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Full text: Jahresbericht ... Issue 2014

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Jahresbericht
 


2014

Wie wir Demokratien auf
dieser Welt stärken
Warum wir für Europa
einstehen
Wie die Energiewende
zum Erfolg wird
Wer wir sind

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Was wir wollen 

Demokratie und Menschenrechte durchsetzen, gegen die Zer­
störung unseres globalen Ökosystems angehen, die Gleich­
berechtigung von Frauen und Männern vorantreiben, in
Krisenzonen präventiv den Frieden sichern, die Freiheit des
Individuums gegen staatliche und wirtschaftliche Übermacht
verteidigen  – das sind die Ziele, die Denken und Handeln der
Heinrich-Böll-Stiftung bestimmen.
Wir stehen der Partei Bündnis 90/Die Grünen nahe und
arbeiten als reformpolitische Zukunftswerkstatt und interna­
tionales Netzwerk mit Partnerprojekten in rund 60 Ländern.
Die Heinrich-Böll-Stiftung arbeitet unabhängig und steht
für geistige Offenheit. Mit derzeit 31 Auslandsbüros verfügen
wir über eine weltweit vernetzte Struktur. Wir kooperieren
mit 16 Landesstiftungen in allen Bundesländern und fördern
begabte, gesellschaftspolitisch engagierte Studierende und
Graduierte im In- und Ausland.
Heinrich Bölls Ermunterung zur zivilgesellschaftlichen
Einmischung in die Politik folgen wir gerne und möchten an­
dere anstiften mitzutun.

Fakten zur Stiftung
Mittelverwendung

Zuwendungen

2014

2014
Drittmittel

Personalkosten

0,4%

33,5%

Einnahmen
54.908.647 Euro

Globalmittelhaushalt

Internationale
Tätigkeit

43,79%

25,23%

Ausgaben
52.951.647 Euro

5,25%

Sachkosten
Investitionen

66,1%

Andere Zuwendungsbereiche

6,95%

18%

0,78%

Ausgaben für Stipendiat/innen
Politische Bildung Inland

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Heinrich-Böll-Stiftung weltweit


32

12
16

13

20

15

21
17 11
19 14

31

30

28

18
26
29
27

8
5

6
7
10

22

4

24
2

9

3

23

25

Afrika
1
2
3

Europa

Kapstadt (Südafrika)
Abuja (Nigeria)
Nairobi (Kenia)

11
12
13
14

Asien
4
5
6
7
8
9
10

1

15

Bangkok (Thailand)
Kabul (Afghanistan)
Islamabad (Pakistan)
Neu Delhi (Indien)
Peking (China)
Phnom Penh (Kambodscha)
Yangon (Myanmar)

16
17
18
19
20
21

Lateinamerika

Belgrad (Serbien)
Berlin (Deutschland)
Brüssel (Belgien)
Istanbul (Türkei)
Kiew (Ukraine)
Prag (Tschechische Republik)
Sarajevo (Bosnien-Herzegowina)
Tbilisi (Georgien)
Thessaloniki (Griechenland)
Warschau (Polen)
Zagreb (Kroatien)

Internationale Zusammenarbeit
2014
1.262.392 (TR)
4.128.391 (AF)

8.057.902 (EU)

22
23
24
25

Nordamerika

Mexiko-Stadt (Mexiko)
Rio de Janeiro (Brasilien)
San Salvador (El Salvador)
Santiago de Chile (Chile)

31

Washington (USA)

Russische Föderation
32

Moskau (Russland)

Nordafrika und Nahost
26
27
28
29
30

Beirut (Libanon)
Ramallah (Palästina)
Rabat (Marokko)
Tel Aviv (Israel)
Tunis (Tunesien)

Politische Bildung Inland
2014
Internationale Zusammenarbeit

Demokratie, Kultur,
Gesellschaftspolitik /
Beteiligung in der
digitalen Gesellschaft
31%

Barmittel
insgesamt

4.061.019 (AS)

5.490.850 (MENA)

Afrika (AF) 

Asien (AS)
Lateinamerika (LA)
Nahost und Nordafrika (MENA)
Europa (EU) 

Themenreferate (TR) 


17%
Summe
1.506.000

26.616.014 Euro
3.615.460 (LA)

Institute (Grüne Aka demie, Archiv GG, GWI,
Green Campus)

9%

10%
Nachhaltigkeit,
Kommunales,
Ökonomie/Szenarien
für eine ökologische
Wende

16%

Publikationen /
Öffentlichkeits arbeit

17%
Bildung, Soziales, Migration /
Antworten auf den demogra fischen Wandel

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Inhalt

I 

S. 2

II 

S. 30

III 

S. 38

Vorwort

1

Demokratie und Menschenrechte

2

Europapolitik

30

Die große Transformation

38

Kunst und Kultur

60

Studienwerk

68

Gunda-Werner-Institut

74

GreenCampus – Weiterbildung, Politik, Management

76

Archiv Grünes Gedächtnis

77

Prominente Gäste

78

Stiftungsmanagement

80

Gremien

88

Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten

89

Adressen

92

Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung

95

Impressum
Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Redaktion und Konzeption:
Susanne Dittrich
Redaktionelle Mitarbeit: Nevin Ekinci
Cover: Re:Claim Human Rights! Copyright:
Niklas Hughes
Texte: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Heinrich-Böll-Stiftung sowie Carolin Dylla (Antigone), Silke Mertins (Tunesien), Renate Wilke-Launer (Kenia)
Fotos: Stephan Röhl (wenn nicht anders angegeben)
Gestaltung: State, Berlin
Papier: Umweltfreundlich, chlorfrei gebleicht
Auflage: 3.000
 
Stand: 30. April 2015
Dieser Bericht ist kostenlos erhältlich bei der Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8,
10117 Berlin
T 030–285 34–0 F 030–285 34–109 E info@boell.de W www.boell.de

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Vorwort

Ralf Fücks

Foto: Julia Baier

Hinter uns liegt ein Jahr, das uns noch einmal verdeutlicht, wie wichtig die Arbeit unserer Stiftung ist. – Es
herrscht wieder Krieg in Europa, im Nahen Osten, in
vielen Regionen Afrikas. Der Konflikt um die Ukraine
belastet auch die internationalen Beziehungen, insbesondere zwischen Europa und Russland. In Syrien
und im Irak hat sich die Situation durch die militärischen Erfolge des Islamischen Staats verschärft. Die
Lage in Gaza ist nach dem Krieg im letzten Sommer
mit 2.000 Toten und mehr als zehntausend Verletzten weiterhin prekär. Terrororganisationen wie Boko
Haram in Nigeria gefährden jede Zivilität. Trotz alledem und gerade deswegen setzen wir uns mit aller Kraft für den Auf- und Ausbau demokratischer
Strukturen und Zivilgesellschaften, für friedliche
Konfliktlösungen und eine an den Menschenrechten
orientierte Politik ein. Wir liefern Hintergrundinformationen und bieten Diskussionsforen, die über die
Konflikte und ihre Dynamiken aufklären, und wir suchen gemeinsam mit einer Vielzahl von Partnerinnen
und Partnern nach Lösungen zur Beilegung von Konflikten. Wegen der zahlreichen Kriege und sich verschärfender sozialen Krisen ist die Zahl der Flüchtlinge weltweit auf über 50 Millionen gestiegen. Zu
den Fluchtursachen klären wir auf und setzen uns für
eine humane Flüchtlings- und Asylpolitik bei uns ein.

II

Barbara Unmüßig

Foto: Bettina Keller

Ein Markenzeichen der Stiftung sind unsere Beiträge zur sozialen und ökologischen Transformation
im eigenen Land wie auf globaler Ebene. Klima- und
Ressourcengerechtigkeit sind ein zentrales Motiv
unserer internationalen Ökologiearbeit. Mit dem
«Fleischatlas 2014», der in mehrere Sprachen übersetzt worden ist, haben wir in Deutschland, Europa
und weltweit eine breite Öffentlichkeit erreicht. Er
ist die erfolgreichste Publikation in der Geschichte
der Stiftung.
Wir haben uns 2014 auf den Weg gemacht, unsere
Arbeitsweise und unser politisches Profil zu reflektieren. Mit der Strategie 2020 wollen wir uns für die
politischen, ökonomischen und sozial-ökologischen
Herausforderungen der kommenden Jahre fit machen, unsere Stärken und Kompetenzen ausbauen.
Wir möchten uns bei allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin für ihr großartiges Engagement und ihren Einsatz gerade auch unter häufig
schwierigen Rahmenbedingungen sehr herzlich bedanken. Ein herzliches Dankeschön geht auch an die
vielen Menschen, die sich ehrenamtlich für die Stiftung engagieren. Der Erfolg unserer Arbeit ist ein
gemeinsamer.

Berlin, im April 2015

Ralf Fücks	       Barbara Unmüßig
  Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung

Vorwort

I

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D e mokr at ie u n d Men s c h enr e c h t e

2

I 

Flüchtlinge auf Lampedusa   Foto: Sigrid Reinichs

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3

Teilhabe stärken, Menschenrechte durchsetzen!

Demokratie steht in vielen Teilen der Welt unter Druck.
Demokratische Spielräume werden ein geschränkt,
Repressionen gegen Andersdenkende und -handelnde
nehmen zu. Der autoritäre Ent wicklungsstaat von
Äthiopien bis China verspricht zwar ein besseres Leben
und mehr Wohlstand, aber ohne Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und politische Partizipation. Ob in illiberalen
oder liberalen Demokratien – wirtschaftlich mächtige
Eliten nehmen immer mehr Einfluss auf politische
Entscheidungen.
Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrechte und
Demokratie sind die normativen Grundlagen unserer
Arbeit – in Deutschland und auch weltweit. Wir haben
Büros in 31 Ländern. Zusammen mit unseren internationalen Partnerinnen und Partnern versuchen wir,
die Spielräume für politische und gesellschaftliche
Teilhabe und Emanzipation auszuloten und auszuweiten. Es erfordert Fingerspit zengefühl und große Verantwortung, für uns und unsere Partnerinnen und
Partner.

D e mokr at ie u n d Men s c h enr e c h t e

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4
Syrien

Krisenherde in der Welt

–

Syrien

Nach drei Jahren hat sich der Konflikt in Syrien zu einem Krieg mit über 200.000 Todesopfern, Millionen Flüchtlingen und einer extrem notleidenden Zivilbevölkerung entwickelt.
Sämtliche Initiativen, den Konflikt beizulegen, sind bislang gescheitert. Durch die militärischen Erfolge der Terrormiliz IS hat der Bürgerkrieg eine neue Qualität gewonnen. Nach
Jahren des Zögerns bewog das rasche Vorrücken der IS die Amerikaner und Europäer dazu,
doch militärisch im Irak zu intervenieren. Eine politische Strategie zu einer Lösung des
Konfliktes ist hinter diesem Engagement der internationalen Gemeinschaft jedoch nicht zu
erkennen.

Demokratie und Menschenrechte

–

I

Der Krieg in Syrien hat mittlerweile 3,8 Millionen Menschen zu Flüchtlingen
gemacht. Foto: Bryan Denton/The New York Times/Redux/laif

Was kann eine Organisation wie die
Heinrich-Böll-Stiftung tun?
Wir können aufklären! Über die Hintergründe und
Dynamiken des Konflikts. Denn nur so kann – trotz
der Komplexität des Konflikts – eine qualifizierte Diskussion über Handlungsoptionen der internationalen
Gemeinschaft und Deutschlands geführt werden. Wir
appellieren an die politische Verantwortung des Westens und versuchen, Chancen für politische Lösungen auszuloten und Mut zu machen! In Syrien, dem
Libanon und Deutschland unterstützen wir Aktivistinnen und Aktivisten, die sich vor Ort für ein demokratisches Syrien einsetzen. Und wir wollen den
unzäh ligen Kriegsflüchtlingen ein Gesicht geben,
indem wir ihre Geschichten erzählen.

I

einem Vorort von Damaskus, der seit knapp zwei
Jahren von syrischen Regierungstruppen belagert
wird, flohen in den letzten Jahren ca. 150.000 syrische Palästinenser/innen nach Jordanien, in den
Libanon und nach Europa. Dort richten sie sich aufs
Neue in einer temporären Existenz ein, in der Hoffnung, irgendwann zurückkehren zu können. Die
Filmemacherin Carol Mansour hat mit Unterstützung der Stiftung die persönlichen Schicksale, aber
auch die Hoffnungen und Träume von palästinensischen Flüchtlingen aus Syrien in dem Dokumentarfilm « We cannot go there now, my Dear » festgehalten.
→

YouTube: « We cannot go... » (Trailer)

Politikempfehlungen

Das internationale Engagement in Syrien droht zu
einem vereinfachten « entweder IS oder Assad » zu
verkommen. Auch die Europäische Union (EU) hat
keine gemeinsame politische Strategie. In ZusamEin Film über Flüchtlingsschicksale
Der Krieg in Syrien hat mittlerweile 3,8 Millionen menarbeit mit der niederländischen FriedensorganiMenschen zu Flüchtlingen gemacht – unter ihnen sation PAX (früher PAX Christi) haben unsere Büros
auch zahlreiche Palästinenser, die nun bereits zum in Brüssel und Beirut Politikempfehlungen für die
zweiten Mal ihr zuhause verloren haben. Allein aus EU erarbeitet. Dort wird unter anderem nahegelegt,
dem palästinensischen Flüchtlingslager Yarmouk, sich trotz der Drohung der terroristischen ISWebdossier

Web

« Syrien – drei Jahre nach
Beginn des Aufstands »:
boell.de/de/dossieraufstand-syrien

Empfehlungen im Netz
unter: http://eu.boell.org/
sites/default/files/event _
report _ syria _ 2.pdf

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5

II

Mariam Jalabi, Mitglied des Nationalen Verbindungsbüro der
UN und des Syrian Women Networks, forderte mehr Einfluss
von Frauen in internationalen Friedensverhandlungen.

Bewegung nicht erneut auf Assad einzulassen. Die
EU solle darüber hinaus und trotz aller Vorbehalte
eng mit der syrischen Opposition und den syrischen
Kurden zusammenarbeiten und die Widerstandsfähigkeit lokaler Gemeinschaften unterstützen. Auch
müsse die humanitäre Hilfe für syrische Flüchtlinge
und die Zivilbevölkerung Priorität haben.
Frauen an die Friedenstische

III

27. November 2014: Barbara Unmüßig und Ralf Fücks
übergaben den Petra-Kelly-Preis 2014 an Amir Kazkaz.
Von den Preisträgern fehlt noch immer jede Spur.

Petra-Kelly-Preis 2014 für syrische
Menschenrechtsaktivist/innen
III

Der Petra-Kelly-Preis 2014 ging an das Violations
Documentation Center Syrien und vier seiner Mitarbeiter/innen: Razan Zeitouneh, Samira al-Khalil, Wael
Hammadeh und Nazem Hammadi. Am 9 . Dezember
2013 wurden die vier in der Nähe von Damaskus von
Unbekannten entführt. Seither fehlt von ihnen jede
Spur.
Das 2011 gegründete Violations Documentation
Center sammelt und dokumentiert Informationen
über Verstöße gegen das Völkerrecht in Syrien und
macht sie öffentlich zugänglich. Die Verbrechen werden dabei unabhängig von der Konfliktseite dokumentiert. Die Organisation will damit ein objektives
Gedächtnis der syrischen Revolution schaffen, das
nach Beendigung des Bürgerkrieges den Grundstein
für die kollektive Aufarbeitung von Menschenrechtsverbrechen legen kann.
Mit dem Petra-Kelly-Preis zeichnet die HeinrichBöll-Stiftung Menschen und zivilgesellschaftliche
Vereinigungen aus, die sich auf besondere Weise für
die Achtung der Menschenrechte, für das gewaltfreie Lösen von Konflikten und den Schutz unserer Umwelt einsetzen. Der Preis ist mit 10.000 EUR
dotiert und wird alle zwei Jahre verliehen.

Die Luftbombardements in Syrien und Irak treffen
II
nicht die Kämpfer des syrischen Assad-Regimes oder
die islamistischen Terrororganisationen, sondern in
erster Linie die Zivilbevölkerung. Um eine nachhaltige Friedenslösung zu erreichen, müssen Frauen in
die Friedensverhandlungen eingebunden werden.
Darüber bestand Einigkeit bei einem Fachgespräch,
zu dem Ende November 2014 das Gunda-WernerInstitut in der Heinrich-Böll-Stiftung Expert/innen
aus internationalen Organisationen, aus Syrien und
Irak nach Berlin eingeladen hatte. Es galt zu klären,
unter welchen Voraussetzungen und mit welchen
Strategien Frauen mögliche Waffenstillstands- und
Friedensverhandlungen auf nationaler und internationaler Ebene beeinflussen können und wie auch das
massive Problem der sexualisierten Kriegsgewalt
zum Thema werden kann. Auch wenn die UN-Resolutionen 1325 die Beteiligung von Frauen an Friedensverhandlungen vorschreibt, so bleibt dies bislang
→ YouTube: « Violations Documentation...Syrien»
ohne größere Wirkung, wie sich in den Verhandlungen um Syrien einmal mehr zeigte. Zwar wurde der Entscheidungsträgerinnen nicht zugetraut, und
eine Delegation syrischer Frauen aus der Zivilgesell- die Männer wollen keine Machtpositionen aufgeben.
schaft zu den Friedensprozessen in Genf eingeladen Daher braucht eine es klare und systematische Insund von UNO-Vermittler Lakhdar Brahimi begrüßt, titutionalisierung von Expertinnen aus der Zivilgevon den Verhandlungen blieben sie aber ausgeschlos- sellschaft an Friedensprozessen. Eine leitende Funksen, berichtete Madeleine Rees, Generalsekretärin tion von Frauen in Entscheidungsprozessen muss
der Internationalen Frauenliga für Frieden und Normalität werden, so Mariam Jalabi, Mitglied
Freiheit. Zu stark wirken noch immer Jahrzehnte des nationalen Verbindungsbüros der UN und des
männlicher Dominanz und damit verbundene Ge- Syrian Women Network. Dazu braucht es auch interschlechterstereotype und Vorurteile gegenüber nationale Solidarität und die Unterstützung durch
Frauen an Verhandlungstischen. Ihnen wird die Rolle die UN-Vermittler.
Links und Literatur

Video der Petra-Kelly-Preisverleihung

www.gwi-boell.de/de/
2014/12/17/frauen-diefriedenstische-denn-dierevolution-ist-weiblich

www.boell.de/de/2014/
08/18/die-preistraegerinnen-des-petra-kellypreis-2014

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Krisenherde in der Welt

–

Syrien

6

«Antigone of Syria» (Proben): Eine Neuinterpretation des griechischen Dramas von Mohammad Al Attar.
Foto: Tabitha Ross

Demokratie und Menschenrechte

–

I

III

II

«Antigone of Syria» (Proben)

Foto: Tabitha Ross

Krieg, Kunst und Emanzipation: Antigone of Syria
I–IV

Syrische Frauen erzählen ihre eigenen Geschichten
von Auflehnung, Unterdrückung und Trauer.
Foto: Tabitha Ross

IV

«Antigone of Syria»

→

Foto: Tabitha Ross

YouTube: « Antigone fo Syria »

«Antigone of Syria» ist das neueste Projekt des syri- Sophokles’ Antigone diente hierbei als dramaturgischen Dramaturgen Mohammad Al Attar. Das Team scher Rahmen. Indem Antigone ihr eigenes Gewisvon Aperta Productions lässt in einem achtwöchigen sen über das Gesetz stellt, hinterfragt sie nicht nur
Theater-Workshop syrische Frauen aus den Flücht- das Verhältnis zwischen Individuum und Staat, sonlingscamps Sabra, Shatila und Bourj el-Barajneh dern auch traditionelle Geschlechterrollen. Somit ist
die Geschichte des syrischen Konflikts selbst erzäh- der Text nicht nur politisch relevant, sondern für die
len. Die ausschließlich weiblichen Darstellerinnen Schauspielerinnen ein Teil ihrer Realität: Die Revolte
des Stücks sind Flüchtlinge, die den syrischen Krieg der Antigone spiegelt auch ihre eigene Auflehnung
erlebt und überlebt haben.
gegen eine von Männern dominierte Welt wider.

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Nichts als heiße Luft?

Gerüchte erfüllen eine soziale Funktion, sie schaffen
Bündnisse oder treiben Keile zwischen Menschen
und gesellschaftliche Gruppen. Manche greifen die
Glaubwürdigkeit an. Andere können ganze Existenzen zerstören. Wieder andere werden mit der Zeit
zu Verschwörungstheorien. Die englischsprachige
Perspectives-Ausgabe « Rumors » konzentriert sich
insbesondere auf die politischen Wirkungen und Auswirkungen von Gerüchten. Der syrische Autor Haid
Haid erklärt, wie Gerüchte über die syrischen Präsidentschaftswahlen selbst diejenigen Syrer im Libanon an die Urnen bewegten, die die Wahlen als illegitim betrachteten. Die Journalistin Christina Foerch
Saab hat mit Kämpfern aus verschiedenen Lagern
des libanesischen Bürgerkriegs gesprochen und
analysiert Gerüchte als Mittel der psychologischen
Kriegsführung. Die Schriftstellerin Dima Wannous

Publikation

« Rumors » – Perspectives.
Middle East & North Africa,
Issue 7, 55 pages

Doch politischer Dialog ist keine Einbahnstraße!
Unser Büro in Washington begleitete eine Delegation
aus dem US-Repräsentantenhaus und dem Center for
American Progress, der Ideenschmiede der Demokraten, in die Türkei und in den Libanon, um die aktuellen Entwicklungen vor Ort besser zu vermitteln. Im
Anschluss veranstaltete unser Büro zusammen mit
den Kolleg/innen aus dem Libanon und dem Washingtoner Thinktank Atlantic Council eine nichtöffentliche Konferenz. Vierzig Fachleute aus der Region,
dem Auswärtigen Amt und Berater/innen der Regierungen von Frankreich und Großbritannien, die ehemaligen US-Botschafter in Ankara und Damaskus
sowie der Sicherheitsberater des US-Präsidenten für
Syrien diskutierten, was über die humanitäre Hilfe
hinaus noch getan werden kann. Diese Frage ist zu
kompliziert, um innerhalb eines Tages eine einfache
Lösung zu finden. Wir wollen sie dennoch weiter stellen: in Berlin, Washington, Brüssel und nicht zuletzt
in den Krisenregionen dieser Welt.
Link

Online unter:
http://lb.boell.org

www.us.boell.org

–
Krisenherde in der Welt
–
Demokratie und Menschenrechte

Zu Beginn des Projekts hatten die meisten Frauen beschreibt, wie Macht in Syrien sich wesentlich aus
kaum eine Vorstellung davon, was Theater ist – sie Gerüchten speiste, und der syrische Intellektuelle
kannten weder die Geschichte der Antigone noch Yassin Al Haj Saleh teilt seine Erfahrungen darüber
die Herausforderungen, vor die sie ein Theaterpro- mit, wie sich Gerüchte über die plötzliche Freilasjekt stellen würde. Anfangs ging es in den täglichen sung von politischen Gefangenen auf diese und ihre
Proben hauptsächlich darum, den Text zu lesen und Familien auswirken.
zu diskutieren, die Charaktere kennenzulernen und
ihre jeweiligen Konflikte, aber auch ihre Potentiale
zu verstehen. Durch Rollenspiele, Zeichnungen und
insbesondere im ständigen Vergleich mit den ErfahUnser « Brückenkopf » in Washington, D.C.
rungen und persönlichen Konflikten der Frauen entstand so eine einzigartige, zeitlose und doch explizit
In Washington reihen sich politische Denkfabrimoderne Interpretation des Dramas.
ken Tür an Tür. Die Stadt ist international, vielspraDoch das Theaterprojekt ist weit mehr als nur eine
chig und weltoffen. Thinktank-Experten erklären sich
Bühne für die persönliche Aufarbeitung der Darsteldie Welt, oft mit fundierten Kenntnissen, manchmal
lerinnen – «Antigone of Syria» beweist, was Schaujedoch ohne Gespür für die Stimmen der Zivilgesellspiel leisten kann. Auf der Bühne zu stehen gibt den
schaften, um die es geht. Hier setzt die Arbeit unseFrauen Selbstbewusstsein. Die Schauspielarbeit
res Washingtoner Büros an. Im regen Austausch mit
lehrt sie ein sicheres Auftreten und ihre Stimme zu
unseren Büros in aller Welt fungiert es als Brückenerheben. Somit ist «Antigone of Syria» eine moderne
kopf zwischen Fachleuten und Entscheider/innen in
Tragödie von und über starke Frauen, Emanzipation,
der US-Hauptstadt und der vielfältigen Welt außerAuflehnung und Selbstbestimmtheit. Das Projekt
halb der USA.
unterstützt diesen Emanzipationsprozess nicht zu2014 zum Beispiel ermöglichte unser Büro Wasletzt dadurch, dass die Schauspielerinnen für ihre
hington afghanischen Frauenaktivistinnen eine Reise
Arbeit auch finanziell entlohnt wurden.
nach Washington und New York. Dort sprachen sie
Die wirkliche Herausforderung beginnt jedoch
über ihre Hoffnungen, Erwartungen und Sorgen im
erst, wenn der Vorhang fällt. Die Frauen müssen
Hinblick auf die Zeit nach dem Abzug der internatioeinen Weg finden, ihren Geschichten weiterhin Genalen Truppen. Die Frauendelegation wurde sogar von
hör zu verschaffen – und auf der Bühne ihres Lebens
einigen Beratern des Nationalen Sicherheitsrats von
selbst Regie zu führen.
Präsident Obama zu einem persönlichen Gespräch
«Antigone of Syria» wurde im Dezember 2014 im
eingeladen. In New York nahmen sie an der Versammlung der Commission on the Status of Women (CSW)
Al Madina-Theater in Beirut aufgeführt. Eine Filmaufnahme des Stücks wird ab Herbst 2015 online
teil, die einmal im Jahr von den Vereinten Nationen
zu sehen sein. Unser Büro in Beirut hat das Projekt
organisiert wird, um den Fortschritt seit der Deklaration
der Weltfrauenkonferenz von 1995 zu messen.
finanziell unterstützt.

Syrien

7

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8

Demokratie und Menschenrechte

–

Krisenherde in der Welt

–

Der Nahostkonflikt

Der Nahostkonflikt
Durch den Krieg in Gaza im Sommer 2014 haben sich die Fronten des Nahostkonflikts weiter verhärtet. Auf palästinensischer Seite verloren über 2.000 Menschen ihr Leben, mehr
als 10.000 wurden verletzt. Israel hatte 72 Tote (darunter 67 Soldaten) sowie hunderte Verletzte zu beklagen. Während in Israel durch das Raketen-Abwehrsystem « Iron Dome » die
meisten Raketen abgefangen wurden, waren die Zerstörungen in Gaza massiv. Tausende
Familien wurden obdachlos. Angesichts dieses Krieges, der massiven humanitären Folgen und der unverändert anhaltenden Isolation aufgrund der ägyptischen und israelischen
Blockade steht die Bevölkerung in Gaza vor enormen Herausforderungen. Wiederaufbau,
Bewegungsfreiheit und eine langfristige Normalisierung werden sich nur mit einer politischen Lösung umsetzen lassen. Derweil sind die Hoffnungen auf eine Verhandlungslösung mit
Isr ael sowie auf einen innerpalästinensischen Versöhnungsprozess nach dem Krieg an
ei nem Tiefpunkt angekommen.
Auch ehemalige Stipendiaten der Stiftung sitzen
dort fest. Immer wieder versuchen wir, Expert/
innen dorthin zu bringen oder Partner/innen aus
dem Gazastreifen die Möglichkeit zu Besuchen in
der Westbank oder in Deutschland zu geben. Das
ist angesichts der anhaltenden Gaza-Blockade sehr
schwierig, denn Reisegenehmigungen werden von
der israelischen Besatzungsbehörde nur willkürlich
vergeben.
Ein wichtiger Teil unserer Arbeit sind Analysen
der Entwicklung der Lage vor Ort und des israelisch-palästinensischen Konflikts. Ende 2014 unterstützten wir zum Beispiel eine wissenschaftliche
Konferenz des Institute for Palestine Studies zum
Gazastreifen, die an der Birzeit Universität (Palästina) stattfand.
Nicht nur im Gazastreifen, auch in Ost-Jerusalem
hat sich die Lage dramatisch verschlechtert. Unser
Büro in Ramallah versucht mit einem großangelegten EU-Projekt, die rechtliche, kulturelle, soziale
und ökonomische Ausgrenzung der Einwohner/
innen zu überwinden, und unterstützt dabei insbesondere Frauen und Jugendliche. Mit verschiedenen
Partnerorganisationen werden junge Künstlerinnen
gefördert, Kleinkredite für Unternehmerinnen ausgegeben, Maßnahmen zur Eindämmung von Gewalt
gegen Frauen unterstützt sowie die Rechte von
Frauen und Kindern in Ost-Jerusalem eingefordert.
Nach Jahren ohne Wahlen in den Palästinensi→ YouTube: « Two States in one Space »
schen Autonomiegebieten beginnt das politische SysUnterstützung für die Menschen im Gazastreifen und tem zu zerfallen. Eine starke und unabhängige Zivilin Ost-Jerusalem
gesellschaft und freie Medien sind wichtiger denn je.
Für unsere Projektpartner/innen im Gazastreifen Und die Auseinandersetzung mit zivilen Methoden
ging es in dem 51 Tage andauernden Krieg ums des Widerstandes. Unser Büro in Ramallah unternackte Überleben. Kaum jemand, dessen Familie oder stützt zum Beispiel die Organisation Justvision, die
Besitz unversehrt blieb. Nach dem Krieg leiden die derzeit einen Film über gewaltfreie Proteste in der
1,7 Einwohner/innen vor allem unter der Isolation und Ersten Intifada produziert, der zur Diskussion in
der Unmöglichkeit, den Gazastreifen zu verlassen. Schulen und Universitäten eingesetzt werden soll.
Ringen für eine friedliche Beilegung des Konflikts

Derzeit stehen die Chancen für die Wiederaufnahme
von Friedensverhandlungen schlecht. Der 2015 wiedergewählte israelische Ministerpräsident Netanyahu will keinen palästinensischen Staat. Die vor
der Wahl neu gegründete Partei des « Zionist
Camp » weckte in Israel Hoffnungen, dass ein Mittelinks-Bündnis neue Verhandlungen zur Umsetzung
einer Zwei-Staaten-Lösung mit den Palästinensern
wiederaufnehmen könnte. Wir unterstützen mit
unserer Arbeit in Israel jene Kräfte, die sich weiter für eine friedliche Beilegung des Konflikts einsetzen, wenn möglich auf Basis der Zwei-StaatenLösung. Im Jahr 2014 versuchte zum Beispiel die
Israel Palestine Creative Regional Initiatives (IPCRI) mit ihrem Projekt « Two States in one Space »,
innovative Wege zu ihrer Umsetzung zu finden.
Palästinenser und Israelis erarbeiteten zusammen
ein Papier, das eine umfassende Alternative zum
strikten Trennungsparadigma der Zwei-StaatenLösung vorschlägt. Die Gruppe entwarf ein konföderatives Modell des Zusammenlebens beider Völker und machte detaillierte Vorschläge für strittige
Themen wie Sicherheit, den Status von Jerusalem,
das Recht auf Rückkehr für die Palästinenser oder
die Definition der Staatsbürgerschaft. Der Raum für
solche Initiativen ist begrenzt, aber aus Sicht des Büros in Tel Aviv notwendig, um ein Gespräch über eine
erfolgreiche Beendigung der Besatzung fortzuführen.

Webdossier

« Gaza – Perspektiven
nach dem Krieg » bietet
unterschiedliche Blickwinkel auf den Krieg und

seine Folgen: Boell.de/de/
dossier-gaza-perspektivennach-dem-krieg

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9
Erfolge gibt es auch! Beispiel Tunesien

I

Demokratie und Menschenrechte  –  Erfolge  –  Tunesien

Von Tunesien ist der arabische Aufstand im Jahr 2011 ausgegangen und hat sich auf die
arabische Welt ausgebreitet. Die anfangs großen Hoffnungen auf einen schnellen demokratischen Wandel in einigen Ländern der Region haben sich nicht erfüllt. Der Bürgerkrieg
in Syrien, die militärischen Erfolge der Miliz des Islamischen Staates (IS), die politische
Unterdrückung in Ägypten, staatliche Zerfallserscheinungen in Jemen und Libyen – die
Herausforderungen der gesamten Region sind enorm. Tunesien ist das einzige Land, das
einen nationalen Konsens für den gewaltfreien Übergang von der Diktatur zu einer Demokratie hervorgebracht hat. Doch der tunesische Weg hat auch Feinde im eigenen Land. Dass
sie vor Terror nicht zurückschrecken, haben die Anschläge im März 2015 auf das Museum
Bardo gezeigt. Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen von Oktober bis Dezember
2014 waren ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einem demokratischen Tunesien. Der
reibungslose, friedliche Verlauf der Wahlen und die mit 50 bis 65 Prozent vergleichsweise
hohe Wahlbeteiligung sind Voraussetzung für eine weitere Transformation. Die tunesische
Zivilgesellschaft ist stark und gefestigt und setzt sich für die anstehenden demokratischen
Reformen der Institutionen ein. Die Heinrich-Böll-Stiftung ist seit 2013 in Tunesien aktiv.

Eine Mauer für Wahlwerbung im Zentrum von Tunis. Die Listen, die zur Parlamentswahl antraten, und später
die Kandidaten für die Präsidentschaftswahl konnten an nummerierten Flächen ihre Wahlplakate aufhängen.
Foto: Malek Khadhraoui

waltskammer und Vertretern der MenschenrechtsBüroeröffnung in Tunis – Die Ausgangslage
Als wir im Mai 2013 unser Büro eröffneten, befand liga zusammen. Der durch den Nationalen Dialog
sich das Land in einer politischen Krise. Im Februar auf den Weg gebrachte Konsens machte den Weg
und Juli des Jahres wurden die Abgeordneten Cho- frei für eine liberale und demokratische Verfassung
kri Belaid und Mohammed Brahmi ermordet. Der und handelte den Rückzug der von Ennahda geführnach der Revolution begonnene verfassungsgebende ten Regierung Anfang 2014 aus. Eine Regierung aus
Prozess wurde ausgesetzt, die bis dahin von der mo- Technokraten sollte nun die ersten freien Wahlen auf
derat-islamistischen Ennahda-Bewegung geführte Grundlage der neuen Verfassung organisieren.
Koalitionsregierung geriet durch Demonstrationen
massiv unter Druck. Um zu dem Übergangsprozess Mourakiboun – Die Demokratiewächter
zurückzufinden und einen Verfassungskompromiss Das Vertrauen der Bevölkerung in Institutionen und
auszuhandeln, gründete sich als De-facto-Paral- politische Prozesse war seit der Revolution immer
lelforum der Nationale Dialog. Er setzte sich aus mehr gesunken. Vor allem junge Menschen zeigten
Gewerkschafts- und Arbeitgeberverband, der An- sich gegenüber der politischen Klasse desillusioniert.

I

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Erfolge

–

Tunesien

10

Demokratie und Menschenrechte

–

I

I– VI

Lasaad, der Kampagnendirektor einer linksliberalen Partei, im Gespräch mit Bürgern. Szene aus dem Film
« Winek – Wo bist Du? », einer Produktion unseres Stiftungsbüros in Tunis. Foto: Heikel Ben Bouzid

Wichtig war es daher, einen fairen, von allen politischen Beteiligten akzeptierten Wahlprozess zu gewährleisten. Zusammen mit unserem Büro in Tunis
entwickelte unsere Partnerorganisation ATED (Tunesische Assoziation für ein demokratisches Erwachen) ein Konzept für ein Wahlbeobachtungsnetzwerk und gründete « Mourakiboun » (Beobachter).
Überall im Land organisierten sich Teams von ehrenamtlichen Wahlbeobachter/innen. Neu an Mourakiboun war, dass nicht nur die Wahl selbst, sondern
der gesamte Prozess im Vorfeld begleitet wurde.
Über die Einschüchterung von Minderheiten wurde
ebenso Bericht erstattet wie über das allgemeine
öffentliche Klima. Mourakiboun beobachtete jedes
Detail: Muss eine Frau auf dem Weg zur Wahlregistrierung an drei Cafés vorbeigehen, wo Männer Tee
trinkend und feixend Kommentare abgeben? Werden
die Personalausweise in angemessener Weise überprüft? Hetzt eine Partei auf Facebook oder Twitter
gegen eine andere oder gar gegen Minderheiten?
Werden die Listen der registrierten Wähler/innen
veröffentlicht? Allein die Existenz von Mourakiboun
als « Wachhund » sorgte schon für mehr Fairness im
politischen Prozess. Zwar existierten auch andere
Wahlbeobachtungsnetzwerke im Land, Mourakiboun wurde aber in der Öffentlichkeit weitgehend
als unabhängiges und politisch neutrales Netzwerk
wahrgenommen. Einige Unregelmäßigkeiten hatte
Mourakiboun dann auch gefunden. Das Wahlregister

stimmte nicht mit der Gesamtzahl der registrierten
Wähler überein. Eine beliebte Methode für Wahlbetrug, denn so kann man Verstorbene wählen lassen.
Die Wahlkommission ließ das umgehend korrigieren.
Unser Büro in Tunis engagierte auch ein Filmteam,
das vier Protagonisten, zwei davon aus Partnerorganisationen der Stiftung, während der letzten Wochen vor der Parlaments- und Präsidentschaftswahl
begleitete.
Mehr Sicherheit vor Angriffen im Netz

Demokratie-Aktivist/innen ohne Smartphones? Undenkbar! In aller Welt sind das Internet und die sozialen Netzwerke unverzichtbar geworden. Nicht umsonst beschränken oder unterbrechen die Diktatoren
als Erstes häufig Mobilnetzwerke und das Internet,
wenn es zu Unruhen kommt. Aktivist/innen, die sich
gegen die Diskriminierung religiöser, ethnischer und
sexueller Minderheiten einsetzen, werden häufig
von extremistischen Kräften verfolgt – vor allem im
Netz. Für die demokratische Entwicklung Tunesiens
nach den Jahrzehnten der Diktatur ist das eine erhebliche Bedrohung. Unser Büro in Tunis organisiert
und finanziert deshalb Workshops zur Cybersicherheit für tunesische Demokratie-Aktivist/innen. Dort
lernen sie, wie sie ihre E-Mails verschlüsseln, ProxyServer benutzen und ihre Accounts in den sozialen
Medien weniger angreifbar machen können.
→

YouTube: « Mourakiboun » (Beobachter)

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11

Szenen aus einem Wahllokal in Tunis
Foto: Heikel Ben Bouzid

III

Tunis am Wahltag

Foto: Heikel Ben Bouzid

–

Erfolge

–

Tunesien

II

Demokratie und Menschenrechte

Zoom

IV

Wahlplakate vor dem Institut der Schönen Künste in Tunis. Das Wahlgesetz hatte die Wahlwerbung stark reglementiert, was teilweise als Vorsichtsmaßnahme begrüßt, teilweise als den politischen Wettbewerb behindernd kritisiert
wurde. Denn viele Karos blieben leer. Für unabhängige Kandidat/innen und kleinere Listen war es schwer, die nötigen
personellen und finanziellen Ressourcen für flächendeckendes Plakatieren aufzubringen. Foto: Malek Khadhraoui

V

VI

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12
Ukraine, Russland und Europa

Demokratie und Menschenrechte

–

Ukraine, Russland und Europa

Mit der Annexion der Krim im März 2014 und dem hybriden Krieg gegen die Ukraine antwortete Russland auf die Euromaidan-Revolution. Heute herrscht in der Ukraine ein prekärer Waffenstillstand. Eine politische Lösung des Konflikts scheint weit entfernt. Solange es
die nicht gibt, läuft es im besten Fall auf einen « eingefrorenen » Konflikt hinaus – im schlimmeren ist der Waffenstillstand nur eine Atempause bis zum nächsten Angriff. Im Konflikt
um die Ukraine geht es um sehr viel mehr als « nur » um die Hoffnungen von Millionen
Menschen, die Anschluss an die demokratischen und sozialen Errungenschaften Europas
gewinnen wollen. Auf dem Spiel steht die Zukunft der europäischen Friedensordnung, ja
die Zukunft der europäischen Gemeinschaft selbst.

I

Beim Urbanistischen Zivilgesellschaftsforum in Kiew entwickelten die Teilnehmenden zahlreiche
Vorschläge an den neu gewählten Bürgermeister Vitali Klitschko. Foto: Olena Angelova

Was kann die Stiftung in Kiew tun?
I

Die Maidan-Bewegung und die äußere Bedrohung
des Landes haben eine Welle zivilgesellschaftlichen
Engagements für das Land ausgelöst. Viele Menschen waren und sind bereit, sich für demokratische
Institutionen und gegen Korruption einzusetzen.
Hier ermutigt, begleitet und berät unser Büro in Kiew
zivilgesellschaftliche Akteure auf ihrem Weg in die
institutionelle Politik. So unterstützen wir die Reanimation Reform Package Initiative, ein loses Bündnis zivilgesellschaftlicher Expert/innen zur Ausarbeitung von Reformvorschlägen. Schlüsselfiguren
der Initiative haben im Oktober 2014 ins Parlament
gewechselt. Wichtig ist auch die Unterstützung von
gesellschaftlichem Engagement auf kommunaler
Ebene, zumal im Hinblick auf die Kommunalwahlen im Herbst 2015. Ein neues, sehr erfolgreiches
Format dafür war das Urbanistische Zivilgesellschaftsforum. Es fand im Juni 2014 in den Räumen der Kiewer Stadtverwaltung statt, was vor der
Maidan-Revolution undenkbar gewesen wäre. Das

Forum entwickelte zahlreiche Vorschläge an den
neu gewählten Bürgermeister Vitali Klitschko. Unter großem Medieninteresse wurden sie öffentlich
präsentiert und zur Diskussion gestellt. Einige der
Ideen nahm die Stadtverwaltung in ihre Planung
auf. Und Bürgermeister Klitschko ernannte Ksenia
Semenowa, Aktivistin des Kiewer Fahrradverbands
und Partnerin der Stiftung, im November 2014 zur
Beraterin für Fahrradinfrastruktur.
« Kiewer Gespräche » in Berlin

In Berlin unterstützten wir die Kiewer Gespräche,
eine überparteiliche, unabhängige Initiative, die
aus der deutsch-ukrainischen Bürgergesellschaft
entstanden ist. Im Vorfeld der ukrainischen Parlamentswahlen ging es auf der zweitägigen Konferenz
im Oktober 2014 mit einer Reihe von Maidan-Aktivist/innen um die Erneuerung der politischen Eliten
und die mögliche Unterstützung von Seiten der Europäischen Union. Als eine der wichtigsten Aufga-

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13
Ralf Fücks zum Euromaidan:

ben wurde die Bekämpfung der Korruption genannt.
Daria Kaleniuk vom Anti-Corruption Action Centre
(AntAC) in Kiew forderte ein Antikorruptionsbüro
und Gesetze über Staatseinkäufe. Zudem müsse die
Zivilgesellschaft mehr Druck auf die Regierung ausüben. Dass die Ukraine den Kampf gegen die Korruption nicht allein bewältigen kann, bekräftigte
Jürgen Roth, Journalist und Autor in Berlin. Die
westlichen Partner müssten einbezogen und Hilfen
an Bedingungen geknüpft werden.
→

Mehr zum Kiew-Dialog...

Russische Alternativen – Debattenreihe

Die mit dem Ukraine-Konflikt verbundene innenpolitische Mobilisierung hat Russland verändert. Die
Abgrenzung zum liberalen Westen ist zur tonangebenden Ideologie geworden. Die Reihe « Russische
Alternativen » beschäftigte sich im September 2014
mit Russlands derzeitigem Weg in die Isolation. Lev
Gudkov vom Moskauer Levada-Zentrum analysierte,
wie es Putin schafft, mit vermeintlichen Erfolgen wie
der Krim-Annexion von der wirtschaftlichen Systemkrise des Landes abzulenken, und sich dabei hohen Zuspruch in der Bevölkerung sichert. Um seine
Macht und auch die Deutungshoheit zu politischen
Themen nach innen zu sichern, werde Putin zunehmend diktatorisch auftreten und Andersdenkende
unterdrücken, so seine Prognose. Maria Lipman vom
European Council on Foreign Relations erinnerte an
die Rede Putins bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2007, in deren Warnungen an den Westen
sich seine aggressive Außenpolitik bereits ankündigte. Die Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck
wollte ausdrücklich von der Illusion einer Partnerschaft mit Russland Abstand nehmen und die Truppenbewegungen auf ukrainischem Boden realistisch
bewertet sehen. Kontrovers wurde schließlich die
europäische Sanktionspolitik gegenüber Russland
diskutiert. Neben Wissenschaftlern und Aktivist/
innen aus Russland nahm auch der Ende 2013 aus
der Haft freigekommene und derzeit in der Schweiz
lebende Unternehmer Michail Chodorkovskij an dem
internen Fachaustausch teil.

