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Periodical volume

Full text: Jahresbericht ... Issue 2015

Jahresbericht
2
  015

Wer wir sind
Wofür wir einstehen
Wie wir arbeiten

Inhalt

S. 2

S. 16

S. 28

Vorwort 

 1

Internationale Konflikte, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas 

 2

Demokratie und Menschenrechte 

 16

Die große Transformation 

 28

Kunst und Kultur 

 35

Heinrich-Böll-Haus Langenbroich 

 37

Gunda-Werner-Institut 

 38

Studienwerk 

 40

GreenCampus 

 43

Archiv Grünes Gedächtnis 

 44

Preise 

 45

Interessante Gäste 

 46

Stiftungsmanagement 

 48

Gremien 

 56

Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten 

 57

Adressen 

 60

Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung 

 63

Impressum 
  Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung e.V.  
  Redaktion und Konzeption: Susanne
Dittrich  
  Redaktionelle Mitarbeit: Hannah Schwär 
  Cover: Marta Bogdańska  
  Texte: Mitarbeiter
und Mitarbeiterinnen der Heinrich-Böll-Stiftung 
  Fotos: Stephan Röhl (wenn nicht anders ange­geben)  
 
Gestaltung: State, Berlin  
  Papier: Umwelt­freundlich, chlorfrei gebleicht 
  Auflage: 3.000  
  Stand:
15. April 2016  
  Die einzelnen Beiträge stehen unter der Creative Commons Lizenz: CC BY-NC-ND 4.0  
 
Dieser Bericht ist kostenlos erhältlich bei der Heinrich-Böll-Stiftung, Schumann­
straße 8, 10117 Berlin  
 
T  030–285 34 –0  F  030 –285 34 –109  E info@boell.de  W www.boell.de

Vorwort

Durch das Pariser Klimaabkommen endete das
Jahr 2015 mit einem wichtigen Signal für die Klimapolitik und die globale Nachhaltigkeit. Die Heinrich-Böll-Stiftung wird die Umsetzung dieses Abkommens sowie der Nachhaltigkeitsziele der Agenda
2030 aufmerksam begleiten und sich mit zahlreichen Beiträgen zur Energie- und Agrarwende, einer
nachhaltigen Mobilitätspolitik und Stadtentwicklung einmischen.
Die soziale und ökologische Transformation unserer Gesellschaften wird zahlreiche Zielkonflikte
auslösen. Demokratische Aushandlungsprozesse,
demokratisch gewählte Parlamente, unabhängige
Medien und offene Handlungsspielräume für zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure sind Voraussetzung für eine konstruktive Lösung dieser Konflikte. Allerdings werden diese Handlungsspielräume
weltweit zunehmend eingeschränkt. Als politische
Stiftung mit starker Verankerung in den Zivilgesellschaften unserer Partnerländer erleben wir hautnah, wie demokratische Grundrechte massiv verletzt
werden oder politische Arbeit nahezu unmöglich gemacht wird. Unsere Büros und unsere Partnerinnen
und Partner vor Ort leisten trotzdem herausragende
Arbeit unter enorm schwierigen Bedingungen.
Terroranschläge – ob in Paris, Beirut, in der T
­ ürkei oder Nigeria – finden auch an Orten statt, in denen wir mit unseren Büros arbeiten. Zum Schrecken

Barbara Unmüßig  Foto: Bettina Keller

des Terrors kommt die Herausforderung, wie ihm politisch begegnet werden kann, ohne zu opfern, was
doch verteidigt werden soll: demokratische Grundrechte und einen freiheitlichen Lebensstil.
Auch in Deutschland schüren Rechtspopulisten
Ängste in der Bevölkerung auf dem Rücken von Geflüchteten, die bei uns Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen. Wir treten dem Populismus entgegen
und setzen uns für die Erweiterung legaler Einwanderungsmöglichkeiten und für eine gemeinsame europäische Flüchtlingspolitik ein. Nur im Zusammenspiel mit anderen demokratischen Kräften wird es
uns gelingen, die politische Handlungsfähigkeit der
Demokratie unter Beweis zu stellen. Wir wollen zu
einer gelebten politischen Kultur beitragen, in der
Werte wie Menschenwürde, Demokratie, Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Pluralismus
praktiziert werden.
Unser großer Dank gilt unseren Partnerinnen und
Partnern im In- und Ausland, den Mitgliedern unserer ehrenamtlichen Gremien und nicht zuletzt all
unseren engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie sind die Essenz der erfolgreichen Arbeit der
Heinrich-Böll-Stiftung.

	 Berlin, März 2016

Ralf Fücks	   	Barbara Unmüßig
	 Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung
	

Vorwort

Ralf Fücks  Foto: Julia Baier

Internationale Konflikte, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas

2

Foto: Alex Majoli / Magnum Photos / Agentur Focus

3

Die Zahl der Kriege und die Intensität gewalttätiger Konflikte steigt wieder. So haben die militärischen ­Erfolge
der Terrormiliz des «Islamischen Staats» in Syrien und
Irak die Lage im syrischen Bürgerkrieg verschärft. Auch
andere islamistische Gruppen wie Boko Haram in Nigeria tyrannisieren die Bevölkerung gleich mehrerer Staaten. Der Konflikt um die Ukraine hat insbesondere die
Beziehungen zwischen Europa und Russland schwer
belastet. Trotz alledem und gerade deswegen setzen wir
uns mit aller Kraft für den Auf- und Ausbau demokratischer Strukturen und Zivilgesellschaften, für friedliche
Konfliktlösungen und eine an den Menschenrechten
orientierte Politik ein. Wir liefern Hintergrundinformationen und bieten Diskussionsforen, die über die
Konflikte und ihren Verlauf aufklären, und wir suchen
gemeinsam mit einer Vielzahl von Partnerinnen und
Partnern nach Lösungen zur Beilegung von Konflikten.
Wegen der zahlreichen Kriege und sich verschärfender
sozialer Krisen ist die Zahl der Geflüchteten weltweit
auf über 60 Millionen gestiegen. Wir setzen uns für eine
humane Flüchtlings- und Asylpolitik in Deutschland
und ­Europa ein. Wir sind überzeugt, dass ein geeintes
und starkes Europa möglich ist. Populistischer Hetze
gegen Geflüchtete treten wir entschieden entgegen.

Internationale Konflikte, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas

Für zivile Konfliktlösung und Sicherheit

4

Bürgerkrieg in Syrien

Internationale Konflikte, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas

Fünf Jahre nach dem Aufstand gegen das Regime von Bashar al-Assad herrscht
in Syrien immer noch ein blutiger Krieg mit verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung. Trotz aller internationalen Bekundungen, den Konflikt in Syrien lösen
und die Zivilbevölkerung besser schützen zu wollen, ist dies bisher nicht gelungen. Ganz im Gegenteil, die Brutalität des Krieges hat immer neue Ausmaße erreicht. Gleichwohl werden die gefassten UN-Resolutionen gegen Fassbomben und
Chlorgas bislang nicht umgesetzt. Mit dem militärischen Eingreifen Russlands im
September 2015 und der direkten Unterstützung des Assad-Regimes hat der Krieg
eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Frederic C. Hof, Forschungsleiter am Rafik Hariri
Center for the Middle East beim Atlantic Council

Bemühungen um eine politische Lösung
des Konflikts

Was können wir als Stiftung tun? Wir können aufklären. Fortlaufend liefern wir Informationen zu
­Syrien, zur humanitären Lage und zu den politischen
und militärischen Entwicklungen. Und wir suchen
nach politischen Lösungen des Konflikts. Auf unserer Podiumsdiskussion «Syrien und das Scheitern
der Weltgemeinschaft» im November 2015 in Berlin diskutierten u. a. Miguel Berger (Regionalbeauftragter des Auswärtigen Amtes für den Nahen Osten), Muriel Asseburg (SWP) und Frithjof Schmidt
(stellv. Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die
Grünen), wie die neue internationale Dynamik durch
den Syrien-Gipfel im Oktober 2015 in Wien für eine
konstruktive Konfliktlösung genutzt werden kann.
Während die Verhandlungen von Wien insgesamt als
großer Fortschritt begrüßt wurden, gingen die Positionen auseinander in der Frage, wie die Zivilbevölkerung schnell und wirksam geschützt werden könne.
Dieser Schutz – sowohl vor den Gräueltaten des Re­
gimes als auch des IS – sei aber zentral, um als Weltgemeinschaft glaubwürdig zu bleiben.
Bereits im Frühjahr 2015 veranstalteten wir zusammen mit unserer deutsch-syrischen Partnerorganisation Adopt a Revolution die internationale Kon-

  Webdossier

  

­h ttps://goo.gl/ZUTUq0

  Keynote Frederic C. Hof

   ­http://goo.gl/CQstLM

ferenz «Syrien in der Sackgasse?». Der ehemalige
US-Sonderbeauftragte für Syrien Frederic C. Hof erläuterte in seiner Keynote, wie Europa und die USA
dazu beitragen könnten, eine nationale syrische Stabilisierungstruppe aufzubauen.   In der anschließenden Diskussion mit Vertreter/innen der syrischen
Zivilgesellschaft sowie mit Fachleuten aus der Region wurde schnell klar, dass Assad und sein Regime
wesentlicher Teil des Problems sind und keinesfalls
ein Schlüssel zur Lösung des Konflikts sein können.
Weitere Themen der Konferenz waren die Situation
der Geflüchteten in den Nachbarländern, die europäische Flüchtlingspolitik sowie die Handlungsmöglichkeiten Deutschlands. Hierzu sprachen u. a. Hans ten
Feld (UNHCR-Direktor in Deutschland), Franziska
Brantner (MdB, Bündnis 90/Die Grünen) und Miguel
Berger (Regionalbeauftragter des Auswärtigen Amtes für den Nahen Osten). Abschließend präsentierte
der Spiegel-Reporter Christoph Reuter im Gespräch
mit der niederländischen Syrien-Expertin Petra Stienen sein neues Buch über den Islamischen Staat
«Die schwarze Macht» und berichtete von seinen Recherchereisen nach Syrien.

  Videomitschnitt Buchvorstellung

   ­www.boell.de/de/2015/06/
05/keine-schwarze-macht

Shahed, 38 Jahre, aus der Gegend von Homs. Sie flüchtete 2012 in den Libanon. Das Kissen
erinnert sie an den Geruch ihres Hauses in Syrien.  Foto: Marta Bogdańska

Unterstützung der Geflüchteten im Libanon

Fast jeder zweite Syrer, jede zweite Syrerin ist auf
der Flucht. Bis zu zwei Millionen Geflüchtete leben
allein im Libanon. Seitdem dort die Einreisebedingungen für syrische Staatsbürger/innen verschärft
wurden und das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten
Nationen (UNHCR) keine Flüchtlinge mehr registrieren darf, sind diese mehr denn je auf die Unterstützung aus der Zivilgesellschaft angewiesen. Unser
Büro in Beirut arbeitet mit Organisationen zusammen, die sich für einen gesellschaftlichen Austausch
zwischen aufnehmenden Gemeinden und Flüchtlingen einsetzen, insbesondere was die Integration und
psychosoziale Unterstützung von Frauen angeht.
Women Now und Sawa for Syria – beides Partnerorganisationen der Stiftung – bauen in Eigenregie
Flüchtlingslager, Gemeindezentren und Schulen für
die Betroffenen auf, und dies in Abstimmung mit der
örtlichen Bevölkerung.
Was die geflüchteten Frauen, Männer und Kinder
noch mit ihrem Heimatland verbindet, zeigt die Ausstellung «Exilium» der Fotografin Marta Bogdańska,
die mit Unterstützung unseres Beiruter Büros erstmalig im Mai 2015 in Beirut zu sehen war. Viele der
Geflüchteten haben so lange wie möglich in Syrien
ausgeharrt, sie wollten nie gehen. Die Porträts zeigen sie mit dem, was sie zur Erinnerung behalten haben. Mal ist es eine syrische 5-Pfund-Note mit den
Unterschriften der Klassenkameradinnen (siehe
Coverfoto), mal ein Plastikfeuerzeug, das an die kleinen Streitigkeiten mit dem Verlobten erinnert. Ein
Mann präsentiert die Narben eines Angriffs, andere
zeigen Fotos von Angehörigen, die auf der Flucht

  Blog «Heinrich von Arabien»

 

 

h ttp://heinrichvonarabien.
boellblog.org

  Ausstellung «Exilium»

  

h ttp://lb.boell.org/en/
exilium-exhibition

zu Tode kamen. Die Ausstellung «Exilium» kann noch
auf der Webseite unseres Beiruter Büros angesehen
werden.
Wir unterstützen auch Dokumentarfilme zu und
aus Syrien, wie zum Beispiel den Film «Home». Er
wurde im Oktober 2015 im Theater Metro Al Medina
in Beirut in Anwesenheit des Regisseurs Rafat Alzakout vorgestellt. Der Film lief bisher auf mehr als
zehn internationalen Festivals und Veranstaltungen
und wurde mit dem Marseille-Esperance-Preis des
Marseiller Filmfestivals 2015 ausgezeichnet. Ort
der Handlung ist Manbij, Nordsyrien, Anfang 2013.
Nach monatelangen Kämpfen wird die Stadt im Osten Aleppos unter die Kontrolle der Freien Syrischen
Armee gebracht. Trotz der andauernden Luftschläge
durch das Assad-Regime und der anrückenden Terrormiliz IS macht sich Aufbruchsstimmung breit.
Regisseur Rafat Alzakout fängt sie mit seiner Kamera ein. Er begleitet den Balletttänzer Ahmed, den
Deserteur Mohamed und den ehemaligen Zeichenlehrer Taj bei dem Versuch, ihre Träume zu verwirklichen. Viel Zeit verbringen sie in ihrem selbstgegründeten Kulturzentrum «Home». Dort wird Theater
gespielt, gesungen und gezeichnet. Fernab ideologischer Spaltung wird hier der Traum vom freien Miteinander gelebt. Mit dem Einfall des IS in Manbij
bleibt den Freunden jedoch nur die Schließung ihres
Kulturzentrums und die Flucht ins türkische Exil, in
der Hoffnung, eines Tages in ein friedliches und freies
Syrien zurückkehren zu können.

  Trailer

   ­https://vimeo.com/129050278

Internationale Konflikte, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas

5

6

Palästinensische Gebiete

Internationale Konflikte, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas

Perspektivlos – damit lässt sich die Lage in den palästinensischen Gebieten zusammenfassen. Auch im 49. Jahr der israelischen Besatzung zeichnet sich keine politische Initiative ab, die einen palästinensischen Staat näher bringen könnte. Die
Ausweitung der israelischen Siedlungspolitik und die damit einhergehende Verdrängung und Enteignung der Palästinenser im Westjordanland verstärken Hilflosigkeit und Verzweiflung. Sie bilden den Hintergrund für die Messerattacken
palästinensischer Jugendlicher gegen israelische Soldaten und Zivilisten, die von
Israel mit harter Hand beantwortet werden. Die Autonomiebehörde steht der eskalierenden Gewalt machtlos gegenüber. Sie verliert in der Bevölkerung zunehmend
an Legitimation. Auch die Versöhnung zwischen der im Westjordanland dominanten Fatah und der Hamas im Gazastreifen kommt nicht voran.
Kampf gegen die Hoffnungslosigkeit
Mit unseren Partnern Masarat und PARC (PalestiUnser Büro in Ramallah versucht, der Hoffnungslo- nian-American Research Center) fördern wir junge
sigkeit in Palästina mit vielfältigen Projekten entge- Wissenschaftler/innen. In Ostjerusalem unterstütgenzuwirken. So unterstützen wir palästinensische zen wir marginalisierte Frauen, Jugendliche und KinMenschenrechts- und Gefangenenhilfsorganisati- der, die von der Zuspitzung der Lage dort besonders
onen wie Al Haq und Adameer. Außerdem arbeiten betroffen sind. Dazu gehören Initiativen zur Verbeswir mit Thinktanks und Forschungseinrichtungen serung der Einkommenssituation von Frauen, der
wie dem angesehenen Institute for Palestine Stu- Ausbau von Spielplätzen für Kinder und Kunsterziedies und dem Policy-Network Al Shabaka zusammen. hung für Jugendliche.

Israel
Die Regierungskoalition unter Benjamin Netanyahu hat sich auf eine Reihe von
Gesetzesvorhaben geeinigt, die das Land verändern werden. So hat das Kabinett
Ende Dezember 2015 ein sogenanntes Transparency-Law verabschiedet, das zur
Zeit in der Knesset diskutiert wird. Das Gesetz will israelische Nichtregierungsorganisationen (NGO), die sich zu mehr als 50 Prozent durch staatliche ausländische
Mittel finanzieren, verpflichten, dies auf allen Dokumenten und Veranstaltungen
kenntlich zu machen. Bei Zuwiderhandlung ist ein hohes Bußgeld vorgesehen. Dabei geht es vor allem darum, kritische NGOs aus dem linken Spektrum, die sich
gegen die Besatzung und für den Schutz der Menschenrechte einsetzen, zu stigmatisieren und zu dämonisieren. Stimmt das Parlament zu, so w
­ ären hiervon auch
viele Partner der politischen Stiftungen unmittelbar betroffen.

Lösung und die Vereinbarungen von Oslo überhaupt
Den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen
Unser Büro in Tel Aviv hat im Rahmen des deutsch- noch eine ­Option sein können. Bei dieser Diskussion
israelischen Dialogs die «Jerusalemer Gespräche» kamen Menschen zusammen, die sonst nicht miteiinitiiert. Im Juni diskutierten der Schriftsteller Nir nander ins Gespräch kommen, wie der Siedler ­Eliaz
Baram, Prof. Raphael Greenberg von der Tel Aviv Cohen, die arabische Knessetabgeordnete Aida
Universität, Judith Oppenheimer von Ir Amim und Touma-Sliman und der ehemalige Chef des israelidie Schriftstellerin Lea Fleischmann über die Hinter- schen Inlandsgeheimdienstes und «Gatekeeper» Ami
gründe und die Perspektiven für Jerusalem als zent- Ayalon.
Wege aus dem Nahostkonflikt sucht auch die Haaralem Teil des palästinensisch-arabischen Konfliktes.
Im Oktober ging es anlässlich der neuen Eskala­- retz Peace-Konferenz, die im November u. a. mit Untion der Gewalt um die Frage, ob die Zwei-Staaten- terstützung unseres Büros in Tel Aviv stattfand.

Auftaktpodium «Deutschland und Israel. Besondere Beziehungen – besondere Verantwortung»
(v. l. n. r.): Michael Wolffsohn, Yfaat Weiss, Joschka Fischer, Yehuda Bauer und Ralf Fücks

50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen

Zwischen Deutschland und Israel besteht ein dichtes
Netzwerk an Beziehungen, das sämtliche Bereiche
des gesellschaftlichen Lebens umfasst. Das besondere deutsch-israelische Verhältnis ist historisch
begründet, doch je stärker der Holocaust in die Vergangenheit rückt, desto deutlicher treten die aktuellen politischen und kulturellen Differenzen hervor.
Das Bild Israels in Deutschland wird zunehmend von
dem fortdauernden israelisch-palästinensischen
Konflikt geprägt. Die Beschwörung der besonderen
Verpflichtung Deutschlands gegenüber Israel verblasst. Unsere Konferenz «Besondere Beziehungen –
besondere Verantwortung» im April 2015 in Berlin
nahm die wachsenden Diskrepanzen in den Blick. Der
Holocaust-Forscher Yehuda Bauer betonte, dass
das deutsch-israelische Verhältnis weiterhin von
der Shoah fundamental beeinflusst werde. Bis heute verlange sie jeder neuen Generation ab, sich mit
ihr auseinanderzusetzen. Aber junge Israelis sähen
Deutschland inzwischen als eine liberale, offene Gesellschaft. Das Land gelte heute als Garant israelischer Sicherheit und als Partner bei der Befriedung
des Konflikts mit den Palästinensern.

 
Konferenzbericht und

  

­Videomitschnitt

h ttp://goo.gl/QpQdd5

Hinsichtlich der deutschen Haltung im israelischpalästinensischen Konflikt sah die ehemalige Knesset-Abgeordnete Naomi Chazan Deutschland vor
dem Dilemma, Israel einerseits schützen zu wollen, andererseits seine Politik kritisieren zu müssen. Auch der CDU-Politiker Ruprecht Polenz
wünschte sich, dass Israel nicht nur eine rein militärische Sicherheitspolitik betreibe. Solidarität sei
richtig – aber auch Kritik. Wo die Grenze zwischen
Israel-Kritik und Antisemitismus verläuft, diskutierten der taz-Redakteur Stefan Reinecke und der
Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck. Zum
Abschluss ging es um die Beiträge der jungen Generation in den deutsch-israelischen Beziehungen: Welche Rolle wird die Vergangenheit in Zukunft spielen?
Stimmen aus dem Publikum bemängelten vor allem
das schwindende Interesse an der deutsch-israelischen Geschichte. Deswegen müsse es mehr Austausch und Information geben. Jedoch laufe die Zeit
ab, um Überlebende der Shoah als Zeitzeugen zu
befragen.

Internationale Konflikte, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas

7

8

Flucht und Migration

Internationale Konflikte, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas

Über 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Die meisten suchen
Schutz vor Krieg und Gewalt – zunächst in ihrem eigenen Land oder in den Nachbarländern. So auch im Syrien-Konflikt: Es sind der Libanon, Jordanien und die
Türkei, die weiterhin die meisten aus Syrien Geflüchteten aufnehmen. Doch immer mehr Menschen suchen auch Schutz in Ländern der Europäischen Union. Die
EU ist mit dem zunehmenden Migrationsdruck überfordert. Es fehlen mutige Visionen und Konzepte für den Umgang mit Flucht und Migration. Das Ausmaß der
Fluchtbewegung stellt die einzelnen Staaten wie auch die EU als Gemeinschaft
vor große Herausforderungen. Ohne eine gemeinsame Flüchtlings- und Migrationspolitik und eine faire Teilung der Verantwortung und Lasten werden sie nicht
zu meistern sein.

Bei ihrem ersten Einsatz half die Crew der MS Sea-Watch den entkräfteten Menschen an Bord
eines Frachters. Über 100 Geflüchtete konnten gerettet werden.  Foto: Thomas Lenzen

Peter Clever (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände), Carola Burkert (Institut für ArAuf Einladung der Stiftung hat sich im Dezember beitsmarkt und Berufsforschung), Oliver Junk (OB
2015 eine überparteilich besetzte Kommission zu Goslar, CDU), Simone Peter (Bundesvorsitzende von
«Perspektiven für eine zukunftsgerichtete Flücht- Bündnis 90/Die Grünen), Claudia Vollmer (Stadtdilings- und Einwanderungspolitik» konstituiert. Die rektorin München) und Jan Schneider (SachverstänKommission wird die Zusammenhänge von Flucht, digenrat für Integration und Migration). Die KomMigration und verwandten Politikbereichen (wie mission wird Anfang 2017 ihren Abschlussbericht
Demografie, Arbeitsmarkt, Entwicklungspolitik, Si- vorlegen.
cherheitspolitik etc.) beschreiben und Empfehlungen
für eine humane Flüchtlingspolitik skizzieren. Eine Netzwerk zum Schutz der Rechte von
der zentralen Fragen wird sein, wie der Übergang Geflüchteten in Tunis
von der ungesteuerten Massenflucht zu einer ge- Mit sogenannten Mobilitätspartnerschaften versteuerten Einwanderungspolitik gelingen kann. Den sucht die EU, ihre Migrationspolitik gegenüber der
normativen Rahmen für diese Diskussion bilden die östlichen und südlichen Nachbarschaft zu struktuGenfer Flüchtlingskonvention und das Asylrecht. Die rieren. Solche Verträge bestehen u. a. mit Georgien,
Kommission besteht aus 29 Expert/innen aus Po- Armenien und seit 2014 mit Marokko, Tunesien und
litik, Wirtschaft und Forschung, darunter Michael Jordanien. Mit Ägypten und Libanon wird derzeit
Diedring (European Council on Refugees and Exiles), verhandelt. Menschenrechtsorganisationen kritisiePerspektiven für eine nachhaltige
Flüchtlings- und Einwanderungspolitik

ren diese Abkommen. Sie würden den Zugang zur EU
nur für jene erleichtern, die ihn ohnehin schon hätten – Eliten in Wirtschaft und Politik. Im Gegenzug
könne die EU lokale, nicht demokratisch kontrollierte Sicherheitsstrukturen nutzen, um beispielsweise
die Grenzen zu weiteren Transitländern aufzurüsten.
Vor allem könnten Zusatzabkommen auch einzelnen
EU-Staaten einen rechtlichen Rahmen für die «Rückführung» von Flüchtlingen und Migrant/innen geben
und damit die Verantwortung für Abschiebungen in
Herkunftsländer dortigen autoritären Polizeiapparaten übertragen.
Gemeinsam mit dem EuroMed Rights-Netzwerk,
der tunesischen Zentralgewerkschaft und anderen
Initiativen hat unser Büro in Tunis Menschenrechtler/innen aus allen Mittelmeerländern nach Tunis
eingeladen, um sich auf Grundzüge einer kritischen
Migrationspolitik zu einigen. Da die europäische Politik die autoritären Sicherheitskräfte der südlichen
Mittelmeerländer strategisch einbindet, kommt
den örtlichen Menschenrechtsorganisationen eine
wichtige Kontroll- und Berichtsfunktion zu, um die
Rechte von Migrant/innen zu schützen. Das Treffen
in Tunis hat dafür ein Netzwerk geschaffen.

Regisseure und ihre Unterstützer fünf syrische
Flüchtlinge durch Europa. Begleitet von der Kamera
dokumentieren sie diese außergewöhnliche Reise von
Mailand nach Stockholm in teilweise sehr poetischen
Bildern. Wir haben den Film vor mehr als 500 Gästen im Mai in der Stiftung gezeigt und anschließend
mit dem anwesenden Regisseur Gabriele del Grande
diskutiert.
Die politische Krise in Libyen und die alarmierende Gewalt gegen Hunderttausende Flüchtlinge
und Migrant/innen wird in der europäischen Öffentlichkeit bisher kaum wahrgenommen. Zahlreiche
Gruppen ringen in Libyen um Macht und Einfluss.
Flüchtende treffen hier auf ein menschenverachtendes System, in dem sie als rechtlose Ware betrachtet werden. Auf einer Podiumsdiskussion im Oktober forderte Magda Mughrabi-Talhami, die sich seit
2011 mit der Entwicklung in Libyen beschäftigt, die
EU solle sich für humanitäre Visa und offene Grenzen der libyschen Nachbarstaaten einsetzen, um
bedrohten Migrant/innen Fluchtwege zu eröffnen.
Gegen bekannte Täter in Libyen müssten Verfahren
vor dem Internationalen Strafgerichtshof eröffnet
werden. Die Voraussetzungen für viele dieser Maßnahmen seien bereits gegeben, oft fehle nur der poliFlucht nach Europa
tische Wille.
Als im Herbst 2015 gerade mehrere HunderttauMit der Beendigung der italienischen Seenotrettungsmission «Mare Nostrum» und der EU-Ent- sende Flüchtlinge in Deutschland angekommen wascheidung für eine Aufstockung der Grenzagentur ren, veranstalteten wir zusammen mit den «Berliner
Frontex wurde Seenotrettung zum Krisenthema des Wirtschaftsgesprächen» eine Diskussion über den
Frühjahrs und Sommers 2015. Allein im April 2015 dringlichsten Handlungsbedarf zur Integration der
ertranken innerhalb nur weniger Tage bis zu 1600 neu angekommenen Menschen. Dabei ging es vor alMenschen auf dem Weg von Libyen nach Europa im lem um die Eingliederung in den Arbeitsmarkt.
Mittelmeer. Unter dem Eindruck dieser Tragödie und
des humanitären Versagens der EU forderten An- Transatlantisches Dialogprogramm für
fang Mai die Grünen-Europaabgeordnete Ska Keller Demokratie und Gesellschaftspolitik
und die Amnesty-International-Generalsekretärin Mit einem neuen Dialogprogramm will unser Büro
Selmin Çalışkan auf einer Podiumsdiskussion der in Washington den transatlantischen Austausch zu
Stiftung eine humanere Flüchtlingspolitik der EU.
gesellschaftlichen und demokratischen HerausfordeÜber die dramatische Situation auf dem Mittel- rungen stärken. 2015 waren Migration und Integrameer berichtete ein Online-Logbuch auf www.boell.de. tion die Schwerpunktthemen. Im November reisten
Angetrieben von der unzureichenden europäischen US-Latino-Führungskräfte nach Deutschland und
Seenotrettung brach das Rettungsschiff MS Sea- besuchten dort Erstaufnahmestellen und FlüchtWatch auf, um selbst Nothilfe zu leisten und die Ret- lingsunterkünfte. Sie trafen sich mit Ehrenamtlichen,
tung von Flüchtlingsbooten in Seenot einzufordern. Integrationsbeauftragten und Mandatsträgern. ZuÜber den Zeitraum von vier Wochen berichteten zwei rück in den USA organisierten die Teilnehmer/inder Crewmitglieder in Logbucheinträgen und Bilder- nen unter den Eindrücken der Reise eine Reihe von
strecken von ihrem Einsatz an Bord und ihrer Mis- Treffen in ihren jeweiligen Kommunen und riefen in
US-amerikanischen Zeitungen zu einem größeren
sion vor der libyschen Küste.
Emotional berührend und zugleich humorvoll Engagement in der Flüchtlingshilfe auf. Wegen der
zeigt der Film «Io sto con la sposa» (An der Seite aktuellen rechtspopulistischen Diskurse zur Flüchtder Braut) Ursachen und Hintergründe von Flucht lingspolitik auf beiden Seiten des Atlantiks wird dieund macht deutlich, wie wenig Menschlichkeit in der ser Dialog auch in Zukunft fortgeführt, von kommueuropäischen Flüchtlings- und Asylpolitik herrscht: naler bis zur Bundesebene.
Verkleidet als Hochzeitsgesellschaft schleusen drei
  Webdossier

  

 Flucht und Migration»:
«
­w ww.boell.de/de/dossier­flucht-asyl

  E-Paper

  

h ttps://goo.gl/XbvAjm

  Online-Logbuch

  

w ww.boell.de/de/logbuch­mittelmeer-sea-watch

Internationale Konflikte, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas

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10

Die Zukunft Europas

Internationale Konflikte, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas

Demokratie gerät nicht nur weltweit, sondern auch innerhalb der Europäischen
Union unter Druck. Offen spricht der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán
von seiner Vision, mitten in Europa einen illiberalen Staat zu errichten, und geht
hart gegen regierungskritische NGOs vor. In Polen ist die frisch gewählte nationalkonservative Partei PiS (Recht und Gerechtigkeit) dabei, möglichst schnell
und umfassend die alleinige Macht im Staat zu werden. In Frankreich konnte ein
Sieg der rechtsextremen Front National in der zweiten Runde der Regionalwahlen
gerade noch einmal verhindert werden. Und in Deutschland bekommt die Partei
Alternative für Deutschland mit rechtspopulistischen und zum Teil sogar rechts­
extremen Parolen starken Zulauf.

