «Dies ist (k)ein Rezeptbuch» – Rückbesinnung auf die kulinarische Vielfalt Brasiliens Brasilien setzt bei der Ernährung seiner Bevölkerung zunehmend auf das Agrobusiness. Die Eintönigkeit landwirtschaftlicher Monokulturen zeigt sich auch auf den Tellern – die Gerichte schmecken immer ähnlicher. Gemeinsam mit dem Institut für das Essen von morgen hat unser Büro in Brasilien 2019 das Buch «Dies ist (k)ein Rezeptbuch» herausgebracht. Die Rezepte für typisch brasilianische Gerichte mit lokalen Zutaten sollen dazu anregen, die kulinarische Vielfalt des Landes wieder zu entdecken. Von einem Gericht zum anderen gelangt man über neun Kapitel, die sich kritisch mit dem Thema Essen und Nahrungsmittelproduktion befassen: die Verteilung von Landbesitz, die Arbeit von Kleinbauern, die Bedeutung von Biodiversität oder von Nahrung als Teil von Tradition. Das Buch wurde als brasilianischer Beitrag in der Kategorie «universitäre Publikationen» für den Gourmand Award nominiert und erreichte den 2. Platz. Plastikatlas 2019 Plastik ist allgegenwärtig: Wir nutzen es für lebensrettende medizinische Geräte, für Kleidung, Spielzeug und Kosmetik; wir verwenden es in Landwirtschaft und Industrie. Aber wir wissen auch, welch wachsendes Risiko Plastikmüll in der Umwelt, auf Deponien und in den Weltmeeren darstellt. Der Plastikatlas bietet in 19 Kapiteln Daten und Fakten zum Thema. Der Atlas erschien 2019 in Kooperation mit dem BUND. Mittlerweile sind wir bei der 4. Auflage, Gesamtauflage: 110.000. www.boell.de/plastikatlas Für eine alternative Landwirtschaft und nachhaltige Entwicklung Eine Welt voller Plastik – Der Plastikatlas Kunststoffe sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Plastik steckt im Essen und Trinkwasser, in der Kleidung und Kosmetik, in Gebrauchsgegenständen und Fahrzeugen. Das wirkliche Ausmaß an Verschmutzung und Vergiftung unserer Umwelt und Körper durch die Plastikschwemme beginnen wir gerade erst zu begreifen. Plastik schadet zum Beispiel dem Weltklima, so wird u.a. bei den häufig genutzten ­Frackingverfahren zur Gewinnung der Plastik-Rohstoffe (Öl und Gas) das Klimagas Methan frei. Aber auch wenn Plastik in der Umwelt am Ende seines Lebenszyklus in seine Bestandteile zerfällt, gibt es das gebundene CO2 wieder ab. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass die CO2-Senkenfunktion der Ozeane durch das dort massenhaft vorhandene Mikroplastik gestört sein könnte. Auch unsere Gesundheit leidet: Die im Plastik mit verarbeiteten Schadstoffe, die teils krebserregend sind und hormonverändernde Wirkung haben, gelangen über das Wasser und die Nahrungskette in unsere Körper – hier sind Frauen und Kinder besonders gefährdet. Trotzdem sollen in Europa immer weiter Anlagen zur Plastikherstellung gebaut werden. Kein Ausweg aus der Plastikkrise ist auch das Recyling: Nur ein geringer Anteil des Kunststoffmülls wird tatsächlich verarbeitet und kann weiter für hochwertige und schadstofffreie Produkte genutzt werden. Unser «Plastikatlas», den wir im Juni 2019 vorgestellt haben, liefert viele Daten und Fakten rund um das Thema. Er zeigt aber auch Lösungen und stellt Netzwerke vor, die eine Zero-Waste-Vision der Zukunft vorleben und dafür streiten. Nach der deutschen und englischen Ausgabe ist der Atlas im auch auf Khmer erschienen, 2020 werden weitere Sprachen folgen, darunter Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Georgisch, Chinesisch, Russisch, Ukrainisch. Demokratie und Menschenrechte stärken 18 «Von Herzen, aus Idlib» – Titel einer Fotoausstellung über das Leben im syrischen Idlib Foto: Tim Alsiofi Demokratie und Menschenrechte stärken Immer mehr autoritäre Regierungen kommen weltweit an die Macht. Sie hebeln Bürgerrechte aus und bekämpfen die Zivilgesellschaft. Demokratische Institutionen werden abgebaut und Menschenrechte missachtet. Die aktuelle Corona-Pandemie verstärkt diese Entwicklung in vielen Ländern. Bürgerkriege wie der in Syrien sind zu Stell­ vertreterkriegen geworden – die Weltgemeinschaft schafft es nicht, Frieden herbei­zuführen. Die Einhaltung der Menschenrechte war noch zu keiner Zeit selbstver­stän­d­ lich. Ihnen vor Gericht Geltung zu verschaffen, ist nicht einfach – aber es geht. 19 Von Herzen, aus Idlib – Ausstellung In Idlib, der letzten von Rebellen gehaltenen Provinz Syriens, beziffern die Vereinten Nationen den Anteil der Zivilist/innen noch auf über 99 Prozent. Dennoch dominieren die bewaffneten Gruppen die Schlagzeilen. Für die internationale Öffentlichkeit entsteht der Eindruck, als gäbe es keine wirklich «Guten» mehr. Die Wirklichkeit ist um einiges vielschichtiger. Tim Alsiofi, ein syrischer Fotojournalist aus Ghuta, hat im Auftrag unseres Beiruter Büros das Leben der Menschen in Idlib dokumentiert. Alsiofi war 18, als die syrische Revolution begann. Im Jahr 2018 wurde er nach der jahrelangen Belagerung seiner Heimatstadt nach Idlib deportiert. Sein Fototagebuch wurde zur Grundlage einer Ausstellung, die wir vom 21. November – 13. Dezember 2019 in der Berliner Stiftungszentrale zeigten. Die eindrücklichen Fotografien erzählen nicht nur von Krieg und Zerstörung, sondern auch von Schönheit und der Freude am Leben. Die Texte zur Ausstellung schrieb der syrische Rapper und Schriftsteller Hani Al Sawah. Begleitend zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen. Das Lebensgefühl der Generation post-arabischer Frühling – Rap Der Rapper Hani Al Sawah, aka Al-Darwish, hat mit Unterstützung unseres Beiruter Büros sein neues Album «Malahi» (Riesenräder) veröffentlicht. Aus Syrien stammend, wurde er im Libanon als Rapper mit lyrischem Ton bekannt. Seine Musik und seine Texte stehen für das Lebensgefühl der Generation des post-arabischen Frühlings. In Hanis eigenen Worten: «Das Album ‹Malahi› erzählt, wie wir die Welt sehen, nach den Aufständen in der arabischen Welt, besonders in Syrien – zuerst war es Revolution, dann Krieg. Wie wir damit umgehen, mit Beziehungen, Drogen, posttraumatischen Belas- Katalog der Ausstellung: http://on.boell.de/idlib tungssyndromen. Was das für unser Verständnis von Revolution, Krieg und Politik bedeutet und für unser tägliches Leben hier und heute.» In Zeiten der populistischen Stimmungsmache gegen syrische Geflüchtete im Libanon hat Hani im Sommer 2019 mit seiner Musik einen Gegenpol zu rassistischen Klischees und Hassrede gesetzt: «Hier im Libanon denkt man immer noch, was wir tun, ist ein Hobby; während wir Wandel wollen und überzeugt sind, dass Musik etwas ändern kann. In unserem Leben und in dem der Anderen, jener, die uns immer noch als ‹Dritte-Welt-Menschen› sehen, als ungebildet und unzivilisiert, als Möchtegernbürger, als Flüchtlinge. Denn genau das wird ihnen von den Mainstreammedien Tag für Tag eingebläut.» Die Release Party war ein riesiger Publikumserfolg. Neben Hani Al Sawah trat der libanesische Rapper ar-Rass auf, der als eine Stimme der protestierenden libanesischen Jugend gilt. Hanis Album ist auf Sound Cloud frei zugänglich. Einige der Songs haben bisher 20.000 und mehr Downloads erreicht. «Ghaniya ilna» (Ein Song für uns) von Hani Al Sawah: Wir hätten, wenn der Krieg uns nicht gewählt hätte, etwas Anderes gesucht für uns. Ich habe diese Hoffnung in uns, die dunkle Schwere in unseren Herzen, niemand kann sie vertreiben. Hey, diese Story ist unsere Story, erzählt sie immer wieder, so dass sie sie nicht verändern. ‫كنا خطرنا لو ما الحرب ختارتنا كنا خترنا غيرة‬ ‫لسة بأمن فينا والهم إلي بصدورنا ماحدا ً بيطفيية‬ ‫يا حلوي القصة قصتنا خلينا نضل نقولها حتى ما يغيرولنة فيي‬  Download: https://soundcloud.com/al-darwish Demokratie und Menschenrechte stärken «Es wird so leicht dahin gesagt, Zahlen sprächen für sich. Große Zahlen verdecken eher, als daß sie offenbaren. Wenn es um Menschenleben geht, ist es immer noch die Ziffer und die Zahl eins, die uns nahegeht.» Heinrich Böll, 1976 Demokratie und Menschenrechte stärken 20 «Blackbox Libyen» (v.l.n.r.): Heba Shibani, Mirco Keilberth und Elham Saudi Indie-Folk-Konzert der libyschen Band «Breaking the Ice» Fotos: Stephan Röhl Blackbox Libyen – Politische Entwicklungen und künstlerische Interventionsräume Neuer Vertrauensindex für die marokkanische Politik und ihre Institutionen Ein Stellvertreterkrieg, mächtige Milizen und eine machtlose Regierung, leidende Migranten/innen und eine paralysierte Zivilgesellschaft – die Lage in Afrikas einst reichstem Land bedroht die gesamte Region. In Deutschland und Europa wird Libyen oft nur im Kontext der EU-Migrationspolitik und der katastrophalen Lage der Migrant/innen und Geflüchteten diskutiert. Im Vorfeld der Berliner Libyenkonferenz Anfang 2020 schauten wir auf die weniger bekannten Hintergründe des Konflikts: In einem Panel mit Wolfram Lacher, Stiftung Wissenschaft und Politik, Elham Saudi, Direktorin von Libyan Lawyers for Justice, und der Journalistin, Aktivistin und Filmemacherin Heba Shibani ging es um die Machtkonstellation im Land: Wie kam es zu dem Krieg? Wer kämpft hier eigentlich weshalb gegen wen? Welche realistischen Optionen für einen Frieden sind denkbar? Die Frauen auf dem Panel widersprachen der gängigen Erzählung, dass «unter Gaddafi und vor der Revolution schließlich doch alles besser gewesen sei». Sie entlarvten den damit verbundenen paternalistischen, rassistischen und frauenfeindlichen Blick auf das Land und seine Gesellschaft, der unterstellt, dass die Libyer/innen zu keinem freien, pluralistischen Gesellschaftsvertrag fähig seien. Im zweiten Teil der Veranstaltung kamen libysche Künstler/innen zu Wort. Sie sprachen über ihre Gestaltungsräume und präsentierten ihre Kunst. Ein Indie-Folk-Konzert der «Breaking the Ice»-Initiative beschloss den Abend. Initiiert und konzipiert wurde Blackbox Libyen von unserem Büro in Tunis, das gemeinsam mit den libyschen Künstler/ innen, mit der Landesstiftung Baden-Württemberg und den Freunden arabischer Kultur e.V. zuvor eine Ausstellung in der Galerie Arabesk und Konzerte in Heidelberg organisiert hatte. Vertrauen ist der soziale Kitt einer jeden gesellschaftlichen Ordnung. In Marokko beginnt er zunehmend zu bröckeln. Immer mehr Bürger/innen glauben nicht daran, dass ihr Staat und seine Institutionen die gegenwärtigen Probleme lösen können. Das Moroccan Institute for Policy Analysis (MIPA), ein junger marokkanischer Thinktank, hat mit Unterstützung unseres Büros in Rabat eine repräsentative Panelstudie entwickelt, um die Gründe für diesen Vertrauensverlust aufzuspüren. Das Institut erhebt dazu einen jährlichen Vertrauensindex, der erste wurde 2019 der Öffentlichkeit präsentiert. Auf Basis von über 1.000 Telefoninterviews sowie zahlreichen Fachgesprächen kam das Institut zu dem Ergebnis, dass nur 23 Prozent der Marokkaner/innen noch Vertrauen in die Arbeit von Regierung und Parlament haben. Gründe hierfür sind zum einen schlicht der Mangel an Information und Kenntnissen, zum größeren Teil aber ist es die Wahrnehmung der Regierungs- bzw. Parlamentsvertreter/ innen als korrupt und ineffizient. Der Vertrauensindex zeigt aber auch auf, was die marokkanische Politik tun muss, um die Arbeit der Institutionen zu verbessern und damit langfristig das Vertrauen der Bürger/innen zurückzugewinnen. Die Präsidentschaftswahlen und der Friedensprozess in Afghanistan In Afghanistan weckten 2019 Gespräche zwischen den Taliban und den USA Hoffnungen auf den Beginn eines Friedensprozesses. Zwar wurden diese Gespräche im September von US-Präsident Trump für beendet erklärt, aber ein Abkommen stand kurz vor der Fertigstellung. Darüber hinaus fanden erstmalig direkte Gespräche zwischen Vertretern der Taliban und afghanischen Politikern sowie Vertreter/innen der Zivilgesellschaft in  Infos: https://mipa.institute/7141 21 São Paulo, Brasilien: Protest gegen die Bildungspolitik der Regierung von Präsident Bolsonaro. Foto: picture alliance/Tuane Fernandes/dpa Leitlinien für die Suche nach erzwungenen Verschwundenen Das erzwungene Verschwindenlassen von Personen – in Diktaturen, autoritären Staaten oder bewaffneten Konflikten – zählt zu den schwersten Menschenrechtsverletzungen weltweit. Allein in Kolumbien sind mehr als 80.000 Personen, darunter hauptsächlich Zivilist/ innen, auf diese Art verschwunden. Die Suche nach ihnen birgt zahlreiche Schwierigkeiten und Herausforderungen politischer, gesellschaftlicher und rechtlicher Natur. Unser Büro in Kolumbien erarbeitete zusammen mit dem UN-Ausschuss gegen das Verschwindenlassen in einer Reihe von Workshops, Konsultationen und Fachgesprächen (u.a. mit Menschenrechts- und Opferorganisationen) Leitlinien für die Suche nach Verschwundenen. Diese umfassen sechzehn inter- national anerkannte Prinzipien zur Aufklärung von Fällen. Weltweit können sie Opfer- und Menschenrechtsorganisationen als Orientierung dienen. Gerade für den laufenden Friedensprozess in Kolumbien sind die Leitlinien derzeit besonders wichtig. Unterstützung für Brasiliens stark unter Druck geratene Zivilgesellschaft In Brasilien suchen Akteur/innen der kritischen Zivilgesellschaft nach Strategien, wie sie unter der rechtsextremen Regierung Jair Bolsonaros weiter leben und arbeiten können. Die Regierung hat für Themen wie Umweltschutz, Menschenrechte, Gender oder soziale Gerechtigkeit nichts übrig, auch werden Andersdenkende vermehrt angegriffen. Hinzu kommt die Sorge wegen zurückgehender Finanzierungen und die mögliche Kriminalisierung von Aktivist/innen und Organisationen. Ein Großteil unserer Projektpartner/innen in Brasilien kommt aus der kritischen Zivilgesellschaft. Wir versuchen alles, um sie in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen. Unser Büro in Rio förderte zum Beispiel Fortbildungen für Aktivist/innen, in denen sie lernen, wie sie sich schützen können – sowohl psychisch, physisch als auch digital. Angeboten wurden auch Trainings zum Umgang mit Medien, die aggressiv andere Positionen vertreten und Andersdenkende bloßstellen wollen. Im Jahr 2019 gab es auch zahlreiche Rückschritte in der brasilianischen Gesetzgebung. Unsere feministischen Partnerorganisationen beobachteten und kommentierten vor allem die Änderungen bei den sexuellen und reproduktiven Rechten. Eine Delegationsreise führte brasilianische Frauen- und Menschenrechtsaktivist/innen im November nach Brüssel, um EU-Abgeordnete und Funktionsträger/innen zur Situation im Land zu informieren. Die Reise wurde von unseren Büros in Brüssel und Rio de Janeiro organisiert. Demokratie und Menschenrechte stärken Doha statt. Die Präsidentschaftswahlen im September ließen ebenfalls Auswirkungen auf den Friedensprozess erwarten. Auf einer Konferenz im November in Berlin diskutierten wir mit deutschen und internationalen Politiker/innen sowie mit Repräsentanten der afghanischen Zivilgesellschaft über die Aussichten für einen Frieden im Land. Alle auf dem Podium waren sich einig, dass nur ein politischer Prozess unter Beteiligung der afghanischen Regierung und der Zivilgesellschaft dazu führen kann. Auch die internationale Gemeinschaft und insbesondere die Nachbarstaaten müssten miteingebunden werden. Kontroversen gab es um die Frage, welche Zugeständnisse bei Menschen- und Frauenrechten den Taliban gegenüber gemacht werden müssen. Diskutiert wurde auch, ob ein Frieden ohne Aufarbeitung der Vergangenheit und ohne Gerechtigkeit überhaupt möglich sein werde. Wieder einmal zeigte sich, dass der Friedensprozess in Afghanistan wesentlich komplexer ist als in anderen Ländern und daher sehr viel Zeit und Anstrengungen in Anspruch nehmen wird. Frauen- und LGBTI-Rechte verteidigen 22 Bosnien-Herzegowina: Zum ersten Mal konnte die LGBTI-Bewegung in einer «Pride Parade» durch Sarajevo ziehen. In früheren Jahren war dies aufgrund ­ assiver Anfeindungen nicht möglich. Foto: Heinrich-Böll-Stiftung, Büro Sarajevo m Frauen- und LGBTI-Rechte verteidigen In vielen Ländern werden Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und Identität ausgegrenzt und ­verfolgt, manchmal mit dem Tod bedroht. Auch in Deutschland nehmen Gewalttaten mit schwulenfeind­ lichem Hintergrund zu. Einen Anstieg gibt es ebenfalls bei sexueller Gewalt gegen Frauen. Auch Angriffe gegen Feminismus, Gleichstellungspolitik, sexuelle Selbst­ bestimmung und Geschlechterforschung haben zugenommen. Populistische Regierungen weltweit nutzen die Gunst der Stunde, um bereits erreichte Verbesserungen von Frauenrechten wieder zurückzuschrauben. 23 Erste «Pride Parade» in Sarajevo Bosnien-Herzegowina war bis 2019 das einzige Land in Europa ohne eine «Pride Parade». Gewalt und Anfeindungen gegenüber der LGBTI-Community hatten derartige Kundgebungen bislang verhindert. Im September 2019 war es dann soweit. Unsere Partnerorganisation Sarajevo Open Center marschierte entschlossen für die Rechte der LGBTI durch die Stadt – von der «Ewigen Flamme», einem antifaschistischen Symbol der Stadt, bis zum Parlamentsgebäude. Erwartet wurden etwa 500 Unterstützer/innen. Tatsächlich waren es am Ende 3.000 Menschen, die mit Transparenten und Regenbogen-Flaggen unter massiver Polizeipräsenz und allerhöchsten Sicherheitsvorkehrungen mitliefen – sogar Scharfschützen waren auf den Häuserdächern. Anwohner/innen winkten solidarisch von ihren Fenstern, es war ihnen vorab verboten worden, sie zu öffnen. Entgegen aller Voraussagen und Befürchtungen blieb die Atmosphäre friedlich. Kein einziger Zwischenfall wurde gemeldet, obwohl es am Vortag einige Drohungen von Seiten radikaler Gegner der LGBTI-Community gegeben hatte. Die «Pride Parade» endete mit einem bewegenden Moment vor dem Parlamentsgebäude, als Tausende das antifaschistische Partisanenlied «Bella Ciao» anstimmten. Gewalt gegen die LGBTI in Zentralamerika – Publikation LGBTI-Menschen werden in Zentralamerika besonders stark diskriminiert und bedroht. Hassmorde, insbesondere an Trans-Frauen, nehmen zu, und die Straflosigkeit bei diesen Verbrechen ist enorm hoch. Die Publikation «Gritando desde la Violencia» (Zwischenrufe gegen die Gewaltspirale) unseres Büros in San Salvador vermittelt anhand von autobiografischen Texten, Gedichten, Liedern, Fotos und Zeichnungen Kurzer Videoclip der «Pride Parade»: https://www.rferl.org/a/bosnia-s -first-lgbt-parade-marches-through -sarajevo/30153146.html eine Vorstellung davon, wie viel Gewalt Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und Identität in Zentralamerika erfahren. Zugleich zeigt das Buch auch ihre Hoffnungen und Träume. Viele renommierte Künstler/innen lieferten Beiträge, auch der Herausgeber Mauricio Orellana ist ein prominenter Schriftsteller. Das Buch wurde in den drei größten Städten El Salvadors im Sommer 2019 vorgestellt. Der Austausch mit Autor/innen und Künstler/innen bei den gut besuchten Veranstaltungen ermutigte sogar einige der Gäste aus dem Publikum, sich selbst zu «outen». Das Buch wird 2020 auch in Guatemala, Honduras und Costa Rica vorgestellt. Eine Hommage an den kenianischen Schriftsteller Binyavanga Wainaina «Wäre das Leben eine Autobahn, so fuhr Binyavanga auf der Überholspur. Kam er ins Schleudern, nahm er kaum das Gas vom Pedal.» (Ferdinand Omondi, BBC) Besser kann man das Leben des kenianischen Journalisten und Schriftstellers Binyavanga Wainaina, der im Mai vergangenen Jahres verstarb, wohl nicht zusammenfassen. Wie kaum ein anderer prägte und förderte er die junge Generation afrikanischer Schriftsteller/innen. Als 2014 in verschiedenen afrikanischen Ländern die Gesetze gegen Homosexuelle verschärft wurden, bekannte sich Wainaina offen zu seiner Homosexualität. Sein Bekenntnis ermutigte die vielfach unterdrückte LGBTI-Community, für ihre Rechte einzutreten. In Kooperation mit dem Internationalen Literaturfestival Berlin luden wir im Juni 2019 die nigerianische Schriftstellerin Yvonne Adhiambo Owuor, eine der engen Weggefährtinnen Wainainas, nach Berlin ein und ehrten ihn mit einer Lesung, Diskussion und künstlerischen Performance. Frauen- und LGBTI-Rechte verteidigen Unser wichtigstes Ziel ist es, Frauenrechte zu stärken und Gesetzesinitiativen zum Schutz der Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Inter*-Menschen (LGBTI) weltweit voranzubringen. Der Hetze gegen LGBTI und Feministinnen treten wir entschieden entgegen und setzen dabei auf politische Bildung und Dialog. 