»

NGOs in Russland – eine kleine
Bestandsaufnahme
Das « NGO-Agentengesetz » ist Putins bisher schärfster Versuch, NGOs zu beschneiden. Nachdem sich
trotz massenhafter staatlicher Kontrollen und Druck
von Seiten der Justizbehörden und Staatsanwaltschaft
sowie einer Schmutzkampagne der Kremlmedien
keine NGO als « ausländischer Agent » registrieren ließ,
bekam das Justizministerium im Sommer 2014 das
Recht, NGOs ohne deren « Einverständnis » zu « Agenten » zu erklären. Bis Anfang 2015 waren bereits mehr
als 40 NGOs im « Agentenregister » eingetragen, darunter viele Partner/innen der Stiftung. Viele weitere
werden folgen.
Die Arbeit der NGOs ist dadurch stark gefährdet.
Viele Ressourcen müssen zum Selbstschutz aufgebracht werden. Unter besonderem Druck stehen NGOs,
die sich mit LSBTI-Themen (Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersex) beschäftigen. Sie
sind zusätzlich durch ein Gesetz gegen angebliche
« homosexuelle Propaganda » betroffen. Leider muss
davon ausgegangen werden, dass sich die Situation
2015 weiter verschlechtert, weitere NGOs zu « Agenten » erklärt werden und auch die anderen öffentlichen
und administrativen Angriffe auf NGOs weitergehen.
Blog

Weitergehende Informationen
in unserem Russlandblog:

http://russland.boellblog.
org/tag/ngo-agentengesetz/

–

Euromaidan-Wache in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin,
in direkter Nachbarschaft zur Ukrainischen Botschaft

Demokratie und Menschenrechte

II

das Überspringen des Maidan auf Moskau. Ihr Zermürbungskrieg gegen die Ukraine soll ein Exempel
statuieren, dass jede demokratische Revolte unvermeidlich in Gewalt, Chaos und Zusammenbruch mündet. Es geht ihnen darum, den bloßen Gedanken von
Freiheit und Selbstbestimmung zu diskreditieren.
Auf dem Maidan kamen zumindest drei fundamentale Motive zusammen: Der elementare Wunsch nach
Recht und Freiheit; das Aufbegehren gegen die Ausplünderung durch ein korruptes System von Potentaten und Oligarchen sowie das Streben nach nationaler
Unabhängigkeit und Emanzipation von der Vorherrschaft Russlands.
Alle drei Motive bündelten sich im Ruf nach
« Europa ». Umso verstörender ist die Reserviertheit,
mit der große Teile der europäischen Öffentlichkeit
diesem demokratischen Aufbruch bis heute begegnen. Von ganz rechts bis ganz links stieß die Emanzipationsbewegung der Ukrainer auf kalte Ablehnung. Dagegen gab (und gibt) es viel Verständnis für
den Revanchismus der russischen Autokratie. Schwer
nachvollziehbar, wieso ein Teil der Linken mit einem
Regime sympathisiert, das auf Großmacht-Nationalismus setzt, jede Gewaltenteilung ausgeschaltet hat,
Homosexuelle diskriminiert und eine bizarre Konzentration des Reichtums in der Hand einer kleinen
­
Machtelite
betreibt.

Ukraine, Russland und Europa

«Nichts fürchten die Machthaber im Kreml mehr als

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14

Auße n p olit ik

I

15. Außenpolitische Jahrestagung: v. l. n. r. Beata Peksa, François Heisbourg,
Cathryn Cluever, Heinrich August Winkler, Cem Özdemir, Ralf Fücks

Für eine werteorientierte Außenpolitik
I–VIII

Die alte weltpolitische Ordnung ist aus den Fugen
geraten. Irak und Syrien sind eine große Kampfzone;
die Terrormilizen wie IS oder Boko Haram gehen gnadenlos gegen Andersdenkende
vor. Und mit dem Krieg in der
Ukraine ist die Ost-West-Konfrontation auf die politische
Tagesordnung zurückgekehrt.
25 Jahre nach dem Fall des
Eisernen Vorhangs sind die
Errungenschaften der europäII Ralf Fücks
ischen Friedensordnung in Gefahr. Noch hat die europäische
Außenpolitik auf die jüngsten
Entwicklungen keine überzeugende Antwort.
Wie sollte eine nachhaltige
Außenpolitik, die sich an den
Werten Demokratie und MenIII Cathryn Cluever
schenrechte orientiert, gestaltet werden? Als international
agierende Stiftung widmen wir uns auch diesen großen Fragen. Dafür müssen wir verstehen, was auf der
internationalen Bühne passiert. Welche neuen MusWeb

Dokumentation der Außenpolitischen Jahrestagung
mit Videomitschnitt,
E-Paper, Fotos und der

vollständigen Rede von
Prof. Dr. Heinrich Winkler
unter www.boell.de

ter entstehen, welche Allianzen und Krisen zeichnen
sich ab? Mit unserer Außenpolitischen Jahrestagung
haben wir einen Ort geschaffen, diese Fragen zu stellen. Sie bietet internationalen Fachleuten Gelegenheit zu Argument und Gegenargument und soll auch
helfen, die Parameter grüner Außenpolitik immer
wieder zu überprüfen.
15. Außenpolitische Jahrestagung: Auf dem Weg zu
mehr Verantwortung

Anfang 2014 hat die deutsche Politik für ein entschiedeneres internationales Engagement Deutschlands in der Außen- und Sicherheitspolitik geworben.
Seither wird dieser Ansatz einer permanenten Belastungsprobe unterzogen. Der Krieg in der Ostukraine
und Russlands Annexion der Krim gefährden die
europäische Friedensordnung auf fundamentale
Weise. Es drängt sich die Frage auf: Ist die deutsche
Außenpolitik dafür gewappnet, auf solche Herausforderungen angemessen zu reagieren? Und was
bedeutet mehr internationale Verantwortung für
Deutschland und Europa?
Die 15. Außenpolitische Jahrestagung im Juni
2014 nahm sich diese Fragen vor. Internationale
Expert/innen aus Ministerien, Wissenschaft, Politik

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15

und Diplomatie diskutierten unter anderem am Bei- siert. Die Bundesrepublik habe jahrelang unglaublich
spiel der Beziehungen zur Ukraine, zu Russland und stark von den Vorzügen einer eng miteinander verder transatlantischen Partnerschaft ihre Erwartun- bundenen Welt profitiert. Die
gen an die deutsche Außenpolitik. Vor allem die inter- deutsche Zurückhaltung in
nationalen Gäste waren der der internationalen Politik bei
Ansicht, Deutschland müsse gleichzeitigen
Rekordhochs
künftig mit einem klaren Be- deutscher Waffenexporte in
kenntnis zum westlichen Bünd- zum Teil fragwürdige Länder
nis seinen gesamten außenpoli- wirke auf Verbündete wie die
tischen Werkzeugkasten sehr USA vor allem widersprüchlich.
VI Dr. Sylke Tempel
viel engagierter nutzen. Diese Dort werde erwartet, dass die
Forderung wurde nicht nur mit deutsche Außenpolitik neben
IV John Kornblum
der heutigen machtpolitischen Verlässlichkeit und BerechenPosition, sondern auch mit barkeit auch ein der internatider historischen Verantwor- onalen Bedeutung des Landes
tung des Landes begründet. entsprechendes FührungsverMehr Engagement forderte halten an den Tag legt.
auch Ralf Fücks, Vorstand der
Erstmalig war nur die AufStiftung. Die heutigen Krisen taktveranstaltung der JahresVII Stefan Meister
ließen sich in einer immer tagung öffentlich, die FachkonV Jürgen Trittin
enger verwobenen Welt nicht ferenz blieb den geladenen außenpolitischen Expert/
mehr ignorieren. Die Zeiten, innen vorbehalten. Das veränderte Format erwies
in denen der « deutsche Michel » angesichts entfern- sich als gut. Durch den beschränkten Kreis von Teilter Konflikte gemütlich sein Bier trinken konnte, nehmenden war die Debatte sehr konstruktiv und
seien vorbei. Die deutsche Zurückhaltung wurde auch offen. Für alle, die nicht dabei sein konnten, haben
von Cathryn Cluever, Harvard Kennedy School, kriti- wir die Ergebnisse gut dokumentiert.

Auszug der Rede von Prof. Dr. Heinrich
August Winkler bei der Außenpolitischen
Jahrestagung

« Die deutsche Öffnung gegenüber der politischen

VIII 

Prof. Dr. Heinrich August Winkler

Kultur des Westens ist die wichtigste Lehre aus dem
Jahrhundert der Extreme. Das Bekenntnis westlicher
Demokratien zum normativen Projekt des Westens
ist freilich nur dann glaubwürdig, wenn es einhergeht
mit der Bereitschaft zu historischer Selbstkritik. Die
Ideen von 1776 und 1789 beschrieben nicht die Wirklichkeit von damals, aber sie lieferten die Maßstäbe, an
denen sich der Westen fortan abarbeiten und messen
lassen musste. Das Projekt wurde dadurch zum Korrektiv einer Praxis, die den proklamierten Werten oft
genug strikt widersprach. Es entfaltete eine Dynamik,
die aus dem Projekt einen Prozess machte. Dieser Prozess ist so lange nicht abgeschlossen, wie die unveräußerlichen Menschenrechte nicht weltweit gelten. Der
Westen gäbe sich selbst auf, wenn er von dieser Forderung abließe. Das gilt auch für Deutschland, das, historisch gesehen, noch immer eine der jungen westlichen
Demokratien ist.

»

Außenpolitik

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16
Kenia
Seit den Wahlen 2013 ist Kenia, ein vormals hochgradig zentralisierter Staat, in 47 ­Bezirke
(counties) unterteilt. Die Vertreter/innen in den Bezirksversammlungen (Members of
County Assemblies, kurz: MCAs) sollen sich nun um die Interessen und Anliegen ihrer
Wähler/innen kümmern. Es sind nicht mehr länger nur « die in Nairobi », denen die Schuld
für Diebstahl und Verschwendung von Staatsressourcen zugeschoben werden kann. Die
Bilanz ist bisher gemischt: Es gibt sowohl Erfolge als auch Versuche lokaler Eliten, ihre
Vetternwirtschaft in den counties weiterzuführen. Und die alten ethnischen Loyalitäten
sind natürlich weiter vorhanden.
Sauti Mtaani – Ich rede jetzt mit

 

–  Kenia und Nigeria

Auch eine differenziert angelegte Reform ändert
wenig, wenn die Bürger/innen die nun gegebene größere Nähe zu ihren Abgeordneten nicht nutzen können. Hier setzt unser Projektpartner Community
Education and Empowerment Centre (CEEC) an,
und zwar gleich bei einer Gruppe, die bisher kaum
Beteiligungsmöglichkeiten hatte: den jungen Frauen
und Männern aus den informellen Siedlungen, den
Slums der Hauptstadt Nairobi. Jugendsprecher/
innen aus 15 Wahlkreisen lernten mit Hilfe des CEEC
ihre Rechte auf Beteiligung und die damit verbundenen Verpflichtungen kennen. Auch ihre Abgeordneten wurden geschult: was ihr Mandat beinhaltet,
welche Pflichten und Verantwortlichkeiten sie haben
und wie sie dafür sorgen können, dass Jugendliche
gehört und beteiligt werden.

Wenige Tage nach den Trainings eröffneten Wähler/innen und Gewählte gemeinsam die e-Mitwirkungs-Plattform Sauti Mtaani, was so viel bedeutet
wie « Stimmen aus dem Ghetto ». Junge Frauen und
Männer können nun kostenfrei ihren Abgeordneten
SMS-Botschaften schicken. Aus allen Wahlkreisen
wurden bereits Anliegen formuliert – die Vorschläge
reichen von Straßenlampen bis zu Stipendien und
Arbeitsplätzen. Nicht alle MCAs sind gleichermaßen
davon begeistert. Einige sind abgetaucht, andere
antworten regelmäßig und tun auch etwas. Über
12.000 Nachrichten in nur vier Monaten zeigen
jedoch, dass die Kontaktpflege zu den Wähler/innen
via SMS und Facebook zunehmend populärer wird.

Nigeria
Weltweit Schlagzeilen macht Nigeria seit Jahren durch die islamistische Terrorgruppe Boko
Haram. Sie kämpft mit wachsender Brutalität gegen die Zivilbevölkerung und Sicherheitskräfte im Nordosten Nigerias. Anschläge sind inzwischen an der Tagesordnung. Die Zahlen
der Todesopfer, Vertriebenen und auch Entführten steigen. Längst hat der Konflikt auch
eine regionale Dimension und betrifft die Nachbarländer Nigerias. Es ist vor allem die Perspektivlosigkeit der nigerianischen Jugend, die extremen Gruppen viele Anhänger zutreibt.
Doch eigentlich ist Nigeria ein reiches Land, sein Bruttosozialprodukt ist das höchste Afrikas. Nur sickern die Profite der boomenden Wirtschaft in die Taschen der korrupten Elite.
Wahlstimmen haben ihren Preis

Ein Problem in Nigeria ist, dass viele Wähler/innen
kurzfristig denken und ihre Stimmen gegen schnellen
Profit an Politiker verkaufen. Durch das Onlinespiel
« Sell Your Vote? » unseres Projektpartners Center
for Social Justice sollen junge Wähler/innen erkennen, welchen Verlust sie sich selbst und dem Land
damit zufügen. Die Spieler/innen werden gefragt, für
wie viel Geld sie die jeweiligen Politiker/innen wählen
würden. Durch Klicken können die Spieler große und
kleine Reichtümer anhäufen. Je nach Vermögenslage

→

Online-Spiel: « Sell Your Vote? »

der Kandidatinnen und Kandidaten gibt es mehr oder
weniger für die Wahlstimme. Wer die Option « Bessere
Politik… » klickt, bekommt kein Geld. Am Schluss
kommt die Rechnung: Wer seine Stimmen für viel
Geld verkauft hat, dem setzen die Politiker grinsend
entgegen: « Es ist nicht mehr viel übrig, du hast deinen
Anteil bereits bekommen! Du wirst weiterhin 3 km
bis zum nächsten Brunnen laufen, es gibt nur drei
Stunden Strom pro Tag, du gehst zwar zur Schule,
aber was für eine Ausbildung bekommst du dort »?

 

 

die im Bundesland Borno leben,
von dort vor der Gewalt geflohen sind oder den Einfluss des
Terrors auch in anderen Landes -

teilen erleben müssen. Nachzulesen auf boell.de:
www.boell.de/de/2014/06/02/
nigeria-leben-mit-boko-haram

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17
Südafrika
Südafrika erlebt derzeit die größten politischen Spannungen seit 1994. Die Wortgefechte
über die richtige Politik werden heftiger, die Spielräume für soziale Bewegungen und andere
Basisorganisationen drohen enger zu werden. Politische Eingriffe in öffentliche Institutionen häufen sich. Der regierende African National Congress (ANC) hat seine moralische Autorität, das Land zu führen, verloren. Eine glaubwürdige und politisch tragbare Alternative
gibt es bislang nicht. Vor diesem Hintergrund setzt sich Awethu! (Es ist unsere!) für mehr
politische Verantwortung und soziale Gerechtigkeit im Land ein.

Mit Cartoons gegen Korruption in
Südafrika Foto: Corruption Watch

IV

Corruption Watch – Kampfansage an die Korruption

I 

Kiosk am Busbahnhof in Kapstadt

II 

Frauen in Kapstadt

Großen Schaden für das Gemeinwohl bringt die
weitverbreitete Korruption. Seit 1994 hat Südafrika schätzungsweise mehr als 50 Milliarden Euro
dadurch verloren. Gerade im kommunalen Umfeld
fließt viel Geld in private Taschen. Geld, das zum
Beispiel für die Ausstattung von Schulen gedacht
war. Unsere Partnerorganisation Corruption Watch
hilft Bürger/innen, den Missbrauch von Geldern zu
erkennen, zu verhindern und ihm entgegenzuwirken.
Im Fall der Schulen kooperiert Corruption Watch
eng mit Schulaufsichtsräten. Die setzen sich aus
Eltern, Gemeindemitgliedern, Direktoren, Lehrern
und Schülern zusammen. Die Aufsichtsräte werden
im Umgang mit Beschaffungsvorschriften geschult,
über die Verantwortlichkeiten von Schuldirektoren
aufgeklärt und über die Rechte von Eltern informiert.
Um auch junge Leute zu erreichen, setzt Corruption
Watch auf Cartoons und soziale Medien.

IV

→ YouTube: « Video & Handbook »

« Zambesi News »

III 

Handyreparatur-Werkstatt in Kapstadt
Foto: Barbara Assheuer

In Simbabwe hat die Jugend schon lange politisch
nichts zu sagen, die Macht liegt in den Händen der
alten Garde. Die Künstlerorganisation Magamba hat
« Zambezi News » gegründet – satirische Nachrichten, die durch Spott und Witz auf die Absurditäten der
Politik Simbabwes aufmerksam machen. So will sie
die Jugend für politisches Engagement gewinnen und
durch sie die Kraft für einen politischen Wandel.
→

YouTube: « Zambezi News »

Demokratie und Menschenrechte  –  Südafrika

Awethu! Für eine verantwortungsvolle Politik

Awethu! ist ein Zusammenschluss von zivilgesellschaftlichen Organisationen, den auch unser Büro
in Kapstadt unterstützt. Awethu!’s politisches Bildungsprogramm wurde mittlerweile von der Einheitsfront (United Front), einer neuen politischen
Koalition, die von der Gewerkschaft National Union
of Metalworkers of South Africa (NUMSA) ins Leben
gerufen wurde, aufgenommen. Im Vorfeld der Kommunalwahlen 2016 werden Awethu! und die Einheitsfront nun gemeinsam daran arbeiten, ihr politisches Programm zu verfeinern und voranzutreiben.

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18
Pakistan und Afghanistan

Demokratie und Menschenrechte  –  Pakistan und Afghanistan

Die Regierungsgeschäfte in Pakistan wurden 2013 erstmalig in der Geschichte des Landes
von einer demokratisch gewählten Regierung an eine gewählte Nachfolgeregierung übergeben. Die Herausforderungen an diese sind groß. Die Wirtschaft entwickelt sich kaum, hinzu
kommt eine schwere Energiekrise. Fabriken stehen oft stundenlang still, nachts versinken
ganze Städte in der Dunkelheit. Auch die soziopolitische Lage ist sehr fragil. Seit Jahren verüben die Taliban schwere Terroranschläge, von denen auch Großstädte wie Karachi, Lahore
und Rawalpindi betroffen sind. Auch andere militante Gruppen treten zunehmend gewaltbereiter auf, sowohl national als auch regional.
Auch Afghanistan steht nach dem Abzug der internationalen Sicherheitskräfte vor einer
entscheidenden Herausforderung. Die 2014 neu gebildete nationale Einheitsregierung und
die afghanische Bevölkerung müssen nicht nur die militärische Sicherheit in Eigenverantwortung übernehmen, sondern die politischen und sozialen Spannungen ausgleichen und
die ökonomische Entwicklung vorantreiben.

I

Pakistan ist ein sehr junges Land, doch die Politik hat nur wenig für die
Jugend zu bieten. Foto: Håkan Löndahl/flickr.com (CC BY-NC 2.0)

Mehr Chancen für die Jugend

Pakistan ist ein sehr junges Land. Bald die Hälfte
der rund 180 Millionen Menschen ist unter 18 Jahre.
Doch die Aussichten auf Jobs und ein selbstbestimmtes Leben sind schlecht. Die Politik hat nur wenig für
die Jugend zu bieten. Die politischen Ämter werden
von den angestammten Eliten besetzt, und die bedienen ihre eigenen Interessen. Unser Büro in Pakistan
unterstützt Projekte, die bessere Chancen für junge
Menschen durchsetzen wollen. Dazu gehört auch, die
Jugendlichen erst einmal für Politik zu interessieren. Denn nur eine informierte Jugend kann für ihre
Interessen eintreten. Und Jugendliche, die eigene
Visionen haben und ihre Perspektiven definieren können, sind weitaus weniger anfällig für konservativreligiöse Einflüsse. Gerade die Perspektivlosigkeit
treibt viele junge Menschen in die Hände extremer Gruppierungen. Wir versuchen, zusammen mit
unseren pakistanischen Projektpartnern eine bessere Politik für die Jugend auf den Weg zu bringen.
Unsere Partnerorganisation Bargad zum Beispiel
baut Studentennetzwerke an verschiedenen Universitäten im ganzen Land auf und erarbeitet Entwürfe
für eine Jugendpolitik. In der Provinz Punjab wurden
sie bereits erfolgreich verabschiedet. Im Jahr 2014

hat Bargad auch in der Provinz Khyber Pakhtonkhwa den Austausch unter Studierenden, jugendlichen
Abgeordneten der Provinzparlamente und Vertreter/
innen relevanter Ministerien organisiert. Ziel ist es,
bessere Bildungsmöglichkeiten oder die Einrichtung von Aus- und Weiterbildungsplätzen in der Politik zu verankern. Zukünftig sollen entsprechende
Implementierungspläne für beide Provinzen entwickelt werden.
Auch in Afghanistan wollen wir erreichen, dass
mehr junge Menschen am politischen Leben teilnehmen. Gemeinsam mit Vertreter/innen verschiedener
Jugendgruppen haben wir einen Forderungskatalog
entworfen. Er dient der neu gewählten Regierung
als Grundlage für die Einbeziehung der Belange von
Jugendlichen in die Politik.
Wichtig ist uns auch, die Stimmen der afghanischen Zivilgesellschaft international zu Gehör
zu bringen. Im Jahr 2014 reiste eine Delegation
afghanischer Frauenaktivistinnen mit Unterstützung der Stiftung in die USA, um sich dort mit politischen Entscheidungsträger/innen über die Zeit nach
dem Abzug der internationalen Truppen auszutauschen (siehe auch Seite 7).

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19
Thailand
Eine starke Kluft zwischen Arm und Reich, eine politisch dominante städtische Elite,
dazu die weitverbreitete Korruption und Vetternwirtschaft – Thailands innenpolitische
Probleme sind seit Jahrzehnten massiv. Im Mai 2014 hat das Militär durch einen Putsch
die Macht übernommen. Seither herrscht Kriegsrecht in Thailand. Die Versammlungs-,
Meinungs- und Pressefreiheit ist dadurch stark eingeschränkt. Die Gesellschaft ist zutiefst
gespalten und verunsichert.
Ein Film über Demokratie in Thailand

Berlin bereits erste Ausschnitte aus dem noch in der
Produktion befindlichen Werk zu sehen.

Nach zähem Ringen und langen Verhandlungen hat 2014 die größte Oppositionspartei, die
Kambodschanische Partei zur Nationalen Rettung (CNRP), ihren Boykott der umstrittenen
Wahlen von 2013 aufgegeben und ist in das Parlament eingezogen. Die Beteiligung der
demokratischen Opposition an politischen Prozessen, die Arbeit von zivilgesellschaftlichen
Organisationen und die Menschenrechtslage im Land haben sich dadurch allerdings kaum
verbessert. Die jüngste Verabschiedung eines Gesetzespaketes zur sogenannten Reform und
Stärkung des Justizsystems gibt der Regierung zudem noch mehr Einfluss auf eine ohnehin
politisch gelenkte Richterschaft. Im Zusammenspiel mit der regierungstreuen Polizei wird
so jegliche Gewaltenteilung ausgehebelt.
Die besorgniserregende Menschenrechtslage und die anhaltenden Konflikte im Landsektor sind auch ein Erbe der blutigen Diktatur der Roten Khmer, die zwischen 1975 und 1979
einen Völkermord in Kambodscha verübten. Zwar stehen zwei ihrer Anführer derzeit vor
Gericht, und gegen zwei weitere wurden jüngst Ermittlungen eingeleitet, doch viele ehemalige führende Rote-Khmer-Kader sind immer noch in wichtigen Positionen, sowohl in der
Wirtschaft als auch in der Politik. Eine weitreichende Aufarbeitung der Verbrechen gegen
die Menschlichkeit scheint noch ein langer Weg zu sein.
Menschenrechte unter Druck

Wir arbeiten in Kambodscha mit verschiedenen
zivilgesellschaftlichen Organisationen zum Schutz
der Menschenrechte zusammen. Die zum Teil offene
Kritik unserer Partnerorganisationen an der bestehenden Elite führt immer wieder dazu, dass sie politisch unter Druck gesetzt werden. Dabei geht es um
elementare Rechte wie körperliche Unversehrtheit,
Zugang zu Land und Nahrung, Meinungsfreiheit oder
  Web

    w ww.prachatai.com

die Gleichberechtigung von Frauen und Männern.
Diese Rechte sind durch willkürliche Verhaftungen,
Landgrabbing, Verbote von Demonstrationen oder
Nichtbeteiligung von Frauen an politischen Prozessen stark eingeschränkt. Unser Büro in Phnom Penh
ist gemeinsam mit den betroffenen Partnerorganisationen Teil eines informellen Netzwerks, das Unterstützung bei der Durchsetzung von Rechten anbietet.

–

Kambodscha

Thailand und Kambodscha

Prachatai – Stimme der freien Presse

Seit 2004 verbreitet die thailändische Online-Zeitung Prachatai freie und unabhängige politische Berichterstattung. In den zehn Jahren ihres Bestehens
hat sich Prachatai professionalisiert und den thailändischen Online-Journalismus neu definiert. Unser
Büro in Bangkok kooperiert bereits seit vielen Jahren mit Prachatai. Aus Anlass des runden Geburtstags unterstützte es 2014 die Publikation « Voices of
a Free Media. The First Ten Years of Prachatai ».

Demokratie und Menschenrechte

Wie sehr die jüngsten Ereignisse die thailändische
Bevölkerung erschüttern, zeigt sich am Beispiel der
Filmemacher Pen-Ek Ratanaruang und Passakorn
Pramunwong. Eigentlich in der Werbe- und Spielfilmbranche tätig, wechselten sie das Genre und
drehten « Paradoxocracy », einen politischen Dokumentarfilm zur jüngeren Geschichte Thailands. Der
Film fand trotz staatlicher Zensur und Behinderungen beim Vertrieb große Resonanz und wurde landesweit diskutiert. Nun arbeiten die beiden Regisseure mit Unterstützung unseres Bangkoker Büros
an einer Fortsetzung. Mitte Februar 2015 waren
bei einer Podiumsdiskussion der Stiftungszentrale in

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20
Myanmar

Demokratie und Menschenrechte

–

Myanmar

Nach fast fünf Jahrzehnten Militärdiktatur verfolgt Myanmar seit 2011 einen überraschend
liberalen Reformkurs. Ende 2015 sollen die nächsten Parlamentswahlen stattfinden. Doch
derzeit erschüttern Hetzkampagnen buddhistischer Nationalisten gegen die muslimische
Bevölkerung sowie bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen der Regierungsarmee
und Militäreinheiten ethnischer Minderheiten das Land. Meinungsverschiedenheiten über
Autonomieansprüche sowie fehlende Mitbestimmungsrechte bei der Vergabe von Infrastrukturprojekten erschweren die Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den
ethnischen Gruppen.

I

Dorfbewohnerinnen in der Nähe der Letpadaung-Kupfermine in Myanmar

Menschenrechtsbeobachtungen im Chin-Staat
I – IV

Diese Konflikte sind auch im Chin-Staat zu spüren.
Der rund 500.000 Einwohner/innen zählende Staat
liegt relativ abgeschieden im westlichen Teil Myanmars, an der Grenze zu Bangladesch und Indien. Er
gehört zu den am wenigsten entwickelten Regionen
in Myanmar. Die Bevölkerung ist zu über 90 Prozent
christlich und spricht eine Vielzahl eigener Sprachen.
Seit 1995 setzt sich die Chin Human Rights Organization (CHRO) für Demokratie in Myanmar, die
Belange ethnischer Minderheiten und Rechte der Bevölkerung des Chin-Staates ein. Unser Büro in Bang-

→

Foto: Christina Warning

WEB: Chin Human Rights Organization (CHRO)

kok unterstützt die Organisation, zum Beispiel im
Jahr 2014 bei der Ausbildung lokaler Aktivisten/innen. Sie lernten, menschenrechtlich relevante Fälle
zu dokumentieren, und Techniken der Wahlbeobachtung. Nach ihrem Training wurden die Aktivisten in
Regionen des Chin-Staates als Beobachter/innen eingesetzt. Ihre Ergebnisse werden in einen unabhängigen Bericht einfließen, den CHRO als Beitrag zum
« Universellen Periodischen Überprüfungsverfahren
(UPR) » Myanmars beim Menschenrechtsrat der
Vereinten Nationen im Jahre 2015 einreichen wird.

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21

II 

Mobile Essensverkäuferin auf dem Irrawaddy 
Foto: Christina Warning

III 

Frauen am Markt in Katha  Foto: Christina Warning

Demokratie und Menschenrechte  –  Myanmar

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IV 

Händler/innen bieten Zugreisenden Verpflegung an.  Foto: Christina Warning

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22
Mexiko

Demokratie und Menschenrechte

–

Mexiko

In Mexiko gehören Gewalt und Unsicherheit zum Alltag. Für große internationale Aufmerksamkeit sorgte im September 2014 der Fall der 43 verschwundenen Studenten. Die jungen
Männer waren in der Stadt Iguala festgenommen worden, weil sie in gekaperten Bussen auf
dem Weg zu einer Demonstration waren. Auf Anweisung des Bürgermeisters wurden sie
von der lokalen Polizei an Gruppen der Organisierten Kriminalität übergeben. Seither sind
sie verschwunden. Nur ein Student konnte anhand von Knochenresten identifiziert werden. Der Fall hat in Mexiko, aber auch international eine enorme Welle der Empörung und
Proteste ausgelöst. Mindestens 26.000 weitere Personen sind in den vergangenen Jahren in
Mexiko verschwunden und nie oder nur tot gefunden wurden.

I

Angehörige fordern Aufklärung über das Schicksal der verschleppten Studenten.

Foto: Timothy Fadek/Redux/laif

Menschenrechte
I

Seit September 2014 arbeitet das Menschenrechtszentrum Tlachinollan im mexikanischen Bundesstaat Guerrero auf Hochtouren. Auch die Mitarbeiter/innen unserer langjährigen Partnerorganisation
Centro Pro Derecho Humano sind im Dauereinsatz.
Bei einer Straffreiheit von mehr als 95 Prozent für
alle Verbrechen in Mexiko sind Menschenrechtsorganisationen generell sehr gefordert. Im Fall der
verschwundenen Studenten sind sie weit über sich
hinausgewachsen: Die Angehörigen der Verschwundenen, einfache Bauernfamilien, wurden bei allen
Schritten begleitet – logistisch, juristisch, menschlich und politisch: von den Anzeigen vor Ort über
die Anzeigen in der Hauptstadt, die Präsenz bei den
Protestmärschen im ganzen Land, den Besuch beim
Präsidenten Peña Nieto bis hin zur Reise nach Genf
zur UN-Menschenrechtskommission. Angst um die
Verschwundenen und Wut über die Unfähigkeit und
Untätigkeit der staatlichen Stellen wollten in straf→

WEB: Tlachinollan (Menschenrechtszentrum)

rechtlich korrekte Anzeigen formuliert und auch
in politische Forderungen übersetzt werden. Der
Einsatz der zum Teil noch sehr jungen Menschenrechtsaktivist/innen war unermüdlich. Unser Büro
in Mexiko-Stadt stand unseren Projektpartnern so
gut es ging zur Seite. Mit Veranstaltungen sorgten
wir für Öffentlichkeit, Aktivist/innen und andere
Anteilnehmende konnten sich austauschen. Einer der
Direktoren von Tlachinollan, Abel Barrera, kam im
November in die Stiftungszentrale nach Berlin. Er
wünschte sich im Namen der Menschenrechtsverteidiger, Studenten und verzweifelten Eltern auch Unterstützung aus Deutschland. Seit Jahren schon verhandelt die deutsche Regierung über ein Abkommen
zur Polizeizusammenarbeit mit der mexikanischen
Regierung. Mexikos Polizei ist hochgradig korrupt
und mit dem organisierten Verbrechen verwachsen.
Deutschland hat hier konkrete Einflussmöglichkeiten. Die gelte es zu nutzen, so seine Forderung.
→

WEB: Centro Pro Derecho Humano

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23
Brasilien
Brasilien ist heute die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas. Doch das brasilianische
Entwicklungsmodell hat hohe Kosten. Das zeigen gigantische Projekte wie das drittgrößte
Wasserkraft der Welt « Belo Monte ». Für ihren Bau werden Regenwald und Ackerflächen
überflutet und Indigene vertrieben. Auch sportliche Großereignisse wie Fußball-WM 2014
in Brasilien sind äußerst umstritten. Sie verschlingen Milliarden, die an anderer Stelle fehlen. Zehntausende Menschen wurden für den Bau von WM-Sportstätten verdrängt oder
enteignet.

Imelda Marrufo Nava

Anne-Klein-Frauenpreisträgerin 2014:
Imelda Marrufo Nava
II

Der Anne-Klein-Frauenpreis ging 2014 an Imelda
Marrufo Nava aus Mexiko. Die Juristin, Feministin und Frauenaktivistin setzt sich seit Jahren für die
Ächtung und Strafverfolgung des Feminizids (Tötung
von Frauen aufgrund ihres Geschlechts) und von
geschlechterbasierter Gewalt ein. Sie lebt und arbeitet in Ciudad Juarez, einer mexikanischen Stadt an der
US-amerikanischen Grenze, die seit den 90er Jahren
traurige Berühmtheit durch die Häufung von Frauenmorden erlangt hat. Straflosigkeit ist dort die Regel,
nicht die Ausnahme. Die Jury begründete ihre Entscheidung unter anderem mit Imelda Marrufo Navas
Engagement im Netzwerk Mesa de Mujeres, dessen
Mitbegründerin sie 2001 war. Mesa de Mujeres hatte
erheblich dazu beigetragen, dass die Ermordung von
acht Frauen am Stadtrand von Juarez (der Anlass der
Gründung des Netzwerkes) vor dem Interamerikanischen Gerichtshof verhandelt und dass der Tatbestand des Feminizids erstmals in einem Urteil als
Menschenrechtsverbrechen anerkannt wurde. Der
mexikanische Staat wurde in drei Fällen schuldig
gesprochen, die Sicherheit, Integrität und Freiheit der
ermordeten Frauen sowie ihrer Mütter und Familienangehörigen nicht garantiert zu haben.
Der Anne-Klein-Frauenpreis ist mit 10.000 Euro
dotiert. Die Laudatio hielt Claudia Roth, (MdB), Vizepräsidentin des deutschen Bundestages.

Link

Webdossier

Video der Preisverleihung

http://br.boell.org/sites/de fault/files/copa _ para _ quem
2 _ web _ boll _ brasil.pdf

www.boell.de/world-cupfuer-wen

www.youtube.com/watch?
v=RT440vcEI-I

–

II

Demokratie und Menschenrechte

Die teuerste WM aller Zeiten verlief weitgehend reibungslos, doch viele Brasilianer/innen hatten wenig
Lust zu feiern. Nicht nur wegen des 1:7 im Halbfinale
gegen Deutschland. Die Verantwortlichen hatten
viele und dauerhafte Verbesserungen versprochen,
zum Beispiel in der Infrastruktur. Doch die Realität sah anders aus: Die Stadien wurden unter hohem
Druck fertiggestellt – dass sie in kürzester Zeit
kostspielige Baumängel aufweisen werden, ist sehr
wahrscheinlich. Mehr als die Hälfte der für die WM
vorgesehenen Verkehrsprojekte – Straßen, Straßenbahnen, U-Bahnen – kam gar nicht erst zustande.
Den bescheidenen Zusatzeinnahmen im Tourismus
und im Einzelhandel standen die Rekordkosten von
offiziell 8 Milliarden Euro gegenüber. Unser Büro in
Rio de Janeiro hat sich intensiv mit den sozialen Kosten der WM beschäftigt. Tausende Familien mussten zum Beispiel ihre Häuser verlassen, um für neue
Sportstätten Platz zu machen. In einer interaktiven
Übersichtskarte dokumentierten wir die Zwangsräumungen sowie die künstlich angelegten Neubausiedlungen. Viele weitere Karten, Videos, Artikel und
Interviews auf Deutsch, Portugiesisch und Englisch
finden sich in unserem Webdossier « WM für wen und
für was? ». In portugiesischer und englischer Sprache erschienen ist unsere stark nachgefragte Studie
« Copa para quem e para quê? », ein Vergleich zwischen den Weltmeisterschaften in Deutschland 2006,
Südafrika 2010 und Brasilien.
Die vielen Massenproteste in Brasilien anlässlich
der Fußball-WM haben gezeigt, das solche Megaevents weit mehr sind als Sportereignisse. Sie haben
tiefgreifende gesellschaftliche Folgen: politischer,
ökonomischer, sozialer und auch ökologischer Natur.
Die WM hat die Brasilianer/innen in dieser Hinsicht
stark sensibilisiert, die Olympischen Spiele 2016 in
Rio de Janeiro werden zeigen, wie es weitergeht.

Brasilien

Fußball-WM in Brasilien: Für wen und für was?

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24
LSBTI-Rechte sind Menschenrechte

Demokratie und Menschenrechte

–

LSBTI

Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und Geschlechteridentität gibt es weltweit. Seit geraumer Zeit lässt sich jedoch
eine deutliche Verschärfung der Menschenrechtssituation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Inter*-Menschen (LSBTI) in einzelnen Ländern und Regionen beobachten.
Wir sehen die Rechte von LSBTI-Menschen als einen elementaren Bestandteil der weltweiten Umsetzung von Menschenrechten und den Kampf gegen ihre Kriminalisierung als einen
wichtigen Beitrag für mehr Rechtsstaat und Demokratie.

I

Rachana Chhoeurng

Foto: Steffi Eckelmann

Die Stiftung als bedeutendste Förderin weltweiter
LSBTI-Menschenrechtsarbeit!

Die im November 2014 in Berlin von der Dreilinden gGmbH und dem Deutschen Institut für Menschenrechte vorgestellte Studie « Menschenrechte stärken! » weist die Heinrich-Böll-Stiftung als
bedeutendste deutsche Förderin internationaler
LSBTI-Menschenrechtsarbeit aus. Die Studie untersucht regelmäßig das weltweite Engagement deutscher Institutionen und Organisationen bei der Förderung der Menschenrechte von Lesben, Schwulen,
Bisexuellen, Trans* und Inter*-Menschen. Von den
26 Organisationen in Deutschland, die LSBTI-Menschenrechtsarbeit mit insgesamt knapp 1.500.000
Euro förderten, trug allein die Heinrich-Böll-Stiftung über 20 Prozent der Summe bei und war damit
2013 die führende Akteurin in der deutschen Förderlandschaft. Seit vielen Jahren nimmt unser internationales Engagement im LSBTI-Bereich einen bedeutenden Platz in unserer Arbeit ein.
LSBTI in Afrika – ein Überblick

Im Dezember 2013 verabschiedete das ugandische
Parlament ein Antihomosexuellengesetz, das einvernehmlichen homosexuellen Geschlechtsverkehr mit
lebenslänglicher Haft unter Strafe stellt. Personen,
die sich für LSBTI-Rechte engagieren, sollen mit sieben Jahren Gefängnis bestraft werden und die Nichtdenunzierung von LSBTI-Menschen mit drei Jahren.
  Studie

  

 ie Studie « Menschenrechte
D
stärken! » als PDF downloaden: www.dreilinden.org/pdf/
StudieRegenbogenPhilan­
tropie3.pdf

  Link

  

I nformationen zur inter­na-­
tio­nalen LSBTI-Men­s chen­
rechtsarbeit der HeinrichBöll-Stiftung: www.boell.
de/de/themen/LSBTI

Nigeria, Gambia, Liberia, Tansania und Tschad folgten mit ähnlichen Gesetzesvorhaben. Homophobe
Einstellungen in den Bevölkerungen des Kontinents
werden angeheizt durch Hasskampagnen von Politikern sowie religiösen und traditionellen Führern.
Dabei verdammen die Verfechter schwulen- und
lesbenfeindlicher Botschaften Homosexualität als
unafrikanisch und als ein Zeichen importierter Dekadenz aus dem Westen. Sie ignorieren die vorkoloniale
Geschichte ihrer eigenen Kulturen, in denen sexuelle
Toleranz weit verbreitet war.
Aber es gibt auch Fortschritte: Länder wie die
Kapverden und Mauritius haben gleichgeschlechtliche Handlungen entkriminalisiert. In Südafrika
bekleiden offen homosexuelle Politiker/innen
Regierungsämter. Botswana und Mosambik verbieten
Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund der sexuellen Orientierung. LSBTI-Aktivist/innen und Menschenrechtsorganisationen klagen beispielsweise
in Kenia erfolgreich ihre Rechte ein. Und in Uganda erklärte das Verfassungsgericht Mitte 2014 das
Antihomosexuellengesetz schließlich für ungültig –
aufgrund fehlender Stimmen im Parlament. Unser
Online-Dossier über LSBTI in Afrika zeigt auf, wie
afrikanische Aktivist/innen für ihre Rechte kämpfen
und welche Unterstützung ihnen externe Akteure
geben können.
  Publikation

     Menschenrechte zwischen

den Geschlechtern: Vor­
studie zur Lebenssituation
von Inter*Personen:

www.boell.de/de/2013/10/18/
menschenrechte-zwischenden-geschlechtern

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25
« Es gibt zu wenig Debatten »

I

Wie hat die LSBTI-Arbeit in Kambodscha begonnen?
Es fing Ende der 90er Jahre mit HIV-Projekten an.
Die waren beschränkt auf Gesundheitsaspekte von
schwulen Männern und Mann-zu-Frau-Transgendern.
Erst als auch Lesben in die Projekte integriert wurden,
setzte sich die Erkenntnis durch, dass es nicht nur um
Gesundheitsversorgung gehen konnte, sondern dass
hier Menschenrechte betroffen sind. Am Anfang ging
es vor allem darum, Informationen auszutauschen
und unsere Lebenswirklichkeiten zu beschreiben.
Damals wurde die Rainbow Community Kampuchea
(ROCK) gegründet. Es dauerte nochmal zehn Jahre
bis zum ersten Gay Pride Day in Phnom Penh. Seitdem sind der Internationale Tag der Menschenrechte
und der Gay Pride Day wichtige Daten im politischen
Kalender.
Welche Signale kommen aus der Politik?
Premierminister Hun Sen hat sich öffentlich geäußert und angemahnt, dass LSBTI-Menschen nicht diskriminiert werden sollten. Das war nicht immer so.
Es scheint nun, dass die Regierung offen ist für eine
Unterstützung der L SBTI-Community. Wir haben
auch gute Kontakte zum Frauenministerium. Es hat
allerdings schwule Männer aus dem Nationalen Aktionsplan herausgenommen, weil sich der Plan auf
Gewalt gegen Frauen konzentriert. Es gibt auch eine
enge Zusammenarbeit mit UN WOMEN.

Welche Reaktionen gibt es aus der Gesellschaft?
Die Vorstellung, dass sich die Menschen konform zu
den traditionellen Erwartungen an Frauen und Männer zu verhalten haben, führt zu Diskriminierung und
vielfach zu geschlechtsspezifischer Gewalt. Das fängt
schon in frühen Jahren an, wenn Mädchen nicht mit
Spielzeug für Jungs spielen dürfen oder sich nicht wie
Jungs kleiden dürfen. Wer als Mädchen geboren wurde,
soll sich auch als Mädchen kleiden und verhalten. Die
Jugendlichen sind dann natürlich hin- und hergerissen zwischen den Ansprüchen der Familie, denen
sie gerecht werden wollen, und ihrem inneren Fühlen. Es gibt auch großen Druck in der Familie. Manche werden zum traditionellen Heiler geschickt, als ob
man sexuelle Orientierung heilen könnte. Die Jugendlichen werden dadurch nur noch mehr verunsichert
und fühlen sich nicht akzeptiert. Transgender leiden
mehr unter Diskriminierung als Schwule oder Lesben. Das fängt schon bei der Frage an, wo Transgender auf die Toilette gehen. Manche unternehmen sogar
Selbstmordversuche.
Gibt es Diskriminierung aus religiösen Gründen?
Generell ist der Buddhismus offen für sexuelle Minderheiten, es gibt daher zunächst keine Diskriminierung aus religiösen Gründen. Allerdings können offen
schwule Männer keine Mönche werden. Viel schwieriger ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt, denn gerade
Transgender haben es hier schwer und leiden unter
Diskriminierung. Gerade in höheren Positionen oder
im Kundenkontakt werden Heterosexuelle bevorzugt.
Laut Arbeitsrecht ist Diskriminierung natürlich verboten, aber vor Gericht ist das schwer zu beweisen.