Europäischer Jugendkongress in Budapest  Foto: Zdenka Lammelova

Europa gestalten – Jugendkongress in Budapest

Unter dem Motto «(Re)Claim Your Space in E
­ urope»
veranstalteten wir Anfang September in Budapest unseren dritten europäischen Jugendkongress.
­Junge Menschen aus ganz Europa formulierten in
Workshops – etwa zur Zukunft der Bildung, zur Zukunft der Städte oder zu Freiheit im digitalen Zeitalter – ihre Visionen für Europa. «Europa – das ist vor
allem die Erfahrung des Anderen, die Begegnung mit
Menschen, die nicht genauso sind wie man selbst und
durch die man mit Dingen konfrontiert wird, die man
noch nicht kennt», so ein Teilnehmer.
Während die Jugendlichen über die politische Situation in Ungarn diskutierten, spielte sich rund um
den Budapester Bahnhof ein Drama ab: Tausende
Geflüchtete wurden tagelang auf den Vorplätzen
und in den Unterführungen festgehalten. Das Scheitern der EU-Flüchtlingspolitik zeigte sich in vollem

Ausmaß. Das Programm des Jugendkongresses verlagerte sich zum Teil nach draußen, wo Teilnehmer/innen ungarischen Freiwilligen dabei halfen, sich um
die Geflüchteten zu kümmern, die von den ungarischen Behörden sich selbst überlassen wurden.
Der Kongress fand in Kooperation mit der Green
European Foundation, der Ecopolis Foundation und
der Federation of Young European Greens statt.
Gemeinsam gegen Rechtspopulismus –
Konferenz, Projekte, Workshops

Auf einer Konferenz in Prag, die wir in Zusammenarbeit mit der Soziologischen Fakultät der KarlsUniversität, dem Goethe-Institut Prag und der
Václav-Havel-Bibliothek veranstalteten, analysierten Wissenschaftler/innen aus über 20 Ländern
die Ursachen für den wachsenden Einfluss populistischer Bewegungen in Europa. Eine lebhafte De-

11

  Blog

  

h ttp://young-voices.
boellblog.org

Ideologien der Ungleichwertigkeit und Neonazismus in Deutschland – Fachkommission

Mit «Ideologien der Ungleichwertigkeit» beschäftigte sich eine Fachkommission der Stiftung und ihrer
16 Landesstiftungen. Weil die Bekämpfung von Diskriminierung nicht auf die Ränder der Gesellschaft
beschränkt bleiben darf, nahm die Kommission möglichst viele gesellschaftliche Gruppen in den Blick. So
zum Beispiel Pädagog/innen. Für eine nichtdiskriminierende demokratische Gesellschaft muss in der
Schule mehr Bewusstsein und Sensibilität gegenüber
diskriminierendem Verhalten vermittelt werden. Es
braucht auch verbindliche Regelungen, die Handlungssicherheit im Umgang damit geben. Vor allem
eine fundierte Ausbildung der Pädagog/innen, berufsbegleitende Weiterbildungen sowie Beratung
und Supervision seien notwendig. Die Kommission
ruft politische Entscheidungsträger/innen dazu auf,
entsprechende Prioritäten in der Bildungspolitik zu
setzen. Die vier Policy Papers der Kommission «Gemeinwesenarbeit und Demokratie», «Bildungspolitik
und Schule in der Verantwortung», «Die Rolle des
Staates» und «Jugendarbeit in der Auseinandersetzung mit Ideologien der Ungleichwertigkeit» können
unter www.boell.de heruntergeladen werden.
Kann und soll die NPD verboten werden? –
Podiumsdiskussion

Im Dezember 2015 entschied das Bundesverfassungsgericht, das vom Bundesrat beantragte Verbotsverfahren gegen die NPD zu eröffnen. Wir haben
im Oktober Fachleute eingeladen, um über die Erfolgsaussichten des Verbotsantrages zu diskutieren.
Insbesondere ging es um die Frage, ob die Aktionen
der NPD tatsächlich so erfolgreich sind, dass ein offener politischer Prozess im Sinne des grundgesetzlichen Demokratieprinzips nicht mehr stattfinden
kann, und ob die NPD bei den aktuellen rassistischen
Ausschreitungen tatsächlich eine wesentliche Rolle
spielt. Denn nur dann kann das Verbot einer Partei
ausreichend begründet werden. Über die Erfolgsaussichten des Verbotsantrages gab es unterschiedliche
Auffassungen. Einigkeit herrschte allerdings darüber, dass ein Verbot der NPD allein die rassistische
Gewalt der letzten Wochen und Monate nicht eindämmen werde.
Stärkung des deutsch-französischen Tandems –
neues Büro in Paris

Wenn Frankreich und Deutschland sich einig sind,
geben sie in der Europapolitik oft die Richtung vor.
Das unterstrich 2015 erneut der Umgang mit der
Griechenland-Krise. Doch dabei zeigten sich auch
die Bruchstellen im deutsch-französischen Verhält-

  Webdossier

  

w ww.boell.de/rechtsaussen

  E-Paper

  

w ww.boell.de/de/productseries/fachkommissionrechtsextremismus

  E-Paper

  

h ttps://goo.gl/udR8b6

Internationale Konflikte, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas

batte löste der Politologe Daniele Albertazzi von
der Universität Birmingham aus. Er widersprach
der These, populistische Parteien seien nur eine vorübergehende Erscheinung infolge der Wirtschaftsund Flüchtlingskrise, weil sie sich selbst zerlegten,
sobald sie Regierungsverantwortung übernehmen
müssten. Populistische Parteien wie die Forza Italia, so Alber­t azzi, seien wiederholt an die Regierung
zurückgekehrt.
In einem Projekt mit der Amadeu Antonio Stiftung versuchen wir, Initiativen und Projekte gegen
Rechtsradikalismus aus Mittel-, Ost- und Südeuropa
zu vernetzen. Griechische und polnische Aktivist/innen besuchten im Jahr 2015 Initiativen in Dresden
und Berlin, informierten sich über Schul- und Quartierprojekte und tauschten sich über Projekte gegen
Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus aus. Auch
die Frage nach der Geschlechterperspektive bei der
Bekämpfung von Rechtsextremismus war ein wichtiges Thema. Im Jahr 2016 wird das Projekt unter anderem mit Teilnehmer/innen aus Tschechien und der
Slowakei fortgesetzt.
Zusammen mit den grünen Stiftungen in Österreich und den Niederlanden sowie mit der Green
European Foundation haben wir Expert/innen aus
Politik, Kommunikation und Forschung zu einem
Workshop nach Wien eingeladen, um über Strategien im Umgang mit Rechtspopulismus zu beraten.
Darüber hinaus richteten wir 2015 die jährliche
Konferenz des europaweiten Antirassismus-Netzwerks EGAM in Berlin mit aus. Wir setzten dabei die
thematischen Schwerpunkte auf den Umgang mit
Flüchtenden, die intersektorelle Zusammenarbeit in
der Antirassismusarbeit und die Balance zwischen
Meinungsfreiheit und Schutz vor Diskriminierung.
Ein «Capacity-Building»-Programm über Rechts­
populismus und -extremismus unseres Brüsseler
Büros richtete sich explizit an junge Europäer/innen. Den fachlichen Hintergrund lieferten Expert/innen aus europäischen Institutionen, Thinktanks
und NGOs, Philosoph/innen, Journalist/innen, Aktivist/innen und Anwält/innen. Ein Ausflug führte
die Gruppe in die Hochburg des flämischen Rechts­
extremismus, Antwerpen, wo die ortsansässigen
Grünen von Groen! als sachkundige Gastgeber auftraten. Nach fünf Tagen Arbeit legten die Teilnehmer/innen einer Fachjury ihre Schlussfolgerungen vor:
Die Herausforderung von rechts sei groß, aber nicht
unüberwindlich, hieß es da. Sie waren überzeugt:
Der Aufbau eines Europa, das den historischen Idealen von Demokratie, Menschenrechten, Diversität, Respekt und Frieden gerecht werde, sei möglich. Im Jahr 2016 werden sie auf dem Blog «Young
Voices of Europe» weiter von sich hören lassen.

Internationale Konflikte, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas

12

Teresa Koloma Beck (Leiterin der Studiengruppe «Urbane Gewalträume», Centre Marc Bloch)

nis – insbesondere was die künftige Wirtschafts- und
Finanzpolitik in der Eurozone betrifft. Immer stärker setzt sich in beiden Ländern nationalstaatliches
Denken durch. Die europäische Perspektive gerät ins
Hintertreffen. Mit dem Aufbau eines Büros in Paris
wollen wir zur Stärkung und Pflege der deutsch-französischen Beziehungen beitragen, und zwar mit Blick
auf ein gemeinsames Europa. Die R
­ olle Deutschlands
und Frankreichs in Europa, ein Vierteljahrhundert
nach dem Mauerfall, war auch Thema der Eröffnungsveranstaltung. Weitere Aktivitäten und Veranstaltungen standen im Zusammenhang mit der internationalen Klimakonferenz in Paris.
Die Terroranschläge in Paris –
zwei Podiumsdiskussionen in Berlin

Die Attentate im Januar 2015 auf die Pariser Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo und den Supermarkt Hyper Cacher zeigten die Bedrohung durch
den islamistischen Terrorismus, ausgeführt von radikalisierten Jugendlichen aus Europa. Der Anschlag
zielte auf republikanische Grundwerte wie die Freiheit der Presse, der Kunst, der Meinung und das
friedliche Miteinander unterschiedlicher Religionen.
Auf einer Podiumsdiskussion im Februar in Berlin
diskutierten Gäste aus Deutschland und Frankreich
über die Konsequenzen. Der französische Philosoph
Pascal Bruckner schilderte den traumatischen Zustand, in dem sich Frankreich nach den Anschlägen
befindet. Positiv hob er hervor, dass sich nun auch die
liberalen Stimmen unter den Muslimen zu Wort meldeten – und in der Öffentlichkeit Gehör fänden. Dies
begrüßte auch die Islamwissenschaftlerin Lamya

  Video

  

h ttps://goo.gl/zKkwK9

Kaddor, beklagte jedoch die «Distanzeritis», zu der
sich Muslime gezwungen sähen. Der Publizist Micha
Brumlik stellte die Frage nach der Grenze des blasphemisch Erlaubten: Muss es so etwas wie Mohammed-Karikaturen überhaupt geben? Aus Brumliks
Sicht nicht, was Thierry Chervel vom Perlentaucher
im Namen der Meinungsfreiheit wiederum heftig
kritisierte. So gespalten wie das Podium zeigten
sich auch die zahlreich erschienenen Gäste im Publikum. Die Anschläge von Paris haben die Debatte
über Grundfragen des Zusammenlebens in liberalen
Gesellschaften neu entfacht.
Nur wenige Monate später – am 13. November
2015 – war Paris erneut das Ziel islamistischer Terroristen. Sie verübten die Anschläge an Orten, an denen sich besonders viele junge Menschen aufhielten
und die Freiheiten einer liberalen Lebensweise versinnbildlichen. In einer Podiumsdiskussion Ende November debattierten u. a. Ulrike Guérot (European
Democracy Lab), Bernd Ulrich (Die Zeit), Teresa Koloma Beck (Centre Marc Bloch), Jens Althoff (Heinrich-Böll-Stiftung, Büro Paris) sowie Bente Scheller
(Heinrich-Böll-Stiftung, Büro Beirut) darüber, wie
dem Terror in Europa begegnet werden kann. Die
Debatte verlief teilweise recht kontrovers. Einigkeit
bestand jedoch darin, dass die Regierungen auf die
gescheiterte Integration ihrer eigenen Bürger/innen
mit Migrationshintergrund und damit die verfehlte
Integrationspolitik schauen müssen. Nur so gebe es
die Chance, dass sich die Fehler der Vergangenheit
nicht wiederholten, insbesondere im Umgang mit
den nun eintreffenden Flüchtlingen in Europa.

13

Anforderungen an die internationale
Friedens- und Sicherheitspolitik

Walter Russell Mead (Bard College, New York) und Sylke Tempel (Chefredakteurin
Internationale Politik, Berlin)

Vom Umgang mit autoritären Systemen

Seit über 15 Jahren ist die Außenpolitische Jahresta- liches Engagement wird in vielen Autokratien immer
gung der Stiftung ein Ort für konstruktive und offene schwieriger. Dem sollte der Westen eine Politik der
Debatten zu Fragen der internationalen Außen- und eigenen Öffnung entgegensetzen, so die Forderung
Sicherheitspolitik. Wir werben dafür, dass Deutsch- von Experten wie Rahul Sagar (National University
land mit einem klaren Bekenntnis zum westlichen of Singapore) oder John Keane (WZB, Berlin). Dies
Bündnis und der Europäischen Union seinen außen- könnte z.B. durch eine Lockerung der Visa-Politik
politischen Werkzeugkasten sehr viel engagierter geschehen, die es Demokratie-Aktivisten erleichtern
nutzt als bisher. Bei unserer Jahrestagung 2015 würde, nach Europa zu reisen. Einer solchen «Deging es um die Frage nach dem richtigen Umgang mokratisierung von unten» wurden größere Erfolgsmit autoritären Systemen. Die Antworten von Ex- chancen eingeräumt als der Diplomatie und der weitperten wie Walter Russell Mead (Bard College, New gehend diskreditierten Strategie eines erzwungenen
York) oder Herfried Münkler (Humboldt-Universi- Regimewechsels.
tät, Berlin) fielen recht gegensätzlich aus. Nahezu
alle Gäste sahen die Strahlkraft westlicher Außen- Zivile Krisenprävention
politik schwinden. Ein Instrument, das dem «norma- Für eine bessere strukturelle, personelle und finanzitiven Demokratieprojekt» des Westens heute noch elle Verankerung von Krisenprävention in der deutzur Verfügung stehe, sei die Unterstützung der Zivil- schen Politik werben wir mit unserer Reihe «Zivile
gesellschaft in autoritären Staaten. Ihr wurde eine Krisenprävention in der Außen- und Friedenspolitik».
zentrale Rolle zugesprochen. Doch zivilgesellschaft- Bei vier öffentlichen Veranstaltungen diskutierten

  Konferenzdossier

  

https://goo.gl/2rjwY6

Internationale Konflikte, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas

Ob Meinungsfreiheit, der Schutz der Menschenrechte oder freie Wahlen – die Errungenschaften freier Demokratien stehen bei vielen Regierenden nicht hoch im
Kurs. Staaten wie Russland, China oder Saudi-Arabien weisen die Forderung nach
Demokratie entweder als westliche Einflussnahme zurück oder setzen ihr eine eigenwillige Spielart von Demokratie entgegen, die angeblich besser mit nationalen
Traditionen vereinbar sei. Diskreditiert wurde das Konzept liberaler Demokratie
auch durch die Politik, Demokratisierung notfalls mit Gewalt durchzusetzen oder
aus machtpolitischen Gründen mit autoritären Regimen zu kooperieren.

14

Internationale Konflikte, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas

Internationale Konferenz «Ukraine, Russland und die EU –
Europa ein Jahr nach der Annexion der Krim»

nalen Konferenz im März in Berlin – ein Jahr nach
der russischen Annexion der Krim. Das Interesse an
der Konferenz war enorm, über 500 Besucher/innen kamen, nicht zuletzt um die Eröffnungsrede des
Historikers Timothy Snyder mitzuerleben. Einigkeit
bestand darin, dass Kiew den Krieg im Osten der Ukraine militärisch nicht gewinnen könne. Der Konflikt
könne bestenfalls durch einen dauerhaften Waffenstillstand «eingefroren» werden, um der Regierung
Zeit und politischen Handlungsspielraum für eine
Stabilisierung der Wirtschaft und die Umsetzung
von Reformen zu verschaffen. Europa müsse diesen
Prozess mit schnellen und großzügigen Finanzhilfen
und Investitionsprogrammen unterstützen. Doch dafür gebe es bisher keinen politischen Konsens, so die
von allen Gästen geteilte Kritik. Die EU reagiere lediglich auf das kurzfristige Geschehen und lasse eine
langfristige Strategie vermissen. Dies müsse sich
bald ändern, wenn die Ukraine tatsächlich zu einem
demokratischen Erfolgsmodell mit regionalem Vorbildcharakter werden solle.

grüne Politiker/innen wie Franziska Brantner, W
­ inni
Nachtwei, Tom Koenigs und Marieluise Beck mit Wissenschaftler/innen und Fachleuten der Bundesregierung entsprechende Handlungsoptionen für Parlament und Zivilgesellschaft. Anlässlich des deutschen
Vorsitzes der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zum Beispiel diskutierte das Podium im Oktober, wie sich diese friedens- Russische Propaganda unter Putin
und präventionspolitisch wichtige Organisation, die «Russische Desinformation im 21. Jahrhundert» war
seit dem Fall des Eisernen Vorhangs eher vernachläs- das Thema einer gleichnamigen Konferenz im Juni
2015 in Berlin, veranstaltet vom Atlantic Council,
sigt worden war, weiterentwickeln sollte.
dem European Council on Foreign Relations und der
Heinrich-Böll-Stiftung. Russische Experten warnDie neue Welt(un)ordnung – Ukraine, Russland und
ten davor, den hoch professionell angelegten InforEuropa ein Jahr nach der Annexion der Krim
Mit der Frage, wie Europa außenpolitisch auf die mationskrieg der russischen Machtzentrale zu unzahlreichen Konflikte in der Welt reagieren sollte, terschätzen und von Präsident Putin ein faires Spiel
befasste sich die Wintertagung der Grünen Akade- zu erwarten. Die neuartige, technisch hervorragend
mie der Stiftung. Inhaltlich verdichtete sich die De- umgesetzte Propagandakampagne aus Russland ziebatte auf die Eskalation des Ukraine-Konflikts. Einig le darauf ab, die Öffentlichkeit mit einer Wolke aus
waren sich die Diskutanten darin, dass der Konflikt Gerüchten, Zweideutigkeiten und Falschinformatioeinen Einschnitt im Verhältnis von EU und USA dar- nen zu desorientieren und zugleich westliche Medistellt. Zum ersten Mal trete die EU aus dem Schat- en zu diskreditieren. Was also ist zu tun, um das Inten der Supermacht, die ihre Führung verweigere. formationsmonopol der russischsprachigen Medien
Zudem übernehme Deutschland innerhalb der EU aufzubrechen? Viele Diskutanten betonten, die Proeine immer wichtigere Rolle im Krisenmanagement, paganda dürfe nicht einfach mit Gegenpropaganda
was alle auf dem Podium begrüßten. Dafür gäbe es beantwortet werden. Einige sprachen sich dafür aus,
jedoch, so Ralf Beste vom Planungsstab des Auswär- alle Propagandalügen konsequent zu entlarven. Antiges Amtes, weder ein eindeutiges Mandat aus Brüs- dere setzten auf den Austausch zwischen Russen und
sel noch ein institutionalisiertes Format. Vielmehr Westlern: Jede Reise zueinander, jede gemeinsame
erfolge die Außenpolitik wenig geplant auf einer Ad- Diskussion tue Not in Zeiten der russischen Selbstisohoc-Basis und über nationalstaatliche Regierungs- lation, nach dem Motto: «Distanz zu den Herrschenund Staatschefs. Im Gegensatz zu den anderen den und Nähe zu den Menschen!» Die Bereitschaft
Podiumsteilnehmern sah Beste darin jedoch einen zu Selbstkritik, die Offenheit für andere Meinungen
positiven Prozess, in dem für die Zukunft Mechanis- und das vorsichtige Abwägen verschiedener Positimen eingeübt würden.
onen benannten viele Teilnehmenden als Stärke der
Russland hat mit der Annexion der Krim und der westlichen Demokratien. Diese Debattenkultur sei
Intervention in der Ostukraine alle Regeln der euro- langfristig die attraktivste Alternative zu einem aupäischen Sicherheitsordnung gebrochen. Wie Eu- toritären Regime.
ropa nun auf diese neue Bedrohungslage ­antworten
sollte, war auch die große Frage einer internatio  Konferenzdossier

  

w ww.boell.de/de/konferenzukraine-russland-und-die-eu

  Konferenzdossier

  

w ww.boell.de/de/2015/07/
08/russische-propagandaund-deutsches-schwanken

Soh Horie (Überlebender des Atombombenabwurfes auf Hiroshima)

Nukleare Abrüstung:
70 Jahre Hiroshima und Nagasaki

Die UN-Konferenz zur Überprüfung des Atomwaffensperrvertrags endete im Mai ohne Ergebnis. Ein
Webdossier der Stiftung analysierte die Folgen mit
Hintergrundberichten und Interviews. Das Scheitern
dieser Konferenz thematisierte auch eine öffentliche Veranstaltung im Juni aus Anlass des 70. Jahrestages der Atombombenabwürfe auf Hiroshima
und Nagasaki, zu der mit Soh Horie ein Hibakusha,
ein Überlebender, aus Japan angereist war. Einmal
mehr wurde deutlich, wie sehr diese Ereignisse Mahnung sind, die Welt von der Geißel eines Atomkriegs
zu befreien. Weil es bei den UN-Überprüfungskonferenzen aber bisher nicht gelungen ist, die nukle­
are Abrüstung substantiell voranzutreiben, arbeiten
über 130 Staaten der UN seit Ende 2015 an einem
Verbot von Atomwaffen aus humanitären Gründen.
Unsere Podiumsdiskussion drehte sich um die Frage, welche Rolle das humanitäre Argument während
der UN-Verhandlungen gespielt hat und ob die Forderung nach einem völkerrechtlichen Atomwaffenverbot umsetzbar ist.
Bosnien-Herzegowina: 20 Jahre nach Dayton

Im Dezember 1995 unterzeichneten die Präsidenten Serbiens, Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas
in Paris das einen Monat zuvor ausgehandelte Dayton-Abkommen. Was die internationale Gemeinschaft als Friedensvertrag feierte, sehen die Menschen in Bosnien-Herzegowina als die Grundlage für
einen nichtfunktionierenden Staat an. Auf einer Podiumsdiskussion der Stiftung im November in Berlin
  Webdossier

  

https://goo.gl/svW9PW

diskutierte Marion Kraske (Heinrich-Böll-Stiftung,
Büro Sarajevo) u. a. mit der Regisseurin Jasmila
Žbanić und dem Journalisten und ehemaligen Diplomaten Zlatko Dizdarević über die Zukunftsperspektiven des Landes. Trotz Vetternwirtschaft und reformfeindlicher Bürokratie sah Jasmila Žbanić eine
Möglichkeit für Fortschritt und Veränderung – und
zwar durch bürgerliches Engagement und vor allem
Bildung. Zlatko Dizdarević hingegen p­ rognostizierte,
Bosnien werde aufgrund der Perspektivlosigkeit seiner Bürger/innen schon bald wieder ein Problem für
die EU werden. Erst dann werde diese sich wieder
mit Bosnien beschäftigen, anstatt bereits jetzt zu
handeln und die staatlichen Rahmenbedingungen zu
verändern.
Eine Podiumsdiskussion im Dezember mit dem
Hohen Repräsentanten Valentin Inzko, dem bosnischen Abgeordneten Dennis Gratz und der Grünen-Abgeordneten Marieluise Beck kam zu dem
Schluss, dass sich ohne eine demokratische Verfassungsreform die insgesamt desolate politische und
ökonomische Lage in Bosnien-Herzegowina kaum
verändern lasse. Ein Gast der Veranstaltung, der
als 12-jähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen war, hatte eine Botschaft an die Nichtbosnier
auf dem Podium: «Üben Sie Einfluss und motivieren
Sie die Menschen, für neue politische Kräfte tätig zu
werden.» Die zweite Botschaft richtete sich an die
Bosnier: «Üben Sie Einfluss und geben Sie keiner
Partei Ihre Stimme, die in den vergangenen 20 Jahren an der Macht war. Sie können mit Sicherheit davon ausgehen, dass das Kriminelle sind.»

Internationale Konflikte, Sicherheitspolitik und die Zukunft Europas

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Demokratie und Menschenrechte

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Foto: Sofía Gonzáles CC-BY-NC-ND-2.0

17

Demokratie ist kein Selbstläufer. Demokratie muss erkämpft, mit Leben gefüllt und erneuert werden. Demokratie und Demokratisierung weltweit zu unterstützen
und zu fördern ist ein Kernanliegen unserer internationalen Arbeit. Ausgangs- und Angelpunkt sind dabei
die universellen Menschenrechte: Wir unterstützen die
Einmischung der Bürgerinnen und Bürger, wir organisieren öffentliche Debatten, und wir streiten für gleiche
Rechte der Geschlechter und die Beteiligung von Minderheiten. Zusammen mit unseren Partnerinnen und
Partnern arbeiten wir zum Beispiel daran, Gesetzes­
initiativen zum Schutz der Menschenrechte von Les­ben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Inter*-Menschen (LSBTI) weltweit voranzubringen.
Eine freiheitliche politische Kultur muss sich entwickeln können. Deshalb unterstützen wir zivilgesellschaftliche Gruppen und die Arbeit von Journalistinnen
und Journalisten und Medien. Wir arbeiten mit unseren Partnerinnen und Partnern auch daran, Konflikte
zu bewältigen, Streit in bearbeitbare Bahnen zu lenken
und für Interessensausgleich zu sorgen – damit die Demokratie nicht ausgehöhlt wird oder gar zerbricht.

Demokratie und Menschenrechte

Demokratie fördern, Menschenrechte durchsetzen!

18

Menschenrechte einfordern, umsetzen und garantieren

Demokratie und Menschenrechte

«Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren» – so heißt es
im ersten der 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, zu denen
sich die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 bekannte. Heute umfasst das Regelwerk der Vereinten Nationen über 70 Konventionen und Resolutionen. Es formuliert menschenrechtliche Standards – vom Recht
auf Meinungsfreiheit bis zur Abschaffung aller Formen der Diskriminierung der
Frau. Im Zentrum des Regierungshandelns stehen die Menschenrechte leider nicht.
Sie müssen immer wieder neu eingefordert und erstritten werden.

Maina Kiai (UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf
Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit) und Barbara
Unmüßig (Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung)

Re:Claim Human Rights! – Veranstaltungsreihe

2015 war ein UN-Gipfel-Jahr. Neue Ziele zur Bewältigung der globalen Armuts- und Umweltkrise wurden verhandelt, ein neues rechtsverbindliches Klimaabkommen verabschiedet, und die Agenda für Frauenrechte – die Pekinger Aktionsplattform – feierte
ihren 20. Geburtstag. Mit unserer Reihe «Re:Claim
Human Rights!» versuchten wir, den Blick für Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Menschenrechte in diesen UN-Prozessen zu schärfen.
In der Auftaktveranstaltung forderte Tom Koenigs
(Sprecher für Menschenrechtspolitik von Bündnis 90/Die Grünen), Menschenrechte müssten zu einem Kompass in der Außenpolitik werden. Es gelte,
ihre Missachtung offen anzusprechen und zu kritisieren, dabei sei die Zivilgesellschaft eine wichtige
Kraft.
Auf einer internationalen Konferenz im Juni ging
es um die Verantwortung und Rechenschaftspflicht
für die Umsetzung der universellen Menschenrechte
und internationalen Abkommen. Das internationale
Recht funktioniere für Investoren, aber nicht für Opfer von Menschenrechtsverletzungen, so der Völkerrechtler Jochen von Bernstorff (Universität Tübingen). Auch Maina Kiai (UN-Sonderberichterstatter
für das Recht auf Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit) berichtete, wie die Rahmenbedingungen für
zivilgesellschaftliche Organisationen in vielen Ländern deutlich schwieriger seien als für Unternehmen.

Die Lücken in der Rechenschaftspflicht von Staaten
und Unternehmen zu schließen, bleibt eine große
Heraus­forderung.
In einer anderen Veranstaltung ging es um die
schwierige Durchsetzung von emanzipatorischen
Ideen und Frauenrechten im Kaukasus. Ob durch
den Islam, Traditionen oder Gewohnheitsrechte – im
Kaukasus dienen Werte und Regeln dazu, den Frauen
ihre Rechte und Freiheiten vorzuenthalten. Davon
erzählt auch der Dokumentarfilm «Lasst mich nicht
aufhören!», der im Auftrag der Stiftung mit Unterstützung der tschetschenischen Organisation Sintem entstand. Wir stellten ihn auf der Veranstaltung
vor, zusammen mit einer Studie über das Leben der
Frauen im Nordkaukasus. Dort sei die Stellung der
Frau ein hochpolitisiertes Thema und mit vielen Tabus belegt, berichtete Ira Kosterina vom Moskauer
Büro der Stiftung, die die Studie geleitet hat. Fragen
zu Moral, Sexualität und Körperlichkeit konnten in
den Fragebögen nicht offen formuliert werden. Die
Lehrerin Luiza Mutoshvili aus dem Pankisi-Tal im
südlichen Nachbarland Georgien berichtete von einigen positiven Veränderungen, die in patriarchalen
Gesellschaften nur in Abstimmung mit den Männern
herbeigeführt werden könnten. Sie selbst habe dank
Unterstützung ihres Vaters studieren, reisen und
schließlich auch bei der Parlamentswahl 2012 kandidieren können, bei der sie nur knapp verloren habe.