24 Frauen- und LGBTI-Rechte verteidigen Umdenken bei der Prävention von Gewalt gegen Frauen in Südafrika investigative Journalist/innen weltweit darin unterstützen, kooperativ zu recherchieren und die Strukturen der antifeministischen Netzwerke zu verstehen. In Südafrika liegt die Gefahr für Frauen, von ihrem Partner oder Expartner ermordet zu werden, fünfmal höher als im globalen Durchschnitt. Seit Jahrzehnten «Sichtbar und aktiv – Haltung zeigen!» schon gibt es massive geschlechterspezifische Gewalt. Offen antifeministische, sexistische, homo- und transIn den letzten zwei Jahren ist die gesellschaftliche feindliche und/oder rassistische Äußerungen sind immer Empörung darüber auf ein Maß angewachsen, das öfter zu hören. In einem Gemeinschaftsprojekt mit von der Politik nicht länger ignoriert werden kann. unseren Landesstiftungen unterstützten wir Akteur/ Nach den Protesten der #TotalShutDownMovement innen der politischen Bildung dabei, mit antifeministiim Jahr 2018 gab es im vergangenen Jahr tagelange schen und rechtspopulistischen Äußerungen umzugehen Massendemonstrationen in allen großen Städten des und Wege zu finden, wie Dialoge möglich bleiben bzw. Landes. Unser Büro in Kapstadt arbeitet seit langem zur werden und produktiv gestaltet werden können. Wir Prävention sexualisierter Gewalt. Zusammen mit dem haben dafür ein Seminarkonzept und ein MethodenNational Shelter Movement sammelte es über Jahre handbuch für Multiplikator/innen entwickelt. Unsere systematisch Erfahrungen mit Schutzeinrichtungen neue Gender-Mediathek bietet darüber hinaus zahlfür Frauen und erarbeitete Vorschläge für politische reiche Lehrmaterialien zu geschlechterpolitischen und Maßnahmen. Verstärkt durch den öffentlichen Druck feministischen Themen. Auch die Beiträge und Analysen finden diese nun endlich Gehör. Neben gesetzlichen einer großen Netzwerkkonferenz im November stehen Änderungen wurde das Budget für präventive Maßnah- als Videodokumentation zur Verfügung. men erhöht, darunter mehr Geld für die Einrichtung und das Betreiben von Frauenhäusern. Damit wird wesent- Für mehr Geschlechtergerechtigkeit in Russland lichen Forderungen der Stiftung und ihrer Partner- Mehr Frauen auf die Podien: Viel zu oft sitzen auf organisationen entsprochen. Ein Beweis dafür, dass russischen Diskussionspodien überwiegend Männer solide Forschung in Kombination mit unermüdlicher – dazwischen mal eine Frau, und dann mehr als DekoraLobbyarbeit ein Umdenken in der Politik bewirken kann. tion gedacht. Der Expertinnen-Pool «She is an expert» (she-expert.org) unseres Moskauer Büros soll helfen, Wiederbelebung der feministischen Bewegung das zu ändern. Frauen können sich unter Angabe ihres Fachgebiets und mit Arbeitsnachweisen registrieren im Senegal Senegal hat eine lange Tradition feministischer Bewe- lassen, und Organisator/innen von Veranstaltungen gungen. Aber ähnlich wie in Deutschland streiten sich können sie per Suchfunktion über die Expertise, Themen die unterschiedlichen Generationen von Feministinnen und berufliche Fertigkeiten finden. Für Frauen, die mit über Prioritäten und Herangehensweisen. Angesichts ihrer Eintragung in das Register noch zögern, bietet der durch und durch patriarchalen Gesellschaft im das Projekt als Unterstützung Kurse zur ProfessionaSenegal versucht unser Büro in Dakar, die feministi- lisierung öffentlicher Auftritte an. schen Gruppen wieder zusammenzubringen. In Koope- «Mann sein», ein Trendthema: Unser Büro in Moskau ration mit einem Zusammenschluss von Feministinnen veranstaltete im Herbst 2019 eine Vortragsreihe in hat es eine Reihe von intergenerationellen Dialogen ins Kooperation mit dem Goethe-Institut zum Thema Leben gerufen. Durch Treffen und gemeinsame Projekte «Mann sein». Russische und deutsche Expert/innen können die Frauen voneinander lernen und ihre Kräfte beleuchteten jeweils verschiedene Aspekte des Theund Aktivitäten bündeln, um mit mehr Schlagkraft mas, von den «Neuen Vätern» über den «Männerkörper die senegalesische Politik in Richtung Geschlechter- und Gewalt» bis zu «Gesundheit und Maskulinität». gerechtigkeit zu beeinflussen. Die Themen erwiesen sich als voll im Trend: Die Säle waren überfüllt und die Diskussionen nach den VorInvestigativ-Journalist/innen gegen die Anti-Rechteträgen lebhaft. Begleitet wurden die Veranstaltungen von einer Serie von Interviews der Diskutant/innen in Bewegung Weltweit breiten sich Netzwerke konservativer und verschiedenen russischen Medien, und seit Dezember fundamentalistischer Gruppen verschiedener Glau- 2019 laufen auf der Webseite des Medienpartners des bensrichtungen immer weiter aus. In ihrem Visier sind Moskauer Büros, Colta.ru, Video-Online-Kurse zur besonders die vielen feministischen Errungenschaften «Maskulinität für Anfänger» mit insgesamt acht Folgen. der letzten Jahrzehnte. In einem Kooperationsprojekt mit Opendemocracy.net/50.50 untersuchen wir, wer diese Akteure sind, woher sie ihr Geld und ihre Macht haben und welche Strategien sie verfolgen. Wir wollen  Methodenhandbuch und Gender-Mediathek: http://on.boell.de/sichtbar www.gender-mediathek.de  Videodokumentation der Netzwerk­konferenz: http://on.boell.de/solidarisch 25 Feministische Gala: Happy Birthday Intersectionality! Die US-amerikanische Jura-Professorin und Aktivistin Kimberlé Crenshaw gehört zu den internationalen feministischen Stars. Vor 30 Jahren prägte sie das Konzept der Intersektionalität, auf Deutsch: der Mehrfachdiskriminierungen und Mehrfachzugehörigkeiten. Seitdem arbeitet sie unermüdlich daran, unsichtbar gemachte Bevölkerungsgruppen, allen voran Schwarze Frauen, in ihren komplexen Lebenswirklichkeiten sichtbar zu machen. Intersektionalität erlaubt, so ihre Überzeugung, inklusiv politisch zu arbeiten und tatsächlich alle Menschen zu erreichen. Die Aktivistin hat unzählige Menschen inspiriert und in ihrem Kampf um Gerechtig- «Wenn wir das Problem nicht sehen, können wir es auch nicht lösen.» Kimberlé Crenshaw keit unterstützt und gestärkt. Das Gunda-Werner-Institut und das Center for Intersectional Justice ehrten Kimberlé Crenshaw mit einer Gala im April 2019 in Berlin. Begleitend zur Gala erschien die Publikation «Reach Everyone on the Planet…» auf Deutsch und Englisch. Demokratie braucht Feminismus – jetzt erst recht! Das Gunda-Werner-Institut (GWI) in der Heinrich-Böll-Stiftung zeigt: Feminismen sind Teil grüner Bewegung und haben hier einen festen Platz. Wir fragen uns und andere, wie eine geschlechterdemokratische Gesellschaft aussehen sollte und welche politischen Wege und Strategien uns dorthin bringen. Geschlechterdemokratie lebt von Auseinandersetzung und Dialog mit und zwischen allen Geschlechtern, gemäß Gunda Werners Ansatz: «Denkverbote strengstens verboten!» www.gwi-berlin.de  Dossier zu Intersektionalität und ­Download der Publikation: www.gwi-boell.de/intersektionalitaet Frauen- und LGBTI-Rechte verteidigen Berlin: Feministische Gala mit Kimberlé Crenshaw in der Heinrich-Böll-Stiftung Foto: Mohamed Badarne (CC-BY-SA-4.0) Migrationspolitik nachhaltig und human ­weiterdenken 26 Moria, Lesbos, Griechenland: Alphabetisierungskurs für afghanische Frauen Foto: Murat Tueremis/laif Migrationspolitik nachhaltig und human ­weiterdenken Für Flucht und Migration gibt es viele Gründe: autoritäre, undemokratische und korrupte Regime in den Herkunftsländern, aber auch anhaltende Armut und kriegerische Auseinandersetzungen. Hinzu kommen die Fluchtursachen, die auf den globalen Klimawandel und die Umweltzerstörung zurückgehen, Faktoren, an denen der westliche Wohlstand maßgeblich beteiligt ist. Viele europäische Staaten verdienen auch gut an dem Geschäft mit dem Krieg, an den Agrarsubventionen Europas und dem Protektionismus, der einem freien Zugang zum europäischen Markt vorgezogen wird. 27 «Ich bin der Meinung, daß man Menschenleben retten soll, wo man sie retten kann.» Heinrich Böll, 1981 Flüchtlingshilfe – der Weg über die Kommunen Noch immer gibt es weder in Deutschland noch in Europa eine gemeinsame Linie, was die Aufnahme von Schutzsuchenden aus den Krisenregionen rund um Europa betrifft. Doch gerade dort, wo die eigentliche Last der Integration von Migrantinnen und Migranten geschultert wird, nämlich in den Kommunen, gibt es europaweit Ansätze für eine zukunftsweisende Migrations- und Integrationspolitik. Bislang haben Kommunen jedoch kaum Mitspracherechte in Migrationsfragen. Wir haben in einem Policy Paper Empfehlungen für eine aktivere Rolle der Kommunen in der Asyl- und Flüchtlingspolitik der EU vorgestellt. Zum Beispiel sollten Kommunen einen einfacheren und kompakten Zugang zu EU-Fonds erhalten und bei der Ausrichtung von EUFonds mitreden dürfen. Auch für kleinere oder finanzschwache Kommunen sollte der Zugang zu EU-Mitteln hürdenfrei gestaltet werden. Auch sollten die direkten Kommunikationswege zwischen der kommunalen und der europäischen Ebene ausgebaut und europäische Schlichtungsstellen im Fall von Konflikten zwischen Kommunen und nationalen Regierungen eingerichtet werden. Dies alles sind Beiträge, um die EU-Asylpolitik aus der Sackgasse zu bringen. Rückführung in die Herkunftsländer um jeden Preis? Die deutsche Migrationspolitik setzt verstärkt auf Rückführungen. In Fällen, in denen die Pflicht zur Ausreise schwierig durchzusetzen ist, bieten Bund und Länder Zugewanderten materielle Anreize, damit sie «freiwillig» in ein Flugzeug steigen, das sie in ihre Herkunftsländer bringt, dies ungeachtet der dortigen Situation. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) stellte bis 2020 rund 150 Millionen Euro allein für das Programm «Perspektive Policy Paper «Der Weg über die Kommunen»: http://on.boell.de/komunen Heimat» in Aussicht, um die Rückkehr in Länder wie Kosovo, Afghanistan oder Nigeria zu unterstützen und eine Reintegration zu ermöglichen. Doch was heißt es für Flüchtlinge und Migrant/innen, in von Gewaltkonflikten geprägte Länder zurückzukehren? Auf einer internationalen Fachtagung im Oktober 2019 in Kooperation mit Brot für die Welt, PRO ASYL und medico international diskutierten wir u.a. über die Frage, unter welchen Bedingungen von einer nachhaltigen Reintegration ausgegangen werden kann. Auch darüber, wie «freiwillig» die Rückkehr tatsächlich geschieht. Unsere Publikation «Dahin, wo der Pfeffer wächst. Deutsche Rückkehrpolitik im Praxistest» wirft einen Blick auf die Probleme, mit denen Rückkehrer in Afghanistan, Syrien, Tunesien, Senegal und im Kosovo konfrontiert sind. Fortbildung für eine vorurteilsfreie Berichterstattung in Marokko Seit 2014 gewährt Marokko Migrant/innen legale Aufenthaltstitel und ermöglicht ihnen damit den Zugang zu Arbeit, Bildung und Gesundheit. Das Land ist migrationspolitisch ein Vorreiter in der Region. Gleichwohl gibt es auch in der marokkanischen Gesellschaft sicherheitspolitische Bedenken gegenüber Migrant/innen sowie rassistische Vorurteile. Damit Stereotype und Vorurteile nicht länger über die Medien reproduziert werden, hat unser Büro in Rabat zusammen mit zwei marokkanischen Journalist/innen-Vereinigungen eine Fortbildungsreihe entwickelt, bei der Journalist/innen Techniken einer professionellen, menschenrechtsbasierten Berichterstattung einüben können. Die Trainings sollen dazu beitragen, dass eine differenziertere öffentliche Debatte entstehen kann. Neben investigativen Artikeln zum Thema veröffentlichten die beteiligten Journalist/innen den Reportageband «Migrations au Maroc: l’impasse?» im Verlag En toutes lettres. Die Schriftenreihe Demokratie «Dahin, wo der Pfeffer wächst»: http://on.boell.de/pfeffer Migrationspolitik nachhaltig und human ­weiterdenken Wir setzen uns für eine humane Migrationspolitik in der Europäischen Union ein. Dazu gehört das Recht auf faire Asylverfahren, die uneingeschränkte Anwendung der Genfer Flüchtlingskonvention sowie eine gerechte Aufteilung der Verantwortung zwischen den Mitgliedsstaaten. 28 Migrationspolitik nachhaltig und human ­weiterdenken Tecun Uman, Guatemala: Migranten auf der Grenzbrücke zu Mexiko Foto: Giovanni Porzio/contrasto/laif Beiträge zeigen einfühlsam die Lebensrealitäten und alltäglichen Herausforderungen von Geflüchteten und Migrant/innen in Marokko. Analyse der Migrationspolitik im Senegal – Studie Die Rechnung «Mehr Geld = weniger Migration» geht nicht auf, das hat eine Studie unseres Büros in Dakar zur senegalesischen Migrationspolitik zwischen 2005 und 2019 gezeigt. Staatliche Migrationspolitik ist vor allem von den Bedürfnissen der Geldgeber, also der EUStaaten und internationaler Organisationen, getrieben, so das Ergebnis. Eigene Politikansätze wurden über die Jahre im Senegal kaum formuliert. Das trifft auch auf die derzeitige Politik der Regierung zu. Durch den Fokus auf die Interessen (potentieller) Aufnahmeländer geraten die positiven Aspekte von Migration für den Senegal sowie die Interessen der Migrant/innen selbst aus dem Blick. Die Studie plädiert dafür, Migrationspolitik ganzheitlicher zu betrachten. Statt Migration zu verhindern, sollte ein gutes Migrationsmanagement das Ziel sein. Die Ergebnisse der Studie wurden bei einer Veranstaltung in Dakar mit Vertreter/innen aus Politik, Zivilgesellschaft, internationalen Organisationen und mit Migrant/innen lebhaft diskutiert. Einigkeit bestand darin, dass Migrationspolitik so gestaltet werden müsse, dass sie sowohl für die senegalesische Gesellschaft als auch die Aufnahmeländer und die Migrant/innen einen Gewinn bringt. Flucht und Migration aus Zentralamerika Der kollektive Aufbruch von Tausenden von Menschen aus Honduras, El Salvador und Guatemala zu Fuß quer durch Mexiko in Richtung USA sorgte weltweit für Schlagzeilen. Auch wenn schon seit Jahrzehnten viele Menschen dort ihre Heimat verlassen, so hatte sich die Lage in Zentralamerika bis 2018 dramatisch zugespitzt. Die organisierte Kriminalität dominiert mittlerweile weite Teile der Staatsgebiete, oft in Komplizenschaft mit korrupten Militärs und der Polizei. Die Gewalt- und Mordraten erreichen weltweit erschreckende Rekordzahlen, dazu eine hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere unter Jugendlichen. Es gibt also viele Gründe, die Menschen zur Migration zwingen. Unser Büro in San Salvador versucht, darüber aufzuklären, und arbeitet mit alternativen digitalen Medien wie El Faro und GatoEncerrado (El Salvador), ContraCorriente (Honduras) oder der Zeitschrift Envio (Nicaragua) zusammen. Die Stiftung fördert auch ein Netzwerk von NGOs aus dem Nördlichen Dreieck, das zur Multikausalität von Migration arbeitet. Kooperationspartner/innen dabei sind verschiedene Universitäten, insbesondere in Guatemala und El Salvador, sowie professionelle NGOs, die Migranten direkt unterstützen und auch legal beraten. Sensibilisierung für die schwierige Lage von Arbeitsmigrant/innen in Jordanien In Jordanien kommen auf 10 Millionen Einwohner/innen knapp eine Million Arbeitsmigrant/innen, mehrheitlich aus arabischen Staaten sowie aus Süd- und Südostasien. In der jordanischen Gesellschaft werden sie ausgegrenzt und in Unkenntnis ihrer Ansprüche und Rechte oft ausgebeutet. Nicht selten fallen sie in die Hände von Menschenhändlern. Dies betrifft insbesondere weibliche Hausangestellte. In Jordanien gibt es zwar seit mehr als zehn Jahren ein Gesetz gegen Menschenhandel, aber bei Polizei und Justiz ist es oft nicht bekannt, entsprechend selten wird es angewandt. Menschen werden wegen fehlender Aufenthaltspapiere inhaftiert und abgeschoben, obwohl sie eigentlich Schutz bräuchten. Unser Büro in Ramallah unterstützt die Jordanian Women’s 29 Union dabei, Trainings für Staatsanwält/innen, Richter/innen und Polizist/innen anzubieten, bei denen sie lernen, Menschenhandel zu erkennen und die entsprechenden Gesetze daraufhin anzuwenden. Da das Thema in den regionalen Medien nicht groß aufgegriffen wird, lässt unser Büro Podcasts über Arbeitsmigration und Menschenhandel in Jordanien produzieren. Die Gesellschaft soll so für die schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeitsmigrant/innen und Formen des Menschenhandels sensibilisiert werden. Allianz gegen Frauenhandel in Kambodscha Der zunehmend globalisierte Arbeitsmarkt führt auch in Kambodscha dazu, dass viele Jobs in der Bekleidungsindustrie, der Lebensmittelverarbeitung, der Land- und Hauswirtschaft sowie Sexarbeit von Wanderarbeiterinnen erledigt werden. Ihre rechtliche Situation ist prekär, sowohl was ihren Aufenthalt als auch ihre Arbeitsplätze betrifft. Zum Teil herrschen sklavereiähnliche Bedin- gungen. Die Frauen werden gewaltsam festgehalten und wirtschaftlich ausgebeutet. Die Globale Allianz gegen Frauenhandel (Global Alliance Against Trafficking in Women, GAATW), eine Partnerorganisation unseres Büros in Kambodscha, fördert und verteidigt die Menschenrechte von Migrantinnen und ihrer Familien und fordert Sicherheitsstandards im Migrationsprozess sowie im formellen und informellen Arbeitsbereich. Wesentliches Gebot dabei ist das Prinzip der Nichtdiskriminierung aus jedweden Gründen, sei es die ethnische Zugehörigkeit, die Religion oder der Migrationsstatus. Gerade für die kambodschanischen Frauenrechtsorganisationen sind internationaler Austausch und Vernetzung sehr wichtig, da Migration eben nicht nationalstaatlich behandelt werden kann. Gemeinsam mit der GAATW setzen sie sich kritisch mit Initiativen zur Bekämpfung des Menschenhandels auseinander und lassen progressive feministische Analysen in die Debatte um Migrantinnen- und Arbeitsrechte einfließen. «Die Orangen in Europa schmecken besser» Es gibt viele Gründe für Migration. Die Beiträge dieser Publikation geben Einblicke, warum Menschen ihre Heimat verlassen. Es schreiben Wissenschaftler aus Pakistan, Somalia und El Salvador über ihre Länder; Geflüchtete aus Syrien, Burundi und Malawi sowie Migranten und Aktivisten aus Niger und Senegal kommen in Interviews und Gesprächen zu Wort. Sie machen deutlich, wie wenig wir über die sogenannten «Fluchtursachen» wissen, und zeigen die Notwendigkeit einer politischen Gestaltung von Migration. http://on.boell.de/orangen Migrationspolitik nachhaltig und human ­weiterdenken Weibliche Hausangestellte und Menschenhandel – Karikatur für einen Kalender unserer ­ artnerorganisation Jordanian Women’s Union Grafik: Omar Abdallat P Für ein solidarisches Europa in Zeiten der Krise 30 Konferenz in der Heinrich-Böll-Stiftung anlässlich der Europawahl im Mai Foto: Stephan Röhl Für ein solidarisches Europa in Zeiten der Krise Die Europäische Union steckt schon seit Jahren in einer Krise und findet in wichtigen politischen Fragen keine gemeinsame Linie mehr. Mit der Corona-Pandemie und deren Folgen für die rund 450 Millionen EU-Bürgerinnen und Bürger ist die EU aber nun mehr denn je gefragt. Denn nach den ersten nationalstaatlichen Reflexen zu Beginn der Pandemie ist wieder deutlich geworden: Die EU braucht Zusammenarbeit nicht nur beim Klimaschutz, sondern auch bei der Bekämpfung von Pandemien und ihren Folgen. 31 Nach der Europawahl: Wohin steuert die Europäische Union? Das Ergebnis der Europawahlen im Mai 2019 war so vielfältig wie Europa selbst. Die Grünen waren in Westeuropa, allen voran in Deutschland, sehr erfolgreich. In einigen Ländern bekamen die rechtsextremen und rechtspopulistischen Parteien viele Stimmen, doch wurde ihr Auftrieb nicht so stark wie befürchtet. Auf unserer Europapolitischen Jahrestagung am 3. und 4. Juni 2019 analysierten wir die Wahlergebnisse, fragten nach Ursachen für das Abstimmungsverhalten in einzelnen EU-Ländern und diskutierten mit europäischen Expert/innen, wie sich die neuen Mehrheitsverhältnisse auf die zukünftige politische Ausrichtung der EU-Politik auswirken werden. Den Auftakt machte Ivan Krastev, Vorsitzender des Centre for Liberal Strategies und Fellow des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen. Er sah im Wahlergebnis einen starken Wunsch der Bürger/innen nach Veränderung: Sie wählten entweder Populisten oder neuere progressive Parteien. Während die Rechten kritisieren, dass die Kompetenzen der EU bereits zu stark ausgeweitet seien, wollen progressive, pro-europäische Bewegungen eine stärkere europäische Integration erreichen, damit globale Herausforderungen bewältigt werden können. Die Rechten sprächen davon, die nationale Identität zu retten, die Grünen von der Rettung des Planeten. Sven Giegold, MdEP und Spitzenkandidat von Bündnis 90/ Die Grünen zur Europawahl 2019, sah das Wahlergebnis unterm Strich dagegen als eine Wahl des Status quo. Die tatsächliche große Veränderung sei, dass es keine Mehrheit mehr für eine Große Koalition aus Konservativen und Sozialdemokraten geben werde. Hier sah er eine Chance für neue Dynamiken im Parlament. Bei der Fachtagung am zweiten Konferenztag tauschten sich europäische Aktivist/innen und zivilgesellschaftliche Online-Dossier zur Europawahl: www.eu.boell.org/en/european -parliament-goes-green Akteur/innen über ihre jeweiligen Strategien gegen das Erstarken rechtspopulistischer und rechtsextremer Kräfte innerhalb der EU aus. Unser Büro in Brüssel hat zur Europawahl das Online-Dossier «The European Parliament goes green» erstellt, mit Analysen der Wahlergebnisse in den Mitgliedsstaaten und Videointerviews mit grünen Abgeordneten aus ganz Europa. Europawahlen – Mehr Chancengleichheit für polnische Kandidatinnen? Im Auftrag unseres Büros in Warschau hat das polnische Institut für Öffentliche Angelegenheiten die Aufstellung von Kandidatinnen zur Europawahl 2019 und deren Chancen auf einen Wahlerfolg analysiert. Das Institut führte dazu anonyme Interviews mit Führungspersönlichkeiten und Kandidatinnen wichtiger politischer Gruppierungen durch. Obwohl sich der Anteil von Frauen in der Politik in den letzten beiden Amtszeiten gesteigert hat (polnischer Sejm von 27,2 auf 28,7 Prozent und in der polnischen Delegation des EU-Parlaments von 24 auf 35 Prozent), ist er insgesamt noch zu niedrig für einen signifikanten Einfluss von Frauen auf politische Entscheidungen. Die Studie enthält daher Empfehlungen an politische Parteien, wie sie die Gleichstellung von Frauen im Wahlkampf verbessern können, u.a. regte sie die Schaffung spezieller Fonds für mediale Wahlkampagnen an, die den Kandidatinnen zur Verfügung gestellt werden sollten. Vom Zahlmeister zum Zukunftsmeister. Zum Selbstverständnis Deutschlands in der EU – Studie Deutschland zeigte in den letzten Jahren wenig Initiative in der Europapolitik. Reformvorschläge wurden mit dem Argument zurückgewiesen, dass die deutschen Steuerzahler/innen nicht noch mehr belastet werden Studie «Vom Zahlmeister zum Zukunftsmeister»: http://on.boell.de/meister Für ein solidarisches Europa in Zeiten der Krise Wir setzen uns ein für ein demokratisches und offenes Europa und unterstützen die Zivilgesellschaft insbesondere dort, wo die Spielräume enger werden und die liberale Demokratie unter Druck gerät. Es gibt viele politische Herausforderungen, wir wollen mit Studien und Handlungsempfehlungen dazu beitragen, dass Reformen in die Wege geleitet werden und die Bürgerinnen und Bürger Vertrauen in die EU zurückgewinnen. 32 Für ein solidarisches Europa in Zeiten der Krise dürften. Dahinter steht die These, dass Deutschland als «Zahlmeister Europas» in unangemessener Weise zur Kasse gebeten werde. Eine gemeinsam mit dem Progressiven Zentrum herausgegebene Studie geht dieser Annahme auf den Grund. 5000 Personen wurden online für die repräsentative Studie, die von einer qualitativen Untersuchung mithilfe von Fokusgruppen begleitet wurde, befragt. Das wichtigste Ergebnis: Die Mehrheit der Deutschen sieht in der EU-Mitgliedschaft weit mehr als nur wirtschaftlichen Nutzen, sie halten die deutschen Finanzbeiträge zur EU nicht für zu hoch und wünschen sich sogar für bestimmte politische Bereiche mehr finanzielles Engagement von Deutschland und den EU-Partnern. Die Zahlmeister-These dient somit nur jenen als Argument, die unliebsame politische Maßnahmen verhindern wollen. Unser Fazit: Statt die EU als Kostenfaktor darzustellen und eine eindimensionale Plus-Minus-Rechnung aufzumachen, sollte im politischen Wettstreit über sinnvolle Maßnahmen für die Zukunft gestritten und Europa als Gestaltungsfaktor verstanden werden. Auf dem schwierigen Weg zu einer EU-Energieunion: Das Beispiel der EU-Gasrichtlinie Die Abhängigkeit der Europäischen Union von Erdgasimporten nimmt weiter zu. Der größte Gasimporteur in die EU ist Russland. Seit 2011 transportiert die erste Nord-Stream-Pipeline russisches Gas durch die Ostsee nach Deutschland. Im Jahr 2015 verkündete der staatliche russische Gasexporteur Gazprom den Bau einer Zwillings-Pipeline durch die Ostsee, sie sollte Ende 2019 in Betrieb genommen werden. Das Projekt ist sehr umstritten. Mit ihm sind nicht nur gravierende ökologische Risiken verbunden, es gibt auch geostrategische Interessenunterschiede unter den EU-Mitgliedsstaaten, die die europäische Solidarität in Frage stellen. Mehrere EU-Länder, allen voran Polen, sind ausdrückliche Gegner des Nord-Stream-2-Projektes, weil sie Transiteinnahmen verlieren würden und ihre eigene Versorgungssicherheit gefährdet sehen. Zudem steht das Bauprojekt im Widerspruch zu den von der EU verhängten Sanktionen gegenüber Russland. Bereits im November 2017 hatte die Europäische Kommission einen Vorschlag zur Änderung der EU-Gasrichtlinie veröffentlicht. Nach vielen Kontroversen einigten sich das Europaparlament, die Staaten und die Kommission schließlich auf einen Kompromiss. Auf einer im März 2019 von der Stiftung und dem polnischen Institut Zachodni organisierten Veranstaltung diskutierten u.a. Prof. Zdzisław Krasnodębski, MdEP, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Reinhard Bütikofer, MdEP, Vorsitzender der Europäischen Grünen Partei, über die zu erwartenden weiteren Ent- Brexit-Blog: www.boell.de/de/brexit-blog wicklungen bezüglich der Umsetzung der Gas-Richtlinie und wie die Konsolidierung der EU-Energieunion vorangetrieben werden kann. Außen- und sicherheitspolitische Strategien für Europa Der INF-Vertrag (Intermediate Range Nuclear Forces, zu Deutsch: nukleare Mittelstreckensysteme) galt seit seinem Inkrafttreten im Jahr 1987 als eine der Säulen der europäischen Sicherheit: Er verbot die Stationierung von Mittelstreckenraketen und führte am Ende des Kalten Krieges zur Verschrottung hunderter sowjetischer und amerikanischer Raketen und Marschflugkörper. Doch 2019 wurde der Vertrag von den USA und Russland gekündigt, nachdem die Amerikaner der russischen Seite Vertragsverletzungen vorgeworfen hatten. Auf unserer Fachtagung im Juni 2019 in Berlin diskutierten internationale Expert/innen aus Europa, Russland und den USA darüber, wie die Stationierung nuklear bestückter Mittelstreckenraketen in Europa unterbunden und eine gefährliche Nachrüstungsdebatte verhindert werden kann. Die Tagung wurde in Kooperation mit dem Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) und dem Londoner European Leadership Network (ELN) ausgerichtet. Im Rahmen unserer Nachwuchsförderung haben wir im November 2019 das Forum Neue Sicherheitspolitik gegründet. Es vereinigt 28 herausragende grünnahe Expert/innen der Außen- und Sicherheitspolitik aus Regierungsinstitutionen, Thinktanks, Forschungsinstituten und Parlament. Wir wollen damit den grünen und grünnahen sicherheitspolitischen Nachwuchs fördern und Möglichkeiten zum Austausch bieten. Das Forum soll sowohl als Ideenwerkstatt fungieren als auch tagespolitische Impulse für die grüne sicherheitspolitische Debatte geben. Strategien für eine friedenssichernde WestbalkanPolitik der Europäischen Union Anfang 2019 initiierten wir zusammen mit unseren Büros in Belgrad und Sarajevo die «Western Balkans Strategy Group». Wir wollen erreichen, dass auch die Sicht regionaler zivilgesellschaftlicher Akteur/innen in die Diskussion über die Westbalkan-Politik der EU mit einfließt. Dazu analysiert die Gruppe aktuelle Entwicklungen in der Region und versucht, länderübergreifende Politikansätze zu beschreiben, durch die eine proaktive EU-Erweiterungspolitik vorangebracht werden kann, in deren Mittelpunkt die Förderung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit steht. Im März nahmen Mitglieder der Gruppe in Berlin und Brüssel entschieden gegen den Plan Stellung, im Rahmen des von der EU moderierten serbisch-kosovarischen «Normalisierungsprozesses» einen Gebietsaustausch entlang ethnischer 33 Kriterien auf den Weg zu bringen, um endlich zu einem «schnellen Deal» zur Lösung des kosovarisch-serbischen Konflikts zu kommen. Die Gruppe kritisiert eine Rückkehr zu ethnopolitischen Prinzipien der 1990er Jahre als gefährliche Öffnung der Büchse der Pandora. Vorstellung des World Nuclear Waste Report in Berlin Mehr als 70 Jahre nach Beginn des Atomzeitalters ist bisher in keinem der 31 Atomstaaten der Welt ein Endlager für hochradioaktive Abfälle in Betrieb genommen worden. Das Ziel, den Atommüll tief unter der Erde für eine Million Jahre sicher zu lagern, ist eine der größten Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen. Die erste Ausgabe des «World Nuclear Waste Report – Focus Europe» wurde von der ehemaligen Abgeordneten des Europäischen Parlaments Rebecca Harms initiiert und gemeinsam mit einem internationalen Team von Expert/innen konzipiert und erstellt. Der Bericht, der im November 2019 in der Berliner Stiftungszentrale vorgestellt wurde, versucht, die nationalen Strategien für die atomare Entsorgung vergleichbar zu machen. Er beschreibt wissenschaftliche Konzepte «World Nuclear Waste Report»: http://on.boell.de/nuclearwaste und unterschiedliche nationale Erfahrungen. Er liefert aktuelle Zahlen und Trends zu den wachsenden Mengen von Atommüll, zur finanziellen Vorsorge und beleuchtet die große Lücke zwischen den benötigten und den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln. Das Verursacherprinzip wird nicht oder inkonsequent angewendet. Nach Berechnungen des «World Nuclear Waste Report» werden in Europa (ohne Russland und die Slowakei) über 60.000 Tonnen abgebrannter Brennstäbe in Zwischenlagern gelagert. Über 80 Prozent dieses hochradioaktiven Mülls befinden sich nicht in trockenen Behälterlagern, sondern werden nass in Becken zwischengelagert. In Deutschland wurde mit dem Standortauswahlgesetz die Suche nach einer geeigneten Geologie und einem Endlagerstandort rund 40 Jahre nach der Standortentscheidung Gorleben neu eröffnet. In der Schweiz wird in zwei Jahren ein neuer Standort vorgeschlagen. Das Verfahren zur Vorbereitung eines Endlagers in Schweden ist gerichtlich unterbrochen worden. In Frankreich spitzt sich die Auseinandersetzung um den Standort Bure politisch zu. Die Debatte um die Endlagerung von Atommüll wird sich neu entzünden. Für ein solidarisches Europa in Zeiten der Krise 60.000 Tonnen abgebrannte Brennstäbe werden in Europa zwischengelagert – Vorstellung des World Nuclear Waste Report in der Heinrich-Böll-Stiftung Foto: Stephan Röhl 34 30 Jahre Friedliche Revolution – Demokratie stärken! Das 30. Jubiläum des Mauerfalls war ein Schwerpunkt unserer inländischen Aktivitäten. Mit Diskussionsrunden, Lesungen, Performances und vielen weiteren Formaten erinnerten wir an die Zeit des Mauerfalls und schlugen zugleich den Bogen zur Gegenwart. In enger Zusammenarbeit mit unseren Landes­stiftungen suchten wir den Dialog mit den Menschen vor Ort – im Osten wie im Westen Deutschlands. Wir schauten aber auch auf die Ost-West-Frage in ganz Europa und befassten uns mit den Diktatur- und Transformationserfahrungen, die bis heute nachwirken. Video-Installation anlässlich des 30. Jahrestages der Friedlichen Revolution auf der Südfassade der Heinrich-Böll-Stiftung Foto: Stephan Röhl «Ab sofort!» – Eine Video-Installation In den ersten Novembertagen feierte Berlin den 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution und des Mauerfalls. Anders als vor fünf und zehn Jahren hatte die Hauptstadt auf ein Großereignis verzichtet und dem Erinnern dezentral und dezent Platz gegeben. Für unser Haus in der Mitte der Stadt eine ideale Voraussetzung, liegen wir doch im Dreieck von Deutschem Theater, Kunstbunker und Friedrichstadtpalast, in dem allabendlich viele Menschen unterwegs sind. Denn auf den Abend kam es uns an. Wir setzten mit der Video-Installation «Ab sofort!» ein visuelles Ausrufezeichen: Auf der über 600 Quadratmeter Zum Nachschauen: www.boell.de/mauerfall großen Südfassade des Stiftungsgebäudes erschien in einer sechsminütigen Animation eine Auswahl der Parolen der Friedlichen Revolution vom Oktober und November 1989. Darunter als dialogischer Kontrapunkt den zum Meme gewordenen Satz: «Das gilt, glaube ich, ab sofort.» Die Parolen mahnen, fordern, wünschen und stehen so in dialektischer Spannung zur letzten Antwort der DDR vor dem Mauerfall. Die Installation war vom 1. bis 10. November von Sonnenuntergang bis Mitternacht frei zugänglich zu sehen. Allabendlich gab es Tee und gute Gespräche. Man konnte aber auch unentdeckt im Dunkeln stehen, innehalten und nachdenken. 35 Eine Tischgesellschaft zieht Bilanz Eine ganz besondere Jubiläumsfeier fand am 14. Oktober bei uns im Hause statt. Wir haben Bürgerbewegte sowie Politiker/innen von damals und heute, die der Partei B’90/Die Grünen und der Stiftung nahestehen, zu einer Tischgesellschaft eingeladen. Das Treffen stand unter dem Eindruck der aufgeheizten öffentlichen Debatte um den Stellenwert von «Bürgerbewegung» und «Volk», um die Bedeutung der Ereignisse von 1989 und die Frage, wer sie beerbt. In kleinen Tischreden zogen die Bürgerrechtler Marianne Birthler und Wolfang Templin, der Umweltaktivist Prof. Michael Succow und die Frauenpolitikerin Dr. Sibyll Klotz Bilanz mit Blick auf die heutige parlamentarische Arbeit. Es wurde diskutiert und auch gelacht. Spontane und sehr persönlich gehaltene Toasts ergänzten den Einblick in diese bewegte Zeitenwende 1989. Berliner Festivalwoche An der Berliner Festivalwoche beteiligten wir uns mit zwei Podiumsdiskussionen. In der ersten Veranstaltung am 6. November diskutierten wir über die Frage, wie die Demokratieverdrossenen erreicht werden können. Am 10. November ging es um die Nachwendezeit aus migrantischer Perspektive. Dass jemand ostdeutsch und zugleich migrantisch sein kann, wird in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen. Doch Migration war auch in der DDR ein fester Bestandteil der gesellschaftlichen Entwicklung. «#DerAndereOsten» – Veranstaltungsreihe Unter dem Titel «#DerAndereOsten» fanden zahlreiche Aktivitäten unserer Landesstiftungen statt. Das Motto war: «Wir müssen reden!» So zum Beispiel bei einer Einladung zum «Geschichtskaffee» in Wahrenberg an der Elbe, an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Heute zieht sich entlang des innerdeutschen Rückblicke auf die Friedliche Revolution: www.boell.de/mauerfall Sperrgebiets das Grüne Band – der größte Biotop-Verbund Deutschlands. Doch wie lebte es sich damals, zu DDR-Zeiten? Unsere Landesstiftung in Sachsen-Anhalt lud Zeitzeug/innen aus der Region ein, um von ihren Erfahrungen und Erlebnissen zu erzählen. Es wurde eine Art «Speeddating in Zeitgeschichte», jede/r der kam, konnte sich hinsetzen, Fragen stellen oder auch einfach nur zuhören. Europäisches Geschichtsforum Der «Fall» der Berliner Mauer ebnete nicht nur den Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands, sondern markierte symbolisch auch das Ende des kommunistischen Herrschaftssystems in Ost- und Südosteuropa. Die Erinnerungen an die Ereignisse und die darauffolgenden Entwicklungen sind sehr divers. Alle ehemals sozialistischen Staaten nehmen sie jedoch als gewaltige Zäsur wahr, die große emanzipatorische Hoffnungen weckte. Beim Europäischen Geschichtsforum 2019 ging es um die Frage, wie sich in Ost- und Südosteuropa die Erzählung über 1989 während der letzten 30 Jahre gewandelt hat. Dabei zeigte sich, dass die Bedeutung des Epochenjahrs «1989» nur aus einer Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven heraus verstanden werden kann. Viele der späteren Krisen entstanden damals schon – wie etwa der aufkommende Nationalismus in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens und der Sowjetunion oder der Zusammenbruch der staatlich gelenkten Volkswirtschaften und ihrer sozialen Sicherungssysteme. Zugleich markiert 1989 den Durchbruch freiheitlicher gesellschaftlicher Bewegungen gegenüber autoritären Systemen – ein Erbe, das heute von vielen zivilgesellschaftlichen Initiativen in Ost- und Südosteuropa fortgeführt wird. So wenig endgültig und umfassend 1989 der Sieg von Freiheit, Demokratie und sozialer Teilhabe war, so offen ist heute die Frage, ob die derzeitige autoritäre Revanche in vielen Ländern der Region von Dauer ist. «Der andere Osten» – 2-teiliger Podcast: https://soundcloud.com/boellstiftung/ sets/der-andere-osten einFriedliche solidarisches Europa–inDemokratie Zeiten der Krise 30 Für Jahre Revolution stärken! Berliner Festivalwoche: «Ostdeutsch-Plus: Die DDR-Migrationsgesellschaft», Diskussion im Pavillon an der East-Side-Gallery Foto: Stephan Röhl 36 Die Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung Die 16 Landesstiftungen im Verbund der Heinrich-Böll-Stiftung sind selbstständige Vereine, sie arbeiten aber untereinander und mit der Bundesstiftung eng zusammen. Mit ihrer Bildungsarbeit wollen sie die politische Urteilskraft der Bürgerinnen und Bürger schärfen, zu bürgerschaftlichem Engagement anregen und die Möglichkeiten zur Teilhabe am politischen Leben verbessern. Die Landes­stiftungen organisieren selbst oder in Kooperation mit Projektpartner/innen Veranstaltungen unterschiedlichster Art – von klassischer politischer Bildungsarbeit (Seminare, Tagungen etc.) bis hin zu Planspielen und Ausstellungen. Hier eine kleine Auswahl an Projekten aus dem Jahr 2019: Film und Diskussion Die Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg: (Wie) Diskutiert man über Israel und Palästina? Der Nahost-Konflikt polarisiert auch in Deutschland bis in die Schulen hinein. Bei Kindern aus Einwandererfamilien ist das Thema stark emotional aufgeladen, nur wenige Lehrkräfte trauen sich, es aufzugreifen. Den Konflikt totzuschweigen ist aber auch keine Lösung. In «Beloved Homeland», einem Dokumentarfilm der Heinrich-Böll-Stiftung, der in Zusammenarbeit der beiden Stiftungsbüros in Ramallah und Tel Aviv entstand, schildern jeweils neun palästinensische und neun israelische Interviewpartner/innen ihre Sicht des Konflikts. Bei den Filmvorführungen in Heidelberg und Mannheim boten die unkommentiert gegenüber gestellten Positionen gute Anknüpfungspunkte für die Debatten im Anschluss, an denen auch zwei ehemalige Büroleiter/innen der Region teilnahmen. Es gelang, ein differenziertes Bild aufzuzeigen und Meinungsunterschiede sachlich und in einer respektvollen Atmosphäre auszutragen. Das wurde auch vom Publikum, das sich rege beteiligte, sehr geschätzt. Einzelne bedankten sich explizit für den Film und die Debatte. Mehr Infos über die Arbeit in Baden-Württemberg: www.boell-bw.de Podcast-Reihe zwei ganz besonderen Ländern zu leben: Bayern und Sachsen. So unterschiedlich die beiden Länder auch sein mögen, vielleicht haben sie mehr gemeinsam, als man denkt. Mehr Infos über die Arbeit in Bayern: www.petrakelly­stiftung.de Interaktives Kunstprojekt Berlin: «Virtuelle Mauer_ZeitLabor 2.0» 30 Jahre nach dem Mauerfall gibt es viele Berliner/ innen, die das Leben in der geteilten Stadt nur vom Hörensagen kennen. Im Kunstprojekt «Virtuelle Mauer_ZeitLabor 2.0», an dem auch das Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung beteiligt ist, wird ein Teilbereich der Berliner Mauer digital rekonstruiert. In der interaktiven 3D-Installation können sich Interessierte auf eine Zeitreise begeben. Hauptsächlich geht es zurück in die 1980er Jahre, an einigen Orten auch in die 1960er Jahre, oder es geht in die Gegenwart. Alltägliche Geschichten und historische Ereignisse werden miteinander verknüpft, jede/r kann die Abfolge mittels einer Navigationskonsole selbst bestimmen. Die Installation lädt zum intergenerationellen Austausch ein – zufällig anwesende Zeitzeug/innen erzählen von ihren Erinnerungen; Schulklassen, Anwohner/ innen und Berlinbesucher/innen kommen miteinander ins Gespräch. Mehr Infos über die Arbeit in Berlin: www.bildungswerk-boell.de Bayern: «Die Farbe der Nation» Eine junge Frau, geboren in Deutschland, die aufgrund ihrer Hautfarbe häufig nach ihrer Herkunft gefragt wird, trifft auf eine Frau aus Italien, die seit vielen Jahren in Deutschland lebt und auch oft nach ihrer Herkunft gefragt wird. Im Podcast «Die Farbe der Nation» der Petra-Kelly-Stiftung unterhalten sich die beiden Frauen humorvoll und gleichzeitig tiefsinnig über Identität, Heimat, Rassismus und Gesellschaft. Direkt und ungefiltert sprechen sie über die Dinge, die sie bewegen. Dabei haben sie das Glück, in Podcast-Reihe: https://soundcloud.com/petra-kelly -stiftung/sets/die-farbe-der-nation Untersuchungsserie Bremen: «Nach den Rechten sehen» Die Heinrich-Böll-Stiftung Bremen hat mit «Nach den Rechten sehen» (NDRS) in Kooperation mit dem Theater Bremen eine Reihe aufgelegt, die die Doppelbedeutung des Wortes «Rechte» im Blick hat: Es geht zum einen um die Analyse rechtsextremer Strukturen und Denkmuster, aber auch um die Frage, wie Menschen- und Interaktives Kunstprojekt: http://virtuelle-mauer-berlin.de 37 Freiheitsrechte verteidigt werden können. Themen sind u.a. die Anfälligkeit der «gesellschaftlichen Mitte» für völkisches Influencing – angefangen bei der Adaption rechten Vokabulars über die Akzeptanz nazistischer Nachbar/innen in ländlichen Hilfsstrukturen bis hin zum ungehinderten Agieren rechter Netze in den Sicherheitsapparaten. In bislang neun Veranstaltungen wurden diese Themen mit Fachleuten erörtert. Dabei zeigte sich: Rechte Identitätspolitik ist erfolgreich, selbst scheinbar Skurriles wie der grassierende Germanenhype funktionierte bereits für den NSU als effektiver Radikalisierungsnährboden. Die Videoaufzeichnungen der Veranstaltungen gibt es unter: www.boell-bremen.de der 2011 verstorbenen Schriftstellerin nahm die Heinrich-Böll-Stiftung Hessen zum Anlass, sich mit ihr, der DDR und der Zeit um 1989 neu zu beschäftigen. Im Mittelpunkt stand eine Reihe mit ihrem filmischen Werk, das mit Ausnahme von «Der geteilte Himmel» so gut wie unbekannt ist. Die ausgewählten Filme decken den Zeitraum von 1964 bis 1991 ab, umfassen Literaturverfilmungen und einen Dokumentarfilm und waren gut geeignet, um Facetten der deutschen und insbesondere der DDR-Geschichte bis hin zur Friedlichen Revolution zu vermitteln und zu reflektieren. Mehr Infos über die Arbeit in Hessen: www.boell-hessen.de Erzählcafé Diskussionsveranstaltung Bei einer Diskussionsveranstaltung der Heinrich-BöllStiftung Hamburg ging es um «neue deutsche Identitäten und Postmigrant/innen». Die zentrale Frage war, wie Solidarität und Zusammenhalt gegen Ausgrenzung und Spaltung gelingen kann. Der Hamburger Musiker Samy Deluxe warb für zivilgesellschaftliches Engagement, das sich insbesondere auch auf Jugendliche mit internationaler Geschichte beziehen sollte. Die Soziologin Naika Foroutan verwies auf die wichtige Rolle von Kunst und Kultur als Sprachrohr der neuen deutschen Identitäten. Hinsichtlich gesellschaftspolitischer Allianzen nannte sie als Beispiel die katholische Kirche, die den Kölner Dom unbeleuchtet ließ, damit er nicht als Kulisse für Pegida-Kundgebungen herhalten musste. Sowohl Samy Deluxe als auch Naika Foroutan waren der Ansicht, dass Minderheiten viel zu wenig Mitsprache, Vertretungen und Gestaltungsmöglichkeiten hätten. Dies sahen sie als einen Grund dafür an, warum die gesellschaftspolitische Stimmung im Land angespannter werde. Einen hörenswerten Mitschnitt der Diskussion gibt es unter: www.boell-hamburg.de War für die einen der Mauerfall ein Glücksfall, so brachte er für andere enorme biografische Umbrüche, die bis heute nachwirken. In sogenannten Erzählcafés, organisiert von der Landesstiftung in Rostock und der Kleinstadt Pasewalk, tauschten sich ostdeutsche Frauen über ihre Erfahrungen nach der Wiedervereinigung aus. Die meisten von ihnen führten in der DDR ein sicheres Arbeitsleben, aus dem sie ihre Anerkennung zogen. Nach der Wiedervereinigung verloren viele ihre Arbeitsplätze. Eine Teilnehmerin beschrieb das Jahr 1990 als «von Sicherheit zum Chaos». Frauen aus dem kirchlichen Umfeld hingegen erinnern sich vor allem an die Aufbruchsstimmung, die diese Zeit prägte. Bei allen biografischen Einschnitten sahen die Frauen auch viel Positives, zum Beispiel die Meinungs- und Reisefreiheit. Doch die Freiheit hat auch ihren Preis, alle Frauen sorgten sich um rassistische und menschenverachtende Tendenzen in ihren Kommunen und der Gesellschaft insgesamt. Es sei wichtig, eigene Handlungsmöglichkeiten für ein demokratisches Miteinander auszuloten. Mehr Infos über die Arbeit in MecklenburgVorpommern: www.boell-mv.de Konferenz Filmreihe Niedersachsen: «Was ist das für 1 Freiheit?!» Hessen: Christa Wolf zum 90. Geburtstag In der DDR-Geschichte und -Literatur ist Christa Wolf eine zentrale Figur, aber auch in Westdeutschland erhielt sie viel Anerkennung für ihr literarisches Schaffen: 1980 wurde sie als erste in der DDR lebende Autorin mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet, 2002 bekam sie für ihr Lebenswerk den Deutschen Bücherpreis. Die Jury ehrte sie, weil sie sich «mutig in die großen Debatten der DDR und des wiedervereinigten Deutschland eingemischt» habe. Den 90. Geburtstag «Verwirkliche dich selbst!» – in der neoliberalen Gesellschaft ist dieser Satz nicht nur eine freundliche Aufforderung, sondern auch so etwas wie ein heimlicher Befehl. An drei Tagen ging es bei der Konferenz «Was ist das für 1 Freiheit?!», einer gemeinsamen Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen und zahlreicher weiterer Organisationen, um den Freiheitsbegriff und um die Folgen des Neoliberalismus auf das Private, auf die Arbeit, auf Gemeingüter, Politik und Gesellschaft. Was verstehen wir unter imperialen Die Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg: «Neue deutsche Analysen – Impulse aus Wissenschaft und Rap» Mecklenburg-Vorpommern: Ostdeutsche Transformationserfahrungen im Blick Die Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung 38 Lebensweisen? Müssen wir uns zwischen Ökologie und Freiheit entscheiden? Wie neoliberal sind Liebe und Sex? Welchen Hürden muss sich Inklusion stellen? Dazu gab es zahlreiche Vorträge, Diskussionen, Worldcafés, Ausstellungen und Filme. Ein Rap-Konzert setzte den (vorläufigen) kulturellen Schlusspunkt: Mehr Infos über die Arbeit in Niedersachsen: www.slu-boell.de Film- und Veranstaltungsreihe Nordrhein-Westfalen: Agent für vertrauensstörende Maßnahmen Mit einer Film- und Veranstaltungsreihe erinnerte die Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen zusammen mit «Köln im Film» an den politischen Aktivisten und Filmemacher Heinrich Pachl, der seine kabarettistische Laufbahn mit Polit- und Straßentheater begann. 