Wie stellt sich die Rechtslage in Kambodscha dar?
Im Gesetz von 1998 war Homoehe noch explizit verboten. Mit dem neuen Gesetz von 2002 wurde der
Paragraf gestrichen. Zwar gibt es im kambodschanischen Familienrecht immer noch keine explizite
Homoehe; es steht lediglich geschrieben, dass Männer Was kann dagegen getan werden?
und Frauen heiraten können. Es wird aber nicht fest- Wir arbeiten mit dem Ministerium für Jugend zusamgelegt, wen sie heiraten können. Daher werden durch- men und haben eine Facebook-Kampagne gestartet,
aus gleichgeschlechtliche Partnerschaften in Fami- um die Akzeptanz unter Studierenden zu steigern. Wir
lienbücher eingetragen, und das Paar kann dadurch hoffen, dass sich dadurch langfristig etwas ändert. Es
z. B. Kinder adoptieren. Es gibt keine Regelung auf gibt auf dem ASEAN-Level ein internationales NetzGesetzesebene, daher liegt es vielfach im Ermessen werk von LSBTI-Aktivist/innen, obwohl wir in einider kommunalen Bürgermeister. Manche Paare wer- gen dieser Länder nicht akzeptiert sind. Und unser
den als Geschwister oder sogar Zwillinge eingetragen, Facebook-Netzwerk hat schon über 10.000 Mitglieaber die Kommune weiß, dass sie ein Paar sind. Das der. Wir tauschen auf diesem Weg viele Informationen
hat es immer schon gegeben. In der Khmer-Sprache aus und diskutieren über dieses Netzwerk. Wir müsgibt es seit alten Zeiten neutral gebrauchte Begriffe sen aber auch in unsere eigene Geschichte schauen.
für Homosexuelle. Daher ist es schlicht falsch zu sagen, Die Diskussion über Zwangsverheiratung unter den
westliche Organisationen wie die UN hätten Homose- Khmer Rouge hat gerade erst begonnen. LSBTI-Menxualität nach Kambodscha gebracht oder gar, dass aus- schen haben besonders darunter gelitten. Noch gibt es
ländisches Essen zu Homosexualität führe.
keine ausreichenden Daten und viel zu wenige Debatten darüber.

Demokratie und Menschenrechte  –  LSBTI

Im Gespräch mit der kambodschanischen LSBTIAktivistin Rachana Chhoeurng

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26
Stärkung der Demokratie, auch in Deutschland

Demokratie und Menschenrechte  –  Deutschland

Demokratie muss auch hierzulande beständig weiterentwickelt werden. Viele Bürgerinnen
und Bürger sind derzeit kaum noch politisch aktiv. Vor allem Menschen aus einkommensschwachen und bildungsfernen Schichten haben sich zurückgezogen: Sie gehen in großer
Zahl nicht mehr wählen. Auch Migrantinnen und Migranten sind im öffentlichen Leben
unterrepräsentiert. Mit unseren Projekten setzen wir uns dafür ein, Demokratie lebendig zu
gestalten – in der Gesellschaft, in Parteien und Institutionen.

I

Exkursion « Neue Quartiere » am Rande des 4. Kommunalpolitischen Bundeskongresses

Update für Demokratie

In Deutschland sehen sich viele Bürger/innen durch
die Politik und ihre Institutionen nicht mehr allzu
gut repräsentiert. Was läuft schief in unserer Demokratie? Innerhalb unseres Verbundprojekts « Gut
vertreten? Update für Demokratie » beschäftigen wir
uns auf Veranstaltungen mit der Frage, was verbessert werden sollte. Zum Beispiel bei den politischen
Parteien. Sie stehen derzeit ganz besonders unter
Druck. Aus verschiedenen Gründen gehen die Menschen nicht mehr wählen, sie haben anscheinend
das Vertrauen in die Parteien verloren. Auf unserer Fachtagung « Woher? Wohin? – Die Zukunft der
Parteiendemokratie » im November 2014 analysierte der Politikwissenschaftler Richard Stöss die Ursprünge und Funktionen der Parteien in Deutschland,
beleuchtete ihre nationale Entwicklung und stellte in
acht Thesen Überlegungen zu ihrer Zukunft an. Sie
sind nachzulesen auf unserer Website www.gutver 

 

treten.boell.de. Dort finden sich auch Videos, Analysen und Positionspapiere aus weiteren Veranstaltungen des Projekts.
Im Frühsommer 2015 wird ein Sammelband vorliegen, der aufzeigt, in welchem Maß die Möglichkeiten ausgeschöpft werden, landespolitisch Demokratiereformen voranzubringen – unter anderem durch
Transparenzgesetze, Kommunalsatzungen oder mit
Programmen für Toleranzkultur und Engagement.
Wie dringend notwendig ein « Update für Demokratie » ist, machten auch die diffus modernefeindlichen Bewegungen seit Herbst 2014 deutlich, an
deren Spitze sich die sogenannte Pegida setzte.
Unmittelbar konfrontiert damit waren vor allem die
Kolleg/innen der Heinrich-Böll-Stiftung in Sachsen.
Sie haben dieses vorwiegend sächsische und insbesondere Dresdner Phänomen analysiert, haben
versucht, es einzuordnen, und sich in den heftig
 

aus unseren Veranstaltungen
des Projekts «Update für Demokratie »

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III

Forum Bildung auf dem Kommunalpolitischen Bundeskongress

Fritz Kuhn, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart

ausgetragenen Diskurs mit Veranstaltungen und
Publikationen eingemischt. Wir wollen deutlich
machen, dass mit Pegida, ihren Ablegern und ihren
Unterstützer/innen vor allem in der AfD eine aggressive Konfrontation mit den Grundwerten einer offenen, pluralen und solidarischen Gesellschaft, einer
Gesellschaft des argumentativen Streits zu Tage tritt.
Doch Aufklärung zu Fakten und Realitäten stößt
hier an ihre Grenzen. Als politische Stiftung sind wir
gefragt, selbst für eine menschenrechtsorientierte
demokratische Kultur einzustehen.

 

 
www.boell.de/sites/default/
files/positionspapier _ fuer _
eine _ gruene _kultur _ kommunaler _ buergerbeteiligung _
kommbuko.pdf

–

II

Demokratie und Menschenrechte

I–III

Kommunalpolitischer Bundeskongress in Stuttgart:
Städte und Gemeinden grün gestalten!
Alle zwei Jahre trifft sich die grüne Kommunalpolitik-Gemeinde zum Kommunalpolitischen Bundeskongress. Passend zum Stiftungsprojekt « Gut vertreten? Update für die Demokratie » war 2014 die
kommunale Bürgerbeteiligung eines seiner Mottos. Unter dem Titel « Für eine grüne Politik kommunaler Bürgerbeteiligung » hatte eine Expert/innengruppe zuvor eine Erklärung erarbeitet. In einer
prominent besetzten Talkrunde – unter anderem
mit der baden-württembergischen Staatsrätin für
Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung Gisela Erler
und dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer 
– wurde sie lebhaft mit dem Publikum diskutiert. Es
ging unter anderem um das Verhältnis von direkter zu repräsentativer Demokratie. Gemäß der Studie « Partizipation im Wandel » akzeptieren nur noch
43 Prozent der Bürger/innen, wenn Gemeinderäte
Entscheidungen gegen das Votum der Bürger/innen
in einzelnen Sachfragen treffen. Die Einschätzung,
Gemeinderäte hätten in einer solchen Atmosphäre
Angst, sich zu positionieren, wurde von Podium und
Publikum geteilt. « Gehört werden heißt nicht automatisch: erhört werden », kommentierte Boris Palmer. Gisela Erler erteilte den praktischen Rat: « Probiert die kleinen Formate! »
Im Plenum zum Postulat der « Gleichwertigkeit
der Lebensverhältnisse » in Stadt und Land konstatierte Rainer Klingholz vom Berlin-Institut für
Bevölkerung und Entwicklung: « Wir müssen akzeptieren, dass die Gleichwertigkeit vermutlich ein
Hirngespinst ist . » Konsens herrschte darüber, dass
man gegen « Entleerung nicht anfördern » könne, so
Hilmar von Lojewski, Dezernent für Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen und Verkehr des Deutschen
Städtetages. Chancen für den ländlichen Raum sah
Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, in
der dezentralen Energieproduktion, in der Veredelung landwirtschaftlicher Produkte bis hin zu Biotechnologie und Tourismus.
Mit weiteren Foren, unter anderem zu bezahlbarem Wohnraum, Kommunalfinanzen, Bildungslandschaften oder Verkehr, mit Exkursionen und nicht
zuletzt einer Party bot der Kongress reichlich Gelegenheit, sich gegenseitig auszutauschen. Organisiert
wurde er von der Bundesstiftung in Kooperation mit
der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg.

Deutschland

27

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28
Was ist die grüne Erzählung?
Wenn die Welt sich rasant verändert, wächst das Bedürfnis nach Orientierung. Genau das
ist der Sinn politischer Erzählungen. Sie geben Orientierung über die Tagespolitik hinaus
und bringen ein emotionales Element in den politischen Diskurs, ohne das es kein politisches WIR gibt. In Nachbetrachtung der Ergebnisse der Bundestagswahl 2013 haben wir auf
unserem ersten Kongress in der Reihe « Was ist die grüne Erzählung? » Anfang April
2014 nach den originären und originellen Geschichten der Grünen gefragt. Hier ein paar
Antworten von Teilnehmerinnen und Teilnehmern unseres Kongresses:

« Bei der grünen Erzählung geht es sehr stark um

die Ermöglichung von Selbstbestimmung. Das heißt,
es geht gar nicht um eine festgefügte Art, die Welt
zu sehen, sondern es geht letztendlich darum, dass
Menschen die Möglichkeit haben, Dinge selbstbestimmt zu tun – jedoch immer in Rücksichtnahme
auf andere. Es ist diese ganz eigene Verbindung von
Selbstbestimmung und Solidarität, die Grüne von anderen unterscheidet.

»

Andreas Brandhorst, Referatsleiter im
Bundesministerium für Gesundheit

G r ü n e Er z ä h l u n g

I

«Für mich ist die grüne Geschichte eine Erzählung

der grünen Kernthemen, an der wir uns orientieren
können. Bei Themen wie Atomkraft oder Energie ist
diese Erzählung eindeutig, aber bei Themen wie Freiheit, Soziales oder Migration, da haben wir nicht so
eine Geschichte. Diese Erzählungen zu klären wäre
wichtig, damit man nicht andauernd überlegen muss,
wo man eigentlich hin will.

»

II

Anna Lena Düren, NeuropsychologieStudentin und Stipendiatin der Stiftung

«Es gibt sicher viele grüne Erzählungen. Eine, die zu

stärken sich lohnen würde, ist die der Bürgerrechtstradition. Elementare Freiheitsrechte müssen heute
nicht nur vor dem Zugriff durch den Staat, sondern
auch durch unregulierte Märkte geschützt werden.

»

III

Lisa Herzog, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung
der Goethe-Universität Frankfurt

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29

«Die grüne Erzählung hat für mich viel mit der Überlegung zu tun: Wie viel Staat möchte man haben, und
wo möchte man den Staat haben? Das ist für mich
auch die Frage, wie der Staat die Lebensgestaltung
des Einzelnen unterstützt. Dabei spielt der Begriff
der Inklusion eine Rolle. Das heißt, dass man den
Staat nicht als eine abgeschlossene Institution
betrachtet, sondern dass man auf die Bürgerinnen
und Bürger zugeht und versucht, sie zum Staat zu
bringen. Das ist für mich etwas Urgrünes.

»

IV

Philipp Jung, Physikstudent

« Die grüne Erzählung ist für mich eine Erzählung,

die unterschiedliche Bausteine des Sozialen, der Ökologie und des Verhältnisses zum Staat in ein Narrativ verwebt, das dazu dienen könnte, Leute davon zu
überzeugen, dass es sich bei den Grünen eben nicht
um eine Single-Issue-linksbürgerliche Milieupartei
handelt. Sondern um eine Partei, die zukunftsfähige
Antworten auf alle großen Herausforderungen einer
modernen Gesellschaft bietet.

»

V

Andreas Baumer, Geschäftsführer der
Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg

VI

Bastian Hermisson, Leiter des Büros der
Heinrich-Böll-Stiftung in Washington

Grüne Erzählung

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Eur o p a p olit ik

30

I

Friedenspianist in Donezk, Ukraine, 2014

Foto: Jörg Brüggemann/OSTKREUZ

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31

Für ein starkes und geeintes Europa

Noch ist die Eurokrise nicht ausgestanden und die wirtschaftliche Schwäche in weiten Teilen Europas nicht
überwunden. Aber fest steht: Die Finanzkrise hat die
Europäische Union tiefgreifend verändert. Der Aufschwung des Front National in Frankreich und anderer
populistischer Parteien von rechts und links in Europa
signalisiert die starke Wiederkehr natio­naler Egoismen.
Jetzt geht die Grundsatzdebatte über die Zukunft
der EU erst richtig los: Wie viel Europa wollen wir,
wozu brauchen wir Europa, welche Rolle soll E
­ uropa
in der Welt im 21. Jahrhundert spielen? Die Krise in
der Ukraine führt uns gerade vor Augen, wie wichtig ein einiges und handlungsfähiges Europa ist. Ob
daraus eine Stärkung der Institutionen der EU hervorgeht, ist und bleibt aber eine offene Frage. Wir wollen
die Debatte über nötige Reformen befördern. Wir denken europäisch, bringen Stimmen aus Europa und
damit Europas Vielfalt zu Gehör und stellen unsere
Arbeitsergebnisse europaweit zur Diskussion.

Europapolitik

Zoom

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32
Populismus in Europa

Europapolitik  –  Populismus in Europa

Bei den Europawahlen im Mai 2014 haben integrationsfeindliche und nationalistische Kräfte europaweit deutlich gewonnen, wenngleich mit großen Unterschieden zwischen einzelnen Ländern. Während in den Ländern Südeuropas, die von der Eurokrise am stärksten betroffen waren, vor allem linke Parteien gewonnen haben, konnten rechtspopulistische und
rechtsextreme Parteien in den meisten nördlichen Ländern deutlich zulegen.

I

Kampagne « Select Respect » gegen Rassismus und Diskriminierung in Griechenland

Ungarn: Strategien gegen Rechtsextremismus

In Ungarn wurde im April 2014 ein neues Parla- sel » erhielt nur knapp 26 Prozent der Zweitstimmen.
ment gewählt. Ministerpräsident Viktor Orbán ging Die grüne LMP übersprang die Fünf-Prozent-Hürde.
mit der Partei Fidesz als Sieger dieser Wahl herErschreckend sind die Erfolge der rechtsextrevor. Seine rechtspopulistische Regierung hat ihre men Partei Jobbik, die bei der Parlamentswahl 20
2010 gewonnene Zweidrittelmehrheit für eine auto- Prozent erzielte. Auch bei den Kommunalwahlen
ritäre Wende genutzt. Auch aufgrund einer von der im Herbst legte Jobbik zu: In 18 von 19 regionalen
Orbán-Regierung im Alleingang verabschiedeten Än- Verwaltungsbezirken wurde sie zweitstärkste Parderung des Wahlgesetzes gewann die Regierungsalli- tei, auch in den Großstädten gewann Jobbik im Veranz aus Fidesz und KDNP (Christlich-Demokratische gleich zu 2010 dazu.
Volkspartei) bei einer Wahlbeteiligung von 62 ProSeit 2014 unterstützen wir ein Projekt des ungazent über 90 der insgesamt 106 Direktmandate. Im rischen Political Capital Institute und des Social
neu gewählten Parlament verfügte die Regierung mit Development Institute. Die beiden Institute entknapp 45 Prozent der abgegebenen Stimmen aber- wickeln Strategien gegen Rechtsextremismus und
mals über eine Zweidrittelmehrheit, die sie bei der untersuchen darüber hinaus auch die VerbindunNachwahl für einen Parlamentssitz im Februar 2015 gen europäischer rechtsextremer Parteien zu russiverlor. Das Oppositionsbündnis « Regierungswech- schen Machteliten. Erste Ergebnisse dieser RecherWeb

Weitere Projekte gegen
Fremdenfeindlichkeit und
für eine pluralistische
Gesellschaft unter:

www.boell.de/de/rechtsradi
kalismus-rechtspopulismusrassismus

Policy Paper

Kampagne

Gemeinwesenarbeit und
Demokratie:
www.boell.de/de/2014/11/03/
policy-paper-gemeinwesenarbeit-und-demokratie

http://selectrespect.org/

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33

schen Zivilgesellschaft mit Intoleranz und Ausgrenzung unmittelbar stattfindet. Geplant sind weitere
Austauschreisen mit Kolleg/innen aus Tschechien,
der Slowakei, Griechenland und Polen.

II

Mit Bierdeckeln und Plakaten gegen jede Form
von Diskriminierung. Foto: Select Respect

chen wurden bei der Forum 2000-Jahreskonferenz
in Prag und auch in Berlin bei einem Fachgespräch
vorgestellt. Laut einer Studie des Political Capital
Institute ergreifen 15 von 24 einflussreichen europäischen Rechtsparteien offen Partei für Putin, sechs
weitere sind offen für solche Bündnisse. Eine ganze
Reihe von Schnittmengen sind offenkundig: die
antiwestliche Einstellung und der offenkundige Antiamerikanismus, das autoritäre Politikverständnis,
die Verachtung der « liberalen Dekadenz », das konservative Familienbild, die Homophobie etc. Sie alle
treffen sich in der Gegnerschaft zur Europäischen
Union. Fazit der Fachgespräche: Die Ultrarechten
sind für den Kreml eine Art Trojanisches Pferd, um
die EU von innen heraus auszuhöhlen. Darüber hin- WEB: Policy Paper «Gemeinwesenarbeit & Demokratie»
aus dienen sie als Multiplikator/innen für russische Griechische Kampagne gegen Rassismus
Propaganda im Westen, von den Parlamenten bis ins und Diskriminierung
Internet. Umgekehrt verschafft ihnen der Kreml die Unser Büro in Thessaloniki hat kurz vor den EuroAnerkennung, die ihnen so wichtig ist.
pawahlen gemeinsam mit griechischen Menschenrechtsorganisationen die Kampagne « Select ResNetzwerk gegen menschenverachtende Ideologien
pect » gestartet. Die Kampagne will Zeichen setzen
Gemeinsam mit der Amadeu Antonio Stiftung bau- gegen Nationalismus, Rassismus und Diskriminieen wir derzeit ein Netzwerk gegen menschenverach- rung jedweder Art. Auf Bierdeckeln erinnern Symtende Ideologien und für eine demokratische Alltags- bole grundlegender Bedürfnisse und Werte wie
kultur auf. Wir wollen Menschen aus Mittel-, Ost- und Liebe, Gesundheit oder Gerechtigkeit daran, dass
Südeuropa, die gegen Fremdenhass und Diskriminie- deren Verwirklichung unabhängig von der Hautfarbe
rung kämpfen, mit ihren Kolleg/innen aus Deutsch- ist bzw. sein sollte. Die Bierdeckel wurden auch an
land zusammenbringen und einen Austausch ermög- Restaurants und Kneipen verteilt. Teil der Kampalichen. Im Jahr 2014 kamen dazu Vertreter/innen gne war auch ein 68-seitiger Bericht über die aktuder ungarischen Zivilgesellschaft nach Deutschland elle Situation von Rassismus und Diskriminierung in
und lernten Nichtregierungsorganisationen in Berlin Griechenland. Er liefert Analysen und Fakten über
und Dresden kennen. Ein Besuch des Berliner Stadt- die komplexen gesellschaftspolitischen Ursachen der
teils Marzahn-Hellersdorf, wo Rechtsextreme im- Reproduktion von rassistischen und diskriminierenmer wieder gegen Flüchtlinge und die Errichtung von den Einstellungen und Verhaltensweisen in weiten
Unterkünften aufmarschieren, aber auch der Pegi- Teilen der griechischen Gesellschaft.
→ WEB: « Select Res-pect »
da-Hochburg Dresden führte die Gruppe aus Ungarn
→ WEB: « Amadeu Antonio Stiftung »
an Orte, wo die Auseinandersetzung der demokrati  Download

  

Racism and Discrimination
in Greece today:
http://gr.boell.org/en/2014/
10/14/racism-and-discrimi­
nation-greece-today

I–II

Europapolitik  –  Populismus in Europa

Fachkommission Rechtsextremismus

Anfang 2014 haben wir gemeinsam mit unseren Landesstiftungen die Fachkommission « Ideologien der
Ungleichwertigkeit und Neonazismus in Deutschland » ins Leben gerufen. Schnell zeigte sich, dass
sich die Arbeit der Kommission nicht auf die Ränder
der Gesellschaft beschränken darf, alle gesellschaftlichen Gruppen müssen in den Blick genommen
werden. Im November 2014 legte die Kommission
ihr erstes Policy Paper « Gemeinwesenarbeit und
Demokratie » vor, das sich mit der Bekämpfung von
Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus in
Gemeinden und Städten beschäftigt. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass gerade die kommunale Arbeit einer externen Beratung
und Begleitung bedarf, die u. a. durch Mobile Beratungsteams und Opferberatungsstellen geleistet
wird. Darüber hinaus sind hier aber in speziellen Problemlagen auch längerfristige Interventionen notwendig, die über die von Mobilen Beratungsteams
leistbaren zeitlichen und personellen Möglichkeiten
hinausgehen – dafür braucht es in den Kommunen angestellte professionelle Fachkräfte. Erst durch eine
längerfristige Vor-Ort-Arbeit unter Beteiligung der
Bürger/innen kann eine fundierte Beratung erfolgen.

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34

I

«Chefinnen und Managerinnen in Unternehmen » – eine von
vielen Grafiken des Europa-Atlasses Foto: CC-BY-SA
II

Europapolitik  –  Populismus in Europa

« Europa-Atlas –
Daten und Fakten über den Kontinent »
Europa ist mehr als Schuldenkrise, Bürokratie
und nationale Kleingeisterei. Dies zeigt der «EuropaAtlas», den wir gemeinsam mit der Deutschen
Gesellschaft für Auswärtige Politik, dem European Council of Foreign Relations und Le Monde diplomatique im Vorfeld der Europawahlen herausgegeben haben. Europa ist nach wie vor Sehnsuchtsort vieler Menschen. Es verkörpert Wohlstand und
Frieden. Europa heißt aber auch Vielfalt, es ist komplex und voller Unterschiede. In 20 Kapiteln liefert der Atlas Wissenswertes über Europa und räumt
nebenbei mit mancherlei Klischees auf:
•	 P
	 ro	 Kopf	 sind	 es	 die	 Länder	 Schweden,	 Dänemark und Luxemburg, die am meisten netto in den
EU-Haushalt zahlen, nicht Deutschland.
•	 	Die	Dänen	sind	von	allen	Europäer/innen	am	ehesten davon überzeugt, dass ihre Stimme in der EU
zählt, die Griechen und Zyprioten dagegen am
wenigsten.
•	 	In 	den	Vorzeigeländern	Schweden,	Finnland	und	
Dänemark sind zwar rund drei Viertel der Frauen
erwerbstätig, aber es gibt fast keine weiblichen
Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende.
•	 D
	 ie	 stärkste	 Bevölkerungszunahme	 wird	 künftig im Norden und Westen Europas zu verzeichnen
sein, während in Ost- und Mitteleuropa die Bevölkerung schrumpfen wird.
•	 D
	 er	deutsche	Atomausstieg	ist	mitnichten	ein	Sonderweg, nur in 14 der 28 EU-Mitgliedsstaaten wird
überhaupt Atomstrom produziert.
•	 	Die	EU	ist	aktuell	in	15	zivilen	und	militärischen	
Auslandseinsätzen aktiv.
•	 D
	 ie	meisten	Facebook-Nutzer/innen	gibt	es	in	der	
Türkei.
Mit einer Gesamtauflage von mehr als 100.000 Exemplaren war der Atlas sehr gefragt. Auch in Schulklassen kam er vielfach zum Einsatz.
 

Ulrike Liebert, Politikwissenschaftlerin,
auf der Konferenz « Gleichstellungsprojekt Europa? »

Gleichstellungsprojekt Europa?

I
II–IV

Die Europäische Union gründet
auf einer Reihe von Werten,
darunter auch jenen der Gleichheit zwischen den Geschlechtern. Sie wird eigens in der
Grundrechte-Charta der EU
betont (Artikel 23). Aber auf
III Ska Keller
welche Weise setzt die EU den
Wert der Gleichstellung der
Geschlechter durch? Und welche Herausforderungen stehen
für die nächsten Jahre an? Die
Konferenz
« Gleichstellungsprojekt Europa? » des GundaWerner-Instituts in der HeinIV Niels Spierings
rich-Böll-Stiftung zog im März
2014 Bilanz und diskutierte Ansätze für eine europäische Geschlechterpolitik, vor allem mit Blick auf
Rechtspopulismus, Menschenhandel sowie die Friedens- und Flüchtlingspolitik.
Viele der rund 200 Besucher/innen waren überrascht zu hören, wie negativ die internationalen Referent/innen die Auswirkungen der deutsch geprägten EU-Politik auf die Lebensbedingungen z. B. von
Frauen und Minderheitengruppen erleben und einschätzten. Ein Panel zu Rechtspopulismus in Europa
verdeutlichte, wie Homophobie, Sexismus, Rassismus und Xenophobie in vielen europäischen Ländern
einhergehen mit Rechtspopulismus und Nationalismus. Neokonservative Geschlechterrollenbilder werden wieder populärer und stellen emanzipatorische
Geschlechterpolitiken in Frage. Ein weiteres Panel
vermittelte, wie viel mehr an politischem Handlungsbedarf hinter den Begriffen Menschenhandel und
Zwangsprostitution steckt, als in der alltäglichen
Debatte vermittelt wird. Betont wurde, dass zwischen Zwangsprostitution (Menschenhandel zum
Zwecke der körperlichen und sexuellen Ausbeutung)
und Sexarbeit klar zu unterscheiden sei und dass die
Debatten darüber oft unzulässig vermischt würden.
Webdossier

« Gleichstellungsprojekt
Europa » mit zahlreichen
Beiträgen und Interviews
aus EU-Ländern:

www.gwi-boell.de/de/
dossier-gleichstellungsprojekt-europa

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35
Europas gemeinsame Zukunft

V

« Reclaiming our Future » – unter diesem Motto stand die Jugendkonferenz in Thessaloniki

Mehr Austausch unter der europäischen Jugend

Die wirtschaftliche und politische Krise trifft vor
allem die jungen Menschen in den Ländern Süd- und
Südosteuropas. Durch die anhaltend hohe Jugendarbeitslosigkeit schwinden bei Millionen junger Europäer/innen die Zuversicht und der Glaube an Europa.
Und damit schwindet auch die Energie, die ein alternder Kontinent braucht. « Reclaiming our Future » –
wir wollen unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen,
war das Motto einer viertägigen Jugendkonferenz im
Mai 2014 in Thessaloniki. Organisiert wurde sie von
unserem Büro in Griechenland zusammen mit acht
weiteren Stiftungsbüros sowie griechischen und europäischen Partnern. Ziel war es, Strategien für mehr
Mitsprache- und Beteiligungsrechte für Jugendliche zu erarbeiten. Ihre Stimmen sollen gehört und
ihr Tatendrang nicht länger gebremst werden. Die
Konferenz ermöglichte einen regen Austausch unter
den jungen Europäer/innen. In Workshops, öffentlichen Foren und Begleitprojekten diskutierten sie
den Wert der europäischen Zusammenarbeit für
die Interessen der Jugend, erarbeiteten Strategien
 

 

für eine erfolgreichere Vertretung dieser Interessen
und verabredeten gemeinsame europäische Projekte
wie das Sustainable Energy Youth Network oder das
Network Social Economy.
Im Herbst unterstützten wir das europäische
Netzwerk European Alternatives bei der Durchführung eines Workshop-Camps mit jungen europäischen Aktivist/innen. Das Camp fand unter dem
Motto #FixEurope im Schloss Wartin bei Berlin
statt. Es ging vor allem um die Frage, wie sich die
Bürger/innen in europäische Politik einmischen und
sie mitbestimmen können. In Seminaren zu Kampagnenführung, zu Leadership oder der Nutzung sozialer Netzwerke konnten die Aktivist/innen ihr Wissen
erweitern. Im Anschluss an das Workshop-Camp
fand eine Konferenz in Berlin statt. Unter den Gästen war auch die New Yorker Soziologin Saskia Sassen von der Columbia University. Sie machte deutlich,
welche Chancen mit transnationalem Engagement
verbunden sind. Bürgerschaft definierte sie über
deren gesellschaftlichen Beitrag.

V

Europapolitik  –  Europas gemeinsame Zukunft

Die Europäische Union steht vor der Entscheidung: Geht sie den Weg in Richtung mehr
Gemeinsamkeit, oder verabschiedet sie sich vom Projekt einer europäischen Integration?
Schon jetzt nehmen nationale Ressentiments zu, und bereits überwunden geglaubte Gräben
reißen wieder auf. Die EU muss ihre Institutionen stärken. Und sie muss ihren Bürger/innen eine stärkere Beteiligung ermöglichen. Hier ist es besonders wichtig, dass sich auch die
nachfolgenden Generationen für die Idee eines gemeinsamen Europas engagieren. Nur so
wird die europäische Integration eine Zukunftsperspektive haben.

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36

Europapolitik

–

Europas gemeinsame Zukunft

Serbien zwischen den Stühlen – zwei Publikationen
unseres Büros in Belgrad

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangte das sozialistische Jugoslawien Ansehen und Einfluss durch eine
geschickt inszenierte Politik der Blockfreiheit zwischen dem kommunistischen Osten und dem demokratisch-kapitalistischen Westen. Der Zusammenbruch des Kommunismus und die Überwindung der
Blöcke ließen auch Jugoslawien zerfallen. Als auch
das Nachfolgeprojekt eines Großserbien blutig scheiterte, war für alle Völker des Balkans der Weg frei für
die Annäherung an den Westen. Ein beschwerlicher
Weg, der über räuberische Privatisierungen, Elitenwillkür und Verarmung führt. Am schwersten tun
sich damit heute Serbien und die serbische Entität in
Bosnien-Herzegowina. Hier kommt das Gefühl hinzu,
dass die durch die Nato herbeigeführte Niederlage von Diktator Miloševic keine Befreiung war und
dass der eigentliche Freund der Serben Russland sei.
Russland habe zwar nicht geholfen, aber wenigstens
auch nicht angegriffen. Serbien strebt heute zwar
in die EU und führt Beitrittsverhandlungen. Doch
seine eigentliche Chance sieht es seit dem Krieg in
der Ukraine in einer Position zwischen der EU und
Russland. Serbien hat sich den von der EU verhängten Sanktionen gegen Russland nicht angeschlossen
und will vorerst vom Unterlaufen der Sanktionen
profitieren. Im Jahr 2014 hat es seine Agrarexporte
nach Russland fast verdoppelt. Wie sich Russlands
Einfluss in Wirtschaft, Sicherheitsapparaten und politischer Kultur Serbiens manifestiert, mit welchen
Propagandamitteln er unterfüttert und mit welchen
energiewirtschaftlichen Druckmitteln Moskau Gefolgschaft erzwingt, zeigen zwei Publikationen unseres Büros in Belgrad: « The Western Balkans and the
Ukraine crisis – a changed game for EU and US policies? » und « Serbien zwischen allen Stühlen – Will
Serbien der russischen Einflusszone angehören oder
der Europäischen Union beitreten? ».
WEB-PDF: : « The Western Balkans ...Ukraine crisis... »

# taz.lab: I love EU – Solidarität ist machbar

Im April 2014 haben wir uns mit drei Podiumsdiskussionen am « taz.lab 2014 » im Berliner Haus der
Kulturen der Welt beteiligt. Solidarität ist machbar
war das Motto. Das Programm bestach durch seine
Vielfalt: Neben einigen Podien zu hochaktuellen politischen Fragen – zum (Rechts-)Populismus, zur
Ukraine, zur « Orbanisierung » Europas oder zur
NSA-Snowden-Krise – gab es eine Fülle von Angeboten zur Annäherung an das, was wir Europa nennen:
Nachbarschaft, Heimat, Demokratie, Partizipation,
Sicherheit. Wir waren auf dem « taz.lab » mit folgenden Themen vertreten: « Zwischen Verheißung und
Enttäuschung – Wie weiter mit Europa? », « Gefährdet die EU die Energiewende oder braucht die Ener-

giewende die EU? » und « Europas Jugend – Solidarität in Zeiten der Krise ».
10 Jahre in der EU: Ansichten aus der Slowakei und
Tschechien

10 Jahre nach der EU-Osterweiterung und 25 Jahre
nach der Samtenen Revolution fehlt in der Slowakei
und in Tschechien ein lebendiger öffentlicher Diskurs
zur Zukunft des europäischen Projekts. Die Beteiligung an den Europawahlen im Mai lag in beiden Ländern unter 20 Prozent, in der Slowakei sogar bei nur
13 Prozent. Wo liegen die Ursachen für diese Entwicklungen? Wie veränderten sich in den letzten
10 Jahren die demokratischen Institutionen und die
politische Kultur? Welche Hoffnungen verbinden die
Bürger/innen mit der EU-Mitgliedschaft? Diese und
weitere Fragen stellten wir 18 renommierten Autor/
innen aus der Region. Ihre Beiträge sind ein Appell
an politische Entscheidungsträger/innen, sich aktiver in die Debatte zur Zukunft der EU einzubringen
und einen Beitrag zur Vertiefung der europäischen
Integration zu leisten. Die slowakisch-tschechische
Publikation « Desat rokov v Únii: Slovenská a ceská
cesta » (Zehn Jahre in der EU: Der slowakische und
tschechische Weg), die in Zusammenarbeit mit dem
Institute for Public Affairs (IVO, Bratislava) herausgegeben wurde, kann auf der Website unseres Prager
Büros heruntergeladen werden.
→ WEB: « Desat rokov v Únii: ... cesta »

Europäisches Geschichtsforum 2014

100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges und
75 Jahre nach Beginn des Zweiten fanden vielerorts
Gedenkveranstaltungen statt. Auch unser Europäisches Geschichtsforum im November beschäftigte
sich mit den Kriegen des 20. Jahrhunderts und untersuchte die Indienstnahme von Geschichtsschreibung
zum Zwecke von Krieg und Propaganda. Die Teilnehmenden kamen aus Deutschland, Ost- und Südosteuropa, Polen und dem Südkaukasus. Ob es sich
um neue Putin’sche Verratstheorien vom Vorabend
des Ersten Weltkrieges oder um die Renaissance
der Heldenverehrung von Gavrilo Princip handelte –
der derzeitige Informationskrieg um die Ostukraine
drängte sich als Parallele auf. Die junge Kiewer Aktivistin Margaryta Gontar erntete entsprechenden
Beifall, als sie ihre Informationsplattform zur Entlarvung von russischen Falschmeldungen, « Stop
Fake », vorstellte.
Die von uns in Kooperation mit unserem russischen
Partner Memorial gemeinsam begonnene Initiative
« Europäisches Geschichtsforum » hat das Ziel, vor
allem jüngeren Historiker/innen und Mitarbeiter/innen von Museen, Medien und Nichtregierungsorganisationen aus Ost-, Südost- und Westeuropa die Gelegenheit zum Austausch zu geben.
→ WEB: « Europäi-sches
Europäisches Geschichtsforum
Geschichtsforum»»

→ WEB:
WEB: «« Stop
Stop Fake
Fake »»
→

Blog

«Reshaping Europe » –
unser EU-Blog:
http://reshaping-europe.
boellblog.org/

 
Büro Prag

  www.cz.boell.org

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37
Europas Flüchtlingspolitik

I

Szene aus dem Film «Harragas »
(Algerien 2009, 98 min.)

Filmtage über Flucht und Migration

Am 3. Oktober 2013 ertranken vor der italienischen
Küste bei Lampedusa über 360 Flüchtlinge. Knapp
ein Jahr danach kündigte die italienische Regierung
an, die infolge der Tragödie eigens eingerichtete Seenot-Rettungsaktion « Mare Nostrum » aus Kostengründen zu beenden. Eine nennenswerte Reform der
EU-Flüchtlingspolitik, die Schutzverantwortung und
Menschenrechte in den Mittelpunkt stellt, ist dagegen nicht auszumachen, und weiter sterben Tausende auf dem gefährlichen Weg nach Europa. Auf
unseren Filmtagen über Flucht und Migration im
Oktober 2014 in Kooperation mit dem Kino Arsenal
zeigten wir Bilder von der anderen Seite des Meeres:
Geschichten über Menschen, Ziele und Hoffnungen,
über die Fliehkräfte bewaffneter Konflikte und die
Orte des Transits. Das öffentliche Interesse am Thema ist groß, das zeigten die vielen Besucher/innen
und die regen Diskussionen mit Regisseur/innen und
Protagonist/innen im Anschluss an die Vorführungen. Zum Abschluss der Filmtage diskutierten die
Filmemacher Stefano Liberti und Zakaria Mohamed
Ali, Dr. Jörg Bentmann vom Bundesministerium des
Innern, die grüne Europaabgeordnete Ska Keller
und Günter Burkhardt von Pro Asyl vor 300 Gästen
Handlungsoptionen und -barrieren einer humaneren
Flüchtlingspolitik in Europa.
 

II Böll.Thema 3/2014:
Niemand flieht ohne Grund

Böll.Thema 3/2014:
Niemand flieht ohne Grund
Es kann nicht oft genug betont werden: Es existiert
ein unveräußerliches Menschenrecht auf Asyl, das in
der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von
1948 verankert ist und somit einen international geltenden Rechtsrahmen schafft. Fluchtursachen gibt
es viele, niemand flieht ohne Grund. So auch der Titel
der Ausgabe 3/2014 unseres Magazins « Böll.Thema ».
Die Autor/innen analysieren, warum Menschen ihre
Heimat verlassen: von Krieg und Vertreibung bis
hin zu Klimawandel und verfehlter EU-Agrar- und
Fischereipolitik. Das Heft liefert auch Hintergrundinformationen zu Fluchtwegen und den Geschäften mit
der Flucht. Außerdem befasst es sich mit den unzulänglichen Antworten europäischer Politik auf die
Flüchtlingsproblematik. Immer wieder sterben Menschen, weil sie gefährliche Routen nach Europa über
das Mittelmeer nutzen. Europa aber schottet sich ab,
militarisiert seine Grenzen und zieht seine Zäune
immer höher. Dafür werden Abermillionen ausgegeben, zugleich werden aber die Seerettungsaktionen
zur Eindämmung des Massensterbens im Mittelmeer
beendet.
 

Europapolitik  –  Europas Flüchtlingspolitik

50 Millionen Menschen, so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr, sind weltweit
auf der Flucht. Die meisten suchen Schutz vor Krieg und Gewalt – zunächst in ihren eigenen
oder in den Nachbarländern. Nach Europa kommen vergleichsweise wenig. Es sind vor allem
der Libanon, Jordanien, die Türkei, die die meisten syrischen Flüchtlinge aufnehmen, oder
Pakistan, das seit Jahren Flüchtlingen aus Afghanistan Zuflucht bietet. Die EU-Mitgliedsstaaten haben sich zwar mit der Genfer Flüchtlingskonvention zum Schutz von Flüchtlingen verpflichtet, dennoch tut die Gemeinschaft eine Menge, um sie von der Union fernzuhalten. Mehr als 3.000 Flüchtlinge sind im Jahr 2014 bei dem Versuch gestorben, über das
Mittelmeer nach Europa zu gelangen.

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Gr oße Tr a ns f or m atio n

38

I

Lausitz, Kohlekraftwerk Nochten, 2013

Foto: Annette Hauschild/OSTKREUZ

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39

Aufbruch in die ökologische Moderne

Klimawandel, der Verlust fruchtbarer Böden und die
zunehmende Wasserkrise in vielen Weltgegenden sind
Alarmzeichen für einen drohenden Kollaps unserer
natürlichen Lebensgrundlagen. Wir befinden uns schon
jetzt in einem Wettlauf mit der Zeit. Wir wollen den
Übergang in eine kohlenstoffarme, ressourceneffiziente
und gerechte Weltgesellschaft beschleunigen – weg
vom Raubbau an der Natur hin zur Kooperation mit der
Natur. Dafür erarbeiten wir Reformalternativen: ob für
eine globale Energiewende, für eine andere Ressourcenpolitik oder für eine nachhaltige Landwirtschaft.
Wir unterstützen die soziale und ökologische Transformation überall, zu Hause in Deutschland und Europa,
von Nigeria bis nach Afghanistan. Wir streiten für eine
drastische Senkung des Ressourcenverbrauchs, für
verbindliche Transparenz und Rechenschaftspflichten
für europäische Konzerne. Ökologie, Demokratie und
Gerechtigkeit gehören für uns untrennbar zusammen.

Große Transformation

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40
Für ein Klima der Gerechtigkeit

Große Transformation  –  Klimapolitik

Weltweit ist spürbar, wie unser Klima sich verändert. Und die Wissenschaft schlägt Alarm
wie nie zuvor. Höchste Zeit zum Handeln, wenn wir den Klimawandel noch in erträglichen
Grenzen halten wollen. Es gibt eine wachsende Zahl von Bürgerinnen und Bürgern, sozialen Bewegungen und Organisationen, die von New York bis Lima auf die Straße gehen, um
Klimaschutz und vor allem Klimagerechtigkeit zu fordern. Auch wir haben Klimapolitik zu
einem Schwerpunkt unserer Arbeit gemacht. Wir setzen uns ein für ein globales Klimaabkommen unter dem Dach der Vereinten Nationen. Gleichzeitig bearbeiten wir die Themen
Klimaschutz, Anpassung, Finanzierung und faire Lastenteilung. Wir setzen uns dafür ein,
diejenigen rechtlich und finanziell zur Verantwortung zu ziehen, die mit ihrem Handeln
und ihrem Geschäftsmodell die Hauptverantwortung für den Klimawandel tragen: die fossile Industrie.

I

In Dublin protestierten junge Leute anlässlich der COP in Lima gegen das Schweigen der
Presse zum Thema Klimagerechtigkeit. Foto: CC BY-NC-Lizens, Andrej Blagojevic

Klimaverhandlungen in Zeitlupe
I

Am 14. Dezember 2014 ging der Klimagipfel in
Lima (COP 20) in den frühen Morgenstunden zu
Ende. Nach zwei langen Verhandlungswochen erklärten die Delegierten schließlich ihren Willen, den
2011 in Durban gestarteten Verhandlungsprozess
für ein neues Abkommen ab 2020 fortzusetzen. Das
Schlussdokument erhielt den hochtrabenden und
irreführenden Titel « Lima Call for Climate Action »
und ist keineswegs als Erfolg, sondern vielmehr als
ein sehr enttäuschendes Ergebnis zu bezeichnen.
Eine Allianz von politischen und wirtschaftlichen Eliten aus Industrie- und Entwicklungsländern machte
auch die kleinsten Prozessfortschritte am Ende
unmöglich. Statt den Fortschritt zu beschleunigen und höhere Ziele zu stecken, droht das dürftige
Ergebnis von Lima, die UN-Klimaverhandlungen auf
dem Weg zur Klimakonferenz 2015 in Paris in ein
Zeitlupentempo zu versetzen. In Paris soll von den
Regierungen ein neues globales Klimaschutzabkom  Blog

  

 nser Blog zu Klima- und
U
Ressourcengerechtigkeit:
www.klima-der-gerechtig­keit.de

men unterzeichnet werden. Mit dem schwachen
« Lima Call for Climate Action » ist die Zukunft der
internationalen Klimapolitik jedoch auf besorgniserregende Weise ungewiss.
Wir waren mit einer kleinen Delegation vor Ort
und haben uns mit Side Events, einer Dinner-Debate
und Veranstaltungen beim alternativen Gipfel der
Zivilgesellschaft in die Debatten eingemischt. Gut
besucht war zum Beispiel ein Workshop zum Thema
« Neue Ökonomie der Natur », den unser Büro in Rio
de Janeiro organisiert hatte. Immer mehr Konzerne
und Regierungen sehen in der Natur eine Ware, oder
genauer: einen Finanztitel. Sie wollen die Natur und
ihre Dienstleistungen bepreisen oder gar an Börsen
handeln. Bei diesen Finanzialisierungsmaßnahmen
ist oft nicht nur der Klima- und Umweltschutz mehr
als fraglich. Solche Projekte verursachen soziale
Konflikte; sie bedrohen die Lebensweisen und sogar
das Leben der Menschen, die etwa als Indigene in

  Link

  

w ww.deutscheklimafinan­
zierung.de /
www.germanclimate­
finance.de

  Link

  

 ie Studie: Szenarien einer
D
nachhaltigen Kraftwerks­
entwicklung in Deutschland.

www.boell.de/de/2014/11/19/
studie-szenarien-nach­haltigekraftwerksentwicklungdeutschland

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41

Brasilien in und vom Regenwald leben. Im Workshop
machten zahlreiche Analysen und Statements von
Betroffenen die Mechanismen dieser neuen Maßnahmen und ihre Verbindung zu den Eck- und Konfliktpunkten der internationalen Klimapolitik deutlich.
Klimakiller zur Verantwortung ziehen

Nur 90 Unternehmen – teils private, teils staatseigene Konzerne – sind für die Förderung bzw. Herstellung der Kohle, des Öls, des Erdgases und des
Zements verantwortlich, die zusammengenommen
seit Beginn der Industrialisierung 63 Prozent der
CO2 -Emissionen in die Atmosphäre bewirkt haben.
Zu diesen Unternehmen, den sogenannten Carbon
Majors, zählen u. a. Chevron, ExxonMobil, Saudi
Aramco, BP, Gazprom und Shell, aber auch RWE,
RAG und Heidelberg Cement. Diese Unternehmen
haben von der Förderung und dem Verkauf der fossilen Energieträger, die den Klimawandel verursachen,
massive Profite erwirtschaftet. Für den Schaden,
der dadurch entstanden ist und weiter entsteht, sind
sie bisher nicht zur Rechenschaft gezogen worden –
weder finanziell noch strafrechtlich. Gemeinsam mit
dem Climate Justice Programme (CJP) befassen wir
uns mit der Verantwortung der « Carbon Majors » für
vom Klimawandel verursachte Schäden und Verluste.
Sie sollen sowohl rechtlich als auch finanziell (im
Rahmen der UNFCCC) zur Verantwortung gezogen
und die Opfer des Klimawandels entschädigt werden.
WEB: «Climate Justice...»