19

Zivilgesellschaft unter Druck

Junge Moskauerinnen und Moskauer bei einer Kundgebung der Opposition  Foto: Vladimir Varfolomeev CC BY-NC

Diffamierung Andersdenkender
in Russland und Belarus

Auf einer Konferenz im Januar 2015 in Berlin zogen
bekannte russische und belarussische Menschenrechtler/innen die nüchterne Bilanz: 2014 war ein
sehr schlechtes Jahr für die Menschenrechte. Die
Meinungs-, Medien- und Versammlungsfreiheit, die
Freiheit der Sexualität und freies zivilgesellschaftliches Arbeiten werden seither beschnitten oder kriminalisiert, und es werden Geld- und Freiheitsstrafen
gegen Andersdenkende verhängt. Ein Lichtblick war
die Teilnahme von Ales Bialiatski aus Belarus, dem
Petra-Kelly-Preisträger 2012. Er hat sich nach seiner Entlassung aus der politischen Haft als ungebrochener und besonnener Aktivist zurückgemeldet.
Russland versucht seit 2015 mit dem «NGO-Agentengesetz» kritische Nichtregierungsorganisationen in die Knie zu zwingen. Seit Verabschiedung
des Gesetzes wurden 120 Organisationen mit ausländischer Finanzierung und willkürlich definierter
«politischer Tätigkeit» als ausländische Agenten
diffamiert (Stand Ende Februar 2016). Die meisten

unserer Partner sind darunter. Viele Organisationen
lösen sich infolgedessen auf, manche verzichten auf
ausländische Gelder, und andere arbeiten so gut es
geht weiter. Doch mit der Auflistung als «ausländischer Agent» ist es nicht getan: Verschärfte Überprüfungen, Strafbefehle und Gerichtsbeschlüsse bis
zur staatlichen Schließung belegen, dass es vor allem
darum geht, Menschenrechtsorganisationen mundtot zu machen. Dennoch gibt es gerade unter jungen
Russen ein großes Bedürfnis, sich zu engagieren –
wenngleich oft weniger betont politisch und sehr projektorientiert. Das zeigten die Diskussionen während
des Grünen Russland-Forums im Dezember in Moskau. Tatsächlich bieten sich für findige Aktivisten
noch viele Nischen. Unser Büro in Moskau versucht
mit seiner Sommerschule, jungen Aktivistinnen und
Aktivisten Wissen, Netzwerkkontakte und Mut zu
vermitteln. Etwa die Hälfte der Plätze wurde 2015
erstmals frei in ganz Russland ausgeschrieben. Die
hohe Zahl der Bewerber/innen zeigte, dass die staatliche Abschreckungspolitik vielen auch weiterhin
keine Angst macht.

Demokratie und Menschenrechte

Seit einiger Zeit gehen die Regierungen vieler Länder massiv gegen zivilgesellschaftliche Akteur/innen vor: gegen Nichtregierungsorganisationen und soziale
und ökologische Aktivist/innen, gegen Frauenrechtlerinnen oder Menschenrechtsverteidiger/innen. Wer Regierungspolitik kritisiert, Demokratie und Menschenrechte einfordert, gegen soziale Missstände, gegen Landraub oder Umweltzerstörung protestiert, gerät ins Visier staatlicher und privater Gewalt. Aktivist/innen
werden diffamiert, unter Druck gesetzt oder kriminalisiert. Auch viele unserer
Projektpartner/innen sind davon betroffen.

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Jugendliche Bandenmitglieder (Maras) in einem Gefängnis in Quezaltepeque,
El Salvador  Foto: OEA / SMS Arena Ortega CC BY-ND 2.0

Demokratie und Menschenrechte

Unterdrückung von Presse- und
Meinungsfreiheit in Thailand

Als die thailändische Militärregierung am 1. April
2015 das Kriegsrecht aufhob, wurde schnell deutlich,
dass es sich um eine taktische Finte handelte, um
Einbußen im internationalen Tourismus und politische Sanktionen zu vermeiden. Denn zeitgleich mit
der Aufhebung des Kriegsrechts erließ der Chef der
Junta eine Verordnung, die es Militärangehörigen
weiterhin erlaubte, Personen vorzuladen, sie zu verhören und bis zu sieben Tage ohne richterliche Anordnung in Haft zu nehmen. Faktisch hatte sich damit an
der unbeschränkten Macht des Militärs nichts geändert. Außerdem blieben Verordnungen in Kraft, mit
deren Hilfe die Bürger/innen zunehmend der Militärgerichtsbarkeit ausgesetzt werden. Neben der massiven Einschränkung prozessualer Grundrechte, wie
das Recht auf Berufung, führte die Ausweitung der
Militärgerichtsbarkeit zu einer Welle der Einschüchterung. Unsere Partnerorganisation Thai Lawyers
for Human Rights (TLHR), die Betroffenen juristisch
zur Seite steht, berichtete, dass seit dem Putsch bis
September 2015 mehr als 1400 Zivilpersonen vor
Militärgerichten abgeurteilt wurden. In zwei Fällen
wurden Haftstrafen von 56 und 60 Jahren wegen
Majestätsbeleidigung in den sozialen Medien verhängt. Nach den Schuldbekenntnissen der Angeklagten wurden sie jeweils auf die Hälfte reduziert. Neben den Anwält/innen der TLHR setzen sich auch die
Online-Zeitung Prachatai (http://prachatai.org/english/ ) und iLaw mit dem Freedom of Expression Documentation Center (http://freedom.ilaw.or.th/en)
für die Freiheitsrechte in Thailand ein – beides Partnerorganisationen der Stiftung.

gaben gelten in Mexiko seit 2007 mehr als 27.000
Menschen als vermisst, viele Fälle werden der organisierten Kriminalität zugeschrieben. Der Staat
setzt diesen systematischen Verbrechen bislang wenig entgegen. Die Angehörigen beklagen die fehlende staatliche Unterstützung bei der Suche nach den
Verschwundenen und die ausbleibende Strafverfolgung. Stattdessen müssen sie selbst originär staatliche Aufgaben übernehmen, oftmals verbunden mit
Gefahren für ihre eigene Sicherheit. Aktivist/innen
in Mexiko fordern deshalb ein allgemeines Gesetz
zum Verschwindenlassen, das die Suche, Aufklärung
und Entschädigung nach internationalen Standards
regelt. Auf einer Podiumsdiskussion in Kooperation mit der Deutschen Menschenrechtskoordination
in Berlin haben wir an die verschwundenen Studenten erinnert und darüber diskutiert, wie derartige
Verbrechen bekämpft werden können. Die oft einzige Unterstützung bekommen die Angehörigen Verschwundener derzeit von Menschenrechtsorganisationen wie zum Beispiel dem Tlachinollan CDHM
und dem Centro Pro Derecho Humanos, beides ­lang­jährige Partnerorganisationen der Stiftung.
La Red – Netzwerk gegen Gewalt und
Straflosigkeit in Zentralamerika

Im nördlichen Dreieck Zentralamerikas haben sich –
eng begleitet von unserem Büro in El Salvador – vor
zwei Jahren zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen aus El Salvador, Guatemala und Honduras
zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, um sich
mit den dringenden Fragen von (Un-)Sicherheit, Gewalt und Straflosigkeit in der Region auseinanderzusetzen. Dabei geht es besonders darum, die strukturellen Schwächen der Staaten und die wachsenden
Grauzonen zwischen Legalität und Illegalität genauVerschwindenlassen in Mexiko
Ende September 2014 wurden im mexikanischen er zu erkennen und zu analysieren. Diverse Studien
Bundesstaat Guerrero 43 Studenten verschleppt wurden mittlerweile in Auftrag gegeben, u. a. zu den
und sind seither verschwunden. Nach offiziellen An- (Jugend-)Banden, ihrer territorialen Macht und ihren

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Strategien sowie zu den Vertreibungen innerhalb
der jeweiligen Länder und der wachsenden Migration ins Ausland infolge von Unsicherheit. Formal sind
es zwar Demokratien, doch ihr Funktionieren wird
verhindert. Das Netzwerk versucht zu analysieren,
welche De-facto-Mächte dafür verantwortlich sind.
Seine Informationen stellt es regelmäßig politischen
Entscheidungsträgern zur Verfügung. Einzelne Beiträge wurden über die am Netzwerk beteiligten Medien Plaza Pública in Guatemala und El Faro in El
Salvador auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Erfolg im Kampf gegen Landraub in Kambodscha

Nach jahrelanger intensiver Lobbyarbeit hatte unsere Partnerorganisation Equitable Cambodia 2015
endlich Erfolg: Der thailändische Zuckerkonzern
Mitr Phol zog sich aus Kambodscha zurück. Vorangegangen waren langwierige Diskussionen um Land­
raub, Einschüchterung der lokalen Bevölkerung,
Vernichtung von Ernten und niedergebrannte Häuser. Der Zuckerkonzern profitierte von der Handels­
erleichterung der EU für kambodschanische Waren,
von der die lokale Bevölkerung aber nichts s­ pürte.
Lange hatte sich die EU nicht um die Menschenrechtsverletzungen gekümmert, die ihren Handels­
partnern angelastet wurden. Letztlich waren es die
Vorsprachen von Equitable Cambodia bei Coca Cola,
einem der Hauptabnehmer für den Zucker von Mitr
Phol, die zum Erfolg führten. Coca Cola hatte eine
Null-Toleranz-Grenze für Landraub ausgerufen und
sich vor Ort über die Machenschaften von Mitr Phol
informiert. Im Zusammenwirken mit einer Klage vor
der thailändischen Menschenrechtskommission, die
Equitable Cambodia im Auftrag der betroffenen Be-

völkerung angestrengt hatte, wurde der Druck auf
den thailändischen Konzern zu groß. Nun wartet die
lokale Bevölkerung darauf, dass die kambodschanische Regierung ihr das Land wieder zuteilt.
«Courage» – Mut zur Veränderung,
eine Ausstellung in Nairobi

In keinem anderen Kontinent ist die Bevölkerung
so jung wie in Afrika. In Kenia zum Beispiel sind
35  Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 24
Jahre alt. Doch die viel beschworene demografische
Dividende bleibt bisher aus. Jungen Kenianer/innen
mangelt es an Perspektiven und auch an politischer
­Repräsentation. Mit 67 Prozent führen sie die Arbeitslosenstatistik an, und der tagtägliche Überlebenskampf lässt ihnen wenig Raum, sich zu organisieren. Auch an Vorbildern fehlt es, dabei gibt es sie.
Die kenianische Geschichte ist voller mutiger Männer
und Frauen, die im Kampf um Selbstbestimmung
und Gerechtigkeit oft große Opfer gebracht haben.
Doch kaum einer kennt sie. Unser Büro in Nairobi unterstützte eine Ausstellung, die die Geschichte ebenjener Heldinnen und Helden erzählt. Konzipiert wurde sie von einem Mann, der selbst viel Mut bewiesen
hat, Boniface Mwangi, ein mehrfach ausgezeichneter Fotojournalist und Kenias wohl bekanntester Aktivist. Tausende von Menschen haben die Ausstellung
inzwischen gesehen. Doch sie ist nur der Anfang. Mit
#TeamCourage soll eine Bewegung junger engagierter Menschen entstehen, die sich ihres Einflusses zunehmend bewusst werden und die gesellschaftlichen
Herausforderungen des Landes anpacken. Bei den
nächsten Wahlen 2017 könnten über vier Millionen
Neuwähler/innen an die Urnen treten: fast ein Fünftel der Wählerschaft.

  

  Courage-Ausstellung

w ww.teamcourage.co.ke/
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Demokratie und Menschenrechte

«Courage» – eine Ausstellung in Nairobi erzählt die Geschichte kenianischer
Heldinnen und Helden.  Foto: Brian Inganga

22

Frauen- und LSBTI-Rechte stärken

Demokratie und Menschenrechte

Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht und Sexualität sind weltweit noch
immer an der Tagesordnung: Frauen werden in konventionelle Rollen gedrängt
und von politischer Teilhabe ausgeschlossen. Homosexuelle und Transgender haben öffentliche Demütigungen oder gar körperliche Gewalt zu fürchten. Zusammen mit unseren Partnerorganisationen arbeiten wir daran, dass sich das ändert.
Unser wichtigstes Ziel ist es, Frauenrechte zu stärken und Gesetzesinitiativen zum
Schutz der Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Inter*Menschen (LSBTI) weltweit voranzubringen.

Zwar ist in Südafrika das Verbot der Diskriminierung
Erste Erfolge für LSBT-Organisationen in Tunesien
Etablierte Organisationen der Zivilgesellschaft wie aufgrund der sexuellen Orientierung gesetzlich verdie tunesische Liga der Menschenrechte LTDH – seit ankert, dennoch ist Homophobie allgegenwärtig und
2015 gemeinsam mit der Zentralgewerkschaft UGTT drückt sich häufig gewaltsam aus. Großen Einfluss
Träger des Friedensnobelpreises – haben erstmalig auf Moral, mentale Gesundheit und Familienwerte
Aufrufe zur Abschaffung des Paragrafen  2 30 (Kri- haben die traditionellen Heiler, die sogenannten Sanminalisierung der Homosexualität) und für die An- gomas. Einige Sangomas wollen ein Zeichen gegen
erkennung von sexueller Selbstbestimmung unter- Homophobie setzen und haben sich zusammengestützt. Bisher waren LGBT-Organisationen nicht als schlossen. Die Gruppe, zu denen auch schwule und
Teil der Zivilgesellschaft akzeptiert. Selbst im Parla- lesbische Sangomas gehören, trifft sich regelmäßig
ment ist es zu einer kurzen Debatte über LGBT-Rech- in den Räumen unseres Kapstadter Büros. Sie hinte gekommen. Zudem haben die Organisationen terfragen unfundierte Interpretationen afrikaniDamj l'Association Tunisienne pour la justice et scher Traditionen und zeigen auf, dass sexuelle Dil'égalité und CHOUF zahlreiche Veranstaltungen or- versität durchaus mit Kultur und Tradition vereinbar
ganisiert, darunter das Chouftouhonna – das femi- ist. Ihre einflussreiche Stellung hilft, die Haltung der
nistische Kunstfestival. Mit beiden Organisationen Gesellschaft gegenüber LGBTI-Menschen positiv zu
verändern.
arbeiten wir seit 2013 zusammen.
Was ist natürlich? – Konferenz im Libanon

«Widernatürliche» sexuelle Handlungen stehen im
Libanon und einer Reihe anderer Staaten der Region unter Strafe – doch im Jahr 2015 hat ein Gericht
im Libanon verfügt, Homosexualität sei nicht «gegen
die Natur». Eine Konferenz unseres Beiruter Büros
knüpfte daran an und stellte die philosophische Frage nach dem Wesen der Natur. Immer wieder wird
das Argument der «Natur» missbraucht, um gesellschaftliche Normen zu beeinflussen. Während der
dreitägigen Konferenz wurden juristische Fälle diskutiert sowie Filme und Audiobeiträge zur aktuellen
Forschung und den historischen Zusammenhängen
präsentiert. Natur, so wurde deutlich, ist mit sehr widersprüchlichen Bedeutungen besetzt. Als Maß für
«richtiges» oder «falsches» Verhalten kann sie nicht
dienen.

Genderdebatte online – Kohl, ein neues Magazin
aus dem Libanon

Kajal, auf Arabisch «Kohl», ist ein schwarzer Puder,
der im arabischen Raum seit Jahrtausenden als Augenschminke verwendet wird. Schwarz geschminkte Augen galten als Ausdruck orientalischer Erotik.
Wurde die arabische Frau früher im Westen häufig
hypersexualisiert dargestellt, so dominiert heute das
Bild der verschleierten Frau als Opfer patriarchaler
Herrschaft. Mit Kohl, einem neuen akademischen
Onlinemagazin aus dem Libanon, wollen die Herausgeber derartige Stereotypen aufbrechen und die
Genderdebatte in der Region beflügeln. Die überwiegend weiblichen arabischen Autor/innen schreiben
zu Gender, Sexualität, LGBTI und Feminismus und
richten sich an eine arabisch und englischsprachige
Leserschaft. Das Magazin wird von unserem Büro in
Beirut unterstützt.

Traditionelle Heiler gegen Homophobie in Südafrika

Homosexualität sei unafrikanisch, so wird von Poli­ Genderquoten in Afghanistan und Pakistan – Studie
tikern, religiösen und traditionellen Autoritäten und Genderquoten sind wichtige Instrumente um sicheranderen Meinungsmachern immer wieder behauptet. zustellen, dass Frauen sich politisch beteiligen kön  Video

  

h ttp://chouf-minorities.org/
chouftouhonna-the-trailer

  

  Link

h ttp://kohljournal.org

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Demonstration gegen Feminizide in Oaxaca de Juárez, Mexiko
Foto: Víctor Ramírez CC BY-ND 2.0

Vorgeburtliche Geschlechterauswahl in Asien –
Konferenz in Neu-Dehli

In Indien und auch in anderen Ländern Asiens ist
es weitverbreitet, weibliche Föten abzutreiben. Dadurch werden Millionen von Mädchen gar nicht erst
geboren. Unsere Partnerorganisation Centre for Social Research (CSR) in Neu-Delhi unterstützt seit
Jahren gesetzliche Maßnahmen gegen geschlechtsselektive Abtreibungen, speziell das Verbot der Nutzung von Ultraschallgeräten zur vorgeburtlichen Geschlechtsbestimmung. Sie begleitet auch Projekte
zur Aufwertung des sozialen Status von Töchtern –
von moralischen Appellen bis hin zu finanziellen Anreizen. Im Juli 2015 organisierte CSR mit Unterstützung unseres Büros in Neu-Delhi eine Konferenz, auf
der die Erfahrungen in Indien, Südkorea, Vietnam
und der indischen Diaspora in den USA vergleichend
diskutiert wurden. Bei großen Unterschieden in den
nationalen Bedingungen zeigte sich, dass Verbote

spezifischer Technologien nur begrenzte Wirkung
haben – und allenfalls dann, wenn sie konsequent
durchgesetzt werden. Langfristig geht es um die
Veränderung sozialer Wertesysteme und eine höhere Wertschätzung von Töchtern in Familien und der
Gesellschaft insgesamt.
Lateinamerika gegen den Malestream –
Diskussionsreihe

Für lateinamerikanische und karibische Frauen und
Mädchen hat sich in puncto Gleichberechtigung einiges getan. Immer mehr Frauen haben eine bezahlte Arbeit, der Zugang zu Schulen und Universitäten
hat sich verbessert. Auch institutionell und rechtlich
sind die Standards beachtlich gestiegen: Frauenrechte wurden ausgebaut, nationale Gesetze für die
Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen verabschiedet und die Frauenquoten für Parlamentswahlen
erhöht. Aber dort, wo traditionelle Geschlechterrollen und -verhältnisse oder Familienbilder angetastet werden, gibt es noch immer harsche Gegenwehr.
Eine konsequente rechtliche Entkriminalisierung der
Abtreibung konnte bisher kaum umgesetzt werden.
Und die Gewalt gegen Frauen und Mädchen nimmt
kaum ab. Die Zahl der Feminizide – Morde an Frauen
aufgrund ihres Geschlechts, der extremste Ausdruck
der Gewalt an Frauen – steigt in einigen Ländern des
Kontinents sogar weiter an. Auch ökonomisch haben
Frauen weniger profitiert als die Männer. Der Frauenanteil unter den Menschen, die in Armut leben, ist
gestiegen. Eine Veranstaltungsreihe in Berlin hat die
Geschlechterverhältnisse in Lateinamerika näher
betrachtet. Feministinnen und Menschenrechtsaktivistinnen aus Lateinamerika und Deutschland
diskutierten über Arbeitsmarktpolitiken, Abtreibungsverbote, die «Geschlechterblindheit» des internationalen Völkerstrafrechts und die Arbeit von feministischen und Frauenrechtsorganisationen.
  Soundcloud

  

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Demokratie und Menschenrechte

nen. In Pakistan gibt es sie seit den 1950er Jahren,
Afghanistan hat sie 2001 in der Verfassung und im
Wahlrecht etabliert. Eine von der Stiftung unterstützte Studie verglich die Erfahrungen von Parlamentarierinnen in beiden Ländern und die qualitativen Auswirkungen der Quotenregelung. Es zeigte
sich, dass Genderquoten zwar einen wichtigen Beitrag zur politischen Partizipation leisten, inwieweit
Frauen tatsächlich politischen Einfluss erlangen,
hängt aber noch stark von den lokalen Gegebenheiten ab. Auf Einladung der Stiftung stellten Wissenschaftlerinnen und Parlamentarierinnen aus beiden
Ländern die Ergebnisse in Berlin vor. Bei politischen
Gesprächen in Berlin und Brüssel diskutierte die Delegation über künftige Kooperationsmöglichkeiten
mit dem deutschen und dem Europaparlament. Auch
untereinander wollen sich die Parlamentarierinnen
künftig vermehrt austauschen.

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Die Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung
Die 16 Landesstiftungen im Verbund der Heinrich-Böll-Stiftung sind selbstständige Vereine, sie arbeiten aber untereinander und mit der Bundesstiftung eng zusammen. Mit ihrer Bildungsarbeit wollen sie die politische Urteilskraft der Bürgerinnen und Bürger schärfen, zu bürgerschaftlichem Engagement anregen und
die Möglichkeiten zur Teilhabe am politischen Leben verbessern. Die Landesstiftungen organisieren selbst oder in Kooperation mit Projektpartner/innen Veranstaltungen unterschiedlichster Art – von klassischer politischer Bildungsarbeit
(Seminare, Tagungen etc.) bis hin zu Bildungsreisen und Ausstellungen. Hier eine
kleine Auswahl an Projekten aus dem Jahr 2015:

  Pocketheft und Fachgespräche

Die Landesstiftungen

Baden-Württemberg: Flucht und Asyl

liberalem Größenwahn – das waren die Erkenntnisse einer Bildungsreise, die Anfang Juni in Europas
Umwelthauptstadt 2014 führte. Neben Gesprächen
mit Angestellten der Stadtverwaltung, des Stadtrats und der Stadtwerke sowie Führungen durch die
Stadtteile Nørrebro (ein angesagter Multikulti-Bezirk), Vesterbro (ein Sanierungsgebiet mit Umbau
von Altindustrieflächen) und Ørestad (modern und
neu) stand auch eine Stadtrundfahrt per Rad auf
dem Programm. Ein kultureller Höhepunkt war der
Besuch des Louisiana Museums für Moderne Kunst.
Am Ende fuhren die Teilnehmenden mit vielen Anregungen und Denkanstößen für die eigene politische
Arbeit nach Hause.

2015 kamen rund 100.000 Geflüchtete nach BadenWürttemberg. Wer kommt da, und was tut die grünrote Landesregierung? Das Pocketheft «Flucht und
Asyl in Baden-Württemberg» beantwortet kurz und
anschaulich Fragen, geht auf Befürchtungen ein und
gibt Anregungen für die Mitarbeit in der Flüchtlingshilfe. Vorschläge für eine langfristig erfolgreiche
Flüchtlingshilfe erarbeiteten die Teilnehmenden einer Veranstaltung des Verbundprojektes «Update
für Demokratie». Im Zentrum stand die Frage, was
Kommunen und Land tun können, um die Zusammenarbeit von Initiativen, freien Trägern, Stadt und
Land, von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen zu
verbessern. Beim Ladies Lunch im Dezember – noch
vor den Ereignissen in Köln – wurde diskutiert, wie
Gewalt gegen Frauen durch Geflüchtete offensiv anDiskussion
gegangen werden kann, ohne Fremdenfeindlichkeit,
Islamophobie und Rassismus zu nähren, und wie die Berlin: Griechenland und Europa –
Sicherheit von geflüchteten Frauen und Kindern in Wege aus der Krise
den Unterkünften verbessert werden kann.
Wie steht es in heutigen Krisenzeiten um die Zukunft
des europäischen Projekts und sein ambivalentes
Verhältnis zu Demokratie und Kapitalismus? Dieser Frage ging das Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung auf zwei gut besuchten Abendver Bildungsreise
anstaltungen in der Berliner Urania nach. Die Krise
in Griechenland wurde dabei nicht rein ökonomisch
diskutiert, sondern als Struktur- und InstitutionenBayern: Copenhagenize – Grüne Zukunft,
krise des Euroraums. Es ging auch um die Frage, was
Lebensqualität und urbane Innovation
Kopenhagen macht ernst mit dem Klimaschutz. Ko- mit Demokratien und dem politischen Engagement
penhagen ist Vorreiterin für eine menschen- und um- ihrer Bürger/innen passiert, wenn technokratische
weltfreundliche Verkehrspolitik. Kopenhagen arbei- Maßnahmen einer Austeritätspolitik die Verfastet an einem Stadtumbau, der den Menschen mehr sung eines Mitgliedslandes untergraben und somit
Lebensqualität bringen soll. Aber auch Kopenhagen – laut Habermas – auf den Status eines Protektobleibt nicht verschont von Gentrifizierung und neo- rats degradieren. Beide Veranstaltungen waren als

  Download Pocketheft

  

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  Dokumentation

  

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deutsch-griechische Begegnung konzipiert. (EU-)
Fachtag
Politiker/innen diskutierten mit griechischen und
deutschen Expert/innen, u. a. mit Sven Giegold, Kaki Hamburg: Von wegen alternativlos –
Bali, Niels Kadritzke, Giorgos Chondros und Lisa Hamburg kann’s besser!
Paus. Die rege Beteiligung an der Diskussion zeigte, Es hat sich herumgesprochen in der Stadt – es geht
wie sehr das Thema bewegt.
auch anders! Wer genug hat von der Konsum- und
Wegwerfgesellschaft, wer den Raubbau an der Natur nicht länger hinnehmen möchte, der findet immer
mehr Möglichkeiten und Gleichgesinnte für alternative Wege. Aber nicht nur Teile der Zivilgesellschaft
denken um. Auch in der Politik und Wirtschaft regt
Tagung
sich Widerstand gegenüber einer reinen Profit- und
Verwertungslogik. Auf dem Fachtag am Klima-AkBrandenburg: Nach dem Willkommen das Bleiben
Willkommenskultur leben – aber wie? Eine Tagung tionstag in der Hafen City Universität überlegten die
der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg befass- circa 200 Teilnehmenden, welche Verantwortung,
te sich mit den Herausforderungen, vor denen die Rolle und Handlungsspielräume die unterschiedliKommunen Brandenburgs durch die Aufnahme von chen Akteur/innen bei der Transformation unserer
Geflüchteten stehen. Im Mittelpunkt stand die Fra- Industriegesellschaft haben und was sie daran hinge, wie Perspektiven zum Bleiben geschaffen und die dern könnte, neue Wege zu beschreiten. Bereits beGeflüchteten in den Kommunen integriert werden stehende Alternativen für mehr Suffizienz konnten
können. Neben Wissenschaftler/innen waren auch an den vielen Ständen auf dem Markt der Möglichviele ehrenamtliche und kommunale Akteur/innen keiten besichtigt werden.
eingeladen, die über ihre Arbeit mit den Geflüchteten
berichteten. Die Tagung war der Auftakt für das Projekt CUCHA (Cultural Challenges – Fairness und Verantwortung für unsere Kommunen). Im Mittelpunkt
steht dabei die Etablierung einer Willkommenskultur,
Debattenreihe
beruhend auf Anerkennung und Wertschätzung gesellschaftlicher Vielfalt, die eine Integration geflüch- Hessen: Böll Economics
teter Menschen erst ermöglicht.
Seit der Finanzmarktkrise interessiert sich die Öffentlichkeit wieder mehr für grundlegende ökonomische und finanzwirtschaftliche Fragen. Die Heinrich-Böll-Stiftung Hessen hat auf das gesteigerte
Interesse reagiert und bietet mit der Reihe «Böll EcoBuchvorstellung
nomics» die Gelegenheit, in überschaubarer Runde
mit jeweils ein bis maximal zwei Expert/innen über
Wirtschaftsthemen zu diskutieren. 2015 ging es um
Bremen: Blicke auf geschundene Regionen –
Griechenland und die europäische Krisenpolitik, die
Syrien und Irak
Der Irak ist derzeit das Land mit den meisten Terror­ Politik der Europäischen Zentralbank und mögliche
anschlägen weltweit. Auf einer Veranstaltung der Alternativen zur europäischen Austeritätspolitik. Im
Heinrich-Böll-Stiftung Bremen ging es um die Fra- Jahr 2016 wird sich die Reihe mit Fragen der Verge, wie sich der Alltag der Iraker/innen unter diesen mögens- und Einkommensverteilung und möglichen
Bedingungen gestaltet. Birgit Svensson lebt seit vie- Schlussfolgerungen für eine gerechte Steuerpolitik
len Jahren als eine der letzten westlichen Journalist/- beschäftigen.
innen in Bagdad und berichtet von dort für deutsche
Medien. 2015 hat sie das Buch «Mit den Augen der
Inana» herausgegeben, in dem sie Kurzprosa und
Gedichte zeitgenössischer irakischer Autorinnen zusammengetragen hat. In Bremen stellte sie ihr Buch
 Filmpremiere
vor, zusammen mit zwei der Autorinnen, Amal Ibrahim al-Nusairi und Samarkand al-Djabiri, die über Mecklenburg-Vorpommern: «Wir sind jung.
die aktuelle Lage im Irak und die Situation der iraki- Wir sind stark.»
schen Frauen berichteten.
Der Spielfilm «Wir sind jung. Wir sind stark.» von
Burhan Qurbani erzählt am Beispiel einer ­Gruppe Jugendlicher von den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen im August 1992. Es geht um Fremdenfeindlichkeit, die in der viel beschworenen Mitte der
Gesellschaft entsteht. Über fünf Jahre arbeitete
das Filmteam am Thema, und keiner ahnte, dass es

Die Landesstiftungen

25

26

angesichts von Pegida und der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte wieder so erschreckend aktuell
werden würde. Die Heinrich-Böll-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern organisierte im Januar 2015 die
bundesweite Vorpremiere und Schulvorstellungen
samt Begleitprogramm. Premierengäste waren neben dem Team auch der damalige Ausländerbeauftragte Wolfgang Richter und Polizeipräsident Thomas Laum. Die Resonanz war außergewöhnlich: Die
Premiere sowie die Folgevorstellungen waren immer
ausgebucht, auf dem Podium entfachte eine lebhafte Debatte. Unsere Video- und Audio-Dokumentation des Gesprächs erreichte bis heute mehr als 6000
Menschen.

 Veranstaltungsreihe

Die Landesstiftungen

Niedersachsen: Bewusst wie: Anders leben,
besser wirtschaften

tiert wurden. Auch eigene Erfahrungen der Teilnehmenden kamen zur Sprache und zeigten, wie wichtig
direkte Begegnungen zwischen Geflüchteten und der
Zivilgesellschaft sind. Durch vergleichsweise niedrigschwellige Angebote können Berührungsängste und
Unsicherheiten aus dem Weg geräumt werden.