52 Filme und Ausschnitte waren zu sehen, auch viele Weggefährten wie Wilfried Schmickler oder Martin Stankowski kamen zu Wort. Podiumsgäste wie zum Beispiel Günter Wallraff ermöglichten den Transfer der Themen in die heutige Zeit. Und obwohl die Beiträge aus den 1980er und 1990er Jahren stammten, war die Aktualität der Themen erstaunlich. Die Reihe lockte über 2000 Teilnehmer/innen an fünf Veranstaltungstagen nach Köln. Mehr Infos über die Arbeit in Nordrhein-Westfalen: www.boell-nrw.de Bildungsmaterial Rheinland-Pfalz: Quartett der verbotenen Bücher Verbote für Literatur und andere Schriften haben vielfältige Begründungen. Im Nationalsozialismus waren Bücherverbrennungen Ausdruck der systematischen Verfolgung jüdischer, marxistischer, pazifistischer und anderer oppositioneller oder politisch unliebsamer Schriftsteller. Heute werden Bücher in Deutschland vor allem zum Schutz der Jugend und wegen des Verbots der Volksverhetzung aus dem Verkehr gezogen. Heinrich Böll pflegte viele Freundschaften mit Dissidenten und nahm Exilliteraten bei sich auf. Anlässlich seines 100. Geburtstages im Jahr 2017 entwickelte die Landesstiftung Rheinland-Pfalz die Idee zu einem Quartettspiel: 32 Spielkarten in 8 Kategorien zu Werken der Literatur- und Kulturgeschichte, die irgendwann verboten waren. Die Recherche und Konzeption eines solchen Quartetts erwiesen sich aufwendiger als gedacht, doch Ende 2019 konnte das Spiel endlich präsentiert werden. Es kann über die Webseite der Stiftung bestellt werden, dort finden sich auch Hintergrundinformationen zu den Werken auf den Spielkarten: https://www.boell-rlp.de/ startseite/quartett Jüdische Film- und Kulturtage Saarland: «70 Jahre Israel» Seit über zehn Jahren finden mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung Saarland die Jüdischen Film& Kulturtage Saarbrücken statt. Mit einer Mischung aus Filmen, Vorträgen, Einführungen, einem Theaterstück und einer Schabbat-Feier ermöglichten die Kulturtage auch 2019 einen Einblick in das jüdische Leben im Saarland und weltweit. Für die Ausstellung «‹1948› – Zur Gründung des Staates Israel» im Oktober im Saarbrücker Rathaus hatten Historiker, Politologen und Nahostexperten in über 5.000 Arbeitsstunden Quellen, Dokumente, Bildmaterial, authentische Korrespondenzen, anerkannte Fachliteratur und Zeitzeugenaussagen gesichtet. Träger der Ausstellung «1948» ist der Münchner Verein für Demokratie und Information (DEIN e.V.). Für das Begleitprogramm organisierte die Heinrich-Böll-Stiftung Saarland Buchvorstellungen und Vorträge zur Geschichte und Gegenwart Israels. Mehr Infos über die Arbeit im Saarland: www.boell-saar.de 39 Sachsen: «#nichtneutral – Schule unter Druck. Wertebildung am Pranger?» Nicht nur Rechtspopulist/innen fordern die «Neutralität» von Schulen. Lehrkräften wird Indoktrination unterstellt und Misstrauen wird geschürt, wenn diese aufklären wollen und Haltung zeigen. Die Tagung «#nichtneutral – Schule unter Druck. Wertebildung am Pranger?» im Juni 2019 in Leipzig setzte sich mit solchen Vorwürfen auseinander und ermutigte Lehrer/innen und Schulsozialarbeiter/innen, auch in Zeiten von «Online-Prangern» Haltung zu zeigen. Nach einer Einführung von Professorin Anja Besand und dem Rechtsextremismus-Experten David Begrich gab es Workshops zum Umgang mit rechtspopulistischen Ideologien bzw. Rechtsextremismus im schulischen Kontext sowie mit Diffamierungen. GEW-Landesvorsitzende Ursula-Marlen Kruse wünschte sich in der Abschlussdiskussion vor allem Offenheit der Schulleitungen zu Themen wie Rassismus oder Antisemitismus und mehr Unterstützung für Lehrer/innen mit Haltung. Die Tagung fand in Kooperation mit dem bundesweit agierenden Netzwerk für Demokratie und Courage e.V., der Professur für Didaktik der politischen Bildung an der TU Dresden und der GEW Sachsen statt. Mehr Infos: www.weiterdenken.de/de/nichtneutral Filmabende die angebotenen Blumenwiesen-Saatgutmischungen luden darüber hinaus ein, auch selbst aktiv zu werden. Mehr Infos über die Arbeit in Sachsen-Anhalt: www.boell-sachsen-anhalt.de Innovationswettbewerb Schleswig-Holstein: Zum Wohle aller – Zukunfts­ weisende Innovationen aus dem grünen Norden Erstmalig veranstaltete die Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein mit dem deutsch-dänischen EUProjekt VekselWirk den interregionalen Innovationswettbewerb «Crossborder Innovation Challenge». Gesucht wurden innovative, nachhaltige und gemeinwohlorientierte Lösungsansätze für eine lebenswerte gemeinsame Zukunft aus den Grenzregionen Kiel, Lübeck und Kolding. Die eingereichten Beiträge zeigten auf, dass in diesen Regionen wichtige Impulse für die nachhaltige Entwicklung des Ostseeraums gesetzt werden. Die zwölf vielversprechendsten Einreichungen zukunftsfähiger Innovationen wurden mit dem Crossborder Innovation Award ausgezeichnet, darunter soziale Möbel von Timbernest aus Kolding, ein neuer biologischer Verbundwerkstoff von Schneid aus Lübeck und die mobile Waschstation Spülbar aus Kiel. Der Aufbau der Crossborder Innovation Community setzte darüber hinaus einen Rahmen für die grenzüberschreitende Vernetzung für nachhaltige Zukunftsgestaltung. Mehr Infos über die Arbeit in Schleswig-Holstein: www.boell-sh.de Sachsen-Anhalt: Strategien gegen Diversitäts- und Saatgutverlust Großkonzerne wie Monsanto kontrollieren zunehmend den Saatgutmarkt und beeinflussen damit maßgeblich, welche Sorten angebaut, optimiert oder nicht mehr angebaut werden. Mehr als 90 Prozent aller Sorten sind bereits verschwunden. Der Dokumentarfilm «Unser Saatgut. Wir ernten, was wir säen» stellt Aktivist/innen auf der ganzen Welt vor, die sich für den Erhalt der kostbaren Saatgutvielfalt einsetzen. Schon immer vermehren Menschen weltweit ihr eigenes und an das jeweilige regionale Klima angepasste Saatgut und sorgen so für den Erhalt alter und nachbaufähiger Pflanzen. Bei landesweiten Filmvorführungen in Sachsen-Anhalt konnten Interessierte mit regionalen Biosaatguthersteller/innen, mit Menschen aus der Solidarischen Landwirtschaft, mit dem Bauernverband, dem Umweltbundesamt und der grünen Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke ins Gespräch kommen. Diskutiert wurde über Agrarpolitik, nachhaltige Landwirtschaft in Zeiten von Hitze und Trockenheit sowie über die Frage von Handlungsmöglichkeiten für Politik und Gesellschaft. Pflanzentauschbörsen und Veranstaltungsreihe Thüringen: Denk.Mal Erfurt Die Reihe «Denk.Mal Erfurt» hinterfragte 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution das Bild der DDR als antirassistischen und solidarischen Staat. Auf einem zentralen Erfurter Platz fanden vor einem extra für die Reihe aufgestellten Denkmal, einem 2,5  m hohen Obelisken, verschiedene Veranstaltungen statt. Es sprachen ehemalige Vertragsarbeiter/innen, andere von Rassismus in der DDR Betroffene, antirassistische Aktivist/ innen (auch aus Westdeutschland) sowie Historiker/ innen. Viele politik- und geschichtsinteressierte Erfurter/innen nutzten die Gelegenheiten, sich über dieses nach wie vor unterbelichtete Thema zu informieren und sich mit Expert/innen darüber auszutauschen. Auch viele People of Colour nahmen daran teil und brachten ihre Sichtweisen ein. Mehr Infos über die Arbeit in Thüringen: www.boell-thueringen.de Innovationswettbewerb: www.crossborderinnovation.eu Die Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung Diskussionstagung 40 Ohne intakte öffentliche Räume kann es keine gerechte Gesellschaft geben Demokratie und soziale Teilhabe können nur gelingen, wenn wir öffentliche Räume neu entdecken und beleben. Dabei geht es neben Plätzen und Parks um all jene Räume, in denen Begegnung und Integration stattfinden: vor allem Kitas, Schulen, Bibliotheken, Sportplätze oder Eckkneipen, aber auch die sozialen Medien im Netz. Während der aktuellen Corona-Pandemie mit ihrem «Shutdown» ist dies noch einmal besonders deutlich geworden. In einem Verbundprojekt mit unseren Landesstiftungen haben wir uns 2019 mit diesen öffentlichen Räumen beschäftigt. In Veranstaltungen, Filmen und Publikationen haben wir gezeigt, wozu öffentliche Räume gut sind, was wir an ihnen haben und warum wir uns um sie kümmern müssen. Grüne Erzählung 2019: Großes Interesse an der Podiumsdiskussion mit Sabine Rennefanz, Robert Habeck, Nora Bossong und Daniela Dröscher Foto: Stephan Röhl «Was ist die grüne Erzählung vom … öffentlichen Raum?» Alle sprechen vom Auseinanderdriften der Gesellschaft – aber wo genau finden die sozialen und kulturellen Ausschlüsse statt? Und wie können wir diejenigen einbinden, die bislang am Rand stehen? Auf unserer zweitägigen Konferenz «Was ist die grüne Erzählung vom … öffentlichen Raum?» suchten wir nach Wegen, wie eine «integrative Gesellschaft» gestärkt werden kann. Wir schauten dabei auf all die Orte, an denen Gesellschaft zusammenkommt – in der Stadt und auf dem Land, quer durch die sozialen und kulturellen Milieus. So ging es in einem Panel um die Frage, wie viel staatliche Unterstützung nötig wäre, um das Vertrauen in öffentliche Institutionen zu stärken. Einigkeit herrschte darüber, dass wieder mehr investiert werden müsse, denn wer die öffentliche Infrastruktur verrotten lasse, tue das auf Kosten der nächsten Generation, sagte Berlins grüne Wirtschaftssenatorin Ramona Pop. Auf dem Podium war die Bedeutung von Infrastrukturausgaben unbestritten, auch Grünen-Fraktionschef Toni Hofreiter und der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, forderten sie, dennoch wurde in diesem Bereich jahrzehntelang gespart. Ein Grund mehr, die Debatte über die Gestaltung und Förderung öffentlicher Räume fortzusetzen. Boell.brief «Öffentliche Räume»: www.boell.de/de/boellbrief 41 Foto: Stephan Röhl Stadt, Land, Schluss? – Sommerakademie 2019 Die Sommertagung der Grünen Akademie stand unter dem Motto: «Stadt, Land, Schluss?» Sie war ein Versuch, die politische Geographie Deutschlands zu vermessen: Wo gibt es neue oder alte Spaltungen in der Gesellschaft? Welche Regionen stehen gut da, welche vor grundlegenden Herausforderungen? Dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wo regionale Unterschiede bestehen. So etwa beim abendlichen «virtuellen Kamingespräch». Die Soziologieprofessorin Claudia Neu betonte, dass es nicht den ländlichen Raum, sondern eine Vielfalt ländlicher Gemeinschaften gebe. Regionen wie die Eifel, Ostfriesland und die Uckermark ließen sich nicht ohne weiteres als ländlicher Raum verallgemeinern, sondern seien landschaftlich und kulturell ausgesprochen divers. Für eine Stärkung des ländlichen Raums könnten wiederum sehr verschiedene Orte die Funktionen sozialer «Ankerpunkte» erfüllen. Dies sei nicht nur das bekannte Modell des Dorfladens, sondern auch die gemeinschaftlich betriebene Dorfkneipe oder die Anlaufstelle für Geflüchtete. Entscheidend sei es an dieser Stelle, nicht zeitlich und inhaltlich begrenzte Projekte, sondern dynamische Prozesse zu fördern, die den Beteiligten größtmöglichen Spielraum zur Anpassung der Orte an die Bedürfnisse ihrer Gemeinschaften bieten. Zwei Tagungen unseres Verbundprojektes «Shared Spaces» Oberhausen: Ein Ort, an dem seit 100 Jahren interkul- tureller Austausch und allgemeine Weiterbildung stattfinden, ist die Volkshochschule. Seit ihrer Gründung versteht sie sich als demokratischer Ort des sozialen und politischen Lernens. Auf dem Kongress «Politische Bildung im öffentlichen Raum» im Oktober in Oberhausen diskutierten wir mit Bildungsexpert/innen und Politiker/ innen, warum öffentliche Räume für politische Bildung Dossier mit Texten, Podcasts und Videos: www.boell.de/sharedspaces unabdingbar sind. Aus den Erläuterungen von Prof. Dr. Helmut Bremer von der Universität Duisburg-Essen zu Bildungsgerechtigkeit und Teilhabe wurde deutlich, dass Gruppen mit geringem Einkommen immer noch zu wenig von politischen Bildungsangeboten erreicht werden. Die Workshops des Kongresses vermittelten u.a. Ideen für digitale Bildungsveranstaltungen und gaben Hilfestellung, wie mit rechten Störer/innen in Veranstaltungen umgegangen werden sollte. Würzburg: In öffentlichen Räumen begegnen sich Menschen aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhängen. Sie teilen sich Parks, Straßen und Plätze. Ob mit Auto oder zu Fuß, ob einheimisch oder touristisch unterwegs, ob obdachlos oder besserverdienend, jugendlich oder betagt – die Interessen der jeweiligen Gruppen sind dabei sehr unterschiedlich, sie müssen verhandelt und gegebenenfalls auch reguliert werden, damit der soziale Frieden erhalten bleibt. Die Tagung «Öffentliche Räume in Stadt und Land» im September in Würzburg beschäftigte sich mit dieser Thematik und hat vor allem gezeigt, wie wichtig es ist, den Raum nicht nur für Verkehrsmittel zu gestalten, sondern für den Menschen und das soziale Miteinander. Als Raum des Austausches ist öffentlicher Raum unabdingbar, und eine positive, integrative Gestaltung kann zu einem entspannteren Miteinander führen. Buchtipp: «Öffentlicher Raum! Politik der g­ esellschaftlichen Teilhabe und Zusammenkunft», hrsg. von der ­Heinrich-Böll-Stiftung im Campus-Verlag, 352 Seiten, 29,95 Euro. Zu bestellen unter: www.boell.de/oeffentlicher-raum Die Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung Grüne Erzählung 2019: Ramona Pop und Toni Hofreiter 42 Kunst und Kultur Kunst und Kultur Kunst kann Motor des gesellschaftlichen Wandels sein, Mittel des Widerspruchs und ein fester Teil sozialer und politischer Bewegungen. Kunst schärft die Wahrnehmung, trainiert die Intuition, schenkt gemeinsame ästhetische Erfahrungen und inspiriert zu kreativer Einmischung. Wir fördern daher Kunst und Kultur als Ausdrucksformen gesellschaftlicher Selbstverständigung. Deutsch-Israelische Literaturtage: Sami Berdugo Priya Basil «Lauter, immer lauter?» – Deutsch-Israelische Literaturtage Verfemte Sprachen – 2. Deutsch-Arabische Literaturtage Längst ist die rechtspopulistische Herausforderung zum weltweiten Phänomen geworden – nicht nur in den USA, Brasilien oder Ungarn, wo Populisten bereits die Politik bestimmen. Auch in Deutschland und Israel werden sie immer lauter. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Bei den Deutsch-Israelischen Literaturtagen vom 4. und 8. September 2019 debattierten Autor/innen aus beiden Ländern über den Umgang mit Populisten und Polarisierungen. Der Autor Sami Berdugo, Sohn marokkanischer Einwanderer nach Israel, warnte vor einer gefährlichen Vermischung der privaten und der politischen Sphäre. «Es ist die Aufgabe der Schriftsteller und Schriftstellerinnen, diese sprachliche Verzerrung und Unstimmigkeit aufzudecken, wobei ich nicht weiß, ob das überhaupt noch möglich ist. Seit Langem leben wir unter einem populistischen, repressiven Regime, in dem Entscheidungsträger sich dem Mittel der sprachlichen Manipulation bedienen. In der Literatur versuchen wir, uns von diesem Massenjargon zu distanzieren und uns einer Sprache zu bedienen, die akzeptabel ist.» Weitere Gäste waren Dov Alfon, Friedrich Ani, Maayan Ben Hagai, Priya Basil, Dilek Güngör, Mati Shemoelof und Tijan Sila. Die DeutschIsraelischen Literaturtage sind eine Kooperation von Goethe-Institut und Heinrich-Böll-Stiftung. Fotos: Stephan Röhl Immer wieder werden Sprachen mit Terror assoziiert. Für das Arabische ist das spätestens seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 der Fall. Wie sehr diese von rund 300 Millionen Menschen gesprochene Sprache bis heute kriminalisiert wird, erfahren hier im Exil lebende Menschen auf vielfache Weise. In der U-Bahn müssen sie erleben, wie bereits ein Telefonat auf Arabisch dazu führen kann, dass Mitfahrende sie misstrauisch beobachten. Verbreitet ist auch die Annahme, dass Männer aus dem arabischen Raum per se eine patriarchale Gefahr darstellten und Frauen entsprechend vor allem Opfer seien – auch dieses Stereotyp trägt zur Abwertung ­arabischsprachiger Menschen bei. Und auch Autorinnen und Autoren er­­ fah­ren, wie schwer es als Arabischmuttersprachler/in ist, deutsche Verlage für sich zu gewinnen. Umso wichtiger ist es, den arabisch-deutschen Dialog weiter zu fördern und Arabisch als Kultursprache im hiesigen Kulturbetrieb zu verankern. Das zweisprachige Festival im September in Berlin präsentierte Schriftsteller/innen aus Ägypten, Syrien, Tunesien, Palästina, Österreich und Deutschland und zog rund 800 Besucher/innen an. Die Literaturtage waren eine Kooperation zwischen dem FANN-Magazin und dem Gunda-Werner-Institut. 43 Aras Ören bei einem feierlichen Abend ihm zu Ehren in der Heinrich-Böll-Stiftung Fotos: Stephan Röhl Theater und Netz, Volume 7 Aras Örens 80. Geburtstag und die Veröffentlichung seiner «Berliner Trilogie» im Verbrecher Verlag boten den Anlass für einen Abend zu Ehren des «ersten deutschen Autors, der auf Türkisch schreibt» (Ulrich ­Gutmair). Ören war 1973 mit seinem Langgedicht «Was will Niyazi in der Naunynstraße?» bekannt geworden. Es ist einer der ersten großen Texte über das türkische Leben in Berlin, über Sprache und Integration, Fremdund Selbstwahrnehmung. Seither ist Örens Name als Schriftsteller, Dichter, Radiomacher, Akademie-Mitglied und Mentor längst etabliert – und doch bleibt sein späteres Werk in Teilen noch zu entdecken. Das wollten wir in Kooperation mit dem Verbrecher Verlag und dem Literaturarchiv der Akademie der Künste ändern. Hatice Akyün, Safiye Can, F.C. Delius, Cem Özdemir und Robert Stadlober gratulierten, diskutierten, lasen und sangen vor vollem Saal mit 300 Gästen. Unter dem Titel «Die Innovationsschraube» ging es bei der Fachkonferenz «Theater und Netz» im Mai 2019 um den gegenwärtigen Innovationsimperativ, der sich weit über die darstellende Kunst hinaus durch alle gesellschaftlichen Bereiche zieht. Die Konferenz präsentierte nationale und internationale Beispiele, wo Innovation gut gelungen ist. Auf den Podien und in Tischgesprächen diskutierten die Teilnehmenden dennoch auch kritisch über den allgegenwärtigen «Innovationsbefehl». Im Panel «Pranks, Mutanten, Avatare! Das Theater der Digital Natives», geplant und moderiert von der Dramaturgin Katja Grawinkel, ging es zum Beispiel um die Frage, wie sich das Theater verändert, wenn diejenigen die Regie übernehmen, die sich eine Welt ohne digitale Vernetzung, smarte Devices und soziale Netzwerke nicht mehr vorstellen können. Die Videodokumentation der Konferenz gibt es zur Nachschau unter: www.nachtkritik.de Flammende Köpfe – Lecture Performance über rechten Online-Aktivismus Barcamp und Ausstellung zu feministischer Netzpolitik Viele hofften, das Internet würde uns mehr Demokratie, Transparenz und Teilhabe für die Bürger/innen bringen. Heute scheint das Gegenteil der Fall, wie die hohe Zahl der Fake News und die Hassreden zeigen. Arne Vogelgesang erzählt in seiner Lecture Performance «Flammende Köpfe» von der noch jungen Geschichte rechter Wortergreifung im Netz. Entwickelt wurde das Stück am Schauspiel Dortmund, die Heinrich-Böll-Stiftung produzierte eine Kurztournee nach Rostock, Chemnitz, Cottbus, in die Volksbühne Berlin und auf die re:publica. Auf jeder der 5 Tourstationen luden wir einen Experten oder eine Expertin zum Gespräch danach, das Publikum blieb – denn der Bedarf, über die rechte Bedrohung im Netz zu reden, ist groß. Wenn KI, dann feministisch – bei einem Barcamp des Gunda-Werner-Instituts im November unter diesem Titel trafen sich über 150 an Netzpolitik interessierte Menschen, um neue und vor allem feministische Perspektiven und Antworten auf Künstliche Intelligenz (KI) und Algorithmen zu entwickeln. Die thematische Spannbreite war groß – von Fragen der Transparenz über politische Regulierung bis hin zu gesellschaftlicher Verantwortung. Das Barcamp fand in Kooperation mit netzforma* e.V. und dem Institut für Geschichte und Theorie der Gestaltung der Universität der Künste Berlin statt. Die begleitende Ausstellung bot die Möglichkeit, sich dem Thema KI auf künstlerischer Ebene anzunähern. Das Interesse daran war groß, es kamen fast 300 Besucher/innen. Kunst und Kultur Naunynstraße, Ecke Savignyplatz – Ein Abend mit Aras Ören und Gästen 44 Heinrich-Böll-Haus Langenbroich Heinrich-Böll-Haus Langenbroich Weltweit äußern sich Künstlerinnen und Künstler zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Sie kämpfen für die Freiheit des Wortes und leisten einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung und zum Erhalt von Demokratie und Menschenrechten. Oft geraten sie dadurch ins Visier der Machthabenden, werden bedroht, verfolgt und müssen ihr Land verlassen. Manche finden in Langenbroich einen sicheren Ort zum Arbeiten und Leben. Ines Kappert, Rabab Haidar und Ulla Lenze Wir unterstützen engagierte Schriftsteller/innen und Künstler/innen mit unserem Stipendienprogramm im Heinrich-Böll-Haus Langenbroich e.V. In bewährter Zusammenarbeit mit der Stadt Düren und dem Land Nordrhein-Westfalen konnten seit 1990 fast 200 Gäste aus 50 Ländern in Asien, Afrika, Lateinamerika sowie Ost- und Südosteuropa in das ehemalige Wohnhaus Foto: Stephan Röhl der Familie Heinrich Böll eingeladen werden. Sie finden dort Zeit, ungestört zu arbeiten, sind finanziell abgesichert und frei von staatlicher Kontrolle oder gar Verfolgung. Die Stiftung ist Teil eines weltweiten Netzwerkes von Institutionen, die politisch verfolgten Autor/ innen und Künstler/innen Hilfe anbieten. Unsere Gäste 2019 Osamah Al-Dhari, Schriftsteller und Lyriker aus dem Jemen (Jahrgang 1983), veröffentlichte eine Sammlung seiner Poesie 2007 unter dem Titel «Crossing Distances». Er ist Redakteur der Ashkal Cultural Website – Previously und Chefherausgeber der Democracy News Paper im Jemen. Seit 2019 publiziert er im literarischen Internetportal Weiter Schreiben im Tandem mit dem Lyriker und Übersetzer Joachim Sartorius. Maryam Duhaytim, Schriftstellerin aus Saudi-Arabien (Jahrgang 1982). Sie arbeitet als Nachrichtenanalystin und Autorin für den Saudi Cultural Channel und schreibt zudem für Talkshows des Golfsenders Rotana. Sie veröffentlicht Artikel und Literaturkritiken in arabischen und saudi-arabischen Zeitschriften wie Ahlan Bewerbungen für Stipendien an: Heinrich-Böll-Stiftung, Frau Sigrun Reckhaus c/o Stadtbibliothek Josef-Haubrich-Hof 1, 50676 Köln E-Mail: reckhaus@boell.de wa Sahlan, Alwatan Newspaper und für die Kulturredaktion von Aljazeera News. In Ägypten erschienen zwei Lyrikbände von ihr. Rabab Haidar, Schriftstellerin und Übersetzerin aus Damaskus/Syrien (Jahrgang 1977), schreibt als Kolumnistin für verschiedene Zeitungen und Magazine. Ihr erster Roman «Land des Granatapfels» erschien 2012. Ihr zweiter Roman «Hasenloch» handelt von der Revolution, von Feminismus und von Minderheiten. Er konnte noch nicht veröffentlicht werden. Sie ist Mitglied des Syrian Women Network. Seit 2019 publiziert sie im literarischen Internetportal Weiter Schreiben im Tandem mit der Schriftstellerin Ulla Lenze. 45 Studienwerk – Rückenwind für junge Talente Sommerakademie «Demokratie gestalten» in Heidelberg Foto: Stephan Pramme, Hans-Böckler-Stiftung (CC BY-NC 4.0) Wer wird gefördert? Unter den 2.657 Bewerber/innen, die zum 1. März und 1. September 2019 ihre Bewerbung einreichten, wählte das Studienwerk 350 Stipendiat/innen in einem dreistufigen Auswahlverfahren aus. Insgesamt förderten wir im vergangenen Jahr 1.370 Personen, davon 1.143 Studierende und 225 Promovierende und zwei Postdocs. Bestimmte Zielgruppen haben wir besonders im Blick: 62 Prozent der Geförderten sind Frauen, 14 Prozent studieren an Fach-, Kunst- oder Musikhochschulen, und 27 Prozent der Studienstipendiat/innen (davon 56 Prozent Frauen) belegen MINT-Fächer. Auch unter den Promotionsstipendiat/innen sind 24 Prozent aus MINT-Fächern (davon 59 Prozent Frauen). Von den 65 Geförderten, die seit 2015 als Geflüchtete nach Deutschland gekommen sind, kommen 50 aus Syrien. Mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) konnten 1.281 Stipendiat/innen unterstützt werden, davon 205 Promovierende. Von diesen BMBF-Geförderten Studien- und Promotionsstipendiat/innen haben 26 Prozent eine Migrationsgeschichte, und 37 Prozent sind Erstakademiker/innen. Über Mittel des Auswärtigen Amtes konnten 89 internationale Stipendiat/innen (aus Herkunftsregionen außerhalb der EU) in Deutschland gefördert werden, darunter 22 Promovierende und Postdocs. Unsere regionalen Förderschwerpunkte sind Mittel- und Osteuropa, die Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) und die MENA-Region. Die größten Gruppen internationaler Stipendiat/innen (nach Staatsangehörigkeit) kommen neben Syrien aus Russland (10), aus Ägypten (8), aus der Türkei (7), aus dem Iran (6) und aus der Ukraine (5). Studienwerk – Rückenwind für junge Talente Wir fördern Studierende und Promovierende aller Fachrichtungen aus dem In- und Ausland. Neben einem Stipendium fördern wir auch « ideell », d. h. wir bieten individuelle Beratung und Qualifizierung, regen zur politischen Debatte an und unterstützen unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten darin, sich selbst zu organisieren und zu vernetzen. Unser Anliegen ist es, Talente zu entdecken und die persönliche, politische und berufliche Entwicklung unserer Stipendiatinnen und Stipendiaten zu fördern. So wollen wir zukünftige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gewinnen, die unsere Überzeugungen teilen und sich weltweit für die Ziele der Stiftung einsetzen: für mehr Demokratie, Solidarität, ökologisches Handeln, nachhaltige Politik und Menschenrechte. Wir kombinieren in unserer Nachwuchsförderung den Leistungsgedanken mit Chancengerechtigkeit. Neben sehr guten Schul- bzw. Studienleistungen, die im biografischen Kontext bewertet werden, erwarten wir von unseren Stipendiatinnen und Stipendiaten, dass sie Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen, sich gesellschaftlich engagieren und sich für Politik interessieren. 