→WEB: «Carbon Majors »

Deutsche Klimafinanzierung auf einen Blick – Website
und Datenbank

Auf unserer Website www.deutscheklimafinanzierung.de machen wir die finanzielle Unterstützung
Deutschlands für Klimaschutz, Anpassung und
Waldschutz in Entwicklungsländern transparent.
Wir geben einen Überblick über zugesagte und
geleistete Summen sowie über die verwendeten Instrumente und Kanäle. Und wir zeigen auf, nach welchen Kriterien die Wirkung klimarelevanter Projekte
beurteilt werden kann. Die zweisprachige (Deutsch/
Englisch), gemeinsam mit Brot für die Welt, Germanwatch und Oxfam Deutschland betriebene Seite
enthält auch einen Blog und eine Projektdatenbank.
Szenarien einer nachhaltigen Kraftwerksentwicklung

Die Abschaltung alter und CO2 -intensiver Kohlekraftwerke in Deutschland könnte einen wichtigen
Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele der
Bundesregierung leisten. Den Szenario-Rechnungen
einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zufolge, die wir zusammen
mit der European Climate Foundation in Auftrag
gegeben haben, könnten im Jahr 2015 rund 23 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid weniger ausgestoßen
werden, wenn Steinkohlekraftwerke mit einer Kapazität von drei Gigawatt und Braunkohlekraftwerke
mit einer Kapazität von sechs Gigawatt vom Netz
genommen würden.

II 

Barbara Unmüßig

Natura oeconomica – eine riskante Wette
Auszug aus dem Essay von Barbara Unmüßig
II

Die Debatte um die Valuing-Nature-Konzepte – die
Wertschätzung der Natur und der Ökosystemdienstleistungen – ist komplex und kompliziert, weil sich
hinter dem Stichwort sehr Verschiedenes verbirgt.
Welcher Wert zu welchem Zweck erfasst werden soll,
muss klar auseinandergehalten werden. Die Valorisierung von Natur kann sinnvoll sein, wenn ihre Werte
sichtbar gemacht und ihre Zerstörung in gesamtwirtschaftliche Berechnungen einbezogen werden. Es
ist klar, dass Valorisierung nicht gleichbedeutend ist
damit, an Naturdienstleistungen ein Preisschild zu
hängen. Sie kann sinnvoll und nützlich sein, wenn
wir monetäre Kompensationen für die Zerstörung von
Natur berechnen wollen. Wertschätzung von Naturdienstleistungen kann helfen, wichtige politische Entscheidungen zu treffen und ein Ökosystem zu schützen. Der Grat von Wertschätzung der Natur zu ihrer
Finanzialisierung ist allerdings schmal, wenn einzelne
Funktionen der Natur selektiv monetarisiert werden, aus ihnen handelbare Güter und sogar Finanzmarktprodukte gemacht werden. Klima-, Umweltund Naturschutz werden so finanzmarktkompatibel
gemacht. Die Erfahrungen zeigen: Der Markt kann
versagen. Die Natur in die Hände des Marktes zu überführen, ist mit einem hohen Risiko verbunden. Denn
wenn der Markt versagt, verlieren wir die Natur –
unwiederbringlich. Einen automatischen Schutz von
biologischer Vielfalt und Ökosystemen durch ökonomische Anreize und Marktmechanismen gibt es nicht.

Das Abschalten einzelner Kraftwerke allein würde
allerdings kaum ausreichen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Weitere Maßnahmen im Strombereich wären nötig, darunter eine Reform des europäischen Emissionshandels, ein verstärkter Ausbau
erneuerbarer Energien und eine weitere Verbesserung der Energieeffizienz. Auch andere Sektoren wie
Verkehr, Industrie, Handel und private Haushalte
müssten einen relevanten Beitrag leisten, sind sich
das DIW Berlin, die Heinrich-Böll-Stiftung und die
European Climate Foundation einig.
Die Studie des DIW Berlin ist der Auftakt einer
längerfristigen Kooperation zwischen den drei Projektpartnern im Hinblick auf die Klimakonferenz in
Paris im Dezember 2015.

Große Transformation  –  Klimapolitik

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42
Energiewende – in Deutschland, Europa und weltweit
Die Umstellung auf erneuerbare Energien ist die zentrale Herausforderung auf dem Weg in
eine nachhaltige Industriegesellschaft. Deutschland zeigt durch seine « Energiewende », ob
und wie dies gelingen kann. Der Start war vielversprechend. Der Anteil an erneuerbaren
Energien ist schnell gewachsen, jetzt geht es um einen Systemwechsel. Da gibt es noch viele
offene Fragen. Sie müssen in einer breit angelegten Debatte zwischen Politik, Wissenschaft,
Wirtschaft und Zivilgesellschaft beantwortet werden. Gerade da können wir als Stiftung
aktiv werden und die verschiedenen Milieus zusammenführen.

Fachkonferenz: Energiewende 2.0

Große Transformation  –  Energiewende

I–II

Die erste Phase der Energiewende – die Energiewende
1.0 – wird weithin als Erfolg verbucht. Hunderttausende Arbeitsplätze sind entstanden, innerhalb von
10 Jahren stieg der Anteil von erneuerbaren Energien am Strommarkt um 20 Prozent. Nur, wie geht
es weiter? Wie wird sie aussehen, die Energiewende
2.0? Die Debatte in der Fachwelt ist in vollem Gange,
aber noch gibt es wenig Foren für einen qualifizierten Abgleich der Reformkonzepte und für konstruktiven Dialog. Mit unserer Fachtagung « Energiewende
2.0 » im Februar 2014 wollten wir ein solches Forum
bieten. Offenbar haben wir einen gesellschaftlichen
Nerv getroffen. Fast 400 Menschen aus verschiedenen Ländern kamen, darunter auch zahlreiche Interessierte, die nicht beruflich mit der Energiewende zu
→ WEB: « Energiewende 2.0 »
tun haben.
Versteht man die Energiewende als ein weltweites Pilotprojekt, so ist ihr Erfolg oder Misserfolg für
die internationale Entwicklung entscheidend. Das
bestätigte Rainer Baake, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Entscheidend sei es, die Kosten niedrig zu halten. Dafür müssten jetzt die politischen Weichen gestellt werden.
So müsse zum Beispiel das Erneuerbare-EnergienGesetzes (EEG) reformiert werden. Baake zählte
vier Hauptpunkte der Reform auf: ein verlässlicher
Ausbaukorridor, möglichst geringe Kosten, eine gute
Marktintegration der erneuerbaren Energien und
eine gerechte Kostenverteilung.
Geht es um die gesellschaftliche Akzeptanz der
Energiewende, stellt sich natürlich die Frage: Wer
bezahlt und wer profitiert? Darüber diskutierte
eine kleine Runde um den grünen Fraktionsvorsitzenden Anton Hofreiter. Bei der abschließenden
Podiumsdiskussion zeigten sich klare Meinungsverschiedenheiten und Spannungen zwischen Europa und Deutschland. So sah sich Bartlomiej Gurba
von der Europäischen Kommission mit zahlreichen
Fragen zum Verfahren der Kommission gegen das
EEG konfrontiert. Zudem gab es einige Vorwürfe –
etwa, dass die Kommission dezentrale Strukturen
und Bürgerbeteiligung zerstöre. Fest steht also: Es
wird nicht die letzte Diskussion zur Energiewende in
Deutschland und Europa gewesen sein.

Energiewende 2.0 und Braunkohle –
zwei Publikationen

Der bisherige Erfolg der Energiewende – vor allem
das rasche Wachstum von Wind- und Solarstrom –
führt zu paradoxen Phänomenen, die für die Öffentlichkeit kaum nachvollziehbar sind. Je größer der Anteil der erneuerbaren Energien, desto stärker fallen
die Großhandelspreise an der Strombörse. Gleichzeitig steigen die Strompreise für die privaten Haushalte.
Zu allem Überfluss gehen die CO2 -Emissionen in
Deutschland seit zwei Jahren wieder nach oben, obwohl wir viele Milliarden in die klimaverträglichste Form der Stromproduktion – die erneuerbaren
Energien – investieren. Alte Braunkohlekraftwerke
laufen rund um die Uhr, während hochmoderne Gaskraftwerke eingemottet werden. Diese Widersprüche müssen dringend aufgeklärt und behoben werden, damit die Energiewende eine Erfolgsgeschichte
bleibt.
Die derzeit betriebene Überarbeitung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ist erst der Anfang und
ein wichtiger Richtungsanzeiger. Worauf dabei geachtet werden muss, das zeigt der Energieexperte
Gerd Rosenkranz in unserer Publikation « Energiewende 2.0 ».
Unsere Publikation « Braunkohle – Irrläufer der
deutschen Stromerzeugung » gibt Einblick in die
Gründe des sogenannten Energiewendeparadoxes:
Die erneuerbaren Energien haben zwar den Wegfall
des Atomstroms mehr als kompensiert, aber auf dem
heutigen Strommarkt werden die klimaschädlichsten Kapazitäten bevorzugt; in Deutschland ist das
vor allem Strom aus Braunkohle. Dies ist vor allem
ein « Kapazitätsparadox »: Denn durch die Neubauprojekte der letzten Jahre existieren nun Überkapazitäten an Kohlekraftwerken. Wie man aus diesem
Dilemma herauskommt, beschreiben die Autoren
Craig Morris und Arne Jungjohann.
Website und Blog: www.EnergyTransition.de

Unsere Website www.EnergyTransition.de hat sich
zum Flaggschiff für die Außenkommunikation der
grünen Energiewende entwickelt. In neun Sprachen
erzählt sie die « Geschichte der Energiewende »: Englisch, Deutsch, Chinesisch, Spanisch, Französisch,

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43

I

Rainer Baake, Staatssekretär im Bundesministerium
für Wirtschaft und Energie

II

Bastian Hermisson, Heinrich-Böll-Stiftung, und
Dr. Camilla Bausch, Ecologic Institut, Berlin

Japanisch, Polnisch, Russisch und Koreanisch. Das
dazugehörige englische Blog wird beinahe täglich
mit aktuellen energiepolitischen Meldungen aus der
ganzen Welt bespielt. Ein festes Autorenteam setzt
die deutsche Energiewende in einen internationalen
Kontext und macht sie für Leser/innen auf der ganzen Welt anschlussfähig. Das Autorenteam verfasst
politische Analysen und stellt Infografiken bereit,
letztere werden von den Usern gern in eigene Präsentationen eingebaut.
Die Klickzahlen sind 2014 von durchschnittlich
7.000 auf ca. 11.000 Besucher pro Monat gestiegen.
Inzwischen haben wir 11.000 Follower auf Twitter
und 1.800 Fans auf Facebook. Die Inhalte werden
vielfach verlinkt, insbesondere von internationalen
Meinungsführern wie The New York Times oder The
Guardian.
Die höchsten Downloadzahlen haben wir bei der
englischen Version, danach folgt die französische,
dann die polnische. Die Zugriffszeiten konzentrieren sich auf die Bürozeiten und sprechen dafür, dass
wir mehrheitlich von Fachleuten gelesen werden. In
Deutschland ist die Seite in der grünen Szene, aber
auch in den Ministerien und dem Parlament die
Referenzwebseite zur deutschen Energiewende. Immer noch kommt die Mehrheit der Besucher aus den
USA, gefolgt von Deutschland und Großbritannien.
 

 

 

 

PDF: « Energiewende 2.0 »

PDF: « Braunkohle... »

PDF: « Greening... »

Große Transformation  –  Energiewende

Mehr grüne Energie, weniger Kohle

Polen, Tschechien und Deutschland sind die Kohlehochburgen Europas: 79 Prozent der Steinkohle und
68 Prozent der Braunkohle innerhalb der EU werden
in diesen drei Ländern gefördert. Sie erzeugen insgesamt 55 Prozent des von Kohlekraftwerken generierten Stroms in der EU. Die Frage nach dem Übergang in eine klimafreundlichere Energiegewinnung
und dem Ausstieg aus der Kohle wird sich früher oder
später in allen drei Ländern stellen. Im Vorfeld des
EU-Klimagipfels im März 2014 in Brüssel haben wir
den Report « Greening the Heartlands of Coal in Europe – Einblicke in einen polnisch-tschechisch-deutschen Dialog zu Energiefragen » vorgestellt. Er ist
das Resultat einer trilateralen Expertengruppe, die
sich auf Einladung der Stiftung und des Ecologic Institut regelmäßig traf, um die Auswirkungen der deutschen Energiewende auf Deutschlands Nachbarländer Polen und Tschechien zu diskutieren. Je höher der
Anteil der erneuerbaren Energien in der Bundesrepublik, desto deutlicher sind derzeit die Auswirkungen
auf unsere Nachbarn, insbesondere deren Stromsysteme. Polen und Tschechien sehen in der Energiewende ein hochriskantes Projekt. Die polnische
Regierung sieht in der Förderung von heimischem
Schiefergas und einem Einstieg in die Atomkraft
einen Ausweg aus der Abhängigkeit von russischem
Erdgas. Polen setzt auch in Zukunft auf Kohle; die
Steinkohleimporte nehmen zu. Tschechien plant
den Ausbau der Atomkraft. Diese unterschiedlichen
Strategien erschweren eine Einigung auf europäischer Ebene. Sie führen zu Misshelligkeiten zwischen
den Ländern, wenn es um die mit der Energiewende
verbundenen Herausforderungen geht. Der Bericht
liefert Hintergründe und Analysen, warum die
Debatten in den jeweiligen Ländern so unterschiedlich verlaufen. Mit einem Set von Empfehlungen plädieren die Autor/innen bei allen Unterschieden für
eine verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit und einen intensiveren Dialog, um den energieund klimapolitischen Herausforderungen gemeinsam begegnen zu können.
Im November 2014 lud die Stiftung auch zu
einem Fachgespräch nach Berlin ein, um die Situation der Kohleförderung im Dreiländereck zu analysieren und Strategien für eine zukunftsfähige
Energie- und Klimapolitik zu diskutieren. Auch hier
bestand Einigkeit, dass der grenzüberschreitende
Dialog zum Thema Kohleausstieg vertieft werden müsse. Wir werden diesen Austausch auch in
Zukunft unterstützen.

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44
Internationale Ressourcenpolitik
Der Abbau von Teersanden in Nordamerika und im Kongo, Landkäufe im großen Stil in
Asien und Afrika, Chinas Investitionen in der Mekong-Region, Bergbau und Sojaanbau in
Lateinamerika – die Ausbeutung der globalen Ressourcen ist in vollem Gange. Der Run auf
die Ressourcen führt nicht – wie vielfach erhofft – zu einer fairen Verteilung der Erlöse, zum
Abbau von Armut. Im Gegenteil: Ökonomische und wirtschaftliche Macht konzentriert sich,
die Umwelt wird zerstört, und soziale Ungleichheit nimmt zu. Ressourcenpolitik, Transparenz und politisch-soziale Teilhabe gehören für uns zusammen. Wir suchen nach Wegen,
die Nutzung natürlicher Ressourcen so zu gestalten, dass die ökologischen Grenzen unserer
Welt respektiert und gleichzeitig Menschenrechte und Demokratie gestärkt werden.

Lokale Interessenvertretung beim
Großprojekt LAPSSET

verbinden und 3 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt
beitragen. Derzeit wächst die kenianische Wirtschaft jährlich um knapp 6 Prozent.
Der Hafen in Lamu – der geografische Beginn
von LAPSSET – ist kein neues Projekt. Bereits in
den 1980er Jahren forderten lokale Politiker einen
Hafen, um die Entwicklung der vernachlässigten
Region anzukurbeln. Erst mit den südsudanesischen Ölexporten sowie den Ölfunden in Uganda und
Kenia bekam LAPSSET neuen Antrieb. Seit anderthalb Jahren unterstützt unser Büro in Nairobi
die Vernetzung zivilgesellschaftlicher Gruppen, die
von LAPSSET betroffen sind. Daraus hat sich das
LAPSSET Community Forum (LCF) gegründet, das
die Interessen der Fischer in Lamu genauso vertritt
wie die der Pastoralisten (Viehhirten in Naturweidewirtschaft) in Turkana. Denn die Interessen der Menschen entlang des Korridors sind bislang die einzigen,
die nicht im Projekt vertreten sind. Die Regierungen
in der Region begrüßen Entwicklung um jeden Preis.
Das Forum dagegen argumentiert, dass der erhoffte
wirtschaftliche Aufschwung sich nur entfalten kann,
wenn das Projekt die Land- und Ressourcenrechte
lokaler Gruppen genauso anerkennt, wie es Umweltfolgen abschätzt und minimiert.

Von Kenias Hauptstadt Nairobi ist es nur ein kurzer
Flug nach Lodwar, der Hauptstadt des nordwestlichen Bezirks Turkana. Seit Jahrzehnten von den
jeweiligen Regierungen ignoriert, haben sich die
Menschen dort jedoch noch nie als Teil des Landes
verstanden. Der wirtschaftlich und sozial marginalisierte Norden Kenias soll nun durch ein Mega-Infrastrukturprojekt erschlossen werden: den Lamu Port
South Sudan Ethiopia Transport-Korridor – kurz
LAPSSET. Es ist ein Flaggschiffprojekt in Kenias
ambitioniertem Entwicklungsplan « Vision 2030 ».
Mit Hilfe einer Autobahn, eines Schienennetzes und
einer Ölpipeline soll es die Küste mit dem Hinterland

Über viele Jahrzehnte hinweg galt Afrika als ein
verlorener Kontinent, geprägt von Konflikten, Krisen und Katastrophen. Seit einigen Jahren jedoch
ist der Kontinent im Aufschwung, denn unter den
am schnellsten wachsenden Ökonomien der Welt
befinden sich besonders viele afrikanische Volkswirtschaften. Ende 2010 schwärmte das McKinsey Global Institute gar von den « Löwen auf dem Sprung ».
Auf unserem internationalen Forum «I can’t eat
GDP – Was ist dran an Afrikas wirtschaftlichem
Aufschwung? » im Februar 2014 in Berlin warfen

Große Transformation  –  Internationale Ressourcenpolitik

Gerechtigkeit gestalten – Ressourcen-Memorandum

Mit unserem Projekt « Ressourcengerechtigkeit in
einer endlichen Welt » haben wir junge Menschen aus
29 Ländern zum Thema Ressourcenpolitik in Dialog
gebracht. Sie trafen sich dazu in zehn « Zukunftswerkstätten » in ihrer jeweiligen Region: in Lateinamerika, in Europa, im Nahen Osten, in Afrika und in
Asien. Bei einem gemeinsamen Workshop in Berlin
diskutierten Delegierte jeder dieser Zukunftswerkstätten dann Erfahrungen und Visionen mit dem
internationalen Team der Stiftung und einer Beratungsgruppe aus elf Umwelt- und Menschenrechtsexpert/innen aus aller Welt. Das Memorandum
« Gerechtigkeit Gestalten – Ressourcenpolitik für
eine faire Zukunft » ist das Ergebnis dieses zweijährigen Dialogprozesses (engl./span./dt./arab.). Das
Memorandum versteht sich als ein möglicher Baustein einer ressourcenpolitischen Strategie. Es zeigt
mit Hilfe eines neuen Politikansatzes, der Ökologie,
Demokratie und Menschenrechte verknüpft, zukunftsweisende Wege für eine faire und nachhaltige
Ressourcenpolitik in der Welt.

 

 

Vom Bruttosozialprodukt wird man nicht satt

→ WEB: Internationales Forum «I can’t eat GDP ... »

 

 

 

WEB-PDF: «Gerechtigkeit ...»

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wir einen Blick hinter die beeindruckenden Wachstumszahlen. Dort verbergen sich sehr unterschiedliche Realitäten: Der Zufluss an Investitionen und
das internationale wirtschaftliche Engagement auf
dem Kontinent konzentrieren sich primär auf einige
ressourcenreiche Länder. Nach wie vor müssen in
den subsaharischen Ländern fast 70 Prozent der
Menschen ihr Leben mit unter 2 US-Dollar am Tag
bestreiten, und die Einkommensungleichheit bleibt
eklatant. Vom Boom profitieren in erster Linie die
etablierten Eliten, während sich eine Mittelschicht
nur sehr zaghaft herausbildet. Die Chancen, die
Volkswirtschaften inklusiver zu gestalten und sozialen Fortschritt voranzutreiben, müssen entschiedener genutzt werden. Auch dürfen ökologische Perspektiven und Fragen der Nachhaltigkeit nicht länger
die Fehlstellen des « Aufstiegs-Diskurses » bilden.
Diese Herausforderungen, Potentiale und Chancen
wurden im Rahmen des öffentlichen Forums und in
einem Mediengespräch kritisch beleuchtet.

rend die Mehrheit mit wachsender Armut zu kämpfen hat. Meist haben die Menschen nicht mal Strom,
der unabdingbar ist für wirtschaftliche Entwicklung.
Im Musical hat sich Frisör Tomi eine kleine Solaranlage gekauft. Zum ersten Mal kann er mit dauerhafter
Stromzufuhr rechnen. Sein Geschäft erregt den Neid
der ganzen Nachbarschaft. Als die Kandidatin ins
Viertel kommt und den « Gemeindeältesten » einen
Pakt anbietet, schütteln die nur mit dem Kopf: Mit
dem Geld hätte sie schließlich Strom für alle anschaffen können!
Als unsere Partnerorganisation Center for Social
Justice (CSJ) das Filmmusical bei einem Bürgertreffen
im Vorfeld der Wahlen zeigte, wurde prompt der Vertreter einer politischen Partei ausgebuht, der mit den
üblichen, eher leeren Versprechungen kam. « Wohl
eine Reaktion auf den Film », sagt Ikenna Ofuegbu
von CSJ, die Leute seien sich nach dem Film bewusster über das Gewicht ihrer Stimme.
Rap
Mach dir nichts vor
Ein Sack Reis für einen Sack Stimmen
Nach ein, zwei Monaten ist alles vergessen
Jahrelang haben wir auf Sicherheiten gewartet
Mach dir nichts vor
Lass dich nicht abspeisen
Glaub nur an die, die wirklich für dich in Aktion
treten.
An die Kandidaten
Du hast versprochen, du wärst immer für uns da
Du hast gesagt, alles würde nun besser werden
Du hast mir Brot mit Butter versprochen!
Alles Lüge
Du kümmerst dich einen Dreck um uns.

I

Szene aus dem Filmmusical « The Good Life »

The Good Life – ein Filmmusical
I

Wahlkampf in Nigeria. Ein Pick-up fährt vor, die
Ladefläche voll mit Reissäcken und Kanistern mit
Speiseöl, Wahlposter kleben an der Stoßstange. Siegessicher steigt die Kandidatin aus. Sie will eine
kurze Rede halten, ihre Gaben verteilen und dann
wieder weg: der Wahlbezirk ist ‹ eingeheimst ›. Ein
softer afrikanischer Beat untermalt die Szene – alles
geht glatt, so werden in Nigeria Wahlen gewonnen.
Doch dann erscheint eine junge Rapperin auf der
Bildfläche. Sie kreuzt den Schulhof, singt die Männer
an, die dort im Schatten ihren Reis essen: « Einen Sack
Reis für einen Sack Stimmen … und nach einem oder
zwei Monaten seid ihr vergessen! » – das sind Szenen
aus dem Filmmusical « The Good Life ». Unser Büro in
Nigeria hat es im Vorfeld der Wahlen 2015 unterstützt
und über Partnerorganisationen und soziale Medien
→ WEB: Filmmusical « The Good Life »
verbreitet.
In Nigeria verdient eine kleine Elite überproportional am Ressourcenreichtum des Landes, wäh-

Rap
Mikrophoncheck … eins… zwei
Mama mit Kindern, mit roten Augen
Das Leben ist rotgerändert
Krass, wie die Regierung sich hinlegt
Während wir stehen und warten
Wofür die Kampagnen?
Mein Nachbar ist wütend
Wieder keine Schule
Das Öl ist alle
Und du verteilst Fisch zum Mittag
Du sagst, wir sollen wählen
Das dauert ewig
Dieses Warten auf nichts
Wir wollen nichts mehr ausprobieren
Unsere Hoffnung ist am Sterben
Alles dreht sich ums Geld
Korruption baut das Haus auf deinem Haupt
Das Staatsoberhaupt
Ist der Staatskoffer
Aaaah!!!

Große Transformation  –  Internationale Ressourcenpolitik

45

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46

Große Transformation  –  Internationale Ressourcenpolitik

I

I

Auszug aus dem Film « Was ist eigentlich Neo-Extraktivismus? » Zu sehen unter www.boell.de

Neo-Extraktivismus in Lateinamerika

Afghanisches Netzwerk für Ressourcenfragen

Mit dem weltweiten Rohstoffboom hat auch Lateinamerika seit Ende der 1990er Jahre den Abbau und
Export natürlicher Ressourcen intensiviert. Welche
Auswirkungen dies für die Zukunft der Demokratie in
der Region hat, haben wir auf einer internationalen
Konferenz im Mai 2014 in Berlin mit Referent/innen
aus Lateinamerika, Deutschland und Europa diskutiert. Das Thema ist weltweit relevant; für Lateinamerika ist die Frage nach dem Verhältnis zwischen
Rohstoffausbeutung und Demokratie aber besonders
spannend. Hier sind nämlich überwiegend durch
Wahlen demokratisch legitimierte Regierungen an
der Macht, die den Anspruch erheben, die soziale
Teilhabe zu erhöhen und durch gezielte Geldtransfers
und Sozialprogramme Armut und soziale Ungleichheiten zu reduzieren. Die Einnahmen aus der intensiven Ressourcenextraktion verschaffen ihnen hier
den entsprechenden finanziellen Spielraum. Während es bereits eine breite und kritische Debatte darüber gibt, ob dieser sogenannte Neo-Extraktivismus sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltig ist
bzw. sein kann, wurde auf der Konferenz vor allem
darüber diskutiert, in welcher Weise dieses Entwicklungsmodell politische Herrschaftsmuster und politische Regeln in Lateinamerika beeinflusst.
Eine sehr gut besuchte Konferenz unseres Büros
in Mexiko-Stadt im Oktober 2014 widmete sich ebenfalls dem Thema Extraktivismus. Heftig debattiert
wurde hier vor allem das Fracking, das besonders in
Argentinien, aber seit einigen Jahren auch in Mexiko
mit erheblichen Umweltfolgen praktiziert wird. Die
Teilnehmenden tauschten Protest- und Widerstandserfahrungen im Bergbau aus und diskutierten die
Bandbreite legaler Instrumente, die für eine echte
Partizipation bei wichtigen Entscheidungen in der
Rohstoffpolitik hilfreich sein können. Am Ende stand
die provokante Frage: « Was passiert, wenn wir Ressourcen wie Gold, Lithium oder Öl einfach in der Erde
lassen? » – und damit ein Nachdenken über die Spielräume eines postextraktiven Entwicklungsmodells.

Afghanistan verfügt über gewaltige Rohstoffvorkommen. Ob ihre Förderung tatsächlich zur erhofften wirtschaftlichen Entwicklung beiträgt – z. B.
durch Ausbau der Infrastruktur oder neue Arbeitsplätze – hängt davon ab, wie transparent Vertragsentscheidungen diskutiert und kommuniziert werden.
Wir haben in Afghanistan ein zivilgesellschaftliches
Netzwerk initiiert, das sich mit Ressourcenfragen
beschäftigt, zum Beispiel mit der illegalen Förderung von Mineralien. Im Jahr 2014 adressierte es zu
diesem Problem offene Briefe an Präsident Karzai,
an Vertreter/innen der NATO und an die chinesische
Regierung. Ein wichtiges Thema ist auch der Schutz
der natürlichen Ressourcen Wald und Wasser. Für
Mitglieder des Netzwerks und Vertreter/innen aus
Gemeinden in fünf Provinzen haben wir Fortbildungskurse und Austauschprogramme zu diesem Thema
organisiert. Gestützt auf die Rückmeldungen aus den
Gemeinden arbeitet das Netzwerk derzeit an einer
nationalen Kampagne zum Thema Wasserschutz.
Einige Gemeindemitglieder erlernten auch die
Grundlagen des journalistischen Schreibens, um
ihre Erfahrungen und Beobachtungen entsprechend
dokumentieren zu können. Ein regelmäßig erscheinender Nachrichtenbrief hat sich inzwischen als
wichtiges Kommunikationsmittel zwischen Gemeindemitgliedern verschiedener Provinzen etabliert.
Auch Universitäten, Nichtregierungsorganisationen
und Regierungsstellen beziehen daraus ihre Informationen. Auf diese Weise gelingt es, Umweltthemen
aus dem Südosten und Nordwesten Afghanistans national bekannt zu machen. Seit 2014 gibt es in Kabul
auch einen Botschafter für Umweltschutz. Frahad
Darya, ein überaus populärer afghanischer Musiker,
wurde dazu ernannt. Er war auch der Schirmherr
eines 60-Sekunden-Filmfestivals zum Thema Umwelt in Kabul, das die Tageszeitung 8am mit Unterstützung der Stiftung organisiert hatte.

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47
Für eine globale Agrarwende

II

Soup & Talk – der Politische Suppentopf in der Heinrich-Böll-Stiftung

Eine andere Landwirtschaft ist möglich!

II

Jedes Jahr im Januar findet in Berlin die Internatio- in Kooperation mit BUND und Le Monde diplomanale Grüne Woche statt – die weltweit größte Mes- tique. Im Jahr zuvor hatte bereits der « Fleischatse für Ernährung und Landwirtschaft. Für den Bau- las 2013 » mächtig eingeschlagen. Darin hatten wir
ernverband und das Landwirtschaftsministerium gezeigt, welche Auswirkungen Europas Fleischkoneine Gelegenheit, ihr Image zu pflegen. Und für uns sum auf die Schwellen- und Entwicklungsländer und
ein guter Zeitpunkt, auf die Fehlentwicklungen in aufs Klima hat. Der « Fleischatlas 2014 » brachte
der aktuellen Agrarpolitik hinzuweisen. Mit Lesun- nun Licht ins Dunkel des Big Business Fleisch – von
gen, politischen Diskussionen und einem Kulturpro- Europa über die USA bis hin zu den aufstrebenden
gramm zeigten wir in unserer Themenwoche: « Land- Volkswirtschaften China und Indien. Thematisiert
wirtschaft anders – unsere Grüne Woche », dass eine werden u. a. aktuelle Tendenzen beim Fleischkonsum in den Industriestaaten, « Landgrabbing » in
andere Landwirtschaft möglich ist.
→ WEB «Landwirtschaft anders - unsere Grüne Woche» Entwicklungsländern und mögliche Auswirkungen
des derzeit verhandelten USA-Europa-FreihandelsDer Fleischatlas – unser Erfolgsprodukt
Einen großen publizistischen Erfolg landeten wir abkommens. Der « Fleischatlas 2014 » zeigt aber
mit der Veröffentlichung des « Fleischatlas 2014 » auch, dass jenseits der « Massenindustrie Fleisch »
 

→ WEB-PDF: « Fleischatlas 2014 »
es täglich. Die Folgen des
Fleischkonsums stehen nicht
auf den Verpackungen im
Supermarkt. Wir wollen mit
unserem Fleischatlas über die

vielfältigen Dimensionen der
Fleischproduktion informieren
und Einblicke in globale Zusam menhänge der Fleischerzeugung
geben.

Große Transformation  –  Globale Agrarwende

Die Weltbevölkerung wächst, immer mehr Menschen müssen ernährt werden. Durch den
Einsatz moderner Techniken wie Hochleistungssaatgut, Mineraldünger oder Pflanzenschutzmittel konnten die landwirtschaftlichen Erträge weltweit gesteigert werden. Kaum
beachtet wird, dass gerade die industrielle Landwirtschaft massiv zum Klimawandel, dem
Verlust der Artenvielfalt oder zur Wasserknappheit beiträgt. Die große Herausforderung ist,
immer mehr Menschen zu ernähren und gleichzeitig weniger Ressourcen zu verbrauchen.
Das kann gelingen, wenn sich Konsum- und Produktionsstrukturen ändern. Wir brauchen
ein Umdenken in der Landwirtschaft – eine nachhaltige Produktion, die Klimaschutz, die
Bekämpfung von Hunger und Armut sowie effiziente Ressourcennutzung und den Schutz
der Biodiversität verbindet.

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48

I

Große Transformation  –  Globale Agrarwende

I–II

« Fleischatlas 2014 »: Cover

II

« Fleischatlas 2014 »: In den Schlachthöfen der Welt, S. 18–19

schlecht mit Nahrungsmitteln versorgen. Oft werden
ganze Ortschaften von der Lebensmittelversorgung
abgeschnitten. Das ist Teil der Strategie des Regimes,
um den Widerstand in der Bevölkerung zu brechen.
Unsere Partnerorganisation The 15th Garden –
ein Netzwerk benannt nach dem Jahrestag der
syrischen Revolution und den 15 Gründungsmitgliedern – hat sich zum Ziel gesetzt, Nahrungsmittelsouveränität in ganz Syrien und den Nachbarländern zu
erreichen. Doch es gibt etliche Hindernisse: In einigen Gebieten gibt es kaum Trinkwasser, geschweige
denn Wasser für die Felder. Auch ist der Anbau auf
Dachflächen aufgrund von Scharfschützen meist zu
gefährlich. Beete werden deshalb innerhalb von zerbombten Häusern angelegt. In manchen Gegenden
mangelt es auch an Saatgut.
Für Menschen, die Urban Gardening betreiben
wollen, ist das Netzwerk The 15th Garden eine
wichtige Anlaufstelle. Es stellt biologisches und vor
allem vielfältiges Saatgut zur Verfügung und bietet
eine Plattform zum Austausch über Landwirtschaft.
Nachdem bereits mehrere Treffen des Netzwerks in
der türkisch-syrischen Grenzregion stattgefunden
hatten, unterstützte unser Büro in Beirut im August
2014 die Aktivist/innen bei der Ausrichtung eines
Workshops im Libanon. Biologischer Anbau ist in
Syrien heute nicht nur ein Mittel der Wahl, anders
könnten in derzeitigen Situation gar keine Nahrungsmittel angebaut und Saatgut reproduziert werden.
Der lokale Anbau von Lebensmitteln stärkt auch die
lokalen Ökonomien und macht die Lebensmittel auf
den Schwarzmärkten der belagerten Gebiete wieder erschwinglicher. Die Möglichkeit, in so extremen
Situationen wie in Syrien und den Flüchtlingslagern
seine eigene Nahrung produzieren zu können, stärkt
The 15th Garden – Selbstversorgung in Syrien
Syrien war einst Weizenlieferant für die ganze Re- das Selbstvertrauen der Beteiligten und macht sie
gion. Heute können sich viele Menschen dort nur unabhängiger.

Alternativen möglich sind. Die Medienresonanz auf
unseren Fleischatlas war enorm. Selbst der britische
Sender BBC und das American National Radio haben
berichtet. Wie bereits sein Vorgänger hat auch der
« Fleischatlas 2014 » eine Auflage von über 100.000
Exemplaren erreicht. Es gibt ihn mittlerweile auf
Englisch, Französisch, Tschechisch, Spanisch und
Türkisch.
Wir sind mit dem Fleischatlas auch auf Tour gegangen. Anfang September 2014 zum Beispiel präsentierte ihn unser Büro Washington in New Orleans
auf der Jahreskonferenz der US-amerikanischen
Umweltjournalist/innen. Bei den über 700 Teilnehmenden stieß er auf großes Interesse. Auch im bayrischen Darsing haben wir den Atlas präsentiert. Dort
waren neben vielen Öko-Bäuerinnen und -bauern
auch konventionelle Landwirte vertreten, die große
Tierbestände bewirtschaften. Die Diskussion war
sehr lebendig und zeigte, dass auch neue Allianzen
entstehen können – auch mit den Produzent/innen.
Zum Welternährungstag im Oktober haben wir
einen « Fleischatlas extra » herausgegeben, der sich
mit Abfall und Verschwendung von Fleisch beschäftigt. Das kleine Heft zeigt anschaulich, wie viel schonender Ressourcen genutzt werden könnten, wenn
nicht nur weniger Fleisch gegessen, sondern vor
allem auch weniger Fleisch weggeworfen würde.
Desweiteren haben wir uns im Rahmen der Kampagne « Meine Landwirtschaft » am ersten « Wir haben
es satt »-Kongress beteiligt. Dort brachten internationale Referent/innen auf Einladung der Stiftung ihre
Sicht die europäische Agrarpolitik und ihre globalen
Auswirkungen ein.

 
den eigenen Fleischkonsum
und dessen Auswirkungen auf
das soziale und ökologische
Umfeld. Dies und einen Rechner
zum eigenen Fleischverbrauch
auf www.boell.de/fleischatlas

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49
Internationale Handelspolitik
Der globale Wettbewerb um ökonomische und damit auch geopolitische Einflusssphären
ist in vollem Gange. Vor allem bilaterale Handelsabkommen sind dabei probates Mittel, sich
ökonomische und politische Vorteile zu sichern. Damit Ökologie und Gerechtigkeit im globalen Handel nicht auf der Strecke bleiben, braucht es dringend Alternativen zu den heutigen (bilateralen) Handelsabkommen. Wir sind seit Jahren in verschiedenen Initiativen um
eine alternative Handelspolitik involviert. Es geht darum, Handelspolitik neu zu denken –
so, dass sie den ökologischen und sozialen Herausforderungen und Notwendigkeiten des 21.
Jahrhunderts gerecht wird.

III

Protest gegen das Transatlantische Handels- und Investitionsabkommen (TTIP).
Foto: Garry Knight/flickr.com (CC BY 2.0)

TTIP – ein heftig umstrittenes Abkommen

Das Transatlantische Handels- und Investitionsabkommen (TTIP) zwischen den USA und der EU
gehört zu den umstrittensten überhaupt. Die Handels- und Industrie-Lobbyist/innen sehen den geplanten Vertrag als eine Chance für die Wirtschaft
und die strategische Zusammenarbeit in Europa,
den USA und darüber hinaus. Dagegen mobilisieren
große Teile der globalen Zivilgesellschaft – sie weisen auf die Risiken für den Verbraucherschutz, die
Umwelt und die sozialen Folgen (zum Beispiel bezüglich Arbeitnehmerstandards) auf der ganzen Welt
hin. Wir begleiten die laufenden Verhandlungen zu
TTIP mit Veranstaltungen und Publikationen kritisch. In zwei Fachgesprächen ging es um die Problematik der Schiedsgerichte in Investitionsabkommen
(ISDS) und um regulatorische Kooperation, d. h. lau 

fendende Verfahren zur Einigung über den zukünftigen Abbau von nichttarifären Handelshemmnissen.
Zu beiden Themen haben wir in Kooperation mit dem
Ecologic Institut zwei englischsprachige Studien in
unserer TTIP-Reihe veröffentlicht. Die Studie zur
Schiedsgerichtsbarkeit schaffte es sogar in die Top
10 des renommierten internationalen Social Science
Research Network (SSRN).
Zwei größere Konferenzen zielten darauf, Interessengruppen und Expert/innen aus Deutschland,
Europa und den USA miteinander ins Gespräch zu
bringen. Die Konferenzen fanden als sogenannte
internationale Foren für Stakeholder in Kooperation
mit der Paul H. Nitze School of Advanced International Studies (SAIS) der Johns Hopkins University im
April in Washington und im November in Berlin statt.

 
prozess. Für den Schnelleinstieg
bieten wir TTIP für An fänger.
Wer vertiefende Analysen sucht,
findet diese auf den Seiten TTIP
für Profis und TTIP-Index.

Zu finden unter:
www.boell.de/de/ttip-index

Große Transformation  –  Internationale Handelspolitik

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50
Global Governance

Große Transformation  –  Global Governance

Der Aufstieg der Schwellenländer verändert die Weltordnung massiv. Multilaterale Regelsetzungen werden immer komplexer. Hinzu kommen die zahlreichen neuen regionalen
und globalen Clubs für wirtschaftliche und sicherheitspolitische Themen wie die G20 oder
BRICS. Diese « Club-Governance » erschwert die politische Kontrolle, denn Mitspracherechte dort müssen erst noch erstritten werden. Immer komplexere Konstellationen staatlicher und ökonomischer Akteure lösen das alte Nord-Süd-Muster ab. Und Süd-Süd-Kooperationen der Zivilgesellschaft sind noch sehr unterentwickelt. Hier sind wir als Stiftung
gefragt, und engagieren uns im Kapazitätsaufbau und unterstützen die Vernetzung der
Zivilgesellschaft.