Podiumsdiskussion
Rheinland-Pfalz: Trans* in den Medien:
Trans*medial – Trans*verkehrt?

Zum «Transgender Day of Remembrance» veranstaltete die Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz
eine Diskussion über die Repräsentation von Transmenschen in den Medien. In der öffentlichen D
­ ebatte
von Transidentität dient nach wie vor ein biologisches
Geschlecht als Ausgangspunkt, z.B. in Vorher/Nachher-Berichten. Häufig kommen in der Fernsehberichterstattung auch Mediziner/innen als Fachleute
zu Wort, wodurch Transidentität vor allem als gesundheitliches Problem wahrgenommen wird. Wie
schwer es ist, dieses Thema ohne diese Stereotype
darzustellen und zu erklären, davon berichteten die
Medienschaffenden auf dem Podium. Es zeigte sich,
dass der Aufklärungsbedarf über Transidentität weiterhin groß ist und dass Journalist/innen beim Umgang mit diesem Thema eine bessere Unterstützung
brauchen.

Diverse Studien zeigen: Der Großteil der Menschen
in Deutschland wünscht sich eine andere Wirtschaftsordnung. Doch warum ändert sich nicht endlich was? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen in der dreiteiligen
Veranstaltungsreihe «Bewusst wie: Anders leben,
besser wirtschaften». Kompetente Gäste wie Anette
Jensen, Mitautorin von «Glücksökonomie», MichaelLoyd Jones, Mitbegründer der britischen Regionalwährung «Bristol Pound» und Urte Töpfer, Gemeinwohl-Beraterin, erzählten ihre Geschichten des Gelingens. Die hannoverschen Akteur/innen nutzten die
Veranstaltung, um Netzwerke zu knüpfen und neue
Projekte zu schmieden. Nachhaltig wirtschaftende
Lesungen
lokale Unternehmen stellten sich auf einem Markt
der Möglichkeiten vor.
Saarland: Böll & Hofstätter
Seit sechs Jahren stellt die Heinrich-Böll-Stiftung
Saar in Zusammenarbeit mit dem Buchhändler Ludwig Hofstätter in der Reihe «Böll & Hofstätter» zeitgenössische Literatur an wechselnden Orten vor. Im
September 2015 las der Dokumentarfilmer Marcel
Böll-Forum 2015
Ophüls in Saarbrücken vor ausverkauftem Haus aus
seinen Lebenserinnerungen «Meines Vaters Sohn».
Nordrhein-Westfalen: Flüchtlinge – Gut vertreten?
Eine der wichtigsten Veranstaltungen für die Hein- Marcel Ophüls ist in Saarbrücken geboren und konnrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen ist das all- te 1941 in die USA emigrieren. Sein Dokumentarfilm
jährliche Böll-Forum. Es stand 2015 unter dem «Hotel Terminus» über das Leben des SS-Offiziers
Motto «Flüchtlinge – Gut vertreten?». Der Publizist Klaus Barbie wurde mit dem Oscar ausgezeichnet.
Andreas Zumach erläuterte zu Beginn die globalen Ophüls präsentierte auch zwei Spielfilme seines beKonflikte, die derzeit die großen Fluchtbewegungen rühmten Vaters Max Ophüls im Saarbrücker Filmauslösen, und warf einen kritischen Blick auf die eu- haus. Die Veranstaltungen fanden großes öffentliropäischen Regelungen und Maßnahmen im Umgang ches Interesse und wurden auch im Kulturmagazin
mit den Geflüchteten. Die Zuhörer/innen nahmen des Saarländischen Rundfunks gesendet.
allerhand Anstöße mit, die im Anschluss rege disku-

  Video

  

w ww.filmgespraeche.de/
wir-sind-jung-wir-sind-stark

  Download Broschüre

  

h ttp://goo.gl/Z4euhq

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Inklusionsprojekt
Sachsen: RomaRespekt

Die Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen engagiert sich
mit ihrem Projekt «RomaRespekt» gegen den Antiromaismus der Mehrheitsgesellschaft und hilft
den Rom/nja und Sint/ezze in Sachsen und Sachsen-Anhalt bei ihrer Selbstorganisation. Im Projekt
arbeiten Rom/nja und Sint/ezze selbstbestimmt mit
und durchbrechen mit ihren Selbstbildern stereotype Opferzuschreibungen. Das Projekt konzentriert
sich insbesondere auf die (außer-)schulische Jugendarbeit zu Rassismus. Die monatliche Radiosendung
«RomaRespekt-Radio» bringt Zeitzeug/inneninterviews und Beiträge von Wissenschaftler/innen, Aktivist/innen und Künstler/innen. Außerdem gibt es
Fachtagungen und Fachworkshops, Weiterbildungen und Gedenkstättenfahrten. Das Projekt läuft bis
2020.

Immer wieder hört man von Unglücken auf hoher See,
bei denen Geflüchtete ums Leben kommen. Doch wer
sind diese Menschen, die eine solch gefährliche Reise auf sich nehmen, um in Europa rettendes Asyl zu
erlangen? Und was treibt sie dazu? Künstler/innen
um die Berlinerin Sigrun Drapatz haben diese Fragen
aufgenommen und eine Ausstellung dazu konzipiert.
Neben der künstlerischen Aufarbeitung waren Interviews mit Geflüchteten, gesammelt in Berlin und
Kiel von den Reporter/innen des Refugee Reports,
Bestandteil der Ausstellung. Ergänzend dazu fanden Informations- und Diskussionsveranstaltungen
zu Themen wie Fluchtursachen und Fluchtwege, den
sogenannten sicheren Herkunftsländern und rechte
Gewalt in Schleswig-Holstein statt.

 Tagung

 Tagung
Sachsen-Anhalt: Lesben in der DDR und
zur Zeit der Friedlichen Revolution

In der Geschichte der Homosexualität in der DDR
ist meist ausschließlich von Schwulen die Rede. Ostdeutsche Lesben bleiben unerwähnt. Ebenso ihr Engagement zur Zeit der Friedlichen Revolution. Eine
Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt
und des Gunda-Werner-Instituts ging der Frage nach,
wie eine alternative Geschichtsschreibung aussehen kann, die solch ein Übersehenwerden vermeidet.
Prominente Zeitzeug/innen, fachkundige Referent/innen und bundesweit angereiste Gäste diskutierten insbesondere die Rolle der Staatssicherheit und
das eigene Unsichtbarmachen innerhalb der Lesbengruppen, vor allem der Schwarzen Lesben. Von
großer Relevanz war daher die Überlegung, wie intersektionale Wissenschaft gelingen kann. Als Nachlese erschien zum Jahreswechsel eine erweiterte
Tagungspublikation.

Ausstellung
Schleswig Holstein: «On Water»

Die Bilder von überfüllten Schlauchbooten auf dem
Mittelmeer und völlig erschöpften Menschen, die in
Griechenland und Italien das rettende Festland erreichen, sind inzwischen trauriger Alltag geworden.

  Tagungspublikation

  

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  Soundcloud

  

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Die Landesstiftungen

Thüringen: Frauen und Flucht

Auch wenn das öffentliche Interesse am Schicksal der Geflüchteten stark zugenommen hat, die
besonders prekäre Lage der geflüchteten Frauen bleibt dabei wenig beachtet. Die Diskussion der
Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen im Oktober 2015
«Frauen und Flucht» hat das Thema stärker in die
Öffentlichkeit gerückt. Die Podiumsgäste, darunter eine Frauenrechtlerin von Women in Exile, eine
Asylrechtsanwältin, eine Sozialarbeiterin und die
Staatssekretärin für Justiz, Migration und Verbraucherschutz in Thüringen, berichteten über die Asylrechtssituation, über die strukturellen Defizite im
Verwaltungsbereich und über die schwierige Unterbringungssituation für traumatisierte Frauen. Einig
waren sich alle bei der Forderung nach verstärkter
Unterstützung geflüchteter Frauen in allen Phasen
ihrer Asylsuche und Integration. Beeindruckend und
beklemmend zugleich war der Alltagsbericht der
Frauenrechtlerin, die ihren Beitrag mit dem State­
ment: «Es ist kein Leben für Frauen, eingeschlossen
zu sein!» zusammenfasste.

Die Große Transformation

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Foto: Julien Brachhammer CC-BY-NC 2.0

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Wir wollen den Übergang in eine kohlenstoffarme, ressourceneffiziente und gerechte Weltgesellschaft beschleunigen – weg vom Raubbau an der Natur hin zur
Kooperation mit der Natur. Wir setzen uns ein für ein
globales Klimaabkommen unter dem Dach der V
­ ereinten
Nationen. Und wir wollen diejenigen zur Kasse b
­ itten,
die mit ihrem Geschäftsmodell den Klimawandel befeuern. Ein großes Anliegen ist uns die Förderung von
Alternativen: die grüne Energierevolution, eine umweltfreundliche Landwirtschaft und ­eine nachhaltige
Stadt­entwicklung. Denn die Klimawende ist m
­ achbar!
Wir unterstützen die soziale und ökologische Transformation überall – zu Hause in Deutschland und auch
an unseren internationalen Standorten. Wir streiten für
eine drastische Senkung des Ressourcenverbrauchs, für
einsehbare Verträge in der Rohstoffindustrie und für Rechenschaftspflichten der Bergbaukonzerne. Wir suchen
nach Wegen, die Nutzung natürlicher Ressourcen so zu
gestalten, dass die ökologischen Grenzen unserer Welt
respektiert und gleichzeitig die Menschenrechte und Demokratie gestärkt werden.

Die Große Transformation

Aufbruch in die ökologische Moderne

30

Klimawandel und Klimafinanzierung

Die Große Transformation

Es gibt kaum ein Thema, bei dem internationale Kooperation dringlicher ist als
beim Klimawandel, doch bis heute kommt die Bekämpfung des Klimawandels
nicht recht voran – zu groß sind die Interessengegensätze innerhalb und zwischen den Staaten. Sechs Jahre nach dem gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen ­lagen alle Hoffnungen auf dem Klimagipfel in Paris, der Ende November 2015
dem weltweiten Klimaschutz zum Durchbruch verhelfen sollte. Doch der große
Wurf gelang nicht.

Proteste zum Auftakt des Klimagipfels in Paris.  Foto: Julien Brachhammer CC-BY-NC 2.0

Internationale Klimadiplomatie

Am 12. Dezember 2015 verkündete der französische
Außenminister den Abschluss eines neuen Klimaabkommens in Paris. Auch wenn der diplomatische
Erfolg wichtig war, der erhoffte faire und ambitionierte Deal kam nicht zustande: Mit den bisher zugesagten (freiwilligen) Beiträgen der Staaten wird
die Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter 2°C und möglichst auf 1,5°C nicht zu schaffen
sein. Menschenrechte und Geschlechtergerechtigkeit sind in dem Abkommen nur schwach verankert.
Und zwischen den Zeilen werden die Türen für riskante Geoengineering-Technologien geöffnet. Es gibt
keinen Plan für die Aufstockung der Finanzhilfen
für Entwicklungsländer ab 2020, und Staaten, die
Verluste und Schäden durch den Klimawandel erleiden, dürfen ihre Rechte auf Entschädigung nicht auf
Grundlage des Abkommens geltend machen.
Wir waren mit einer Delegation in Paris und haben uns mit eigenen Veranstaltungen bei den alternativen Foren in die Diskussionen eingemischt. Die
  Blog

  

w ww.klima-dergerechtigkeit.de

Debatten um den Ausstieg aus den fossilen Energien
unterfütterten wir mit Daten und Fakten aus unserem gerade erschienenen «Kohleatlas». Auf großes
Interesse stieß eine Veranstaltung mit Saúl Luciano
Lliuya, einem Bauern und Bergführer aus den Anden,
der von seiner Klage gegen den deutschen Energieriesen RWE berichtete. Er macht RWE aufgrund der
Emissionen aus der Kohleverbrennung für den Klimawandel verantwortlich und fordert RWEs finanzielle Beteiligung beim Schutz gegen einen überlaufenden Gletschersee.
Die «Carbon Levy»

Ein interessanter Vorschlag zur Klimafinanzierung
kommt von unserem Projektpartner Climate Justice
Programme (CJP): eine Abgabe (die «Carbon Levy»)
auf fossile Energieträger der 90 Unternehmen, die
für zwei Drittel der seit Beginn der Industrialisierung
produzierten globalen Treibhausgase verantwortlich
sind. Diese Abgabe soll den ärmsten und durch den
Klimawandel am stärksten gefährdeten Gemein-

  Kohleatlas

    www.boell.de/de/2015/06/
02/kohleatlas

  Link

  

w ww.boell.de/en/carbonlevy-project

31

schaften im globalen Süden zugutekommen. CJP hat Kritik der Grünen Ökonomie
2015 ein weltweites Netzwerk von bekannten und Über die Grüne Ökonomie wird weltweit kontrovers
einflussreichen Unterstützer/innen aufgebaut und diskutiert. Für die einen ist sie der Ausweg aus den
die Carbon Levy Declaration auf den Weg gebracht, ökologischen und ökonomischen Dauerkrisen, für die
die im Dezember 2015 von vielen internationalen Or- anderen nur ein «Weiter so» in grünem Gewand. Die
ganisationen und prominenten Mitstreiter/innen un- Debatte erhitzt die Gemüter, weil es eben um mehr
terzeichnet wurde. Auch die Stiftung unterstützt die geht als nur um Umweltschutz. Es geht um die FraErklärung.
ge, wie wir in Zukunft leben wollen, wie wir die begrenzten Ressourcen miteinander teilen und was das
«gute» Leben überhaupt ist. Das 2015 erschienene
REDD+ – ein umstrittener Mechanismus
Buch «Kritik der Grünen Ökonomie» von Barbara
zur Klimafinanzierung
Die Reduzierung von Entwaldung und zerstörerischer Unmüßig, Lili Fuhr und Thomas Fatheuer unterzieht
Waldnutzung, abgekürzt REDD+, ist der global am die Grüne Ökonomie einer kritischen Prüfung, erörweitesten fortgeschrittene Versuch, einen Finan- tert ihre Möglichkeiten, beschreibt die Konsequenzierungsmechanismus zu entwickeln, der auf einer zen, nennt ihre blinden Flecke – und skizziert einen
Ökosystemleistung beruht: der Speicherung von Weg, um globale Krisen auch unter sozialen GeCO 2 in (Natur-)Wäldern. In einem Fachseminar der sichtspunkten zu meistern.
Stiftung unmittelbar vor der COP 21 in Paris sahen
Zum Thema Finanzialisierung der Natur starteExpert/innen aus Deutschland, Europa und Latein- ten wir 2015 auch eine Online-Debatte. Ökonomische
amerika darin einen falschen Ansatz. Denn die Kom- Bewertungen der Natur sind nicht neu, aber viele der
pensationslogik ermögliche es den Industrieländern, aktuellen Modelle scheinen eine neue Qualität zu haihre Emissionen durch Projekte an anderen Orten zu ben. Sie verdienen näher beleuchtet und diskutiert zu
reduzieren, ohne die eigenen Produktions- und Kon- werden.
Eine viertägige Konferenz in Belém am Amasummuster zu ändern. Zudem werde REDD+ vor allem in indigenen und traditionellen Gemeinschaften zonas über die Finanzialisierung der Natur war der
eingeführt. Die Folge seien gravierende Land(rechts)- Höhepunkt der mehrjährigen Beschäftigung unseres
konflikte. Anstatt diese Gemeinschaften als wichtige Büros in Rio mit diesem Thema. In Brasilien, dem
Akteure für einen sozial und ökologisch orientierten Land mit dem größten Regenwald der Welt und einer
Klimaschutz anzuerkennen, würden ihre Formen der enormen Biodiversität, ist die Frage nach dem VerWaldnutzung verboten. Besser wäre es, die Haupt- hältnis von Naturschutz und dem Schutz der Rechte
verursacher für Entwaldung – etwa die sich auswei- der Menschen, die mit und in ihr leben, schon lange
tende industrielle Land- und Viehwirtschaft – in die aktuell. Besonders eindrücklich war für die KonfeVerantwortung zu nehmen.
renzteilnehmenden aus ganz Lateinamerika der Besuch im Umland von Belém. Dort sahen sie die Auswirkungen des massiven Rohstoffabbaus, lernten
Tipp:
Die Webseite www.deutscheklimafinanzierung.de aber auch Dörfer kennen, die agroökologische Alterbegleitet und beobachtet mit Blogkommentaren und nativen praktizieren.
einer Datenbank den deutschen Beitrag zur internationalen Klimafinanzierung.
  Grüne Ökonomie

    www.boell.de/de/2015/10/    
20/kritik-der-gruenenoekonomie

  Webdossier

w ww.boell.de/de/dossierkritik-der-gruenen-oekonomie

Die Große Transformation

Anlässlich unserer Konferenz in Belém, Brasilien: Gemeindemitglieder aus Quilombolola do Rio Capim berichten von ihren lokalen
Problemen, zum Beispiel durch den großflächigen Anbau von
Palmöl.  Foto: Financeirização da Natureza Não CC-BY-NC

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Energiepolitik und grüne Transformation
100 Prozent Erneuerbare Energien im Stromsektor sind nicht nur möglich, sondern auch nötig. Denn nur so verhindern wir eine Klimakatastrophe, werden unabhängig von den begrenzten und zukünftig teuren Öl-, Kohle- und Gasreserven und verlassen uns nicht auf eine nicht kontrollierbare und teure Atomkraft.
Deutschland zeigt durch seine «Energiewende», wie eine Umstellung auf erneuerbaren Strom möglich ist.

Die Große Transformation

Energiewende, Deutschland und weltweit

Mit unsere Website www.energytransition.de und
dem begleitenden Blog informieren wir nicht nur
über die Entwicklungen der deutschen Energiewende, sondern auch über andere internationale Lösungsansätze im Energiebereich. Die Blogbeiträge
stammen aus aller Welt, unter anderem von den Stiftungsbüros in Brüssel, Prag, Mexiko, China, Indien
und Südafrika.
Über die Möglichkeiten und Fallstricke der deutschen Energiewende informierten sich hochrangige
Gäste aus Südafrika, Ghana, Nigeria und Kenia während unseres Besucherprogramms. In Berlin sprachen sie mit Wissenschaftler/innen, Politiker/ innen
und technischen Expert/innen über die Wirtschaftlichkeit, die Sicherheit und die Entsorgungsproblematik von Kernenergie und die Eckpfeiler und Hintergründe der deutschen Energiewende. Derzeit
sehen viele afrikanische Länder noch die Kernenergie als einen wichtigen Baustein in ihrem zukünftigen
Energiemix.
Leitfaden «Wärmewende in Kommunen»

aufzubauen. Das Projekt «Grüner Punkt» aus Słupsk
zum Beispiel bietet den Bürger/innen kostenfreie
Ökoberatung an. Sie erhalten Tipps zum Energiesparen, die sie leicht in ihren Haushalten umsetzen
können.
Im Südkaukasus war Umweltschutz aufgrund
wirtschaftlicher und politischer Krisen lange Zeit
kein Thema. Doch seit einigen Jahren ändert sich
das. Mutige junge Aktivist/innen aus Georgien und
Armenien engagieren sich für Umweltschutz und
Menschenrechte. Jugendinitiativen kämpfen zum
Beispiel gegen die zunehmende Privatisierung und
die damit einhergehende Verbauung von Städten.
Unser Büro in Tbilissi hat mit der mehrmals jährlich
stattfindenden Grünen Akademie einen Ort geschaffen, an dem sich Aktivist/innen und Organisationen
vernetzen können. Ziel ist es, gemeinsam Ideen für
einen ökologischen Wandel, eine demokratische politische Kultur und eine grüne Gleichstellungspolitik
zu entwickeln.
Grüne Wirtschaftspolitik –
Welche Ordnung muss sein?

Die Energiewende wird in Deutschland hauptsäch- Ordnungspolitische Fragen grüner Politik standen
lich als Stromwende gedacht und praktiziert. Eine im Zentrum unserer Konferenz «Baustelle Grüne
Energiewende, die ihren Namen verdient, muss aber Wirtschaftspolitik» im Juni 2015. Einer der Höheauch die Wärmeversorgung regenerativ umbauen – punkte war das mit Lars Feld (Walter Eucken Instidenn zurzeit werden 56 Prozent der Endenergie in tut), Anton Hofreiter (MdB, Vorsitzender der FrakDeutschland als Wärme verbraucht. Das ifeu Institut tion Bündnis 90/Die Grünen) und Jens Spahn (CDU,
Heidelberg hat im Auftrag der Stiftung einen Leit- Staatssekretär im Bundesministerium für Finanfaden erarbeitet, der sich an alle richtet, die in ihrer zen) prominent ­b esetzte Abschlusspodium. Bei viel
Stadt oder Gemeinde die Wärmewende in Angriff grundsatzprogrammatischer Übereinstimmung zur
nehmen wollen. Er liefert Argumente für die Wär- sozialen und ökologischen Markwirtschaft gab es
mewende, schildert ausführlich die Versorgungsopti- in der praktischen Umsetzung aktueller Projekte
onen aus technischer und wirtschaftlicher Sicht und durchaus Unterschiede in der Einschätzung, z. B. bei
der Ausgestaltung und Geschwindigkeit des Kohlestellt Best-Practice-Beispiele vor.
ausstiegs. Im Dossier «Grüne Ordnungspolitik» finGrüne Transformation in Polen und im Südkaukasus
den sich die Debattenbeiträge und Videomitschnitte
In Polen sind es derzeit vor allem die Kommunen, die der Konferenz.
für eine ökologische Modernisierung offen sind. Unser Büro in Warschau unterstützt lokale und regionale Initiativen dabei, die notwendigen Kompetenzen

  Blog

  

h ttp://energytransition.de

  Video

  

h ttps://youtu.be/
NBx493I0W7k

  Leitfaden

  

w ww.boell.de/de/2015/09/
30/waermewende-kommunen

 
D ossier

Grüne Ordnungspolitik

    http://goo.gl/0xDLLm

33

Ressourcenpolitik gerecht gestalten
Wie ein Land mit seinen natürlichen Ressourcen umgeht, ist nicht nur eine Frage
von Ökonomie und Ökologie; es geht auch darum, wie die Bürgerinnen und Bürger
an den Entscheidungen über die Nutzung der Rohstoffe beteiligt werden. In den
meisten Ländern führt Rohstoffreichtum nicht zum Abbau von Armut. Im Gegenteil: Ökonomische und wirtschaftliche Macht konzentriert sich in den Händen weniger. Die Umwelt wird zerstört, und die soziale Ungleichheit nimmt zu. Es braucht
daher Transparenz und Verantwortung im Rohstoffsektor und ein Bewusstsein in
der Bevölkerung hinsichtlich der Gefahren und Folgen der Rohstoffausbeutung.

Bodenatlas – Daten und Fakten über Acker,
Land und Erde

Fruchtbarer Boden ist lebenswichtig. Damit 10 Zentimeter Boden entstehen, braucht es 2000 ­Jahre.
Millionen Hektar fruchtbarer Boden gehen jedes
Jahr durch erosionsfördernde Intensivlandwirtschaft sowie für Straßen- und Städtebau verloren.
Wir nutzen Böden, als wären sie unerschöpflich.
Ohne einen grundsätzlich anderen Umgang mit dieser wertvollen Ressource werden viele der globalen
Nachhaltigkeitsziele wie z. B. der Verlust der Biodiversität oder auch der Kampf gegen Hunger und
Klimawandel nicht erreicht werden. Um ein Bewusstsein für die zentrale Bedeutung der Böden zu
schaffen, haben wir gemeinsam mit dem Bund für
Umwelt und Naturschutz Deutschland und dem Institute for Advanced Sustainability Studies im Januar 2015 den «Bodenatlas» veröffentlicht. In rund 20
kurzen Essays zeigt er anhand interessanter Beispiele und Abbildungen, warum der Schutz der Böden so
wichtig ist und warum er uns alle angeht.
Auf der Suche nach der grünen Erzählung II –
Die ökosoziale Frage

Wie geht die ökologische Frage mit der sozialen zusammen? Darüber diskutierten u. a. die beiden grünen Bundestagsabgeordneten Dieter Janecek und
Wolfgang Strengmann-Kuhn, der eine wirtschaftspolitischer, der andere sozialpolitischer Sprecher
der grünen Bundestagsfraktion, beim Kongress
«Was ist die grüne Erzählung?». Im Gespräch mit
der Journalistin Ulrike Herrmann lieferten beide
ihre Sicht auf die ökosoziale Frage, den Diskussionsstand in Partei und Bundestagsfraktion und gaben
Einblick in die debattierten Konzepte. In den Panels
und Workshop zeigte sich immer wieder, in welchem
Spannungsverhältnis Ökologie und Soziales stehen,
beispielsweise wenn es um gesunde Ernährung und

  Bodenatlas

    www.boell.de/de/bodenatlas

Die Große Transformation

Vollständige Privatisierung von Wasser in Chile

In Chile wurde der Wassersektor komplett privatisiert. Das Wassergesetz und die entsprechenden Verfassungsparagrafen ermöglichen dem chilenischen
Staat, Wasserrechte unentgeltlich an Private abzutreten, die das Wasser dann teuer verkaufen können.
Aber auch illegal wird Flusswasser abgezweigt. So
etwa im Falle der Provinz Petorca, wo die Besitzer
großer Avocado-Plantagen die Flusswasser in unterirdische Kanalsysteme umleiten und damit mehr als
40.000 Kleinbauern und -bäuerinnen die Existenzgrundlage raubten. Die Organisation Modatima (Movimiento de Defensa por el Acceso al Agua, la Tierra
y la Protección del Medio Ambiente), eine der führenden Kräfte der nationalen Wasserbewegung, kämpft
um die Rückgewinnung der Wasserrechte und führt
landesweit Fortbildungsmaßnahmen für von Wassermangel Betroffene durch. Rodrigo Mundaca, einer der Führer von Modatima, entkam im März 2015
nur knapp einem Mordanschlag. Bis heute haben die
wenig engagiert geführten Ermittlungen der Polizei
zu keinerlei Ergebnis geführt. Dennoch ließ sich die
Bewegung nicht einschüchtern und kämpft weiter.
Ende 2015 hat Modatima in enger Abstimmung mit
der Defensoría del Pueblo ein Gerichtsverfahren gegen die Großgrundbesitzer eingeleitet. Unser Büro
in Santiago de Chile unterstützt die Basisarbeit von
Modatima und hilft den Wasseraktivist/innen dabei,
sich besser zu vernetzen und den lokalen Widerstand
dadurch zu optimieren. Um die Wasseraktivist/innen vor weiteren Übergriffen zu schützen, erhöht das
Büro deren (inter-)nationale Sichtbarkeit durch regelmäßige Beiträge auf seiner Webseite und durch
Pressearbeit. Auch unterstützt es Anwälte, die bereit sind, Rechtsfälle durchzukämpfen, die – über
den Einzelfall hinaus – eine Ausstrahlungswirkung
auf das interamerikanische und internationale Menschenrechtssystem entfalten können.

34

Die Große Transformation

Nach der Demonstration «Wir haben es satt» des Bündnisses
«Meine Landwirtschaft» ist die Heinrich-Böll-Stiftung alljährlich wichtiger Treffpunkt für mehrere tausend Menschen,
um beim politischen Supp‘n Talk weiter zu diskutieren.

biologische Landwirtschaft geht. Sicher, man kann
sich ökologisch vorbildlich und dennoch preisgünstig
ernähren, wenn man auf Fleisch verzichtet und sich
auf saiso­nale Produkte aus der Region beschränkt.
Dann fallen auch die höheren Preise für Öko-Lebensmittel nicht ins Gewicht. Aber es sind vor allem
die gut verdienenden akademischen Mittelschichten, die im Bio-Supermarkt einkaufen – eben das
«­postmaterielle» Milieu, das die grüne Stammwählerschaft bildet. Wer also den Grünen empfiehlt, sich
als «Partei der gesunden Ernährung» zu profilieren,
muss sich über den sozialen Bias Gedanken machen,
der diesem Thema anhängt.
Ökologische Potenziale einer nachhaltigen
und gerechten Ernährungswende

Trotz der Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion hungern weltweit noch immer mehr als
800 Millionen Menschen. Gleichzeitig sind die ökologischen Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft nicht länger zu übersehen: Fruchtbare Böden
und biologische Vielfalt gehen verloren, Wasserressourcen werden verschmutzt und übernutzt. Der
Verlust der biologischen Vielfalt und der Klimawandel führen zu einer Instabilität der Ökosysteme und
gefährden die natürlichen Grundlagen der Landwirtschaft. Eine sozial und ökologisch nachhaltige
Neuausrichtung der Landwirtschaft ist unabdingbar.
Im Vorfeld der Internationalen Grünen Woche – der
weltweit größten Agrarmesse – haben wir die Debatten um eine nachhaltige und ökologische Transformation der Landwirtschaft befördert, u. a. mit einem internationalen Symposium über Agrarökologie.

Europäischen Woche der Abfallvermeidung im November in Berlin hingegen ging es darum, wie Rohstoffe erst gar nicht zu Abfall werden. Ob unverpackt
Einkaufen, Mehrwegsysteme in der Logistik oder
hochwertiges Recycling in der Industrie – Beispiele
aus Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien zeigten, wie das geht. Am Ende stand die
Gründung des europäischen «Precycling Network».
Die Welt der Commons

Es ist problematisch, Commons in kapitalistischen
Kategorien zu erklären. Wer die Welt der Commons
betritt, begegnet einer anderen Logik, einer anderen Sprache und anderen Kategorien. Nach «Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und
Staat» (2012) erkunden internationale Autor/innen
im 2015 erschienenen Band «Die Welt der Commons – Muster gemeinsamen Handelns» die anthropologischen Grundlagen der Commons und stellen sie
zugleich als konkrete Utopien vor. Sie machen nachvollziehbar, dass alles Commons sein oder werden
kann: durch Prozesse geteilter Verantwortung, in
Laboratorien der Selbstorganisation und durch Freiheit in Verbundenheit. Der Band holt die Commons
aus dem wissenschaftlichen Elfenbeinturm, indem
er neben renommierten Wissenschaftler/-innen auch
Praktiker/-innen aus aller Welt zu Wort kommen
lässt. Sie machen die Grundzüge einer Transformation vorstellbar, die Wohlstand für alle trotz begrenzter Ressourcen und Klimawandel ermöglichen könnte. Eine kostenfreie E-Book-Version gibt es auf der
Homepage des Transkript-Verlags.