46 Studienwerk – Rückenwind für junge Talente Ideelle Förderung: Beratung – Qualifizierung – Vernetzung Mit unserem Veranstaltungsprogramm, dem Herzstück der ideellen Förderung, regen wir zur politischen Debatte an, vermitteln Schlüsselkompetenzen, befähigen zum interdisziplinären Dialog, bereiten auf den Beruf vor und unterstützen das gesellschaftliche Engagement unserer Stipendiatinnen und Stipendiaten. Selbstorganisation und selbstständiges Denken zu fördern sowie Gestaltungskompetenzen zu vermitteln, ist uns ein besonderes Anliegen; das Veranstaltungsprogramm wird für und mit unseren Stipendiat/innen konzipiert. Wir orientieren uns dabei an dem Konzept «Bildung für nachhaltige Entwicklung» – BNE und greifen regelmäßig ökologische Themen auf: Die Sommerakademie «Campus» beschäftigte sich 2019 mit dem Oberthema «soziale und ökologische Transformation» – ein Schwerpunkt, der auch in der Promovierendenförderung im Forschungscluster «Transformationsforschung», an dem rund 30 Promovierende aus unterschiedlichen Fächern beteiligt sind, aufgegriffen wird. Mehrere Kooperationspartner unterstützen das Cluster, darunter das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (d.i.e.), das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), das Wuppertal Institut und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin. Darüber hinaus wurden im Veranstaltungsprogramm aktuelle ökologische Themen wie «Green Offices» an Hochschulen, das grassierende Insektensterben und das Thema «Nachhaltige Mobilität» behandelt. Eine selbstorganisierte neue Arbeitsgruppe der Stipendiat/ innen beschäftigte sich zudem mit «Klimapolitik und Klimagerechtigkeit». Schwerpunkte im Veranstaltungsprogramm 2019 Sommerakademie «Demokratie gestalten!»: Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung startete die Reihe «Sommerakademien der Begabtenförderungswerke». Unter der Federführung der Hans-Böckler-Stiftung steht die Akademie in den Jahren 2019, 2020 und 2021 unter dem Titel «Demokratie gestalten!» Die erste Sommerakademie fand vom 26. August bis 2. September in Heidelberg statt. Insgesamt 200 Teilnehmende, davon 16 Stipendiat/ innen aus der Heinrich-Böll-Stiftung, diskutierten mit Stipendiat/innen anderer Förderungswerke, mit Fachleuten und dem Bundespräsidenten, der die Schirmherrschaft für die Reihe übernommen hat, darüber, wie gefährdet unsere Demokratie derzeit ist und wie sie gestärkt werden kann. Jedes Förderwerk beteiligte sich mit Einzelveranstaltungen. Das Studienwerk der Stiftung bot ein «Argumentationstraining gegen rechte Parolen» an. Gemeinsam gegen Klimaskepsis und Rechtspopulismus: Am 14. November 2019 fand die Abschlussveranstaltung der Reihe «Gesellschaftsvisionen – gemeinsam für eine offene, pluralistische, demokratische Gesellschaftsordnung» statt, die das Studienwerk in Kooperation mit dem Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerk, mit Avicenna und den Studienwerken aller anderen fünf politischen Stiftungen bundesweit veranstaltet hat. Rund 150 Stipendiat/innen der Stiftung und anderer Werke diskutierten mit Vertrauensdozent/innen und Auswahlkommissionsmitglieder sowie weiteren Gästen über «Klimaleugnung, Klimaskepsis und Rechtspopulismus» mit Alexander Carius (adelphi Berlin), Prof. Dr. Stefan Rahmstorf (PIK) und Luisa Neubauer, Aktivistin der Fridays-For-Futures-Bewegung und Studienstipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung. Reihe «Wissenschaftliche Politikberatung»: Wissenschaftliche Politikberatung wird von vielen Stipendiat/innen als attraktives berufliches Betätigungsfeld benannt. Doch welche Wege führen dorthin, wer sind mögliche Arbeitgeber/innen, welche Kompetenzen brauchen Politikberater/innen jenseits der wissenschaftlichen Expertise? Das Studienwerk will Stipendiat/innen dabei unterstützen, ein differenziertes Bild der wissenschaftlichen Politikberatung in ihren verschiedenen Nuancen zu erhalten, zentrale Kompetenzen zu erwerben und Netzwerke aufzubauen. Das Programm für Promovierende und Master-Studierende besteht aus drei Bausteinen (Basisseminar, Mentoring, Training), beginnend mit dem Basisseminar im Jahr 2019. Reihe «Leadership: Verantwortung übernehmen und Wandel gestalten»: Was heißt eigentlich «Führen», und wie nehme ich Verantwortung für das Ganze wahr? Inhalte der Reihe sind Rollenklärung und Handlungsspielräume als Verantwortungsträger/in, der Ausbau von Führungsund Gestaltungskompetenz mit Berücksichtigung von Gender- und Diversity-Aspekten und die Auseinandersetzung rund um die Themen Macht, Verantwortung, Führung und Transformation. Im Jahr 2019 fand ein Seminar zu «Werteorientiertem Führen» statt, das sich um die Auseinandersetzung mit verschiedenen Führungsstilen und -konzepten vor dem Hintergrund der individuellen Führungspersönlichkeit drehte. Arbeitsgruppen der Stipendiat/innen: Eigenverantwortlich organisierte Arbeitsgruppen (AGs) der Stipendiat/innen, die zu Schwerpunktthemen der Stiftung (und darüber hinaus) arbeiten, bilden einen wesentlichen Bestandteil des Begleitprogramms. Die AGs nehmen sich ein Jahresthema und ein Arbeitsprogramm vor. Wichtig ist der gemeinsame Austausch untereinander und die thematische Auseinandersetzung und Diskussion miteinander. Die AGs sind kreative Debattenräume, in denen auch neue Ideen «am Puls der Zeit» entwickelt werden können. Stipendiat/innen arbeiteten 2019 zu folgenden Themen: 47 Digitaler Wandel Gender* und Feminismus Internationale Zusammenarbeit (neu) Klimapolitik und Klimagerechtigkeit (neu) Kunst und Transformation Ostwärts (neuer Name) Postwachstum (neu) Quo vadis, EU? Theorie – Gesellschaft – Politik Wirtschaftspolitik Promovierendenforum: Das Promovierendenforum ist die zentrale Veranstaltung für Promotionsstipendiat/ innen im Jahr und nimmt sich jeweils ein wissenschaftspolitisch relevantes Schwerpunktthema vor. 2019 ging es um das Thema «Wissenschaft zwischen Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung», über das rund 60 Promovierende mit Fachexpert/innen diskutierten. Studienreise Weimar: Anlässlich des 100. Jubiläums der Weimarer Verfassung, der Einführung des Frauen­ wahlrechts und der Gründung des Bauhauses sowie des 30jährigen Jubiläums der Friedlichen Revolution in der DDR führte das Studienwerk eine einwöchige Studienreise für internationale Stipendiat/innen nach Weimar durch. Im Zentrum der Studienreise standen Politik und Kunst des frühen 20. Jahrhunderts und ihre Auswirkungen auf die Gegenwart. Denn Weimar spielt in der deutschen Geschichte eine besondere Rolle – es ist Ort der Klassik, der Demokratie und des Holocaust mit Buchenwald als einem der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Alumni-Salon: Im Fokus des jährlich stattfindenden «Alumni-Salons» stand die Frage, wie wir in Deutschland und Europa auf die Verschiebung globaler Machtallianzen reagieren sollten und mit wem wir künftig die Welt gestalten wollen. Rund 130 Alumni diskutierten auch über Wirtschaftspolitik, Menschenrechte und einzelne Regionen wie China, Brasilien und die Ukraine. Die Alumni gestalten das Programm weitgehend selbst. Zum Abschluss wurden die 2018/19 aus der Förderung ausgeschiedenen Stipendiat/innen feierlich ­verabschiedet. «Wissenschaftler/innen im Exil» – Kurzzeitstipendien für Wissenschaftler/innen Seit 2017 unterstützt das Studienwerk politisch verfolgte Wissenschaftler/innen mit Kurzzeitstipendien (drei bis sechs Monate) in Deutschland. Zunächst für Doktorand/innen und Postdocs aus der Türkei entwickelt, wurde das Programm inzwischen auf Studierende und auf junge Akademiker/innen aus anderen Weltregionen ausgeweitet. Im letzten Jahr konnten 2 Promovierende und ein Postdoc aus Ägypten und aus der Türkei in diesem Programm gefördert werden. Ehemalige und aktuelle Stipendiat/innen Foto: Grüner Stadtverband Hannover Foto: Urban Zintel Foto: rtn, Patrick Becher Belit Onay, ehemaliger Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung, wurde im November 2019 zum Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover gewählt. Zuvor war er seit 2013 Landtagsabgeordneter für B‘90/Die Grünen in Niedersachsen. Hier war er Sprecher für Kommunal-, Netz-, Sportpolitik und Datenschutz und im Innenausschuss, Rechtsausschuss und Ausschuss für Angelegenheiten des Verfassungsschutzes tätig. Nach Hannover hatte es ihn aus seiner Heimatstadt Goslar zum Studium der Rechtswissenschaften gezogen. Annalena Baerbock, ehemalige Stipendia- Luisa Neubauer, ist Mitorganisatorin der Fridays-for-Future-Bewegung in Deutschland und in den Medien die prominenteste Vertreterin der deutschen Bewegung. Seit 2017 ist sie Stipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung. Sie absolvierte 2019 ein Bachelor-Studium der Geographie. Aktuell studiert sie Ressourcenanalyse und -management im Master an der Georg-August-Universität Göttingen. Zusammen mit Alexander Repenning veröffentlichte sie 2019 das Buch «Vom Ende der Klimakrise – Eine Geschichte unserer Zukunft». tin der Heinrich-Böll-Stiftung, ist seit 2018 neben Robert Habeck Bundesvorsitzende von B’90/Die Grünen. Seit 2013 ist sie Bundestagsabgeordnete und war bis 2017 klimapolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Zuvor war sie vier Jahre lang Landesvorsitzende der Brandenburger Grünen. Sie studierte Politikwissenschaft und Völkerrecht in Hamburg und London. Ihr Berufsweg führt sie über Stationen in Straßburg und Brüssel nach Brandenburg und Berlin. Studienwerk – Rückenwind für junge Talente ‣ ‣ ‣ ‣ ‣ ‣ ‣ ‣ ‣ ‣ 48 GreenCampus – Politik erfolgreich machen! GreenCampus – Politik erfolgreich machen! Ob ehrenamtlich aktiv oder Profis – wir qualifizieren Gestalterinnen und Gestalter in der Politik auf kommunaler, Landes- und Bundesebene. Unter dem Dach von GreenCampus vereinen wir dazu das Weiterbildungsprogramm der Heinrich-Böll-Stiftung und ihrer Landesstiftungen. Vom Politikmanagement-Zertifikat vor Ort über Diversity-Workshops in Berlin bis hin zur Onlineplattform KommunalWiki und Webinaren. GreenCampus verantwortet zudem die interne Weiterbildung der Stiftung. Im neuen GreenCampus-Podcast gibt’s was auf die Ohren! Wer politisch was bewegen will, muss wissen wie Menschen ticken, was erfolgreiche Kommunikation ausmacht und wie Organisationen nach vorne kommen. Was ist wichtig? Was gibt’s Neues? Wie machen es andere? Seit November 2019 spricht Christian Neuner-Duttenhofer, Leiter von GreenCampus, in einem Podcast mit Expert/innen und Praktiker/innen. Jeden Monat zu einem anderen Thema, jeweils etwa eine halbe Stunde. In den ersten Folgen geht es um «Resilienz in der Politik», «Strategisches Netzwerken für Frauen» und «Die Kunst des Verhandelns». Alle Folgen gibt es auf der Website von GreenCampus. Anregungen gerne an podcast@greencampus.de. Das KommunalWiki von GreenCampus ist eine Informationsplattform für die Kommunalpolitik und eines Das gesamte Programm und aktuelle ­Angebote unter: www.greencampus.de Grafik: Bente Schipp der erfolgreichsten Webangebote der Stiftung. Doch wie können Inhalte und Aufbereitung noch mehr auf die Bedürfnisse der Nutzer/innen ausgerichtet werden? Wie bekommt man ein besseres Verständnis über das Wissensmanagement aktiver und potentieller Wiki-Nutzer/innen? Mit diesen Fragen ist GreenCampus bereits 2018 in einen Design Thinking-Prozess eingestiegen, um Wiki-Nutzer/innen direkt an der Weiterentwicklung zu beteiligen. Beginnend mit dem zweiten Halbjahr 2019 wurden die wichtigsten Erkenntnisse umgesetzt: Neugestaltung von Startseite und Kategorien, Verbesserung der Suchfunktion und weitere Themenportale (wie «Neu im Rat», «Haushalt» oder «Einführungen in die Grundlagen der Kommunalpolitik»). Mehr unter http://kommunalwiki.boell.de 49 Archiv Grünes Gedächtnis Gründungskongress Die Grünen, Stadthalle Karlsruhe, 12./13.1.1980 Foto: Archiv Grünes Gedächtnis Archivarbeit begreiflich machen Ein wichtiger Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit des Archivs Grünes Gedächtnis sind Archivführungen. Rund 120 Menschen erhielten im vergangenen Jahr einen Blick hinter die Kulissen und lernten die Aufgaben und Tätigkeiten des Archivs Grünes Gedächtnis kennen. In unserem Newsletter informieren wir regelmäßig über unsere Aktivitäten. Weitere Schlaglichter auf unsere Archivbestände und -projekte werfen wir auf unserer Homepage www.boell.de/archiv. Überlieferung sichern und bewahren Im Jahr 2019 hat das Archiv Grünes Gedächtnis rund 45 Bestände und Teilbestände übernommen. Hierbei handelte es sich vor allem um Nachlieferungen der Landesverbände und Bundestagsfraktion. Um diese Archivbestände für die Ewigkeit zu erhalten, sind ein konstantes Magazinklima sowie der Schutz vor Staub und Schädlingen wichtige Faktoren. Eine mehrtägige Magazingrundreinigung und die Implementierung eines Schädlingsmonitorings waren wichtige Bausteine der Bestandserhaltung im Jahr 2019. Bei über 5.000 laufenden Metern Archivgut ist außerdem eine stets aktuelle Standortverwaltung unerlässlich. In einem mehrmonatigen Inventurprojekt wurden hierfür rund 1.600 Standortangaben überprüft und ergänzt, sodass unsere Archivdatenbank nun wieder auf dem aktuellen Stand ist. Quellen zur grünen Geschichte zugänglich machen Das Archiv Grünes Gedächtnis steht allen Interessierten offen. Am Beginn einer wissenschaftlichen Recherche steht in der Regel eine erste telefonische oder schriftliche Kontaktaufnahme. Im Jahr 2019 bearbeitete das Archiv knapp 300 qualifizierte Anfragen. Damit war die Anzahl der Anfragen im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent höher. Ein Grund dafür waren unter anderem zahlreiche Jubiläen: Vom Gründungskongress der Sonstigen Politischen Vereinigung 1979 über den Gründungsparteitag der Grünen 1980 und die Gründung zahlreicher Landes- und Kreisverbände bis zur Gründung der Partei Die Grünen in der DDR 1989/90 und die Formierung der Listenvereinigung Bündnis 90 zur Volkskammerwahl im März 1990. Zu den Serviceleistungen des Archivs Grünes Gedächtnis gehörten hierbei u.a. die Vorabrecherche in unserer rund 80.000 Einträge umfassenden Archivdatenbank sowie die Ermittlung und digitale Bereitstellung einzelner Dokumente wie z.B. Gründungsprotokolle von Kreisverbänden oder auch die Klärung von Bildrechten. Für die eigenständige Recherche sind Archivalien und Bibliotheksgut im Lesesaal einsehbar. Hiervon machten Nutzer/innen auf allen Qualifizierungsniveaus Gebrauch – von der schulischen Facharbeit bis zur Dissertation. Dabei wurden sie fachlich vom Archivteam betreut. Öffnungszeiten des Lesesaals des Archivs: Montag, Freitag Dienstag, Mittwoch Donnerstag 10–15 h 10–17 h geschlossen Archiv Grünes Gedächtnis Das Archiv Grünes Gedächtnis dient der historischen Überlieferung der Partei Bündnis 90/Die Grünen und sammelt Quellen zur Geschichte der Neuen Sozialen Bewegungen. Es ist das Gedächtnis der Partei und zugleich der Ort, an dem Transparenz hergestellt wird. Die Archivbestände werden unter Berücksichtigung der notwendigen Schutzfristen der interessierten Öffentlichkeit und der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung gestellt. 50 Preisverleihungen Preisverleihungen Die Heinrich-Böll-Stiftung vergibt verschiedene Preise und beteiligt sich als Partnerin an weiteren Ehrungen. Die wichtigsten Preise sind der Friedensfilmpreis und der AnneKlein-Frauenpreis sowie alle zwei Jahre der Petra-Kelly-Preis. Dieser wurde 2019 jedoch nicht vergeben. Natascha Nicklaus, Nora Szász und Kristina Hänel Foto: Celebi Linden/Skripietz Fotografie Jerome Kohn (links) und Roger Berkowitz Foto: privat und Doug Menuez Anne-Klein-Frauenpreis 2019 an Natascha Nicklaus, Nora Szász und Kristina Hänel schlecht für die Gesellschaft und ihre Bürger/innen ist – und für das Gemeinwohl zu handeln. Roger Berkowitz, der akademische Direktor des Hannah Arendt Center am Bard College (NY), hat mit der Gründung dieses Zentrums einen Ort geschaffen, an dem Studierende das Denken Hannah Arendts kennenlernen und internationale Wissenschaftler/innen und Politiker/innen über den Kurs der Politik in der Welt von heute streiten. Beide, Jerome Kohn und Roger Berkowitz, haben Arendts Denken lebendig gehalten und ermutigen die nächste Generation, Verantwortung zu übernehmen für das, was in ihrem Namen geschieht. Der Hannah-Arendt-Preis wird von der Stadt Bremen und der Heinrich-Böll-Stiftung vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Jury ehrte die drei Ärztinnen für ihre beharrliche Verteidigung des Informationsrechts von Frauen. Alle drei wurden wegen vermeintlicher Werbung für Schwangerschaftsabbrüche angezeigt. Das wird als Verstoß gegen § 219a Strafgesetzbuch beurteilt. Die Ärztinnen weigern sich, die Information über ihre ärztliche Leistung von ihren Webseiten zu nehmen und führen einen gerichtlichen und öffentlichen Streit um das freie Informationsrecht von Frauen und für die Abschaffung von §219a STGB. Mediziner/innen werden heute von selbsternannten Lebensschützer/innen angezeigt, diffamiert und bedroht; ein Schwangerschaftsabbruch soll wieder im Verborgenen stattfinden. Mit dem AnneKlein-Frauenpreis ehrt die Jury stellvertretend drei Ärztinnen, die dieser Entwicklung Einhalt gebieten und mutig für neue gesetzliche Grundlagen kämpfen. Der Anne-Klein-Frauenpreis wurde zum achten Mal verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert. Hannah-Arendt-Preis 2019 an Jerome Kohn und Roger Berkowitz Der US-amerikanische Wissenschaftler Jerome Kohn wurde dafür ausgezeichnet, dass er Hannah Arendts Werk, insbesondere ihre unveröffentlichten Schriften, einer weltweiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. In Interviews, Artikeln und Vorträgen wies er immer wieder auf Arendts Überzeugung hin, dass es die Bürger/innen in ihrer Hand haben, mit Zuspruch und Widerspruch darüber zu urteilen, was gut und was  Anne-Klein-Frauenpreis: www.boell.de/annekleinfrauenpreis Friedensfilmpreis an den Dokumentarfilm «Espero tua (re)volta» Den Friedensfilmpreis der 69. Berlinale bekam der Dokumentarfilm «Espero tua (re)volta» der brasilianischen Regisseurin Eliza Capai. «Der Preisträgerfilm zieht uns in einen hochaktuellen und universellen Konflikt: den Kampf um Bildung für alle. Die gesellschaftliche Emanzipation der jungen Generation steht für die politische Dimension dieses Kampfes. Der im Kollektiv entstandene Film überzeugt durch seine intelligente Montage und seine originelle Erzählform. Die mitreißende Dynamik des Films inspiriert uns selbst, gewaltfrei gegen den Missbrauch staatlicher Autorität auf die Barrikaden zu gehen», so die Begründung der Jury. Der Preis ist mit 5.000 Euro und einer Plastik des Künstlers Otmar Alt dotiert. 51 Foto: Jan Bitter Stiftungsmanagement Neue Geschäftsführung Steffen Heizmann hat am 1. März 2019 die Geschäftsführung der Heinrich-Böll-Stiftung übernommen. Der Politikwissenschaftler leitete zuvor seit 2009 unsere Abteilung Internationale Zusammenarbeit. Er greift in dieser neuen Funktion auf eine lange und reichhaltige Erfahrung in strategischer Politikberatung und der Gestaltung von Managementprozessen zurück. Entwicklung Die gewachsene politische und gesellschaftliche Verankerung von Bündnis 90/Die Grünen in der Gesellschaft spiegelt sich auch in den steigenden Zuwendungen für unsere Stiftung wider. Im Jahr 2019 waren wir aufgrund von höheren Einnahmen insbesondere in der Lage, unsere politische Bildungsarbeit im Inland auszuweiten. In mehr als 355 Abendveranstaltungen, Tagungen, Konferenzen, Fachgesprächen und Workshops konnten wir unser Konferenzzentrum als lebendiges Diskussionsforum grüner Ideen in der Mitte des politischen Berlins erfolgreich profilieren. Zudem förderte unser Studienwerk aufgrund höherer Zuwendungen in diesem Jahr verstärkt gesellschaftspolitisch engagierte Studierende, die zugleich hervorragende Leistungen im Studium erbringen. Digitalisierung Das Thema Digitalisierung durchzieht nicht nur unsere politische Bildungsarbeit wie ein roter Faden, sondern bestimmt auch wesentlich unseren Stiftungsalltag. Vor diesem Hintergrund arbeitet seit 2019 eine stiftungsübergreifend zusammengesetzte Gruppe aus Mitarbeitenden, die analoge und digitale Organisationsentwicklungsprojekte zusammendenken wollen: von der Neueinführung von Softwareprodukten und Clouddienstleistungen über neue Formen der Zusammenarbeit und des Wissensaustauschs bis hin zur Einführung neuer Arbeitsinstrumente. Um allen Mitarbeitenden Gelegenheit zu geben, sich mit unterschiedlichsten Bereichen der Digitalisierung auseinanderzusetzen, werden regelmäßig kurzweilige Digital Lunchs durchgeführt, in denen sich die Mitarbeitenden gegenseitig über digitale Trends informieren und austauschen. Stiftungsmanagement Die Heinrich-Böll-Stiftung in der Schumannstraße 8 in Berlin 52 Qualifizierung Stiftungsmanagement Um unsere Mitarbeitenden für die ständig wachsenden Herausforderungen zu wappnen, unterstützen wir sie gezielt mit einem sehr umfangreichen Fort- und Weiterbildungsangebot. Schwerpunkte bilden dabei die Förderung von Kreativität und Innovation, um in der politischen Bildungsarbeit zeitgemäße Angebote und Formate entwickeln zu können, die Vermittlung von Führungskompetenzen, der Wissensaufbau im Organisationsmanagement, der Kompetenzerwerb angesichts des digitalen Wandels und nicht zuletzt Trainings zur Verständigung über unsere Gemeinschaftsaufgabe «Teilhabe, Geschlechterdemokratie und Antidiskriminierung». So wurden im Jahr 2019 über 90 Seminare durch unsere Weiterbildungsakademie GreenCampus konzipiert und von rund 700 Teilnehmenden wahrgenommen. Besonderen Anklang fanden dabei Trainings zu Argumentationsstrategien im Umgang mit rechtspopulistischen Äußerungen oder zur Entwicklung von Resilienz. Fast 70 weiteren Mitarbeitenden wurde die Teilnahme an ausgewählten externen Weiterbildungsangeboten ermöglicht, um spezifische Fachkenntnisse zu erwerben oder durch individuelles Coaching den Herausforderungen des Arbeitsalltags besser begegnen zu können. Teilnehmendentage* Teilnehmende gesamt** Rechtliche Grundlagen 91 227 Organisation 117 75 IT-Kenntnisse 136 275 Gender und Diversity 110 55 Kommunikation 102 103 Individuelle Weiterbildungen 149 68 Weiterbildungen gesamt 705 803 * Anzahl der Teilnehmenden × Seminartage (hier werden mehrtägige Seminare mit eintägigen und kürzeren ­verrechnet) ** Hiervon sind 1 Prozent externe Dienstleister/innen oder Zweitent­ sendungen in die Auslandsbüros, die nicht gesondert aufgeführt werden. Organe des Vereins Die Mitgliederversammlung ist das oberste Beschluss- fassungsorgan der Stiftung. Sie setzt sich aus 49 Personen zusammen, davon je vier Personen aus der Bundespartei und der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, je eine Person der 16 Landesstiftungen und 25 weiteren Personen aus dem Kreis der Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung, von denen eine Person dem Europäischen Parlament oder der Europäischen Grünen Partei angehört. Die Wahlperiode für die Mitgliedschaft beträgt vier Jahre. Der Vorstand ist hauptamtlich tätig und umfasst aktuell zwei Personen. Jedes Vorstandsmitglied wird für die Dauer von fünf Jahren von der Mitgliederversammlung gewählt. Das Vorschlagsrecht steht dem Aufsichtsrat zu. Der Vorstand ist im Rahmen der Beschlüsse der Mitgliederversammlung für die Verwirklichung der Ziele der Stiftung verantwortlich. Er ist insbesondere dafür verantwortlich, dass die Verwendung des Stiftungsvermögens und der Stiftung von dritter Seite zufließenden Vermögenswerten durch die Stiftung und ihre Einrichtungen zweckentsprechend und wirtschaftlich erfolgt. Für die Ausführung der laufenden Verwaltung des Vereins ist der Geschäftsführer verantwortlich. Der Aufsichtsrat führt die Aufsicht über die Tätigkeit des Vorstandes. Er besteht aus neun Personen, davon sieben aus den Reihen der Mitgliederversammlung und zwei hauptamtlich Mitarbeitende, die für die Dauer von vier Jahren gewählt werden. Gremien des Vereins • Fachbeirat Gemeinschaftsaufgabe «Teilhabe, Geschlechterdemokratie und Antidiskriminierung» • Fachbeirat Nord-Süd • Fachbeirat Europa/Transatlantik • Fachbeirat Studienwerk Fachbeiräte beraten die Stiftung bei der Verwirklichung der satzungsmäßigen Aufgaben und der Beschlüsse der Mitgliederversammlung. Die Fachbeiräte werden vom Aufsichtsrat auf drei Jahre berufen. Der Mitgliederversammlung steht ein Vorschlagsrecht zu. Die Fachbeiräte berichten der Mitgliederversammlung jährlich über ihre Arbeit. Eine Sonderstellung hat der in der Satzung festgeschriebene Fachbeirat «Teilhabe, Geschlechterdemokratie und Antidiskriminierung». Er wird von der Mitgliederversammlung gewählt und ist ihr gegenüber rechenschaftspflichtig. Vorschlagsrecht haben Mitglieder der Mitgliederversammlung und des Aufsichtsrats. Er setzt sich aus mindestens 12 und höchstens 15 Personen zusammen. Die Frauenquote beträgt mindestens 80 Prozent. 