I

Proteste zum Auftakt des G20-Gipfels im australischen Brisbane
Foto: Paul Cunningham/flickr.com (CC BY 2.0)

Das BRICS-Projekt

Politikbeobachtung und Informationen für eine kri- ten finanzieren. Die Schwellenländer sehen hierin ein
tische zivilgesellschaftliche Begleitung der globa- zentrales Mittel ihres Entwicklungskonzepts. Große
len Machtverschiebungen sind wichtige Aufgaben Infrastrukturprojekte haben erhebliche soziale und
der Stiftung. Seit beim Gipfel der BRICS-Staaten ökologische Auswirkungen. Sozial- und Umweltverim Juli 2014 im brasilianischen Fortaleza die neue träglichkeitsprüfungen sowie Mitspracherechte für
BRICS-Entwicklungsbank offiziell gegründet wurde, die Bevölkerung und nationale wie regionale Parlarichten unsere Büros in Brasilien, Südafrika, Indien, mente gibt es bislang nicht. Wir möchten gemeinsam
China, Washington und die Berliner Zentrale das mit unseren Partner/innen solche Kriterien entwikritische Augenmerk besonders auf die Politik die- ckeln helfen und Transparenz und die Rechenschaftsser neuen Bank der Schwellenländer. Die Bankgrün- pflichten der neuen Bank zum Thema machen.
dung soll vor allem deren Anspruch untermauern,
Parallel zum BRICS-Gipfel in Fortaleza gab es
die Hegemonie der alten Industrieländer in den in- einen Kongress der Zivilgesellschaft. Wir organiternationalen Finanzinstitutionen (wie Weltbank) zu sierten dort ein internationales Seminar und stellten
knacken. Doch auch praktisch ist die Bank bedeut- die Ergebnisse von Länderstudien zu den Normen
sam. Sie soll vorrangig große Infrastrukturprojekte und Schutzklauseln der jeweiligen nationalen Entnach dem Modell öffentlich-privater Partnerschaf- wicklungsbanken der BRICS vor. Die vergleichende
 
Büro Brasilien

   Unser Büro in Brasilien

hat 2014 ein BRICSLänder-Verbundprojekt
initiiert.

  e-Newsletter

  

G20 Update e-Newsletter –
zu abonnieren unter:
www.boell.de/news

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51

Beim G20-Gipfel in Brisbane spielte die Weltwirtschaft
aufgrund des beherrschenden Topthemas Ukraine nur eine
Nebenrolle. Foto: Paul Cunningham/flickr.com (CC BY 2.0)

Gesamtstudie erscheint 2015. Es wurde deutlich, zerstörerischen Raubbau an der Natur, vor allem in
dass eine Zusammenarbeit nicht nur zur Beobach- den indigenen Gebieten im Nordosten des Landes.
tung der neuen Bank, sondern umfassender zum Ein informelles Netzwerk schafft Öffentlichkeit und
Thema Entwicklungsfinanzierung im Bereich Infra- prangert Korruption und Menschenrechtsverletzunstruktur sinnvoll und notwendig ist. Dies wird nun der gen an. Durch Lobbyarbeit auch auf internationaler
Fokus der weiteren Arbeit sein.
Ebene wurde die Problematik bereits auf die Tagesordnung der Europäischen Union gebracht.
G20-Update-e-Newsletter
I–II

Mit unserem englischsprachigen Newsletter infor- Chinas Auslandsinvestitionen
mieren wir über Neuigkeiten zum G20-/und BRICS- Mittlerweile gibt es kaum noch Regionen in der Welt,
Prozess. G20 steht für die Gruppe der 20 wichtigsten in denen China nicht wirtschaftlich aktiv ist. 2014
Industrie- und Schwellenländer; BRICS steht für die übertraf das Volumen chinesischer AuslandsdirektAnfangsbuchstaben der aufstrebenden Volkswirt- investitionen erstmals die Summe der aus dem Ausschaften Brasilien, Russland, Indien, China und Süd- land nach China fließenden Investitionen. Dieser
afrika. Der Newsletter bietet unter anderem Analy- Trend wird auch in den kommenden Jahren anhalten.
sen und Berichte aus den verschiedenen regionalen Doch nicht selten stehen chinesische Großprojekte
und politischen Perspektiven sowie Literaturtipps aufgrund negativer ökologischer und/oder soziazum Thema.
ler Auswirkungen international in der Kritik. Unser
Büro in China befasst sich bereits seit vielen Jahren
intensiv mit diesem Thema. Es initiiert und unterAusverkauf natürlicher Ressourcen in Kambodscha
In Kambodscha sind Schätzungen von Nichtregie- stützt Forschungsarbeiten und Fallstudien vor allem
rungsorganisationen zufolge beinahe drei Viertel in Afrika und Südost- und Zentralasien, organider landwirtschaftlich nutzbaren Fläche von der siert Studienreisen und internationale Konferenzen.
Regierung an Konzerne verpachtet worden. Mehr als Damit wollen wir auf chinesischer Seite ein stärke500.000 Menschen wurden in den vergangenen Jah- res Bewusstsein für potentielle Risiken und negative
ren gezwungen, ihren Grund zu verlassen. Auf den Auswirkungen geplanter Investitionen in den Empmeisten Flächen wird nun entweder Kautschuk für fängerländern schaffen. Eine wirksame Regulierung
den Export nach China und Indien angebaut oder und Kontrolle der Investitionsprojekte ist letztendZucker für den europäischen Markt. Oft sind es thai- lich das Ziel. Ein Meilenstein unserer Arbeit ist das
ländische und vietnamesische Konzerne, die den Zu- Ende September 2014 erschienene Buch mit Fallcker in Monokulturen anbauen, nach Europa expor- studien zu ökologischen und sozialen Risiken chinetieren und die Gewinne einstreichen. Kambodscha sischer Auslandsinvestitionen. Chinesische Autoren
profitiert nicht davon. Im Gegenteil: Bodenverlust analysieren darin erstmals eine Reihe von Investiund die Verarmung der vertriebenen Landbevölke- tionsprojekten in verschiedenen Ländern. Die Fallrung sind die Folge. Nach Protesten und Beschwer- studien wurden in mehreren Workshops und Fachden unserer Partnerorganisation Equitable Cam- gesprächen Vertreter/innen aus Politik, Wirtschaft,
bodia hat die Deutsche Bank ihre Anteile an dem Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Medien vorgevietnamesischen Konzern HAGL, der massiv an Lan- stellt und diskutiert. Das Buch soll auch als Lehrmadraub beteiligt ist, zurückgefahren. Der Raubbau terial an Universitäten eingesetzt werden. Neben
an den natürlichen Ressourcen, inklusive illegaler Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft
Waldabholzung, der auch durch Korruption und ein stellt es Maßnahmen und praktisch anwendbare Insfehlendes Justizwesen ermöglicht wird, geht unter- trumente zur Vermeidung von Risiken und Konflikten
dessen weiter. Die Partnerorganisationen unseres sowie zur besseren Umsetzung vorhandener RichtliBüros in Kambodscha engagieren sich gegen den nien und Bestimmungen vor.
→ WEB: « Equitable Cambodia »

Große Transformation  –  Global Governance

II

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52
Herausforderungen für die Gesellschaft – Der demografische Wandel

Große Transformation  –  Der demografische Wandel

Der demografische Wandel ist ein internationales Phänomen. Ob Europa, China, Japan, die
USA oder der arabische Raum: der demografische Wandel wirkt sich massiv auf die Gesellschaften dieser Länder aus. Er betrifft die Finanzierung und Ausgestaltung von Sozialsystemen, die Arbeitsmärkte, die Investitionen in Bildung und Forschung, die öffentliche Infrastruktur und die Wachstumsdynamik der Wirtschaft.

I

Kongress « Baustelle Neuer Generationenvertrag » in der Heinrich-Böll-Stiftung

Der Generationenkongress in Berlin
I–IV

Nachhaltigkeit und Zukunftsorientierung sind wichtige Bezugspunkte grüner Politik. Dazu gehört auch
ein fairer Interessenausgleich gegenwärtiger und
künftiger Generationen. Die Frage der Generationengerechtigkeit stellt sich derzeit neu, weil die
Gesellschaft sich verändert: Wir leben länger, wir
werden weniger, und wir werden vielfältiger. Auf
unserem Kongress « Baustelle Neuer Generationenvertrag » im Juni 2014 kam der Berliner Philosoph
Stefan Gosepath zu dem Schluss, dass wir künftig
wohl nur noch Entscheidungen treffen dürfen, die
revidierbar und korrigierbar sind. Der Verbrauch
nicht erneuerbarer Ressourcen, eine stetig steigende
Staatsverschuldung oder Atommüll wären mit einer
so verstandenen Generationengerechtigkeit nur
schwer in Einklang zu bringen. Wo genau die
Grenze der Revidierbarkeit jedoch zu ziehen sei, darüber müsse erst noch eine gesellschaftspolitische
Debatte geführt werden. Gesine Schwan plädierte für eine neue Arbeitszeitpolitik, damit Menschen
→ WEB: « Baustelle Neuer Generationenvertrag »

  Thesenpapier

      Das Thesenpapier « Zeit

für einen Neuen Generationenvertrag! » finden
Sie auf www.boell.de

wieder mehr Verantwortung füreinander übernehmen könnten – innerhalb der Familie und in anderen
Zusammenhängen.
Bei der Diskussion um die Selbstverständnisse
von Generationen wurde im Schlagabtausch zwischen Vertreter/innen unterschiedlicher Generationen (den 68ern, Generation Golf usw.) schnell klar,
dass sich ihre Sichtweisen auf die Rolle von Parteien
oder öffentlichen Institutionen stark unterscheiden.
Hier wurde ein stärkerer Austausch zwischen den
Generationen gefordert.
Kathrin Göring-Eckardt, Yasmin Fahimi und
Dietmar Bartsch monierten mangelnde Weitsicht
und Nachhaltigkeit in der Politik: « Wir fahren das
Land auf Verschleiß », so die eindrückliche Mahnung.
Vor allem die Rentenbeschlüsse der großen Koalition standen in der Kritik. Wegen der hohen Kosten des Rentenpakets fehlten Mittel für drängende
Zukunftsinvestitionen in Bildung und Infrastruktur.
Das Ziel einer generationengerechten Politik gerate
zusehends aus dem Blick.

  Publikation

    Böll.Thema 2/2014: « Wir
müssen uns mal unterhalten! » – Schwerpunkt
Generationenvertrag,

  Link

Berlin 2014, 40 Seiten
Bestellung oder Download
unter: www.boell.de/thema

  

w ww.boell.de/de/deutsch­
land-im-pflegenotstandperspektiven-und-pro­
bleme-der-care-migration

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53

II

Prof. Dr. Stefan Gosepath

IV

Sarah Bosetti & Daniel Hoth (Poetry Slam)

III

Prof. Dr. Gesine Schwan

Das Thema « Generationenvertrag » bzw. « Generationengerechtigkeit » wird auch 2015 eine wichtige
Rolle in unserer politischen Bildungsarbeit spielen.
Deutschland im Pflegenotstand – eine Tagung

Die höhere Lebenserwartung bringt mit sich, dass
mehr Menschen in ihrem Alltag eingeschränkt und
auf (fremde) Hilfe angewiesen sind. Für Angehörige
von Pflegebedürftigen keine einfache Situation. Sie
wollen für ihre Verwandten da sein, gleichzeitig müssen sie auch den Anforderungen von Arbeitgeber/
innen gerecht werden. Oft fehlt es an Zeit und auch
an Geld, z. B. für eine Vollzeitpflege. Die Hauptlast der Sorgearbeit liegt meist bei den Frauen. Um
Beruf, Familie und Pflege überhaupt über einen längeren Zeitraum vereinbaren zu können, greifen viele
auf Pflege- und Hauswirtschaftskräfte aus dem Ausland zurück. Das Deutsche Institut für Angewandte
Pflegeforschung geht davon aus, dass derzeit rund
150.000 Migrant/innen pflegebedürftige Menschen
betreuen – häufig illegal, ohne vertraglich abgesicherten Lohn und geregelte Arbeitszeiten. Familien,
die diese Form der häuslichen Pflege in Anspruch
nehmen, bewegen sich in einem Graubereich zwischen illegaler und legaler Beschäftigung. Unsere
Fachtagung « Deutschland im Pflegenotstand » im
März 2014 hat sich mit diesem Problem beschäftigt. Wir haben auch ein umfangreiches Online-Dossier zusammengestellt. Es liefert Informationen zum
Fachkräftemangel und zur Arbeit von Migrant/innen
in der Pflege in privaten Haushalten sowie im ambulanten und stationären Bereich.
WEB: Fachtagung « Deutschland im Pflegenotstand »

Sie leben zusammen, die Jungen, die Alten
Sie müssen trotz Krisen zusammenhalten
Sie teilen das Wissen und teilen das Werden
Die einen vermissen, die anderen sterben
Wo sie schufen, gemeinsam, das große Wohl für ein
Land
Da waren noch keine Probleme bekannt
Wie ein Mangel an Arbeit, wie rohe Roboter
Da waren nur Trümmer, da lagen noch Leichen im
Schotter
Sie hausten beisammen, sie gaben sich Halt
Doch die Jungen von damals sind heute schon alt
Und sie jammern und meckern über eine Generation
Die sie von sich stoßen wie einen gefallenen Sohn
Und diese Töchter und Söhne klagen ihrerseits an
Dass die Generation X nichts für ihre Ahnen kann
«Sie waren halt Nazis, dumm und verführt
Und haben das Menschsein aus dem Menschsein
entführt»
Schließlich die Generation, die zu klein ist
Deren Perspektive noch immer geheim ist
Der demografische Wandel ist ihre Bibel
Und schon lange geschält ist die klassische Zwiebel
Scheint die Welt wohl komplexer, aber viel kleiner
So versteht sie heute wie damals immer noch keiner
Und dann sitzen sie da und reden von Verträgen
Versuchen die Gesellschaft in Stücke zu sägen
Sezieren das Leben, suchen die Anatomie
Treten in Dialog über dessen Physiologie
Gerecht soll es sein, Chancen für alle
Sie warnen vor der demografischen Falle
Lebenswert soll die Welt sein für die Menschen von
morgen
Selbstverständlich, dass wir die Gegenwart nur von
ihnen borgen
Auf dass sie uns, ihre Ahnen, nicht verdammen
Darum kommen wir heut für den Dialog hier
zusammen
Wie viel Du steckt im Ich?

Große Transformation  –  Der demografische Wandel

Der Generationenkongress kurz gefasst von den
Berlinern Sarah Bosetti & Daniel Hoth (Poetry-Slam):

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54
Inklusion in Städten

Große Transformation  –  Inklusion in Städten

Bald werden 75 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben und 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften. Die meisten Menschen kommen in Städte, um erfolgreich
zu sein und ein besseres Leben zu führen. Gelingt es, sie zu integrieren, ihnen Chancen und
Teilhabe zu ermöglichen, so kann es urbanen Wohlstand für alle geben. Scheitern sie, sind
Ausgrenzung, Armut und soziale Spannungen die Folge.

I

Keynote von Mahzarin R. Banaji, Professor of Psychology & Social Ethics, Harvard University Boston

Cities of Migration –
Eine Agenda des Wohlstands für alle
I–VI

Menschen, die in Städten leben, sind vielfältig. Sie tet: inklusive Stadtpolitik, ökonomischer Wohlstand
unterscheiden sich durch Herkunft, Lebensweise, und urbane Demokratie. Ein « Marktplatz der Ideen »
Bildung, Religion und vieles mehr. Doch Städte zeigte Beispiele gelungener Inklusionspolitik, die
gehen sehr unterschiedlich mit ihrer Vielfalt um. Wie Migrant/innen willkommen heißt und Voraussetzunoffen und liberal eine Stadt ist, zeigt sich nicht nur gen für Integration, Partizipation und Erfolg schafft.
daran, wie viel gutverdienende Kreative sie anzieht. Über 350 Gäste aus mehr als 80 Ländern nahmen an
Eine offene Stadt zeichnet sich vor allem dadurch der Konferenz teil. Sie wurde in enger Kooperation
aus, dass auch Menschen, die mit wenig ankommen, mit der kanadischen Maytree Foundation organisiert
eine Chance bekommen. Auf unserer internationa- und fand mit Unterstützung der Bertelsmann-Stiflen Konferenz « Cities of Migration » im Juni 2014 in tung, der Botschaft von Kanada, der Stiftung MercaBerlin haben wir die Zukunft internationaler Migra- tor und vielen anderen statt.
→ WEB: Konferenz « Cities of Migration »
tionsstädte aus verschiedenen Blickwinkeln beleuch 
tionspolitik, Teilhabegesellschaft und Diversity Manage ment: http://heimatkunde.
boell.de/

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55

Heather Shotter: Executive Director,
Committee for Auckland

III

Teilnehmer/innen der internationalen
Konferenz « Cities of Migration »

–

Inklusion in Städten

II

Große Transformation

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IV

V

« Neighbourhood Walks » durch Kreuzberg, Mitte, Neukölln und Pankow

Ravi Jain, Theaterkünstler, und Donna Williams, Chief
Audience Development Officer, The Metropolitan
Museum of Art

VI

Stephanie Oueda, International Diversity Manager,
L’Oreal, Paris, France

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56
Die Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung
Die 16 Landesstiftungen im Verbund der Heinrich-Böll-Stiftung sind selbständige Vereine,
sie arbeiten aber untereinander und auch mit der Bundesstiftung eng zusammen. Mit
ihrer Bildungsarbeit wollen sie die politische Urteilskraft der Bürgerinnen und Bürger
schärfen, zu bürgerschaftlichem Engagement anregen und die Möglichkeiten zur Teilhabe
am politischen Leben verbessern. Die Landesstiftungen organisieren selbst oder in Ko operation mit Projektpartnerinnen und Projektpartnern Veranstaltungen unterschiedlichster
Art. Sie bedienen sich dabei der Formen «klassischer» politischer Bildungsarbeit (Seminare,
Tagungen, Publikationen) genauso wie anderer Formate (Fahrradkino, Vereinswerkstätten,
Lesungen, Ausstellungen). Hier eine kleine Auswahl an Projekten aus dem Jahr 2014:

vom Menschen auf den Computer. Was aber
bedeutet das für die Friedenspolitik? Ermöglichen
diese Technologien eine Kriegsführung unterhalb
der Schwelle des klassischen Krieges? Werden so die
internationalen Vereinbarungen zur Eindämmung
von Kriegsgefahren und -zerstörungen schleichend
ausgehebelt? Auf einer Fachtagung der Petra-Kelly-Stiftung im Januar in München diskutierten Expert/innen aus der Friedens- und Konfliktforschung,
dem Humanitären Völkerrecht und der Politik über
die neuen Kriegsführungstechnologien und ihre Auswirkungen auf die Friedenspolitik.

L a n d e s s t if t u ng en

 

Die Sicherung des Fachkräftebedarfs ist eine der
größten wirtschaftlichen Herausforderungen in
Deutschland. Einem drohenden Mangel müssen Länder und Regionen durch gesteuerte Zuwanderung
und durch verbesserte Integration in den Arbeitsmarkt von hier lebenden Migrant/innen begegnen.
Welche Ansätze auf der politischen und rechtlichen
Ebene gibt es hierfür bereits? Kann die Attraktivität für internationale Fachkräfte durch den Aufbau einer Willkommenskultur gesteigert werden?
Diese Fragen diskutierte die Heinrich-Böll-Stiftung
Kino
Baden-Württemberg im Juni mit internationalen
Fachleuten und rund 120 Gästen, viele davon MulBerlin: Trashed – No Place for Waste
tiplikator/innen aus Verwaltung, Wirtschaft und
Ein Kinoerlebnis der besonderen Art ermöglichte
Wissenschaft. Migrant/innen berichteten aus eigedas Bildungswerk Berlin zusammen mit dem Interner Erfahrung, wie es um die Willkommenskultur im
nationalen Kulturzentrum ufaFabrik: Mit selbst
Ländle bestellt ist. Die Fachkonferenz in Stuttgart
erzeugtem Strom brachten die Kinobesucher/innen
fand in Kooperation mit der Bundesstiftung und der
den mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm
Wirtschaftsförderung Region Stuttgart statt.
« Trashed – No Place for Waste » (USA 2012) von
Jeremy Irons ins Rollen, der sich mit den Auswirkungen des globalen Müllproblems auseinandersetzt. Auf den eigens zu diesem Zweck konstruier 
ten Standfahrrädern radelten jeweils zehn Personen,
um die Generatoren für den Filmprojektor am LauDie Armeen westlicher Staaten verändern sich grund- fen zu halten (die Energie wird ähnlich wie bei einem
legend – eine « Revolution in Military Affairs », wie Dynamo umgewandelt). Auf diese Weise schärfte
die Fachleute sagen. Immer mehr High-Tech-Waf- die Veranstaltung das Bewusstsein für ökologische
fensysteme gelangen in die militärischen Arsenale, Themen und machte auf kommunikative Weise nachdie Systeme werden zunehmend vernetzt, und das haltige Energieerzeugung erfahrbar. In den kurzen
Cyberspace wird intensiv für militärische Zwecke Radelpausen kommentierten Expert/innen zentrale
genutzt. Entscheidungen verlagern sich immer stärker Passagen der Dokumentation.

Link

Link

Die Debatte online unter:
www.boell-bw.de/archiv

Tagungsbericht unter:
www.petrakellystiftung.de/
programm/veranstaltungsdetails/article/technikmacht-kriege/14.html

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57

 

Diskussion
Hamburg: Inklusion und Gebärdensprache – geht das?

Verschiedene Formate
Bremen: Städtische Räume gemeinsam entwickeln

Die Reihe « Böll Kontrovers » der Heinrich-BöllStiftung Hessen greift aktuelle gesellschaftliche
Debatten auf und diskutiert sie mit Gästen aus Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur. Die
Analyse gesellschaftlicher Strukturen und Machtverhältnisse ist hier genauso von Interesse wie die
Frage nach emanzipatorischen Strategien und Spielräumen. « Böll Kontrovers » beleuchtet Hintergründe
und bringt Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven, Positionen und Argumentationen miteinander
ins Gespräch. Besonders spannend waren 2014 die
Debatte um das Recht auf informationelle Selbstbestimmung – das ZDF machte daraus sogar ein Feature – und die Debatte zum Thema « Das optimierte
Gehirn. Wie verändert Neuro-Enhancement unser
Denken? ».

Gibt es eine Krise der Demokratie? Bei einem RoundTable-Gespräch der Heinrich-Böll-Stiftung Bremen
setzten die Diskutanten der vielbeschworenen Politikverdrossenheit unterschiedlichste Repräsentations- und Beteiligungsformate entgegen: inner- und
außerhalb von Parteistrukturen, von Politik oder
Zivilgesellschaft initiiert, mit Politiker/innen als
Stellvertretende oder Moderatoren. Die Ergebnisse
werden 2015 publiziert. In der Praxis findet Beteiligung meist im direkten Umfeld der Bürger/innen
statt – in ihrem Stadtteil. In der Reihe « Stadt ist
Zukunft » präsentierte Elke Krasny in der Ausstellung « Hands-on Urbanism » Ansätze von Selbstorganisation im urbanen Raum. Kolja Reichert und
Carsten Werner diskutierten die Rolle von Künstler/
Verschiedene Formate
innen in der Stadt entwicklung. Ein weiteres Projekt
in Kooperation mit ÖkoStadt Bremen zeigte auf, wie
Mecklenburg-Vorpommern: Aufbruch in die Freiheit
Migrant/innen durch Urban Gardening am öffentliDie Ereignisse von 1989/90 waren Wegbereiter
chen Leben beteiligt werden können.
der Demokratie in Zentral- und Osteuropa. Mit der
friedlichen Revolution von 1989 haben Menschen
Geschichte gemacht. Für die Heinrich-Böll-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern Anlass genug, die
Widerstandsbewegung und ihre Motive zu thema-

 

 

 

 

Landesstiftungen

Was passiert, wenn sich der Forstchor Templin und Demokratie verspricht, allen Teilen der Gesellschaft
der Gebärdenchor Berlin begegnen, um gemein- soziale Teilhabe zu ermöglichen. Doch Menschen, die
sam zu singen? Was, wenn ein Tischtennisverein auf irgendeine Weise körperlich beeinträchtigt sind,
gegen blinde Showdown-Spieler/innen antritt? wird dies oft erschwert. Zum Beispiel Menschen mit
Und wie klingt es, wenn eine Neuruppiner Schüler/ Hörschwierigkeiten. Politik muss also inklusiver werinnen-Band mit einer Gruppe rumänischer Stra- den, doch wie? Die Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg
ßenmusikanten auf der Bühne steht? In 15 « Ver- veranstaltete eine Diskussion zu möglichen Strateeinswerkstätten », die die Heinrich-Böll-Stiftung gien, vom Teilhabegeld bis hin zur Einführung von
Brandenburg zwischen 2012 und 2014 durchführte, Gebärdensprachkursen in Kitas. Vorausgegangen
trafen sich je zwei Vereine, die ähnliche Interessen waren diverse Workshops mit über 100 Teilnehmenhaben, sich aber aufgrund unterschiedlicher Hinter- den, darunter auch viele Hörgeschädigte. Die Beiträge
gründe, Lebensweisen oder Wohnorte im Alltag nur wurden simultan in Gebärdensprache übersetzt und
selten begegnen. Gemeinsam wurde gesungen, foto- auf eine Leinwand transkribiert, so dass auch nicht
grafiert, musiziert, geangelt, gekocht, geimkert und der Gebärdensprache Kundige folgen konnten. Ein
Bäume wurden gepflanzt. Vereine sind ohnehin zen- gelungener Abend, der die politische Bildungsarbeit
trale Orte des zivilgesellschaftlichen Engagements hinsichtlich ihrer praktischen Durchführung um
und Austauschs. Die Vereinswerkstätten boten einige inklusive Aspekte bereichert hat.
darüber hinaus Gelegenheit, in ungezwungener Atmosphäre andere Lebenswelten kennenzulernen. Für
die Wertschätzung gesellschaftlicher Vielfalt eine
 
wichtige Voraussetzung!

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58

tisieren sowie ihre Ziele mit aktuellen Herausforde- vertretende Betroffenen-Politik » benötigen. Die Jurungen für Europa zu spiegeln. Neben Diskussionen, gendlichen haben sich erfolgreich mit Politiker/innen,
Filmvorführungen, einer Theateraufführung und ei- Flüchtlingsinitiativen, kirchlichen und anderen zivilnem Kneipenquiz wurde auch die Ausstellung « Wir gesellschaftlichen Gruppen vernetzt und richten sich
müssen schreien, sonst hört man uns nicht. Frauen- gegen jegliche Art von Diskriminierung. Roya Issa,
widerstand in der DDR der 1980er Jahre » der Robert- syrische Malerin und Stipendiatin der Stiftung im
Havemann-Gesellschaft präsentiert. Bei der Eröff- Haus Langenbroich, hat in einer bewegenden Rede
nung der Ausstellung zeichnete die Bürgerrechtlerin den Preis übergeben.
Ulrike Poppe die Entwicklung der Widerstandsbewegung nach und schloss mit einem Zitat von Václav
Havel: « Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass
 
etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – egal wie es ausgeht. »

Landesstiftungen

 

Das indigene Konzept « Buen Vivir » (Gutes Leben)
propagiert – neben einem Leben im Einklang mit
der Natur – eine neue « Ethik der Entwicklung », ein
soziales und solidarisches Wirtschaften und eine
Veränderung im Lebens- und Politikstil. Die Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz hat das Konzept
im April 2014 im Mainzer Kulturzentrum KUZ vorgestellt. « Gutes Leben » hat auch immer etwas mit
Kultur zu tun. Den sinnlichen und künstlerischen Part
der Veranstaltung übernahmen die lateinamerikanische Band Grupo Sal und der Ecuadorianer Alberta
Acosta. Acosta gehört zu den führenden Intellektuellen Lateinamerikas und ist der bedeutendste Verfechter des Konzepts « Buen Vivir ». Zusammen mit
dem Publikum gelang es, die Ebene des lokalen Handelns mit der globalen Perspektive zu verknüpfen.

Wie gelingt eine Transformation in der Landwirtschaft? – so lautete die Leitfrage eines Workshops
der Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachen über die
Zukunftsperspektiven nachhaltiger Landwirtschaft.
Er bildete den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen zu diesem Thema. Es geht darum, auszuloten, was überhaupt unter grüner Landwirtschaft
zu verstehen ist. Dann, welche Schritte auf dem Weg
dorthin notwendig sind und welche Akteure dafür
gebraucht werden. Eine gesunde Ernährung gehört
ebenso dazu wie der Erhalt von Biodiversität. Städte
ziehen immer mehr Menschen an. Aber wie werden
sie zukünftig mit Lebensmitteln versorgt? Wie sieht
 
eine ethische Wirtschaftsweise in Landwirtschaft
und Lebensmittelproduktion aus? Welche Anforderungen an die schulische sowie berufliche Aus- und
Mit « Böll & Hofstätter » hat die Heinrich-Böll-StifFortbildung ergeben sich daraus, und was bedeutet
tung Saar eine erfolgreiche Veranstaltungsreihe in
das alles für die Politik? Erste Antworten finden sich
Zusammenarbeit mit dem Saarbrücker Buchhändler
in der Dokumentation Grüner (Land-) Wirtschaften.
Ludwig Hofstätter etabliert. Seit fünf Jahren werden in dieser Reihe zeitgenössische Literatur, große
Schriftsteller/innen und junge Talente an wechselnden Orten dem saarländischen Publikum präsenPreisverleihung
tiert. Im Juni 2014 war der schwedische Autor Lars
Gustafsson zu Gast. Er las vor über 150 Besucher/
Nordrhein-Westfalen: Jugendliche ohne Grenzen
Die Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen innen aus seinem Roman « Der Mann auf dem blauen
vergibt jährlich den Ideenpreis « Der Heinrich ». Da- Fahrrad » sowie neue Gedichte. Die Veranstaltung
mit ehrt sie neue oder ungewöhnliche Projekte, wurde auch im Kulturmagazin des saarländischen
Aktionen oder Kampagnen und will zum Nachma- Rundfunks gesendet.
chen anregen. 2014 ging der Preis an « Jugendliche
ohne Grenzen », deren Landesgruppe sich in NRW
gerade etabliert. In der selbstorganisierten Gruppe engagieren sich strukturell benachteiligte junge
Menschen. Ihre Arbeit folgt dem Grundsatz, dass Betroffene eine eigene Stimme haben und keine « stell-

 

 

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59

 

Reihe
Sachsen-Anhalt: Rezepte für Klimaschutz und
Nachhaltigkeit

Der verschwenderische Lebensstil der westlichen
Welt führt zu Hungersnöten und Klimawandel, das
ist nicht neu. Dass unsere Ernährungsgewohnheiten
an diesen globalen Problemen einen wesentlichen
Anteil haben, ist dagegen meist weniger bekannt. In
der Reihe « Rezepte für Klimaschutz und Nachhaltigkeit » hat die Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt
an 12 Abenden Überlegungen und Ansätze vorgestellt, wie globale soziale Ungerechtigkeiten verringert und das Klima geschützt werden können – zum
Beispiel durch bewussteres Konsumverhalten, weniger Fleisch auf dem Teller und eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion. Dass Umweltschutz und
Genuss kein Widerspruch ist, wurde dabei sehr deutlich. Viel Kritik gab es, trotz der noch sehr präsenten « Veggieday »-Debatte, am hohen Fleischkonsum
hierzulande und der (Wirtschafts-)Politik, die dies
ermöglicht.

Hörfunksendung und Abendveranstaltung

Menschen sind weltweit auf der Flucht und suchen
Asyl. Auch in Sachsen. In vielen Städten und Kommunen steigt die Zahl der Menschen, die hier ankommen und Schutz brauchen. Neue Gemeinschaftsunterkünfte entstehen. Mit ihnen nehmen auch die
öffentlichen Diskussionen über Geflüchtete zu. Diese
sind oft gekennzeichnet von Unkenntnis, Vorurteilen und Ressentiments, welche durch rassistische
Parteien politisch genutzt werden. Das Pocketheft
« Mal ehrlich! Flucht und Asyl in Sachsen », herausgegeben von weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung
Sachsen, informiert und argumentiert rund um das
Thema Asyl im lokalen Umfeld. Die hohe Nachfrage
hat gezeigt, dass Thema und didaktischer Ansatz
richtig waren. Das Heft wurde als Seminarmaterial
in Schulen und Demokratietrainings benutzt, durch
Asyl-Initiativen und auf Demonstrationen verteilt,
durch Verwaltungsmitarbeiter/innen angefragt und
bei politischen Diskussionen und Versammlungen
zu Heimbauten ins Spiel gebracht. Es begleitet auch
die vielfältigen Bildungsangebote zu Flucht und Asyl,
die weiterdenken sachsenweit anbietet.

Schleswig-Holstein: « Wie fühlt sich Armut an? »

Die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland
war nie größer als heute. Das gefährdet den Zusammenhalt der Gesellschaft und die Stabilität unserer
Demokratie. Dennoch findet kaum eine gesellschaftliche Auseinandersetzung darüber statt. Die Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein hat den Alltag von armen Menschen zum Thema gemacht. In
der Abendveranstaltung « Wie fühlt sich Armut an? »
erzählte die « Hartz-IV-Rebellin » Inge Hannemann
von ihren Erfahrungen mit Hartz IV, den Sanktionierungen und den Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Die 280 Besucher/innen nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen, Statements abzugeben und
von eigenen Erfahrungen zu berichten. Der Abend
machte deutlich, dass die Missstände der deutschen
Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ein Thema sind, das
Menschen bewegt. Die Offenen Kanäle in Kiel und
Lübeck sendeten den Hörfunkbeitrag der Stiftung
zum Thema.

 

 

Drogen, Rausch, Sucht – immer wieder wird über
diese Begriffe meist wenig sachlich debattiert.
Dabei sind Drogen weder gut noch böse, problematisch kann nur der Umgang mit ihnen werden. Die
Ausstellung « Drogenkultur – Kulturdrogen », die in
Zusammenarbeit der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen mit dem akzept e. V. entstand, gibt Hinweise und
Anregungen für eine fundierte Beschäftigung mit
dem Thema. Die Ausstellung tourte 2014 durch mehrere Städte, wurde in Schulen präsentiert und auch
bei verschiedenen Veranstaltungen eingesetzt, zum
Beispiel beim Internationalen Diskussionsforum des
Palette e. V. in Hamburg. Begleitend ist die CD-ROM
« Drogenkultur – Kulturdrogen » erschienen. Sie soll
Schulen, Jugendzentren, Sucht- und Drogenberatungsstellen oder auch kirchlichen Jugendgruppen
die Möglichkeit bieten, sich diesem Thema in einer
Form zu nähern, die auch neue und kritische Sichtweisen zulässt.

 

 

Landesstiftungen

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Ku n s t u n d Kult ur

60

I 

Bodymap «Birdsong» aus dem Kunstprojekt #WhoWeAreKE (Kenia)

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« Immer noch ist die Kunst ein gutes Versteck: nicht
für Dynamit, sondern für geistigen Explosivstoff und
gesellschaftliche Spätzünder. » Heinrich Böll
Kunst und Kultur im digitalen Zeitalter

Auch Kunst kann ein Mittel politischer Bildung sein:
Sie schärft die Wahrnehmung, trainiert die Intuition
und inspiriert zu kreativer Einmischung. Die Digitalisierung verschafft den Künstlerinnen und Künstlern
ganz neue Möglichkeiten, potenziert die Teilhabe an
kulturellen Errungenschaften und wird damit zu einem
neuen Spielfeld für gesellschaftliche Einmischung.
Wir untersuchen die Zusammenhänge von Kunst
und Aktivismus in sozialen und politischen Bewegungen, online und offline, national wie international. Dafür
kreieren wir Ausstellungen und Theaterprojekte, konzipieren und veranstalten Filmfestivals, internationale
Workshop-Konferenzen und Podiumsdiskussionen
zu Themen der Kultur- und Netzgesellschaft. Bei uns
mischt sich Kunst ein – im Netz und vor Ort.

Kunst und Kultur

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Kunst und Kultur  –  Das digitale Zeitalter

62

I

I

«4.48 Psychose» von Sarah Kane, Theater Dortmund

Foto: Edi Szekely

Schauspiel im Livestream – Fluch oder Segen?

Theater & Netz, Vol 2 – Workshop-Konferenz

Die Musiktheater in New York und München senden
seit Jahren erfolgreich digitale Direktübertragungen in die internationalen Cineplexe, der Stream der
Netzkonferenz re:publica wird von Spiegel online
eingebettet – nur im Schauspiel bricht bei diesem
Thema ein Kulturkampf aus. Die einen warnen vor
Kulturverfall, die anderen sehen darin eine Chance
für das Theater. Livestream im Schauspiel – Fluch
oder Segen?, das fragten wir in einem Fachgespräch
im Dezember. « Wenn schon, dann richtig! », resümierte Mounia Meiburg für die Süddeutsche Zeitung
die Veranstaltung. Zuerst sollen sich die Künstler/
innen mit dem Medium beschäftigen, dann erst die
Marketingabteilungen. Es müsse künstlerisch Sinn
machen, meinte auch der Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner. Livestreaming sei kein Ersatz
für das echte Theatererlebnis, sondern eine Ergänzung – auch für die, die nicht mobil seien, kein Geld
hätten, am falschen Ort wohnten oder aus Schwellenangst kein Theater beträten. Kay Voges, der Dortmunder Schauspielintendant und Regisseur des Theaterstücks, das live für die Veranstaltung gestreamt
wurde (« 4.48 Psychose » von Sarah Kane), wies
nachdrücklich auf die künstlerischen Chancen des
neuen Mediums hin. Die Seele des Theaters nahm
nach diesem Abend nicht wirklich Schaden, im Gegenteil: Tim Renner und die anderen Diskussionsteilnehmer/innen trieb die « Sorge um die analogen
Kulturstätten » um. Resultat unserer Diskussion: Die
Digitalisierung der Hochkultur steht auf der Tagesordnung der Kulturpolitik und der Kunst weit oben.

Unsere Workshop-Konferenz « Theater und Netz,
Vol 2 » im Mai 2014 verband wie im Vorjahr die beiden Hochämter der Berliner Theater- und der Netzszene: das legendäre Berliner Theatertreffen und die
größte nationale Konferenz für Internet und Gesellschaft re:publica. Zentrales Thema der Konferenz
war das (Theater-)Künstlerbild im digitalen Zeitalter.
Gemeinsam gearbeitet wurde einen Tag lang in SocialMedia-Workshops mit den Kommunikationsleiter/
innen der deutschsprachigen Theater. Mit über
150 Teilnehmenden aus ganz Deutschland, Österreich
und der Schweiz waren (fast) alle deutschen Bühnen
beteiligt. Gleich danach ging es bei der Sonderveranstaltung « Generation Remix » um aktuelle Fragen
des Urheberrechts. Die zusammen mit der Digitalen
Gesellschaft komponierte Gesprächsrunde plädierte
vielstimmig auf das Recht auf Remix – als eine
Chance, Musik und Literatur anderer Autor/innen
und Komponist/innen frei verwenden zu dürfen.

WEB: «Livestream im Schauspiel – Fluch oder Segen?»

→ WEB: « Theater und Netz, Vol 2 »

Kultur umsonst?

Anfang Dezember veranstalteten wir gemeinsam
mit dem ungarischen Festival für zeitgenössisches
Theater die Konferenz « Ingyen kultúra? Culture for
free? » in Budapest. Der Titel der Konferenz war
inspiriert durch das Festival selbst. Denn der langjährigen Festivalleiterin Maria Szilágyi wurde massiv die staatliche Förderung gekürzt. Trotzdem hat
sie es geschafft, mit nur wenig Mitteln ein Schaufenster der ungarischen zeitgenössischen Dramatik
zu präsentieren. Die ausgewählten Produktionen

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63

stellten die Themen Geschichtsaufarbeitung, Minderheitenrechte und LSBTI in den Mittelpunkt. Mit
Unterstützung der Stiftung wurde auch ein Gastspiel
aus Bratislava eingeladen, das neben Produktionen
aus Deutschland und Rumänien zum europäischen
Charakter des Festivals beitrug. Auf den Podien und
Workshops der Konferenz debattierten Gäste aus
Deutschland, Griechenland und Dänemark sowie
ungarische Theaterexpert/innen zur « Self-Sustainability » der Kultur und dem besonders in Ungarn zwischen den politischen Polen umstrittenen Begriff des
« Theaters der Hoffnung ». Auch abseits der Podien
suchten die Konferenzteilnehmer/innen aus allen Teilen Europas nach Zukunftsvisionen für ein Theater in
den Zeiten knapper Kassen. In den Workshops wurden dazu digitale Strategien des Theatermarketings
präsentiert. Die Veranstaltung ermöglichte den Austausch und die europäische Vernetzung der ungarischen Theaterszene in politisch schwierigen Zeiten.

II

Eva Menasse bei den Deutsch-Israelischen
Literaturtagen in Berlin

« Glaubenssachen » –
Deutsch-Israelische Literaturtage

  Publikation

    

Brennen ohne Kohle:
Download: www.boell.de/
de/2014/04/28/brennenohne-kohle

II

III

Friedensfilmpreis an « We Come as Friends »
III

Der 29. Friedensfilmpreis der Internationalen Filmfestspiele Berlin ging 2014 an den österreichischen
Regisseur Hubert Sauper für seinen Film « We Come
as Friends ». Der Filmemacher flog für seinen Film mit
einem selbstgebauten Kleinflugzeug in den Sudan.
Bei jeder seiner Landungen begegnete er Menschen,
die Akteure in einer für den Kontinent exemplarischen Situation sind. « Der Detailreichtum des Films
macht neugierig, auch weil der Film zeigt, dass die
Fehler der kolonialen Vergangenheit wiederholt werden. Er kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, an
dem Afrika von der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik wieder entdeckt wird », so die Begründung der Jury. Der Friedensfilmpreis ist mit 5.000
Euro und einer Plastik des Künstlers Otmar Alt
dotiert. Die Heinrich-Böll-Stiftung plant und organisiert die Preisverleihung und stellt das Preisgeld. Die
Schirmherrschaft liegt bei der Internationalen Vereinigung der Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges,
Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW).

  Web

  

www.boell.de/de/glaubenssachen-deutsch-israelischeliteraturtage-2014

Hubert Sauper, Friedensfilmpreisträger 2014, und
Paul Simon Lokwang, TV-Moderator aus Südsudan

  Link

  

www.boell.de/de/2014/02/
15/29-friedensfilmpreiswe-come-friends

Kunst und Kultur

Wie gehen unsere Gesellschaften mit Religiosität
um? Wer bestimmt heute, was Moral ist? Und ist
die Literatur der Ort, diese Fragen zu verhandeln?
In Ländern wie Deutschland scheint die Säkularisierung unaufhaltsam voranzuschreiten. Dennoch –
oder gerade deswegen – flackern regelmäßig hitzige
Kontroversen auf, in denen religiöse Fragen mit
verhandelt werden – über Kruzifixe in der Schule,
Beschneidung von Jungen, die Rolle des Islam in Europa oder die Grenzen der Selbstermächtigung des
Menschen. Israelische und deutschsprachige Autor/
innen haben bei unseren fünften Deutsch-Israelischen Literaturtagen in Kooperation mit dem GoetheInstitut über diese « Glaubenssachen » diskutiert und
aus ihren Büchern gelesen. Mit Meir Shalev und Eva
Menasse trafen zur Eröffnung im Deutschen Theater ein Autor und eine Autorin aufeinander, die sich
in ihren Romanen direkt mit religiösen Lehren auseinandersetzen. Den Einfluss von Religion in Politik
und Gesellschaft diskutierten Aviad Kleinberg und
Sibylle Lewitscharoff mit Stiftungsvorstand Ralf
Fücks im Grünen Salon der Volksbühne. Im Frankfurter Kleist-Forum diskutierte Shelly Kupferberg mit
Sarah Blau und Benjamin Stein, was jüdische Identität ausmacht und wie unterschiedlich sie gelebt
wird. Zur abschließenden Matinée im RenaissanceTheater Berlin begegneten sich Nili Landesman und
Hannah Dübgen zum Thema « Leben ohne Glauben ».
Welche Werte, Träume und Leiden kommen zum
Tragen, wenn « frau » das eigene Schicksal selbst in
die Hand nimmt?

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Kunst und Kultur

64

I

I

Crashkurs mit David Solomon: Die gesamte jüdische Bibel in einer Stunde – mit Edding-Stiften und einigen Metern Leinwand.

Bibel-Crashkurs mit David Solomon

SPOKEN WOR:L:DS Nairobi – Berlin

Für seine Vorträge braucht David Solomon nur ein
paar dicke Edding-Stifte und einige Meter Leinwand.
Etwa 4.000 Jahre deckt er in seinem Vortrag über
die « Jüdische Geschichte in einer Stunde » ab. Durch
seine Vortragsreihe « In One Hour » wurde er zu
einem der wichtigsten Vermittler des Judentums. Im
September 2014 ging es im Rahmen der Jüdischen
Kulturtage in Berlin « nur » um 2.000 Jahre: In einer
Stunde gab Solomon einen Überblick über den
gesamten Tanach, stellte jedes Buch mit seinen
Hauptthemen im historischen Kontext dar und beleuchtete den Übergang von den Legenden des alten Israels zur objektiven Realität der jüdischen
Geschichte. In einer Zeit, in der sich der Antisemitismus wieder offen zeigt, ist diese Erinnerungsarbeit
besonders wichtig. Die Geschichte der jüdischen
Bibel erinnert nämlich auch daran, auf welchen geistigen und ethischen Fundamenten das Christentum
und die europäische Zivilisation stehen.

SPOKEN WOR:L:DS, ein Austauschprojekt der Literaturwerkstatt Berlin, führte in die poetischen Topographien zweier energiegeladener Großstädte: Berlin traf auf Nairobi und umgekehrt; Rap und HipHop
auf Spoken Word und Lyrik. Berliner Rapper/innen,
Spoken-Word-Autor/innen und Lyriker/innen reisten
nach Nairobi und arbeiteten dort mit kenianischen
Künstler/innen an Texten, Performances und HipHop-Songs. Fünf Monate später – im April 2014 –
setzten die kenianischen und deutschen Künstler/innen ihre gemeinsame Arbeit in Berlin auf der Beletage der Heinrich-Böll-Stiftung fort. Beim Auftaktabend in der Stiftung stellten sie live das Ergebnis
ihrer Arbeit vor: eine CD mit Hip-Hop-Tracks, Lyrik
und Spoken-Word-Stücken. Es war der Auftakt einer
Veranstaltungsreihe mit Gesprächen, Performances
und Konzerten in Berlin.