Abfallvermeidung in Kommunen, Handel
und Unternehmen

Wenn von Abfallpolitik die Rede ist, geht es meistens
darum, wer den Müll einsammeln darf und wie viel es
kostet. Bei einer Tagung der Stiftung anlässlich der

  Soundcloud

  

h ttps://goo.gl/0KR9rJ

  Online-Dokumentation

  

h ttps://youtu.be/YytTFy2ymsc

35

Kunst und Kultur
Auch Kunst kann eine Form der politischen Bildung sein: Sie schärft die Wahrnehmung, trainiert die Intuition und inspiriert zu kreativer Einmischung. Die Digitalisierung bietet den Künstlerinnen und Künstlern ganz neue Möglichkeiten. Sie
potenziert die Teilhabe an kulturellen Errungenschaften und schafft so ein neues
Spielfeld gesellschaftlicher Einmischung.

Konferenz: Theater und Netz III –
Technik, Ästhetik, Politik

Höhepunkt war das Gespräch «Von der Reflexion zur
Aktion – Theater zwischen Pegida und Lampedusa»
mit dem Intendanten des Staatsschauspiels Dresden
Wilfried Schulz und der Künstlerischen Leiterin von
Kampnagel Hamburg, Amelie Deuflhard. Getreu ihrem Motto war die Konferenz Rekordhalter im Live­
stream, fast 1000 Besucher/innen verfolgten die Debatten online. Zum Abschluss der Konferenz bereits
eine Tradition: die Show des digitalen Remix-Kabaretts maschek, bekannt aus «Willkommen Österreich» (ORF late night).
Jewish Culture Day 2015

Das jüdische Leben in Berlin boomt wieder. Zuerst zogen Tausende russischsprachige Juden in die
Hauptstadt, jetzt kommen junge Israelis hinterher.
Damit erlebt auch das jüdische Kulturleben einen
Aufschwung. Wir haben 2015 erstmalig zu einem
Jewish Culture Day, einem jüdischen Kulturtag, eingeladen. Fast 700 Besucher/innen kamen, auch um
David Solomon zu erleben. Er ist mit seinen Performance-Vorträgen längst ein Popstar der Wissenschaft. Für seine Auftritte braucht er nur ein paar
dicke Edding-Stifte und einige Meter Leinwand. Mit
seinem Vortrag «A prophetic revolution in one hour»
verblüffte er durch die Relevanz der spirituellen Botschaft für unsere Gegenwart. In der anschließenden
Gesprächsrunde erzählten die jüdischen Künstler/ innen Olga Grjasnowa, Mirna Funk, Alexander Iskin
und Nicola Galliner von ihrem Leben und Arbeiten
in Berlin. Höhepunkt des Jewish Culture Day war der
Auftritt von Matisyahu. Er gilt als einer der bedeutendsten jüdischen Musiker der Gegenwart. Bekannt
wurde er als der erste chassidische Reggaesänger
Amerikas.

Anlässlich des Berliner Theatertreffens und der
Netzkonferenz re:publica diskutierten wir im März
2015 über die Zukunft des Theaters in der «Netzmo- Zambezi News – die «Heute Show» aus Simbabwe
derne». In Zeiten, wo sich Europa über finanzielle wie In ihrer fiktiven Nachrichtensendung – einer Paroideelle Fragen zu spalten droht, diskutierten promi- die auf die propagandistische Berichterstattung der
nente Gäste aus Deutschland und ganz Europa insbe- staatlichen Rundfunkgesellschaft – thematisieren
sondere über Fragen der politischen Positionierung die Macher von «Zambezi News» mit ihrem scharfder Bühnen. Sind die Theater Plattform oder Player? und hintersinnigen Humor die Probleme Simbabwes.

  Link

  

h ttps://goo.gl/oTQ5Wz

  Online-Dokumentation

  

w ww.archiv.recampaign.de

  Link

  

w ww.theaterundnetz.de

  Link

  

w ww.boell.de/de/2015/
09/02/jewish-culture-day

Kunst und Kultur

Wie digital ist unsere Zukunft?

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die
Zukunft betreffen – dieses Bonmot gilt auch für unseren Kongress «netz:regeln 2015: Digital Every­
thing – Wie digital ist unsere Zukunft?» in Berlin. Zusammen mit Bitkom haben wir einen Blick in das Jahr
2025 gewagt, zugleich aber auch die Aussagekraft
von Prognosen auf den Prüfstand gestellt. Christopher Coenen vom ITAS in Karlsruhe erinnerte daran,
dass für die 1990er Jahre hinsichtlich der politischen
Teilhabe der Bürger/innen eine große Umwälzung
durch das Internet vorausgesagt wurde. Diese sei
nicht eingetreten. Allerdings sei die politische Beteiligung durchaus gewachsen. Gleichzeitig werde aber
auch öffentliche Meinung manipuliert. Um die positiven Seiten des Internets zu stärken, sei fundierte
politische Bildung nötig. Nur eine gebildete Öffentlichkeit könne die bürgerlichen Freiheiten im Internet schützen, um mehr Demokratie zu wagen.
Analysen, Tipps und Diskussionen rund um die
erfolgreiche Kampagnenarbeit im Netz gibt es alljährlich auf der reCampaign, dem Branchentreff der
Online-Campaigner/innen aus Zivilgesellschaft, Stiftungen und der Kommunikationsbranche. Zum zweiten Mal kooperierten wir mit den Macher/innen der
reCampaign und diskutierten die neuesten Entwicklungen im Online Campaigning für deutsche NGOs.
Über 300 Teilnehmer/innen beteiligten sich an über
30 Sessions, dem bar-camp und vielen informellen
Gesprächskreisen, in denen bereits neue Allianzen
geschmiedet wurden.

36

Kunst und Kultur

Auftritt von «Zambezi News» in Berlin: Die Satireshow pointiert Politik und Alltag in ihrem
Heimatland Simbabwe.  Foto: Andi Weiland

Pointiert analysieren sie Politik und Alltag ihres krisengeschüttelten Landes: von Rasse bis Sex, Politik
bis Sport, Hip-Hop bis Landreform. In sozialen Netzwerken finden sie ihr Publikum und bieten dem autoritären Regime Robert Mugabes die Stirn. Zambezi
News werden von unserem Büro in Kapstadt unterstützt und begeisterten im September 2015 auch das
Publikum in Berlin mit einer Live-Show.
Das Wetter vor 25 Jahren

1989 fiel die Mauer. Ein Jahr später folgte die deutsche Wiedervereinigung. In den Bundestagswahlkampf 1990 zogen die Grünen (West) mit dem Slo­
gan «Alle reden von Deutschland. Wir reden vom
Wetter». Im Fokus war der Klimawandel und nicht
die Wiedervereinigung. Die Wahl ging für die Grünen
(West) verloren. Auf unserer Tagung «Das Wetter
vor 25 Jahren» diskutierten wir u. a., was aus dem
grünen Freiheitsverständnis von damals geworden
ist und was von der Idee einer ökonomischen «Alternative» oder einem «dritten Weg» geblieben ist.
Natürlich konnten dabei aktuelle Fragen wie die
Rolle Deutschlands in der Europäischen Union und
die Flüchtlingskrise nicht außen vor bleiben. Der
25. Jahrestag der Wiedervereinigung war Anlass
zu weiteren Veranstaltungen der Stiftung. Die Ausstellung «Helden im wilden Osten» untersuchte die
wirtschaftliche wie gesellschaftliche Transformation
in Ostdeutschland. Das Thema stand auch im Zentrum des Gesprächs zu Barbe Linkes aktuellem Buch
«Wege, die wir gingen. Zwölf Frauen aus Ost- und
Westdeutschland geben Auskunft».

  Webdossier

  

h ttps://goo.gl/iw0ZZA

The Third Circle – Tanz und Musik unter
islamischem Recht

Wie kann man gleichzeitig Künstler und ein guter
Muslim sein? Und was passiert mit der Kunst, insbesondere Musik und Tanz, wenn sie islamischen Gesetzen unterworfen wird? Die libanesische Choreografin Nancy Naous und der Komponist Wael Kodeih
gingen dieser Frage nach. Für ihre Performance
«The Third Circle» zeigten sie Religionsgelehrten
verschiedener Strömungen eine kurze Performance
modernen Tanzes. Sie fragten, ob der Tanz mit ihrer
Rechtsauslegung vereinbar sei, und wenn nicht, welche Bewegungen, Klänge und Kleidungen in ihren
Augen haram seien, also sündig. In keinem der Punkte waren sich die Religionsgelehrten einig. Für den einen waren jegliche Tanzbewegung und Musik haram,
für den anderen nur bestimmte elektronische Klänge
und schweres Atmen. Bei dem einen dürfen nur Frauen für Frauen singen, bei dem anderen dürfen sie es
auch für Männer, sofern sie gut genug singen. In der
Performance selbst, die im Juni 2015 im Shams Theater in Beirut aufgeführt wurde, zerlegten die Künstler das Stück in einzelne Bewegungsabschnitte und
ließen die diversen Änderungsvorschläge hintereinander ablaufen. Zensoren wurden so zu Akteuren eines kreativen Prozesses – eine Herausforderung, die
alle Befragten angenommen haben. Die Zuschauer
konnten erahnen, wie schwer es sein muss, Künstler
und Muslim zugleich zu sein. Denn ein «Richtig» und
ein «Falsch» gibt es ausweislich der Vielfalt der Ratschläge der Religionsgelehrten offensichtlich nicht.
Unser Büro in Beirut hat das Projekt unterstützt.

37

Heinrich-Böll-Haus Langenbroich

Abdul Razzak Shaballout in seinem Atelier  Foto: Privat

Eine Tradition der Gastfreundschaft

Die Familie Böll kaufte das Haus in der Eifel in den
1960er Jahren als Sommersitz. Hier fanden Annemarie und Heinrich Böll die Ruhe für ihre literarische
Arbeit. Öffentliche Aufmerksamkeit erhielt das Haus
durch Alexander Solschenizyn, der nach seiner Ausbürgerung aus der Sowjetunion im Jahr 1974 dort
eine erste Zuflucht fand. Nach Bölls Tod gründeten
Familienmitglieder, Freunde der Familie, Vertreter
der Stadt Düren, die Gemeinde Kreuzau, das Land
Nordrhein-Westfalen und die Heinrich-Böll-Stiftung
den Verein «Heinrich-Böll-Haus Langenbroich». Das
Haus sollte ein Hort der Freiheit für Künstler/innen
werden und ihnen ermöglichen, für eine bestimmte
Zeit in Ruhe zu arbeiten. Durch eine unabhängige
Jury werden Stipendien vergeben, die von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Böll-Fonds des Landes
NRW für politisch verfolgte Künstler/innen finanziert werden. Dank der Unterstützung durch die
Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege und die regionale Kulturförderung des Landschaftsverbandes Rheinland konnte
das Heinrich-Böll-Haus im Jahr 2015 umfangreich
saniert werden. Daher wurden lediglich zwei neue
Stipendien vergeben.

Unsere Gäste 2015
Abdul Razzak Shaballout , Maler aus Damaskus/Sy-

rien (Jahrgang 1974), war Professor der Kunstakademie in Damaskus. Er wurde in Syrien verfolgt und
flüchtete nach Beirut. In Langenbroich fand er die
Ruhe und Kraft, seine künstlerische Arbeit wieder
aufzunehmen. Mit hyperrealistischen Portraits und
Stillleben erweckt er die Erinnerung an seine Familie
und Freunde zu neuem Leben. Mit seiner Kunst wendet er sich auch an ein deutsches Publikum, um über
die Tragödie in Syrien aufzuklären.
Mohammad al-Attar, Dramatiker und Theatermacher aus Syrien (Jahrgang 1980), ist einer der bekanntesten Nachwuchsdramatiker und gilt als Chronist seines vom Bürgerkrieg zerrissenen Landes.
Seine Theaterstücke werden weltweit aufgeführt,
wie zuletzt «Antigone of Shatila» im Thalia Theater
Hamburg und auf dem Theaterfestival in Marseille.
In dieser Neuinterpretation von Sophokles' Antigone,
einem Drama um Flucht, Kampf, Stolz und Widerstand, erzählen aus Syrien geflüchtete Frauen diesen
antiken Stoff aus ihrer sehr persönlichen, kulturspezifischen Perspektive.

Ebenfalls 2015 zu Gast waren Roya Issa , ­bildende
Künstlerin aus Damaskus/Syrien, und Ramy Al
Asheq , Schriftsteller aus Damaskus/Syrien. Sie wurden bereits im Jahresbericht 2014 vorgestellt.
  Hinweis

 

 ie können das HeinrichS
Böll-Haus Langenbroich
durch die Übernahme einer
Patenschaft unterstützen.

  Bewerbung

Mit Ihrer Hilfe können wir
Schriftsteller/innen und
Künstler/innen zu uns einladen.
I  Ulrike Cichon  E  cichon@boell.de

  Bewerbungen für Stipendien an:

Heinrich-Böll-Stiftung, Frau Sigrun Reckhaus c/o Stadtbibliothek
Josef-Haubrich-Hof 1, 50676 Köln
T  0221  -  28  3 4  8 50  F  0221  -  51  02  5 89  E  reckhaus@boell.de

Kunst und Kultur – Heinrich-Böll-Haus Langenbroich

Weltweit vertreten Künstlerinnen und Künstler Positionen zu politischen und
gesellschaftlichen Themen. Mit unserem Stipendienprogramm im Verein Heinrich-Böll-Haus Langenbroich e.V. ermöglichen wir unseren Gästen, für einige
­Monate ungestört, ohne finanzielle Sorgen, frei von Verfolgung und Zensur kreativ zu arbeiten. Mitgetragen wird der Verein von der Stadt Düren und dem Land
Nordrhein-Westfalen.

38

Gunda-Werner-Institut

Gunda-Werner-Institut

Das Gunda-Werner-Institut (GWI) in der Heinrich-Böll-Stiftung signalisiert als
feministischer Leuchtturm der grünen Stiftung: Feminismen sind Teil der grünen
Bewegung und haben hier einen festen Platz. Uns treibt die Frage um, wie eine
geschlechterdemokratische Gesellschaft aussieht und welche politischen Instrumente uns dorthin bringen. Geschlechterdemokratie lebt von der Auseinandersetzung und dem Dialog mit und zwischen allen Geschlechtern, gemäß Gunda Werners Ansatz: «Denkverbote strengstens verboten!»

«Die Freiheit nehm ich mir» – eine Veranstaltung der Reihe «Streitwert –
Politik im Dialog» über Social Freezing, Praena-Test, Eizellspenden

schienen in unserer Schriftenreihe, bietet dazu Hintergrundinformationen und analytische Zugänge aus
einer internationalen Perspektive. Im Green Ladies
Lunch ging es um die Chancen und Grenzen internationaler Rechtsetzung im Kontext globaler Bioökonomie und Bevölkerungspolitik. Christa Wichterich referierte die Entwicklung sexueller und reproduktiver
Rechte als Menschenrechte, Shalini Randeria (Insti­
tut für die Wissenschaften vom Menschen, Wien)
ergänzte mit postkolonialen Perspektiven zu Bevölkerungspolitik, und Susanne Lettow (Goethe-Universität Frankfurt) erläuterte die Bedeutung der
Bioökonomie. In unserer Reihe «Streitwert – Politik
im Dialog» ging es um mögliche Grenzen reproduktiver Rechte. In Deutschland steht ein neuer Bluttest
für Schwangere, der Praena-Test, vor der Kassenzulassung. Anders als bisherige Tests identifiziert er
sicher und günstig z.B. Trisomie 21. Die einen sehen
darin einen medizinischen Fortschritt. Andere beSexuelle und reproduktive Rechte stärken
Einer unserer Schwerpunkte 2015 war das Thema fürchten eine Gesellschaft, in der es Kinder mit ange«Sexuelle und reproduktive Rechte». Der gleichna- borenen Behinderungen nicht mehr geben wird. Das
mige Essay der Soziologin Christa Wichterich, er- «Social Freezing», die Aufforderung an junge ­Frauen,
Bilanz: Peking+20

2015 feierte die Aktionsplattform von Peking, die
Agenda der Weltfrauenkonferenz von 1995, ihr
20-jähriges Jubiläum. Peking war ein Meilenstein
für feministische Kämpfe, etwa gegen rassistische
Bevölkerungspolitik oder für Frauengesundheit. Von
Geschlechtergerechtigkeit und dem systematischen
Abbau von Frauendiskriminierung weltweit sind wir
heute aber noch weit entfernt. Zwar sind Fortschritte und Errungenschaften bei der Gleichberechtigung
von Frauen und Mädchen – regional unterschiedlich – zu verzeichnen, zugleich gibt es Rückschritte in
der Gleichstellung der Geschlechter. Ein animierter
Kurzfilm sowie unser umfassendes Webdossier mit
Beiträgen aus verschiedenen Regionen der Welt erläutern die Pekingplattform und zeigen den aktuellen
Stand der Frauenrechte weltweit.

  Link

  

w ww.gwi-boell.de/de/peking20frauenrechte-weltweit-endlichumsetzen

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Teilnehmerinnen des Workshops «Entdecke das Faultier
in dir!» auf dem Kongress «Dare the im _ possible».
Foto: Stefanie Kulisch

dem Job zuliebe Eizellen für später einfrieren zu lassen, war ein viel diskutiertes Geschlechterthema.
Rechtliche Regelungen halten bislang mit den neuen technischen Möglichkeiten nicht Schritt. Was in
Deutschland verboten ist, wird womöglich woanders
eingekauft. Die Podiumsgäste diskutierten daher die
Frage, ob die Freiheit der Fortpflanzung Grenzen haben sollte und wenn ja, wie diese zu definieren wären.

Akteur/innen aus der sozialen, pädagogischen und
politischen (Männer-)Arbeit ihre eigene Praxis kritisch hinterfragen. In den Workshops ging es u. a. um
Themen wie Rassismus in Schulbüchern, Transkulturelle Jungenarbeit, Arbeit mit Geflüchteten und den
zunehmenden Rechtspopulismus und -extremismus.

Ausblicke: Wage das Un_mögliche

Erschreckend und völlig unverständlich ist aus heutiger Sicht die Forderung nach Straffreiheit von sexuellen Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern. Wie konnte, neben anderen, die grüne Partei
ernsthaft vertreten, Sexualität zwischen Kindern
und Erwachsenen könne auf Augenhöhe, einvernehmlich und ein «Verbrechen ohne Opfer» sein? Die
Partei befindet sich seit mehreren Jahren in der Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels ihrer Geschichte.
Die Veranstaltung «Projekt Aufarbeitung» lieferte
im März einen Zwischenstand. Alexander Hensel
(Göttinger Institut für Demokratieforschung) stellte
die Hauptergebnisse der Studie «Die Grünen und die
Pädosexualität» vor. Simone Peter (Bundesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen) erläuterte den Stand
der parteiinternen Aufarbeitung und entschuldigte
sich nochmals ausdrücklich bei den Betroffenen von
sexualisierter Gewalt. Im Podiumsgespräch versuchten verschiedene Fachleute eine zeithistorische Einordnung – als Erklärung, nicht als Rechtfertigung.
Sie diskutierten über die Bekämpfung sexualisierter
Gewalt als gesellschaftspolitische Aufgabe und die
nötigen rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen. Deutlich wurde, dass das Kapitel Aufarbeitung noch lange nicht abgeschlossen ist und grüne
Politik da, wo sie in Verantwortung ist, noch mehr
tun kann.

Im Oktober lud das GWI zusammen mit dem Missy
Magazine und vielen weiteren Kooperationspartner/
innen zum viertägigen Kongress «Dare the im_ possible/Wage das Un _ mögliche», um feministische
Forderungen für das 21. Jahrhundert zu formulieren.
Neue feministische Herausforderungen, wie Netzpolitik und digitale Gewalt, und alte Forderungen, wie
das Recht auf Abtreibung, standen ebenso auf dem
Programm wie die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland oder die Änderung des Asylrechts aus feministischer Perspektive.
Die Diskussion über Fragen, wie Geflüchtete, insbesondere Frauen, in Erwerbsarbeit gebracht werden
können, gab Impulse für notwendige spezifische Informations- und Empowermentprogramme. Das Gespräch mit internationalen Gästen über den Krieg in
Syrien oder «fragile Staaten» wie Irak zeigt deutlich,
dass auch Instrumente wie die UN Resolution 1325
nur begrenzt weiter helfen. Umdenken auf der Seite
der UN scheint notwendig.
Rassismus und Männlichkeiten

Rassistische Strukturen wirken – offen oder unbewusst – auch in der Mitte der Gesellschaft. Sie beeinflussen Entscheidungen darüber, wem Chancen
zugeteilt oder verweigert, wessen Lebensrealitäten
anerkannt werden oder nicht – Rassismus hierarchisiert Menschen nach Herkunft, Hautfarbe, Sprache, kulturellen und religiösen Praxen. Auf unserer
Tagung «Rassismus und Männlichkeiten» konnten
  Online-Dokumentation

  

h ttps://youtu.be/
nbufQakP0bA

Ort für Debatten zu grüner Aufarbeitung
sexualisierter Gewalt

Gunda-Werner-Institut

Sookee, Feministin und Rapperin auf dem Kongress
«Dare the im _ possible».

40

Studienwerk – Rückenwind für junge Talente

Studienwerk

Wir fördern Studierende und Promovierende aller Fachrichtungen aus dem In- und
Ausland. Neben einem Stipendium fördern wir auch « ideell » , d.h. wir bieten individuelle Beratung und Qualifizierung, regen zur politischen Debatte an und unterstützen unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten darin, sich selbst zu organisieren und zu vernetzen.
Unser Anliegen ist es, Talente zu entdecken und ihre Potenziale zu fördern.
So wollen wir zukünftige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gewinnen, die
sich weltweit für die Ziele der Stiftung einsetzen: für mehr Demokratie, Solidarität, ökologisches Handeln, nachhaltige Politik und Menschenrechte.
Wir kombinieren in unserer Nachwuchsförderung den Leistungsgedanken mit
Chancengerechtigkeit. Neben sehr guten Schul- bzw. Studienleistungen, die im
Auswahlverfahren im biografischen Kontext bewertet werden, erwarten wir von
unseren Stipendiatinnen und Stipendiaten, dass sie Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen, sich gesellschaftlich engagieren und für Politik interessieren.

25 Jahre Studienwerk – auch der Jahrgang 2015 feiert mit.

Wer wird gefördert?

Unter 2023 Bewerber/innen wählte das Studienwerk
194 Stipendiat/innen in einem dreistufigen Auswahlverfahren neu aus. Insgesamt förderten wir im vergangenen Jahr 978 Studierende und 215 Promovierende (58 Prozent Frauen und 42 Prozent Männer).
Mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und
Forschung konnten 1106 Stipendiat/innen unterstützt werden, davon 189 Promovierende. Von diesen Studien- und Promotionsstipendiat/innen haben
306 (28 Prozent) eine Migrationsgeschichte und 460
(42 Prozent) kommen aus einem nichtakademischen
Elternhaus. Über Mittel des Auswärtigen Amtes
konnten 87 internationale Stipendiat/innen gefördert werden, davon 26 Promovierende. Regionale
Förderschwerpunkte sind Mittel- und Osteuropa, die
Gemeinschaft unabhängiger Staaten sowie Nordafrika und der Nahe Osten (hier vor allem aus Ägypten,

Libanon, Marokko, Tunesien und Syrien). 28 Prozent
unserer internationalen Stipendiat/innen kamen aus
dem europäischen Ausland (außerhalb der EU). Die
größte nationale Gruppe der Geförderten aus dem
Ausland kam aus Russland (16), gefolgt von Syrien
(8), Iran (7) und Ägypten (5).
Grund zum Feiern: 25 Jahre Studien- und
Promotionsförderung!

Grüne Begabtenförderung macht einen Unterschied –
unter diesem Motto feierte das Studienwerk im Oktober sein 25-jähriges Bestehen. Unter den rund
400 Gästen waren zahlreiche Auswahlkommissionsmitglieder, Vertrauensdozent/innen, Partnerorganisationen und Fachbeiräte. Der Parlamentarische
Staatssekretär beim Bundesministerium für Bildung
und Forschung Stefan Müller würdigte in seinem
Grußwort die Zivilcourage, das gesellschaftliche En-

41

gagement und die hohe Verantwortungsübernahme
der Stipendiat/innen sowie generell die Bedeutung
der Begabtenförderung. Stipendiat/innen und Alumni – unter ihnen die grüne Bundestagsabgeordnete
Dr. Franziska Brantner, der Regisseur Robert Thalheim, die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages Dr. Ellen Ueberschär und der
Professor für Zeitgeschichte und Politik des Nahen
Ostens Dr. Omar Kamil – erzählten von ihrem Werdegang, ihrem gesellschaftlichen Engagement und wie
sie das Stipendium dabei unterstützte. Alumni und
Stipendiat/innen bereicherten das Programm mit
französischen Chansons, Jazz, kurdischen Balladen
und europäischer Klassik.

und selbstständiges Denken und Handeln zu fördern
sowie Gestaltungskompetenzen zu vermitteln. Das
geschieht insbesondere in den stipendiatischen Arbeitsgruppen und Lokalen Initiativen, im Stipendiat/innen-Rat und den sogenannten Adhoc-Gruppentreffen zu aktuellen politischen Themen.
Eigenverantwortlich organisierte Arbeitsgruppen von Stipendiat/innen 2015:

▸  AG Forschen Verantworten (Neu)
▸  AG Theorie – Gesellschaft – Politik
▸  AG Gender
▸  AG Land (Neu)

▸  9 8% der Studiengeförderten und 84% der
Promotionsgeförderten haben bis dato ihren
Abschluss erreicht – und dies mit meist ausgezeichneten Noten.
▸  4 2% der Alumni gelang der Berufseinstieg
unmittelbar nach Studienabschluss; weiteren 42% innerhalb der folgenden Monate –
in der Regel mit einer statusadäquaten Beschäftigung. 47% der geförderten Männer
und 42% der geförderten Frauen sind mittlerweile in Führungspositionen.
▸  8 1% sind mit ihrem beruflichen Erfolg (sehr)
zufrieden. Rund 70% messen der Förderung
eine (sehr) hohe Bedeutung für ihre persönliche und berufliche Entwicklung bei – dies
geben insbesondere Alumni mit Migrationshintergrund und aus nichtakademischem
Elternhaus an.
▸  9 0% der Alumni sind ehrenamtlich engagiert – überwiegend in den Bereichen Umweltschutz, Integration und Gleichstellung,
Politik, Menschenrechte und Bildung.

Beratung – Qualifizierung – Vernetzung

▸  AG Rassismus und Diskriminierung (Neu)
▸  AG Wilder Osten
▸  AG Wirtschaftspolitik

Schwerpunkte im Veranstaltungsprogramm 2015

Mehrere Veranstaltungen nahmen Themen und Methoden aus den Nachhaltigkeitswissenschaften auf.
Auch verschiedene Methoden aus dem Spektrum der
BNE kamen zum Einsatz, z.B. das Planspiel «Migrationspolitik der EU» oder die Szenarienanalyse
«Agrarwende nachhaltig gestalten». Ein von Stipendiat/innen entwickeltes Projekt ging mit einer interaktiven Karte www.kartevonmorgen.org an den
Start. Auf Nachhaltigkeit bedachte Initiativen und
Unternehmen können dort abgerufen werden.
Viele der Themen im Jahresprogramm wurden
auf Wunsch der Stipendiat/innen aufgenommen,
wie zum Beispiel ein Seminar über Datenschutz, ein
«Weltwirtschafts-Schnupperkurs» oder ein Seminar
zu «Bundeswehr und Gesellschaft». Auch bewährte,
jährlich wiederkehrende Veranstaltungen fanden
statt – darunter die Einführungsseminare für neu in
die Förderung aufgenommene Stipendiat/innen, das
Promovierendenforum sowie Veranstaltungen zum
Erwerb von journalistischem Handwerkszeug im
Rahmen des Studienstipendienprogramms «Medienvielfalt, anders». Auch hatten Stipendiat/innen die
Möglichkeit, an zahlreichen Fachveranstaltungen
der Stiftung teilzunehmen.
Das Netzwerk der Stipendiat/innen wurde 2015
durch den Aus- bzw. Aufbau von Lokalen Initiativen
an den Hochschulstandorten weiter gestärkt. Unsere
Stipendiat/innen sind dort wichtige Botschafter/
innen unserer Förderphilosophie und Multiplikator/
innen für die Werte und Ziele der Heinrich-BöllStiftung.

Wir bieten unseren Stipendiat/innen neben der materiellen Förderung auch Beratung zur Studienplanung,
machen Angebote zur gegenseitigen Vernetzung und
legen ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm
mit Seminaren, Workshops, Studienreisen, Diskussionsforen u.v.m. auf. Wir wollen zur politischen Debatte anregen, Schlüsselkompetenzen vermitteln,
zum interdisziplinären Dialog ermuntern und das
gesellschaftspolitische Engagement unserer Stipen- Forschungscluster zur Transformationsforschung
diat/innen fördern. Inhaltlich, methodisch und di- In der Promotionsförderung haben wir den Schwerdaktisch beziehen wir uns vor allem auf das Konzept punkt Nachhaltigkeitswissenschaft und -forschung
zur «Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)». fortgesetzt. Inzwischen werden 30 Promovierende
Dabei ist es uns ein Anliegen, Selbstorganisation aus unterschiedlichen Fächern von der Physik bis zur

Studienwerk

Was aus ihnen wurde: Die wichtigsten
Ergebnisse der Alumni-Verbleibstudie
(September 2015)

42

Ethnologie in diesem Forschungscluster gefördert. ­Chance, die Forschungsvorhaben im weiteren Kreis
Bei einem Treffen im Umweltforschungszentrum zu diskutieren. Und schließlich bot eine öffentliche
Leipzig tauschten sich die Promovierenden über ihre Tagung mit dem Titel «Ist der Weg das Ziel?» einem
wissenschaftsethischen und -normativen A
­ nsätze interessierten Fachpublikum die Möglichkeit, über
aus. Eine Konferenz, gemeinsam durchgeführt transdisziplinäres Arbeiten und Innovationen im eimit der Universität Leuphana in Lüneburg, bot die genen Forschungsfeld nachzudenken.