53 Jahresabschluss zum 31. Dezember 2018 Folgend das Prüfurteil des unabhängigen Abschlussprüfers Mazars GmbH & Co. KG vom 25. September 2019: Wir haben den Jahresabschluss des Heinrich-Böll-Stiftung e.V., Berlin, – bestehend aus der Bilanz zum 31. Dezember 2018 und der Gewinn- und Verlustrechnung für das Geschäftsjahr vom 1. Januar 2018 bis zum 31. Dezember 2018 sowie dem Anhang, einschließlich der Darstellung der BiIanzierungs- und Bewertungsmethoden – geprüft. Darüber hinaus haben wir den Lagebericht des Heinrich-Böll-Stiftung e.V., Berlin, für das Geschäftsjahr vom 1. Januar 2018 bis zum 31. Dezember 2018 geprüft. Nach unserer Beurteilung aufgrund der bei der Prüfung gewonnenen Erkenntnisse Gemäß § 322 Abs. 3 Satz 1 HGB erklären wir, dass unsere Prüfung zu keinen Einwendungen gegen die Ordnungsmäßigkeit des Jahresabschlusses geführt hat. Ohne diese Beurteilung einzuschränken, weisen wir darauf hin, dass im Berichtsjahr nicht alle in den konsolidierten Jahresabschluss einbezogenen Auslandsbüros durch einen gesetzlichen Jahresabschlussprüfer nach dem jeweiligen Landesrecht einer Jahresabschlussprüfung unterzogen worden sind. Gemäß den in 2016 und 2017 überarbeiteten Richtlinien des BMZ und des AA für die Förderung entwicklungswichtiger Vorhaben der politischen Stiftungen können Kosten für unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Projektländern künftig nur noch in begründeten Ausnahmefällen oder im Falle entsprechender Iandesrechtlicher Vorschriften übernommen werden. Der Verein hat diese Büros einer internen Prüfung unterzogen, von deren Wirksamkeit wir uns überzeugt haben. Stiftungsmanagement • entspricht der beigefügte Jahresabschluss in allen wesentlichen Belangen den deutschen handelsrechtlichen Vorschritten und vermittelt unter Beachtung der deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens- und Finanzlage der Stiftung zum 31. Dezember 2018 sowie ihrer Ertragslage für das Geschäftsjahr vom 1. Januar 2018 bis zum 31. Dezember 2018 und • vermittelt der beigefügte Lagebericht insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage des Vereins. In allen wesentlichen Belangen steht dieser Lagebericht in Einklang mit dem Jahresabschluss, entspricht den deutschen gesetzlichen Vorschritten und stellt die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend dar. TuWas-Stiftung Die TuWas-Stiftung für Gemeinsinn wurde 2013 mit großem ehrenamtlichem Engagement der Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung gegründet. Im Jahr 2019 förderte TuWas die Redaktionsarbeit des 2017 gegründeten deutsch-arabischen Kulturmagazins FANN , das derzeit 127 freie Mitarbeiter/innen in 17 Ländern beschäftigt. Das Magazin bietet eine Plattform für Intellektuelle und Künstler/innen aller Sparten aus dem deutsch- und arabischsprachigen Raum und beleuchtet die Interferenzen zwischen künstlerischen Arbeiten und aktuellen politischen Themen. Seit 2019 besorgt TuWas die Geschäfte für die Stiftung Frauen in Europa. Durch diese Zusammenarbeit kann noch mehr bewegt werden! Gemeinsam fördern wir verschiedene kleine und große Projekte im In- und Ausland, darunter ein Projekt zum Empowerment von Frauen in ländlichen Gebieten in Bosnien-Herzegowina und ein Frauen-Filmfestival in der Türkei. Ihre Spenden und Zustiftungen ermöglichen uns die Unterstützung weiterer wichtiger Projekte. → Mehr unter www.tuwasstiftung.de und im beiliegenden Infoflyer. Kulturmagazin FAAN: https://www.fann-mag.com/de/ Stiftungsmanagement 54 Finanzielle Rahmenbedingungen der Stiftungsarbeit Geschäftsbetrieb der Weiterbildungsakademie Green Die Heinrich-Böll-Stiftung ist als eingetragener Ver- Campus. ein beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg registriert und vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt. Transparenz Ihre Arbeit finanziert sich zum überwiegenden Teil Es ist uns besonders wichtig, über die Verwendung der aus öffentlichen Zuwendungen. Der zentrale Baustein uns zur Verfügung stehenden Mittel transparent zu unserer Finanzierung sind die sog. Globalmittel, die informieren. Wir gehen daher über die gesetzlich vorder Bundestag im Haushalt des Bundesministeriums geschriebenen Berichtspflichten hinaus. So haben wir des Innern für die Arbeit politischer Stiftungen zur uns der Initiative Transparente Zivilgesellschaft angeVerfügung stellt. Über die Verwendung der Global- schlossen und zur Einhaltung eines Verhaltenskodexes mittel kann die Stiftung zur Erfüllung ihrer satzungs- zur Verhinderung von Korruption verpflichtet. Zudem gemäßen Aufgaben weitgehend frei entscheiden. Mit erstellen wir freiwillig einen finanziellen Jahresbericht ihnen werden zum Beispiel Seminare, Tagungen und in Anlehnung an die Vorgaben des Handelsgesetzbuches, Kolloquien durchgeführt oder Forschungsvorhaben den wir von einer unabhängigen Wirtschaftsprüfgesellfinanziert etc. Globalmittel sind für die Stiftung von schaft bestätigen lassen. besonderer Bedeutung, weil mit ihnen auch allgemeine Verwaltungskosten finanziert werden können – wie Finanzieller Jahresbericht etwa Personalkosten der Dienstleistungsabteilungen Bei der hier veröffentlichten Übersicht der jährlichen und die Unterhaltung unserer Bürogebäude. Zusätzlich Einnahmen und Ausgaben der Stiftung handelt es sich um erhält die Stiftung Projektmittel, die nur für den jeweils vorläufige Zahlen, von denen sich die endgültigen aber vereinbarten Zweck verausgabt werden dürfen (z. B. nur geringfügig unterscheiden werden. Der endgültige für die Auslandsarbeit oder die Studien- und Promo- Bericht mit Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung tionsförderung). Die Projektmittel werden durch Ver- kann erst erstellt werden, nachdem die Jahresabschlüsse waltungskostenzuschüsse (VKZ) ergänzt, die ähnlich unserer Büros im Ausland erstellt und von lokalen Wirtwie Globalmittel eingesetzt werden können. schaftsprüfgesellschaften geprüft worden sind. Er wird Neben den öffentlichen Zuwendungen hat der Ver- voraussichtlich im September 2020 auf unserer Webein Heinrich-Böll-Stiftung auch Einnahmen aus Mit- seite veröffentlicht werden (www.boell.de/de/stiftung gliedsbeiträgen, Spenden und dem wirtschaftlichen -leitbild-initiative-transparente-zivilgesellschaft). Sonstige Einnahmen Drittmittel 0,41 % Drittmittel 0,09 % 0,41 % Sonstige Einnahmen Globalmittel/ 0,09 % Verwaltungskostenzuschüsse Investitionen Globalmittel/ Verwaltungskostenzuschüsse 32,84 % 32,84 % 1,01 % Sachkosten Personalkosten Sonstige 0,72 % Sonstige 27,75 % 6,78 % Politische Bildung Politische Bil Inland Inland Personalkosten Ausgaben Ausgaben 69.527.894 Euro 69.527.894 Euro Einnahmen Einnahmen 71.655.055 Euro 71.655.055 Euro Projektmittel Bundesregierung und EU Sachkosten 1,01 % 0,72 %% 4,21 6,78 % 27,75 % 66,66 % 4,21 % Investitionen 66,66 % Projektmittel Bundesregierung und EU 43,44 % 16,09 % Stipendien Einnahmen 2019 Die Einnahmen der Stiftung haben sich 2019 um ca. 4,6 Prozent erhöht, was insbesondere auf höhere Einnahmen aus Globalmitteln, aber auch auf zusätzliche Mittel für die internationale Arbeit und die Studien- und Promotionsförderung in Deutschland zurückzuführen ist. Auch stiegen die Einnahmen aus Drittmitteln im internationalen Bereich, insbesondere für die Arbeit zum Klimawandel. Ausgaben 2019 16,09 % Stipendien Internationale Tätigkeit Etwa zwei Drittel der Ausgaben der Stiftung (ca. 46,1 Millionen Euro) flossen 2019 in die inhaltliche Arbeit sowie die Studien- und Promotionsförderung. Dieser Anteil wächst auf ca. 87 Prozent, wenn die Personalkosten der inhaltlich arbeitenden Mitarbeiter/innen der Stiftung berücksichtigt werden. Die verwaltungsbezogenen Sachausgaben steigen leicht an, ebenso die Ausgaben für Investitionen und Sonderprojekte. 43,44 % International Tätigkeit 55 Vorläufige Einnahmen-Ausgaben-Rechnung 2019* Berichtsjahr vom 1. Januar bis 31. Dezember 2019 (Stand 6. März) 2019 2018 23.531.746 21.771.254 36.760.032 36.204.203 30.833.614 30.169.673 AA 5.768.658 5.729.716 EU 21.605 202.657 136.155 102.158 Studienwerk 11.164.172 10.275.562 BMBF 10.091.792 9.403.116 1.051.910 850.355 20.470 22.091 133.687 132.893 65.417 118.530 71.655.055 68.502.443 Fachausgaben 1.855.659 1.576.051 Weiterleitungen an die Landesstiftungen 2.859.401 2.736.913 Internationale Zusammenarbeit 30.199.786 30.244.591 Studienwerk 11.164.172 10.275.562 EU 21.605 202.657 Drittmittel 47.142 17.590 19.296.163 18.108.149 2.930.599 2.761.003 Investitionen 699.245 531.667 Sonstiges 454.122 383.841 Summe der Ausgaben 69.527.894 66.838.024 Jahresergebnis 2.127.484 1.664.418 Vereinseinnahmen 248.355 182.071 Vereinsausgaben 212.921 171.240 Vereinsergebnis 35.434 10.832 Einnahmen Globalmittelhaushalt** Internationale Zusammenarbeit BMZ Sonstige/Drittmittel IZ AA Sonstige Drittmittel Inland Sonstiges Summe der Einnahmen Projektmittelausgaben Personal (Gehälter inkl. Leitungen Auslandsbüros) Sachausgaben * alle Zahlen in Euro ** einschließlich des Mittelübertrages aus dem Vorjahr BMZ: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, AA: Auswärtiges Amt, BMBF: Bundesministerium für Bildung und Forschung Stiftungsmanagement Projektmittel 56 Internationale Zusammenarbeit 2019 6,52 % Themenreferate 14,63 % Afrika 33,47 % 16,10 % Europa Asien 2019 13,06 % Lateinamerika 16,22 % Nahost und Nordafrika Stiftungsmanagement Demokratie, Kultur, Gesellschaftspolitik, Zeitgeschichte / Digitale Gesellschaft Internationale 5,92 % Zusammenarbeit 31,72 % 28,32 % Institute (Archiv Grünes Gedächtnis, Grüne Akademie, GreenCampus, Gunda-Werner-Institut) Ausgaben 1.855.658 Euro 9,04 % Publikationen / Öffentlichkeitsarbeit 15,12 % Nachhaltigkeit, Ökonomie, Kommunales/ Ökologische Wende Promovierende/ Postdocs 9,88 % Bildung, Soziales, Migration / Soziale Teilhabe 227 Promovierende BMBF 205 Personen 1370 1143 Studierende Politische Bildung Inland 2019 Für die politische Bildungsarbeit im Inland hat die Heinrich-Böll-Stiftung 1.855.658 Euro aus Globalmitteln und Drittmitteln verausgabt. Diese Gelder flossen in die Projektarbeit (Veranstaltungen, Publikationen, Dossiers). Die prozentuale Verteilung der Mittel auf die Themen ist aus der Grafik ersichtlich. Außerdem wurden Fachmittel für Projekte der Weiterbildungsakademie GreenCampus und der Grünen Akademie sowie für die Herausgabe von Büchern verausgabt. Zudem leitete die Stiftung im Jahr 2019 rund 2,86 Millionen Euro für die regionale politische Bildungsarbeit an die Landesstiftungen weiter. Stipendien und Projektmittel des Studienwerks nach Mittelgebern 2019 Studierende AA 67 Die Projektmittel für die Internationale Zusammenarbeit (IZ) betrugen 2019 rund 36,5 Millionen Euro. Im Jahr 2019 wurden auf etwa gleich hohem Niveau wie im Vorjahr Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit für entwicklungswichtige Vorhaben weltweit eingesetzt, insgesamt rund 28,8 Millionen Euro. Für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern standen im Vergleich zu 2018 ca. 270.000 Euro weniger zur Verfügung, insgesamt rund 770.000 Euro. Die Mittel der Sonderinitiative «Transformationspartnerschaften» und «Fluchtursachen bekämpfen» gingen wie in den Vorjahren für Projekte nach Marokko und Tunesien sowie in den Libanon und nach Jordanien. Im Rahmen der Sonderinitiative «Eine Welt ohne Hunger» wurden Projekte in Kenia fortgeführt. Hinzugekommen sind weitere Mittel (Sonderinitiative «Fluchtursachen …»), die für Projekte in der Türkei zur Verfügung gestellt werden konnten. Die Mittel für die Sonderinitiativen betrugen insgesamt rund 1,2 Millionen Euro. Die Stiftung erhielt vom Auswärtigen Amt (AA) wie im Vorjahr rund 5,2 Millionen Euro zur Förderung gesellschaftspolitischer Vorhaben. Zusätzlich wurden der Stiftung AA-Sondermittel gewährt für Aktivitäten in Tunesien, Marokko und Belarus, insgesamt rund 500.000 Euro. 22 Personen 1370 Promovierende/ Postdocs AA 1076 Studierende BMBF Das Studienwerk der Heinrich-Böll-Stiftung erhält Zuwendungen aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und aus dem Auswärtigen Amt (AA). Im Jahr 2019 konnten insgesamt 1.370 Stipendiatinnen und Stipendiaten gefördert werden, davon 1.143 Studierende und 227 Promovierende. 350 deutsche und internationale Studierende und Promovierende konnten 2019 neu in die Förderung aufgenommen werden. 57 Inlandsbeschäftigte (Vollzeitäquivalente) nach Abteilungen Betriebsrat Internationale Mitarbeitende Zusammenarbeit mit befristeten Arbeitsverträgen divers 1 193 weiblich 276 21,12 234 ännlich Mitarbeitende mit befristeten Arbeitsverträgen 1 männlich 4 62weiblich 193 weiblich 20,66 7,79 Festangestellte Mitarbeitende 5 276 234 Personal IT/Technische Dienste 27,30 Studienwerk Politische Bildung Inland 172 Festangestellte Mitarbeitende 234 Arbeitszeit der Inlandsbeschäftigten davon TZ bis 50 % der vollen Arbeitszeit 10 davon TZ mit mehr als 50 % der vollen Arbeitszeit Inanspruchnahme der Elternzeit Finanzen 12,77 19,93 62 82 172 männlich Kommunikation 14,67 * Aggregierte Vollzeitstellen 31.12.2019 Archiv Grünes Gedächtnis divers 82 VS/GF zugeordnete Organisationseinheiten Festangestellte Mitarbeitende Summe 192,87 Vollzeitstellen* 5,78 1 Vorstand/Geschäftsführung (VS/GF) 172 männlich Beschäftigungsverhältnis der Inlandsbeschäftigten 3,00 56,90 62 82 Mitarbeitende mit befristeten Arbeitsverträgen 2,95 Vollzeitbeschäftigte 85 1 1 männlich ch 4 Vollzeit (VZ): 115 Teilzeit (TZ): 119 weiblich 5 davon studentische TZ-Beschäftigte 24 Altersstruktur der ins Ausland Entsandten 0 Altersstruktur der Inlandsbeschäftigten 8 bis 25 Jahre bis 25 Jahre über 55 Jahre über 55 Jahre 26 bis 35 Jahre 12 8 54 59 234 42 8 46 bis 55 Jahre 26 bis 35 Jahre 14 36 bis 45 Jahre 54 46 bis 55 Jahre 59 36 bis 45 Jahre Stiftungsmanagement Inlandsbeschäftigte und ins Ausland entsandte Mitarbeitende 58 Gremien (Stand 31. Dezember 2019) Gremien (Stand 31. Dezember 2019) Mitgliederversammlung Mitglieder Grüne Akademie Jan Phillip Albrecht – MdEP Ferda Ataman Bettina Backes Carlos Becker Martin Berger Marianne Birthler Antje von Broock Agnieszka Brugger Reinhard Bütikofer – MdEP Claudia Dalbert Katja Dörner – MdB Stephan Ertner Stefan Gelbhaar – MdB Christa Goetsch Paula Grobbecker Kübra Gümüsay Britta Haßelmann Joachim Heinlein Anna Heyer-Stuffer Andrea Hoops Lamya Kaddor Dr. Serhat Karakayali Michael Kellner Ulrich Khuon Katrin Langensiepen – MdEP Lotte Leicht Sylvia Löhrmann Christiane Ludwig Gesine Märtens Uta Meier-Gräwe Alexander Müller Klaus Müller Mona Neubaur Konstantin von Notz Dr. Tamara Or Katrin Rönicke Krista Sager Dirk Scheelje Norbert Schellberg Ute Schmidt Gertrud Schmidt Imme Scholz Ulrich Schreiber Prof. Dr. Tine Stein Stefan Tidow Gerhard Timm Sabine Toppe Henriette Wägerle Prof. Dr. Michael Zürn Prof. Dr. Gabriele Abels Tarek Al-Wazir – MdL Birgitt Bender Prof. Dr. Mechthild Bereswill Felix Beutler PD Dr. Thomas Biebricher Marianne Birthler Prof. Dr. Ingolfur Blühdorn Prof. Dr. Angelo Bolaffi Prof. Dr. Christina von Braun Prof. Dr. Claudia von Braunmühl Sandra Brunsbach Prof. Dr. Hubertus Buchstein Prof. Dr. Heinz Bude Reinhard Bütikofer – MdEP Prof. Dr. Marius Busemeyer Prof. Dr. Thomas Christaller Dr. Anna Christmann – MdB Prof. Dr. Dr. Michael Daxner Prof. Dr. Simone Dietz Dr. Thea Dückert Dr. Petra Eggers Dr. Christoph Egle Rainer Emschermann Jan Engelmann Anke Erdmann Stephan Ertner Prof. Dr. Adalbert Evers Prof. Dr. Rainer Forst Georgia Franzius Ralf Fücks Anna Katharina Gebbers Kai Gehring – MdB Prof. Dr. Brigitte Geißel Karsten Gerlof Prof. Dr. Arnim von Gleich Stephanie Gleißner Adrienne Goehler Cristina Gómez Barrio Prof. Dr. Stefan Gosepath Prof. Dr. Sigrid Graumann Prof. Dr. L. Horst Grimme Melanie Haas Dr. Robert Habeck – MdB Anja Hajduk Rebecca Harms – MdEP a. D. Dr. Dietrich Herrmann Prof. Dr. Lisa Herzog Dr. Paula Marie Hildebrandt Imma Hillerich Richard Hilmer Prof. Dr. Jeanette Hofmann Andrea Hoops Prof. Dr. Rahel Jaeggi Pico Jordan Arne Jungjohann PD Dr. Otto Kallscheuer Petra Kirberger Johannes Kode Sibylle Knapp Michael Knoll Prof. Dr. Regina Kreide Prof. Dr. Georg Krücken Prof. Dr. Rainer Kuhlen Prof. Dr. Bernd Ladwig Dr. Birgit Laubach PD Dr. Susanne Lanwerd Dr. Adriana Lettrari Prof. Dr. Bertram Lomfeld Prof. Dr. Reinhard Loske Dr. Linda-Marie Ludwig Dr. Willfried Maier Nicole Maisch Christoph Meertens Ole Meinefeld Prof. Dr. Christoph Menke Christin Melcher Sebastian Metzger Prof. Jan Christoph Minx, PhD Prof. Dr. Christoph Möllers Claudia Müller – MdB Dr. Ella Müller Prof. Dr. Jochen Müller Dr. Melanie Müller Rita Müller-Hilmer Dr. Michael Münter Dr. Carsten Neßhöver Mona Neubaur Dr. Gero Neugebauer Prof. Dr. Christian Neuhäuser Stipendiatische Vertreter/innen Johanna Holzer Laura Worsch Aufsichtsrat Ute Brümmer Christa Goetsch Britta Haßelmann Anna Heyer-Stuffer Michael Kellner Alexander Müller Ingrid Spiller Prof. Dr. Tine Stein Prof. Dr. Michael Zürn Gemeinschaftsaufgabe Teilhabe, Geschlechterdemokratie und ­Antidiskriminierung Gesine Agena Dr. Kristin Bergmann Dr. Laura Dornheim Dr. Dan Ghattas Kübra Gümüsay Özcan Karadeniz Filiz Keküllüoglu Prof. Dr. Gritt Klinkhammer Prof. Dr. Ilse Lenz i. R. Stefanie Lohaus Terry Reintke Andrea Schirmacher Dr. Dag Schölper Malti Taneja Dr. Iris Werner Koordinationsgremium des Freundeskreises Antje von Brook Marie Luise von Halem Dr. Ralph Obermauer Prof. Dr. Claus Offe Prof. Dr. Konrad Ott Michael Pelke Prof. Dr. Arnd Pollmann Dr. Andreas Poltermann Ramona Pop Prof. Dr. Ulrich K. Preuß Prof. Dr. Lothar Probst Prof. Dr. Dr. Franz J. Radermacher Prof. Dr. Juliane Rebentisch Dieter Rulff Prof. Dr. Thomas Rixen Krista Sager Philipp Sälhoff Prof. Dr. Thomas Saretzki Manuel Sarrazin – MdB Prof. Dr. Birgit Sauer Sebastian Schaffer Joscha Schmierer Prof. Dr. Thomas Schramme Dr. Christine Schwarz Stephan Schilling Dr. Simone Schwanitz Dr. Kirsten Selbmann-Lobbedey Prof. Dr. Sandra Seubert Peter Siller PD Dr. Rudolf Speth Prof. Dr. Tine Stein Prof. Dr. Richard Stöss PD. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn Dr. Niko Switek Rena Tangens Dr. Thorsten Thiel Stefan Tidow Dr. Ellen Ueberschär Prof. Dr. Berthold Vogel Sybille Volkholz Prof. Dr. Christiane Voss Mathias Wagner – MdL Prof. Dr. Gabriele Wilde Prof. em. Helmut Wiesenthal Prof. Dr. Michael Zürn Fachbeirat Europa /Transatlantik Dr. Eltje Aderhold Dr. Annegret Bendiek Olaf Böhnke Sarah Brockmeier Agnieszka Brugger Reinhard Bütikofer Rainer Emschermann Silja Klepp Kai-Olaf Lang Dr. Silke Lechner Tobias Münchmeyer Winfried Nachtwei Cem Özdemir Dr. Martin Rocholl Rüdiger Rossig Michaele Schreyer Dr. Daniela Schwarzer Jan Seifert Rainder Steenblock Viola von Cramon Elisabeth Weber Dr. Anna Veronika Wendland Thorsten Wetzling Fachbeirat Nord-Süd Dr. Muriel Asseburg Dr. Achim Brunnengräber Anna Cavazzini Kristina Dietz Pegah Edalatian Prof. Dr. Ulf Engel Thilo Hoppe Uwe Kekeritz Dr. Katrin Kinzelbach Dr. Michael Krempin Lotte Leicht Daniel Mittler Melanie Müller Dr. Imme Scholz Dr. Anja Senz Fachbeirat Studienwerk Prof. Dr. Gabriele Abels PD Dr. Stefan Böschen Kai Gehring – MdB Prof. Dr. Kristina Giesel Andrea Hoops Prof. Dr. Peer Pasternack Prof. Dr. Manuel Pietzonka Eva Plonske Simone Probst Prof. Dr. Marco Rieckmann Krista Sager Dr. Ruth Seidl Dr. Anja Thiem Stipendiatische Vertreter/innen Banu Cicek Tülü Till Gierlich Auswahlkommission Studienwerk Prof. Dr. Gabriele Abels Prof. Dr. Hartmut Aden Prof. Dr. Viola Balz Dr. Thilo Becker Dr. Florian Bernstorff Prof. Dr. Andrea Blunck Dr. Manuela Böhm Paula Bradish Prof. Dr. André Brodocz Prof. Dr. Holger Buck Prof. Dr. Stephan Bundschuh Dr.-Ing. Karsten Burges Dr. Sebastian Büttner Dr. Johannes Dafinger Dr. Marco Dräger Prof. Dr. Anke Fesenfeld Prof. Dr. Juliane Filser Dr. Angela Francke Dr. Nadin Fromm Johannes Geibel Dr. Daniela Gottschlich Dr. Mareike Gronich Prof. Dr. Gerd Grözinger Prof. Dr. Julia Hauser Prof. Dr. Jan Christoph Heemann-Minx Marie Heidenreich Prof. Dr. Julius Heinicke Dr. Jutta Helm Dr. Manja Hußner Dr. Caspar Moritz Hütten Nastasja Ilgenstein Prof. Dr. Omar Kamil Dr. Nele Nicole Kampa Prof. Dr. Vera Kirchner Prof. Dr. Claudia Kraft Dr. Franziska Krumwiede-Steiner Dr. Nora Krzywinski Prof. Dr. Margitta Kunert-Zier Dr. Ilka Lennertz Klaus Linsenmeier Dr. Daniel Lübbert Dr. Alexandra Lübcke Dr. Sandra Maß Prof. Dr. Birgit Meyer Prof. Dr. Ursula Neumann Ann-Kathrin Neureuther Dr. Benno Nietzel Dr. Ipek Ölcüm Dr. Lars Ostermeier Dr. Norbert Paulo Annika Maria Philipps Dr. Jana Pinosová Vera Rabelt Tim Rauschan Prof. Dr. Thomas Rixen Prof. Dr. Mieke Roscher Dr. Renate Ruhne Dr. Arn Thorben Sauer Dr. Bianca Schemel Jörg Schreiber Dr. Christine Schwarz Dr. Ruth Seidl Simon Sinsel Eva Stadler Steffen Stadler Prof. Dr. Lieselotte Steinbrügge Prof. Dr. Grit Straßenberger Malti Taneja Prof. Dr. Sabine Toppe Prof. Dr. Hans-Jürgen von Wensierski Andreas Wagner Sarah Weltecke Prof. Dr. Kirsten Wiese Dr. Susann Worschech Dr. Marianne Zepp 59 Aachen Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, Prof. Dr. Stefan Böschen; Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, Dr. Martina Roß-Nickoll Augsburg Universität Augsburg, Prof. Dr. Christoph Weller Bamberg Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Prof. Dr. Astrid Schütz Bayreuth Universität Bayreuth, Prof. Dr. Erdmute Alber; Universität Bayreuth, Prof. Dr. ­Stefan Peiffer Bergheim k.A., Dr. Dani Kranz Berlin Akademie der Künste, Dr. Angela Lammert; Alice Salomon Hochschule Berlin, Prof. Dr. Sabine Toppe; Beuth Hochschule für Technik Berlin, Prof. Dr. Anne König; Freie Universität Berlin, Dr. Achim Brunnengräber; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Barbara Fritz; Freie Universität Berlin, Dr. Michaela Haase; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Cilja Harders; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Bernd Ladwig; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Margreth Lünenborg; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Thomas Rixen; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Britta Tietjen; Hertie School of Governance, Prof. Dr. Jan Christoph Heemann-Minx; HMKW – Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft, Prof. Dr. Markus Ziener; Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Prof. Dr. Florian Koch; Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Prof. Dr. Rosemarie Morana; Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Prof. Dr. Hartmut Aden; Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Prof. Dr. Heike Wiesner; Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Beate Binder; Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Claudia Bruns; Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Marcelo Caruso; Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Beate Meffert; Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Christoph Schneider; Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Anna Dorothea Schulze; Institut für Zeitgeschichte, Dr. Susanne Heim; k.A., Prof. Dr. Werner Konitzer; Technische Universität Berlin, Prof. Dr. Nina Langen; Technische Universität Berlin, Dr. Tilman Santarius; Universität der Künste Berlin, Elzbieta Sternlicht Bielefeld Fachhochschule Bielefeld, Prof. Dr. Cornelia Giebeler; Universität Bielefeld, Prof. Dr. Paul Mecheril; Universität Bielefeld, Dr. Benno Nietzel Bochum Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Viktoria Däschlein-Geßner; Ruhr-Universität Bochum, Dr. Matthias Falke Braunschweig Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Prof. Dr. Wolfgang