  Web

 

 

  

Website One Hour:
www.inonehour.net/

→ WEB: Ausstellung « SPOKEN WOR:L:DS »

II–V

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II

Billy Kahora und Sitawa Namwalie

Foto: Olad Aden

Kunst und Kultur

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III

IV

(v.l.n.r): Prya Basil, L-Ness, MC Kah und Dr. Susanne Stemmler

(v.l.n.r): Billy Kahora, Sitawa Namwalie, Josefine Berkholz und Octopizzo Foto: Olad Aden

V

Foto: Olad Aden

(v.l.n.r): Checkmate Mido, Namatsi Lukoye und
Sitawa Namwalie Foto: Olad Aden

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Hannah-Arendt-Preis 2014
an Juri Andruchowytsch, Nadeshda Tolokonnikowa
und Marija Aljochina
Der Hannah-Arendt-Preis 2014 ging an den ukrainischen Autor Juri Andruchowytsch sowie an die russischen Aktionskünstlerinnen Nadeshda Tolokonnikowa und Marija Aljochina (ehemals Mitglieder von
Pussy Riot). Andruchowytsch ist seit Jahren eine
wichtige literarische Stimme der demokratischen
Bewegung der Ukraine. Nadeshda Tolokonnikowa
und Marija Aljochina trugen auf dem Höhepunkt der
Demonstrationen gegen die Wiederwahl Putins mit
Pussy Riot den Widerstand ins geistige Zentrum des
neuen großrussischen Machtgebildes. Mit ihrer Auszeichnung hat die Jury auch all jene gewürdigt, die
trotz Verfolgung am Widerstand gegen die reaktionäre Wende in Russland festhalten. Der HannahArendt-Preis für politisches Denken wird von der
Stadt Bremen und der Heinrich-Böll-Stiftung vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wird an Personen verliehen, die in ihrem Wirken mutig das « Wagnis Öffentlichkeit » angenommen haben.
→ WEB: « Hannah-Arendt-Preis 2014 »

Kunst und Kultur

Beyond Borders – Performance-Workshops

Der Völkermord an den Armeniern während des
Ersten Weltkrieges belastet noch immer die Beziehungen zwischen Armenien und der Türkei. Im interkulturellen Dialog und gerade im Kontext von Konflikten, wo Sprache oft als Mittel für Abgrenzung
und Beschuldigung instrumentalisiert wird, könnte nonverbale Kommunikation eine Methode sein,
um Feindbilder abzubauen – so die Idee hinter dem
Performance-Projekt « Beyond Borders ». In einem
Workshop, unterstützt von unserem Büro in Georgien,
versuchten türkische und armenische Frauen über
nonverbale Kommunikation eine Annäherung. Und
es gelang tatsächlich, unter den Frauen eine Verbundenheit herzustellen, die ohne Sprache funktioniert.
Vorurteile und Ängste gegenüber ihren « Feindinnen »
konnten sie durch Solidarität und Verständnis ersetzen. Am Ende entstand eine Performance, die in
Jerewan und Aghdzk (Armenien) aufgeführt wurde.
Sechs der Teilnehmerinnen fuhren anschließend zu
einem internationalen Theaterfestival in die Slowakei und stellten die Ergebnisse des Projektes vor.
Wer wir sind – Auf der Suche nach Identität in Kenia
I

Machtkämpfe politischer Eliten in Kenia folgen einer
oft kalkulierten ethnischen Logik. Nach den Wahlen im Jahr 2007 hatte diese Art der Identitätenpolitik zu Gewaltexzessen geführt, bei denen mehr als
tausend Menschen starben. Trotz einer neuen fort 

I  «Who I Am, Who We Are», ein Kunstprojekt von
Wambui Kamiru (Kenia) und Xavier Verhoest (Belgien)

schrittlichen Verfassung waren auch die letzten
Präsidentschaftswahlen von ethnischen Tönen dominiert. Obwohl sie weitgehend friedlich verliefen,
hat das Wahlergebnis das Land tief gespalten. Regierung und Opposition bedienen sich auch weiterhin ihrer jeweiligen ethnischen Basis und wieder ist
es ethnische Politik, die Kenia in die nächste Krise
bringen könnte. Um Argumenten von Ausschluss und
Dominanz die Kraft zu politischer Mobilisierung zu
nehmen, müssen Ethnizität und Identität neu diskutiert werden. Unser Büro in Kenia hat ein Kunstprojekt unterstützt, was genau dies versucht: «Who I
Am, Who We Are » (Wer ich bin, wer wir sind). Es
ist Konzeptkunst, Gespräch und Begegnung in einem.
Menschen kommen zusammen und kartieren ihre
Wahrnehmung von sich selbst auf lebensgroßen
Body Maps. Teil des Projekts ist auch ein öffentlicher
Silent Room. Dort werden den Besucher/innen Fragen gestellt wie « Sind Sie Kenianer/Kenianerin? »,
« Was unterscheidet Sie von anderen Kenianer/innen? » oder « Was bedeutet es, Kenianer/Kenianerin
zu sein? » – Mehr als 800 Menschen haben diese Fragen bereits beantwortet. Auch wenn sich die Antworten unterscheiden, die Erfahrungen im Silent Room
sind ähnlich. Die Besucher/innen denken zum ersten
Mal über die Komplexität von Identität nach, ihrer
eigenen und der der anderen. Auch das hilft, die Verkürzung auf ethnische Identitäten zu hinterfragen.
Body Mapping und Silent Room ziehen von Nairobi
auch an den Viktoriasee, die Küste und den Norden
Kenias. Am Ende werden die Antworten auf die Frage, wer ich bin und wer wir sind, so vielschichtig ausfallen, wie die Menschen in Kenia selber sind. Doch
ein tieferes Verständnis der eigenen Identität sowie
einer – wenn auch amorphen – kollektiven Identität schafft Ansprüche und Anteilnahme am eigenen
Land und damit auch das Bewusstsein von Verantwortung jenseits der ethnischen Gruppe.
→ WEB: Konzeptkunst «Who I Am, Who We Are »

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Refugium für Künstlerinnen und Künstler

II 

Kunst und Kultur  –  Verein Heinrich-Böll-Haus Langenbroich

Weltweit vertreten Künstlerinnen und Künstler Positionen zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Mit unserem Stipendienprogramm im Verein Heinrich-Böll-Haus Langenbroich e. V. ermöglichen wir unseren Gästen, für einige Monate ungestört, ohne finanzielle
Sorgen, frei von Verfolgung und Zensur kreativ zu arbeiten. Mitgetragen wird der Verein
von der Stadt Düren und dem Land Nordrhein-Westfalen.

Dara Abdallah, Schriftsteller aus Damaskus. Er ist einer der vielen jungen Kreativen, die die syrische
Revolution von Anfang an künstlerisch und journalistisch begleitet haben. Foto: Larissa Bender

Gäste im Heinrich-Böll-Haus 2014

Roya Issa (Jahrgang 1973), Malerin aus Damaskus
(Syrien). Die frühe Kindheit verbrachte sie in Algerien, graduiert hat sie an der Faculty of Fine Arts in
Damaskus, danach arbeitete sie als freie Künstlerin
in Dubai. Seit 2007 arbeitet sie für Kino- und Fernsehproduktionen in Damaskus und ist Kunstlehrerin an der dortigen Pakistani International School.
Für ihre Ausstellung im Opernhaus Kairo (Ägypten)
wurde sie mit dem Preis der « Lovers of Fine Arts
Foundation » ausgezeichnet. Sie ist Mitbegründerin
des Projektes « we are puppets » für syrische Flüchtlingsfrauen in Ägypten, das von den Vereinten Nationen unterstützt wird.

wurde er erneut zum Flüchtling. Über ein Jahr lebte
er ohne Aufenthaltsstatus in Amman (Jordanien), da
Jordanien syrischen Palästinensern systematisch die
Einreise verweigert. Anfang 2014 veröffentlichte
er bei einem jordanischen Verlag eine Gedichtsammlung unter dem Titel « Auf Träumen laufen(d) »/
« Walking on Dreams ». In seinen Texten beschäftigt
er sich mit Fragen nach der eigenen Identität, mit
dem Leben im Flüchtlingslager oder den Erfahrungen als syrischer Aktivist.

Ebenfalls 2014 zu Gast waren der syrische Schriftsteller und Lyriker Mohammad Matroud (Jahrgang
1969), der georgische Schriftsteller Zaza BurchulRamy Alasheq (Jahrgang 1998), palästinensisch- adze (Jahrgang 1973), der syrische Schriftsteller
syrischer Schriftsteller aus Damaskus (Syrien). Dara Abdallah (Jahrgang 1990), der syrische Lyri« Schwankend zwischen Schmerz und Hoffnung », so ker, Journalist und Literaturkritiker Kheder Alaga
charakterisiert er selbst seine Texte. Alasheq ist im (Jahrgang 1963) sowie der palästinensisch-syrische
syrischen Flüchtlingslager al-Yarmouk in Damas- Lyriker Raed Wahash (Jahrgang 1981). Sie wurden
kus aufgewachsen. Infolge der Ereignisse in Syrien bereits im Jahresbericht 2013 näher vorgestellt.

  Bewerbung

 
Mit Ihrer Hilfe können wir Schriftsteller/innen und Künstler/innen
zu uns einladen.
I Ulrike Cichon E cichon@boell.de

 

Bewerbungen für Stipendien an:
Heinrich-Böll-Stiftung, Frau Sigrun Reckhaus c/o Stadtbibliothek
Josef-Haubrich-Hof 1, 50676 Köln
T 0221 - 28 34 850 F 0221 - 51 02 589 E reckhaus@boell.de

II

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St u die n w erk

68

I

Herzlich Willkommen! Die Stipendiatinnen und Stipendiaten von 2014

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69

Rückenwind für junge Talente

Wir fördern Studierende und Promovierende aller
Fachrichtungen aus dem In- und Ausland. Neben einem
Stipendium fördern wir auch « ideell », d. h. wir bieten
individuelle Beratung und Qualifizierung, regen zur
politischen Debatte an und unterstützen unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten darin, sich selbst zu organisieren und zu vernetzen.
Unser Anliegen ist es, Talente zu entdecken und
ihre Potenziale zu fördern. So wollen wir zukünftige
Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gewinnen, die
sich weltweit für die Ziele der Stiftung einsetzen: für
mehr Demokratie, Solidarität, ökologisches Handeln,
nachhaltige Politik und Menschenrechte.
Wir kombinieren in unserer Nachwuchsförderung
den Leistungsgedanken mit Chancengerechtigkeit.
Neben sehr guten Schul- bzw. Studienleistungen, die im
Auswahlverfahren im biografischen Kontext bewertet
werden, erwarten wir von unseren Stipendiatinnen
und Stipendiaten, dass sie Verantwortung für das
Gemeinwesen übernehmen, sich gesellschaftlich engagieren und sich für Politik interessieren.

Studienwerk

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70

Wie wollen wir leben? » beschäftigte sich mit sozialen
und ökologischen Transformationsprozessen. Es ging
dabei um Gemeingüter, solidarisches Handeln, die
Commons-Debatte und neue Modelle des Wirtschaftens und Haushaltens. Der jährlich stattfindende
Alumni-Salon drehte sich 2014 ebenfalls um ein ökologisches Thema. Rund 130 Alumni diskutierten, wie
die Politik und auch jeder Einzelne zu einer gerechten Verteilung von Ressourcen beitragen können. Ein
Höhepunkt waren die Zukunftswerkstatt « Energiewende für alle! » und die Szenarienentwicklung zur
Ressourcenverteilung im Jahr 2050. Während des
Aumni-Salons wurden auch aus der Förderung ausgeschiedene Stipendiat/innen feierlich verabschiedet. Sie hatten zudem die Gelegenheit, Workshops
zum Berufseinstieg und zu weiteren Entwicklungsmöglichkeiten zu besuchen.
Neben neuen Themen fanden auch altbewährte
Veranstaltungsformate wieder ihren Platz. Dazu gehören die zweimal jährlich stattfindenden Einführungsseminare « Ansichten einer Stiftung », in denen
die Neustipendiat/innen die Stiftung im Allgemeinen
und die ideelle und materielle Förderung des StudienIdeelle Förderung:
werks im Besonderen kennenlernten. Sie diskutierBeratung – Qualifizierung – Vernetzung
ten aktuelle Fragen grüner Politik mit Stephan Kühn,
Wir bieten unseren Stipendiat/innen neben der mate- Sprecher für Verkehrspolitik der Fraktion Bündnis
riellen Förderung auch persönliche Beratung zur 90/Die Grünen, und Barbara Unmüßig, Vorstand der
Studienplanung, machen Angebote zur gegenseiti- Heinrich-Böll-Stiftung.
gen Vernetzung und legen ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Seminaren, Workshops, Promotionsförderung
Studienreisen, Diskussionsforen u. v. m. auf. Mit un- In der Promotionsförderung setzen wir den Schwerserem Begleitprogramm wollen wir zur politischen punkt zu Nachhaltigkeitswissenschaft und -forDebatte anregen, Schlüsselkompetenzen vermitteln, schung fort. Inzwischen werden 24 Promovierende
zum interdisziplinären Dialog ermuntern und das aus unterschiedlichen Fächern in dem Forschungsgesellschaftspolitische Engagement unserer Stipen- cluster zur « Transformationsforschung » gefördert.
diat/innen fördern.
Die Teilnehmenden befassen sich aus diversen Perspektiven mit Fragen der ökologischen Transformation. Im Jahr 2014 setzten sie sich mit dem TransThemen im Begleitprogramm 2014
In unserem Begleitprogramm fühlen wir uns dem formationsbegriff auseinander, erlernten Strategien
Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung zur Vermittlung komplexer Fragestellungen an ein
(BNE) verpflichtet. Es setzt sich zum Ziel, « Men- breites Publikum und besuchten Institute unserer
schen zu befähigen, die Zukunft im Sinne nachhal- Kooperationspartner wie das Potsdamer Institut für
tiger Entwicklung mitgestalten zu können ». Viele Klimafolgenforschung und das Mercator Research
unserer Veranstaltungen beschäftigten sich dem- Institute on Global Commons und Climate Change in
zufolge methodisch und inhaltlich mit dem Thema Berlin.
Highlight für unsere Promovierenden ist das jähr« Nachhaltigkeit ». 2014 fand zum Beispiel an der
Universität Maastricht ein Seminar zum Aufbau von lich stattfindende Promovierendenforum. Dort kön« Green Offices » statt. In Maastricht hatten Studie- nen sie ihre Forschungsarbeiten präsentieren und
rende bereits erfolgreich ein solches Office aufgebaut. sich untereinander austauschen.
Im Seminar erlernten die Teilnehmenden Fähigkeiten,
die es ihnen erleichtern, an der eigenen Hochschule Selbstorganisation gefragt: Ad-hoc-Gruppen
ein solches Büro aufzubauen. Ein weiteres Seminar Zu den möglichen Formen stipendiatischer Selbstorbot einen Schnupperkurs zum Thema « Klimapolitik ». ganisation gehören neben den Arbeitsgruppen und
Es war Teil einer Veranstaltungsreihe, die insbeson- den Hochschulgruppen (« Lokale Initiativen ») sogedere Studienanfänger/innen die Schwellenangst vor nannte Ad-hoc-Gruppen. 2014 wurden 20 solcher
Themen nehmen will, die als « schwierig » empfunden Ad-hoc-Gruppen-Treffen initiiert. Das Format bietet
die Möglichkeit, zu selbst gewählten Themen einmawerden.
Auch unsere Sommerakademie, der Campus, zum lige Treffen zu veranstalten – das Studienwerk überOberthema « Mehr Gemeinsamkeit in der Zukunft: nimmt die Fahrtkosten. Diese Begegnungen sind hin
Wer wird gefördert?

Studienwerk

Aus rund 2.000 Bewerbungen wählte das Studienwerk 228 Stipendiat/innen in einem dreistufigen
Verfahren neu aus. Insgesamt förderten wir im vergangenen Jahr 1.026 Studierende und 225 Promo vierende (57 Prozent Frauen und 43 Prozent Männer). Mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung konnten 1166 Stipendiat/innen
unterstützt werden, davon 200 Promovierende. Von
diesen Studien- und Promotionsstipendiat/innen
haben 334 (29 Prozent) eine Migrationsgeschichte,
und 434 (37 Prozent) kommen aus einem nichtakademischen Elternhaus. Über Mittel des Auswärtigen
Amtes wurden insgesamt 85 internationale Stipendiat/innen gefördert, davon 24 Promovierende. Insgesamt 25 Personen (29 Prozent) kamen aus dem
europäischen und 60 (71 Prozent) aus dem außereuropäischen Ausland. Regionale Förderschwerpunkte
der Stiftung sind Mittel- und Osteuropa, die Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) sowie Nordafrika und Naher Osten (hier vor allem Ägypten, Liba
non, Marokko, Tunesien, Syrien und Israel).

IV–VI

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71

Arbeitsgruppen
Eigenverantwortlich organisierte Arbeitsgruppen der Stipendiat/
innen, die zu Schwerpunktthemen der Heinrich-Böll-Stiftung
arbeiten, bilden einen wesentlichen Bestandteil des Begleitprogramms. Im Jahr 2014 arbeiteten neun Arbeitsgruppen
zu folgenden Themen:
-

AG Gender und Feminismus

-

AG Gesundheit, Ethik, Pharma

-

AG Internationale Zusammenarbeit

-

AG Kunst und Politik

-

AG Natur und Technik

-

AG Naturnutzung und Naturschutz

-

AG Theorie – Gesellschaft – Politik

-

AG Wilder Osten

-

AG Wirtschaftspolitik

Journalismus-Programm:
« Medienvielfalt, anders: Junge Migrantinnen
und Migranten in den Journalismus »

Seit 2008 fördern wir in Kooperation mit mehreren
Medienpartnern junge Nachwuchsjournalist/innen
mit Migrationsgeschichte. Einige haben bereits den
Berufseinstig erfolgreich geschafft und sind Reporter oder Volontärinnen. Im Jahr 2014 wurde das
Programm von Prof. Dr. Margreth Lünenborg von
der FU Berlin evaluiert. Sie empfahl unter anderem
angesichts einer notwendigen Diversifizierung journalistischer Redaktionen die Ausweitung des Angebots bezüglich der Medienpartner und Zielgruppen
und die Hervorhebung des Themas « Diversity im
Journalismus » sowie das Werben für dieses Thema.

Studienprogramm « Transformation gestalten »

Das zweijährige Studienprogramm « Transformation
gestalten » mit 24 Stipendiat/innen aus acht Begabtenförderungswerken wurde im Dezember 2014
beendet. Es beinhaltete diverse Veranstaltungen,
eine gemeinsame Projektarbeit (inkl. begleitender
Supervision) und Hospitationen in Unternehmen und
Organisationen. Die Teilnehmenden sollten auf ihre
künftige Aufgabe im gesellschaftlichen Transformationsprozess vorbereitet und dafür qualifiziert werden. Ziel des Programms war es, einerseits Wissen,
andererseits solche Problemlösungs- und Gestaltungskompetenzen zu vermitteln, wie sie im Rahmen
von Bildungskonzepten für eine Nachhaltige Entwicklung (BNE) beschrieben werden.
Projektgruppen des Studienprogramms
« Transformation gestalten »
Projektgruppe 1
Transformation der Wirtschaft – Nachhaltigkeit & Verantwortung
von Anfang an:
Es braucht eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung hin
zu nachhaltigen, partizipativen und tragfähigen Strukturen. Dabei
spielt die Art des Wirtschaftens eine zentrale Rolle. Unternehmen
sind vermehrt gefordert, sich ihres Einflusses auf Mensch und Gesellschaft bewusst zu werden und verantwortungsvoll damit umzugehen. Mit unserem Projektvorhaben unterstützen wir den Wandel
der Wirtschaft, indem wir Schulungen für Gründerinnen und
Gründer entwickeln, um eine nachhaltige Entwicklung zu motivieren und voranzutreiben.
Projektgruppe 2
NeWeLoPP – Neue Wertstätten, lokale und partizipative Projekte:
Das Projekt « NeWeLoPP » setzt sich mit der Frage auseinander,
wie Menschen, die bisher nicht in Neuen Wertstätten oder lokalen
partizipativen Projekten aktiv sind, Interesse am Mitmachen entwickeln können. Unser Fokus liegt dabei auf FabLabs und UrbanGardening-Initiativen. Ziel soll nicht eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema sein, sondern das Entwickeln von Instrumenten zur milieuspezifischen Ansprache, die wir zusammen
mit ausgewählten Projekten erproben und auf ihre Bedürfnisse
anpassen.
Projektgruppe 3
WasserWege – Vom Teller zur Produktion:
Die Projektgruppe beschäftigt sich mit den Auswirkungen von
exportorientierter landwirtschaftlicher Produktion auf die lokale
Verfügbarkeit von Trinkwasser in den Anbauländern. Ziel des Projektes ist es, die Zusammenhänge anschaulich für Verbraucher/
innen aufzubereiten und so zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten anzuregen.
Projektgruppe 4
von morgen – alles Gute auf einer Karte:
« von morgen » ist ein umfassendes Online-Tool, das sich mit einer
besonderen Kartierungsfunktion als ein Netzwerk und Dienstleister
für gemeinschaftliches Glück und Wohlbefinden in der Welt versteht. « von morgen » fragt nach Werten, die unsere Gesellschaft
fundieren und bewegen. Ziel der Karte « von morgen » ist es, möglichst viele Menschen auf ihrem Weg zu einem zukunftsfähigen
Leben anzusprechen. Es soll ein Werkzeug zur Verfügung gestellt
werden, mit dem sie ihre Lieblingsinitiativen für eine Welt von morgen auf eine Karte setzen und dies mit anderen Menschen teilen.
Außerdem wird « von morgen » u. a. Workshops und Veranstaltungen anbieten, die dazu einladen, Fragen über Nachhaltigkeit immer
wieder neu zu ergründen.

Studienwerk

und wieder der Auftakt zu größer angelegten Vorhaben, etwa der Gründung einer kontinuierlich tagenden Arbeitsgruppe. Die Themenpalette reicht von
philosophischen, gesellschafts- und naturwissenschaftlichen, zeitgeschichtlichen Fragen bis hin zu
Betrachtungen aktueller Trends. Sehr häufig sind die
Fragestellungen interdisziplinär angelegt, so dass es
zu regen Debatten etwa zwischen Natur- und Gesellschaftswissenschaftler/innen kommt. Die Themen
reichten 2014 von « Rassismus und Geflüchtetenpolitik » bis zur Gründung eines Orchesters.
Ein Herzstück der ideellen Förderung ist die
Arbeit der Lokalen Initiativen: An zahlreichen Hochschulstandorten gibt es Gruppen, die in Eigenregie
regelmäßig Treffen konzipieren und organisieren.
Diese Initiativen befördern die Vernetzung untereinander und mit der Stiftung. In einigen Städten
sind auch Landesstiftungen und Vertrauensdozent/
innen involviert. Die Münchner Lokale Initiative
unternahm beispielsweise eine Wandertour mit Toni
Hofreiter durch das Kaisergebirge bei Kufstein. Die
Nürnberger Stipendiat/innen besuchten die Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Zirndorf. Bei einem
Treffen in Karlsruhe führten Promotionstipendiat/
innen die Studienstipendiat/innen durch ihre Labore
und zeigten ihre Arbeitsplätze.

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72

Studienwerk

I

II

III

Xuezhe Zhang promovierte an der Juristischen
Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin über
das verbraucherschützende Widerrufsrecht im
europäischen und deutschen Recht und seine Aufnahme ins chinesische Recht. Sie war von 2004 bis
2006 Promotionsstipendiatin der Stiftung. Im Jahr
2006 beendete sie erfolgreich ihre Promotion. Seitdem arbeitet sie als Associate Professor am College of Comparative Law an der China-Universität
für Politik- und Rechtswissenschaft in Beijing. Ihre
Forschungsschwerpunkte sind das europäische,
deutsche und chinesische Vertrags- und Gesellschaftsrecht, vor allem das Verbraucherrecht.

Nicolas J. Beger promovierte an der Universiteit
van Amsterdam, Amsterdam School of Cultural
Analysis, und wurde von 1998 bis 2001 mit einem
Promotionsstipendium gefördert. Seine Dissertation veröffentlichte er unter dem Titel « Tensions in
the struggle for sexual minority rights in Europe:
que(e)rying political practices ». Beger spezialisierte
sich auf die Arbeit mit Nichtregierungsorganisationen, arbeitete als Koordinator der Civil Society Contact Group und daraufhin als Direktor des European
Peacebuilding Liaison Offices. Seit 2008 ist er Direktor des Amnesty International European Institutions
Offices in Brüssel.

Lena Keul studierte internationale Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Lateinamerika in
Tübingen und Recife, Brasilien. Sie war von 2007 bis
2009 Studienstipendiatin der Stiftung. Sie war Mitbegründerin der Studierendeninitiative « Greening
the University » und an der Einführung eines Umweltmanagementsystems und des transdisziplinären
Studium Oecologicum beteiligt. Nach ihrem Studium
arbeitete sie bei der Koordinationsstelle Wirtschaft
und Umwelt der Hochschule Nürtingen-Geislingen
und wirkte an der Erstellung des Klimaschutz-Bildungskonzepts der Stadt Köln mit. Nach der Tätigkeit für eine Kapitalanlagegesellschaft für ethisches
Investment, bei der sie das soziale und ökologische
Handeln von Unternehmen bewertete, ist sie heute
für den Bereich Klimaschutz und Klimawandel im
Hessischen Umweltministerium verantwortlich.

Studienwerk goes facebook
Seit 2012 betreut das Studienwerk eine eigene Facebook-Seite, auf
der Förderangebote und Sonderprogramme sowie Bewerbungsund Fördermodalitäten vorgestellt werden. Zudem werden anstehende Termine (z. B. von Info-Tagen an Hochschulen mit Studienwerksbeteiligung), Auszeichnungen und interessante Publikationen
von Stipendiaten und Ehemaligen veröffentlicht. 2014 haben wir
großen Erfolg mit unseren Posts zu den Einführungsseminaren

sowie zur Öffnung des Bewerbungsverfahrens verzeichnet, aber
auch die filmische Aufbereitung unseres ehemaligen Studienstipendiaten Mohamed Amjahid (Teilnehmer des Programms « Medienvielfalt, anders ») zu seinen Erfahrungen mit der Ausländerbehörde
hat viele Interessierte auf die Seite gelockt. Bis Anfang 2015 haben
wir über 2.000 Fans gewinnen können.

→ WEB: « Studienwerk goes facebook »

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73

IV

Der «Campus» – die jährlich stattfindende
Sommerakademie

V

Stipendiat/innen beim Einführungsseminar

Studienwerk

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VI

Austausch und erstes Kennenlernen beim Einführungswochenende

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74
Gunda-Werner-Institut: Feminismus und Geschlechterdemokratie weiterdenken

Gunda-Werner-Ins tit ut

Geschlechterpolitiken aus unterschiedlichen Blickwinkeln haben im Gunda-Werner-Institut (GWI) einen festen Platz. Ob (queer-)feministisch oder männerpolitisch – das GWI ist Ort
der Analysen und Strategien. Uns treibt die Frage um, wie eine geschlechterdemokratische
Gesellschaft aussieht und welche politischen Instrumente uns dorthin bringen. Als offenes,
diskursives Konzept lebt Geschlechterdemokratie von der Auseinandersetzung und dem
Dialog mit und zwischen allen Geschlechtern, gemäß Gunda Werners Ansatz: « Denkverbote strengstens verboten! » Das GWI stellt die Notwendigkeit von Geschlechterperspektiven in der internationalen Friedens- und Sicherheitspolitik heraus (siehe Seite 5), unterstützt feministische Netzpolitik durch Analysen und Interventionen, spürt geschlechterpolitisch emanzipative Politikkonzepte in anderen Ländern auf und überprüft deren Übertragbarkeit auf die deutsche und die EU-Politik (siehe Seite 34). Wir denken über neue Modelle
für gleichberechtigte Teilhabe aller Geschlechter nach und vermitteln entsprechende Kompetenzen durch Gender-Beratung und -Training.

I 

Christina Thürmer-Rohr, feministische Theoretikerin, emeritierte Professorin und Musikerin

« anfangen » – eine Hommage an
Christina Thürmer-Rohr
I

Eine ganze Generation von Frauen fand in den Texten
Christina Thürmer-Rohrs Inspiration und Ansporn,
sich selbst neu zu erfinden. Der Film « anfangen » von
Gerd Conrad in Kooperation mit dem Gunda-Werner-Institut ist eine Hommage an eine Frau, die
feministische Geschichte geschrieben hat. Christina
Thürmer-Rohrs Kritik am Patriarchat in allen Ausprägungen des sozialen Lebens, im Denken, in der
Kunst, in Wissenschaft und Religion war und ist radikal. In den 1980er Jahren gründete sie den Lehrstuhl
« Feministische Theorie und Menschenrechte », bis
heute inspiriert sie durch ihr vorausschauendes Den 
www.gwi-boell.de/de/meinkoerper-gehoert-mir-oder

ken. Zur Premiere des Films im Oktober 2014 in der
Heinrich-Böll-Stiftung kamen über 400 Gäste.
StreitWert – Politik im Dialog

Mein Körper gehört mir! Oder? – diese Frage löste
kontroverse Debatten aus bei der StreitWert-Veranstaltung im Juni 2014 zum Thema Prostitution
und Sexarbeit. Neben historischen Perspektiven,
z. B. auf die Parallelen von Huren- und Schwulenbewegung, deren Kämpfe um Anerkennung zeitgleich
und ähnlich verliefen, ging es insbesondere um die
Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes von 2002.

II–V

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75

II

Pieke Biermann, Autorin, frühe Aktivistin
der Hurenbewegung

IV

Mithu Sanyal, Kulturwissenschaftlerin,
Journalistin und Autorin

Volker Beck, MdB, Bündnis 90/Die Grünen

III

V

Streitwert: Mein Körper gehört mir!
Oder? – Die Debatten um Prostitution

Inzwischen werden vor allem von konservativer Seite gesehen. Die Generationen trenne lediglich das WisNachbesserungen gefordert, bis hin zum Verbot der sen um frühere Kämpfe. Beim Kampf um den AbtreiProstitution, da Prostitution und Menschenhandel bungsparagrafen 218 gab es beispielsweise keine Denicht klar voneinander zu trennen seien. Deutlich batte, ob man ein Kind brauche oder nicht. Gefordert
wurde auf dem Podium: Die Debatten um Prostitu- wurde ein Abwehrrecht, kein Leistungsrecht .
tion lassen sich kaum jenseits von Moraldebatten
führen. Unbeantwortet blieb letztlich die Frage: Wie Was heißt es heute, Mann zu sein?
kann den Frauen sowohl die Freiheit, Sex als Dienst- Tagung des Forum «Männer»
leistung anzubieten, gewährleistet werden als auch Die Lebensrealität von Männern ist vielfältiger geder nötige Schutz, wenn sie diese Dienstleistung worden. Heute stellen nicht nur jüngere Männer traditionelle Rollenzuschreibungen und Domänen von
anbieten?
Männlichkeit immer mehr in Frage. Für viele ist es
schon lange kein Idealbild mehr, nur Karriere zu
Ein Recht auf ein Kind?
machen und Alleinernährer in einer heterosexuelGreen Ladies Lunch zu « Social Freezing »
« Social Freezing » war 2014 eines der meist disku- len Partnerschaft mit Kind(ern) zu sein. Die Tagung
tierten Geschlechterthemen in den Medien. Positio- « Männlichkeiten zwischen Hegemonie und Vielfalt »
nen, die Frauen soziale Kälte und einen Eingriff in in Kooperation mit dem Forum Männer im Septemdie Natur vorwarfen, trafen auf die scheinbar femi- ber 2014 nahm die Fülle männlicher Lebensentnistische Position einer entspannten Selbstbestim- würfe in den Blick. Diskutiert wurden vor allem die
mung durch technologischen Fortschritt. Bei einem Widersprüche in der Wahrnehmung veränderter Ge« Green Ladies Lunch » des Gunda-Werner-Instituts schlechterbeziehungen. Männer aus männerrechtäußerten die Teilnehmerinnen hingegen vielfältige lichen Bewegungen wollen nicht unbedingt zurück
feministische Kritik: an den neoliberalen Sachzwän- zum Patriarchat, sondern setzen eher auf die alte
gen neuer reproduktiver Technologien, an der Nor- Differenzordnung. Manche argumentieren hingegen
mierung von Menschen und an der Verteilung von mit der Gleichheit der Geschlechter, stilisieren sich
Care-Arbeit. Appelliert wurde, dass nicht alles, was aber zu Opfern im Kampf der Geschlechter. BemänFrauen als Lösung oder Selbstbestimmung empfän- gelt wurde auf der Tagung, dass die Vielfalt männliden, automatisch als feministisch zu unterstützen sei. cher Lebensweisen lediglich verbal auf mehr öffentAuch sei nicht alles, was einige Frauen wollen, lega- liche Akzeptanz stoße, die politische Umsetzung von
lisierbar oder bezahlbar. Eine feministische Kontro- Angeboten wie z. B. Männerberatung käme jedoch
verse zwischen Generationen wurde darin aber nicht nur schleppend voran.
→ WEB: « Green Ladies Lunch »

→ WEB: «Männlichkeiten zw. Hegemonie & Vielfalt»

Gunda-Werner-Institut

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76
GreenCampus: Politik erfolgreich machen!

Gr eenCampus

Unter dem Dach von GreenCampus vereinen sich die vielseitigen Weiterbildungsformate
der Heinrich-Böll-Stiftung und ihrer Landesstiftungen im Bereich Politikmanagement. Mit
GreenCampus bieten wir Qualifizierung und Organisationsberatung für politische Organisationen und Akteure – von ehrenamtlich Aktiven bis zu Profis. Dazu gehört auch die
interne Weiterbildung der Heinrich-Böll-Stiftung. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Auf- und Ausbau von Kompetenzen für erfolgreiche politische Arbeit und wirkungsvolle gesellschaftliche Partizipation.

Das Politikmanagementzertifikat

Kommunalpolitische Weiterbildung

Mit einem praxisbezogenen Seminarangebot der
Landesstiftungen, das Module aus den unterschiedlichen Bereichen des politischen Handwerks – von
Kommunikation bis Personalentwicklung – umfasst,
können politisch Aktive ihren individuellen Qualifizierungsbedarf und ihre persönlichen Interessen
bei GreenCampus optimal miteinander vereinbaren.
Derzeit werden in ganz Deutschland gut 20 thematisch und methodisch aufeinander abgestimmte
Module aus den Bereichen Kommunikation, Medien
und Organisation angeboten.

Es zeigt sich ein wachsender fachpolitischer Weiterbildungsbedarf auf kommunaler Ebene. Hier unterstützt GreenCampus u. a. die Landesstiftung in
Brandenburg beim Aufbau eines eLearning-Kurses
zu kommunalen Finanzen. Zudem engagieren wir uns
für den deutschlandweiten Austausch unter Anbieter/
innen kommunalpolitischer Weiterbildungsangebote.

Weiterbildung als maßgeschneiderte Dienstleistung

Stiftungsinterne Weiterbildung

Die interne Weiterbildung der Stiftung ist an den
strategischen Zielen der Organisation ausgerichtet.
2014 stand das Thema « Führungskultur » mit mehreren Modulen für Abteilungsleitungen und Mitarbeiter/innen mit Führungsaufgaben im Mittelpunkt.

GreenCampus macht politische Weiterbildung mit
einer Vielzahl an Bestellseminaren zu einer maßgeschneiderten Dienstleistung. In den letzten Jah- Trainer/innennetzwerk
ren hat GreenCampus in Deutschland und im euro- Gute Trainer/innen sind für die Qualität unserer Weipäischen Ausland eine Vielzahl an Bestellformaten terbildungsangebote unverzichtbar. Zum ersten Mal
umgesetzt. Die positive Bewertung des Angebots hat im Jahr 2014 eine intensive GreenCampus-Somdurch die Teilnehmenden liegt stabil bei knapp 100 merakademie für Trainer/innen stattgefunden. Dort
Prozent. Die Themenpalette ist vielfältig: Strategie- standen die Entwicklung neuer Formate, der Praxisund Verhandlungstrainings, politische Kampagnen transfer von Seminarwissen und der kollegiale Ausund Krisenkommunikation, Entwicklung politischer tausch im Mittelpunkt.
Botschaften und Redenschreiben, Teambuilding und
Mediation, Führungskräfte- und Medientrainings
sowie Gender- und Diversity-Seminare.
Workshop Spezial

Diese Workshops richten sich an einen breiten Kreis
von Adressat/innen und dienen neben der Wissensvermittlung auch dem Austausch zwischen Nichtregierungsorganisationen, Initiativen, Parteien,
Fraktionen, Gewerkschaften, Vereinen, Universitäten und Unternehmen. Besonders gefragt waren
die « Workshops Spezial » zum Schreiben politischer
Reden, Social-Media-Strategien und Diversity Mainstreaming für Organisationen.

I

(v.l.n.r.) Paulina Berndt, Wolfgang
Pohl, Friederike Raiser, Maria
Pajonk, Barbara Heitkämper,
Christian Neuner-Duttenhofer

« Eine sehr gut inhaltlich, methodisch und logistisch vorbereitete Veranstaltung, aus der alle Teilnehmer/innen trotz unterschiedlicher Vorkenntnisse
mit Erkenntnisgewinn herausgegangen sind.

Teilnehmerin des Bestellseminars « Sitzungen und
Diskussionen effektiv leiten »

»

 

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77
Archiv Grünes Gedächtnis: Grüne Geschichte zugänglich machen

I

(v. l. n. r.) Birgit Meiners, Imke Böhrnsen, Barbara Bussfeld, Rita Werkmeister,
Dagmar Kampf und Regina Michalik auf dem Frauenpolitischen Kongress
« Das Ende der Bescheidenheit », Frankfurt, vom 28. – 29.6.1986
Foto: Irma Schreiber

Archivnutzung

Tagungen

In den vergangenen Jahren lag die Zahl der Archiv- Die Ökologiebewegung ist das Standbein bei der
besuche zwischen 250 und 450. Nachdem die Besu- Gründung der Grünen gewesen. Es gibt aber zu diecherzahl im Jahr 2013 bereits angestiegen war, ist ser keine rundum zufriedenstellende historische Darsie im vergangenen Jahr noch einmal um 40 Prozent stellung. Deshalb hat das Archiv im vergangenen
gewachsen. Diesmal waren es vor allem die Zeithis- November zu einer internationalen Tagung eingelatoriker/innen, die zur guten Nutzung der Archivalien den. « Transformationen der Ökologiebewegung. Von
beigetragen haben. Das liegt vor allem an der übli- den Grenzen des Wachstums bis zur Konferenz von
chen Schutzfrist von 30 Jahren, die nun bei vielen Rio » – unter diesem Titel gab es fünf Panels zur VorArchivalien abläuft: Die Grünen sind in der Zeitge- stellung von Fallstudien zu regionalen und transnaschichte angekommen.
tionalen Umweltbewegungen sowie zur Arbeit von
Umweltverbänden und Umweltexperten.
Archivierungen

Die Erschließungsprojekte des Archivs orientieren sich nicht zuletzt an der Nachfrage. Es gab im
Zusammenhang mit dem Pädophilie-Skandal ein
gesteigertes Interesse an den Archivbeständen der
Landesverbände. Deren Beschreibung wurde im vergangenen Jahr vorangetrieben. Außerdem konnten
die Unterlagen des Schwulenreferats der Bundestagsfraktion in den 1980er Jahren erworben und verzeichnet werden. Auch zum Frauenreferat der Bundesgeschäftsstelle mit seiner beinahe vollständigen
Dokumentation der Sitzungen der BAG Frauen liegt
nun das Findbuch vor.

 

 

Eldenaer Str. 35, 10247 Berlin
E archiv@boell.de

Kommunalpolitische Weiterbildung

Die Verbindungen und Berührungspunkte von Frauenbewegung und Grünen haben wir in einem Zeitzeugengespräch mit Sibylle Plogstedt erörtert. Das
Interview wird in dem im Herbst 2015 erscheinenden
«Jahrbuch Grünes Gedächtnis» veröffentlicht.
Online-Katalog

Ein Projekt, das uns während des ganzen Jahres
2014 beschäftigt hat und noch weiter beschäftigen
wird, ist der Aufbau einer neuen Beständeübersicht
im Rahmen des Archivportals Europa. Davon versprechen wir uns eine deutlich verbesserte Sichtbarkeit des Archivs und seiner Bestände im Internet.

Archiv Grünes Gedächt nis

Das Archiv Grünes Gedächtnis dient der historischen Überlieferung der Partei Bündnis 90/
Die Grünen und sammelt die Quellen zur Geschichte der Neuen Sozialen Bewegungen. Es
ist das Gedächtnis der Partei und zugleich der Ort, an dem Transparenz hergestellt wird.
Die im Archiv gesammelten Unterlagen werden unter Berücksichtigung der notwendigen
Schutzregeln der interessierten Öffentlichkeit und der wissenschaftlichen Forschung zur
Verfügung gestellt.

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78

Prominent e Gä s t e

Chico Whitaker – Mitglied der brasilianischen
« Kommission Gerechtigkeit und Frieden », Mitbegründer des Weltsozialforums und Träger des alternativen Nobelpreises. Bei uns war er im April zu Gast
auf der Podiumsdiskussion « Strahlende Geschäfte –
Das deutsch-brasilianische Atomabenteuer ».

Michail Chodorkowskij – früherer russischer Oligarch und Chef des Ölkonzerns Yukos, kam 2003
wegen Steuerhinterziehung in russische Haft. Zuvor
geriet er immer wieder durch kritische politische
Äußerungen in Konflikt mit der Staatsmacht. Im
Jahr 2013 wurde er nach zehn Jahren überraschend
begnadigt und freigelassen. Er war unser Gast bei
der Matinee « Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde » zur Erinnerung an den russischen Menschenrechtsanwalt Jurij Schmidt, dessen Mandant er war.

Joschka Fischer – ehemaliger grüner Außenminister. Bei einer Veranstaltung der Stiftung diskutierte
er im März zusammen mit dem US-amerikanischen
Investor George Soros und der Europaabgeordneten
Rebecca Harms über die Ukraine-Krise und deren
Auswirkungen auf das Verhältnis der Europäischen
Union zu Russland.

Rita Süssmuth – CDU-Politikerin, war Bundesministerin für Jugend und Familie sowie Präsidentin
des Bundestags. Sie setzt sich seit langem für die
Integration von Migrant/innen ein. Im Juni hielt sie
die Keynote auf unserer Konferenz « Cities of Migration – Eine Agenda des Wohlstands für alle ».

Sibylle Lewitscharoff – deutsche Schriftstellerin,
erhielt im Jahr 2013 den Georg-Büchner-Preis für
ihr literarisches Schaffen. Ein Jahr darauf sorgte sie
mit ihrer Dresdner Rede für Diskussionsstoff, indem
sie sich gegen künstliche Befruchtung aussprach.
Bei uns war sie zu Gast bei den Deutsch-Israelischen
Literaturtagen.

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79

Tim Renner – Musikproduzent, Journalist und
Autor. Er war Geschäftsführer der Plattenfirma
Motor Music und verhalf Bands wie Tocotronic,
Rammstein oder Muse zum Erfolg. Seit 2014 ist er
Kulturstaatssekretär von Berlin. Bei uns hielt er die
Keynote bei der Veranstaltung « Schauspiel im Livestream – Fluch oder Segen? ».

Foto: Karola Riegler

Gesche Joost – Leiterin des Design Research Lab
an der Universität der Künste und Internetbotschafterin der Bundesregierung, sie setzt sich für einen
besseren Schutz der Privatsphäre ein. Sie hielt die
Keynote auf unserer Konferenz « netz:regeln 2014.
Verantwortung in der digitalen Gesellschaft ».

Madeleine Rees – Generalsekretärin der Internationalen Frauen-Liga für Frieden und Freiheit (WILPF).
Als Rechtsanwältin setzt sie sich für Menschenrechte
ein und ist insbesondere an Gleichstellungsprojekten
beteiligt. So engagiert sich Rees für die Inklusion von
Frauen in die Friedenspolitik. Sie war zu Gast bei unserem Fachgespräch « Frauen an die Friedenstische ».

Rob Hopkins – Mitgründer des Transition Network.
Die Transition-Bewegung will Kommunen für den
Übergang in eine postfossile, relokalisierte Wirtschaft fit machen. Hobkins stellte bei uns sein Buch
« Einfach. Jetzt. Machen! Wie wir unsere Zukunft
selbst in die Hand nehmen » vor. Er schildert darin
anhand zahlreicher Beispiele, wie man Probleme vor
Ort identifiziert, Lösungen entwickelt und Mitmenschen mobilisiert, frei nach dem Motto: « Mit lokalem
Tun die Welt verändern ».

Foto: (c) dpa

Ines Geipel – Schriftstellerin und Vorsitzende des
Doping-Opfer-Hilfevereins. Ines Geipel war im Jahr
2.000 eine der Nebenklägerinnen im Prozess gegen
den wegen systematischen, planmäßigen Dopings
verurteilten ehemaligen DDR-Sportchef Manfred
Ewald. In Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung fand im Januar das Symposium « Von Glanz und
Risiken – Elitekörper in Deutschland, Schadensbilanz und Zukunftsprognose» zu Ehren Prof. Dr. Werner Franke statt, dem die Heidi-Krieger-Medaille
verliehen wurde.