Foto: Marion Masuch

Studienwerk

Dr. Ipek Ölcüm studierte an der HU Berlin Rechts-

wissenschaften. Sie promovierte von 2007 bis 2009
zum Thema «Die Berücksichtigung sozialer Belange im öffentlichen Auftragswesen» mit einem Promotionsstipendium der Stiftung. Zeitgleich absolvierte sie eine Ausbildung zur Mediatorin. Seit ihrer
Zulassung als Rechtsanwältin beschäftigt sie sich
vor allem mit dem privaten Baurecht sowie dem Architekten- und Ingenieurrecht. Ipek Ölcüm ist Auswahlkommissionsmitglied.

Foto: Sonja Rode

Prof. Dr. Mieke Roscher hat Anglistik, Politikwissenschaften und Pädagogik an den Universitäten in Bremen und Middlesex studiert. Von 2004 bis 2008 promovierte sie mit einem Stipendium der Stiftung zur
«Geschichte der Britischen Tierschutzbewegung».
Seit Oktober 2014 ist sie Juniorprofessorin für die
Geschichte von Tier-Mensch-Beziehungen an der
Universität Kassel. Sie forscht u. a. über die kolonialhistorischen und geschlechtergeschichtlichen Aspekte der Mensch-Tier-Beziehungen und über Tiere
im Nationalsozialismus. Seit 2015 ist Mieke Roscher
Mitglied in der Auswahlkommission.

Foto: Andreas Salomon-Prym

Dr. Jens Schneider war von 1996 bis 1999 Stipendiat der Stiftung und promovierte im Jahr 2000 an
der Universität Tübingen. Seine Dissertation w
­ urde
2001 unter dem Titel «Deutsch sein. Das ­Eigene, das
Fremde und die Vergangenheit im Selbstbild des
vereinten Deutschland» veröffentlicht. Seit 2011
arbeitet er als Senior Researcher am Institut für
Migrationsforschung und Interkulturelle ­Studien
(IMIS) der Universität Osnabrück. Er forscht zu
Identitäten in multiethnischen und superdiversen
Gesellschaften und beteiligt sich als Gutachter am
Auswahlverfahren.

Foto: Privat

Prof. Dr. Stephan Bundschuh studierte Philosophie,
Soziologie und Geschichte in Stuttgart und Frankfurt/Main und promovierte von 1993 bis 1996 mit
einem Stipendium der Stiftung zur Sozialphilosophie Herbert Marcuses. 2011 wurde er auf die Professur für Kinder- und Jugendhilfe der Hochschule
Koblenz berufen und hat derzeit die Forschungsprofessor zu Autoritarismus inne. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Kinder- und ­Jugendhilfe,
Autoritarismus, rassismuskritische Bildung und Sozialraumorientierung. Stephan Bundschuh ist Aus­wahlkommissionsmitglied.

43

GreenCampus – Politik erfolgreich machen!
Unter dem Dach von GreenCampus vereinen sich die vielseitigen Weiterbildungsformate der Heinrich-Böll-Stiftung und ihrer Landesstiftungen im Bereich Politik­
management. Mit GreenCampus bieten wir Qualifizierung und Organisationsberatung für politische Organisationen und Gestalter/innen – von ehrenamtlich
Aktiven bis zu Profis. Dazu gehört auch die Verantwortung des internen Weiterbildungsprogramms der Stiftung. Damit leistet GreenCampus im Stiftungsverbund
einen wichtigen Beitrag zum Auf- und Ausbau von Kompetenzen für erfolgreiche
politische Arbeit und wirkungsvolle gesellschaftliche Partizipation.

Auch im Jahr 2015 lag die positive Bewertung unserer in unser Denken Eingang zu finden, oder es werden
Weiterbildungsangebote durch die Teilnehmenden sogar die Frames von Vertreter/innen anderer Posistabil bei knapp 100 Prozent. Ein Schwerpunkt un- tionen übernommen und gestärkt. Das mindert den
seres Programms war das Thema «Framing in der eigenen Erfolg.
politischen Kommunikation». Was es damit auf sich
hat, beantwortet GreenCampus-Trainerin Stephanie Wie kann man Framing lernen? Was erfahren die
Bernoully:
Teilnehmenden in den GreenCampus-Seminaren
von dir?

Framing in der politischen Kommunikation –
was ist das?

Framing bedeutet – einfach gesprochen – Werte in
Worte zu fassen. Und zwar die eigenen Werte in die
eigenen Worte. Weil sich Politik fast ausschließlich
über Sprache vermittelt, ist es besonders bedeutend,
dass sich eine Organisation also erstens ihrer Werte bewusst ist, und diese zweitens auch klar formuliert. Sie setzt damit einen sprachlichen Deutungsrahmen. Daher der Begriff «Frame». Eine Person
oder Organisation bringt ihre Position in den politischen Diskurs ein. Die Linguistin Elisabeth Wehling
spricht davon, dass komplexes Denken erst entsteht,
wenn durch Framing politische Aussagen an unser
Erfahrungswissen anschließen und sich im Gehirn
entfalten können. Leider kommt es häufig vor, dass
faktenreich statt werteorientiert kommuniziert wird.
Dann bleibt die Sprache zu abstrakt, um überhaupt

  Link

  

 as gesamte Programm und aktuelle
D
Angebote unter: www.greencampus.de
­T  030 / 285 34-144

Es geht darum, mit etwas Abstand vom politischen
Alltag zu verstehen, welche Aussagen in Bezug auf
Framing stark oder schwach sind. In Einzel- und
Gruppenübungen trainieren wir einen einfachen
erzählerischen Stil, der emphatisch und an die Sinne gerichtet ist. Ich lege sehr viel Wert darauf, sich
dabei bewusst von einer ausgeprägten und hochabstrakten Amtssprache zu verabschieden. Einige der
dort zu findenden Begriffe gehören regelrecht auf
den Index, weil sie das Gegenteil von dem ausdrücken, was eigentlich gesagt werden soll. Und schließlich entwickeln wir punktuell neue Worte für eigene
Werte. Das geht natürlich nicht ohne Wertereflexion
und bildet insofern den Übergang vom Seminar zum
dauerhaften Framingprozess in der Praxis. «Vom
Wissen zum Handeln» ist ja auch der Leitspruch von
GreenCampus.

 
« Ich kann gar nicht genug betonen, wie wertvoll eure Fort­
bil­dungsreihe für mich war. Ich kann sie jeder/jedem nur
wärmstens ans Herz legen.» Rückmeldung eines Teilnehmers
zu einer modular aufgebauten Führungskräfteentwicklung

GreenCampus

(v.l.n.r.): Paulina Berndt, Wolfgang Pohl, Friederike Raiser,
Maria Pajonk, Barbara Heitkämper, Christian NeunerDuttenhofer

44

Archiv Grünes Gedächtnis

Archiv Grünes Gedächtnis

Das Archiv Grünes Gedächtnis dient der historischen Überlieferung der Partei
Bündnis 90/Die Grünen und sammelt die Quellen zur Geschichte der Neuen Sozi­
alen Bewegungen. Es ist das Gedächtnis der Partei und zugleich der Ort, an dem
Transparenz hergestellt wird. Die im Archiv gesammelten Unterlagen werden unter Berücksichtigung der notwendigen Schutzregeln der interessierten Öffentlichkeit und der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung gestellt.

Wilhelm Knabe, einer der führenden Experten für Waldschäden und Immissionsschutz  Foto: Argus Fotoagentur

Zeitzeugeninterview mit Wilhelm Knabe
Stelle herzlich bedanken. Der Nachlass dokumentiert
Zu Beginn des Jahres besuchten wir Wilhelm K
­ nabe, sein politisches Engagement über ein halbes Jahrder uns über seinen Werdegang als Forstwissen- hundert: vom AStA-Vorsitzenden an der Berliner FU
schaftler an der Ostberliner Humboldt-Universität, in den späten 1950er Jahren über die Studentenbeals wissenschaftlicher Ökologe im Westen und als wegung, von der Gründung der Hamburger AlternaBundesvorsitzender und Bundestagsabgeordneter tiven Liste und seinen parlamentarischen Erfahrunder Grünen berichtete. Das Interview ist inzwischen gen in Altona und in der Hamburger Bürgerschaft bis
im Jahrbuch des Archivs erschienen.
zur hochinteressanten Auseinandersetzung mit der
Geschichte seiner Generation.
Beständeübersicht

Die Übersicht über die Bestände im Archivportal
Europa wächst kontinuierlich. Dafür werden regelmäßig neue Beschreibungen zu den Personen und Institutionen sowie zu den Archivunterlagen ins Netz
gestellt. Die neue Übersicht war aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung notwendig geworden
und macht unsere Bestände in einem archivübergreifenden Kontext sichtbar.

Tagung: Die Ökologie im rechten und
linken Spektrum

Unter dieser Überschrift hatten die Universitäten
von Metz und Saarbrücken zu einer geschichtswissenschaftlichen Winterschule eingeladen, die
Konvergenzen und Divergenzen zwischen den Ökologiebewegungen in Deutschland und Frankreich untersuchte. Das thematische Spektrum reichte von der
Entstehung der biologischen Landwirtschaft im KonNachlasserschließung
text der Lebensreformbewegung seit der Mitte des
Basis für jegliche Nutzung des Archivs ist die Er- 19. Jahrhunderts bis zu aktuellen Rechts-Links-Orischließung von Archivalien. Exemplarisch sei die entierungen der deutschen und französischen GrüErschließung des Nachlasses von Martin Schmidt nen. Der Beitrag des Grünen Gedächtnisses behanangeführt, für die das Archiv eine Spende seiner Le- delte die Grünen als Anti-Parteien-Partei in den
bensgefährtin erhalten hat, für die wir uns an dieser 1970er und 1980er Jahren.

  Link

  

h ttps://goo.gl/nse8Lt

  Link

  

w ww.archivesportal
europe.net/de

  Lesesaal

  

Ö ffnungszeiten des Lesesaals:
Mo/Di/Do 9 –17 Uhr,
Mi 12–20 Uhr, Fr 9 –16 Uhr

Eldenaer Str. 35
10247 Berlin
E archiv@boell.de

45

Preise

Anne-Klein-Frauenpreis: Nebahat Akkoc

Der Anne-Klein-Frauenpreis 2015 ging an die Kurdin Nebahat Akkoc für ihren Widerstand gegen
staatliche und häusliche Gewalt, für die Verteidigung
der Menschenrechte und der Rechte der F
­ rauen. Sie
gründete die Frauenrechtsorganisation KAMER, die
psychologische und rechtliche Beratung für Frauen,
Schutzräume und Unterstützung zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit bietet. «Nebahat Akkoc
stellt sich der Gewalt – nach wie vor wird sie auch
persönlich bedroht – furchtlos entgegen und weigert
sich, genderspezifische Gewalt und jede Ungleichbehandlung zu akzeptieren. Darin ist sie den ­Frauen
im Südosten der Türkei und darüber hinaus eine
Mutmacherin», so die Begründung der Jury. Der
Anne-Klein-Frauenpreis wird zum 4. Mal verliehen
und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Foto: Stephan Röhl

Friedensfilmpreis 2015: Joshua Oppenheimer

Der 30. Friedensfilmpreis der Internationalen Filmfestspiele in Berlin ging an «The Look of Silence» von
Joshua Oppenheimer – ein Dokumentarfilm über die
Gräuel nach dem Militärputsch in Indonesien 1965.
Mehr als eine Million Menschen wurden damals grausam und willkürlich umgebracht. Manche Täter sind
noch immer an der Macht, denn die Verbrechen wurden nie aufgearbeitet. «Oppenheimer gelingt es auf
ergreifende Weise, ein gesellschaftliches Tabu aufzubrechen. Entstanden ist ein Film über die Abgründe
menschlicher Grausamkeit und über die hoffentlich
ebenso große Fähigkeit zur Versöhnung», heißt es
in der Begründung der Jury. Der Friedensfilmpreis
ist mit 5000 Euro und einer Plastik des Künstlers
Otmar Alt dotiert.

Neckarschule Grundschule Mannheim 
Foto: Stephan Röhl

(v.l.n.r.): Elisabeth Winter, Nora BurgardArp, Anke Dankers  Foto: Stephan Röhl

Reportagepreis für junge Journalistinnen
und Journalisten

Die Preisträgerinnen des Reportagepreises für ­junge
Journalistinnen und Journalisten: Nora BurgardArp (Platz 1), Mariel Müller, Alexandra Reinsberg
und Elisabeth Winter (Platz 2) und Anke Dankers
(Platz 3). Der Reportagepreis wird vom Netzwerk
JungeJourna­listen.de, der Heinrich-Böll-Stiftung
und Zeit online vergeben, der 1. Platz ist mit
1500 Euro dotiert.

Preis für demokratische Schulentwicklung –
«DemokratieErleben»

Der Preis für demokratische Schulentwicklung «DemokratieErleben» ging an die Neckarschule Grundschule Mannheim. Der Preis wurde erstmalig von
der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung, dem
Förderprogramm «Demokratisch Handeln», der Zukunftsstiftung Bildung und der Freudenberg Stiftung in Berlin verliehen. Der 1. Preis ist mit 3000
Euro dotiert. Die 2. Plätze belegten das CarolusMag­nus-Gymnasium Übach-Palenberg und die Freie
Schule Leipzig.

Preise

Foto: Stephan Röhl

46

Interessante Gäste

Foto: James Duncan Davidson/TED CC-BY

Taiye Selasi – britische Schriftstellerin und Fotografin

Foto: Michael Succow Stiftung

Michael Succow – Biologe und Agrarwissenschaftler. Er
ist Träger des Right Livelihood Award (auch bekannt als
Alternativer Nobelpreis) und Pionier des Naturschutzes
in Ostdeutschland. Im Dezember hielt er in der Stiftung
einen Vortrag über Agrarlandschaft und Naturschutz in
Deutschland.

Interessante Gäste

mit nigerianisch-ghanaischen Wurzeln. Selasi porträtiert in ihren Essays und Kurzgeschichten eine neue
Generation von afrikanischen Weltbürger/innen, die
«Afro­politans». Im Februar diskutierte sie im Rahmen
der Literaturreihe «Literarische Topografien des Kolonialismus» mit der Kulturwissenschaftlerin Peggy Piesche über die afrikanische Diaspora im 21. Jahrhundert
und las einige Auszüge aus ihren Texten vor.

Foto: Stephan Röhl
Foto: Stephan Röhl

Hanin Ghaddar – Chefredakteurin der libanesischen On-

line-Zeitung NOW News. Ghaddar berichtet seit mehr
als 10 Jahren über die politischen und gesellschaftlichen
Veränderungen im Libanon, in Syrien und der Region.
Bei unserer Syrien-Konferenz im Mai diskutierte sie auf
dem Podium «Der Einfluss regionaler Akteure» über die
Interessen der Nachbarstaaten im Syrienkonflikt.

Maina Kiai – UN-Sonderberichterstatter für das Recht

auf Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit. Maina
Kiai kämpft seit mehr als 20 Jahren gegen Korrup­
tion und Menschenrechtsverletzungen in seinem Heimatland Kenia. Er war im Juni zu Gast bei unserer
Konferenz «Verantwortung einfordern – Soziale und
ökologische Dimensionen der Menschenrechte im
UN-Gipfeljahr 2015».

Matisyahu – amerikanischer Reggae-Musiker, gilt als

einer der bedeutendsten jüdischen Künstler der Gegenwart. In seinen Songs verbindet er jüdisch-orthodoxe
Motive mit Reggae und Hip-Hop-Elementen. Zum Abschluss seiner Europa-Tournee gab er ein Akustikkonzert bei unserem Jewish Culture Day im August in Berlin.
Foto: Stephan Röhl

47

Foto: Guillaume Paumier CC-BY
Foto: Stephan Röhl

Gloria Atiba-Davies – Ermittlerin am Internationalen
Strafgerichtshof in Den Haag. Ihr Arbeitsschwerpunkt
liegt bei sexueller und genderbasierter Gewalt, Verbrechen gegen Kinder sowie Zeugen- und Opferschutz. Zuvor war sie Generalstaatsanwältin in ihrem Heimatland
Sierra Leone. Im Oktober besuchte sie unsere internationale Feminismuskonferenz «Dare the im _ possible»
und nahm an einem Fachgespräch zu sexualisierter
Kriegsgewalt teil.

Dr. Rebecca Gomperts – Ärztin und Gründerin der Organisation Women on Waves. Nach ihrem Medizinstudium segelte Rebecca Gomperts als Umweltaktivistin
und Schiffsärztin mit dem Greenpeace Schiff Rainbow
Warrior. Ihre Erlebnisse in dieser Zeit inspirierten sie
zu der Gründung der Organisation Women on Waves,
die mit Hilfe einer Schiffsklinik Abtreibungen in internationalen Gewässern anbietet. Bei unserer Konferenz
«Dare the im _ possible» diskutierte sie mit Terry ­Reintke
(MdEP) und Ulrike Busch von pro familia über das Recht
auf Abtreibung.

Interessante Gäste

Naoto Kan – war Japans Premierminister während der
Atomkatastrophe im März 2011. Im Jahr 2012 veröffentlichte er ein Buch über seine Erfahrungen während
der Fukushima-Krise, das 2015 auch in deutscher Übersetzung erschien. Im Oktober stellte er es auf der Frankfurter Buchmesse vor und kam bei dieser Gelegenheit
auch nach Berlin, wo er einen Vortrag über das Krisenmanagement und die Lehren aus der Dreifachkatastrophe in Fukushima hielt.

Foto: Willem Velthoven

Foto: Stephan Röhl

Joumana Seif – syrische Frauenrechtlerin und Friedens-

aktivistin. Joumana Seif setzt sich für eine stärkere
Rolle von Frauen im Friedensprozess ein und arbeitet
als Mitglied der Syrian Women Initiative for Peace and
Democracy u. a. mit UN Women zusammen. Bei der internationalen Feminismuskonferenz «Dare the im _ possible» berichtete sie bei einem Panel von der Gewalt gegen Frauen im Syrienkonflikt.

Foto: Privat

Vidulfo Rosales Sierra – Anwalt beim mexikanischen
Menschenrechtszentrums Tlachinollan. Er vertritt die
Angehörigen der 43 verschwundenen Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa. Im Oktober besuchte er die Stiftung, um über das systematische Verschwindenlassen in
­Mexiko zu berichten.

48

Stiftungsmanagement

Stiftungsmanagement

Dr. Livia Cotta, Geschäftsführerin der HeinrichBöll-Stiftung  Foto: hbs

Finanzielle Rahmenbedingungen
geregelt haben, haben wir im Herbst 2015 weitere
2015 verfügte die Stiftung über rund 58 Millionen Beschlüsse für eine erfolgreiche Zusammenarbeit
Euro. Neben den Projekten zur politischen Bildung in den nächsten Jahren gefasst: In der Landesstifim In- und Ausland ermöglichten uns diese Einnah- tung Sachsen wird ein Kompetenzzentrums gegrünmen u. a. die Umsetzung erster Maßnahmen aus der det, das sich mit Rechtspopulismus und Ideologien
Strategie 2020 sowie Investitionen in unsere IT-In- der Ungleichwertigkeit beschäftigen wird. Für die
frastruktur. Beispielsweise konnten wir zum Jah- Projekt­e ntwicklung und -kooperation hat der Stifresende 2015 das Projekt zur Standardisierung un- tungsverbund drei Schwerpunktprojekte festgelegt.
serer IT-Prozesse in den Auslandsbüros erfolgreich Für eines der Schwerpunktprojekte wird der Einsatz
beenden. So stellen wir sicher, dass wir auch künftig gemeinsam entwickelter didaktischer Bildungsforunsere inhaltliche Arbeit mit moderner Ausstattung mate erprobt.
verwirklichen und unseren Mitarbeiter/innen attraktive Arbeitsplätze bieten. Unsere Wirtschaftsprüfer Organisationsstruktur
bestätigen uns einen ordnungsgemäßen Umgang mit Die Mitgliederversammlung der Heinrich-Böll-Stifden uns anvertrauten Mitteln. Um auch weiterhin tung hat als Ergebnis eines anderthalbjährigen Straunserem eigenen hohen Anspruch hinsichtlich der tegieentwicklungsprozesses im Frühjahr die Stratestrategischen Mittelverwendung gerecht zu werden, gie 2020 (s. Seite 54) beschlossen. Das haben wir im
wollen wir unsere Instrumente für die Steuerung von Sommer gefeiert und gleichzeitig den Startschuss
Sonder- und EU-Projektmitteln, aber auch des Glo- für die Umsetzung gegeben: Unter anderem nutzen
und testen wir digitale Formate in der politischen Bilbalmittelhaushalts weiter ausbauen.
dungsarbeit und zur internen Wissenserweiterung.
Darüber hinaus haben wir eine Stabstelle OrganisatiStiftungsverbund
Nachdem wir im Jahr 2014 die finanzielle Zusam- onsentwicklung und Wissensmanagement eingerichmenarbeit im Verbund mit den Landesstiftungen neu tet und die AG Digitalisierung und die AG Gemeinschaftsaufgabe nahmen ihre Arbeit auf.
In der Tarifpolitik hat die Stiftung im Herbst 2015
ein neues Kapitel aufgeschlagen und sich zur dauerhaften Übernahme der TVöD-(Bund)-Regelungen
TuWas-Stiftung
entschlossen. Das bedeutet für unsere Mitarbeiter/
innen eine feste Zusage für Sonderzuwendungen und
Die TuWas-Stiftung für Gemeinsinn wurde 2013 mit
Gehaltsrunden, Zuschüsse für Nachtarbeit sowie
großem ehrenamtlichem Engagement der Freun­die Übernahme des maximal zuwendungsrechtlich
dinnen und Freunde gegründet. In den letzten beimöglichen Zuschusses zur betrieblichen Altersverden Jahren förderte sie die mexikanische Frauenorganisation Mesa de Mujeres und finanzierte Zelte
sorgung. Zudem stellen wir im Regelfall künftig bis
für jesidische Geflüchtete in der Türkei. Im Jahr
EG 9b unbefristet ein, wenn kein Sachgrund für eine
2016 fördert TuWas die Organisation Women Now
Befristung vorliegt. Darüber hinaus hat die HeinFor Development mit rund 25.000 €, um syrische
rich-Böll-Stiftung den Beitritt zum ManteltarifverSozialarbeiterinnen zu qualifizieren für die Traumatrag für Auslandsmitarbeiter/innen der politischen
Therapie mit vertriebenen Frauen und Kindern. GeStiftungen erklärt. Für 2016 haben wir das «audit
meinsam können wir noch mehr bewirken, dafür
berufundfamilie» auf den Weg gebracht.
benötigt TuWas weitere Zustiftungen und Spenden!
 
Mehr unter www.tuwasstiftung.de
und im beiliegenden Infoflyer.

49

Die Organe des Vereins
Die Mitgliederversammlung ist das oberste Be-

schlussfassungsorgan der Stiftung. Sie setzt sich zusammen aus 49 Personen, davon je vier Personen aus
der Bundespartei und der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, 16 Personen aus den Landesstiftungen (eine Person je Landesstiftung) und 25 weitere Personen aus dem Kreis der Freundinnen und
Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung, von denen eine
Person dem Europäischen Parlament oder der Europäischen Grünen Partei angehört. Die Wahlperiode
für die Mitgliedschaft beträgt vier Jahre.
Der Vorstand ist hauptamtlich tätig und umfasst
aktuell zwei Personen. Jedes Vorstandsmitglied
wird für die Dauer von fünf Jahren gewählt. Das Vorschlagsrecht steht dem Aufsichtsrat zu. Mitglieder
der Mitgliederversammlung können Vorschläge für
die vom Aufsichtsrat zu erstellende Liste einreichen.
Der Vorstand verantwortet die strategische Ausrichtung der Stiftung. Er beschließt über die Gesamtziele,
Strategien, Visionen, übergreifenden Programme
und Projekte sowie die Positionierung der Stiftung in
der Öffentlichkeit und die Kommunikationsstrategie.

Für die Ausführung der laufenden Verwaltung des
Vereins ist die Geschäftsführerin verantwortlich. Sie
gewährleistet die Einhaltung der rechtlichen Bestimmungen und stellt die für Vorstand und Bereichsleitungen notwendigen Werkzeuge, Daten und Ressourcen für alle administrativen Entscheidungen zur
Verfügung. Sie führt auch die Unternehmensdienste.
Der Aufsichtsrat hat die Aufsicht über die Tätigkeit des Vorstandes inne. Er besteht aus neun Personen (die Mitgliederversammlung wählt aus ihren
Reihen sieben, die hauptamtlichen Mitarbeiter/innen
zwei Personen), die für die Dauer von vier Jahren gewählt werden.
Der Frauenrat wird von der Mitgliederversammlung gewählt und ist ihr gegenüber rechenschaftspflichtig. Er setzt sich aktuell aus neun Frauen zusammen, deren Amtszeit vier Jahre beträgt. Der
Frauenrat unterstützt frauenpolitische Ziele der
Stiftung und die Umsetzung der Gemeinschaftsaufgabe Geschlechterdemokratie nach innen und außen.
Eine einmalige Wiederwahl in die Mitgliederversammlung, den Aufsichtsrat und den Frauenrat ist
möglich.

Stiftungsmanagement

Die Heinrich-Böll-Stiftung auf der Schumannstraße 8 in Berlin.  Foto: Jan Bitter

50

Finanzielle Rahmenbedingungen der Stiftungsarbeit

Stiftungsmanagement

Die Heinrich-Böll-Stiftung ist als gemeinnütziger Ver­ein beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg registriert. Ihre Arbeit finanziert sich zum überwiegenden Teil aus öffentlichen Zuwendungen. Der zentrale
Baustein unserer Finanzierung sind die sog. Globalmittel, die der Bundestag im Haushalt des Bundesministeriums des Innern für die Arbeit politischer
Stiftungen zur Verfügung stellt. Über die Verwendung der Globalmittel kann die Stiftung zur Erfüllung ihrer satzungsgemäßen Aufgaben weitgehend
frei entscheiden. Mit ihnen werden zum Beispiel Seminare, Tagungen und Kolloquien durchgeführt oder
Forschungsvorhaben finanziert etc. Globalmittel
sind für die Stiftung von besonderer Bedeutung, weil
mit ihnen auch allgemeine Verwaltungskosten finanziert werden können – wie etwa Personalkosten oder
der Betrieb unserer Gebäude. Zusätzlich erhält die
Stiftung Projektmittel, die nur für den jeweils vereinbarten Zweck verausgabt werden dürfen (z.B. für die
Auslandsarbeit oder die Studien- und Promotionsförderung). Die Projektmittel werden durch Verwaltungskostenzuschüsse (VKZ) ergänzt, die ähnlich
wie Globalmittel eingesetzt werden können.
Neben den öffentlichen Mitteln hat die HeinrichBöll-Stiftung auch Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb der Weiterbildungsakademie Green Campus.

Transparenz

Es ist uns besonders wichtig, über die Verwendung
der uns zur Verfügung stehenden Mittel transparent
zu informieren. Wir gehen daher über die gesetzlich
vorgeschriebenen Berichtspflichten hinaus. So haben wir uns der Initiative Transparente Zivilgesellschaft angeschlossen und zur Einhaltung eines Verhaltenskodexes zur Verhinderung von Korruption
verpflichtet. Zudem erstellen wir freiwillig einen finanziellen Jahresbericht in Anlehnung an die Vorgaben des Handelsgesetzbuches, den wir von einer unabhängigen Wirtschaftsprüfgesellschaft bestätigen
lassen.
Finanzieller Jahresbericht

Bei der hier veröffentlichten Übersicht der jährlichen
Einnahmen und Ausgaben der Stiftung handelt es
sich um vorläufige Zahlen, von denen sich die endgültigen aber nur geringfügig unterscheiden werden.
Der endgültige Bericht mit Bilanz und Gewinn- und
Verlustrechnung kann erst erstellt werden, nachdem
die Jahresabschlüsse unserer Büros im Ausland erstellt und von lokalen Wirtschaftsprüfgesellschaften geprüft worden sind. Er wird voraussichtlich im
September 2016 auf unserer Webseite veröffentlicht
werden.
 
w ww.boell.de/de/stiftung-leitbild-initiative-transparente-zivilgesellschaft

Drittmittel
Sonstige
Einnahmen

0,13%

0,2%

Investitionen
Globalmittel / Verwaltungskostenzuschüsse
34,07%

Sachkosten

5,06%

1,17%

Politische Bildung Inland
7,45%
0,45%

25,32%

Sonstige

Personalkosten
Ausgaben
55.237.882 Euro

Einnahmen
57.599.805 Euro
65,60%
17,56%

Projektmittel
Bundesregierung
und EU

Einnahmen 2015

Die Einnahmen der Stiftung aus öffentlichen Förder­
mitteln betrugen 2015 insgesamt 57,6 Millionen
Euro. Das entspricht einem Anstieg von ca. 7,2 Prozent, der insbesondere auf zusätzliche Mittel für die
internationale Arbeit zurückzuführen ist. Der besonders hohe Zuwachs bei den Mitteln des Auswärtigen
Amts (AA) ergibt sich auch daraus, dass das AA die
Zuständigkeit für einige Länder Südosteuropas vom
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung übernommen hat.

Stipendiat/
innen

Ausgaben 2015

42,99%

Internationale
Tätigkeit

Mehr als zwei Drittel der Ausgaben der Stiftung (ca.
37,7 Millionen Euro) flossen 2015 in die inhaltliche
Arbeit und die Studien- und Promotionsförderung.
Dieser Anteil wächst auf über 80 Prozent, wenn die
Personalkosten der inhaltlich arbeitenden Mitarbeiter/innen der Stiftung berücksichtigt werden. Die
verwaltungsbezogenen Sachausgaben blieben im
Vergleich zum Vorjahr konstant. Bei den Investitionen gab es einen Anstieg um ca. 235.000 Euro, der
auf Neuanschaffungen im Bereich IT und Ausgaben
zum Erhalt des Stiftungsgebäudes zurückgeht.