Jonas; Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Prof. Dr. Rolf Nohr; Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, Prof. Dr. Petra Mischnick; Technische Universität CaroloWilhelmina zu Braunschweig, Prof. Dr. Bettina Wahrig Bremen Hochschule für Öffentliche Verwaltung Bremen, Prof. Dr. Kirsten Wiese; k.A., Dr. Marc Buggeln; Universität Bremen, Prof. Dr. Karin Gottschall; Universität Bremen, Dr. Sabine Horn; Universität Bremen, Prof. Dr. Michi Knecht; Universität Bremen, Prof. Dr. Frank Nullmeier; Universität Bremen, Prof. Dr. Konstanze Plett; Universität Bremen, Prof. Dr. Maike Vollstedt Chemnitz Technische Universität Chemnitz, Prof. Dr. Cecile Sandten Coburg Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg, Prof. Dr. Julius Heinicke Darmstadt Technische Universität Darmstadt, Dr. Renate Ruhne Dresden Evangelische Hochschule Dresden (FH), Prof. Dr. Marlies Fröse; Technische Universität Dresden, Prof. Dr. Uta Berger; Technische Universität Dresden, Prof. Dr. Anja Besand; Technische Universität Dresden, Prof. Dr. Gerd Schwerhoff Düsseldorf Hans-Böckler-Stiftung, Dr. Michaela Kuhnhenne; Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Prof. Dr. Simone Dietz; Kunstakademie Düsseldorf, Prof. Dr. Ludger Schwarte Eberswalde Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH), Prof. Dr. Hans Peter Benedikt; Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH), Prof. Dr. Pierre Ibisch Erfurt Universität Erfurt, Prof. Dr. Omar Kamil; Universität Erfurt, Prof. Dr. Jamal Malik Erlangen Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Prof. Dr. Kristina Giesel Essen Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Anja Weiß Esslingen Hochschule Esslingen, Prof. Dr. Birgit Meyer Flensburg Europa-Universität Flensburg, Prof. Dr. Gerd Grözinger; Europa-Universität Flensburg, Prof. Dr. Christine Thon Frankfurt (Oder) Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Prof. Dr. Timm Beichelt; Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Dr. Susann Worschech Frankfurt am Main Frankfurt University of Applied Sciences, Prof. Dr. Margrit Brückner; Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main, Prof. Dr. Christoph Menke Freiburg Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE, Dr. Jan Christoph Goldschmidt; Hochschule Macromedia für angewandte Wissenschaften, Prof. Karin Jobst; Albert-LudwigsUniversität Freiburg im Breisgau, Dr. Sylvia Kruse; k.A., Prof. Dr. Carla Rosendahl; AlbertLudwigs-Universität Freiburg im Breisgau, Prof. Dr. Anke Weidlich Friedrichshafen Zeppelin Universität – Hochschule zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik, Dr. Nadine Meidert Fulda Hochschule Fulda – University of Applied Sciences, Prof. Dr. Susanne Dern Gießen Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Dr. Jörn Ahrens; Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Dr. Encarnacion Gutierrez Rodriguez; Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Dr. Regina Kreide Göttingen Georg-August-Universität Göttingen, Prof. Dr. Nicolai Miosge Greifswald Universität Greifswald, Prof. Dr. Susanne Stoll-Kleemann; Universität Greifswald, Prof. Dr. Christine Tamásy Halle Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Prof. Frithjof Meinel; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Thomas Bremer; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Isabell Hensen; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Dr. Insa Kühling; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Dr. Christiane Lähnemann Hamburg HafenCity Universität Hamburg, Prof. Dr. Gesa Ziemer; Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Prof. Dr. Louis Henri Seukwa; Hochschule für Bildende Künste Hamburg, Prof. Dr. Friedrich von Borries; Universität Hamburg, Prof. Dr. Andrea Blunck; Universität Hamburg, Prof. Dr. Sina Farzin; Universität Hamburg, Dr. Nina Feltz; Universität Hamburg, Prof. Dr. Ursula Neumann; Universität Hamburg, Prof. Dr. Kai-Uwe Schnapp Hannover FOM Hochschule für Oekonomie & Management, Prof. Dr. Manuel Pietzonka; Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Prof. Dr. Christine Hatzky; Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Prof. Dr. Brigitte Reinwald Heidelberg Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Dr. Anna Elisabeth Growe; Ruprecht-KarlsUniversität Heidelberg, Prof. Dr. Christiane Schwieren Hildesheim Universität Hildesheim, Prof. Dr. Ursula Bredel Höxter Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Prof. Dr. Klaus Maas Ilmenau Technische Universität Ilmenau, Prof. Dr. Johann Reger Iserlohn University of Applied Sciences Europe – Iserlohn, Berlin, Hamburg, Prof. Dr. Thomas Meuser Jena Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Prof. Dr. Wolfgang Behlert; Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Prof. Dr. Thomas Sauer; Friedrich-Schiller-Universität Jena, Prof. Dr. Stephan Lorenz Kaiserslautern Hochschule Kaiserslautern, Prof. Hendrik Speck; Technische Universität Kaiserslautern, Prof. Dr. Michael Hassemer Karlsruhe Karlsruher Institut für Technologie, Prof. Dr. Norbert Willenbacher; Pädagogische Hochschule Karlsruhe, Dr. Manuela Böhm Kassel Universität Kassel, Dr. Franziska Müller; Universität Kassel, Prof. Dr. Christoph Scherrer Kleve Hochschule Rhein-Waal, Prof. Dr. Helmut Prior Koblenz Universität Koblenz-Landau, Dr. Florian Bernstorff; Universität Koblenz-Landau, Heide Gieseke Köln Universität zu Köln, Prof. Dr. Boris Braun Konstanz Universität Konstanz, Prof. Dr. Marius Busemeyer; Universität Konstanz, Prof. Dr. ­Rainer Kuhlen; Universität Konstanz, Dr. Oliver Trevisiol Leipzig Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, Prof. Dr. Gabriele Hooffacker Ludwigsburg Evangelische Hochschule Ludwigsburg, Prof. Bettina Heinrich Lüneburg Leuphana Universität Lüneburg, Prof. Dr. Dawid Govinda Friedrich; Leuphana Universität Lüneburg, Prof. Dr. Maria-Eleonora Karsten; Leuphana Universität Lüneburg, Prof. Dr. Peter Pez Magdeburg Hochschule Magdeburg-Stendal, Prof. Dr. Maureen Maisha Auma; Otto-vonGuericke-Universität Magdeburg, Prof. Dr. Thorsten Unger; Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Prof. Dr. Gerald Warnecke Mainz Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Markus Höffer-Mehlmer; Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Peter Kiefer; Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Wolfgang Riedel; Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Constantin Wagner Mannheim Universität Mannheim, Prof. Dr. Angela Keppler Marburg Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Susanne Maurer München Hochschule für angewandte Wissenschaften München, Prof. Dr. Constance Engelfried; Katholische Stiftungshochschule München, Prof. Dr. Markus Babo; Ludwig-Maximilians-Universität München, PD Dr. Tobias Benedikt Hank; Ludwig-Maximilians-Universität München, Dr. Kornelia Konczal; Ludwig-Maximilians-Universität München, Prof. Dr. Reinhard Markowetz; Ludwig-Maximilians-Universität München, Prof. Dr. Kerstin Pinther; Ludwig-Maximilians-Universität München, Dr. Mandy Tröger; Ludwig-Maximilians-Universität München, Dr. Verina Wild; Technische Universität München, Prof. Dr. Oliver Alexy; Max-Planck-Institut für Physik, Dr. Caspar Moritz Hütten München/Neubiberg Universität der Bundeswehr München, Prof. Dr. Franz Kohout Münster Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Dr. Harry Mönig; Westfälische WilhelmsUniversität Münster, Prof. Dr. Gabriele Wilde Neubrandenburg Hochschule Neubrandenburg, Prof. Dr. ­Claudia Steckelberg Oldenburg Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Prof. Dr. Bernd Siebenhüner Osnabrück Universität Osnabrück, Dr. Jens Schneider; Universität Osnabrück, Prof. Dr. Helen Schwenken Passau Universität Passau, Prof. Dr. Christian Thies Potsdam Fachhochschule Potsdam, Dr. Ellen Euler; Universität Potsdam, Prof. Dr. Joachim Gessinger; Universität Potsdam, Prof. Dr. Vera Kirchner; Universität Potsdam, Dr. Ines Sonder; Universität Potsdam, Dr. Gert Zöller Regensburg Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg, Maike Berndt-Zürner Reutlingen Hochschule Reutlingen, Anna Goeddeke; Hochschule Reutlingen, Dr. Karin Widmayer Rostock Universität Rostock, Dr. Gudrun Heinrich; Universität Rostock, Prof. Dr. Hans-Jürgen von Wensierski Saarbrücken Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, Prof. Dr. Holger Buck; Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, Prof. Dr. Susan Pulham; Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, Prof. Dr. Ulrike Zöller Siegen Universität Siegen, Dr. Dr. Momme von Sydow Stuttgart Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, Prof. Dr. Judith Siegmund; Universität Stuttgart, Dr. Max Hoßfeld; Universität Stuttgart, Dr. Ralph O. Schill Trier Hochschule Trier, Prof. Dr. Peter Heck; Hochschule Trier, Prof. Dr. Stefan Naumann; Universität Trier, Prof. Dr. Antje Bruns; Universität Trier, Dr. Rita Voltmer Tübingen Eberhard Karls Universität Tübingen, Prof. Dr. Gabriele Abels; Eberhard Karls Universität Tübingen, Prof. Dr. Martin Seeleib-Kaiser Vechta Universität Vechta, Dr. Lucia Licher; Universität Vechta, Prof. Dr. Marco Rieckmann Wiesbaden Hochschule RheinMain, Prof. Dr. Oja Eleonore Ploil Wilhelmshaven Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth, Prof. Dr. Beate Illg Witten Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, Prof. Dr. Martin Schnell Wolfenbüttel u.a. Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, Prof. Dr. Ludger Kolhoff Wuppertal Bergische Universität Wuppertal, Prof. Dr. Rita Casale; Bergische Universität Wuppertal, Prof. Dr. Hans J. Lietzmann; Bergische Universität Wuppertal, Prof. Dr. Gertrud Oelerich; Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel (Universität), Prof. Dr. Michaela Geiger Ausland Amsterdam (NL) Vrije Universiteit Amsterdam, Prof. Dr. Menusch Khadjavi Linz (A) Johannes Kepler Universität Linz, Dr. Waltraud Ernst Oxford (GB) University of Oxford, Dr. Wolfgang Zumdick Salzburg (A) Universität Salzburg, Dr. Norbert Paulo Utrecht (NL) Universiteit Utrecht, Dr. Christoph Baumgartner Wien (A) FH Wien der WKW, Prof. Dr. Markus Scholz; Universität für Bodenkultur Wien, Prof. Dr. Karsten Schulz; Universität Wien, Prof. Dr. Julio Mendívil Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten 60 Adressen Stand: April 2020 Heinrich-Böll-Stiftung Schumannstraße 8 10117 Berlin T 030-285 34-0 F 030-285 34-109 E info@boell.de W www.boell.de Archiv Grünes Gedächtnis Eldenaer Straße 35 10247 Berlin T 030-285 34-260 F 030-285 34-51 40 E archiv@boell.de Die Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg e.V. Kernerstraße 43, 70182 Stuttgart T 0711-26 33 94 10 F 0711-26 33 94 19 E info@boell-bw.de W www.boell-bw.de Adressen Petra-Kelly-Stiftung Bayerisches Bildungswerk für Demokratie und ­Ökologie in der Heinrich-Böll-Stiftung e.V. Stiftung Leben und Umwelt Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen Warmbüchenstraße 17, 30159 Hannover T 0511-301 85 70 F 0511-301 85 714 E info@slu-boell.de W www.slu-boell.de Bildungswerk der Heinrich Böll Stiftung Nordrhein-Westfalen e. V. Hochbrückenstraße 10, 80331 München T 089-24 22 67 30 F 089-24 22 67 47 E info@petra-kelly-stiftung.de W www.petrakellystiftung.de Graf-Adolf-Straße 100, 40210 Düsseldorf T 0211-93 65 08 0 F 0211-93 65 0825 E info@boell-nrw.de W www.boell-nrw.de Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung e.V. Walpodenstraße 10, 55116 Mainz T 06131-90 52 60 F 06131-90 52 69 E mainz@boell-rlp.de W www.boell-rlp.de Sebastianstraße 21, 10179 Berlin T 030-308 779 480 E info@bildungswerk-boell.de W www.bildungswerk-boell.de Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg Dortustraße 52, 14467 Potsdam T 0331-200 57 80 F 0331-200 57820 E organisation@boell-brandenburg.de W www.boell-brandenburg.de Bildungswerk Umwelt und Kultur in der Heinrich Böll Stiftung Carl-Ronning-Straße 9, 28195 Bremen T 0421-35 23 68 E kontakt@boell-bremen.de W www.boell-bremen.de Politisches Bildungswerk Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg e.V. Kurze Straße 1, 20355 Hamburg T 040-389 52 70 E info@boell-hamburg.de W www.boell-hamburg.de Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V. Niddastraße 64, 60329 Frankfurt am Main T 069-23 10 90 F 069-230674 E info@boell-hessen.de W www.boell-hessen.de Heinrich-Böll-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern e.V. Friedrichstraße 23, 18057 Rostock T 0381-492 21 84 F 0381-492 21 56 E post@boell-mv.de W www.boell-mv.de Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz Heinrich Böll Stiftung Saar e.V. Talstraße 56, 66119 Saarbrücken T 0681-58 35 60 E boell.stiftung@t-online.de W www.boell-saar.de Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen e.V Kraftwerk Mitte 32/ Trafohalle, 01067 Dresden T 0351-85 075 100 F 0351-85 075 109 E info@weiterdenken.de W www.weiterdenken.de Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt e.V. Leipziger Straße 36, 06108 Halle (Saale) T 0345-202 39 27 F 0345-202 39 28 E info@boell-sachsen-anhalt.de W www.boell-sachsen-anhalt.de Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein e.V. Heiligendammer Straße 15, 24106 Kiel T 0431-906 61 30 F 0431-906 61 34 E info@boell-sh.de W www.boell-sh.de Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen e.V. Trommsdorffstraße 5, 99084 Erfurt T 0361-555 32 57 F 0361-555 32 53 E info@boell-thueringen.de W www.boell-thueringen.de 61 Europa und Nordamerika Büro Brüssel – Europäische Union Heinrich-Böll-Stiftung Rue du Luxembourg, 47–51 1050 Brussels, Belgien T +32-2-743 41 14 F +32-2-743 41 09 E info@eu.boell.org W www.eu.boell.org Büro Paris – Frankreich Heinrich-Böll-Stiftung 80 Quai Jemmapes 75010 Paris, Frankreich T +33-1-84 86 15 81 E info@fr.boell.org W www.fr.boell.org Büro Prag – Tschechische Republik, Slowakei, Ungarn Heinrich-Böll-Stiftung Opatovická 28, 110 00 Praha 1, Tschechien T +420-251 81 41 73 E info@cz.boell.org W www.cz.boell.org Büro Warschau – Polen Heinrich-Böll-Stiftung ulica Żurawia 45, 00-680 Warszawa, Polen T +48-22-44 01-333 F +48-22-44 01-337 E pl-info@pl.boell.org W www.pl.boell.org Büro Moskau – Russische Föderation Heinrich-Böll-Stiftung Grusinskij Pereulok 3-231, 123056 Moskau, Russische Föderation T +7-499-254 14 53 F +7-495-935 80 14 E info@ru.boell.org W www.ru.boell.org Büro Kiew – Ukraine Heinrich-Böll-Stiftung wul. Velyka Zhytomyrska 13 01001 Kiew, Ukraine T +38-44-394 52 42 E ua.ua-info@ua.boell.org W www.ua.boell.org Büro Tbilissi – Region Südkaukasus Heinrich-Böll-Stiftung 38, Zovreti st., Tbilisi 0160, Georgien T +995-32-238 04 67/68 F +995-32-291 28 97 E info@ge.boell.org W www.ge.boell.org Büro Belgrad – Serbien, Montenegro, Kosovo Heinrich-Böll-Stiftung Kralja Milana 6/1, 11000 Belgrad, Serbien T +381-11/3067 646 F +381-11/6303 282 E info@rs.boell.org W www.rs.boell.org Büro Sarajevo – Bosnien und Herzegowina, ­Albanien, Nord-Mazedonien Heinrich-Böll-Stiftung Čekaluša 42, 71000 Sarajevo Bosnien und Herzegowina T +387-33-260 450 F +387-33-260 460 E info@ba.boell.org W www.ba.boell.org Büro Thessaloniki – Griechenland Heinrich-Böll-Stiftung 3 Aristotelous, 54624 Thessaloniki, Griechenland T +30 2310 282829 F +30 2310 282832 E info@gr.boell.org W www.gr.boell.org Büro Istanbul – Türkei Heinrich-Böll-Stiftung T +90-212-249 15 54 F +90-212-245 04 30 E info@tr.boell.org W www.tr.boell.org Büro Washington, DC – USA, Kanada, Globaler Dialog Heinrich-Böll-Stiftung 1432 K Street, NW Suite 500, Washington, DC 20005-2540, USA T +1-202-462 75 12 F +1-202-462 52 30 E info@us.boell.org W www.us.boell.org Asien Büro Peking – China Heinrich-Böll-Stiftung Office C704, Beijing Lufthansa Center No. 50, Liangmaqiao Road, Chaoyang District, 100125 Beijing, China T +86-10-8400 4265 E info@cn.boell.org W www.cn.boell.org Büro Hongkong – Asien, Globaler Dialog 22E Derrick Industrial Bldg 49 Wong Chuk Hang Rd Hong Kong SAR T +85-22 86 98 101 E info@hk.boell.org Büro Indien Heinrich-Böll-Stiftung C – 20, 1st Floor, Qutub Institutional Area New Delhi 110016, Indien T +91-11-2685 4405, 2651 6695, 2696 2840 E in-info@in.boell.org W www.in.boell.org Regionalbüro Südostasien Heinrich-Böll-Stiftung 75 Sukhumvit 53 Klongton Neua, Wattana Bangkok 10110, Thailand T +66-2-6625960/1/2 F +66-2-6627576 E info@th.boell.org W www.th.boell.org Adressen Auslandsbüros der Heinrich-Böll-Stiftung 62 Büro Phnom Penh – Kambodscha Heinrich-Böll-Stiftung #8, Street 476, Sangkat Toul Tompoung I Khan Chamkar Mon Phnom Penh, Kambodscha T +855 23 210 535 E info@kh.boell.org W www.kh.boell.org Büro Yangon – Myanmar Heinrich-Böll-Stiftung No. 45/A, Kan Lane 3 Kan Road, Kamayut Township Yangon, Myanmar T +95-9-3168 5846 E info@mm.boell.org W www.mm.boell.org Afrika Büro Abuja – Nigeria Heinrich-Böll-Stiftung 3rd Floor, Rukayyat Plaza 93, Obafemi Awolowo Way, Jabi District, Abuja, Nigeria T +234-809-99 29 60-5 91 E info@ng.boell.org W www.ng.boell.org Adressen Büro Nairobi – Kenia, Uganda, Tansania, Somalia/Somaliland Heinrich-Böll-Stiftung Prof. Wangari Maathai Road (formerly Forest Road) P.O. Box 10799-00100, GPO Nairobi, Kenia T +254-20-26 80 745 E ke-info@ke.boell.org W www.ke.boell.org Büro Dakar – Senegal Heinrich-Böll-Stiftung Rue de Louga x Impasse PE 10 – au fond, Point E, Dakar, Sénégal T +221-33-825 66 06 E info@sn.boell.org W www.sn.boell.org Büro Kapstadt – Südafrika, Namibia, Simbabwe Büro Beirut – Mittlerer Osten Heinrich-Böll-Stiftung Achrafieh, Gerious Tueini/Salim Boustros Street, (above Saint Nicholas Garden) Jbeili Building, 4th Floor P.O. Box 175 510, Mar Mikhael, Beirut, Libanon T +961-(0)1-216037 E info@lb.boell.org W www.lb.boell.org Büro Tunesien – Tunis Heinrich-Böll-Stiftung 5, Rue Jamel Abdennasser, 1000 Tunis, Tunesien T +216 71 322 345 E info@tn.boell.org W www.tn.boell.org Büro Rabat – Marokko Heinrich-Böll-Stiftung 17, Rue Tiddas, Hassan, 10010 Rabat, Marokko T +212-537 20 20 93/94 F +212-537 20 20 92 E ma-info@ma.boell.org W www.ma.boell.org Lateinamerika Büro Mexiko-Stadt – Mexiko und Karibik Heinrich-Böll-Stiftung Calle José Alvarado 12 Colonia Roma Norte, Delegación Cuauhtémoc CP 06760, México D.F., Mexiko T +52-55-52 64 15 14 F +52-55-52 64 28 94 E mx-info@mx.boell.org W www.mx.boell.org Büro San Salvador – El Salvador, Costa Rica, ­ uatemala, Honduras, Nicaragua G Heinrich-Böll-Stiftung Residencial Zanzíbar Pasaje A-Oriente #24 San Salvador, El Salvador T +503-2274-6812 F +503-2274-6932 E sv-info@sv.boell.org W www.sv.boell.org Büro Rio de Janeiro – Brasilien Heinrich-Böll-Stiftung 8th Floor Vunani Chambers, 33 Church Street, Cape Town 8000, Südafrika T +27-21-461 62 66 F +27-21-424 40 86 E info@za.boell.org W www.za.boell.org Heinrich-Böll-Stiftung Rua da Glória, 190/701 – Glória CEP 20.241-180 – Rio de Janeiro, Brasilien T +55-21-32 21 99 00 F +55-21-32 21 99 22 E info@br.boell.org W www.br.boell.org Nahost und Nordafrika Heinrich-Böll-Stiftung Calle 37 No 15–40 Bogotá, Kolumbien T +57-1-371 91 11 E co-info@co.boell.org W www.co.boell.org Büro Bogota – Kolumbien Büro Tel Aviv – Israel Heinrich-Böll-Stiftung 1 Har Sinai St. 2nd floor, Tel Aviv 65816, Israel T +972-3-516 77 34/35 F +972-3-516 76 89 E info@il.boell.org W www.il.boell.org Büro Palästina und Jordanien Heinrich-Böll-Stiftung Tal az-Zaatar St. 6 P.O. Box 2018 Ramallah, Palästina T +972-2-296 11 21 F +972-2-296 11 22 E info@ps.boell.org W www.ps.boell.org Büro Santiago de Chile – Chile, Argentinien, Paraguay, Uruguay Heinrich-Böll-Stiftung Avenida Francisco Bilbao 882, Providencia 752-0063 Santiago de Chile, Chile T +56-2-2584 01 72 E info@cl.boell.org W www.cl.boell.org 63 Fördern und Spenden Viele Menschen unterstützen uns mit ihrem ehrenamtlichen Engagement als Referent/ inn/en, als Vertrauensdozent/inn/en oder als Mitglied eines Beratungsgremiums. Sie helfen uns, unsere Ziele zu verwirklichen und unsere Bildungs- und Projektarbeit im In- und Ausland weiterzuentwickeln. Und sie unterstützen uns durch ihre Mitgliedschaft im Freundeskreis, durch Spenden, Zustiftungen, Patenschaften oder langfristige Partnerschaften. Für dieses große Engagement und Vertrauen bedanken wir uns herzlich! So können auch Sie die Heinrich-Böll-Stiftung unterstützen: Und was haben Sie davon? Wann immer möglich, werden die geförderten Projekte für Sie erlebbar gemacht – mit Einladungen zu Vernissagen, Aufführungen von Theater und Film, Lesungen oder Gesprächen. Sie erhalten den «Info-Brief» mit Informationen über Aktivitäten der Stiftung und des Freundeskreises, zudem Einladungen zu besonderen Veranstaltungen. Speziell für Mitglieder und Ehrenamtliche bieten wir jedes Jahr eine Bildungsreise in Zusammenarbeit mit unseren Auslandsbüros bzw. Landesstiftungen an. Zur Jahresversammlung stehen regelmäßig Vorstand oder Geschäftsführung der Stiftung zum Austausch bereit. Zudem organisieren wir verschiedene Veranstaltungen unter Beteiligung unserer Mitglieder – sei es als Ideengeber/in, als Moderator/in oder Gesprächsteilnehmer/in. Wir freuen uns auch auf Ihre Expertise! Beitrittserklärung: Absender/in Postkarte bitte mit 60 c freimachen Name: Vorname: Institution/ Organisation: ● dienstlich ● privat Anschrift Straße: Heinrich-Böll-Stiftung PLZ / Ort: Freundinnen und Freunde Schumannstraße 8 E-Mail: Telefon / Fax: Ich bin damit einverstanden, dass meine personenbezogenen Daten elektronisch gespeichert werden, um Informationen von der Heinrich-Böll-Stiftung zu erhalten. Ich kann der Nutzung meiner Daten jederzeit widersprechen. Mehr zum Datenschutz finden Sie unter: boell.de/datenschutz ● Bitte schicken Sie mir Informationen über die Heinrich-Böll-Stiftung zu. Datum/ Unterschrift: Bitte auch die andere Seite ausfüllen! Fördern und Spenden Mit Ihrer Mitgliedschaft im Freundeskreis Als Mitglied zahlen Sie einen Jahresbeitrag von regulär 92 Euro, ermäßigt 25 Euro. Geringverdienende zahlen 46 Euro. Mit Ihren Beiträgen fördern wir unbürokratisch und schnell dort, wo es die Heinrich-­Böll-Stiftung selbst meist aus rechtlichen Gründen nicht kann. Zum Beispiel unterstützen wir kleinere Kunst- und Kulturprojekte, für die auch geringe Summen eine große Hilfe sind. In Zusammenarbeit mit dem Heinrich-Böll-Haus in Langenbroich und unseren Auslandsbüros konnten wir schon vielen politisch verfolgten Künstlerinnen und Künstlern eine Zuflucht ermöglichen (siehe Seite 44). Über die Vergabe der Mittel entscheidet das ehrenamtliche Koordinationsteam, das von den Mitgliedern gewählt wird. 10117 Berlin 64 Antje von Broock, Koordinationsgremium des Freundeskreises Foto: Jörg Farys/BUND Marie Luise von Halem, MdL, Koordinationsgremium des Freundeskreises Foto: Robert Recker Ulrike Cichon, Koordinatorin des Freundeskreises Foto: Conny Fischer Werden Sie Mitglied im Freundeskreis! Fördern und Spenden Die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-­Stiftung Ansprechpartnerin für Freundinnen und Freunde, unterstützen die Werte und Ziele der Stiftung. Wir laden ­Spender/innen und Sponsor/innen: Sie herzlich ein, Teil unserer grünen Ideenwerkstatt und unseres internationalen Netz­werkes zu werden – ob als Ulrike Cichon Privatperson, als Institution oder als Unternehmen. Als T 030-285 34-112 F 030-285 34-5112 Freund oder Freundin tragen Sie dazu bei, Qualität und E cichon@boell.de Selbständigkeit der ­Heinrich-Böll-Stiftung langfristig W www.boell.de/freundeskreis zu sichern. Eine breite Palette an Veranstaltungen mit und für die Freundinnen und Freunde bietet Gelegen- Spenden-/Beitragskonto: heit, miteinander ins Gespräch zu kommen, politische Bank für Sozialwirtschaft Konzepte und Entwicklungen