Prominente Gäste

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80

I

Dr. Livia Cotta, Geschäftsführerin der
Heinrich-Böll-Stiftung Foto: hbs

Stif t ungsmanagement

Finanzielle Rahmenbedingungen

Das erste Halbjahr 2014 war geprägt von Unsicherheit über die finanziellen Rahmenbedingungen
der Stiftung, bedingt durch die vorläufige Haushaltsführung nach der Bundestagswahl 2013. Erst
im Juli beschloss der Bundestag über den Haushalt
2014. Im September konnten wir nach zähen Verhandlungen mit den anderen politischen Stiftungen
den Verteilungsschlüssel für die kommende Legislaturperiode (+1 Jahr) vereinbaren, so dass nun eine
der Variablen für die mittelfristige Finanzplanung
2015 bis 2018 gesetzt ist. Die Erfahrungen aus dieser Verhandlungsrunde unterstreichen einmal mehr,
wie unbefriedigend das Fehlen einer transparenten,
nachvollziehbaren Verteilungsformel zwischen den
politischen Stiftungen ist. Unser Plädoyer für eine
Gemeinschaftsinitiative für ein Stiftungs(finanzierungs)gesetz halten wir deshalb immer wieder.

desstiftung sowie der Rahmenkooperationsvertrag
und die Geschäftsordnung mit den Landesstiftungen
wurden entsprechend angepasst. Mit dieser Reform
ist ein Meilenstein für die weitere Arbeit im Stiftungsverbund erreicht.
Wirtschaftliche Entwicklung

2014 verfügte die Stiftung über rund 55 Millionen
Euro für die Erfüllung des politischen Bildungsauftrags. Diese Einnahmen ermöglichen unter anderem
Investitionen zum Beispiel in die IT-Infrastruktur.
Damit stellen wir sicher, dass wir auch künftig unsere
inhaltliche Arbeit mit moderner Ausstattung verwirklichen und unseren Mitarbeiter/innen attraktive
Arbeitsplätze bieten können. Circa 1 Prozent unserer Projektmittel erhalten wir von der Europäischen
Union und über 8 Prozent in Form von Sondermitteln – zum Beispiel für die Ukraine – aus verschiedenen Ministerien. Vor allem die Sondermittel stellen
Zusammenarbeit im Stiftungsverbund
Die Zuwendungen sind in Summe weiter gestiegen uns vor Herausforderungen, da sie Möglichkeiten der
und bilden eine solide Basis für die vielfältige Ar- politischen Einflussnahme bergen und hohen Bearbeit der Stiftung. So auch für die Neuregelung der beitungsaufwand mit sich bringen. Unsere Wirtfinanziellen Zusammenarbeit im Verbund mit den schaftsprüfer bestätigen uns einen ordnungsgemäLandesstiftungen. Denn dort ist es gelungen, eine ßen Umgang mit den uns anvertrauten Mitteln. Um
transparente, nachvollziehbare Verteilungsformel auch weiterhin diesem hohen Anspruch an die strateaufzustellen. Seit Mai 2014 haben die 16 Landes- gische Steuerung der Mittel gerecht zu werden, wolstiftungen und die Bundesstiftung in einem sehr len wir unsere Instrumente dafür weiter ausbauen.
konstruktiven Prozess ein neues Modell zur Globalmittelweiterleitung der Bundesstiftung an die Lan- Organisationsentwicklung
desstiftungen entworfen: Die Bundesstiftung lei- Die Standardisierung von Infrastruktur und Artet auf dieser Grundlage ab 2015 20 Prozent ihrer beitsorganisation unserer Auslandsbüros ist in volGlobalmittel des Bundesministeriums des Innern an lem Gange, und der Anschluss der einzelnen Büros
die Landesstiftungen weiter. Die Satzung der Bun- an das stiftungsweite Buchhaltungssystem erfolgt
nach Zeitplan, sodass 2015 alle Büros angebunden
sein werden. In der Finanzabteilung haben wir unsere Strukturen und Prozesse feinjustiert, um auch
dort den steigenden Anforderungen weiterhin geTuWas-Stiftung
recht zu werden. Das Jahr 2014 stand außerdem
ganz im Zeichen des Strategieprozesses, mit dem
2013 wurde die TuWas-Stiftung für Gemeinsinn mit
wir 2013 begonnen haben (s. S. 86). Ebenfalls 2014
großem ehrenamtlichen Engagement der Freundinhaben wir Verhandlungen aufgenommen zu einem
nen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung ins Leben
Haustarifvertrag. Gelingt 2015 der Abschluss, ist
gerufen. Das Stiftungskapital beträgt derzeit rund
dies der erste Tarifvertrag in der Geschichte der
82.000 Euro. Um etwas bewirken zu können, braucht
Heinrich-Böll-Stiftung und ein weiterer Meilenstein
die TuWas-Stiftung noch viele Zustifter/innen und
für die Stiftung.
Mehr Informationen? www.tuwasstiftung.de
Spenden.

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81
Organe des Vereins:
– die Mitgliederversammlung
– der Vorstand

– der Aufsichtsrat
– der Frauenrat

Die Mitgliederversammlung ist das oberste Beschlussfassungsorgan der Stiftung. Sie setzt sich
zusammen aus 49 Personen, davon je vier Personen
aus der Bundespartei und der Bundestagsfraktion
Bündnis 90 / Die Grünen, 16 Personen aus den Landesstiftungen (eine Person je Landesstiftung) und
25 weitere Personen aus dem Kreis der Freundinnen
und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung. Die Wahlperiode für die Mitgliedschaft beträgt vier Jahre.
Der Vorstand ist hauptamtlich tätig und umfasst
aktuell zwei Personen. Jedes Vorstandsmitglied
wird für die Dauer von fünf Jahren gewählt. Das Vorschlagsrecht steht dem Aufsichtsrat zu. Mitglieder
der Mitgliederversammlung können Vorschläge für
die vom Aufsichtsrat zu erstellende Liste einreichen.
Der Vorstand verantwortet die strategische Ausrichtung der Stiftung. Er beschließt über die Gesamtziele, Strategien, Visionen, übergreifenden Programme
und Projekte sowie die Positionierung der Stiftung in
der Öffentlichkeit und die Kommunikationsstrategie.

Für die Ausführung der laufenden Verwaltung des
Vereins ist die Geschäftsführerin verantwortlich.
Sie gewährleistet die Einhaltung der rechtlichen Bestimmungen und stellt die für Vorstand und Bereichsleitungen notwendigen Werkzeuge, Daten und Ressourcen für alle administrativen Entscheidungen zur
Verfügung. Sie führt auch die Unternehmensdienste.
Der Aufsichtsrat hat die Aufsicht über die Tätigkeit
des Vorstandes inne. Er besteht aus neun Personen
(die Mitgliederversammlung wählt aus ihren Reihen
sieben, die hauptamtlichen Mitarbeiter/innen zwei
Personen), die für die Dauer von vier Jahren gewählt
werden.
Der Frauenrat wird von der Mitgliederversammlung gewählt und ist ihr gegenüber rechenschaftspflichtig. Er setzt sich aktuell aus neun Frauen
zusammen, deren Amtszeit vier Jahre beträgt. Der
Frauenrat unterstützt frauenpolitische Ziele der
Stiftung und die Umsetzung der Gemeinschaftsaufgabe Geschlechterdemokratie nach innen und außen.
Eine einmalige Wiederwahl in die Mitgliederversammlung, den Aufsichtsrat und den Frauenrat ist
möglich.

Die Prüfung unseres Jahresabschlusses durch unabhängige Wirtschaftsprüfer erfolgt in der Regel in der
zweiten Jahreshälfte des Folgejahres, da die Zusammenstellung aller Daten unserer Arbeit im In- und
Ausland recht zeitaufwendig ist. Zu Redaktionsschluss lag der Bericht für 2014 noch nicht vor. Wir
dokumentieren daher hier den Prüfungsbericht des
Vorjahres:

Jahresabschluss zum 31. Dezember 2013
Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers
Wir haben den Jahresabschluss – bestehend aus
Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Anhang –
unter Einbeziehung der Buchführung und den Lagebericht des Heinrich-Böll-Stiftung e.V., Berlin, für
das Haushaltsjahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2013 geprüft. Die Buchführung und die Aufstellung von Jahresabschluss und Lagebericht nach den
deutschen handelsrechtlichen Vorschriften liegen in
der Verantwortung der gesetzlichen Vertreter des
Vereins. Unsere Aufgabe ist es, auf der Grundlage
der von uns durchgeführten Prüfung eine Beurteilung
über den Jahresabschluss unter Einbeziehung der
Buchführung und über den Lagebericht abzugeben.
Wir haben unsere Jahresabschlussprüfung nach
§ 317 HGB unter Beachtung der vom Institut der
Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten deutschen
Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung vorgenommen. Danach ist die Prüfung so zu planen und
durchzuführen, dass Unrichtigkeiten und Verstöße,
die sich auf die Darstellung des Jahresabschlusses
unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger
Buchführung wesentlich auswirken, mit hinreichen-

der Sicherheit erkannt werden. Bei der Festlegung
der Prüfungshandlungen werden die Kenntnisse über
die Geschäftstätigkeit und über das wirtschaftliche
und rechtliche Umfeld des Vereins sowie die Erwartungen über mögliche Fehler berücksichtigt. Im Rahmen der Prüfung werden die Wirksamkeit des rechnungslegungsbezogenen internen Kontrollsystems
sowie Nachweise für die Angaben in Buchführung,
Jahresabschluss und Lagebericht überwiegend auf
der Basis von Stichproben beurteilt.
Die Prüfung umfasst die Beurteilung der angewandten Bilanzierungsgrundsätze und der wesentlichen Einschätzungen der gesetzlichen Vertreter
sowie die Würdigung der Gesamtdarstellung des Jahresabschlusses und des Lageberichts. Wir sind der
Auffassung, dass unsere Prüfung eine hinreichend
sichere Grundlage für unsere Beurteilung bildet.
Unsere Prüfung hat zu keinen Einwendungen geführt.
Der Jahresabschluss entspricht nach unserer
Beurteilung aufgrund der bei der Prüfung gewonnenen Erkenntnisse den gesetzlichen Vorschriften
und vermittelt unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen
Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-,
Finanz- und Ertragslage des Vereins. Der Lagebericht steht in Einklang mit einem den gesetzlichen
Vorschriften entsprechenden Jahresabschluss, vermittelt insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage
des Vereins und stellt die Chancen und Risiken der
zukünftigen Entwicklung zutreffend dar.
RBS RoeverBroennerSusat GmbH & Co. KG
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Steuerberatungsgesellschaft
Berlin, den 7. November 2014

Stiftungsmanagement

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82
Bilanzen nach HGB 2012 und 2013 (alle Zahlen in Euro)
Aktiva
Anlagevermögen
Immaterielle Vermögensgegenstände
Entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und
ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und
Werten*
geleistete Anzahlungen auf Software*

31. Dezember 2012

31. Dezember 2013

382.082

460.537

0

32.368

15.854.807

16.315.559

1.959.070

2.119.485

Sachanlagen
Grundstücke, einschließlich der Bauten auf fremden Grundstücken*
Betriebs- und Geschäftsausstattung*
Betriebs- und Geschäftsausstattung, Verein

1

1

geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau*

0

36.041

64.457

48.313

Finanzanlagen
Sonstige Ausleihungen, Kautionen
Wertpapiere festverzinslich

50.000

150.000

119.826

19.706

Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände

9.946.225

6.080.152

Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten

7.274.038

7.386.633

Sonstige Wertpapiere

Stiftungsmanagement

Umlaufvermögen

Rechnungsabgrenzungsposten
Summe der Aktiva

254.992

388.349

35.905.498

33.037.144

Passiva
Vereinsvermögen
Vereinsvermögen

184.702

184.702

Rücklagen

332.382

253.994

Ergebnisvortrag

170.379

78.388

15.384.851

15.921.098

64.457

48.314

Sonderposten aus Zuwendungen
Sonderposten aus Zuwendungen zum Anlagevermögen
Sonderposten aus Zuwendungen zu Kautionen
Rückstellungen
Steuerrückstellungen
Sonstige Rückstellungen

0

8.200

1.191.429

975.762

Verbindlichkeiten
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten

2.807.763

0

960.248

4.149.407

Verbindlichkeiten gegenüber Projektpartnern

460.810

253.643

Verbindlichkeiten gegenüber Zuwendungsgebern

158.284

27.997

Sonstige Verbindlichkeiten

387.077

397.811

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

- davon im Rahmen der sozialen Sicherheit 17.719 Euro
- davon aus Steuern 55.969 Euro
Rechnungsabgrenzungsposten
Summe der Passiva
* zuwendungsfinanziert

13.803.116

10.737.828

35.905.498

33.037.144

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83
Vorläufige Einnahmen-Ausgaben-Rechnung 2014 (alle Zahlen in Euro)
Berichtsjahr vom 1. Januar bis 31. Dezember 2014

lfd. Jahr

Berichtsjahr

Vorjahr

(2015)

(2014)

(2013)

Planzahlen

Vorläufiges IST

IST

Einnahmen Globalmittelhaushalt*

20.171.516

18.391.910

17.035.358

Einnahmen anderer Zuwendungsbereiche

39.756.674

36.296.856

33.891.070

225.133

219.881

296.937

60.153.323

54.908.647

51.223.365

15.717.400

13.361.164

13.080.837

3.005.000

2.778.646

2.827.425

550.000

413.509

298.670

1.818.000

1.506.079

1.633.411

2.502.096

2.169.235

2.194.525

10.009.544

9.533.962

8.109.448

Stand: 27. März 2015

Einnahmen Drittmittel
Summe der Einnahmen
Personalausgaben
Sachausgaben
Investitionen
Fachausgaben aus Globalmitteln
Weiterleitung an Landesstiftungen
Ausgaben für Stipendiat/innen
Ausgaben Drittmittel (ohne Personalkosten)
Projektmittel Ausland (BMZ, AA) und Projektmittel EU
Summe der Ausgaben
Mittelübertrag

189.133

128.054

196.381

24.752.730

23.060.998

22.241.886

58.543.903

52.951.647

50.582.583

1.609.420

1.957.000

640.782
472.058

300.000

227.470

Vereinsausgaben

275.000

204.830

301.679

Vereinsergebnis

25.000

22.640

170.379

* einschließlich des Mittelübertrages aus dem Vorjahr
BMZ: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

AA: Auswärtiges Amt

Einnahmen und Ausgaben 2014

Die Heinrich-Böll-Stiftung e. V. finanziert sich fast
ausschließlich aus öffentlichen Zuwendungen. Im
Berichtsjahr 2014 betrugen die Einnahmen insgesamt 54,9 Mio. Euro.
Knapp die Hälfte der Ausgaben entfällt auf die
internationale Tätigkeit der Stiftung. Das Vereinsergebnis wird für das Jahr voraussichtlich 22.640
Euro betragen. Die weitere Tätigkeit der Stiftung ist
grundsätzlich durch mittelfristige Finanzzusagen
seitens der Zuwendungsgeber gesichert.

Stift ungsmanagement

Vereinseinnahmen

Drittmittel
0,4%

33,5%

Globalmittelhaushalt

Einnahmen
54.908.647 Euro
Andere Zuwen dungsbereiche
66,1%

Personalkosten

Internationale
Tätigkeit

43,79%

25,23%

Ausgaben
52.951.647 Euro

5,25%

Sachkosten
Investitionen
0,78%

6,95%

18%

Ausgaben für Stipendiat/innen
Politische Bildung Inland

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84

2011

(MENA)

(MENA)

2013

2014

(MENA)

Stiftungsmanagement

Internationale Zusammenarbeit 2014

2012

(MENA)

Afrika (AF)
Asien (AS)
Lateinamerika (LA)
Nahost und Nordafrika (MENA)
Europa (EU)
Themenreferate (TR)

Internationale Zusammenarbeit

Demokratie, Kultur,
Gesellschaftspolitik /
Beteiligung in der
digitalen Gesellschaft
31%

Politische Bildung Inland 2014

Institute (Grüne Aka demie, Archiv GG, GWI,
GreenCampus)

9%

17%
Summe
1.506.000
10%

16%
Nachhaltigkeit,
Kommunales,
Ökonomie/Szenarien
für eine ökologische
Wende

17%

Die Projektmittel für die Internationale Zusammenarbeit betrugen im Jahr 2014 etwas mehr
als 27 Mio. Euro. In der nebenstehenden Grafik
werden nur die durch die Abteilung Internationale
Zusammenarbeit verausgabten Mittel dargestellt.
Etwa 210.000 Euro wurden durch andere
Abteilungen bzw. Organisationseinheiten der Stiftung verausgabt. Rund 200.000 Euro flossen in
das Stiftungsprojekt « Navision Roll » out in die
Auslandsbüros . Diese Mittel sind in der Grafik
ebenso nicht aufgeführt.
Der größte Mittelgeber ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (BMZ) mit ca. 22,8 Mio. Euro.
Darin enthalten sind neben den regulären Programmmitteln auch ca. 822.000 Euro für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern sowie
ca. 215.000 Euro für Sondermittel für syrische
Flüchtlinge.
Die Stiftung erhielt vom Auswärtigen Amt ca.
1,344 Mio. Euro und zusätzlich für die Sonderprogramme Griechenland und für Transformationsmittel Tunesien und Marokko insgesamt ca.
750.000 Euro.
Die akquirierten EU-Mittel wurden in Höhe
von ca. 950.000 Euro für Projekte in Nahost und
Nordafrika (MENA-Region), für überregionale
Projekte im Rahmen von Eco Fair Trade und in
Südosteuropa und Europa eingesetzt.

Publikationen /
Öffentlichkeits arbeit

Bildung, Soziales, Migration /
Antworten auf den demogra fischen Wandel

Für die politische Bildungsarbeit im Inland hat die
Heinrich-Böll-Stiftung 2014 rund 1.506.000 Euro
verausgabt. Diese Mittel flossen in die Projektarbeit
(Veranstaltungen, Publikationen, Dossiers). Die prozentuale Verteilung der Mittel auf die Themen ist aus
der Grafik ersichtlich. Außerdem werden Fachmittel für Projekte der Weiterbildungsakademie Green
Campus und der Grünen Akademie sowie für die
Herausgabe von Büchern verausgabt. Zudem leitete
die Stiftung im Jahr 2014 rund 2,169 Mio. Euro für
die regionale politische Bildungsarbeit an die Landesstiftungen weiter.
Stipendien und Projektmittel des Studienwerks nach
Mittelgebern 2014

AA

Summe
10.650.769

BMBF

9.846.936

803.833

Das Studienwerk der Heinrich-Böll-Stiftung erhält
Zuwendungen aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und aus dem Auswärtigen Amt (AA). Im Jahr 2014 konnten insgesamt
1.251 Stipendiatinnen und Stipendiaten gefördert
werden, davon 1.026 Studierende und 225 Promovierende. 228 deutsche und internationale Studierende und Promovierende konnten 2014 neu in die
Förderung aufgenommen werden. Darüber hinaus
beteiligte sich die Stiftung auch wieder am « Internationalen Parlaments-Stipendium » des Deutschen
Bundestages.

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85

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der
Heinrich-Böll-Stiftung

Zum 31.12.2014 beschäftigte die Heinrich-Böll-Stiftung 249 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon
waren 74 Prozent Frauen. In unseren internationalen Büros werden die 28 entsendeten Büroleitungen
von ca. 370 Ortskräften unterstützt. Die Stiftung
bietet ihren Mitarbeitenden vielfältige, zeitgemäße
und spannende Arbeitsfelder: in der politischen Bildungsarbeit im In- und Ausland, den internen Diensten wie zum Beispiel dem Veranstaltungsmanagement, den technischen Diensten und der Verwaltung.
Auch Menschen mit Behinderungen einzustellen, ist
uns ein wichtiges Anliegen. Die Diversität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sei es in Bezug auf
Ausbildung, Berufs- und Lebenserfahrung, Alter,
Geschlecht, ethnische Herkunft oder sexuelle Orientierung, gehört zu den Stärken unserer Stiftung.
12 Prozent unserer Mitarbeitenden haben einen
Migrationshintergrund. 7,7 Prozent aller Mitarbeitenden sind schwerbehindert.

Vorstand/
Geschäftsführung
Internationale
Zusammenarbeit

VS/GF zugeordnete
Organisationseinheiten

3
24,91
54,69

Kommunikation /
Konferenzzentrum
19,95
Insgesamt
180,8 Vollzeitstellen*
14,34

5,95
Arc hiv Grünes
Ge dächtnis

*Aggregierte
Vollzeitstellen
31.12.2014

Personal

10,83
23,51

Studienwerk

Finanzen

5,86

17,76

IT/Technische Dienste

Politische Bildung Inland

Vollzeit
A

114 (52 %)

Teilzeit

TZ mit mehr als 50 %
der vollen Arbeitszeit

B

107 (48 %)

TZ bis 50 % der
vollen Arbeitszeit

C

studentische
TZ-Beschäftigte

Personalentwicklung

Erklärtes Ziel der Personalentwicklung ist es, hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst entsprechend ihrer Fähigkeiten und Potenziale
einzusetzen und in den auf unseren Positionen erforderlichen Fähigkeiten weiterzubilden.

Individuelle
Weiterbildungen
54

andere Themen

182

Sprachkurse
Englisch

– Förderung individueller berufsbegleitender Weiterbildungen

Insgesamt
751 Weiterbildungen*
* jeweils Qualifizierungsmaßnahmen nach Anzahl
der Teilnehmenden

14

– Vertragsgestaltung
– Vermittlung von Basisqualifikationen (EDV-Schulungen,
Zuwendungsrecht)

(Schwerpunkt Navision 2009)

123

– Qualifizierung im Organisationsmanagement (Projektmanagement, Teamentwicklung)

– Durchführung von Workshops zu Gender & Diversity

EDV-Seminare

29

(u. a. Moderation, Arbeits- und
Tarifrecht, Steuerrecht, Reise kostenrecht)

– Vermittlung von Führungskompetenz

– Vertiefung von Fremdsprachenkenntnissen, insbesondere Englisch

Zuwendungsrecht

35
85

Vertragsgestaltung
mit Urheberrecht

Teambildung

47
Führung

23

Gender- und
Diversity-Training

159
Andere genderbezogene
Weiterbildungen

Stiftungsmanagement

20 (19 %)

16 (15 %)

B

C

In der Heinrich-Böll-Stiftung ist die Vereinbarkeit
von Beruf und Familie selbstverständlicher Bestandteil der Personalpolitik, sei es zur Wahrnehmung
von Pflegezeiten oder für die Aufgaben als Eltern.
Über meist flexible Gestaltungsmöglichkeiten in der
Arbeitszeit werden individuelle Lösungen möglich.
Teilzeitbeschäftigung und/oder Freistellung (beispielweise Elternzeit) bieten für einen Großteil der
Belegschaft einen Weg, Privatleben und Beruf besser zu vereinbaren. Auf über 60 Telearbeitsplätzen
kann von zu Hause aus gearbeitet werden. Unsere
Mitarbeitenden können das W-Lan und Internet
der Stiftung auch privat nutzen. Es gibt Maßnahmen der Gesundheitsförderung und sehr gut ausgestattete Arbeitsplätze. Soweit dies nicht mit den
betrieblichen Belangen kollidiert, fördert die Stiftung wo immer möglich die Vereinbarkeit von Beruf
und Privatleben unter Berücksichtigung der individuellen Interessen von Mitarbeiter/innen.

71 (66 %)

Work-Life-Balance

A

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86

Analysen
unter Mitwirkung aller Abteilungen
Stakeholder

Finanzen

Schwächen/
Stärken

Stiftungsmanagement  –  Der Prozess zur Strategie 2020

AG Gemeinschaftsaufgabe

Mitbewerber

Trends/
Umwelt

AG Digitale
Medien

Szenarien
Strategie
Umsetzung (2015 – 2020)
I

Prozess zur Strategie 2020

Der Prozess zur Strategie 2020
I

Seit der Stiftungsreform 1996 und dem folgenden Neuaufbau in Berlin sind wir einen weiten Weg
gegangen. Das gilt für die politische Bildung im
Inland wie für die internationale Arbeit, unsere Internetpräsenz, die Publizistik oder das Studienwerk.
Unser Stiftungshaus im Herzen Berlins ist eine erste
Adresse für Tagungen, Debatten und kulturelle Veranstaltungen geworden. Auch unsere administrativen Prozesse wurden über die Jahre immer professioneller. Die Kooperation mit den Landesstiftungen ist
enger als je zuvor.
Um auch künftig gesellschaftliche Diskurse zu
prägen, haben wir 2013 einen Prozess für die Entwicklung einer Strategie 2020 begonnen, in den 2014
viel Zeit und Energie geflossen sind. Wir fragten
uns und unser Umfeld kritisch: Wie sollte die Heinrich-Böll-Stiftung inhaltlich und strukturell ausgerichtet sein, um unter veränderten Bedingungen
auch in Zukunft erfolgreich zu sein? In einem breit
angelegten partizipativen Prozess führten wir mehrere Analysen durch: SWOT-, Umfeld-, Stakeholder- und Mitbewerberanalyse sowie eine umfassende

Analyse unserer internen Finanzströme. Zahlreiche
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ihre Ideen
eingebracht, beispielsweise in Abteilungs- und übergreifenden Workshops, in der Steuerungsgruppe
oder einer der verschiedenen Arbeitsgruppen. In einem zweitägigen Workshop entwickelten Vorstand,
Geschäftsführung, Leitungen und Mitarbeiter/innen
aus jedem Bereich gemeinsam mit Vertreter/innen der Landesstiftungen und unserer Gremien und
Organe Szenarien für die Welt im Jahr 2020 und welche Rolle die Stiftung darin einnehmen könnte.
Am Ende dieses Prozesses steht die Strategie
2020, die von der Mitgliederversammlung 2015 verabschiedet werden wird. Sie wird die Richtschnur für
die Programmplanung, Arbeitsweise, Organisationsentwicklung, Personalpolitik und Finanzplanung
der Stiftung in den kommenden Jahren sein. Wir
danken allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der
Projektleitung sowie allen Beteiligten aus unserem
Umfeld, den Gremien, Organen und Landesstiftungen für ihr engagiertes Mitwirken in dem ersten stiftungsweiten Strategieprozess dieser Art!

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87

Wasser in m 3
Wärme/Heizung
in kWh
Anzahl Papierseiten
Bürokosten

2010

2011

2012

2013

2014

415.800

426.404

427.119

423.832

402.384

5.706

6.458

5.700

5.988

4.666

255.369

250.000

195.777

251.760

235.145

1.265.271

1.098.001

1.064.462

1.000.965

1.000.988

18.187

17.839

17.106

16.439

16.813

III

II

III

Ressourcenverbrauch der letzten fünf Jahre

Unser Gebäude in der Schumannstraße
tektonische Konzept des Gebäudes setzt eine VielUnser Haus in der Schumannstraße 8 hat sich als zahl von neuartigen Komponenten um: die Nutzung
gute Adresse für Tagungen, Debatten und kulturelle der Serverabwärme zum Beheizen der Büros, vierVeranstaltungen im Herzen der Hauptstadt etab- fach verglaste und als Hitzeschutz getönte Scheiliert. Auf unserer Beletage ist ständig etwas los: ben, eine intelligente Steuerung der Jalousien – sie
2014 hatten wir allein 538 eigene Veranstaltungen, stellt sich nach Außentemperatur und Lichteintrag
hinzu kamen 71 externe Vermietungen. Die moderne automatisch optimal ein – sowie das selbstständige
Architektur gefällt vielen. Auch das innovative Ener- Belüftungskonzept durch den Einsatz von CO2-Fühgiekonzept stößt auf reges Interesse. Berufstätige lern u. v. m. Zum Energiesparkonzept gehört, dass
und studierende Architekt/innen, Energietechniker/ im gesamten Gebäude keine Lichtschalter eingeinnen sowie politische Entscheider/innen lassen sich baut sind, sondern die Beleuchtung der Räume über
gerne durch das Gebäude führen. Dabei ist das in- Bewegungsmelder bedarfsgerecht gesteuert wird.
ternationale Interesse nach wie vor groß: Von den Die Entwicklung der Verbrauchswerte korreliert
23 Hausführungen im Jahr 2014 fanden 10 für inter- mit der Zahl der Arbeitsplätze und Veranstaltunnationales Publikum statt, darunter Experten/innen gen. Unsere Werte liegen weit unter denen von konaus Brasilien, Südafrika, Belarus und China.
ventionell gebauten Bürogebäuden. Auch im laufenden Betrieb des Stiftungshauses werden weitere
kleinere energiesparende Maßnahmen umgesetzt,
Das Energiekonzept
Bei einer Bruttogeschossfläche von 6.969 m2 fielen z. B. in der Steuerung der Aufzüge, mit der Leer2014 rund 180 Euro/m2 Kosten für Heizung und fahrten minimiert werden, oder durch die OptimieKühlung an – statt 210 Euro/m2 bei konventionellen rung der Einstellungen des Lüftungssystems unserer
Geschäftsgebäuden. Das energetische und archi- Veranstaltungsetage.

Schumannstraße 8

Energie in kWh

Foto: Jan Bitter

–

Ressource/
Jahr

Schumannstraße 8

Stiftungsmanagement

II

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88
Gremien

Gremien

(Stand 31.12.2014)
Mitgliederversammlung
Hartmut Bäumer
Klaus Baumgärtner
Carlos Becker
Martin Berger
Marianne Birthler
Dr. Franziska Brantner – MdB
Kajo Breuer
Dr. Gülay Caglar
Prof. Dr. Claudia Dalbert – MdL
Katja Dörner – MdB
Dr. Carolin Emcke
Dr. Naika Foroutan
Ulrike Gauderer
Stefan Gelbhaar – MdA
Prof. Dr. Joachim Gessinger
Leonore Gewessler
Christa Goetsch – MdHB
Dr. Robert Habeck
Britta Haßelmann – MdB
Dr. Dietrich Herrmann
Michaele Hustedt
Dr. Christa Karras
Michael Kellner – BuVo
Leo Klotz
Elisabeth Krausbeck
Erik Lohse
Chris Ludwig
Christoph Meertens
Prof. Dr. Dirk Messner
Daniel Mittler
Alexander Müller
Klaus Müller
Özcan Mutlu – MdA
Mona Neubaur
Friederike Pokatis
Katrin Rabus
Irene Reifenhäuser
Katrin Rönicke
Norbert Schellberg
Stefanie Schiffer
Heike Schiller
Dr. Fritjhof Schmidt
Dr. Michaele Schreyer
Prof. Dr. Tine Stein
Malti Taneja
Dr. Konstantin von Notz – MdB
Dr. Andreas Weber
Michael Wedell
Prof. Dr. Michael Zürn
Stipendiatische Vertreterinnen
und Vertreter:
Christoph Aust
Ha Linh Tran Thi
Alma Kolleck
Ulrike Ziegermann
Aufsichtsrat
Alexander Baasner
Prof. Dr. Joachim Gessinger
Britta Haßelmann – MdB
Michael Kellner – BuVo
Christoph Meertens
Alexander Müller
Ingrid Spiller
Prof. Dr. Tine Stein
Malti Taneja
Frauenrat
Dr. Sigrid Arnade
Kattrin Bauer
Birgit Dederichs-Bain
Mechtild M. Jansen (Sprecherin des FR)
Nina Katzemich
Stefanie Lohaus
Prof. Dr. Cäcilia Rentmeister
Cornelia Sperling
Judith Strohm
Koordinationsgremium des Freundeskreises
Julius Heinicke
Elisabeth Kiderlen

Mitglieder Grüne Akademie
Prof. Dr. Claudia von Braunmühl
Prof. Dr. Hubertus Buchstein
Prof. Dr. Heinz Bude
Reinhard Bütikofer – MdEP
Prof. Dr. Thomas Christaller
Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Daxner
Prof. Dr. Simone Dietz
Dr. Christine Dörner
Dr. Thea Dückert
Dr. Petra Eggers
Dr. Christoph Egle
Rainer Emschermann
Jan Engelmann
Anke Erdmann – MdL
Stephan Ertner
Prof. Dr. Adalbert Evers
PD Dr. Rainer Forst
Georgia Franzius
Ralf Fücks
Anna-Catharina Gebbers
Kai Gehring – MdB
Prof. Dr. Brigitte Geissel
Karsten Gerlof
Prof. Dr. Arnim von Gleich
Adrienne Goehler
Cristina Gómez Barrio
Prof. Dr. Stefan Gosepath
Dr. Sigrid Graumann
Prof. Dr. L. Horst Grimme
Melanie Haas
Robert Habeck – Minister
Rebecca Harms – MdEP
Dr. Dietrich Herrmann
Dr. Paula Marie Hildebrandt
Imma Hillerich
Dr. Jeanette Hofmann
Prof. Dr. Rahel Jaeggi
Pico Jordan
PD Dr. Otto Kallscheuer
Dipl. -iur, Prof. Dr. Bertram Lomfeld
Sibylle Knapp
Dr. Regina Kreide
Prof. Dr. Georg Krücken
Prof. Dr. Rainer Kuhlen
Prof. Dr. Bernd Ladwig
Dr. Birgit Laubach
PD Dr. Susanne Lanwerd
Adriana Lettrari
PD Dr. Reinhard Loske
Dr. Linda-Marie Ludwig
Dr. Willfried Maier
Nicole Maisch – MdB
Christoph Meertens
Prof. Dr. Christoph Menke
Prof. Dr. Sigrid Meuschel
Dr. Jan C. Minx
Prof. Dr. Christoph Möllers
Johannes Moes
Dr. Michael Münter
Dr. Carsten Neßhöver
Dr. Gero Neugebauer
Prof. Dr. Frank Nullmeier
Dr. Ralph Obermauer
Prof. Dr. Claus Offe
Dr. Arnd Pollmann
Dr. Andreas Poltermann
Prof. Dr. Ulrich K. Preuß
Prof. Dr. Lothar Probst
Prof. Dr. Dr. Franz J. Radermacher
Prof. Dr. Juliane Rebentisch
Dieter Rulff
Dr. Thomas Rixen
Krista Sager – MdB
Prof. Dr. Thomas Saretzki
Manuel Sarrazin – MdB
Prof. Dr. Birgit Sauer
Joscha Schmierer
PD. Dr. Thomas Schramme

Dr. Christine Schwarz
Stephan Schilling
Dr. Simone Schwanitz
Dr. Kirsten Selbmann-Lobbedy
Prof. Dr. Sandra Seubert
Peter Siller
PD Dr. Rudolf Speth
Prof. Dr. Tine Stein
Prof. Dr. Richard Stöss
PD. Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn
Rena Tangens
Dr. Thorsten Thiel
Stefan Tidow
Dr. Ellen Ueberschär
Prof. Dr. Berthold Vogel
Sybille Volkholz
Prof. Dr. Christiane Voss
Mathias Wagner – MdL
Prof. Dr. Gabriele Wilde
Prof. em. Helmut Wiesenthal
Fachbeirat Nord-Süd
Dr. Muriel Asseburg
Dr. Achim Brunnengräber
Hans-Jürgen Burhardt
Prof. Dr. Ulf Engel
Thilo Hoppe
Sebastian Kasack
Michael Krempin
Lotte Leicht
Sabine Meyer
Melanie Müller
Dr. Roger Peltzer
Dirk Scheelje
Dr. Imme Scholz
Anja Senz
Dr. Karl-Heinz Stecher
Fachbeirat Europa/Transatlantik
Eltje Aderhold
Annalena Baerbock
Dr. Annegret Bendiek
Agnieszka Brugger – MdB
Reinhard Bütikofer – MdEP
Rainer Emschermann
Dr. Ulrike Guérot
Jost Lagendijk
Dr. Helmut Lippelt
Brigitte Luggin
Winfried Nachtwei
Dr. Martin Rocholl
Daniela Schwarzer
Jan Seifert
Rainder Steenblock
Dr. Constanze Stelzenmüller
Sylke Tempel
Viola von Cramon
Dr. Elisabeth Weber
Fachbeirat Studienwerk
Dr. Vanessa Aufenanger
Dr. Frieder Dittmar
Prof. Dr. Anita Engels
Stephan Ertner
Kai Gehring – MdB
Ulrike Gote – MdL
Prof. Dr. Uta Klein
Prof. Dr. Peer Pasternack
Prof. Dr. Marco Rieckmann
Krista Sager – MdB
Dr. Ruth Seidl – MdL
Dr. Thorsten Wilhelmy

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89
Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten
Aachen Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, Prof. Dr. Christoph Schneider
Bamberg Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Prof. Dr. Rainer Drewello; Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Prof. Dr. Thomas Rixen; OttoFriedrich-Universität Bamberg, Prof. Dr. Astrid Schütz
Bayreuth Universität Bayreuth, Prof. Dr. Erdmute Alber; Universität Bayreuth, Prof. Dr. Bernd Müller-Jacquier; Universität Bayreuth, Prof. Dr.
Stefan Peiffer
Berlin Dr. Angelika Ebrecht-Laermann*; Dr. Susanne Heim*; Prof. Dr. Rainer Kuhlen*; Dr. Angela Lammert*; Prof. Dr. Franziska Lamott*;
Prof. Dr. Ilse Lenz*; Dr. Gabriele Wohlauf*; Alice Salomon Hochschule Berlin, Prof. Dr. Sabine Toppe; Beuth Hochschule für Technik Berlin,
Prof. Dr. Christian Garhammer; Beuth Hochschule für Technik Berlin, Prof. Dr. Anne König; Freie Universität Berlin, Dr. Achim Brunnengräber;
Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Sergio Costa; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Hansjörg Dilger; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Barbara
Fritz; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Cilja Harders; Freie Universität Berlin, Dr. Julius Heinicke; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Bernd
Ladwig; Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Kerstin Pinther; Freie Universität Berlin, Dr. Eva Sternfeld; Hochschule für Technik und Wirtschaft
Berlin, Prof. Dr. Rosemarie Morana; Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Prof. Dr. Birgit Mahnkopf; Hochschule für Wirtschaft und
Recht Berlin, Prof. Dr. Heike Wiesner; Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Beate Binder; Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Antje
Bruns; Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Claudia Bruns; Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. Marc Buggeln; Humboldt-Universität
zu Berlin, Prof. Dr. Marcelo Caruso; Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. Marianne Kriszio; Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. Corinna
Langelotz; Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Beate Meffert; Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. Isabel Schäfer; Humboldt-Universität
zu Berlin, Dr. Anna Dorothea Schulze; Mercator Research Institute on Global and Climate Change (MCC), Dr. Jan Christoph Minx; MSB Medical
School Berlin, Prof. Dr. Anja Walter; Technische Universität Berlin, Dr. Nazir Peroz; Universität der Künste Berlin, Prof. Dr. Judith Siegmund;
Universität der Künste Berlin, Mg. Elzbieta Sternlicht
Bielefeld Fachhochschule Bielefeld, Prof. Dr. Cornelia Giebeler; Universität Bielefeld, Prof. Dr. Klaus Dammann; Universität Bielefeld, Dr.
Marlene Müller; Universität Bielefeld, Dr. Benno Nietzel; Universität Bielefeld, Dr. Heinz-Peter Preußer
Birkenfeld Fachhochschule Trier, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung, Prof. Dr. Peter Heck; Fachhochschule Trier, Hochschule
für Technik, Wirtschaft und Gestaltung, Prof. Dr. Stefan Naumann
Bochum Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, Prof. Dr. Sigrid Graumann; Hochschule für Gesundheit, Prof. Dr. Anke
Fesenfeld; Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Lieselotte Steinbrügge
Bonn Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Dr. Nina Langen; Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Prof. Dr. Andreas
Pangritz
Brandenburg Fachhochschule Brandenburg, Prof. Dr. Uwe Höft
Braunschweig Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Prof. Dr. Wolfgang Jonas; Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu
Braunschweig, Prof. Dr. Petra Mischnick; Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Prof. Dr. Rolf Nohr; Technische Universität CaroloWilhelmina zu Braunschweig, Prof. Dr. Bettina Wahrig
Breitenbrunn Staatliche Studienakademie Breitenbrunn, Dr. Christel Walter
Bremen Universität Bremen, Dr. Sabine Horn; Universität Bremen, Prof. Dr. Karin Gottschall; Universität Bremen, Prof. Dr. Michi Knecht;
Universität Bremen, Prof. Dr. Frank Nullmeier; LL.M., Universität Bremen, Prof. Dr. Konstanze Plett; Universität Bremen, Prof. Dr. Lothar
Probst
Chemnitz Technische Universität Chemnitz, Prof. Dr. Cecile Sandten
Coburg Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Coburg, Prof. Dr. Gaby Franger-Huhle
Cottbus Brandenburgische Technische Universität Cottbus, Prof. Dr. Marie-Theres Albert
Darmstadt Technische Universität Darmstadt, Dr. Franziska Müller
Dortmund Technische Universität Dortmund, Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel
Dresden Technische Universität Dresden, Prof. Dr. Uta Berger; Technische Universität Dresden, Prof. Dr. Anja Besand; Technische Universität
Dresden, Prof. Dr. Johannes Rohbeck; Technische Universität Dresden, Prof. Dr. Bernhard Schlag; Technische Universität Dresden, Prof. Dr.
Gerd Schwerhoff; Technische Universität Dresden, Dr. Johannes Siemens
Duisburg Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Michael Kaeding
Düsseldorf Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Prof. Dr. Simone Dietz; Hans-Böckler-Stiftung, Dr. Michaela Kuhnhenne; Kunstakademie
Düsseldorf, Prof. Dr. Ludger Schwarte
Eberswalde Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Prof. Dr. Pierre Ibisch
Erfurt Universität Erfurt, Prof. Dr. André Brodocz; Universität Erfurt, Prof. Dr. Jamal Malik
Erlangen Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Prof. Dr. Kristina Giesel; Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg,
Prof. Dr. Andrea Pagni; Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Dr. Gerd Sebald
Essen Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Anne Schlüter
Esslingen Hochschule Esslingen, Prof. Dr. Birgit Meyer
Flensburg Universität Flensburg, Prof. Dr. Gerd Grözinger; Universität Flensburg, Dr. Christine Thon
Frankfurt/M. Johann Wolfgang Goethe-Universität, Prof. Dr. Ursula Apitzsch; Fachhochschule Frankfurt am Main, Prof. Dr. Margrit Brückner;
Johann Wolfgang Goethe-Universität, Prof. Dr. Rainer Forst; Fritz Bauer Institut, PD Dr. Werner Konitzer; Johann Wolfgang Goethe-Universität, Prof. Dr. Helma Lutz; Johann Wolfgang Goethe-Universität, Prof. Dr. Christoph Menke; Johann Wolfgang Goethe-Universität, Dr. Andreas
Nölke; Johann Wolfgang Goethe-Universität, Prof. Dr. Uta Ruppert; Johann Wolfgang Goethe-Universität, Prof. Dr. Susanne Schröter
Frankfurt/O. Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Prof. Dr. Timm Beichelt
Freiburg i.Br. Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, Prof. Dr. Elisabeth Cheauré; Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme
ISE, Dr. Jan Christoph Goldschmidt; Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, Dr. Anna Elisabeth Growe; Prof. Dr. Michael Kochen*;
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Dr. Lena Partzsch; Prof. Dr. Carla Rosendahl*; Prof. Dr. Britta Schinzel*
Fulda Hochschule Fulda, Prof. Dr. Susanne Dern
Gelsenkirchen Westfälische Hochschule, Prof. Dr. Friedrich Kerka
Gießen Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Dr. Jörn Ahrens; Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Dr. Marianne Friese; Justus-LiebigUniversität Gießen, Prof. Dr. Regina Kreide
Göttingen Georg-August-Universität Göttingen, Prof. Dr. Ilona Ostner; Georg-August-Universität Göttingen, PD Dr. Isabel Richter
Halle/Saale Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Thomas Bremer; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Isabell Hensen; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Dr. Christiane Lähnemann; Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Prof. Frithjof Meinel; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Werner Nell; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Thomas
Olk; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. Pia Schmid
Hamburg Universität Hamburg, Prof. Dr. Andrea Blunck; HafenCity Universität Hamburg, Prof. Dr. Ingrid Breckner; Universität Hamburg,
Jun. Prof. Dr. Sina Farzin; Universität Hamburg, Dr. Nina Feltz; Universität Hamburg, Dr. Irmtraut Gensewich; Universität Hamburg,
Prof. Dr. Ursula Neumann; Universität Hamburg, Prof. Dr. Kai-Uwe Schnapp; Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Prof. Dr.
Louis Henri Seukwa; Universität Hamburg, Prof. Dr. Anke Strüver; Hochschule für Bildende Künste Hamburg, Prof. Dr. Friedrich von Borries;
Universität Hamburg, Prof. Dr. Wolfram Weiße; HafenCity Universität Hamburg, Prof. Dr. Gesa Ziemer
Hannover Susanne Eser*; Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Prof. Dr. Christine Hatzky; Gottfried Wilhelm Leibniz Universität
Hannover, Prof. Dr. Brigitte Reinwald; Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Dr. Christine Schwarz
Heidelberg Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Dr. Hüseyin Aguicenoglu; Pädagogische Hochschule Heidelberg, Prof. Dr. Havva Engin;
Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, Prof. Dr. Omar Kamil; Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Prof. Dr. Christiane Schwieren;
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Dr. Steffen Sigmund; Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Dr. Dr. Momme von Sydow

Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten

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Vertrauensdozentinnen und Vertrauensdozenten

90

Hildesheim Universität Hildesheim, Prof. Dr. Ursula Bredel; Universität Hildesheim, Prof. Dr. Michael Corsten; Universität Hildesheim,
Prof. Dr. Johannes Salim Ismaiel-Wendt; Universität Hildesheim, Dr. habil. Heike Kahlert; Universität Hildesheim, Dr. Julio Mendívil
Holzminden HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen, Prof. Dr. Leonie Wagner
Höxter Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Prof. Dr. Klaus Maas
Ilmenau Technische Universität Ilmenau, Prof. Dr. Johann Reger
Iserlohn BiTS gGmbH, Prof. Dr. Thomas Meuser
Jena Fachhochschule Jena, Prof. Dr. Wolfgang Behlert; Friedrich-Schiller-Universität Jena, PD Dr. Stephan Lorenz; Fachhochschule Jena,
Prof. Dr. Thomas Sauer
Kaiserslautern Technische Universität Kaiserslautern, Prof. Dr. Michael Hassemer; Hochschule Kaiserslautern, Prof. Henrik Speck
Karlsruhe Karlsruher Institut für Technologie, Dr. Stefan Böschen; Karlsruher Institut für Technologie, Prof. Dr. Norbert Willenbacher
Kassel Universität Kassel, Dr. Manuela Böhm; Universität Kassel, Prof. Dr. Christoph Scherrer; Universität Kassel, Prof. Dr. Elisabeth Tuider
Kiel Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Prof. Dr. Uta Klein; Fachhochschule Kiel, Prof. Dr. Gerhard Kockläuner; Christian-AlbrechtsUniversität zu Kiel, Prof. Dr. Konrad Ott
Köln Universität zu Köln, Prof. Dr. Boris Braun; Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Josef Freise; Universität zu Köln,
Prof. Dr. Cornelius Nestler
Konstanz Universität Konstanz, Prof. Dr. Marius Busemeyer; Universität Konstanz, Dr. Oliver Trevisiol
Landau Universität Koblenz-Landau, Dr. Florian Bernstorff; Universität Koblenz-Landau, Heide Gieseke
Leipzig Universität Leipzig, Prof. Dr. Felix Ekardt; Universität Leipzig, Prof. Dr. Ilse Nagelschmidt; Universität Leipzig, Prof. Dr. Stefan Troebst
Lüneburg Leuphana Universität Lüneburg, Prof. Dr. Sabine Hofmeister; Leuphana Universität Lüneburg, Prof. Dr. Maria-Eleonora Karsten;
Leuphana Universität Lüneburg, Prof. Dr. Daniel J. Lang; Leuphana Universität Lüneburg, Prof. Dr. Gerda Lischke; Leuphana Universität
Lüneburg, Prof. Dr. Peter Pez
Magdeburg Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Prof. Dr. Thorsten Unger; Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Prof. Dr. Gerald
Warnecke
Mainz Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Peter Kiefer; Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Wolfgang Riedel
Mannheim Universität Mannheim, Prof. Dr. Angela Keppler; Medizinische Fakultät Mannheim/Universität
Heidelberg, Dr. Nuran Tunc-Skarka
Marburg Philipps-Universität Marburg, Dr. Atef Botros; Philipps-Universität Marburg, Dr. Michaela Geiger; Philipps-Universität Marburg,
Prof. Dr. Susanne Maurer
Müncheberg Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, Dr. Aranka Podhora
München Katholische Stiftungsfachhochschule München, Prof. Dr. Markus Babo; Ludwig-Maximilians-Universität München, Prof. Dr.
Helga Bilden; Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule München, Prof. Dr. Constance Engelfried; Technische Universität
München, Prof. Dr. Mariacarla Gadebusch Bondio; Dr. Gabriele Hooffacker*; Prof. Dr. Yolanda M. Koller-Tejeiro*; Ludwig-MaximiliansUniversität München, Prof. Dr. Reinhard Markowetz
Münster Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Prof. Doris Fuchs; Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Dr. Harry Mönig;
Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Prof. Dr. Gabriele Wilde
Neubiberg Universität der Bundeswehr München, Prof. Dr. Franz Kohout
Nürnberg Walter Sehrer*
Offenburg Hochschule für Technik, Wirtschaft und Medien Offenburg, Prof. Dr. Anke Weidlich
Oldenburg Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Prof. Dr. Gesa Lindemann; Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Prof. Dr. Paul Mecheril;
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Prof. Dr. Bernd Siebenhüner; Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Prof. Dr. Silke Wenk
Osnabrück Universität Osnabrück, Prof. Dr. Ulrich Schneckener; Universität Osnabrück, Prof. Dr. Helen Schwenken; Hochschule Osnabrück,
Prof. Dr. Ursula Eva Wiese
Paderborn Universität Paderborn, Prof. Dr. Michael Hofmann
Passau Universität Passau, Prof. Dr. Christian Thies
Potsdam Universität Potsdam, Prof. Dr. Joachim Gessinger; Moses Mendelssohn Zentrum, Dr. Ines Sonder; Universität Potsdam, Prof. Dr.
Theresa Wobbe; Universität Potsdam, PD Dr. Gert Zöller
Regensburg Fachhochschule Regensburg, Maike Berndt-Zürner
Rostock Universität Rostock, Dr. Gudrun Heinrich; Universität Rostock, Prof. Dr. Hans-Jürgen von Wensierski
Saarbrücken Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, Prof. Dr. Holger Buck; Hochschule für Technik und Wirtschaft des
Saarlandes, Prof. Dr. Klaus Kraimer; Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, Prof. Dr. Ulrike Zöller
Stendal Hochschule Magdeburg-Stendal, Prof. Dr. Maureen Maisha Eggers
Stuttgart Universität Stuttgart, PD Dr. Ralph O. Schill
Trier Fachhochschule Trier, Prof. Dr. Helge Rieder; Universität Trier, Prof. Dr. Michael Schönhuth; Universität Trier, Dr. Rita Voltmer
Tübingen Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Prof. Dr. Gabriele Abels; Dr. Karin Widmayer*
Vechta Universität Vechta, Prof. Dr. Marco Rieckmann
Wiesbaden Hochschule RheinMain, Prof. Dr. Oja Eleonore Ploil
Witten Universität Witten/Herdecke, Prof. Dr. Martin Schnell
Wolfenbüttel Ostfalia – Hochschule für angewandte Wissenschaften, Prof. Dr. Ludger Kolhoff; Ostfalia – Hochschule für angewandte
Wissenschaften, Dr. Corinna Voigt-Kehlenbeck
Wuppertal Bergische Universität Wuppertal, Prof. Dr. Rita Casale; Bergische Universität Wuppertal, Prof. Dr. Hans J. Lietzmann; Bergische
Universität Wuppertal, Prof. Dr. Gertrud Oelerich
Würzburg Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Dr. Viktoria Däschlein-Geßner; Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Dr. Thomas
Kestler
Im Ausland
Bern Universität Bern, Dr. Renate Ruhne
Klagenfurt Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Prof. Dr. Ulrike Loch
Linz Johannes Kepler Universität Linz, Dr. Waltraud Ernst
Luzern Hochschule Luzern, Prof. Dr. Marlies Fröse; Universität Luzern, Prof. Dr. Martin Hartmann
Oxford University of Oxford, Dr. Wolfgang Zumdick
Paris Université Paris - Panthéon-Sorbonne, Dr. Milosz Matuschek
Stockholm KTH Royal Institute of Technology, Dr. Sabine Höhler
Utrecht Universiteit Utrecht, Dr. Christoph Baumgartner
Wien PD Dr. Cornelia Klinger*

* keine Hochschulangaben

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91
Mitglieder der Auswahlkommission des
Studienwerks der Heinrich-Böll-Stiftung
Dr. Najat Abdulhaq
Prof. Dr. Gabriele Abels
Prof. Dr. Viola Balz
Hartmut Bäumer
Prof. Dr. Hans Peter Benedikt
Dr. Florian Bernstorff
Dr. Manuela Böhm
Dr. Atef Botros
Paula Bradish
Prof. Dr. André Brodocz
Dr. Marc Buggeln
Prof. Dr. Stephan Bundschuh
Dr. Sebastian Büttner
Dr. Frieder Dittmar
Anne Dudeck
Sandra Dümer
Dr. Ellen Euler
Dr. Nina Feltz
Prof. Dr. Juliane Filser
Dr. Michaela Geiger
Prof. Dr. Joachim Gessinger
Prof. Dr. Gerd Grözinger
Dr. Katrin Grüber
Fabian Hamák
Dr. Julius Heinicke
Prof. Dr. Isabell Hensen
Dr. Sabine Horn
Dr. Manja Hußner
Prof. Dr. Johannes Salim Ismaiel-Wendt
Prof. Dr. Omar Kamil
Trudel Karcher
Prof. Dr. Claudia Kraft
Tim Krause
Prof. Dr. Regina Kreide
Dr. Sylvia Kruse
Prof. Dr. Margitta Kunert-Zier
Dr. Christiane Lähnemann
Dr. Ilka Lennertz
Dr. Britta Leusing
Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl
Helmuth Lohan
Dr. Daniel Lübbert
Dr. Alexandra Lübcke
Prof. Dr. Paul Mecheril
Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel
Prof. Dr. Birgit Meyer
Holger Michel
Dr. Jan Christoph Minx
Dr. Birgit Möller
Dr. Benno Nietzel
Prof. Dr. Gertrud Oelerich
Dr. Ipek Ölcüm
Dr. Lena Partzsch

Vera Rabelt
PD Dr. Isabel Richter
Prof. Dr. Wolfgang Riedel
Prof. Dr. Thomas Rixen
Prof. Dr. Mieke Roscher
Dr. Renate Ruhne
Dr. Bianca Schemel
Prof. Dr. Christoph Scherrer
Dr. Jens Schneider
Jörg Schreiber
Prof. Dr. Joachim Schulze
Dr. Christine Schwarz
Dr. Siebo Siems
Dr. Rajinder Singh
Prof. Hendrik Speck
Dr. Katharina Spiegel
Steffen Stadler
Judith Strohm
Achim Toennes
Prof. Dr. Sabine Toppe
Prof. Dr. Elisabeth Tuider
Nina Turani
Prof. Dr. Hans-Jürgen von Wensierski
Prof. Dr. Gerald Warnecke
Dr. Inga Winkler

Mitglieder der Auswahlkommission

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92

Adressen
Stand: April 2014

Heinrich-Böll-Stiftung

Archiv Grünes Gedächtnis

Schumannstraße 8
10117 Berlin
T 030-28 53 40 F 030-28 53 41 09
E info@boell.de W www.boell.de

Eldenaer Straße 35
10247 Berlin
T 030-285 34-260 F 030-285 34-52 60
E archiv@boell.de

Auslandsbüros der Heinrich-Böll-Stiftung
Europa und Nordamerika
Bosnien und Herzegowina

Heinrich-Böll-Stiftung
ˇekalusˇa 42, 71000 Sarajevo
C
Bosnien und Herzegowina
T +387-33-260 450 F +387-33-260 460
E info@ba.boell.org W www.ba.boell.org
Region Europäische Union

Heinrich-Böll-Stiftung, Rue d‘Arlon 15,
1050 Bruxelles, Belgien
T +32-2-743 41 00 F +32-2-743 41 09
E info@eu.boell.org W www.eu.boell.org

Adressen

Kroatien

Heinrich-Böll-Stiftung, Preobraženska 2
10000 Zagreb, Kroatien
T +385-1-4812 530 F +385-1-481 89 77
E info@hr.boell.org W www.hr.boell.org
Region Mittel-Osteuropa (Prag)

Heinrich-Böll-Stiftung
Opatovická 28, 110 00 Praha 1, Tschechien
T +420-251 81 41 73 F +420-251 81 41 74
E info@cz.boell.org W www.cz.boell.org
Region Mittel-Osteuropa (Warschau)

Heinrich-Böll-Stiftung
ul. Žurawia 45, 00-680 Warszawa, Polen
T +48-22-594 23-33 F +48-22-594 23-37
E pl-info@pl.boell.org W www.pl.boell.org
Region Nordamerika

Heinrich-Böll-Stiftung, 1432 K Street, NW
Suite 500, Washington, DC 20005, USA
T +1-202-462 75 12 F +1-202-462 52 30
E info@us.boell.org W www.us.boell.org
Russland

Heinrich-Böll-Stiftung, Grusinskij Pereulok 3-231,
123056 Moskau, Russland
T +7-499-254 14 53 F +7-495-935 80 14
E info@ru.boell.org W www.ru.boell.org
Region Südlicher Kaukasus

Heinrich-Böll-Stiftung
38, Zovreti st., 0160 Tbilisi, Georgien
T +995-32-238 04 67 F +995-32-291 28 97
E info@ge.boell.org W www.ge.boell.org

Region Südosteuropa

Heinrich-Böll-Stiftung
Misˇarska 8, 11 000 Belgrad, Serbien
T +381-11-33 41 353 F +381-32 30 999
E info@rs.boell.org W www.rs.boell.org
Türkei

Heinrich-Böll-Stiftung
Inönü Caddesi, Hacı Hanım Sok 10/12+4
Gümüˇssuyu 34439, Istanbul, Türkei
T +90-212-249 15 54 F +90-212-245 04 30
E info@tr.boell.org W www.tr.boell.org
Ukraine

Heinrich-Böll-Stiftung, Wolodymyrska Str. 18/2,
Office 3, 01034 Kiev, Ukraine
T +38 044 279 98 58 F +38 044 270 52 78
E ua-info@ua.boell.org W www.ua.boell.org
Griechenland

Heinrich-Böll-Stiftung
Aristotelous Str. 3, 54624 Thessaloniki
T +30 2310 282829 F +30 2310 282832
E info@gr.boell.org W www.gr.boell.org
Asien
China

Heinrich-Böll-Stiftung
8, Xinzhong Xijie, Gongti Beilu
Asia Hotel, Office Building No.309, 100027 Beijing,
China
T +86-10-66 15 46 15 F +86-10-66 15 46 15-102
E info@cn.boell.org W www.cn.boell.org
Indien

Heinrich-Böll-Stiftung
C – 20, 1st Floor, Qutub Institutional Area,
New Delhi 110016, Indien
T +91-11-2685 4405 F +91-11-26 96 28 40
E in-info@in.boell.org W www.in.boell.org
Kambodscha

Heinrich-Böll-Stiftung, #8, Street 476
Sangkat Toul Tompoung I, Khan Chamkar Mon
Phnom Penh, Kambodscha
T +855 23 210 535 F +855 23 216 482
E info@kh.boell.org W www.kh.boell.org

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93

Myanmar

Region Mittlerer Osten

Heinrich-Böll-Stiftung
No. (141/149), Bargayar Condominium
Bargayar Road
Kyun Taw (South) Ward
Sanchaung Township
Western District, Yangon Region
T +959 31 685 846 E boell.yangon@gmail.com
W www.th.boell.org

Heinrich-Böll-Stiftung
266, Rue Gouraud, P.O. Box 175510
Gemmayzeh, Beirut, Libanon
T +961-1-56 29 26 F +961-1-56 29 78
E info@lb.boell.org W www.lb.boell.org

Heinrich-Böll-Stiftung, House# 5, Street# 90,
G-6/3, Embassy Road, Islamabad
T +92-51-2271545 F +92-51-2271548
E info@pk.boell.org W www.pk.boell.org
Region Südostasien

Heinrich-Böll-Stiftung
75 Sukhumvit 53 Klongton Neua, Wattana
Bangkok 10110,Thailand
T +66-2-6625960-2 F +66-2-6627576
E office@th.boell.org W www.th.boell.org
Afrika
Nigeria

Heinrich-Böll-Stiftung, 3rd Floor, Rukayyat Plaza
93, Obafemi Awolowo Way, Jabi District, Abuja
T +234-1-761 23 53
E info@ng.boell.org W www.ng.boell.org
Region Ostafrika/Horn von Afrika

Heinrich-Böll-Stiftung, Forest Road
P.O. Box 10799-00100, GPO Nairobi, Kenia
T +254-20-26 80 745 F +254-20-374 91 32
E ke-info@ke.boell.org W www.ke.boell.org
Region Südliches Afrika

Heinrich-Böll-Stiftung
8th Floor Vunani Chambers, 33 Church Street,
Cape Town 8000, Südafrika
T +27-21-461 62 66 F +27-21-424 40 86
E info@za.boell.org W www.za.boell.org
Nahost und Nordafrika
Israel

Heinrich-Böll-Stiftung
1 Har Sinai St. 2nd floor, Tel Aviv 65816, Israel
T +972-3-516 77 34 F +972-3-516 76 89
E info@il.boell.org W www.il.boell.org
Region Arabischer Naher Osten

Heinrich-Böll-Stiftung, Tal az-Zaatar St. 6
P.O. Box 2018 Ramallah, Palästina
T +972-2-296 11 21 F +972-2-296 11 22
E info@ps.boell.org W www.ps.boell.org

Heinrich-Böll-Stiftung
5, Rue Jamel Abdennasser, 1000 Tunis, Tunesien
T +216 71 322 345 F +216 71 322 346
E info@tn.boell.org W www.tn.boell.org
Marokko

Heinrich-Böll-Stiftung
17, Rue Tiddas, Hassan, 10010 Rabat, Marokko
T +212-537 20 20 93
F +212-537 20 20 92
E ma-info@ma.boell.org W www.ma.boell.org
Lateinamerika
Brasilien

Heinrich-Böll-Stiftung
Rua da Glória 190, ap. 701
20241-180 Rio de Janeiro, Gloria, Brasilien
T +55-21-32 21 99 00 F +55-21-32 21 99 22
E info@br.boell.org
W www.br.boell.org
Region Cono Sur

Heinrich-Böll-Stiftung
Avenida Francisco Bilbao 882, Providencia
752-0063 Santiago de Chile, Chile
T +56-2-2584 01 72 F +56-2-2584 01 72-101
E info@cl.boell.org W www.cl.boell.org
Region Mittelamerika/Mexiko/Karibik (Mexiko-Stadt)

Heinrich-Böll-Stiftung
Calle José Alvarado 12
Colonia Roma Norte, Delegación Cuauhtémoc,
CP 06760, México D.F., Mexiko
T +52-55-52 64 15 14 F +52-55-52 64 28 94
E mx-info@mx.boell.org W www.mx.boell.org
Region Mittelamerika/Mexiko/Karibik (San Salvador)

Heinrich-Böll-Stiftung
Residencial Zanzibar,
Pasaje A-Oriente No. 24, San Salvador, El Salvador
T +503-22 74 68 12 F +503-22 74 69 32
E sv-info@sv.boell.org W www.mx.boell.org

Adressen

Region Pakistan

Tunesien

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94

Die Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung
Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg

Rieckestraße 26, 70190 Stuttgart
T 0711-26 33 94 10 F 0711-26 33 94 19
E info@boell-bw.de W www.boell-bw.de

Adressen

Petra-Kelly-Stiftung Bayern

Reichenbachstraße 3a, 80469 München
T 089-24 22 67 30 F 089-24 22 67 47
E info@petra-kelly-stiftung.de
W www.petrakellystiftung.de
Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

Sebastianstraße 21, 10179 Berlin
T 030-308 779 480 F 030-308 779 487
E info@bildungswerk-boell.de
W www.bildungswerk-boell.de
Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg

Dortustraße 52, 14467 Potsdam
T 0331-200 57 80 F 0331-200 57820
E organisation@boell-brandenburg.de
W www.boell-brandenburg.de
Heinrich-Böll-Stiftung Bremen

Plantage 13, 28215 Bremen
T 0421-35 23 68 F 0421-35 23 89
E ruedel.boell@arcor.de W www.boell-bremen.de
Umdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg

Kurze Straße 1, 20355 Hamburg
T 040-389 52 70 F 040-380 93 62
E info@umdenken-boell.de
W www.umdenken-boell.de
Heinrich-Böll-Stiftung Hessen

Niddastraße 64, 60329 Frankfurt am Main
T 069-23 10 90 F 069-23 94 78
E info@hbs-hessen.de W www.hbs-hessen.de
Heinrich-Böll-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern

Mühlenstraße 9, 18055 Rostock
T 0381-492 21 84 F 0381-492 21 56
E post@boell-mv.de W www.boell-mv.de

Stiftung Leben und Umwelt
Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen

Warmbüchenstraße 17, 30159 Hannover
T 0511-301 85 70 F 0511-301 85 714
E info@slu-boell.de W www.slu-boell.de
Heinrich-Böll-Stiftung Nordrhein-Westfalen

Graf-Adolf-Straße 100, 40210 Düsseldorf
T 0211-93 65 08 0 F 0211-93 65 0825
E info@boell-nrw.de W www.boell-nrw.de
Heinrich-Böll-Stiftung Rheinland-Pfalz

Walpodenstr. 10, 55116 Mainz
T 06131-90 52 60 F 06131-90 52 69
E mainz@boell-rlp.de W www.boell-rlp.de
Heinrich-Böll-Stiftung Saar

Talstraße 56, 66119 Saarbrücken
T 0681-58 35 60 F 0681-58 35 36
E boell.stiftung@t-online.de W www.boell-saar.de
Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen

Schützengasse 18, 01067 Dresden
T 0351-494 33 11 F 0351-494 34 11
E info@weiterdenken.de W www.weiterdenken.de
Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt

Leipziger Straße 36, 06108 Halle (Saale)
T 0345-202 39 27 F 0345-202 39 28
E info@boell-sachsen-anhalt.de
W www.boell-sachsen-anhalt.de
Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein

Heiligendammer Straße 15, 24106 Kiel
T 0431-906 61 30 F 0431-906 61 34
E info@boell-sh.de W www.boell-sh.de
Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen

Trommsdorffstraße 5, 99084 Erfurt
T 0361-555 32 57 F 0361-555 32 53
E info@boell-thueringen.de
W www.boell-thueringen.de

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Fördern und spenden
Wir danken unseren Unterstützern und Unterstützerinnen! Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement als Referent/innen, als Vertrauensdozent/innen oder als Mitglied eines Beratungsgremiums helfen viele Menschen, unsere Ziele zu verwirklichen und unsere Bildungsund Projektarbeit im In- und Ausland weiterzuentwickeln. Sie unterstützen die Stiftung
durch ihre Mitgliedschaft im Freundeskreis, durch Spenden, Zustiftungen, Patenschaften
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Mit Ihrer Mitgliedschaft im Freundeskreis

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Mit Ihrer Spende oder Patenschaft für Autorinnen und
Autoren im Heinrich-Böll-Haus

Sie ermöglichen damit internationalen Autor/innen
und Künstler/innen einen Aufenthalt im HeinrichBöll-Haus in Langenbroich, dem früheren Domizil
des Schriftstellers. Dort können sie frei von ökonomischem oder politischem Druck ungestört arbeiten.

Mit einer Beteiligung an der TuWas – Stiftung
für Gemeinsinn

Die TuWas-Stiftung ist im Juni 2013 gegründet worden. Die grüne Förderstiftung wurde mit großem Engagement von Freundinnen und Freunden der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt. Um die vielen guten
Ideen umsetzen zu können, brauchen wir weitere
Unterstützung! Erste Hilfsgelder der TuWas-Stiftung gingen an eine mexikanische Fraueninitiative,
die gegen systematische Morde an Frauen kämpft,
sowie an eine Initiative, die sich für yezidische Flüchtling aus Syrien einsetzt und deren Unterbringung in
der Türkei unterstützt.
Wir wollen unsere Projektideen mit Ihren Spenden oder Zustiftungen verwirklichen. Als Stiftende
können Sie bestimmen, für welche Zwecke Ihre
Zustiftung oder Spende verwendet werden soll, oder
vereinbaren, wofür das eingelegte Geld über einen
bestimmten Zeitraum – seien es fünf oder 50 Jahre –
verbraucht wird. Da die TuWas-Stiftung gemeinnützig ist, sind Spenden und Zustiftungen bis zu einer
Million Euro steuerlich begünstigt.

Fr e u n din n en u n d Fr e u n d e

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W www.tuwasstiftung.de

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l  Bitte schicken Sie mir Informationen über die Heinrich-Böll-Stiftung zu.
Datum /
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Heinrich-Böll-Stiftung
Freundinnen und Freunde
Schumannstraße 8
10117 Berlin

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96

Freundinnen und Freunde

I

Ulrike Cichon, Koordinatorin des Freundeskreises Foto: Conny Fischer

II

Elisabeth Kiderlen und Julius Heinicke, Koordinations gremium des Freundeskreises

Die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung unterstützen die Werte und Ziele der Stiftung.
Mit ihren Mitgliedsbeiträgen fördern sie unbürokratisch und schnell Menschenrechtsaktivist/innen,
Künstler/innen und Kunstprojekte. Wir laden Sie
herzlich ein, Mitglied zu werden und damit Teil
unserer grünen Ideenwerkstatt und unseres internationalen Netzwerkes zu sein – ob als Privatperson,
als Institution oder als Unternehmen. Als Freund
oder Freundin tragen Sie dazu bei, Qualität und Selbständigkeit der Heinrich-Böll-Stiftung langfristig zu
sichern.
Neben Einladungen zu besonderen Veranstaltungen, wie z. B. Preisverleihungen, erhalten die Mitglieder Informationen über aktuelle Entwicklungen
der Stiftungsarbeit und die Aktivitäten des Freundeskreises. Eine breite Palette an Veranstaltungen
mit und für die Freundinnen und Freunde bietet
Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen,
politische Konzepte und Entwicklungen zu diskutieren und die Stiftungsarbeit näher kennenzulernen.
Mindestens einmal im Jahr verreisen die Freundinnen und Freunde. Im Jahr 2014 führte die Reise in die
Türkei. Informieren Sie sich über unser Programm:

Ansprechpartnerin für die Freundinnen und
Freunde, Spender/innen und Sponsor/innen:
Ulrike Cichon
T 030-285 34-112 F 030-28534-5112
E cichon@boell.de W www.boell.de/freundeskreis

Spenden-/Beitragskonto:
Bank für Sozialwirtschaft
BIC
BFSW DE 33 BER
IBAN DE11 1002 0500 0003 0767 02
Gläubiger-ID im SEPA-Lastschriftverfahren:
DE17ZZZ00000360794
Ihr Mitgliedsbeitrag ist steuerlich absetzbar und Ihre
Mitgliedschaft jederzeit kündbar.

W www.boell.de/freundeskreis

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Beitrittserklärung

Zahlungsweise

Ich unterstütze die Ziele der Heinrich-Böll-Stiftung und erkläre meinen Beitritt zu
den Freundinnen und Freunden der Heinrich-Böll-Stiftung als (bitte ankreuzen):

l SEPA*-Lastschriftmandat

Mitglied

l  mit dem Regelbeitrag von 92 ¤ im Jahr
l  mit dem ermäßigten Jahresbeitrag für Geringverdienende von 46 ¤
l  mit dem Jahresbeitrag von 150 ¤
l  mit dem Jahresbeitrag von 300 ¤
¤
l  mit dem Jahresbeitrag von
l mit dem Jahresbeitrag von 25 ¤ für Schülerinnen und Schüler,

Studierende, Erwerbslose und – auf Antrag – Menschen im Ruhestand

Institutionelles Mitglied (Unternehmen und Organisationen)

l  mit einem Jahresbeitrag von 184 ¤
l  mit einem Beitrag für Basisinitiativen von 92 ¤
Ich werde nicht Mitglied, aber ich unterstütze die Heinrich-Böll-Stiftung
mit einer einmaligen Spende von
¤

Ich ermächtige die Heinrich-Böll-Stiftung (hbs), Gläubiger-ID
DE17ZZZ00000360794, Zahlungen von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut an, die
von der hbs auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen.

Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem
Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen.
Es gelten dabei die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen.
Kontoinhaber/in (falls abweichend):
Kreditinstitut:

	
llll  ll  ll  lll
llll  llll 	llll  llll  llll  ll

BIC: 	
IBAN: 

Die Mandatsreferenz wird mir durch die hbs separat mitgeteilt.
Datum , Ort und
Unterschrift:

l  Ich überweise meinen Beitrag selbst auf das Konto der Heinrich-Böll-Stiftung,
IBAN  DE11 1002 0500 0003 0767 02.

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Leitbild
der Heinrich-Böll-Stiftung
Die Heinrich-Böll-Stiftung versteht sich als Teil der «grünen»
politischen Grundströmung, die sich weit über die Bundesrepublik hinaus in Auseinandersetzung mit den traditionellen politischen Richtungen des Sozialismus, des Liberalismus und des Konservatismus herausgebildet hat. Unsere
gemeinsamen Grundwerte sind Ökologie und Nachhaltigkeit, Demokratie und Menschenrechte, Selbstbestimmung
und Gerechtigkeit. Ein besonderes Anliegen ist uns die Geschlechterdemokratie, also die gesellschaftliche Emanzipation und die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Wir
engagieren uns für die Gleichberechtigung kultureller und
ethnischer Minderheiten und für die soziale wie politische

Wir sind eine grüne Ideenagentur

Partizipation von Immigranten. Nicht zuletzt treten wir für
Gewaltfreiheit und eine aktive Friedenspolitik ein.
Für unser Engagement suchen wir strategische Partnerschaften mit anderen, die unsere Werte teilen. Wir handeln
unabhängig und in eigener Verantwortung.
Wir haben unsere Wurzeln in der Bundesrepublik und sind
zugleich ideell wie praktisch ein internationaler Akteur.
Unser Namensgeber, der Schriftsteller und Nobelpreisträger Heinrich Böll, steht für eine Haltung, der wir uns selbst
verpflichtet sehen: Verteidigung der Freiheit, Zivilcourage,
streitbare Toleranz und die Wertschätzung von Kunst und
Kultur als eigenständige Sphären des Denkens und Handelns.

 

Wir geben Denkanstöße für demokratische
Reformen und soziale Innovationen.
Wir engagieren uns für ökologische Politik und
nachhaltige Entwicklung im globalen Maßstab.
Wir geben Kunst und Kultur Raum zur Darstellung
und Auseinandersetzung.
Wir vermitteln Wissen von Expertinnen und
Experten an politische Akteure.
Wir sind ein Ort für offene Debatten und fördern
den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.
Wir fördern begabte, gesellschaftspolitisch
engagierte Studierende im In- und Ausland.
Wir dokumentieren die Geschichte der grünen
Bewegung als Fundus für die Forschung und
Quelle politischer Orientierung.
Wir sind ein internationales Politik-Netzwerk

Wir verstehen uns als Teil eines globalen grünen
Netzwerkes und fördern die Entwicklung der grünen politischen Bewegung auf allen Kontinenten.
Ein besonderes Anliegen ist uns die Verbreiterung
und Vertiefung der europäischen grünen Bewegung.

Engagement, fachliche und menschliche Kompetenz, Kreati- Wir überprüfen und verbessern unsere Arbeit in einem kontivität und Flexibilität zeichnen unsere Mitarbeiterinnen und nuierlichen Prozess und stellen uns der internen und externen
Mitarbeiter im In-und Ausland aus. Sie sind hoch qualifiziert, Bewertung. Wir stehen für einen wirtschaftlichen, effizienten
teamorientiert und bilden mit ihrer überdurchschnittlichen Einsatz der uns zur Verfügung stehenden öffentlichen Mittel
und sorgen für transparente Geschäftsabläufe.
Motivation das Vermögen der Stiftung.
Wir praktizieren ein produktives Miteinander von BundesChancengleichheit und ein respektvoller Umgang zwischen
Frauen und Männern verschiedenen Alters, verschiedener stiftung und Landesstiftungen.
Wir sind ein verlässlicher Partner für ehrenamtliches Enreligiöser Bekenntnisse, ethnischer Herkunft und sexueller
Orientierung sind konstitutiv für die Stiftung. Interkulturelle gagement und für die Zusammenarbeit mit Dritten.
Als politische Stiftung handeln wir unabhängig und in eigeKompetenz und ein produktiver Umgang mit Vielfalt sind
ner Verantwortung auch gegenüber Bündnis 90/Die Grünen.
Teil unserer Betriebskultur.
Wechselseitiger Respekt und eine vertrauensvolle Zusam- Unsere Eigenständigkeit wahren wir auch bei der Auswahl
menarbeit mit unseren Partnern bilden die Grundlage un- unserer Führungskräfte und der Besetzung unserer Gremien.
serer Geschäftsbeziehungen.

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Organisationsplan der Heinrich-Böll-Stiftung e.V., Stand: 30. April 2015
Schumannstraße 8, 10117 Berlin T 030-285 34-0 F 030-285 34-109
W www.boell.de E info@boell.de, presse@boell.de, besuchergruppen@boell.de

Mitgliederversammlung

K Kontakt: Nachname@boell.de

49 Mitglieder

Aufsichtsrat

9 Mitglieder

Vorstand

Ralf Fücks
Dr. Tamara Or
Sekretariat: Anke Bremer (-105)

Barbara Unmüßig
Jana Prosinger
Sekretariat: Kathrin Klaua (-114)

Geschäftsführung

Gremien
und Fachbeiräte

Dr. Livia Cotta
Eva-Maria Betz

Freundinnen und Freunde

Jana Ewald (-111)
Verena Duentsch
Freundinnen und Freunde
Ulrike Cichon (-112)

Frauenrat
Fachbeirat Studienwerk
Fachbeirat Nord-Süd
Fachbeirat Europa/Transatlantik

Interne Revision
Susanne Raukamp
Christa Drießen

Gemeinschaftsaufgaben

Geschlechterdemokratie
Henning von Bargen

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Interkulturelles Management/
Diversity
Mekonnen Mesghena

Projekt Fiona
Dr. Kristina Heße
Nisveta Seho
Katja Hamel

Internationale Zusammenarbeit

Politische Bildung Inland

Leitung: Steffen Heizmann

Leitung: Peter Siller

Sandra Jackson
Ina Bogusz (-302)

Petra Stegemann (-248)
Andrea Mesch, Vertretung: Carmen Herzog

Internationale Politik
Regionalreferat Asien
Dr. Heike Löschmann
Leitung: Katrin Altmeyer
Joanna Barelkowska, Simone Zühr Jost Pachaly
Petra Zimmermann, Ella Soesanto,
Internationale Umweltpolitik
Clemens Kunze, Inka Bosch
Lilia Fuhr

Björn Ecklundt
Kristin Funke, Annette Kraus

Büro Bangkok:
Manfred Hornung

Internationale Agrarpolitik
Dr. Christine Chemnitz
Sonja Kundler, Inka Drewitz

Büro Islamabad (zuständig auch
für Afghanistan):
Marion Müller

Außen- und Sicherheitspolitik
Gregor Enste
Stephanie Mendes Candido

Büro Neu Delhi:
Dr. Axel Harneit-Sievers

Demokratieförderung
Claudia Rolf
Ulrike Seidel
Regionalreferat Afrika
Leitung: Kirsten Maas-Albert
Beate Adolf, Nicola Egelhof,
Nils Stelling

Büro Kapstadt:
Layla Al-Zubaidi
Büro Nairobi:
Katrin Seidel
Büro Abuja:
Christine K
Regionalreferat Nahost und
Nordafrika

Leitung: Dr. Antonie Nord
Jan-Bauke Baumann
Birgit Arnhold, Sandra Nenninger,
Michaela Birk, Niko Pewesin

Büro Phnom Penh:
Ali Al-Nasani
Büro Peking:
Christina Sadeler

Büro Rio de Janeiro:
Dr. Dawid Bartelt
Büro Santiago de Chile:
Dr. Ingrid Wehr
Regionalreferat EU/Nordamerika
Leitung: Dr. Sergey Lagodinsky
Dr. Christine Pütz
Ewa Peteja, Sigrid Lukoschus,
Christian Schwöbel, Sabine
Hämmerling

Büro Brüssel:
Klaus Linsenmeier

Philipp Antony

David Handwerker
Sozialpolitik
Dorothee Schulte-Basta

Lisa Beier
Migration und Diversity
Mekonnen Mesghena

Programmteam II
(Schwerpunkt: Ökologische Wende)
Ökologie und Nachhaltigkeit
Dorothee Landgrebe, Vertretung:
Dr. Stefanie Groll
Rita Hoppe, Zoha Aghamehdi
Wirtschaft und Finanzen
Ute Brümmer
Monika Steins
Kommunalpolitik und
Stadtentwicklung
Sabine Drewes
Andrea Meinecke

Büro Belgrad:
Dr. Andreas Poltermann

Büro Thessaloniki:
Olga Drossou

Büro Moskau:
Jens Siegert

Büro Warschau:
Irene Hahn-Fuhr

Büro Kiew:
Dr. Kyryl Savin

Büro Washington:
Bastian Hermisson

Büro Tbilisi:
Nino Lejava

Eike Botta-Venhorst
Kulturpolitik und Neue Medien

Steuerung und Evaluierung
Julia Scherf
Kirsten Dagane, Murat Pekün,
Angelika Rössler, Ruth Kleefisch,
Liliya Deryn, Barbara Assheuer,
Renate Eisape, Birgit Glaw

Christian Römer

Büro Ramallah:
Dr. René Wildangel

Büro Zagreb:
Vedran Horvat

Büro Beirut:
Dr. Bente Scheller

Büro Mexiko-Stadt:
Annette von Schönfeld

Büro Prag:
Eva van de Rakt

Büro Tel Aviv:
Kerstin Müller

Büro Rabat:
Dr. Dorothea Rischewski

Petra Tapia, Ines Thomssen, Iciar
Oquinena, Julia Ziesche

Programmteam I
(Schwerpunkt: Demografischer Wandel)
Bildung und Wissenschaft

Regionalreferat
Ost- und Südosteuropa
Leitung: Walter Kaufmann
Gudrun Fischer, Robert
Sperfeld, Nina Happe,
Alexander Formozov,
Ulla Niehaus

Büro Sarajevo:
Mirela Grünther-Decevic
(bis 04/15)

Büro Tunis:
Joachim Paul

Regionalreferat Lateinamerika
Leitung: Ingrid Spiller

Büro Istanbul:
Dr. Ulrike Dufner (bis 04/15)
Kristian Brakel (ab 05/15)

Qualitätsmanagement und
Evaluierung
Christiane Dilger

Programmteam III
(Schwerpunkt: Digitaler Wandel)
Demokratie
Dr. Anne Ulrich

Karin Lenski, Maria Lüdtke
Gesellschaftspolitik
Michael Stognienko

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Politische Bildung Inland

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Studienwerk

Inhalt mit Links

Unternehmensdienste
Kommunikation

Leitung: Peter Siller

Haushalt und Finanzen

Leitung: Annette Maennel

Leitung: Patrick Berg

Petra Stegemann (-248)
Bärbel Karger (-400)
Andrea Mesch, Vertretung: Carmen Herzog Kathrin Hohmann-Mehring

Natalie Kraneiß (-200)

Katrin Suwart (-141)

Grüne Akademie
Koordination: Dr. Anne Ulrich
Stephan Depping

Presse
Vera Lorenz
Michael Alvarez Kalverkamp

Hauptbuchhaltung
Uta Kehr
Ellen Deuse, Jan Schmidt

Online-Redaktion/Internet
Markus Reuter
Peggy Marquardt
Mirja Brücker
Sebastian Dörfler

Operative Finanzbuchhaltung
Michaela Krethe

Archiv Grünes Gedächtnis
Leitung: Dr. Christoph Becker-Schaum

Julia Bresgott, Robert Camp,
Anne Vechtel, Steffi Rönnefarth,
Eva Sander
Heinrich Böll Leben und
Werk (Köln)
Dr. Jochen Schubert
Markus Schäfer
Haus Langenbroich
Sigrun Reckhaus

Leitung: Dr. Ulla Siebert

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Studienförderung
Gabriele Tellenbach
Elsbeth Zylla
Kerstin Simonis
Anja Schleich
Birgit Kahlau
Angelika Steinborn
Malgorzata Lewandowska
Sabrina Anastasio
Christian Polzin
Promotionsförderung
Jutta Helm
Wilma Weber
Auswahlverfahren
Miriam Ries
Alumni-Programm
Dr. Janina Bach
Verbleibstudie (bis 04/15)
Dr. Janina Bach
Sabrina Horn

Lektorat
Bernd Rheinberg
Susanne Dittrich

Jutta Rickmann
Valerian Rautenberg
Marianne Brade
Hans-Jörg Wilhelm
Munkhzul Togmid
Silke Richter

Richtlinien
Layout/Marketing
Dr. Gerd Frickenhelm
Elke Paul, Lisa Kreutzer, Aygen
Schruoffeneger (Besucher gruppen)
Konferenzzentrum
Gundula Fienbork
Eva Klakl, Julia Reiter, Tini
Leonhardt, Sabine König,
Soumicha El Homri

Finanzen
Liette Thill

Gunda-Werner-Institut
Leitungen: Henning von Bargen und Birgitta
Hentschel
Susanne Diehr

Christiane Bornstedt
Christine Weiß
Francesca Schmidt

Weiterbildungsakademie
GreenCampus
Leitung: Christian NeunerDuttenhofer
Wolfgang Pohl (Kommunalpolitik)
Paulina Berndt (interne Weiterbildung)
Maria Pajonk, Barbara Heitkämper

IT/ Technische Dienste

Personal

Leitung: Bert Bloss

Leitung: Petra Nibbe

Martina Kulla (-170)
Server- und Netzbetriebe
Dietmar Grabbert
Gabriele Holländer
Bettina Schwarzlose
Christopher Golze
Lutz Melich
Petra Tesch

Personalbetreuung
Marzena Matuschak
Sabine Popielski
Swetlana Kuzjaev
Nadine Arendt
Peter Schneider
Sandra Franke

Technische Dienste
Martina Kulla, Annett Kretschmann, Aline Streciwilk, Mamadou
Lamine Hane

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Die Heinrich-Böll-Stiftung mit Sitz in Berlin-Mitte, ge- ihrer politischen Bildungsarbeit und als Ausdrucksform gesellgenüber dem Deutschen Theater, ist eine politische Stiftung schaftlicher Selbstverständigung.
Im Jahr 2014 vergab
und steht der Partei Bündnis 90/Die Grünen nahe. Die Stif- das Studienwerk der Heinrich-Böll-Stiftung 228 Stipendien
tung versteht sich als Agentur für grüne Ideen und Projekte, an Studierende und Promovenden neu.
Die Mitgliederals reformpolitische Zukunftswerkstatt und internationales versammlung, bestehend aus 49 Personen, ist das oberste
Netzwerk mit Partnerprojekten in rund 60 Ländern. Sie koo- Beschlussfassungsorgan und wählt u. a. den Vorstand.
periert mit 16 Landesstiftungen in allen Bundesländern.
Den hauptamtlichen Vorstand bilden z. Zt. Ralf Fücks und
Heinrich Bölls Ermutigung zur zivilgesellschaftlichen Einmi- Barbara Unmüßig. Die Geschäftsführung hat Dr. Livia Cotta
schung in die Politik ist Vorbild für die Arbeit der Stiftung. inne.
Die Satzung sieht für die Organe der Stiftung und
Ihre vorrangige Aufgabe ist die politische Bildung im In- und die hauptamtlichen Stellen eine Quotierung für Frauen sowie
Ausland zur Förderung der demokratischen Willensbildung, für Migrantinnen und Migranten vor.
Zur Zeit unterhält
des gesellschaftspolitischen Engagements und der Völkerver- die Stiftung Auslandsbüros in Belgien, in Polen, Tschechien,
ständigung. Dabei orientiert sie sich an den politischen Grund- der Türkei, Griechenland, Russland, Georgien, Ukraine, Boswerten Ökologie, Demokratie, Solidarität und Gewaltfreiheit. nien, Serbien, Kroatien, Israel, Libanon, dem Arabischen
Ein besonderes Anliegen ist ihr die Verwirklichung Nahen Osten, Tunesien, Marokko, Kenia, Nigeria, Südeiner demokratischen Einwanderungsgesellschaft sowie ei- afrika, Thailand, Myanmar, Kambodscha, Pakistan, Indien,
ner Geschlechterdemokratie als eines von Abhängigkeit und Afghanistan, China, Brasilien, Chile, Mexiko, El Salvador und
Dominanz freien Verhältnisses der Geschlechter.
Darü- in den USA.
Im Jahr 2014 standen der Stiftung circa
ber hinaus fördert die Stiftung Kunst und Kultur als Element 55 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln zur Verfügung.

Ausblick
2015
«Re:Claim Human Rights! Menschenrechte
einfordern – umsetzen – garantieren»

Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Die grüne politische Stiftung
Schumannstr. 8, 10117 Berlin
T 030–28 53 40
E info@boell.de

F 030–28 53 41 09
W www.boell.de

Unter diesem Motto wollen wir den Blick für
Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und
Menschenrechte im UN-Gipfeljahr 2015 schärfen
und die Wechselwirkungen verdeutlichen.
Mehr dazu unter:
www.boell.de/reclaimhumanrights
        
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