51
Vorläufige Einnahmen-Ausgaben-Rechnung 2015 *
Berichtsjahr vom 1. Januar bis 31. Dezember 2015 (Stand: 3. März 2016)

2015

2014

19.622.647

17.853.666

28.072.300

26.189.782

22.065.936

23.851.047

    AA

4.874.208

1.384.030

    EU

1.132.156

954.706

9.711.633

9.319.828

8.971.917

8.657.653

    AA

739.716

662.175

Drittmittel

116.320

134.741

76.905

243.989

57.599.805

53.742.005

Fachausgaben aus Globalmitteln

1.609.420

1.957.000

Weiterleitungen an die Landesstiftungen

2.459.162

2.178.528

Projektmittelausgaben

33.445.972

31.463.122

  Internationale Zusammenarbeit

22.865.234

21.280.416

9.697.941

9.228.001

882.797

954.706

61.012

17.824

13.985.777

13.330.309

2.792.543

2.793.549

Investitionen

645.739

409.035

Sonstiges

191.682

122.754

Summe der Ausgaben

55.237.882

51.810.480

Jahresergebnis

2.361.923

1.931.526

Vereinseinnahmen

230.525

86.478

Vereinsausgaben

180.572

83.268

Vereinsergebnis

49.953

3.210

Einnahmen Globalmittelhaushalt**

  Internationale Zusammenarbeit
    BMZ

  Studienwerk
    BMBF

Sonstiges
Summe der Einnahmen

  Studienwerk
  EU
Drittmittel
Personal (Gehälter inkl. Leitungen Auslandsbüros)
Sachausgaben

*   alle Angaben in Euro
** einschließlich des Mittelübertrages aus dem Vorjahr
BMZ: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung  AA: Auswärtiges Amt

Stiftungsmanagement

Projektmittel

52

Internationale Zusammenarbeit 2015
Themenreferate

Themenreferate
5,9%

Afrika

31,3%

30,8%
17%

2012*

Asien

Themenreferate
6,1%

Afrika

Europa

Afrika

Europa

15,5%

30,3%

13%

32,5%

16,3%

15,3%

Asien

2014*

13,6%

20,6%

MENA

Stiftungsmanagement

Lateinamerika

MENA

Themenreferate
4,7%

14,6%

17,3%

Lateinamerika

MENA

17,5% Asien

2013*

14,5%

15,7%

Afrika
14,7%

16,1%

Europa

4,6%

Europa

Asien

2015*
12,2%

Lateinamerika

Lateinamerika

19,9%

MENA

* Inklusive Auslandsgehälter

Demokratie, Kultur, Gesellschaftspolitik / Beteiligung in
der digitalen Gesellschaft

7%

Internationale
Zusammenarbeit
19%

33%

Summe
1.661.000 Euro

Politische Bildung Inland 2015

Institute
(Grüne Akademie,
Archiv GG, GWI,
Green Campus)

10,5%

Publikationen /
Öffentlichkeitsarbeit

15,5%

Nachhaltigkeit, Kommunales,
Ökonomie/Szenarien für eine
ökologische Wende

15%

Bildung, Soziales, Migration/
Antworten auf den demografischen Wandel

Promovierende
BMBF

Promovierende

189

215

Promovierende
AA
26

61

Studierende
AA

Personen
1193

978

Studierende

Die Projektmittel für die Internationale Zusammenarbeit betrugen im Jahr 2015 etwas mehr als 27,3
Millionen Euro. Dargestellt werden hier nur die durch
die Abteilung Internationale Zusammenarbeit (IZ)
verausgabten Mittel.
Im Jahr 2015 wurden von den ca. 22 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ) rund 900.000 Euro für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern zur Verfügung gestellt. Weitere Mittel der Sonderinitiative «Transformationspartnerschaften» in Höhe von ca. 185.000
Euro gingen nach Marokko und Tunesien sowie ca.
100.000 Euro im Rahmen der Sonderinitiative «Eine
Welt ohne Hunger» nach Kenia.
Die Abteilung Internationale Zusammenarbeit erhielt vom Auswärtigen Amt (AA) ca. 4,5 Millionen
Euro. Die Fördermittel des AA stiegen 2015 erstmals auf diese Höhe, da alle bislang noch durch das
BMZ geförderten EU-Mitgliedsländer nun aus Mitteln des AA finanziert werden. Zusätzlich wurden der
Stiftung AA-Sondermittel für Tunesien und Marokko
von insgesamt ca. 360.000 Euro gewährt.
EU-Mittel in Höhe von ca. 950.000 Euro wurden
für Projekte in Nahost und Nordafrika (MENA-Region), für überregionale Projekte im Rahmen von Eco
Fair Trade und im Kaukasus eingesetzt.

Personen
1193

917

Studierende
BMBF

Für die politische Bildungsarbeit im Inland hat die
Heinrich-Böll-Stiftung 2015 rund 1.661.000 Euro
aus Globalmitteln und Drittmitteln verausgabt. Diese
Gelder flossen in die Projektarbeit (Veranstaltungen,
Publikationen, Dossiers). Die prozentuale Verteilung
der Mittel auf die Themen ist aus der Grafik ersichtlich. Außerdem wurden Fachmittel für Projekte der
Weiterbildungsakademie GreenCampus und der Grünen Akademie sowie für die Herausgabe von Büchern
verausgabt. Zudem leitete die Stiftung im Jahr 2015
rund 2,459 Millionen Euro für die regionale politische Bildungsarbeit an die Landesstiftungen weiter.

Stipendien und Projektmittel des Studienwerks
nach Mittelgebern 2015

Das Studienwerk der Heinrich-Böll-Stiftung erhält
Zuwendungen aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und aus dem Auswärtigen Amt (AA). Im Jahr 2015 konnten insgesamt
1193 Stipendiatinnen und Stipendiaten gefördert
werden, davon 978 Studierende und 215 Promovierende. 194 deutsche und internationale Studierende
und Promovierende konnten 2015 neu in die Förderung aufgenommen werden.

53

Zum 31. 12. 2015 beschäftigte die Heinrich-BöllStiftung 251 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon waren 71 Prozent Frauen. In unseren internationalen Büros werden die 35 entsendeten Mitarbeiter/innen von ca. 245 Ortskräften unterstützt. Die
Stiftung bietet ihren Mitarbeitenden vielgestaltige,
zeitgemäße und spannende Arbeitsfelder: in der politischen Bildungsarbeit im In- und Ausland, in der
Studienförderung und in den Unternehmensdiensten.
Die Vielfalt unserer Mitarbeitenden, sei es in Bezug
auf Ausbildung, Berufs- und Lebenserfahrung, Alter,
Geschlecht, ethnische Herkunft oder sexuelle Orientierung, gehören zu den Stärken unserer Stiftung. So
haben bspw. 12 Prozent unserer Mitarbeitenden im
Inland einen Migrationshintergrund.

Beruf und Familie

In der Heinrich-Böll-Stiftung ist die Vereinbarkeit
von Beruf und Familie selbstverständlicher Bestandteil der Personalpolitik, sei es zur Wahrnehmung
von Pflegezeiten oder für die Aufgaben als Eltern.
Über meist flexible Gestaltungsmöglichkeiten in
der Arbeitszeit werden individuelle Lösungen möglich. Teilzeitbeschäftigung und/oder Freistellung
(beispielsweise Elternzeit) bieten für einen Großteil der Belegschaft einen Weg, Familie und Beruf
besser zu vereinbaren. Auf ca. 60 Telearbeitsplätzen kann einmal wöchentlich auch von zu Hause aus
gearbeitet werden. Und es gibt die Möglichkeit von
Beurlaubungen. Wir bieten Maßnahmen der Gesundheitsförderung im Rahmen des betrieblichen
Gesundheitsmanagements und der Prävention sowie
sehr gut ausgestattete Arbeitsplätze. Soweit dies mit
den betrieblichen Belangen vereinbar ist, fördert die
Stiftung bezüglich der Vereinbarkeit größtmögliche
Berücksichtigung der individuellen Interessen von
Mitarbeiter/innen.

Betriebsrat

1,28

3,00

Vorstand/Geschäfts­f ührung

Internationale
Zusammenarbeit

24,33

54,18

VS/GF zugeordnete
Organisationseinheiten
20,63

Kommunikation/
Konferenzzentrum

Summe
179,59 Vollzeitstellen*

* Aggregierte
Vollzeitstellen
31.12.2015

5,95

14,01
6,09

Archiv Grünes
Gedächtnis

Finanzen
Personal

8,50

16,38
25,24

Studienwerk

IT/Technische Dienste

Politische Bildung Inland

Personal Teilzeit /Vollzeit 2015 (in absoluten Zahlen)
Beschäftigte am 31.12.2015

Absolut

in Prozent

VZ und TZ Beschäftigte

216

100%

Vollzeitbeschäftigte

106

49%

Teilzeitbeschäftigte
gesamt

110

51%

davon studentische
TZ-Beschäftigte

17

16%

davon TZ mit mehr als 50%
der vollen Arbeitszeit

86

78%

davon TZ bis 50 % der
vollen Arbeitszeit

7

6%

Personalentwicklung

Ziel unserer Personalentwicklung ist es, hochqualifizierte Mitarbeiter/innen entsprechend ihrer Fähig­keiten einzusetzen. Wir unterstützen unsere Mitarbeitenden dabei, ihre Potentiale im Rahmen des Stellenprofils zu entfalten. Dazu bietet die Stiftung eine
Vielzahl von ein- oder mehrtägigen Weiterbildungen
an. In 2015 haben die meisten Mitarbeiter/innen an
Weiterbildungen zur Vermittlung von IT-Kenntnissen
teilgenommen.
Der Großteil der Weiterbildungen wird durch Befragung der Teilnehmenden evaluiert. Im Jahr 2015
gaben 98 –100% der Teilnehmenden an, dass sie mit
der Veranstaltung insgesamt zufrieden oder sehr zufrieden waren.
* Anzahl der Teilnehmenden an allen Weiterbildungen
** A
 nzahl der Teilnehmenden x Weiterbildungstage
(Mehrtägige Seminare werden mit eintägigen und kürzeren verrechnet)

Teilnehmende gesamt
2015 *

Teilnehmendentage
2015 **

Allgemeine
Weiterbildungen

679

564

Rechtliches und
Verwaltung

97

98

Organisation

89

133

IT-Kenntnisse

331

140

Gender & Diversity

55

88

Kommunikation

107

105

Individuelle
Weiterbildungen

58

107

737

671

Weiterbildungen gesamt

Stiftungsmanagement

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der
Heinrich-Böll-Stiftung

54

Strategie 2020
Politische
Bildung

Diskursforum

Ideen­agentur

Politiknetzwerk

Stiftungsmanagement

  Die Heinrich-Böll-Stiftung ist Ort für kontroverse Debatten und ein Diskursforum an der
Schnittstelle zwischen politischer Bildung, grüner Ideen­agentur und grünem Politiknetzwerk.

Jede Organisation sollte sich Zeit zur (Selbst-)Reflexion nehmen und prüfen: Wie zukunftsfähig sind
wir in unserer heutigen Verfassung? Wie verändern
sich Deutschland, Europa und die Welt? Sind unsere inhaltlichen Schwerpunkte, unsere Arbeitsweise,
unser Organisationsaufbau, unsere Ressourcenverteilung noch zeitgemäß? Mit der Strategie 2020 haben wir uns auf den Weg gemacht, diese Fragen zu
beantworten.
Die Strategie 2020 versteht sich als Richtschnur
der Stiftung für die Programmplanung, Arbeitsweise, Organisationsentwicklung, Personalpolitik
und Finanzplanung. Sie strukturiert den Prozess, in
dem sich die Stiftung auf der Basis ihrer programmatischen Ziele mit neuen Herausforderungen
auseinandersetzt.
Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen die Orga­
nisation und Gestaltung politischer Diskurse als
zentrales Element demokratischer Willensbildung.
Mit unseren Angeboten tragen wir auf verschiedene
Weise zur Schaffung eines lebendigen und konstruktiven Diskursraums bei:

schaft, Wirtschaft und Wissenschaft und unterstützen durch unsere Auslandsbüros weltweit die Entwicklung der grünen politischen Bewegung.
Wir haben drei Querschnittsaufgaben identifiziert,
die alle Einheiten in der Stiftung auf jeweils unterschiedliche Weise betreffen:
▸  E
 ine der Herausforderungen, denen wir uns verstärkt widmen wollen, ist der digitale Wandel. Politische Bildungsarbeit im digitalen Zeitalter erfordert neue Formate der Wissensvermittlung und
öffentlichen Intervention. Zugleich verändert die
digitale Revolution alle Sphären der gesellschaftlichen Realität. Sie eröffnet neue demokratische,
technische und kulturelle Möglichkeiten und birgt
zugleich Risiken, die eine öffentliche Debatte und
politische Gestaltung verlangen.

▸  E
 uropa wird immer mehr zu einem politischen Binnenraum, in dem sich nationale und ­europäische
Politik verschränken. Wir werden deshalb die
europäische Dimension unserer politischen Bildungsarbeit im Inland verstärken, insbesondere
Als Akteurin der politischen Bildung vermitteln wir
beim Thema Energiepolitik, in der DemokratiedeInformationen zu den inhaltlichen Schwerpunkten
batte oder beim Thema Flucht und Migration. Zuder Stiftungsarbeit, machen Angebote zur politigleich verstehen wir uns als Protagonistin einer euschen Orientierung und unterstützen politisch Aktive
ropäischen politischen Öffentlichkeit.
beim Aufbau notwendiger Kompetenzen für erfolgreiche Selbstorganisation und Intervention.
▸  Wir verstehen Nachwuchsförderung als integralen Teil der Stiftungsarbeit. Sie betrifft auf unterAls grüne Ideenagentur geben wir Denkanstöße und
schiedliche Weise alle Einheiten der Stiftung, in
schaffen Raum für das Wissen anderer. Wir dokuDeutschland ebenso wie in unseren Partnerlänmentieren grüne Geschichte als Fundus für die Fordern. Wir unterstützen engagierte und begabte
Menschen, die unsere Überzeugungen teilen, bei
schung und als Quelle politischer Orientierung.
ihrer politischen und beruflichen Entwicklung und
wollen sie als aktive Mitglieder unseres Netzwerks
Als Teil eines globalen grünen Netzwerks pflegen wir
gewinnen.
Kontakte zu Vertreter/innen aus Politik, Zivilgesell-

55

Das Instrument der Genderkennung in der Abteilung
für Internationale Zusammenarbeit

Repräsentation

Machtverhältnisse
zwischen den
Geschlechtern

Rollen und

Verantwortlichkeiten

Ressourcen

Geld, Zeit, Bildung,
Eigentum, Recht

Geschlechterdemokratie ist ein Hauptanliegen der
Stiftung. Sie ist als Leitbild in unserer Satzung verankert, ihre Förderung ist Gemeinschaftsaufgabe.
Ein wichtiges Ziel unserer Programm- und Projekt­
arbeit ist es daher, jene gesellschaftlichen Strukturen zu verändern, die Ungerechtigkeiten und stereotype Leitbilder zwischen den Geschlechtern
reproduzieren.
Die Stiftung unterhält 31 Büros im Ausland – unsere geschlechterpolitische Arbeit ist entsprechend
vielfältig und durch regionale Kontexte geprägt.
Um die verschiedenen Ansätze unserer Auslandsbüros zu erfassen, haben wir 2010 das Instrument
der Genderkennung eingeführt. Dieses Monitoring­instrument unterscheidet zwei gleichwertige Ansätze: explizit, z.B. durch Frauen-Empowerment,
und implizit, durch Geschlechterpolitik in anderen
politischen Bereichen wie der Umwelt- oder Sicherheitspolitik.

▸  Ü
 berarbeitung verschiedener Instrumente wie
der Genderkennungen selbst, der Maßnahmedokumentationen und der genderorientierten Programmplanung;
▸  Aufnahme

eines Slots «Genderdemokratie in
der Region» in alle jährlichen Regionalplanungskonferenzen;
▸  Bündelung

von Aufgaben in einer Genderko­ordinierungs- und Beratungsstelle.

Darüber hinaus arbeiten wir kontinuierlich an der
Qualitätsentwicklung unserer geschlechterpolitischen Qualifizierungsmaßnahmen. Verstärkt setzen wir dabei auf die Vermittlung der Fähigkeiten
zur Genderanalyse auf Programm- und Projektebene. Weitere strukturelle Verbesserungen in der Geschlechterpolitik werden im Zusammenhang mit der
Strategie 2020 geplant und umgesetzt.
Seit Oktober 2015 hat die Stiftung außerdem wieEine erste Auswertung anhand der Genderkennung der eine Referentin für internationale Geschlechterließen wir bereits durchführen. Dafür wurden 2500 politik in der Zentrale – und erstmals auch explizit
Projekte quantitativ und 56 davon auch qualitativ für LSBTI (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und
ausgewertet. Aus den Ergebnissen haben wir folgen- Inter*-Menschen). Gefördert wird die Stelle bis 2017
von der Dreilinden-Gesellschaft, einer langjährigen
de Maßnahmen abgeleitet:
und wichtigen strategischen Partnerin der Stiftung
▸  Jährliche interne Auswertung der Genderken- im Themenfeld LSBTI.
nungen für die Gesamtabteilung Internationale
Zusammenarbeit;
▸  A
 ufbereitung und Kommentierung guter Beispiele
aus dem internationalen Stiftungskontext für implizite geschlechterpolitische Ansätze;

Stiftungsmanagement

  3 -R-Methode zur Genderanalyse

56
Gremien

Gremien

(Stand 31. Dezember 2015)
Mitgliederversammlung
Jan Phillip Albrecht
Carlos Becker
Martin Berger
Marianne Birthler
Reinhard Bütikofer – MdEP
Dr. Gülay Caglar
Prof. Dr. Claudia Dalbert – MdL
Katja Dörner – MdB
Ulrike Gauderer
Stefan Gelbhaar – MdL
Leonore Gewessler
Christa Goetsch
Dr. Robert Habeck – MdL
Britta Haßelmann – MdB
Joachim Heinlein
Dr. Dietrich Hermann
Michaele Hustedt
Anetta Kahane
Michael Kellner
Leo Klotz
Elisabeth Krausbeck
Kaddor Lamya
Lotte Leicht
Chris Ludwig
Christoph Meertens
Anna Mikulcovà
Daniel Mittler
Alexander Müller
Özcan Mutlu – MdB
Mona Neubaur
Dr. Inge Paulini
Irene Reifenhäuser
Katrin Rönicke
Krista Sager
Dirk Scheelje
Norbert Schellberg
Heike Schiller
Gertrud Schmidt
Ute Schmidt
Dr. Frithjof Schmidt – MdB
Dr. Imme Scholz
Ulrich Schreiber
Prof. Dr. Tine Stein
Malti Taneja
Prof. Dr. Sabine Toppe
Dr. Konstantin von Notz – MdB
Michael Wedell
Prof. Dr. Michael Zürn
Stipendiatische Vertreterinnen
und Vertreter
Alaa Alhamwi
Till Gierlich
Bilal Rana
Ha Linh Tran Thi
Aufsichtsrat
Alexander Baasner
Christa Goetsch
Britta Haßelmann – MdB
Michael Kellner
Christoph Meertens
Alexander Müller
Ingrid Spiller
Prof. Dr. Tine Stein
Malti Taneja
Frauenrat
Dr. Sigrid Arnade
Kattrin Bauer
Birgit Dederichs-Bain
Mechtild M. Jansen
Nina Katzemich
Stefanie Lohaus
Prof. Dr. Cäcilia Rentmeister
Cornelia Sperling
Judith Strohm
Koordinationsgremium des Freundeskreises
Elisabeth Kiderlen
Dr. Julius Heinicke
Mitglieder Grüne Akademie
Prof. Dr. Gabriele Abels

Tarek Al-Wazir – MdL
Birgitt Bender
PD Dr. Mechthild Bereswill
Dr. Thomas Biebricher
Marianne Birthler
Prof. Dr. Ingolfur Blühdorn
Prof. Dr. Angelo Bolaffi
Prof. Dr. Christina von Braun
Prof. Dr. Claudia von Braunmühl
Prof. Dr. Hubertus Buchstein
Prof. Dr. Heinz Bude
Reinhard Bütikofer – MdEP
Prof. Dr. Thomas Christaller
Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Daxner
Prof. Dr. Simone Dietz
Dr. Christine Dörner
Dr. Thea Dückert
Dr. Petra Eggers
Dr. Christoph Egle
Rainer Emschermann
Jan Engelmann
Anke Erdmann – MdL
Stephan Ertner
Prof. Dr. Adalbert Evers
PD Dr. Rainer Forst
Georgia Franzius
Ralf Fücks
Anna Katharina Gebbers
Kai Gehring – MdB
Prof. Dr. Brigitte Geissel
Karsten Gerlof
Prof. Dr. Arnim von Gleich
Adrienne Goehler
Cristina Gómez Barrio
Prof. Dr. Stefan Gosepath
Dr. Sigrid Graumann
Prof. Dr. L. Horst Grimme
Melanie Haas
Robert Habeck – MdL
Rebecca Harms – MdEP
Dr. Dietrich Herrmann
Dr. Paula Marie Hildebrandt
Imma Hillerich
Dr. Jeanette Hofmann
Prof. Dr. Rahel Jaeggi
Pico Jordan
Dr. Arne Jungjohann
PD Dr. Otto Kallscheuer
Petra Kirberger
Dipl. -iur, Prof. Dr. Bertram Lomfeld
Sibylle Knapp
Michael Knoll
Dr. Regina Kreide
Prof. Dr. Georg Krücken
Prof. Dr. Rainer Kuhlen
Prof. Dr. Bernd Ladwig
Dr. Birgit Laubach
PD Dr. Susanne Lanwerd
Adriana Lettrari
PD Dr. Reinhard Loske
Dr. Linda-Marie Ludwig
Dr. Willfried Maier
Nicole Maisch – MdB
Christoph Meertens
Dr. des. Ole Meinefeld
Prof. Dr. Christoph Menke
Prof. Dr. Sigrid Meuschel
Dr. Jan C. Minx
Prof. Dr. Christoph Möllers
Johannes Moes
Dr. des. Melanie Müller
Dr. Michael Münter
Dr. Carsten Neßhöver
Dr. Gero Neugebauer
Juniorprof. Dr. Christian Neuhäuser
Prof. Dr. Frank Nullmeier
Dr. Ralph Obermauer
Prof. Dr. Claus Offe
Dr. Arnd Pollmann
Dr. Andreas Poltermann
Prof. Dr. Ulrich K. Preuß
Prof. Dr. Lothar Probst
Prof. Dr. Dr. Franz J. Radermacher

Prof. Dr. Juliane Rebentisch
Dieter Rulff
Dr. Thomas Rixen
Krista Sager – MdB
Prof. Dr. Thomas Saretzki
Manuel Sarrazin – MdB
Prof. Dr. Birgit Sauer
Joscha Schmierer
PD. Dr. Thomas Schramme
Dr. Christine Schwarz
Stephan Schilling
Dr. Simone Schwanitz
Dr. Kirsten Selbmann-Lobbedy
Prof. Dr. Sandra Seubert
Peter Siller
PD Dr. Rudolf Speth
Prof. Dr. Tine Stein
Prof. Dr. Richard Stöss
PD. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn – MdB
Rena Tangens
Dr. Thorsten Thiel
Stefan Tidow
Dr. Ellen Ueberschär
Prof. Dr. Berthold Vogel
Sybille Volkholz
Prof. Dr. Christiane Voss
Mathias Wagner – MdL
Prof. Dr. Gabriele Wilde
Prof. em. Helmut Wiesenthal
Fachbeirat Europa/Transatlantik
Dr. Eltje Aderhold
Annalena Baerbock
Dr. Annegret Bendiek
Olaf Böhnke
Agnieszka Brugger
Reinhard Bütikofer – MdEP
Rainer Emschermann
Kai-Olaf Lang
Tobias Münchmeyer
Winfried Nachtwei
Dr. Martin Rocholl
Rüdiger Rossig
Michaele Schreyer
Dr. Daniela Schwarzer
Jan Seifert
Rainder Steenblock
Dr. Sylke Tempel
Viola von Cramon
Elisabeth Weber
Dr. Anna Veronika Wendland
Fachbeirat Nord-Süd

Dr. Muriel Asseburg
Dr. Achim Brunnengräber
Prof. Dr. Hans-Jürgen Burhardt
Pegah Edalatian
Prof. Dr. Ulf Engel
Thilo Hoppe
Sebastian Kasack
Uwe Kekeritz
Ska Keller
Dr. Michael Krempin
Lotte Leicht
Melanie Müller
Dr. Roger Peltzer
Dirk Scheelje
Dr. Imme Scholz
Dr. Anja Senz
Fachbeirat Studienwerk
Dr. Vanessa Aufenanger
Dr. Frieder Dittmar
Prof. Dr. Anita Engels
Stephan Ertner
Kai Gehring – MdB
Ulrike Gote – MdL
Prof. Dr. Uta Klein
Dr. Peer Pasternack
Dr. Marco Rieckmann
Krista Sager
Dr. Ruth Seidl – MdL
Dr. Thorsten Wilhelmy

57

Bamberg  Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Prof. Dr. Thomas Rixen; Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Prof. Dr. Astrid Schütz
Bayreuth  Universität Bayreuth, Prof. Dr. Erdmute Alber; Universität Bayreuth, Prof. Dr. Stefan Peiffer
Berlin  *Prof. Dr. Rainer Kuhlen; *Prof. Dr. Ilse Lenz; *Dr. Gabriele Wohlauf; Akademie der Künste, Dr. Angela Lammert; Alice Salomon
Hochschule Berlin, Prof. Dr. Sabine Toppe; Beuth Hochschule für Technik Berlin, Prof. Dr. Christian Garhammer; Beuth Hochschule für
Technik Berlin, Prof. Dr. Anne König; Freie Universität Berlin, Dr. Achim Brunnengräber; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Hansjörg
Dilger; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Barbara Fritz; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Cilja Harders; Freie Universität Berlin, Dr. Julius
Heinicke; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Bernd Ladwig; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Kerstin Pinther; Freie Universität Berlin, Dr.
Eva Sternfeld; Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Prof. Dr. Rosemarie Morana; Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Prof.
Dr. Birgit Mahnkopf; Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Prof. Dr. Heike Wiesner; Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Beate
Binder; Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Claudia Bruns; Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. Marc Buggeln; Humboldt-Universität
zu Berlin, Prof. Dr. Marcelo Caruso; Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. Marianne Kriszio; Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Beate
Meffert; Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Christoph Schneider; Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. Johannes Siemens; Institut für
Zeitgeschichte, Dr. Susanne Heim; Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH, Prof. Dr. Jan Christoph
Minx; Siegmund-Freud-Institut, Dr. Angelika Ebrecht-Laermann; Technische Universität Berlin, Dr. Nina Langen; Technische Universität
Berlin, Dr. Aranka Podhora; Universität der Künste Berlin, Prof. Dr. Judith Siegmund; Universität der Künste Berlin, Mg. Elzbieta Sternlicht
Bielefeld  Fachhochschule Bielefeld, Prof. Dr. Cornelia Giebeler; Universität Bielefeld, Prof. Dr. Klaus Dammann; Universität Bielefeld, Dr.
Marlene Müller; Universität Bielefeld, Dr. Benno Nietzel; Universität Bielefeld, Dr. Heinz-Peter Preußer; Universität Bielefeld, PD Dr. Isabel
Richter
Birkenfeld  Fachhochschule Trier, Prof. Dr. Peter Heck; Fachhochschule Trier, Prof. Dr. Stefan Naumann
Bochum  Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, Prof. Dr. Sigrid Graumann; Hochschule für Gesundheit, Prof. Dr. Anke
Fesenfeld; Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Heike Kahlert; Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Lieselotte Steinbrügge; Ruhr-Universität
Bochum, Dr. Hüseyin Aguicenoglu
Bonn  Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE), Dr. Isabel Schäfer; Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Prof. Dr. Andreas
Pangritz
Brandenburg  Fachhochschule Brandenburg, Prof. Dr. Uwe Höft
Braunschweig  Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Prof. Dr. Wolfgang Jonas; Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Prof.
Dr. Rolf Nohr; Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, Prof. Dr. Petra Mischnick; Technische Universität Carolo-Wilhelmina
zu Braunschweig, Prof. Dr. Bettina Wahrig
Bremen  Universität Bremen, Prof. Dr. Karin Gottschall; Universität Bremen, Dr. Sabine Horn; Universität Bremen, Prof. Dr. Michi Knecht;
Universität Bremen, Prof. Dr. Frank Nullmeier; Universität Bremen, Prof. Dr. Konstanze Plett, LL.M.
Chemnitz  Technische Universität Chemnitz, Prof. Dr. Cecile Sandten
Cottbus  Brandenburgische Technische Universität Cottbus, Prof. Dr. Marie-Theres Albert
Dortmund  Technische Universität Dortmund, Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel
Dresden  Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit Dresden, Prof. Dr. Marlies Fröse; Technische Universität Dresden, Prof. Dr. Uta Berger;
Technische Universität Dresden, Prof. Dr. Anja Besand; Technische Universität Dresden, Prof. Dr. Johannes Rohbeck; Technische Universität
Dresden, Prof. Dr. Bernhard Schlag; Technische Universität Dresden, Prof. Dr. Gerd Schwerhoff
Duisburg  Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Michael Kaeding
Düsseldorf  Hans-Böckler-Stiftung, Dr. Michaela Kuhnhenne; Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf Prof. Dr. Simone Dietz; Kunstakademie
Düsseldorf, Prof. Dr. Ludger Schwarte
Eberswalde  Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Prof. Dr. Hans Peter Benedikt; Eberswalde Hochschule für Nachhaltige
Entwicklung Eberswalde, Prof. Dr. Pierre Ibisch
Erfurt  Universität Erfurt, Prof. Dr. André Brodocz; Universität Erfurt, Prof. Dr. Jamal Malik
Erlangen  Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Prof. Dr. Kristina Giesel; Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg,
Dr. Gerd Sebald
Essen  Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Anne Schlüter
Esslingen  Hochschule Esslingen, Prof. Dr. Birgit Meyer
Flensburg  Universität Flensburg, Prof. Dr. Gerd Grözinger; Universität Flensburg, Dr. Christine Thon
Frankfurt/M.  Fachhochschule Frankfurt am Main, Prof. Dr. Margrit Brückner; Fritz Bauer Institut, Prof. Dr. Werner Konitzer; Johann Wolfgang
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Ursula Apitzsch; Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Rainer
Forst; Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Helma Lutz; Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main,
Prof. Dr. Christoph Menke; Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Susanne Schröter
Frankfurt/O.  Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Prof. Dr. Timm Beichelt
Freiburg  i. Br. *Prof. Dr. Michael Kochen; *Prof. Dr. Carla Rosendahl; *Prof. Dr. Britta Schinzel; Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im
Breisgau, Prof. Dr. Elisabeth Cheauré; Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, Dr. Sylvia Kruse; Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
im Breisgau, PD. Dr. Lena Partzsch; Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE, Dr. Jan Christoph Goldschmidt
Friedrichshafen  Zeppelin University, Dr. Nadine Meidert
Fulda  Hochschule Fulda, Prof. Dr. Susanne Dern
Gelsenkirchen  Westfälische Hochschule, Prof. Dr. Friedrich Kerka
Gießen  Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Dr. Jörn Ahrens; Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Dr. Regina Kreide
Göttingen  Georg-August-Universität Göttingen, Prof. Dr. med. Nicolai Miosge
Greifswald  Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Prof. Dr. Susanne Stoll-Kleemann
Halle/Saale  Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Prof. Frithjof Meinel; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Thomas
Bremer; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Isabell Hensen; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Dr. Christiane
Lähnemann; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Werner Nell; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Pia
Schmid
Hamburg  HafenCity Universität Hamburg, Prof. Dr. Ingrid Breckner; HafenCity Universität Hamburg, Prof. Dr. Gesa Ziemer; Hochschule für
Angewandte Wissenschaften Hamburg, Prof. Dr. Louis Henri Seukwa; Hochschule für Bildende Künste Hamburg, Prof. Dr. Friedrich von Borries;
Universität Hamburg, Prof. Dr. Andrea Blunck; Universität Hamburg, Prof. Dr. Sina Farzin; Universität Hamburg, Dr. Nina Feltz; Universität
Hamburg, Dr. Irmtraut Gensewich; Universität Hamburg, Prof. Dr. Ursula Neumann; Universität Hamburg, Prof. Dr. Kai-Uwe Schnapp;
Universität Hamburg, Prof. Dr. Anke Strüver; Universität Hamburg, Prof. Dr. Wolfram Weiße
Hannover  Büro für kulturelle Unvernunft, Susanne Eser; Fachhochschule Hannover, Prof. Dr. Manuel Pietzonka; Gottfried Wilhelm Leibniz
Universität Hannover, Prof. Dr. Christine Hatzky; Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Prof. Dr. Brigitte Reinwald; Gottfried Wilhelm
Leibniz Universität Hannover, Dr. Christine Schwarz
Heidelberg  Pädagogische Hochschule Heidelberg, Prof. Dr. Havva Engin; Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Dr. Anna Elisabeth Growe;
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Prof. Dr. Christiane Schwieren; Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Dr. Steffen Sigmund; RuprechtKarls-Universität Heidelberg, Dr. Dr. Momme von Sydow
Hildesheim  Universität Hildesheim, Prof. Dr. Ursula Bredel; Universität Hildesheim, Prof. Dr. Michael Corsten; Universität Hildesheim, Prof.
Dr. Johannes Salim Ismaiel-Wendt; Universität Hildesheim, Dr. Julio Mendìvil
Holzminden  HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen, Prof. Dr. Leonie Wagner
Höxter  Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Prof. Dr. Klaus Maas

Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten

Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten

Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten

58

Ilmenau  Technische Universität Ilmenau, Prof. Dr. Johann Reger
Iserlohn  Business and Information Technology School gGmbH, Prof. Dr. Thomas Meuser
Jena  Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Prof. Dr. Wolfgang Behlert; Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Prof. Dr. Thomas Sauer; Friedrich-SchillerUniversität Jena, PD Dr. Stephan Lorenz
Kaiserslautern  Technische Universität Kaiserslautern, Prof. Dr. Michael Hassemer
Karlsruhe  Karlsruher Institut für Technologie, Dr. Stefan Böschen; Karlsruher Institut für Technologie, Prof. Dr. Norbert Willenbacher
Kassel  Universität Kassel, Dr. Manuela Böhm; Universität Kassel, Dr. Franziska Müller; Universität Kassel, Prof. Dr. Christoph Scherrer
Kiel  Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Prof. Dr. Uta Klein; Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Prof. Dr. Konrad Ott
Köln  Deutschlandfunk, Benjamin Hammer; Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Josef Freise; Universität zu Köln, Prof. Dr.
Boris Braun; Universität zu Köln, Prof. Dr. Cornelius Nestler
Konstanz  Universität Konstanz, Prof. Dr. Marius Busemeyer; Universität Konstanz, Dr. Oliver Trevisiol
Landau  Universität Koblenz-Landau, Dr. Florian Bernstorff; Universität Koblenz-Landau, Heide Gieseke
Leipzig  Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, Prof. Dr. Gabriele Hooffacker; Umweltforschungszentrum, Dr. Florian Koch;
Universität Leipzig, Prof. Dr. Felix Ekardt; Universität Leipzig, Prof. Dr. Omar Kamil; Universität Leipzig, Prof. Dr. Ilse Nagelschmidt;
Universität Leipzig, Prof. Dr. Stefan Troebst
Ludwigsburg Evangelische Hochschule Ludwigsburg, Prof. Bettina Heinrich
Lüneburg Leuphana Universität Lüneburg, Prof. Dr. Maria-Eleonora Karsten; Leuphana Universität Lüneburg, Prof. Dr. Gerda Lischke;
Leuphana Universität Lüneburg, Prof. Dr. Peter Pez
Magdeburg Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Prof. Dr. Thorsten Unger; Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Prof. Dr. Gerald
Warnecke
Mainz Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Peter Kiefer; Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Wolfgang Riedel
Mannheim Universität Mannheim, Prof. Dr. Angela Keppler
Marburg Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Susanne Maurer
München Hochschule für angewandte Wissenschaften, Prof. Dr. Constance Engelfried; Katholische Stiftungsfachhochschule München, Prof. Dr.
Markus Babo; Ludwig-Maximilians-Universität München, Prof. Dr. Helga Bilden; Ludwig-Maximilians-Universität München, Prof. Dr. Reinhard
Markowetz; Ludwig-Maximilians-Universität München, Dr. Verina Wild; Technische Universität München, Prof. Dr. Mariacarla Gadebusch
Bondio
Münster Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Prof. Doris Fuchs; Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Dr. Harry Mönig;
Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Prof. Dr. Gabriele Wilde
Neubiberg  Universität der Bundeswehr München, Prof. Dr. Franz Kohout
Neubrandenburg  Hochschule Neubrandenburg, Prof. Dr. Claudia Steckelberg
Nürnberg *Walter Sehrer
Offenburg  Hochschule für Technik, Wirtschaft und Medien Offenburg, Prof. Dr. Anke Weidlich
Oldenburg  Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Prof. Dr. Paul Mecheril; Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Prof. Dr. Bernd
Siebenhüner; Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Prof. Dr. Silke Wenk
Osnabrück  Hochschule Osnabrück, Prof. Dr. Ursula Eva Wiese; Universität Osnabrück, Dr. Jens Schneider; Universität Osnabrück, Prof. Dr.
Helen Schwenken
Passau  Universität Passau, Prof. Dr. Christian Thies
Potsdam  Universität Potsdam, Prof. Dr. Joachim Gessinger; Universität Potsdam, Dr. Ines Sonder; Universität Potsdam, Prof. Dr. Theresa
Wobbe; Universität Potsdam, PD Dr. Gert Zöller
Regensburg  Hochschule für angewandte Wissenschaften Regensburg, Maike Berndt-Zürner
Rostock  Universität Rostock, Dr. Gudrun Heinrich; Universität Rostock, Prof. Dr. Hans-Jürgen von Wensierski
Saarbrücken  Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, Prof. Dr. Holger Buck; Hochschule für Technik und Wirtschaft des
Saarlandes, Prof. Dr. Klaus Kraimer; Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, Prof. Dr. Ulrike Zöller
Stendal  Hochschule Magdeburg-Stendal, Prof. Dr. Maureen Maisha Eggers
Stuttgart  Universität Stuttgart, PD Dr. Ralph O. Schill
Trier  Fachhochschule Trier, Prof. Dr. Helge Rieder; Universität Trier, Prof. Dr. Antje Bruns; Universität Trier, Prof. Dr. Michael Schönhuth;
Universität Trier, Dr. Rita Voltmer
Tübingen  *Dr. Karin Widmayer; Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Prof. Dr. Gabriele Abels
Vechta  Universität Vechta, Dr. Lucia Licher; Universität Vechta, Prof. Dr. Marco Rieckmann
Wiesbaden  Hochschule RheinMain, Prof. Dr. Oja Eleonore Ploil
Witten  Universität Witten/Herdecke, Prof. Dr. Martin Schnell
Wolfenbüttel  Ostfalia – Hochschule für angewandte Wissenschaften, Prof. Dr. Ludger Kolhoff,
Wuppertal  Bergische Universität Wuppertal, Prof. Dr. Rita Casale; Bergische Universität Wuppertal, Prof. Dr. Hans. J. Lietzmann; Bergische
Universität Wuppertal, Prof. Dr. Gertrud Oelerich; Kirchliche Hochschule Wuppertal, Dr. Michaela Geiger
Würzburg  Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Dr. Viktoria Däschlein-Geßner; Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Dr. Thomas
Kestler
Zweibrücken  Fachhochschule Kaiserslautern, Prof. Hendrik Speck

Ausland
Bern  Universität Bern, Dr. Renate Ruhne
Linz  Johannes Kepler Universität Linz, Dr. Waltraud Ernst
Luzern  Universität Luzern, Prof. Dr. Martin Hartmann
Oxford  University of Oxford, Dr. Wolfgang Zumdick
Paris  Université Paris - Panthéon-Sorbonne, Dr. Milosz Matuschek
Stockholm  KTH Royal Institute of Technology, Dr. Sabine Höhler
Utrecht  Universiteit Utrecht, Dr. Christoph Baumgartner

59
Mitglieder der Auswahlkommission des
Studienwerks der Heinrich-Böll-Stiftung
Dr. Bianca Schemel
Dr. Jens Schneider
Jörg Schreiber
Prof. Dr. Joachim Schulze
Dr. Christine Schwarz
Dr. Rajinder Singh
Steffen Stadler
Judith Strohm
Achim Toennes
Prof. Dr. Sabine Toppe
Prof. Dr. Elisabeth Tuider
Nina Turani
Prof. Dr. Hans-Jürgen von Wensierski
Prof. Dr. Gerald Warnecke
Dr. René Wildangel
Dr. Inga Winkler

Mitglieder der Auswahlkommission

Dr. Najat Abdulhaq
Prof. Dr. Gabriele Abels
Prof. Dr. Viola Balz
Hartmut Bäumer
Prof. Dr. Hans Peter Benedikt
Dr. Florian Bernstorff
Dr. Manuela Böhm
Dr. Atef Botros
Paula Bradish
Prof. Dr. André Brodocz
Dr. Marc Buggeln
Prof. Dr. Stephan Bundschuh
Dr. Sebastian Büttner
Dr. Frieder Dittmar
Anne Dudeck
Sandra Dümer
Dr. Ellen Euler
Dr. Nina Feltz
Prof. Dr. Juliane Filser
Dr. Michaela Geiger
Prof. Dr. Joachim Gessinger
Prof. Dr. Gerd Grözinger
Dr. Katrin Grüber
Fabian Hamák
Dr. Julius Heinicke
Prof. Dr. Isabell Hensen
Dr. Sabine Horn
Dr. Manja Hußner
Prof. Dr. Johannes Salim Ismaiel-Wendt
Prof. Dr. Omar Kamil
Trudel Karcher
Prof. Dr. Claudia Kraft
Tim Krause
Prof. Dr. Regina Kreide
Prof. Dr. Margitta Kunert-Zier
Dr. Ilka Lennertz
Dr. Britta Leusing
Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl
Helmuth Lohan
Dr. Alexandra Lübcke
Prof. Dr. Paul Mecheril
Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel
Prof. Dr. Birgit Meyer
Holger Michel
Dr. Jan Christoph Minx
Dr. Birgit Möller
Dr. Benno Nietzel
Prof. Dr. Gertrud Oelerich
Dr. Ipek Ölcüm
Vera Rabelt
PD Dr. Isabel Richter
Prof. Dr. Wolfgang Riedel
Prof. Dr. Thomas Rixen
Prof. Dr. Mieke Roscher
Dr. Renate Ruhne

60

Adressen
Stand: April 2016

Heinrich-Böll-Stiftung

Archiv Grünes Gedächtnis

Schumannstraße 8
10117 Berlin
T  030-28 53 40  F  030-28 53 41 09
E info@boell.de  W www.boell.de

Eldenaer Straße 35
10247 Berlin
T  030-285 34-260  F  030-285 34-52 60
E archiv@boell.de

Adressen

Auslandsbüros der Heinrich-Böll-Stiftung
Europa und Nordamerika
Frankreich

Region Südlicher Kaukasus

Heinrich-Böll-Stiftung
80 Quai Jemmapes
75010 Paris, Frankreich
T  +33-667-65-76 76
E jens.althoff@fr.boell.org

Heinrich-Böll-Stiftung
38, Zovreti st., 0160 Tbilisi, Georgien
T  +995-32-238 04 67  F  +995-32-291 28 97
E info@ge.boell.org  W www.ge.boell.org

Bosnien und Herzegowina

Heinrich-Böll-Stiftung
Kralja Milana 6/1, 11000 Belgrad, Serbien
T  +381-11/3067 646  F  +381-11/6303 282
E info@rs.boell.org  W www.rs.boell.org

Heinrich-Böll-Stiftung
ˇekalusˇa 42, 71000 Sarajevo
C
Bosnien und Herzegowina
T  +387-33-260 450  F  +387-33-260 460
E info@ba.boell.org  W www.ba.boell.org
Region Europäische Union

Heinrich-Böll-Stiftung, Rue d‘Arlon 15,
1050 Bruxelles, Belgien
T  +32-2-743 41 00  F  +32-2-743 41 09
E info@eu.boell.org  W www.eu.boell.org
Region Mittel-Osteuropa (Prag)

Heinrich-Böll-Stiftung
Opatovická 28, 110 00 Praha 1, Tschechien
T  +420-251 81 41 73  F  +420-251 81 41 74
E info@cz.boell.org  W www.cz.boell.org
Region Mittel-Osteuropa (Warschau)

Heinrich-Böll-Stiftung
ul. Žurawia 45, 00-680 Warszawa, Polen
T  +48-22-594 23-33  F  +48-22-594 23-37
E pl-info@pl.boell.org  W www.pl.boell.org
Region Nordamerika

Region Südosteuropa

Türkei

Heinrich-Böll-Stiftung
Inönü Caddesi, Hacı Hanım Sok 10/12+4
Gümüsˇsuyu 34439, Istanbul, Türkei
T  +90-212-249 15 54  F  +90-212-245 04 30 
E info@tr.boell.org  W www.tr.boell.org
Ukraine

Heinrich-Böll-Stiftung, Wolodymyrska Str. 18/2,
Office 3, 01034 Kiev, Ukraine
T  +38 044 279 98 58  F  +38 044 270 52 78 
E ua-info@ua.boell.org  W www.ua.boell.org
Griechenland

Heinrich-Böll-Stiftung
Aristotelous Str. 3, 54624 Thessaloniki
T  +30 2310 282829  F  +30 2310 282832 
E info@gr.boell.org  W www.gr.boell.org
Asien

Heinrich-Böll-Stiftung, 1432 K Street, NW
Suite 500, Washington, DC 20005, USA
T  +1-202-462 75 12  F  +1-202-462 52 30
E info@us.boell.org  W www.us.boell.org

Afghanistan

Russland

China

Heinrich-Böll-Stiftung, Grusinskij Pereulok 3-231,
123056 Moskau, Russland
T  +7-499-254 14 53  F  +7-495-935 80 14
E info@ru.boell.org  W www.ru.boell.org

Heinrich-Böll-Stiftung
8, Xinzhong Xijie, Gongti Beilu
Asia Hotel, Office Building No.309, 100027 Beijing, China
T  +86-10-66 15 46 15  F  +86-10-66 15 46 15-102
E info@cn.boell.org  W www.cn.boell.org

Heinrich-Böll-Stiftung
T +93-700-295972
E info@af.boell.org  W www.af.boell.org

61

Indien

Israel

Heinrich-Böll-Stiftung
C – 20, 1st Floor, Qutub Institutional Area,
New Delhi 110016, Indien
T  +91-11-2685 4405  F  +91-11-26 96 28 40
E in-info@in.boell.org  W www.in.boell.org

Heinrich-Böll-Stiftung
1 Har Sinai St. 2nd floor, Tel Aviv 65816, Israel
T  +972-3-516 77 34  F  +972-3-516 76 89
E info@il.boell.org  W www.il.boell.org

Kambodscha

Heinrich-Böll-Stiftung, Tal az-Zaatar St. 6
P.O. Box 2018 Ramallah, Palästina
T  +972-2-296 11 21  F  +972-2-296 11 22
E info@ps.boell.org  W www.ps.boell.org

Myanmar

Heinrich-Böll-Stiftung
No. 45/A, Kan Lane 3
Kan Road, Kamayut Township
Yangon, Myanmar
T +95-9-3168 5846  E info@mm.boell.org
W www.mm.boell.org
Region Pakistan

Heinrich-Böll-Stiftung, House# 5, Street# 90,
G-6/3, Embassy Road, Islamabad
T +92-51-2271545  F +92-51-2271548
E info@pk.boell.org  W www.pk.boell.org
Region Südostasien

Heinrich-Böll-Stiftung
75 Sukhumvit 53 Klongton Neua, Wattana
Bangkok 10110,Thailand
T +66-2-6625960-2  F +66-2-6627576
E office@th.boell.org  W www.th.boell.org
Afrika
Nigeria

Heinrich-Böll-Stiftung, 3rd Floor, Rukayyat Plaza
93, Obafemi Awolowo Way, Jabi District, Abuja
T +234-809-2960 591
E info@ng.boell.org  W www.ng.boell.org
Region Ostafrika/Horn von Afrika

Heinrich-Böll-Stiftung, Forest Road
P.O. Box 10799-00100, GPO Nairobi, Kenia
T  +254-20-26 80 745  F  +254-20-374 91 32
E ke-info@ke.boell.org  W www.ke.boell.org
Region Südliches Afrika

Heinrich-Böll-Stiftung
8th Floor Vunani Chambers, 33 Church Street,
Cape Town 8000, Südafrika
T  +27-21-461 62 66  F  +27-21-424 40 86
E info@za.boell.org  W www.za.boell.org
Nahost und Nordafrika
Afghanistan

Heinrich-Böll-Stiftung
T +93-700-295972
E info@af.boell.org  W www.af.boell.org

Region Mittlerer Osten

Heinrich-Böll-Stiftung
Achrafieh, St. Nicolas’ Garden, Selim Boustros Street
Jbeili Building, 4th Floor
P. O. Box 175 510, Mar Mikhael, Beirut, Libanon
T +961-1216073  F +961-1216037
E info@lb.boell.org  W www.lb.boell.org
Tunesien

Heinrich-Böll-Stiftung
5, Rue Jamel Abdennasser, 1000 Tunis, Tunesien
T  +216 71 322 345  F  +216 71 322 346
E info@tn.boell.org  W www.tn.boell.org
Marokko

Heinrich-Böll-Stiftung
17, Rue Tiddas, Hassan, 10010 Rabat, Marokko
T  +212-537 20 20 93    F  +212-537 20 20 92
E ma-info@ma.boell.org  W www.ma.boell.org
Lateinamerika
Brasilien

Heinrich-Böll-Stiftung
Rua da Glória 190, ap. 701
20241-180 Rio de Janeiro, Gloria, Brasilien
T  +55-21-32 21 99 00  F  +55-21-32 21 99 22
E info@br.boell.org   W www.br.boell.org
Region Cono Sur

Heinrich-Böll-Stiftung
Avenida Francisco Bilbao 882, Providencia
752-0063 Santiago de Chile, Chile
T  +56-2-2584 01 72  F  +56-2-2584 01 72-101
E info@cl.boell.org  W www.cl.boell.org
Region Mittelamerika/Mexiko/Karibik (Mexiko-Stadt)

Heinrich-Böll-Stiftung
Calle José Alvarado 12
Colonia Roma Norte, Delegación Cuauhtémoc,
CP 06760, México D.F., Mexiko
T  +52-55-52 64 15 14  F  +52-55-52 64 28 94
E mx-info@mx.boell.org  W www.mx.boell.org
Region Mittelamerika/Mexiko/Karibik (San Salvador)

Heinrich-Böll-Stiftung
Residencial Zanzibar,
Pasaje A-Oriente No. 24, San Salvador, El Salvador
T  +503-22 74 68 12  F  +503-22 74 69 32
E sv-info@sv.boell.org  W www.mx.boell.org

Adressen

Heinrich-Böll-Stiftung, #8, Street 476
Sangkat Toul Tompoung I, Khan Chamkar Mon
Phnom Penh, Kambodscha
T  +855 23 210 535  F  +855 23 216 482
E info@kh.boell.org  W www.kh.boell.org

Region Arabischer Naher Osten

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Die Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung
Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg

Heinrich-Böll-Stiftung Saar

Rieckestraße 26, 70190 Stuttgart
T  0711-26 33 94 10  F  0711-26 33 94 19
E info@boell-bw.de  W www.boell-bw.de

Talstraße 56, 66119 Saarbrücken
T  0681-58 35 60  F  0681-58 35 36
E boell.stiftung@t-online.de  W www.boell-saar.de

Petra-Kelly-Stiftung Bayern

Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen

Reichenbachstraße 3a, 80469 München
T  089-24 22 67 30  F  089-24 22 67 47
E info@petra-kelly-stiftung.de 
W www.petrakellystiftung.de

Schützengasse 18, 01067 Dresden
T  0351-494 33 11  F  0351-494 34 11
E info@weiterdenken.de  W www.weiterdenken.de

Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

Leipziger Straße 36, 06108 Halle (Saale)
T  0345-202 39 27  F  0345-202 39 28
E info@boell-sachsen-anhalt.de 
W www.boell-sachsen-anhalt.de

Sebastianstr. 21, 10179 Berlin
T  030-308 779 480  F  030-308 779 487
E info@bildungswerk-boell.de
W www.bildungswerk-boell.de
Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg

Dortustraße 52, 14467 Potsdam
T  0331-200 57 80  F  0331-200 57820
E organisation@boell-brandenburg.de
W www.boell-brandenburg.de
Heinrich-Böll-Stiftung Bremen

Adressen

Plantage 13, 28215 Bremen
T  0421-35 23 68  F  0421-35 23 89
E ruedel.boell@arcor.de  W www.boell-bremen.de
Umdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg

Kurze Straße 1, 20355 Hamburg
T  040-389 52 70  F  040-380 93 62
E info@umdenken-boell.de 
W www.umdenken-boell.de
Heinrich-Böll-Stiftung Hessen

Niddastraße 64, 60329 Frankfurt am Main
T  069-23 10 90  F  069-23 94 78
E info@hbs-hessen.de  W www.hbs-hessen.de
Heinrich-Böll-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern

Friedrichstraße 23, 18057 Rostock
T  0381-492 21 84  F  0381-492 21 56
E post@boell-mv.de  W www.boell-mv.de
Stiftung Leben und Umwelt
Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen

Warmbüchenstraße 17, 30159 Hannover
T  0511-301 85 70  F  0511-301 85 714
E info@slu-boell.de  W www.slu-boell.de
Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen

Graf-Adolf-Straße 100, 40210 Düsseldorf
T  0211-93 65 08 0  F  0211-93 65 0825
E info@boell-nrw.de  W www.boell-nrw.de
Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz

Walpodenstr. 10, 55116 Mainz
T  06131-90 52 60  F  06131-90 52 69
E mainz@boell-rlp.de  W www.boell-rlp.de

Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt

Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein

Heiligendammer Straße 15, 24106 Kiel
T  0431-906 61 30  F  0431-906 61 34
E info@boell-sh.de  W www.boell-sh.de
Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen

Trommsdorffstraße 5, 99084 Erfurt
T  0361-555 32 57  F  0361-555 32 53
E info@boell-thueringen.de 
W www.boell-thueringen.de

63

Fördern und spenden
Wir danken unseren Unterstützern und Unterstützerinnen! Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement als Referent/innen, als Vertrauensdozent/innen oder als
Mitglied eines Beratungsgremiums helfen viele Menschen, unsere Ziele zu verwirklichen und unsere Bildungs- und Projektarbeit im In- und Ausland weiterzuentwickeln. Sie unterstützen uns durch ihre Mitgliedschaft im Freundeskreis,
durch Spenden, Zustiftungen, Patenschaften oder langfristige Partnerschaften. Für
dieses große Engagement und ihr Vertrauen bedanken wir uns herzlich!

So können auch Sie die Heinrich-Böll-Stiftung
unterstützen:
Und was haben Sie davon?

Wann immer möglich, werden die geförderten Projekte für Sie erlebbar gemacht – mit Einladungen zu
Vernissagen, Aufführungen von Theater und Film,
Lesungen oder Gesprächen. Sie erhalten den «InfoBrief» mit aktuellen Informationen über Aktivitäten
der Stiftung und des Freundeskreises, zudem Einladungen zu besonderen Veranstaltungen. Und Sie haben die Möglichkeit, jährlich an einer politischen Begegnungsreise zu unseren Projektpartner/innen ins
Ausland und/oder an einer Regionalreise im Inland
teilzunehmen. Zur Jahresversammlung stehen regelmäßig Vorstand oder Geschäftsführung der Stiftung
zum Austausch bereit. Zudem organisieren wir verschiedene Veranstaltungen unter aktiver Beteiligung
unserer Mitglieder – sei es als Ideengeber/in, als Moderator/in oder Gesprächsteilnehmer/in. Wir freuen
uns auch auf Ihre Expertise!

Beitrittserklärung: Absender/in

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bitte mit 45 c
freimachen

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Vorname:
Institution/
Organisation:

	

l dienstlich	

l privat

Anschrift
Straße:
PLZ / Ort:

Freundinnen und Freunde

Mit Ihrer Mitgliedschaft im Freundeskreis

Als Mitglied zahlen Sie einen Jahresbeitrag von 92
Euro, ermäßigt 46 Euro und Schüler/Studierende
25 Euro. Mit Ihren Beiträgen fördern wir unbürokratisch und schnell dort, wo es die Heinrich-Böll-Stiftung selbst meist aus rechtlichen Gründen nicht kann.
Zum Beispiel unterstützen wir kleinere Kunst- und
Kulturprojekte, für die auch geringe Summen eine
große Hilfe sind. 2015 förderten wir vor allem Projekte für oder mit Geflüchteten. In Zusammenarbeit
mit dem Heinrich-Böll-Haus in Langenbroich und unseren Auslandsbüros konnten wir schon vielen politisch verfolgten Künstler/innen eine Zuflucht ermöglichen (siehe Seite 37). Über die Vergabe der Mittel
entscheidet das ehrenamtliche Koordinationsteam,
das von den Mitgliedern gewählt wird.

  

E-Mail:
Telefon / Fax:
	   Ihre Angaben werden gemäß dem Bundesdatenschutzgesetz streng
vertraulich behandelt.

l  Bitte schicken Sie mir Informationen über die Heinrich-Böll-Stiftung zu.
Datum /
Unterschrift:
Bitte auch die andere Seite ausfüllen!

Heinrich-Böll-Stiftung
Freundinnen und Freunde
Schumannstraße 8
10117 Berlin

64

Elisabeth Kiderlen und Julius Heinicke,
Koordina­tions­gremium des Freundeskreises

Ulrike Cichon, Koordinatorin des Freundes­kreises  Foto: Conny Fischer

Werden Sie Mitglied im Freundeskreis!

Freundinnen und Freunde

Die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützen die Werte und Ziele der Stiftung.
Wir laden Sie herzlich ein, Teil unserer grünen Ideenwerkstatt und unseres internationalen Netzwerkes
zu werden – ob als Privatperson, als Institution oder
als Unternehmen. Als Freund oder Freundin tragen
Sie dazu bei, Qualität und Selbständigkeit der Heinrich-Böll-Stiftung langfristig zu sichern.
Eine breite Palette an Veranstaltungen mit und
für die Freundinnen und Freunde bietet Gelegenheit,
miteinander ins Gespräch zu kommen, politische
Konzepte und Entwicklungen zu diskutieren und
die Stiftungsarbeit näher kennenzulernen. Mindestens einmal im Jahr verreisen die Freundinnen und
Freunde. Im Jahr 2015 führte die Reise nach Mexiko,
2016 geht es nach Prag. Informieren Sie sich über
unser Programm:

Ansprechpartnerin für Freundinnen und
Freunde, Spender/innen und Sponsor/innen:
Ulrike Cichon
T  030 - 285 34 - 112   F  030 - 285 34 - 5112
E cichon@boell.de
W www.boell.de/freundeskreis

Spenden-/Beitragskonto:
Bank für Sozialwirtschaft
BIC   BF SW DE 33 BER
IBAN  DE11 1002 0500 0003 0767 02

Gläubiger-ID im SEPA-Lastschriftverfahren:
DE 17 ZZZ 00 00 03 60 794
Ihr Mitgliedsbeitrag ist steuerlich absetzbar und Ihre
Mitgliedschaft jederzeit kündbar.

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den Freundinnen und Freunden der Heinrich-Böll-Stiftung als (bitte ankreuzen):

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l mit dem Jahresbeitrag von 25 € für Schülerinnen und Schüler,

Studierende, Erwerbslose und – auf Antrag – Menschen im Ruhestand

Institutionelles Mitglied (Unternehmen und Organisationen)

l  mit einem Jahresbeitrag von 184 €
l  mit einem Beitrag für Basisinitiativen von 92 €
Ich werde nicht Mitglied, aber ich unterstütze die Heinrich-Böll-Stiftung
mit einer einmaligen Spende von
€

Ich ermächtige die Heinrich-Böll-Stiftung (hbs), Gläubiger-ID
DE17ZZZ00000360794, Zahlungen von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut an, die von
der hbs auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen.

Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem
Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen.
Es gelten dabei die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen.
Kontoinhaber/in (falls abweichend):
Kreditinstitut:

llll ll ll lll
llll llll 	 llll llll llll ll

BIC: 	
IBAN: 

Die Mandatsreferenz wird mir durch die hbs separat mitgeteilt.
Datum , Ort und
Unterschrift:

l  Ich überweise meinen Beitrag selbst auf das Konto der Heinrich-Böll-Stiftung,
IBAN DE11 1002 0500 0003 0767 02.

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