zu diskutieren und die BIC BF SW DE 33 BER Stiftungsarbeit näher kennenzulernen. Mindestens ein- IBAN DE11 1002 0500 0003 0767 02 mal im Jahr verreisen die Freundinnen und Freunde. Zuletzt waren sie in Schleswig-Holstein bei der dortigen Gläubiger-ID im SEPA-Lastschriftverfahren: Landesstiftung und in Thessaloniki (Griechenland) bei DE 17 ZZZ 00 00 03 60 794 unserem Büro zu Gast. Ihr Mitgliedsbeitrag ist steuerlich absetzbar und Ihre Mitgliedschaft jederzeit kündbar. Informieren Sie sich über unser Programm: W www.boell.de/freundeskreis Beitrittserklärung Zahlungsweise Ich unterstütze die Ziele der Heinrich-Böll-Stiftung und erkläre meinen Beitritt zu den Freundinnen und Freunden der Heinrich-Böll-Stiftung als (bitte ankreuzen): ● SEPA*-Lastschriftmandat Ich ermächtige die Heinrich-Böll-Stiftung (hbs), Gläubiger-ID DE17ZZZ00000360794, Zahlungen von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut an, die von der hbs auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Mitglied ● mit dem Regelbeitrag von 92 € im Jahr ● mit dem ermäßigten Jahresbeitrag für Geringverdienende von 46 € ● mit dem Jahresbeitrag von 150 € ● mit dem Jahresbeitrag von 300 € € ● mit dem Jahresbeitrag von ● mit dem Jahresbeitrag von 25 € für Schülerinnen und Schüler, Studierende, Erwerbslose und – auf Antrag – Menschen im Ruhestand Institutionelles Mitglied (Unternehmen und Organisationen) ● mit einem Jahresbeitrag von 184 € ● mit einem Beitrag für Basisinitiativen von 92 € Ich werde nicht Mitglied, aber ich unterstütze die Heinrich-Böll-Stiftung € mit einer einmaligen Spende von Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Kontoinhaber/in (falls abweichend): Kreditinstitut: BIC: IBAN: ●●●● ●● ●● ●●● ●●●● ●●●● ●●●● ●●●● ●●●● ●● Die Mandatsreferenz wird mir durch die hbs separat mitgeteilt. Datum , Ort und Unterschrift: ● Ich überweise meinen Beitrag selbst auf das Konto der Heinrich-Böll-Stiftung, IBAN DE11 1002 0500 0003 0767 02. Bitte auch die andere Seite ausfüllen! Leitbild der Heinrich-Böll-Stiftung Die Heinrich-Böll-Stiftung versteht sich als Teil der «grünen» politischen Grundströmung, die sich weit über die Bundesrepublik hinaus in Auseinandersetzung mit den traditionellen politischen Richtungen des Sozialismus, des Liberalismus und des Konservatismus herausgebildet hat. Unsere gemeinsamen Grundwerte sind Ökologie und Nachhaltigkeit, Demokratie und Menschenrechte, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit. Ein besonderes Anliegen ist uns die Geschlechterdemokratie, also die gesellschaftliche Emanzipation und die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Wir engagieren uns für die Gleichberechtigung kultureller und ethnischer Minderheiten und für die soziale wie politische Partizipation von Immigran- Wir sind eine grüne Ideenagentur Wir geben Denkanstöße für demokratische Reformen und soziale Innovationen. Wir engagieren uns für ökologische Politik und nachhaltige Entwicklung im globalen Maßstab. Wir geben Kunst und Kultur Raum zur Darstellung und Auseinandersetzung. Wir vermitteln Wissen von Expertinnen und Experten an politische Akteure. Wir sind ein Ort für offene Debatten und fördern den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Wir fördern begabte, gesellschaftspolitisch engagierte Studierende im In- und Ausland. Wir dokumentieren die Geschichte der grünen Bewegung als Fundus für die Forschung und Quelle politischer Orientierung. Wir sind ein internationales Politik-Netzwerk Wir verstehen uns als Teil eines globalen grünen Netzwerkes und fördern die Entwicklung der grünen politischen Bewegung auf allen Kontinenten. Ein besonderes Anliegen ist uns die Verbreiterung und Vertiefung der europäischen grünen Bewegung. Engagement, fachliche und menschliche Kompetenz, Kreativität und Flexibilität zeichnen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im In- und Ausland aus. Sie sind hoch qualifiziert, teamorientiert und bilden mit ihrer überdurchschnittlichen Motivation das Vermögen der Stiftung. Chancengleichheit und ein respektvoller Umgang zwischen Frauen und Männern verschiedenen Alters, verschiedener religiöser Bekenntnisse, ethnischer Herkunft und sexueller Orientierung sind konstitutiv für die Stiftung. Interkulturelle Kompetenz und ein produktiver Umgang mit Vielfalt sind Teil unserer Betriebskultur. Wechselseitiger Respekt und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Partnern bilden die Grundlage unserer Geschäftsbeziehungen. ten. Nicht zuletzt treten wir für Gewaltfreiheit und eine aktive Friedenspolitik ein. Für unser Engagement suchen wir strategische Partnerschaften mit anderen, die unsere Werte teilen. Wir handeln unabhängig und in eigener Verantwortung. Wir haben unsere Wurzeln in der Bundesrepublik und sind zugleich ideell wie praktisch ein internationaler Akteur. Unser Namensgeber, der Schriftsteller und Nobelpreisträger Heinrich Böll, steht für eine Haltung, der wir uns selbst verpflichtet sehen: Verteidigung der Freiheit, Zivilcourage, streitbare Toleranz und die Wertschätzung von Kunst und Kultur als eigenständige Sphären des Denkens und Handelns. Wir engagieren uns bei der Entwicklung einer europäischen politischen Öffentlichkeit. Wir unterstützen die politische Partizipation der Zivilgesellschaft und beteiligen uns an Konferenzen und Verhandlungen im Rahmen multilateraler Organisationen. Wir engagieren uns weltweit für Ökologie, Demokratie und Menschenrechte Ökologie und Demokratie sind für uns untrennbar. Wir unterstützen deshalb Personen und Projekte, die sich für Ökologie, Menschenrechte, Demokratie und Selbstbestimmung einsetzen. Wir fördern weltweit die Entwicklung von Rechtsstaatlichkeit und demokratischer Partizipation. Wir setzen uns für die Überwindung von Dominanz, Fremdbestimmung und Gewalt zwischen den Geschlechtern ein. Wir betrachten ethnische und kulturelle Vielfalt als Bestandteil einer demokratischen Kultur. Wir ermutigen zu Zivilcourage und gesellschaftlichem Engagement. Wir vermitteln Knowhow für erfolgreiche Selbstorganisation und Intervention an politische Akteurinnen und Akteure. Wir überprüfen und verbessern unsere Arbeit in einem kontinuierlichen Prozess und stellen uns der internen und externen Bewertung. Wir stehen für einen wirtschaftlichen, effizienten Einsatz der uns zur Verfügung stehenden öffentlichen Mittel und sorgen für transparente Geschäftsabläufe. Wir praktizieren ein produktives Miteinander von Bundesstiftung und Landesstiftungen. Wir sind ein verlässlicher Partner für ehrenamtliches Engagement und für die Zusammenarbeit mit Dritten. Als politische Stiftung handeln wir unabhängig und in eigener Verantwortung auch gegenüber Bündnis 90/Die Grünen. Unsere Eigenständigkeit wahren wir auch bei der Auswahl unserer Führungskräfte und der Besetzung unserer Gremien. Organisationsplan Organisationsplan der Heinrich-Böll-Stiftung der Heinrich-Böll-Stiftung e.V., Stand: 30. e.V., März Stand: 2020 30. März 2020 Schumannstraße Schumannstraße 8, 10117 Berlin8, 10117 T 030-285 Berlin34-0 T 030-285 F 030-285 34-034-109 F 030-285 34-109 @boell.de Nachname@boell.de W www.boell.de W www.boell.de E info@boell.de, E info@boell.de, presse@boell.de, presse@boell.de, besuchergruppen@boell.de besuchergruppen@boell.de Kontakt: Nachname Kontakt: Mitgliederversammlung Mitgliederversammlung 49 Mitglieder 49 Mitglieder Aufsichtsrat Aufsichtsrat Vorstand 9 Mitglieder 9 Mitglieder Vorstand Geschäftsführung Geschäftsführung Gremien Gremien und Fachbeiräte und Fachbeiräte Barbara Unmüßig Barbara Unmüßig Steffen Heizmann Steffen Heizmann Freundinnen und Dr. Ellen Ueberschär Dr. Ellen Ueberschär Büro Gesamtvorstand: Büro Gesamtvorstand: Freundinnen Freunde und Freunde Britta Weiß Britta Weiß Lara Wodtke Lara Wodtke Florian KommerFlorian Kommer Carmen HerzogCarmen Herzog Fachbeirat Gemeinschaftsaufgabe Fachbeirat Gemeinschaftsaufgabe Sandra JacksonSandra Jackson Sekretariat: Sekretariat: Sekretariat: Sekretariat: Barbara Heitkämper Barbara Heitkämper Tanja Gunkel (-105) Tanja Gunkel (-105) Fachbeirat Studienwerk Fachbeirat Studienwerk Kathrin Klaua (-114) Kathrin Klaua (-114) und Freundinnen Freundinnen Freunde und Freunde Fachbeirat Nord-Süd Fachbeirat Nord-Süd Ulrike Cichon Ulrike Cichon Fachbeirat Europa/Transatlantik Fachbeirat Europa/Transatlantik Interne Revision Interne Revision Lirije Nitaj-von Lirije Petersdorff Nitaj-von Petersdorff Gemeinschaftsaufgabe Gemeinschaftsaufgabe Organisationsentwicklung Organisationsentwicklung und und Wissensmanagement Wissensmanagement Betriebsrat Dr. Kristina Heße Dr. Kristina Heße Betriebsrat Zuwendungs-, Zuwendungs-, Vergabe- und Vergabe- und Teilhabe, Geschlechterdemokratie Teilhabe, Geschlechterdemokratie und Antidiskriminierung und Antidiskriminierung Vertragsrecht Vertragsrecht Sarah SchwahnSarah (bis 3/20) Schwahn (bis 3/20) Dr. Bernhard Kern, Dr. Bernhard Ünay Özkan Kern, Ünay Özkan InternationaleInternationale Zusammenarbeit Zusammenarbeit Politische Bildung Politische InlandBildung Inland Leitung: Dr. Antonie Leitung: Nord Dr. Antonie Nord (-300) Jessica Ehlebracht Jessica Ehlebracht (-300) Leitung: PeterLeitung: Siller (bis Peter 3/20), Siller Dr. (bis Sebastian 3/20), Bukow Dr. Seb Petra Stegemann Petra (-248) Stegemann (-248) Benjamin GlückBenjamin Glück InternationaleInternationale Politik PolitikRegionalreferat Regionalreferat Asien AsienRegionalreferat Regionalreferat LateinamerikaLateinamerika Grüne Aka ProgrammteamProgrammteam I I Zeitdiagno Jörg Haas Jörg Haas Leitung: Katrin Leitung: AltmeyerKatrin Altmeyer Leitung: Ingrid Spiller Leitung: Ingrid Spiller (Schwerpunkt: (Schwerpunkt: Soziale Teilhabe) Soziale Teilhabe) Ole Meinefe Joanna Barelkowska Joanna Barelkowska Jost Pachaly Jost Pachaly Evelyn Hartig Evelyn Hartig Bildung und Wissenschaft Bildung und Wissenschaft Christine W Helena Hoffmeister Helena Hoffmeister Christina Sadeler Petra Tapia Petra Tapia Christina Sadeler Philipp Antony Philipp Antony Ella Soesanto Ella Soesanto Katharina ProttKatharina Prott Politik- un InternationaleInternationale UmweltpolitikUmweltpolitik David Handwerker David Handwerker Felix Speidel Felix Speidel Alexandra Sitenko Alexandra Sitenko Dr. Sebasti Lilia Fuhr Lilia Fuhr Sozialpolitik Sozialpolitik Gitanjali More Gitanjali More Caroline KassinCaroline Kassin Jana Heyd Linda SchneiderLinda Schneider Dorothee Schulte-Basta Dorothee Schulte-Basta Julia Behrens Julia Behrens Büro San Salvador: Büro San Salvador: Kristin Funke, Imeh Kristin Frieda Funke, Ituen, Imeh Frieda Ituen, Archiv Grü Solveig Bartusch Solveig Bartusch Yangon: Büro Yangon: Hans-Georg Janze Hans-Georg Janze Annette Kraus,Annette Janine Korduan Kraus, JanineBüro Korduan Leitung: W Julia Hartleb Julia Hartleb Dr. Axel Harneit-Sievers Dr. Axel Harneit-Sievers Büro Mexiko-Stadt: Büro Mexiko-Stadt: Julia Bresg InternationaleInternationale Agrarpolitik Agrarpolitik Migration und Migration Diversity und Diversity Manfred Bangkok: Hornung Manfred Dr.Hornung Dawid Bartelt Dr. Dawid Bartelt Anne Vech Dr. Christine Chemnitz Dr. Christine Chemnitz Büro Bangkok: Büro Mekonnen Mesghena Mekonnen Mesghena Michael Pa Sonja Kundler Sonja Kundler Büro Neu-Delhi: Büro Neu-Delhi: Büro Bogotá: Florian Büro Bogotá: Huber Florian Huber Anke Bremer Anke Bremer Steffi Rönn Inka Dewitz Inka Dewitz Marion Regina Marion MuellerRegina Mueller Liese-Lotte Schulz Büro Rio de Janeiro: Büro Rio de Janeiro: Liese-Lotte Schulz Eva Sande (Redaktion «Heimatkunde») Büro Phnom Penh: BüroAli Phnom Al-Nasani Penh: AliAnnette Al-Nasani von Schönfeld Annette von Schönfeld(Redaktion «Heimatkunde») Außen- und Sicherheitspolitik Außen- und Sicherheitspolitik Dorothea K Giorgio Franceschini Giorgio Franceschini Büro Peking: Paul BüroKohlenberg Peking: Paul Kohlenberg Büro Santiago Büro de Chile: Santiago de Chile: ProgrammteamProgrammteam II II Heinrich B Milena Grünewald Milena Grünewald Ingrid WehrDr. Ingrid Wehr (Schwerpunkt: Ökologische (Schwerpunkt: Wende) Ökologische Wende) Büro Hongkong: Büro Layla Hongkong: Al-Zubaidi LaylaDr. Al-Zubaidi (Köln) Demokratieförderung Demokratieförderung Regionalreferat Regionalreferat EU/Nordamerika EU/Nordamerika Ökologie und Nachhaltigkeit Ökologie und Nachhaltigkeit Dr. Jochen Regionalreferat Regionalreferat Claudia Rolf Claudia Rolf Leitung: Marc Berthold Leitung: Marc BertholdDr. Stefanie Groll Markus Sc Dr. Stefanie Groll Ost- und Südosteuropa Ost- und Südosteuropa Dr. Christine Pütz Dr. Christine Pütz Rita Hoppe Rita Hoppe InternationaleInternationale Geschlechter- GeschlechterLeitung: WalterLeitung: Kaufmann Walter Kaufmann Haus Lang Claudia Rothe Claudia Rothe Stephan Stoll Stephan Stoll politik/LSBTI politik/LSBTI Robert SperfeldRobert Sperfeld Sigrun Rec Sabine Hämmerling Sabine Hämmerling Jana Prosinger Jana Prosinger Gudrun FischerGudrun Fischer Wirtschaft undWirtschaft Finanzen und Finanzen Julia BartmannJulia Bartmann Nina Happe Nina Happe Ute Brümmer Ute Brümmer Regionalreferat Regionalreferat Afrika Afrika Christoph Mayer Petra Zimmermann Petra Zimmermann Christoph Mayer Monika Steins Monika Steins Leitung: KirstenLeitung: Maas-Albert Kirsten Maas-Albert Eva Peteja Eva Peteja Katja Giebel Katja Giebel Claudia Simons Claudia Simons Digitale Ordnungspolitik Digitale Ordnungspolitik Ulla Niehaus Ulla Niehaus Büro Brüssel: Eva Büro van Brüssel: de RaktEva van de Rakt Beate Adolf Beate Adolf Vérane Meyer Vérane Meyer Büro Belgrad: Simon Büro Belgrad: Ilse Simon Büro Ilse Istanbul: Büro Kristian Istanbul: BrakelKristian Brakel Nicola Egelhof Nicola Egelhof Kommunalpolitik Kommunalpolitik und und Gunda-We Maria Kind Maria Kind Büro Moskau: Büro Moskau: Büro Paris: Jens Büro Althoff Paris: Jens Althoff Stadtentwicklung Stadtentwicklung Johannes Voswinkel Johannes Voswinkel Büro Prag: Nino Büro Dakar: Usha Büro Ziegelmayer Dakar: Usha Ziegelmayer Leitung: H Sabine Drewes Sabine Drewes Büro Lejava Prag: Nino Lejava und Dr. In Andrea Meinecke Andrea Meinecke Kiew: Sergej BüroSumlenny Kiew: Sergej Sumlenny Büro Kapstadt:Büro Katrin Kapstadt: Seidel KatrinBüro Seidel Büro Thessaloniki: Büro Thessaloniki: Francesca S Büro Tbilisi: Dr.Büro Stefan Tbilisi: Meister Dr. StefanOlga Meister Drossou Olga Drossou Büro Nairobi: Ulf Büro Terlinden Nairobi: Ulf Terlinden ProgrammteamProgrammteam III III Derya Binis (Schwerpunkt: (Schwerpunkt: Demokratische Demokratische Zukunft) Zukunft) Büro Sarajevo:Büro Marion Sarajevo: KraskeMarionBüro Kraske Warschau:Büro Warschau: Büro Abuja: Jochen Büro Luckscheiter Abuja: Jochen Luckscheiter Christiane Joanna Maria Stolarek Joanna Maria Stolarek Demokratie Demokratie Hannah Li Regionalreferat Regionalreferat Naher Osten Naher Osten Dr. Anne Ulrich Dr. Anne Ulrich Büro Washington: Büro Washington: und Nordafrikaund Nordafrika Eike Botta-Venhorst Bastian Hermisson Bastian Hermisson Eike Botta-Venhorst Leitung: Dr. Bente Leitung: Scheller Dr. Bente Scheller Weiterbild Johannes Gunesch , Johannes Gunesch Anja Hoffmann,Anja Hoffmann Kulturpolitik und Kulturpolitik Neue Medien und Neue Medien Steuerung undSteuerung Evaluierung und Evaluierung GreenCam Birgit Arnhold Birgit Arnhold Leitung: Julia Scherf Leitung: Julia Scherf Christian RömerChristian Römer Leitung: C Sandra Nenninger Sandra Nenninger Karin Lenski Karin Lenski Christiane Dilger Christiane Dilger Duttenhof Kirsten DaganeKirsten Dagane Büro Tel Aviv: Steffen Büro TelHagemann Aviv: Steffen Hagemann Gesellschaftspolitik Gesellschaftspolitik Wolfgang P Murat Pekün Murat Pekün Michael Stognienko Michael Stognienko Büro Ramallah:Büro Dr. Bettina Ramallah: Marx Dr. Bettina Marx Maria Pajo Ruth Kleefisch Ruth Kleefisch ZeitgeschichteZeitgeschichte Büro Tunis: Dr.Büro HeikeTunis: Löschmann Dr. Heike Löschmann Uta Herger Tanja Reith Tanja Reith Dr. Roman Schmidt Dr. Roman Schmidt Paulina Be Barbara Assheuer Barbara Assheuer Büro Rabat: Bauke BüroBaumann Rabat: Bauke Baumann Annika Magnussen Annika Magnussen Renate Eisape Renate Eisape Büro Beirut: Joachim Büro Beirut: Paul Joachim Paul Ina Bogusz Ina Bogusz Margarete Tanzmann Margarete Tanzmann Simone Zühr Simone Zühr Liliya Hontar Liliya Hontar aufgabe tlantik d Studienwerk Studienwerk Unternehmensdienste Unternehmensdienste Kommunikation Kommunikation astian 3/20), Bukow Dr. Sebastian Bukow Haushalt und Finanzen Haushalt und Finanzen Leitung: Dr. Ulla Leitung: Siebert Dr. Ulla Siebert Leitung: Annette Leitung: Maennel Annette Maennel Leitung: Patrick Leitung: Berg (bis Patrick 3/20)Berg (bis 3/20) Iris Längert (-400) Iris Längert (-400) Marita WenzelMarita (-200) Wenzel (-200) Florian Remmers Florian (-143) Remmers (-143) Kathrin Hohmann-Mehring Kathrin Hohmann-Mehring Grüne Akademie Grüne Akademie Studienförderung Studienförderung Zeitdiagnose und Zeitdiagnose Diskursanalyse und Diskurs Anjaanalyse Schleich Anja Schleich lhabe) Presse Presse Haushalt und Bilanzierung Haushalt und Bilanzierung Michael AlvarezMichael Kalverkamp Alvarez Kalverkamp Raphaelle Chapon Raphaelle Chapon Ole Meinefeld Ole Meinefeld Sudeepa Aich Sudeepa Aich Kerstin SimonisKerstin Simonis Vera Lorenz Vera Lorenz ft Christine WeißChristine Weiß Ellen Deuse Ellen Deuse Elsbeth Zylla Elsbeth Zylla Online-Redaktion/Internet Online-Redaktion/Internet Frank Schulz Frank Schulz Christine Dietz Christine Dietz Politik- und Parteienforschung Politik- und Parteienforschung Lukas Fischer Lukas Fischer Munkhzul Togmid Munkhzul Togmid Dr.3/20) Robert Schulz Dr. Robert Schulz Dr. Sebastian Bukow Dr. Sebastian (bis 3/20) Bukow (bis Peggy Marquardt Peggy Marquardt Mohammad Rashad Mohammad ZajhoulRashad Zajhoul Dr. Jeanette Kördel Dr. Jeanette Kördel Jana Heyde Jana Heyde Stephan Gürtler Stephan Gürtler Birgit Kahlau Birgit Kahlau Mirja Brücker Mirja Brücker Operative Finanzbuchhaltung Operative Finanzbuchhaltung Archiv GrünesArchiv Gedächtnis Grünes Gedächtnis Malgorzata Lewandowska Malgorzata Lewandowska Jonas Witsch Jonas Witsch Michaela KretheMichaela Krethe Leitung: WiebkeLeitung: WinklerWiebke Winkler Susanne Matk Susanne Matk (Digitale Bildungsformate) (Digitale Bildungsformate) Evelyn Jaeschke Evelyn (bis 3/20) Jaeschke (bis 3/20) Julia Bresgott Julia Bresgott Elena Mikhaylova Elena Mikhaylova Valerian Rautenberg Valerian Rautenberg Anne Vechtel Anne Vechtel Lektorat Kathrin Dommaschke Kathrin Dommaschke Lektorat Hans-Jörg Wilhelm Hans-Jörg Wilhelm Michael PanitzMichael Panitz Bernd Rheinberg Bernd Rheinberg Rafael KlabischRafael Klabisch Angelika Weiland Angelika Weiland Steffi Rönnefarth Steffi Rönnefarth Susanne Dittrich Susanne Dittrich Promotionsförderung Promotionsförderung Silke Richter Silke Richter Eva Sander Eva Sander Lamine Hane (Buchversand) Lamine Hane (Buchversand) e») Dr. Sevilay Karaduman Dr. Sevilay Karaduman Dorothea Küttner Dorothea Küttner Marketing/Layout Marketing/Layout Vertr.: Dr. Jeanette Vertr.: Rieger-Cowdry Dr. Jeanette Rieger-Cowdry Heinrich Böll: Heinrich Leben und Böll: Werk Leben und WerkSteinborn Kreutzer Paul, Lisa Kreutzer Angelika Angelika Steinborn Elke Paul, LisaElke Wende) (Köln) (Köln) Aygen Schruoffeneger Aygen Schruoffeneger Auswahlverfahren/Alumni Dr. Jochen Schubert Auswahlverfahren/Alumni keit Dr. Jochen Schubert (Besuchsgruppen) (Besuchsgruppen) Dr. Janina BachDr. Janina Bach Markus Schäfer Markus Schäfer Adressverwaltung Adressverwaltung Christina Schmitz Christina Schmitz Haus Langenbroich Haus Langenbroich Sabine König Sabine König Finanzen Finanzen Sigrun Reckhaus Sigrun Reckhaus Tagungsbüro Tagungsbüro Liette Thill Liette Thill Eva Klakl Eva Klakl Julia Reiter, Antonia Julia Reiter, Götte Antonia Götte Martin Sommer, Martin Lena Sommer, Frisch Lena Frisch Nicole Bott Nicole Bott Gunda-Werner-Institut Gunda-Werner-Institut IT/Technische IT/Technische Dienste DienstePersonal Leitung: Henning Leitung: von Bargen Henning von Bargen und Dr. Ines Kappert und Dr. Ines Kappert Leitung: PetraLeitung: Nibbe Petra Nibbe Leitung: Gunter Leitung: Holley Gunter Holley Christine Zimmermann Christine(-170) Zimmermann (-170) Francesca Schmidt Francesca Schmidt IT-Systeme zentral IT-Systeme zentral Dietmar Grabbert Dietmar Grabbert Gabriele Holländer Gabriele Holländer Linh Ngo Linh Ngo Derya Binisik Derya Binisik sche Zukunft) Christiane Bornstedt Christiane Bornstedt Hannah Lichtenthäler Hannah Lichtenthäler Weiterbildungsakademie Weiterbildungsakademie Medien GreenCampus GreenCampus Leitung: Christian Leitung: NeunerChristian NeunerDuttenhofer Duttenhofer Wolfgang Pohl Wolfgang Pohl Maria Pajonk Maria Pajonk Uta Hergert Uta Hergert Paulina BerndtPaulina Berndt IT-Systeme global IT-Systeme global Christopher Golze Christopher Golze Sergej FröhlichSergej Fröhlich Mark Wittner Mark Wittner Technische Dienste Technische Dienste Jörg LindeholzJörg Lindeholz Baumanagement Baumanagement Bert Bloß (Leitung) Bert Bloß (Leitung) Dietmar Harmel Dietmar Harmel Barbara Bergmann Barbara Bergmann Personal Personalbetreuung Personalbetreuung Marzena Matuschak Marzena Matuschak Swetlana Kuzjaev Swetlana Kuzjaev Kati Lekaj Kati Lekaj Katja Legde Katja Legde Cornelia Wähn-Bochr Cornelia Wähn-Bochr Anke Pinschke Anke Pinschke Madleen TöpferMadleen Töpfer Die Heinrich-Böll-Stiftung mit Sitz in Berlin-Mitte, gegenüber dem Deutschen Theater, ist eine politische Stiftung und steht der Partei Bündnis 90/Die Grünen nahe. Die Stiftung versteht sich als Agentur für grüne Ideen und Projekte, als reformpolitische Zukunftswerkstatt und internationales Netzwerk mit Partnerprojekten in rund 60 Ländern. Sie kooperiert Heinrich mit 16 Landesstiftungen in allen Bundesländern. Bölls Ermutigung zur zivilgesellschaftlichen Einmischung in die Politik ist Vorbild für die Arbeit der Stiftung. Deren vorrangige Aufgabe ist die politische Bildung im In- und Ausland zur Förderung der demokratischen Willensbildung, des gesellschaftspolitischen Engagements und der Völkerverständigung. Dabei orientiert sie sich an den politischen Grundwerten ÖkoEin logie, Demokratie, Solidarität und Gewaltfreiheit. besonderes Anliegen ist ihr die Verwirklichung einer demokratischen Einwanderungsgesellschaft sowie einer Geschlechterdemokratie als eines von Abhängigkeit und Dominanz freien Darüber hinaus fördert Verhältnisses der Geschlechter. die Stiftung Kunst und Kultur als Element ihrer politischen Bil- dungsarbeit und als Ausdrucksform gesellschaftlicher SelbstIm Jahr 2019 vergab das Studienwerk verständigung. der Heinrich-Böll-Stiftung 350 Stipendien an Studierende Die Mitgliederversammlung, und Promovenden neu. bestehend aus 49 Personen, ist das oberste BeschlussfassungsDen hauptamtlichen organ und wählt u. a. den Vorstand. Vorstand bilden z. Zt. Barbara Unmüßig und Dr. Ellen Ueberschär. Die Geschäftsführung hat Steffen Heizmann inne. Die Satzung sieht für die Organe der Stiftung und die hauptamtlichen Stellen eine Quotierung für Frauen sowie für MigZur Zeit unterhält die Stifrantinnen und Migranten vor. tung Auslandsbüros in Belgien, Frankreich, Polen, Tschechien, der Türkei, Griechenland, Russland, Georgien, Ukraine, Bosnien, Serbien, Israel, Libanon, dem arabischen Nahen Osten, Tunesien, Marokko, Kenia, Nigeria, Senegal, Südafrika, Thailand, Myanmar, Kambodscha, Indien, China, Hongkong, Brasilien, Kolumbien, Chile, Mexiko, El Salvador und den USA. Im Jahr 2019 standen der Stiftung circa 71 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln zur Verfügung. Umschlagfoto: Lichtinstallation zum Gedenken an 30 Jahre Friedliche Revolution an der Südfassade der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin
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